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Makroökonomie DEF

industrie führt. Die Unternehmen der Verbrauchs oder sogar berbeschäftigung. Die Löhne und Ge
güterindustrie werden eine Anpassung ihrer Kapa hälter der Arbeitnehmer sowie die Preise steigen. Es
zitäten durch Erweiterungsinvestitionen (Anschaf besteht die Gefahr der Inflation.
fung zusätzlicher Maschinen zur Produktion von
Fernsehgeräten) an die gestiegene Nachfrage insbe Branchenkonjunktur, das Auf und Ab der wirt
sondere dann vornehmen, wenn sie die Steigerung schaftlichen Entwicklung in einem bestimmten
der Nachfrage als langfristig ansehen und ihre Ka Wirtschaftsbereich wie der Automobilindustrie, der
pazitätsgrenze bereits erreicht haben. chemischen Industrie, dem Maschinenbau, der
Die Kapazitätserweiterung in der Konsumgüterin Bauwirtschaft oder dem Einzelhandel.
dustrie führt dann wiederum zu höheren Investitio Deflation, Prozess stetiger Preissenkungen in der
nen in der Investitionsgüterindustrie (Hersteller von Volkswirtschaft, d. h., Waren und Dienstleitungen
Maschinen zur Produktion von Fernsehgeräten), da werden fortwährend billiger. Deflation liegt vor,
in diesem Wirtschaftsbereich die Maschinen und wenn der gesamtwirtschaftlichen Gütermenge eine
Anlagen hergestellt werden, die von der Verbrauchs zu geringe Geldmenge gegenübersteht, die Gesamt
güterindustrie benötigt werden. Eine höhere oder nachfrage also geringer ist als das volkswirtschaftli
verminderte Nachfrage der Verbraucher nach Kon che Gesamtangebot. Die Deflation entsteht z. B. als
sumgütern führt also nicht nur zu Veränderungen im Folge einer übermäßigen Verringerung der Geld
Bereich der Industrie für Konsumgüter, sondern menge durch einschränkende, geldpolitische Maß
auch in der Investitionsgüterindustrie. Der jeweilige nahmen der Zentralbank, durch hohe Einfuhrüber
Konjunkturverlauf wird durch diese Zusammenhän schüsse, die mit dem Abfluss von Geldmitteln in das
ge verstärkt bzw. beschleunigt. Ausland verbunden sind, oder durch die berpro
Binnenwert, die Kaufkraft (siehe dort) des Geldes duktion von Gütern. Die Folge ständiger Preissen
im Inland, d. h. der Tauschwert des Geldes beim kungen sind geringere Gewinnerwartungen der Un
Kauf von inländischen Gütern. ternehmen, deren Investitionsbereitschaft nachlässt
und die Senkung der Güterproduktion z. B. durch
Bodensatzarbeitslosigkeit, Sockelarbeitslosig Betriebseinschränkungen wie Kurzarbeit oder
keit, Restarbeitslosigkeit, die Arbeitslosigkeit, die durch die Schließung ganzer Standorte bewirkt. Die
unter günstigsten konjunkturellen Bedingungen und Arbeitslosigkeit steigt und führt zu Einkommens
bei geringstmöglicher friktioneller Arbeitslosigkeit verlusten, die Nachfrage nach Konsumgütern
nicht abzubauen ist. Bodensatzarbeitslosigkeit ent schrumpft und die Steuereinnahmen des Staates
steht z. B. durch Arbeitslose, die keinen Arbeits sinken. Die gesamte Wirtschaftsleistung verringert
platz mehr finden, weil sie relativ kurz vor der Ren sich zunehmend. Eine Deflation tritt meist zusam
te stehen oder wegen gesundheitlicher Probleme men mit einer wirtschaftlichen Depression auf und
nicht vermittelbar sind; weiterhin dadurch, dass verlangt somit grundsätzlich wirtschaftspolitische
nicht jeder Arbeitslose zur Aufnahme jeder Tätig Gegenmaßnahmen, d. h. Maßnahmen zur Steige
keit bereit ist oder nicht jeder Arbeitssuchende für rung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Defla
jede Arbeit anforderungsgerecht qualifiziert ist. In tionäre Tendenzen sind viel seltener als inflationäre
soweit ist Bodensatzarbeitslosigkeit fast identisch Tendenzen.
mit der von den Monetaristen beschriebenen natür
lichen Arbeitslosigkeit, die allerdings auch die frik Deflator, Maßstab für die Inflation, der das Ver
tionelle Arbeitslosigkeit umfasst. hältnis des nominalen Bruttoinlandsproduktes (sie
he Kapitel 1) eines Jahres zum realen Bruttoinlands
Boom, Hochkonjunktur, Prosperität, eine Kon produkt darstellt. Im Unterschied zu anderen Preis
junkturphase (siehe dort), in der die wirtschaftliche indizes wie dem Verbraucherpreisindex für
Aufwärtsbewegung einen Höhepunkt erreicht. In Deutschland (siehe Kapitel 1) beruht der BIP Defla
der Hochkonjunktur herrscht ein hohe Güternach tor nicht auf einem festen Warenkorb (siehe Kapi
frage, die Produktionskapazitäten der Unterneh tel 1), der jedes Jahr gleich bleibt, sondern bewertet
men sind voll ausgelastet. Die Unternehmen haben alle in der Volkswirtschaft in dem berechneten Jahr
Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitnehmer am Ar produzierten Güter und Leistungen. Er ist damit ein
beitsmarkt zu finden; es herrscht Vollbeschäftigung Preisindex (siehe dort) auf breiter Grundlage, mit

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