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WS 2010/11 Pflichtübung aus Zivilverfahrensrecht 030 195 Mag.

Hartmut Haller

Selbstkontrolle 1

Vorbereitung: Rechberger/Simotta, Zivilprozessrecht7, Rz 1-720 oder die


entsprechenden Abschnitte anderer Lehrbücher oder Darstellungen.

Erklärung: Die in runden Klammern nachgestellten Zahlen geben ungefähr die


Anzahl der „Punkte“ an, die mit einer umfassenden richtigen Antwort zu erzielen sind.
Das hat nur sehr eingeschränkt mit der Anzahl der richtigen Antworten, „Stichworte“
die ich lesen will oder Sätze, die Sie dazu schreiben müssen, zu tun, sondern mehr
mit der Schwierigkeit der Fragestellung.

1. Kreuzen Sie die richtige(n) Antwort(en) an:

a) Die Prozessfähigkeit im Zivilprozess (1)


o) ist in der ZPO geregelt
o) entspricht der Rechtsfähigkeit im Privatrecht
o) entspricht der Geschäftsfähigkeit im Privatrecht
o) entspricht der Deliktsfähigkeit im Strafrecht

b) Die Ablehnung und Befangenheit von RichterInnen ist in folgendem Gesetz


geregelt: (1)
o) Einführungsgesetz zur Zivilprozessordnung (EGZPO)
o) Zivilprozessordnung (ZPO)
o) Jurisdiktionsnorm (JN)
o) Richter- und Staatsanwaltschaftsdienstgesetz RStDG)

c) In einem erstinstanzlichen Zivilprozess entscheidet/entscheiden: (1)


o) ein Rechtspfleger/eine Rechtspflegerin oder ein Richter/eine Richterin
o) ein Richter/eine Richterin
o) ein Richter/eine Richterin oder ein Senat aus drei RichterInnen
o) ein Richter/eine Richterin oder ein Senat aus drei oder fünf RichterInnen

d) Zustellungen im Zivilprozess (1)


o) werden von den Parteien organisiert (über die Post)
o) werden in Zusammenarbeit der Parteien (Angabe der Adresse) und des Gerichtes
(Anordnung der Zustellung) organisiert
o) werden auf Wunsch der Parteien („Antrag“) von Gericht bewirkt
o) werden von Amts wegen von Gericht organisiert („Amtsbetrieb“)

2. Definieren oder erklären Sie:

res iudicata (2) – Wahlgerichtsstand (2) – Zahlungsbefehl (2) – Kostennote (2)

Selbstkontrolle 1
WS 2010/11 Pflichtübung aus Zivilverfahrensrecht 030 195 Mag. Hartmut Haller

3. Kleine Fälle:

a) A, der im 3. Bezirk in Wien wohnt, hat im 10. Bezirk in Wien einen Autounfall mit B,
der im 13. Bezirk in Wien wohnt und im 18. Bezirk in Wien arbeitet. A möchte B auf
7.000 Euro Schadenersatz (Reparaturkosten) klagen.

Bei welchem Gericht/welchen Gerichten kann A seine Klage einbringen? (2)

Ändert sich das Ergebnis (wenn ja: wie?) wenn A in Brüssel wohnt (1) oder 15.000
Euro einklagen möchte (1) oder zusätzlich die Feststellung der Haftung für zukünftige
Schäden begehrt (1)?

b) A hat seinen Arbeitnehmer B auf 6.000 Euro Schadenersatz (Beschädigung des


Dienstwagens) geklagt. B hat vorsichtshalber rückständiges Gehalt in Höhe von
4.000 Euro eingewendet. Weil im Verfahren „nichts weitergeht“, will B das Gehalt nun
in einem zweiten Verfahren selbst einklagen.

Kann er das? Warum? (1) Vor welchem Gericht? Warum? (1) Was muss B tun, wenn
das erste Verfahren doch schneller abgeschlossen ist, als das zweite? (3)

c) A klagt B, das Verfahren scheint gut zu laufen. Für das Verfahren hat A bisher
etliche Ausgaben gehabt: Er musste eine Abfrage beim Zentralen Melderegister
machen, um herauszufinden, wo B überhaupt wohnt, einen Detektiv bezahlen, um
herauszufinden, ob es sinnvoll ist, B zu klagen oder ob er ohnedies mittellos ist,
Gerichtsgebühren überweisen, die Kosten für einen Sachverständigen
bevorschussen, die das Gericht fast aufgebraucht hat, und mehrfach mit dem Taxi zu
Gericht fahren. Mit seinem Anwalt hat er zusätzlich zu den „tarifmäßigen Kosten“ (die
er noch nicht bezahlt hat) einen Erfolgszuschlag von 15% vereinbart (für den er
3.000 Euro Kostenvorschuss erlegt hat).

Was muss passieren, damit A seine Kosten von B ersetzt bekommt? (1) Was muss A
oder sein Anwalt dazu beitragen? (1) Wie schätzen Sie die Chancen bei den
einzelnen Kosten ein? (4) Was sollte A tun, wenn der Anwalt des B irrtümlich 1
Verhandlung in der Dauer von 2 Stunden geltend macht, die in Wahrheit abberaumt
wurde? (1)

Selbstkontrolle 1
WS 2010/11 Pflichtübung aus Zivilverfahrensrecht 030 195 Mag. Hartmut Haller

4. Fall:

A bringt gegen B, einen ungarischen Austauschstudenten der für eine ganze WG


den Mietvertrag abgeschlossen hatte, eine Mahnklage wegen Zahlung von 12
rückständigen Monatsmieten über insgesamt 15.240 Euro und wegen Räumung
beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien ein. Weil die Zeit drängt und das
Postamt bei dem er kopieren und die Klage aufgeben wollte nicht mehr offen hat,
wirft A die Klage und die Beilage (Mietvertrag in ungarischer Sprache) in einem
schlichten Kuvert in bloß einfacher Ausfertigung in den Postkasten. In der letztlich
anberaumten Tagsatzung muss B erkennen, dass seine sprachlichen und
juristischen Kenntnisse für ein auf Amtsdeutsch geführtes Bestandverfahren doch
nicht ausreichen und möchte sofort Verfahrenshilfe (für einen Dolmetscher und einen
Rechtsanwalt) beantragen. Der Richter lehnt die Aufnahmen dieses Antrags in der
Verhandlung ab, meint, er könne auch später noch um Verfahrenshilfe ansuchen.
Die Gewährung derselben sei jedoch fraglich, weil er ohnedies ein Stipendium
erhalte; im Übrigen wolle er ausländische Mietnomaden nicht dabei unterstützen,
Prozesse zu schleppen. Eine Protokollierung seiner Ausführungen nimmt er auch
über Aufforderung des B nicht vor.

Was haben Sie dazu zu bemerken? (20)

Selbstkontrolle 1