Sie sind auf Seite 1von 2

Die Bundesrepublik Deutschland verfolgt außenpolitisch Interessen und Ziele, die sich aus

geografischen, historischen, kulturellen und weltpolitischen Gegebenheiten ableiten. In den


ersten zwei Jahrzehnten des Bestehens der Bundesrepublik war die Außenpolitik der Regierung
in Bonn ganz auf die Wiedererlangung der Souveränität und die staatliche Einheit ausgerichtet,
indem alle zur Erfüllung des Wiedervereinigungsgebots erforderlichen Regelungen getroffen
wurden; dies stand in Spannung zum politischen Willen der Deutschen Demokratischen
Republik und der Besatzungsmacht Sowjetunion. Dem Erreichen dieses Ziels ordnete die
Bundesregierung alle anderen Interessen unter, auch die Integration in die EWG und die NATO
sind letztlich als Mittel zum Erreichen der Wiedervereinigung anzusehen.

Erst nachdem sich in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre in Bonn die Einsicht durchsetzte, dass
die Vereinigung mit der DDR allenfalls langfristig zu erreichen sei und die Bundesrepublik mit
den Ostverträgen in den Jahren 1970 bis 1973 die interalliierten Grenzziehungen nach dem
Zweiten Weltkrieg ausdrücklich als rechtlich verbindlich sowie deren Unverletzlichkeit
bestätigte, konnte die Außenpolitik der Bundesrepublik neue Prioritäten setzen. Hierzu gehörten
in erster Linie das weitere Vorantreiben der europäischen Integration und die Förderung
außenwirtschaftlicher Interessen, später aber auch Ziele wie die weltweite Durchsetzung der
Menschenrechte und der Umweltschutz.

Seit 1990 bemüht sich die deutsche Außenpolitik verstärkt darum, in multilateralen
Entscheidungsprozessen wie denen der Vereinten Nationen, der OSZE, der Europäischen Union
und den G 20 einen ihrem Finanzierungsanteil an diesen Organisationen entsprechenden
politischen Einfluss zu gewinnen. Daneben wurde das Instrumentarium der deutschen
Außenpolitik seit dem Ende der 1990er Jahre durch die Auslandseinsätze der Bundeswehr
erweitert.

Die Außenpolitik wurde und wird erheblich geprägt durch die jeweiligen Außenminister der
jeweiligen Regierungskoalitionen (1949–1966: Schwarz-Gelb; 1966–1969: Große Koalition;
1969–1982: Sozialliberale Koalition; 1982–1998: Schwarz-Gelb; 1998–2005: Rot-Grün; 2005–
2009: Große Koalition; 2009–2013: Schwarz-Gelb; ab 2013: Große Koalition). Der
Außenminister gehörte meist der kleineren Koalitionspartei an und war seit 1966 in der Regel
Vizekanzler.

Bundesregierung
Innerhalb der Bundesregierung sind das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und das Bundesministerium der Verteidigung
primär außenpolitisch tätig. Da es allerdings heute kaum noch Politikbereiche gibt, in denen
keine internationale Abstimmung stattfindet, haben praktisch auch alle anderen
Bundesministerien außenpolitische Kontakte. Die Geschäftsordnung der Bundesregierung
(GOBReg) weist dem Auswärtigen Amt hierbei aber eine koordinierende Funktion zu. Nach §
11 GOBReg dürfen andere Ministerien ausländische Gäste nur nach Rücksprache mit dem
Auswärtigen Amt empfangen und internationale Verhandlungen nur mit Zustimmung des Amtes
führen. Zudem ist das Bundeskanzleramt über seine entsprechenden Spiegelreferate stets über
die außenpolitischen Aktivitäten der einzelnen Ressorts informiert und kann koordinierend
wirksam werden.

Deutscher Bundestag
Dem Deutschen Bundestag kommt vor allem die Rolle eines Kontrolleurs der Außenpolitik der
Bundesregierung zu. Diese Kontrolle findet zuallererst in den entsprechenden Fachausschüssen,
allen voran dem Auswärtigen Ausschuss statt. Nach Art. 59 GG ist eine Zustimmung des
Bundestags zu internationalen Verträgen notwendig, daran muss auch der Bundesrat beteiligt
werden, sofern ein Vertrag Zuständigkeiten der Länder berührt.
Nichtregierungsorganisationen
In Deutschland beschäftigen sich eine ganze Reihe von Nichtregierungsorganisationen auf
verschiedenste Weise mit Themen der Außenpolitik und den auswärtigen Beziehungen der
Bundesrepublik. Bei diesen Organisationen kann es sich um reine Think Tanks wie die Deutsche
Gesellschaft für Auswärtige Politik, Lobbying-Gruppen für spezielle Themen wie Amnesty
International oder Organisationen zur Förderung der bilateralen Beziehungen zwischen
Deutschland und anderen Staaten (z. B. die Atlantik-Brücke) handeln. Die Arbeitsmethoden und
die Ressourcen der Organisationen sind höchst unterschiedlich, den meisten ist aber gemein,
dass sie versuchen, den politischen Entscheidungsträgern im Bereich der auswärtigen Politik
alternative Informationsquellen zur Verfügung zu stellen und bemüht sind, die öffentliche
Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Westintegration
Die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren vom Verlust der Souveränität
und Staatlichkeit bestimmt, aus der sich als einziger Ausweg die Kooperation mit den Alliierten
anbot. Zur Bekämpfung der Not leisteten die Amerikaner im Rahmen des Marshallplans ab 1947
Aufbauhilfe für die Kohle- und Stahlindustrie. Nach der von den Amerikanern vorbereiteten
Währungsreform 1948 konnte der Wiederaufbau beginnen. 1948 drängte die Londoner
Sechsmächtekonferenz auf die Gründung eines westdeutschen Staates. Vom Juni 1948 bis zum
12. Mai 1949 dauerte die Berlin-Blockade durch die sowjetische Besatzungsmacht, gegen die
von den Westmächten eine Luftbrücke eingerichtet wurde, um die Bevölkerung der Stadt mit
Lebensmitteln und Kohle zu versorgen. Nachdem die Westalliierten die Deutschen aufgefordert
hatten, eine Verfassung zu konzipieren, tagten zunächst in der Rittersturz-Konferenz die
Ministerpräsidenten der Länder in der Trizone und dann der Verfassungskonvent. Infolgedessen
wurde 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet.

Der westliche Teil Deutschlands wurde dafür staatsrechtlich neu organisiert, im Grundgesetz
vom 23. Mai 1949 ein Entscheidungsspielraum für nationale Politik gewonnen und bei der
Gründung der NATO am 4. April 1949 in Washington eine deutsche Teilnahme diskutiert.
Zudem wurden aus den ausländischen Militärgouverneuren Hochkommissare. Im Rahmen der
Abkommen wurde am 21. September 1949 das Besatzungsstatut zur Kontrolle über Abrüstung,
Entmilitarisierung, Außenpolitik, Außenhandel, Devisenverkehr und Anwendung des
Grundgesetzes veröffentlicht. Im Petersberger Abkommen am 22. November 1949 behielten sich
die Alliierten konsularische Beziehungen, Demontagen und Entscheidungen über den Beitritt
Deutschlands zu Internationalen Organisationen vor.[9] Am 24. Oktober 1950 schlug Frankreich
eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft vor, um den Aufbau einer deutschen Armee zu
verhindern, konnte sich aber nicht durchsetzen. So entstand im Oktober desselben Jahres die
Dienststelle Blank im Bundeskanzleramt zur Vorbereitung der Wiederbewaffnung. Das Amt des
Außenministers übernimmt am 15. März 1951 der amtierende Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Nur einen Monat danach, am 18. April 1951, wurde die EGKS Basis für die Grundstoffindustrie
(Montanunion); die internationale Kontrolle über das Ruhrgebiet wurde aufgehoben. Ebenfalls
1951 wurde der Bundesgrenzschutz geschaffen, aus dem 1956 die Hälfte der Beamten in die
Bundeswehr eintrat. Im Jahre 1952 werden vor allem Folgen des Zweiten Weltkrieges bearbeitet:
So sah das Luxemburger Abkommen mit Israel vom 10. September 3 Milliarden DM für die
Eingliederung von 500.000 Flüchtlingen vor; Adenauer sah in diesen Vereinbarungen eine
Verbesserung der moralischen Position Deutschlands in der Welt. Schließlich wurden die
internationalen Beziehungen durch die Mitgliedschaft in der UNHCR und eine eigene Mission
bei den Vereinten Nationen in New York vorangetrieben. Unterstützt wurde dies durch das
Londoner Schuldenabkommen vom 27. Februar 1953, das die Voraussetzung für die deutsche
Kreditwürdigkeit und somit für internationale Geschäfte und Außenhandel schuf.