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Temperaturmessung (Quelle: Chemietechnik)

Die Temperatur bezeichnet den Wärmezustand eines Stoffes. Sie ist die bestimmende
Zustandsgrösse für eine chemische Reaktion. Die Temperaturmessung ist eine häufige
Messaufgabe in der chemischen Technik.
Temperaturskalen
Die gebräuchlichste Temperaturskala in der Technik ist die Celsius-Skala.

Als Einheit für die Temperatur verwendet man bei der Celsius-Skala den 100. Teil des
Temperaturunterschiedes zwischen dem Gefrierpunkt und dem Siedepunkt des Wassers
(beim Normaldruck 1013 bar) und nennt ihn 1 Grad Celsius (abgekürzte Schreibweise 1 °C).
Der Gefrierpunkt des Wassers liegt bei 0°C (Null Grad Celsius) und der Siedepunkt bei 100
°C. Die tiefste Temperatur, der sogenannte absolute Nullpunkt, liegt bei -273,15 °C. Nach
oben ist die Celsius-Skala unbegrenzt. Das Formelzeichen für eine Temperaturangabe in °C
ist ϑ (Theta).
Die Kelvin-Temperaturskala beginnt bei der tiefsten möglichen Temperatur, dem absoluten
Nullpunkt mit 0 K (Null Kelvin). Der Gefrierpunkt des Wassers liegt bei 273,15 K und der
Siedepunkt bei 373,15 K (jeweils bei 1013 m bar Normaldruck). Der Abstand zwischen
Gefrierpunkt und Siedepunkt beträgt 100 K. Nach oben ist die Skala unbegrenzt. Das
Formelzeichen für eine Temperaturangabe in Kelvin ist T. Beispiel: T = 345 K Die Kelvin-
Temperaturskala wird bevorzugt in den Naturwissenschaften und für physikalische
Berechnungen, vor allem bei Gasen, verwendet.
Als Temperatur-Standard ist festgelegt: die Norm Temperatur ϑn = 0 °C bzw. Tn = 273,15 K.
Der Abstand zwischen Gefrierpunkt und Siedepunkt des Wassers beträgt bei der Celsius-
Skala 100 Einheiten, genauso wie bei der Kelvin-Skala. Damit entspricht die Grösse der
Temperatureinheit 1 °C der Temperatureinheit 1 K. Die Differenz zweier Temperaturen ergibt
in °C und in K den gleichen Zahlenwert.

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Die Zählung der Celsius-Skala und der Kelvin-Skala beginnen bei verschiedenen
Ausgangszahlen. Deshalb haben Temperaturangaben in Grad Celsius (°C) und Kelvin (K)
unterschiedliche Zahlenwerte. Zur Umrechnung von Temperaturen °C in K oder umgekehrt
von K in °C verwendet man die nebenstehenden Umrechnungsgleichungen.

Für technische Berechnungen benutzt man in den Umrechnungsformeln als ganzzahligen


Temperatur-Nullpunkt -273 °C.
Übungsaufgabe: Wie viel Grad Celsius entsprechen 326 K?

Die Fahrenheit- Temperaturskala wird in Ländern des nordamerikanischen Kontinents


verwendet. Bei ihr liegt der Gefrierpunkt des Wassers bei +32 °F und der Siedepunkt bei 212
°F. Der Abstand zwischen Gefrier- und Siedepunkt beträgt 180 °F, Die Umrechnung von °C]
in °F und umgekehrt erfolgt nach den untenstehenden Gleichungen.

Beispiel: Eine Flüssigkeit hat eine Temperatur von 93 °C. Welchem Temperaturwert
entspricht dies in °F?

Die Messung der Temperatur erfolgt indirekt durch Messung von physikalischen
Stoffeigenschaften, die sich stetig mit der Temperatur verändern und leicht messbar sind.
Dies sind z. B. die Volumenausdehnung von Flüssigkeiten und Gasen, die
Längenausdehnung von Metallen und der elektrische Widerstand bestimmter Metalle und
Legierungen. Die Temperaturmessgeräte werden je nach Messprinzip Thermometer,
Thermoelement oder Pyrometer genannt.

Mechanische Temperaturmessgeräte
Beim Flüssigkeitsausdehnungs-Thermometer wird die Veränderung des Volumens einer
Flüssigkeitsmenge bei Temperaturänderung gemessen. Die Flüssigkeit befindet sich in
einem kleinen Glas-Vorratsgefäss, das nach oben zu einer feinen Kapillare verjüngt ist.
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Erwärmt sich die Flüssigkeit, so dehnt sie sich aus und steigt in der Kapillare nach oben. Als
Ausdehnungsflüssigkeit verwendet man entweder Quecksilber oder Ethanol. Die
Messbereichsspanne quecksilbergefüllter Thermometer reicht von -35 °C bis +600 °C.
Thermometer mit Ethanolfüllung sind im Bereich von -70 °C bis +70 °C einsetzbar. Zum
Schutz gegen Bruch besitzen sie ein Metall-Umhüllungsrohr. Der Vorteil der
Flüssigkeitsausdehnungsthermometer liegt in ihrer Einfachheit und Zuverlässigkeit. Ihr
Nachteil ist die Zerbrechlichkeit und die ausschliessliche Ablesung aus nächster Nähe.

Beim Ausdehnungs-Rohrfederthermometer ist eine Flüssigkeit (Quecksilber) oder ein Gas


(Stickstoff) in einem Messfühlerrohr eingeschlossen und über eine Metallkapillare mit einer
Rohrfeder im Anzeigegerät verbunden. Eine Temperaturerhöhung bewirkt eine
Druckerhöhung im Messfühler, die sich in die gekrümmte Rohrfeder fortpflanzt und ihre
Krümmung verändert. Sie wird auf einen Zeiger übertragen und als Temperaturänderung auf
einer Skala angezeigt. Die Messbereichsspanne der Rohrfederthermometer reicht von -200
°C bis +800 °C.
Das Bimetallthermometer beruht auf der unterschiedlichen Ausdehnung zweier
verschiedener Metalle. Ein dünner Kupferblechstreifen und ein Zinkblechstreifen sind
zusammengewalzt und bilden den Bimetallstreifen. Bei Erwärmung bzw. Abkühlung krümmt
sich der Bimetallstreifen in die eine bzw. die andere Richtung, da sich die Metalle
unterschiedlich ausdehnen. Die technischen Bimetallthermometer besitzen eine Spirale oder
Wendel aus Bimetall. Sie ist an einem Ende fest angeschraubt. Am freien Ende des
Bimetallstreifens entsteht bei Temperaturänderung ein Drehausschlag, der über eine Achse
auf ein Anzeigegerät mit Zeiger übertragen wird. Bimetallthermometer gibt es als
Flachinstrument und mit Tauchrohr zum Einbau in Behälter. Ihr Messbereich erstreckt sich
von -50 °C bis +500 °C. Der Vorteil von Bimetallthermometern ist ihre Preiswertigkeit und
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Robustheit. Bimetallstreifen werden auch als Ein/Aus-Schalter in Temperaturwächtern und
Zweipunktreglern eingesetzt.

Temperaturmessgeräte mit elektrischem Ausgangssignal


Diese Temperaturmessgeräte ergeben ein von der Temperatur abhängiges elektrisches
Ausgangssignal. Es wird meist am Messort umgeformt und dort sowie zusätzlich in einer
Messwarte als Messwert angezeigt. Ausserdem kann das Signal zur Weiterverarbeitung als
Regelgrösse benutzt werden. Diese Messgeräte haben in der chemischen Technik eine
grosse Bedeutung,
Widerstandsthermometer
Beim Widerstandsthermometer nutzt man als physikalisches Messprinzip die proportionale
Änderung des elektrischen Widerstandes einer speziellen Metalldrahtwicklung mit der
Temperatur (Bild 1). Der gebräuchlichste Messwiderstand ist ein Platindrahtwiderstand mit
einem Nennwiderstand von 100 Q bei 0 °C. Er wird Pt 100 genannt und ist nach DIN EN
60751 genormt.

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Daneben kommen auch Widerstandswicklungen aus Nickel und NiCr-Legierungen zum
Einsatz. Die Messanordnung besteht aus dem Widerstand am Messort und dem
Anzeigegerät am Anzeigeort. Der gemessene Widerstandswert R wird in einem
Messumformer elektronisch in ein standardisiertes Stromsignal -E umgeformt. Es wird auch
Einheits-Stromsignal genannt.
Das standardisierte Stromsignal ist linear proportional dem Messsignal (hier dem
Widerstandswert). Die Messumformer (auch Transmitter genannt) erzeugen standardisierte
Stromsignale im Bereich von 4 mA bis 20 mA. Sie steuern das digitale Temperatur-
Anzeigegerät (Display). Durch die Verwendung der Messumformer können die
verschiedenen Messsignale (Spannungen, Widerstandswerte, Ströme usw.) mit einem
Anzeigegerät dargestellt werden. Die Messbereichsspanne der Widerstandsthermometer
liegt zwischen -200 °C und +850 °C. Widerstandsthermometer sind wegen ihrer Genauigkeit
und ihres günstigen Preises die Standardgeräte zur Temperaturmessung in der
Chemietechnik. In der technischen Ausführung besteht das Widerstandsthermometer aus
dem eigentlichen Messeinsatz, der in einem Schutzgehäuse untergebracht ist. Im
Messeinsatz ist der Messwiderstand elektrisch isoliert in der Spitze eines dünnen
Metallrohres angeordnet. Der Messeinsatz wird in das Schutzrohr eingeschoben, verdrahtet
und dann wird der Anschlusskopf des Schutzgehäuses mit einer Verschlussklappe
geschlossen. Bei Defekten oder einer Änderung des Temperaturmessbereichs kann der
Messeinsatz ausgetauscht werden. Das druckfeste Schutzgehäuse bleibt fest verschraubt
am Messort, z. B, in einem Reaktor, sodass der Betrieb nicht gestört wird. Es gibt auch

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Widerstandsthermometer, die einen Messumformer im Anschlusskopf besitzen und die
Temperatur auf einem Display im Anschlusskopf anzeigen.

Thermoelemente
Ein Thermoelement besteht aus zwei dünnen, gegeneinander isolierten Drähten aus
unterschiedlichen Metallen (Thermopaar), die an den Enden verschweisst sind. Als
Metallpaarung verwendet man z.B. Eisen und Konstantan (CuNi-Legierung). An den freien
Drahtenden des Thermopaars herrscht eine kleine Spannung U (die Thermospannung),
wenn an der Schweissstelle und an den freien Drahtenden (Vergleichsstelle)
unterschiedliche Temperaturen herrschen. Die Thermospannung ist umso grösser, je grösser
der Temperaturunterschied zwischen Messort und Vergleichsstelle (ϑMess - ϑo) ist.
Die anliegende Thermospannung (wenige mV) wird in einem Messumformer in ein Einheits-
Stromsignal umgewandelt, das ein digitales Temperaturanzeigegerät steuert. In der
technischen Ausführung ist das Thermoelement in einem Messeinsatz untergebracht. Der
Messeinsatz wird wie beim Widerstandsthermometer in ein Schutzrohr mit Anschlusskopf
eingebaut. Die Vergleichsstelle befindet sich am Messeinsatz im Anschlusskopf. Die nicht
konstante Temperatur der Vergleichsstelle wird von der Elektronik oder der Software des
Messgeräts ausgeglichen. Thermoelemente werden eingesetzt, wenn
Widerstandsthermometer wegen des Messbereichs (maximal 850 °C) nicht mehr eingesetzt
werden können. Die Messbereichsspanne der Thermoelemente liegt zwischen -180 °C und
+1800 °C.

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Infrarot-Thermometer
Beim Infrarot-Thermometer (kurz IR-Thermometer oder Pyrometer genannt), wird das
physikalische Phänomen genutzt, dass jeder Körper mit zunehmender Temperatur infrarote
Strahlung mit steigender Intensität aussendet. Im Infrarot-Thermometer fällt die vom
Messobjekt ausgehende Infrarotstrahlung (Wellenlänge 0,7 bis 18 µm) durch eine
Sammellinse auf eine Fotodiode. Dadurch wird in der Fotodiode ein elektrischer Stromfluss
ausgelöst, dessen Grösse der Oberflächen Temperatur des Messobjekts proportional ist. Der
Strom wird in ein Einheits-Stromsignal umgeformt und als Temperatur angezeigt. Die
unterschiedliche Abstrahlung (Emissionsverhalten) der Messoberflächen wird durch
Eingeben des Emissionsfaktors am Messgerät berücksichtigt. Infrarot-Thermometer sind in
der Messbereichsspanne von -50 °C bis +3000 °C einsetzbar. Die Messgenauigkeit beträgt
ca. 1 % vom Messwert. Sie werden eingesetzt, wenn hohe Oberflächen Temperaturen zu
messen sind oder wenn der Messort das Anbringen eines Messsensors nicht zulässt.
Infrarot-Thermometer gibt es als stationäre Geräte sowie als Handgeräte.

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