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Fallbuch

Biochemie
Timo Brandenburger
Tido Bajorat
III

.&

Georg Thieme Verlag


Stuttgart  New York

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Aus Brandenburger, T., T. Bajorat: Fallbuch Biochemie (ISBN 9783131401915) © 2006 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
Timo Brandenburger Wichtiger Hinweis: Wie jede Wissenschaft ist die
Wilnsdorfer Straße 65 Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen. For−
57299 Burbach schung und klinische Erfahrung erweitern unsere
Erkenntnisse, insbesondere was Behandlung und
Tido Peter Bajorat medikamentöse Therapie anbelangt. Soweit in die−
Geroldstraße 63 sem Werk eine Dosierung oder eine Applikation
33098 Paderborn erwähnt wird, darf der Leser zwar darauf vertrauen,
dass Autoren, Herausgeber und Verlag große Sorgfalt
darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem
Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes ent−
spricht.
Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Ap−
plikationsformen kann vom Verlag jedoch keine
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ISBN 978−3−13−140191−5 men.

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Vorwort
Vorwort

We shall not cease from exploration ist somit unsere Antwort auf die Frage, wie
And the end of all our exploring man Biochemie erlernen kann. Das Fallbuch
Will be to arrive where we started Biochemie eignet sich in besonderer Weise
And know the place for the first time.“ zum Erlernen und Vertiefen des Faches, kann
(T.S. Eliot) aber naturgemäß kein ausführliches Lehrbuch
ersetzen.
Ist Biochemie ein trockenes Fach und schwie− Bedanken möchten wir uns bei Frau Dr. Pe−
rig zu verstehen? Müssen Studierende der tra Fode vom Georg Thieme Verlag, ohne die
Medizin alle Enzymnamen und Stoffwechsel− das Projekt Fallbuch in der Vorklinik nicht
wege auswendig lernen? Ist die Biochemie le− realisiert worden wäre. Ein besonderer Dank
diglich die noch schwierigere Verlängerung gilt Frau Dr. Lydia Bothe vom Georg Thieme
der oftmals ungeliebten Chemie aus Schulta− Verlag, ohne deren unermüdlichen Einsatz V
gen? Umfragen unter Medizinstudierenden das Buch nicht in dieser Form erschienen wä−
bestätigen diese Sichtweisen. Wir denken, re.
dass dies nicht so sein muss. Als Dozenten Kritische klinische Anmerkungen verdanken
für Biochemie haben wir über viele Jahre un− wir Dr. Hans Otto Wagner, Frank Zehrden, Dr.
mittelbar erfahren, dass die Probleme mit der Tatjana Land, Dr. Franz Josef Schlüter, Dr. Ralf
Biochemie eng mit der Frage Wie kann man Kröning und Dr. Markus Wegmann. Wissen−
Biochemie erlernen?“ verbunden sind. schaftliche Hilfestellung verdanken wir Prof.
Durch die Verknüpfung der Biochemie mit Dr. Klaus Preissner, Prof. Dr. R. Lill, Prof. Dr. G.
klinischen Fallbeispielen zeigt sich, welchen Aumüller, PD Dr. B. Wilhelm, Prof. Dr. J. Seitz
Nutzen der Medizinstudent aus dem Lernin− und Prof. Dr. Alfred Völkl. Allen sei ein herz−
halt für seine spätere ärztliche Tätigkeit zie− liches Dankeschön ausgesprochen.
hen kann. Neben einer besseren Vorbereitung Mehr noch als andere Bücher soll dieses
auf den Arztberuf, erhöht dies den Spaß am Fallbuch den Wünschen und Vorstellungen
Lernen und erleichtert damit den Zugang zur der Studenten der Medizin entgegenkommen.
Biochemie. Daher findet sich in der aktuellen Kritische Vorschläge und Stellungnahmen der
Approbationsordnung eine engere Verknüp− Leser, aber auch Lob sind daher mehr als er−
fung der vorklinischen Grundlagenfächer mit wünscht.
den Fächern der Klinik. Im Gegenstandskata−
log zur Ärztlichen Vorprüfung/Erstem Staats− Kassel und Paderborn, im September 2006
examen wurden den einzelnen Themen An−
wendungsbeispiele mit klinischem Charakter“ Timo Brandenburger und Tido Bajorat
beigefügt. Somit werden auch die schriftli−
chen und mündlichen Prüfungen in der Vor−
klinik einen stärkeren Bezug zur klinischen
Praxis erfahren.
Das vorliegende Fallbuch nimmt diesen Ge−
danken auf und bietet dem Vorkliniker die
Möglichkeit, die Biochemie selbständig an−
hand von klinischen Fällen zu erarbeiten.
Durch die prägnante Darstellung der Sachver−
halte trägt es dazu bei, das umfangreiche Fach
in greifbare Lerneinheiten zu unterteilen. Das
zeitgemäße didaktische Konzept des Fallbuchs

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Inhaltsverzeichnis
nach Fa
llen

Fall Seite Beschreibung

1 1 62−Jähriger mit erhöhtem Blutglukosespiegel bei Diabetes mellitus

2 2 18 Monate alter Junge mit Knochendeformierungen bei Vitamin−D−Mangel

3 3 32−Jähriger mit Prionenerkrankung durch abnorm gefaltete Proteine

4 4 45−Jähriger mit reduzierter T−Lymphozytenzahl bei AIDS

5 5 35−jährige Patientin mit Blässe und Müdigkeit bei Eisenmangelanämie

6 6 Molekularbiologische Arbeitsmethoden im Rahmen einer Doktorarbeit

7 7 12−jähriger Junge mit Muskelschwäche bei Mitochondrienerkrankung

8 8 Säugling mit Klitorishypertropie und erhöhtem 17a−Hydroxyprogesteron

9 9 Frühgeborenes mit Atemnot bei Surfactant−Mangel

10 10 56−Jähriger mit Leberversagen durch Infektion mit Hepatitis−B−Virus

11 11 35−Jähriger mit Hämolyse bei Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase−Mangel

12 12 3−Jährige mit Gedeihstörung durch unzureichende Nährstoffaufnahme

13 13 42−Jähriger mit b−Blockertherapie wegen erhöhten Blutdrucks

14 14 Mädchen mit Nachtblindheit bei Vitamin−A−Mangel

15 15 Säugling mit gestörtem Phenylalaninabbau bei Phenylketonurie (PKU)

16 16 Neugeborenes mit Glykogenspeicherkrankheit

! = Schwieriger Fall
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Fa
17 17 Therapie der Tuberkulose mit einem Transkriptionshemmstoff

lle
18 18 43−jähriger Mann mit Blausäure−Vergiftung

19 19 Säugling mit wiederholten Infektionen bei angeborenem B−Zell−Defekt

20 20 18−jährige Patientin mit Verhütungswunsch

21 21 68−Jährige mit Müdigkeit und Sensibilitätsstörungen bei Vitamin−B12−Mangel

22 22 26−jähriger Patient mit Lipidspeicherkrankheit

23 23 Alkoholiker mit erhöhter Porphyrinausscheidung im Urin

24 24 Bewusstloser Patient mit künstlicher Aminosäurenzufuhr

! 25 25 78−Jähriger mit Untergang von Hirngewebe bei Schlaganfall

26 26 Sonnenanbeterin“ erkundigt sich über DNA−Schäden durch UV−Strahlung


VII
27 27 Neugeborenes mit Ikterus bei Pyruvatkinasemangel

28 28 59−Jährige mit Muskelkrämpfen und erniedrigtem Serum−Kalziumwert

29 29 6−Jährige mit verlängerter Blutungszeit bei von−Willebrand−Jürgens−Syndrom

30 30 Beratung bzgl. einer Folsäureprophylaxe vor Eintritt einer Schwangerschaft

31 31 Säugling mit Fruktoseintoleranz

32 32 73−Jährige mit erhöhtem Granulozytenwert bei Entzündung

33 33 Kind mit erhöhtem Ammoniak im Blut bei Ornithin−Transcarbamylase−Mangel

34 34 65−Jähriger mit vergrößerten Akren bei Wachstumshormonüberschuss

35 35 Patientin mit Zwölffingerdarmgeschür durch Helicobacter pylori

36 36 Junge mit Störung der Peroxisomen bei Adrenoleukodystrophie

37 37 8−Jähriger mit Defekt im Purinstoffwechsel bei Lesch−Nyhan−Syndrom

38 38 Patient mit alkoholtoxischer Fettleber durch gestörten Fettsäureabbau

39 39 2 Studenten nach Einnahme des Schmerzmittels ASS

40 40 74−Jährige mit Thrombose und Therapie mit Vitamin−K−Antagonisten

41 41 4−Jährige mit erhöhter Homozystinkonzentration im Plasma

42 42 Neugeborenes mit Galaktosämie

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Fa
43 43 7−Jährige mit Überdehnbarkeit der Haut bei Ehlers−Danlos−Syndrom
lle

44 44 63−Jähriger mit ACE−Hemmer−Therapie wegen erhöhten Blutdrucks

45 45 17−Jähriger mit erhöhtem Kupfergehalt im Urin bei Morbus Wilson

46 46 46−jährige Patientin mit erhöhtem Bilirubin im Serum und Ikterus

47 47 Therapie mit einem Translationshemmstoff bei Pneumonie

48 48 Junger Mann mit Übergewicht

49 49 Antagonisierung eines Medikaments bei Narkoseausleitung

! 50 50 Säugling mit erhöhter Leucinkonzentration im Urin bei Ahornsirupkrankheit

51 51 Störung des Zitratzyklus bei Beriberi

52 52 Kleinkind mit Mukopolysaccharidspeicherkrankheit


VIII
53 53 69−Jährige mit erhöhten Schilddrüsenhormonwerten bei Hyperthyreose

54 54 Kind mit Leberschädigung durch Paracetamolvergiftung

55 55 Chemotherapie mit Pyrimidinanalogon oder Folsäureantagonist

56 56 22−Jähriger Patient mit verlängerter aPTT bei Hämophilie A

57 57 47−jähriger Alkoholiker mit Hirnschädigung bei Vitamin−B1−Mangel

58 58 16−Jährige mit Ketoazidose bei Diabetes mellitus Typ I

59 59 45−jährige Patientin mit Laktatazidose bei Schock

60 60 Therapie eines Harnwegsinfekts mit einem Gyrasehemmer

61 61 69−Jähriger mit Hyponatriämie und Hyperkaliämie bei Morbus Addison

62 62 58−Jähriger mit erhöhter Serotoninkonzentration im Urin bei Karzinoid

63 63 60−Jähriger mit Anstieg von Kreatinin bei chronischem Nierenversagen

64 64 45−Jähriger mit Ödemen bei Mangel an C1−Inhibitor

! 65 65 Patient mit Unverträglichkeitsreaktion bei Bluttransfusion

66 66 58−Jähriger mit veränderter Lipid− und Lipoproteinzusammensetzung im Blut

67 67 Patient mit erhöhter Plasmaosmolalität und erniedrigter Urinosmolalität

68 68 31−jährige Patientin mit akuter Pankreatitis bei Gallensteinleiden

69 69 17−Jähriger mit fehlerhaftem Hämoglobin bei Sichelzellanämie

! 70 70 47−jährige Patientin mit Brustkrebs

! = Schwieriger Fall
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Fa
71 71 Patient mit Untersuchung der Herzenzyme“ nach Herzinfarkt

lle
72 72 42−jährige Patientin mit erhöhtem Blutglukosespiegel bei Glukagonom

73 73 Mann mit erhöhten Harnsäurewerten

74 74 Behandlung einer bakteriellen Infektion mit Penicillin

75 75 65−jährige Patientin mit Gallensteinen aus Cholesterin

76 76 Patient mit Einnahme von Beruhigungsmitteln wegen Schlafstörungen

77 77 4−Jährige mit Hämolyse bei Membrandefekt der Erythrozyten

78 78 Junger Mann mit Heuschnupfen

79 79 57−jährige Patientin mit Hyperkortisolismus bei Cushing−Syndrom

80 80 63−Jähriger mit veränderter Zusammensetzung der Plasmaproteine


IX
Anhang 301

302 Quellenverzeichnis der Abbildungen

304 Normwerte und Referenzbereiche

305 Überblick Steroidhormonsynthese

306 Überblick Pentosephosphatweg

307 Überblick Häm−Biosynthese

308 Wichtige funktionelle Gruppen

308 Wichtige Reaktionen

310 Wichtige Bindungstypen

311 Sachverzeichnis

! = Schwieriger Fall
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Inhaltsverzeichnis
nach Themen

Kohlenhydrate
Fall 11 S. 11 Fall 31 S. 31 Fall 52 S. 52 Fall 65 S. 65
Fall 16 S. 16 Fall 42 S. 42 Fall 59 S. 59 Fall 74 S. 74
Fall 27 S. 27

Aminosäuren, Peptide, Proteine


Fall 3 S. 3 Fall 24 S. 24 Fall 41 S. 41 Fall 62 S. 62
Fall 15 S. 15 Fall 33 S. 33 Fall 50 S. 50 Fall 80 S. 80

Lipide
Fall 9 S. 9 Fall 38 S. 38 Fall 58 S. 58 Fall 75 S. 75
Fall 22 S. 22 Fall 48 S. 48 Fall 66 S. 66

Nukleinsäuren
Fall 6 S. 6 Fall 37 S. 37 Fall 55 S. 55 Fall 70 S. 70
Fall 17 S. 17 Fall 47 S. 47 Fall 60 S. 60 Fall 73 S. 73
Fall 26 S. 26

Hormone
Fall 1 S. 1 Fall 28 S. 28 Fall 44 S. 44 Fall 67 S. 67
Fall 8 S. 8 Fall 34 S. 34 Fall 53 S. 53 Fall 72 S. 72
Fall 13 S. 13 Fall 39 S. 39 Fall 61 S. 61 Fall 79 S. 79
Fall 20 S. 20

Vitamine, Ernährung, Verdauung


Fall 2 S. 2 Fall 21 S. 21 Fall 35 S. 35 Fall 57 S. 57
Fall 12 S. 12 Fall 30 S. 30 Fall 40 S. 40 Fall 68 S. 68
Fall 14 S. 14

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Themen
Immunchemie
Fall 4 S. 4 Fall 32 S. 32 Fall 64 S. 64 Fall 78 S. 78
Fall 19 S. 19

Subzelluläre Strukturen
Fall 7 S. 7 Fall 36 S. 36 Fall 77 S. 77

Spurenelemente
Fall 5 S. 5 Fall 45 S. 45

Enzyme
Fall 49 S. 49 Fall 71 S. 71

Endoxidation: Atmungskette, Zitratzyklus


XI
Fall 18 S. 18 Fall 51 S. 51

Blut
Fall 23 S. 23 Fall 46 S. 46 Fall 56 S. 56 Fall 69 S. 69
Fall 29 S. 29

Organstoffwechsel
Fall 10 S. 10 Fall 43 S. 43 Fall 63 S. 63 Fall 76 S. 76
Fall 25 S. 25 Fall 54 S. 54

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Inhaltsverzeichnis
Antworten und Kommentare

1 82 Insulin

2 85 Vitamin D

3 87 Peptide und Proteine

4 90 T−Lymphozyten (T−Zellen)

5 94 Eisenstoffwechsel

6 96 Molekularbiologische Methoden

7 99 Mitochondrien

8 101 Androgene und Prolaktin

9 103 Phospholipide

10 106 Leber

11 108 Pentosephosphatweg (PPW)

12 111 Verdauung und Resorption von Kohlenhydraten und Proteinen

13 114 Katecholamine

14 116 Vitamin A

15 119 Allgemeine Schritte im Aminosäureabbau und Abbau von Phenylalanin

16 123 Glykogenstoffwechsel

17 126 Transkription

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Antworten und Kommentare
18 128 Atmungskette (oxidative Phosphorylierung)

19 132 B−Lymphozyten (B−Zellen), Antikörper

20 134 Weibliche Sexualhormone (Östrogene, Gestagene)

21 138 Vitamin B12 (Cobalamin)

22 140 Lipide

23 144 Häm−Biosynthese

24 146 Aminosäuren

25 149 Apoptose

26 152 Nukleinsäuren

27 155 Glykolyse
XIII
28 158 Parathormon, Kalzitonin, Kalzitriol

29 160 Primäre Hämostase

30 163 Folsäure

31 166 Fruktosestoffwechsel

32 168 Zelluläre unspezifische Abwehr

33 170 Harnstoffzyklus

34 173 Somatotropin (STH, Wachstumshormon)

35 174 Magensaft

36 176 Peroxisomen

37 179 Synthese der Purinnukleotide

38 182 Fettsäureabbau (b−Oxidation), Ethanolabbau

39 186 Eikosanoide

40 188 Vitamin K

41 191 Abbau des Kohlenstoffgerüsts der Aminosäuren, Methioninabbau

42 194 Galaktosestoffwechsel

43 196 Kollagen

44 198 Renin−Angiotensin−Aldosteron−System (RAAS), Atriales natriuretisches Peptid (ANP)

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Antworten und Kommentare
45 200 Spurenelemente, Kupfer, Zink

46 202 Häm−Abbau

47 205 Translation

48 209 Fettsäuresynthese, Lipogenese

49 212 Enzymkinetik, Enzyminhibition

50 215 Abbau von Leucin, Isoleucin und Valin

51 217 Zitratzyklus

52 220 Glykosaminoglykane und Proteoglykane

53 223 Schilddrüsenhormone

54 225 Biotransformation
XIV
55 227 Synthese der Pyrimidinnukleotid

56 230 Sekundäre Hämostase (Blutgerinnung, plasmatische Gerinnung)

57 235 Vitamin B1 (Thiamin)

58 237 Ketonkörper

59 239 Glukoneogenese und Cori−Zyklus

60 242 Replikation

61 245 Aldosteron und molekularer Wirkungsmechanismus lipophiler Hormone

62 248 Biogene Amine

63 250 Niere

64 254 Komplementsystem

65 257 Blutgruppenantigene, Glykosylierung

66 260 Lipoproteine

67 263 ADH, Oxytocin

68 265 Galle, Pankreassekret und Fettverdauung

69 268 Hämoglobin

70 271 Kanzerogenese

71 273 Enzyme und Koenzyme

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Antworten und Kommentare
72 276 Glukagon und molekularer Wirkmechanismus hydrophiler Hormone über
G−proteingekoppelte Signaltransduktion

73 279 Abbau der Purin− und Pyrimidinnukleotide

74 281 Peptidoplykan, Zellwand der Bakterien

75 284 Cholesterin und Gallensäuren

76 286 Neurotransmitter

77 286 Plasmamembran

78 286 Überempfindlichkeitsreaktionen

79 286 Glukokortikoide

80 286 Plasmaproteine und Akute−Phase−Proteine

XV

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Glossar

Glossar

Allosterische Regulation Gefäßverengung und z. T. Mangelversorgung


Durch Bindung eines Moleküls außerhalb des der abhängigen Gewebe.
katalytischen Zentrums eines Enzyms wird
die räumliche Anordnung im katalytischen Bradykardie
Zentrum des Enzyms so abgewandelt, dass Langsame Herzfrequenz (, 50/min)
sich Substratbindung oder Reaktionsge−
schwindigkeit ändern. Basolateral
Bei Zellen, die einen Hohlraum (Lumen) aus−
Amphiphilie kleiden: an der zum Interstitium oder zu
Chemische Eigenschaft einer Substanz, sowohl Nachbarzellen gerichteten Seite
in Wasser als auch in Fett löslich zu sein
XVI Blutausstrich
Anabolismus Gleichmäßig dünnes Ausstreichen von Blut
Aufbau von körpereigenen Bestandteilen un− auf einem Objektträger, Anfärben des Blutes;
ter Verbrauch von Energie Betrachten des Objektträgers unter dem Mi−
kroskop mit Beurteilung der Blutzellen (z. B.
mie
Ana Größe, Form)
Verminderung der Hämoglobinkonzentration
(Hb), des Hämatokrits (Hkt) und/oder der Blutgasanalyse
Erythrozytenzahl unter die Norm Bestimmung der Partialdrücke der Atemgase
(Sauerstoff, Kohlendioxid) meist im arteriellen
Analgetikum Blut, häufig ergänzt durch Parameter des Säu−
Medikament gegen Schmerzen re−Base−Haushalts

Antibiotikum Chelat
Stoff, der Bakterien abtötet oder in ihrem Komplex aus Metallion und organischer Ver−
Wachstum hemmt bindungen

Antigen Chylomikronen
Substanz, die durch das Immunsystem als Lipoproteine, die mit der Nahrung aufgenom−
fremd erkannt wird. Generiert eine Gegen− mene Triglyzeride transportieren
(Anti−)Antwort, z. B. in Form von Antikörpern
und Lymphozyten. Dehydrierung
Abspaltung von Wasserstoff aus meist organi−
Apoptose schen Molekülen, Oxidation
Programmierter Zelltod
Decarboxylierung
Arterielle Hypertonie Entfernung der Carboxylgruppe
Erhöhter Blutdruck (.140/90 mmHg)
Desaminierung
Arteriosklerose Entfernung der Aminogruppe
Umgangsprachlich Arterienverkalkung, bei
der sich Blutfette und andere Substanzen in Dimerisierung
den Arterien ablagern. Durch die Ablagerung Zusammenlagerung zweier Teilchen
und eine entzündliche Reaktion kommt es zu

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Glossar
Emulgation Interleukine
Bildung einer Emulsion (feinste Verteilung ei− Zählen zu den Zytokinen; körpereigene Boten−
ner Flüssigkeit in einer anderen, nicht mit ihr stoffe, die von Zellen des Immunsystems ge−
mischbaren Flüssigkeit); verhindert die Zu− bildet werden und wiederum auf Zellen des
sammenlagerung von Teilchen Immunsystems wirken

Enantiomere Isomerisierung
Moleküle mit einem Chiralitätszentrum, die Umlagerungsreaktion, bei der eine chemische
sich wie Bild und Spiegelbild zueinander ver− Verbindung in eine andere Verbindung mit
halten gleicher Summenformel, aber unterschiedli−
cher chemischer Struktur überführt wird
Epimerisierung
Bezeichnung für die Konfigurationsumkehr an Katabolismus
einem asymmetrischen Kohlenstoffatom Abbaustoffwechsel

Eukaryont Kompetitive Hemmung


Organismus, in dem das genetische Material Biochemischer Vorgang, bei dem zwei Agen−
einer Zelle durch eine Kernmembran vom Zy− zien um die Besetzung eines Rezeptors oder
toplasma getrennt ist Enzyms konkurrieren
XVII
Exozytose Ligandengesteuerter Ionenkanal
Stofftransport aus der Zelle heraus Offenwahrscheinlichkeit eines Ionenkanals
wird durch einen Liganden (z. B. Transmitter,
matom
Ha Hormon) gesteuert
Bluterguss
Lipophilie
molyse
Ha Gute Löslichkeit in Fetten und Ölen
Zerfall von Erythrozyten mit Austritt von Hä−
moglobin Lipophobie
Schlechte Löslichkeit in Fetten und Ölen
Humoral
Die Körperflüssigkeiten betreffend Luminal
Bei Zellen, die einen Hohlraum (Lumen) aus−
Hydrophilie kleiden: an der zum Hohlraum gerichteten
Eigenschaft einer chemischen Verbindung, Seite
Wasser aufzunehmen oder in Wasser einzu−
dringen Mizellen
Gruppe von Molekülen mit hydrophoben und
Hydrophobie hydrophilen Anteilen, wobei die hydrophilen
Eigenschaft einer Verbindung, Wasser abzu− Anteile die hydrophoben umschließen
stoßen
Nekrose
mie
Hypoglyka Absterben von Zellen, Zellverbänden, Gewebe,
Verminderte Glukosekonzentration im Blut Organen
(, 60 mg/dl bzw. 3,3 mmol/l)
 dem
O
Flüssigkeitsansammlung im Gewebe
Iatrogen
Durch den Arzt verursacht Opsonierung
Anlagerung von Stoffen an körperfremde Sub−
Ikterus stanzen zur Begünstigung der Phagozytose
Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten, Kon−
junktiven und inneren Organen (Gelbsucht)

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Glossar
t
Osmolalita Serinprotease
Menge aller in einer Lösung osmotisch wirk− Enzyme, die v. a. in Gerinnungskaskade und
samen Moleküle pro Kilogramm Wasser (Ein− Komplementsystem vorkommen; enthalten
heit: osmol/kg) im katalytischen Zentrum einen Serin−Rest
und können damit Peptidbindungen angreifen
Oxidation
Entzug von Elektronen Tachykardie
Erhöhte Herzfrequenz (.100/min)
Phagozytose
Aufnahme fester Partikel in das Zellinnere Thrombose
von Fresszellen zum enzymatischen Abbau Vollständiger oder teilweiser Verschluss von
Gefäßen
Plasmid
Kleines ringförmiges DNA−Molekül, das neben Thrombus
der DNA in Bakterien vorliegen kann Blutgerinnsel

valenz
Pra Transaminierung
Anzahl von Individuen in einer Population, Übertragung einer Aminogruppe einer Amino−
die an einer bestimmten Erkrankung leiden säure auf eine Ketosäure
XVIII
Prokaryont Tumor
Organismus, in dem das genetische Material Geschwulst; örtliche, umschriebene Zunahme
nicht durch eine Zellmembran vom Zytoplas− von Gewebevolumen
ma getrennt ist
Zytokine
Prosthetische Gruppe Körpereigene Botenstoffe, die von vielen ver−
An ein Enzym fest gebundene Komponente schiedenen Zellen gebildet und sezerniert
(Koenzym), die bei enzymatischen Reaktionen werden, um andere Zellen zu regulieren
Elektronen oder Gruppen vorübergehend auf−
nehmen kann Zytostatikum
Stoff, der das Zellwachstum hemmt; Einsatz
Reduktion in der Tumortherapie
Zufuhr von Elektronen

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Aus Brandenburger, T., T. Bajorat: Fallbuch Biochemie (ISBN 9783131401915) © 2006 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
Abku
Abku
rzungen

rzungsverzeichnis
ACTH adrenokortikotropes Hormon GPT Glutamat−Pyruvat−Transaminase
(neue Bezeichnung: ALT)
ADP Adenosindiphosphat
GLUT Glukosetransporter
ALT Alaninaminotransferase
GTP Guanosintriphosphat
aPTT aktivierte partielle Thromboplastin−
zeit HLA humanes Leukozytenantigen

ASS Acetylsalicylsäure (Aspirin) IP3 Inositoltrisphosphat


XIX
AST Aspartataminotransferase LDH Laktatdehydrogenase

ATP Adenosintriphosphat LH luteinisierendes Hormon

cAMP zyklisches Adenosinmonophosphat MAO Monoaminoxidase

2,3−BPG 2,3−Bisphosphoglyzerinsäure MCH Mean Corpuscular Hemoglobin


(mittlere Hämoglobinmasse pro Ery−
CD Cluster of Differentiation throzyt)

cGMP zyklisches Guanosinmonophosphat MCV Mean Corpuscular Volume (mittleres


Volumen eines Erythrozyten)
COMT Katecholamin−O−Methyltransferase
MHC Major Histocompatibility Complex
CRP C−reaktives Protein
NAD Nikotinamid−Adenin−Dinukleotid
DAG Diacylglyzerin
NADP Nikotinamid−Adenin−Dinukleotid−
ER endoplasmatisches Retikulum Phosphat

FSH follikelstimulierendes Hormon PALP Pyridoxalphosphat

GDP Guanosindiphosphat PRPP Phosphoribosylpyrophosphat

GLDH Glutamatdehydrogenase THF Tetrahydrofolsäure

GnRH Gonadotropin Releasing Hormon ZNS zentrales Nervensystem

GOT Glutamat−Oxalacetat−Transaminase
(neue Bezeichnung: AST)

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lle
Fa

!!! Schwierige Frage


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1. . . 62−Jähriger mit erhöhtem Blutglukosespiegel bei Diabetes mellitus Fall
1
In Ihrer Hausarztpraxis stellt sich ein 62−jähriger letzt wiederholt unter Harnwegsinfekten. Das
stark übergewichtiger Patient (Körpergröße von Ihnen abgenommene Blut ergibt einen
168 cm, Körpergewicht 100 kg) wegen folgen− stark erhöhten Nüchternblutglukosewert von
der Symptome vor: Mundtrockenheit, über− 324 mg/dl (17,9 mmol/l). Das HbA1 c ist mit
mäßiger Durst (Polydipsie), vermehrtes Wasser− 10,4 % ebenfalls erhöht (Norm ,6 %). Sie teilen
lassen (Polyurie), seit längerer Zeit verminderte dem Patienten mit, dass er an Diabetes mellitus
Leistungsfähigkeit. Zudem litt der Patient zu− leidet.

Der Diabetes mellitus beruht auf einem absoluten Insulinmangel oder auf einer mangelhaften Re−
aktion der Zielzellen auf das Insulinsignal.

1.1 . . Beschreiben Sie Struktur, Synthese und Sekretionsmodus des Insulins!

1.2 . . Welche Stoffwechselprozesse in Leber, Muskulatur und Fettgewebe werden durch


Insulin beeinflusst?

1.3 . . Welche Enzyme werden dabei durch Insulin aktiviert oder gehemmt?

1.4 . . Was versteht man unter HbA1 c? Warum wird es bestimmt?

!!! 1.5 . . Was sind gefürchtete Spätkomplikationen bei nicht oder unzureichend behandeltem
Diabetes mellitus?

Ü Antworten und Kommentar Seite 82

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Fall 2. . . 18 Monate alter Junge mit Knochendeformierungen bei Vitamin−D−Mangel
2
Als Arzt einer Nichtregierungsorganisation wa−
ren Sie im Jahr 2006 in einem Krisengebiet
tätig. In Ihrem Tagebuch haben Sie am
28. 6. 2006 die Anamnese eines 18 Monate al−
ten Jungen notiert: Heute unterernährten, un−
ruhigen 18 Monate alten Jungen mit Vitamin−D−
Mangel (Rachitis) gesehen. Bereits mit bloßem
Auge waren die Deformierungen der Ober−
schenkelknochen zu erkennen, die als O−Beine
imponierten. Auf der Brust waren die bei Rachi−
tis typischen Auftreibungen der Rippen an der
Knorpel−Knochen−Grenze zu sehen (sog. rachiti−
scher Rosenkranz).“ Dazu haben Sie ein Foto,
18 Monate altes Mädchen mit ausgeprägtem rachitischem
welches Sie von dem kleinen Jungen aufgenom−
Rosenkranz (Auftreibung der Knorpel−Knochen−Grenze an
men hatten, gelegt. den Rippen)

2 2.1 . . Wie wird Vitamin D vom menschlichen Körper synthetisiert und in die aktive Form
überführt?

2.2 . . Wie wird die Vitamin−D−Synthese reguliert?

2.3 . . Welche Wirkungen hat Kalzitriol?

Sie haben der Mutter damals Vitamin−D−Tabletten für den Jungen mitgegeben und sie gebeten,
dem Kind etwas mehr Tageslicht zu gönnen.
2.4 . . Warum haben Sie dies getan?

Ü Antworten und Kommentar Seite 85

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3. . . 32−Jähriger mit Prionenerkrankung durch abnorm gefaltete Proteine Fall
3
Sie sind Assistenzarzt in einer Universitätsklinik ren Sie in der Morgenbesprechung, dass der Pa−
für Neurologie und betreuen einen 32−jährigen tient in der Nacht verstorben und zur
Familienvater. Dieser hatte wegen Schlafstörun− Obduktion beim Pathologen sei. Am Nachmit−
gen seinen Hausarzt aufgesucht. Später traten tag ruft der Pathologe Sie an und fragt, ob Sie
Halluzinationen, Vergesslichkeit, Aggressivität, und Ihre Kollegen in das Institut für Pathologie
Sprach−, Seh−, und Koordinationsstörungen auf. kommen wollen. Er hätte die Ursache für die
Der Hausarzt hatte ihn daraufhin in die Univer− Symptome des Patienten gefunden. Sie eilen
sitätsklinik eingewiesen. Während des Kranken− sofort mit Ihren Kollegen zum Pathologen. Die−
hausaufenthaltes verschlechtert sich der Zu− ser zeigt Ihnen, dass das Gehirn schwammartig
stand des Patienten zusehends. Alle verändert ist. Er stellt die Diagnose Creutzfeldt−
Therapieversuche bleiben erfolglos. Eine Diag− Jakob−Erkrankung.
nose kann nicht gestellt werden. Heute erfah−

3.1 . . Was sind Peptide? Wie entstehen sie?

Die Creutzfeld−Jakob−Erkrankung wird durch Prione – abnorm gefaltete Proteine – hervorgerufen.

3.2 . . Wann spricht man von Proteinen? Erläutern Sie die unterschiedlichen
Konformationsebenen von Proteinen!

3.3 . . Welche Funktionen haben Peptide und Proteine im menschlichen Körper?

Ü Antworten und Kommentar Seite 87

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Fall 4. . . 45−Jähriger mit reduzierter T−Lymphozytenzahl bei AIDS
4
Sie arbeiten auf einer Station für Infektiologie eine Infektion der Mundschleimhaut mit dem
und betreuen u. a. einen 45−jährigen Patienten, Pilz Candida albicans fest. Bei beiden Infektio−
der seit 8 Jahren HIV−positiv ist. Seit einem Jahr nen handelt es sich um opportunistische Infek−
hat er AIDS, das Endstadium einer HIV−Infek− tionen, d. h. Infektionen mit Erregern, die bei
tion. Die stationäre Aufnahme erfolgte aktuell intaktem Immunsystem unterdrückt werden
wegen einer schweren Lungenentzündung mit können und nur bei Abwehrschwäche zu einer
dem Erreger Pneumocystis carinii. Außerdem Erkrankung führen.
stellten Sie bei der körperlichen Untersuchung

4.1 . . Geben Sie einen groben Überblick über die Komponenten des Immunsystems!
Unterscheiden Sie hierbei zwischen spezifischer und unspezifischer Immunabwehr!

4
Bei dem Patienten haben Sie auch Blut abgenommen. Sie stellen fest, dass die CD4+−T−Lymphozy−
ten auf 200/ml gefallen sind (Norm 500/ml).

4.2 . . Wie werden T−Lymphozyten eingeteilt, und welche Funktionen haben die verschie−
denen T−Lymphozyten−Populationen?

4.3 . . Beschreiben Sie die Reifung der T−Lymphozyten!

MHC spielen eine wichtige Rolle bei der Antigenpräsentation für T−Lymphozyten.

4.4 . . Was versteht man unter MHC?

Ü Antworten und Kommentar Seite 90

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5. . . 35−jährige Patientin mit Blässe und Müdigkeit bei Eisenmangelanämie Fall
5
Eine 35−jährige Patientin kommt in Ihre Allge− Blutuntersuchung. Auffällig sind folgende Labor−
meinarztpraxis und klagt über Müdigkeit und werte: Erythrozyten Q, Hämoglobin (Hb) Q,
Abgeschlagenheit. Sie könne sich auch schlech− MCV Q, Eisen Q und Serum−Ferritin Q. Sie
ter konzentrieren und leide häufig unter Kopf− stellen die Diagnose Eisenmangelanämie. In der
schmerzen. Sie untersuchen die Patientin und Anamnese haben Sie von der Patientin erfahren,
stellen fest, dass Haut und Schleimhäute der dass sie starke Menstruationsblutungen habe.
Patientin blass sind. Sie vermuten aufgrund die− Starke Blutungen führen zu größeren Eisenver−
ser Symptome, dass die Patientin unter einer lusten, so dass dies die Ursache für die Eisen−
Anämie (Blutarmut) leidet und veranlassen eine mangelanämie sein könnte.

5.1 . . Wo befindet sich Eisen im menschlichen Körper?

Sie verschreiben der Patientin ein Eisenpräparat, damit der Eisenmangel wieder behoben wird.

5.2 . . In welcher Form wird Eisen im Darm aufgenommen? Wie kann die Eisenaufnahme im
Darm gefördert werden, und welchen Zusatz sollten daher Eisenpräparate enthalten?

5.3 . . Wie gelangt Eisen vom Darm ins Gewebe, und in welcher Form wird es dort
gespeichert?

!!! 5.4 . . Was ist Ferritin? Was bedeutet der erniedrigte Ferritin−Spiegel bei der Patientin?

Ü Antworten und Kommentar Seite 94

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Fall 6. . . Molekularbiologische Arbeitsmethoden im Rahmen einer Doktorarbeit
6
Sie planen, eine Doktorarbeit zu schreiben, und grund der von Ihnen anzuwendenden Methoden
sind heute das erste Mal mit Ihrem Doktorvater zu erfassen. Es handelt sich um Polymerase−Ket−
verabredet. In Ihrer Arbeit geht es um den tenreaktion (PCR = Polymerase Chain Reaction),
Nachweis der Expression einer Membran−ATPase Agarose−Gelelektrophorese, Klonierung und
in den Geschlechtsorganen der männlichen Northern Blot. Gleichzeitig gibt er Ihnen Litera−
Ratte. Ihr Doktorvater bittet Sie darum, in den tur über Ihr Thema mit.
nächsten Wochen den theoretischen Hinter−

6.1 . . Was versteht man unter PCR? Welchen Reaktionsansatz benötigen Sie für eine PCR?
Wie läuft die PCR ab?

6.2 . . Welche Bedeutung hat die reverse Transkriptase für die PCR?
6

Im Anschluss an die PCR werden die entstandenen DNA−Fragmente ihrer Länge nach mittels
Agarose−Gelelektrophorese aufgetrennt.

6.3 . . Erläutern Sie das Prinzip der Agarose−Gelelektrophorese!

Sie lesen in den Materialien auch etwas über Restriktionsenzyme.

6.4 . . Was sind Restriktionsenzyme? Wozu werden sie im molekularbiologischen Labor


eingesetzt?

6.5 . . Welche Blot−Verfahren gibt es neben dem Northern Blot noch? Was wird mit den
Verfahren jeweils nachgewiesen?

Ü Antworten und Kommentar Seite 96

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7. . . 12−jähriger Junge mit Muskelschwäche bei Mitochondrienerkrankung Fall
7
Als Assistent einer Klinik für Neurologie behan−
deln Sie einen 12−jährigen Jungen, der folgende
Symptome aufweist: Lähmung der äußeren Au−
genmuskeln (externe Ophthalmoplegie) mit
Herabhängen der Oberlider (Ptosis), Herzrhyth−
musstörungen, proximale Muskelschwäche und
erhöhtes Liquoreiweiß. In der Muskelbiopsie
konnten sog. Ragged−red−Fibers nachgewiesen
werden (s. Abb.). Eine genetische Analyse ergab
ausgedehnte Mutationen der mitochondrialen
DNA. Der Junge leidet an einer seltenen Mito−
chondrienerkrankung, dem Kearns−Sayre−Syn−
Im Zentrum der Abbildung findet sich eine Muskelfaser
drom.
mit zerrissenen (= ragged) und fragmentierten Myofibril−
len sowie subsarkolemmalen Mitochondrienagglomeratio−
nen, welche sich in einer Spezialfärbung rot darstellen,
sog. Ragged−red−Fiber.

7
7.1 . . Wie sind Mitochondrien aufgebaut?

7.2 . . Beschreiben Sie den Aufbau der inneren Mitochondrienmembran!

7.3 . . Was besagt die Endosymbiontentheorie? Welche Belege gibt es hierfür?

7.4 . . Welche wichtigen Stoffwechselprozesse laufen in Mitochondrien ab?

!!! 7.5 . . Wie ist die mitochondriale DNA (mtDNA) des Menschen organisiert, und für welche
Proteine kodiert sie?

Ü Antworten und Kommentar Seite 99

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Fall 8. . . Säugling mit Klitorishypertropie und erhöhtem 17a−Hydroxyprogesteron
8
Sie arbeiten auf einer Station für Geburtshilfe.
Unmittelbar nach der Geburt war bei einem
weiblichen Säugling eine Klitorishypertrophie
aufgefallen (s. Abb.). Nun ist das Kind 4 Tage
alt und leidet zusätzlich unter Erbrechen und
Durchfall. Im Rahmen der Diagnostik haben Sie
daher auch Blut abgenommen. Folgende Werte
sind auffällig: Natrium Q, Kalium q, Kortisol Q,
ACTH q, 17a−Hydroxyprogesteron qq.

Säugling mit
Klitorishypertrophie

!!! 8.1 . . Erläutern Sie, warum es zu diesen Symptomen und Laborwerten kommt!
8

8.2 . . Welche Wirkungen besitzen Androgene?

8.3 . . In welche aktivere Form kann Testosteron umgewandelt werden?

Bei der Visite erzählt Ihnen die Mutter des Säuglings nebenbei, dass sie ja stille und deswegen
nicht verhüten müsse. Sie klären sie auf, dass Stillen keine zuverlässige Verhütungsmethode ist.

8.4 . . Welches Hormon wird beim Stillen ausgeschüttet und verhindert meist die Ovulation?
Nennen Sie Wirkungen dieses Hormons!

Ü Antworten und Kommentar Seite 101

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9. . . Frühgeborenes mit Atemnot bei Surfactant−Mangel Fall
9
Sie werden als Kinderarzt in den Kreißsaal geru− nach der Geburt zur Untersuchung und weite−
fen, weil eine 35−jährige Schwangere in der 31. ren Betreuung gereicht und bemerken, dass es
Schwangerschaftswoche plötzlich Wehen be− unter schwerer Atemnot leidet. Sie vermuten,
kommen hatte. Die Wehen ließen sich nicht dass diese Atemnot auf einen Surfactant−Man−
mehr hemmen, so dass es zur Geburt des Kin− gel zurückzuführen ist. Dieser tritt häufig bei
des kam. Sie bekommen das Kind unmittelbar Frühgeborenen auf.

Surfactant besteht aus Phospholipiden.

9.1 . . Wie werden Phospholipide eingeteilt? Nennen Sie einige Phospholipide und deren
Funktion!

9.2 . . Erläutern Sie den Aufbau der Glyzerophospholipide!

!!! 9.3 . . Beschreiben Sie die Biosynthese der Glyzerophospholipide!

9.4 . . Wo wird Surfactant gebildet, und woraus besteht es?

9.5 . . Warum kommt es bei Surfactant−Mangel zu Atemnot?

Ü Antworten und Kommentar Seite 103

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Fall 10. . 56−Jähriger mit Leberversagen durch Infektion mit Hepatitis−B−Virus
10
Auf einer Intensivstation betreuen Sie einen 56− fektion durch das Hepatitis−B−Virus. Durch eine
jährigen Patienten mit akutem Leberversagen. überschießende Immunantwort hat der Körper
Der Patient ist bewusstlos (Leberkoma“), die die mit Viren befallenen Leberzellen zerstört.
Hautfarbe ist gelb (Ikterus), er neigt zu Blutun− Die Leber erfüllt zahlreiche Stoffwechselfunktio−
gen und riecht nach roher Leber (Foetor hepati− nen, die bei diesem Patienten mit Leberversa−
cus). Ursache des Leberversagens war eine In− gen gestört sind.

10.1 . Nennen Sie Stoffwechselfunktionen der Leber!

10

10.2 . Welche Exportproteine werden von der Leber gebildet? Nennen Sie Funktionen der
Exportproteine!

10.3 . Warum hat der Patient einen Ikterus?

!!! 10.4 . Warum hat der Patient Blutgerinnungsstörungen?

Ü Antworten und Kommentar Seite 106

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11. . 35−Jähriger mit Hämolyse bei Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase−Mangel Fall
11
Ein 35−jähriger italienischer Patient stellt sich
bei Ihnen in der Notfallambulanz Ihres Kranken−
hauses vor. In der Anamnese erheben Sie, dass
er 3 Tage zuvor wegen einer Nierenkolik mit
Metamizol, einem Schmerzmittel mit krampf−
lösender Wirkung, behandelt worden ist. Nach
2−tägiger Beschwerdefreiheit habe er nun wie−
der Bauchschmerzen und fühle sich schlapp.
Seine Haut habe sich gelb verfärbt, auch sein
Urin sei auffällig dunkler als normal. Die Labor− Blutausstrich mit Heinz−Innenkörperchen und zum Ver−
diagnostik zeigt folgende Werte: Das Hämoglo− gleich ein Blutausstrich mit normalen Erythrozyten
bin (Hb) ist mit 10 g/dl erniedrigt (Norm 14–
18 g/dl); Bilirubin, Laktatdehydrogenase (LDH)
und die Retikulozytenzahl sind erhöht. Beim
Blutausstrich sehen Sie in den Erythrozyten
durch Oxidation denaturiertes Hämoglobin,
sog. Heinz−Innenkörperchen (s. Abb.).

11
Ihre Verdachtsdiagnose lautet Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase−Mangel (G−6−P−DH−Mangel; Syn.
Favismus). Bei diesem Krankheitsbild ist die Aktivität der Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase im
Pentosephosphatweg (Hexosemonophosphatweg) der Erythrozyten stark vermindert. Durch be−
stimmte Auslöser kommt es bei diesem Defekt durch Zerstörung von Erythrozyten zu einer hämo−
lytischen Anämie.

11.1 . Erläutern Sie die Aufgaben des Pentosephosphatweges (PPW)!

11.2 . Beschreiben Sie die Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase−Reaktion, und erläutern Sie


ihre Bedeutung und Regulation!

11.3 . Beschreiben Sie die Struktur von Glutathion und seine Funktion in Erythrozyten!

11.4 . Wie wirkt sich ein Mangel an Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase in den Erythrozyten


unter oxidativem Stress aus?

Ü Antworten und Kommentar Seite 108

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Fall 12. . 3−Jährige mit Gedeihstörung durch unzureichende Nährstoffaufnahme
12
Nachdem Sie die Facharztprüfung in Pädiatrie chiolen, es kommt zu chronischen Entzündun−
gemacht haben, übernehmen Sie eine Kinder− gen der Atemwege und der Lunge (bronchopul−
arztpraxis. Heute lernen Sie zum ersten Mal ein monale Infektionen). Das Pankreas kann durch
3−jähriges Mädchen kennen. Sie diagnostizieren Verstopfung seiner Ausführungsgänge nicht ge−
eine Pneumonie. Aus der Karteikarte erfahren nug Verdauungsenzyme ausschütten, so dass
Sie, dass die kleine Patientin seit 2 Jahren we− alle Nahrungsbestandteile nur ungenügend ver−
gen wiederholter Bronchitiden immer wieder in daut und nicht aufgenommen werden können.
Behandlung war. Ihnen fällt zudem auf, dass Hieraus entwickelt sich eine Gedeihstörung, die
das Mädchen für sein Alter recht klein und Patienten leiden unter Bauchschmerzen und
leicht ist und unterernährt wirkt. Auf Nachfrage setzen voluminöse, fettig−glänzende Stühle ab.
erzählt Ihnen die Mutter, dass das Kind immer
wieder unter Bauchschmerzen und Blähungen
leide und voluminöse, fettig−glänzende Stühle
absetze. Aufgrund dieser Anamnese (wieder−
holte bronchopulmonale Infektionen, Ge−
deihstörung und voluminöse, fettig−glänzende
Stühle) denken Sie an Mukoviszidose. Dies ist
eine angeborene Stoffwechselkrankheit, bei der
12 ein zähes, dickflüssiges Sekret von exokrinen
Drüsen gebildet wird. Dadurch verstopfen die
Ausführungsgänge, und es kommt zu wieder−
holten Entzündungen innerhalb von Organen 3−jähriges mangel−
mit exokrinen Drüsen. Besonders betroffen ist ernährtes Mädchen mit
davon die Lunge, das Sekret verstopft die Bron− Mukoviszidose

12.1 . Wie sollte die Nahrung zusammengesetzt sein? Welche Nahrungsbestandteile sind
essenziell?

Bei Mukoviszidose ist die Verdauung und Resorption der Kohlenhydrate gestört.

12.2 . Erläutern Sie, wie Kohlenhydrate verdaut und resorbiert werden!

Bei Mukoviszidose ist auch die Verdauung und Resorption der Proteine gestört.

12.3 . Erläutern Sie, wie Proteine verdaut und resorbiert werden!

Ü Antworten und Kommentar Seite 111

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13. . 42−Jähriger mit b−Blockertherapie wegen erhöhten Blutdrucks Fall
13
Ein 42−jähriger Bankangestellter kommt zu Ih− führen anschließend eine ausführliche Diagnos−
nen in die Hausarztpraxis, weil der Betriebsarzt tik durch, bei der Sie u. a. verschiedene Blutwer−
bei ihm einen erhöhten Blutdruck (155/ te bestimmen, eine 24−Stunden−Blutdruckmes−
95 mmHg) festgestellt hatte. Auch Sie messen sung und ein EKG durchführen. Dabei können
diesen Blutdruck und erheben eine Anamnese Sie keine Ursache für den Bluthochdruck finden
bei dem Patienten. Sie erfahren von dem Pa− und gehen von einem essenziellen (primären)
tienten, dass er immer gesund gelebt habe, hin Bluthochdruck aus. Zur Einstellung des Blut−
und wieder ein Gläschen Rotwein trinke, das drucks verschreiben Sie dem Patienten einen b−
Rauchen 17 Jahre zuvor eingestellt habe. Auch Rezeptorantagonisten (sog. b−Blocker).
der Stress auf Arbeit halte sich in Grenzen. Sie

Durch einen b−Blocker wird die Wirkung der Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin ab−
geschwächt.

13.1 . Aus welcher Ausgangssubstanz werden die Katecholamine gebildet, welche


Zwischenprodukte entstehen dabei?

13

13.2 . Nennen Sie Wirkungen, die Katecholamine über a1−, a2−, b1− und b2−Rezeptoren
auslösen! Welche Second Messenger und G−Proteine sind an der Signalvermittlung
jeweils beteiligt?

Sie haben bei dem Patienten auch die Metabolite des Katecholaminabbaus im Urin bestimmt.

13.3 . Wie werden die Katecholamine abgebaut? Welche Metabolite sind im Urin
nachweisbar?

Sie haben bei dem Patienten einen b−Rezeptorantagonisten gewählt, der selektiv die b1−Rezeptoren
blockiert (sog. b1−selektiver Blocker oder kardioselektiver b−Blocker).

!!! 13.4 . Welche Wirkungen hat ein b1−selektiver Blocker?

Ü Antworten und Kommentar Seite 114

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Fall 14. . Mädchen mit Nachtblindheit bei Vitamin−A−Mangel
14
Sie arbeiten als Arzt einer Entwicklungshilfeor−
ganisation in Afrika. Ihnen wird ein erblindetes
Mädchen vorgestellt. Bei der Untersuchung se−
hen Sie, dass die Hornhaut stark geschädigt ist
(s. Abb.). Ursache dieser Hornhautveränderun−
gen ist ein Vitamin−A−Mangel, der in Entwick−
lungsländern häufig bei Kindern auftritt.

Kind mit irreversiblen Hornhautschäden bei Vitamin−A−


Mangel

Vitamin A gehört zu den fettlöslichen Vitaminen.


14.1 . Füllen Sie die Übersicht zu den fettlöslichen Vitaminen aus!

Vitamin (Trivialname) Aktive Form Funktion(en) Vorkommen


14

14.2 . In welcher Form wird Vitamin A meist aufgenommen? Wie wird es umgewandelt und
gespeichert?

14.3 . Welche Funktionen übernimmt Vitamin A?

14.4 . Erläutern Sie den Sehvorgang!

!!! 14.5 . Welches ist das erste Symptom bei Vitamin−A−Mangel?

Ü Antworten und Kommentar Seite 116

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15. . Säugling mit gestörtem Phenylalaninabbau bei Phenylketonurie (PKU) Fall
15
Sie arbeiten als Assistent in einer Universitäts− lings. Der Wert für Phenylalanin im untersuch−
Kinderklinik und erhalten das Ergebnis des Neu− ten Bluttropfen ist stark erhöht.
geborenscreenings eines 6 Tage alten Säug−

Sie gehen von einer Störung des Phenylalaninabbaus aus.


15.1 . Welches Enzym baut Phenylalanin im ersten Reaktionsschritt ab? Welches Koenzym
ist daran beteiligt?

Eine Störung des Koenzyms konnten Sie ausschließen, so dass Sie von einem Defekt des Enzyms
ausgehen. Sie stellen die Diagnose klassische Phenylketonurie (PKU).
15.2 . Welche Aminosäure entsteht normalerweise im ersten Schritt beim Abbau von
Phenylalanin? 15

Diese Aminosäure dient als Ausgangssubstanz für zahlreiche Biosynthesen.


15.3 . Welche sind das?

15.4 . Nennen Sie die Endprodukte des Phenylalaninabbaus! Ordnen Sie zu, ob es sich um
glukogene und/oder ketogene Abbauprodukte handelt!

15.5 . Durch welche Reaktionen wird in der Regel der Aminosäureabbau eingeleitet?

15.6 . Welches Vitamin ist Koenzym bei Transaminierungen und Decarboxylierungen von
Aminosäuren? Geben Sie einen Überblick über dieses Vitamin (aktive Form, Funktion)!

Ü Antworten und Kommentar Seite 119

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Fall 16. . Neugeborenes mit Glykogenspeicherkrankheit
16
Auf der Station für Neonatologie der Kinderkli− finden sich sehr niedrige Nüchtern−Blutglukose−
nik wird Ihnen ein Neugeborenes vorgestellt, werte bis 20 mg/dl (Norm 80–120 mg/dl) bzw.
welches durch Apathie und Schwäche auffällt. 1,1 mmol/l (Norm 4,4–6,6 mmol/l) (sog.
Bei der körperlichen Untersuchung finden Sie Nüchtern−Hypoglykämie). Nachdem Sie weitere
als abnormen Befund ein weitausladendes Untersuchungen durchgeführt haben, stellen
Abdomen. Leber und Nieren erscheinen im Ult− Sie die Diagnose Glykogenspeicherkrankheit
raschall vergrößert. Im Blutzucker−Tagesprofil Typ I (Morbus von Gierke).

16.1 . Erläutern Sie Struktur und Funktion von Glykogen!

16
16.2 . Wie wird Glykogen in der Leber aufgebaut?

Bei der Glykogenspeicherkrankheit Typ I liegt ein Mangel an Glukose−6−Phosphatase vor, so dass
Glykogen nicht (ausreichend) abgebaut werden kann.

16.3 . Beschreiben Sie den Glykogenabbau (Glykogenolyse) in der Leber!

!!! 16.4 . Wie kommt es durch Mangel an Glukose−6−Phosphatase zu den Befunden Nüchtern−
Hypoglykämie und vergrößerte Leber (Hepatomegalie)?

Ü Antworten und Kommentar Seite 123

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17. . Therapie der Tuberkulose mit einem Transkriptionshemmstoff Fall
17
Ein 61−jähriger Patient wird mit Verdacht auf mellitus). Sie veranlassen ein Röntgenbild der
Tuberkulose von seinem Hausarzt auf eine Sta− Lunge und eine mikrobiologische Untersuchung
tion für Infektiologie eingewiesen. Sie sind der von Bronchialsekret. Die Befunde dieser Unter−
aufnehmende Arzt und erfahren, dass der Pa− suchungen bestätigen die Verdachtsdiagnose,
tient seit mehreren Wochen unter Husten, der Patient leidet unter einer Tuberkulose, die
Brustschmerzen, Nachtschweiß und allgemeiner sich in der Lunge manifestiert hat (Lungentu−
körperlicher Abgeschlagenheit leidet. Dem berkulose). Sie beginnen eine Kombinationsthe−
Überweisungsschein des Hausarztes entnehmen rapie mit 4 Medikamenten. Eines der Medika−
Sie außerdem, dass bei dem Patienten eine mente ist der Transkriptionshemmstoff
geschwächte Immunabwehr vorliegt (hervorge− Rifampicin.
rufen durch Alkoholmissbrauch und Diabetes

17.1 . Welche Funktion hat die Transkription?

17

17.2 . Erläutern Sie den Ablauf der Transkription bei Eukaryonten zur Entstehung der hnRNA
(Prä−mRNA)!

17.3 . Was geschieht während der Prozessierung mit der hnRNA?

17.4 . Welche verschiedenen Typen von RNA kennen Sie?

!!! 17.5 . Wie wirkt Rifampicin?

Ü Antworten und Kommentar Seite 126

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Fall 18. . 43−jähriger Mann mit Blausäure−Vergiftung
18
Im Rettungsdienst fahren Sie als Notarzt zu ei− ser Symptome vermuten Sie eine Vergiftung
nem landwirtschaftlichen Betrieb, weil sich dort mit Blausäure (HCN, Cyanwasserstoff). Blausäu−
in einer Lagerhalle ein 43−jähriger bewusstloser re ist Bestandteil von Schädlingsbekämpfungs−
Landwirt befindet. Seine Haut ist rosig und sein mitteln, möglicherweise hatte der Landwirt
Atem riecht nach Bittermandeln. Aufgrund die− Kontakt damit.

Blausäure ist ein Hemmstoff der Atmungskette.

18.1 . Welche Funktion hat die Atmungskette?

18
In der Atmungskette werden Wasserstoff und Sauerstoff benötigt.

18.2 . Nennen Sie wasserstoffliefernde Substrate der Atmungskette! Woher stammen Sie
jeweils?

18.3 . Erläutern Sie den Aufbau der Atmungskette!

18.4 . Skizzieren Sie die Energiewandlung vom NADH+H+ bis zum ATP!

18.5 . Wie wird durch Blausäure die Atmungskette gehemmt?

Ü Antworten und Kommentar Seite 128

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19. . Säugling mit wiederholten Infektionen bei angeborenem B−Zell−Defekt Fall
19
Eine Mutter kommt mit ihrem 11 Monate alten hatte er eine Balanitis (Entzündung der Glans
Sohn in Ihre Praxis für Kinderheilkunde. Der Jun− penis). Mit 9 Monaten litt der Junge an einer
ge leidet an einem schweren Infekt der oberen Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) und
Atemwege. Er hat hohes Fieber. Sie kennen den einer eitrigen Bronchitis. Aufgrund dieser vielen
kleinen Patienten schon, da er schon wegen Infektionen überweisen Sie den jungen Patien−
verschiedener Infektionen bei Ihnen vorgestellt ten in eine Kinderklinik. Per Arztbrief erfahren
wurde: Im Alter von 4 Monaten litt er an einer Sie, dass der Patient an einem angeborenen De−
Mittelohrentzündung (Otitis media) und einem fekt der B−Zellen (B−Lymphozyten), der Agam−
Infekt der oberen Atemwege. Mit 7 Monaten maglobulinämie Typ Bruton leidet.

19.1 . Welche Funktionen haben B−Lymphozyten?

19

Weil bei dem Jungen ein Mangel an funktionstüchtigen B−Lymphozyten vorliegt, können Antikörper
nicht ausreichend gebildet werden.

19.2 . Was sind Antikörper? Wie sind sie aufgebaut?

19.3 . Welche verschiedenen Antikörperklassen gibt es? Nennen Sie jeweils die wichtigsten
Merkmale und Funktionen!

Ü Antworten und Kommentar Seite 132

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Fall 20. . 18−jährige Patientin mit Verhütungswunsch
20
In Ihre Praxis für Gynäkologie kommt aufgeregt recht verhütet habe. Sie beruhigen die Patientin
eine 18−jährige junge Frau. Ihre Menstruation und schlagen als erstes vor, einen Schwanger−
sei seit 3 Tagen überfällig, und sie befürchte schaftstest (Stäbchentest) zu machen. Dazu
nun schwanger zu sein, da sie bislang nie so müsse sie Urin abgeben.

20.1 . Welches Hormon wird beim Schwangerschaftstest (Stäbchentest) nachgewiesen? Wo


wird es gebildet?

Der Schwangerschaftstest ist negativ. Sie führen eine gynäkologische Untersuchung durch, bei der
Sie nur regelrechte Befunde erheben. Die Patientin fragt Sie nach der Untersuchung, wann
während ihres Menstruationszyklus am ehesten mit einem Eisprung zu rechnen ist, wann sie also
20 beim Geschlechtsverkehr besonders aufpassen müsse.

20.2 . Beschreiben Sie den Menstruationszyklus! Erläutern Sie auch, wie sich die Konzent−
rationen der verschiedenen Hormone, das Endometrium, der Zervixschleim und die
Körpertemperatur während eines Menstruationszyklus verändern!

20.3 . Wie werden Östrogene und Progesteron synthetisiert? Nennen Sie jeweils 5
Wirkungen der Hormone!

Sie klären die junge Frau über Schwangerschaftsverhütung auf.

20.4 . Nennen Sie verschiedene Verhütungsmethoden!

Das Mädchen entscheidet sich für die Pille“.

20.5 . Wie funktionieren orale Kontrazeptiva (Mikropille“)?

Ü Antworten und Kommentar Seite 134

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21. . 68−Jährige mit Müdigkeit und Sensibilitätsstörungen bei Vitamin−B12−Mangel Fall
21
In Ihrer Allgemeinarztpraxis stellt sich eine 68− können Sie nicht erheben. Sie nehmen Blut ab;
jährige Patientin vor. Sie berichtet über zuneh− folgende Parameter sind verändert: Hämoglobin
mende Leistungsschwäche und Müdigkeit im (Hb) Q, Hämatokrit (Hkt) Q, Erythrozytenzahl
letzten Jahr. Zudem verspüre sie seit einiger Q. Aufgrund dieser Werte stellen Sie die Dia−
Zeit ein Kribbeln in den Beinen, und sie habe gnose Anämie und veranlassen weitere Untersu−
ein komisches Gefühl beim Gehen: . . . als wenn chungen, um die Ursache abzuklären. Dabei
ich auf Watte laufen würde.“ Mit Hilfe der stellen Sie fest, dass der Vitamin−B12−Spiegel bei
körperlichen Untersuchung können Sie die von der Patientin im Blut erniedrigt ist.
der Patientin bemerkten Sensibilitätsstörungen
bestätigen. Weitere pathologische Befunde

21.1 . Beschreiben Sie die Struktur des Vitamin B12!

21

21.2 . Welche Funktionen erfüllt Vitamin B12?

Bei einer Spezialuntersuchung lassen sich Antikörper gegen die Parietalzellen (Belegzellen) des Ma−
gens nachweisen.

!!! 21.3 . Wie wird Vitamin B12 vom Körper aufgenommen? Warum ist dieser Prozess bei der
Patientin gestört?

Auf dem Laborzettel der Patienten waren auch die Erythrozytenindices MCH und MCV vermerkt.

21.4 . Was bedeuten die Erythrozytenindices MCH und MCV? Sind diese Werte bei Vitamin−
B12−Mangel erhöht, normal oder erniedrigt?

21.5 . Erläutern Sie die Einteilung der Anämieformen nach MCH und MCV! Welche
Anämieform liegt bei der Patientin vor?

Ü Antworten und Kommentar Seite 138

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Fall 22. . 26−jähriger Patient mit Lipidspeicherkrankheit
22
In einer Klinik für Unfallchirurgie behandeln Sie megalie) fest. Im Blutbild lässt sich eine Anämie
einen 26−jährigen Patienten, der nach einem feststellen, auch die Thrombozytenzahl ist ver−
Sturz mit einer Oberarmfraktur eingeliefert ringert. Sie können die verschiedenen Krank−
wurde. Nach der Erstversorgung erheben Sie heitssymptome nicht einem Krankheitsbild zu−
die weitere Anamnese. Der Patient berichtet, ordnen und besprechen sich daher mit einem
dass er schon seit einiger Zeit Knochenschmer− internistischen Kollegen. Dieser vermutet, dass
zen und ein Druckgefühl im Oberbauch verspü− der Patient vielleicht unter einer Lipidspeicher−
re. Er leide vermehrt an blauen Flecken und sei krankheit leidet.
immer müde. Bei der Untersuchung stellen Sie
eine vergrößerte Leber und Milz (Hepatospleno−

22.1 . Was sind Lipide? Geben Sie einen Überblick über die verschiedenen Klassen!

22 Fettsäuren gehören zu den einfachen Lipiden und sind Grundbestandteil vieler zusammengesetzter
Lipide.

22.2 . Beschreiben Sie Struktur und Einteilung von Fettsäuren! Welche Fettsäuren kennen
Sie, und worin unterscheiden sich diese?

Fettsäuren sind u. a. Bestandteil von Triglyzeriden (Triacylglyzerinen).

22.3 . Zeichnen Sie ein Triglyzerid, und nennen Sie Funktionen dieser Lipidklasse!

Nach weiteren Untersuchungen des Patienten stellen Sie die Diagnose Lipidspeicherkrankheit Mor−
bus Gaucher. Hierbei liegt ein Enzymdefekt der Glukozerebrosidase vor. Dadurch kommt es zu ver−
mindertem Abbau des Glukozerebrosids, welches zu den Glykolipiden gehört.

22.4 . Erläutern Sie Aufbau und Vorkommen der Glykolipide!

Glykolipide enthalten als Grundbaustein den Alkohol Sphingosin und werden damit zur Klasse der
Sphingolipide gezählt.

!!! 22.5 . Beschreiben Sie die Biosynthese der Sphingolipide!

Ü Antworten und Kommentar Seite 140

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23. . Alkoholiker mit erhöhter Porphyrinausscheidung im Urin Fall
23
Sie sind diensthabender Internist und werden in
die Notaufnahme zu einem stark alkoholisierten
Mann gerufen. Sie finden einen verwahrlosten
Patienten vor, bei dem Sie Zeichen eines chro−
nischen Alkoholmissbrauchs feststellen können,
u. a. Bauchwassersucht (Aszites), verstärkte Ve−
nenzeichnung am Bauch (sog. Caput medusae)
sowie arterielle Gefäßneubildungen (sog. Spider
naevi) in der Haut von Gesicht und Schulter. An
den lichtexponierten Handrücken sehen Sie au−
ßerdem Veränderungen, wie sie infolge von UV−
Einwirkung auftreten können: verstärkte
Färbung der Haut durch vermehrte Bildung und
Ablagerung von Pigment (Hyperpigmentie−
rung), Blasen− und Narbenbildung (s. Abb.). Sie
nehmen den Patienten auf. Im Verlauf des Kran−
kenhausaufenthalts wird bei dem Patienten eine
erhöhte Porphyrinausscheidung im Urin festge−
stellt und die Diagnose (chronisch hepatische) 23
Porphyrie gestellt. Alkoholmissbrauch ist ein Veränderungen an der Haut (Hyperpigmentierung, Blasen−
Manifestationsfaktor für Porphyrien. und Narbenbildung) bei Porphyrie

Bei Porphyrien handelt es sich um Defekte der verschiedenen Enzyme der Häm−Biosynthese.
23.1 . Wo kommt Häm vor, und welche Aufgaben hat es?

23.2 . In welchen Geweben findet die Häm−Biosynthese statt?

23.3 . Nennen Sie alle Substrate der Häm−Biosynthese von den Ausgangsstoffen bis zum
Häm!

Durch den Enzymdefekt kommt es bei Porphyrien zu einem Abfall der Häm−Produktion. Dadurch
fällt die negative Feedback−Hemmung auf das geschwindigkeitsbestimmende Enzym weg.

!!! 23.4 . Welches ist das geschwindigkeitsbestimmende Enzym? Wie erfolgt die Regulation
konkret?

Ü Antworten und Kommentar Seite 144

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Fall 24. . Bewusstloser Patient mit künstlicher Aminosäurenzufuhr
24
Sie arbeiten als Arzt auf einer Intensivstation und Elektrolyte), Glukose und Aminosäuren
und betreuen u. a. einen 30−jährigen Patienten, über eine Vene. Aminosäuren sind wichtige
der 3 Tage zuvor bei einem Autounfall schwer Nahrungsbestandteile, die für viele Körperfunk−
verletzt wurde. Seitdem ist der Patient bewusst− tionen unentbehrlich sind. Deswegen ist es so
los und kann daher auf normalem Wege keine wichtig, diese bei der künstlichen Ernährung zu−
Nahrung zu sich nehmen. zuführen.
Aus diesem Grunde wird der Patient künstlich
ernährt: Er erhält kristalloide Lösungen (Wasser

24.1 . Nennen Sie Funktionen von Aminosäuren!

24

Wichtig ist, dass bei der künstlichen Ernährung die proteinogenen Aminosäuren zugeführt werden.

24.2 . Was sind proteinogene Aminosäuren? Nennen Sie alle proteinogenen Aminosäuren!

Einige proteinogene Aminosäuren sind essenziell.

24.3 . Was versteht man unter essenziellen Aminosäuren? Welche Aminosäuren gehören
dazu?

24.4 . Aus welchem Grundgerüst sind die proteinogenen Aminosäuren aufgebaut?

Ü Antworten und Kommentar Seite 146

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! 25. . 78−Jähriger mit Untergang von Hirngewebe bei Schlaganfall Fall

Ein 78−jähriger Patient wird vom Notarzt in die


25
Notaufnahme gebracht. Sie sind der aufneh−
mende Arzt und erfahren vom Notarzt, dass der
Patient von seinem Sohn auf dem Boden im
Bad gefunden worden war. Weil der Patient die
rechte Körperhälfte nicht bewegen und auch
nicht mehr richtig sprechen konnte, habe der
Sohn den Notarzt gerufen. Dieser vermute, dass
der Patient einen Schlaganfall erlitten habe. Sie
untersuchen den Patienten und haben ebenfalls
diese Verdachtsdiagnose. Sie veranlassen eine
Computertomographie (CT) des Schädels, die
unauffällig ist. Durch eine Magnetresonanzto−
mographie (MRT) können Sie den Bereich dar−
stellen, der durch den Schlaganfall irreversibel
geschädigt wurde (s. Abb.). Es liegt ein Hirnin−
farkt vor. Hierbei geht Hirngewebe durch fehl−
ende Sauerstoffversorgung bei Hirngefäßver−
schluss unter. Um den Infarktbereich gibt es MRT des Schädels: Hirninfarkt links (schwarzes Gebiet mit 25
mangelversorgtes Hirngewebe (Penumbra), wel− Pfeil markiert)
ches – wenn der Patient nicht angemessen the−
rapiert wird – ebenfalls durch Apoptose zugrun−
de gehen kann.

25.1 . Was ist Apoptose?

25.2 . Über welche Mechanismen kann Apoptose ausgelöst werden?

25.3 . Welche Moleküle fördern die Apoptose, welche Moleküle hemmen die Apoptose?

25.4 . Wie unterscheidet sich die Apoptose von der Nekrose?

Ü Antworten und Kommentar Seite 149

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Fall 26. . Sonnenanbeterin“ erkundigt sich über DNA−Schäden durch UV−Strahlung
26
Eine Freundin, die gerne ihren Urlaub in der so? Mir geht es eigentlich immer richtig gut
Sonne verbringt, fragt Sie: Überall liest man, nach meinem Spanienurlaub.“ Sie erklären ihr,
dass Sonnenbaden so schädlich sei, weil sich dass die UV−Strahlung der Sonne zu DNA−
das Hautkrebsrisiko so erhöhe. Warum ist das Schäden führt.

Daraufhin fragt sie:

26.1 . Worum handelt es sich bei DNA? Was ist ihre Funktion?

26.2 . Wie ist die DNA aufgebaut?


26

Nun will sie wissen, was UV−Strahlung bewirkt.

!!! 26.3 . Nennen Sie einen wichtigen Mechanismus der DNA−Schädigung durch UV−Strahlen!

Aber Sie können ihre Freundin auch etwas beruhigen, denn es gibt Möglichkeiten, die veränderte
DNA wieder zu reparieren.

26.4 . Nennen und erläutern Sie DNA−Reparaturmechanismen!

Nachdem Ihre Freundin gegangen ist, lesen Sie in Ihren Büchern über die Organisation der DNA im
Zellkern nach. Dabei spielt das Chromatin eine wichtige Rolle.

26.5 . Stellen Sie Funktion und Aufbau des Chromatins dar!

Ü Antworten und Kommentar Seite 152

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27. . Neugeborenes mit Ikterus bei Pyruvatkinasemangel Fall
27
Eine besorgte Mutter stellt sich mit ihrem 3
Wochen alten Neugeborenen bei Ihnen in der
Ambulanz der Kinderklinik vor. Die Mutter be−
richtet, dass die Hautfarbe des Babys blass−gelb−
lich sei, außerdem würde es beim Stillen schnell
ermüden. Sie untersuchen das Kind und stellen
ebenfalls fest, dass seine Hautfarbe immer noch
gelb ist (sog. Ikterus). Dieser Ikterus ist bei
Neugeborenen bis zur 2. Lebenswoche physiolo−
gisch; hier handelt es sich also um einen ver−
längert andauernden Ikterus (sog. Icterus pro− Blutausstrich mit Erythrozyten in Stechapfelform (Akantho−
longatus). Außerdem ist die Milz bei dem zyten) und zum Vergleich ein Blutausstrich mit normalen
Neugeborenen vergrößert (Splenomegalie). Sie Erythrozyten
veranlassen eine Blutuntersuchung und erhalten
folgende Befunde: normozytäre normochrome Sie die Diagnose hämolytische Anämie und su−
Anämie, Bilirubinq, Laktatdehydrogenase (LDH)q, chen nach der Ursache. Durch Aktivitätsbestim−
Retikulozytenq. Im Blutausstrich sehen Sie Ery− mung von Erythrozytenenzymen können Sie ei−
throzyten mit Stechapfelform (sog. Akanthozy− nen Mangel an Pyruvatkinase feststellen.
ten). Aufgrund dieser Laborergebnisse stellen 27

Die Pyruvatkinase ist ein Enzym der Glykolyse.


27.1 . Erläutern Sie den Ablauf der Glykolyse!

27.2 . Welche Aufgabe hat die Glykolyse? Erläutern Sie in diesem Zusammenhang auch den
Begriff Substratkettenphosphorylierung, und benennen Sie die entsprechenden
Reaktionen in der Glykolyse!

27.3 . Wie wird die Glykolyse reguliert?

27.4 . Welche Besonderheit gibt es bei der Glykolyse in den Erythrozyten?

!!! 27.5 . Warum führt ein Pyruvatkinase−Mangel der Erythrozyten zu einer Auflösung von
Erythrozyten (Hämolyse)?

Ü Antworten und Kommentar Seite 155

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Fall 28. . 59−Jährige mit Muskelkrämpfen und erniedrigtem Serum−Kalziumwert
28
In Ihrer Hausarztpraxis stellt sich eine 59−jährige stammes beobachten Sie ein Zucken des Mund−
Patientin wegen wiederholter schmerzhafter winkels (Chvostek−Zeichen positiv). Zudem ruft
Muskelkrämpfe vor. Der Akte entnehmen Sie, das Aufpumpen der Blutdruckmanschette eine
dass ihre Schilddrüse vor einem Jahr entfernt Pfötchenstellung der Hand hervor (Trousseau−
wurde. Bei der neurologischen Untersuchung Zeichen positiv). Auffälligster Laborbefund ist
bemerken Sie eine Hyperreflexie (gesteigerte ein erniedrigter Serum−Kalziumwert von
Reflexantwort). Beim Beklopfen des Fazialis− 1,74 mmol/l (Norm 2,2–2,6 mmol/l).

28.1 . Wie lautet Ihre Verdachtsdiagnose?

28

28.2 . Welche Hormone regulieren den Kalziumhaushalt? Nennen Sie jeweils Syntheseort
und wichtige Funktionen!

Zwischen Zytosol (Ca2+−Konzentration 10−7mol/l) und Extrazellulärraum (Ca2+−Konzentration


10−3mol/l) herrscht ein starker Gradient der Kalziumkonzentration.

!!! 28.3 . Über welche Mechanismen hält die Zelle die niedrige intrazelluläre Kalziumkonzent−
ration aufrecht?

Ü Antworten und Kommentar Seite 158

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29. . 6−Jährige mit verlängerter Blutungszeit bei von−Willebrand−Jürgens−Syndrom Fall
29
Ein 6−jähriges Mädchen wird vom HNO−Arzt zur der kleinen Patientin die Mandeln entfernt. Bei
weiteren Diagnostik und Therapie in Ihre Kin− der Operation kam es zu einer starken Nachblu−
derarztpraxis überwiesen. Nach wiederholten tung. Die Blutstillung (Hämostase) scheint bei
Mandelentzündungen (Tonsillitiden) wurden bei der Patientin beeinträchtigt zu sein.

29.1 . Erläutern Sie kurz die Phasen der Hämostase!

Bei der Anamnese erfahren Sie von der Mutter, dass das Mädchen häufiger Nasenbluten habe. Auch
beim Vater der Patientin trete manchmal längeres Nasenbluten auf. Sie vermuten eine erbliche
Störung der Hämostase und veranlassen verschiedene Labortests.

29.2 . Nennen Sie Laborparameter, mit denen die verschiedenen an der Hämostase
beteiligten Systeme getestet werden können!

29
Nun erhalten Sie die Ergebnisse aus dem Labor: Thrombozytenzahl normal, Blutungszeit deutlich
verlängert, Quick−Wert normal, aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) verlängert. Zusätzlich
haben Sie verschiedene Faktoren, die an der Hämostase beteiligt sind, getestet. Auffällig ist, dass
von−Willebrand−Faktor (vWF) und Gerinnungsfaktor VIII (antihämophiler Faktor A) vermindert sind.

29.3 . Welcher Teil oder welche Teile des Gerinnungssystems sind bei dem Mädchen nicht
richtig funktionstüchtig? Begründen Sie!

Aufgrund des von−Willebrand−Faktor−Mangels stellen Sie bei dem Mädchen die Diagnose von−Wille−
brand−Jürgens−Syndrom. Der von−Willebrand−Faktor spielt bei der primären Hämostase eine wichti−
ge Rolle. Bei der primären Hämostase kommt es zuerst zur Gefäßreaktion, danach zur Thrombozy−
tenreaktion.

29.4 . Beschreiben Sie die Gefäßreaktion der primären Hämostase!

29.5 . Erläutern Sie die Thrombozytenreaktion der primären Hämostase!

Damit die Hämostase bei Patienten mit von−Willebrand−Jürgens−Syndrom nicht noch mehr be−
einträchtigt wird, dürfen diese Patienten Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure
(ASS, Aspirin) nicht einnehmen.

!!! 29.6 . Wie funktionieren Thrombozytenaggregationshemmer?

Ü Antworten und Kommentar Seite 160

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Fall 30. . Beratung bzgl. einer Folsäureprophylaxe vor Eintritt einer Schwangerschaft
30
In Ihre Praxis für Gynäkologie kommt eine 27− nahme von Folsäure zu empfehlen. Eine
jährige Patientin zur Vorsorgeuntersuchung. Sie Folsäureeinnahme vor und während einer
teilt Ihnen mit, dass sie die Pille absetzen wer− Schwangerschaft reduziert nämlich das Risiko
de, da sie schwanger werden möchte. Dies neh− für Neuralrohrdefekte (fehlerhafte Entwicklung
men Sie zum Anlass, um der Patientin die Ein− von Gehirn und Rückenmark).

30.1 . Wie ist das Vitamin Folsäure aufgebaut?

30

30.2 . Wie wird es in die aktive Form überführt?

30.3 . Welche Funktionen erfüllt Folsäure?

Ü Antworten und Kommentar Seite 163

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31. . Säugling mit Fruktoseintoleranz Fall
31
Bei einer Familienfeierlichkeit treffen Sie Ihre dann eine akute Unterzuckerung (Hypoglyk−
Cousine mit ihrer 6 Monate alten Tochter. Die ämie) und im weiteren Verlauf eine Fruktosein−
Cousine erzählt Ihnen, dass sie ihrem Kind 2 toleranz diagnostiziert. Seitdem der Säugling
Monate zuvor den ersten Brei zur Muttermilch nun eine spezielle Diät neben dem Stillen be−
gefüttert habe. Diese Beikost hätte die Kleine käme, sei alles wieder in Ordnung. Ihre Cousine
sehr schlecht vertragen. Auf Ihre Nachfrage hin stellt Ihnen nun einige Fragen zum Hintergrund
erläutert Sie Ihnen, dass das Mädchen zittrig des Krankheitsbildes Fruktoseintoleranz, um ih−
und blass geworden sei und sich erbrochen re Informationen vom Kinderarzt zu ergänzen:
hätte. Im Krankenhaus habe der Kinderarzt

31.1 . Was ist eigentlich Fruktose genau? Kannst Du mir mal die Formel der Fruktose
aufmalen?

31

31.2 . Warum soll meine Tochter neben Früchten auch niemals Süßigkeiten essen?

31.3 . Wie wird Fruktose denn normalerweise abgebaut?

!!! 31.4 . Welche enzymatische Reaktion funktioniert bei der Kleinen nun nicht so wie normal?

!!! 31.5 . Warum muss darauf geachtet werden, dass das Kind keine Sorbit−Infusion erhält?

Ü Antworten und Kommentar Seite 166

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Fall 32. . 73−Jährige mit erhöhtem Granulozytenwert bei Entzündung
32
Auf einer chirurgischen Station betreuen Sie eine Entzündung möglicherweise aufgrund ei−
eine 73−jährige Patientin, die sich 5 Tage zuvor ner Wundinfektion hin. Sie wollen Ihrem Ver−
bei einem Verkehrsunfall den Unterschenkel ge− dacht nachgehen und bestimmen die sog. Ent−
brochen hatte. Der Bruch wurde noch am Un− zündungsparameter im Blut (Leukozyten, CRP,
falltag operativ versorgt. Nun stellen Sie bei der Blutsenkungsgeschwindigkeit [BSG]). Auffällig
Visite fest, dass der Unterschenkel warm, rot ist u. a. ein besonders hoher Wert der neutro−
und geschwollen ist. Die Patientin klagt zudem philen Granulozyten.
über Schmerzen. Diese Symptome deuten auf

32.1 . Was wissen Sie über neutrophile Granulozyten?

32

32.2 . Wie funktioniert die Phagozytose durch neutrophile Granulozyten?

Neutrophile Granulozyten sind an der unspezifischen Abwehr beteiligt.

32.3 . Welche Zellen sind neben den neutrophilen Granulozyten an der unspezifischen
Abwehr beteiligt? Beschreiben Sie kurz deren Funktionen!

Ü Antworten und Kommentar Seite 168

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33. . Kind mit erhöhtem Ammoniak im Blut bei Ornithin−Transcarbamylase−Mangel Fall
33
Auf einer Station für Neonatologie betreuen Sie Krampfanfällen und Muskelschwäche. Der La−
während Ihres Wahltertials im Praktischen Jahr borbefund zeigt ein erhöhtes Ammoniak im
einen 12 Tage alten Säugling. Er leidet an Blut (Hyperammonämie).

33.1 . Wie wird Ammoniak im menschlichen Körper entgiftet“?

Bei der weiteren Diagnostik wurde ein Enzymdefekt im Harnstoffzyklus festgestellt.

33.2 . Beschreiben Sie den Harnstoffzyklus!


33

33.3 . Wie wird der Harnstoffzyklus reguliert? Wie hoch ist der Energieaufwand?

!!! 33.4 . Welche Funktionen haben Carbamylphosphat−Synthetase I und II? In welchem


zellulären Kompartiment sind die Enzyme lokalisiert?

Im Urin des Säuglings konnten Sie erhöhte Werte der Orotsäure nachweisen. Der Citrullin−Spiegel
im Blut ist erniedrigt. Sie stellen die Diagnose Ornithin−Transcarbamylase−Mangel (OTC−Mangel).

!!! 33.5 . Warum steigt die Konzentration von Orotsäure im Urin bei OTC−Mangel?

Ü Antworten und Kommentar Seite 170

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Fall 34. . 65−Jähriger mit vergrößerten Akren bei Wachstumshormonüberschuss
34
Auf der Feier anlässlich des 85. Geburtstages Ih−
rer Großmutter fällt Ihnen auf, dass sich Ihr On−
kel sehr verändert hat. Sie haben ihn seit 9 Jah−
ren nicht mehr gesehen, er ist jetzt 65 Jahre
alt. Seine Gesichtszüge scheinen vergröbert (s.
Abb.). Am späteren Abend erzählt er Ihnen,
dass ihm die Schuhe schon seit einiger Zeit zu
klein seien, auch seine Hüte würden drücken.
Seine Stimme klingt dabei kloßig und etwas
verwaschen. Ihnen fällt die enorm große Zunge
auf (Makroglossie, s. Abb.). Er berichtet auch
von Kopfschmerzen, die er mit Aspirin selbst
therapiere. Sie vermuten, dass bei Ihrem Onkel
ein Überschuss an Wachstumshormon (Somato−
tropin) vorliegt, was derartige Symptome verur−
sachen kann. Sie bitten Ihren Onkel darum, sich
in der nächsten Woche bei seinem Hausarzt
vorzustellen. Sie geben ihm einen Zettel mit,
34 auf dem Sie Verdacht auf Akromegalie?“ notie−
ren.
Nach 10 Tagen werden Sie von Ihrer Tante an−
gerufen. Sie bedankt sich bei Ihnen und erzählt Vergrößerte Zunge (Makroglossie) und Vergröberung der
begeistert, dass der Verdacht vollkommen rich− Gesichtszüge bei Akromegalie
tig war und die Krankheit durch einen kleinen
Tumor in der Hypophyse bedingt sei.

34.1 . Erläutern Sie die Wirkungen von Somatotropin!

34.2 . Wie wird die Synthese dieses Hormons reguliert?

!!! 34.3 . Welche Ursache liegt der Akromegalie pathophysiologisch zu Grunde?

Ü Antworten und Kommentar Seite 173

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35. . Patientin mit Zwölffingerdarmgeschür durch Helicobacter pylori Fall
35
Es ist wenige Tage vor der Biochemie−Klausur. einigen Untersuchungen zum Gastroenterolo−
Schon wieder klingelt das Telefon. Das darf gen überwiesen habe. Dort habe sie einen
doch nicht war sein!“, denken Sie. Im Display Schlauch schlucken müssen. Der Gastroentero−
Ihres ISDN−Telefons erkennen Sie, dass es Ihre loge habe ein Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus
Eltern sind. Mit den Worten: Mach es bitte duodeni) festgestellt, das durch das Bakterium
kurz!“, begrüßen Sie Ihre Mutter. Diese hält sich Helicobacter pylori (HP) hervorgerufen wurde.
nicht an die Vorgabe, sondern erzählt von ih− Sie müsse jetzt für eine Woche drei Medika−
rem Leiden. Sie habe seit einiger Zeit häufig mente nehmen: zwei Antibiotika, um das Bakte−
Schmerzen im Oberbauch. Diese seien beson− rium zu vernichten, und einen Protonenpum−
ders schlimm, wenn sie gegessen habe. Sie ra− penhemmer, der die Salzsäureproduktion im
ten Ihr, zum Hausarzt zu gehen. 2 Wochen Magen hemmt. Das sei schon ganz schön viel,
später – Sie haben die Biochemie−Klausur inzwi− aber sie habe das Gefühl, dass es wirklich schon
schen gut überstanden – ruft Ihre Mutter wie− etwas helfe.
der an. Sie berichtet, dass ihr Hausarzt sie nach

35.1 . Aus welchen Anteilen besteht der Magensaft? Von welchen Zellen werden diese
gebildet? Was ist die Aufgabe des jeweiligen Bestandteils? Füllen Sie dazu folgende
Tabelle aus! 35

Anteile des Magensafts Bildungsort (Zellen) Aufgabe

Ihre Mutter hat einen Protonenpumpenhemmer zur Hemmung der Salzsäureproduktion bekom−
men.

35.2 . Wie erfolgt die Salzsäureproduktion im Magen?

Der Arzt hatte Ihrer Mutter auch empfohlen, nur leichte Kost und kleinere Mahlzeiten zu sich zu
nehmen. Außerdem sollte sie auf Kaffee und Alkohol verzichten, um die Salzsäuresekretion etwas
zu reduzieren.

35.3 . Wie wird die Salzsäuresekretion im Magen reguliert? Warum sollte Ihre Mutter also
diese Empfehlungen berücksichtigen?

Ü Antworten und Kommentar Seite 174

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Fall 36. . Junge mit Störung der Peroxisomen bei Adrenoleukodystrophie
36
Sie machen mit einigen Ihrer Freunde einen Nervensystem befällt. Innerhalb kurzer Zeit ent−
Fernsehabend. Eigentlich wollten Sie einen Ac− wickeln sich bei Lorenzo schwere neurologische
tion−Film sehen. Dieser Film läuft überraschen− Symptome (z. B. Spastik, Krampfanfälle), er wird
derweise nicht, so dass Sie sich einen anderen aggressiv und verliert sein Gehör. Die Ärzte ge−
Film, und zwar Lorenzos Öl“, anschauen. Ge− ben ihm nur noch 2 Jahre. Doch die Eltern wol−
schildert wird das Leben des Jungen Lorenzo len sich mit diesem Todesurteil nicht abfinden
Odone. Er war ein aufgeweckter und liebens− und kämpfen mit unermüdlichem Einsatz um
werter Junge, bis sich bei ihm im Alter von 5 das Leben ihres Jungen. So entwickeln sie z. B.
Jahren die Erkrankung Adrenoleukodystrophie ein Öl“, welches die Krankheit etwas aufhalten
(ALD) manifestierte. Hierbei handelt es sich um kann. Dieses Öl wird unter dem Namen Lo−
eine schwere Stoffwechselerkrankung, die das renzos Öl“ weltbekannt.

Ursache der ALD ist ein Defekt in einem Gen, welches für ein Membranprotein der Peroxisomen
kodiert.

36.1 . Beschreiben Sie den Aufbau von Peroxisomen!

36

36.2 . Welche Aufgaben haben Peroxisomen?

36.3 . Beschreiben Sie kurz die chemischen Prozesse, die dabei in den Peroxisomen ablaufen!

!!! 36.4 . Wie unterscheidet sich die b−Oxidation in den Peroxisomen von der in Mitochondrien?

Ü Antworten und Kommentar Seite 176

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37. . 8−Jähriger mit Defekt im Purinstoffwechsel bei Lesch−Nyhan−Syndrom Fall
37
Sie famulieren in einer Kinderarztpraxis und se− lungen an Lippen und Händen auf. Sie erfahren,
hen heute erstmalig ein Kind mit Lesch−Nyhan− dass er sie sich selbst zugefügt hat. Der Kinder−
Syndrom. Der 8−jährige Junge ist geistig behin− arzt erläutert Ihnen, dass beim Lesch−Nyhan−
dert und hat einen erhöhten Muskeltonus Syndrom ein Defekt im Purinstoffwechsel vor−
(Spastik). Außerdem fallen Ihnen Verstümme− liegt.

37.1 . Benennen Sie die häufigen Purinbasen, ihre Nukleoside und Nukleotide! Welche davon
finden sich in der DNA, RNA und im Syntheseweg?

37.2 . Zeichnen Sie einen Purinring! Zeigen Sie für jedes Ringatom, welchem Substrat der
Purinsynthese es entstammt! 37

37.3 . Mit welchem Substrat beginnt die Purinsynthese? Aus welchem Stoffwechselweg
stammt es, und wie wird es aktiviert?

37.4 . Wie erfolgt die Synthese bis zum ersten Purinnukleotid? Wie wird es zu den zwei
häufigen Purinnukleotiden der Nukleinsäuren gewandelt?

Abends lesen Sie zu Hause nach, dass beim Lesch−Nyhan−Syndrom ein Enzym des Salvage Pathways
fehlt.

37.5 . Was versteht man unter Salvage Pathway? Erläutern Sie den Salvage Pathway!

Ü Antworten und Kommentar Seite 179

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Fall 38. . Patient mit alkoholtoxischer Fettleber durch gestörten Fettsäureabbau
38
Während einer Famulatur in der Inneren Medi−
zin arbeiten Sie 2 Wochen in der Ultraschall−
diagnostik (Sonographie). Nachdem Sie mit
Kommilitonen die orientierende sonographische
Untersuchung des Abdomens geübt haben,
dürfen Sie Patienten selbst mit dem Ultraschall
untersuchen (schallen“). Bei einem 47−jährigen
Patienten stellen Sie eine vergrößerte Leber
fest. Außerdem stellt sich das Leberparenchym
viel heller (weißer“) dar als bei normalem Be−
fund. In der Anamnese lesen Sie, dass der Pa−
tient seit Jahren Alkohol in überdurchschnittli−
cher Menge“ zu sich nimmt. Nachdem der Sonografie: Fettleber (Normalerweise stellen sich Leber−
Patient den Raum verlassen hat, erklärt Ihnen parenchym und Nierenparenchym gleich dar. Bei Fettleber
der internistische Oberarzt, dass Sie im Ultra− stellt sich die Leber im Vergleich zur Niere heller dar.)
schall soeben eine typische Fettleber (Steatosis
hepatis) bei Alkoholkrankheit gesehen hätten.

38 38.1 . Wie wird Alkohol (Ethanol) abgebaut?

Bei chronischem Alkoholmissbrauch und damit verstärktem Ethanolabbau wird der Fettsäureabbau
(b−Oxidation) gehemmt.
38.2 . Wie läuft die b−Oxidation der Fettsäuren in den Mitochondrien ab?

!!! 38.3 . Warum wird die b−Oxidation der Fettsäuren bei chronischem Alkoholmissbrauch
gehemmt?

Bei der b−Oxidation der Fettsäuren werden aktivierte Fettsäuren (Acyl−CoA) benötigt.

38.4 . Warum müssen Fettsäuren aktiviert werden? Wie erfolgt die Aktivierung der
Fettsäuren?

Die b−Oxidation der Fettsäuren findet v. a. im Mitochondrium und nur zu einem kleinen Teil in den
Peroxisomen statt.
38.5 . Warum findet die b−Oxidation der Fettsäuren fast ausschließlich im Mitochondrium
statt? Wie gelangen die Fettsäuren in das Mitochondrium?

38.6 . Beschreiben Sie die Funktion der Redox−Koenzyme am Beispiel der b−Oxidation!

Ü Antworten und Kommentar Seite 182

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39. . 2 Studenten nach Einnahme des Schmerzmittels ASS Fall
39
Sie haben das Medizinstudium in Hamburg be− lingskneipen. Am nächsten Morgen verspüren
gonnen. Beim ersten Besuch ihres alten Schul− Sie beide enorme Kopfschmerzen, die Sie wie
freundes führen Sie ihn durch Ihre neuen Lieb− immer mit 1000 mg Aspirin therapieren.

Das Schmerzmittel Aspirin enthält den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), der die Cyclooxygenase
hemmt.

39.1 . Welche Substanz wird durch die Cyclooxygenase umgewandelt? Woher kommt diese
Substanz?

39

39.2 . Welche Substanzen entstehen dabei? Nennen Sie auch deren Wirkungen!

39.3 . Warum wird durch Hemmung der Cyclooxygenase eine Schmerzverminderung


erreicht?

Einige Zeit später geht es Ihrem Freund nicht gut. Er klagt über Luftnot, die sich immer mehr ver−
schlechtert. Sie rufen besorgt den Notarzt. Dieser diagnostiziert einen Asthmaanfall. Der Notarzt
vermutet, dass der Asthmaanfall durch das Aspirin ausgelöst wurde.

!!! 39.4 . Erläutern Sie, warum ein Cyclooxygenasehemmer wie Aspirin einen Asthmaanfall
auslösen kann!

Ü Antworten und Kommentar Seite 186

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Fall 40. . 74−Jährige mit Thrombose und Therapie mit Vitamin−K−Antagonisten
40
Eine 74−jährige Patientin wird von Rettungssa− nes speziellen Ultraschallverfahrens können Sie
nitätern in die internistische Notfallambulanz die Verdachtsdiagnose bestätigen: Ein Throm−
gebracht. Sie habe ein geschwollenes, bus verschließt eine tiefe Beinvene. Als Sofort−
überwärmtes und blau−rötlich verfärbtes Bein. maßnahme verabreichen Sie der Patientin He−
Es handele sich wohl um eine Thrombose (Blut− parin, um ein weiteres Thrombuswachstum zu
gerinnsel) einer tiefen Beinvene, vermuten die verhindern. Sobald wie möglich stellen Sie die
Rettungssanitäter. Sie sind der aufnehmende Patientin auf eine Therapie mit einem Vitamin−
Arzt und untersuchen die Patientin. Mit Hilfe ei− K−Antagonisten um.

40.1 . Welche Aufgaben hat Vitamin K im menschlichen Körper? Erläutern Sie in diesem
Zusammenhang auch den Begriff g−Carboxylierung!

40
Vitamin−K−Antagonisten greifen in den Vitamin−K−Zyklus ein.

40.2 . Erläutern Sie den Vitamin−K−Zyklus!

40.3 . Wie greifen Vitamin−K−Antagonisten in diesen Zyklus ein?

Um die Gerinnungsparameter bei der Patientin zu überwachen, bestimmen Sie Quick−Wert und
INR.

40.4 . Erläutern Sie Quick−Wert und INR!

!!! 40.5 . Warum behandeln Sie die Patientin zunächst mit Heparin und nicht gleich mit einem
Vitamin−K−Antagonisten?

Ü Antworten und Kommentar Seite 188

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41. . 4−Jährige mit erhöhter Homozystinkonzentration im Plasma Fall
41
Im Kinderheilkunde−Praktikum sollen Sie dem mit den Kinderärzten haben Sie verschiedene
Oberarzt ein 4−jähriges Mädchen vorstellen. Es Untersuchungen durchgeführt und konnten da−
wurde wegen einer Verlagerung der Linse in die bei erhöhte Methionin− und Homozystinkon−
vordere Augenkammer (Linsenluxation) mit ein− zentrationen im Plasma feststellen. Das
geschränkter Sehschärfe, Hochwuchs und Lang− Mädchen leidet an einer Homozystinurie. Nach−
gliedrigkeit eingewiesen. Die geistige Entwick− dem Sie dem Oberarzt die Patientin vorgestellt
lung des Mädchens ist rückständig. Zusammen haben, stellt er Ihnen noch einige Fragen:

41.1 . Welche Produkte entstehen beim Abbau der Kohlenstoffgerüste der Aminosäuren?
Gehen Sie dabei auch auf die Begriffe glukogen und ketogen ein!

41

41.2 . Erläutern Sie den Abbau von Methionin!

41.3 . Welches Zwischenprodukt entsteht beim ersten Schritt des Methioninabbaus?


Erläutern Sie die besondere Bedeutung dieses Produkts!

Bei der Homozystinurie liegt ein Defekt der Cystathionin−b−Synthase vor.

!!! 41.4 . Welche Aminosäure kann dadurch nicht mehr vom Körper selbst gebildet werden und
wird dadurch essenziell?

Ü Antworten und Kommentar Seite 191

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Fall 42. . Neugeborenes mit Galaktosämie
42
Heute haben Sie ihren ersten Tag im Kurs für wurden, konnte die Diagnose bestätigt werden.
Kinderheilkunde. Nachdem Sie sich auf der Neu− Jetzt fragt der Oberarzt Sie nach Ihren Bioche−
geborenen−Station der Uni−Kinderklinik gemel− miekenntnissen, er will wissen:
det und sich alle Kommilitonen Ihrer Gruppe
den Kittel angezogen haben, holt Sie der leiten−
de Oberarzt ab. Nach ein paar einleitenden
Worten betreten Sie gemeinsam ein Patienten−
zimmer, in dem Sie die Eltern eines 2 Wochen
alten Patienten begrüßen. Ihre Gruppe erfährt,
dass bei dem kleinen Patienten im Neugebore−
nen−Screening eine klassische Galaktosämie
festgestellt wurde. Außer einer Unterzuckerung
(Hypoglykämie) mit Trinkschwäche, Blässe und
Zittrigkeit trat in den ersten Tagen eine
verstärkte Neugeborenen−Gelbsucht (Ikterus)
auf. Außerdem sind Leber und Milz vergrößert
(s. Abb.). Durch einen weiteren Labortest, bei Neugeborenes mit klassischer Galaktosämie (Typisch ist
dem erhöhte Galaktosewerte im Blut gefunden die ausgeprägte Vergrößerung von Leber und Milz.)
42
42.1 . Was ist Galaktose, und in welcher Form wird Galaktose aufgenommen?

42.2 . Wofür wird Galaktose benötigt?

42.3 . Erläutern Sie uns den Stoffwechsel der Galaktose!

!!! 42.4 . Welche Reaktion ist bei der klassischen Galaktosämie betroffen?

!!! 42.5 . Wie kommt es zu der Hypoglykämie, die sich bei dem Neugeborenen mit
Trinkschwäche, Blässe und Zittrigkeit manifestiert?

Ü Antworten und Kommentar Seite 194

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43. . 7−Jährige mit Überdehnbarkeit der Haut bei Ehlers−Danlos−Syndrom Fall
43
Sie famulieren in einer Praxis für Kinderheilkun− Abnorme
de. Verblüfft stellen Sie bei einem 7−jährigen Beweglichkeit der
Mädchen fest, dass Haut und Gelenke stark Gelenke
überdehnbar sind (s. Abb.). Der Kinderarzt er−
läutert Ihnen, dass das Mädchen unter dem Eh−
lers−Danlos−Syndrom, einer Bindegewebeerkran−
kung, leidet.

Starke Überdehn−
barkeit der Haut

Bindegewebezellen synthetisieren die extrazelluläre Matrix des Bindegewebes, die u. a. aus Kolla−
gen, Elastin, Proteoglykanen und Hyaluronsäure besteht.
43
43.1 . Von welchen Bindegewebezellen wird die extrazelluläre Matrix synthetisiert?

Das Ehlers−Danlos−Syndrom beruht auf einer Störung der Kollagenbiosynthese.


43.2 . Erläutern Sie den Grundaufbau von Kollagen!

43.3 . Beschreiben Sie die Kollagenbiosynthese!

43.4 . Welche unterschiedlichen Kollagentypen kennen Sie? Wo kommen diese bevorzugt


vor?

Die kleinste Aminosäure Glycin ist Bestandteil von Kollagen.


43.5 . Bei welchen Biosynthesen wird Glycin außerdem benötigt?

Ü Antworten und Kommentar Seite 196

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Fall 44. . 63−Jähriger mit ACE−Hemmer−Therapie wegen erhöhten Blutdrucks
44
Sie haben eine Allgemeinarztpraxis übernom− messung. Dabei liegen die Blutdruckwerte um
men. Heute kommt zu Ihnen ein 63−jähriger Pa− 170/110 mmHg. Sie stellen die Diagnose arteri−
tient, der wegen seines Asthmas bronchiale elle Hypertonie (Bluthochdruck) und möchten
seine Medikamente verschrieben bekommen den Patienten medikamentös behandeln. Da b−
möchte. Da Sie den Patienten noch nicht ken− Blocker eine Bronchokonstriktion auslösen und
nen, untersuchen Sie ihn gründlich und stellen damit ein Asthma bronchiale verstärken
einen erhöhten Blutdruck von 175/105 mmHg können, dürfen sie bei diesem Patienten nicht
fest. Sie veranlassen daraufhin verschiedene Un− gegeben werden. Sie verordnen dem Patienten
tersuchungen, u. a. eine 24−Stunden−Blutdruck− einen ACE−Hemmer.

44.1 . Beschreiben Sie Aufbau und Funktion des Renin−Angiotensin−Aldsteron−Systems


(RAAS)!

44

44.2 . An welcher Stelle greift ein ACE−Hemmer in das Renin−Angiotensin−Aldosteron−System


ein?

Ein Gegenspieler“ des RAAS stammt aus dem Herzen.

44.3 . Beschreiben Sie dessen Sekretionsreiz und Wirkungen!

Ü Antworten und Kommentar Seite 198

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45. . 17−Jähriger mit erhöhtem Kupfergehalt im Urin bei Morbus Wilson Fall
45
Sie arbeiten auf einer internistischen Station rigt. Im Urin, welchen der Patient über 24 Stun−
und betreuen u. a. einen 17−jährigen Patienten. den gesammelt hat (= 24−Stunden−Sammelurin),
Dieser wurde wegen Leistungsschwäche, Übel− findet sich dagegen ein erhöhter Kupfergehalt.
keit und Druckgefühl im rechten Oberbauch Sie veranlassen auch eine Untersuchung durch
aufgenommen. Bei der klinischen Untersuchung einen Augenarzt. Dieser stellt eine goldbraun−
tasten Sie eine vergrößerte Leber, in der Labor− grüne Verfärbung des Kornealrandes (sog. Kay−
diagnostik finden sich erhöhte Leberwerte ser−Fleischer−Kornealring) fest. Aufgrund dieser
(AST q, ALT q). Sie stellen die Verdachtsdia− Befunde stellen Sie die Verdachtsdiagnose Mor−
gnose Hepatitis (Entzündung der Leber) und su− bus Wilson (Kupferspeicherkrankheit), die durch
chen nach einer Ursache hierfür. Sie bestimmen eine Leberbiopsie bestätigt wird: In der Leber
u. a. den Caeruloplasmin− und Kupfergehalt im ist der Kupfergehalt stark erhöht.
Plasma des Patienten. Beide Werte sind ernied−

45.1 . Welche Funktion hat Kupfer im menschlichen Körper?

45

Bei dem Patienten ist die Kupferausscheidung gestört.

45.2 . Wie werden die Zellen normalerweise überschüssiges Kupfer los?

45.3 . Was ist Caeruloplasmin?

Ein weiteres Spurenelement neben Kupfer ist Zink.

45.4 . Welche Aufgaben hat Zink im Körper des Menschen?

Ü Antworten und Kommentar Seite 200

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Fall 46. . 46−jährige Patientin mit erhöhtem Bilirubin im Serum und Ikterus
46
Eine 46−jährige Patientin mit Gelbsucht (Ikte− die Patientin mit Schmerz− und krampflösenden
rus), hellem Stuhlgang und dunklem Urin wird Medikamenten. Dadurch konnten die Schmer−
vom Hausarzt zu Ihnen in die Klinik für Innere zen gelindert werden.
Medizin überwiesen, um die Ursache dieser Um die Ursache des Ikterus abzuklären, ver−
Symptome abzuklären. Die Laborbefunde des anlassen Sie nun u. a. eine endoskopische retro−
Hausarztes zeigen eine Erhöhung des direkten grade Cholangiopankreatographie (ERCP). Dafür
Bilirubins im Serum und eine vermehrte Biliru− suchen Sie mit dem Endoskop die Majorpapille
binausscheidung im Urin. Die Patientin berich− im Duodenum auf. Durch Einspritzen von Kon−
tet Ihnen, dass sie 3 Tage zuvor nach einem trastmittel unter Durchleuchtung stellen Sie die
reichhaltigen Abendessen starke rechtsseitige Gallenwege dar. Bei der Patientin ist der Ductus
krampfartige Oberbauchbeschwerden mit Übel− choledochus durch einen Gallenstein teilweise
keit und Erbrechen bekommen habe. Der Haus− verschlossen.
arzt vermutete eine Gallenkolik und behandelte

Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Häms.

46.1 . Erläutern Sie den Häm−Abbau zu den Gallenfarbstoffen!


46

Der erste Schritt im Häm−Abbau, ist die Umwandlung von Häm in Biliverdin durch die Hämoxy−
genase.

46.2 . Schildern Sie Ablauf und Kofaktoren der Hämoxygenase−Reaktion!

46.3 . Wie kommt ein Ikterus zustande?

46.4 . Nennen Sie die 3 Formen des Ikterus! Welche davon liegt bei Ihrer Patientin vor?

Ü Antworten und Kommentar Seite 202

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47. . Therapie mit einem Translationshemmstoff bei Pneumonie Fall
47
In Ihrer Allgemeinarztpraxis erscheint ein 62− ten eine Lungenentzündung (Pneumonie). Bei
jähriger Patient. Seit 3 Tagen fühle er sich sehr Befall eines Lungenlappens spricht man von
krank, habe Fieber und Husten. Manchmal be− Lobärpneumonie. Sei verschreiben dem Patien−
obachte er rotbraunen Auswurf. Sie hören die ten ein Makrolidantibiotikum und bitten ihn,
Lunge des Patienten ab und hören Geräusche sich in 3 Tagen wieder bei Ihnen zur Kontrolle
im rechten unteren Lungenlappen. Sie vermu− vorzustellen.

Makrolidantibiotika hemmen die Translation der Bakterien und dadurch das Wachstum der
Bakterien.

47.1 . Was versteht man unter Translation?

47

47.2 . Was ist der genetische Code?

47.3 . Erläutern Sie den Ablauf der Translation!

!!! 47.4 . Wie wirken folgende Hemmstoffe der Translation: Makrolidantibiotika, Aminoglyko−
side, Tetrazykline und Chloramphenicol?

Ü Antworten und Kommentar Seite 205

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Fall 48. . Junger Mann mit Übergewicht
48
2 Jahre nach dem Abitur treffen Sie sich mit ei− 15 kg zugenommen. Er sieht Ihren Blick und
nem alten Schulfreund, der gerade ein Jahr in sagt: Ja ja, ich weiß, ich bin richtig fett gewor−
den USA verbracht hat. Als Sie ihn sehen, sind den. Es waren wohl ein paar Hamburger und
Sie völlig erschrocken: Er hat bestimmt 10– Cola zu viel.“

Sie verbringen einen lustigen Tag mit ihrem Schulfreund. Es ist wie früher. Am nächsten Tag
wälzen Sie Ihre Biochemie−Bücher, weil es Sie doch etwas beschäftigt, dass Ihr Freund so dick ge−
worden ist. Nun klären Sie für sich folgende Fragen:

48.1 . Wann werden Fettsäuren neu synthetisiert?

48
48.2 . Wie erfolgt die Biosynthese der Fettsäuren?

48.3 . Wie läuft die Schrittmacherreaktion der Fettsäuresynthese ab? Wie wird sie reguliert?

Ihr Freund hatte eigentlich nur gesagt, dass er v. a. viel Hamburger gegessen und viel Cola getrun−
ken habe. In beiden Produkten finden sich v. a. Kohlenhydrate. Sie fragen sich daher:

48.4 . Warum werden bei Kohlenhydratüberschuss vermehrt Fettsäuren aufgebaut?

Die neu synthetisierten Fettsäuren werden in Form von Triglyzeriden gespeichert.

48.5 . Erklären Sie die Lipogenese (Triglyzeridsynthese) in Fettgewebe und Leber!

Ü Antworten und Kommentar Seite 209

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49. . Antagonisierung eines Medikaments bei Narkoseausleitung Fall
49
Als Anästhesist führen Sie bei einem Patienten gelähmt ist. Dies ist notwendig, damit der Pa−
eine Vollnarkose durch. Neben den Narkotika tient nicht mehr künstlich beatmet werden
(Schlafmittel) und Analgetika (Schmerzmittel) muss, sondern wieder selbständig atmen kann.
haben Sie dem Patienten ein sog. Muskelrela− Nun beendet der Chirurg den Eingriff vorzei−
xans verabreicht. Dieses Muskelrelaxans bindet tig, und Sie müssen feststellen, dass die Wir−
an die motorische Endplatte der Acetylcholinre− kung des Muskelrelaxans noch nicht genügend
zeptoren, löst aber im Gegensatz zu Acetylcho− nachgelassen hat. Sie verabreichen dem Patien−
lin keine Depolarisation und damit keine Mus− ten einen Acetylcholinesterasehemmer: Dieser
kelkontraktion aus. Die Muskulatur des bindet an die Acetylcholinesterase und hemmt
Patienten ist gelähmt (entspannt, relaxiert). Mit diese, dadurch wird weniger Acetylcholin abge−
der Zeit wird die Muskellähmung durch den baut. Die Konzentration von Acetylcholin steigt
spontanen Abbau des Muskelrelaxans beendet. im synaptischen Spalt und verdrängt das Mus−
Am Ende der Narkose sollte dann die Mus− kelrelaxans von der motorischen Endplatte. Die
kellähmung soweit aufgehoben sein, dass die Lähmung wird aufgehoben, und der Patient
Atemmuskulatur des Patienten nicht mehr kann wieder selbständig atmen.

Die Acetylcholinesterase ist ein Enzym.


49
49.1 . Wie beeinflussen Enzyme den Ablauf von biochemischen Reaktionen im menschlichen
Körper?

49.2 . Welcher Zusammenhang wird im Michaelis−Menten−Modell dargestellt?

49.3 . Beschreiben Sie die Bedeutung der Michaelis−Konstante KM und der Maximal−
geschwindigkeit Vmax!

Der von Ihnen verabreichte Acetylcholinesterasehemmer ist ein kompetitiver Hemmstoff der Ace−
tylcholinesterase.

49.4 . Erläutern Sie den Unterschied zwischen kompetitiver und nichtkompetitiver Hem−
mung!

Ü Antworten und Kommentar Seite 212

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Fall
! 50. . Säugling mit erhöhter Leucinkonzentration im Urin bei Ahornsirupkrankheit
50 Während des Nachtdienstes stellt sich bei Ihnen ren von Leucin, Isoleucin und Valin sowie die
eine Mutter mit ihrem 21/2 Wochen alten Sohn Konzentration von Alloisoleucin im Urin sind
in der Kinderklinik vor. Ihnen fällt der maggiar− erhöht. Das Kind leidet an der Ahornsirupkrank−
tige Geruch des Kindes auf. Das Neugeborene heit (Verzweigtkettenkrankheit).
ist komatös. Eine Urinanalyse erbringt folgende
Ergebnisse: Die Konzentrationen der a−Ketosäu−

50.1 . Zu welchen Produkten werden die Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin beim
Gesunden abgebaut? Handelt es sich um glukogene und/oder ketogene Aminosäu−
ren?

50

50.2 . Welches Enzym muss bei Ahornsirupkrankheit einen Defekt aufweisen, wenn sich die
a−Ketosäuren von Leucin, Isoleucin und Valin aufstauen?

Das Kind muss sofort eine Diät erhalten, die niedrige Konzentrationen der drei verzweigtkettigen
Aminosäuren enthält.

50.3 . Warum darf nicht gänzlich auf Leucin, Isoleucin und Valin in der Nahrung verzichtet
werden?

Ü Antworten und Kommentar Seite 215

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51. . Störung des Zitratzyklus bei Beriberi Fall
51
Ihnen wird in einer Biochemie−Prüfung von Ih− gessen wird. Durch das Schälen geht ein Groß−
rem Professor folgender Sachverhalt geschil− teil des Vitamin B1 (Thiamin), welcher in der
dert: Beriberi ist einer Erkrankung, bei der Schale von Reis enthalten ist, verloren. Vitamin
Störungen des peripheren Nervensystems, Ske− B1 ist als Koenzym an wichtigen Reaktionen im
lettmuskels und Herzmuskels auftreten. Diese Energiestoffwechsel, z. B. Zitratzyklus, betei−
Erkrankung tritt v. a. im ostasiatischen Raum ligt.“ Nun bittet er Sie folgende Fragen zu be−
auf, weil dort viel geschälter (polierter) Reis ge− antworten:

51.1 . Skizzieren Sie den Ablauf des Zitratzyklus mit Substraten und Enzymen! In welchen
Reaktionen wird dabei NADH+H+, FADH2 und GTP gebildet?

51

51.2 . Erklären Sie, wie der Zitratzyklus in den katabolen und anabolen Intermediär−
stoffwechsel eingebunden ist!

Vitamin B1 ist Koenzym der a−Ketoglutaratdehydrogenase im Zitratzyklus.

51.3 . Nennen Sie die weiteren Koenzyme der a−Ketoglutaratdehydrogenase!

!!! 51.4 . Warum kommt es bei Vitamin−B1−Mangel zu Störungen des peripheren Nervensys−
tems, Skelettmuskels und Herzmuskels?

Ü Antworten und Kommentar Seite 217

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Fall 52. . Kleinkind mit Mukopolysaccharidspeicherkrankheit
52
Eine besorgte Mutter stellt Ihnen in der Ambu− fest. Das Röntgenbild zeigt eine Störung der
lanz der Kinderklinik ihre 16 Monate alte Toch− Knochenbildung, die durch Deformitäten von
ter vor. Der niedergelassene Kinderarzt habe sie Gesicht und Skelett imponiert. Im 24−Stunden−
wegen eines Herzgeräusches und Verdacht auf Sammelurin finden sich erhöhte Konzentratio−
ein Syndrom“ überwiesen. Die kleine Patientin nen der Glykosaminoglykane (Syn. Mukopoly−
habe seit ihrer Geburt schon viele Atemwegsin− saccharide) Dermatansulfat und Heparansulfat.
fekte durchgemacht. Bei der Untersuchung stel− Sie vermuten, dass bei dem Kind eine Mukopo−
len Sie neben dem besonderen Aussehen mit lysaccharidspeicherkrankheit, wahrscheinlich
vergröberten Gesichtszügen, eingesunkener Na− Typ I (Morbus Hurler), vorliegt. Hierbei ist der
senwurzel und vergrößerter Zunge (Makroglos− Abbau der Glykosaminoglykane Dermatansulfat
sie) einen Entwicklungsrückstand des Kindes und Heparansulfat gestört ist.

Glykosaminoglykane bilden zusammen mit Proteinen Proteoglykane.

52.1 . Wo finden sich v. a. Proteoglykane? Welche weiteren Hauptklassen von Makromo−


lekülen finden sich dort?

52

52.2 . Wie sind Glykosaminoglykane aufgebaut?

!!! 52.3 . Füllen Sie folgende Tabelle zu den Glykosaminoglykanen aus!

Glykosaminoglykan Hexosen des Disaccharids Vorkommen

52.4 . Wie sind Glykosaminoglykane in Proteoglykanen organisiert?

!!! 52.5 . Wie werden Proteoglykane synthetisiert?

Ü Antworten und Kommentar Seite 220

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53. . 69−Jährige mit erhöhten Schilddrüsenhormonwerten bei Hyperthyreose Fall
53
In der Notfallambulanz stellt sich bei Ihnen eine
69−jährige Patientin vor (s. Abb.). Sie klagt über
Luftnot und Herzrasen. Ihnen fallen neben den
beschriebenen Symptomen ein feinschlägiger
Tremor (Zittern) der Finger, ein leichter Exoph−
thalmus (Hervortreten der Augäpfel) sowie
großporige Haut von derbteigig sulziger Konsi−
stenz am Schienbein (prätibiales Myxödem) auf.
Bei der körperlichen Untersuchung stellen Sie
eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma)
fest. Die Anamnese ergibt, dass die Patientin
seit längerer Zeit unter Nervosität und Schlaflo−
sigkeit leidet. Zudem ist die Stuhlfrequenz
erhöht und trotz großen Appetits hat sie in den
letzten Jahren Gewicht verloren. Im EKG sehen
Sie eine Herzfrequenzsteigerung und Herzrhyth−
musstörungen. Im Laborbefund der Patientin
fällt Ihnen auf, dass der TSH−Wert erniedrigt ist,
die Schilddrüsenhormonwerte jedoch erhöht 53
sind. Sie stellen die Diagnose einer Hyperthy−
reose (Schilddrüsenüberfunktion). Patientin mit Exophthalmus bei Hyperthyreose

53.1 . Beschreiben Sie die hypothalomo−hypophysäre Regulation der Schilddrüsenhormone


(T3 und T4)!

53.2 . Auf welche Weise erfolgt die schrittweise Synthese von T3 und T4 in der Schilddrüse?

53.3 . Wie werden Schilddüsenhormone freigesetzt? Wie erfolgt ihr Transport im Blut, und
wie entfalten sie ihre Wirkung?

53.4 . Nennen Sie Wirkungen der Schilddrüsenhormone!

Bei vielen Schilddrüsenerkrankungen findet sich eine Schilddrüsenvergrößerung (sog. Struma oder
Kropf).

!!! 53.5 . Welche Ursache liegt einer Struma in den meisten Fällen zugrunde?

Ü Antworten und Kommentar Seite 223

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Fall 54. . Kind mit Leberschädigung durch Paracetamolvergiftung
54
Eine aufgeregte Mutter kommt mit ihrer 2−jähri− Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
gen Tochter in die Klinikambulanz. Sie erfahren, auftreten, nach ca. 2 Tagen kann es zu schwe−
dass das Kind ca. 45 Minuten zuvor eine volle ren Leberschädigungen mit Leberversagen kom−
Flasche Paracetomalsaft ausgetrunken habe. Sie men. Um dies zu vermeiden, nehmen Sie das
errechnen, dass das Kind 300 mg Paracetamol Kind zur stationären Überwachung auf. Als Ge−
pro kg Körpergewicht (300 mg/kg KG) aufge− gengift verabreichen Sie das Medikament N−
nommen hat. Ab einer Dosis von 100–140 mg/ Acetylcystein.
kg KG ist Paracetamol giftig. Zuerst würden

Paracetamol wird in der Leber durch Biotransformation umgewandelt und ausscheidungsfähig ge−
macht.

54.1 . Beschreiben Sie die Biotransformation in der Leber!

54

54.2 . Wo findet der größte Teil der Biotransformationsreaktionen statt?

Ein kleiner Teil des Paracetamols wird durch Cytochrom−P450−Monooxygenasen abgebaut.

54.3 . Zeichnen Sie den Reaktionsmechanismus einer Reaktion durch eine Cytochrom−P450−
Monooxygenase am Beispiel einer Hydroxylierung einer hydrophoben Substanz (R−H)
auf!

Ü Antworten und Kommentar Seite 225

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55. . Chemotherapie mit Pyrimidinanalogon oder Folsäureantagonist Fall
55
Sie arbeiten in einer Klinikambulanz, in der Sie Heute behandeln Sie u. a. einen Patienten mit
Patienten mit verschiedenen Krebserkrankun− Darmkrebs. Er bekommt 5−Fluorouracil (5−FU).
gen betreuen. Neben der psychologischen Bera− 5−FU wird auch als Pyrimidinanalogon bezeich−
tung kümmern Sie sich auch um die medika− net, weil es Strukturähnlichkeit mit den Pyrimi−
mentöse Therapie der jeweiligen Krebserkran− dinbasen hat. Es wird ebenfalls an Ribose−5−
kung (Chemotherapie). Durch die Chemothera− Phosphat gekoppelt und dann als falsches Nuk−
pie wird das Wachstum der Krebszellen leotid in DNA und RNA eingebaut. DNA und
gehemmt, indem die Synthese der Nukleinsäu− RNA sind dadurch nicht funktionstüchtig.
ren gestört wird. Je nach Tumorart stehen Ih−
nen verschiedene Medikamente zur Verfügung.

55.1 . Welche häufigen Pyrimidinbasen kennen Sie? Nennen Sie deren Nukleoside und
Nukleotide! Welche davon finden sich in DNA, RNA und im Syntheseweg?

55

55.2 . Zeichnen Sie einen Pyrimidinring! Zeigen Sie für die Ringatome, welchem Substrat der
Pyrimidinsynthese es entstammt!

5−FU hemmt außerdem ein Enzym der Pyrimidinnukleotidsynthese.

55.3 . Wie erfolgt die Synthese der Pyrimidinnukleotide?

Etwas später behandeln Sie eine Patientin mit Brustkrebs mit dem Folsäureantagonisten Metho−
trexat. Es hemmt die Dihydrofolsäurereduktase.

55.4 . Welche Auswirkungen hat die Hemmung der Dihydrofolsäurereduktase auf die
Pyrimidinsynthese?

Nach Synthese der Pyrimidin− und Purinnukleotide enthalten diese Nukleotide den Zucker Ribose
und können damit nur Bestandteil der RNA sein.

55.5 . Wie erfolgt die Umwandlung von Ribose in Desoxyribose, den Zucker der DNA?

Ü Antworten und Kommentar Seite 227

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Fall 56. . 22−Jähriger Patient mit verlängerter aPTT bei Hämophilie A
56
Ein 22−jähriger Patient wird vom Zahnarzt in Ih− des Patienten erklären Sie ihm, dass sein Blut−
re Praxis für Innere Medizin überwiesen. Nach bild inklusive Thrombozytenzahl unauffällig, die
einer Zahnextraktion sei eine Blutung aufgetre− Prothrombinzeit (Quick−Wert) normal, aber die
ten, die kaum zu Stillen gewesen sei. Der Pa− aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT)
tient gibt an, schon einige Male längere Nach− verlängert sei. Bei der Nachbestimmung der Ge−
blutungen nach Verletzungen erlebt zu haben. rinnungs−Faktoren VIII und IX sei aufgefallen,
Sie nehmen Blut ab, um das Blutbild und die dass die Aktivität von Faktor VIII auf 15 % ver−
Gerinnungsparameter (Quick−Wert, aPTT) zu be− ringert sei. Sie teilen dem Patienten mit, dass
stimmen. Zusätzlich testen Sie die Blutungszeit, er an einer leichten Form der Hämophilie A
die nicht verlängert ist. Bei Wiedervorstellung (Bluterkrankheit) leide.

56.1 . Welche Mechanismen wirken bei der physiologischen Hämostase (Blutstillung)


zusammen?

56

Faktor VIII spielt eine Rolle bei der sekundären Hämostase (plasmatische Gerinnung).

56.2 . Über welche Wege wird die plasmatische Gerinnung aktiviert? Erläutern Sie diese!

56.3 . Welcher Aktivierungsweg ist beim Patienten betroffen, und durch welchen Ge−
rinnungstest wird er beurteilt?

Häufig wird die plasmatische Gerinnung therapeutisch gehemmt, z. B. durch Heparin.

56.4 . Was ist Heparin, und wie beeinflusst es genau die plasmatische Gerinnung?

56.5 . Wie wirken Protein C und Protein S?

Ü Antworten und Kommentar Seite 230

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57. . 47−jähriger Alkoholiker mit Hirnschädigung bei Vitamin−B1−Mangel Fall
57
An einem Montagmorgen um 5 Uhr wird ein gen, einen Nystagmus und Koordinationsstö−
stark betrunkener 47−jähriger Mann zu Ihnen in rungen fest. Aufgrund des langjährigen
die Notaufnahme gebracht. Sie kennen den Pa− Alkoholmissbrauchs und der erhobenen Befun−
tienten schon, da er bereits mehrfach in Ihrer de (Desorientiertheit, Augenmuskellähmung,
Klinik war, und wissen, dass er schon über 10 Nystagmus, Koordinationsstörungen) stellen Sie
Jahre Alkoholiker ist. Sie versuchen eine Anam− die Diagnose Wernicke−Enzephalopathie. Hier−
nese zu erheben. Dies ist jedoch nicht möglich, bei handelt es sich um eine Hirnschädigung, die
da der Patient völlig desorientiert ist. Sie unter− durch einen Vitamin−B1−Mangel hervorgerufen
suchen den Patienten und stellen eine Leberver− wird. Sie bestimmen daraufhin den Vitamin−B1−
größerung, ausgeprägte Augenmuskellähmun− Spiegel im Blut, dieser ist erniedrigt.

Vitamin B1 gehört zu den hydrophilen Vitaminen.

57.1 . Geben Sie einen Überblick über alle hydrophilen Vitamine (Trivialname, aktive Form,
Funktionen, Vorkommen)!

57

57.2 . Wie ist Vitamin B1 aufgebaut? Wie wird es in die aktive Form überführt?

57.3 . Welche Funktionen erfüllt Vitamin B1?

57.4 . Wie heißt die klassische Vitamin−B1−Mangelerkrankung?

Ü Antworten und Kommentar Seite 235

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Fall 58. . 16−Jährige mit Ketoazidose bei Diabetes mellitus Typ I
58
Sie haben am Wochenende Dienst auf einer In− 120 mg/dl) bzw. 30,1 mmol/l (Norm 4,4–
tensivstation, als ein 16−jähriges Mädchen ein− 6,6 mmol/l).“
geliefert wird. Vom Notarzt haben Sie erfahren: Sie ordnen weitere Untersuchungen an: Es
Anamnese: nie ernsthaft krank gewesen, Ge− wird eine Blutgasanalyse vorgenommen. Im Er−
wichtsverlust und Schlappheit in den letzten gebnis analysieren Sie eine metabolische Azido−
Wochen, seit 3 Tagen Übelkeit und Erbrechen. se (pH , 7,35) mit respiratorischer Teilkompen−
Körperliche Untersuchung: schläfrige Patientin, sation (pCO2 , 35 mmHg) durch die vertiefte
Herzfrequenz 120/min, Blutdruck 90/50 mmHg, Atmung. Im Urinstatus lassen sich Ketonkörper
trockene Haut und Schleimhäute, Atemfrequenz nachweisen. Sie stellen die Diagnose eines ke−
15/min, vertiefte Atmung, Acetongeruch in der toazidotischen Komas als Erstmanifestation ei−
Ausatemluft, Blutglukose 548 mg/dl (Norm 80– nes Diabetes mellitus Typ I.

58.1 . In welchen Stoffwechselsituationen bildet die Leber vermehrt Ketonkörper?

58

58.2 . Wie heißen die Ketonkörper, zeichnen Sie ihre Struktur auf!

58.3 . Warum und woraus werden Ketonkörper gebildet?

58.4 . Beschreiben Sie den Ablauf der Ketogenese!

58.5 . Beschreiben Sie den Hauptweg der Ketonkörper−Verwertung in den extrahepatischen


Geweben!

58.6 . Wie entstand die Ketoazidose bei der Patientin aus dem Fall?

Ü Antworten und Kommentar Seite 237

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59. . 45−jährige Patientin mit Laktatazidose bei Schock Fall
59
Im praktischen Jahr haben Sie einen Einsatz auf Not−Operation versorgt. Die Patientin erhielt
der Intensivstation Ihres Lehrkrankenhauses. Bei ein Bluttransfusion und wird zur Zeit künstlich
Schichtbeginn erfahren Sie bei der ärztlichen beatmet. Die Blutgasanalyse in der Nacht ergab
Übergabe, dass in der letzten Schicht eine 45− eine Azidose (pH , 7,35), außerdem war der
jährige Frau nach einem Autounfall eingeliefert Laktatwert im Plasma mit 7,5 mmol/l (Norm
wurde. Die Patientin hatte verschiedene Verlet− 0,6–2,4 mmol/l) erhöht. Diese sog. Laktatazido−
zungen erlitten und war im Schock mit einem se war Ausdruck einer Umstellung des Gewebe−
niedrigen Blutdruck (90/65 mmHg) und einer stoffwechsels von aerober auf anaerobe Ener−
Tachykardie (120 Schläge/min). Eine starke in− giegewinnung. Inzwischen ist die Patientin
nere Blutung aufgrund eines Milzrisses wurde kreislaufstabil, pH− und Laktatwert liegen wie−
unmittelbar nach der Aufnahme durch eine der im Normbereich.

Eine Umstellung der Energiegewinnung von aerob auf anaerob ist nicht immer pathologisch, son−
dern findet sich auch unter physiologischen Bedingungen.

59.1 . In welcher Reaktion und zu welchem Zweck wird Laktat im anaeroben Stoffwechsel
gebildet?
59

Laktat kann vom Muskelgewebe nicht weiter genutzt werden. Es handelt sich hierbei um eine
Stoffwechselsackgasse.

59.2 . Über welchen Mechanismus kann Laktat dem Stoffwechsel wieder zur Verfügung
gestellt werden? Erläutern Sie diesen kurz!

Laktat kann in der Glukoneogenese wieder zu Glukose aufgebaut werden.

59.3 . Erklären Sie den Ablauf der Glukoneogenese!

Am Anfang der Glukoneogenese wird Oxalacetat in den Mitochondrien gebildet. Fast alle weiteren
Enzyme der Glukoneogenese finden sich im Zytosol.

59.4 . Wie gelangt Oxalacetat aus den Mitochondrien in das Zytosol, obwohl kein
spezifischer Oxalacetat−Transporter in der inneren Mitochondrienmembran existiert?

Ü Antworten und Kommentar Seite 239

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Fall 60. . Therapie eines Harnwegsinfekts mit einem Gyrasehemmer
60
In Ihrer Hausarztpraxis beraten Sie eine 24−jähri− dass sich Leukozyten im Urin befinden. Dies ist
ge Frau. Sie klagt über seit 4 Tagen bestehen− ein Hinweis auf eine entzündliche Reaktion und
des Brennen beim Wasserlassen. Sie vermuten bestätigt Ihre Verdachtsdiagnose. Sie verordnen
einen Infekt der unteren Harnwege (Blase, Ur− der Patientin ein Antibiotikum, und zwar einen
ethra) als Ursache der Beschwerden und lassen Gyrasehemmer, weil die Patientin das Standard−
von Ihrer Arzthelferin einen Urintest durch ei− medikament bei Harnwegsinfekt (Co−Trimoxa−
nen Harnteststreifen durchführen. Dieser zeigt, zol) 3 Jahre zuvor nicht gut vertragen hatte.

Gyrasehemmer hemmen das Enzym Gyrase der Bakterien und führen dadurch zum Zelltod der Bak−
terien.

60.1 . Was ist die Gyrase? Welche Aufgabe hat dieses Enzym?

60

Gyrasen sind an der Replikation der Bakterien beteiligt.

60.2 . Was versteht man unter Replikation?

60.3 . Nennen Sie weitere Enzyme, die an der Replikation bei Bakterien bzw. Prokaryonten
beteiligt sind! Welche Funktionen haben sie jeweils?

60.4 . In welche Richtung werden die Tochterstränge während der Replikation synthetisiert?

Ü Antworten und Kommentar Seite 242

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61. . 69−Jähriger mit Hyponatriämie und Hyperkaliämie bei Morbus Addison Fall
61
Ein 69−jähriger Patient stellt sich in Ihrer Praxis manchmal erbrechen. Seiner Frau sei aufgefal−
für Innere Medizin vor, weil er sich in den letz− len, dass er eine dunklere Hautfarbe habe als
ten 2 Jahren zunehmend schlapper“ fühle. Er früher, insbesondere in den Handfurchen und
komme sich nutzlos vor, da er eine Arbeit nicht auch im Mund. Der gemessene Blutdruck ergibt
mehr lange durchhalten könne. Sein vorheriger einen Wert von 105/55 mmHg. Die Laborergeb−
Hausarzt hatte ihm aus diesem Grund schon nisse zeigen ein erniedrigtes Natrium, wohinge−
einmal eine Nerventablette“ verschrieben, gen Kalium und das basale ACTH erhöht sind.
diese habe aber nicht geholfen. In den letzten Aufgrund von Anamnese und Befund stellen Sie
Jahren habe er 8 kg an Körpergewicht verloren, die Verdachtsdiagnose primäre Nebennieren−
in den letzten Monaten leide er zudem häufig rindeninsuffizienz (Morbus Addison)“.
unter Bauchschmerzen und müsse dann auch

Bei der primären Nebennierenrindeninsuffizienz ist die Synthese der Nebennierenrindenhormone


eingeschränkt.

61.1 . Welche Hormone werden von der Nebennierenrinde produziert? Nennen Sie jeweils
den genauen Produktionsort und kurz die Funktion dieser Hormone!
61

61.2 . Stellen Sie kurz die Synthese von Aldosteron aus Cholesterin dar!

61.3 . Welche Wirkungen entfaltet Aldosteron?

61.4 . Wie übertragen lipophile Hormone wie Aldosteron im Allgemeinen ihr Signal auf eine
Zielzelle?

!!! 61. 5 Erklären Sie, wie es zur dunklen Hautfarbe des Patienten kommt!

Ü Antworten und Kommentar Seite 245

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Fall 62. . 58−Jähriger mit erhöhter Serotoninkonzentration im Urin bei Karzinoid
62
In Ihrer Hausarztpraxis stellt sich ein 58−jähriger sammeln (sog. Sammelurin). Im Sammelurin
Patient vor. Er klagt über Gesichtsrötung, Herz− stellen Sie fest, dass die Konzentration des Ab−
rasen, Schwitzen, Atemnot und Durchfall. Diese bauprodukts Serotonin erhöht ist. Aufgrund der
Beschwerden träten anfallsartig auf, und er ha− Symptome und der erhöhten Konzentration des
be seit Beginn der Beschwerden 4 kg an Ge− Serotonin−Abbauprodukts im Urin stellen Sie die
wicht verloren. Sie nehmen dem Patienten Blut Diagnose Karzinoid.
ab und bitten ihn, den Urin 24 Stunden lang zu

Serotonin gehört zu den biogenen Aminen.

62.1 . Was sind biogene Amine? Nennen Sie einige biogene Amine und ihre Funktionen!

62
Bei diesem Patienten wird verstärkt Serotonin synthetisiert.

62.2 . Erläutern Sie die Synthese von Serotonin!

62.3 . Welche Wirkungen hat Serotonin?

62.4 . Wie wird Serotonin abgebaut? Welches Abbauprodukt konnten Sie im Urin bestim−
men?

Bei der körperlichen Untersuchung fielen Ihnen auch pellagraähnliche Hautveränderungen auf. Hier−
bei handelt es sich um raue Haut an Sonnenlicht ausgesetzten Stellen, z. B. Gesicht, Nacken,
Hände. Diese Hautveränderungen treten bei einem Niacinmangel auf.

!!! 62.5 . Erläutern Sie Vorkommen und Funktionen von Niacin! Wie kann es zu einem
Niacinmangel bei diesem Patienten kommen?

Ü Antworten und Kommentar Seite 248

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63. . 60−Jähriger mit Anstieg von Kreatinin bei chronischem Nierenversagen Fall
63
Ein 60−jähriger Patient wurde von seinem Haus− von Kreatinin und Harnstoff im Serum innerhalb
arzt in Ihre Praxis für Nephrologie überwiesen. der letzten 5 Jahre. Der Hausarzt vermutet ein
Grund der Überweisung sind ansteigende Werte chronisches Nierenversagen.

63.1 . Was ist Kreatinin? Warum dient es als wichtiger Parameter für die Beurteilung der
Nierenfunktion?

Sie befragen den Patienten und erfahren, dass er in den vergangenen 10 Monaten zweimal wegen
Frakturen (Unterarm, Wirbelkörper) behandelt worden sei. Ein richtiges Trauma habe aber nicht
vorgelegen. 63
63.2 . Welchen Zusammenhang vermuten Sie zwischen dem chronischen Nierenversagen
und den Frakturen?

Im Laborbefund, den Ihnen der Hausarzt mitgeschickt hat, sehen Sie, dass der Patient unter einer
normochromen normozytären Anämie leidet.

63.3 . Wie sind die Erythrozytenparameter bei normochromer normozytärer Anämie


verändert? Welchen Zusammenhang vermuten Sie zwischen dem chronischen
Nierenversagen und der Anämie?

Sie veranlassen eine Urinuntersuchung und stellen fest, dass der Patient Glukose und Proteine mit
dem Urin ausscheidet.

63.4 . Ist dies normal? Wo und wie werden Glukose, Aminosäuren, Peptide und Proteine
rückresorbiert?

Ü Antworten und Kommentar Seite 250

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Fall 64. . 45−Jähriger mit Ödemen bei Mangel an C1−Inhibitor
64
Von 2 Rettungsassistenten wird Ihnen in die
Notaufnahme ein 45−jähriger Patient mit Atem−
not gebracht. Zudem leidet der Patient unter
Schwellungen der Augenlider, Lippen und Extre−
mitäten (s. Abb.). Der Patient berichtet Ihnen
kurzatmig, dass er immer wieder unter Schwel−
lungen der Augenlider, Lippen und Zunge leide.
Diese Beschwerden träten plötzlich auf und
würden dann für etwa 1–3 Tage anhalten. Nur
einmal habe er bislang auch Atemnot – so wie Patient mit
heute – gehabt. Damals wurde die Diagnose Gesichts−
hereditäres Angioödem gestellt. Auch sein Va− schwellungen
ter und sein Bruder würden unter dieser Erkran− bei hereditärem
Angioödem
kung leiden.

Beim hereditären Angioödem handelt es sich um eine autosomal−dominant vererbte Erkrankung,


bei der ein Mangel an C1−Inhibitor vorliegt. C1−Inhibitor hemmt normalerweise den Komplement−
64 faktor 1 des Komplementsystems.

64.1 . Welche Funktionen hat das Komplementsystem?

64.2 . Welche unterschiedlichen Aktivierungswege des Komplementsystems gibt es?


Erläutern Sie diese kurz!

64.3 . Beschreiben Sie den Ablauf der Komplementkaskade!

!!! 64.4 . Warum führt der C1−Inhibitor−Mangel zu Ödemen?

Ü Antworten und Kommentar Seite 254

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! 65. . Patient mit Unverträglichkeitsreaktion bei Bluttransfusion Fall

Als Famulant in der Inneren Medizin betreuen über Juckreiz und Kopfschmerzen. Der Stations−
65
Sie einen Patienten mit Anämie. Ursache ist ein arzt unterbricht sofort die Bluttransfusion und
blutendes Magengeschwür, welches bei einer versorgt den Patienten mit Medikamenten (Kor−
Magenspiegelung diagnostiziert wurde. Die Blu− tisonpräparat) und Flüssigkeit über eine Infusi−
tung wurde während der Magenspiegelung on. Der Patient erholt sich wieder.
auch gleichzeitig gestillt. Nun erhalten Sie die Am frühen Abend findet der Stationsarzt Zeit,
Laborwerte: Der Hb−Wert liegt bei 7 g/dl (Norm Ihnen zu erklären, dass es sich bei dem Vorfall
12–16 g/dl) bzw. 4,34 mmol/l (Norm wohl um eine Unverträglichkeitsreaktion auf die
7,44–9,92 mmol/l). Sie zeigen diesen Wert dem transfundierten Erythrozyten handelte. Das Kor−
Stationsarzt, der eine Bluttransfusion anordnet tisonpräparat habe er daher gegen die Unver−
und Erythrozytenkonzentrate aus dem Labor träglichkeitsreaktion gegeben. Er vermute, dass
kommen lässt. Im Labor und durch den Stati− trotz Testung wohl die Blutgruppe des Patien−
onsarzt wurde geprüft, ob die Erythrozytenkon− ten nicht zur Blutgruppe der transfundierten
zentrate zum Patienten passen. Nun beginnt Erythrozyten gepasst habe.
die Transfusion. Auf einmal klagt der Patient

65.1 . Was versteht man unter Blutgruppe“?


65

Sie schauen sich die Blutgruppe des Patienten an. Er hat die Blutgruppe A, d. h. er besitzt das Blut−
gruppenantigen A. Sie wissen, dass es daneben noch die Blutgruppenantigene B und 0 gibt.

65.2 . Erläutern Sie den molekularen Aufbau der Blutgruppenantigene A, B und 0!

Ein Kind erbt von Mutter und Vater jeweils ein Blutgruppengen (A−Gen, B−Gen oder 0−Gen).
Die Gene kodieren für verschiedene Glykosyltransferasen, die entsprechende Blutgruppenantigene
(A−Antigen, B−Antigen und H−Antigen) auf den Erythrozytenvorstufen aufbauen.

65.3 . Ordnen Sie den einzelnen Blutgruppen−Genen (A, B und 0) das durch die
entsprechende Glykosyltransferase übertragene Monosaccharid sowie das entste−
hende Blutgruppenantigen (A, B und H) zu!

65.4 . Erklären Sie die Vorgänge bei der N−Glykosylierung von Proteinen zu Glykoproteinen!

Ü Antworten und Kommentar Seite 257

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Fall 66. . 58−Jähriger mit veränderter Lipid− und Lipoproteinzusammensetzung im Blut
66
In Ihre Allgemeinarztpraxis kommt ein 52−jähri− könnte. Er bittet Sie: Können Sie nicht meine
ger Patient, der Sie um einen Gesundheits− Blutfette untersuchen? Die Ärzte im Kranken−
Check bittet. Er sei etwas in Sorge um seine Ge− haus meinen, bei meinem Vater seien sie zu
sundheit. Sein 78−jähriger Vater hätte 2 Wo− hoch. Das sei ein Risikofaktor für einen Herzin−
chen zuvor einen Herzinfarkt erlitten. Und nun farkt.“
befürchte er, dass es ihn vielleicht auch treffen

Sie vermuten, dass der Patient mit Blutfette“ neben Cholesterin und Triglyzeriden die Lipoproteine
meint.

66.1 . Stellen Sie allgemein Funktion und Aufbau der Lipoproteine dar!

66 Legen Sie die relative Zusammensetzung der Lipoproteine aus Triglyzeriden,


66.2 .
Cholesterin und Proteinanteilen dar, und nennen Sie wichtige Apolipoproteine!

66.3 . Erläutern Sie Funktion und Stoffwechsel der Chylomikronen!

66.4 . Erklären Sie Funktion und Prozessierung von LDL durch extrahepatische Zellen!

!!! 66.5 . Beschreiben Sie Funktion und Wandlung des HDL von der diskoidalen Form in die
Kugelform!

Sie nehmen dem Patienten Blut ab. 3 Tage später kommt der Patient wieder. Sie besprechen mit ihm
die Laborergebnisse: Gesamt−Cholesterin 275 mg/dl (Norm 120–240 mg/dl), HDL 29 mg/dl (Norm
50 mg/dl), LDL 170 mg/dl (Norm ,150 mg/dl), Triglyzeride 250 mg/dl (Norm 75–200 mg/dl). Der Pa−
tient fragt Sie, was das für ihn bedeutet und was nun gutes“ und schlechtes“ Cholesterin sei.

!!! 66.6 . Was antworten Sie dem Patienten?

Ü Antworten und Kommentar Seite 260

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67. . Patient mit erhöhter Plasmaosmolalität und erniedrigter Urinosmolalität Fall
67
Als diensthabender Arzt auf einer Intensivstati− Laborbefund, der 3 Stunden zuvor erhoben
on werden Sie zu einem 9 Tage zuvor eingelie− wurde. Auffällig sind u. a. folgende Werte: Se−
ferten Patienten mit schwerem Schädel−Hirn− rum−Natriumwert q, Plasmaosmolalität q,
Trauma durch Verkehrsunfall gerufen. Mittler− Urinosmolalität Q. Aufgrund der Polydipsie, der
weile hat sich der Zustand des Patienten stabili− erhöhten Plasmaosmolalität und erniedrigten
siert, er ist wach und reagiert auf Ansprache. Urinosmolalität gehen Sie davon aus, dass der
Nun fällt der Schwester seit etwa 12 Stunden Patient nicht mehr in der Lage ist, seinen Urin
eine drastisch erhöhte Urinausscheidung auf zu konzentrieren. Sie vermuten als Ursache eine
(5,2 l in den letzten 12 Stunden), der Patient Schädigung der Neurohypophyse durch das
verspüre auch starken Durst und trinke ständig Schädel−Hirn−Trauma, da in der Neurohypo−
(Polydipsie). Bei der körperlichen Untersuchung physe das Hormon gespeichert wird, was nor−
stellen Sie bei dem Patienten trockene Schleim− malerweise bei erhöhter Plasmaosmolalität aus−
häute und stehende Hautfalten fest, die Pulsfre− geschüttet wird. Sie stellen die Diagnose
quenz ist erhöht. Die Schwester zeigt Ihnen den zentraler Diabetes insipidus.

67.1 . Welches Hormon wird normalerweise bei erhöhter Plasmaosmolalität ausgeschüttet


und scheint bei diesem Patienten zu fehlen? Wo wird es gebildet und gespeichert?
67

67.2 . Welche Wirkungen hat dieses Hormon?

67.3 . Welches andere Hormon wird in der Neurohypophyse gespeichert, und welche
Funktionen hat es?

67.4. Welche Formen des Diabetes insipidus kennen Sie? Erläutern Sie diese kurz!

Ü Antworten und Kommentar Seite 263

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Fall 68. . 31−jährige Patientin mit akuter Pankreatitis bei Gallensteinleiden
68
Sie sind Assistenzarzt auf einer internistischen
Station und betreuen u. a. eine 31−jährige Pa−
tientin, die wegen heftiger Oberbauchschmer−
zen, Übelkeit und Erbrechen 3 Tage zuvor auf−
genommen worden war. Ursache der
Beschwerden war ein Gallenstein, der den ge−
meinsamen Ausführungsgang von Pankreas−
und Gallengang, die Ampulla hepatopancreati−
ca, verlegte. Ihr PJ−Student fragt Sie, wie er sich
das mit dem Gallenstein vorzustellen habe, und
Sie zeichnen ihm dies auf (s. Abb.). Verlegung der Ampulla hepatopancreatica durch einen
Gallenstein

Durch den Stein in der Ampulla hepatopancreatica konnte die Galle nicht ins Duodenum fließen. Es
kam zum Gallerückstau.

68.1 . Aus welchen Bestandteilen besteht die Galle? Woher stammen diese, und was sind
ihre Aufgaben?
68

Durch den Stein in der Ampulla hepatopancreatica konnte auch Pankreassekret nicht ins Duode−
num fließen. Das Sekret staute sich in das Pankreas zurück.

68.2 . Welche Aufgaben übernimmt das Pankreas?

Einige Pankreasenzyme werden in Form inaktiver Vorstufen sezerniert. Durch den Rückstau des
Pankreassekrets wurden diese nun schon innerhalb des Pankreas aktiviert und haben eine akute
Entzündung des Pankreas (akute Pankreatitis) bei der Patientin ausgelöst.

68.3 . Nennen Sie Beispiele für Pankreasenzyme, die in Form inaktiver Vorstufen sezerniert
werden! Erläutern Sie, warum dies für einige Pankreasenzyme erforderlich ist, für
andere jedoch nicht!

Bei der Patientin traten auch Fettstühle (Steatorrhoe) durch eine gestörte Fettresorption auf.

68.4 . Wie erfolgt die Fettverdauung und −resorption?

68.5 . Warum ist dieser Vorgang bei der Patientin gestört?

Ü Antworten und Kommentar Seite 265

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69. . 17−Jähriger mit fehlerhaftem Hämoglobin bei Sichelzellanämie Fall
69
Sie arbeiten als Arzt bei einer internationalen
Hilfsorganisation in Afrika. Heute wird Ihnen ein
17−jähriger Patient mit starken Bauchschmerzen
und Atemnot (Dyspnoe) vorgestellt. Sie erfah−
ren, dass der Patient diese Schmerzkrisen schon
seit seiner frühen Kindheit kennt. Häufig treten
auch Knochenschmerzen in den Beinen auf. Bei
der körperlichen Untersuchung erscheinen Le−
ber und Milz vergrößert (Hepatosplenomega−
lie). Sie nehmen Blut ab und fertigen einen
Blutausstrich mit Sichelzellen und zum Vergleich ein Blut−
Blutausstrich an. Im Mikroskop erkennen Sie si−
ausstrich mit normalen Erythrozyten
chelförmige Erythrozyten (sog. Sichelzellen).
Außerdem ist der Hb−Wert mit 9 g/dl
(5,6 mmol/l) vermindert (Norm 14–18 g/dl
bzw. 8,7–11,2 mmol/l). Der Patient leidet also
an einer Form der Anämie, der sog. Sichelzell−
anämie.

69
Bei der Sichelzellanämie handelt es sich um eine Erkrankung, die auf einer fehlerhaften Synthese
des Hämoglobins beruht.

69.1 . Erklären Sie Aufbau und Funktion von Hämoglobin!

Die biologische Aufgabe des Hämoglobins ist die Sauerstoffbindung im Blut. Ein anderes hämhalti−
ges Molekül, das Myoglobin, ermöglicht die Sauerstoffbindung in roten Muskelfasern.

69.2 . Vergleichen Sie die Sauerstoffbindungskurven von Hämoglobin und Myoglobin!

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Sauerstoffbindungskurve, um die Sauerstoffaufnahme in


der Lunge und die Abgabe von Sauerstoff im Gewebe zu optimieren – 2,3−Bisphosphoglyzerinsäure
ist so ein Faktor.

69.3 . Wie entsteht 2,3−Bisphosphoglyzerinsäure im Erythrozyten, und welche Funktion hat


es?

!!! 69.4 . Wie entsteht die Sichelzellanämie?

Ü Antworten und Kommentar Seite 268

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Fall
! 70. . 47−jährige Patientin mit Brustkrebs
70 In Ihrer Praxis für Gynäkologie erscheint eine
47−jährige Patientin. 2 Tage zuvor habe sie zum
ersten Mal einen Knoten in ihrer Brust bemerkt.
Die Patientin ist sehr beunruhigt und berichtet
weiterhin, dass ihre Schwester etwa 3 Jahre zu−
vor an Brustkrebs verstorben sei. Die Patientin
ist verheiratet und hat keine Kinder. Bei der Un−
tersuchung tasten Sie einen derben, nicht
schmerzhaften, etwa 2 cm großen Knoten im
unteren äußeren Quadranten der rechten Brust. Röntgenuntersuchung
Anhand von Ultraschall− und Röntgenuntersu− der Brust (Mammogra−
chung der Brust (s. Abb.) stellen Sie die Ver− phie): Mammakarzinom
dachtsdiagnose Brustkrebs (Mammakarzinom). (Pfeil)

70.1 . Nennen Sie verschiedene Ursachen von Krebserkrankungen!

70

70.2 . Erläutern Sie die Begriffe Protoonkogen und Onkogen!

70.3 . Was wissen Sie über Tumorsuppressorgene? Geben Sie ein Beispiel!

70.4 . Was können die molekularen Ursachen der Aktivierung eines Protoonkogens zum
Onkogen sein? Geben Sie Beispiele!

Ü Antworten und Kommentar Seite 271

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71. . Patient mit Untersuchung der Herzenzyme“ nach Herzinfarkt Fall
71
Sie haben Dienst in der Notaufnahme, als am mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird
frühen Morgen ein 62−jähriger Patient durch ei− und abstirbt. Der Patient soll so schnell wie
nen Notarzt gebracht wird. Sie erfahren, dass möglich ins Herzkatheterlabor. Dort kann ver−
der Patient über starke Schmerzen und Enge− sucht werden, dass verschlossene Gefäß wieder−
gefühl in der Brust (sog. Angina pectoris) klagt. zueröffnen, damit der Herzmuskel wieder ver−
Die Schmerzen strahlen in den linken Arm aus. sorgt werden kann. Geht Herzmuskelgewebe
Der Patient kennt diese Angina−pectoris−Anfälle, zugrunde, so werden intrazelluläre Enzyme
allerdings ist es schlimmer als sonst und lässt (z. B. Kreatinkinase CK und CK−MB, AST [GOT],
sich durch sein Nitrospray nicht mehr behan− LDH) und Proteine (Troponin I und T, Myoglo−
deln. Im EKG lassen sich Veränderungen fest− bin) freigesetzt. Diese lassen sich im Serum
stellen, die für einen Herzinfarkt sprechen. Beim nachweisen und sollten vor der Therapie mit
Herzinfarkt ist ein herzversorgendes Gefäß ver− dem Herzkatheter noch bestimmt werden.
schlossen, so dass Herzmuskelgewebe nicht

Enzyme im Serum lassen sich durch ihre katalytische Aktivität (Substratumsatz/Zeit) nachweisen.
Mit dem optisch−enzymatischen Test kann diese Aktivität bestimmt werden.
71.1 . Erklären Sie, wie der optisch−enzymtische Test mit NADH+H+ abläuft!
71

71.2 . In welchen Einheiten wird die katalytische Aktivität von Enzymen angegeben?

71.3 . Was sind Koenzyme? Nennen Sie Beispiele!

71.4 . Nennen Sie die verschiedenen Enzymklassen! Welche Reaktionen katalysieren sie
jeweils? Nennen Sie Unterklassen und Beispiele!

Enzyme katalysieren Reaktionen im Stoffwechsel. Verschiedene Stoffwechselwege müssen in unter−


schiedlichen Situationen aktiviert oder deaktiviert werden.
71.5 . Nennen Sie Möglichkeiten der Regulation von Enzymen!

Ü Antworten und Kommentar Seite 273

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Fall 72. . 42−jährige Patientin mit erhöhtem Blutglukosespiegel bei Glukagonom
72
Zu Ihnen in die Hausarztpraxis kommt eine 47− die Sie nie zuvor bei der Patientin gesehen hat−
jährige Patientin zu einem Gesundheits−Check. ten: An den Beinen und in der Leistenregion hat
Sie nehmen u. a. Blut ab und lassen dieses im die Patientin einen wandernden, teils nekrotisie−
Labor untersuchen. Auffällig ist ein erhöhter renden (abgestorbenes Gewebe enthaltenden)
Blutglukosespiegel. Sie denken zunächst an ei− Hautausschlag. Sie überweisen die Patientin zu
nen beginnenden Diabetes mellitus. Gleichzeitig einem Facharzt für Innere Medizin. Dieser stellt
machen Sie aber Hauterscheinungen stutzig, die seltene Diagnose Glukagonom.

Bei einem Glukagonom handelt es sich um einen Tumor, der vermehrt Glukagon produziert.

72.1 . Beschreiben Sie die Struktur des Glukagons! Wo wird es gebildet?

72

72.2 . Nennen Sie die wichtigsten Wirkungen des Glukagons!

Glukagon bewirkt eine Erhöhung des cAMP−Spiegels in seiner Zielzelle.

72.3 . Beschreiben Sie den Ablauf von der Hormonbindung bis zur Zellantwort!

Andere Hormone stimulieren die Zelle über den IP3/DAG−Weg.

72.4 . Erläutern Sie diesen von der Hormonbindung bis zur Zellantwort!

Ü Antworten und Kommentar Seite 276

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73. . Mann mit erhöhten Harnsäurewerten Fall
73
Am Sonntagabend kommen Ihre Eltern zu Be− sen und trinken. Ich war vorgestern bei Dr.
such. Sie haben ein schönes Abendessen vorbe− Müller, und der hat erhöhte Harnsäurewerte bei
reitet, da sagt Ihr Vater zu Ihnen: Ach, ist das mir festgestellt.“
schade, das darf ich alles nur noch in Maßen es−

73.1 . Wobei entsteht im menschlichen Körper Harnsäure?

73.2 . Welche Nahrungsmittel sollte Ihr Vater nur noch in Maßen zu sich nehmen?

73

Nach 5 Wochen ruft Ihr Vater Sie an. Er sei beim Arzt gewesen, und die ganze Diät hätte nichts
gebracht. Der Harnsäurewert sei immer noch viel zu hoch. Nun müsse er ein Medikament, und
zwar Allopurinol, nehmen, um den Harnsäurespiegel zu senken. Der Doktor befürchte, dass sich
sonst die Krankheit Gicht manifestieren kann. Nach dem Telefonat mit Ihrem Vater schauen Sie in
einem Buch nach und lesen, dass Allopurinol die Xanthinoxidase im Purinnukleotidabbau hemmt.

73.3 . Erläutern Sie, wie die Purinnukleotide abgebaut werden!

73.4 . Welche Stoffwechselprodukte fallen bei Einsatz von Allopurinol verstärkt an?

Beim Abbau der Pyrimidinnukleotide steigt im Gegensatz zum Abbau der Purinnukleotide die Harn−
säurekonzentration im Serum nicht an.

73.5 . Warum ist dies so? Wie erfolgt der Abbau der Pyrimidinnukleotide?

Ü Antworten und Kommentar Seite 279

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Fall 74. . Behandlung einer bakteriellen Infektion mit Penicillin
74
Bei der Visite auf der internistischen Station Ih− spalten der oberflächlichen Hautschichten durch
res Krankenhauses sehen Sie eine 65−jährige Pa− Streptokokken. Sie vermuten, dass der Fußpilz
tientin, die in der letzten Nacht plötzlich hohes die Eintrittspforte für die Bakterien geschaffen
Fieber entwickelt hat. Trotz fiebersenkender hat.
Maßnahmen geht es ihr schlecht. Sie untersu−
chen die Patientin und sehen am linken Unter−
schenkel eine scharf begrenzte flammende
Rötung, die auf Druck und Bewegung schmerz−
haft ist. Zusätzlich stellen Sie zwischen den Ze−
hen Hautveränderungen wie bei einem Fußpilz
fest. Die Patientin erwähnt, dass sie das Bein
wegen der Schmerzen lieber ruhighalte. Sie be−
stärken die Patientin darin, das Bein zu schonen
und hochzulagern. Als Therapie ordnen Sie das
Antibiotikum Penicillin an. Dem Medizinstuden−
ten, der zur Zeit eine Famulatur auf Ihrer Sta−
tion ableistet, erklären Sie, dass die Patientin
ein Erysipel (Wundrose) hat. Hierbei handle es
74 sich um eine bakterielle Infektion der Lymph− Erysipel des Unterschenkels

74.1 . Wie ist die Zellwand von Bakterien aufgebaut?

74.2 . Welcher Unterschied besteht zwischen grampositiven und gramnegativen Bakterien?

74.3 . Wie schützt Lysozym in der Tränenflüssigkeit vor Bakterien?

!!! 74.4 . Durch welchen Mechanismus tötet Penicillin wachsende Keime ab?

Ü Antworten und Kommentar Seite 281

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75. . 65−jährige Patientin mit Gallensteinen aus Cholesterin Fall
75
In Ihre Allgemeinarztpraxis kommt eine 65− nichts wissen: Ich leg’ mich doch wegen der
jährige Patientin, die über gelegentliches Druck− paar Steine nicht unter’s Messer. Das bisschen
gefühl im rechten Oberbauch klagt. Auch habe Bauchziepen halte ich schon aus.“
sie oft so ein Völlegefühl und vertrage fette
und gebratene Speisen nicht mehr so gut. Ge−
rade jetzt in der Weihnachtszeit sei dies doch
ziemlich bedauerlich, da sie doch gern Gänse−
braten esse. Aufgrund dieser Anamnese vermu−
ten Sie, dass die Patientin unter Gallensteinen
leidet. Sie führen daher eine Ultraschalluntersu−
chung des Oberbauchs durch und können Gal−
lensteine in der Gallenblase feststellen (s. Abb.).
Sie erläutern der Patientin den Befund und
empfehlen ihr eine chirurgische Entfernung der
Gallenblase und damit auch der Gallensteine, da
Gallensteine auch Komplikationen verursachen
können. Davon möchte die Patientin jedoch Ultraschalluntersuchung: Gallensteine in der Gallenblase

75
Gallensteine bestehen meist aus Cholesterin (sog. Cholesterinsteine), so auch bei dieser Patientin.
75.1 . Zeichnen Sie das Cholesterin−Molekül, und nummerieren Sie die C−Atome in der
richtigen Reihenfolge!

75.2 . Nennen Sie biologische Funktionen von Cholesterin!

Da die Patientin chirurgische Maßnahmen ablehnt, beginnen Sie bei ihr mit einer medikamentösen
Therapie. Als Medikament steht Ihnen z. B. ein Hemmstoff des Schlüsselenzyms der Cholesterin−Bio−
synthese zur Verfügung.
75.3 . Nennen Sie das Schlüsselenzym der Cholesterin−Biosynthese, und beschreiben Sie kurz
die Cholesterin−Biosynthese, indem Sie wichtige Substrate und deren Anzahl an C−
Atomen nennen!

75.4 . Nennen Sie Abbauprodukte des Cholesterins und deren biologische Funktion!

75.5 . Beschreiben Sie den enterohepatischen Kreislauf der Abbauprodukte des Cholesterins!

Ü Antworten und Kommentar Seite 284

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Fall 76. . Patient mit Einnahme von Beruhigungsmitteln wegen Schlafstörungen
76
In Ihre Hausarztpraxis kommt ein 75−jähriger können Sie keine pathologischen Befunde erhe−
Patient. Sie wissen, dass seine Frau 4 Wochen ben. Sie besprechen mit dem Patienten seine
zuvor verstorben ist. Der Patient erzählt Ihnen, neue Lebenssituation und erläutern ihm, wie
dass er seitdem nicht mehr richtig schlafen Schlafen funktioniert. Damit er in den nächsten
könne. Oft könne er nicht einschlafen, häufig Tagen etwas besser schlafen könne, verschrei−
wird er aber auch zu früh wach, ist traurig und ben Sie ihm als Schlafmittel Diazepam (Valium),
grübele dann. Er habe sich schon ein pflanzli− ein Medikament aus der Gruppe der Benzodia−
ches Schlafmittel aus der Apotheke geholt. Es zepine. Benzodiazepine wirken u. a. angst−
habe aber keine Wirkung gezeigt. Nun bittet er lösend, beruhigend und hypnotisch. Sie hoffen,
Sie, ihm mit einem richtigen“ Schlafmittel zu dass er dadurch etwas entlastet wird.
helfen. Bei der körperlichen Untersuchung

Benzodiazepine binden an eine Benzodiazepinbindungsstelle am GABAA−Rezeptor. Der Rezeptor


wird dadurch so verändert, dass die Affinität zum Neurotransmitter GABA steigt und dadurch die
Wirkungen von GABA verstärkt werden.
76.1 . Wie entsteht der Neurotransmitter GABA? Zeichnen Sie hierzu die Reaktionsgleichung
mit Strukturformeln auf!
76

76.2 . Erläutern Sie den Wirkungsmechanismus von GABA am GABAA−Rezeptor!

Neben GABA gibt es eine Reihe weiterer Neurotransmitter.


76.3 . Nennen Sie weitere Neurotransmitter, und füllen Sie hierzu folgende Tabelle aus!

Neurotransmitter Biosynthese Wirkung Inaktivierung

Typisch für die Reizübertragung im Nervensystem ist, dass mehrere Neurone hintereinanderge−
schaltet sind. Die Reizübertragung von einem Neuron auf ein anderes erfolgt durch Neurotransmit−
ter im Bereich chemischer Synapsen.
76.4 . Beschreiben Sie den Aufbau einer chemischen Synapse!

76.5 . Beschreiben Sie die Erregungsweiterleitung durch Neurotransmitter!

Ü Antworten und Kommentar Seite 286

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77. . 4−Jährige mit Hämolyse bei Membrandefekt der Erythrozyten Fall
77
In der Kinderklinik nehmen Sie ein 4−jähriges nun, die Ursache der Hämolyse zu finden. Sie
Mädchen wegen einer mikrozytären normochro− erfahren außerdem, dass auch der Vater im Kin−
men Anämie (MCV Q und MCH normal) sowie desalter wegen einer Bluterkrankung“ am
wegen erhöhter Bilirubin− und Retikulozyten− Bauch operiert wurde. Damals wurde die Milz
werte auf. Die Milz ist vergrößert. Die Hautfar− entfernt. Sie denken bei dieser Anamnese und
be des Kindes ist leicht gelblich (Ikterus). Der diesen Befunden an die Sphärozytose, eine au−
Hausarzt vermutet einen gesteigerten Erythro− tosomal−dominant erbliche Erkrankung der
zytenabbau (Hämolyse), der zu Anämie und Erythrozyten.
erhöhten Bilirubinwerten geführt hat. Er bittet

Bei der Sphärozytose ist der Aufbau der Erythrozytenmembranen nicht intakt. Dadurch können die
Membranen ihre Funktionen nicht richtig erfüllen.

77.1 . Beschreiben Sie Aufbau und Funktion der Plasmamembran!

77

Bei der Sphärozytose werden bestimmte Proteine der Plasmamembran nicht richtig gebildet.

77.2 . Wie sind Proteine mit der Plasmamembran verbunden?

77.3 . Welche Funktionen können Plasmamembranproteine ausüben? Nennen Sie jeweils


Beispiele!

77.4 . Wo werden Membranen synthetisiert, und wie gelangen sie in die Plasmamembran?

Ü Antworten und Kommentar Seite 289

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Fall 78. . Junger Mann mit Heuschnupfen
78
Sie beneiden Ihren WG−Mitbewohner nicht. Je−
des Frühjahr, wenn die ersten Gräser und Gräser/Getreide
Bäume blühen, beginnt seine Nase zu laufen. Er Gräser +
muss häufig niesen, seine Augen brennen und Hafer +
tränen. Er leidet unter Heuschnupfen (allergi− Kräuter
scher Rhinitis). Auf Nachfrage zeigt er Ihnen sei− Beifuß +
nen Allergiepass. Auszüge aus seinem Allergie− Wegerich +
test lesen sich folgendermaßen: Bäume I (Frühblüher)
Hasel +++
Bäume II (Mittelblüher)
Birke +++

Die Allergie gehört zu den Überempfindlichkeitsreaktionen.

78.1 . Nennen Sie die verschiedenen Typen der Überempfindlichkeitsreaktionen und jeweils
ein Beispiel! Um welchen Typ handelt es sich bei der allergischen Rhinitis?
78

Eosinophile Granulozyten und Mastzellen spielen eine Rolle bei der allergischen Rhinitis.

78.2 . Was wissen Sie über eosinophile Granulozyten und Mastzellen?

!!! 78.3 . Erläutern Sie, wie es zu den Symptomen bei einer Allergie kommt!

Ü Antworten und Kommentar Seite 292

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79. . 57−jährige Patientin mit Hyperkortisolismus bei Cushing−Syndrom Fall
79
Während eines Wochenendbesuches bei Ihren ein a“ ausspricht, fragen Sie, ob ihr denn auch
Eltern berichtet Ihre Mutter von der 57−jährigen andere Veränderungen an der Nachbarin aufge−
Nachbarin. Sie sei beim Fensterputzen gestol− fallen seien. Das bejaht die Mutter und fügt hin−
pert und habe sich durch einen Aufprall auf der zu, dass ihr rotes Gesicht immer runder gewor−
Fensterbank den Unterarm gebrochen. Dabei den sei. In der Nachbarschaft habe man
sei der Aufprall gar nicht stark gewesen. In der geglaubt, dass sie zuviel Alkohol trinke. In ei−
Klinik hätten die Ärzte durch eine Blutuntersu− nem vertraulichen Gespräch hatte die Nachba−
chung festgestellt, dass sie an der Cushing− rin der Mutter erzählt, dass sie sich in ihrem
Krankheit leide. Nachdem Sie Ihre Mutter da− Körper nicht mehr wohl fühle, da ihr Bauch im−
rauf hingewiesen haben, dass man das u“ in mer dicker werde und sie rote Streifen am
Cushing tatsächlich wie ein u“ und nicht wie Oberkörper habe.

Beim Cushing−Syndrom liegt ein Kortisolüberschuss vor.

79.1 . Erläutern Sie den Regelkreis der Kortisolfreisetzung!

79

79.2 . In welchen Schritten wird Kortisol synthetisiert?

79.3 . Welche Wirkungen entfaltet Kortisol auf Stoffwechsel und Immunsystem?

Ü Antworten und Kommentar Seite 295

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Fall 80. . 63−Jähriger mit veränderter Zusammensetzung der Plasmaproteine
80
Sie verbringen Ihr erstes PJ−Tertial auf einer Sta− webig umgebaut, dass die Leber ihre Stoffwech−
tion für Innere Medizin. Heute nehmen Sie ei− selleistungen nicht mehr erfüllen kann. Nun
nen 63−jährigen Patienten auf, der schon eine hatte sich der Patient vorgestellt, weil sich er−
dicke Krankenakte hat. Der Patient trinkt seit neut etliche Liter Aszites (freie Flüssigkeit in der
20 Jahren täglich eine Flasche Schnaps und etli− Bauchhöhle, sog. Bauchwassersucht) angesam−
che Biere. Mehrere Entwöhnungsbehandlungen melt und zu einer deutlichen Vorwölbung des
waren erfolglos. Durch den chronischen Alko− Abdomens geführt hatten. Ursache für den
holkonsum wurde die Leber so stark ge− Aszites ist u. a. die durch die Leberzirrhose ein−
schädigt, dass sich eine Leberzirrhose entwi− geschränkte Synthese von Plasmaproteinen. Der
ckelt hat. Bei einer Leberzirrhose wird das Aszites soll nun entfernt werden.
Lebergewebe so stark verändert und bindege−

80.1 . Füllen Sie diese Tabelle zu den 5 Fraktionen der Plasmaproteine aus!

Fraktion %−Anteil Beispiele Funktion

80

Um sich ein Bild über die Zusammensetzung der Plasmaproteine zu machen, nehmen Sie bei dem
Patienten Blut ab und lassen die Plasmaproteine mittels Papierelektrophorese auftrennen.

80.2 . Erläutern Sie das Prinzip der Papierelektrophorese anhand der Proteinauftrennung!

Sie erhalten folgenden typischen Befund für Leberzirrhose (s. Abb.).

!!! 80.3 . Warum kommt es zu einem Abfall aller Proteinfraktionen bis auf die der g−Globuline?

!!! 80.4 . Erläutern Sie die Entstehung des Aszites!

Ü Antworten und Kommentar Seite 298

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Aus Brandenburger, T., T. Bajorat: Fallbuch Biochemie (ISBN 9783131401915) © 2006 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
Antworten und
Kommentare

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1 Insulin

1.1 Beschreiben Sie Struktur, Synthese und – Durch Abspaltung der Signalsequenz und
Sekretionsmodus des Insulins! Bildung von 3 Disulfidbrücken entsteht
J Struktur: Proinsulin (einkettiges, unverzweigtes Po−
– Peptidhormon aus 51 Aminosäuren lypeptid, d. h. A− und B−Kette sind noch
– Besteht aus einer A− und einer B−Kette, über ein C−Peptid [connecting peptide]
die über zwei Disulfidbrücken miteinander miteinanderverbunden).
verbunden sind; innerhalb der A−Kette be− – Proinsulin wird als zinkhaltiges Hexamer
findet sich eine weitere Disulfidbrücke in den b−Granula des Pankreas gespei−
chert.
– Bei Anstieg des Blutglukosespiegels
schneiden Peptidasen das C−Peptid he−
raus, es entsteht Insulin.
J Sekretionsmodus:
– Sekretionsreiz für die Insulinfreisetzung ist
v. a. ein ansteigender Blutglukosespiegel
Struktur des Insulins nach Mahlzeiten.
82 – Glukose gelangt über einen insulinunabän−
J Synthese: gigen Glukosetransporter (GLUT2) in die
– Erfolgt über Vorläuferpeptide in den b−Zellen des Pankreas und wird dort in die
b−Zellen des Pankreas Glykolyse eingespeist. Das Endprodukt Py−
Fall – Präproinsulin (einkettiges, unverzweigtes ruvat wird durch die Pyruvatdehydrogena−
1 Polypeptid) gelangt über eine Signalse−
quenz in das endoplasmatische Retikulum
se−Reaktion in Acetyl−CoA umgewandelt
und dieses im Zitratzyklus abgebaut. Die
(ER). dabei reduzierten Koenzyme (FADH2,
NADH+H+) werden in die Atmungskette
eingespeist und zur Synthese von ATP ver−
wendet.
– Der ATP−Anstieg führt zum Schluss ATP−
abhängiger K+−Kanäle. Dadurch steigt die
intrazelluläre K+−Konzentration, und die
Zelle wird depolarisiert. Infolgedessen
öffnen sich spannungsabhängige Ca2+−

Synthese des Insulins (A = A−Kette, B = B−Kette, Sekretionsmodus des Insulins


C = C−Peptid)

Ü Fall 1 Seite 1

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Kanäle. Die Zunahme der intrazellulären letzten 1–2 Monate beurteilen (sog. Blutzu−
Ca2+−Konzentration führt schließlich zur ckergedächtnis) R HbA1 c wird als Verlauf−
Freisetzung des Insulins und des C−Peptids sparameter bei Patienten mit erhöhtem Blut−
durch Exozytose. glukosespiegel genutzt (Kontrolle der Blut−
glukoseeinstellung und der Compliance des
1.2 Welche Stoffwechselprozesse in Leber, Patienten).
Muskulatur und Fettgewebe werden durch
Insulin beeinflusst? !!! 1.5 Was sind gefu rchtete Spatkomplikatio−
Insulin senkt den Blutzuckerspiegel. Es ist das nen bei nicht oder unzureichend behandeltem
wichtigste anabole Hormon des Menschen. Diabetes mellitus?
Vereinfacht gilt für seine Stoffwechselwirkun− J Diabetische Mikroangiopathie: Verdickung
gen: der Basalmembranen von kleinen Blutgefä−
J Förderung der Glukoseaufnahme in Muskula− ßen; führt neben Durchblutungsstörungen zu
tur und Fettgewebe über GLUT4. Merke: In− krankhaften Veränderungen von Nieren (dia−
sulin bewirkt keine erhöhte Glukoseaufnah− betische Nephropathie), Nervenbahnen (dia−
me in die Leber (diese besitzt wie das Pan− betische Neuropathie) und Retina (diabeti−
kreas den insulinunabhängigen GLUT2)! sche Retinopathie)
J Förderung des Aufbaus von Speicherstoffen J Diabetische Makroangiopathie: Arterioskle−
(Glykogen, Fette, Proteine) rose, die beim Diabetiker mindestens 10 Jah−
J Hemmung des Abbaus von Speicherstoffen re eher auftritt als beim Nichtdiabetiker R 83
(Glykogen, Fette) Folgeerkrankungen der Arteriosklerose treten
häufiger auf (z. B. Schlaganfall, Herzinfarkt)
1.3 Welche Enzyme werden dabei durch Fall
Insulin aktiviert oder gehemmt?
1
Einfluss von Insulin auf die Enzyme in Muskulatur, Fettgewebe und Leber
Muskulatur Fettgewebe Leber
Aktivierung der Glykolyse Aktivierung der Glykolyse Aktivierung der Glykolyse
– Hexokinaseq – Hexokinaseq – Glukokinaseq
– Phophofruktokinaseq – Phophofruktokinaseq – Phophofruktokinaseq
– Pyruvatkinaseq – Pyruvatkinaseq – Pyruvatkinaseq
Hemmung der Glukoneogenese Aktivierung der Fettsynthese Hemmung der Glukoneogenese
– PyruvatcarboxylaseQ – Acetyl−CoA−Carboxylaseq – PyruvatcarboxylaseQ
– PEP−CarboxykinaseQ – Fettsaure−Synthetaseq – PEP−CarboxykinaseQ
– Fruktose−1,6−BisphosphataseQ – Lipoproteinlipaseq – Fruktose−1,6−BisphosphataseQ
Steigerung der Glykogensynthese Steigerung der Glykogensynthese
– Glykogensynthaseq – Glykogensynthetaseq
Hemmung des Glykogenabbaus Hemmung des Glykogenabbaus
– GlykogenphosphorylaseQ – GlykogenphosphorylaseQ

1.4 Was versteht man unter HbA1 c? Warum


wird es bestimmt?
J HbA1 c entsteht durch nichtenzymatische
Glykosylierung des Hämoglobins HbA1.
J Das Ausmaß der Glykosylierung wird durch
die Blutglukosekonzentration bestimmt; bei
Gesunden werden bis zu 6 % des HbA1 glyko−
syliert, bei Diabetikern kann der Wert bis auf
das 2− bis 3−fache ansteigen.
J Da HbA1 c erst nach 1–2 Monaten abgebaut
wird, kann man den Blutglukosespiegel der

Ü Fall 1 Seite 1

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Kommentar

Struktur, Synthese und Sekretionsmodus des J Glukosemangel der insulinabhängigen Zel−


Insulins: s. Antwort zur Frage 1.1. len (z. B. Muskel− und Fettzellen)
J Proteolyse mit Muskelschwund (bedingt
Steuerung der Insulinsekretion: Die Insulin− körperliche Leistungsschwäche)
sekretion wird in erster Linie durch das Sub− J Verstärkter Fettabbau mit Entstehung von
stratangebot (Glukose) reguliert; daneben sti− Acetyl−CoA und Umbau zu Ketonkörpern
mulieren Enterohormone (z. B. gastrisches inhi− (Entstehung einer metabolischen Azidose
bitorische Peptid [GIP], Glucagon−like Peptide möglich)
[GLP1]) die Sekretion von Insulin. Die Kate− J Überschreiten der Rückresorptionsschwelle
cholamine Noradrenalin und Adrenalin sowie von Glukose in der Niere; es kommt zur
Somatostatin hemmen die Insulinsekretion. Glukoseausscheidung mit dem Urin (Glu−
kosurie)
Wirkungen des Insulins: Insulin ist hydrophil J Glukose wirkt osmotisch, es kommt zu ei−
und kann daher die Membran seiner Zielzellen ner verstärkten Diurese (Polyurie)
nicht durchdringen. Insulinempfindliche Zellen J Durch die verstärkte Diurese kommt es zu
besitzen aus diesem Grund Tyrosinkinasere− Hypovolämie und verstärktem Durst (Poly−
84 zeptoren. Die Bindung des Insulins an diesen dipsie), der Patient trinkt vermehrt.
Rezeptor führt zur Aktivierung oder Hemmung
Sekundäre und Spätfolgen entwickeln sich
intrazellulärer Reaktionen und zum vermehr−
nach Jahren diabetischer Stoffwechsellage:
ten Einbau von Glukosetransportern in die Zell−
Mikro− und Makroangiopathie (s. Antwort zur
Fall membran (GLUT4).
Frage 1.5), Abwehrschwäche mit Neigung zu
1 Insulin ist das wichtigste anabole Hormon
des Körpers. Es fördert die Glukoseaufnahme
bakteriellen Haut− und Harnwegsinfektionen
sowie Hypertriglyzeridämie mit Fettleber. Der
in die Zellen des Muskel− und Fettgewebes,
Patient im Fallbeispiel zeigt die typischen
den Glykogenaufbau sowie die Glykolyse und
Symptome eines Insulinmangels bzw. erhöh−
hemmt die Glukoneogenese sowie die Glyko−
ten Blutglukosespiegels: Hypovolämie (tro−
genolyse. Weiterhin fördert es die Fettsäureauf−
ckener Mund), Polyurie, Polydipsie, Leistungs−
nahme in die Zelle sowie die Lipogenese und
schwäche und Neigung zu wiederholten
hemmt die Lipolyse. Es stimuliert die Protein−
Infektionen. Eine Messung des Blutglukose−
biosynthese, indem es die Aufnahme von Ami−
spiegels von über 200 mg/dl (.11,1 mmol/l)
nosäuren in die Zellen fördert. Einige dieser
sowie Symptome des Diabetes mellitus gelten
Wirkungen vermittelt Insulin über eine Sen−
als beweisend für die Diagnose. Als Blutzu−
kung des cAMP−Spiegels in den Zielzellen. Das
ckergedächtnis dient dem Arzt das glykosy−
geschieht über die Aktivierung einer cAMP−ab−
lierte Hämoglobin HbA1C (s. Antwort zur Fra−
hängigen Phosphodiesterase, die cAMP in 5’−
ge 1.4).
AMP spaltet.
In der Bundesrepublik Deutschland leiden
etwa 4 % der Bevölkerung an Diabetes mellitus.
Abbau des Insulins: Der Abbau von im Blut zir−
Es handelt sich damit um eine der häufigsten
kulierendem Insulin geschieht rasch mit Hilfe
Erkrankungen. Nach der Ursache unterscheidet
von Enzymen, so dass die Halbwertszeit von
man zwei Typen des Diabetes mellitus: Typ I
Insulin nur etwa 7 bis 15 Minuten beträgt.
und Typ II. Der Diabetes mellitus Typ I tritt
meist bis zum 20. Lebensjahr auf (sog. juveniler
Diabetes mellitus: Ein Insulinmangel oder eine
Diabetes mellitus) und beruht auf einer auto−
mangelhafte Reaktion der Zielzellen auf das In−
immunvermittelten Zerstörung der b−Zellen.
sulinsignal (Endorganresistenz) führen zum
Insulin wird folglich nicht mehr gebildet; es
Krankheitsbild des Diabetes mellitus. Der Blut−
liegt ein absoluter Insulinmangel vor. Die Pati−
glukosespiegel steigt nüchtern auf Werte
enten sind daher insulinpflichtig (Insulin−de−
.110 mg/dl (. 6,1 mmol/l) kapillär. Unmittel−
pendent Diabetes mellitus [IDDM]). Die meis−
bare Folgen des Insulinmangels und hohen
ten Diabetiker leiden jedoch am Diabetes mel−
Blutglukosespiegels sind:
litus Typ II, der häufig in späteren Lebensjahren

Ü Fall 1 Seite 1

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auftritt (sog. Altersdiabetes). Hier ist die Kon−
zentration von Insulin im Blut meist normal ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
oder sogar leicht erhöht. Die Zellen dieser Pa−
tienten sind Insulin gegenüber aber oft resis− Diagnostik und Therapie des Diabetes
tent und reagieren daher nicht adäquat auf In− mellitus
sulin (Endorganresistenz). Man spricht daher
auch von relativem Insulinmangel. Der Diabe− Transduktion des Insulinsignals
tes mellitus Typ II ist primär nicht insulinab−
hängig und wird daher auch als Non−insulin− Tyrosinkinaserezeptor
dependent Diabetes mellitus (NIDDM) bezeich−
net. Glukagon – Gegenspieler des Insulins

2 Vitamin D

2.1 Wie wird Vitamin D vom menschlichen 2.3 Welche Wirkungen hat Kalzitriol?
Körper synthetisiert und in die aktive Form J Darm:
überführt? – Synthese eines Kalziumtransportsystems,
J Siehe auch Abb. S. 86 welches Kalzium aus dem Darm ins Blut
J Umwandlung von Cholesterin in 7−Dehydro− gegen ein Konzentrationsgefälle transpor−
85
cholesterin (Provitamin D3) in der Leber tiert R Ca2+−Plasmaspiegel q
J Umwandlung von 7−Dehydrocholesterin in – Stimulation der Phosphataufnahme
Cholekalziferol (Vitamin D3) unter UV−Ein− J Niere: Kalzium− und Phosphatrückresorption q
Fall
strahlung in der Haut J Knochen: direkte Stimulierung der Osteobla−
J Cholekalziferol gelangt erneut in die Leber sten R Mineralisation des Knochens 2
und wird an Position 25 hydroxyliert; es
entsteht 25−Hydroxycholekalziferol. 2.4 Warum haben Sie dies getan?
J 25−Hydroxycholekalziferol gelangt in die Nie− J Der Junge ist unterernährt R Mangelernäh−
re und wird an Position 1 hydroxyliert; es rung ist eine Ursache für Vitamin−D−Mangel
entsteht die aktive Form 1,25−Dihydroxy− R daher ist eine zusätzliche Gabe in Form
cholekalziferol (Syn. Kalzitriol, Vitamin−D− von Vitamin−D−Tabletten sinnvoll.
Hormon). J Bei Lichtmangel kann 7−Dehydrocholesterin
nicht ausreichend in Cholekalziferol umge−
2.2 Wie wird die Vitamin−D−Synthese regu− wandelt werden. Letztendlich kann kein Vi−
liert? tamin D entstehen. Daher sollte der Junge
Die letzte Hydroxylierung in der Niere wird mehr Licht bekommen.
durch die 1a−Hydroxylase katalysiert:
J Parathormon (PTH) steigert die Aktivität
der 1a−Hydroxylase.
J Hohe Kalziumkonzentrationen hemmen die
Aktivität der 1a−Hydroxylase.

Ü Fall 2 Seite 2

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Kommentar

Vitamin D: Die beiden wichtigsten Vitamin−D−


Verbindungen (Kalziferole) sind Vitamin D2
(Ergokalziferol) und Vitamin D3 (Cholekalzife−
rol).
J Vitamin D2 entsteht unter UV−Einstrahlung
in der Haut aus Ergosterol (Provitamin D2),
das nur von Pflanzen gebildet wird. Durch
Hydroxylierungen an den Positionen 25
(Leber) und 1 (Niere) entsteht aus Vitamin
D2 die biologisch aktive Form 1,25−Dih−
ydroxyergokalziferol (Syn. Vitamin−D2−Hor−
mon).
J Vitamin D3 entsteht unter UV−Einstrahlung
in der Haut aus 7−Dehydrocholesterin (Pro−
vitamin D3), das von Menschen und Tieren
aus Cholesterin gebildet werden kann.
86 Durch Hydroxylierungen an den Positionen
25 (Leber) und 1 (Niere) entsteht aus Vita−
min D3 die biologisch aktive Form 1,25−Di−
hydroxycholekalziferol (Syn. Kalzitriol, Vit−
Fall amin−D3−Hormon).

2 Vitamin D2 wird somit aus Provitaminen


pflanzlicher Nahrungsmittel gebildet. Vitamin
D3 findet sich in tierischen Nahrungsmitteln
(Leber, Eier, Milch) und kann vom Menschen
selbst aus Cholesterin synthetisiert werden (s.
Antwort zur Frage 2.1).
Das für den Menschen quantitativ relevante
Vitamin−D−Hormon ist das aus Cholekalziferol
gebildete Kalzitriol (Vitamin−D3−Hormon). Kal−
zitriol ist ein Steroidhormon und kann auf−
grund seines lipophilen Charakters nur mit Hil−
fe eines Transportproteins (Vitamin−D−Bin−
dungsprotein, VDBP) im Blut zu den Zielzellen
transportiert werden. Dort durchdringt es die
Zellmembran, bindet im Zellkern an Rezepto−
ren und induziert oder unterdrückt die Expres−
sion verschiedener Gene. Darüber werden ver−
schiedene Wirkungen ausgelöst: Die Hauptwir−
kung von Kalzitriol ist die Steigerung der
Kalziumresorption aus dem Darm. Zusätzlich
fördert Kalzitriol die Kalzium− und Phosphat−
rückresorption in der Niere. Dadurch werden
Kalzium und Phosphat für die Mineralisation
des Knochens bereitgestellt, die in Form von
Hydroxylapatit (Ca10[PO4]6[OH]2) in den Kno−
chen eingebaut werden (s. Antwort zur Frage
2.3).

Synthese von Vitamin D und Umwandlung in die aktive


Form Kalzitriol

Ü Fall 2 Seite 2

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Regulation des Kalziumhaushalts durch Kalzit− 25−Hydroxycholekalziferol in 1,25−Dihydroxy−
riol, Kalzitonin und Parathormon: s. Fall 28. cholekalziferol (Kalzitriol) umzuwandeln, ein−
geschränkt oder erloschen. Dies führt ebenfalls
Vitamin−D−Mangel: Ursachen und Symptome zur gestörten Mineralisation des Knochens,
eines Vitamin−D−Mangels unterscheiden sich nach Abschluss des Skelettwachstums sind
zwischen Kindes− und Erwachsenenalter: aber Spongiosa und Kompakta betroffen. Es
Bei Kindern kann es durch unzureichende entwickelt sich das Krankheitsbild Osteomala−
Vitamin−D−Zufuhr und Lichtmangel zum zie (Knochenerweichung) mit Knochenschmer−
Krankheitsbild Rachitis kommen. Durch das zen und Muskelschwäche.
verminderte Kalzium− und Phosphatangebot
kommt es u. a. zur gestörten Mineralisation
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
des wachsenden Knochens. Folgen sind Skelett−
veränderungen wie Verkrümmungen der lan−
Regulation des Kalziumhaushalts
gen Röhrenknochen (z. B. O−Beine) und rachiti−
durch Kalzitriol, Kalzitonin und Parat−
scher Rosenkranz (s. Fallbeispiel). Außerdem
hormon
sind die Kinder unruhig und entwickeln sich
unzureichend.
Herkunft und Funktion von Parathor−
Bei Erwachsenen ist häufig eine chronische
mon und Kalzitonin
Niereninsuffizienz Ursache eines Vitamin−D−
Mangels. Hierbei ist die Fähigkeit der Niere, 87

3 Peptide und Proteine Fall

3.1 Was sind Peptide? Wie entstehen sie? 3.2 Wann spricht man von Proteinen? Er−
3
J Peptide bestehen aus 2–100 Aminosäuren, läutern Sie die unterschiedlichen
die durch Peptidbindungen miteinander Konformationsebenen von Proteinen!
verknüpft sind (2 Aminosäuren = Dipeptid, 3 Proteine bestehen aus mehr als 100 Aminosäu−
Aminosäuren = Tripeptid, 4–9 Aminosäuren ren, die über Peptidbindungen miteinander
= Oligopeptid, 10–100 Aminosäuren Poly− verknüpft sind. Jedes Protein besitzt eine einzig−
peptid). artige dreidimensionale Struktur (= Konformati−
J Die Peptidbindung entsteht durch Verknüp− on eines Proteins), die durch hierarchisch aufge−
fung der a−Aminogruppe einer Aminosäure baute Konformationsebenen entsteht:
mit der a−Carboxylgruppe der folgenden J Primärstruktur: Abfolge der Aminosäuren in
Aminosäure. Dabei wird Wasser abgespal− der Kette
ten. Die Peptidbindung ist eine Carbonsäu− J Sekundärstruktur: lokale räumliche Anord−
reamidbindung. nung der Hauptkette des Proteins. Diese
Hauptkette der Aminosäuren mit der Se−
quenz . . .–N–Ca–C–N–Ca–C–. . . ist bei allen
Peptiden und Proteinen gleich. Zwischen den
CO−Gruppen und den NH−Gruppen der Kette
können sich spezifische Strukturen ausbilden,
die Elemente der Sekundärstruktur sind. Sta−
bilisiert werden die Sekundärstrukturen
durch energetisch günstige Wasserstoff−
brückenbindungen zwischen CO− und NH−
Gruppen des Aminosäure−Rückgrats. Typi−
sche Elemente der Sekundärstruktur sind:
– a−Helix: ist eine schraubenförmig rechts−
Knüpfung einer Peptidbindung zwischen zwei Aminosäu−
ren gewundene (im Uhrzeigersinn) Aminosäu−
rekette, bei der Wasserstoffbrückenbin−
dungen zwischen dem Wasserstoffatom

Ü Fall 3 Seite 3

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einer NH−Gruppe und dem Sauerstoffatom – Disulfidbrücken: entstehen durch kova−
einer 4 Aminosäuren entfernten CO−Grup− lente Bindung der Sulfhydryl−Gruppen (SH−
pe ausgebildet werden. Die Seitenketten, Gruppen) von zwei Cystein−Resten in ei−
die meist unregelmäßig angeordnet sind, nem Protein.
werden dabei nach Außen geklappt. – Ionenbeziehung: finden innerhalb eines
– b−Faltblatt: Im b−Faltblatt liegen die Pep− Moleküls zwischen geladenen Gruppen
tidebenen fast wie auf einem gefalteten statt. Gegensätzlich geladene Gruppen in−
Stück Papier. Wasserstoffbrückenbindun− nerhalb des Proteins ziehen sich bei die−
gen bilden sich zwischen der CO− und der sen stärksten nichtkovalenten Wechselwir−
NH− Gruppe von zwei benachbarten kungen an.
Strängen aus. Verlaufen die beiden be− – Dipol−Dipol−Wechselwirkungen: finden
nachbarten Stränge in der gleichen Rich− sich zwischen polarisierten (teilgeladenen)
tung, so liegt ein paralleles, verlaufen sie Gruppen der Aminosäurereste, die perma−
in der entgegengesetzten Richtung, liegt nente Dipole darstellen.
ein antiparalleles b−Faltblatt vor. – Van−der−Waals−Kräfte: Die Elektronenwol−
– b−Schleife (b−Haarnadelbiegung): ke um unpolare Atome fluktuiert und er−
In b−Schleifen sind 4 Aminosäurereste so zeugt dabei rasch wechselnde nichtperma−
angeordnet, dass sich die Kette in die Ge− nente Dipole. In benachbarten Atomen
genrichtung umkehrt (Richtungsänderung werden gegensinnige momentane Dipole
88 um 1808). Die 1. und 4. Aminosäure der induziert. Aus der Anziehung zwischen
b−Schleife werden durch eine Wasserstoff− den gegensinnigen Ladungen resultiert ei−
brücke stabilisiert. ne schwache Wechselwirkung.
J Tertiärstruktur: beschreibt die Lage aller – Hydrophobe Wechselwirkungen: Wasser−
Fall
Atome eines Proteins im Raum. Dazu gehö− moleküle sind Dipole und ziehen sich ge−
3 ren alle Sekundärstrukturen und auch die genseitig an. Aus diesem Wassergitter−
weniger geordneten (deswegen aber nicht werk werden hydrophobe Domänen in
ungeordneten) Bereiche eines Proteins. An den Binnenraum des Proteins gedrängt.
der Ausbildung und Stabilisierung der Ter− Dieser Vorgang läuft spontan ab, da er
tiärstruktur sind verschiedene Faktoren betei− energetisch günstig ist.
ligt:

Sekundärstruktur der Proteine: a – a−Helix, b – antiparalleles b−Faltblatt, c – paralleles b−Faltblatt (Die Wasserstoff−
brückenbindungen sind jeweils gestrichelt eingezeichnet.)

Ü Fall 3 Seite 3

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J Quartärstruktur: Viele Proteine bestehen J Strukturproteine (z. B. Kollagen)
aus mehreren Untereinheiten. Die räumliche J Peptid− und Proteohormone (z. B. Insulin)
Anordnung dieser Untereinheiten nennt man J Rezeptorproteine
Quartärstruktur des Proteins. Die Quartär− J Transportproteine (z. B. Hämoglobin, inte−
struktur verleiht größeren Proteinen beson− grale Membranproteine, Ionenkanalproteine)
dere Eigenschaften. J Immunglobuline (z. B. IgG)
J Proteine, die der Bewegung dienen (z. B.
3.3 Welche Funktionen haben Peptide und Muskelproteine Aktin und Myosin)
Proteine im menschlichen Körper? J Faktoren der Blutgerinnung
J Enzyme

Tertiärstruktur (a) und


Quartärstruktur (b)
eines Proteins

89

Fall
3

Bindungstypen in Proteinen: a – Wasserstoffbrücken, b– Disulfidbrücke, c – Ionenbeziehung (hier zwischen Aspartat und


Lysin), d – hydrophobe Wechselwirkung (hier zwischen Valin und Isoleucin)

Kommentar

Peptidbindung: Peptide und Proteine bestehen und 3.2). Die Seite, die eine freie Aminogruppe
aus unverzweigt verketteten Aminosäuren. Die trägt, wird als N−terminales Ende bezeichnet
einzelnen Aminosäuren sind durch Peptidbin− und steht bei einer Strukturdarstellung übli−
dungen miteinander verknüpft (s. Antwort zur cherweise links. Die Seite, die eine freie Carbo−
Frage 3.1). Peptidbindungen sind mesomerie− xylgruppe trägt, wird als C−terminales Ende be−
stabilisiert. Das bedeutet, dass die p−Elektro− zeichnet und steht bei einer Strukturdarstel−
nen über alle Atome delokalisiert sind. Dadurch lung üblicherweise rechts.
ist die Peptidbindung nicht frei drehbar und
bekommt einen partiellen Doppelbindungs− Prionenerkrankungen: Prionproteine kommen
charakter. Alle an der Peptidbindung beteilig− physiologischerweise im menschlichen und
ten Atome liegen in einer Ebene. tierischen Körper vor. Durch genetische oder
infektiöse Einflüsse, aber auch sporadisch kön−
Peptide und Proteine: Sie entstehen aus Ami− nen Prionproteine in ihrer Struktur derart ver−
nosäuren, die über Peptidbindungen miteinan− ändert werden, dass sie schwere Erkrankungen
der verknüpft sind (s. Antworten zu Fragen 3.1 wie die Creutzfeldt−Jakob−Erkrankung (CJD)

Ü Fall 3 Seite 3

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beim Menschen oder bovine spongioforme En− Persönlichkeitsveränderungen und Bewe−
zephalopathie (BSE) bei Rindern auslösen kön− gungsstörungen (s. Fallbeispiel). Nach einigen
nen. Die derartig veränderten Prionproteine be− Monaten bis zu zwei Jahren tritt der Tod ein.
zeichnet man als Prione (proteinaceus infec− Eine Therapie gibt es bislang nicht.
tious only, poteinartige infektiöse Partikel). Sie
sind abnorm gefaltet, d. h. sie enthalten mehr
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
b−Faltblattstrukturen als die Prionproteine. Die
abnorm gefalteten Prione lagern sich in Ner−
Sonderstellung des Prolins in der An−
venzellen zusammen und stören dadurch die
ordnung der Aminosäurekette
normale Nervenzellfunktion. Außerdem wer−
den verschiedene biochemische Prozesse in
Tripelhelix im Kollagen
Gang gesetzt, die letztendlich zu einer Degene−
ration des Gehirns führen. Bei fortschreitender
Supersekundärstrukturen und Domä−
Degeneration wird das Gehirn schwammartig
nen
(spongiform) verändert.
Die Erkrankung beginnt schleichend mit un−
Trennungs− und Nachweismethoden
charakteristischen Beschwerden wie Schlafstö−
von Proteinen
rungen. Im weiteren Verlauf kommt es zu

90

Fall 4 T−Lymphozyten (T−Zellen)


4 4.1 Geben Sie einen groben Überblick über – Zelluläre Faktoren (T−Lymphozyten)
die Komponenten des Immunsystems! Un− – Humorale Faktoren (Antikörper, die von
terscheiden Sie hierbei zwischen spezifischer aktivierten B−Lymphozyten [Plasmazellen]
und unspezifischer Immunabwehr! gebildet werden)
Der Mensch muss sich ständig vor Bakterien, Vi−
ren, Parasiten, Pilzen und entarteten körperei− 4.2 Wie werden T−Lymphozyten eingeteilt,
genen Zellen schützen. Hierzu besitzt der und welche Funktionen haben die verschiede−
Körper ein Immunsystem, welches sich aufteilt nen T−Lymphozyten−Populationen?
in: J T−Helfer−Lymphozyten (CD4+−T−Lymphozy−
J Unspezifische Immunabwehr: ist angebo− ten): tragen auf ihrer Oberfläche CD4−Mo−
ren; verhindert das Eindringen von Krank− leküle. Sie werden aktiviert, wenn sie auf ei−
heitserregern und/oder macht diese unschäd− ne antigenpräsentierende Zelle (z. B. Makro−
lich durch allgemeine Schutzmechanismen, phagen, B−Lymphozyten) treffen, die das für
z. B. sie spezifische Antigen zusammen mit MHC
– Zelluläre Faktoren (z. B. natürliche Killer− II präsentiert. Sie lassen sich unterteilen in:
zellen, Granulozyten, Monozyten/Makro− – TH1−Lymphozyt: Freisetzung von Zytoki−
phagen) nen, z. B. Interferon g, Interleukin 2,
– Humorale (lösliche) Faktoren (z. B. Kom− TNFa/b R Aktivierung von Makrophagen
plementfaktoren, Lysozym) und zytotoxischen T−Lymphozyten
– Biologische, chemische und physikalische – TH2−Lymphozyten: Freisetzung von Inter−
Faktoren (z. B. Oberflächenbarriere der in− leukin 4, Interleukin 5, Interleukin 10, In−
takten Haut, Nies− und Hustenreflex, terleukin 13 R Aktivierung von B−Lym−
Schleimproduktion und −abtransport durch phozyten
Zilienbewegung im Respirationstrakt, J Zytotoxische T−Lymphozyten (CD8+−T−Lym−
niedriger pH−Wert im Magen) phozyten): tragen auf ihrer Oberfläche CD8−
J Spezifische Immunabwehr: muss erworben Moleküle. Sie erkennen fremde Antigene, die
werden; gezielte Abwehr von Krankheitserre− mit MHC I präsentiert werden und bilden
gern zytotoxische Substanzen (z. B. Perforine,

Ü Fall 4 Seite 4

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Effektormechanismen von T−Helfer−Lymphozyten und zytotoxischen Lymphozyten

Granzyme [Serinproteasen]), durch die diese dieser Selektionsmechanismus, so kann es


Zellen zerstört werden. Sie induzieren Apop− zu Autoimmunerkrankungen kommen.
tose.
4.4 Was versteht man unter MHC? 91
4.3 Beschreiben Sie die Reifung der T−Lym− MHC (Major Histocompatibility Complex, beim
phozyten! Menschen auch als HLA = Human Leucocyte An−
J Vorläuferzellen aus Knochenmark und fetaler tigen bezeichnet) sind Glykoproteine, die auf
Leber wandern in den Thymus ein und reifen fast allen Zellen vorkommen. Sie spielen eine Fall
dort zuerst zu Prä−T−Lymphozyten und dann
zu funktionstüchtigen T−Lymphozyten heran.
zentrale Rolle in der T−zellvermittelten Immu−
nantwort. Außerdem dienen sie der Identifizie−
4
J Im Laufe der Reifung gehen ca. 97 % der Zel− rung von intakten körpereigenen Zellen und der
len durch Apoptose zugrunde. Grund hierfür Identifizierung von körpereigenen Zellen, die
ist, dass T−Lymphozyten im Thymus lernen ein fremdes Antigen auf ihrer Oberfläche tra−
müssen, zwischen Selbst und Fremd zu un− gen. Man unterscheidet:
terscheiden. Sie müssen hierzu 2 Tests“ be− J MHC I: kommen auf allen kernhaltigen
stehen: Körperzellen und Thrombozyten vor; wichtig
– Positive Selektion: nur Prä−T−Lymphozy− für die Vernichtung virusinfizierter Zellen
ten, die die körpereigenen MHC positiv er− durch zytotoxische T−Lymphozyten
kennen, können sich weiterentwickeln, die J MHC II: finden sich auf einigen Zellen des
anderen gehen durch Apoptose zugrunde Immunsystems (B−Lymphozyten, Makropha−
– Negative Selektion: Prä−T−Lymphozyten, gen, dendritische Zellen); Voraussetzung für
deren Rezeptoren MHC mit körpereigenen die Zusammenarbeit zwischen T−Helferzellen
Strukturen (Selbst−Antigenen“) erkennen, und B−Zellen
gehen durch Apoptose zugrunde; versagt

Kommentar

Immunsystem: s. Antwort zur Frage 4.1. Alle Zellen des Immunsystems leiten sich von
Zellen des Immunsystems sind: pluripotenten hämatopoetischen Stammzellen
J die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), im Knochenmark ab. Man unterscheidet dabei
eine Zellgruppe, die sich aus Granulozyten, die beiden Hauptdifferenzierungswege:
Lymphozyten, Monozyten und natürlichen J Zellen der lymphatischen Reihe: Hierzu ge−
Killerzellen zusammensetzt, hören die Zellen der spezifischen Immun−
J und gewebeständige Zellen des Monozy− abwehr (Lymphozyten) und die natürlichen
ten−Makrophagen−Systems. Killerzellen. Natürliche Killerzellen werden

Ü Fall 4 Seite 4

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der unspezifischen Immunabwehr zuge− J CD4 auf T−Helfer−Lymphozyten (CD4+−T−
rechnet. Lymphozyten)
J Zellen der myeolischen Reihe: Hierzu gehö− J CD8 auf zytotoxischen T−Lymphozyten
ren die Zellen der unspezifischen Immun− (CD8+−T−Lymphozyten)
abwehr (Granulozyten, Monozyten/Makro− J CD34 auf Stammzellen.
phagen).
Über den T−Zell−Rezeptor erkennen T−Lympho−
Unspezifisches und spezifisches Abwehrsys− zyten Antigene, die ihnen über MHC präsen−
tem ergänzen und regulieren sich gegensei− tiert werden. Dabei erkennen T−Helfer−Lym−
tig: Zellen der unspezifischen Abwehr präsen− phozyten Antigene, die von MHC II
tieren beispielsweise Antigene (körperfremde präsentiert werden. Zytotoxische T−Lympho−
Eiweiße), damit diese von Zellen der spezifi− zyten erkennen Antigene, die von MHC I prä−
schen Abwehr erkannt und vernichtet wer− sentiert werden.
den. Umgekehrt werden von Zellen der spezi−
fischen Abwehr Antigene erkannt und Major Histocompatibility Complex (MHC): s.
markiert, damit diese dann von Zellen der un− Antwort zur Frage 4.4.
spezifischen Abwehr phagozytiert und ver−
nichtet werden können. MHC I bestehen aus einer a−Kette mit drei ext−
razellulären Domänen und einem an die a−Ket−
92 T−Lymphozyten: T−Lymphozyten sind für die te assoziierten b2−Mikroglobulin. Über MHC I
spezifische zelluläre Abwehr verantwortlich können Zellen körpereigene Peptidfragmente
und spielen eine wichtige Rolle bei der Aktivie− mit einer Länge von 9–11 Aminosäuren präsen−
rung von B−Lymphozyten (s. Fall 32). Das T“ tieren. Dadurch zeigen sie den zytotoxischen T−
Fall leitet sich von Thymus ab, da sich die T−Lym− Lymphozyten, dass sie körpereigen sind und

4 phozyten dort aus Vorläuferzellen entwickeln


(s. Antwort zur Frage 4.3). Während der Reifung
nicht zerstört werden dürfen. Auch virale Pep−
tide werden über MHC I präsentiert. Nach Kon−
werden die T−Lymphozyten mit einem T−Zell− takt mit zytotoxischen T−Lymphozyten werden
Rezeptor (TZR) ausgestattet. Hierbei handelt es die von Viren infizierten Zellen durch freige−
sich um einen membranständigen Rezeptor, setzte Perforine und Granzyme oder Induktion
der meist aus einer a− und einer b−Kette aufge− der Apoptose abgetötet.
baut ist. In seiner Struktur ähnelt er dem Fab−
Fragment von Antikörpern. Der T−Zell−Rezeptor MHC II bestehen aus einer a− und einer b−Kette.
liegt immer in Verbindung mit dem Ober− Nach Beladung mit körperfremden intrazellu−
flächenmolekül CD3 vor. Weitere wichtige CD− lär fragmentierten Peptiden (10–30 Aminosäu−
Moleküle (CD = Cluster of Differentiation) auf ren) werden sie in die Plasmamembran anti−
T−Lymphozyten sind: genpräsentierender Zellen integriert. Inter−

Struktur des T−Zell−Rezeptors und


der MHC−I− und MHC−II−Proteine

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agiert dieser Komplex mit T−Helfer−Lymphozy− AIDS: Die erworbene Immunschwäche AIDS
ten werden verschiedene Reaktionen ausgelöst (Acquired Immunodeficiency Syndrome) wird
(z. B. Produktion von Interleukinen, Aktivierung durch HI−Viren (HIV, Human Immunodeficien−
von B−Lymphozyten). cy Virus) verursacht. HIV befällt Zellen, die
CD4−Moleküle besitzen. Dazu gehören neben
Aktivierung von T−Helfer−Lymphozyten: Vo− den T−Helfer−Lymphozyten (CD4+−T−Lymphozy−
raussetzung für eine Aktivierung der T−Helfer− ten) auch antigenpräsentierende Zellen wie
Lymphozyten ist die Bindung eines antigenbe− Monozyten/Makrophagen und Mikrogliazellen.
ladenen MHC II an den T−Zell−Rezeptor. Dieser Durch Zerstörung der T−Helfer−Lymphozyten
Kontakt reicht aber noch nicht aus, um die T− werden nicht mehr genug Interleukine produ−
Helfer−Lymphozyten zu aktivieren. Es sind wei− ziert, um die Immunabwehr ausreichend zu
tere Signale notwendig, z. B. stimulieren. Daher funktionieren alle Prozesse,
J muss das CD28−Molekül des T−Helfer−Lym− die auf die Stimulation durch T−Helfer−Lympho−
phozyten mit dem Oberflächenmolekül B7 zyten angewiesen sind, nicht mehr richtig (z. B.
des antigenpräsentierenden B−Lymphozy− auch die Antikörperbildung durch fehlende Ak−
ten tivierung von B−Lymphozyten, s. oben). Folge
J und der CD40−Ligand des T−Helfer−Lympho− sind opportunistische Infektionen. Hierbei han−
zyten mit dem CD40−Molekül des antigen− delt es sich um Infektionen mit Erregern, die
präsentierenden B−Lymphozyten interagie− bei intaktem Immunsystem unterdrückt wer−
ren (s. Abb.). den können und nur bei Abwehrschwäche zu 93
einer Erkrankung führen. Hierzu zählen Infek−
Durch Aktivierung der T−Helfer−Lymphozyten
tionen mit Erregern wie Pneumocystis carinii,
werden verschiedene Signalkaskaden ausge−
Candida albicans und Zytomegalievirus. Außer− Fall
löst, die letztendlich zu einer gesteigerten
dem treten spezifische Tumorerkrankungen
Transkription von mehr als 70 Genen, die
durch Translation in Proteine übersetzt wer−
(z. B. Kaposi−Syndrom, B−Zell−Lymphome) ge− 4
häuft auf.
den, führt. Die aktivierten T−Helfer−Lymphozy−
ten zeichnen sich daher durch die verstärkte
Produktion vieler Proteine (z. B. Interleukine) ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
aus. Eines dieser Interleukine, und zwar Inter−
leukin 2, stimuliert T−Helfer−Lymphozyten Genetische Grundlage der T−Zell−Re−
selbst und verstärkt dadurch deren Wirkun− zeptor−Vielfalt
gen (z. B. Freisetzung von Zytokinen). Inter−
leukin 4 bewirkt, dass B−Lymphozyten sich zu Unterschiedliche Zytokinmuster von
antikörperproduzierenden Plasmazellen und TH1− und TH2−Zellen
Gedächtniszellen differenzieren.
CD−Nomenklatur

Genetische Grundlagen der MHC−Mo−


leküle

Zytokine

Aktivierung von T−Helfer−Lymphozyten durch Interaktion


mit einem antigenpräsentierenden B−Lymphozyten (Ag =
Antigen, TZR = T−Zell−Rezeptor)

Ü Fall 4 Seite 4

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5 Eisenstoffwechsel

5.1 Wo befindet sich Eisen im menschlichen J Im Blut wird es in dreiwertiger Form (Fe3+)
Körper? an Apotransferrin gebunden. Es entsteht
J . 60 % im Hämoglobin Transferrin, welches Eisen zu den Geweben
J Ca. 19 % als Speichereisen in Form von Ferri− (v. a. Knochenmark, Leber, Skelettmuskula−
tin und Hämosiderin tur) transportiert.
J Ca. 10 % als Nichthämenzym−Eisen J Transferrin wird durch rezeptorvermittelte
J 5–6 % im Myoglobin Endozytose von den Zellen aufgenommen
J 0,2 % Transferrin (Transferrin und Rezeptor werden internali−
J 0,2 % in Cytochromen, Katalasen und Peroxi− siert).
dasen J Intrazellulär löst sich das eisenbeladene
Transferrin vom Rezeptor, der Rezeptor ge−
5.2 In welcher Form wird Eisen im Darm langt wieder in die Zellmembran. Eisen wird
aufgenommen? Wie kann die Eisenaufnahme im von Transferrin abgespalten und kann in
Darm gefördert werden, und welchen Zusatz Form von Ferritin gespeichert oder zu Bio−
sollten daher Eisenpräparate enthalten? synthesen verwendet werden. Das eisenfreie
J Eisen kann nur in zweiwertiger Form (Fe2+) Transferrin (= Apotransferrin) wird wieder ins
94 von den Darmzellen aufgenommen werden. Plasma abgegeben.
J Daher fördern Reduktionsmittel wie Vitamin
C oder SH−Gruppen von Proteinen die Eisen− !!! 5.4 Was ist Ferritin? Was bedeutet der
resorption. erniedrigte Ferritin−Spiegel bei der Patientin?
Fall J Vitamin C ist daher häufig Bestandteil von Ei− J Eisen wird – sofern es nicht für Synthesen
5 senpräparaten. benötigt wird – v. a. in Form von Ferritin in
den Geweben gespeichert (Ferritin = Spei−
5.3 Wie gelangt Eisen vom Darm ins Gewebe, chereisen).
und in welcher Form wird es dort gespeichert? J Ferritin wird zu einem geringen Teil von den
J In die Darmzellen aufgenommenes Fe2+ wird Geweben ans Blut abgegeben.
in Form von Ferritin gespeichert oder an J Die Ferritin−Konzentration im Blut korreliert
das Blut abgegeben. dabei mit der Menge an gespeichertem Eisen

Eisenstoffwechsel

Ü Fall 5 Seite 5

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und gibt somit Informationen über die Men− J Bei der Patientin ist der Ferritin−Spiegel im
ge des Eisenspeichers. Blut erniedrigt, d. h. auch, dass das Speicher−
eisen erniedrigt ist.

Kommentar

Eisenstoffwechsel des Körpers: Ein gesunder ruationsblutungen wie im Fallbeispiel, ga−


Erwachsener hat einen Gesamteisenbestand strointestinale Blutungen)
von 3 bis 5 g. Eisen ist ein wichtiges Spurenele− J gesteigerter Eisenbedarf (z. B. Wachstum,
ment des Körpers, das zahlreiche Funktionen Schwangerschaft, Stillzeit, Sportler)
hat, z. B. als Bestandteil von Hämoglobin beim J unzureichende Eisenzufuhr (v. a. bei Säug−
Sauerstofftransport, als Bestandteil von Enzy− lingen, Kleinkindern und Vegetariern)
men bei Redoxreaktionen oder als Bestandteil J unzureichende Eisenresorption (z. B. bei
der Cytochrome beim Elektronentransport der Störungen im oberen Dünndarm).
Atmungskette.
Bei Eisenmangelanämie treten die o.g. Symp−
Eisenquellen sind v. a. tierische Produkte
tome auf. Typische Laborbefunde sind: hypo−
(Fleisch, Leber). Die Resorption erfolgt v. a. im
chrome mikrozytäre Anämie (MCH Q, MCV
oberen Dünndarm. Zu Aufnahme, Transport
Q), erniedrigter Eisen−Spiegel, erniedrigter
und Speicherung s. Antworten zu Fragen 5.2 95
Ferritin−Spiegel (s. Antwort zur Frage 5.4).
und 5.3.
Nach der Diagnosestellung ist es wichtig,
nach der Ursache des Eisenmangels zu su−
Anämie: Als Anämie bezeichnet man eine Ver−
chen. Hierzu gehören gynäkologische Anam−
minderung der Hämoglobinkonzentration Fall
nese und Untersuchung bei der Frau, aber
(Hb), des Hämatokrits (Hkt) und/oder der Er−
ythrozytenzahl unter die Norm. Häufige Ursa−
auch Magen− und Darmspiegelung, um Blu− 5
tungsquellen im Gastrointestinaltrakt als
chen für Anämien sind:
wichtigste Ursache der Eisenmangelanämie
J Gestörte Erythrozytenbildung, z. B. Eisen−
zu identifizieren. Primär muss bei einer Ei−
mangelanämie (s. unten), Vitamin−B12− und
senmangelanämie die Ursache beseitigt wer−
Folsäuremangelanämie (s. Fall 21)
den, dann sollte Eisen in zweiwertiger Form
J Gesteigerter Erythrozytenabbau (hämolyti−
substituiert werden (s. Antwort zur Frage
sche Anämie), z. B. werden fehlerhaft ge−
5.2).
baute Erythrozyten schneller abgebaut
J Erythrozytenverlust durch Blutung.
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Bei Anämie kann nicht mehr genug Sauerstoff
im Blut transportiert werden, so dass die Or−
Spurenelemente als Kofaktoren von
gane nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff
Enzymen
versorgt werden. Hieraus resultieren die Sym−
ptome: Blässe von Haut und Schleimhäuten,
Erythrozytenparameter (MCH, MCV,
Müdigkeit, Leistungsschwäche, Konzentrati−
MCHC)
onsstörungen, Kopfschmerzen und Luftnot
(Dyspnoe).
Vitamin−B12− und Folsäuremangelanä−
mie
Eisenmangelanämie: Die häufigste Anämie−
form ist die Eisenmangelanämie. Hier steht
Häm−Biosynthese
nicht genügend Eisen für die Hämoglobinsyn−
these zur Verfügung. Ursachen können sein:
Hämochromatose und deren geneti−
J gesteigerte Eisenverluste durch chronische
sche Grundlage
Blutungen (z. B. starke/verlängerte Menst−

Ü Fall 5 Seite 5

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6 Molekularbiologische Methoden

6.1 Was versteht man unter PCR? Welchen 4. Anschließend werden die Schritte 1–3
Reaktionsansatz benötigen Sie für eine PCR? Wie 20–40−mal wiederholt, bis mehrere Milliarden
läuft die PCR ab? Kopien der gewünschten DNA erstellt wurden
PCR: Vervielfältigung (Amplifizierung) eines
DNA−Abschnitts in vitro 6.2 Welche Bedeutung hat die reverse Tran−
Reaktionsansatz für die PCR: skriptase für die PCR?
J DNA (sog. Template [engl. Vorlage]) J Bei der PCR werden DNA−abhängige Polyme−
J 2 Primer, um Anfang und Ende des zu ver− rasen verwendet, die DNA als Ausgangssub−
vielfältigenden DNA−Abschnitts zu markieren stanz benötigen (s. Antwort zur Frage 6.1).
J Hitzestabile DNA−abhängige DNA−Polymera− Hat man mRNA, muss diese zunächst in DNA
se aus einem thermophilen Bakterium (z. B. umgeschrieben werden, um sie mittels DNA−
Taq−Polymerase aus Thermus aquaticus). Eine abhängiger Polymerasen in der PCR zu ver−
solche Polymerase wird nicht zerstört, wenn vielfältigen.
man die DNA durch Erhitzen in Einzelstränge J Reverse Transkriptasen (RT, Syn. RNA−ab−
auftrennt (s. unten). Als Kofaktor benötigt hängige DNA−Polymerase) sind Enzyme, die
die Taq−Polymerase Magnesium (daher Zuga− RNA in DNA umschreiben. Die in der PCR
96 be von MgCl2 oder MgSO4). eingesetzte DNA wird also zunächst mithilfe
J Desoxyribonukleotide (dATP, dTTP, dGTP, einer reversen Transkriptase aus mRNA ge−
dCTP), als Bausteine für den von der DNA−Po− wonnen. Man spricht in diesem Fall von einer
lymerase zu synthetisierenden DNA−Strang RT−PCR (Reverse−Transcription−PCR).
Fall J Polymerase−Puffer, um für die DNA−Polyme−
6 rase ein optimales Arbeitsmilieu zu schaffen 6.3 Erläutern Sie das Prinzip der Agarose−
Reaktionsablauf: Gelelektrophorese!
1. Denaturieren: Durch Erhitzen der DNA auf J Die DNA−Proben werden in die Taschen des
94–988C werden die DNA−Doppelstränge in Ein− Agarose−Gels aufgetragen.
zelstränge aufgetrennt. J Nach Anlegen eines elektrischen Feldes wan−
2. Annealing: Durch Absenken der Temperatur dern die DNA−Fragmente aufgrund ihrer ne−
auf bis zu 45–658C lagern sich die Primer spezi− gativen Ladung zur Anode.
fisch an die DNA−Einzelstränge an. J Da das Agarose−Gel wie ein molekulares Sieb
3. Extending: Bei 728C hat die DNA−Polymerase wirkt, wandern kürzere DNA−Fragmente
ihr Temperaturoptimum. Sie synthetisiert – be− schneller als längere im Gel.
ginnend an den freien OH−Enden der Primer – J Anfärben des Gels z. B. mit Ethidiumbromid;
komplementäre DNA−Stränge zu den vorliegen− dadurch werden die DNA−Banden im UV−
den Einzelsträngen. Licht sichtbar.
J Anhand eines standardisierten Markers kann
man die DNA−Banden einer bestimmten
Größe zuordnen.

Schritte der PCR

Ü Fall 6 Seite 6

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spiel: Die Schnittstelle des Restriktionsen−
zyms EcoRI ist 5’−GAATTC−3’ Der komple−
mentäre Strang hat in 5’−3’−Richtung gelesen
die identische Sequenz [s. Abb.].)
J Im molekularbiologischen Labor werden Re−
striktionsenzyme z. B. eingesetzt, um DNA−
Fragmente aus Plasmiden herauszuschnei−
den.
Agarose−Gel: In der Abbildung haben die drei verschiede−
nen DNA−Proben eine Größe von etwa 650 Basenpaaren
(bp). Zwischen 100 bp−Marker und Probe 1 ist die Negativ−
kontrolle aufgetragen, die einem PCR−Ansatz ohne DNA−
Vorlage entspricht.

Restriktionsenzym EcoRI, ein aus E. coli isoliertes Restrikti−


onsenzym, erkennt die Sequenz 5’−GAATTC−3’ und schnei−
6.4 Was sind Restriktionsenzyme? Wozu det beide DNA−Stränge zwischen G und A
werden sie im molekularbiologischen Labor
eingesetzt?
J Restriktionsenzyme sind bakterielle Endo−
nukleasen, die die DNA an spezifischen Se− 6.5 Welche Blot−Verfahren gibt es neben 97
quenzen (sog. palindromischen DNA−Sequen− dem Northern Blot noch? Was wird mit den
zen) schneiden (s. Abb.). Verfahren jeweils nachgewiesen?
J Palindromische DNA−Sequenz: DNA−Se− J Northern Blot: RNA−Nachweis
quenz, bei der der komplementäre Strang in J Southern Blot: DNA−Nachweis Fall
gleicher Richtung identisch zu lesen ist (Bei− J Western Blot: Proteinnachweis 6
Kommentar

Polymerase−Kettenreaktion (PCR): Die PCR DNA, deren Basensequenz komplementär zur


(engl. polymerase chain reaction) ist eine der mRNA ist. Da mRNA nach der Transkription
am häufigsten angewendeten molekularbiolo− durch Herausschneiden von Introns entsteht,
gischen Methoden. Mit ihrer Hilfe kann man handelt es sich hierbei um intronfreie DNA.
DNA−Fragmente millionenfach vervielfältigen
und damit für weitere Untersuchungen wie Agarose−Gelelektrophorese: Im Anschluss an
Genanalysen oder molekularbiologische Expe− die PCR wird das PCR−Produkt, die vervielfäl−
rimente verfügbar machen. Grundprinzip ist tigte DNA, nachgewiesen. Dies erfolgt durch
die in−vitro−Replikation der DNA (s. Antwort Trennung der DNA−Fragmente nach ihrer Länge
zur Frage 6.1). Die Sequenz des DNA−Ab− und Ladung mittels Agarose−Gelelektrophorese
schnitts, der vervielfältigt werden soll, wird (s. Antwort zur Frage 6.3).
als Vorlage oder Template bezeichnet. Die Ba−
senfolge am Anfang und am Ende der Sequenz Klonierung: Um ein DNA−Fragment mithilfe
muss bekannt sein. Dann kann der zu replizie− von Zellen weiter zu vermehren, muss man es
rende Bereich durch künstlich hergestellte Pri− zunächst in eine Vektor−DNA integrieren. Ein
mer (18–30 Basenpaare lange Oligonukleotide) Vektor ist ein Transportsystem, mit dessen Hilfe
eingegrenzt werden. ein DNA−Abschnitt (Fremd−DNA) in eine Emp−
Es gibt inzwischen viele Varianten der klas− fängerzelle übertragen werden kann (Ligation).
sischen PCR. Bei der RT−PCR (Reverse−Transcrip− Als Vektoren werden meist Plasmide (kleine
tion−PCR) verwendet man RNA als Ausgang− ringförmige DNA−Moleküle aus Bakterien) ge−
substanz. Diese wird durch eine reverse Tran− nutzt. Überträgt man nach der Ligation den Vek−
skriptase (s. Antwort zur Frage 6.2) in sog. tor in die Empfängerzelle (z. B. ein Bakterium),
cDNA (complementary DNA) umgeschrieben. spricht man von Transformation. Die Empfän−
Bei cDNA handelt es sich um Einzelstrang− gerzellen vermehren sich. Bei jeder Zellteilung

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vermehren sie nicht nur ihr eigenes Genom, son−
dern auch den Vektor mit der Fremd−DNA. Es
entstehen viele identische Kopien der Fremd−
DNA (Klone). Vor Einführung der PCR war die
Klonierung die Methode der Wahl, mit deren
Hilfe man DNA in ausreichenden Mengen für
Untersuchungen herstellen konnte.
Die für Klonierungen verwendeten Vektoren
sind häufig Plasmide mit einem Antibiotikum−
Resistenzgen (meist Ampicillin−Resistenzgen).
Besonders häufig nutzt man hierbei sog. TA−
Vektoren; dies sind Vektoren mit einem beson−
ders hohen Anteil der Base Thymin (T) im Be−
reich der Klonierungsstelle. Bei diesen Vektoren
macht man sich eine besondere Eigenschaft der
Taq−Polymerase zunutze. Das Enzym produ−
ziert keine glatten“ Enden, sondern hängt eine
oder mehrere Basen, meist Adenin (A), an das
DNA−Fragment bei der PCR an. Durch diese A−
98 Enden lässt sich das DNA−Fragment leicht in
einen Vektor mit T−Überhang einführen (Liga−
tion). Nach der Ligation transformiert man die
Fall Vektoren in Bakterien und gibt diese auf einen
Nährboden (Agarplatte), die ein Antibiotikum –
6 häufig Ampicillin – enthält. Es wachsen nur
solche Bakterien, die den Vektor aufgenommen
haben, da dieser dem Bakterium eine Resistenz
gegen das Antibiotikum verleiht. Man wählt
nach etwa 16 Stunden einige Bakterien−Klone
aus, vermehrt diese weiter und isoliert schließ−
lich die Plasmid−DNA. Aus dieser schneidet
man mittels Restriktionsenzymen (z. B. EcoRI,
s. Antwort zur Frage 6.4) die DNA−Fragmente.
Diese können mittels Agarose−Gelelektropho−
rese sichtbar gemacht werden (s. Abb.).

ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN

Varianten der PCR: real−time PCR und


nested PCR
Klonierung von DNA−Fragmenten un−
ter Einsatz von Restriktionsenzym und
Ligase
Herstellung rekombinanter Proteine
am Beispiel des Insulins
HIV und AIDS
Allgemeine Schritte der Virus−Replika−
tion

Blot−Verfahren

In−situ−Hybridisierung Vermehrung eines DNA−Fragments durch Klonierung

Ü Fall 6 Seite 6

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7 Mitochondrien

7.1 Wie sind Mitochondrien aufgebaut? fe der Evolution haben die Mitochondrien ih−
J Bestehen aus einer äußeren und einer inne− re Autonomie weitgehend verloren und sind
ren Membran, zwischen beiden Membranen zu festen Bestandteilen der Eukaryontenzelle
liegt der Intermembranraum geworden.
J Die innere Membran umschließt den Matrix− J Belege für diese Theorie:
raum. – Mitochondrien besitzen als einzige Zellor−
J Die innere Membran ist gefaltet. ganellen eine DNA, die wie bei Prokaryon−
J Besitzen eine eigene DNA in Form eines ten ein ringförmig geschlossener DNA−
DNA−Plasmids (kleine ringförmige DNA−Mo− Strang (DNA−Plasmid) ist.
leküle) – Die innere Mitochondrienmembran
enthält als Lipid v. a. Cardiolipin, welches
charakteristisch für Prokaryonten ist.
– Mitochondrien vermehren sich unabhän−
gig vom Zellzyklus durch Wachstum und
Teilung.

7.4 Welche wichtigen Stoffwechselprozesse 99


laufen in Mitochondrien ab?
J Pyruvatdehydrogenase−Reaktion
J Zitratzyklus
J Atmungskette: oxidative Phosphorylierung Fall

Aufbau der Mitochondrien


(ATP−Synthese)
J b−Oxidation der Fettsäuren
7
J Ketogenese in der Leber
J Teilschritte der Steroidhormonsynthese, des
7.2 Beschreiben Sie den Aufbau der inneren Harnstoffzyklus, der Glukoneogenese und
Mitochondrienmembran! der Hämbiosynthese
J Hoher Proteinanteil (p 75 % Gewichtsanteil), J Biosynthese von Aminosäuren
niedriger Lipidanteil (p 25 % Gewichtsanteil) J Phospholipidbiosynthese
J Bei den Lipiden handelt es sich zum größten J Biosynthese von Biotin, Liponsäure
Teil um Cardiolipin, dieses Glyzerophospholi− J Synthese von Eisen−Schwefel−Proteinen (Fe/S−
pid besteht aus 4 statt 2 Fettsäuren und 3 Proteine)
Glyzerinmolekülen (s. Fall 9) und ist verant−
wortlich für die geringe Permeabilität der !!! 7.5 Wie ist die mitochondriale DNA (mtDNA)
inneren Mitochondrienmembran. des Menschen organisiert, und fu r welche
J In der inneren Membran befinden sich die Proteine kodiert sie?
Enzyme der Atmungskette und zahlreiche J Ringförmig geschlossener DNA−Doppelstrang
Transportproteine. (DNA−Plasmid) mit 16,6 kbp
J Jedes Mitochondrium enthält etwa 10 DNA−
7.3 Was besagt die Endosymbiontenthe− Plasmide.
orie? Welche Belege gibt es hierfür? J mtDNA des Menschen enthält 13 proteinko−
J Die Endosymbiontentheorie besagt, dass Mi− dierende Gene für Untereinheiten von Enzy−
tochondrien von Prokaryonten (zelluläre Le− men der Atmungskette.
bewesen ohne Zellkern) abstammen. Diese J Die restlichen Gene kodieren für zahlreiche
Prokaryonten wurden in kernhaltige Zellen tRNA und rRNA.
aufgenommen, aber nicht abgebaut. Im Lau−

Ü Fall 7 Seite 7

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Aus Brandenburger, T., T. Bajorat: Fallbuch Biochemie (ISBN 9783131401915) © 2006 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
Kommentar

Aufbau der Mitochondrien: Mitochondrien sind Mitochondrien besitzen eine eigene DNA
Organellen, die in unterschiedlicher Zahl in al− (mtDNA), die für einige Mitrochondrienenzy−
len kernhaltigen Zellen vorkommen. Ihre Größe me, tRNA und mRNA kodiert (s. Antwort zur
reicht von 0,5mm bis einigen mm Länge. Mito− Frage 7.5). Die meisten Mitochondrienenzyme
chondrien sind aus einer äußeren und einer sind aber im Zellkern kodiert. Die mitochond−
inneren Mitochondrienmembran aufgebaut (s. riale DNA wird nur von der Mutter (maternal)
Antwort zur Frage 7.1). Nach der Form der Ein− vererbt.
faltung der inneren Membran unterscheidet
man beim Menschen zwei Mitochondrienty− Funktion der Mitochondrien: s. Antwort zur
pen: Frage 7.4. Mitochondrien sind für den größten
J Cristaetyp: sehr starke Einfaltungen der in− Teil der ATP−Produktion (= Energieproduktion)
neren Membran verantwortlich und werden daher auch als
J Tubulustyp: fingerförmige Einstülpungen Kraftwerke der Zelle“ bezeichnet. Sie kommen
der inneren Membran. in großer Zahl in Geweben mit hohem Stoff−
wechselumsatz vor. So füllen Mitochondrien
Beides führt zu einer starken Vergrößerung
etwa 60 % des Volumens einer äußeren Augen−
der Membranoberfläche. Die innere Membran
100 muskelzelle und etwa 40 % des Volumens einer
ist aufgrund ihres besonderen Aufbaus kaum
Herzmuskelzelle aus.
durchlässig für Moleküle (s. Antwort zur Fra−
Mitochondrien sind außerdem an der Apop−
ge 7.2). Diese Undurchlässigkeit ist Vorausset−
tose beteiligt (s. Fall 25).
zung für den Aufbau des Protonengradienten
Fall
in der Atmungskette (s. Fall 18). Dennoch fin−
7 den sich zahlreiche Anionen, Kationen, Pro−
Mitochondrienerkrankungen: Mitochondrien−
erkrankungen wie das Kearns−Sayre−Syndrom
teine und andere Moleküle im Matrixraum.
(KSS) sind sehr seltene Erkrankungen. Ursa−
Diese gelangen durch selektive Transportpro−
chen sind Mutationen oder Deletionen in der
teine der inneren Mitochondrienmembran in
mitochondrialen DNA. Dadurch können At−
den Matrixraum (s. Tab.).
mungskettenenzyme nicht richtig gebildet
werden, was zu einer gestörten aeroben Ener−
Auswahl von Transportproteinen in der inneren giegewinnung (ATP−Bildung) im Gewebe
Mitochondrienmembran führt. Betroffen sind daher außer der Skelett−
Transportprotein Funktion muskulatur v. a. Organe, die in hohem Maße
ADP/ATP−Antiporter Transport von ADP in die Matrix im auf eine aerobe Energiegewinnung angewie−
Austausch gegen ATP
sen sind, z. B. Augenmuskeln, Gehirn und
Phosphat−Carrier Import von Phosphat im Symport
mit H+ Herzmuskel. Typische Symptome sind daher
Pyruvat−Carrier Import von Pyruvat im Symport wie im Fallbeispiel dargestellt: Lähmung der
mit H+ äußeren Augenmuskeln (externe Ophthalmo−
Carnitin−Carrier Import von Fettsäuren zur b−Oxida− plegie) mit Herabhängen des Augenlids (Pto−
tion sis), Herzrhythmusstörungen, erhöhter Mus−
Malat−Aspartat− Import von Reduktionsäquivalenten keltonus (Spastik), Innenohrschwerhörigkeit
Shuttle
und proximale Muskelschwäche. Im Liquor
Glyzerophosphat− Import von Reduktionsäquivalenten
Shuttle kann der Eiweißgehalt erhöht sein. In der
Muskelbiopsie lassen sich zerrissene (= rag−
ged) Myofibrillen und subsarkolemmale Mito−
Im Gegensatz zur inneren Membran ist die
chondrienagglomerationen finden, welche
äußere Membran für Moleküle bis 5000 Dalton
sich in einer Spezialfärbung rot darstellen
durchlässig. Dazu befindet sich u. a. das Trans−
(sog. Red−ragged−Fiber, s. Fallbeispiel). Neben
portprotein Porin in der äußeren Membran.
den Symptomen und Laborergebnissen ist der
Der Innenraum des Mitochondriums (Matrix)
Nachweis einer mtDNA−Deletion oder −Muta−
enthält Hunderte von Enzymen. Dadurch ist
tion für die exakte Diagnosestellung erforder−
die mitochondriale Matrix Sitz vieler Stoff−
lich. Eine Therapie der Erkrankung ist nicht
wechselreaktionen (s. Antwort zur Frage 7.4).

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möglich. Die meisten Patienten haben eine Transport von zytosolisch gebildeten
reduzierte Lebenserwartung. Proteinen in das Mitochondrium
(TOM/TIM)

ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN Prozesse des Intermediärstoffwech−


sels, die in Mitochondrien stattfinden
Oxidative Phosphorylierung

Unterschiede des genetischen Codes


zwischen mitochondrialer und nukleä−
rer DNA

8 Androgene und Prolaktin

!!! 8.1 utern Sie, warum es zu diesen Symp−


Erla nach Menge der Androgene reicht dies von
tomen und Laborwerten kommt! Klitorishypertrophie bis zur Penisbildung.
Der Säugling hat einen angeborenen Mangel J Progesteron wird aufgrund des Enzymman−
des Enzyms 21−Hydroxylase, leidet also am gels nicht mehr in 11−Desoxykortikosteron
adrenogenitalen Syndrom (AGS): umgewandelt, welches über weitere Zwi−
J 17a−Hydroxyprogesteron kann nicht mehr in schenstufen zu Aldosteron umgewandelt
101
11−Desoxykortisol umgewandelt werden. wird. Aldosteron bedingt eine Natrium−
Fehlt 11−Desoxykortisol, kann kein Kortisol rückresorption und eine Kaliumausscheidung
gebildet werden (Kortisol Q). Aufgrund der in der Niere; fehlt es, wird vermehrt Natrium Fall
fehlenden negativen Rückkopplung auf die ausgeschieden (Natrium Q) und Kalium re−
Hypophyse, wird vermehrt ACTH ausgeschüt− sorbiert (Kalium q). Aufgrund dieser Elek− 8
tet (ACTH q). Dieses stimuliert normalerwei− trolytverschiebungen kommt es zu Erbre−
se die Nebenniere, und es wird Kortisol syn− chen und Durchfall.
thetisiert. Die Bildung von Kortisol ist auf−
grund des Enzymmangels aber nicht 8.2 WelcheWirkungen besitzenAndrogene?
möglich; es kommt zur Überproduktion und J Ausbildung primärer (z. B. Hoden, Penis) und
Anhäufung von Vorstufen (v. a.17a−Hydroxy− sekundärer (z. B. tiefe Stimme, höhere Mus−
progesteron qq). Diese werden verstärkt in kelmasse) Geschlechtsmerkmale
Androgene umgewandelt. Androgene führen J Anabole Wirkung auf Knochen und Muskula−
beim Mädchen zur Ausbildung männlicher tur
Geschlechtsmerkmale (sog. Virilisierung). Je J Förderung des Längenwachstums, in hohen
Dosen Schluss der Epiphysenfugen

Ü Fall 8 Seite 8

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J Ausbildung der Schambehaarung 8.4 Welches Hormon wird beim Stillen aus−
J Steuerung der Spermatogenese  ttet und verhindert meist die Ovulation?
geschu
J Stimulation der Erythopoietin−Synthese Nennen Sie Wirkungen dieses Hormons!
J Förderung von Libido und Potenz J Prolaktin
J Wirkungen:
8.3 In welche aktivere Form kann Testoster− – Beim Mann: Verstärkung der Wirkung von
on umgewandelt werden? LH auf die Leydig−Zellen (R verstärkte
Durch die 5a−Reduktase kann Testosteron in Testosteronproduktion); Verstärkung der
das 2–3−fach stärker wirksame 5a−Dihydrotes− Wirkung von Testosteron auf die männli−
tosteron umgewandelt werden. chen Geschlechtsorgane
– Frauen: Milchproduktion (Laktogenese)
Kommentar

Androgene: Synthese und Freisetzung der And− Rezeptor und löst dadurch verschiedene Wir−
rogene unterliegt der hypothalamisch−hypo− kungen aus (s. Antwort zur Frage 8.2). Testoste−
physären Achse. Beim Mann fördert GnRH die ron kann durch die 5a−Reduktase in das 2–3−
Freisetzung der Gonadotropine LH und FSH aus fach stärker wirksame 5a−Dihydrotestosteron
dem Hypophysenvorderlappen. LH stimuliert und außerdem durch eine Aromatase in Östra−
102 die Testosteronproduktion in den Leydig−Zellen diol umgewandelt werden.
des Hodens, FSH wirkt auf die Sertolizellen und
regt dadurch die Spermienreifung im testikulä− Prolaktin: Prolaktin ist ein 198 Aminosäuren
ren Keimepithel an. großes Glykoprotein, welches in der Adenohy−
Fall Gebildet wird Testosteron aus Pregnenolon pophyse (Hypophysenvorderlappen) gebildet
8 in den Leydig−Zellen des Hodens und in der
Nebennierenrinde (s. Fall 79 und Anhang).
wird. Die Prolaktinsekretion wird durch Dopa−
min gehemmt, durch TRH, Östrogen und En−
Nach Abgabe in das Blut wird es von einem dorphine gefördert. Zu den Wirkungen von
testosteron−östrogen−bindenden Protein zu Prolaktin s. Antwort zur Frage 8.4. Prolaktin
den Zielzellen transportiert. An der Zielzelle hemmt außerdem die GnRH−Freisetzung. LH−
durchdringt das lipophile Testosteron die Zell− und FSH−Sekretion werden dadurch unter−
membran und bindet an einen zytosolischen drückt. Der Menstruationszyklus mit Reifung
der Eizellen bleibt aus, so dass eine Frau eigent−
lich während der Stillperiode nicht schwanger
werden kann. Man spricht auch von Stillame−
norrhoe. Da aber dieser Regelkreis nicht immer
100 %ig gehemmt wird, ist diese Methode als
Verhütungsschutz als unsicher einzuschätzen.

Adrenogenitales Syndrom: Beim adrenogenita−


len Syndrom (AGS) ist die Hormonbildung in
der Nebenniere aufgrund eines autosomal−re−
zessiv erblichen Enzymmangels gestört. Meist
liegt ein 21−Hydroxylase−Mangel vor, so dass
vermindert Kortisol produziert wird (AGS ohne
Salzverlustsyndrom). In einem Teil der Fälle ist
zusätzlich die Aldosteronsynthese in der Zona
glomerulosa der Nebennierenrinde betroffen
(AGS mit Salzverlustsyndrom). Die Hypophyse
registriert den Kortisolmangel und schüttet
verstärkt ACTH aus, um die Synthese von Kor−
tisol anzuregen. Aufgrund des Enzymmangels
ist dies aber nicht möglich. Es kommt zur Über−
produktion und damit Anhäufung von Vorstu−
Steuerung der Androgene und der Spermatogenese

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fen, die über andere Stoffwechselwege in And− bleiben in der Pubertät Brustentwicklung
rogene umgewandelt werden (s. auch Antwort und Menstruation aus. Männliche Neuge−
zur Frage 8.1). Die Symptome des AGS sind ei− borene sind unauffällig. Bei ihnen setzt
nerseits durch den Hormonmangel, anderer− durch den Überschuss männlicher Ge−
seits durch den Überschuss an Androgenen be− schlechtshormone die Pubertät vorzeitig
dingt: ein. Es handelt sich hierbei aber um eine
J Der Aldosteronmangel führt zu Hyponat− Scheinpubertät (Pseudopubertas praecox).
riämie und Hyperkaliämie. Klinisch äußert Die Jungen haben zwar Schamhaare und
sich dies in Erbrechen und Durchfall. einen großen Penis, ihre Hoden aber noch
J Der Androgenüberschuss äußert sich bei klein und kindlich sind.
Mädchen und Jungen unterschiedlich:
Die Diagnose wird anhand des klinischen Er−
Beim Mädchen kommt es zur Ausbildung
scheinungsbildes und der Laborwerte gestellt.
von männlichen Geschlechtsmerkmalen
Typisch für den 21−Hydroxylase−Mangel ist
(sog. Virilisierung). In Abhängigkeit vom
ein erniedrigtes Kortisol bei erhöhtem ACTH
Enzymmangel liegt in leichten Fällen eine
und 17a−Hydroxyprogesteron. Bei den Patien−
Klitorishypertrophie vor, in schweren Fäl−
ten müssen lebenslang die fehlenden Hor−
len kommt es zur vollständigen Ausbildung
mone, meist Gluko− und Mineralokortikoide,
eines äußerlich männlich wirkenden Geni−
substituiert werden.
tale (Penisbildung). Diese Veränderungen
finden sich schon unmittelbar nach der Ge− 103
burt. Das innere Genitale (Ovar, Uterus) ist ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
aber normal ausgebildet; auch liegt ein
normaler weiblicher Chromosomensatz Einfluss von Aldosteronmangel auf
Fall
vor. Bei dieser Form der Virilisierung den Na+− und K+−Haushalt
spricht man von Pseudohermaphroditismus 9
femininus. Wird das AGS nicht behandelt, Oxytocin

9 Phospholipide

9.1 Wie werden Phospholipide eingeteilt? J Glyzerophospholipide:


Nennen Sie einige Phospholipide und deren – Lecithin (Phosphatidylcholin): Membran−
Funktion! bestandteil, Surfactant−Hauptbestandteil
Phospholipide lassen sich je nach zugrundelie− – Phosphatidylethanolamin: Membranbe−
gendem Alkohol (Glyzerin oder Sphingosin) ein− standteil
teilen in:

Glyzerophospholipide
(Zugrundeliegender Al−
kohol der Glyzerzophos−
pholipide ist der Alkohol
Glyzerin.)

Ü Fall 9 Seite 9

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– Phosphatidylserin: Membranbestandteil J Die weitere Synthese erfolgt für die verschie−
– Phosphatidylinositol: Membranbestand− denen Glyzerophospolipide etwas unter−
teil, Vorläufer für Second Messenger, GPI− schiedlich:
Anker – Phosphatidylcholin, −ethanolamin und
– Cardiolipin (Diphosphatidylglyzerin): Be− −serin: Abspaltung der Phosphorsäure von
standteil der Mitochondrienmembran der Phosphatidsäure (1,2−Diacylphospho−
– Etherlipide (Plasmalogene, s. Fall 36): glyzerid). Es entsteht 1,2−Diacylglyzerin.
Membranbestandteil, Mediatoren (PAF) Auf 1,2−Diacylglyzerin werden mit CDP ak−
J Sphingophospholipide: tiviertes Cholin (CDP−Cholin) und Ethanol−
– Sphingomyelin: Bestandteil von Myelin− amin (CDP−Ethanolamin) unter CMP−Ab−
scheiden im ZNS spaltung übertragen. Es entstehen Phos−
phatidylcholin (Lecithin) und Phosphatidyl−
ethanolamin. Wird Ethanolamin im
Phosphatidylethanolamin gegen Serin aus−
getauscht, entsteht Phosphatidylserin.
– Phosphatidylinositol und Cardiolipin:
Übertragen von CMP auf die Phosphatid−
säure (1,2−Diacylphosphoglyzerid). Es ent−
steht CDP−Diacylglyzerin. Wird Inositol auf
104 CDP−Diacylglyzerin übertragen, entsteht
Phosphatidylinositol. Wird Glyzerin−3−
Phosphat und ein weiteres CDP−Diacylgly−
Fall zerin an CDP−Diacylglyzerin angelagert (al−
so insgesamt sind nun 3 Glyzerinmoleküle
9 vorhanden), so entsteht Cardiolipin.
Sphingomyelin besteht aus Ceramid (Sphingosin + Fettsäu−
re), Phosphorsäure und Cholin (Zugrundeliegender Alkohol
der Glyzerzophospholipide ist der Alkohol Sphingosin.)

9.2 Erläutern Sie den Aufbau der Glyzero−


phospholipide!
Grundstruktur der Glyzerophospholipide: 2 Fett−
säurereste + Glyzerin−3−Phosphat + organische
Verbindung (z. B. Cholin), die über Esterbindun−
gen miteinander verknüpft sind

!!! 9.3 Beschreiben Sie die Biosynthese der


Glyzerophospholipide!
J Die Synthese erfolgt auf der zytosolischen
Membranseite des glatten endoplasmati−
schen Retikulums.
J Auf Glyzerin wird eine Phosphatgruppe unter
ATP−Verbrauch übertragen (Enzym: Glyzerin−
kinase). Es entsteht Glyzerin−3−Phosphat.
J Auf Glyzerin−3−Phosphat werden 2 aktivier−
te Fettsäurereste (Acyl−CoA) übertragen. Es
entsteht Phosphatidsäure (1,2−Diacylphos−
9.4 Wo wird Surfactant gebildet, und woraus
phoglyzerid).
besteht es?
J Pneumozyten Typ II bilden Surfactant (Sur−
face active agent), der auch Antiatelektase−

Ü Fall 9 Seite 9

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faktor (Atelektase = nicht belüfteter Lungen−
abschnitt) genannt wird.
J Surfactant besteht aus Phospholipiden, v. a.
Phosphatidylcholin (Lecithin), und zu einem
kleinen Anteil aus Proteinen.

9.5 Warum kommt es bei Surfactant−Mangel


zu Atemnot?
J Alveolen sind mit einem Flüssigkeitsfilm aus−
gekleidet. An der Grenzfläche Flüssigkeitsfilm
zu Luft herrscht in den Alveolen eine große
Oberflächenspannung, die der Entfaltung der
Alveolen entgegenwirkt. Surfactant bildet ei−
ne einschichtige Phospholipid−Lage an dieser
Grenzfläche und setzt dadurch die Ober−
flächenspannung herab. Dadurch wird ein
Kollaps der Alveolen verhindert.
J Bei Surfactant−Mangel erhöht sich die Ober−
flächenspannung, die Alveolen kollabieren
oder können sich gar nicht erst richtig nach 105
der Geburt entfalten. Die Lunge wird nicht
ausreichend belüftet, Gasaustausch bzw. Sau−
Wirkweise von Surfactant
erstoffaufnahme sind stark eingeschränkt. Es und Folge von Surfactant− Fall
kommt zur Atemnot. Mangel
9
Kommentar

Einteilung, Eigenschaften und Funktionen der sie in hydrophilen Medien transportieren


Phospholipide: Zur Einteilung s. Antwort zur (s. Fall 68).
Frage 9.1. Phospholipide sind amphiphile Mole− J Liposomen: sind Partikel mit einer Phos−
küle (amphi ,gr. beides liebend), die pholipid−Doppelschicht, die eine wässrige
J einen polaren hydrophilen Anteil (= Kopf, Phase umschließen. Sie durchdringen leicht
Phosphatgruppe) die Plasmamembran und dienen daher als
J und einen apolaren lipophilen Bereich (= Vehikel zum Einschleusen hydrophiler Sub−
Schwanz, Fettsäuren) aufweisen. stanzen (z. B. Arzneimittel, Enzyme) in die
Zellen. (Cave: Der Begriff Liposom wird
Sie können sich daher gut an Grenzflächen
auch manchmal für intrazelluläre Fetttröpf−
wie Wasser/Öl oder Wasser/Luft strukturie−
chen verwendet.)
ren: Der hydrophile Anteil ist zum Wasser,
der lipophile Anteil zu Luft oder Öl hin ausge−
richtet. Hieraus ergeben sich verschiedene
Möglichkeiten der Phospholipidanordnung:
J Phospholipid−Einzelschicht (z. B. Surfac−
tant): zur Herabsetzung der Oberflächen−
spannung von Wasser
J Phospholipid−Doppelschicht: in Form von
Membranen (s. Fall 77)
J Mizellen: spielen eine wichtige Rolle bei
der Verdauung lipophiler Substanzen. Die
lipophilen Anteile der Phospholipide umge−
ben zusammen mit Gallensäuren und b−
Monoacylglyzerin (b−MAG) lipophile Sub−
stanzen mit einer Hüllschicht und können Strukturierung von Phospholipiden an Grenzflächen

Ü Fall 9 Seite 9

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Surfactant−Mangel: Liegt ein Surfactant−Man− tubiert, beatmet und auf einer Intensivstation
gel vor, kollabiert die Lunge oder sie kann sich versorgt werden. Auch kann künstlich herge−
nach der Geburt gar nicht erst richtig entfalten. stelltes oder tierisches Surfactant in die Lunge
Eine Belüftung der Lunge und ein Gasaustausch von Frühgeborenen eingebracht werden; so
bzw. eine Sauerstoffversorgung des Körpers ist kann die Beatmungssituation häufig verbessert
dann nicht (ausreichend) möglich (s. Antwort werden.
zur Frage 9.5). Es kommt zur Atemnot. Beson−
ders betroffen sind Frühgeborene, die vor der
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
35. Schwangerschaftswoche geboren wurden,
da bei ihnen die Surfactantbildung noch nicht
Synthese von Cholin
ausreichend ist. Bei leichter Atemnot reicht es,
wenn das Frühgeborene Sauerstoff erhält. Bei
Synthese der Sphingolipide
schwerer Atemnot muss das Frühgeborene in−

10 Leber

10.1 Nennen Sie Stoffwechselfunktionen der 10.2 Welche Exportproteine werden von der
106 Leber! Leber gebildet? Nennen Sie Funktionen der
J Kohlenhydratstoffwechsel Exportproteine!
– Glykogensynthese und −abbau
– Glukoneogenese
Fall – Fruktose− und Galaktosestoffwechsel
Exportproteine
10 J Lipidstoffwechsel
– Synthese der Triacylglyzerine Exportprotein Funktion
Albumin Transportprotein
– Biosynthese und Abbau von Fettsäuren
Angiotensinogen Vorstufe von Angiotensin I
– Synthese von Cholesterin, VLDL und HDL
Antithrombin III Gerinnungshemmung
– Ketogenese
J Proteinstoffwechsel a1−Antitrypsin Protease−Inhibitor

– Synthese der meisten Plasmaproteine Caeruloplasmin Transportprotein

(z. B. Albumin, Gerinnungsfaktoren) C−reaktives Pro− Opsoninierung, Akute−Phase−Protein


tein (CRP)
– Aminosäuresynthese und −abbau
a−Fetoprotein Unklar, Tumormarker bei hepatozel−
J Andere Stoffwechselfunktionen lulärem Karzinom oder Hodentumor
– Gallensäuresynthese aus Cholesterin Fibrinogen Vorstufe von Fibrin
– Biotransformation Gerinnungsfakto− Gerinnung
– Kreatinsynthese aus Guanidinoacetat ren
– Harnstoffsynthese Haptoglobin Bindung von Hämoglobin
– Speicherung von Vitaminen (z. B. Vitamin IGF1/IGF2 Somatomedine
A) und Spurenelementen (z. B. Eisen) Kininogen Hormonvorstufe
– Synthese und Abbau von Hormonen (z. B. Komplementfak− Komplementsystem
Somatomedine wie IGF1, Teilschritte der toren
Kalzitriolsynthese) Plasminogen Vorstufe von Plasmin
Transcortin Transport von Kortisol
Transferrin Transport von Eisen
VLDL Lipoprotein

10.3 Warum hat der Patient einen Ikterus?


Überschreitet die Bilirubinkonzentration 2 mg/
dl, kommt es zur Gelbfärbung von Konjunkti−
ven, Haut, Schleimhäuten und inneren Organen
(Ikterus). Hierfür gibt es verschiedene Ursachen

Ü Fall 10 Seite 10

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(s. Fall 46). Bei diesem Patienten sind die Leber− geschieden werden, so dass direktes Bilirubin
zellen (teilweise) zerstört (sog. hepatischer Ik− ebenfalls im Blut erhöht sein kann.
terus), so dass ihre Funktionen beeinträchtigt
sind. So sind sie u. a. nicht mehr in der Lage, in− !!! 10.4 Warum hat der Patient Blutgerinnungs−
direktes Bilirubin, das Abbauprodukt des Häms, rungen?
sto
(ausreichend) zu konjugieren. Dieses steigt da− Die Leber produziert u. a. auch Gerinnungsfak−
her im Serum an. Direktes (konjugiertes) Biliru− toren. Bei Leberversagen können diese nicht
bin – also indirektes Bilirubin, was trotz des Le− mehr gebildet werden, so dass es zu Blutgerin−
berschadens konjugiert werden konnte – kann nungsstörungen kommt.
teilweise nicht mehr in die Gallenkanälchen aus−

Kommentar

Leber: Die Leber ist das zentrale Stoffwechsel− Die Leber steht auch im Zentrum des Amino−
organ. Sie hat ein Gewicht von etwa 1,5 kg und säurestoffwechsels. Sie kann glukogene Ami−
ist für 25 bis 30 % des Sauerstoffverbrauchs des nosäuren in der Glukoneogenese zu Glukose
Körpers verantwortlich. Sie steht im Zentrum umwandeln. Ketogene Aminosäuren können
des Kohlenhydrat−, Lipid− und Proteinstoff− von der Leber zur Ketonkörpersynthese heran−
wechsels und ist zudem für zahlreiche Synthe− gezogen werden. Das beim Aminosäureabbau 107
sen sowie Entgiftung körpereigener und kör− anfallende Ammoniak entgiftet die Leber im
perfremder Stoffe zuständig (s. Antwort zur Harnstoffzyklus (s. Fall 33).
Frage 10.1). Die Leber produziert viele lebereigene Proteine
60 bis 70 % der Leberzellen sind Parenchym− und Exportproteine. Die lebereigenen Proteine, Fall
zellen (Hepatozyten). Sie sind für die Stoff−
wechselfunktionen der Leber zuständig. Weite−
z. B. AST, ALT, GLDH, besitzen eine mehr oder
weniger stark ausgeprägte Leberspezifität und
10
re Zelltypen der Leber sind Kupfferzellen (Pha− haben eine große Bedeutung für die Diagnostik
gozytose) und Ito−Zellen (Speicherung von von Lebererkrankungen. Zu den Exportprotei−
Vitamin A [Retinol] als Retinylpalmitat). nen gehören die meisten Plasmaproteine, Hor−
Die Leber ist an der Aufrechterhaltung der monvorstufen, einige Hormone und Lipoprotei−
Blutglukosekonzentration wesentlich beteiligt. ne (s. Antwort zur Frage 10.2).
In Phasen eines Glukoseüberangebots baut sie Die Leber ist auch ein Ausscheidungsorgan. Sie
Glykogen auf und speichert dieses. In Hunger− produziert täglich 600–700 ml Galle, die für die
phasen kann Glykogen abgebaut und dem Kör− Fettverdauung erforderlich ist und über die
per in Form von Glukose zur Verfügung gestellt Stoffwechselendprodukte (z. B. Bilirubin, Medi−
werden (s. Fall 16). Da die Glykogenspeicher in kamente) in den Darm ausgeschieden werden
Hungerphasen nur für kurze Zeit den Glukose− können. Die Galle enthält Gallensäuren, Phos−
bedarf decken können, synthetisiert die Leber pholipide, Cholesterin, Proteine und Konjugate
Glukose in der Glukoneogenese (s. Fall 59). aus Biotransformationsreaktionen.
Auch am Lipidstoffwechsel nimmt die Leber
teil. In der Resorptionsphase kann sie Triacyl− Akutes Leberversagen: Ist die Leber akut nicht
glyzerine, Phospholipide und Sphingolipide mehr in der Lage, ihre Stoffwechselfunktionen
synthetisieren. Zudem ist die Leber ein wichti− zu erfüllen, spricht man von akutem Leberver−
ger Ort der Cholesterinbiosynthese. Cholesterin sagen. Ursachen sind v. a. leberzellschädigende
ist Bestandteil von Plasmamembranen und Vor− Viren (z. B. Hepatitis−Viren B und C), Medika−
stufe von Steroidhormonen und Gallensäuren. mente, Alkohol und Vergiftungen (z. B. mit
Metabolite des Fettsäureabbaus (z. B. Acetyl− Knollenblätterpilz). Die Leberzellen werden ge−
CoA) nutzt die Leber zur eigenen Energiede− schädigt und zerstört, so dass sie ihre Stoff−
ckung und zur Synthese von Ketonkörpern. Ke− wechselfunktionen nicht mehr erfüllen kön−
tonkörper dienen den extrahepatischen Gewe− nen. Es kommt z. B. zu
ben – nicht aber der Leber selbst – als Energie− J Störungen der Albuminsynthese. Albumin
träger. Auch die Lipoproteine VLDL und HDL ist verantwortlich für den plasmaonkoti−
werden von der Leber gebildet. schen Druck und hält somit Wasser in den

Ü Fall 10 Seite 10

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Blutgefäßen. Bei Albuminerniedrigung tritt Patienten mit akutem Leberversagen müssen
Wasser in das Gewebe aus, es entwickeln intensivmedizinisch überwacht werden. Meist
sich Ödeme. ist eine Lebertransplantation erforderlich.
J Störungen der Gerinnungsfaktorensynthese
mit Blutgerinnungsstörungen (s. Antwort
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
zur Frage 10.4).
J Störungen der Gallesekretion mit Erhöhung
Glukoneogenese
von Bilirubin im Serum und Ausbildung ei−
nes Ikterus (s. Antwort zur Frage 10.3).
Ketogenese und Ketonkörper
J Störungen der Glukosehomöostase.
J Permeabilitätsstörungen der Leberzellen
Cholesterinbiosynthese
mit Erhöhung der lebereigenen Proteine
(AST, ALT) im Serum.
Virushepatitis B
J Erhöhung von Ammoniak im Blut, da Am−
moniak nicht mehr im Harnstoffzyklus, der
Ikterus
nur in der Leber abläuft, entgiftet werden
kann. Ammoniak ist neurotoxisch und kann
Biotransformation
zu Bewusstseinsstörungen bis hin zum Ko−
ma (Leberkoma“) führen.
108 Harnstoffzyklus

11 Pentosephosphatweg (PPW)
Fall
11 11.1 Erläutern Sie die Aufgaben des Pentose− J Erste Reaktion und Schrittmacherreaktion
phosphatweges (PPW)! des PPW. Sie wird durch das Verhältnis von
Bereitstellung von NADP+ zu NADPH+H+ reguliert: NADP+ akti−
J NADPH+H+ als reduziertes Koenzym für re− viert, NADPH+H+ hemmt das Enzym.
duktive Prozesse wie
– Biosynthesen von Fettsäuren, Cholesterin, 11.3 Beschreiben Sie die Struktur von Glu−
Steroidhormonen tathion und seine Funktion in Erythrozyten!
– Glutathion−Regenerierung aus der Disul− J Struktur: Tripeptid aus g−Glutamat, Cystein
fidform in Erythrozyten und Glycin
J Ribose−5−Phosphat für die Nukleotidbiosyn− J Funktion: Reduziertes Glutathion (GSH) und
these oxidiertes Glutathiondisulfid (GSSG) bilden
ein Redoxsystem, das dem Oxidations−
11.2 Beschreiben Sie die Glukose−6−Phosphat− schutz der Erythrozyten dient. Glutathion
Dehydrogenase−Reaktion, und erläutern Sie ihre schützt dadurch Membranen und Proteine
Bedeutung und Regulation! der Erythrozyten vor der Oxidation durch
J Oxidation (Dehydrierung) von Glukose−6− Peroxide, z. B. Wasserstoffperoxid (H2O2). Re−
Phosphat (Glukose−6−P) durch die Glukose−6− aktionsablauf:
Phosphat−Dehydrogenase (Glukose−6−P−DH) 1. Glutathionperoxidase−Reaktion: Bei der Re−
zu 6−Phospho−Glukonolakton (6−P−Glukono− duktion von Wasserstoffperoxid (H2O2) zu Was−
lakton) und Gewinn von NADPH+H+ ser (2 H2O) wird Glutathion zum Glutathiondi−
sulfid (GSSG) oxidiert.
2. Glutathionreduktase−Reaktion: Glutathion−
disulfid wird NADPH+H+−abhängig wieder zu
Glutathion reduziert.

Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase−Reaktion

Ü Fall 11 Seite 11

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11.4 Wie wirkt sich ein Mangel an Glukose−6−
Phosphat−Dehydrogenase in den Erythrozyten
unter oxidativem Stress aus?
J Mangel an Glukose−6−Phosphat−Dehydroge−
nase verlagert das Gleichgewicht zwischen
NADP+ und NADPH+H+ zur Seite des oxidier−
ten NADP+.
J Wenig NADPH+H+ schränkt die Glutathion−
reduktase−Aktivität und damit die Regenerie−
rung von Glutathion aus Glutathiondisulfid
ein (s. Antwort zur Frage 11.3).
J Der resultierende Glutathion−Mangel be−
einträchtigt die Glutathionperoxidase−Akti−
vität und damit die Peroxid−Entgiftung.
J Peroxide häufen sich an, oxidieren Membra−
nen und Proteine der Erythrozyten und
führen dadurch zum Erythrozytenzerfall
(Hämolyse) und damit zur Anämie.
109
Oxidation von Glutathion zu Glutathiondisulfid

Fall
11
Kommentar

Pentosephosphatweg: Der Pentosephosphat− und Glyzerinaldehyd−3−Phosphat (GAP)


weg (PPW, Syn. Hexosemonophosphatweg) umgewandelt, oder es läuft der umgekehr−
läuft im Zytosol ab und dient der Synthese von te Weg ab (s. Abb. und Anhang).
J NADPH+H+ für reduktive Prozesse wie Bio−
synthesen (s. Antwort zu Frage 11.1) und
Glutathion−Regenerierung in Erythrozyten,
J Ribose−5−Phosphat für die Nukleotidbiosyn−
these.
Ausgangssubstanz des PPW ist Glukose−6−
Phosphat.
Man kann den Pentosephosphatweg in eine
oxidative und eine nichtoxidative Phase glie−
dern:
J Oxidative Phase: Glukose−6−Phosphat wird
zu Ribulose−5−Phosphat umgesetzt. Pro
Durchlauf werden 2 NADPH+H+ aus 2
NADP+ gewonnen.
J Nichtoxidative Phase: Transketolase und
Transaldolase lagern Monosaccharide in−
einander um, indem sie C2− und C3−Körper
transferieren. Abhängig von der Stoffwech− Das flexible Zusammenspiel beider Phasen ge−
selsituation (s. unten) wird entweder Ribu− währleistet die bedarfsgerechte Synthese von
lose−5−Phosphat in Fruktose−6−Phosphat NADPH+H+ oder Ribose−5−Phosphat:

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J Wird vermehrt NADPH+H+ hergestellt (z. B. gel wird X−chromosomal vererbt und ist der
für reduktive Biosynthesen), fällt verstärkt häufigste Enzymmangel weltweit (400 Millio−
überschüssiges Ribulose−5−Phosphat in der nen Menschen sind betroffen). Die Häufigkeit
oxidativen Phase an. Dieses wird in Frukto− begründet sich darauf, dass der Enzymmangel
se−6−Phosphat und Glyzerinaldehyd−3− mit konsekutivem NADPH+H+−Mangel die Be−
Phosphat umgewandelt, um es in der Gly− troffenen vor Malaria schützt, da die Malaria−
kolyse abzubauen. Erreger während ihrer intraerythrozytären Ent−
J Bei vermehrter Nukleotidsynthese vor der wicklung auf NADPH+H+ als Wachstumsfaktor
Zellteilung steigt der Bedarf an Ribose−5− angewiesen sind. Dieser Selektionsvorteil für
Phosphat. Um diesen Bedarf zu decken, heterozygote Genträger erklärt die Häufigkeit
werden Fruktose−6−Phosphat und Glyzerin− des Enzymmangels weltweit, speziell in Mala−
aldehyd−3−Phosphat aus der Glykolyse zu ria− und ehemaligen Malariagebieten (Mittel−
Ribulose−5−Phosphat und weiter in Ribose− meerraum).
5−Phosphat umgewandelt. Meist ist die Aktivität des Enzyms nur ge−
ringfügig eingeschränkt. Daher treten Sympto−
Oxidativer Stress: Da Erythrozyten Sauerstoff me erst dann auf, wenn Oxidanzien zu einer
transportieren, entstehen in ihnen ständig Sau− erhöhten Radikalkonzentration im Erythrozy−
erstoffradikale und Peroxide, die eine Oxidati− ten führen und der erhöhte Bedarf an
on der Proteine sowie der Plasma− und Orga− NADPH+H+ nicht gedeckt werden kann. Dann
110 nellmembranen des Erythrozyten bewirken kommt es zur Hämolyse mit Abnahme der
(oxidativer Stress“). Zu den Sauerstoffradika− Erythrozytenzahl (Anämie). Kompensatorisch
len zählen Sauerstoff selbst, Superoxidanionen wird die Erythropoese gesteigert, wodurch sich
Fall (O2−) und Hydroxylradikale (OH−), zu den Per− vermehrt Retikulozyten im Blut nachweisen
oxiden Wasserstoffperoxid (H2O2 = H−O−O−H) lassen. Die Aktivität der Laktatdehydrogenase
11 und organische Peroxide (R−O−O−H). Die Oxida− (LDH) im Serum ist erhöht, weil dieses Enzym
tion von Proteinen führt zu deren Funktions− aus den zerstörten Erythrozyten freigesetzt
verlust. So stellt oxidiertes Hämoglobin ein wird. Durch den massiven Verlust des Sauer−
funktionsuntüchtiges Denaturierungsprodukt stoffträgers Hämoglobin leidet der Patient un−
dar und bildet die sog. Heinz−Innenkörperchen. ter Abgeschlagenheit. Der Hämabbau zu Biliru−
Die Oxidation der Erythrozytenmembran führt bin und Gallenfarbstoffen zeigt sich durch die
zur Zerstörung der Erythrozyten (Hämolyse). erhöhte Bilirubinkonzentration im Serum. Der
Als Auslöser der Hämolyse wirken Oxidanzien, gesteigerte Anfall von Bilirubin ist für die gelb−
indem sie die Radikalbildung verstärken. Zu liche Hautverfärbung (Ikterus) und die dunkle
den Oxidanzien gehören bestimmte Medika− Harnfarbe verantwortlich. Die Therapie erfolgt
mente, z. B. Metamizol (s. Fallbeispiel), oder symptomatisch je nach Schweregrad der Hä−
Lebensmittel, z. B. Favabohnen (daher Favis− molyse (Bettruhe bis Bluttransfusion). Die Pa−
mus). tienten müssen auslösende Medikamente und
Lebensmittel meiden.
Oxidatives Schutzsystem: Superoxidanionen
(O2−) werden durch die Superoxiddismutase in
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
O2 und H2O2 umgewandelt. H2O2 wird durch
die Katalase zu H2O und 1/2 O2 abgebaut. Auch
Oxidative Radikale bei der Immunab−
die Glutathionperoxidase entgiftet H2O2 und
wehr
daneben auch organische Peroxide (s. Antwort
zu Frage 11.3).
Vitamine C und E als Antioxidanzien
Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase−Mangel:
Häm−Abbau
Der Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase−Man−

Ü Fall 11 Seite 11

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12 Verdauung und Resorption von Kohlenhydraten und Proteinen

12.1 Wie sollte die Nahrung zusammenge− – Glukose v. a. über sekundär−aktiven Na+−
setzt sein? Welche Nahrungsbestandteile sind Symport (SGLT1, Sodium Glucose Trans−
essenziell? porter 1, s. Kommentar) und bei hohen
Hauptbestandteile der Nahrung sind Kohlenhyd− Glukosekonzentrationen über Glukose−
rate, Fette und Proteine. Sie sollten bei ausge− transporter (GLUT2)
wogener Ernährung in folgender Zusammenset− – Galaktose über sekundär−aktiven Na+−Sym−
zung zugeführt werden: port (SGLT1, s. Glukose)
J Kohlenhydrate 60 % – Fruktose über Glukosetransporter (GLUT5)
J Fette 25 % J Über Glukosetransporter (GLUT5/GLUT2) ge−
J Proteine 15 % langen die Monosaccharide aus den Darmzel−
Essenzielle Nahrungsbestandteile kann der len ins Pfortaderblut und damit zur Leber.
Körper nicht selbst synthetisieren, sie müssen
exogen zugeführt werden. Zu den essenziellen
Nahrungsbestandteilen zählen:
J essenzielle Aminosäuren (Valin, Leucin, Iso−
leucin, Methionin, Phenylalanin, Tryptophan,
Threonin, Lysin) 111
J Vitamine
J die langkettigen ungesättigten Fettsäuren Li−
nolsäure und Linolensäure
J Elektrolyte Fall
J Spurenelemente. 12
12.2 Erläutern Sie, wie Kohlenhydrate verdaut
und resorbiert werden!
Kohlenhydrate werden v. a. in Form von Poly−
sacchariden (Glykogen, Stärke) und Disacchari−
den (Saccharose = Glukose + Fruktose; Laktose
= Glukose + Galaktose) mit der Nahrung zu−
geführt. Damit sie von den Darmzellen aufge−
nommen werden können, müssen sie in Mono−
saccharide gespalten werden:
J Erste Spaltung der Kohlenhydrate erfolgt
Vedauung und Resorption der Kohlenhydrate
durch die a−Amylase Ptyalin des Mundspei−
chels.
J Im Dünndarmlumen wird ein Großteil der 12.3 Erläutern Sie, wie Proteine verdaut und
Polysaccharide durch die Pankreas−Amylase resorbiert werden!
(a−Amylase) zu Oligosacchariden, Maltotriose Nahrungsproteine müssen in ihre Bestandteile
und den Disacchariden Maltose und Isomal− Aminosäuren oder Di− und Tripeptide zerlegt
tose abgebaut. werden, damit sie von den Darmzellen aufge−
J Weitere Spaltung der Oligo−, Tri− und Disac− nommen werden können:
charide durch im Bürstensaum des J Im Magen: Denaturierung, d. h. Zerstörung
Dünndarms lokalisierte Glykosidasen (z. B. von Tertiär− und Quartärstruktur, der Protei−
Maltase, Isomaltase, Saccharase, Laktase) zu ne durch sauren Magensaft (HCl); dann erst
Monosacchariden Spaltung der Proteine durch Pepsin in kleine−
J In erster Linie entstehen dabei die Monosac− re Bruchstücke (Peptide) möglich.
charide Glukose, Galaktose und Fruktose. J Im Duodenum werden die Peptide durch
J Aufnahme der Monosaccharide aus dem Proteasen (Peptidasen) des Pankreassekrets
Darm in die Darmzellen: in noch kleinere Peptide und Aminosäuren
gespalten

Ü Fall 12 Seite 12

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– Die Endopeptidasen Trypsin und Chymo− J Die Exopeptidase Aminopeptidase (Dipepti−
trypsin spalten Peptide innerhalb der dase) der Dünndarmmukosa spaltet Amino−
Aminosäurekette; Trypsin v. a. an der C− säuren vom N−Terminus der Peptide ab.
Seite von Arginin− und Lysin−Resten; Chy− J Aufnahme von Aminosäuren in die Darmzel−
motrypsin v. a. an Stellen, wo die aromati− len durch sekundär−aktiven Na+−Symport
schen Aminosäuren Tyrosin, Tryptophan J Aufnahme von Di− und Tripeptiden in die
und Phenylalanin sowie die aliphatische Darmzellen durch H+−gekoppelten Symport;
Aminosäure Leucin vorkommen. in Darmzellen größtenteils weitere Spaltung
– Die Exopeptidase Carboxypeptidase spal− in einzelne Aminosäuren
tet Aminosäuren vom C−Terminus der J Durch verschiedene Uniporter in der basola−
Peptide ab. teralen Membran der Darmzellen gelangen
die Aminosäuren schließlich ins Blut.
Kommentar

Nahrungsbestandteile und Energiegewin− Brennwert höher als der physiologische. Ursa−


nung: Die drei Hauptbestandteile der Nahrung che ist, dass beim Abbau der Proteine neben
sind Kohlenhydrate, Fette und Proteine; dane− CO2 und H2O auch Harnstoff entsteht. Harnstoff
ben gibt es eine Reihe weiterer wichtiger Nah− ist noch energiereich, kann vom menschlichen
112 rungsbestandteile (s. Antwort zur Frage 12.1). Körper aber nicht weiter abgebaut werden.
Glukose (Grundbaustein der Kohlenhydrate)
und Triacylglycerine (Triglyzeride; Hauptbe− Verdauung und Resorptionsorte: Der Verdau−
standteil der Nahrungsfette) werden v. a. zur ungsprozess beginnt bereits im Mund, wenn
Fall Energiegewinnung genutzt. Aminosäuren feste Nahrung zerkaut und mit Speichel ver−

12 (Bausteine der Proteine) werden in erster Linie


für den Aufbau körpereigener Proteine (z. B.
mischt wird. Pro Tag werden von den Speichel−
drüsen 1–1,5 l Speichel gebildet. Speichel be−
Enzyme, Hormone) verwendet. Sie können aber steht zu 99,5 % aus Wasser; daneben enthält
auch zur Energiegewinnung genutzt werden. er Muzine, Abwehrstoffe (z. B. Immunglobulin
Durch Oxidation (Verbrennung“) kann man A, Lysozym) und Enzyme (Amylase Ptyalin zur
den Energiegehalt (Brennwert) der Nahrungs− Kohlenhydratspaltung). Durch die im Speichel
stoffe ermitteln. Den physikalischen Brennwert enthaltenen Muzine wird die Nahrung gleitfä−
erhält man, wenn man die Nahrungsstoffe voll− hig gemacht und damit für den Transport durch
ständig in einem Kalorimeter verbrennt. Der den Ösophagus vorbereitet. Im Magen erfolgt
biologische Brennwert gibt den Energiegewinn die Denaturierung von Proteinen und die Emul−
bei vollständiger Oxidation eines Stoffes im gation von Fetten, gleichzeitig werden diese
Körper an (s. Tab.). Der Brennwert wird in Kilo− Substanzen teilweise schon in kleinere Bruch−
joule (kJ) angegeben; weitverbreitet ist noch stücke gespalten. Vom Magen wird der Speise−
die Angabe in Kilokalorien (kcal), es gilt folgen− brei (Chymus) portionsweise in den Dünndarm
der Umrechnungswert: 1 kcal = 4,187 kJ. Auch weitergegeben. Im oberen Dünndarm (Jeju−
Alkohol (Ethanol) ist ein Energieträger, dessen num) spalten Enzyme des Pankreassafts Koh−
Brennwert 29,7 kJ/g (7,1 kcal) beträgt. Bei Pro− lenhydrate, Fette und Proteine in resorbierbare
teinen ist der tatsächliche (physikalische) Bestandteile. Die Fettverdauung erfolgt in An−
wesenheit von Gallensäuren. Der größte Teil
der Nahrungsbestandteile ist am Ende des Je−
junums bereits resorbiert, lediglich Vitamin B12
Brennwerte der drei Hauptnährstoffklassen und und Gallensäuren werden erst im Ileum aufge−
des Ethanols
nommen. Im Kolon werden noch Wasser und
Nährstoff Physikalischer Biologischer
Brennwert Brennwert
Elektrolyte resorbiert.
Kohlen− 17,6 kJ/g (4,2 kcal) 17,2 kJ/g (4,1 kcal) Die Aufnahme vieler Nahrungsbestandteile
hydrate in die Darmzellen erfolgt durch sekundär−akti−
Fette 38,9 kJ/g (9,3 kcal) 38,9 kJ/g (9,3 kcal) ven Na+−Symport. Treibende Kraft für diesen
Proteine 23 kJ/g (5,5 kcal) 17 kJ/g (4,1 kcal) Transportprozess an der Darmschleimhaut ist
Ethanol 30 kJ/g (7,2 kcal) 30 kJ/g (7,2 kcal) die Na+−K+−ATPase in der basolateralen Memb−

Ü Fall 12 Seite 12

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Verdauung und Resorption der Kohlenhydra−
te: s. Antwort zur Frage 12.2. Verwertbare Koh−
lenhydrate der Nahrung sind die a−glykosidisch
verknüpften Polysaccharide Stärke und Glyko−
gen. b−glykosidisch verbundene Polysaccharide
wie Zellulose können im Darm nicht gespalten
werden. Sie werden unverdaut ausgeschieden
und dienen als Ballaststoffe.

Verdauung und Resorption der Proteine: s. Ant−


wort zur Frage 12.3.

Mukoviszidose: Die Mukoviszidose (Syn. zysti−


sche Fibrose) ist eine autosomal−rezessiv erb−
liche Erkrankung. Ursache ist eine Mutation im
sog. CFTR−Gen, die zu einer fehlerhaften Bil−
dung eines Chloridkanals im Epithel exokriner
Drüsen führt. Die Sekretion von Chlorid ist ver−
mindert oder aufgehoben, in der Folge werden
auch weniger Natrium und Bikarbonat sezer− 113
niert. Der Mangel an Elektrolyten im Sekret
führt dazu, dass der osmotische Druck zu nied−
rig ist und somit zu wenig Wasser in die Sekrete Fall
gelangt. Diese werden dadurch sehr zähflüssig
und verstopfen die Ausführungsgänge der 12
Drüsen. Als Reaktion auf diese Verstopfung
kommt es zu wiederholten Infektionen v. a. in
der Lunge (bronchopulmonale Infektionen).
Resorptionsorte
Auch das Pankreas wird durch die Verlegung
der Gänge hochgradig geschädigt, es kann nur
ran der Darmzellen. Diese pumpt Natrium aus unzureichend Verdauungsenzyme ausschütten.
den Darmzellen ins Blut, dadurch wird ein star− Durch die fehlenden Verdauungsenzyme
ker elektrochemischer Na+−Gradient zwischen kommt es zu ungenügender Verdauung und
Darm und Darmzelle aufgebaut. Natrium ge− Resorption aller Nahrungsbestandteile. Die Pa−
koppelt mit verschiedenen Nahrungsbestand− tienten leiden unter Bauchschmerzen und vo−
teilen gelangt nun in die Darmzelle. luminösen, fettigen Stühlen. Durch die man−
gelnde Aufnahme von Vitaminen und Nährstof−
fen kommt es zu einer Gedeihstörung.

ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN

Struktur und Eigenschaften von Koh−


lenhydraten (z. B. Grundbausteine,
glykosidische Bindung
Aufnahme von Nahrungsbestandteilen durch sekundär−ak−
tiven Na+−Symport
Verdauung und Resorption von Fetten

Ü Fall 12 Seite 12

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13 Katecholamine

13.1 Aus welcher Ausgangssubstanz werden 13.2 Nennen Sie Wirkungen, die Katechola−
die Katecholamine gebildet, welche Zwischen− mine über a1−, a2−, b1− und b2−Rezeptoren
produkte entstehen dabei? auslösen! Welche Second Messenger und G−
Phenylalanin R Tyrosin R Dopa R Dopamin Proteine sind an der Signalvermittlung jeweils
R Noradrenalin R Adrenalin beteiligt?
s. Tabelle

Wirkungen der Katecholamine über die verschiedenen Rezeptoren


Rezeptor a1 a2 b1 b2
Second IP3, DAG (Gq) cAMP Q (Gi) cAMP q (Gs) cAMP q (Gs)
Messenger
Wirkung Kontraktion glatter ZNS: Da mpfung, Blut− Herz: Sinusfrequenz q Relaxation glatter Musku−
Muskulatur (Gefaße, drucksenkung, Bradykardie (positiv chronotrop), latur (Gefa
ße, Bronchien,
Sphinkter, Bron− Kontraktionskraft q Myometrium, Harnblase)
chien, Myometri− Insulinsekretion Q (positiv inotrop),
um) Erregungsleitung q Glykogenolyseq (Leber
(positiv dromotrop), und Muskulatur)
114 Mydriasis (Erweite− Erregbarkeit q (positiv
rung der Pupille) bathmotrop) Lipolyse q

Niere: Reninsekretion q

Fall
13
13.3 Wie werden die Katecholamine abge−
baut? Welche Metabolite sind im Urin nach−
weisbar?
J 1. Schritt: Methylierung einer OH−Gruppe
durch die Katecholamin−O−Methyl−Transferase
(COMT). Methylgruppendonator der Reaktion
ist S−Adenosylmethionin (SAM). Es entste−
hen die Zwischenprodukte Metanephrin (3−
Methoxyadrenalin) und Normetanephrin (3−
Methoxynoradrenalin).
J 2. Schritt: Die Monoaminoxidase (MAO)
wandelt die Verbindungen in einen Aldehyd
um (oxidative Desaminierung). Dieses wird
durch die Aldehyd−Dehydrogenase (Aldehyd−
DH) anschließend zu Vanillinmandelsäure
(3−Methoxy−4−Hydroxymandelsäure) oxidiert.
J Im Urin werden die (Nor−)Metanephrine so−
wie die Vanillinmandelsäure nachgewiesen.

!!! 13.4 Welche Wirkungen hat ein b1−selektiver


Blocker?
J b−Blocker verdrängen die Katecholamine von
deren Rezeptoren und verringern somit die
sympathoadrenerge Stimulation.
J b1−Rezeptoren befinden sich v. a. am Herzen
(s. Antwort zur Frage 13.2) R b1−selektive
Blocker wirken daher v. a. am Herzen, und
Abbau der Katecholamine am Beispiel von Adrenalin

Ü Fall 13 Seite 13

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zwar negativ chronotrop, inotrop, dromo− stark auf b2−Rezeptoren und haben damit
trop und bathmotrop; im Gegensatz zu un− auch weniger Nebenwirkungen.
selektiven b−Blockern wirken sie weniger

Kommentar

Synthese der Katecholamine: Katecholamine J Bei Stimulation von b−Rezeptoren werden


werden in den Zellen des Nebennierenmarks stimulatorische G−Proteine (Gs) aktiviert
und in postganglionären sympathischen Neu− und dadurch wird der cAMP−Gehalt in der
ronen gebildet. Sie werden aus der aromati− Zelle erhöht.
schen Aminosäure Tyrosin synthetisiert, die
Zu den physiologischen Wirkungen, die über
aus Phenylalanin entstehen kann. Tyrosin wird
die einzelnen Rezeptoren entfaltet werden s.
durch die tetrahydrobiopterinabhängige Tyro−
Antwort zur Frage 13.2.
sinhydroxylase in Dopa (Dihydroxyphenylala−
nin) umgewandelt. Die Dopa−Decarboxylase
Abbau der Katecholamine: s. Antwort zur Frage
decarboxyliert Dopa zu Dopamin. Durch die
13.3.
Dopamin−b−Hydroxylase entsteht aus Dopamin
Noradrenalin (NA). Noradrenalin wird schließ−
b−Rezeptorantagonisten (b−Betablocker): Sym−
lich durch das Enzym Phenylethylamin−N−Me− 115
patholytika, wie a− und b−Rezeptorantagoni−
thyltransferase zu Adrenalin methyliert. Me−
sten (Syn. a− und b−Blocker), hemmen die Sym−
thylgruppendonator dieser Reaktion ist S−Ade−
pathikuswirkung, indem sie relativ selektiv die
nosylmethionin (SAM).
verschiedenen Rezeptortypen blockieren. Sie
Gespeichert werden die Katecholamine in Fall
werden in der Therapie vieler Herzkrankheiten
Sekretgranula. Nach Stimulation durch nervale
Reize werden sie per Exozytose freigesetzt.
(z. B. Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit 13
[KHK]) und des Bluthochdrucks (arterielle Hy−
pertonie) eingesetzt. Insbesondere b−Blocker,
Wirkungen der Katecholamine: Katecholamine
die selektiv b1−Rezeptoren blockieren (sog. kar−
entfalten ihre Wirkung über a− und b−Rezepto−
dioselektive b−Blocker oder b1−selektive Blok−
ren. Während Noradrenalin in erster Linie an a−
ker), haben einen günstigen Einfluss auf die
und b1−Rezeptoren bindet, entfaltet Adrenalin
Senkung des Blutdrucks. Über die Besetzung
seine Wirkung über alle Rezeptorsubtypen. Alle
der b1−Rezeptoren am Herzen senken sie Herz−
Katecholaminrezeptoren sind an G−Proteine
frequenz, Erregbarkeit, Kontraktionskraft und
gekoppelt:
damit Sauerstoffverbrauch des Herzens. Aller−
J Bei Stimulation des a1−Rezeptors wird ein
dings ist der Begriff kardioselektiv irreführend,
Gq−Protein aktiviert. Dies führt zur Aktivi−
da in höheren Konzentrationen auch b2−Rezep−
tätszunahme der Phospholipase C, daraus
toren besetzt werden (s. Antwort zur Frage
resultiert ein Anstieg von IP3 und DAG.
13.4). Bekannte kardioselektive b−Blocker sind
J Bei Stimulation des a2−Rezeptors wird ein
Metoprolol und Atenolol.
inhibitorisches G−Protein (Gi) aktiviert und
Unerwünschte Wirkungen der b−Blocker er−
dadurch der cAMP−Gehalt in der Zelle ge−
geben sich ebenfalls aus der Aufhebung der
senkt.
Sympathikuswirkung:

Synthese der Katecholamine. Beteiligte Enzyme: (1) Phenylalaninhydroxylase (2) Tyrosinhydroxylase (3) Dopa−Decarb−
oxylase (4) Dopamin−b−Hydroxylase (5) Phenylethylamin−N−Methyltransferase

Ü Fall 13 Seite 13

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J Durch verzögerte Erregungsleitung von den
Vorhöfen auf die Ventrikel (negativ dromo− ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
trope Wirkung) kann es zu Vorhof−Ventri−
kel−Überleitungsstörungen bis hin zu AV− Signalkaskaden im cAMP− und IP3/
Blocks kommen. DAG−Weg
J Durch Senkung der Herzfrequenz (negative
chronotrope Wirkung) kann es zur Brady− Aufgaben von S−Adenosylmethionin
kardie kommen. im Stoffwechsel
J Durch verminderte Relaxation der glatten
Muskulatur kann eine Bronchokonstriktion Herzrhythmusstörungen (z. B. AV−
ausgelöst werden; obstruktive Atemwegs− Block, Bradykardie, Tachykardie)
erkrankungen (z. B. Asthma bronchiale)
können dadurch verstärkt werden. Daher Direkte Sympathomimetika und ihr
sind obstruktive Atemwegserkrankungen Einsatz in der Medizin
eine Kontraindikation für den Einsatz von
b−Blockern.

116

14 Vitamin A

Fall 14.1 Zählen Sie Buchstabenkürzel und Trivial−


14 namen der fettlöslichen Vitamine auf.

Übersicht über die fettlöslichen Vitamine


Vitamin Aktive Form Funktion(en) Vorkommen
(Trivialname)
Vitamin A Retinol Epithelschutz Fisch; als Provitamin in vielen
(Retinol) Retinal Sehvorgang Pflanzen (b−Karotin), z. B. Karot−
Retinsäure Entwicklung ten
Vitamin D 1,25−Dihydroxycholekalziferol Hormon des Kalziumstoffwech− Lebertran, Eier, Leber, Milch,
(Kalziferol) (Kalzitriol, Vitamin−D−Hormon) sels Synthese aus Cholesterin
Vitamin E Tokopherol−Hydrochinon Oxidationsschutz ungesättigter Getreidekeime, Pflanzenöle
(Tokopherol) Fettsäuren
(lipophiles Antioxidans)
Vitamin K Difarnesylnaphtochinon Koenzym bei Carboxylierungen Tierisches Gewebe, Gemüse, Bil−
(Phyllochinon) von Gerinnungsfaktoren dung durch Darmbakterien

J In der Leber Reduktion von Retinal zu Reti−


14.2 In welcher Form wird Vitamin A meist
nol und Veresterung von Retinol mit Palmi−
aufgenommen? Wie wird es umgewandelt und
tinsäure (eine C16−Fettsäure) zu Retinylpalmi−
gespeichert?
tat. Speicherung von Vitamin A als Retinyl−
J Aufnahme von Vitamin A meist in Form des
palmitat in den Ito−Zellen der Leber.
Provitamins b−Karotin (mit Hilfe von Gallen−
J Durch Oxidation entsteht aus Retinal die Re−
säuren in die Darmzellen)
tinsäure
J Spaltung von b−Carotin in zwei Moleküle Re−
tinal durch das Enzym Dioxygenase
J Transport von Retinal mithilfe von Chylo−
mikronen zur Leber

Ü Fall 14 Seite 14

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Umwandlung von b−Karotin in Reti−
nal, Retinol und Retinsäure

J Bei Lichtreiz wird Rhodopsin aktiviert, es


14.3 Welche Funktionen übernimmt Vitamin
wird eine G−proteingekoppelte Signalkaskade
A?
in Gang gesetzt:
Retinol ist die Muttersubstanz der Vitamin−A−
– 11−cis−Retinal wird durch eine Konformati−
Derivate (Retinoide), zu denen auch Retinal und
onsänderung in all−trans−Retinal umge− 117
Retinsäure zählen. Sie haben folgende Funktio−
wandelt.
nen:
– Über mehrere Zwischenschritte entsteht
J Retinol: dient dem Schutz von Epithelien
dadurch aus Rhodopsin aktives Rhodopsin
J Retinal: beteiligt am Sehvorgang (s. Ant−
(Metarhodopsin II). Fall
wort zur Frage 14.4)
J Retinsäure: beeinflusst die Expression von
– Metarhodopsin II aktiviert Transducin, ein
G−Protein in den Photorezeptoren.
14
Genen und hat Einfluss auf Entwicklung und
– GDP wird gegen GTP an der a−Unterein−
Wachstum
heit des Transducins ausgetauscht.
– Die GTP−gebundene a−Untereinheit spaltet
14.4 Erläutern Sie den Sehvorgang!
sich von der b− und g−Untereinheit ab und
J Die Sinneszellen des Auges (Photorezepto−
aktiviert eine cGMP−Phosphodiesterase
ren: Stäbchen und Zapfen) enthalten in ihren
(PDE).
Außensegmenten den Sehfarbstoff Rhodop−
– PDE spaltet cGMP in GMP, dadurch nimmt
sin.
die cGMP−Konzentration ab.
J Rhodopsin besteht aus Retinal (genauer ge−
– Es schließen sich die Ionenkanäle, die zu−
sagt: 11−cis−Retinal) und dem Membranpro−
vor durch den hohen cGMP−Gehalt offen−
tein Opsin; Rhodopsin ist photosensibel, d. h.
gehalten wurden, und die Na+− und Ca2+−
ein Lichtreiz setzt eine Reaktion in Gang
Konzentration in den Photorezeptoren
(s. u.).
sinkt.
J Im Ruhezustand (Dunkeln) ist Rhodopsin
– Die Photorezeptoren hyperpolarisieren,
inaktiv:
dadurch nimmt die Glutamatfreisetzung
– Dadurch liegt eine hohe cGMP−Konzentra−
ab.
tion in den Photorezeptoren vor.
– Fehlt Glutamat, wird dies als Lichtsignal“
– Dies führt zur Öffnung von Ionenkanälen
von den bipolaren Zellen registriert.
und damit einer Zunahme der Na+− und
J s. auch Abb. S. 118
Ca2+−Konzentration in den Photorezepto−
ren.
14.5 Welches ist das erste Symptom bei
– Die Photorezeptoren depolarisieren und
Vitamin−A−Mangel?
fördern dadurch die Glutamatfreisetzung.
Nachtblindheit (Hemeralopie), welche durch ei−
– Durch Glutamat wird das Dunkelsignal“
ne Störung des Rhodopsinaufbaus bedingt ist.
an bipolare Zellen (2. Neurone der Seh−
bahn) weitergegeben.

Ü Fall 14 Seite 14

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Signaltransduktion in den Photorezeptoren Bei Belichtung Konformationsänderung des 11−cis−Retinal
in all−trans−Retinal
118
Kommentar

Vitamine (Allgemeines): Vitamine (vita = Le− zur Frage 14.3). Retinal ist am Sehvorgang be−
Fall
ben) sind lebenswichtige Substanzen, die wir teiligt (s. Antwort zur Frage 14.4).
14 mit der Nahrung aufnehmen müssen. Sie wer−
den daher als essenzielle Nahrungsbestandteile Vitamin−A−Mangel: Ein Vitamin−A−Mangel
bezeichnet. Es gibt vier fettlösliche (lipophile) durch mangelnde Vitamin−A−Zufuhr tritt heute
und neun wasserlösliche (hydrophile) Vitami− fast ausschließlich in Entwicklungsländern auf.
ne. Zu Funktionen und Vorkommen der fettlös− Die mangelnde Zufuhr führt zu einer Störung
lichen Vitamine s. Antwort zur Frage 14.1. Die des Rhodopsin−Aufbaus. Erstes Mangelsymp−
fettlöslichen Vitamine A, D, E und K werden – tom ist die Nachtblindheit (Hemeralopie). Län−
wie Lipide – mit Hilfe von Gallensäuren resor− ger andauernder Vitamin−A−Mangel kann zur
biert. Verhornung der Hornhaut (Kornea) führen (Xe−
Zu Funktionen und Vorkommen der wasser− rophthalmie). Dies ist auch heute noch der häu−
löslichen Vitamine s. Fall 57. figste Grund für Erblindung von Kindern in Ent−
wicklungsländern (100 000–500 000 Neuer−
Vitamin A: Es existieren drei verschiedene De− krankungen pro Jahr). Weitere Symptome
rivate des Vitamin A: Retinal, Retinol und Re− eines Vitamin−A−Mangels sind beispielsweise
tinsäure. Der Name der Vitamin−A−Derivate ist Verhornung von Schleimhäuten, Atrophie von
vom Begriff Netzhaut (Retina) abgeleitet. Je Speicheldrüsen und Darmepithel, Anämie und
nachdem welcher Rest vorliegt, wird eine Störungen der Spermatogenese.
Endung angehängt, die der chemischen
Struktur entspricht (−al für Aldehyd, −ol für Al−
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
kohol, −säure für Säure). Alle Vitamin−A−Deri−
vate enthalten vier Isopreneinheiten. Struktur und Funktion der anderen
Zu Vorkommen s. Antwort zur Frage 14.1. Zu fettlöslichen Vitamine
Aufnahme, Umwandlung und Speicherung s.
Wasserlösliche Vitamine
Antwort zur Frage 14.2. Bei Bedarf wird aus
Retinylpalmitat durch eine Esterase Retinol Regeneration von Rhodopsin beim
freigesetzt und mit Hilfe von Retinolbindungs− Sehvorgang
proteinen zu den Geweben transportiert.
G−proteingekoppelte Signaltransduk−
Die drei Derivate des Vitamin A erfüllen im
tion
Körper unterschiedliche Aufgaben (s. Antwort

Ü Fall 14 Seite 14

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15 Allgemeine Schritte im Aminosäureabbau und Abbau von Phenylalanin

15.1 Welches Enzym baut Phenylalanin im 15.6 Welches Vitamin ist Koenzym von bei
ersten Reaktionsschritt ab? Welches Koenzym Transaminierungen und Decarboxylierungen
ist daran beteiligt? von Aminosäuren? Geben Sie einen Überblick
Phenylalanin wird durch die Phenylalanin− über dieses Vitamin (aktive Form, Funktion)!
Hydroxylase abgebaut. Diese ist abhängig vom J Vitamin B6 (Syn. Pyridoxin, s. Abb.) spielt ei−
Koenzym Tetrahydrobiopterin. ne wichtige Rolle als Koenzym im Aminosäu−
restoffwechsel.
15.2 Welche Aminosäure entsteht normaler−
weise im ersten Schritt beim Abbau von Phenyl−
alanin?
Tyrosin

15.3 Welche sind das?


J Katecholamine (Dopamin, Noradrenalin,
Adrenalin; s. Fall 13)
J Pigmentfarbstoff Melanin
J Schilddrüsenhormone (s. Fall 53) 119

15.4 Nennen Sie die Endprodukte des Phenyl−


alaninabbaus! Ordnen Sie zu, ob es sich um
glukogene und/oder ketogene Abbauprodukte
Fall
handelt!
J Fumarat (glukogen)
15
J Acetoacetat (ketogen)

15.5 Durch welche Reaktionen wird in der


Regel der Aminosäureabbau eingeleitet?
J Transaminierung: Übertragung der a−Amino−
gruppe einer Aminosäure auf eine a−Ketosäu− Bildung einer Schiff−Base zwischen der Aldehydgruppe des
PALP und der Aminogruppe einer Aminosäure
re
J Desaminierung: Entfernung der a−Amino−
gruppe
J Decarboxylierung: Entfernung der Carboxyl−
gruppe

Tyrosin als Ausgangssub−


stanz für Biosynthesen

Struktur der Vitamin−B6−Derivate (Pyridoxal ist ein Aldehyd, Pyridoxamin ein Amin, Pyridoxol ein Alkohol) und des aktiven
Vitamin B6 (Pyridoxalphosphat, PALP)

Ü Fall 15 Seite 15

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J Vitamin B6 wird mit Hilfe der Pyridoxalkinase der Aldehydgruppe des PALP und der Ami−
und ATP in die aktive Form Pyridoxalphos− nogruppe der Aminosäure werden alle Bin−
phat (PALP) umgewandelt. dungen am a−C−Atom der Aminosäure ge−
J PALP spielt v. a. bei Transaminierungs− und lockert“ und dadurch reaktionsbereiter, so
Decarboxylierungsreaktionen eine Rolle: dass dann z. B. die Carboxylgruppe abge−
Durch Bildung einer Schiff−Base (Aldimin spalten werden kann.
mit C=N−Bindung, s. Abb. S. 119) zwischen

Kommentar

Allgemeine Schritte im Aminosäureabbau: Die Durch Decarboxylierung einiger Aminosäu−


meisten Aminosäuren, die im Aminosäurestoff− ren entstehen biogene Amine (s. Fall 62).
wechsel abgebaut werden oder als Synthese−
vorstufen dienen, entstammen der Proteolyse Transaminierung: Dies ist die wichtigste Reak−
von körpereigenen Proteinen und Nahrungs− tion beim Abbau der Aminosäuren. In Anwe−
proteinen. senheit des Koenzyms Pyridoxalphosphat
Eingeleitet wird der Aminosäureabbau meist (PALP, aktives Vitamin B6) übertragen Amino−
durch Transaminierung, Desaminierung oder transferasen Aminogruppen von Aminosäuren
120 Decarboxylierung (s. Antwort zur Frage 15.5 auf a−Ketosäuren. Aus der Aminosäure entsteht
und unten). dadurch eine a−Ketosäure, aus der ursprüngli−
Nach Transaminierungen und Desaminie− chen a−Ketosäure wird eine Aminosäure.
rungen bleiben Kohlenstoffgerüste zurück. Zwei wichtige Aminotransferasen sind die
Fall Diese werden in Mitochondrien unterschied− Alanintransaminase (ALT, früher GPT = Gluta−
15 lich weiter abgebaut. Zum Schluss entstehen
Moleküle,
mat−Pyruvat−Transaminase) und die Aspartatt−
ransaminase (AST, früher GOT = Glutamat−
J die in den Zitratzyklus eingespeist und zur Oxalacetat−Transaminase).
Glukoneogenese verwendet werden kön−
nen (glukogene Aminosäuren, s. auch Fall Desaminierung: Um die a−Aminogruppe abzu−
41) spalten, gibt es verschiedene Mechanismen:
J oder der Biosynthese von Fettsäuren und
1. Die oxidative Desaminierung: Durch oxida−
Ketonkörpern dienen können (ketogene
tive Desaminierung wird ausschließlich Gluta−
Aminosäuren, s. auch Fall 41).
mat abgebaut, welches zuerst im Mitochond−
Das beim Aminosäureabbau anfallende Am− rium zur Iminosäure a−Iminoglutarat oxidiert
moniak wird im Harnstoffzyklus der Leber ab− wird. Eine Iminosäure besitzt eine C=N−Dop−
gebaut (s. Fall 26). pelbindung. Durch Hydrolyse entstehen aus
a−Iminoglutarat a−Ketoglutarat und Ammo−

Transaminierung: Reaktion der


Alanintransaminase (ALT) und der
Aspartattransaminase (AST)

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Oxidative Desaminierung
von Glutamat

niak. a−Ketoglutarat ist Substrat des Zitratzy− Koenzym bei der eliminierenden Desaminie−
klus, Ammoniak wird in den Harnstoffzyklus rung ist PALP.
eingespeist. Enzym beider Reaktionen ist die
Glutamat−Dehydrogenase (GLDH), die als Decarboxylierung: In Anwesenheit des Koen−
Koenzyme sowohl NAD+ also auch NADP+ ak− zyms PALP entfernen Aminosäurendecarboxy−
zeptiert. lasen die Carboxylgruppe von Aminosäuren.
Dadurch entstehen biogene Amine (s. Fall 62).
2. Die hydrolytische Desaminierung: Durch
hydrolytische Desaminierung werden Amino−
Abbau von Phenylalanin und Tyrosin: Zuerst
gruppen aus Carbonsäureamidbindungen
wird Phenylalanin durch Hydroxylierung in Ty−
(CONH2) abgespalten. Da nur Glutamin und
rosin umgewandelt. Enzym dieser Reaktion ist 121
Asparagin Carbonsäureamidbindungen ent−
die Monooxygenase Phenylalanin−Hydroxylase.
halten, werden nur diese beiden Aminosäuren
Sie benötigt Tetrahydrobiopterin und
hydrolytisch desaminiert. Glutamin ist die
NADPH+H+ als Koenzyme. Tyrosin wird über
Aminosäure mit der höchsten Konzentration
p−Hydroxyphenylpyruvat in Homogentisat um− Fall
im Blut. Durch hydrolytische Desaminierung
in der Leber ist es damit ein wichtiger Ammo−
gewandelt. Durch die Homogentisat−Dioxyge−
nase entsteht unter Spaltung des aromatischen
15
niaklieferant für den Harnstoffzyklus.
Ringes Maleylacetoacetat. Als Abbauprodukte
des Phenylalanin− und Tyrosinabbaus entste−
hen letztlich Fumarat und Acetoacetat.

Phenylketonurie (PKU): Bei PKU ist der Abbau


der Aminosäure Phenylalanin gestört. In den
meisten Fällen wird die PKU durch einen Man−
gel an Phenylalanin−Hydroxylase (klassische
Hydrolytische Desaminierung von Glutamin zu Glutamat PKU) ausgelöst. Die klassische PKU ist die häu−
figste angeborene Stoffwechselstörung des
Aminosäurehaushalts. Sie wird autosomal−re−
3. Die eliminierende Desaminierung: Die Ami−
zessiv vererbt und tritt mit einer Häufigkeit
nosäuren Serin, Threonin und Cystein besit−
von 1:10 000 auf. Durch den Mangel an Phenyl−
zen in ihrer Seitenkette eine OH− oder SH−
alanin−Hydroxylase kann Phenylalanin nicht
Gruppe. Unter Einwirkung einer Dehydratase
oder nur unzureichend in Tyrosin umgewan−
wird Wasser oder Schwefelwasserstoff (SH2)
delt werden. Phenylalanin wird daher über al−
abgespalten. Es entsteht zunächst ein unge−
ternative Stoffwechselwege in Phenylpyruvat,
sättigtes Zwischenprodukt, das sich spontan
Phenyllaktat und Phenylacetat umgewandelt.
in eine Iminosäure umwandelt. Die Iminosäu−
Die erhöhten Phenylalaninspiegel behindern
re wird wie beim zweiten Schritt der oxidati−
den Transport anderer Aminosäuren über die
ven Desaminierung hydrolytisch in eine a−Ke−
Blut−Hirn−Schranke. Dies hat Myelinisierungs−
tosäure und Ammoniak umgewandelt.

Eliminierende Desaminie−
rung von Cystein

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Abbau von
Phenylalanin und
Tyrosin (PKU =
Phenylketonurie)

122

Fall
15

störungen zur Folge. Klinische Symptome ent− den dabei die Stoffwechselerkrankungen Phe−
wickeln sich meist ab dem 4. Lebensmonat. Im nylketonurie, Galaktosämie und Hypothyreose.
Vordergrund steht die geistige Retardierung, Stellt man einen erhöhten Phenylalaninspiegel
die unbehandelt im Schwachsinn endet. Hinzu fest, muss ausgeschlossen werden, dass dieser
kommen neurologische Symptome wie auf einen Tetrahydrobiopterin−Mangel zurück−
Krampfanfälle und Bewegungsstörungen. Eine zuführen ist (sog. atypische PKU). Tetrahydro−
Pigmentarmut tritt häufig auf, weil durch die pterin ist Koenzym der Phenylalanin−Hydroxy−
hohen Phenylalaninspiegel die Tyrosin−Hydro− lase. Fehlt das Koenzym, kann die Phenylala−
xylase, ein Enzym der Melaninsynthese, ge− nin−Hydroxylase ebenfalls nicht arbeiten, und
hemmt wird. Durch Ausscheidung der atypi− Phenylalanin häuft sich ebenfalls im Blut an. Da
schen Abbauprodukte mit dem Urin, hat dieser auch andere Hydroxylierungsreaktionen von
einen auffälligen mäusekotähnlichen Geruch. Tetrahydrobiopterin abhängig sind (z. B. von
Da die Folgen der PKU derart schwerwiegend Tryptophan, Tyrosin), fallen die Krankheits−
sind, wird heute in Deutschland bei jedem Neu− symptome noch schwerwiegender aus. Insge−
geborenen in den ersten Lebenstagen ein Neu− samt ist aber ein Tetrahydrobiopterin−Mangel
geborenenscreening durchgeführt. Erfasst wer− sehr viel seltener.

Ü Fall 15 Seite 15

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Die Therapie der PKU besteht in einer sofor−
tigen phenylalaninarmen Diät, die lebenslang ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
erfolgen muss. Vollständig kann man auf Phe−
nylalanin nicht verzichten, da es essenziell ist. Biosynthese der Aminosäuren
Auch die Aminosäure Tyrosin wird aufgrund
der geringen Phenylalaninzufuhr essenziell Alkaptonurie (Krankheitsbild bei feh−
und muss mit der Nahrung zugeführt werden. lender oder verminderter Homogenti−
sat−Dioxygenase)

Melaninsynthese

16 Glykogenstoffwechsel

16.1 Erläutern Sie Struktur und Funktion von J Umwandlung von Glukose−6−Phosphat mit−
Glykogen! tels Phosphoglukomutase in Glukose−1−
J Stark verzweigtes Riesenmolekül (106–107 Phosphat
Dalton) J UTP−abhängige Aktivierung von Glukose−1−
– Ketten aus a−1,4−glykosidisch verknüpf− Phosphat mittels Glukose−1−Phosphat−UTP−
123
ten Glukose−Einheiten Transferase zu UDP−Glukose
– Alle 6–10 Glukosemoleküle findet sich ei− J UDP−Glukose ist die aktivierte Glukose, die
ne a−1,6−glykosidisch angeknüpfte weitere mit einem bereits vorhandenen Glykogenmo−
a−1,4−Kette. lekül (s. Kommentar) mittels Glykogen− Fall
J Speicherform der Glukose: synthetase a−1,4−glykosidisch verknüpft
– In der Leber (max. 150 g Glykogen) zur wird. 16
Regulation des Blutglukosespiegels J Nach ca. 10 Glukosemolekülen Einfügen von
– In allen extrahepatischen Zellen, auch Verzweigungen im Glykogenmolekül mittels
Muskelzellen (max. 250 g Glykogen) zur Branching Enzym (Amylo−1,4R1,6−Transglu−
Deckung des eigenen Energiebedarfs kosylase); dazu werden mindestens die 6
letzten Glukose−Einheiten einer a−1,4−Kette
16.2 Wie wird Glykogen in der Leber aufge− auf das C−Atom 6 einer benachbarten Kette
baut? übertragen (bzw. a−1,6−glykosidisch
Nach einer Mahlzeit (postprandial) bauen die verknüpft)
Zellen aus der aufgenommenen Glukose Glyko−
gen auf:
J ATP−abhängige Phosphorylierung von Gluko−
se mittels Glukokinase zu Glukose−6−Phos−
phat

Glykogenaufbau in der Leber

Ü Fall 16 Seite 16

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J Nach Abbau aller Verzweigungen wird die
16.3 Beschreiben Sie den Glykogenabbau
unverzweigte Kette durch die Glykogen−
(Glykogenolyse) in der Leber!
phosphorylase zu Glukose−1−Phosphat−Ein−
Zwischen den Mahlzeiten (Nüchtern−Phase)
heiten abgebaut.
wird Glykogen der Leber zu freier Glukose ab−
J Umwandlung von Glukose−1−Phosphat mit−
gebaut, um den Blutglukosespiegel im Normbe−
tels Phosphoglukomutase in Glukose−6−
reich zu halten:
Phosphat
J Abspaltung von Glukose−1−Phosphat durch
J Umwandlung von Glukose−6−Phosphat mit−
Glykogenphosphorylase (Phosphorylase a)
tels Glukose−6−Phosphatase in freie Glukose
von den Seitenketten des Glykogenmoleküls
(bis 4 Glukoseeinheiten vor einer a−1,6−Ver−
!!! 16.4 Wie kommt es durch Mangel an Glukose−
zweigung möglich)
6−Phosphatase zu den Befunden Nu  chtern−Hy−
J Übertragen der restlichen 3 Glukoseeinheiten
poglykamie und vergroßerte Leber (Hepato−
auf ein anderes Glykogenmolekül in a−1,4−
megalie)?
Bindung durch die Glykosyl−Transferase J Durch den Glukose−6−Phosphatase−Mangel,
(1,4R1,4−Glukantransferase); nun ist die a−
kann die Leber aus Glukose−6−Phosphat nicht
1,6−verknüpfte Glukose freigelegt
Glukose freisetzen (s. Antwort zur Frage
J Abspaltung der a−1,6−glykosidisch
16.3).
verknüpften Glukose durch das Debranching
124 Enzym (a−1,6−Glukosidase); hierbei entsteht
direkt Glukose

Fall
16

Glykogenabbau

Ü Fall 16 Seite 16

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J Glukose−6−Phosphat kann durch den gelade− Hypoglykämie (Unterzuckerung) mit
nen Phosphatrest die Leberzelle nicht verlas− Schwäche und Apathie.
sen und häuft sich an. J Da der Glykogen−Speicher kaum mobilisiert
J Der sinkende Blutglukosespiegel in den werden kann, akkumuliert Glykogen in den
Nüchtern−Phasen kann durch die Leber nicht Hepatozyten, so dass eine Hepatomegalie
kompensiert werden R Nüchtern− (Organvergrößerung der Leber) resultiert.

Kommentar

Struktur und Funktion von Glykogen: s. Ant− Phosphat für den eigenen Bedarf (z. B. Deckung
wort zur Frage 16.1. Freie Glukose ist osmotisch des Energiebedarfs durch Glykolyse).
aktiv. Würde sie intrazellulär in freier Form
gespeichert werden, würde Wasser angezogen Regulation des Glykogenstoffwechsels: Eine ge−
werden und die Zelle platzen. Daher muss sie in naue Regulation des Glykogenstoffwechsels ist
Form eines osmotisch inaktiven Moleküls, dem erforderlich, um den Blutglukosespiegel zwi−
Glykogen, gespeichert werden. schen 80–120 mg/dl bzw. 4,4–6,6 mmol/l kon−
Durch die verzweigte Struktur des Moleküls stant zu halten. Dies muss der Stoffwechselsi−
ist es möglich, dass an vielen Verzweigungen tuation jeweils angepasst werden:
mehrere Abbauenzyme arbeiten können. So J Postprandial ist genügend Glukose vorhan− 125
kann bei Bedarf schnell Glukose bereitgestellt den, d. h. der Blutglukosespiegel ist hoch,
werden. so dass Glukose in Form von Glykogen ge−
speichert wird. Schlüsselenzym für den
Glykogenaufbau: s. Antwort zur Frage 16.2. Die Glykogenaufbau ist die Glykogensynthase, Fall
Glukosemoleküle werden nach Aktivierung zu
UDP−Glukose auf ein bereits vorhandenes Gly−
die durch Insulin aktiviert wird.
J Zwischen zwei Mahlzeiten (Nüchtern−Pha−
16
kogenmolekül übertragen. Dieses bereits vor− se) muss Glykogen zu Glukose abgebaut
handene Glykogenmolekül wird durch das Pro− werden, um den Blutglukosespiegel wieder
tein Glykogenin hergestellt, in dem es sich anheben zu können. Schlüsselenzym für
selbst glykosyliert und an diesen Glykosylrest den Glykogenabbau ist die Glykogenphos−
weitere Glukosemoleküle anlagert. Enthält die− phorylase, die durch Glukagon und Adrena−
se Kette acht Glukosereste kann die Glykogen− lin aktiviert wird.
synthetase den weiteren Aufbau der Kette über−
nehmen. Glykogenspeicherkrankheiten (Glykogenosen):
Als Glykogenspeicherkrankheiten werden erb−
Glykogenolyse (Glykogenabbau): s. Antwort liche Enzymdefekte des Glykogenstoffwechsels
zur Frage 16.3. Die Glukose−6−Phosphatase ist bezeichnet. Bis heute sind ca. 17 Defekte be−
ein Enzym der Glukoneogenese und kommt kannt; die meisten werden autosomal rezessiv
nur in Leber, Niere und Darm vor. Das Enzym vererbt. Alle führen zur Glykogenspeicherung
ist dort am glatten endoplasmatischen Retiku− in der Leber, manchmal auch im Skelettmuskel.
lum lokalisiert. Es sorgt für die Translokation Bei der häufigsten Form, der Glykogenspei−
von Glukose−6−Phosphat in das Lumen des en− cherkrankheit Typ I (Syn. Morbus von Gierke),
doplasmatische Retikulums. Dort erfolgt eben− liegt ein Defekt oder Mangel der Glukose−6−
falls durch dieses Enzym die Phosphatabspal− Phosphatase in Leber und Niere vor. Dadurch
tung von Glukose−6−Phosphat, so dass freie kann Glukose nicht ans Blut abgegeben werden,
Glukose entsteht. Diese kann dann die Zellen wodurch es zu Nüchtern−Hypoglykämien
verlassen und in das Blut abgegeben werden. kommt. Glukose−6−Phosphat staut sich zudem
Nur an den Verzweigungsstellen entsteht sofort in Leber und Nieren an und wird verstärkt zu
freie Glukose – auch in den anderen Geweben Glykogen aufgebaut und gespeichert. Dadurch
(z. B. Muskelgewebe). Dieser Anteil ist relativ kommt es zur Vergrößerung von Leber (Hepa−
gering. Diese anderen Gewebe können sich da− tomegalie) und Nieren (s. Antwort zur Frage
her nicht an der Regulation des Blutglukose− 16.4).
spiegels beteiligen und nutzen Glukose−6−

Ü Fall 16 Seite 16

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Die Therapie besteht aus einer Diät von meist
langsam resorbierbaren Kohlenhydraten (z. B. ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Vollkornprodukte, Kartoffeln), um den Blutglu−
kosespiegel der Patienten möglichst konstant Glukoneogenese
zu halten.

17 Transkription

17.1 Welche Funktion hat die Transkription? teins) halten die Transkriptionsblase offen
J Die Transkription ist der erste Schritt auf (vgl. Replikation Fall 60)
dem Weg vom Gen zum Protein. J Nur ein Strang der DNA−Doppelhelix, der
J Bei der Transkription wird von der geneti− sog. kodogene Strang, wird durch die RNA−
schen Information der DNA eine einzel− Polymerase II in 3’−5’−Richtung abgelesen
strängige Kopie (Messenger−RNA = mRNA) R RNA−Synthese erfolgt in 5’−3’−Richtung
angefertigt. Die mRNA kann den Zellkern (hierbei entsteht kurzzeitig eine Hybridhelix,
verlassen und die genetische Information ins die aus DNA und komplementärer RNA be−
Zytoplasma zu den Ribosomen transportie− steht).
126 ren, an denen die Proteinbiosynthese (Trans− J Die RNA−Polymerase II synthetisiert die RNA
lation, s. Fall 47) erfolgt. nicht aus Desoxyribonukleotiden, sondern
aus den Ribonukleosidtriphosphaten ATP,
17.2 Erläutern Sie den Ablauf der Transkrip− GTP, CTP und UTP unter Abspaltung von 2
Fall tion bei Eukaryonten zur Entstehung der hnRNA Phosphatresten.

17 (Prä−mRNA)!
Initiation (Einleitung):
Termination (Beendigung):
J So wie es eine Startstelle für die RNA−Poly−
J Der Initiation erfolgt an Startstellen, die vor merase II gibt, gibt es am Genende Stopp−
den proteinkodierenden DNA−Abschnitten signale für die RNA−Polymerase II.
(Gen) liegen. Diese Startstellen werden als J Die Termination für die RNA−Polymerase II ist
Promotoren bezeichnet. Wichtiges Element aber noch nicht genau geklärt.
des Promotors ist die TATA−Box, eine thy− J Die Region, in welcher die RNA−Polymerase II
min− und adeninreiche Region. die Transkription stoppt, kann relativ weit
J An den Promotor bindet sich die RNA−Poly− vom Gen entfernt sein.
merase II mittels Hilfsproteinen, sog. Tran− J Die entstandene mRNA ist noch nicht funkti−
skriptionsfaktoren (s. Kommentar). RNA−Po− onstüchtig und wird daher noch modifiziert
lymerase II und Transkriptionsfaktoren bilden (s. auch Antwort zur Frage 17.3):
den Initiationskomplex. – Während der Transkription (kotranskrip−
J Am Ende der Initiation wird die RNA−Polyme− tional) durch Capping und Polyadenylie−
rase II mehrfach phosphoryliert. rung zur Prä−mRNA oder hnRNA (hetero−
Elongation (Verlängerung): nukleäre RNA)
J Zerfall des Initiationskomplexes, da viele sei− – Und nach der Transkription (posttranskrip−
ner Bestandteile für die Elongation nicht be− tional) durch Spleißen zur reifen“ mRNA
nötigt werden
J Lokale Entwindung und Trennung der DNA− 17.3 Was geschieht während der Prozessier−
Doppelhelix durch eine Helikase, es bildet ung mit der hnRNA?
sich eine sog. Transkriptionsblase (also nur Prozessierung ist die Modifikation der mRNA im
in dem Bereich, in dem die RNA−Polymerase Zellkern, d. h. die unreife“ mRNA wird modifi−
arbeitet, ist die DNA−Doppelhelix entwunden ziert, damit diese als reife“ mRNA den Zellkern
und getrennt, davor und dahinter bildet sich verlassen und als Vorlage für die Proteinbiosyn−
wieder die DNA−Doppelhelix). these dienen kann. Zur Prozessierung gehören:
J Toposisomerasen reduzieren die Spannung in J Capping: Anhängen einer Cap−Struktur (am
der DNA und einzelstrangbindende Proteine N−Atom in Position 7 [N7] methylierter GTP−
(sog. SSB, engl. single strand binding pro− Rest) am 5’−Ende; wichtig für Initiation der

Ü Fall 17 Seite 17

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J Polyadenylierung: Anhängen einer Poly−A−
Sequenz (Poly−A−Schwanzes = 100–200 Ade−
nylatreste) am 3’−Ende; wichtig für Initiation
der Translation (Positionierung von mRNA
und Ribosom) und Schutz vor enzymati−
schem Abbau
J Spleißen: Entfernen der nichtkodierenden
Sequenzen (Introns) und Zusammenfügen
der kodierenden Sequenzen (Exons, Merke:
exprimiert Information) (s. auch Kommen−
tar).

17.4 Welche verschiedenen Typen von RNA


kennen Sie?
J mRNA (Messenger−RNA): dient an den Ribo−
somen als Vorlage für die Proteinbiosynthese
J tRNA (Transfer−RNA): liefert die Aminosäu−
ren für die Translation (s. Fall 47)
J rRNA (ribosomale RNA): Bestandteil der ri−
bosomalen Untereinheit 127
J snRNA (small nuclear RNA, kleine Kern−
RNA): Bestandteil des Spleißosoms, spielt ei−
ne Rolle beim Spleißen der hnRNA Fall
Transkription und Prozessierung der hnRNA
!!! 17.5 Wie wirkt Rifampicin? 17
Hemmt die RNA−Polymerase der Prokaryonten
Translation (Positionierung von mRNA und und damit deren Transkription und führt da−
Ribosom) und Schutz vor enzymatischem Ab− durch zum Tod der Prokaryonten
bau

Kommentar

Transkription: Die Transkription ist der erste J RNA−Polymerase III synthetisiert tRNA, ver−
Schritt auf dem Weg von der DNA zum Protein. schiedene snRNAs.
Ziel der Transkription ist die Herstellung einer
mRNA, die als Vorlage für die Proteinsynthese Transkriptionsfaktoren (TF): Hierbei handelt
während der Translation dient (s. Antwort zur es sich um große Proteine, die für die Bildung
Frage 17.1). Die Transkription kann in drei Pha− des Initiationskomplexes zu Beginn der Tran−
sen eingeteilt werden: Initiation, Elongation skription bei Eukaryonten eine große Bedeu−
und Termination (s. Antwort zur Frage 17.2). tung haben. Sie werden mit römischen Ziffern
Neben der mRNA entstehen in der Zelle auch versehen, die für die Polymerase steht, mit der
ständig die an der Translation beteiligten rRNA sie zusammenarbeiten (TF I bis III). Die Poly−
und tRNA und die am Spleißen beteiligte snRNA merase II arbeitet also mit den Transkriptions−
(s. auch Antwort zur Frage 17.4). Die verschie− faktoren II (TFII) zusammen. Außerdem werden
denen RNAs werden bei Eukaryonten durch noch Buchstaben vergeben, um die verschiede−
drei unterschiedliche RNA−Polymerasen gebil− nen Transkriptionsfaktoren spezifizieren zu
det: können (z. B. TFIID). TFIID ist einer der wichtig−
J RNA−Polymerase I synthetisiert rRNAs sten Transkriptionsfaktoren für die Einleitung
J RNA−Polymerase II synthetisiert hnRNA der Transkription. Er bindet mit einer seiner
(Vorläufer der mRNA = Prä−mRNA) und Untereinheiten, dem TATA−Bindeprotein (TBP),
Vorstufen von snRNA an die TATA−Box. Anschließend lagern sich wei−
tere Transkriptionsfaktoren an, worauf dann

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die Bindung der RNA−Polymerase II erfolgen im Bronchialsekret kann die Diagnose gestellt
und die Transkription endlich beginnen kann. werden. Die Standardtherapie der Tuberkulose
besteht in einer Kombination verschiedener
Spleißen: Hierunter versteht man das Heraus− Antibiotika über mindestens sechs Monate. Ei−
schneiden der nichtkodierenden Sequenzen nes dieser Antibiotika ist der Transkriptions−
(Introns) und Zusammenfügen der kodieren− hemmstoff Rifampicin. Er hemmt die RNA−Po−
den Sequenzen (Exons). Aus der unreifen“ lymerase der Prokaryonten und dadurch deren
hnRNA entsteht die reife“ mRNA. Dieser Vor− Transkription.
gang findet im Zellkern in einem sog. Spleißo−
som statt. Ein Spleißosom besteht aus snRNA Hemmstoffe der Transkription: Hierzu zählen
und mehreren Proteinen, es entstehen sog. Ri− Antibiotika wie Gyrasehemmer, Zytostatika so−
bonukleoproteinkomplexe (snRNP, snurps“). wie das Gift des Knollenblätterpilzes a−Amani−
Die snRNA erkennen die Intron−Exon−Übergän− tin.
ge und gehen Basenpaarungen mit den Introns Gyrasehemmer (z. B. Rifampicin) hemmen so−
der hnRNA ein. Introns und snRNA stülpen sich wohl Replikation (s. Fall 60) als auch Transkrip−
lassoförmig aus und können nun durch Nuklea− tion von Bakterien, da sie die bakterielle Gyrase
sen herausgeschnitten werden. (= Topoisomerase) hemmen. Diese wird für die
Bildung der Replikationsgabel und der Tran−
Tuberkulose: Die Tuberkulose (Tbc) ist eine In− skriptionsblase benötigt.
128 fektionskrankheit, die durch den Erreger Myco− a−Amanitin hemmt die Polymerasen II und III.
bacterium tuberculosis hervorgerufen wird. Die Vor allem die Hemmung der Transkription in
Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Leber− und Nierenzellen ist für das schwere
Fall Etwa sechs Wochen nach dem Erstkontakt mit Krankheitsbild verantwortlich. Es kann zu Le−
dem Erreger kann sich die Primärtuberkulose ber− und Nierenversagen kommen, welche töd−
18 entwickeln, die meist symptomlos verläuft. Bei lich enden können.
Patienten mit geschwächter Immunabwehr
(z. B. bei Alkoholmissbrauch, Diabetes mellitus,
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Mangelernährung) kann ein symptomatischer
Verlauf mit leicht erhöhter Körpertemperatur,
Regulation der Transkription bei Euka−
Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Husten be−
ryonten
obachtet werden (s. Fallbeispiel). Bei schwerem
Verlauf können die Erreger auf dem Blutweg
Rolle des alternativen Spleißens
(hämatogen) Organe wie Lunge (Lungentuber−
kulose), aber auch Leber, Milz, Knochen und
Transkription bei Prokaryonten
Nieren befallen (Miliartuberkulose). Anamnese,
Klinik und Röntgenbild der Lunge geben Hin−
Zytostatika, die die Transkription
weise, können eine Tuberkulose aber nicht be−
hemmen
weisen. Erst durch den Nachweis des Erregers

18 Atmungskette (oxidative Phosphorylierung)

18.1 Welche Funktion hat die Atmungskette? J ATP ist die Energiewährung“ der Zelle, ohne
J In der Atmungskette werden die reduzierten die der Zellstoffwechsel zum Erliegen
Koenzyme (sog. Reduktionsäquivalente) kommt.
NADH+H+ und FADH2 aus verschiedenen ka−
tabolen Stoffwechselwegen (s. Antwort zur
Frage 18.2) oxidiert, um über einen zwi−
schengeschalteten Protonengradienten ATP
aus ADP zu gewinnen.

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– Häm (in den Cytochromen), in dem Eisen
18.2 Nennen Sie wasserstoffliefernde Sub−
reduziert oder oxidiert werden kann
strate der Atmungskette! Woher stammen Sie
– Kupfer (Cu), welches reduziert oder oxi−
jeweils?
diert werden kann.
J Glykolyse R NADH+H+
J Pyruvatdehydrogenase−Reaktion R NADH+H+
18.4 Skizzieren Sie die Energiewandlung vom
J Zitratzyklus R NADH+H+ und FADH2
NADH+H+ bis zum ATP!
J b−Oxidation R NADH+H+ und FADH2
J NADH+H+ überträgt an Komplex I 2 Elektro−
nen (e−) in Form von Wasserstoff (H2) und
18.3 Erläutern Sie den Aufbau der Atmungs−
wird dabei zu NAD+ oxidiert.
kette!
J Komplex I überträgt die 2 e− (als H2) auf Ubi−
J Die Atmungskette besteht aus 5 Enzymkom−
chinon (CoQ).
plexen (Komplexe I–V) in der inneren Mito−
J Durch die bei diesen Redoxreaktionen frei−
chondrienmembran (IMM) und den Substra−
werdende Energie werden 4 Protonen (4 H+)
ten Ubichinon und Cytochrom c, die Was−
vom Matrix− in den Intermembranraum ge−
serstoff bzw. Elektronen zwischen den Kom−
pumpt.
plexen übertragen (s. Tab.).
J Ubichinon (CoQ) transportiert die 2 e− (als
J Die Komplexe enthalten Redoxsysteme als
H2) zum Komplex III
prosthetische Gruppen (s. auch Kommentar),
J Vom Komplex III werden die 2 e− (nun nicht
wie 129
mehr als H2, sondern als freie Elektronen)
– Flavoproteine (FAD, FMN), die Wasserstoff
auf Cytochrom c (Cyt c) übertragen.
aufnehmen können (FADH2, FMNH2)
J Durch die bei diesen Redoxreaktionen frei−
– Eisen−Schwefel−Zentren (FeS), in denen Ei−
werdende Energie werden 2 Protonen (2 H+) Fall
sen reduziert oder oxidiert werden kann
vom Matrix− in den Intermembranraum ge−
pumpt. Zusätzlich werden noch 2 H+ aus H2 18
(entweder aus NADH+H+ oder FADH2) in den
Bestandteile der Atmungskette
Intermembranraum gepumpt. (Insgesamt
Bestandteil der Funktion in der Prosthetische
werden also 4 H+ in den Intermembranraum
Atmungskette Atmungskette Gruppen
gepumpt.)
Komplex I (NADH− Elektronentrans− FMN FeS
Ubichinon−Oxido− port von J Cytochrom c (Cyt c) wird an Komplex IV oxi−
reduktase) NADH+H+ auf Ubi− diert, gibt also die 2 e− ab.
chinon
J Komplex IV überträgt 2 e− auf Sauerstoff (2 e−
Aufbau eines Pro−
tonengradienten + 1/2 O2 R O2−), die Sauerstoffionen reagie−
Komplex II (Succi− Elektronentrans− FAD FeS Häm ren sofort mit 2H+ zu Wasser (H2O).
nat−Ubichinon− port von Succinat (Cyt J In diesen Redoxreaktionen entsteht genü−
Oxidoreduktase = auf Ubichinon b)
Succinatdehydro− gend Energie, um 2 Protonen (2 H+) vom
genase des Zitrat− Matrix− in den Intermembranraum zu pum−
zyklus) pen.
Ubichinon (Koen− Elektronenüberträ− J Durch die Protonenpumpen in den Komple−
zym Q, CoQ) ger von Komplex I
und II auf III xen I, III und IV entsteht ein energiereicher
Komplex III (Ubi− Elektronentrans− FeS Häm Protonengradient über der inneren Mito−
hydrochinon−Cy− port von Ubichi− (Cyt chondrienmembran. Dies ist die treibende
tochrom−c−Oxido− non auf b,
Kraft für den Fluss der Protonen in den
reduktase) Cytochrom c Cyt
Aufbau eines Pro− c1) Matrixraum zurück. Da die innere Mitochon−
tonengradienten drienmmembran für H+ undurchlässig ist, ge−
Cytochrom c Elektronenüberträ− Häm schieht dies jedoch nur durch den Komplex
(Cyt c) ger von Komplex
III auf IV
V. Die dabei freiwerdende Energie wird ge−
nutzt, um eine energiereiche Säureanhydrid−
Komplex IV (Cy− Elektronentrans− Cu Häm
tochrom−c−Oxi− port von Cyto− (Cua, (Cyt bindung zwischen ADP und Phosphat zu
dase) chrom c auf Cub) a, knüpfen, so dass ATP im Matrixraum ent−
Sauerstoff Cyt
Aufbau eines Pro− a3) steht.
tonengradienten
Komplex V (F1−F0− ATP−Synthese
ATP−Synthase)

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J Austausch von ADP gegen ATP über einen
Adeninnukleotid−Transporter der inneren Mi−
tochodrienmembran (IMM) mit dem Zytosol
der Zelle
J In energieverbrauchenden Reaktionen der
Zelle (z. B. Na+/K+−ATPase) wird ATP zu ADP
gewandelt.

18.5 Wie wird durch Blausäure die Atmungs−


kette gehemmt?
J Die Cyanidionen (CN−) der Blausäure (HCN)
binden an das Fe3+ der Cytochrome der Cy−
tochrom−c−Oxidase (Komplex IV).
J Fe3+ kann dadurch kein Elektron (e−) mehr
aufnehmen und wird in der oxidierten Form
blockiert.
J Der Elektronenfluss ist unterbrochen, so
dass auch keine Protonen mehr in den Inter−
membranraum gepumpt werden.
130 J Der Verlust des Protonengradienten beendet
die ATP−Synthese, worauf ein zellulärer Ener−
giemangel auftritt, der zum Tod der Zelle
Fall führen kann.
Atmungskette (ÄMM = äußere Mitochondrienmembran,
18 IMM = innere Mitochondrienmembran, CoQ = Ubichinon,
Cyt c = Cytochrom c)

Kommentar

Energiegewinnung der Zellen: Zellen benötigen Hierbei werden die Elektronen der im Stoff−
ständig Energie in Form von ATP für ihren Stoff− wechsel entstandenen reduzierten Koenzyme
wechsel. Die Energiegewinnung kann (Reduktionsäquivalente) NADH+H+ und FADH2
J ohne Sauerstoff (anaerob) in der Glykolyse auf Sauerstoff übertragen. Sauerstoff wird da−
(anaerobe Glykolyse) durch reduziert (1/2 O2 R O2−) und reagiert mit
J oder mit Sauerstoff (aerob) in der Glykoly− Protonen (2H+) zu Wasser (H2O). Diese Reak−
se und der angeschlossenen Endoxidation tion entspricht formal der Knallgasreaktion.
(Pyruvatdehydrogenase−Reaktion, Zitrat− Damit in der Zelle diese explosive Reaktion
zyklus, Atmungskette) erfolgen. nicht stattfindet, wird die Oxidationsenergie
stufenweise durch verschiedene Redoxsysteme
Während die anaerobe Glykolyse nur 2 ATP
(Komplexe I, III und IV) in einen Protonengra−
pro Glukose−Molekül bereitstellt (s. Fall 27),
dienten gewandelt. Der Protonengradient er−
gewinnt die Zelle im aeroben Energiestoff−
möglicht am Komplex V die Synthese von
wechsel 32 ATP pro Glukose−Molekül (s. un−
ATP. Zur ATP−Synthese aus NADH+H+ s. Ant−
ten). Einigen Zellen wie den Erythrozyten
wort zur Frage 18.4. Alternativ kann ATP auch
reicht die anaerobe Glykolyse, um ihren Ener−
aus FADH2 gewonnen werden. Die Elektronen
giebedarf zu decken. Viele Zellen wie Nerven−
von FADH2 werden auf Ubichinon übertragen:
und Herzmuskelzellen benötigen weitaus
J von Komplex II, wenn die Elektronen des
mehr Energie und sind daher auf einen aero−
FADH2 von Succinat stammen. (cave: Der
ben Energiestoffwechsel angewiesen.
Komplex II ist nicht am Aufbau des Proto−
nengradienten beteiligt.)
Funktion und Ablauf der Atmungskette: Die At−
mungskette ist die Endstrecke des aeroben
Stoffwechsels und dient der ATP−Gewinnung.

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J durch ein elektronenübertragendes Flavo− atom (O bzw. 1/2 O2) bzw. gebildetem Wasser
protein (ETF), wenn die Elektronen des (H2O). Für NADH+H+ liegt er bei 2,5 (10 H+/4 H+
FADH2 aus der b−Oxidation stammen. = 2,5 ATP/NADH+H+) und für FADH2 bei 1,5 (6
H+/4 H+ = 1,5 ATP/FADH2).
Der weitere Ablauf entspricht dem bei Ant−
Aus den P/O−Quotienten lässt sich der kom−
wort zur Frage 18.4 dargestelltem: Ubichinon
plette ATP−Gewinn für die aerobe Oxidation
überträgt die Elektronen auf Komplex III usw.
von Glukose zu CO2 und H2O berechnen:
J Aerobe Glykolyse: 2 ATP + 2 NADH+H+
Bestandteile der Atmungskette: s. Antwort zur
(= 2 ATP + 2 * 2,5 ATP = 7 ATP)
Frage 18.3. Redoxreaktionen ermöglichen den
J + Pyruvatdehydrogenase−Reaktion:
Elektronentransport durch die Komplexe I–IV
2 NADH+H+ (= 2 * 2,5 ATP = 5 ATP)
bis zum Sauerstoff. Aufnahme (Reduktion) oder
J + Zitratzyklus = 2 GTP (=ATP) + 6 NADH+H+
Abgabe (Oxidation) von Wasserstoff (H2 = 2H+ +
+ 2 FADH2 (= 2 ATP + 6 * 2,5 ATP + 2 * 1,5
2 e−) bzw. einzelnen Elektronen (e−) würde die
ATP = 20 ATP)
Enzymproteine der Komplexe denaturieren
= 32 ATP.
und funktionell beeinträchtigen. Für diese Auf−
gabe enthalten die Komplexe Redoxsysteme als
Blausäurevergiftung: Blausäure kommt z. B. in
prosthetische Gruppen (FAD, FMN, Eisen−
Schädlingsbekämpfungsmitteln vor oder kann
Schwefel−Zentren, hämgebundenes Eisen in
bei Verbrennung von Kunststoffen entstehen.
den Cytochromen, Kupfer). Ein Redoxsystem 131
Blausäure riecht nach Bittermandeln. Die Cya−
kann durch Aufnahme oder Abgabe von Elek−
nidionen (CN−) der Blausäure (HCN) blockieren
tronen verschiedene Oxidationsstufen anneh−
die Atmungskette v. a. auf Stufe der Cytochrom−
men. Metallionen wie Eisen (Fe3+ [oxidiert] +
c−Oxidase (Komplex IV), indem sie sich an das Fall
1 e− R Fe2+ [reduziert]) und Kupfer (Cu2+/Cu3+)
dreiwertige Eisen im Häm der Cytochrome bin−
sind daher geeignete Redoxsysteme.
den (s. Antwort zur Frage 18.5). Die Atmungs− 18
kette und damit die Sauerstoffausschöpfung
Energiegewinn der Atmungskette: Pro Redukti−
aus dem Blut durch die Zellen sind gehemmt.
onsäquivalent (NADH+H+ oder FADH2) fließen
Daher behält das venöse, sonst eher dunkelrote
zwei Elektronen durch die Atmungskette, die
Blut die hellrote arterielle Farbe – der Patient
unter Wasserbildung (H2O) mit genau einem
sieht rosig aus. Es kommt zum sog. inneren
Sauerstoffatom (O bzw. 1/2 O2) reagieren. Ob−
Ersticken. Die Zellen des Nervengewebes sind
wohl also an der Atmungskette für ein
auf einen aeroben Energiestoffwechsel ange−
NADH+H+ oder ein FADH2 jeweils ein Molekül
wiesen und reagieren besonders empfindlich
H2O gebildet wird, unterscheiden sie sich im
auf den akuten zellulären Energiemangel. Ze−
Energiegewinn. Ursache ist, dass das Redoxpo−
rebrale Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit
tenzial der Komplexe von Komplex I nach Kom−
und letztendlich der Tod sind die Folge.
plex IV zunimmt, d. h. dass die Elektronen auch
Der Patient muss schnell aus dem Gefahrenbe−
nur in dieser Richtung transportiert werden
reich entfernt und mit Sauerstoff beatmet wer−
können. Daher kann FADH2 die Protonenpumpe
den sowie ein Gegengift (Antidot) erhalten.
in Komplex I nicht antreiben, so dass für die
beiden Reduktionsäquivalente unterschiedlich
viele Protonen über die innere Mitochondrien− ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
membran gepumpt werden: 10 H+ pro
NADH+H+ und 6 H+ pro FADH2. Elektrochemische Spannungsreihe
Um ein neues ATP zu bilden, müssen vier
Protonen aus dem Intermembranraum zurück Weitere Hemmstoffe der Atmungs−
in den Matrixraum fließen: drei Protonen, um kette
die ATP−Synthase anzutreiben, und ein Proton
für den elektroneutralen Transport von Phos− Entkopplung der Atmungskette durch
phat (Pi) (4H+ pro ATP). Thermogenin
Der P/O−Quotient beschreibt das Verhältnis
von ATP−Bildung zu verbrauchtem Sauerstoff−

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19 B−Lymphozyten (B−Zellen), Antikörper

19.1 Welche Funktionen haben B−Lymphozy− Domäne variabel (VH) ist und die anderen
ten? 3 konstant sind (CH1–CH3). Die schwere
Durch Aktivierung werden B−Lymphozyten in Kette bestimmt die Zugehörigkeit eines
Plasmazellen umgewandelt. Plasmazellen pro− Antikörpers zu einer Klasse (z. B. a R
duzieren Antikörper. IgA).
– Disulfidbrücken verbinden schwere Ketten
19.2 Was sind Antikörper? Wie sind sie auf− miteinander sowie schwere und leichte
gebaut? Ketten untereinander, so dass eine Y−
J Antikörper (Syn. Immunglobuline, Ig) sind förmige Konformation entsteht.
Glykoproteine, die als Monomere, Dimere – N−terminale Enden der leichten und
oder Pentamere vorliegen. schweren Ketten bilden zusammen die
J Aufbau eines Monomers: antigenbindende Region (Fab); sie zeigen
– Enthält 2 leichte Ketten (Light Chains, in ihrer Aminosäuresequenz eine hohe Va−
Abkürzung L), die in 2 Varianten (k, l) riabilität.
vorliegen können. Jeder Antikörper enthält – C−terminale Enden der leichten und
2 identische leichte Ketten (also nur schweren Ketten sind in ihrem Aufbau
132 k− oder nur l−Ketten). Die leichten Ketten konstant.
besitzen 2 Domänen, eine variable (VL) – Fc−Fragment (nur schwere Ketten) ist bei
und eine konstante Domäne (CL). allen Antikörpern einer Klasse gleich. Es
– Enthält 2 schwere Ketten (Heavy Chains, kann mit Makrophagen, Lymphozyten und
Fall Abkürzung H), die in 5 Hauptvarianten Komplementfaktoren reagieren.
19 (a, g, d, e, m) vorliegen können. Jeder An−
tikörper enthält 2 identische schwere Ket−
ten. Die schweren Ketten enthalten 4
Domänen, von denen die N−terminale

a – Struktur eines Immunglobulinmo−


leküls (Antikörpers); b – Immunglobu−
linklassen IgG, IgE, IgA und IgM (Die
Fc−Fragmente im IgA und IgM werden
durch ein Joining Peptide [J−Kette] mit−
einander verbunden.)

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19.3 Welche verschiedenen Antiko rperklas− J IgE: Monomer; Funktion: Aktivierung von
sen gibt es? Nennen Sie jeweils die wichtigsten Mastzellen/Granulozyten, Parasitenabwehr,
Merkmale und Funktionen! Beteiligung bei allergischen Reaktionen
J IgA: Dimer; Funktion: sekretorisches Im− J IgG: Monomer, plazentagängig; Funktion:
munglobulin auf Schleimhäuten, in Speichel, Opsonierung von Erregern, Stimulation der
Tränen zur lokalen Erregerabwehr; IgA ist in unspezifischen Abwehr (z. B. Komplement−
der Muttermilch enthalten. aktivierung)
J IgD: Monomer; Funktion: nicht genau be− J IgM: Pentamer; Funktion: Agglutination von
kannt, Beeinflussung der Lymphozytenfunk− Fremdzellen, Stimulation der unspezifischen
tion Immunabwehr (z. B. Komplementaktivierung)
Kommentar

B−Lymphozyten (B−Zellen): B−Lymphozyten bil− erkennen den Peptid−MHC−II−Komplex (s. Fall


den den humoralen (löslichen) Anteil der spe− 4). Sie sezernieren daraufhin Interleukin 4. Die−
zifischen Abwehr. Sie reifen im Knochenmark ses regt die B−Lymphozyten zur Proliferation
(engl. bone marrow) heran und differenzieren an. Sie differenzieren sich in Plasmazellen, die
sich in sekundär lymphatischen Organen (z. B. Antikörper produzieren, oder es entstehen Ge−
Milz, Lymphknoten). dächtniszellen. Bei erneutem Kontakt mit dem
B−Lymphozyten besitzen B−Zell−Rezeptoren gleichen Antigen ist dann eine schnellere und 133
(BZR), über die sie geringste Antigenmengen spezifischere Immunantwort möglich.
binden können. Der B−Zell−Rezeptor besteht
aus einem membranständigen Antikörper, der Antikörper: Antikörper (Syn. Immunglobuline)
mit Iga und Igb assoziiert ist. Iga und Igb ent− sind die humorale Fraktion der spezifischen Fall
sprechen dem CD3 des TZR−Komplexes (s. Fall
4). Im Gegensatz zu T−Lymphozyten sind B−
Abwehr. In der Elektrophorese (s. Fall 80) wan−
dern sie in der g−Fraktion, so dass sie auch als
19
Lymphozyten in der Lage, freie Antigene über g −Globuline bezeichnet werden. Alle Antikör−
ihren B−Zell−Rezeptor zu binden. An B−Zell−Re− per haben den gleichen Grundaufbau (s. Ant−
zeptoren gebundene Antigene können sich mit− wort zur Frage 19.2). Es existieren verschiedene
einander vernetzen. Dies ist der Auslöser, um B− Antikörperklassen, die unterschiedliche Funk−
Lymphozyten zu aktivieren. Das Antigen wird tionen erfüllen (s. Antwort zur Frage 19.3).
in den B−Lymphozyten aufgenommen und ver−
daut“. Die entstandenen Peptidfragmente wer− Kongenitale Agammaglobulinämie Typ Bru−
den zusammen mit MHC II auf der Oberfläche ton: Die kongenitale Agammaglobulinämie
der B−Lymphozyten den T−Helfer−Lymphozyten Typ Bruton wird X−chromosomal vererbt und
präsentiert. Passende T−Helfer−Lymphozyten tritt sehr selten auf. Aufgrund des X−chromoso−
malen Erbgangs erkranken fast nur Jungen.
Durch den Gendefekt wird die Reifung von
Prä−B−Lymphozyten zu funktionstüchtigen B−
Lymphozyten blockiert. Folge ist eine ein−
geschränkte oder fehlende Antikörpersynthe−
se. Es sind alle fünf Antikörperklassen betrof−
fen. Die ersten Symptome treten meist zwi−
schen dem 6. und 9. Lebensmonat auf, da bis
zu diesem Zeitpunkt der Antikörper−Nest−
schutz der Mutter andauert. Danach sind die
mütterlichen Antikörper weitgehend abgebaut.
Die Säuglinge werden durch wiederholte Infek−
tionen auffällig. Besonders häufig treten auf:
Mittelohrentzündung (Otitis media), Nasenne−
benhöhlenentzündung (Sinusitis), Bindehaut−
entzündung (Konjunktivitis), Rachenentzün−
Struktur des
B−Zell−Rezeptors dung (Pharyngitis), Lungenentzündung (Pneu−

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monie) und Gastroenteritis. Die Diagnose wird
anhand niedriger Konzentrationen von B−Lym− ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
phozyten und Antikörpern sowie durch Nach−
weis des Gendefekts gestellt. Die Behandlung Genetische Grundlagen der Anti−
besteht in einer lebenslangen intravenösen Ga− körpervielfalt
be von Immunglobulinen sowie frühzeitigen
antibiotischen Therapie von Infektionen. Sekretion von IgA

Monoklonale und polyklonale Antikör−


per

Antikörper als Laborwerkzeuge“

Nestschutz“

In welche Fragmente wird IgG durch


Behandlung mit Papain gespalten?

134
20 Weibliche Sexualhormone (Östrogene, Gestagene)

20.1 Welches Hormon wird beim Schwan− positive Rückkopplung um R FSH, LH stei−
Fall gerschaftstest (Stäbchentest) nachgewiesen? gen deutlich an.
Wo wird es gebildet? J Östrogenwirkung auf das Endometrium: Pro−
20 b−hCG (humanes Choriongonadotropin) wird liferation (Proliferationsphase)
nachgewiesen, es wird von der Blastozyste ge− J Östrogenwirkung auf den Zervixschleim: Ver−
bildet. flüssigung R erleichterte Spermienpassage
Ovulation (Eisprung, Zyklusmitte, 13./14.
20.2 Beschreiben Sie den Menstruationszyk− Tag):
lus! Erläutern Sie auch, wie sich die Konzentra− J Ovulation wird durch den starken LH−Anstieg
tionen der verschiedenen Hormone, das (LH−Peak) ausgelöst R LH fördert die Freiset−
Endometrium, der Zervixschleim und die zung hydrolytischer Enzyme, die für die Ovu−
Körpertemperatur während eines Menstrua− lation benötigt werden.
tionszyklus verändern! J LH führt zu einem Anstieg der Progesteron−
Follikelphase (1. Zyklushälfte, 6.–12. Tag): bildung.
J Unter GnRH−Einfluss Anstieg der Gonadotro− J Einblutung des im Ovar verbleibenden Folli−
pinspiegel (FSH, LH) kelrests und Umwandlung in Corpus luteum
J FSH stimuliert Granulosazellen des Follikel− (Gelbkörper)
epithels im Ovar und induziert dadurch die Lutealphase (Gelbkörperphase, 2. Zyklushälf−
Reifung von Follikeln (40–100), die gleichzei− te, 15.–28. Tag):
tig Östrogene produzieren. J Kurzfristiges Absinken des Östrogenspiegels
J Der anfangs noch niedrige Östrogenspiegel bis das Corpus luteum so weit entwickelt ist,
wirkt negativ rückkoppelnd auf die Gonado− dass es seine Hormonsynthese aufnimmt
tropinausschüttung R FSH, LH steigen nicht und Progesteron und Östrogene syntheti−
weiter an R das gebildete FSH reicht nur für siert.
den Follikel, der die meisten FSH−Rezeptoren J Hoher Progesteron− und mäßig hoher Östro−
präsentiert und sich im Verlauf zum domi− genspiegel wirken negativ rückkoppelnd auf
nanten Follikel (sog. Graaf−Follikel) entwik− LH und FSH R Absinken der FSH− und LH−
kelt, die übrigen Follikel gehen zugrunde. Spiegel.
J Je größer der Follikel wird, desto mehr J 14 Tage nach der Ovulation ist der LH−Spie−
Östrogene synthetisiert er; bei sehr hohem gel so weit abgesunken, dass das Corpus lu−
Östrogenspiegel schlägt die negative in eine teum untergeht R Einstellung der Hormon−

Ü Fall 20 Seite 20

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135

Fall
20

Menstruationszyklus

Ü Fall 20 Seite 20

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synthese mit Abfall der Östrogen− und Proge− – Steigerung der Tubenmotilität
steronspiegel. – Epithelproliferation in der Vagina
J Progesteronwirkung auf das Endometrium: J Synthese des Progesterons:
sekretorische Umwandlung (Sekretionspha− – Progesteron wird in den Granulosazellen
se), Einlagerung von Glykogen, Entwicklung des Ovars aus Pregnenolon gebildet
von Spiralarterien J Wirkungen des Progesterons (Schwanger−
J Progesteronwirkung auf den Zervixschleim: schaftschutzhormon“): Vorbereitung des
Verfestigung R erschwerte Spermien− oder Körpers auf eine Schwangerschaft und bei
Bakterienpassage Eintritt einer Schwangerschaft Schutz dieser
J Progesteronwirkung auf die Körpertempera− durch
tur: 1–2 Tage nach der Ovulation Erhöhung – Sekretorische Transformation des Endo−
der Basaltemperatur um 0,58C metriums, Erhalt des Endometriums
Menstruation (1.–5. Tag): – Verfestigung des Zervixschleims
J Abstoßen des Endometriums aufgrund des – Wachstum der Uterusmuskulatur
Östrogen− und Progesteronmangels (Des− – Hemmung der Uteruskontraktion
quamationsphase) R Menstruation (Hormo− – Entwicklung des Milchgangsystems der
nentzugsblutung“) Brustdrüsen
J Östrogen− und Progesteronmangel hebt ne− – Erhöhung der Basaltemperatur
gative Rückkopplung auf die Gonadotropine
136 auf R Zunahme der Gonadotropinausschüt− 20.4 Nennen Sie verschiedene Verhütungs−
tung R Zyklus beginnt erneut. methoden!
J Natürliche Methoden: Coitus interruptus,
Fall 20.3 Wie werden Östrogene und Progesteron rechnerische Ermittlung der fruchtbaren Zyk−
synthetisiert? Nennen Sie jeweils 5 Wirkungen lusphase (Knaus−Ogino−Methode), Beobach−
20 der Hormone! tung der Veränderungen des Zervixschleims
J Synthese der Östrogene (Östron, Ostra− (Billings−Methode), Beobachtung der Verä−
diol): nderung der Körpertemperatur (Basaltempe−
– Androgene sind Vorstufen der Östrogene. raturmethode)
– Theca−interna−Zellen bilden Androstendi− J Chemische Methoden: vaginale Spülung;
on, das in die Granulosazellen diffundiert. spermizide Substanzen in Form von Salben,
– Androstendion wird teilweise in Testoste− Cremes, Zäpfchen usw.
ron umgewandelt. J Mechanische Methoden: Kondom, Scheiden−
– Der Cytochrom−P450−Aromatase−Komplex diaphragma, Intrauterinpessar (Spirale“)
der Granulosazellen wandelt Androstendi− J Hormonelle Kontrazeptiva: Kombinations−
on (C19−Körper) in Östron (C18−Körper) präparate aus Östrogen und Gestagen (Pil−
und Testosteron (C19−Körper) in Östradiol le“, Mikropille“), niedrig dosierte Gesta−
(C18−Körper) um; dazu wird das Androgen genpräparate (Minipille“), Depotgestagene
demethyliert und der A−Ring aromatisiert. (Dreimonatsspritze“)
J Wirkungen der Östrogene: J Intrazeptiva: Tretragynon und Duofem
– Entwicklung/Reifung der primären (Uterus, (Morning−after−Pill“, Pille danach“)
Vagina, Ovarien, Tuben) und sekundären J Operative Methoden: Sterilisation (Tuben−
weiblichen (Mammae, Fettverteilung) Ge− koagulation bei der Frau, Vasektomie beim
schlechtsmerkmale Mann)
– Bremsung des Längenwachstums durch
Schluss der Epiphysenfugen 20.5 Wie funktionieren orale Kontrazeptiva
– Förderung der Osteoblastentätigkeit (Mikropille“)?
– Beeinflussung des Blutfettspiegels (LDLQ, Orale Kontrazeptiva (Mikropille“) enthalten
VLDLq, HDLq) Östrogene und Gestagene und wirken über ver−
– Erhöhung der Gerinnungsfähigkeit des schiedene Mechanismen empfängnisverhütend:
Blutes J Ovulationshemmung: Hemmung der Gona−
– Proliferation des Endometriums dotropinfreisetzung (FSH− und LH−Freiset−
– Förderung der Follikelreifung zung) über negative Rückkopplung durch
– Verflüssigung des Zervixschleims

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Östrogene und Gestagene; ohne FSH keine mitte zusätzlich Progesteron) ist für einen
Follikelreifung R kein befruchtungsfähiges Ei optimalen Endometriumaufbau für die Nida−
J Veränderung des Zervixschleims: Verfesti− tion (Eieinnistung) notwendig; gleichzeitige
gung des Zervixschleims durch Gestagene R Einnahme beider Hormone bedingt eine
erschwerte Spermienpassage Atrophie des Endometriums, so dass die Ni−
J Veränderung des Endometriums: sequen− dation erschwert ist
zielle Wirkung der Hormone beim Menstrua− J Veränderung der Tubenmotilität: Herabset−
tionszyklus (erst nur Östrogene, ab Zyklus− zung der Tubenmotilität und −sekretion

Kommentar

Menstruationszyklus: Zum Ablauf des Menst− muliert die FSH−Freisetzung und hemmt die
ruationszyklus s. Antwort zur Frage 20.2. Prolaktin−, ACTH− und GH−Freisetzung.
Die Regulation des Menstruationszyklus durch
die verschiedenen Hormone ist komplex: Im Östrogene und Gestagene: Östrogene und
Hypothalamus gebildetes GnRH fördert die Gestagene sind Steroidhormone, die im Ovar
Freisetzung der Gonadotropine FSH und LH. So− gebildet werden. Als Synthesevorstufe dient
wohl GnRH als auch die Gonadotropine werden Cholesterin. Östrogene und Gestagene werden
pulsatil freigesetzt. FSH und LH fördern die ins Blut abgegeben und an Proteine gebunden 137
Freisetzung der Sexualhormone, bei der Frau transportiert: Progesteron von Transkortin
Östrogene (v. a. Östradiol) und Gestagene (v. a. (Kortisol−Transportprotein), Östradiol vom tes−
Progesteron). Diese wiederum beeinflussen die tosteron−östradiol−bindendem Protein. Zu Syn−
GnRH− und Gonadotropinsekretion in Hypo− these und Wirkungen s. Antwort zur Frage 20.3. Fall
thalamus und Hypophyse: Östrogene stimulie−
ren die Freisetzung von GnRH aus dem Hypo− Schwangerschaftsverhütung (Kontrazeption):
20
thalamus und haben verschiedene Wirkungen Es existieren zahlreiche Methoden zur Schwan−
auf die Hypophyse: gerschaftsverhütung (s. Antwort zur Frage
J In der Follikelphase stimulieren niedrige 20.4). Die meist genutzte Verhütungsmethode
Östrogenkonzentrationen Synthese und in Deutschland ist die hormonelle Kontrazep−
Speicherung der Gonadotropine FSH und tion. Meist werden Kombinationspräparate aus
LH. Die FSH−Freisetzung wird durch Östro− Östrogenen und Gestagenen eingenommen
gene gehemmt, die LH−Freisetzung wird (Pille“, s. Antwort zur Frage 20.5).
kaum beeinflusst. Dadurch wird in der Hy−
pophyse ein Gonadotropin−Reservepool“
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
angelegt.
J Der hohe Östrogenspiegel am Ende der Fol−
Molekularer Wirkungsmechanismus
likelphase führt zu einem Kippen des nega−
der Östrogene und Gestagene
tiven Feedbacks zu einem positiven Feed−
back. Dadurch wird der Gonadotropin−Re−
Weg der Oozyte von der Befruchtung
servepool entleert, es kommt zu einem LH−
bis zur Einnistung der Blastozyste
und FSH−Peak. Der hohe LH−Spiegel führt
zur Auslösung der Ovulation.
Hormonelle Veränderungen in der
Einen Einfluss auf den Menstruationszyklus Schwangerschaft
haben auch die Proteine Inhibin, Follistatin
und Aktivin, die von den Granulosazellen des Kontrazeptiva für den Mann
Ovars gebildet werden. Inhibin und Follistatin
unterdrücken die FSH−Freisetzung. Aktivin sti−

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21 Vitamin B12 (Cobalamin)

21.1 Beschreiben Sie die Struktur des Vitamin 21.2 Welche Funktionen erfüllt Vitamin B12?
B12! J 5’Desoxyadenosylcobalamin ist Koenzym bei
J Beim Vitamin B12 (Syn. Cobalamin) befindet der intrazellulären Umlagerung von Alkyl−
sich ein Cobaltatom im Zentrum eines Cor− resten: beim Abbau ungeradzahliger Fettsäu−
rinrings; der Corrinring besteht aus vier Pyr− ren und einiger Aminosäuren (Valin, Methio−
rolringen (Tetrapyrrol). nin, Threonin, Isoleucin) entsteht Propionyl−
J Das Cobaltatom besitzt 6 Bindungsstellen: CoA, das über einige Zwischenschritte mit
– Mit 4 Bindungsstellen ist das Kobaltatom Hilfe von 5’Desoxyadenosylcobalamin zu Suc−
mit den Stickstoffatomen der Pyrrolringe cinyl−CoA umgebaut wird; Succinyl−CoA kann
verbunden dann in den Zitratzyklus eingespeist werden
– An der 5. Bindungsstelle befindet sich ein (s. Abb.)
5,6−Dimethylbenzimidazolribosid. J Methyltetrahydrofolsäure (Methyl−THF, Me−
– An der 6. Bindungsstelle (Rest) können thyl−FH4) überträgt seine Methylgruppe auf
verschiedene Substituenten gebunden Vitamin B12 (Cobalamin), es entstehen
werden: Tetrahydrofolsäure (THF) und Methylcobala−
Rest: 5’Desoxyadenosin R 5’Desoxyade− min; Methylcolbalamin ist Koenzym der
138 nosylcobalamin Methioninsynthetase und überträgt die
Rest: Methylrest R Methylcobalamin Methylgruppe auf Homocystein, so dass
Methionin entsteht und aus Methylcolbala−
min wieder Cobalamin wird (s. Abb.). Im
Fall Prinzip wird die Methylgruppe von der Me−
21 thyl−THF über Cobalamin an Homocystein
weitergereicht, so dass Methionin entsteht.

Struktur von Vitamin B12 Umwandlung von Homocystein in Methionin: Dabei gibt Me−
thyltetrahydrofolsäure (Methyl−THF) seine Methylgruppe an
Vitamin B12 (Cobalamin) weiter, es entstehen Tetrahy−
drofolsäure (THF) und Methylcolbalmin. Methylcolbalmin gibt
diese Methylgruppe an Homocystein weiter, so dass Methio−
nin entsteht. Aus Methylcolbalmin wird wieder Cobalamin.

Umwandlung von Proprionyl−CoA zu Succinyl−CoA in Anwesenheit von Vitamin B12 (Umwandlung von Propionyl−CoA mit
Hilfe des Koenzyms Biotin in D−Methyl−Malonyl−CoA R Überführung mit Hilfe einer Racemase in L−Methyl−Malonyl−CoA R
Isomerisierung mit Hilfe einer L−Methyl−Malonyl−CoA−Isomerase in Anwesenheit von Vitamin B12 in Succinyl−CoA R Ein−
speisung in den Zitratzyklus)

Ü Fall 21 Seite 21

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21.3 Wie wird Vitamin B12 vom Körper auf− 21.4 Was bedeuten die Erythrozytenindices
genommen? Warum ist dieser Prozess bei der MCH und MCV? Sind diese Werte bei Vitamin−
Patientin gestört? B12−Mangel erho ht, normal oder erniedrigt?
J Vitamin B12 wird auch als Extrinsic Factor J MCH (mean corpuscular hemoglobin): mittle−
bezeichnet. Die Resorption von Vitamin B12 re Hämoglobinmasse pro Erythrozyt (Hb−
findet nur nach Bindung an den Intrinsic Konzentration/Erythrozytenzahl)
Factor statt. Der Intrinsic Factor ist ein Gly− J MCV (mean corpuscular volume): durch−
koprotein, welches von den Parietalzellen schnittliches Volumen eines Erythrozyten
(Belegzellen) des Magens gebildet wird. Intri− (Hämatokrit/Erythrozytenzahl)
nsic und Extrinsic Factor bilden einen Kom− J MCH und MCV sind bei Vitamin−B12−Mangel
plex, der im terminalen Ileum aufgenom− erhöht (Begründung s. Kommentar).
men wird.
J Die Patientin bildet Antikörper gegen die Pa− 21.5 Erläutern Sie die Einteilung der Anämie−
rietalzellen des Magens, dadurch werden die formen nach MCH und MCV! Welche Anämie−
Parietalzellen zerstört, und der Intrinsic Fac− form liegt bei der Patientin vor?
tor kann nicht mehr gebildet werden. Fehlt J MCH Q, MCV Q = hypochrome mikrozy−
der Intrinsic Factor, kann Vitamin B12 nicht täre Anämie
mehr aufgenommen werden. Man spricht in J MCH q, MCV q = hyperchrome makrozy−
diesem Fall auch von perniziöser Anämie. täre Anämie
139
J MCH normal, MCV normal, Hämatokrit er−
niedrigt = normochrome normozytäre
Anämie
J Bei der Patientin sind MCH und MCV erhöht, Fall
es liegt eine hyperchrome makrozytäre
Anämie vor. 21
Kommentar

Vitamin B12: Zur Struktur s. Antwort zur Frage J Es ist Koenzym der Methioninsynthetase
21.1. Vitamin B12 wird wegen seines Cobalta− und liefert eine Methylgruppe, damit aus
toms und etlicher Aminogruppen auch als Co− Homocystein Methionin wird. Die Methyl−
balamin bezeichnet. Im klinischen Sprachge− gruppe erhält Cobalamin von der Folsäure.
brauch wird meist der Begriff Vitamin B12 ver−
wendet. Vitamin−B12−Mangel: Ursachen eines Vitamin−
Gebildet wird das wasserlösliche Vitamin B12 B12−Mangels können sein:
nur von Mikroorganismen und findet sich da− J Intrinsic−Factor−Mangel, z. B. infolge einer
her ausschließlich in tierischen Produkten (v. a. Antikörperbildung gegen die Parietalzellen
Eier, Leber, Milch). Vitamin B12 kann nur in des Magens (perniziöse Anämie, s. Antwort
Anwesenheit des Intrinsic Factors, der von zur Frage 21.3) oder Magenentfernung
den Parietalzellen des Magens gebildet wird, J Resorptionsstörung des Vitamin−B12−Intri−
im terminalen Ileum aufgenommen werden (s. nsic−Factor−Kompexes im terminalen Ileum,
Antwort zur Frage 21.3). Nach proteolytischer z. B. bei Erkrankungen oder Entfernung des
Abspaltung des Intrinsic Factors wird Vitamin terminalen Ileums
B12 ins Blut abgegeben. Als Transportprotein J Mangelernährung oder einseitige Ernäh−
steht Transcobalamin zur Verfügung. Gespei− rung.
chert wird Vitamin B12 in Leber (60 %) und Mus−
Da Vitamin−B12− und Folsäurestoffwechsel eng
kulatur (30 %). Vitamin B12 ist als Koenzym an
miteinander verknüpft sind (s. Antwort zur
zwei Stoffwechselreaktionen beteiligt (s. auch
Frage 21.2), führt ein Vitamin−B12−Mangel zu
Antwort zur Frage 21.2):
Störungen im Folsäurestoffwechsel: Bei Man−
J Es hilft der L−Methyl−Malonyl−CoA−Isomera−
gel an Vitamin B12 kann die Methylgruppe
se bei der Umwandlung von L−Methyl−Ma−
der Methyltetrahydrofolsäure (Methyl−TFH)
lonyl−CoA in Succinyl−CoA.
nicht in ausreichendem Maße auf Vitamin B12

Ü Fall 21 Seite 21

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übertragen werden. Dadurch entsteht aus Me− J gastroenterologische Symptome (Zungen−
thyltetrahydrofolsäure zu wenig Tetrahydro− brennen, Durchfälle)
folsäure (THF). Jedoch spielt nur die Tetrahyd− J und neurologische Symptome wie Sensibi−
rofolsäure bei weiteren Stoffwechselwegen im litätsstörungen (Kribbeln, Taubheitsgefühle
Körper eine Rolle, z. B. bei der Purin− und Thy− wie im Fallbeispiel) und Störungen der Tie−
midin− und damit der DNA−Synthese. Folglich fensensibilität (sog. funikuläre Myelose).
kommt es bei mangelnder Tetrahydrofolsäure−
bildung zu Störungen der DNA−Synthese. Be−
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
sonders betroffen sind davon sich schnell tei−
lende Zellen wie die Erythrozyten. Sie werden
Eisenmangelanämie
unzureichend gebildet. Um trotzdem einen ei−
nigermaßen ausreichenden Sauerstofftrans−
Berechnung der Erythrozytenparame−
port zu gewährleisten, werden die wenigen
ter MCV und MCH
gebildeten Erythrozyten so voll wie möglich
mit Hämoglobin gepackt. Die Erythrozyten
Folsäure
sind deshalb sehr groß (makrozytär, MCV er−
höht) und enthalten sehr viel Hämoglobin
Ursache für die neurologische Symp−
(hyperchrom, MCH erhöht). Es kommt zu ty−
tomatik bei Vitamin−B12−Mangel
pischen Anämiesymptomen wie Müdigkeit
140 und Abgeschlagenheit. Daneben sind für den
Vitamin−B12−Mangel typisch:

Fall
22 Lipide
22
22.1 Was sind Lipide? Geben Sie einen Über− bunden sind und häufig weitere Komponen−
blick über die verschiedenen Klassen! ten (z. B. Serin, Kohlenhydrate) enthalten
Lipide: Sammelbezeichnung für chemisch sehr – Wachse: bestehen aus 1 Fettsäurerest
verschiedene Stoffe. Allen gemein ist eine gute und langkettigem Alkohol
Löslichkeit in organischen (apolaren) Lösungs− – Fette und Öle: bestehen aus 1–3 Fettsäu−
mitteln wie Benzol (sog. Lipophilie) und reresten und Glyzerin, je nachdem, wie
schlechte Löslichkeit in Wasser (sog. Hydropho− viele OH−Gruppen des Glyzerins verestert
bie). sind, spricht man von Monoglyzerid, Di−
Es gibt verschiedene Einteilungsmöglichkeiten glyzerid und Triglyzerid (Triacylglyzerin)
für Lipide. Gängig ist die Einteilung in einfache, (s. Antwort zur Frage 22.3)
nicht durch Alkalibehandlung verseifbare (nicht− – Glyzerophospholipide: bestehen aus 2
hydrolysierbare) Lipide und zusammengesetzte, Fettsäureresten, Glyzerin−3−Phosphat und
durch Alkalibehandlung verseifbare (hydrolysier− einer weiteren Komponente, z. B. Cholin
bare) Lipide:
J Einfache (nichtverseifbare) Lipide:
– Fettsäuren: Monocarbonsäuren ab einer
Kettenlänge von 4 C−Atomen (s. Antwort
zur Frage 22.2)
– Isoprenderivate (sog. Isoprenoide): Ter−
pene (z. B. Vitamine A, E und K; Ubichi−
non, Dolichol) und Steroide (z. B. Vit−
amin D, Cholesterin, Steroidhormone, Gal−
lensäuren)
J Zusammengesetzte (verseifbare) Lipide:
enthalten immer 1–3 Fettsäurereste (Acylres−
te), die mit einem Alkohol (meist Glyzerin,
Glyzerin−3−Phosphat oder Sphingosin) ver−
Grundbausteine der Lipide

Ü Fall 22 Seite 22

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(= Phosphatidylcholin = Lecithin) (s. Fall 9) Kettenlänge von 4 C−Atomen die hydrophilen
– Sphingophospholipide (Sphingomyelin): Eigenschaften der Carboxylgruppe, daher
bestehen aus 1 Fettsäurerest, Sphingosin zählen Monocarbonsäuren erst ab einer Ket−
(= Geramid) und Phosphorylcholin tenlänge von 4 C−Atomen zu den Fettsäuren.
– Glykolipide: bestehen aus Geramid (= 1 J Fettsäuren lassen sich einteilen:
Fettsäurerest + Sphingosin) und Kohlenhy− – aufgrund ihrer Anzahl der C−Atome in un−
drat, z. B. Monosaccharid (= Zerebrosid), geradzahlige und geradzahlige Fettsäu−
Sulfomonosaccharid (= Sulfatid), komplexe ren
Kohlenhydrate (= Gangliosid) – aufgrund des Vorhandenseins von Doppel−
bindungen in der Kette in gesättigte (=
22.2 Beschreiben Sie Struktur und Einteilung keine Doppelbindungen), ungesättigte (=
von Fettsäuren! Welche Fettsäuren kennen Sie, eine Doppelbindung) oder mehrfach un−
und worin unterscheiden sich diese? gesättigte (= mehrere Doppelbindungen)
J Fettsäuren sind Monocarbonsäuren, d. h. sie Fettsäuren
enthalten eine hydrophile Carboxylgruppe – in essenzielle (= vom menschlichen
(−COOH) und eine hydrophobe Kohlenwas− Körper nicht selbst synthetisierte mehr−
serstoffkette. fach ungesättigte Fettsäuren) und nicht−
J Die hydrophoben Eigenschaften der Kohlen− essenzielle (= vom menschlichen Körper
wasserstoffkette übertreffen erst ab einer selbst synthetisierte) Fettsäuren
141

Wichtige Fettsäuren (FS)


Fall
Fettsäure Summenformel Struktur Bemerkung
Buttersäure C4H8O2 Kürzeste FS 22
Palmitinsäure C16H32O2 Häufige FS
Stearinsäure C18H36O2 Häufige FS
Ölsäure C18H34O2 Einfach ungesättigte FS
Linolsäure C18H32O2 2−fach ungesättigte FS,
essenziell
Linolensäure C18H30O2 3−fach ungesättigte FS,
essenziell
Arachidonsäure C20H32O2 4−fach ungesättigte FS, Syn−
these aus Linolsäure möglich,
Vorstufe der Prostaglandine

22.3 Zeichnen Sie ein Triglyzerid, und nennen J Im Körper dienen Triglyzeride als:
Sie Funktionen dieser Lipidklasse! – Energiespeicher
J Der 3−wertige Alkohol Glyzerin ist mit 3 – Kälteschutz (Unterhautfettgewebe)
Fettsäureresten (Acylresten) verestert – Gewebeersatz (Thymus, Knochenmark, pa−
(R Tri−acyl−glyzerin, Syn. Triglyzerid) thologisch: Leberverfettung)
– Baufett (Mamma, Nierenkapsel)

22.4 Erläutern Sie Aufbau und Vorkommen


der Glykolipide!
Aufbau:
J Glykolipide = Alkohol Sphingosin + Fettsäure
+ Kohlenhydrat
J Sphingosin ist mit der Fettsäure über eine
Amidbindung verbunden, es entsteht der
Grundbaustein der Glykolipide, das Ceramid.

Grundstruktur eines Triglyzerids

Ü Fall 22 Seite 22

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Glykolipide (a – Galaktozerebrosid; b – Gangliosid)
142

Verbindet sich Ceramid mit einem Kohlenhy− – Im Palmitylrest des Sphinganins wird zwi−
drat, entsteht ein Glykolipid: schen den C−Atomen 2 und 3 eine Dop−
Fall – Ceramid + Monosaccharid = Zerebrosid pelbindung eingeführt (FAD−abhängige
22 (z. B. Ceramid + Glukose = Glukozerebro− Dehydrierung). Es entsteht Sphingosin.
sid)
– Ceramid + Sulfomonosaccharid = Sulfatid
– Ceramid + komplexes Kohlenhydrat =
Gangliosid
Vorkommen:
J Bestandteil der extrazellulären Seite der Plas−
mamembran; dadurch geben sie den Zellen
ihre Spezifität.
J ZNS−Membranen enthalten hohe Konzentra−
tionen an Glykolipiden.

!!! 22.5 Beschreiben Sie die Biosynthese der


Sphingolipide!
J Zu den Sphingolipiden gehören Glykolipide
und Sphingophospholipide. Sie enthalten
den Grundbaustein Ceramid, der aus Sphin−
gosin und einer Fettsäure besteht. Die Syn−
these erfolgt im Lumen des endoplasmati−
schen Retikulums (ER) und Golgi−Apparat.
J Im ER:
– PALP−abhängige Zusammenlagerung von
aktivierter Palmitinsäure (Palmityl−CoA)
mit Serin; dabei wird von Serin CO2 abge−
spalten. Der doppelt gebundene Sauer−
stoff (der Säureamidbindung) am C−Atom
1 des Palmitylrests wird NADPH+H+−
abhängig zu einer OH−Gruppe reduziert.
Es entsteht Sphinganin.
Biosynthese des Sphingosins

Ü Fall 22 Seite 22

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– Durch Anlagerung einer aktivierten Fett− laktose) entstehen Glykolipide (z. B. Zereb−
säure (Acyl−CoA) an Sphingosin unter roside)
Ausbildung einer Amidbindung entsteht – Durch Verknüpfung von Ceramid mit akti−
Ceramid. viertem Cholin (CDP−Cholin) entsteht das
J Im Golgi−Apparat: Sphingophospholipid Sphingomyelin.
– Durch Verknüpfung von Ceramid mit akti−
vierten Monosacchariden (z. B. UDP−Ga−

Kommentar

Einteilung und Funktion der Lipide: Zur Defini− Gaucher−Zellen bewirken eine Vergrößerung
tion und Einteilung s. Antwort zur Frage 22.1. und Funktionsstörung der betroffenen Organe:
Lipide haben im Körper viele Funktionen: J Leber und Milz vergrößern sich (Hepato−
J Fettsäuren sind Bausteine zusammenge− splenomegalie).
setzter Lipide. J Die Blutbildung im Knochenmark wird ge−
J Isoprenderivate sind die lipophilen Vitami− stört. Es werden zu wenig Erythrozyten,
ne und Cholesterin. Cholesterin ist auch Leukozyten und Thrombozyten gebildet.
Bestandteil von Membranen und dient als Folgen sind Anämie mit Müdigkeit und Ab−
Synthesevorstufe der Steroidhormone und geschlagenheit sowie Infektanfälligkeit und 143
Gallensäuren sowie von Vitamin D. Blutgerinnungsstörungen (z. B. verstärkte
J Fette dienen als Energiespeicher, Kälte− Hämatombildung = blaue“ Flecken) (s.
schutz, Gewebeersatz und Baufett (s. Ant− Fallbeispiel).
wort zur Frage 22.2). J Es kommt zu Knochen− und Gelenkschmer− Fall
J Glyzerophospholipide sind Hauptbestand−
teil von Membranen (s. Fall 77), Bestandteil
zen und erhöhter Frakturgefahr.
22
Die Diagnose wird durch Nachweis von Gau−
von Mizellen und des Surfactants (s. Fall 9).
cher−Zellen im Knochenmark sowie eine ver−
J Sphingophospholipide sind Hauptbestand−
minderte Glukozerebrosidaseaktivität gestellt.
teil von Myelinscheiden des ZNS.
Die Erkrankung kann durch eine Enzymer−
J Glykolipide sind Bestandteil der extrazel−
satztherapie, bei der Glukozerebrosidase le−
lulären Seite der Plasmamembran und ge−
benslang intravenös verabreicht werden
ben dadurch den Zellen ihre Spezifität. Au−
muss, behandelt werden. Meist bessern sich
ßerdem finden sie sich verstärkt in Mem−
die Symptome unter dieser Therapie schnell.
branen von ZNS−Neuronen.

Morbus Gaucher: Der Morbus Gaucher ist die ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
häufigste angeborene Lipidspeicherkrankheit
(1:40 000) und wird autosomal rezessiv ver− Physikalisch−chemische Eigenschaften
erbt. Es liegt ein Mangel des Enzyms Glukoze− der Lipide (z. B. Amphiphilie)
rebrosidase vor. Dieses Enzym baut normaler−
weise Glukozerebrosid ab, indem es Glukose Gewebehormone (Prostaglandine,
von Glukozerebrosid abspaltet. Durch den En− Thromboxane und Leukotriene)
zymdefekt kommt es zur Ansammlung von
Glukozerebrosid in den für den Abbau zustän− Terpene
digen Zellen, den Makrophagen (sog. Gaucher−
Zellen) des retikuloendothelialen Systems Membranen (Aufbau)
(RES) von Leber, Milz und Knochenmark. Die
Fettsäuresynthese und −abbau

Ü Fall 22 Seite 22

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23 Häm−Biosynthese

23.1 Wo kommt Häm vor, und welche Aufga− !!! 23.4 Welches ist das geschwindigkeitsbes−
ben hat es? timmende Enzym? Wie erfolgt die Regulation
Häm kommt in Hämoproteinen als prostheti− konkret?
sche Gruppe vor. Es dient der Sauerstoff− und Pyridoxalphosphatabhängige (PALP−abhängige)
Elektronenübertragung. Hämoproteine und ih− d−Aminolävulinat−Synthase (d−Ala−Synthase)
re Funktionen sind:
J Hämoglobin ermöglicht den Sauerstofftrans−
port im Blut.
J Myoglobin kommt in hoher Konzentration in
den roten Muskelfasern vor. Als Sauerstoff−
speicher dient es dort dem effektiven aero−
ben Energiegewinn.
J Cytochrome, z. B.
– Cytochrom c der Atmungskette transpor−
tiert Elektronen. J Leber: Regulation über freien Häm−Pool
– Cytochrom P450 dient Hydroxylierungsre− – Allosterische Hemmung der d−Ala−Syntha−
144 aktionen, v. a. in der Biotransformation se bei Häm−Überschuss
der Leber und der Steroidhormon−Synthe− – Hämregulatorisches Element (Bindungs−
se von Nebennierenrinde und Gonaden. stelle am d−Ala−Synthase−Proenzym): Häm−
J Katalase und Peroxidase dienen dem Abbau Bindung hemmt den Transport des Proen−
Fall von H2O2. zyms ins Mitochondrium
23 – Repression der Neusynthese von d−Ala−
Synthase bei Häm−Überschuss
23.2 In welchen Geweben findet die Häm−
Biosynthese statt? – Induktion der d−Ala−Synthase bei Häm−
J 85 % in den Erythroblasten des Knochen− Mangel
marks J Erythroblast: Regulation durch Häm, Koordi−
J .10 % in der Leber nation mit Globinsynthese (Hämoglobin) und
J Rest: Häm der mitochondrialen Cytochrome Eisenangebot
wird von den meisten Zellen gebildet. – Hämregulatorisches Element (s. o.)
– Erythropoetin (EPO) induziert die Tran−
23.3 Nennen Sie alle Substrate der Häm− skription des d−Ala−Synthase−Gens, des
Biosynthese von den Ausgangsstoffen bis zum Ferrochelatase−Gens (zur Ferrochelatase s.
Häm! Kommentar) und auch der Globinketten−
gene
– Eisensensorisches Protein (ES−BP, zytosoli−
sche Aconitase): ES−BP befindet sich an
der mRNA der d−Ala−Synthase und hemmt
dadurch die Translation. Bei Eisenangebot
nimmt das ES−BP Eisen auf und bildet ein
Schwefel−Eisencluster. Dadurch ändert es
seine Konformation und dissoziiert von
der mRNA der d−Ala−Synthase ab. Nun
kann die Translation der d−Ala−Synthase
erfolgen.

Substrate der Häm−Biosynthese

Ü Fall 23 Seite 23

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Kommentar

Aufbau und Funktion des Häms: Häm gehört Protoporphyrinogen IX; hierbei werden zwei
zu den Porphyrinen. Porphyrine bestehen aus weitere Carboxylgruppen abgespalten. Eine
vier Pyrrolringen, die über Methinbrücken zu weitere Oxidase dehydriert Einfachbindungen
einem Tetrapyrrolsystem verbunden sind. Die− zu konjugierten Doppelbindungen und erzeugt
ser Tetrapyrrolring wird im folgenden modifi− so das Porphyrinsystem im Protoporphyrin IX.
ziert, d. h. weitere Doppelbindungen und Sei− Durch Einbau von zweiwertigem Eisen (Fe2+)
tenketten werden noch eingefügt. Durch die ko− stellt die Ferrochelatase das Häm fertig.

145

Bestandteile des Häms (Pyrrolring, Tetrapyrrolring) und Häm Fall

ordinative Bindung eines Eisenions (Fe2+) im Auch während der normalen Häm−Biosyn−
23
Zentrum des Ringsystems entsteht Häm. Häm these verlassen geringe Mengen der Porphy−
ist die prosthetische Gruppe der Hämoproteine. rin−Vorstufen (Uroporphyrinogen, Kopropor−
Hämoproteine können Sauerstoff binden oder phyrinogen) die Zelle und werden zu ihren Por−
durch ihr Redoxsystem (Fe2+/Fe3+) Elektronen phyrinen oxidiert. Die Ausscheidung des
übertragen (s. Antwort zur Frage 23.1). polaren Uroporphyrins III (8 Carboxylgruppen,
s. o.) erfolgt über den Urin, während weniger
Häm−Biosynthese: s. auch Antwort zur Frage polares Koproporphyrin III (4 Carboxylgruppen,
23.3 und Anhang. Die Häm−Biosynthese findet
in zwei Zellkompartimenten statt. Sie beginnt
und endet im Mitochondrium. Durch die d−Ami−
nolävulinat−Synthase werden Glycin und Succi−
nyl−CoA zu a−Amino−b−Ketoadipat kondensiert,
das spontan zu d−Aminolävulinat decarboxy−
liert. Zwei in das Zytosol transportierte d−Ami−
nolävulinat−Moleküle werden durch die Por−
phobilinogen−Synthase (PBG−Synthase) zum
Porphobilinogen (PBG) zusammenlagert. Por−
phobilinogen enthält einen Pyrrolring, zwei
Carboxylgruppen (Acetat− und Propionatrest)
und eine Aminogruppe als Strukturmerkmale.
Durch eine Desaminase und Isomerase entsteht
aus vier Porphobilinogen−Molekülen Uropor−
phyrinogen III, welches acht Carboxylgruppen
enthält. Eine Decarboxylase spaltet 4 Carboxyl−
gruppen ab und bildet das Koproporphyrino− Häm−Biosynthese sowie Enzymdefekt bei Porphyria cuta−
gen III, welches ins Mitochondrium transpor− nea tarda (PCT) und deren Auswirkung (d−Ala−Synthase =
d−Aminolävulinat−Synthase, PBG−Synthase = Porphobilino−
tiert wird. In einer Oxidase−Reaktion entsteht
gen−Synthase)

Ü Fall 23 Seite 23

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s. o.) zusätzlich über den Stuhl eliminiert wird nant vererbt, daneben gibt es noch erwor−
(kopro ,gr. Kot). bene Formen. Kommt es zum Ausbruch der
Erkrankung, so lässt sich dies in 70 % der
Porphyrien: Bei den Porphyrien handelt es sich Fälle auf einen jahrelangen Alkoholmiss−
um Defekte der verschiedenen Enzyme der brauch mit geschädigter Leber und weite−
Häm−Biosynthese. Die Enzym−Defekte können rer Abnahme der hepatischen Decarboxyla−
entweder angeboren (primär) oder durch se−Aktivität zurückführen (s. Fallbeispiel).
Schädigung des hämsynthetisierenden Gewe− Uroporphyrinogen III und nach Oxidation
bes erworben (sekundär) sein. Häufig liegt eine auch Uroporphyrin III reichern sich in den
Mischform vor, bei der ein primärer Aktivitäts− Leberzellen an und werden über den Blut−
mangel eines Enzyms erst durch eine sekundä− weg im Körper verteilt. Sie schädigen Le−
re Schädigung so verschlechtert wird, dass es berzellen und wirken in der Haut fotosen−
zur Porphyrie kommt. Durch den Abfall in der sibilisierend, d. h. dass die lichtexponierte
Häm−Produktion fällt die negative Feedback− Haut geschädigt wird und mit Hyperpig−
Hemmung auf die Schrittmacherreaktion d− mentierung, Blasen− und Narbenbildung
Ala−Synthase weg (s. Abb.). Dadurch kann der reagiert. Ursache hierfür ist, dass die farbi−
Häm−Mangel kompensiert werden, allerdings gen Porphyrine – im Gegensatz zu den Por−
häufen sich Zwischenprodukte (Porphyrin−Vor− phyrin−Vorstufen – ein konjugiertes Dop−
stufen und Porphyrine) an, die verschiedene pelbindungssystem enthalten, dass Licht im
146 klinische Symptome verursachen. Nach dem sichtbaren und im UV−A−Bereich absorbie−
Gewebe der Häm−Biosynthese (Leber oder ren kann. Die Porphyrine übertragen die
Erythroblasten), in dem der Enzymdefekt aus− Energie aus dem UV−A−Licht auf Sauerstoff,
Fall geprägt ist, teilt man die Porphyrien in hepati− der dann Membranen oxidiert und so die
sche und die selten auftretenden erythropoeti− Zellen angreift. Der erhöhte Porphyringe−
24 schen Formen ein. halt im 24−Stunden−Sammelurin ermög−
Von den hepatischen Porphyrien gibt es aku− licht die Diagnose der Erkrankung. Der
te und chronische Verlaufsformen: Körper versucht die drohende Anämie
J Reichern sich Porphyrin−Vorstufen an, so durch eine gesteigerte Erythropoese und
resultiert eine akute Porphyrie mit neuro− Eisenresorption zu kompensieren. Eine re−
logischer Symptomatik (Lähmungen, sultierende Eisenüberladung kann mit
Krampfanfälle). Der häufigste Vertreter die− Aderlässen behandelt werden. Die Progno−
ser Form ist die dominant vererbte akute se hängt von einer strikten Alkoholmei−
intermittierende Porphyrie mit einem dung und dem Schutz der Haut vor Son−
Mangel an Porphobilinogen−Desaminase. nenlicht ab.
J Reichern sich im Gegensatz dazu fertige
Porphyrine an, so entsteht eine chronische
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Porphyrie mit kutaner Symptomatik. Die
chronische hepatische Porphyrie (Porphyria
Akute intermittierende Porphyrie
cutanea tarda, PCT) aus dem Fall ist die
häufigste Porphyrie. Bei ihr liegt eine ver−
Eisenstoffwechsel
minderte Aktivität der Uroporphyrinogen−
Decarboxylase vor. Sie wird zu 50 % domi−

24 Aminosäuren

24.1 Nennen Sie Funktionen von Aminosäu− J Neurotransmitter (Glutamat, Aspartat, Gly−
ren! cin) oder Vorstufen von Neurotransmittern
J Bausteine der Peptide und Proteine (z. B. Glutamat als Vorstufe von GABA)
(s. Fall 3) J Vorstufen der Glukoneogenese
J Bausteine von Lipiden (z. B. Serin)

Ü Fall 24 Seite 24

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J Stickstoff− und Kohlenstoffdonatoren bei der 24.2 Was sind proteinogene Aminosa uren?
Purin− und Pyrimidinsynthese (s. Fälle 37 und Nennen Sie alle proteinogenen Aminosa uren!
55) Proteinogene Aminosäuren sind Aminosäuren,
J Vorstufen biogener Amine (s. Fall 62) die bei der Proteinbiosynthese in Proteine ein−
J Vorstufe der Hämbiosynthese (Glycin) gebaut werden. Es gibt 20 proteinogene Ami−
nosäuren (s. Abb.).
Machmal wird die Aminosäure Selenocystein als
21. proteinogene Aminosäure bezeichnet.

147

Fall
24

Ü Fall 24 Seite 24

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24.3 Was versteht man unter essenziellen alle Aminosäuren 4 verschiedene Reste am
Aminosa uren? Welche Aminosa uren geho ren zentralen a−C−Atom. Aus diesem Grund stellt
dazu? das a−C−Atom ein chirales Zentrum dar (Aus−
Essenzielle Aminosäuren kann der Mensch nicht nahme: Glycin). Dementsprechend können
selbst synthetisieren; sie müssen daher mit der die proteinogenen Aminosäuren als L− oder
Nahrung zugeführt werden. 8 der 20 Aminosäu− D−Enantiomere vorliegen. Die proteinogenen
ren sind essenziell, und zwar: Valin, Leucin, Iso− Aminosäuren liegen immer als L−Aminosäu−
leucin, Threonin, Tryptophan, Phenylalanin, Ly− ren vor.
sin, Methionin.

24.4 Aus welchem Grundgerüst sind die pro−


teinogenen Aminosäuren aufgebaut?
J Alle 20 proteinogenen Aminosäuren (bis auf
Prolin) besitzen das gleiche Grundgerüst mit
einem zentralem C−Atom, einer Aminogrup−
pe (Amino−) am zentralen C−Atom (bzw.
zweiten und damit a−C−Atom) sowie einer
Carboxylgruppe (−säure). Es handelt sich also
um Aminocarbonsäuren.
148
J Die Aminosäuren unterscheiden sich in ihrem
Rest (R). Mit Ausnahme des Glycins tragen Grundgerüst der L−Aminosäuren

Fall Kommentar
24
Proteinogene und nichtproteinogene Amino− 33); Homocystein, welches Zwischenpro−
säuren: Aminosäuren übernehmen im Körper dukt im Methioninstoffwechsel ist (s. Fall
viele Funktionen (s. Antwort zur Frage 24.1). 21); L−Dopa, welches Zwischenprodukt in
Zum Aufbau von Proteinen sind 20 Aminosäu− der Katecholaminbiosynthese ist (s. Fall 13)
ren erforderlich (sog. proteinogene Aminosäu− und b−Alanin, welches Bestandteil von
ren), von denen acht essenziell sind (s. Antwor− Coenzym A ist.
ten zu Fragen 24.2 und 24.3). Das Grundgerüst
der proteinogenen Aminosäuren ist immer Posttranslationale Modifizierung von Amino−
gleich (s. Antwort zur Frage 24.4). Die Eintei− säuren: Einige Peptide und Proteine werden
lung der proteinogenen Aminosäuren kann nach der Translation enzymatisch modifiziert
nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen, (sog. posttranslationale Modifizierung). Ort der
z. B. ob die Aminosäuren verzweigt oder aro− Modifikationen sind endoplasmatisches Reti−
matisch sind, eine Schwefelgruppe oder Hydro− kulum und Golgi−Apparat. Da die Carboxyl−
xygruppen enthalten. und Aminogruppen des Aminosäuregrundge−
Neben den proteinogenen Aminosäuren exis− rüsts fast vollständig in die Peptidbindungen
tieren nichtproteinogene Aminosäuren, die (s. Fall 3) eingebunden sind, betrifft die Modi−
nicht bei der Proteinbiosynthese verwendet fizierung v. a. die Aminosäuren mit polaren
werden, weil sie nicht im genetischen Code ab− Gruppen in den Seitenketten (z. B. Phosphory−
gebildet sind. Man unterscheidet zwischen lierung der OH−Gruppe von Serin, Threonin,
J nichtproteinogenen Aminosäuren, die aus Tyrosin; Glykosylierung der OH−Gruppen von
proteinogenen Aminosäuren durch post− Serin, Threonin).
translationale Modifizierung (s. u.) im Pro−
teinverband entstanden sind Künstliche Ernährung (Syn. parenterale Er−
J und nichtproteinogenen Aminosäuren, die nährung): Eine künstliche Ernährung ist dann
im Intermediärstoffwechsel auftreten und notwendig, wenn ein Mensch oral oder enteral
nicht in Proteine eingebaut werden. Hierzu nicht mit genügend Nahrung und Flüssigkeit
zählen z. B. Ornithin und Citrullin, die im versorgt werden kann. Ursachen hierfür kön−
Harnstoffzyklus eine Rolle spielen (s. Fall nen z. B. Bewusstlosigkeit (s. Fallbeispiel),

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– Keine Entzündungsreaktion (sauberer“
25.4 Wie unterscheidet sich die Apoptose von
Zelltod)
der Nekrose?
J Nekrose:
J Apoptose:
– Absterben mehrerer Zellen in einem Ge−
– Abtötung einzelner Zellen in einem Gewe−
webe
be
– Morphologische Zeichen: Zellschwellung,
– Morphologische Zeichen: Erhaltung der
Verlust der Membranintegrität, DNA−Ab−
Membranintegrität, Schrumpfung des Zell−
bau erst relativ spät
kerns, Chromatinkondensation, DNA−Frag−
– Häufig Entzündungsreaktion (schmutzi−
mentierung
ger“ Zelltod)
– Apoptotische Zellen werden von Makro−
phagen entsorgt

150

Fall
25

Unterschied zwischen Nekrose und Apoptose

Kommentar

Apoptose: Das Wort Apoptose stammt aus dem grammierten Zelltod sterben Zellen ab, die
Griechischen und bedeutet Herabfallen, wie et− nicht mehr gebraucht werden, oder die gefähr−
wa die Blätter im Herbst. Vergleicht man eine lich für den eigenen Körper sein könnten (s.
Kaulquappe mit einem Forsch, so fallen zwei Antwort zur Frage 25.1).
markante Unterschiede auf: Erstens hat der Auch bei der Entwicklung des Menschen spielt
Frosch längere Beine, und zweitens hat er kei− die Apoptose eine entscheidende Rolle. Das be−
nen Schwanz mehr. Die Zellen des Schwanzes trifft die Entwicklung der Organe in der Embryo−
sind sauber“ zugrunde gegangen, ohne eine nalentwicklung, die Ausdifferenzierung des Im−
Entzündungsreaktion hervorzurufen. Dies ist munsystems oder das Absterben überzählig an−
Kennzeichen der Apoptose. Durch den pro− gelegter Neurone. Selbst beim Erwachsenen

Ü Fall 25 Seite 25

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findet ständig Apoptose statt. So sterben täglich die sprachdominante Hirnhälfte betroffen ist –
Milliarden von Zellen in hochproliferativen Ge− eine zentrale Sprachstörung (Aphasie). Bei dem
weben wie dem Darmepithel ab. Patienten im Fallbeispiel befindet sich der
Apoptotische Signale können von außen oder Hirninfarkt links. Die sprachdominante Hirn−
von innen kommen (s. Antwort zur Frage 25.2). hälfte ist betroffen, und es kommt zu einer
Dadurch werden proteolytische Enzyme Sprachstörung. Kontralateral – in diesem Fall
(Caspasen) aktiviert, die die Apoptose einleiten. also rechts – ist der Körper gelähmt.
Moleküle, die die Struktur der Zelle aufrechter− Bei Verdacht auf Schlaganfall muss eine Com−
halten, werden dann durch Proteolyse zerstört. putertomographie (CT) des Schädels erfolgen.
Die Zerstörung betrifft beispielsweise das La− Anhand des CT lässt sich eine akute Hirnblu−
minin der Kernhülle. Durch Aktivierung von tung als Schlaganfallursache ausschließen oder
DNAsen (CAD, caspase activated DNAse) wird feststellen. Dies ist wichtig, weil sich die The−
die DNA in apoptotischen Zellen fragmentiert. rapie des Hirninfarkts von der Therapie der
Schließlich geht die Zelle schnell und sauber“ Hirnblutung unterscheidet.
zugrunde. Die Therapie umfasst beim Schlaganfall im−
mer Allgemeinmaßnahmen wie Sicherung der
Förderung und Hemmung von Apoptose: s. Vitalfunktionen (Herz−Kreislauffunktionen,
Antwort zur Frage 25.3. Eine wichtige Rolle Atmung). Bei Hirninfarkt werden zusätzlich ge−
spielt hierbei auch das Protein Trp 53, welches rinnungshemmende Substanzen (z. B. Acetylsa−
Produkt des Tumorsuppressorgens Trp 53 (alte licylsäure) eingesetzt. Auch kann versucht 151
Bezeichnung: p 53) ist (s. auch Fall 70). Bei werden, den Gefäßverschluss durch eine Lyse−
DNA−Schädigung wird dieses Protein verstärkt therapie zu beseitigen. Ziel aller Therapiemaß−
von der geschädigten Zelle produziert. Das Pro− nahmen ist es, die mangelversorgten Hirnzel− Fall
tein Trp 53 führt dann zum Stillstand des Zell− len der Penumbra zu retten und damit den Ver−
zyklus in der G1−Phase und wirkt außerdem als lust von Hirnsubstanz so gering wie möglich zu 25
Transkriptionsfaktor, der die verstärkte Her− halten.
stellung von apoptosefördernden Proteinen
(z. B. Bax) induziert. Bax leitet dann die Apop−
tose der geschädigten Zelle ein. Wenn das Pro−
tein Trp53 in seiner Funktion gestört ist, ist
auch die Induktion der Apoptose geschädigter
Zellen behindert. Da die geschädigten Zellen
dementsprechend nicht mehr zugrunde gehen,
ist eine Funktionsstörung von Trp 53 mit einer
erhöhten Krebsrate assoziiert.

Schlaganfall: Als Schlaganfall werden akute


Durchblutungsstörungen des Gehirns bezeich−
net, die zu einem Untergang von Hirnzellen füh−
ren. Ursache ist meist ein Gefäßverschluss, sel− Beim Hirninfarkt entsteht ein mit Sauerstoff und Substra−
tener eine Blutung. Durch den Gefäßverschluss ten unterversorgtes Areal mit Untergang der Hirnzellen (In−
wird das Gehirn in einem bestimmten Gebiet farktzone). Um diese Infarktzone liegt anfangs ein
mit Sauerstoff und Substraten unterversorgt mangelversorgtes Areal (Penumbra). Erfolgt keine Thera−
pie, sterben auch die Zellen der Penumbra ab. Durch The−
(zerebrale Ischämie). Es werden verschiedene rapiemaßnahmen kann dieses Gebiet gerettet werden.
Schädigungskaskaden in Gang gesetzt, die zum
Absterben von Hirnzellen in diesem Gebiet füh−
ren (Hirninfarkt). Um dieses Infarktgebiet liegt ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
anfangs ein mangelversorgtes Gebiet (Penum−
bra, lat. Halbschatten, s. Abb.). Erfolgt keine The− Bedeutung der Apoptose für die Ent−
rapie, sterben auch die Zellen der Penumbra ab. stehung der Immuntoleranz
Beim Schlaganfall tritt je nach Lokalisation
der Schädigung eine Lähmung der kontralate− Onkologische Bedeutung der Apop−
ralen Körperhälfte (Hemiparese) auf und – falls tose

Ü Fall 25 Seite 25

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26 Nukleinsäuren

26.1 Worum handelt es sich bei DNA? Was ist Stranges ein 3‘−OH−Ende frei R es entsteht
ihre Funktion? eine Polarität der DNA.
J DNA (Desoxyribonukleinsäure) enthält die J 2 Polynukleotidstränge entgegengesetzter
genetische Information (Erbgut) und kommt Polarität, d. h. der eine verläuft in 3−5−Rich−
in Zellkern und Mitochondrien vor. tung, der andere in 5−3−Richtung (= antipa−
J Sie kann identisch verdoppelt werden und rallel), winden sich in einer Doppelhelix um−
damit ihre genetische Information identisch einander, dabei paaren sich komplementäre
an ihre Tochterzellen weitergeben (Replikati− Basen miteinander (Adenin mit Thymin; Cy−
on, s. Fall 60). tosin mit Guanin).
J Sie enthält in verschlüsselter Form Informa− J Die Stabilisierung der Doppelhelix erfolgt
tionen für den Bauplan von Proteinen (Pro− durch Wasserstoffbrückenbindung zwischen
teinbiosynthese bzw. Translation, s. Fall 47). komplementären Basen:
– Adenin und Thymin bilden 2 Wasserstoff−
26.2 Wie ist die DNA aufgebaut? brücken aus (A=T)
J DNA besteht aus 2 Polynukleotidsträngen, – Cytosin und Guanin bilden 3 Wasserstoff−
die über Wasserstoffbrückenbindungen mit− brücken aus (C;G)
152 einander verbunden sind.
J Polynukleotide = viele aneinandergereihte
Nukleotide
J Aufbau eines DNA−Nukleotids (Desoxyribonu−
Fall kleotid):
26 – Base (Adenin [A], Guanin [G], Thymin [T],
Cytosin [C])
– Zucker (Desoxyribose)
– Phosphat
J Desoxyribonukleotide werden über 3,5−Phos−
phodiesterbindungen zu Polynukleo−
tidsträngen verknüpft; am Beginn des Stran−
ges liegt ein 5−Phosphatende, am Ende des Basenpaarung in der DNA

Aufbau der DNA

Ü Fall 26 Seite 26

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!!! 26.3 Nennen Sie einen wichtigen Mechanis− J Die saure und negativ geladene DNA ist an
mus der DNA−Scha digung durch UV−Strahlen! basische und positiv geladene Proteine (sog.
UV−Strahlung kann dazu führen, dass sich 2 auf Histone) gebunden. Dies ermöglicht eine
demselben Strang benachbarte Thyminbasen komprimierte Verpackung im Zellkern.
kovalent miteinander verbinden (Dimerisie− J Histone:
rung). Die Wasserstoffbrücken mit den gegenü− – Man unterscheidet 5 Histontypen (H1,
berliegenden Basen heben sich auf. Die Folgen H2A, H2B, H3, H4).
sind: – Sie besitzen einen hohen Anteil basischer
J Störung der Replikation (die genetische In− Aminosäuren (Arginin, Lysin).
formation kann nicht mehr identisch an die J Je 2 Moleküle H2A, H2B, H3 und H4 bilden
Tochterzellen weitergegeben werden) ein Histonoktamer, um das sich ein ca. 150
J Störung der Transkription (die genetische In− Basenpaar (bp) langer DNA−Abschnitt
formation kann nicht mehr auf eine RNA um− wickelt. Es entsteht ein Nukleosom.
geschrieben werden, die als Vorlage für die J Nukleosomen sind durch ca. 50 bp lange
Synthese der Proteine [Translation] dient) DNA−Verbindungsstücke (Linker−DNA) mitein−
J Strangbrüche der DNA. ander verknüpft, so dass ein Nukleosomen−
strang entsteht. An der Linker−DNA ist H1
26.4 Nennen und erläutern Sie DNA−Repara− angelagert.
turmechanismen! J Der Nukleosomenstrang ist spiralig aufgewik−
kelt, es entsteht die sog. 30 nm−Chromatin− 153
Reparatur von Basenschäden: Hier ist die Ba−
senfolge nur eines DNA−Stranges geschädigt, faser (Solenoid).
somit kann der intakte Strang als Vorlage für J Die 30 nm−Chromatinfaser wird durch Nicht−
den geschädigten Bereich dienen. Histonproteine (z. B. Enzyme der Replikation Fall
J Basenexzisionsreparatur: und Transkription, Steroidhormon−Rezeptor−
– Trennen der beschädigten Base durch eine komplexen) zu Chromatinschleifen gewun− 26
DNA−Glykosylase vom zugehörigen den.
Desoxyribosephosphat
– Herausschneiden des übriggebliebenen
Desoxyribosephosphats aus der DNA
durch eine Endonuklease
– Einbau des richtigen Nukleotids durch die
DNA−Polymerase anhand des als Vorlage
dienenden komplementären DNA−Strangs
– Verknüpfung des neuen Nukleotids durch
die DNA−Ligase mit der DNA
J Nukleotidexzisionsreparatur: erfolgt wie die
Basenexzisionsreparatur; Unterschiede:
– Eine DNA−Helikase und eine Nuklease
schneiden Nukleotidsequenzen aus 10–20
Nukleotiden aus der DNA.
– Base und Desoxyribosephosphat werden
nicht getrennt entfernt, sondern zusam−
men, also als Nukleotid.
J Korrekturlesen durch DNA−Polymerasen:
DNA−Polymerasen besitzen neben der Poly−
meraseaktivität auch 5’−3’−Exonukleaseakti−
vität, d. h. sie entfernen während der Synthe−
se des DNA−Stranges fehlerhaft eingebaute
Nukleotide und ersetzen sie durch die richti−
Aufbau des Chromatins
gen Nukleotide.
26.5 Stellen Sie Funktion und Aufbau des
Chromatins dar!

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J Als Chromatin bezeichnet man die DNA mit – Heterochromatin: hier ist die DNA stark
assoziierten Proteinen (Histone, Nicht−Histo− komprimiert und nur teilweise für die
ne). Man unterscheidet zwischen: Transkription zugänglich.
– Euchromatin: hier liegt die DNA dekom−
primiert vor und ist für die Transkription
zugänglich.

Kommentar

Bausteine und Einteilung der Nukleinsäuren: Für die Synthese der Nukleinsäuren werden die
Nukleinsäuren sind Polynukleotide, bestehen energiereichen Triphosphatformen der Nukleo−
also aus vielen aneinandergereihten Nukleoti− tide benötigt, d. h. ATP, GTP, UTP, TTP und CTP.
den. Nukleotide bestehen aus: Durch Abspaltung zweier Phosphatreste (Pyro−
J Base – entweder Purinbase (Adenin, Gua− phosphat) wird genügend Energie frei, um die
nin) oder Pyrimidinbase (Uracil, Thymin, Nukleotide miteinander zu verbinden. Dabei
Cytosin) wird das C−Atom 3 des Zuckers eines Nukleo−
J Zucker (Kohlenhydrat) – entweder Desoxy− tids mit dem Phosphat, das am C−Atom 5 des
ribose oder Ribose Zuckers des nächsten Nukleotids hängt, ver−
154 J Phosphat. bunden (verestert). Es entsteht eine 3,5−Phos−
phodiesterbindung.
Durch Verbindung der verschiedenen Basen
mit Zucker und Phosphat entstehen die Nuk−
leotide Adenosinmonophosphat (AMP), Gua−
Fall
nosinmonophosphat (GMP), Uridinmonophos−
26 phat (UMP), Thymidinmonophosphat (TMP)
und Cytidinmonophosphat (CMP).
Nach dem in den Nukleotiden enthaltenen
Kohlenhydrat unterscheidet man:
J Desoxyribonukleotide, die Desoxyribose
enthalten und Grundbausteine der Desoxy−
ribonukleinsäure (DNA) sind. Die DNA ist
Träger der genetischen Information (s. Ant−
worten zu Fragen 26.1 und 26.2). Die gene−
tische Information ist durch die Basense−
quenz kodiert, wobei drei Basen (Triplett)
für jeweils eine Aminosäure kodieren (sog.
genetischer Code, s. Fall 47).
J Ribonukleotide, die Ribose enthalten und
Grundbausteine der Ribonukleinsäure
(RNA) sind. Die RNA spielt eine Rolle bei Verknüpfung zweier Nukleotide bei der Synthese der
Transkription (s. Fall 17) und Translation (s. Nukleinsäuren
Fall 47). Im Gegensatz zur DNA enthält
RNA statt der Base Thymin die Base Uracil Struktur der DNA: s. Antwort zur Frage 26.2.
und ist einsträngig. Durch intramolekulare Die DNA besitzt wie die Proteine verschiedene
Wasserstoffbrückenbindung zwischen eini− Strukturen:
gen komplementären Basen kann die RNA Die Primärstruktur ergibt sich aus der Se−
an einigen Stellen auch als Doppelstrang“ quenz der Nukleotide bzw. Basen.
vorliegen; hierdurch bilden sich z. B. finger− Die Sekundärstruktur ergibt sich aus der Paa−
förmige oder kleeblattartige Strukturen. rung komplementärer Basen innerhalb des
Doppelstranges. Dabei werden Wasserstoff−
Synthese der Nukleinsäuren: Nukleinsäuren brückenbindungen zwischen den Basen Adenin
bestehen aus der Monophosphatform der Nuk− und Thymin (A=T) sowie zwischen den Basen
leotide (AMP, GMP, UMP, TMP, CMP, s. oben).

Ü Fall 26 Seite 26

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Guanin und Cytosin (C;G) ausgebildet. Eine Brückenbildung zwischen den DNA−Strängen
Purinbase wird somit immer mit einer Pyrimi− bewirken, die die Replikation hemmen.
dinbase gepaart. Das Verhältnis Purin zu Pyri− UV−Strahlung bewirkt die Bildung kovalen−
midin in der DNA beträgt somit 1:1. Aufgrund ter Bindungen zwischen benachbarten Pyrimi−
der festgelegten Basenpaarung legt die Basen− dinbasen (z. B. Dimerisierung von Thymin, s.
sequenz des einen DNA−Stranges die Basense− Antwort zur Frage 26.3). Dadurch werden Re−
quenz des anderen DNA−Stranges der DNA− plikation und Transkription gestört, d. h. falsche
Doppelhelix fest. Für die Ausprägung der Ba− Basen in die Tochterstränge oder die mRNA
senpaarung ist wichtig, dass die beiden Poly− eingebaut.
nukleotidstränge der DNA antiparallel, d. h. in Röntgenstrahlung gibt beim Eindringen in
gegensätzlicher Richtung verlaufen. die Zelle Energie ab. Dies kann z. B. zu DNA−
Die Tertiärstruktur ergibt sich aus der Anord− Strangbrüchen, Zerstörung von Basen und
nung aller Atome im Raum. Die DNA bildet eine Desoxyribosephosphat führen.
Doppelhelix, d. h. die beiden DNA−Stränge sind Um die DNA−Schäden zu beheben, stehen ei−
gegeneinander verdrillt. Die Doppelhelix ne Reihe von Reparaturmechanismen zur Ver−
kommt in vivo in zwei Konformationen vor: fügung (s. Antwort zur Frage 26.4). Können die
J Die DNA liegt in vivo größtenteils in der B− DNA−Schäden nicht mehr ausreichend repariert
Konformation vor. Hierbei ist die Doppel− werden, können Mutationen die Krebsentste−
helix rechtsgängig und die Basen sind an− hung begünstigen (s. Fall 70).
nähernd rechtwinklig zur Helixachse gesta− 155
pelt. Eine volle Helixwindung von 3608
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
enthält zehn Basenpaare und ist 3,4 nm
hoch. Zwischen den Strängen gibt es zwei Fall
Replikation, Transkription und Trans−
unterschiedlich breite Furchen. DNA−bin−
dende Proteine und Transkriptionsfaktoren
lation und deren Hemmstoffe
27
lagern sich v. a. an die besser zugänglichen
Nukleotidstoffwechsel
Basen im Bereich der großen Furche an.
J Ein sehr geringer Anteil der DNA liegt in
Zellzyklus
vivo in der Z−Konformation vor; die Dop−
pelhelix ist linksgängig, und es finden sich
Verschlüsselung der genetischen In−
zwölf Basenpaare pro Windung.
formation (sog. genetischer Code)
DNA−Schädigung und −Reparatur: Die DNA
Krebsentstehung
kann durch Einwirkung von chemischen Sub−
stanzen oder Strahlung geschädigt werden.
RNA (Typen, Aufgaben)
Zu den chemischen Substanzen gehören z. B.
alkylierende Verbindungen, die eine kovalente

27 Glykolyse

27.1 Erläutern Sie den Ablauf der Glykolyse! J Spaltung von Fruktose−1,6−Bisphosphat durch
J Phosporylierung von Glukose durch die He− die Aldolase A in die Triosen Glyzerin−
xokinase oder Glukokinase zu Glukose−6− aldehyd−3−Phosphat (GAP) und Dihydroxy−
Phosphat acetonphosphat (DAP) (über die Triosephos−
J Isomerisierung von Glukose−6−Phosphat phatisomerase−Reaktion können die beiden
durch eine Isomerase zu Fruktose−6−Phos− Triosen ineinander umgewandelt werden; im
phat folgenden wird nur Glyzerinaldehyd−3−Phos−
J Phosporylierung von Fruktose−6−Phosphat phat weiter abgebaut, so dass es aus dieser
durch die Phosphofruktokinase zu Fruktose− Reaktion gewonnen wird)
1,6−Bisphosphat J Oxidierung (Dehydrierung) von Glyzerinalde−
hyd−3−Phosphat durch die Glyzerinaldehyd−

Ü Fall 27 Seite 27

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Glykolyse (Intermediär wird zwischen dem Substrat Glyzerinaldehyd−3−Phosphat und dem Enzym Glyzerinaldehydphos−
156 phatdehydrogenase [GAPDH] ein Komplex gebildet.)

phosphatdehydrogenase (GAPDH) zu 1,3−Bis− J Aufgabe der Glykolyse: Bereitstellung von


Fall phosphoglyzerinsäure (1,3−BPG; Syn. 1,3− Energie in Form von ATP durch Substratket−
Bisphosphoglyzerat); dabei entsteht interme− tenphosphorylierung; läuft die Glykolyse ae−
27 diär ein energiereicher Thioester und H2 wird rob ab, wird zusätzlich NADH+H+ für die At−
auf NAD+ übertragen (R NADH+H+) mungskette bereitgestellt
J Übertragen eines Phosphatrestes von 1,3−Bis− J Bei der Substratkettenphosphorylierung wird
phosphoglyzerinsäure durch die Phosphogly− Phosphat an ein Substrat fixiert. Dadurch
zeratkinase auf ein ADP (R ATP); es entsteht entsteht eine energiereiche Bindung. So kann
3−Phosphoglyzerinsäure ATP aus ADP entstehen.
J Umwandlung von 3−Phosphoglyzerinsäure J Substratkettenphosphorylierungen der Glyko−
durch die Phosphoglyzeratmutase in 2−Phos− lyse:
phoglyzerinsäure – Phosphoglyzeratkinase−Reaktion
J Abspaltung von Wasser von der 2−Phospho− – Pyruvatkinase−Reaktion
glyzerinsäure durch die Enolase; es entsteht
Phosphoenolpyruvat 27.3 Wie wird die Glykolyse reguliert?
J Übertragen eines Phosphatrestes von Phos− Die Glykolyse wird an 3 Stellen reguliert:
phoenolpyruvat durch die Pyruvatkinase auf J Hexokinase/Glukokinase:
ein ADP (R ATP); es entsteht Pyruvat – Aktivierung durch Insulin
J Pyruvat kann abgebaut werden: – Hemmung der Hexokinase durch ihr Pro−
– aerob über Pyruvatdehydrogenase−Reak− dukt Glukose−6−Phosphat (cave: Die Glu−
tion, Zitratzyklus und Atmungskette zu kokinase wird nicht durch Glukose−6−Phos−
H2O und CO2 phat gehemmt).
– oder anaerob in der Laktatdehydrogena− J Phosphofruktokinase:
se−Reaktion zu Laktat (s. Kommentar) – Aktivierung durch Insulin, AMP, ADP
– Hemmung durch Zitrat und ATP
27.2 Welche Aufgabe hat die Glykolyse? Er− J Pyruvatkinase:
läutern Sie in diesem Zusammenhang auch den – Aktivierung durch Insulin, Fruktose−1,6−
Begriff Substratkettenphosphorylierung, und Bisphosphat
benennen Sie die entsprechenden Reaktionen in – Hemmung durch cAMP
der Glykolyse!

Ü Fall 27 Seite 27

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27.4 Welche Besonderheit gibt es bei der !!! 27.5 Warum fu  hrt ein Pyruvatkinase−Mangel
Glykolyse in den Erythrozyten? der Erythrozyten zu einer Auflo sung von Ery−
J Erythrozyten besitzen keine Mitochondrien. throzyten (Hamolyse)?
Daher können sie das in der Glykolyse ent− J Erythrozyten gewinnen ihre Energie (ATP)
standene NADH+H+ nicht in der Atmungsket− nur durch Glykolyse (kein Energiegewinn
te (in den Mitochondrien) wieder zu NAD+ durch die Atmungskette, da die Mitochon−
regenerieren. NAD+ wird aber für den Ablauf drien fehlen). Bei Pyruvatkinase−Mangel in
der Glykolyse in der GAPDH−Reaktion be− den Erythrozyten ist die ATP−Gewinnung nur
nötigt. Durch die Laktatdehydrogenase wird unzureichend.
Pyruvat zu Laktat reduziert und NADH+H+ J Durch den ATP−Mangel kann die Na+−K+−
zu NAD+ oxidiert (sog. anaerober Modus der ATPase in der Plasmamembran nicht mehr
Glykolyse, s. Kommentar). richtig arbeiten, dadurch wird der Kat−
J Im anaeroben Modus können eigentlich 2 ionengradient verändert, und es kommt zu
ATP pro Glukose gewonnen werden (s. Kom− osmotischen Wasserbewegungen zwischen
mentar). Dies ist beim Erythrozyten etwas Erythrozyten und Blutplasma. Die Zellen ver−
anders: Durch eine Mutase wird ein Teil der formen sich dadurch abnorm (sog. Stecha−
1,3−Bisphosphoglyzerinsäure (1,3−BPG) in pfelform bzw. Akanthozyten, s. Fallbeispiel).
2,3−Bisphosphoglyzerinsäure (2,3−BPG) um− Diese abnorm geformten Erythrozyten wer−
gewandelt. Das 2,3−BPG steht der ATP−Ge− den in der Milz verfrüht herausgefiltert und
157
winnung nicht mehr zur Verfügung, sondern abgebaut, können sich aber auch intravasal
hat die Funktion, das Hämoglobin−Molekül auflösen (Erythrozytenauflösung = Hämoly−
zu stabilisieren, um die Sauerstoffabgabe im se).
Gewebe zu verbessern. Somit werden im Ery− Fall
throzyten weniger als 2 ATP pro Glukose ge−
wonnen. 27
Kommentar

Glykolyse: In der Glykolyse wird Glukose zu Kommt es zu Sauerstoffmangel (z. B. im ar−


Pyruvat (aerober Modus) oder Laktat (anaero− beitenden Muskel) oder fehlen Mitochondrien
ber Modus) abgebaut (s. Antwort zur Frage 27.1 (z. B. in den Erythrozyten), so läuft die Energie−
und unten). Dabei wird in zwei Substratketten− gewinnung anaerob ab. Dies bedeutet, dass das
phosphorylierungen Energie in Form von ATP für die Glykolyse benötigte NADH+H+ nicht
gewonnen (s. Antwort zur Frage 27.2). Die Gly− über die Atmungskette (in den Mitochondrien)
kolyse läuft im Zytosol aller Körperzellen ab zu NAD+ regeneriert werden kann. Dies erfolgt
und kann an drei Enzymen reguliert werden daher durch die Laktatdehydrogenase−Reak−
(s. Antwort zur Frage 27.3). tion, bei der Pyruvat zu Laktat reduziert (hy−
driert) wird. Die Wasserstoffatome des
Aerober und anaerober Modus der Glykolyse: NADH+H+ werden auf Pyruvat übertragen,
Viele Gewebe können Pyruvat aus der Glyko− und damit wird NAD+ für die Glykolyse regene−
lyse durch die Stoffwechselwege der Endoxida− riert. Laktat kann in der Leber zu Glukose um−
tion (Pyruvatdehydrogenase−Reaktion, Zitrat− gewandelt werden (Clukoneogenese, Cori−Zy−
zyklus und Atmungskette) weiter zu CO2 und klus, s. Fall 59).
H2O umsetzen und so zusätzlich Energie ge−
winnen. Voraussetzung hierfür ist das Vorhan−
densein von Mitochondrien und Sauerstoff, oh−
ne den die Atmungskette nicht ablaufen würde.
Man bezeichnet daher diesen Modus der Ener−
giegewinnung als aerob. Dabei findet die Reo−
xidation von NADH+H+ zu NAD+ in der At−
Laktatdehydrogenase−Reaktion
mungskette statt.

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Energiebilanz von aerober und anaerober Gly− moglobin zustande. Durch den verstärkten Ery−
kolyse: Pro Glukosemolekül werden zuerst throzytenabbau steigt das Häm−Abbauprodukt
zwei ATP verbraucht (Hexokinase− und Phos− Bilirubin im Blut an und lagert sich u. a. in der
phofruktokinase−Reaktion). In den beiden Sub− Haut ab. Hieraus resultiert die gelbe Hautfarbe
stratkettenphosphorylierungen werden je ein (Ikterus). Die Milz vergrößert sich (Splenome−
ATP pro Triose gewonnen, d. h. insgesamt pro galie), da sie verstärkt die veränderten Erythro−
Glukose vier ATP. Die Energieausbeute der an− zyten abbaut. Die Laktatdehydrogenase (LDH)
aeroben Glykolyse beträgt somit zwei ATP pro als intrazelluläres Enzym wird aus den zerfal−
Glukose. lenden Erythrozyten freigesetzt und ist im Se−
Bei der aeroben Glykolyse schließt sich die rum erhöht. Um die Anämie zu kompensieren,
Atmungskette an, sodass hier insgesamt 32 ATP ist die Erythropoese verstärkt, d. h. die Retiku−
pro Glukose gewonnen werden (s. Fall 69). lozytenzahl erhöht. Eine kausale Therapie ist
nicht möglich. Bei sehr schwerwiegenden hä−
Pyruvatkinase−Mangel: Der Pyruvatkinase− molytischen Anämien sollte die Milz entfernt
Mangel ist selten, jedoch der häufigste angebo− werden.
rene Defekt der Glykolyse. Durch den Pyruvat−
kinase−Mangel liegt in den Erythrozyten ein
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Energiemangel (ATP−Mangel) vor. Daher
kommt es zu Formveränderungen der Erythro−
158 2,3−Bisphosphoglyzerinsäure bei der
zyten mit verfrühtem und verstärktem Abbau
Sauerstoffbindung
der Erythrozyten (Hämolyse, s. Antwort zur
Frage 27.5). Durch den Erythrozytenmangel
Laktat und Glukoneogenese
Fall liegt eine Anämie bzw. ein Sauerstoffmangel
in den Geweben vor. Dadurch sind die Patien−
28 ten schneller ermüdbar. Die Blässe kommt
Endoxidation: Pyruvatdehydrogenase−
Reaktion, Zitratzyklus, Atmungskette
durch den Mangel an rotem Blutfarbstoff Hä−

28 Parathormon, Kalzitonin, Kalzitriol

28.1 Wie lautet Ihre Verdachtsdiagnose? !!! 28.3 U  ber welche Mechanismen ha lt die Zelle
Hypoparathyreoidismus nach Schilddrüsenope− die niedrige 
intrazellulare Kalziumkonzentra−
ration. Wahrscheinlich wurden die Epithelkör− tion aufrecht?
perchen bei der OP versehentlich entfernt Transport von Kalzium aus dem Zytosol
(iatrogen). J in das endoplasmatische Retikulum durch
Ca2+−ATPasen
28.2 Welche Hormone regulieren den Kal− J in das Mitochondrium durch einen mitochon−
ziumhaushalt? Nennen Sie jeweils Syntheseort drialen Uniporter
und wichtige Funktionen! J in den Extrazellulärraum durch einen Na+−
s. Tab. S. 159 Ca2+−Austauscher; dieser nutzt einen durch
die Na+/K+−ATPase aufgebauten Na+−Gradien−
ten zum sekundär−aktiven Kalziumexport
J in den Extrazellulärraum durch in der Zell−
membran lokalisierte Ca2+−ATPasen

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Synthese(ort) und Wirkungen der Hormone des Kalziumhaushalts
Hormon Parathormon Kalzitonin Kalzitriol (Vitamin−D−Hormon)
Synthese(ort) Epithelkörperchen der Neben− C−Zellen der Schilddrüse Hydroxylierung von Vitamin D3 in
schilddrüsen Leber und Niere
Wirkungen auf q Q q
Serum−
Kalziumspiegel
Wirkungen auf Mobilisation von Kalzium und Fo
rderung des Kalziumeinbaus, Mineralisation durch
Knochen Phosphat durch Aktivierung von Hemmung der Osteoklasten Osteoblastenaktivierung
Osteoklasten und Proteasen
Wirkungen in Fo
rderung der Kalziumru ckre− Fo
rderung der Kalzium− Förderung der Kalzium− und
der Niere sorption und Phospatausscheidung Phosphatrückresorption
Fo
rderung der Phosphatausschei−
dung
Fo
rderung der Kalzitriolsynthese
Wirkungen im Förderung der Kalziumresorption Verminderte Kalziumresorption Förderung der Kalziumresorption
Darm durch Verlangsamung der intesti− durch Steigerung der Synthese
nalen Motilita
t einer Ca2+−ATPase und eines kal−
ziumbindenden Proteins

159

Kommentar

Kalziumbestand im Körper: Der menschliche Regulation des Kalziumhaushalts: An der Regu− Fall
Körper enthält ca. 1 kg (ca. 25 mmol) Kalzium.
99 % davon sind in Form von Hydroxylapatit
lation des Serumkalziumspiegels sind Parat−
hormon, Kalzitriol (Vitamin−D−Hormon) und
28
(Ca10[PO4]6[OH]2) im Knochen gebunden. Nur Kalzitonin beteiligt, die sich auch gegenseitig
etwa 1 % des Kalziums befindet sich im Plasma, beeinflussen (s. auch Antwort zur Frage 28.2).
davon sind: Parathormon (PTH) ist ein Peptid aus 84
J 45 % ungebunden (frei“) Aminosäuren und wird in den Epithelkörper−
J 40 % an Plasmaproteine (v. a. Albumin) ge− chen der Nebenschilddrüse gebildet. Die Zellen
bunden der Epithelkörperchen messen“ den Kalzium−
J 15 % als löslicher Komplex mit anorgani− spiegel über einen G−proteingekoppelten Kalzi−
schen Anionen (z. B. Phosphat, Sulfat, umrezeptor in der Membran. Bei abfallendem
Zitrat) gebunden. Kalziumspiegel wird Parathormon synthetisiert
und ausgeschüttet, um den Kalziumspiegel
Bedeutung von Kalzium: Kalzium spielt bei vie− wieder zu erhöhen. An den Zielzellen löst Pa−
len Körperfunktionen eine wichtige Rolle. So ist rathormon eine cAMP−gekoppelte Kaskade aus
es beispielsweise an der Muskelkontraktion be− und führt zu einer Osteoklastenaktivierung und
teiligt, Knochenbestandteil, intrazellulärer damit Kalziummobilisation aus dem Knochen
Transmitter (Second Messenger), hat eine sta− sowie einer Kalziumabsorption in Darm und
bilisierende Wirkung auf Membranen und ist Niere. Der Kalziumspiegel kann so schnell an−
Kofaktor bei der Blutgerinnung. Kalzium wirkt gehoben werden, allerdings erfolgt dies v. a. auf
dabei oft als Signalstoff. Schon geringe Verän− Kosten der Knochenmasse. Um eine langfristige
derungen der Kalziumkonzentration würden Demineralisation des Knochens zu verhindern,
daher verschiedene Signalkaskaden erheblich stimuliert Parathormon gleichzeitig die Syn−
beeinflussen. Bei stark schwankenden Kalzi− these von Kalzitriol. Dazu aktiviert es die 1a−
umspiegeln wären häufig keine geordneten Hydroxylase in den Nierentubuli. Dieses Enzym
Körperfunktionen möglich, daher wird der Se− katalysiert die letzte Hydroxylierung von 25−
rumkalziumspiegel in engen Grenzen zwischen Hydroxycholekalziferol zu 1,25−Dihydroxycho−
2,2 und 2,6 mmol/l konstant gehalten. lekalziferol (= Kalzitriol) (s. Fall 2).
Kalzitonin wird von den parafollikulären Zel−
len (C−Zellen) der Schilddrüse gebildet und be−

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steht aus 32 Aminosäuren mit einer N−terminal wird Kalzium durch verschiedene Mechanis−
gelegenen Disulfidbrücke. Es wird aus einem men wieder in intrazelluläre Organellen oder
136 Aminosäuren großen Präkursor freigesetzt. den Extrazellulärraum transportiert (s. Ant−
Kalzitonin ist der Gegenspieler des Parathor− wort zur Frage 28.4).
mons und wird bei Anstieg des Serum−Kalzium−
spiegels freigesetzt. Es fördert den Einbau von Hypokalzämie: Eine Hypokalzämie liegt bei ei−
Kalzium in den Knochen und hemmt die Osteo− nem Serum−Kalzium von unter 2,2 mmol/l
klastenaktivität. Gleichzeitig verringert es die (Norm 2,2–2,6 mmol/l) vor. Ursachen können
Kalziumabsorption aus Darm und Nieren. beispielsweise sein:
Kalzitriol (s. auch Fall 2) bewirkt eine erneute J Störungen der Resorption von Nahrungsbe−
Mineralisation des Knochens, indem es die Kal− standteilen (Malabsorption)
ziumabsorption aus dem Dünndarm fördert. J Vitamin−D−Stoffwechselstörungen (meist
Der daraus resultierende Anstieg der Kalzium− bei Niereninsuffizienz)
konzentration im Blut führt zu einer Unterdrü− J Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hy−
ckung der Parathormonsekretion. Dadurch poparathyreoidismus), z. B. durch verse−
wird die Osteoklastenaktivität gehemmt, die hentliche Entfernung der Nebenschilddrü−
Osteoblastenaktivität gefördert, und es wird sen bei einer Schilddrüsenoperation (s.
Kalzium in Form von Hydroxylapatit in den Fallbeispiel)
Knochen eingelagert. Da für den Knochenauf− J Einnahme bestimmter Medikamente (z. B.
160 bau auch Phosphat benötigt wird, stimuliert Schleifendiuretika), die einen Kalziumver−
Kalzitriol gleichzeitig die Phosphatresorption lust bedingen können.
im Darm. In der Niere steigert Kalzitriol zusätz−
Die klinisch bedeutsamste Auswirkung der
Fall lich die Kalzium− und Phosphatresorption.
Hypokalzämie ist die gesteigerte Erregbarkeit

29 Kalziumhaushalt der Zelle: Durch eine schnelle


von Muskeln und Nervensystem. Es kommt
zu Symptomen wie gesteigerte Reflexbereit−
Erhöhung der intrazellulären Kalziumkonzent−
schaft (Hyperreflexie) bis hin zu Tetanie,
ration werden häufig Zellen aktiviert. Dazu
Krampfanfällen, Herzrhythmusstörungen,
steigt die Konzentration von Kalzium im Zyto−
Missempfindungen (Parästhesien). Chvostek−
sol kurzzeitig von 10−7 auf 10−5mol/l an. Betei−
und Trousseau−Zeichen sind bei Hypokalz−
ligt daran sind
ämie meist positiv (s. Fallbeispiel).
J ligandenaktivierbare und spannungsabhän−
gige Kalziumkanäle, die in der Zellmemb−
ran lokalisiert sind und Kalzium aus dem ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Extrazellulärraum in das Zytosol einströ−
men lassen. Rachitis
J IP3−aktivierbare und ligandenaktivierbare
Kalziumkanäle, die in der Membran des Ursachen und Symptome der Hyper−
endoplasmatischen Retikulums liegen und kalzämie
aus dem endoplasmatischen Retikulum
Kalzium in das Zytosol einströmen lassen. Phosphathaushalt
Um die Zelle in den Ruhezustand zurück zu
versetzen und diesen aufrecht zu erhalten,

29 Primäre Hämostase

29.1 Erläutern Sie kurz die Phasen der Hämo− zytenthrombus (s. Antworten zu Fragen 29.4
stase! und 29.5)
J Primäre Hämostase: temporärer Blutungs− J Sekundäre Hämostase (Syn. plasmatische
stillstand innerhalb von Sekunden bis Minu− Gerinnung, Blutgerinnung): dauerhafter
ten durch Gefäßkontraktion und Thrombozy− Verschluss der Blutungsquelle durch plasma−
tenaggregation mit Bildung eines Thrombo− tische Gerinnung mit Stabilisierung des

Ü Fall 29 Seite 29

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Thrombozytenthrombus durch Fibrin. Unter− 29.5 Erla utern Sie die Thrombozytenreaktion
teilt sich in extrinsisches und intrinsisches Sy− ren Ha
der prima mostase!
stem (s. Fall 56). J Thrombozytenadhäsion:
– Bei einem Endotheldefekt wird subendo−
29.2 Nennen Sie Laborparameter, mit denen theliale Matrix (Kollagen, Fibronektin) frei−
die verschiedenen an der Hämostase beteiligten gelegt. An diese heften sich Thrombozy−
Systeme getestet werden können! ten mit Hilfe ihrer GPIb/IX−Rezeptoren
J Thrombozytenzahl: Maß für die Anzahl funk− (vWF−Rezeptoren).
tionstüchtiger Thrombozyten (Norm – Dabei wird durch den von−Willebrand−Fak−
150 000–450 000/ml) tor (vWF) eine stabile Brücke zwischen
J Blutungszeit: globales Maß für die primäre dem Kollagen und dem GPIb/IX−Rezepto−
Hämostase (Norm 2–3 min) ren der Thrombozyten gebildet.
J Quick−Test (Thromboplastinzeit): Testung J Thrombozytenaktivierung und −sekretion:
des extrinsischen Systems (Norm .70 %; zur – Durch verschiedene Stimuli (sog.
besseren Vergleichbarkeit gibt man die Plättchenstimuli, Plättchenagonisten), z. B.
Thromboplastinzeit zunehmend als standar− Kollagen, Thrombin, ADP, werden dann
disierte INR [international normalized ratio] die Thrombozyten aktiviert.
an, Norm 1,0)
J aPTT (aktivierte partielle Thromboplastin−
zeit): Testung des intrinsischen Systems 161
(Norm 40 s)

29.3 Welcher Teil oder welche Teile des Ge− Fall


rinnungssystems sind bei dem Mädchen nicht
richtig funktionstüchtig? Begründen Sie! 29
J Störung der primären Hämostase; Begrün−
dung:
– Blutungszeit – als Maß für die primäre
Hämostase – ist deutlich verlängert
– von−Willebrand−Faktor (vWF) – beteiligt
an der Thrombozytenreaktion bei der
primären Hämostase (s. Antwort zur Frage
29.5) – ist vermindert
J Störung des intrinsischen Systems der se−
kundären Hämostase; Begründung:
– aPTT – als Maß für das intrinsische Sys−
tem – ist verlängert
– Faktor VIII (antihämophiler Faktor A) – als
Bestandteil des intrinsischen Wegs (s. Fall
56) – ist vermindert

29.4 Beschreiben Sie die Gefäßreaktion der


primären Hämostase!
J Aus der verletzten Gefäßwand und den
Thrombozyten werden vasokonstriktorische
Substanzen (Serotonin, Katecholamine) frei−
gesetzt R dies führt zur reflektorischen Ge−
fäßkontraktion für ca. 60 s.
J Der verringerte Blutstrom verbessert die Be−
dingungen für Thrombozytenaggregation
und plasmatische Gerinnung.

Thrombozytenreaktion der primären Hämostase

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– Nach Aktivierung verändern die Thrombo− !!! 29.6 Wie funktionieren Thrombozytenaggre−
zyten ihre Form und entleeren in einer gationshemmer?
Freisetzungsreaktion aus ihren Granula Es gibt verschiedene Thrombozytenaggregation−
Substanzen (z. B. Thromboxan A2, Adrena− hemmer, die die Thrombozytenaktivierung
lin, ADP, Serotonin), die sie selbst weiter durch verschiedene Mechanismen hemmen:
aktivieren und weitere Thrombozyten re− J Cyclooxygenasehemmer wie Acetylsalicylsäu−
krutieren. Daneben präsentieren sie in re (ASS, Aspirin) hemmen die Cyclooxygena−
Granula gespeicherte Adhäsivproteine auf se der Thrombozyten irreversibel. Die Cy−
ihrer Oberfläche, u. a. GPIIb/IIIa−Rezepto− clooxygenase bildet normalerweise proaggre−
ren (Fibrinogen−Rezeptoren). gatorisches Thromboxan A2 (s. Fall 39), die−
J Thrombozytenaggregation: ses wird nun nicht mehr synthetisiert.
– Nach Präsentierung und Aktivierung des J ADP−Rezeptor−Antagonisten (z. B. Clopido−
GPIIb/IIIa−Rezeptors durch die verschiede− grel) hemmen die ADP−Aktivierung der
nen Plättchenstimuli werden die Throm− Thrombozyten und damit auch die Aktivie−
bozyten untereinander durch Fibrinogen− rung des Fibrinogen−Rezeptors (GPIIb/IIIa−Re−
Brücken zu einem Thrombozytenthrombus zeptor).
vernetzt. J GPIIb/IIIa−Rezeptor−Antagonisten (z. B. Abcixi−
– Nach Bildung dieses Thrombozytenthrom− mab) binden an den GPIIb/IIIa−Rezeptor (Fi−
bus folgt die sekundäre Hämostase, um brinogen−Rezeptor) auf den Thrombozyten
162 den Thrombozytenthrombus zu stabilisie− und verhindern unmittelbar die Ausbildung
ren (s. Fall 56) von Fibrinogenbrücken zwischen den Throm−
bozyten.
Fall Kommentar

29
Thrombozyten: Thrombozyten (Blutplättchen) diese Stimuli besitzen die Thrombozyten zahl−
sind kernlose scheibchenförmige Bruchstücke, reiche Rezeptoren, z. B. für Kollagen, von−Wille−
die sich von Megakaryozyten des Knochen− brand−Faktor (vWF), Thrombin, PAF (platelet
marks abschnüren. In einem Mikroliter (ml) activating factor), ADP, Serotonin, Thromboxan
Blut finden sich 150 000–450 000 Thrombozy− A2, Adrenalin. Nach Aktivierung verändern die
ten. Ihre Lebensdauer beträgt ca. 10 Tage. Sie Thrombozyten ihre Form und entleeren ihre
sind wesentlich an der Hämostase beteiligt, in− Granula (Freisetzungsreaktion). Dabei setzen
dem sie sich zusammenlagern (aggregieren) sie Substanzen frei, die aus den Megakaryozy−
und Defekte der Endothelwand dadurch ab− ten stammen oder die sie aus dem Plasma ge−
dichten können. filtert haben. Sie geben dabei auch selbst Plätt−
chenagonisten ab (ADP, Serotonin, Thromboxan
Primäre Hämostase: Intaktes Endothel bietet A2, Adrenalin), um ihre eigene Aktivierung zu
den Thrombozyten keine Bindungsstelle und verstärken und zusätzliche Thrombozyten zu
sezerniert zusätzlich Prostacyclin (Prostaglan− rekrutieren. Daneben setzen sie aus ihren Gra−
din I2) und Stickstoffmonoxid (NO), die eine nula noch weitere Produkte frei:
Thrombozytenadhäsion hemmen. Kommt es J Exposition von Adhäsivrezeptoren: GPIb/
allerdings zu einer Endothelverletzung, so er− IX−Rezeptor (vWF−Rezeptor), GPIIb/IIIa−Re−
scheint subendotheliale Matrix (Kollagen, Fib− zeptor (Fibrinogen−Rezeptor)
ronektin) im Gefäßlumen. Thrombozyten J Adhäsivproteine: von−Willebrand−Faktor,
knüpfen sich mit ihren GPIb/IX−Rezeptoren an Fibronektin, Thrombospondin, Fibrinogen
diese Matrix, so dass ein Pfropf (Thrombus) den J Wachstumsfaktoren, Plättchenfaktor 4
Gefäßdefekt abdichtet. Der von−Willebrand− J Gerinnungsfaktoren: TF (Gewebefaktor), V,
Faktor (vWF) aus Endothelzellen und Throm− VIII, XIII, Ca2+.
bozyten stabilisiert die Anknüpfung der Gemeinsame Endstrecke und eigentliches
Thrombozyten am Subendothel. Ziel der Thrombozytenstimulation ist die
Durch verschiedene Stimuli (sog. Plättchen− Aktivierung des GPIIb/IIIa−Rezeptors (Fibri−
agonisten, Plättchenstimuli) werden dann die nogen−Rezeptor). Erst durch diesen Rezep−
Thrombozyten zur Aggregation aktiviert. Für tor ist die Aggregation der Thrombozyten

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über Fibrinogen−Brücken möglich (s. Ant− bozytenadhäsion durch den Mangel an von−
wort zur Frage 29.5 und Abb.). Der primä− Willebrand−Faktor beeinträchtigt.
ren Hämostase mit Bildung des Thrombo− Diagnostisch wegweisend ist die verlängerte
zytenthrombus folgt die sekundäre Hämo− Blutungszeit als Maß für eine gestörte primäre
stase (Gerinnung), bei der der Thrombus Hämostase. Der Mangel an von−Willebrand−
durch ein Fibrin−Netzwerk stabilisiert wird Faktor zieht einen Mangel an Gerinnungsfaktor
(s. Fall 56). VIII aus der sekundären Hämostase nach sich,
da der von−Willebrand−Faktor den Faktor VIII
Thrombozytenaggregationhemmer: Einige Me− durch Komplexbildung vor vorzeitiger Proteo−
dikamente hemmen die Thrombozytenaggre− lyse schützt. Ein Defizit an Faktor VIII (antihä−
gation (s. Antwort zur Frage 29.6). Sie werden mophiler Faktor A) führt zu einer Beeinträchti−
eingesetzt, um die Bildung von Thromben und gung der sekundären Hämostase im intrinsi−
damit auch Gefäßverschlüsse zu verhindern. schen Weg und damit zur Verlängerung der
Dies ist z. B. bei erhöhter Thrombosegefahr aPTT (s. Antwort zur Frage 29.3).
(z. B. bei verstärkter Gerinnungsneigung) oder Die Therapie des von−Willebrand−Jürgens−
arteriosklerotisch veränderten Gefäßen not− Syndrom ist abhängig vom Schweregrad und
wendig. Typ. Bei Blutungen muss eine lokale Blutstil−
lung erfolgen. Durch die Gabe von oralen Kont−
von−Willebrand−Jürgens−Syndrom: Das von− razeptiva (Pille“) kann eine verlängerte Menst−
Willebrand−Jürgens−Syndrom (vWS) hat eine ruationsblutung positiv beeinflusst werden. 163
Prävalenz von 1:100 und ist damit die häufigste Durch Gabe des Vasopressinanalogons Desmo−
angeborene Gerinnungsstörung. Man unter− pressin kann bei leichten Blutungen von−Wille−
scheidet verschiedene Typen. In 80 % der Fälle brand−Faktor und Faktor VIII aus Endothelspei− Fall
liegt eine Verminderung des von−Willebrand− chern freigesetzt werden. Bei schweren Formen
Faktor und des Faktor VIII vor (s. Fallbeispiel). der Erkrankung muss eine Substitution mit Prä− 30
Diese Störung wird autosomal dominant ver− paraten erfolgen, die von−Willebrand−Faktor
erbt. Die meisten Betroffenen haben keine oder und Faktor VIII enthalten. Thrombozytenaggre−
nur diskrete Blutungen. Klinisch auffällig wer− gationshemmer sind bei dieser Erkrankung
den Patienten durch Hämatome und Schleim− kontraindiziert.
hautblutungen wie Nasenbluten oder Menor−
rhagie (verlängerte Menstruationsblutung bei
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Frauen). Nach Operationen im Mund−Rachen−
raum können erhebliche Nachblutungen auf−
Thrombozytopenie
treten (s. Fallbeispiel). Obwohl Thrombozyten−
zahl und −funktion normal sind, ist die Throm−
Hämatopoese im Knochenmark

30 Folsäure

30.1 Wie ist das Vitamin Folsäure aufgebaut? 30.2 Wie wird es in die aktive Form überführt?
Folsäure besteht aus: Pteridin, p−Aminobenzoe− Folsäure wird in 2 Schritten in ihre aktive Form,
säure und Glutamat (s. Abb.). die Tetrahydrofolsäure, umgewandelt:
1. Umwandlung der Folsäure in Dihydrofolsäure
(DHF, FH2) mit Hilfe von Folsäure−Reduktase,
Vitamin C und NADPH/H+
2. Umwandlung der Dihydrofolsäure in die Tet−
rahydrofolsäure mit Hilfe der Dihydrofolsäure−
Reduktase (DHF−Reduktase) und NADPH/H+

Struktur der Folsäure

Ü Fall 30 Seite 30

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164 Tetrahydrofolsäure mit gebundenen C1−Einheiten
Umwandlung der Folsäure in ihre aktive Form, die Tetra−
hydrofolsäure

Fall
übertragen (s. Tab. und Abb.). Die Bestandteile
30 30.3 Welche Funktionen erfüllt Folsäure?
Die Tetrahydrofolsäure (THF) ist in der Lage,
der THF, die hierzu in der Lage sind, sind die
Stickstoffatome (N−Atome) 5 und 10.
verschiedene C1−Einheiten aufzunehmen und
mit Hilfe von Enzymen auf andere Moleküle zu

Übertragung von C1−Einheiten mithilfe von Tetrahydrofolsäure (THF)


C1−Einheit Position des Entstandenes Ist beteiligt an folgenden Reaktionen
beteiligten Folsäure−Derivat
N−Atoms
Methylgruppe 5 5−Methyl−THF J Überträgt die Methylgruppe mit Hilfe von Vitamin B12 auf
(−CH3) Homocystein, so dass Methionin entsteht (s. Fall 21);
J Ethanolamin R Cholin
Formylgruppe 5 oder 10 5−Formyl−THF J Beteiligt am Nukleinsäurestoffwechsel: liefert die C−Atome
(−CHO) 10−Formyl−THF für die Purinsynthese an Positionen 2 und 8
J Synthese von N−Formylmethionin−t−RNA für Proteinbiosyn−
these (Starter−tRNA bei Prokaryonten)
Methylen− 5 und 10 5,10−Methylen−THF J Beteiligt am Nukleinsäurestoffwechsel: liefert die Methyl−
gruppe gruppe für Thymidin bei der Pyrimidinsynthese
(=CH2) J Glycin R Serin
Formiatrest 5 5−Formimino−TFH J Histidinstoffwechsel (Umwandlung von Formiminogluta−
(−COO−) mat in Glutamat beim Histidinabbau)

Kommentar

Folsäure: Zur Struktur s. Antwort zur Frage Wasserstoffatome gebunden hat. Dann liegt
30.1. Folsäurequellen sind Spinat, Spargel, Tetrahydrofolsäure vor (s. Antwort zur Frage
Blattsalate, Getreide und Leber. Bei physiologi− 30.2). Die aktiven Anteile der Folsäure sind
schem pH liegt die wasserlösliche Folsäure als die Stickstoffatome (N−Atome) 5 und 10 des
Salz (Folat) vor. Folsäure ist nur aktiv, wenn der Moleküls. An diese beiden N−Atome werden
Pteridinring vollständig reduziert ist, also vier C1−Einheiten gebunden, die anschließend auf

Ü Fall 30 Seite 30

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Spina−bifida−Formen: a – Spina bifida occulta (nur Defekt der Wirbelbögen), b – Meningozele (Defekt der Wirbelbögen
mit Vorwölbung der Rückenmarkhäute), c – Meningomyelozele geschlossen (Defekt der Wirbelbögen mit Vorwölbung der
Rückenmarkhäute und des Rückenmarkgewebes), d – Meningomyelozele offen, e – Klinisches Bild einer Meningomyelo−
zele

ein geeignetes Substrat übertragen werden. Ei−


ne besonders große Rolle spielt die Übertra−
gung von C1−Einheiten im Nukleinsäure− und
Aminosäurestoffwechsel (s. Antwort zur Frage
30.3).

Neuralrohrdefekte: Den Neuralrohrdefekten


liegt ein gestörter Verschluss des Neuralrohrs 165
zwischen dem 15. und 28. Tag nach der Be−
fruchtung zugrunde. Es handelt sich um die
häufigsten ZNS−Störungen bei Neugeborenen
(1–2/1000 Geburten). Unter dem Begriff Neu− Fall
ralrohrdefekt werden Anenzephalus, Enzepha−
lozele und Spina bifida zusammengefasst:
Anenzaphalus 30
J Ein Anenzephalus entsteht, wenn sich der
Man konnte einen Zusammenhang zwischen
vordere Anteil der Neuralleiste nicht ver−
Folsäuremangel der Mutter während der
schließt. Dadurch entwickeln sich Teile des
Schwangerschaft und Neuralrohrdefekten
Gehirns nicht oder atypisch. Großhirn und
beim Kind nachweisen. Daher empfiehlt man
Schädeldach fehlen (s. Abb.).
heute – wenn möglich – vor und während ei−
J Als Enzephalozele bezeichnet man eine
ner Schwangerschaft Folsäure prophylaktisch
Vorwölbung von Haut, Hirnhäuten und Tei−
einzunehmen.
len des Gehirns durch eine Lücke im Ge−
hirn− oder Gesichtsschädel.
J Bei der Spina bifida verschließen sich die ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Wirbelbögen nicht oder nur unzureichend.
Je nach Schweregrad der Missbildung ist Hemmstoffe der Folsäure
das Rückenmark mit betroffen oder nicht
(s. Abb.). Zusätzlich können dann Muskel− Zusammenhang zwischen Folsäure−
lähmungen, Muskelatrophien, Inkontinenz, und Vitamin−B12−Stoffwechsel
Fehlbildungen der ableitenden Harnwege
und Klumpfüße auftreten. Purin− und Pyrimidinsynthese

Ü Fall 30 Seite 30

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31 Fruktosestoffwechsel

31.1 Was ist eigentlich Fruktose genau? 31.3 Wie wird Fruktose denn normalerweise
Kannst Du mir mal die Formel der Fruktose abgebaut?
aufmalen? Fruktose wird hauptsächlich in der Leber abge−
Fruktose (Fruchtzucker) ist ein Einfachzucker baut:
(Monosaccharid). J ATP−abhängige Phosphorylierung von Frukto−
se durch die Fruktokinase zu Fruktose−1−
Phosphat
J Spaltung von Fruktose−1−Phosphat über die
Aldolase B (Fruktose−1−Phosphat−Aldolase) in
Glyzerinaldehyd und Dihydroxyacetonphos−
phat
J ATP−abhängige Phosphorylierung von Glyzeri−
Fruktose offenkettig und in Furanoseform
naldehyd durch die Glyzerinaldehydkinase
(Triokinase) zu Glyzerinaldehyd−3−Phosphat
J Glyzerinaldehyd−3−Phosphat und Dihydroxya−
31.2 Warum soll meine Tochter neben
cetonphosphat sind Metabolite der Glykolyse
166 Früchten auch niemals Süßigkeiten essen?
und können so in diesen energiegewinnen−
J Früchte und Süßwaren enthalten viel
den Weg eingeschleust werden (s. Fall 27).
Saccharose.
J Saccharose (Syn. Speisezucker, Rohrzucker, !!! 31.4 Welche enzymatische Reaktion funktio−
Fall Rübenzucker) ist ein Disaccharid aus Glukose niert bei der Kleinen nun nicht so wie normal?
31 und Fruktose. Bei Spaltung von Saccharose
im Darm wird Fruktose freigesetzt und
Bei der Fruktoseintoleranz besteht ein Akti−
vitätsverlust der Aldolase B (Fruktose−1−Phos−
schädigt so die kleine Patientin. phat−Aldolase) mit Aufstau des Substrates
Fruktose−1−Phosphat.

Saccharose
Abbau von Fruktose

Ü Fall 31 Seite 31

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!!! 31.5 Warum muss darauf geachtet werden,
lt?
dass das Kind keine Sorbit−Infusion erha
J Im sog. Polyolweg der extrahepatischen Ge−
webe kann Glukose über Sorbit (Syn. Sor−
bitol) in Fruktose umgewandelt werden.
J Die Sorbit−Dehydrogenase oxidiert NAD+−
abhängig den sekundären Alkohol am
C−Atom 2 des Sorbits zur Ketogruppe der
Fruktose.

Polyolweg: Umwandlung von Glukose über Sorbit in


Fruktose

Kommentar 167

Fruktose: Fruktose wird als Einfachzucker (Mo− Enzym der Glykolyse (Aldolase A) als auch ein
nosaccharid) und als Bestandteil des Disaccha− Enzym der Glukoneogenese (Fruktose−1,6−Bis−
Fall
rids Saccharose (s. Antwort zur Frage 31.2) auf− phosphatase). Durch Hemmung der Glukoneo−
genommen. Fruktose kann im Gegensatz zu genese kommt es kurzfristig zu Hypoglykämien 31
Glukose insulinunabhängig umgesetzt werden mit adrenerger Gegenregulation, um den Blut−
– aus diesem Grund ist Fruktose für die Diät des zuckerspiegel akut zu erhöhen. Die Adrenalin−
Diabetikers geeignet. In den Samenblasen wird antwort verursacht auch die Symptome wie
Fruktose testosteronabhängig produziert. Blässe und Zittern. Bei sehr niedrigem Blutzu−
Metabolite des Fruktosestoffwechsel (Glyze− cker reicht die Versorgung des Gehirns nicht
rinaldehyd−3−Phosphat und Dihydroxyaceton− mehr aus, so dass Krampfanfälle und Koma re−
phosphat) dienen je nach Stoffwechselsituation sultieren können. Langfristig bewirkt der hohe
der Energiegewinnung nach Einschleusung in Fruktose−1−Phosphat−Spiegel eine Störung des
die Glykolyse (s. Antwort zur Frage 31.3) oder Energiehaushaltes mit Leberverfettung und Le−
der Glukoneogenese bei Glukosemangel. berfibrose. Bei Verdacht auf Fruktoseintoleranz
muss der Patient sofort und lebenslang voll−
Fruktoseaufbau: Vor allem die Samenbläschen ständig fruktose− und saccharosefrei ernährt
produzieren im sog. Polyolweg aus Glukose werden.
Fruktose. Als Zwischenprodukt entsteht dabei
der Zuckeralkohol Sorbit (s. Antwort zur Frage
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
31.5).

Glykolyse
Fruktoseabbau: s. Antwort zur Frage 31.3.

Adrenalinwirkung auf den Stoffwechsel


Fruktoseintoleranz: Bei der selten auftretenden
hereditären (erblichen) Fruktoseintoleranz be−
Insulin im Glukosestoffwechsel
steht ein Aktivitätsverlust der Aldolase B (Fruk−
tose−1−Phosphat−Aldolase). Symptome treten
Fruktoseabbau: weitere Möglichkeiten
erst auf, wenn neben dem Stillen fruktose− oder
der Umwandlung der Triose Glyzerin−
saccharosehaltige Beikost zugefüttert wird, da
aldehyd in die Triosephosphate Glyze−
Muttermilch fruktosefrei ist. Durch den Mangel
rinaldehyd−3−Phosphat und/oder Dihy−
an Aldolase B staut sich Fruktose−1−Phosphat
droxyacetonphosphat
auf. Fruktose−1−Phosphat hemmt sowohl ein

Ü Fall 31 Seite 31

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32 Zelluläre unspezifische Abwehr

32.1 Was wissen Sie über neutrophile Granu− J Aufnahme des Antigens in eine Membranva−
lozyten? kuole, die mit mehreren Lysosomen fusio−
J Gehören zur zellulären unspezifischen Immu− niert. Es entsteht ein sog. Phagolysosom.
nabwehr J Im Phagolysosom wird das Antigen durch ly−
J Größte Gruppe der Leukozyten (p 60 %) sosomale Enzyme (Hydrolasen) zerstört.
J Sind zur Phagozytose befähigt
J Enthalten Granula mit zahlreichen Hydrola− 32.3 Welche Zellen sind neben den neutro−
sen zur Bakterienzerstörung philen Granulozyten an der unspezifischen Ab−
J Befinden sich zum großen Teil im Blut. Um wehr beteiligt? Beschreiben Sie kurz deren
in die Infektabwehr einzugreifen, müssen sie Funktionen!
vom Blut in das entzündete Gewebe gelan− J Granulozyten:
gen (Extravasation). Dazu besitzen sie Rezep− – Eosinophile Granulozyten: Beteiligung bei
toren auf ihrer Oberfläche, mit denen sie an allergischen Reaktionen und Parasitenab−
Endothelzellen adherieren und die Endothel− wehr
schicht mit dazugehöriger Basallamina durch− – Basophile Granulozyten: Beteiligung bei al−
wandern können (Diapedese). lergischen Reaktionen
168 J Monozyten/Makrophagen: Phagozytose,
32.2 Wie funktioniert die Phagozytose durch Prozessierung und Präsentation von Antige−
neutrophile Granulozyten? nen, Freisetzung zahlreicher Zytokine (z. B.
J Neutrophile Granulozyten umfließen“ ein IL1, TNFa)
Fall mit Komplementfaktoren oder Antikörpern J Natürliche Killerzellen (NK−Zellen): erken−
32 markiertes Antigen und bilden dabei lap− nen antigenbeladene Zellen und lysieren die−
penförmige Plasmaausstülpungen aus (Pseu− se mittels Perforinen, Serinesterasen und in−
dopodienentwicklung) duzieren Apoptose

Phagozytose durch neutrophile Granulozyten

Ü Fall 32 Seite 32

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Kommentar

Zelluläre unspezifische Abwehr: Zellen der un− ße, Leukozyten und Bestandteile des Bindege−
spezifischen Abwehr sind Granulozyten, Mono− webes. Das Zusammenspiel sieht wie folgt aus:
zyten/Makrophagen und natürliche Killerzel− J Im Bereich der Gewebeschädigung kommt
len (s. Antwort zur Frage 32.3). es zu einer verstärkten Durchblutung. Hier−
Granulozyten werden entsprechend der An− durch kann die Haut in diesem Bereich ge−
färbbarkeit ihrer Granula eingeteilt in: neutro− rötet und überwärmt sein.
phile Granulozyten (40–60 %), eosinophile Gra− J Außerdem wird die Gefäßpermeabilität ge−
nulozyten (1–3 %) und basophile Granulozyten steigert und Plasma gelangt ins umgebende
(0–1 %). Gewebe. Es bildet sich eine Gewebeschwel−
Monozyten befinden sich im Blut, sie wan− lung.
dern in Gewebe ein und differenzieren sich dort J Leukozyten, v. a. neutrophile Granulozyten
zu Makrophagen. Eigennamen besitzen die und Monozyten, wandern aus dem Blut in
Makrophagen beispielsweise in der Leber das Gewebe ein und phagozytieren die ge−
(Kupffer−Zellen), der Haut (Langerhans−Zellen) webeschädigenden Faktoren.
und im ZNS (Mikroglia). J Während des Heilungsprozesses proliferie−
Natürliche Killerzellen gehören wie die B− ren Bindegewebezellen und ersetzen das
und T−Lymphozyten zur lymphatischen und zerstörte Gewebe. 169
nicht wie die anderen Zellen der unspezifi−
Eine Entzündung ist zudem schmerzhaft und
schen Abwehr zur myeloischen Reihe. Sie be−
führt zu einem Funktionsbeeinträchtigung
sitzen keinen T−Zell−Rezeptor und werden da−
des betroffenen Gewebes. Rötung (Rubor),
her der unspezifischen Immunabwehr zuge− Fall
Wärme (Calor), Gewebeschwellung (Tumor),
rechnet. Anders als T−Lymphozyten sind sie
nicht auf CD4− oder CD8−Moleküle angewiesen.
Schmerz (Dolor) und Funktionsbeeinträchti− 32
gung (Functio laesa) sind die fünf klassischen
Natürliche Killerzellen greifen v. a. virusinfi−
Zeichen der lokalen Entzündungsreaktion.
zierte Zellen, intrazelluläre Bakterien (z. B. Tu−
Neben diesen lokalen Zeichen treten auch
berkulosebakterien) und Tumorzellen an.
allgemeine Reaktionen auf:
Neutrophile Granulozyten und Monozyten/ J Steigerung des Stoffwechsels
Makrophagen sind die wichtigsten Zellen der J Verstärkte Bildung von Granulozyten (Gra−
unspezifischen Abwehr. Sie phagozytieren ein−
nulozytose)
gedrungene Antigene, d. h. sie nehmen diese J Verstärkte Bildung von Plasmaeiweißen
ins Zellinnere auf und bauen sie ab (s. Antwort
(z. B. CRP)
zur Frage 32.2). Daneben lösen sie eine lokale J Auslösung von Immunreaktionen (z. B. An−
Entzündungsreaktion aus. Monozyten/Makro−
tikörperbildung)
phagen produzieren zusätzlich Stoffe wie Inter− J Subjektive Beschwerden (z. B. Krankheits−
leukin 1, die stimulierend auf die Lymphozyten
gefühl, Abgeschlagenheit).
wirken. Zudem sind sie in der Lage, den Lym−
phozyten Antigene zu präsentieren.
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Entzündung: Hierunter versteht man Abwehr−
reaktionen des Körpers auf lokale Gewebe− Interaktion zwischen Makrophagen
schädigung. Ziel ist es, den Auslöser und seine und T−Lymphozyten
Folgen zu beseitigen. Auslöser lokaler Gewebe−
schädigungen können belebte Faktoren (z. B. Humorale unspezifische Abwehr
Bakterien, Viren, Pilze) und unbelebte Faktoren
(z. B. Hitze, Kälte, Säuren, Druck) sein. Spezifische Abwehr
Die lokalen Abwehrreaktionen des Körpers
sind sehr komplex, beteiligt sind u. a. Blutgefä−

Ü Fall 32 Seite 32

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33 Harnstoffzyklus

33.1 Wie wird Ammoniak im menschlichen steht dem Zyklus nach Transport in das Mito−
Körper entgiftet“? chondrium erneut zur Verfügung.
J Das in extrahepatischen Geweben entstande−
ne Ammoniak (NH3) kann auf 33.3 Wie wird der Harnstoffzyklus reguliert?
– Glutamat übertragen werden; es entsteht Wie hoch ist der Energieaufwand?
Glutamin. J Regulation: findet auf der Stufe der Carba−
– Pyruvat übertragen werden; es entsteht mylphosphat−Synthetase I (CPS I) statt. Allo−
Alanin. sterischer Aktivator des Enzyms ist N−Acetyl−
J Glutamin und Alanin werden über das Blut glutamat, das durch die N−Acetylglutamat−
zu Leber und Niere transportiert. synthase aus Glutamat und Acetyl−CoA ge−
J In der Leber wird NH3 aus Glutamin oder Ala− bildet wird. Glutamat entsteht vermehrt bei
nin abgespalten und nach Umwandlung in Transaminierungen im Aminosäureabbau aus
Harnstoff im Harnstoffzyklus über den Urin a−Ketoglutarat (v. a. in der Leber). Ein erhöh−
ausgeschieden. ter Glutamatspiegel führt zu einer vermehr−
ten Bildung von N−Acetylglutamat, wodurch
33.2 Beschreiben Sie den Harnstoffzyklus! der Harnstoffzyklus stimuliert wird.
170 Im Harnstoffzyklus wird Ammoniak in Harnstoff J Energieaufwand: Spaltung 4 energiereicher
(CH4N2O) umgewandelt. Eines der N−Atome Verbindung bei der Synthese eines Harnstoff−
wird vom Ammoniak, das zweite von der Ami− moleküls (2 ATP R 2 ADP + 2 Pi,
nosäure Aspartat beigesteuert. Das C−Atom des 1 ATPR 1 AMP + PPi)
Fall Harnstoffs stammt vom Bikarbonat. Schritte 1
33 und 2 laufen im Mitochondrium ab; Schritte 3, !!! 33.4 Welche Funktionen haben Carbamy−
phosphat−Synthetase I und II? In welchem
4 und 5 im Zytosol:
1. Kondensation von Ammoniak und Bikarbonat zellularen Kompartiment sind die Enzyme loka−
zu Carbamylphosphat unter Verbrauch von 2 lisiert?
ATP (R 2 ADP + 2 Pi). Katalysiert wird die Reak− J Carbamylphosphat−Synthetase I (CPS I): En−
tion durch die Carbamylphosphat−Synthetase I zym des Harnstoffzyklus, lokalisiert im Mito−
(CPS I). Das Enzym wird durch N−Acetylgluta− chondrium (s. o.)
mat allosterisch aktiviert (s. Antwort zur Frage J Carbamylphosphat−Synthetase II (CPS II II):
33.3). Enzym der Pyrimidinsynthese, lokalisiert im
2. Carbamylphosphat wird unter Phosphatab− Zytosol (s. Fall 55)
spaltung auf Ornithin übertragen. Es entsteht
Citrullin. Katalysiert wird die Reaktion durch die !!! 33.5 Warum steigt die Konzentration von
Ornithin−Transcarbamylase. Citrullin wird aus ure im Urin bei OTC−Mangel?
Orotsa
dem Mitochondrium ins Zytosol transportiert. J Durch den OTC−Mangel kann Carbamylphos−
3. Kondensation von Citrullin und Aspartat zu phat nicht (ausreichend) auf Ornithin über−
Argininosuccinat unter Verbrauch von ATP (R tragen werden. Carbamylphosphat staut sich
AMP + PPi). Katalysiert wird die Reaktion durch an.
die Argininosuccinat−Synthetase. J Daher verstärkte Synthese von Carbamyl−
4. Spaltung von Argininosuccinat in Arginin und aspartat aus Carbamylphosphat und Aspartat
Fumarat (Einspeisung in Zitratzyklus möglich = durch die Aspartat−Transcarbamylase (Reakti−
Verknüpfung von Harnstoff− und Zitratzyklus). onsschritt der Pyrimidinsynthese, s. Fall 55).
Katalysiert wird die Reaktion durch die Argini− J Umwandlung von Carbamylaspartat in Orot−
nosuccinat−Lyase. säure und Ausscheidung über die Nieren R
5. Spaltung von Arginin in Harnstoff und Orni− erhöhte Orotsäure−Konzentration im Urin
thin durch die Arginase. Das gebildete Ornithin

Ü Fall 33 Seite 33

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171

Fall
33

Harnstoffzyklus

Kommentar

Weg des Stickstoffs beim Aminosäureabbau: erfolgen wie folgt: Ammoniak wird in den ext−
Der Stickstoff beim Aminosäureabbaus wird rahepatischen Geweben auf Glutamat oder Py−
in Form von Ammoniak frei, der bei physiolo− ruvat übertragen. Es entstehen Glutamin und
gischem pH als Ammoniumion vorliegt (NH4+). Alanin (s. Antwort zur Frage 33.1).
Da Ammoniak bereits in geringen Konzentra− Glutamin kann von der Leberzelle aufge−
tionen neurotoxisch ist, muss der Körper über nommen werden. Es gibt nun verschiedene
Mechanismen verfügen, um dieses Zellgift un− Möglichkeiten, um den Stickstoff, der für die
schädlich zu machen. Dies geschieht in der Le− Harnstoffsynthese erforderlich ist, aus Gluta−
ber, in der Ammoniak über etliche Reaktions− min zu gewinnen:
schritte im Harnstoffzyklus in ungiftigen Harn− J Glutamin kann durch die Glutaminase in
stoff umgewandelt wird (s. Antwort zur Frage Ammoniak und Glutamat gespalten wer−
33.2). Harnstoff kann über die Niere ausge− den. Glutamat kann weiter durch die Glu−
schieden werden. tamat−Dehydrogenase (GLDH) in a−Keto−
Harnstoff enthält zwei Stickstoffatome, das glutarat und Ammoniak gespalten werden.
eine stammt aus Ammoniak, das andere aus Ammoniak wird im Harnstoffzyklus ent−
Aspartat. Ammoniak− und Aspartatgewinnung sorgt“.

Ü Fall 33 Seite 33

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J Glutamin stellt eine Aminogruppe für Bio− NH3 + HCO3− + Aspartat + 3 ATP R Harnstoff +
synthesen zur Verfügung. Es entsteht wie− Fumarat + 2 ADP + 2 Pi + 1 AMP + PPi.
der Glutamat. Glutamat überträgt mit Hilfe Insgesamt werden in einem Durchlauf vier
der Aspartat−Aminotransferase (AST) seine energiereiche Bindungen gespalten. Zur Rege−
Aminogruppe auf Oxalacetat. Es entstehen neration werden vier ATP benötigt (s. Antwort
Aspartat und a−Ketoglutarat. Aspartat lie− zur Frage 33.3). Fumarat kann aus dem Harn−
fert ein Stickstoffatom für die Harnstoff− stoffzyklus in den Zitratzyklus eingespeist wer−
synthese. den. Hierbei entsteht aus Fumarat über Malat
Oxalacetat (s. Fall 51). Dabei wird ein NADH+H+
generiert, das in der Atmungskette einen Ge−
winn von etwa 2,5 Molekülen ATP liefert. Ins−
gesamt werden für die Synthese von 1 mol
Harnstoff also etwa 1,5 mol ATP verbraucht (–
4 ATP + 2,5 ATP = – 1,5 ATP).

Störungen der Harnstoffsynthese: Angeborene


Enzymdefekte des Harnstoffzyklus sind sehr
selten. Der häufigste Defekt betrifft die Orni−
thin−Transcarbamylase (s. Fallbeispiel). Dieser
172 Defekt wird X−chromosomal vererbt und tritt
mit einer Häufigkeit von 1:14 000 auf. Alle an−
deren Enzymdefekte des Harnstoffzyklus wer−
Fall Herkunft des Ammoniaks für den Harnstoffzyklus den autosomal−rezessiv vererbt.
Den verschiedenen Enzymdefekten sind vie−
33 le Symptome gemeinsam. Schon in der Neuge−
borenenperiode kommt es zu Erbrechen, Trink−
unlust, Lethargie, Muskelschwäche, Krämpfen
und Koma. Typischer Laborbefund ist ein er−
höhter Ammoniakspiegel im Blut (Hyperam−
monämie) in Kombination mit respiratorischer
Alkalose, die durch eine zentrale Stimulation
des Atemzentrums durch das Ammoniak her−
vorgerufen wird. Dies muss sofort und aggres−
siv behandelt werden, andernfalls tritt rasch
der Tod ein.

ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN

Herkunft des Aspartats für den Harnstoffzyklus


Desaminierung

Harnstoffzyklus: s. Antwort zur Frage 33.2. Die Transaminierung (AST, ALT)


Nettoreaktionsgleichung des Harnstoffzyklus
lautet: Wege des Kohlenstoffgerüsts beim
Aminosäureabbau

Ü Fall 33 Seite 33

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34 Somatotropin (STH, Wachstumshormon)

34.1 Erläutern Sie die Wirkungen von Soma−


totropin!
In der Leber induziert Somatotropin Synthese
und Sekretion der Somatomedine IGF1 und
IGF2 (Insulin like Growth Factor). Folgende Wir−
kungen werden über Somatotropin selbst oder
über die Somatomedine entfaltet:
J Knochen: Wachstum
J Proteinstoffwechsel: Proteinanabolismus R
Synthese von extrazellulärer Matrix, Aufbau
von Muskelgewebe, Aufnahme von Amino−
säuren in Zellen
J Fettstoffwechsel: Steigerung der Lipolyse
J Kohlenhydratstoffwechsel: Erhöhung des
Blutzuckerspiegels
Regulation der Somatotropinsynthese und Wirkungen von
Somatotropin und Somatomedinen
34.2 Wie wird die Synthese dieses Hormons 173
reguliert?
J Hypothalamus: Freisetzung von IGF2) induziert, z. T. aber auch direkt als ef−
– GRH (Growth Hormone Releasing Hormo− fektorisches Hormon auf die Zielorgane wirkt
ne; Syn. Somatoliberin, Somatotropin Re−
Fall
leasing Hormon, SRH); Sekretionsreize !!! 34.3 Welche Ursache liegt der Akromegalie
pathophysiologisch zu Grunde?
34
sind abfallender Blutglukosespiegel, Tief−
schlaf, körperliche Arbeit, Stress, Durch vermehrte Sekretion von Somatotropin
Schilddrüsenhormone nach Abschluss des Längenwachstums kommt
– Somatostatin (Syn. Somatotropin Inhibi− es zu Wachstum der Akren mit Vergröberung
ting Hormon, SIH) der Gesichtszüge, Vergrößerung von Nase, Lip−
J Davon abhängig schüttet die Hypophyse So− pen und Zunge (s. Fallbeispiel)
matotropin (STH) aus, das in der Leber die Ursache ist meist ein eosinophiles Adenom
Bildung von Somatomedinen (IGF1 und (hormonproduzierender Tumor des Hypophy−
senvorderlappens)

Kommentar

Somatotropin: Somtatotropin (Syn. STH, totropin auch direkt, d. h. ohne Wirkungsver−


Wachstumshormon, GH = Growth Hormone) mittlung über eine endokrine Drüse, Stoff−
wird in der Adenohypophyse (Hypophysenvor− wechselwirkungen auf die peripheren Zielzel−
derlappen) gebildet und besteht aus 191 Ami− len entfalten. Dies gilt v. a. für den
nosäuren. Es wird pulsatil, v. a. nachts, freige− Knochenstoffwechsel (s. Antwort zur Frage
setzt. Die Freisetzung wird durch die hypotha− 34.1).
lamischen Hormone GRH und Somatostatin
reguliert (s. Antwort zur Frage 34.2). Die Wir− Somatostatin (SIH): Gehemmt wird die Soma−
kungen auf Kohlenhydrat−, Protein− und Fett− totropinsekretion durch das aus 14 Aminosäu−
stoffwechsel entfaltet Somatotropin u. a. über ren bestehende Somatostatin aus dem Hypo−
die Somatomedine IGF1 und IGF2. Diese beiden thalamus. Somatostatin hemmt außerdem die
Peptide haben ihren Namen sowohl wegen ih− Freisetzung von TSH. Es wird zudem nicht nur
rer Strukturähnlichkeit zum Insulin als auch im Hypothalamus, sondern auch in vielen an−
wegen ihrer Bindung an Tyrosinkinaserezepto− deren Geweben gebildet, z. B. in den d−Zellen
ren der Zielzellen erhalten. Im Gegensatz zu des Pankreas und in den endokrinen Zellen der
anderen hypophysären Hormonen kann Soma−

Ü Fall 34 Seite 34

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Darmschleimhaut. In diesen Organen hat So− ist, kommt es zum Krankheitsbild Akromegalie.
matostatin folgende Wirkungen: Dann ist nur noch ein sog. appositionelles Kno−
J Hemmung der Freisetzung von Insulin und chenwachstum v. a. an den Akren (distale Kör−
Glukagon perteile wie Finger, Zehen, Hände, Füße, Nase,
J Hemmung der Salzsäureproduktion in den Kinn) möglich, d. h. die Knochen werden nicht
Belegzellen mehr länger sondern dicker. Es vergröbern sich
J Hemmung der Bikarbonat− und Enzym− dann z. B. Gesicht, Hände und Füße, so dass
sekretion im Gastrointestinaltrakt beispielsweise Schuhe zu drücken beginnen
J Hemmung der Histaminausschüttung. und nicht mehr passen (s. Fallbeispiel). Auch
die inneren Organe vergrößern sich (Splanch−
Der Somatostatinrezeptor ist an ein inhibito−
nomegalie = Eingeweidevergrößerung). Da der
risches G−Protein (Gi) gekoppelt. Die Aktivie−
Tumor sich im Bereich des Chiasma opticums
rung führt daher zu einer Senkung des cAMP−
befindet, kann er dieses durch Druck schädigen.
Spiegels in den Zielzellen.
Dadurch können Gesichtsfeldausfälle auftreten.
Ein Somatotropinüberschuss wird entweder
Somatotropinüberschuss: Ursache für einen
durch eine operative Entfernung des somato−
Somtatotropinüberschuss ist ein Tumor der
tropinproduzierenden Tumors oder durch Gabe
Adenohypophyse, der Somatotropin produ−
eines Somatostatin−Analogons behandelt.
ziert. Somatotropin kann nur so lange das Län−
174 genwachstum der Knochen beeinflussen, so
lange die Epiphysenfugen noch offen sind, ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
d. h. so lange das Längenwachstum noch nicht
abgeschlossen ist. Liegt also vor Schluss der Symptome bei Somatotropinmangel
Fall Epiphysenfugen zu viel Somatotropin vor,

35 kommt es zum Riesenwuchs (Gigantismus).


Wenn die Epiphysenfugen schon geschlossen
Sehbahn und Gesichtsfeldausfälle bei
Störungen der Sehbahn
sind, also das Längenwachstum abgeschlossen

35 Magensaft

35.1 Aus welchen Anteilen besteht der Ma− Bestandteils? Füllen Sie dazu folgende Tabelle
gensaft? Von welchen Zellen werden diese aus!
gebildet? Was ist die Aufgabe des jeweiligen

Anteile des Magensafts Bildungsort (Zellen) Aufgabe


Salzsäure Belegzellen Denaturierung von Proteinen, Bakterienzerstörung
Alkalischer Schleim Schleimdrüsen, Nebenzellen Schleimhautschutz
(Bikarbonat + Muzine)
Intrinsic Factor Belegzellen Komplexbildung mit Vitamin B12 (Extrinsic Factor)
zur Resorption im Ileum (s. Fall 21)
Pepsinogen Hauptzellen Nach Aktivierung zu Pepsin Spaltung von Proteinen
Gastrin G−Zellen Förderung der Salzsäuresekretion
Magenlipase Hauptzellen Spaltung von Fetten

Ü Fall 35 Seite 35

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35.2 Wie erfolgt die Salzsaureproduktion im 35.3 Wie wird die Salzsa uresekretion im Ma−
Magen? gen reguliert? Warum sollte Ihre Mutter also
J Die Salzsäureproduktion/−sekretion erfolgt diese Empfehlungen beru  cksichtigen?
durch die Belegzellen. J Anstieg der Salzsäuresekretion durch:
J Salzsäure (HCl) besteht aus H+ und Cl−, die – Gastrin: gesteigerte Freisetzung durch
getrennt ins Magenlumen sezerniert werden. Peptide im Magen, Magendehnung, Va−
J H+ entstammt der Reaktion H2O + CO2 Ö gusreiz, Koffein, Alkohol
H2CO3 Ö H+ + HCO3− , diese Reaktion wird – Histamin: wird durch Acetylcholin (Trans−
durch die Carboanhydrase (CA) katalysiert. mitter des N. vagus) und Gastrin freige−
J H+ wird mittels einer H+−K+−ATPase im Aus− setzt
tausch gegen K+ ins Magenlumen gepumpt. – Acetylcholin (als Transmitter des N. va−
J K+ wandert durch einen K+−Kanal entlang sei− gus): Aktivierung durch sensible Reize
nes elektrochemischen Gradienten wieder (z. B. Geruch, Geschmack)
passiv ins Magenlumen. J Hemmung der Salzsäuresekretion durch:
J Auf der basolateralen Seite wird HCO3− durch – Somatostatin
einen Antiporter gegen Cl− ausgetauscht. – Cholecystokinin (CCK, Pankreozymin)
J Cl− wandert durch die Zelle und gelangt – Sekretin
durch einen Cl−−Kanal über die luminale – Gastroinhibitorisches Peptid (GIP)
Membran entlang des elektrochemischen Da Magendehnung, Koffein und Alkohol die
175
Gradienten ins Magenlumen. Salzsäuresekretion fördern, sollte Ihre Mutter
nur kleine Mahlzeiten zu sich nehmen sowie auf
Kaffee und Alkohol verzichten.
Fall
35

Salzsäureproduktion und −sekretion durch die Belegzellen


im Magen (CA = Carboanhydrase)

Kommentar

Magen und Magensaft: Hauptaufgaben des Salzsäure wird durch zahlreiche Hormone und
Magens sind Speicherung, Durchmischung, Transmitter reguliert (s. Antwort zur Frage
Vorverdauung und Weitertransport der Nah− 35.3).
rung. Um diese Aufgaben zu erfüllen, produzie− Damit die Magenschleimhaut nicht durch
ren spezialisierte Zellen des Magens täglich 3 Salzsäure und Pepsin angegriffen wird, produ−
Liter Magensaft. Zu den Bestandteilen und Auf− zieren Nebenzellen und Schleimdrüsen einen
gaben des Magensafts s. Antwort zur Frage 35.1. alkalischen Schleim. Dieser besteht aus Bikar−
Im Magen herrscht ein stark saures Milieu bonat und Muzinen (Glykoproteine) und legt
(pH 0,8–1,3), um Bakterien abzutöten und Pro− sich wie ein Schutzfilm über die Magen−
teine zu denaturieren. Das saure Milieu ist schleimhaut. Die Schutzfilmdicke beträgt
durch die Salzsäure, die durch die Belegzellen 200–500mm. Das Bikarbonat des Schutzfilms
gebildet wird, bedingt. Zur Salzsäureprodukti− neutralisiert direkt an der Magenwand die Salz−
on s. Antwort zur Frage 35.2. Die Sekretion der säure. Dies ermöglicht einen pH−Gradienten

Ü Fall 35 Seite 35

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zwischen Magenlumen (pH 0,8–1,3) und Zell− Diclofenac), Rauchen und Durchblutungsstö−
oberfläche (pH 6–7). Die Schleimschicht wird rungen. Symptome sind Schmerzen im Ober−
unter Einfluss von Prostaglandinen ständig er− bauch, Blähungen, Völlegefühl und Durchfälle.
neuert. Schwerwiegende Folge der Geschwüre (Ulzera)
Zellen der Magenschleimhaut bilden auch können Blutungen oder Perforation (Magen−
die Enzyme Pepsinogen und Magenlipase. Pep− durchbruch“) sein. Die Diagnose Ulcus ventri−
sinogen wird von den Hauptzellen gebildet und culi oder Ulcus duodeni wird durch Spiegelung
ist die Vorstufe der Protease Pepsin. Die Um− von Ösophagus, Magen und Duodenum (Öso−
wandlung von Pepsinogen in Pepsin findet bei phagogastroduodenoskopie) gestellt. Hierbei
niedrigem pH−Wert und unter Einwirkung von wird auch eine Gewebeprobe (Biopsie) ent−
Pepsin durch limitierte Proteolyse statt. Pepsin nommen, die auf Helicobacter pylori unter−
ist eine Endopeptidase und spaltet Proteine im sucht wird. Findet man dieses, erfolgt eine Anti−
Bereich von Tyrosin− und Phenylalanin−Resten. biotikatherapie. Zusätzlich und auch bei Ge−
So werden Proteine bereits im Magen in klei− schwüren, die nicht durch Helicobacter pylori
nere und für den Dünndarm leichter verdauli− verursacht wurden, verabreicht man einen Pro−
che Bruchstücke zerlegt. Schon im Magen wer− tonenpumpenhemmer. Dieser blockiert die H+−
den etwa 10–30 % der Fette durch die Magen− K+−ATPase und hebt damit die Säureproduktion
lipase gespalten. Diese scheint besonders vollständig auf. So kann sich die Magen− und/
wichtig für die Milchfettverdauung der Säug− oder Duodenalschleimhaut besser regenerie−
176 linge zu sein. Für Erwachsenen ist ihre Bedeu− ren. Generell sollte auf Prostaglandinsynthese−
tung im Vergleich zur Pankreaslipase eher un− hemmer, Nikotin, Kaffee und Alkohol verzichtet
bedeutend. werden. Kleine Mahlzeiten mit leicht verträgli−
Fall cher Kost sollten bevorzugt werden (s. Antwort
Magengeschwür (Ulcus ventriculi) und Zwölf− zur Frage 35.3).
36 fingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni): Ein Ul−
cus ventriculi oder Ulcus duodeni entsteht,
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
wenn sich das Gleichgewicht zwischen aggres−
siven Faktoren (Salzsäure, Pepsin) und protek−
Bildung der Schleimschicht durch
tiven Faktoren (bikarbonatreicher Schleim,
Prostaglandine und Wirkung von
Durchblutung) der Magenschleimhaut zu Gun−
Prostaglandinsynthesehemmern
sten der aggressiven Faktoren verschiebt. Die
häufigsten Ursachen sind: Besiedlung der Ma−
Verdauung und Resorption von Nah−
genschleimhaut mit dem Bakterium Helicobac−
rungsbestandteilen
ter pylori, Einnahme von Prostaglandinsynthe−
sehemmern (Schmerzmedikamente wie ASS,

36 Peroxisomen

36.1 Beschreiben Sie den Aufbau von Perox− 36.2 Welche Aufgaben haben Peroxisomen?
isomen! Lipidmetabolismus
J Zellorganellen mit einem Durchmesser von J b−Oxidation von v. a. sehr langkettigen, ver−
etwa 0,5 mm (zum Vergleich: Erythrozyt zweigtkettigen, ungesättigten Fettsäuren
x p 7mm) (. C20) und Dicarbonsäuren
J Sie sind von einer einfachen Doppellipid− J Abbau von Leukotrienen und Prostaglandi−
membran umgeben. nen sowie sog. Xenobiotika (Fremdstoffe wie
J Sie enthalten mehr als 50 Enzyme (z. B. Kata− Pflanzengifte, Pharmaka) R Peroxisomen
lase). spielen eine wesentliche Rolle bei Ent−
zündungs− und Entgiftungsreaktionen

Ü Fall 36 Seite 36

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J Synthese von Plasmalogenen (Etherlipiden), 1. Im Reaktionsgeschehen und der Art der
den häufigsten Phospholipiden der Myelin− katalysierenden Enzyme
scheide von Axonen Peroxisomen: Bei der Dehydrierung aktivier−
Peroxidmetabolismus ter Fettsa
uren (Acyl−CoA) entsteht Wasser−
J z. B. Oxidation von a−Hydroxysäuren stoffperoxid. Dieser Schritt wird von einem
Flavoprotein katalysiert (Acyl−CoA−Oxidase).
36.3 Beschreiben Sie kurz die chemischen Die peroxisomale Katalase baut das Wasser−
Prozesse, die dabei in den Peroxisomen ablau− stoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff ab.
fen! Mitochondrien: Im ersten Schritt der b−Oxi−
Unter 36.2 genannte Reaktionen gehen mit der dation, katalysiert von einer Acyl−CoA−
Bildung von giftigem Wasserstoffperoxid (H2O2) Dehydrogenase, wird FADH2 gebildet. Dieses
einher. H2O2 wird in Peroxisomen von dem En− wird in die Atmungskette eingeschleust.
zyme Katalase 2. In der Substratspezifität
J entweder zu Wasser und Sauerstoff abge− Peroxisomen oxidieren v. a. sehr langkettige,
baut (sog. katalatische Reaktion: 2 H2O2 R 2 verzweigtkettige Fettsa
uren.
H2O + O2) Mitochondrien oxidieren v. a. normale lang−
J oder zur Oxidation zahlreicher Substrate wie kettige Fettsa
uren.
Ethanol, Nitriten oder Chinonen genutzt 3. In der Nutzung der Reaktionsenergie
(sog. peroxidatische Reaktion: AH2 + H2O2 R Die bei der peroxisomalen b−Oxidation ent−
A + 2 H2O). stehende Energie wird als Wa rme frei. 177
Mitochondrien nutzen die Energie zur ATP−
!!! 36.4 Wie unterscheidet sich die b−Oxidation in Synthese.
den Peroxisomen von der in Mitochondrien?
Fall
Die b−Oxidation in Peroxisomen und Mito−
chondrien unterscheidet sich in 3 Punkten: 36
Kommentar

Aufbau und Funktion von Peroxisomen: Per− Eine wichtige Biosynthese, die in den Peroxi−
oxisomen sind kleine von einer einfachen Dop− somen abläuft, sind die ersten Schritte der Syn−
pellipidmembran umschlossene Zellorganel− these von Plasmalogenen. Plasmalogene sind
len. Sie enthalten keine DNA. Peroxisomale Pro− eine besondere Klasse der Etherlipide, die zu
teine werden an freien Ribosomen synthetisiert den Glyzerophospolipiden gehört. Bei Etherli−
und zu den Peroxisomen transportiert. Ihren piden ist am C−Atom 1 des Glyzerins ein lang−
Namen verdanken die Peroxisomen verschiede− kettiger Alkohol über eine Etherbindung ge−
nen oxidativen Reaktionen, die zur Bildung von bunden. Plasmalogene weisen zusätzlich eine
Wasserstoffperoxid führen. Da Wasserstoffper− zur Etherbindung benachbarte Doppelbindung
oxid giftig für die Zellen ist, sind Peroxisomen in der Kohlenstoffkette auf (sog. Vinylgruppe).
zusätzlich mit dem Enzym Katalase ausgestat− Am C−Atom in Position 2 des Glyzerins ist eine
tet, das Wasserstoffperoxid weiter abbaut und ungesättigte Fettsäure als Ester gebunden. Am
damit unschädlich macht (s. Antwort zur Frage C−Atom in Position 3 ist Cholin über eine Phos−
36.3). phodiesterbindung gebunden (s. Abb.). Plas−
In Peroxisomen laufen viele Abbauprozesse malogene kommen in hoher Konzentration in
und Biosynthesen ab (s. Antwort zur Frage den Myelinscheiden der Nervenzellen sowie in
36.2). In ihnen werden u. a. durch b−Oxidation der Membran von Herz− und Skelettmuskelzel−
sehr lange Fettsäuren um etliche C2−Einheiten len vor.
(Acetyl−CoA) gekürzt. Die gekürzten Fettsäuren
und Acetyl−CoA können aber nicht vollständig Adrenoleukodystrophie: Die X−chromosomal
in den Peroxisomen abgebaut werden. Zum vererbte Adrenoleukodystrophie (ALD) ist die
vollständigen Abbau müssen sie daher aus häufigste peroxisomale Erkrankung. Sie tritt
den Peroxisomen ins Zytosol und evtl. in die aber sehr selten auf. Ursache ist ein Defekt in
Mitochondrien transportiert werden. einem Gen, welches für ein Membranprotein

Ü Fall 36 Seite 36

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Struktur eines Plasmalogens

der Peroxisomen kodiert. Ist dieses Membran− steht aus einer 4:1 Mischung von Ölsäure und
protein defekt, kann die peroxisomale b−Oxida− Erukasäure. Diese kurzkettigen Fettsäuren re−
tion sehr langkettiger Fettsäuren nicht richtig duzieren das Aufkommen sehr langkettiger
ablaufen. Dies führt zur Anhäufung sehr lang− Fettsäuren und können die neurologischen
178
kettiger Fettsäuren in verschiedenen Geweben, Symptome mildern, aber den Krankheitsverlauf
v. a. in der Nebennierenrinde und weißen Sub− nicht aufhalten.
stanz des ZNS (Adreno = Nebenniere, Leuko =
Fall weiß). Es entwickeln sich u. a. Nebennierenrin−
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
deninsuffizienz (Morbus Addison, s. Fall 61),
36 Einschränkungen des Seh− und Hörvermögens,
Aufbau und Aufgabe weiterer Zellor−
Krampfanfälle, Störungen der Muskelkoordina−
ganellen (z. B. Zellkern, endoplasmati−
tion und Demenz. Die Erkrankung führt inner−
sches Retikulum, Golgi−Apparat)
halb weniger Jahre zum Tod.
Die Diagnose wird anhand erhöhter Kon−
b−Oxidation von Fettsäuren
zentrationen langkettiger Fettsäuren im Plas−
ma gestellt. Mittels MRT und CT kann man fest−
Morbus Addison (primäre Nebennie−
stellen, wie stark das ZNS betroffen ist.
renrindeninsuffizienz)
Verschiedene Therapiekonzepte (z. B. Diät,
Immunsuppression, Gentherapie) befinden
Weitere Erkrankungen aufgrund per−
sich zum größten Teil noch in einer experimen−
oxisomaler Störungen (Zellweger−Syn−
tellen Phase. Zu den diätetischen Konzepten
drom, Refsum−Krankheit)
zählt die Gabe von Lorenzos Öl“. Dieses be−

Ü Fall 36 Seite 36

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37 Synthese der Purinnukleotide

37.1 Benennen Sie die häufigen Purinbasen, finden sich in der DNA, RNA und im Synthese−
ihre Nukleoside und Nukleotide! Welche davon weg?

Häufige Purinbasen, ihre Nukleoside und Nukleotide sowie ihr Vorkommen


Base Formel Nukleosid Nukleotid Vorkommen
(Base + Ribose) (Base + Ribose + Phosphat)
Adenin Adenosin Adenosinmonophosphat DNA, RNA,
(AMP) Synthese

Guanin Guanosin Guanosinmonophosphat DNA, RNA,


(GMP) Synthese

Hypoxanthin Inosin Inosinmonophosphat Synthese


(IMP) 179

Xanthin Xanthosin Xanthosinmonophosphat Synthese Fall


(XMP)
37

das C−Atom 1 von Ribose−5−Phosphat wird Pyro−


37.2 Zeichnen Sie einen Purinring! Zeigen Sie
phosphat übertragen.
für jedes Ringatom, welchem Substrat der
Purinsynthese es entstammt!
37.4 Wie erfolgt die Synthese bis zum ersten
Purinnukleotid? Wie wird es zu den zwei häufi−
gen Purinnukleotiden der Nukleinsäuren ge−
wandelt?
Der Purinring wird schrittweise am Ribose−5−
Phosphat aufgebaut:
J Ersetzen von Pyrophosphat am PRPP durch
eine Aminogruppe (NH2) aus Glutamin; es
entsteht 5−Phosphoribosylamin und aus Glut−
amin wird Glutamat. Katalysierendes Enzym
dieser Reaktion ist die PRPP−Amidotransfe−
Purinring und Herkunft der Atome rase (s. Kommentar).
J Verknüpfung von Glycin mit der Aminogrup−
pe
J Einbau einer Formylgruppe (=CHO), die von
37.3 Mit welchem Substrat beginnt die der Formyl−Tetrahydrofolsäure (Formyl−THF,
Purinsynthese? Aus welchem Stoffwechselweg aktivierte Folsäure) stammt
stammt es, und wie wird es aktiviert? J Einbau einer Aminogruppe, die wieder von
Ribose−5−Phosphat aus dem Pentosephosphat− Glutamin stammt, und Schluss des 5 er−Rings
weg wird unter ATP−Verbrauch zu Phospho− J Einbau von CO2 (Carboxylierung)
ribosylpyrophosphat (PRPP) aktiviert, d. h. auf

Ü Fall 37 Seite 37

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J Einbau einer Aminogruppe aus Aspartat; J IMP wird entweder in:
aus Aspartat wird Fumarat – Adenosinmonophosphat (AMP) umge−
J Einbau einer Formylgruppe, die wieder von wandelt, dabei wird eine Aminogruppe
der Formyl−Tetrahydrofolsäure stammt von Aspartat eingebaut
J Schluss des 6 er−Rings; es entsteht die Purin− – oder über Xanthosinmonophosphat
base Hypoxanthin und damit – da sie am Ri− (XMP) in Guanosinmonophosphat (GMP)
bose−5−Phosphat hängt – das Nukleotid umgewandelt, dabei wird eine Amino−
Inosinmonophosphat (IMP) gruppe von Glutamin geliefert.

180

Fall
37

Synthese der Purinnukleotide

Ü Fall 37 Seite 37

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37.5 Was versteht man unter Salvage Path−
way? Erla utern Sie den Salvage Pathway!
J Die Synthese der Purine ist aufwendig, daher
ist es biologisch sinnvoll freie Basen aus der
Nahrung und dem Purinabbau wiederzuver−
werten. Dies erfolgt im Salvage Pathway, ei−
nem Stoffwechselweg für die Wiederverwer−
tung von Purinen.
J Die Adenin−Phosphoribosyltransferase (APRT)
verknüpft die Purinbase Adenin mit PRPP zu
AMP. Wiederverwertung von Adenin, Hypoxanthin und Guanin
J Die Hypoxanthin−Guanin−Phosphoribosyl− und ihre Regulation (APRT = Adenin−Phosphoribosyltransfe−
transferase (HGPRT) verknüpft rase, HGPRT = Hypoxanthin−Guanin−Phosphoribosyltransfe−
rase))
– die Purinbase Hypoxanthin mit PRPP zu
IMP (aus IMP kann AMP oder GMP synthe−
tisiert werden)
– die Purinbase Guanin mit PRPP zu GMP.

Kommentar 181

Aufbau der Nukleotide: Die Grundbausteine Wird ein Nukleosid am C−Atom 5 des Zuckers
der Nukleotide sind: mit einer Phosphorsäure verestert, entsteht
J Base, die sich vom Purin (s. Antworten zu ein Nukleotid. Findet sich nur eine Phosphor−
Fall
Fragen 37.1 und 37.2) oder Pyrimidin (s. säure am Nukleosid, spricht man auch von 37
Fall 55) ableiten Nukleosidmonophosphat. Werden ein oder
J Zucker (Kohlenhydrat) – Desoxyribose oder zwei zusätzliche Phosphorsäuremoleküle an
Ribose die bereits vorhandene Phosphatgruppe des
J Phosphorsäure. Nukleosidmonophosphats gelagert, entstehen
Nukleosiddiphosphat und Nukleosidtriphos−
phat. Bei der Bindung zwischen den einzelnen
Phosphorsäuremolekülen handelt es sich um
energiereiche Säureanhydridbindung.

Struktur der Purin− und Pyrimidinbase

Struktur der Kohlenhydrate (Zucker) der Nukleotide


Nukleotidstruktur am Beispiel der Adenosinphosphate

Wird eine Base mit einem Zucker verbunden, Synthese der Purinnukleotide: Die Purinnu−
entsteht ein Nukleosid. Die Bindung erfolgt kleotide werden im Zytosol aller Zellen ständig
dabei N−glykosidisch zwischen dem C−Atom 1 synthetisiert und abgebaut. Für die Synthese
des Zuckers und dem N−Atom 9 des Purins wird Ribose−5−Phosphat aus dem Pentosephos−
oder dem N−Atom 1 des Pyrimidins. phatweg zu Phosphoribosylpyrophosphat

Ü Fall 37 Seite 37

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(PRPP) aktiviert. An Ribose−5−Phosphat kann Lesch−Nyhan−Syndrom: Das Lesch−Nyhan−Syn−
nach Aktivierung schrittweise der Purinring drom ist eine sehr seltene Stoffwechselerkran−
aufgebaut werden. Die einzelnen Atome des kung, die X−chromosomal rezessiv vererbt
Purinrings stammen dabei von verschiedenen wird. Es liegt ein Enzymdefekt der Hypoxan−
Substraten (s. Antworten zu Fragen 37.2, 37.3 thin−Guanin−Phosphoribosyltransferase
und 37.4). Nach Synthese der Purinukleotide in (HGPRT) im Salvage Pathway vor. Über folgen−
der Monophosphatform (Nukleosidmonophos− de Mechanismen führt dies zum Anstieg des
phate) werden sie ATP−abhängig zur Diphos− Harnsäurespiegels im Blut (Hyperurikämie):
phatform (Nukleosiddiphosphate) und Tri− J Beim Abbau der Purinnukleotide werden
phosphatform (Nukleosidtriphosphate) phos− Purinbasen freigesetzt. Die Purinbasen kön−
phoryliert. nen durch den Defekt der HGPRT im Salva−
ge Pathway nicht wiederverwertet werden.
Salvage Pathway: Da die Synthese der Purine Sie werden daher vollständig zu Harnsäure
aufwendig ist, werden freie Purinbasen aus abgebaut.
dem Purinnukleotidabbau und der Nahrung J Beim Abbau der Purinnukleotide fällt au−
wiederverwertet. Im Salvage Pathway kataly− ßerdem Ribose−5−Phophat an, welches zu
sieren Phosphoribosyltransferasen (APRT, PRPP aktiviert wird. PRPP aktiviert die
HGPRT) die Kopplung der Basen mit PRPP (s. PRPP−Amidotransferase und steigert da−
Antwort zur Frage 37.5). durch die Synthese der Purinnukleotide.
182 Die verstärkt gebildeten Purinnukleotide
Regulation der Purinnukleotidsynthese: Die werden zu Harnsäure abgebaut.
PRPP−Amidotransferase ist das geschwindig−
Die Hyperurikämie führt zum Krankheitsbild
Fall keitsbestimmende Enzym der Purinnukleotid−
Gicht (s. Fall 73). Hinzu kommen neurologi−
synthese. Das Substrat PRPP aktiviert die PRPP−
38 Amidotransferase; alle Purinnukleotide dage−
sche Symptome (z. B. Spastik), geistige Behin−
derung, verstärkte Aggressivität und Neigung
gen hemmen sie.
zur Selbstverstümmelung.

Funktion der Purinnukleotide: Purinnukleotide


sind in ihrer Nukleosidtriphosphatform (ATP ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
und GTP) wegen ihrer zwei energiereichen Bin−
dungen wichtige Substrate an vielen Stellen des Folsäurestoffwechsel
Intermediärstoffwechsels, z. B.
J ATP und GTP sind Bausteine der DNA und Pyrimidinsynthese und −abbau
RNA
J ATP und GTP sind wichtige Energielieferan− Nukleinsäuren
ten
J ATP und GTP können in die Second Mes− Purinabbau
senger cAMP und cGMP umgewandelt wer−
den Gicht
J GTP ist Bestandteil der G−Proteine.

38 Fettsäureabbau (b−Oxidation), Ethanolabbau

38.1 Wie wird Alkohol (Ethanol) abgebaut? J Durch das cytochrom−P450−abhängige


Ca. 95 % des Alkohols werden in der Leber ab− mikrosomale ethanoloxidierende System
gebaut, der Rest wird unverändert über At− (MEOS) zu Acetaldehyd
mung, Schweiß und Urin ausgeschieden. In der J (Daneben wird Ethanol zu einem geringen
Leber gibt es 2 Hauptwege für den Ethanolab− Anteil in den Peroxisomen abgebaut.)
bau: Acetaldehyd wird durch die NAD+−abhängige Al−
J Durch die NAD+−abhängige Alkoholdehydro− dehyddehydrogenase zu Acetat oxidiert. Ac−
genase (ADH) zu Acetaldehyd (Ethanal). etat kann zu Acetyl−CoA aktiviert und in den Zi−
tratzyklus eingespeist werden.

Ü Fall 38 Seite 38

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J bei dem reduzierte Koenzyme (FADH2,
NADH+H+) gewonnen werden, die Energie in
der Atmungskette liefern.
Zum Ablauf:
1. Oxidation (Dehydrierung) von Acyl−CoA
durch die Acyl−CoA−Dehydrogenase zum unge−
sättigten a,b−trans Acyl−CoA (Doppelbindung
zwischen a− und b−Atom des Acyl−CoA); die bei−
den H−Atome werden auf FAD übertragen, es
entsteht FADH2
2. Anlagerung von H2O an das ungesättigte
Acyl−CoA durch die Enoyl−CoA−Hydratase; es
entsteht L−b−Hydroxyacyl−CoA (Hydroxygruppe
in b−Position der Acyl−CoA)
3. Oxidation (Dehydrierung) der b−Hydroxy−
gruppe (des L−b−Hydroxyacyl−CoA) durch die
b−Hydroxy−Acyl−CoA−Dehydrogenase zur Keto−
Ethanolabbau (ADH = Alkoholdehydrogenase, MEOS =
mikrosomales ethanoloxidierendes System) gruppe (b−Ketoacyl−CoA); die beiden H−Atome
werden auf NAD+ übertragen, es entsteht
NADH+H+ 183
4. Abspaltung von Acetyl−CoA durch die b−Ke−
38.2 Wie läuft die b−Oxidation der Fettsäuren to−Thiolase vom b−Ketoacyl−CoA; die ursprüng−
in den Mitochondrien ab? liche Fettsäure ist um 2 C−Atome kürzer und Fall
Die b−Oxidation ist ein kataboler zyklischer Re− geht erneut in den Reaktionskreislauf ein
aktionsablauf, 38
J bei dem pro Runde Acyl−CoA (aktivierte Fett− !!! 38.3 Warum wird die b−Oxidation der Fett−
säure) um ein Acetyl−CoA (aktivierte Essig− uren bei chronischem Alkoholmissbrauch ge−
sa
säure, C2−Körper) gekürzt wird. Acetyl−CoA hemmt?
liefert Energie im Zitratzyklus. J b−Oxidation und Alkoholabbau (Alkoholde−
hydrogenase und Aldehyddehydrogenase)
benötigen beide als Koenzym NAD+.

Ablauf des Fettsäureabbaus


(b−Oxidation)

Ü Fall 38 Seite 38

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Aktivierung von Fettsäuren
mit CoA

J Reduziertes NADH+H+ liegt mit seiner oxi− 38.5 Warum findet die b−Oxidation der Fett−
dierten Form NAD+ in einem Gleichgewicht uren fast ausschließlich im Mitochondrium
sa
vor, das man als [NADH+H+]/[NAD+]−Verhält− statt? Wie gelangen die Fettsauren in das
nis beschreiben kann. Mitochondrium?
J Beim Alkoholiker arbeitet die Alkoholdehyd− Die enzymatische Ausstattung für die b−Oxidati−
rogenase verstärkt, so dass die NADH+H+− on befindet sich nur im Matrixraum des Mito−
Konzentration stark zunimmt. chondriums. Problem: Acyl−CoA kann die innere
J Die b−Oxidation wird mangels NAD+ auf Mitochondrienmembran nicht passieren; daher:
Stufe der NAD+−abhängigen b−Hydroxy− J Umwandlung von Acyl−CoA durch die Acyl−
Acyl−CoA−Dehydrogenase gehemmt. Freie Carnitintransferase 1 (in der Außenseite der
Fettsäuren reichern sich an und werden zu inneren Mitochondrienmembran) in Acyl−
184 Triacylglyzerinen (Triglyzeriden) verestert – Carnitin
die Leber verfettet. J Transport von Acyl−Carnitin in den Matrix−
raum über die innere Mitochondrienmemb−
38.4 Warum müssen Fettsäuren aktiviert ran durch die Translokase im Austausch ge−
Fall werden? Wie erfolgt die Aktivierung der Fett− gen Carnitin
38 säuren? J Umwandlung von Acyl−Carnitin durch die
J Freie Fettsäuren sind reaktionsträge. Bei Akti− Acyl−Carnitintransferase 2 (Innenseite der
vierung mit Coenzym A (CoA) erhalten sie ei− inneren Mitochondrienmembran) in Acyl−
ne energiereiche Thioesterbindung, die wei− CoA
tere Reaktionen ermöglicht.
J Die Thiokinase aktiviert Fettsäuren im Zyto− 38.6 Beschreiben Sie die Funktion der Redox−
sol: Koenzyme am Beispiel der b−Oxidation!
– Fettsäure + ATP = Acyl−Adenylat (Zwi− J NAD+ und FAD dienen bei den Substrat−Oxi−
schenprodukt mit energiereicher gemisch− dationen (Dehydrogenase−Reaktionen) als
ter Säureanhydridbindung) Koenzyme und werden dort zu NADH+H+
– Austausch von AMP durch CoA = Acyl− und FADH2 reduziert.
CoA (aktivierte Fettsäure mit energierei−
cher Thioesterbindung)

Umwandlung von
Acyl−CoA in Acyl−
Carnitin und
Transport von Acyl−
carnitin über die
innere Mitochon−
drienmembran

Ü Fall 38 Seite 38

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J Während NADH+H+ frei diffundiert, ist J An der Atmungskette wird NADH+H+ am
FADH2 als prosthetische Gruppe fest am En− Komplex I zu NAD+ und FADH2 am Komplex
zym (Acyl−CoA−Dehydrogenase, s. Antwort II zu FAD oxidiert (s. Fall 18).
zur Frage 38.2) gebunden. J Durch die Atmungskette wird Energie in
Form von ATP bereitgestellt.
Kommentar

Fettsäureabbau (b−Oxidation): Die b−Oxidation, 38.4). Es wird Speicherfett für schlechte


der Abbau der Fettsäuren, ist ein kataboler Zeiten“ angelegt.
Stoffwechselweg im Matrixraum der Mito− J Bei Nahrungskarenz entfällt dieser Hemm−
chondrien (s. Antwort zur Frage 38.2). Daneben mechanismus, so dass aktivierte Fettsäuren
existiert auch in Peroxisomen eine Form der b− in den mitochondrialen Matrixraum zur b−
Oxidation. Hier werden besonders langkettige Oxidation transportiert werden können.
Fettsäuren um einige C2−Einheiten gekürzt,
aber nicht vollständig abgebaut (s. Fall 36). Ethanolstoffwechsel: Ethanol (Syn. Äthyl−Alko−
Die Fettsäuren entstammen entweder dem hol) wird in der Leber über drei verschiedene
Speicherfett (Triglyzeride, Syn. Triacylglyzeri− Wege abgebaut: über die Alkoholdehydrogena−
ne) oder werden durch Lipoproteine zur ent− se des Zytosols und über das mikrosomale
sprechenden Zelle transportiert. Beim Abbau ethanoloxidierende System (MEOS) des endo− 185
der Fettsäuren entsteht Acetyl−CoA (aktivierte plasmatischen Retikulums (s. Antwort zur Fra−
Essigsäure), das in den Zitratzyklus einge− ge 38.1). Außerdem wird Ethanol auch durch
schleust wird. Außerdem entstehen die redu− die in den Peroxisomen gelegene Katalase ab−
zierten Koenzyme FADH2 und NADH+H+, die an gebaut; dies jedoch zu einem viel geringeren Fall
der Atmungskette wieder zu FAD und NAD+
reoxidiert werden. Beides ermöglicht einen
Anteil. Alle drei Wege bauen Ethanol zu Acetal−
dehyd (Ethanal) ab, das durch die Aldehydde−
38
Energiegewinn in Form von ATP. Ohne die hydrogenase zu Acetat weiter abgebaut wird.
Reoxidation an der Atmungskette würde der Beim Nicht−Alkoholiker werden über 90 %
Fettsäureabbau an der oxidierten Form der des Alkohols über die Alkoholdehydrogenase
Koenzyme (FAD und NAD+) verarmen und dem− abgebaut; das MEOS übernimmt fast den gan−
entsprechend nicht weiter ablaufen. Da die At− zen Rest. Bei chronischem Alkoholkonsum
mungskette Sauerstoff benötigt, ist die b−Oxi− muss ständig mehr Ethanol entgiftet werden,
dation auch nur unter aeroben Bedingungen so dass alle drei Systeme mit erhöhter Umsatz−
möglich. rate arbeiten. Dies kann zu schwerwiegende
Leber, Herz− und Skelettmuskulatur gewin− Auswirkungen auf die Leber und ihren Stoff−
nen über 50 % ihrer Energie aus dem Fettsäu− wechsel führen:
reabbau. Erythrozyten und Nervenzellen sind J Die Alkoholdehydrogenase benötigt als
nicht zur b−Oxidation befähigt, da Erythrozyten Koenzym NAD+. So bleibt weniger NAD+ für
keine Mitochondrien und Nervenzellen nicht die NAD+−abhängige b−Hydroxy−Acyl−CoA−
die erforderlichen Enzyme besitzen. Dehydrogenase. Dadurch wird die b−Oxida−
Damit die antagonistischen Stoffwechselwe− tion gehemmt, freie Fettsäuren reichern
ge Fettsäuresynthese und Fettsäureabbau nicht sich an und werden zu Triglyzeriden ver−
gleichzeitig ablaufen, ist eine Regulation erfor− estert. Dies führt zu einer Fettleber (s. Ant−
derlich: wort zur Frage 38.3).
J Bei Nahrungszufuhr werden Fettsäuren und J Das beim Alkoholabbau anfallende Acetyl−
Triglyzeride aus Kohlenhydraten aufgebaut. CoA liefert über die Atmungskette viel ATP.
Bei der Schrittmacherreaktion der Fettsäu− Eine hohe ATP−Konzentration hemmt das
resynthese entsteht Malonyl−CoA (s. Fall Enzym Isozitratdehydrogenase des Zitrat−
48). Erhöhte Konzentrationen von Malonyl− zyklus, welches Zitrat weiter abbaut. Da−
CoA hemmen die Carnitin−Acyl−Transfera− durch staut sich Zitrat im Mitochondrium
se 1, so dass aktivierte Fettsäuren nicht zur an, wird ins Zytosol ausgeschleust und dort
Oxidation in das Mitochondrium transpor− in Acetyl−CoA und Oxalacetat gespalten.
tiert werden können (s. Antwort zur Frage Acetyl−CoA wird zur Fettsäuresynthese ver−

Ü Fall 38 Seite 38

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wendet. Die entstandenen Fettsäuren wer− z. B. Entgiftung von Ammoniak oder Syn−
den ebenfalls zu Triglyzeriden verestert. these von Plasmaproteinen
Folge ist wiederum eine Fettleber. J Pankreas mit akuter und chronischer Ent−
J Das MEOS kann als einziges alkoholabbau− zündung (Pankreatitis) und Einstellung der
endes System induziert werden, so dass Pankreasfunktionen, z. B. Synthese von
der relative Anteil dieses Systems am Alko− Pankreasenzymen und Insulin
holabbau größer wird als beim Nicht−Alko− J unzureichende Ernährung (da Alkohol Er−
holiker. Da MEOS cytochrom−P450−abhän− satznahrungsmittel“ wird) führt zu Nähr−
gig ist, werden andere cytochrom−P450−ab− stoffmangel (z. B. Vitamine, essenzielle
hängige Entgiftungsreaktionen beeinträch− Amino− und Fettsäuren) und damit Unter−
tigt (z. B. Biotransformation in der Leber). ernährung und Störungen weiterer Organe,
J Das beim Ethanolabbau anfallende Zwischen− z. B. bei Vitamin−B1−Mangel zur Wernicke−
produkt Acetaldehyd (Ethanal) ist leberto− Enzephalopathie (s. Fall 57)
xisch. Es kommt zur Schädigung von Mem− J Nervensystem z. B. mit Krampfanfällen und
branen und Transportsystemen, daher Schädigung peripherer Nerven.
können Triglyzeride nicht mehr aus den Le−
berzellen ausgeschleust werden und lagern
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
sich dort ab. Dies führt als dritter Mechanis−
mus zur Fettleber.
186 Abbau ungesättigter Fettsäuren
Alkoholmissbrauch: Alkoholmengen von mehr
Bedeutung von Biotin und Cobalamin
als 40 g/d bei Männern und 20 g/d bei Frauen
beim Abbau ungeradzahliger Fettsäu−
Fall gelten als gesundheitlich bedenklich (20 g Al−
ren
kohol = 1 Glas Rotwein oder eine Flasche Bier).
39 Neben Alkoholabhängigkeit können Folgen
Lipolyse
chronischen Alkoholmissbrauchs alle Organe
betreffen, z. B.:
Energiebilanz der b−Oxidation
J Leber mit Verfettung (s. o.) und später Zir−
rhose mit Einstellung der Leberfunktionen,

39 Eikosanoide

39.1 Welche Substanz wird durch die Cyclo− – Entzündungsreaktion


oxygenase umgewandelt? Woher kommt diese – Auslösung von Fieber
Substanz? – Hemmung der Lipolyse
J Arachidonsäure wird durch die Cyclooxyge− J Prostaglandin F2a
nase umgewandelt. – Kontraktion der glatten Muskulatur (R
J Arachidonsäure ist Bestandteil der Phospholi− Vasokonstriktion, Bronchokonstriktion,
pide der Zellmembran; mit Hilfe der Phos− Kontraktion der Uterusmuskulatur)
pholipase A2 wird Arachidonsäure von den J Prostaglandin D2
Phospholipiden abgespalten. – Bronchokonstriktion
J Prostaglandin I2 (Syn. Prostacyclin)
39.2 Welche Substanzen entstehen dabei? – Hemmung der Thrombozytenaggregation
Nennen Sie auch deren Wirkungen! (Antagonist von Thromboxan A2)
Prostaglandine: – Vasodilation
J Prostaglandin E2 Thromboxane:
– Relaxation der glatten Muskulatur (R Va− J Thromboxan A2
sodilatation, Bronchodilatation) – Förderung der Thrombozytenaggregation
– Schutz der Magenschleimhaut durch ver− (Antagonist von Prostaglandin I2)
mehrte Schleimproduktion – Vasokonstriktion
– Schmerzsensibilisierung

Ü Fall 39 Seite 39

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39.3 Warum wird durch Hemmung der Cy−
clooxygenase eine Schmerzverminderung er−
reicht?
Prostaglandin E2 erhöht die Schmerzempfind−
lichkeit (s. Antwort zur Frage 39.2). Durch
Hemmung der Cyclooxygenase wird die Bildung
der Prostaglandine reduziert, so dass die
Schmerzempfindlichkeit gesenkt wird.

!!! 39.4 Erlautern Sie, warum ein Cyclooxyge−


nasehemmer wie Aspirin einen Asthmaanfall
sen kann!
auslo
J Arachidonsäure kann durch 2 Enzyme umge−
wandelt werden (s. auch Abb.):
– Durch die Cyclooxygenase in Prostaglandi−
ne und Thromboxane
– Durch die Lipoxygenase in Leukotriene
J Bei Hemmung der Cyclooxygenase wird Ara−
chidonsäure vermehrt durch die Lipoxygena−
se umgewandelt; es entstehen vermehrt Leu−
187
kotriene.
Synthese der Eikosanoide und Wirkungsmechanismus von
J Leukotriene bewirken eine Bronchokonstrik−
Acetylsalicylsäure (ASS) und Kortisol (Kortisol fördert die
tion, dies kann zur Luftnot bis hin zum Asth− Synthese von Lipocortin. Lipocortin hemmt die Phospholi− Fall
maanfall führen. pase A2, so dass weniger Arachidonsäure aus der Phospho−
lipiden der Plasmamembran abgespalten wird. 39
Letztendlich entstehen nicht nur weniger Prostaglandine
und Thromboxane, sondern auch weniger Leukotriene.)

Kommentar

Eikosanoide: Zu den Eikosanoiden gehören kosanoide sind vielfältig, zum Teil wirken sie
Prostaglandine, Thromboxane und Leukotrie− genau gegensinnig (s. Antworten zu Fragen
ne. Es handelt sich hierbei um Gewebehormo− 39.2 und 39.4). Innerhalb von Sekunden und
ne, die nicht von speziellen Zellen, sondern von Minuten werden Eikosanoide abgebaut.
vielen verschiedenen Zellen gebildet werden
können. Die Eikosanoide werden aus der vier− Cyclooxygenasehemmer: Acetylsalicylsäure
fach ungesättigten Arachidonsäure (Eikosa− (ASS, Aspirin) gehört zu einer Gruppe von Me−
tetraensäure) gebildet. Diese ist Bestandteil dikamenten, die die Cyclooxygenase hemmen.
der Phospholipide der Zellmembran und wird Man spricht von Cylooxygenasehemmern
mit Hilfe der Phospholipase A2 aus der Zell− (COX−Hemmern). Diese greifen in die Synthese
membran abgespalten. Arachidonsäure kann der Eikosanoide ein:
nun auf zwei verschiedenen Wegen weiter um− J Durch Hemmung der Cyclooxygenase ent−
gewandelt werden: stehen vermindert Prostaglandine. Dies
J Die Cyclooxygenase (COX) wandelt Arachi− führt zu Schmerzreduktion (analgetische
donsäure in Prostaglandine und Thrombo− Wirkung), Fiebersenkung (antipyretische
xane um. Wirkung) und Entzündungshemmung (an−
J Die Lipoxygenase wandelt Arachidonsäure tiphlogistische Wirkung). Neben diesen er−
in Leukotriene um. wünschten kommt es auch zu uner−
wünschten Wirkungen: Durch verminderte
Eikosanoide wirken hauptsächlich lokal am
Schleimproduktion im Magen, wird die
Ort ihrer Entstehung. Zur Signalübertragung
Magenschleimhaut weniger geschützt, es
auf die Zielzellen binden sie an G−proteinge−
kommt zu Schädigungen der Magen−
koppelte Rezeptoren. Die Wirkungen der Ei−

Ü Fall 39 Seite 39

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schleimhaut. Es kann sich ein Magenge−
schwür (Magenulkus) entwickeln. ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
J Durch Hemmung der Cyclooxygenase bil−
den Thrombozyten vermindert Thromboxa− Einfluss von Kortisol auf die Eikosa−
ne, so dass die Blutstillung beeinträchtigt noidsynthese
wird.
J Durch Hemmung der Cyclooxygenase ist Isoformen der Cyclooxygenase und
das Substratangebot für die Lipoxygenase deren Charakteristika
höher. Dies führt zu einer gesteigerten Leu−
kotriensynthese. Leukotriene wirken bron− Gewebehormone (z. B. Serotonin,
chokonstriktorisch und können Atemnot Histamin, Kinine)
bis hin zum Asthmaanfall auslösen (s. Fall−
beispiel und Antwort zur Frage 39.4). G−proteingekoppelte Signalübertra−
gung

40 Vitamin K

40.1 Welche Aufgaben hat Vitamin K im 40.2 Erläutern Sie den Vitamin−K−Zyklus!
188
menschlichen Körper? Erläutern Sie in diesem J Vitamin K wird mittels Chinonreduktase
Zusammenhang auch den Begriff g−Carboxy− und NADPH + H+ in reduziertes Vitamin K
lierung! (Hydrochinon) umgewandelt.
Fall J Vitamin K ist beteiligt an der Synthese ver− J Reduziertes Vitamin K reagiert mit Sauer−
schiedener Proteine (z. B. Gerinnungsfaktoren stoff zu Vitamin−K−Alkoxid.
40 II, VII, IX, X; Proteine C und S). J Vitamin−K−Alkoxid kann ein Proton (Wasser−
J Es ist dabei Koenzym des Enzyms g−Carboxy− stoff) vom Glutamatrest eines vitamin−K−ab−
lase und hilft diesem beim Anfügen einer hängigen Proteins aufnehmen; an die nun
Carboxylgruppe an das g−C−Atom des freigewordene Bindung dieses Proteins wird
Glutamats dieser Proteine (sog. g−Carboxy− eine weitere Carboxylgruppe mit Hilfe der g−
lierung); durch Anfügen dieser zusätzlichen Carboxylase gebunden.
Carboxylgruppe sind die Proteine in der La− J Nach Abgabe von Hydroxid (OH−) entsteht
ger Kalzium und Phospholipide anzulagern, aus dem Vitamin−K−Alkoxid das Vitamin−K−Ep−
was z. B. beim Ablauf der Blutgerinnung eine oxid.
essenzielle Rolle spielt (s. Fall 56). J Vitamin−K−Epoxid wird durch die Epoxidre−
J Auch die Knochenproteine Osteokalzin und duktase wieder in Vitamin K umgewandelt;
Matrix−Gla−Protein werden vitamin−K−abhän− der Kreislauf kann wieder von vorn begin−
gig carboxyliert. nen.

40.3 Wie greifenVitamin−K−Antagonisten in


diesen Zyklus ein?
Vitamin−K−Antagonisten hemmen die Enzyme
Chinonreduktase und Epoxidreduktase. Da−
durch wird die g−Carboxylierung der vitamin−K−
abhängigen Proteine vermindert, und es entste−
hen funktionsuntüchtige Gerinnungsfaktoren.
g−Carboxylierung eines Glutamatrestes Letztendlich wird die Blutgerinnung gehemmt.

Ü Fall 40 Seite 40

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Vitamin−K−Zyklus und
Angriffsorte der Vitamin−
K−Antagonisten

189

40.4 Erla utern Sie Quick−Wert und INR! wachstum und die Bildung weiterer Throm−
J Quick−Wert (Syn. Thromboplastinzeit): er− ben zu vermeiden. Fall
fasst den extrinsischen Teil und die gemein− J Eine sofortige Wirkung zeigt nur Heparin:
Es greift direkt in das Blutgerinnungssystem
40
same Endstrecke der Blutgerinnung (Faktor I,
II, V, VII, X); Vorgehen: Zugabe von Kalzium ein, indem es die antikoagulatorische Wir−
und Thromboplastin (Gewebefaktor) zu einer kung von Antithrombin III (AT III) verstärkt
ungerinnbar gemachten Plasmaprobe (= Zi− (s. Fall 56).
tratblut); dann Messung der Zeit, bis ein Fi− J Die Wirkung der Vitamin−K−Antagonisten
bringerinnsel auftritt; diese Zeit wird mit der tritt dagegen erst nach einigen Tagen ein.
Gerinnungszeit einer Referenzprobe vergli− Hierfür gibt es 2 Gründe:
chen und in Prozent angegeben (Norm 70– – Zu Beginn einer Therapie mit Vitamin−K−
120 %). Antagonisten liegen noch carboxylierte
J INR (International Normalized Ratio): Der Gerinnungsfaktoren vor, die erst ver−
Quick−Wert ist stark abhängig vom zugesetz− braucht werden müssen. Dies dauert eini−
ten Thromboplastinpräparat und kann sich ge Tage, dann erst macht sich das Fehlen
daher von Labor zu Labor unterscheiden; da− nichtcarboxylierter Gerinnungsfaktoren
mit die Werte aber auch aus unterschiedli− und damit eine Hemmung der Blutgerin−
chen Laboren miteinander vergleichbar sind, nung bemerkbar.
wird das im Labor verwendete Thrombopla− – Auch die Synthese der gerinnungshem−
stin an ein internationales Referenzthrombo− menden Proteine C und S ist vitamin−K−
plastin angeglichen. So können die gemesse− abhängig. Zu Beginn einer Therapie mit
nen Quick−Werte anhand einer Formel in die Vitamin−K−Antagonisten liegen sie noch
international vergleichbare INR umgerechnet vor, verbrauchen sich aber schneller als
werden (Norm 0,9–1,2). die Gerinnungsfaktoren. Daher kommt es
zu einem Überwiegen der Gerinnungsakti−
!!! 40.5 Warum behandeln Sie die Patientin zu− vität und damit Gefahr der verstärkten
chst mit Heparin und nicht gleich mit einem
na Thrombenbildung. Dies ist ein weiterer
Vitamin−K−Antagonisten? Grund, warum eine Heparintherapie zu
J Eine sofortige Hemmung der Blutgerinnung Beginn einer Vitamin−K−Antagonisten−The−
ist notwendig, um ein weiteres Thrombus− rapie gegeben werden müssen.

Ü Fall 40 Seite 40

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Kommentar

Vitamin K: Die fettlöslichen Vitamin−K−Deriva− zu Fragen 40.2 und 40.3). Dadurch können die
te leiten sich vom Menadion (2−Methyl−1,4− vitamin−K−abhängigen Gerinnungsfaktoren
Naphtochinon; auch sog. Vitamin K3) ab. Je nicht mehr carboxyliert werden, es entstehen
nach Substituent am C−Atom in Position 3 des funktionsuntüchtige Gerinnungsfaktoren, und
Menadions unterscheidet man zwischen den die Gerinnungszeit verlängert sich. Die Gerin−
zwei Vitaminen K1 und K2: nungszeit wird klinisch mit dem Quick−Wert
J Vitamin K1 (Phyllochinon) wird von Pflan− oder der INR erfasst (s. Antwort zur Frage
zen gebildet und besitzt eine Phytyl−Sei− 40.4). Diese müssen regelmäßig überprüft wer−
tenkette (bestehend aus 20 C−Atomen). den, um festzustellen, ob die Vitamin−K−Anta−
J Vitamin K2 (Menachinon) wird von Darm− gonisten richtig dosiert worden sind. Falls sie
bakterien gebildet und besitzt eine Difar− unzureichend dosiert sind, ist der therapeuti−
nesyl−Seitenkette (bestehend aus 35 C−Ato− sche Effekt unzureichend; falls sie zu hoch do−
men). siert sind, können gefährliche Komplikationen

190

Fall
40

Struktur von Vitamin K

Folgende Produkte enthalten viel Vitamin K: wie eine verstärkte Blutungsneigung auftreten.
Blumenkohl, Rosenkohl, Sauerkraut, Spinat, Es können u. a. Blutungen in alle Hohlorgane
Hühner− und Rinderleber, Ei, Speisequark. (Gastrointestinaltrakt, ableitende Harnwege)
Vitamin K ist Koenzym bei der g−Carboxylie− und ins Gehirn auftreten.
rung vitamin−K−abhängiger Proteine (s. Ant−
wort zur Frage 40.1).
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
Vitamin−K−Antagonisten: Vitamin−K−Antagoni−
Ablauf der Blutgerinnung
sten (Syn. orale Antikoagulanzien, Kumarine)
hemmen die Blutgerinnung. Der bekannteste
Fibrinolyse
Vertreter ist das Phenprocoumon (Marcumar).
Vitamin−K−Antagonisten werden zur Vermei−
Protein C und Protein S
dung von Thrombosen und Embolien sowie
zur Therapie von Thrombosen eingesetzt. Vi−
Hemmung der Blutgerinnung durch
tamin−K−Antagonisten greifen in den Vitamin−
Heparin und Thrombozytenaggregati−
K−Zyklus ein und hemmen die Enzyme Chinon−
onshemmer (z. B. ASS)
reduktase und Epoxidreduktase (s. Antworten

Ü Fall 40 Seite 40

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41 Abbau des Kohlenstoffgerüsts der Aminosäuren, Methioninabbau

41.1 Welche Produkte entstehen beim Abbau 41.3 Welches Zwischenprodukt entsteht
der Kohlenstoffgerüste der Aminosäuren? Ge− beim ersten Schritt des Methionin−Abbaus?
hen Sie dabei auch auf die Begriffe glukogen und Erläutern Sie die besondere Bedeutung dieses
ketogen ein! Produkts!
Die Kohlenstoffgerüste der 20 proteinogenen S−Adenosylmethionin (SAM) ist ein wichtiger
Aminosäuren werden zu 7 verschiedenen End− Methylgruppendonator im Intermediärstoff−
produkten abgebaut (s. auch Kommentar): wechsel. Es ist an zahlreichen Biosynthesen be−
J Die meisten Aminosäuren werden zu Pyruvat teiligt (s. Tab.).
oder Zwischenprodukten des Zitratzyklus
(Oxalacetat, a−Ketoglutarat, Succinyl−CoA,
Fumarat) abgebaut. Aminosäuren, die derart S−Adenosylmethionin (SAM) als Methylgruppendo−
nator im Intermediärstoffwechsel
abgebaut werden, bezeichnet man als gluko−
gene Aminosäuren. Ausgangssub− Methylierungs− Funktion des Methy−
stanz produkt lierungsprodukts
J Einige Aminosäuren werden zu Acetoacetat
Noradrenalin Adrenalin Katecholamin
oder Acetyl−CoA, also Produkten, die zur Bio−
Ethanolamin Cholin Bestandteil von Phos−
synthese von Ketonkörpern und Fettsäuren pholipiden und des
dienen können, abgebaut. Aminosäuren, die Transmitters Acetyl− 191
derart abgebaut werden, bezeichnet man als cholin

ketogene Aminosäuren. Guanidinoac− Kreatin Muskelprotein


etat
J Einige Aminosäuren können sowohl zu Zwi−
schenprodukten des Zitratzyklus als auch zu
N−Acetylsero− Melatonin Regulation des zirkadia− Fall
tonin nen Rhythmus
Acetyl−CoA und Acetoacetat abgebaut wer− Pharmakon Methyliertes Entgiftung“ von Arz− 41
den. Diese Aminosäuren sind gemischt glu− Pharmakon neimitteln
ko− und ketogen. DNA− und RNA− Methylierte Schutz vor Abbau
Basen Basen

41.2 Erläutern Sie den Abbau von Methionin!


J ATP−abhängige Umwandlung von Methionin
in S−Adenosylmethionin (SAM) 41.4 Welche Aminosäure kann dadurch nicht
J Durch Abspaltung der Methylgruppe und hy− mehr vom Körper selbst gebildet werden und
drolytische Abspaltung des Adenosins ent− wird dadurch essenziell?
steht aus SAM Homocystein Die Cystathion−b−Synthetase katalysiert die Kon−
J Homocystein kann zu Methionin remethyliert densation von Homocystein und Serin zu Cysta−
(s. Kommentar) oder wie folgt weiter abge− thionin. Cystathionin wird in Homoserin und
baut werden Cystein gespalten. Im Verlauf des Methionin−Ab−
J Kondensation von Homocystein und Serin zu baus entsteht also die Aminosäure Cystein. Bei
Cystathionin (Enzym: Cystathionin−b−Syntha− einem Defekt der Cystathionin−b−Synthase kann
se, Koenzym: Pyridoxalphosphat [PALP, akti− Cystein nicht mehr vom Körper selbst herge−
ves Vitamin B6]) stellt werden und wird daher essenziell.
J Hydrolytische Spaltung von Cystathionin in
Homoserin und Cystein (Enzym: Cystathio−
nase, Koenzym: PALP)
J Nach Desaminierung von Homoserin ent−
steht a−Ketobutyrat (R Umwandlung in Pro−
pionyl−CoA und Abbau zu Succinyl−CoA)
J Cystein kann als proteinogene Aminosäure
zur Proteinsynthese genutzt oder weiter zu
Pyruvat abgebaut werden

Ü Fall 41 Seite 41

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192

Fall
41

Methioninabbau

Ü Fall 41 Seite 41

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Kommentar

Wege des Kohlenstoffgerüsts beim Aminosäu− dukte können nicht zum Glukoseaufbau ge−
reabbau: Die Kohlenstoffgerüste der 20 protei− nutzt, wohl aber zu Ketonkörpern und Fettsäu−
nogenen Aminosäuren werden zu sieben ver− ren umgewandelt werden. Daher bezeichnet
schiedenen Endprodukten abgebaut. Hierbei man diese Aminosäuren als ketogene Amino−
handelt es sich um Zwischenprodukte des Zit− säuren.
ratzyklus (Oxalacetat, a−Ketoglutarat, Succinyl− Die meisten Aminosäuren sind glukogen, nur
CoA, Fumarat), Pyruvat oder Produkte, die der zwei der 20 proteinogenen Aminosäuren (Lysin
Biosynthese von Ketonsäuren und Fettsäuren und Leucin) sind rein ketogen. Vier der 20 Ami−
dienen (Acetyl−CoA, Acetoacetat) (s. Antwort nosäuren, und zwar Tryptophan, Phenylalanin,
zur Frage 41.1). Während der Abbau der Ami− Tyrosin und Isoleucin, sind gemischt glukogen
nogruppen der Aminosäuren zu Harnstoff ein und ketogen, d. h. dass ihr Abbau sowohl in
energieverbrauchender Prozess ist, können die Zwischenprodukten des Zitratzyklus oder Py−
Kohlenstoffgerüste der Aminosäuren unter ruvat, als auch in Acetyl−CoA oder Acetoacetat
Energiegewinn abgebaut werden. Etwa 10 % endet.
der gewonnen Energie im menschlichen Körper
entstammt dem Aminosäurestoffwechsel. Dies Abbau und Resynthese von Methionin: Das
beruht v. a. auf dem Abbau der Aminosäuren zu Zwischenprodukt des Methioninabbaus Homo− 193
Zwischenprodukten des Zitratzyklus und damit cystein kann nicht nur weiter abgebaut werden
der Entstehung von CO2 oder H2O. Andererseits (s. Antwort zur Frage 41.2), sondern auch zur
können die o.g. Zwischenprodukte des Zitrat− Resynthese von Methionin genutzt werden.
zyklus und auch Pyruvat zum Glukoseaufbau Diese Reaktion wird durch die Methioninsyn− Fall
verwendet werden. Daher bezeichnet man die−
se Aminosäuren auch als glukogene Aminosäu−
thetase katalysiert. Methylgruppenspender
und damit Koenzyme dieser Reaktion sind Co−
41
ren. Einige Aminosäuren werden zu Acetyl−CoA balamin (Vitamin B12) und Methyltetrahydro−
und Acetoacetat abgebaut. Diese beiden Pro− folsäure (s. Fall 21).

Übersicht über den Abbau der


20 proteinogenen Aminosäuren

Ü Fall 41 Seite 41

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Homozystinurie: Bei der Homozystinurie han− Die Diagnose wird durch den Nachweis des
delt es sich um einen autosomal−rezessiv erb− Enzymdefekts gestellt. Die Behandlung erfolgt
lichen Enzymdefekt im Stoffwechsel des symptomatisch, in erster Linie durch eine me−
Methionins. Am häufigsten ist ein Defekt der thioninarme, cysteinreiche Kost. Bei vielen Pa−
Cystathionin−b−Synthase. Durch den Stoffwech− tienten ist die Gabe des Koenzyms der Cystha−
seldefekt staut sich Homocystein an. Durch Ver− thionin−b−Synthetase Pyridoxalphosphat
knüpfung der SH−Gruppen zweier Homocy− (PALP) erfolgreich.
stein−Moleküle entsteht Homozystin. Ein ande−
rer Teil des Homocysteins wird zu Methionin
ZUSATZTHEMEN FÜR LERNGRUPPEN
remethyliert. Dementsprechend sind bei diesen
Patienten die Plasmakonzentrationen an Ho−
Abbau der Aminosäuren Threonin, Iso−
mozystin und Methionin erhöht (s. Fallbei−
leucin und Valin
spiel). Klinisch fallen die Patienten im Alter
von ca. 3 Jahren auf. Typische Symptome sind
Abbau von Cystein
Linsenluxation, Hochwuchs und Spinnenfing−
rigkeit (Arachnodaktylie), verzögerte geistige
Beteiligung von Cobalamin (Vitamin
Entwicklung, Osteoporose, Thrombosen und
B12) beim Abbau von Propionyl−CoA
Embolien.

194

42 Galaktosestoffwechsel

Fall 42.1 Was ist Galaktose, und in welcher Form Plasmaproteinen (z. B. Gerinnungsfakto−

42 wird Galaktose aufgenommen?


J Galaktose ist ein Monosaccharid.
ren)
– Proteoglykane der extrazellulären Matrix
J Sie wird als Bestandteil des Disaccharids Lak− des Bindegewebes
tose (Milchzucker = Galaktose + Glukose) J In der laktierenden Mamma wird Laktose
aufgenommen. aus Glukose und Galaktose synthetisiert.
Galaktose
(a – offenkettig, 42.3 Erläutern Sie uns den Stoffwechsel der
b – Haworthformel)
Galaktose!
Im Galaktose−Glukose−Interkonversionsweg
b der Leber wird Galaktose in Glukose−1−Phos−
phat umgewandelt:
a J ATP−abhängige Phosphorylierung von Galak−
tose durch die Galaktokinase zu Galaktose−1−
Phosphat
J Übertragen von UMP der UDP−Glukose mit−
tels Galaktose−1−Phosphat−Uridyl−Transferase
(GALT) auf Galaktose−1−Phosphat; es entste−
Laktose hen Glukose−1−Phosphat (s. Kommentar)
und UDP−Galaktose
J UDP−Galaktose kann
42.2 Wofür wird Galaktose benötigt? – zur Laktosesynthese genutzt werden
J Galaktose (aus der Laktose der Muttermilch) – oder mittels UDP−Galaktose−4−Epimerase
liefert neben der Glukose Energie v. a. für (Epimerase) zu UDP−Glukose epimerisiert
den Säugling. werden (diese Reaktion ist reversibel, so
J Galaktose ist außerdem Bestandteil der dass aus UDP−Glukose wieder UDP−Galak−
– Glykoproteine in den Plasmamembranen tose entstehen kann); UDP−Glukose kann
(Glykokalix) und Exportproteinen wie zur Glykogensynthese genutzt werden
Strukturproteinen (z. B. Kollagen) und oder wieder mit Galaktose−1−Phosphat
reagieren (s. oben)

Ü Fall 42 Seite 42

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Galaktose−Glukose−Interkonversionsweg

!!! 42.4 Welche Reaktion ist bei der klassischen – Phosphoglukomutase (Glykogenaufbau/−
Galaktosamie betroffen? abbau)
Die Aktivität der Galaktose−1−Phosphat−Uridyl− – Glukose−6−Phosphatase (Glykogenauf−
Transferase (GALT) ist vermindert, d. h. UMP bau/−abbau und Glukoneogenese) 195
kann nicht auf Galaktose−1−Phosphat übertra− – Glukose−6−Phosphat−Dehydrogenase
gen werden, so dass UDP−Galaktose nicht ent− (Pentosephosphatweg)
stehen kann (vgl. Antwort zur Frage 42.3). J Da Glykogenabbau (Glykogenolyse) und Glu−
koneogenese betroffen sind, kann Glukose Fall
!!! 42.5 Wie kommt es zu der Hypoglykamie, die nicht ausreichend zur Verfügung gestellt
werden, um den Blutglukosespiegel ggf. zu
42
sich bei dem Neugeborenen mit Trinkschwa che,
sse und Zittrigkeit manifestiert?
Bla erhöhen, und es kommt zu Hypoglykämien.
J Durch die verminderte Aktivität der Galakto− Um den Blutglukosespiegel schnell anzuhe−
se−1−Phosphat−Uridyl−Transferase (GALT) ben, wird Adrenalin ausgeschüttet. Dadurch
staut sich Galaktose−1−Phosphat an, welches kommt es zu den Symptomen Trinkschwä−
folgende Enzyme im Kohlenhydratstoffwech− che, Blässe und Zittrigkeit.
s