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Emilia Galotti, 2. Aufzug, 4.

Auftritt: Szenenanalyse und Unterschiede der


Ansichten und Wertvorstellungen von O. und C.
Odoardo äußert die Sorgen um Emilias verbleib, denn sie sollte eigentlich schon von der

Messe nach Hause zurückgekehrt sein, was ein Zeichen seiner Ungeduld ist. Da Odoardo

seinen zukünftigen Schwiegersohn – Graf Appiani - treffen will, bittet Claudia ihn darum,

noch etwas länger zu bleiben, um Emilia zu erwarten, da sie glaubt es würde sie ärgern,

wenn sie ihren Vater so knapp verpassen würde.

Daraufhin reden sie über Appiani und seine Pläne mit Emilia aufs Land zu ziehen, welche

Odoardo unterstützt. Er findet es gut, dass der Graf anstatt in der Stadt, und damit in der

Nähe des Prinzen zu bleiben, wegziehen möchte. Dies lässt darauf schließen, dass es sich

bei Odoardo um eine aufgeklärte Persönlichkeit handelt, da er das Hofleben kritisch

beurteilt. Seiner Ansicht nach könnte der Graf hier nur dienen und beim Prinzen schleimen,

während er auf seinem Stück Land unbehelligt vom Prinzen herrschen kann.

Claudia ist anderer Meinung, denn sie hätte es lieber, wenn der Graf in der Stadt bleiben

würde. Sie findet es nicht gut, dass sie Emilia als Tochter verliert. Odoardo kritisiert sie in

diesem Punkt und meint, dass Claudia nicht ihr eigenes Glück über das ihrer Tochter stellen

soll. Des weiteren macht er Claudia vorwürfe wegen der Emilias Erziehung in der Stadt und

nicht auf dem Land wo er die ganze Zeit war. Claudia meint daraufhin, dass Emilia und

Graf Appiani sich nur in der Stadt kennen lernen konnten. Dem stimmt Odoardo zu, ist aber
immer noch nicht von der Erziehung in der Stadt überzeugt.

Claudia ist nur teilweise aufgeklärt, da sie das Hofleben befürwortet, welches Odoardo aber

weiterhin verurteilt.

Odoardo erwähnt noch einmal, dass der Graf hier nach der Heirat ohnehin nichts mehr

erreichen könne. Da er Odoardos Tochter, Emilia, heiratet, und der Prinz ist nicht gut auf

Odoardo zu sprechen ist.

Claudia erwähnt daraufhin, dass der Prinz Emilia in der Kirche getroffen hat. Er sei

offensichtlich fasziniert von Emilia gewesen, habe sich lange mit ihr unterhalten und ihre

Schönheit immer wieder gelobt, ganz im Gegensatz zu dem, was Odoardo dachte.

Während Claudia bei dieser Schilderung entzückt ist, ist Odoardo fassungslos über Claudias

Naivität und wiederholt ihre Worte als elliptische Fragen und unterbricht sie sogar was ein

Zeichen seiner Fassungslosigkeit ist . Er hat außerdem eine große Angst davor, seine

Tochter an den Prinzen zu verlieren und wird am Ende des Gesprächs immer wütender.

Er verurteilt Claudia, da sie von dem Treffen nicht schon früher erzählt hat. Er beendet das

Gespräch aber an dieser Stelle um seiner Frau nicht verbal weh zu tun. Dann verlässt er das

Haus und geht zum Grafen.

Odoardo ist sehr diszipliniert und schätzt Frömmigkeit, Ehrlichkeit und Bescheidenheit.
Er ist zwar ein Patriarch, schätzt aber auch die Meinung seiner Frau und gibt auch nach,

obwohl er aufgeklärter als Claudia ist. So hat er auch die Stadterziehung geduldet, trotz

großer Einwende seinerseits, weil die Gefahr, die Moral aufzugeben, in der Stadt größer ist.

Er ist außerdem ein Mann strenger Tugend, was für ihn bedeutet, dass seine Tochter rein

bleiben soll, um seine eigene Reputation als Vater zu schützen, weshalb er sie letzten Endes

im Namen von zu unmenschlichen Normen gewordenen Grundsätzen tötet.

Er wacht über der Familie und versucht sie zu kontrollieren, weshalb er auch über Emilias

ausbleiben alles andere als erfreut ist.

Von Appiani ist er begeistert, er behandelt ihn wie einen Sohn: „Kaum kann ich’s

erwarten, diesen würdigen jungen Mann meinen Sohn zu nennen. Alles entzückt mich an

ihm“ (S. 21, Z. 9f). Er ist ein Verfechter der Heirat aus Liebe und ist deshalb doppelt erfreut

über die Wahl seiner Tochter.

Claudia indes wäre es lieber, da sie eine Affinität zum Hof besitzt, wenn Appiani am Hof

bleiben würde oder Emilia gleich denn Prinzen heiraten würde. Dies natürlich um ihr

eigenes Ansehen zu steigern, weshalb sie überhaupt darauf bestand in der Stadt zu leben um

nicht unbedeutend zu sein und zu verblühen. Erst als der Prinz Hettore versucht die

Hochzeit zu verhindern
stellt sie sich gegen ihn. Sie fürchtet den Argwohn von Odoardo und verheimlicht ihm

deshalb vieles, weshalb Odoardo erst in dieser Szene von dem Gespräch zwischen dem

Prinzen und Emilia erfährt.