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Review: Die Nibelungen

Wer mich zumindest ein bißchen kennt, weiß wie sehr ich illustrierte Bücher
liebe, aber vielleicht auch, daß ich die Bände der Insel-Bücherei mit Begeisterung
sammle.
Die derzeit schönsten sind da für mich die aus der von Burkhard Neie
gestalteten Reihe, in der bereits Deutsche Balladen, Helden- und Volkssagen
erschienen sind. Dabei liebe ich nicht nur den Illustrationsstil, sondern auch die
Auswahl der Sagen und Balladen.

Nun erschien in der großformatigen Ausgabe der Insel-Bücherei das nächste von
Burkhard Neie gestaltete Buch und was würde nach Dichtung und Sagen besser
passen, als seine Interpretation der Nibelungen-Sage?

Die Geschichte ist bekannt: Siegfried von Xanten wird durch das Bad im Blut
eines Drachen bis auf eine kleine Stelle zwischen den Schulterblättern
unverwundbar. Bei einem weiteren Abenteuer gelangt er außerdem in den Besitz
einer Tarnkappe, die ihn Unsichtbar machen kann und er gewinnt den Hort der
Nibelungen; einen schier unermesslich großen Goldschatz.
Als er nach Worms an den Hof der Burgunder kommt, verliebt er sich in
Kriemhild, die Schwester von König Gunther, der aber hat eine Aufgabe für
Siegfried, bevor er ihm die Hand seiner Schwester geben will. Gemeinsam reisen
sie nach Island, wo Gunther die Kriegerkönigin Brünhild zur Frau nehmen will,
doch die will nur denjenigen heiraten, der sie im Kampf besiegt. Schnell ist klar,
daß er keine Chance gegen Brünhild hat, doch dank der Tarnkappe kann im
Siegfried unsichtbar zur Seite stehen und so den Kampf für Gunther
entscheiden. Brünhild wird Gunthers Frau und reist mit ihm zurück nach
Worms, wo Siegfried und Kriemhild heiraten, doch schon nach kurzer Zeit
kommt es zum Eklat: Kriemhild verrät Brünhild im Streit, daß nicht Gunther,
sondern Siegfried im Kampf gegen sie gewonnen hat, woraufhin die Königin
Rache schwört.
Hagen von Tronje, der Onkel des Königs, überredet Kriemhild die Stelle an der
Siegfrieds verwundbar ist mit einem kleinen Kreuz an seiner Tunika zu
markieren, vorgeblich um Siegfried so besser schützen zu können, doch nur
kurze Zeit darauf ermordet Hagen Siegfried bei einem Jagdaus#ug.
Kriemhild ist voller Hass auf ihre Familie, die den Mord an Siegfried nicht
rächen will und beginnt, den Nibelungenhort nach und nach zu verschenken,
was ihre Brüder verhindern wollen. Wieder einmal mischt sich Hagen ein und
versenkt den kompletten Schatz kurzerhand im Rhein.
Als Jahre später ein Botscha"er der Hunnen an den Hof der Burgunder kommt
und in König Etzels Namen um Kriemhilds Hand anhält, sieht sie endlich ihre
Chance gekommen, doch noch Siegfrieds Mord zu rächen…

Natürlich kannte ich die Geschichte durch Bücher und Filme schon, trotzdem
war es ein großer Genuss, diese Nacherzählung von Gretel und Wolfgang
Hecht zu lesen. Die beiden haben einen angenehmen Ton gefunden, der zwar die
alte und sehr getragene Sprache gut wiedergibt, der aber so spannend ist, daß
man als Leser durchgehend mit$ebert.

Die Illustrationen von Burkhard Neie tre%en, wie immer, genau meinen
Geschmack.
Vorwiegend in orangerot und blaugrau setzt er die Handlung in Szene, wobei er
die Charaktere meist in an M.C. Escher erinnernde, gra$sche Umgebungen
platziert. Dabei kombiniert er o" überraschende Elemente, die den
Illustrationen seine ganz persönliche, etwas surrealistische Note geben.

„Die Nibelungen“ sind eine ganz wunderbare Ergänzung zur Burkhard Neie-
Reihe der Insel-Bücherei, die mich durch die gekonnte Nacherzählung und die
kra"vollen Bilder absolut begeistern konnte.

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Autor: Lesen... in vollen Zügen


Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun
"Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade
bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen
Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller
deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von
schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende
illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami,
Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder
Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere
aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge
bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen
nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich
dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen
Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.
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Lesen... in vollen Zügen / 28. Januar 2020 / Buch, Burkhard Neie, illustrationen, Insel, Insel
Bücherei, Insel Verlag, lesen

5 Kommentare zu „Review: Die Nibelungen“

pbcat
28. Januar 2020 um 16:01

Ist das schön! Ich bin spontan verliebt. Danke für den Tipp!

! Gefällt 1 Person

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Lesen... in vollen Zügen !


28. Januar 2020 um 16:05

Gerne!

! Gefällt 1 Person

Antworten

Pingback: Nebeliger November – Lesen… in vollen Zügen

nina. aka wippsteerts


28. Januar 2020 um 18:38

Oh, ich hab doch schon zwei Ausgaben…


Im ersten Moment denkt man so, „passen die Bilder? Heiligenschein?“
Und dann: ja, das passt!
Sind Bücher mit Bildern (zusätzlich) nicht einfach schön?
Liebe Grüße
Nina

! Gefällt 1 Person

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Lesen... in vollen Zügen !


28. Januar 2020 um 22:56

Aber schöne Bücher kann man niiie genug haben!


Ja, die Heiligenscheine tauchen ö"er in den Illustrationen von Burkhard Neie
auf. Irritiert anfangs vielleicht ein bißchen, weil man ja dann immer an
religiöse Geschichten denkt, aber es passt dann doch irgendwie sehr gut.
Liebe Grüße zurück,
Andrea

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