Sie sind auf Seite 1von 3

Sprache und Politik

Trump und die Sozialen Medien

Verfassen Sie eine Textanalyse!

Lesen Sie den Kommentar Twitter und Facebook müssen Trumps Profile löschen, um Leben
zu schützen aus der online-Ausgabe der Tageszeitung Augsburger Allgemeine von Yannick
Dillinger!

Verfassen Sie nun die Textanalyse und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge:

• Geben Sie zentrale Aussagen des Textes zum Thema Trump und die Sozialen Medien
wieder!
• Untersuchen Sie die sprachliche Gestaltung des Textes. Berücksichtigen Sie dabei,
wie die Autoren mit den Leserinnen und Lesern kommunizieren!
• Erschließen Sie mögliche Intentionen des Autors!
Schreiben Sie zwischen 405 und 495 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen!
Twitter und Facebook müssen Trumps Profile löschen, um Leben zu schützen

Kommentar von Yannick Dillinger, 07.01.2021

Donald Trump wiegelt über Twitter und Facebook seine Anhänger auf. Die werten das
als Legitimation für Gewalt. Die Netzwerke müssen endlich reagieren.

Wer am frühen Donnerstagmorgen deutscher Zeit auf das Twitterprofil des amtierenden US-
Präsidenten klickt, dem springen zwei Hinweise des Netzwerks entgegen: „Dieser Tweet ist
nicht mehr verfügbar, weil er gegen die Twitter-Richtlinien verstoßen hat.“ Unter den
gelöschten Botschaften befindet sich auch das Video, in dem Donald Trump seine Anhänger
ein bisschen zur Räson aufgerufen, vor allem aber den Vorwurf wiederholt hat, die Wahl Joe
Bidens zum US-Präsidenten sei korrumpiert gewesen. Auch Facebook hat das Video
mittlerweile gelöscht.

Nun könnte man sagen: Ist doch toll, dass sich die Netzwerke ihrer Verantwortung bewusst
werden und handeln. Nur: Das Handeln erfolgte viel zu spät und viel zu halbherzig. Der Hass
hätte viel früher nicht nur markiert, sondern direkt gelöscht werden müssen. So wie der ganze
sonstige Hass auch, der seit Jahren im Netz geteilt wird. Gerade Trumps Tiraden und Eskapaden
verbreiten sich im Netz schneller, als Facebookchef Mark Zuckerberg das Wort
„Verantwortung“ aussprechen kann. Wie ernst er und Jack Dorsey (Twitter) es wirklich mit
ihrem Kampf gegen Gewalt meinen, müssen sie schnell unter Beweis stellen. Und die Profile
von Trump sperren.

Die USA waren natürlich schon lange vor Donald Trump gespalten. Aber er hat Gewalt gegen
Andersdenkende legitimiert. Oft mit 140-Zeilen-Botschaften auf Twitter, oft mit wild ins „Was
machst du gerade“-Fenster gehackten Nachrichten auf Facebook. Die Netzwerke haben viele
Jahre lang dabei zugesehen, wie Trump sich und seine Anhänger, unter ihnen viele
Verschwörungsideologen, die jeden Mist auf YouTube konsumieren, immer weiter radikalisiert
hat. Facebook und Twitter sind seine mächtigsten Instrumente zur Mobilisierung. Über sie hatte
Trump am Mittwoch auch zum Marsch zum Kapitol aufgerufen. Am Ende des Tages gab es
vier Todesopfer zu beklagen. Die Welt spricht von einer „Schande für die USA“.

Nach Sturm auf Kapitol: Facebook und Twitter sollten Profile von Donald Trump
sperren

Hauptverantwortlicher ist in solch einem Fall immer der Absender der Botschaft. Donald
Trump hat Blut an seinen Händen. Das mag martialisch klingen, ist aber keine Übertreibung.
Er wusste, zu was seine Anhänger, gerade die Proud Boys, in der Lage sind. Mit verantwortlich
sind aber auch die Macher von Twitter, Facebook und Google, die dem Hass aus rein monetären
Erwägungen heraus freien Lauf gelassen haben. Die Netzwerke belohnen Beiträge, die geliked,
kommentiert und geteilt werden, mit noch mehr Reichweite. Das ist das Wesen ihrer
Algorithmen. Deshalb verbreitet sich auch jede Falschnachricht um ein Vielfaches besser

Mit Reichweite machen die Netzwerke sehr viel Geld, weil sie sie an Werbetreibende
verkaufen. Facebook und Co. sind Profiteure des Hasses. Einige Unternehmen hatten 2020
bereits zum Boykott der Netzwerke aufgerufen - aber auch schnell wieder Werbung
geschaltet. Diese Initiative sollte endlich nachhaltig sein. Ein massenweises Ignorieren von
Werbetreibenden wäre wahrscheinlich das Einzige, was Zuckerberg und Co. wirklich zum
Umdenken bringen würde.

Facebook und Twitter müssen bei Donald Trump von ihrem Hausrecht Gebrauch
machen

Kritiker werden nun schnell wieder die Zensurkeule schwingen. Das Löschen und Markieren
von Botschaften oder das Löschen vor Profilen ist in diesen Fällen aber gar keine Zensur. Es
ist erstens das Ausüben von Hausrecht. Und zweitens eine Pflicht, um Menschenleben zu
schützen. Das gilt nicht nur im Falle eines verrückten US-Präsidenten. Das gilt für Menschen
gleich welcher Couleur, die zu Gewalt aufrufen oder Hass verbreiten. Twitter und Facebook
sind an anderer, harmloserer Stelle doch auch schnell dabei, wenn es um die Sperrung von
Profilen geht. Bei Trump sollten sie mutig genug sein und endlich ihre eigenen Richtlinien ernst
nehmen. Die besagen nämlich: Bei mehrfachen Verstößen werden Profile gesperrt.

Natürlich sind die Probleme dieser Welt nicht beseitigt, wenn Facebook und Twitter
entschiedener gegen diese Populisten vorgehen. Da darf sich keiner was vormachen.
Mobilisierung findet zunehmend auf Telegram oder im Dark Social (in geschlossenen Gruppen
und Privatchats) statt. Hass verschwindet nicht, nur weil er auf großen Plattformen nicht mehr
sichtbar ist. Und doch wäre es ein wichtiger Beitrag, wenn diesem Feind der Demokratie
zumindest seine mächtigsten Instrumente zur Mobilisierung genommen würden. Nicht, weil er
unliebsame Botschaften herausposaunt. Sondern weil es gilt, Demokratie und Menschenleben
zu schützen.

https://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Twitter-und-Facebook-muessen-Trumps-Profile-
loeschen-um-Leben-zu-schuetzen-id58859636.html, 20.4.2021.