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SS 2012 Pflichtübung aus Zivilverfahrensrecht 030 195 Mag.

Hartmut Haller

1. Selbstkontrolle (Klausur aus dem WS)

1. Kreuzen Sie die richtige(n) Antwort(en) an:

a) Zeugen (1)
o) müssen über 7 Jahre alt sein.
o) müssen – wenn sie aussagen – die Wahrheit sagen.
o) können auch schriftlich aussagen, wenn sie nicht vor Gericht erscheinen können.
o) dürfen sich weigern, als Zeuge auszusagen, wenn ein Verwandter beklagt ist.

b) Die Ablehnung und Befangenheit von RichterInnen ist in folgendem Gesetz


geregelt: (1)
o) Einführungsgesetz zur Zivilprozessordnung (EGZPO)
o) Zivilprozessordnung (ZPO)
o) Jurisdiktionsnorm (JN)
o) Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetz RStDG)

c) Im Zivilverfahren erster Instanz kann entscheiden: (1)


o) ein Rechtspfleger/eine Rechtspflegerin
o) ein Richter/eine Richterin
o) ein Senat aus drei RichterInnen
o) ein Senat aus drei oder fünf RichterInnen

2. Definieren oder erklären Sie:

Unprorogable sachliche Unzuständigkeit (3) – zurückweisen (2) – bedingter


Zahlungsbefehl (2)

3. Kleine Fälle:

a) A klagt B vor dem BG X auf Zahlung von € 2.000. B wendet in seinem Einspruch
ein, dass eine Schiedsvereinbarung besteht.

b) Bei der Richterin X langt eine Klage von A gegen B ein. X glaubt sich zu erinnern,
beim Morgenkaffee gehört zu haben, dass die Richterin Y ein Verfahren zur
Bestellung eines Sachwalters für B eingeleitet hat.

c) A klagt B auf Kaufpreis aus einem Kaufvertrag. Der der Klage beigelegte
Kaufvertrag ist aber zwischen A und C geschlossen; der Kaufpreis im Vertrag ist
höher die eingeklagte Summe.

d) Der Richterin X fällt bei Studium des Aktes vor der vorbereitenden Tagsatzung auf,
dass bis auf den Beklagten alle Verfahrensbeteiligten im Sprengel eines anderen
Gerichts wohnen.
1. Selbstkontrolle
SS 2012 Pflichtübung aus Zivilverfahrensrecht 030 195 Mag. Hartmut Haller

e) A will B, ihren gewalttätigen Mann, klagen, aber in der Klage nicht angeben, wo
sie jetzt – nach ihrer Flucht aus der gemeinsamen Wohnung - wohnt. Sie sucht mit
diesem Problem den Amtstag bei Gericht auf.

Wie sollte das Gericht jeweils vorgehen? (3)

4. Fall:

A, ein Büchersammler aus Wien XVIII. möchte B, einen Argentinier, der in Paris eine
Buchhandlung betreibt, klagen, weil die schon vor einiger Zeit vereinbarungsgemäß
nach Wien gelieferten Bücher (Preis: 12 000 Euro) stark beschädigt angekommen
sind und er daher die Hälfte des im Voraus in Paris bezahlten Kaufpreises als
Kaufpreisminderung zurück haben will. RA, der Anwalt des A, zählt in der
Klagserzählung die spanischen Buchtitel auf und legt der Klage den französischen
Kaufvertrag im Original bei. Bei Lektüre der Klage ist der Richter nicht sicher, ob A
den Mangel (rechtzeitig) gerügt hat und ob der Anspruch des A nicht auch schon
verjährt ist. Der von B zum Beweis des Zustandes der Bücher bei Ankauf und
Absenden beantragte Zeuge X gibt auf die Ladung hin bekannt, dass alleine seine
Reisekosten 1 200 Euro betragen werden und er nur Französisch spreche. A gibt in
einem Schriftsatz vor der vorbereitenden Tagsatzung bekannt, dass er zwei der
Bücher bereits an Z weiterverkauft habe und dieser sich wegen des Zustandes und
Wertes der Bücher weigere, sie einem Gericht zu überlassen, dessen „schlampiger
Umgang mit Beweismitteln“ ihm bekannt sei. Er beantragt, Z die Vorlage der Bücher
aufzutragen, hilfsweise Z mit dem Beisatz „Die Bücher sind mitzubringen!“ als
Zeugen zu laden.

Was haben Sie dazu zu bemerken? (24)

Die in Klammer angegebenen Zahlen bezeichnen lediglich ungefähr das jeweilige „Gewicht“, das ich
auf eine richtige Antwort lege; sie entsprechen keinem strengen Punkte- oder Lösungsschema.

1. Selbstkontrolle