Sie sind auf Seite 1von 5

Politik und Ökonomie

VO Teil 1

WS 2018/19

MMag.a Dr.in Gabriele Michalitsch


Was ist Ökonomie?
• oikos (Haus) – nomos (Gesetz) – nemein (leiten, lenken) – Leitung des
Hauses
• vormoderne Ökonomie: oikos (Hauswirtschaft) – persönliche
Beziehungen, Lehen/Allmende, Autarkie/Bedarfsdeckungsprinzip
• moderne Ökonomie: Kapitalismus – Charakteristika:
• anonymer Markt, Privateigentum an Produktionsmitteln, Profit
• Marx: Arbeitskraft wird Ware – Arbeitsmarkt
• Dissoziation von Produktion/Reproduktion, von Privatem/Öffentlichem –
Trennung von Wohn- und Arbeitsstätte (kongruente Definition von
Geschlechtscharakteren – geschlechtliche Zuweisung der Sphären im 18. und
19. Jahrhundert – Ausschluss von Frauen aus Öffentlichkeit, Zuweisung des
Privaten – Öffentlich/Privat: bis in die Gegenwart soziale Beziehungen
regulierendes, gesellschaftliches Organisations- und Wahrnehmungsmuster,
Hierarchisierung)
2
Politik und Ökonomie
• Ökonomie zentrales Feld politischen Denkens: Platon: Politeia: wirtschaftliche
Bedürfnisse Grundlage der polis, Aristoteles: oikos als Basis der polis – Zugang zu
politischer Herrschaft
• Scholastik: gerechter Preis, Wucher
• Begriff Politische Ökonomie erstmals von Antoine de Montchréstien 1615 verwendet
(Traité de l’œconomie politique: Merkantilismus, Frankreich), Begriffsübertragung von
oikos auf Zentralstaat
• Jean-Jacques Rousseau, Discours sur l’économie politique (1755) (Beitrag zu Diderots und
d’Alemberts Encyclopédie):
„Ökonomie [...] bedeutete ursprünglich nur die weise und rechtmäßige Führung des Hauses zum Wohl der
ganzen Familie. [...] Es wird immer einen gewaltigen Unterschied geben zwischen der Führung eines Hauses, wo
der Vater alles selbst überschauen kann, und der Führung eines Staates, wo das Oberhaupt beinahe nichts, es sei
denn durch die Augen anderer sieht. [...] aus gutem Grund die öffentliche Ökonomie von der privaten Ökonomie
unterschieden, weil der Staat mit der Familie nichts weiter gemein hat als die Verpflichtung der Oberhäupter,
beide glücklich zu machen.“ (Rousseau 1977, S. 22-24)
3
Politische Ökonomie
• Begriffsverständnis:
• allgemein: Verknüpfung Politik und Ökonomie
• Klassische Ökonomie (ca. 1770-1870, Smith bis Marx)
• Marxistische Ökonomik
• Begriffssetzungen und -verschiebungen: Ab-/Ausgrenzung innerhalb
und zwischen Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften –
theoretische, wissenschafts- und wissenspolitische Kontroversen
• umkämpfter Begriff: Bedeutung von Begriffsbildung u. -verwendung,
besondere politische – und politikwissenschaftliche – Relevanz
• „Globalisierung“: Differenzierung von Politik und Ökonomie?
4
Übergang zum Kapitalismus
• Autarkie des oikos im Zuge der Proto-Industrialisierung („Industrialisierung vor der
Industrialisierung“ – Ausbreitung des Verlagswesen in ländliche Gebiete) unterminiert, erstmals
Überschüsse durch Nebenerwerb
• Formen gewerblicher Produktion im Übergang zum Kapitalismus:
• Verlagswesen: Verleger (Vorleger = Kaufmann) legt Rohstoffe (auch Werkzeuge) vor, nimmt
Fertigprodukte ab, Produktion für Weltmarkt
• Manufaktur: Zentralisierung, Kontrolle
• dominante Denkschulen im Übergang zum Kapitalismus:
• Merkantilismus: Reichtum = Gold = Macht des Fürsten – Ziel: Schatzbildung
• national divergierende Ausformungen: England: Merkantilismus (Kaufleute). Frankreich:
Colbertismus (Jean-Baptiste Colbert = Finanzminister von Ludwig XIV), Deutschland:
Kameralismus (Schatzkammer: camera)
• Physiokratie: Französische Aufklärer um François Quesnay (Leibarzt von Ludwig XV); Begriff
Physiokratie: „Herrschaft der Natur“, Landwirtschaft als Quelle des Wohlstands