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Aufsatz Rechtstheorie I Reine Rechtslehre

Hans Kelsen und die Reine Rechtslehre


Prof. Dr. Andreas Kley und Dr. Esther Tophinke, Bern und Lausanne

1930 folgte Kelsen einer Berufung an die Univer-


sität Köln, da er in Wien wegen seiner ideologiekrit-
Die Reine Rechtslehre von Hans Kelsen (1881-1973) sehen Grundhaltung und der Verteidigung liberal-
hat wie kaum eine andere juristische Theorie weltweit antiautoritärer Verfassungsprinzipien in Bedrängnis
Beachtung gefunden. Kelsen gilt als der bedeutendste geraten war. In die Kölner Zeit fällt die Auseinander-
Vertreter des sog Rechtspositivismus des 20. Jahrhun- setzung Kelsens mit Carl Schmitt, welche sich um die
dert. Er befasste sich als Wissenschaftler jedoch nicht Frage drehte, wer »Hüter der Verfassung« sein sollte.
nur mit Rechtstheorie, sondern auch mit Verfassungs- Während Schmitt den Schutz der Verfassung einem
und Völkerrecht. Daneben setzte er sich ein Leben mit diktatorischen Vollmachten .ausgestatteten Reichs-
lang in ideologiekritischen Arbeiten mit verschiedenen präsidenten überantworten wollte, trat Kelsen für
Gerechtigkeits- und Naturrechtslehren, mit politischen rechtsstaatliche Prozeduren und für die Demokratie
Theorien (Demokratie, Sozialismus, Bolschewismus ein. Nach der nationalsozialistischen Machtübernah-
usw) und mit soziologischen Fragen auseinander. Sein me musste Kelsen 1933 seiner jüdischen Abstammung
breites Betätigungsfeld und seine Wirkung haben ihm wegen aus Deutschland fliehen. In Genf, am Institut
den Ehrentitel »Jurist des Jahrhunderts« eingebracht.' Universitaire des Hautes Etudes Internationales, fand
Hans Kelsen wurde am 11.10.1881 als Erstes von er bis 1939 eine Zufluchtsstätte. Von 1936 -1939 war
vier Kindern in Pr ag geboren und wuchs nach der er zudem Professor an der Deutschen Universität in
Übersiedlung der Familie (1883) in Wien auf. 2 Er Prag.
stammte aus einer jüdischen Familie. Sein Vater be- 1940, mit fast 60 J ahren, emigrierte Kelsen in die
saß eine kleine Lampenfabrik. Bereits als Gymnasiast USAund begann noch einmal eine Universitätskarrie-.
befasste sich Kelsen mit den philosophischen Schrif- re. Er lehrte zunächst in New York, dann an der Har-
ten Platons, Artistoteles', Schopenhauers und Kants. vard Law School und von 1942 bis 1952 an der Uni-
Nach Ablegung der Reifeprüfung wollte Kelsen zu- versity of California in Berkeley. 1945 erlangte Kelsen
nächst Philosophie, Mathematik und Physik studieren. die amerikanische Staatsbürgerschaft. Bis zu seinem
Er entschloss sich jedoch aus praktischen Gründen Tod am 19.4.1973 beschäftigte sich Kelsen mit seiner
und ohne Begeisterung zum Studium der Rechts- und Strukturtheorie des Rechts aber auch mit Fragen der
Staatswissenschaften. Kelsen habilitierte sich 1911 internationalen Friedens- und Rechtsordnung. Sein
an der Wiener Juristischen Fakultät mit dem Werk Kommentar zur Charta und zum Recht der UNO gilt
Hauptprobleme der Staatsrechislehre, entwickelt aus noch heute als Standardwerk. 1971 wurde das von
der Lehre vom Rechtssatze. Der Titel seiner Habilita- der österreichischen Bundesregierung gestiftete Hans
tionsschrift deutet bereits das Programm der Reinen Kelsen-Institut in Wien gegründet.
Rechtslehre" an, nämlich die Probleme von Recht und . Kelsen war bis zu seinem Tod im 92. Altersjahr im
Staat mit Hilfe des Rechtssatzbegriffes einheitlich und Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und hinterließ ein
wissenschaftlich zu erfassen. umfangreiches Gesamtwerk von mehr als 600 Publi-
1918 wurde Kelsen an der Wiener Juristischen Fa- kationen. Zu seinen wichtigsten Werken gehören ne-
kultät zum außerordentlichen und 1919 zum ordentli- ben der bereits erwähnten Habilitationsschrift die 1.
chen Professor ernannt. Er lehrte Staatsrecht (Verfas- und die 2. Aufl der Reinen Rechtslehre (1934 und
sungsrecht) und Allgemeine Staatslehre als »Staats- 1960), Sozialismus und Staat (1923), Allgemeine
rechtslehre« und bot Seminare zur Rechtsphilosophie Staatslehre (1925), Vom Wesen und Wert der Demo-
und zur Theorie der Rechtswissenschaft an. Während kratie (2. Aufl, 1929), Was ist Gerechtigkeit? (1953),
zehn Jahren galt Kelsen als der eigentliche »Papst« Principles of International Law (1966), Allgemeine
der Wissenschaft vom öffentlichen Recht an der Wie- Theorie der Normen (1979), Die Illusion der Gerechtig-
ner Fakultät. Als akademischer Lehrer versammelte keit (1985).
Kelsen eine Reihe von Schülern um sich, so etwa Adolf
Merkl und Alfred Verdross, aus deren Kreis sich die
Wiener Schule der Rechtstheorie herauskristallisierte.
Kelsen war maßgeblich an der Ausarbeitung der
neuen Bundesverfassung der Republik Österreich von
1920 beteiligt, welche in den Grundzügen auch heu- 1 Dreier in: Heinrichs ua (Hrsg), Deutsche Juristen jüdischer Herkunft,
te noch gilt. Namentlich die Einrichtung einer echten 1993. 5 705 ff
Verfassungsgerichtsbarkeit geht auf seine Initiative 2 Zur Biografie: Metall Hans Kelsen: Leben und Werk. 1969
3 Kelsen Reine Rechtslehre, 1. Auf!, 1934 (im folgenden RR, 1. A); 2. Aufl,
zurück. Von 1921-1930 war er selber Richter am 1960 (im folgenden RR, 2. A); Kelsen Was ist die Reine Rechtslehre?, in:
Verfassungsgerichtshof. FS Giacometti, 1953,5143 ff (im folgenden WRR)

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Reine Rechtslehre I Rechtstheorie Aufsatz

2. Die »Reinheit« der Reinen Rechtslehre f?"~;j hypothetisch-gedankliche Voraussetzung für die Er-
kenntnis des Rechts. Fast provokativ ist - vorausset-
Kelsen verfolgt mit seiner Reinen Rechtslehre das Ziel, zungsgemäß - das Verhältnis der Reinen Rechtslehre
aus der Rechtswissenschaft eine echte Wissenschaft, zur Gerechtigkeit und zu den Grundsätzen einer ge-
eine Geistes-Wissenschaft zu machen. Sie soll eine ra- rechten politischen Ordnung (8.). Hier setzt die Kritik
tionale Wissenschaft vom positiven Recht werden und an (9.).
das durch menschliche Akte gesetzte Recht untersu-
chen. Dabei behandelt sie das Recht als ein vom Men-
schen erzeugtes Phänomen als solches. Es geht Kelsen 3. Rechtswissenschaft und Rechtspolitik j,~:~;'~B
nicht um eine bestimmte, konkrete Rechtsordnung.
Er orientiert sich dabei an einem Wissenschaftsideal, Kelsen versteht unter Rechtswissenschaft die objekti-
das von Objektivität und Exaktheit, Klarheit und Ein- ve Erkenntnis des positiven, durch menschliche Akte
deutigkeit ausgeht: 4 Der Erkenntnisgegenstand des (Gewohnheit, Rechtsetzung, Rechtsprechung) gesetz-
Rechts soll nicht vom Werturteil des erkennenden ten Rechts. Er möchte die formale Struktur des Rechts
Subjektes beeinflusst werden. Zentral ist die Frage, untersuchen und zwar unabhängig von seinem Inhalt.
was und wie das Recht ist, nicht aber wie es inhaltlich Die Rechtswissenschaft beruht auf objektiven Metho-
ausgestaltet werden oder in welchem Verfahren es den, welche das Ergebnis der wissenschaftlichen Be-
erzeugt werden soll." Unabhängig von seinem wech- tätigung als wahr oder falsch ausweisen. Die Rechts-
selnden Inhalt, den das Recht zu verschiedenen Zeiten politik befasst sich mit der Erzeugung und der Anwen-
und an verschiedenen Orten angenommen hat, soll dung des Rechts durch menschliche Willensakte. Der
die typische Struktur des Rechts untersucht werden. Inhalt des Rechts beruht auf der willensmäßigen und
Kelsen will die Rechtswissenschaft nicht aber das werte-verwirklichenden Gestaltung der gesellschaftli-
Recht von allen ihr fremden Elementen, insb derpoU- chen Ordnung, die sich an der Gerechtigkeit und an-·
tischen Ideologie reinigen oder befreien." Ein solcher deren Werten orientieren. 10
wissenschaftlicher Begriff des Rechts wird sich vor al- Die Trennung von Rechtswissenschaft und Rechts-
lem auf die Frage der Struktur der Rechtssatzes, des politik ist unerlässlich, weil die Rechtswissenschaft
Stufenbaus der Rechtsordnung und der Erzwingbar- von allen Werten oder negativer ausgedrückt von allen
keit als besonderes Charakteristikum des Rechts kon- Ideologien und politischen Inhalten frei sein soll. Die
zentrieren. objektive, wissenschaftliche Methode setzt diese Tren-
Ansätze zu einer von moralischen, ethischen und nung von Recht und Politik voraus. Denn die Rechts-
politischen Inhalten freien Rechtswissenschaft tau- erzeugung und Rechtsanwendung sind von Wertur-
chen interessanterweise bereits bei Immanuel Kant teilen getragene Entscheidungen. Als solche haben sie
auf. Für Kant ist es - wie bei Kelsen - folgerichtig, einen emotional-subjektiven Charakter. Eine objektive
dass die Erzwingbarkeit ein notwendiger Bestandteil Erkenntnis und Begründung von Werten der Gerech-
des Rechtsbegriffes Ist.' Kelsen steht in der Tradition tigkeit ist nach Kelsen nicht möglich. Seine eigene po-
der Neukantianer, welche in Analogie zu den Natur- litische und ideologische Position ist der Werterela-
wissenschaften versuchen, auch in den Geisteswissen- tiuismus." der den verschiedenen Wert-Positionen ihr
schaften reine, apriorische und formale Gesetzlichkei- Dasein lässt und diese als wissenschaftlich nicht be-
ten herauszukristallisieren. Dabei steht ein Wissen- gründbar erachtet.
schaftsideal im Vordergrund,· welches sich strikt an
Objektivität und Wertfreiheit orientiert und heute als
veraltet gilt.' In seinem späteren Werk, bereits in der 4. Rechtswissenschaft (Sollen) und Naturwis-
zweiten Auflage der Reinen Rechtslehre, hat sich Kel- sensch aft (Sein) f~'Y~:~~:;U:~\;;n~i{,:~~:,,,:~:')::'.tt~~tf:~f;i5:·~:gj'(f;C2';;~~!fTt;:!.~[g~;:;
sen vom Neukantianismus immer mehr entfernt und
Veränderungen an der Reinen Rechtslehre vorgenom- Gegenstand der Rechtswissenschaft ist die Rechts-
men." norm als Fundamentalbegriff aller Rechtserkenntnis.
Die Substanz der Reinen Rechtslehre wird beson- Als Methode wendet die Rechtswissenschaft die Logik
ders deutlich, wenn man ihre Positionen in Gegensatz-
begriffen darstellt. Auf diese Weise soll ihr Verhältnis
zu folgenden Antinomien untersucht werden:
4 VglVorwort RR, 1.A, 5 11I
liI Rechtswissenschaft und Rechtspolitik (3.) 5 VglRR, 2. A, 5 1
l!l Rechtswissenschaft (Sollen) und Naturwissenschaft 6 Vgl RR, 2.Aufl, 5 11I, S 1;WRR, S143f
(Sein) (4.) 7 Vgl Kant Metaphysik der Sitten, Einleitung in die Rechtslehre, Reclam-
Ausgabe, 1990, § E,5 69 .
11 Recht und Moral (5.) 8 Grundlegend zum Neukantianismus: E. Kaufmann in: ders Rechtsidee
m Rechtspositivismus und Naturrechtslehre (6.) und Recht, 1960,5 176 ff
9 Vgl Paulson Vorwort zum Neudruckder 1. Aufl der Reinen Rechtslehre,
1994,SVllf
Sodann ist auf die zentrale Lehre von der Grundnorm 10 Vgl WRR, 5 1S2f
einzugehen (7.); es handelt sich bei dieser um eine 11 Vgl RR, 2.A (Anhang), S402f;WRR, 5 153

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Aufsatz Rechtstheorie I Reine Rechtslehre

an: Sie unterwirft die Rechtssätze einer logischen Die Rechtswissenschaft hat nicht die Aufgabe, eine
Analyse. Sie stellt die Voraussetzungen fest, unter de- bestehende Rechtsordnung zu legitimieren. Dagegen
nen Aussagen über Rechtspflichten, Berechtigungen, kann die Moral als Legitimierung oder als Disqualifi-
Rechtshaftung, Rechtssubjekte, physische und juristi- zierung einer bestimmten Rechts- oder Staatsordnung
sche Personen usw überhaupt möglich sind. Rechts- gebraucht werden, was unter Umständen politisch
normen regeln ein menschliches Verhalten in dem gute Dienste leistet.
Sinne, dass ein bestimmtes Verhalten sein soll, dass Der Reinen Rechtslehre geht es um Wahrheit und
sich ein Mensch in bestimmter Weise verhalten soll. um Erkenntnis des wirklichen Rechts. Sie will das
Kelsen versteht das Recht als eine Sollens-Ordnung Recht darstellen, wie es ist. Sie will das positive Recht
menschlichen Verhaltens." Die Rechtsordnung ist nicht bewerten, es nicht als gerecht legitimieren oder
eine Zwangsordnung, sie reagiert auf unerwünschtes als ungerecht disqualiflzieren." Sie fragt nach dem
menschliches Verhalten mit einem Zwangsakt, einem wirklichen und möglichen, nicht nach dem gerechten
Übel oder einer Sanktion. Sie entzieht etwa Leben, Recht. Die Reine Rechtslehre will keinen politischen
Freiheit, wirtschaftliche und andere Güter oder wen- Interessen dienen, indem sie eine Ideologie liefert.
det nötigenfalls physische Gewalt an. Ideologien verhüllen und verschleiern die Wirklich-
Die Reine Rechtslehre beschreibt den Gegenstand keit, weil sie machtpolitische Interessen verfolgen.
der Rechtswissenschaft, die Rechtsnormen, in der
Form von Rechtssätzen. Das Urschema des Rechts-
satzes ist nach Kelsen konditional: Wenn ein Unrecht 6. Rechtspositivismus und Naturrechtslehre ;'
begangen wird, soll eine Unrechtsfolge (Sanktion) ein-
treten. Unter den von der Rechtsordnung bestimmten Unter »Recht« versteht Kelsen also das geltende Recht
Bedingungen soll ein bestimmter Zwangsakt erfolgen. als ein System von Normen, die durch menschliche
Ein bestimmtes menschliches Verhalten soll dadurch Willensakte gesetzt worden sind. Dieses Recht wird
herbeigeführt werden, dass an das gegenteilige Ver- durchgesetzt und physisch erzwungen. Die Inhalte
halten ein gesellschaftlich organisierter Zwangsakt des Rechts sind nicht Gegenstand der Reinen Rechts-
geknüpft wird. Sprachlich handelt es sich um ein hy- lehre; diese können beliebig sein. »Gerechtigkeit« ist
pothetisches Urteil, in dem eine bestimmte Bedingung. eine Frage des Inhalts des Rechts mit der sich die
mit einer bestimmten Folge verknüpft wird. Reine Rechtslehre voraussetzungsgemäß - und nicht
Die Rechtswissenschaft ist eine Normwissenschaft; etwa weil sie das Thema ablehnt oder negiert -
sie befasst sich' mit Normen und Rechtssätzen, deren nicht beschäftigt. Die Reine Rechtslehre steht damit
Eigengesetzlichkeit ein Sollen ist. Kelsen versteht un- diametral der Naturrechtslehre gegenüber. Die Na-
ter Sollen ein formales Verknüpfungselement zweier turrechtslehre geht von einem Dualismus zwischen
Tatbestände in der Form einer Zurechnung, die durch einem idealen, natürlichen, gerechten und unverän-
einen menschlichen Willensakt geschieht: Wenn A ist, derlichen Recht aus, das nicht von Menschen gesetzt
soll B sein." Rechtssätze sind daher Sollsätze. Die Na- wurde und einem realen, von Menschen geschaffe-
turwissenschaft auf der anderen Seite stellt kausale nen positiven Recht. Das positive Recht gilt nach der
Gesetzmäßigkeiten in der Natur fest: Wenn ein Metall Naturrechtslehre nur, wenn es mit dem idealen, ge-
erwärmt wird, dehnt es sich aus. Diese kausale Ver- rechten Recht übereinstimmt: Nur gerechtes Recht
knüpfung ist unabhängig von einem menschlichen hat Gültigkeit.16
Willensakt, denn sie beschreibt eine Gesetzmäßigkeit Nach Kelsen kann Recht nur positives, durch
des Seins und nicht des Sollens. menschliche Willensakte geschaffenes Recht sein. Der
Rechtspositivismus leugnet nicht, dass es auch Ge-
rechtigkeitsnormen gibt. Diese sind jedoch für die
Geltung des Rechts nicht von Bedeutung. Die Theorie
des Rechtspositivismus nimmt keine Bewertung ihres
Dem Recht und der Moral sind gemeinsam, dass sie Gegenstandes vor. Rechtspositivismus geht von einem
beide soziale Normen statuieren, welche das gegen- Werterelativismus aus. Welche Gerechtigkeitsnormen
seitige Verhalten von Menschen regeln. Recht und für den Inhalt von Rechtsnormen ausschlaggebend
Moral können inhaltlich übereinstimmen. Deshalb sein sollen, ist eine politische Frage, die außerhalb
können sie nach ihrem Inhalt nicht unterschieden der Reinen Rechtslehre bleibt."
werden. Das Recht ist indessen eine Zwangsordnung , Kelsen wirft der Naturrechtslehre vor, einen fun-
es knüpft an unerwünschtes Verhalten einen organi- damentalen logischen Fehler zu begehen. Die Natur-
sierten Zwangsakt. Falls erforderlich, kommt es zur
Anwendung physischer Gewalt. Die Sanktion der Mo- 12 Vgl WRR, S 144f
ral besteht nur in Billigung des normentsprechenden 13 Vgl RR, 2. A, S 93
und der Missbilligung des normwidrigen Verhaltens, 14 Vgl RR, 2. A, 565
15 Vgl RR, 1.A, 5 17
die Anwendung physischer Gewalt kommt nach Kel- 16 Vgl RR, 2. A (Anhang), 5402
sen nicht in Betracht." 17 Vgl RR, 2.A (Anhang), 5403f

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Reine Rechtslehre I Rechtstheorie Aufsatz

rechtslehre behauptet. aus der Natur Normen ableiten de dieser Reihe von Grundnorm und erzeugten N01'-
zu können. Die Natur gehört jedoch zur Tatsachen- men folgt der Rechtsanwendungsakt,
welt, zum Sein und nicht zum Sollen. Tatsachen sind Kelsen unterscheidet zwischen einer Grundnorm
nach dem Kausalprinzip (Ursache-Wirkung) miteinan- mit materiell-statischem Charakter und einer solchen
der verknüpft. Es handelt sich um eine andere Gesetz- mit formal-dynamischem Charakter." Im materiell-
mäßigkeit als bei den Rechtsnormen. Aus einem Sein statischen Normerisystem gelten die Normen kraft ih-
kann kein Sollen und aus der Natur keine Norm abge- res Inhalts. Das von ihnen bestimmte Verhalten der
leitet werden. Wer aus der Natur Normen in der Form Menschen wird als gesollt angesehen. weil ihre Gel-
von Inhalten, Gerechtigkeitspostulaten (Werten) ablei- tung auf eine Norm zurückgeführt werden kann, de-
ten will. muss diese zuerst - auch unbewusst - in die ren Inhalt unmittelbar einleuchtend ist. Der Inhalt
Natur hineinprojizieren, anschließend kann man sie der die Ordnung bildenden Normen kann aus dem In-
als sog natürliches. vorgegebenes, unveränderliches halt der Grundnorm abgeleitet werden. Diese Ord-
Recht aus der Natur deduzieren." Nach Kelsen han- nung gilt hauptsächlich bei Moralsystemen. etwa bei
delt es sich um einen Trugschluss, weil die zu begrün- der Grundnorm der Wahrhaftigkeit. Daraus können
dende Gerechtigkeit nur behauptet, nicht aber objektiv Normen abgeleitet werden wie: Du sollst nicht lügen
und wissenschaftlich begründet werden kann. oder du sollst dein Versprechen halten.
Nach Kelsen ist die Rechtsordnung ein formal-dy-
namisches Normensystem. Die Rechtsnormen gelten
7. Lehre von der Grundnorm und vom Stu- nicht kraft ihres Inhaltes, sondern deshalb, weil sie
fenbau der Rechtsordn~ng C~'c; Ci;:~:.~.'~:~~"::·;.:·;;':;/:::'·\~:: auf bestimmte Weise erzeugt worden sind. Die Grund-
norm dieses Systems enthält eine Regel, die bestimmt.
Die letzte wissenschaftliche Begründung für das gel- wie die Normen der auf dieser Grundnorm beruhen-
tende Recht ist die sog »Grundnorm«. Diese ist nicht den Ordnung erzeugt werden sollen. Die Grundnorm
gesetzt. sondern wird gedanklich vorausgesetzt. Sie schafft gewissermaßen die Verbindlichkeit und den
bildet eine hypothetische Grundlage für die Geltung Sollens-Charakter des Rechts. Werden die Normen
der Rechtsordnung. »Sie verleiht dem Akt des ersten unterhalb der Stufe der Grundnorm auf die vorge-
Gesetzgebers und sohin allen anderen Akten der auf sehene Art und Weise erzeugt, gelten sie. Die einzel-
ihm beruhenden Rechtsordnung den Sinn des Sol- nen Normen können nicht logisch aus der Grund-
lens«." Es handelt sich um eine Annahme, die nicht norm abgeleitet werden, sondern müssen durch einen
beweisbar ist. Nur unter der Voraussetzung, dass die menschlichen Willensakt im vorgesehenen Verfahren
Grundnorm Geltung hat, gilt auch die auf ihr beru- erzeugt werden. Die Grundnorm liefert hier nur den
hende Rechtsordnung. Es handelt sich um eine Denk- Geltungsgrund. gewissermaßen die Verbindlichkeit.
figur, die einer positiven Rechtsordnung Normativität nicht aber den Inhalt der Rechtsnormen. Die Wil-
verleiht. lensakte der Menschen können die Rechtsordnung in-
Die vorausgesetzte Grundnorm gibt vor. wie die haltlich beliebig verändern und weiterentwickeln. Die
Normen einer Rechtsordnung erzeugt werden sol- Rechtsordnung hat hinsichtlich ihrer Entwicklung
len. Das Recht ist nämlich von einer Eigentümlichkeit einen dynamischen Charakter. Sie ist ein Erzeugungs-
geprägt: Das Recht regelt seine eigene Erzeugung zusammenhang, der sich auf seinen letzten Ursprung.
»und zwar in der Weise, dass die eine Rechtsnorm das die Grundnorm zurückführen lässt.
Verfahren, in dem eine andere Rechtsnorm erzeugt
wird«, regelt. 20 Dieser Prozess der Verweisung von
einer Rechtsnorm als Erzeugungsquelle auf eine an-
dere muss irgendwo enden. will man nicht eine un-
endliche Reihe von Rechtserzeugungsquellen in Kauf Für Kelsen ist das Wort »Rechtsstaat«, das heute mit
nehmen: Die Reihe endet bei der Grundnorm als der einem Schimmer von Heiligkeit umgeben ist. ein Pleo-
obersten Norm. nasmus. Für ihn ist - so provokativ das heute klingt-
Der Stufenbau der Rechtsordnung folgt aus der jeder Staat ein Rechts-Staat." Wie kommt Kelsen zu
Grundnorm. Es gilt nämlich die Regel, dass die Norm, dieser Aussage? Ein Staat ist gern Kelsen nichts an-
welche die Rechtserzeugung bestimmt. als die höhe- deres als eine relativ zentralisierte Rechts- und damit
re Norm gilt, währenddem die bestimmungsgemäß er- eine Zwangsordnung. Denn Staat und Recht sind iden-
zeugte Norm die tiefere Norm darstellt. Damit kommt tisch. Ein dem Recht nicht unterworfener Staat ist für
zwangslos der Stufenbau der Rechtsordnung zustan- Kelsen undenkbar. Der Staat ist nur in Staatsakten
de: Nach der Ur-Erzeugungsquelle der Grundnorm
folgt die Verfassung. Die Verfassung regelt wiederum
die Gesetzgebung. Sie bestimmt die Organe und das 18 Vgl RR, 2. A (Anhang), S405
Verfahren des Erlasses formeller Gesetze. Diese Ge- 19 Vgl RR, 1. A, 5 66
20 RR,1.A,574
setze bezeichnen weitere Rechtserzeugungsquellen. 21 Vgl RR, 1. A, 5 62 ff; RR, 2. A, 5 198 ff
namentlich die Verordnungen der Regierung. Am En- 22 Vgl RR, 2. A, 5 314

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Aufsatz Rechtstheorie I Reine Rechtslehre

existent und das sind von Menschen gesetzte Akte, die Reine Rechtslehre sei geeignet, jede effektive Zwangs-
dem Staat als juristischer Person zugeschrieben wer- und Machtordnung zu legitimieren und zu stabilisie-
den. Diese Zuschreibung basiert auf Rechtsnormen, ren, da sie eine Fundierung des Rechts in überposi-
die diese Akte bestimmen. Es ist das Recht, welches tiven Rechts-, Kultur- und Gerechtigkeitswerten ab-
das Verhalten von Menschen (und seien diese auch als lehne. Der Rechtspositivismus habe dazu beigetragen,
Staatsorgane tätig) und insb auch ihr auf die Erzeu- die Weimarer Republik auf legale Weise in das Ter-
gung des Rechts gerichtetes Verhalten regelt und sich rorregime des Dritten Reiches zu transformieren. 25
damit diese Menschen unterwirft. Der Staat wird da- Der Vorwurf, die Reine Rechtslehre Kelsens oder
bei als Fiktion ausgeblendet, da er nur durch Men- allgemeiner der Rechtspositivismus habe den Natio-
sehen handelt und die Reine Rechtslehre sich nur mit nalsozialismus gefördert, ist abwegig. Kelsen ist als li-
dem vom Recht bestimmten Menschen befasst. beraler Staatsrechtslehrer stets auf der Seite der Geg-
Da nach dem von der Reinen Rechtslehre vertre- ner Hitlers gestanden und hatte diese Haltung auch
tenen juristischen Staatsbegriff der Staat nichts ande- publizistisch bekräftigt." Der Rechtspositivismus war
res ist als eine Rechtsordnung, kann das Recht auch den Nationalsozialisten eher ein Hindernis als ein will-
nicht zur Legitimation und inhaltlichen Begründung fähriges Instrument. Seine enge Buchstabentreue ist
des Staates herangezogen werden. Recht wird dabei der von den Nationalsozialisten geforderten »unbe-
als das positive, von Menschen gesetzte Recht und grenzten Auslegungs" im Wege gestanden.
nicht als ein übergeordnetes, gerechtes, ideales Recht Der zweite Einwand hat allerdings insofern einen
begriffen. Deshalb ist auch der autokratisch regierte Kern von Richtigkeit, als Recht in einer so engen Bezie-
Staat ein Rechts-Staat.. Auch in ihm erzeugen Men- hung zur Gerechtigkeit steht, dass beim Wort »Becht«
schen als Staatsorgane das Recht; sie schaffen eine immer ein Aspekt von Gerechtigkeit mitschwingt. Es
Zwangsordnung, die sich definitionsgemäß als Rechts- besteht daher die Gefahr, dass totalitäre Regimes den
ordnung erweist. 23 Demgegenüber wird heute unter Begriff»Recht« für eigene Zwecke gebrauchen: Mit der .
Rechtsstaat nur eine solche Staatsform verstanden, Feststellung, dass jede denkmögliche Regelung Inhalt
welche bestimmte Merkmale aufweist, etwa Rechts- einer Rechtsnorm sein könne und dass eine Rechts-
sicherheit, Rechtsgleichheit, Willkürverbot, Gewähr- norm unabhängig vom Inhalt Geltung habe, wird diese
leistung von Freiheitsrechten, rechtliche Einbindung Theorie tatsächlich anfällig für Missbrauch. Es ist aller-
der Staatsmacht oder demokratische Regierungsform. dings wichtig, dass die Reine Rechtslehre nicht be-
Die Gegenüberstellung des Rechts-Staatsbegriffs von hauptet, es gäbe keine Gerechtigkeit oder diese sei
Kelsen mit dem heutigen üblichen Rechtsstaatsbegriff nicht wichtig. Die Reine Rechtslehre basiert auf der
zeigt die drastischen Unterschiede auf, die aus der Annahme, der Inhalt von Gerechtigkeit könne nicht auf
Ausscheidung jeder ethisch-moralischen Dimension dem Weg wissenschaftlicher Erkenntnis festgestellt
aus dem Recht resultieren. Kelsen.war sich dieser Ge- werden. Der Entscheid darüber, welchen Gerechtig-
genüberstellung immer bewusst. keitsnormen Geltung zukomme, sei vielmehr ein poli-
tischer. Von der Grundannahme dieses Werterelativis-
mus aus erscheint die Trennung von Recht und Ge-
9. Würdigung der Reinen Rechtslehre ;L·};':;:~~~;'..' rechtigkeit - bei der wissenschaftlichen Tätigkeit des
Juristen, nicht jedoch bei der politischen Entscheidfin-
Gegen Kelsens Reine Rechtslehre werden vor allem dung, wozu Kelsen neben der Erzeugung auch die An-
zwei Einwände vorgebracht:" wendung des Rechts zählt - als die logische Folge und
auch als ein Ausdruck intellektueller Redlichkeit. Kel-
(1) Die Reine Rechtslehre sei als juristische Lehre sen verfolgt mit seiner Reinen Rechtslehre in erster Li-
unbrauchbar, da sie die gesellschaftliche Wirklich- nie ein erkenntnistheoretisches Interesse.
keit ausblende und die sozialen, politischen, ökonomi- Die Reine Rechtslehre erscheint vordergründig auf
schen und sonstigen außerjuristischen Bezüge, Bedin- Grund ihrer wissenschaftstheoretischen Fundierung
gungen und Folgen des Rechts nicht berücksichtige. im Neukantianismus als ein überholter Versuch, na-
Die Reine Rechtslehre sei der Inbegriff der Entstoffli- turwissenschaftliche Ideale in die Rechtswissenschaft
chung und der Entleerung des Rechts, eine Rechtswis- einzuführen. Es liegt auf der Hand, das dieser Versuch
senschaft ohne Recht, eine Staatslehre ohne Staat. Die gescheitert ist. Allerdings lässt sich die Reine Rechts-
Reine Rechtslehre reduziere das komplexe Phänomen lehre nicht so leicht auf eine gewesene Tendenz inner-
des Rechts auf eine von jeder sozialen Realität abstra- halb der Rechtstheorie reduzieren. Sie hat vielmehr
hierende Normlogik. Die Reine Rechtslehre sei for-
malistisch, übersteigere ihr methodisches Prinzip und
23 Vgl RR, 2. A, 5 50f, 319 f
trenne auf künstliche Art und Weise zwischen Theorie 24 Vgl H. Dreier Rechtslehre, Staatssoziologie und Demokratietheorie bei
und Praxis, zwischen Recht und Realität. Hans Kelsen, 2. Aufl, 1990,519 ff; WRR, 5158
25 Vgl Radbruch in: ders Rechtsphilosophie, 1999,5211
26 Vgl Kelsen Vom Wesen und Wert der Demokratie, 1. Aufl, 1920, 2. Aufl,
(2) Der zweite Einwand bezieht sich auf die mittel- 1929; Dazu: A. Kley Liechtensteinische Juristen-Zeitung 2000, 16
baren politischen Folgen der Reinen Rechtslehre. Die 27 Vgl ROthers Die unbegrenzte Auslegung, 2. Aufl, 1973

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Jux oder Jus? I Informationen/Berichte

im. geistesgescbichtlichen Kontext gesehen eine Reihe Die Reine Rechtslehre stellt im. Rahmen des Rich-
wertvoller Punkte herausgestellt. tungsstreites innerhalb der Weimarer Staatsrechtsleh-
Das Recht lässt sich für Kelsen mit beliebigen In- re nachgerade das Zentrum der gesamten Debatte. Die
halten füllen. Diese Kontingenz des Rechts trifft sich klare Sprache und die konsequente Argumentation ha-
mit der Entwicklung der modernen Gesellschaft, die ben den Richtungsstreit erst richtig entfaltet, indem
ganz in die Richtung der Rationalisierung verläuft. Die sich der Widerspruch an der Reinen Rechtslehre sozu-
Rechtsetzung ist ein Mittel gesellschaftlicher Steue- sagen entladen konnte. Kelsen stand gewissermaßen
rung, das sich zu dauernd ändernden, ja fast beliebigen für die aus der deutschen Niederlage hervorgegange-
Zwecken instrumentalisieren lässt. Eine Rechtstheorie , ne, vernunftmäßig begründete Weimarer Republik. In
die von dem zunehmend trivialen Inhalt des Rechts" der Tat lassen sich seine konservativen Kritiker gewis-
Abstand nimmt, ist in der Tat nichts anderes als dem sermaßen um ihn herum einreihen, allen voran Garl
Forschungsgegenstand angemessen, Kelsen hatte die Schmitt." aber auch Rudolf Smend;" Heinrich Triepet"
spätere Entwicklung vorweggenommen, aber er lässt und andere. Der sozialdemokratisch orientierte Repu- .
es in seinem Werk gerade nicht damit bewenden. blikbefürworter Hermann Heller kritisiert an Kelsen
Die Inhalte des Rechts sind nach der Reinen Rechts- die »leeren Abstraktionen dieses nomokratischen Den-
lehre nicht eine Sache der Rechtswissenschaft, son- kens«," welche unter der wirklichkeitshungrigen Ju-
dern der Politik. Kelsen nimmt nun hier in seinen ideo- gend den Diktaturgedanken fördere. Er beschränkt
logiekritischen Arbeiten den Faden auf und untersucht sich damit auf den oben erwähnten ersten Einwand.
die Organisation der Politik, welche für die Inhalte des Die Reine Rechtslehre ist noch heute ein beeindru-
Rechts zuständig wird. Es ist namentlich seine groß- ckendes Geisteswerk, das konsequent und schlüssig
artige Verteidigungsschrift Vom Wesen und Wert der als Musterbeispiel eines auf die Spitze getriebenen und
Demokratie." welche es unternimmt, den in der Auf- damit überaus deutlich gewordenen Rechtspositivis-
klärung entwickelten Demokratiegedanken gegen vor- mus steht. Die moderne Rechtstheorie ist ohne sie
aufklärerische Rückfälle zu verteidigen. Kelsen steht nicht zu denken.
dabei in der Tradition der großen Werke der politi-
schen Ideengeschichte, etwa von Rousseau, Montee-
quieu, Locke und Paine. In einer mutigen und klaren
Sprache wendet er sich gegen den diktaturgetränkten
Zeitgeist und konzediert dem Parlamentarismus, dass 28 Vgl Luhmann Rechtssoziologie, 2. Aufl, 1983,5255
er die politischen Zustände jeweils auf einer »ver- 29 Siehe Fn26. In der Schweizgab es ähnliche Verteidigungsschriften ge-
gen die »frontistische« Agitation: Vgl Egger Diedeutsche Staatsumwäl-
nünftigen mittleren Linie gehalten« hat." Gerade diese zung und die schweizerische Demokratie, 1934
Mitte und damit die Abwesenheit extremer Situationen 30 Vgl Kelsen (Fn 26)531
ermöglicht 'es den Menschen am ehesten, ein Leben 31 Vgl RQthers in: Liechtensteinische Juristen-Zeitung 2000, 1 mit zahlrei-
chen Hinw
nach eigenen Vorstellungen, ganz iS liberaler An- 325mend Verfassung und Verfassungsrecht, 1928, 52, 4f, 13, 17 usw.
schauungen zu führen. Man kann Kelsen im Kontext 5mend wollte den juristischen Formalismus Kelsens um die materialen
seines Gesamtwerks alles andere vorwerfen, als dass Gehalte erweitern, die "Voraussetzungund Gegenstandseiner Normen
sind« (55) .
er mit seiner Reinen Rechtslehre ein beliebiges und 33 Vgl Triepel DieStaatsverfassungund die politischen Parteien, 1927
damit auch ein stoßend ungerechtes Recht ermögliche. 34 Heller Rechtsstaatoder Diktatur?1930,5 11