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Nachhaltigkeit in Produktion und Logistik

Nachhaltigkeitsbewertung

In Abbildung NP 2.1 sind ausgehend von Punkt A die drei Grund-strategien der Nachhaltigen
Entwicklung eingezeichnet. Benennen Sie die drei eingezeichneten Strecken entsprechend der
vorliegenden Strategie. (3 Punkte)

 Punkt A Punkt B: Effizienzstrategie (+1P, Reproduktion)


 Punkt A Punkt C: Suffizienzstrategie (+1P, Reproduktion)
 Punkt A Punkt D: Konsistenzstrategie (+1P, Reproduktion)

Erläutern Sie im Folgenden was man unter der Effizienzstrategie versteht. Gehen Sie dabei auch auf
die Bedeutung des Maximum- und des Minimumprinzips ein. Ergänzen Sie Ihre Ausführungen mit
einer Erklärung des Rebound-Effekts und inwiefern dieser im Rahmen der Effizienzstrategie zu einem
Problem werden kann. Verdeutlichen Sie Ihre Erläuterungen mit Hilfe eines selbst gewählten Beispiels

 Bei der Effizienzstrategie wird das Verhältnis zwischen Input und Output verändert, d.h. es
erfolgt ein Sprung zu einer neuen Technik (im gleichen Technikkorridor)
 Dabei kann entweder das Minimumprinzip oder das Maximumprinzip verfolgt werden. Beim
Minimumprinzip soll der gleiche Output (Wirtschaftlicher Ertrag) mit minimalem Input (Aufwand
an Ressourcen und Umwelt) erzielt werden. (+1P, Anwendung) Beim Maximumprinzip soll bei
gleichem Ressourceneinsatz mehr Output erzeugt werden.
 Es wird jedoch lediglich die Effizienz und nicht die Effektivität berücksichtigt, d.h. der
Ressourceneinsatz wird ggfs. nicht reduziert, da aufgrund der gestiegenen Effizienz
insgesamt mehr Output erzeugt wird. Damit steigt ggfs. die insgesamt eingesetzte Menge an
Ressourcen. Hierbei spricht man vom Rebound Effekt. (+2P, Transfer)
 Ein Beispiel könnte die Senkung des Kraftstoffverbrauchs von Pkw sein. Hier kann mit dem
gleichen Kraftstoffeinsatz mehr Reichweite erzielt werden (Maximumprinzip). Als Resultat
werden jedoch auch mehr Strecken zurückgelegt, sodass die absolut verbrauchte Menge an
Kraftstoff ggfs. gleich bleibt bzw. sogar steigen kann. (+2P, Anwendung)

Untenstehende Abbildung NP2.1 stellt eine der Herausforderungen bei der Bewertung der
Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen, den Vergleich von Unternehmen mit unterschiedlichen
Wertschöpfungstiefen, dar. Vervollständigen Sie die Abbildung und erläutern Sie Stichwortartig, worin
die Herausforderung besteht.

 Wertschöpfung
 Erbrachte Wertschöpfung
 Ökologische Wirkung
 Entstandene ökologische Wirkung
 1)Ressourcengewinnung
 2)Aufbereitung und Veredelung
 3)Fertigung
 4)Verkauf und Vertrieb

 Unternehmen am Beginn der Wertschöpfungskette verursachen große ökologische Wirkung,


generieren aber nur geringe Wertschöpfung – im Gegensatz zu Unternehmen am Ende der
Kette
 Verkauf und Vertrieb können nicht ohne Ressourcengewinnung existieren, ein losgelöster
Vergleich wäre daher unfair.
Eine weitere Herausforderung bei der Bewertung der Nachhaltigkeits-leistung von Unternehmen
besteht in der Berücksichtigung der verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigen Entwicklung. In
diesem Kontext unterscheidet man zwischen den Konzepten der „Öko- bzw. Sozio-Effektivität“, der
„Öko- bzw. Sozio-Effizienz“ sowie der integrierten Bewertung aller Nachhaltigkeits-Dimensionen.
Grenzen sie diese Kategorien voneinander ab. Nennen Sie außerdem ein Verfahren, welches sowohl
die Wertschöpfung als auch die Treibhausgas-Emissionen in der Nachhaltigkeitsbewertung
berücksichtigt. (4 Punkte)

 Öko-Effektivität und Sozio-Effektivität zielen jeweils darauf ab, einen einzelnen Aspekt der
Nachhaltigen Entwicklung d.h. die Umwelt- oder Sozialverträglichkeit absolut zu verbessern
 Im Rahmen der Öko- und Sozioeffizienz wird die Verbesserung der Umwelt- und
Sozialverträglichkeit ins Verhältnis zur Wertschöpfung gesetzt (+1P).
 Integrierte Verfahren versuchen gleichzeitig alle drei Dimensionen der Nachhaltigen
Entwicklung zu berücksichtigen und diese nicht losgelöst voneinander zu betrachten (+1P).
 Beispiele für Methoden:
o Öko-Effektivität: KEA, MIPS, Carbon Footprint
o Sozio-Effektivität: Soziale Kennzahlen, SLCA
o Öko-Effizienz: BASF-Ökoeffizienz-Analyse, KEI
o Integration: SEEBALANCE, Sustainable Value Added

Für die Bewertung rein ökologischer Auswirkungen von Produkten und Dienstleistungen eignen sich
die Verfahren Ökobilanzierung und Carbon Footprint. Worin besteht der größte Unterschied der
beiden Verfahren? Welche Gefahr resultiert aus einer reinen Anwendung des Carbon Footprints?

 Ausschließliche Betrachtung von CO2-Äquivalenten beim Carbon-Footprint während


Ökobilanzierung mehrere Wirkungskategorien miteinbezieht
 Gefahr ist, dass ein Produkt mit einem kleinen CO2-Fußabdruck beim Carbon Footprint als
umweltfreundlich bewertet wird, obwohl es in anderen Wir-kungskategorien wesentlich
schlechter abschneidet.

Ein Unterschied zwischen der Öko- und der Sozialbilanz besteht in den Wirkungskategorien zur
Abschätzung der sozialen Auswirkungen des bilanzierten Objekts. Nennen Sie zwei mögliche
Wirkungskatego-rien, die im Rahmen der Sozialbilanz Anwendung finden können und zeigen Sie kurz
auf, wie man diese entsprechend messen könnte.

 Mögliche Wirkungskategorien:
o Arbeitsbedingungen
o Menschenrechte
o Gesundheit und Sicherheit
o Kulturelles Erbe

Arbeitsbedingungen kann man über Kinderarbeit oder Zwangsarbeit messen.

In der Vorlesung haben Sie ein Vorgehen zur Ordnung und Gewichtung der Wirkungskategorien bei
Ökobilanzierungen kennengelernt. Beschreiben Sie dieses Vorgehen kurz. Welche zwei Probleme
sind mit diesem Vorgehen verbunden? (4 Punkte)

 Ordnung und Gewichtung wird mit ökologischer Gefährdung und Distance-to-Target


entwickelt. (+2P - Reproduktion)
 Ökologische Gefährdung kann nicht genau vorhergesagt werden, da dies nur eine Schätzung
darstellt. Dazu verändert sich das Wissen der ökologischen Gefährdung, woraus sich die
Reihenfolge verändert. (+1P, Transfer)
 Distance-to-Target kann lokal anders als global bewertet werden, woraus sich Zielkonflikte
entwickeln können. (+1P, Transfer)
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Bilanzarten besteht darin, dass zur Erstellung der
Sozialbilanz bislang kein allgemeiner Standard existiert. Nennen Sie zwei Herausforderungen, die bei
der Erstellung einer Sozialbilanz bestehen. Greifen Sie für Ihre Erläuterungen jeweils auf ein selbst
gewähltes Beispiel zurück.

 Zahlreiche soziale Auswirkungen sind nicht quantifizierbar und damit nur schlecht messbar
z.B. soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Arbeitsbedingungen. Hier muss auf
Hilfsgrößen zurückgegriffen werden, die lediglich ein unzureichendes Bild der Wirklichkeit
vermitteln können und damit keine befriedigende Grundlage für eine vergleichende Bewertung
darstellen. (+1P,+2P)
 Die Bewertung verschiedener sozialer Kriterien ist von der geographischen Region abhängig.
So kann beispielsweise Kinderarbeit in einem europäischen Land als ein sehr schlechtes
Zeichen hinsichtlich der sozialen Nachhaltigkeit gewertet werden. In einem anderen Land, in
dem die Beschäftigung von Kindern Usus ist, wäre es aber z.B. nicht sozial nachhaltig, diese
nicht zu beschäftigen, da das Schicksal der gesamten Familie von diesem zusätzlichen
Einkommen abhängig ist. (+1P, +2P)

Sie wissen, dass das im Rahmen aller Nachhaltigkeitsbewertungen erzielte Ergebnis stark von den
getroffenen Annahmen hinsichtlich der Bilanzgrenzen abhängt. Wie sollen im Idealfall diese Grenzen
aussehen und warum? Welches Problem tritt auf, wenn Sie die Grenzen anders wählen würden?
Nennen Sie ein Beispiel (4 Punkte)

 Ziel ist eine „from the cradle to the grave Betrachtung“ (+1P) um alle Emissionen entlang einer
Prozesskette zu betrachten. (+1P).
 Betrachtet man nur bestimmte Lebenszyklusphasen, werden Emissionen in fehlenden Phasen
vernachlässigt und die Basis für eine ganzheitliche Entscheidung verzerrt. Am Ende kann
daraus eine falsche Entscheidung resultieren. (+2P)
 Beispiel E-Autos: Deutliche Vorteilhaftigkeit für E-Autos wenn man nur die Lebenszyklusphase
des Fahrens sieht und die besonders emissionsreiche Produktion (und Verwertung) ignoriert.
(+2P - Transfer)

Multikriterielle Entscheidungsfindung

Zunächst versuchen Sie, die Entscheidungssituation besser zu strukturieren. Sie wissen, dass man im
Rahmen von Entscheidungsmodellen zwischen der Zielfunktion und dem Entscheidungsfeld
unterscheidet. Bestandteile des Entscheidungsfelds sind die Handlungsalternativen, die Ergebnisse
sowie die Umweltzustände. Beschreiben Sie jeweils in einem Satz, was unter den jeweiligen
Bestandteilen zu verstehen ist. (3 Punkte)

 Handlungsalternativen: mögliche Entscheidungen (>2), die sich durch Entscheidungsvariablen


beschreiben lassen. (+1P, Reproduktion)
 Ergebnisse: Wertekonstellationen, die die Konsequenzen der Entscheidung-gen ausdrücken
und zur Zufriedenheit des Entscheiders beitragen. (+1P, Reproduktion)
 Umweltzustände: Konstellation von Parametern, auf die der Entscheider keinen Einfluss hat.

Nennen Sie die beiden Ziele, welche bei der Kriterienauswahl verfolgt werden. Diskutieren Sie
außerdem kurz, weshalb allgemein die Kriterienauswahl eine besondere Bedeutung für die
multikriterielle Bewertung hat.

 Ziel ist:
o Vollständige Abbildung der Entscheidungssituation
o Minimale Anzahl voneinander unabhängiger Kriterien
 Besondere Bedeutung:
o Mit der Auswahl der Kriterien kann die Lösung beeinflusst werden, da Kriterien
starken Einfluss auf die Lösung haben

Bei der Zielfunktion handelt es sich um die formale Darstellung einer Entscheidungsregel. Aus
welchen beiden Bestandteilen setzt sich eine Zielfunktion in der Regel zusammen? Nennen Sie die
beiden Bestandteile und beschreiben Sie jeweils, was man darunter versteht. Geben Sie außerdem
zwei beispielhafte Zielfunktionen an. (6 Punkte)

 Bestandteile der Zielfunktion:


o Präferenzfunktion (+1P, Reproduktion), die einzelnen Alternativen Präferenzwerte
eindeutig zuordnet (+1P, Reproduktion)
o Optimierungskriterium (+1P, Reproduktion), das angibt, welche Ausprägung für den
Präferenzwert angestrebt wird (+1P, Reproduktion)
 2 mögliche Zielfunktionen aus den folgenden (+2P, Reproduktion):
o Anstreben einer genau fixierten Ausprägung für den Präferenzwert (Fixierung)
o Anstreben einer Mindestausprägung für den Präferenzwert (Satisfizierung)
o Maximierung des Präferenzwertes
o Minimierung des Präferenzwertes
o Ordnung der Alternativen in einer Rangliste entsprechend des Präferenzwertes

Sie erinnern sich, dass es für eine multikriterielle Bewertung verschiedene Herangehensweisen,
nämlich MADM-Verfahren und MODM-Verfahren, gibt. Erklären Sie kurz woher die Abkürzungen
MADM und MODM stehen und welche grundlegende Idee sich jeweils dahinter verbirgt.

 Multi-Attribute-Decision-Making
 Auswahl einer Alternative aus einer begrenzten Anzahl von Alternativen mittels einer Vielzahl
von Attributen
 Multi-Objective-Decision-Making
 Gestaltung einer Alternative innerhalb eines kontinuierlichen Lösungsraums

Beschreiben Sie das Vorgehen der beiden ersten Schritte des PROMETHEE Ansatzes in jeweils
einem Satz. (2 Punkte)

 Schritt: Bestimmung der verallgemeinerten Präferenzfunktion für Kriterien (und Umwandlung


in Maximierungsaufgabe) (+1P)
 Schritt: Bestimmung des Gewichtungsvektors durch die relative Gewichtung aller Kriterien (in
sogenannten Paarvergleichen) (+1P)

Beschreiben Sie das Vorgehen der beiden ersten Schritte des AHP in jeweils einem Satz. (2 Punkte)

 Im ersten Schritt muss die Entscheidungssituation in einer Hierarchie abgebildet werden


 Im zweiten Schritt müssen durch den Entscheidungsträger alle Elemente mittels eines
Paarvergleichs im Hinblick auf die Relevanz zur nächsthöheren Ebene bewertet werden.

Welcher Unterschied ist Ihnen zwischen den Verfahren PROMETHEE I und II bekannt? Zeigen Sie
diesen kurz auf.
 PROMETHEE I betrachtet Ausgangsfluss (Stärkemaß) und Eingangsfluss (Schwächemaß)
separat für Entscheidungsunterstützung, während PROME-THEE II nur den Nettofluss
betrachtet.

PROMETHEE gilt als ein Verfahren der europäischen Schule. Dem gegenüber stehen die Verfahren
der amerikanischen Schule. Grenzen Sie die beiden Schulen unter Rückgriff auf 3 Aspekte
voneinander ab.

Mögliche Aspekte:

 Europäische Schule dient eher der Unterstützung der Entscheidung als der Vorwegnahme der
Entscheidung
 Bei der Europäischen Schule wird vom erweiterten Präferenzbegriff ausgegangen, d.h. auch
schwache Präferenz und Unvergleichbarkeit findet Berücksichtigung.
 Es erfolgt keine vollständige Kompensation von schlechten durch gute Zielerreichungsgrade.

Geben Sie kurz drei Gründe an, warum allgemein eine multikriterielle Bewertung für entsprechende
Entscheidungssituationen genutzt werden kann. (3 Punkte)

 Verschiedene Kriterien (+1P, Reproduktion)


 Verschiedene Anspruchsgruppen (+1P, Reproduktion)
 Unterschiedliche, teilweise konfliktäre Ziele und Bewertungsvorstellungen

Diskutieren Sie außerdem kurz, warum MADM-Verfahren häufig MODM-Verfahren bei


Entscheidungen im Kontext der Nachhaltigkeit vorgezogen werden. (2 Punkte)

 Bei Entscheidungen im Kontext der Nachhaltigkeit können meist keine Alternativen, wie bei
MODM, gestaltet werden. Dagegen wird meist eine der vorhandenen Alternativen ausgewählt.