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Dozentin: Gabriele Groß

Tipps zur Fallbearbeitung


Hier einige Tipps, die ihnen das Bearbeiten und Lösen von Fällen erleichtern:

1. Sachverhalt:
Lesen sie sich zunächst den Sachverhalt sorgfältig durch und machen sie sich
eine Vorstellung davon, was sich ereignet hat. Am besten ist es, den
Sachverhalt zunächst völlig wertfrei zu erfassen.
Machen sie sich dann eine kleine Skizze, in der sie die Beteiligten Personen
und ihre Rechtsbeziehung zueinander darstellen, z.B.:
A→→→→→→→→→→ B
Kaufvertrag § 433 BGB

Enthält der Sachverhalt mehrere Ereignisse empfiehlt es sich eine kurze


Chronologie der Ereignisse beizufügen.

2. Fragestellung
Im Anschluss sollte der Sachverhalt nochmals anhand der Fragestellung
analysiert werden, z.B.:
B weigert sich den Kaufpreis zu zahlen. Hat A gegen B einen Anspruch auf
Zahlung des Kaufpreises?
A→→→→→→→→→→ B
Kaufpreis?

3. Anspruchsgrundlage
Die Frage ob A gegen B einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises hat,
lässt sich nur beantworten, wenn es eine Anspruchsgrundlage für dieses
Begehren gibt. Diese gilt es nun aufzufinden.
Exkurs: Anspruchsgrundlage ist eine gesetzliche Regelung, die einer
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bestimmten „Person“ (dem Anspruchsinhaber) einen bestimmten Anspruch


gegen eine andere „Person“ (Anspruchsgegner) gewährt.
Hier: Der Anspruch auf Kaufpreiszahlung ergibt sich aus § 433 Abs.2 BGB.

4. Vorrausetzungen

Jetzt beginnt die Arbeit am Sachverhalt:


Anhand des Sachverhalts muss nun geprüft werden, ob die Vorrausetzungen
für einen Kaufpreisanspruch bestehen. Diese sind:

 Bestehen eines Kaufvertrages zwischen A und B

Problematisch könnten hier sein:


- Vertragsabschluss, Nichtigkeit etc.

- Untergang des Kaufpreisanspruches, z.B.

- Leistungsverweigerungsrecht, § 320 BGG


- Gegenrechte des B, wie z. B. Minderung des Kaufpreises oder
Rücktritt vom Kaufvertrag. Hier muss geprüft werden, ob ggf. ein
Minderungs- bzw. ein Rücktrittsrecht (aus Mängelhaftung) besteht.

- Schlussendlich könnte der Anspruch auch verjährt sein, z.B. 438 BGB.

Zu beachten ist, dass nur die Punkte tatsächlich beschrieben werden sollen, zu
denen der Sachverhalt Anlass gibt. Bestehen keine Zweifel am
Zustandekommen des Kaufvertrages, so sollte z.B. kurz erwähnt werden,
dass es sich hier um einen Kaufvertrag handelt. Damit wird klar, dass man sich
hier im Kaufvertragsrecht befindet, z.B.:
„Zwischen A und B ist ein Kaufvertrag nach §433 BGB zustande gekommen.
Fraglich ist jedoch ob A gegen B noch einen Kaufpreisanspruch nach § 433
Abs.2 BGB hat, denn B hat mit seiner Erklärung vom…. den Rücktritt vom
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Kaufvertrag erklärt.
Ein Rücktrittsrecht des B könnte sich aus § 437. 440 BGB ergeben, wenn die
gekaufte Sache mangelhaft ist.
Ein Mangel liegt nach § 434 Abs.1 Nr.1 BGB vor, wenn sich die gekaufte Sache
nicht für die nach dem Vertrag vorausgesetzten Verwendung eignet.
In diesem Fall war zwischen A und B bei Vertragsabschluss vereinbart
worden…..“
Weiter erfolgt jetzt die Prüfung der weiteren Vorrausetzungen, wie zwei
fehlgeschlagene Nachbesserungsversuche, Weigerung des Verkäufers, sowie
Einhaltung der Gewährleistungsfrist.

5. Feststellung des Ergebnisses

Am Ende steht die Feststellung des Ergebnisses der oben angeführten


Prüfung und die sich daraus ergebende Rechtsfolge, z.B.
„Damit ist B wirksam vom Vertag zurückgetreten. B hat keinen Anspruch
auf Zahlung des Kaufpreises.“

Schlussbemerkung:
Unbedingt erforderlich ist, bei der Prüfung am Sachverhalt zu arbeiten
und nur die gestellte Frage zu beantworten. Eigene
Sachverhaltsvariationen nach dem Motto „Was wäre wenn“ oder sogar
das „Erfinden“ eines eigenen Sachverhalts z.B. „ Da A Vater von 3
Kindern ist….“, führen nicht zum Ziel, kosten unnötig Zeit,
verkomplizieren und verfälschen die gesamte Lösung.
Ein Tipp noch: Üben sie Falllösung anhand der kurzen Fälle in den
Checklisten. Wie bereits in den Lerntipps empfohlen, schreiben sie die
Falllösung handschriftlich auf. Es wird ihnen dann später, z.B. in der Klausur
leichter fallen.