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AlphaDaZ

Alphabetisierung und Grundbildung in Deutsch als Zweitsprache

Phoneme versus Grapheme –


Lautbasierte Alphabetisierung
mit Hier!-Alpha

Online Workshop 7, 05.09.2020, 14:00-15:30


Alexis Feldmeier García

• Alpha Bände 1-3

• Ressourcenorientierung

• Theoretische Grundlagen
• Phoneme/Grapheme, Basis-/Orthographeme
• Vokale
• Betonungsmuster Laden Sie bitte die Dateien runter:
• Silbenanalytischer Ansatz
• PDF-Gliederung und Musterlektion Nn
(Hier! Alpha 1)
• Hier! Alpha
• PDF-Übung Vokaltrapez
• Konzept
• Lautbasierter Ansatz
• Beispiel Lektion /n/

1
Hier! Das Lehrwerk und seine Komponenten

NEU Hier! Alpha 1-3

10/2020
11/2020

2
Frage

1. Wie lange unterrichten Sie schon?


2. Wie lange unterrichten Sie in
Alphabetisierungskursen?
3. Kennen Sie die Hier!-Reihe?
4. Kennen Sie den Vorkurs für
Zweitschriftlernende der Hier!-Reihe?
5. Kennen Sie schon Hier! Alpha 1?

Mündlichkeit und Schriftlichkeit


Schreiben Defizit
Lesen
Buchstaben/-gruppen
Grapheme
Sprechen Mehrfachgrapheme

Hörverstehen

Sehverstehen

Ressource

Laute
Phoneme
Komplexe Phoneme

3
Phonem: „kleinste, aus der Rede abstrahierte, lautliche Segmente
mit potentiell bedeutungsunterscheidender (distinktiver) Funktion.“
(Bußmann 1990: 576)

Graphem: „Buchstabe oder Buchstabenkombination, die einer


lautlichen Einheit entspricht, distinktive Einheit eines
Schriftsystems.“
(Kelz 2002: 12)

Aufgabe

1. Welche Schreibungen kennen Sie für


folgende Laute?
– „kurzer i-Laut“
– „f-Laut“

1. Schätzen Sie die Vorkommenshäufigkeit der


jeweiligen Schreibungen ein.

4
Zum /f/-Laut ist
<f> das
Zum kurzen und Basisgraphem.

Abb. aus Thomé (2019: 55-59)


ungespannten Andere
/i/-Laut ist <i> Schreibungen
das Basis- <v>, <ff>
graphem. Die sind Ortho-
seltenere grapheme.
Schreibungen
<ie> ist ein
Orthographem.

10

Die häufigste Schreibung zu einem


Phonem ist das Basisgraphem.

Alle anderen weniger häufig


vorkommenden Schreibungen sind die
Orthographeme.

11

5
Konsonanten: Basis- und Orthographeme
(Abb. aus Thomé 2019: 89-90)

Graphem Graphem
orientierter orientierter
Ansatz Ansatz

12

Band 1 Band 2 Band 3


Nn Dd Eu eu Äu äu
_e _en
Aa
T t _d
FfVv
JjYy
Öö
Gliederung
„Von A bis Z“ Von A bis Z
Aa Ii
A a ah aa WwVv Ö ö Öh öh
Uu Ss
Rr Ei ei ai Z z tz ts ds
Nn Ee
Ii Gg X x chs gs ks
Dd Rr ie/ei
Oo Mm _ie ih i K k C ck _g _ng
Ff Pp Ss Bb _nk
Ww Hh _s ß ss P p _b Qu qu

Gg Tt _d, _b, _g

ß Yy an der Vorkommens-
EeÄä Sch sch _er
E e eh ee Sp sp _r
Kk Bb
Vv Öö
häufigkeit der Grapheme
Ä ä äh St st Pf pf

Ll Xx orientierter Ansatz
ie/e e eh ee/e
Ll Au au ss ß
Jj Ää
Uu Ch ch ff pp tt ck
Z z Qu qu
U u Uh uh _ch ll mm nn rr
Sch sch Ü ü
A ah aa/a ä äh/äee
Ei ei ch
Mm Hh Ä ö ü äu
Eu eu _er
Oo Üy _h
O o oh oo Ü ü üh y _b _d _g
o oh/o u uh/u

13

6
Konsonanten: Basis- und Orthographeme
(Abb. aus Thomé 2019: 89-90)

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Zwischenfazit 1

• Der lautbasierte Ansatz orientiert sich an der Vorkommenshäufigkeit von Lauten und
von den dazu gehörigen Schreibungen.
• Häufige Laute werden zuerst eingeführt. Die häufigere Schreibungen (Basisgrapheme)
zu den jeweiligen Lauten stehen im Fokus.

• Der lautbasierte Ansatz zwingt dazu, alle Laute einer Sprache zu thematisieren: Das
komplexe vokalische System im Deutschen wird deshalb systematisch behandelt.
• Je nach Varietät sind die Vorkommenshäufigkeiten der Laute und Schreibungen
unterschiedlich: Eine begründete Abweichung vom Lehrwerk ist daher wichtig!

• Der Schwa-Laut wird in der Reduktionssilbe nicht immer gesprochen. Die


Vorkommenshäufigkeit des Schwa-Lauts ist bei verschiedenen Varietäten unterschiedlich.
• Aber die Reduktionssilbe zu erkennen, hilft bei der Schreibung des <e>.
• Der silbenanalytische Ansatz ist in der Alphabetisierungsarbeit wichtig.

15

7
Deutsche Vokale

/ə/

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Laden Sie bitte die Datei runter:


Aufgabe • PDF-Übung Vokaltrapez

Gehen Sie vom Schwa-Laut aus…

Wohin bewegt sich die Zunge von dieser


Position ausgehend, um die Vokale in
folgenden Wörtern zu artikulieren?

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8
Lange und kurze Vokale
(Dieling 2000: 11)

18

Vokalisches System

Hose

Kinder

19

9
Vokalisches System

Hüte
Miete
Ruhm
Rum
Mitte
Beet Hütte Boden
Höhle
Hose Bodden
Bett
Hölle

Kinder

Staat
Stadt

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Sprachliche Varietäten
Schwa:
– http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/SchwaAuslaut

Glottisschlag / Verschiebung der Sprechsilbengrenze:


– http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/Gegen%fcberGrenze

r-Varianten:
– http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/JuryR
– http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/RvorK
– http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/BombardementR

Kurzvokale (hier /i/):


– http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/KurzI

-ig: http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/IgAuslaut

s-Varianten:
– http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/SimAnlaut
– http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/SimInlaut

ä-Varianten: http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/LangAE

21

10
Sprachliche Varietäten: <i>-Laut

Quelle: http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/KurzI

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Band 1 Band 2 Band 3


Nn Dd Eu eu Äu äu Vokalisches
_e _en T t _d JjYy

„Von A bis Z“
Aa FfVv Öö System
Aa Ii
Hier! Alpha Band 1
A a ah aa WwVv Ö ö Öh öh
Uu Ss
Rr Ei ei ai Z z tz ts ds
Nn Ee
Ii Gg X x chs gs ks
Dd Rr ie/ei
Oo Mm _ie ih i K k C ck _g _ng
Ff Pp Ss Bb _nk
Ww Hh _s ß ss P p _b Qu qu

Gg Tt _d, _b, _g

ß Yy EeÄä Sch sch _er

Kk Bb E e eh ee Sp sp _r

Vv Öö Ä ä äh St st Pf pf
ie/e e eh ee/e
Ll Xx
Ll Au au ss ß
Jj Ää
Uu Ch ch ff pp tt ck
Z z Qu qu
U u Uh uh _ch ll mm nn rr
Sch sch Ü ü
A ah aa/a ä äh/äee
Ei ei ch
Mm Hh Ä ö ü äu
Eu eu _er
Oo Üy _h
O o oh oo Ü ü üh y _b _d _g
o oh/o u uh/u

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11
Zwischenfazit 2

• Der lautbasierte Ansatz orientiert sich an der Vorkommenshäufigkeit von Lauten und von den
dazu gehörigen Schreibungen.
• Häufige Laute werden zuerst eingeführt. Die häufigere Schreibungen (Basisgrapheme) zu
den jeweiligen Lauten stehen im Fokus.

• Der lautbasierte Ansatz zwingt dazu, alle Laute einer Sprache zu thematisieren: Das
komplexe vokalische System im Deutschen wird deshalb systematisch behandelt.
• Je nach Varietät sind die Vorkommenshäufigkeiten der Laute und Schreibungen
unterschiedlich: Eine begründete Abweichung vom Lehrwerk ist daher wichtig!

• Der Schwa-Laut wird in der Reduktionssilbe nicht immer gesprochen. Die


Vorkommenshäufigkeit des Schwa-Lauts ist bei verschiedenen Varietäten unterschiedlich.
• Aber die Reduktionssilbe zu erkennen, hilft bei der Schreibung des <e>.
• Der silbenanalytische Ansatz ist in der Alphabetisierungsarbeit wichtig.

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Betonungsmuster

„Die meisten deutschen Wörter enthalten einen zweisilbigen Trochäus, d.h.


sie umfassen eine betonte erste Silbe (Hauptsilbe) und eine zweite
unbetonte Reduktionssilbe […]. Dies trifft auf 90–95 % aller im Deutschen
vorkommenden Wörter zu […]; Abweichungen betreffen meist Lehnwörter
aus anderen Sprachen oder Funktionswörter […].“

(Guerrero Calle 2020: 30)


[Hervorhebungen A.F.G.]

Schwa

27

12
Sprachliche Varietäten: Schwa-Laut

Quelle: http://prowiki.ids-mannheim.de/bin/view/AADG/SchwaAuslaut

28

Silbenanalytischer Ansatz
(vgl. auch Pracht 2012; Röber 2009)

„In vielen Gegenden wird das Schwa in der Umgangssprache überhaupt


nicht gesprochen […]“

(Thomé 2019: 115)

„Die Reduktionssilbe wird mit e als Silbenkern verschriftet, unabhängig


davon, ob lautlich überhaupt ein Vokal auszumachen ist.“
(Bredel u.a. 2011: 104)

<e>

29

13
Betonungsmuster
in Anlehnung an Pracht (2012) und Röber (2009)

Hier! Alpha Band 1, S.30

Hier! Alpha Band 1, S. 54

30

Zwischenfazit 3

• Der lautbasierte Ansatz orientiert sich an der Vorkommenshäufigkeit von Lauten und von den
dazu gehörigen Schreibungen.
• Häufige Laute werden zuerst eingeführt. Die häufigere Schreibungen (Basisgrapheme) zu
den jeweiligen Lauten stehen im Fokus.

• Der lautbasierte Ansatz zwingt dazu, alle Laute einer Sprache zu thematisieren: Das
komplexe vokalische System im Deutschen wird deshalb systematisch behandelt.
• Je nach Varietät sind die Vorkommenshäufigkeiten der Laute und Schreibungen
unterschiedlich.
• Eine begründete Abweichung vom Lehrwerk (trifft auf nahezu alle Lehrwerke zu) ist daher
wichtig!

• Der Schwa-Laut wird in der Reduktionssilbe nicht immer gesprochen. Die


Vorkommenshäufigkeit des Schwa-Lauts ist bei verschiedenen Varietäten
unterschiedlich.
• Aber die Reduktionssilbe zu erkennen, hilft bei der Schreibung des <e>.
• Der silbenanalytische Ansatz ist in der Alphabetisierungsarbeit wichtig.

31

14
32

Lautbasierte Alphabetisierung
mit Hier! Alpha

• Systematische Behandlung des


deutschen Vokalsystems
• Systematische Behandlung des
Schwa-Lauts/der Reduktionssilbe
• Systematische Behandlung von
phonologischer Bewusstheit
• Systematische Verwendung moderner
Unterrichtsmethoden

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15
Hier! Alpha

• Lautbasiertes Prinzip orientiert sich


an der Mündlichkeit als Ressource.
• Die wiederkehrende
Aufgabenstruktur ist sehr klar.
• Inhalte und Personen sind
authentisch.
• Der aktive Charakter der Aufgaben
ist handlungsorientiert.
• Fester Protagonistenstamm über
alle Bände.

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Aufgabe

Schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis


von Hier! Alpha 1 an.

1. Wie sind die Lektionen


zusammengefasst?
2. Wie verhalten sich die Stationen dazu?
3. Was gibt es noch?

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16
Struktur des Lehrwerks

Aufbau in Modulen mit


• drei thematische
zusammenhängende Lektionen
– Willkommen
– Anmeldung
– Im Deutschkurs
– Einkaufen und Essen
– Beim Arzt
Themenbereiche
– Kinder und Familie
• abschließender Station, die ein
wiederholen sich in
wichtiges Thema der drei Lektionen Hier! Alpha 2 und 3
behandelt. und sind die Themen
• Laut- und Artikulationstabelle von Hier! Lehrwerk A1.1

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Aufgabe

1. Schauen Sie sich die Lektion zum /n/ an.

2. Verschaffen Sie sich einen Überblick über


die Struktur der Lektionen.

3. Skizzieren Sie kurz die Lektionsstruktur.

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Aufgabe immer lösbar
Einstieg auch ohne sprachliches
Sehverstehen Wissen
Welt- und Kontextwissen aktivieren

Einstieg über die Mündlichkeit.


Text nur als Hörtext.
Kein defizitorientierter Einstieg!

Präsentation der zwei


Chunks der Lektion
Einstieg in Aussprache/
phonologische Bewusstheit
über die Satzmelodie
Mündlichkeit: erstmaliges Nachsprechen

38

Schreibmotorik
Schwungübungen

Schreibmotorik
Grapheme schreiben

Schreibmotorik
Grapheme schreiben

Visuelle Differenzierung Alle Buchstaben aus


den zwei Chunks.

39

18
Beschäftigung mit den vier Lernwörtern
Sehverstehen
Einführung der vier Lernwörter

Hörverstehen
Selektives Hören der vier Lernwörter

Phonologische Bewusstheit
mit den vier Lernwörtern

In den Lernwörtern
Grapheme erkennen

Grapheme im Kontext
Der vier Lernwörter schreiben

Visuelle Differenzierung
der Grapheme

40

Variation der Chunks

Wiederholung der Chunks.

Wiederholung und Festigung der Chunks.


Wörter aus den Chunks
visuell differenzieren.

Wiederholung/Festigung der Chunks.


Mündlichkeit: erstmaliges Nachsprechen
der Chunks und Variationen.

Bastel- und Spielaufgaben


Lexik
Grammatik
Aussprache/phonologische Bewusstheit
Phoneme/Grapheme

41

19
Schreiben der Grapheme

Übungsseite
Schreiben der Grapheme im
Kontext der Chunks

Schreiben der Grapheme im


Kontext der Lernwörter.

Erste Beschäftigung mit Schreibschriften


Visuelle Erkennung der Lernwörter/Chunks

Schreibstrategie, weil
Wortbetonung lesen dieses „e“ kaum oder
„e“ in der Reduktionssilbe schreiben nicht immer gehört wird!

42

Schrittweises Einführung der


Arbeitsanweisungen
Später „Aufbauendes Lesen“

Grapheme im Kontext der


Chunks schreiben.

Wiederholung/Festigung der Chunks


Sätze nachschreiben.

Wiederholung/Festigung der Chunks


Sätze nachschreiben und ergänzen.

Kontextwissen/Realität
Lesen der Lernwörter in
Straßenschriften

43

20
DANKE
46

Literatur

• Bredel, Ursula; Fuhrhop, Nanna & Noack, Christina (2011). Wie Kinder lesen und
schreiben lernen. Tübingen: Franke Verlag.
• Bußmann, Hadumod (1990). Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Kröner
• Dieling, Helga (2000). Phonetik International. Deutsch. In: Hirschfeld, Ursula;
Kelz, Heinrich P.; Müller, Ursula (2000): Phonetik international. Grundwissen von
Albanisch bis Zulu. Grimma: Popp.
• Guerrero Calle, Santi (2020). Zweitschriftlernende in der deutschsprachigen
Schweiz. In 300 Kurslektionen Alpha und A1?. Dissertation an der Universität
Freiburg (Schweiz).
• Pracht, Henrike (2012). Schemabasierte Basisalphabetisierung im Deutschen:
Ein Praxisbuch für Lehrkräfte. Münster: Waxmann.
• Röber, Christa (2009). Grundlagen der Silbenanalytischen Methode.
Baltmannsweiler: Schneider Verlag.
• Thomé, Günther (2019). Deutsche Orthographie. Historisch, Systematisch,
Didaktisch. Oldenburg: isb-Fachverlag.

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