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WS 2011/12 Pflichtübung aus Zivilverfahrensrecht 030 195 Mag.

Hartmut Haller

Selbstkontrolle (für die 2. Klausur)

Vorbereitung: Rechberger/Simotta, Zivilprozessrecht8, Rz 1 – 1068 oder die


entsprechenden Abschnitte anderer Lehrbücher oder Darstellungen.

1. Kreuzen Sie die richtige(n) Antwort(en) an:

a) Das Gericht 1. Instanz hat vergessen, in das Urteil eine Kostenentscheidung


aufzunehmen. Den Parteien stehen folgende Rechtsbehelfe zur Verfügung: (1)
o) Antrag auf Ergänzung des Urteils
o) Kostenrekurs
o) Wiedereinsetzung in den vorigen Stand
o) Berufung (im Kostenpunkt)

b) Das Gericht hat über einen Anspruch von € 1.000 entschieden Folgende
Berufungsgründe können geltend gemacht werden: (1)
o) Nichtigkeit
o) sonstige Verfahrensmängel
o) unrichtige Tatsachenfeststellung auf Grund unrichtiger Beweiswürdigung
o) unrichtige rechtliche Beurteilung

c) Gegen den ausdrücklichen Willen der Parteien und ohne ihre Mithilfe kann das
Gericht folgende Beweise aufnehmen: (1)
o) Zeugenbeweis
o) Parteieneinvernahme
o) Urkundenbeweis
o) Augenschein

2. Definieren oder erklären Sie:

Tatsachenfeststellung (2) – Anfechtungserklärung (2) – Revision (2)

3. Kleiner Fall:

Für A wird das Protokoll der letzten Tagsatzung und das erstinstanzliche Urteil
(teilabweisend und teilstattgebend) am 18. November von der Post hinterlegt
(Abholung ab 19. November); er holt es am 20. November ab. B übernimmt sein
Kuvert am 30. November persönlich. Am 22. November erfährt A von einer
Sekretärin des Gerichts auf einer feuchtfröhlichen Krampusparty, dass der Richter
aus der Übertragung des Protokolls etliche seinerzeit diktierten Passagen
herausgestrichen hat, „weil sie nicht zu seiner Beweiswürdigung passen.“ A schafft
es auf Grund seines Zustandes erst am Nachmittag des 23. November, einen Anwalt

Selbstkontrolle 2
WS 2011/12 Pflichtübung aus Zivilverfahrensrecht 030 195 Mag. Hartmut Haller

aufzusuchen; von der Schriftführerin hat er nur den Vornamen und die private
Telefonnummer erhalten.

Wie beurteilen Sie die gleichzeitige Zustellung von Verhandlungsprotokoll und Urteil?
(3)
Wann würde das Urteil A, wann B gegenüber subjektiv rechtskräftig, wenn beide kein
Rechtsmittel erheben? (4)
Was würden Sie A als Rechtsanwältin/Rechtsanwalt raten? (6)
Was ändert sich an Ihrer Beurteilung, wenn das Gericht noch kein Urteil gefällt hat,
sondern noch eine Verhandlung ausständig ist? (3)
4. Fall:

In einer Tagsatzung des Verfahrens A gegen seine ehemalige Partnerin B wegen


Unterlassung der Verbreitung obszöner Gerüchte über sein Privatleben (mit € 5.000
bewertet) und Zahlung von € 250 „für sexuelle Gefälligkeiten“ vor dem BG X ärgert
sich der Richter über einen Zwischenruf des als Zeugen beantragten, noch nicht
vernommenen, aber im Verhandlungssaal als Zuhörer anwesenden C. Im Zorn wirft
er sämtliche Zuhörer (C und den unbeteiligten D sowie dessen 10-jährigen Sohn E)
aus dem Saal.
Im Urteil
- spricht das Gericht A auch die von ihm während der Verhandlung unter
Anspruchsverzicht zurückgezogene Geldforderung zu,
- begründet der Richter den Umstand, dass er den Zeugen C nicht mehr vernommen
hat, damit, dass er – schon auf Grund seines Benehmens – davon überzeugt war,
dass dieser nicht die Wahrheit sagen werde,
- ist der Name der laut Beweiswürdigung entscheidenden Zeugin F falsch
geschrieben,
- begründet das Gericht seine Beweiswürdigung hinsichtlich der Zeuginnen G und H
lediglich mit dem Satz „Die Zeugin G schien dem Gericht wesentlich glaubwürdiger
als die Zeugin H.“,
- vertritt das Gericht eine Rechtsansicht, die zwar dem Wortlaut des Gesetzes
entspricht, nicht aber einer sehr neuen Entscheidung des OGH; es begründet damit
auch, weshalb es ein Beweisverfahren über eine von B angebotene Urkunde nicht
durchgeführt hat („rechtlich nicht relevant“).
Was haben Sie dazu zu bemerken? (24)

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