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‫مﻴﺤرﻟا نﻤﺤرﻟا ﷲا مﺴﺒ‬

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Das Gute gebieten und das Schlechte verbieten

Inhalt

Einleitung.............................................................................................. 2

Das Gute gebieten und das Schlechte verbieten................................ 3

Strategie der Verbesserung................................................................. 10

Liebe und Hass im Islam............................................................. 10

Die gute Tat................................................................................ 12

Tauhid........................................................................................ 18

Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit............................................. 20

Der Weg zur Läuterung.............................................................. 24

Jihad........................................................................................... 33

Die Gemeinschaft und ihre Führung........................................... 35

Die Führung in der islamischen Gemeinschaft (’Ulu l-Amr)....... 36

Alles Gute muss das Wohlgefallen Allahs (t) beabsichtigen......... 36

Alles Gute ist Ihsan..................................................................... 39

1
Einleitung

Imam Abu l-Abbas Ahmad bin Schihabu d-Din Abdu l-Halim bin Majdu d-Din Abu I-Barakah Abdu
s-Salam bin Taymiyyah (rh) sagt: Lob und Dank gebührt nur Allah. Von Ihm erbitten wir Hilfe,
Rechtleitung und Vergebung, und wenden uns Ihm mit Reue zu. Von dem Übel unserer Selbst und
unserer Taten suchen wir Zuflucht bei Allah (t). Wen Allah (t) recht leitet, den kann niemand irre
leiten, und wen Allah (t) irre leitet kann niemand recht leiten.

Wir bezeugen, dass Allah (t) Einzig ist und keinen Teilhaber hat, und dass Muhammad (s) Sein Diener
und Gesandter ist. Allah (t) hat ihn, bevor der Jüngste Tag über sie kommt, als ein Überbringer froher
Botschaft und als einen Warner, der mit der Hilfe Allahs zu Allah (t) ruft und leitet, geschickt. Durch
ihn hat uns Allah (t) aus der Irre zum Recht, aus der Dunkelheit zum Licht, aus der Lüge zur Wahrheit
geführt und hat die blinden Augen, tauben Ohren und verschlossenen Herzen geöffnet. Denn er (t) hat
die göttliche Nachricht übermittelt, das Anvertraute erfüllt, der Ummah die Wahrheit gezeigt. Er hat
für Allah (t) einen echten Jihad gemacht, und hat Ihm gedient, bis Er über seinen Tod bestimmt hat.
Allahs (t) Segen und Frieden soll über ihn und seine Familie sein. Wir erbitten Allah (t), dass Er ihm
die höchste Belohnung gibt, die ein Prophet im Namen seines Volkes erhalten kann.

2
Das Gute gebieten und das Schlechte verbieten

Das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten ist eine religiöse Wahrheit, aufgrund welcher
Allah (t) Seine Bücher und Propheten geschickt hat. Die göttliche Mitteilung (Risalatullah) erfolgt in
Form der Benachrichtigung (Ikhbar) oder in Form des Verlangens (Inscha). Das Benachrichtigen
erfolgt, indem Allah (t) von Tauhid oder Wa'd (die Belohnung des Guten) und Wa'id (die Bestrafung
des Schlechten), und mit Geschichten die, die Belohnung oder die Bestrafung beinhalten, über Sich
und Seine Geschöpfe erzählt. Das Verlangen erfolgt durch Gebieten, Verbieten und Handlungsfreiheit
(Mubah) lassen.

Da diese Dreiteilung des Qurans in „Qissat“ (Geschichten), „Tauhid“ und „Amr“ (Befehl) auch
„Tauhid“ beinhaltet sagt Rasulullah (s): „Die Surat Ihlas ist ein Drittel des Qurans.“ (Abu Dawud,
Witr 18; Tirmidhi, Sawabu l-Quran 10)

Oder wie sie auch in der Ayat, in der Allah (t) die Besonderheiten Rasulullahs (s) verdeutlicht, zu er-
kennen ist:

„... er (Muhammad) gebietet ihnen das Gute und verbietet ihnen das Schlechte, und er erlaubt
ihnen die guten Dinge und verwehrt ihnen die schlechten, und er nimmt ihnen ihre Last hinweg
und die Fesseln, die auf ihnen lagen.“ (Sure Al-A'raf, Aya 157)

Diese Ayat offenbart die Sprache des Prophetentums (Nubuwwah) Rasulullahs (s). Denn der Gesandte
Allahs (s) ist jemand, durch dessen Zunge Allah (t) alles Gute gebietet, alles Schlechte verbietet, alles
reine und saubere erlaubt (tahlil) und alles unreine verbietet (tahrim). Aus diesem Grund sagt Rasulul-
lah (s), wie überliefert ist: „Ich wurde geschickt um die Tugenden zu vervollständigen.“ (Malik,
Husnu l-Khulq; Ahmad 2/381)

In einer Überlieferung (Hadith) aus den Sahih von Imam Bukhari und Imam Muslim, Allah (t) möge
sie beide für ihren unvergleichlichen Dienst für die Ummah mit dem Besten belohnen, sagt Rasulullah
(s): „Ich und die anderen Propheten gleichen einem Mann, der ein Haus baut und es bis auf einen
(Luft)ziegel vervollständigt. Die Menschen besichtigen das Haus und sind begeistert von der
Schön-heit des Hauses und sagen: ‚Ach, wäre doch nur diese eine Ziegel(große) Lücke nicht.’ So
bin ich (derjenige, der das Haus vervollständigt) derjenige, der den Platz dieses Ziegels einnimmt.“
(Bukhari, Manaqib 18; Muslim, Fadailu n-Nabiy 20-23; Tirmidhi, Amsal 8/76; Ahmad 2/244,257)

Durch diese Besonderheit Rasulullahs (s) wurde die Religion Allahs (t), die das Gebieten jedes Guten
und das Verbieten jedes Schlechten, das Erlauben alles Reinen und das Verbieten alles Unreinen be-
inhaltet, vollendet. Die Propheten Allahs (t) - Segen und Frieden soll über sie sein - von Rasulullah (s)
hingegen, verboten ihren Völkern auch einige reine und schöne Dinge. Wie Allah (t) berichtet:

„Alle Speise war den Kindern Israels (Kindern Yaqubs) erlaubt, außer was Israel (Yaqub) sich
selber verwehrte, bevor die Taurat (Thora) herabgesandt wurde.“ (Sure Al-Imran, Aya 93)

Das Schlechte zu verbieten erfordert jedes unreine zu verbieten und das Gute zu gebieten erfordert
jedes reine zu erlauben. Etwas Reines zu verbieten, ist etwas, was Allah (t) verboten hat. Jedes Gute
zu gebieten und jedes Schlechte zu verbieten geht gemeinsam mit der, von Allah (t) vollendeter
Tugend Rasulullahs (s), zur Vollkommenheit hin. Allah (t) sagt:

„Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und meine Gnade an euch vollendet und
euch den Islam zur Religion erwählt.“ (Sure AI-Maida, Aya 3)

Allah (t) hat für uns unsere Religion vollkommen gemacht, Seine Gnade über uns vollendet und für
uns am Islam als Religion gefallen gefunden. Und auch seine Gemeinschaft (Ummah Muhammads)
wird von Allah (t) beschrieben, wie er selber auch:

3
„Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen entstand. Ihr gebietet das Gute und ihr
verbietet das Schlechte, und ihr glaubt an Allah.“ (Sure Al-lmran, Aya 110)

„Und die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Beschützer: Sie
gebieten das Gute und verbieten das Schlechte und verrichten das Salah und entrichten die
Zakah und gehorchen Allah und Seinem Gesandten.“ (Sure At- Tauba, Aya 71)

Deswegen wird berichtet das Abu Hurayra (ra) gesagt hat: „Dir seid die besten für die Menschen,
denn ihr bringt sie in Handschellen und in Ketten in das Paradies.“

Allah (t) hat offenbart, dass diese Gemeinschaft die beste Gemeinschaft für die Menschen ist und für
sie einen großen Nutzen und viel Gutes hat. Denn diese Gemeinschaft verwirklicht das Gebot den
Menschen das Gute zu befehlen und ihnen das Schlechte zu verbieten, indem sie jedem jedes Gute
befehlen und jedem jedes Schlechte verbieten. Und dieses tun sie, indem sie auf dem Weg Allahs mit
ihrem Leben und ihrem Vermögen Jihad machen. Genau dies, ist der größte Gewinn für die Men-
schen. Ganz anders, haben die anderen Gemeinschaften vor ihnen nicht jedem jedes Gute geboten und
nicht jedem jedes Schlechte verboten, haben hierfür auch nicht gekämpft. Sogar gibt es Gemeinschaf-
ten die überhaupt nicht Krieg geführt haben. Die Kriege derer, die gekämpft haben, nämlich die Söhne
Israels, glichen meistens einem Krieg gegen einen Unterdrücker oder einen Angreifer, also um den
Feind aus dem eigenen Land zu vertreiben, nicht aber mit der Absicht zum Glauben (Iman) zu rufen,
das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten. So, wie als Musa (as) zu seiner Gemeinschaft
sprach:

„Und als Musa zu seinem Volke sagte: ‚O mein Volk, besinnt euch auf Allahs Huld gegen euch,
als Er aus eurer Mitte Propheten erweckte und euch zu Königen machte und euch gab, was Er
keinem anderen auf der Welt gegeben hat. O mein Volk, betretet das heilige Land, das Allah für
euch bestimmt hat, und kehret Ihm nicht den Rücken, denn dann werdet ihr als Verlorene
umkehren.’ Sie sagten: ‚O Musa, siehe, dort lebt ein tyrannisches Volk, und wir werden das
Land nicht betreten, ehe es jene nicht verlassen haben. Doch wenn sie es verlassen, dann wollen
wir dort einziehen.’ Es sagten zwei Männer von denen, die gottesfürchtig waren, und denen
Allah Seine Gnade erwiesen hatte: ‚Zieht durch das Tor ein und wendet euch gegen sie; seid ihr
eingezogen, dann werdet ihr siegreich sein. Und vertraut auf Allah, wenn ihr Gläubige seid.’ Sie
sagten: ‚O Musa nimmermehr werden wir es betreten, solange jene dort sind. Gehe du mit
deinem Herrn und kämpft; wir bleiben hier sitzen.’“ (Sure AI-Ma'ida, Aya 20-24)

Und Allah (t) erzählt weiter:

„Siehst du nicht die Vornehmen von den Kindern Israels in der Zeit nach Musa, als sie zu einem
Propheten unter ihnen sagten: ‚Setze für uns einen König ein, damit wir auf dem Weg Allahs
kämpfen!’ Er sagte: ‚Ist es nicht möglich, dass ihr, wenn euch vorgeschrieben wird zu kämpfen,
doch nicht kämpfen werdet?’ Sie sagten: ‚Was sollte uns dazu bewegen, dass wir nicht auf dem
Weg Allahs kämpfen, wo wir doch aus unseren Häusern vertrieben und von unseren Söhnen
getrennt worden sind?’ Doch als ihnen vorgeschrieben wurde zu kämpfen, da wandten sie sich
ab bis auf wenige von ihnen. Und Allah kennt die Ungerechten.“ (Sure Al-Baqara, Aya 246)

Wie unschwer zu ersehen ist, betrachteten die Söhne Israels als Gründe für ihren Krieg, dass sie aus
ihrer Heimat vertrieben und von ihren Söhnen getrennt werden. Und doch wendeten sie sich vom
Kriege ab, als dieser ihnen befohlen wurde. Wie bekannt ist, und in den Sahihayn überliefert wird,
sind die Söhne Israels (Bani Israil) die größte gläubige Gemeinschaft, die vor uns gelebt hat.

4
Eines Tages kam Rasulullah (s) zu seinen Gefährten und sagte: „Mir sind alle Gemeinschaften
gezeigt worden. Ein Prophet mit nur einer Person mit ihm, ein Prophet mit zwei Personen mit ihm,
ein Prophet mit einer Gruppe von Personen mit ihm und ein Prophet mit niemandem mit ihm, sind
an mir vorbeigezogen, als mir in der Ferne ein dunkler Fleck gezeigt wurde. Ich glaubte meine
Ummah zu sehen, als mir gesagt wurde: ‚Das ist die Ummah Musas (as). Blicke du zum Horizont.’
Worauf ich gleich hinschaute. Und was sehen meine Augen? Ein großer dunkler Fleck. Daraufhin
wurde mir gesagt: ‚Blicke zum anderen Horizont hin.’ Und ein weiterer großer dunkler Fleck.
Dann sagte man zu mir: ‚Das ist deine Ummah. Und mit diesen gibt es noch Siebzigtausend, die
ohne Rechnung und Strafe in das Paradies eingehen werden.’ Daraufhin stand Rasulullah (s) auf
und ging in sein Haus. Die Männer dort fingen indessen an darüber zu sprechen wer wohl diese sein
würden, die ohne Rechnung und Strafe in das Paradies eingehen werden. Einige sagten: „Vielleicht
sind diese die Freunde Rasulullahs (s).“ Andere sagten : „Vielleicht sind diese diejenigen, die als
Muslime geboren worden sind und somit nie in Schirk gewesen sind.“ Und viele andere
vergleichbare Sachen wurden gesagt, als Rasulullah (s) wieder zu ihnen heraustrat. „Über was redet
ihr?“ fragte er. Und sie teilten ihm mit über was sie redeten. Daraufhin sagte Rasulullah (s): „Die
Gläubigen, die ohne Rechnung in das Paradies eingehen werden sind die, die keine Ruqya1 machen
und keine Ruqya machen lassen, nicht an Tiyara glauben und nur auf Allah (t) vertrauen.“
Daraufhin stand Uqqaascha bin Mihsan auf und sagte: „Bete für mich zu Allah, dass Er mich von
ihnen machen möge.“ Und Rasulullah (s) sagte zu ihm: „Du bist einer von ihnen.“ Ein anderer stand
auf und sagte: „Bete auch für mich zu Allah, so dass Er mich von ihnen machen möge.“ Und
Rasulullah (s) sagte: „In dieser Sache hat dich Uqqascha übertroffen.“ (Bukhari, Tibb 17; Muslim,
Iman 374)

Aus diesem Grund ist die Ijma (Übereinkunft der Gelehrten) dieser Ummah als Dalil (Legitimitätsbe-
weis) akzeptiert. Denn Allah (t) berichtet von dieser Ummah, dass sie jedes Gute befiehlt und jedes
Schlechte verbietet. Würde diese Ummah darin übereinkommen Haram (Verbotenes) Mubah
(indifferent, erlaubt, weder bejaht noch verneint) zu machen, Wajib (Befohlen) zu verlassen, etwas
Erlaubtes (Halal) Haram zu machen oder über Allah (t) oder die Menschen in einer unwahren Weise
zu berichten, dann wäre sie als eine Gemeinschaft, die das Schlechte befiehlt und vom Guten abhält
beschrieben worden. In der Ayat aber kommt ganz im Gegenteil zum Ausdruck, dass alles das, was
von dieser Ummah nicht befohlen wird, nicht gut sein kann, und das alles was diese Ummah nicht
verbietet nicht schlecht sein kann.

1
(Ruqya ist das Belesen eines Kranken mit bestimmten Ayat aus dem Quran oder einiger Gebete, die als Sunna
des Propheten überliefert sind. Tiyara ist der Glaube an Pech und an böse Omen usw. Diese hier zitierte Über-
lieferung ist diejenige, wie sie von Imam Muslim in seiner Sahih aufgenommen ist. In der Überlieferung von
Imam Bukhari ist der Teil „die keine Ruqya machen „ nicht vorhanden. Imam Ibn Taymiyyah sagt, dass wohl
die Überlieferung dieser Hadith wie sie im Sahih Bukhari ist, die richtige ist, dass der Teil „ die keine Ruqya
machen „ durch einen Fehler einer der Überlieferer fälschlich in diese Hadith aufgenommen wurde. Denn
Rasulullah (s) verkündet als den Grund warum diese Menschen ohne Rechnung in das Paradies eingehen werden
ihren wahrhaftigen Glauben in die Einheit Allahs (Tauhid). Denn diese Leute bitten nicht einmal einen anderen
darum, dass er sie beließt, glauben nicht, war auch immer über sie kommen mag, an das Pech, sondern verbauen
nur auf Allah (t). Die Tatsache, dass Jibril (as) Rasulullah (s) Ruqya gemacht hat (Muslim 2186; Tirmidhi 972;
Ibn Maja 3523; Ahmad 3/28),

der Hadith von Rasulullah (s) im Sahih von Imam Muslim „Solange sich keine Schirk in ihr befindet, spricht
nichts dagegen.“ (Muslim 2I99; Abu Dawud 3886)

und die Überlieferung, in der man Rasulullah (s) um Erlaubnis zum Ruqya machen fragt und er sagt: „wer von
euch seinem Bruder einen Nutzen bringen kann, soll ihm nützlich sein.“ (Muslim 2199; Ahmad 3/302)

bestärken die Aussage Imam Ibn Taymiyyas und zeigen auch, dass das Ruqya machen erlaubt ist, dass derjenige
der seinen Bruder Ruqya macht, ihm etwas Gutes tut. Anders verhält es sich jedoch dabei nach Ruqya zu ver-
langen, denn dies kommt dem Betteln gleich, heißt von einem anderen einen Nutzen zu erwarten und dies ist
gegen das Vertrauen auf Allah (t). In den Überlieferungen in denen berichtet wird wie Aischa (ra) oder Jibril (as)
Ruqya für Rasulullah (s) machen, tun sie das nicht auf Verlangen Rasulullahs hin, sondern tun das von ihnen
selbst aus. Der Übersetzer.)

5
Da diese Gemeinschaft jedes Gute befiehlt und jedes Schlechte verbietet, wie soll es da möglich sein,
dass alle in Übereinkunft das Schlechte gebieten oder alle in Übereinkunft das Gute verbieten? Diese
Pflicht, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten hat Allah (t) auf diese Ummah als Fard
Kifaya (ein Befehl auf die gesamte Ummah, der jedoch vom Rest der Ummah wegfällt, wenn ihn
einige von ihnen ausführen) geschrieben:

„Und unter euch soll eine Gemeinschaft sein, die zum Guten einlädt und das gebietet, was
Rechtens ist, und das Schlechte verbietet; und diese sind die Erfolgreichen.“ (Sure AI-Imran, Aya
104)

Wie Allah (t) berichtet wird dieser Befehl das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten von
der gesamten Ummah verwirklicht. Hierbei ist es nicht Bedingung, dass sie vordringen muss bis zu
jedem einzelnen Mukallaf (von seinen Taten Verantwortlicher) auf der Welt. Denn so eine Bedingung
gab es nicht einmal in der Übermittlungsaufgabe der Propheten, wie sollte sie da zur Bedingung einer
Sache werden, die im Rahmen dieser Aufgabe ist? Nein, Bedingung ist, dass die Verantwortlichen
selber nach Wissen über Gut und Schlecht streben. Sollten sie sich in dieser Sache (zu wissen was ist
gut und was ist schlecht) inkorrekt verhalten und der Tätige seine Tat tun ohne sie nach Gut und
Schlecht zu erlernen, wird er die Verantwortung für seine Fehler selber tragen müssen. Das Gute zu
gebieten und das Schlechte zu verbieten ist nicht Pflicht auf jeden einzelnen Muslim, sondern ist wie
uns der Quran zeigt Fard Kifaya. Da der Jihad die Vollendung dieser Sache ist, ist auch der Jihad Fard
Kifaya (kann unter bestimmten Bedingungen zu Fard Ayn werden). Sollten aber die, deren Aufgabe es
ist Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verbieten nicht das Erforderliche tun, so wird jeder, der Kraft
besaß Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verbieten entsprechend seiner Kraft zum Sünder. Denn
diese Pflicht ist jedem gemessen an seiner Kraft aufgetragen. Rasulullah (s) sagt: „Wenn jemand von
euch etwas Schlechtes sieht, so soll er es mit seiner Hand ändern, besitzt er hierzu nicht Kraft
genug, so soll er es mit seiner Zunge ändern, besitzt er nicht hierzu Kraft genug, so soll er es mit
seinem Herzen hassen. Das letztere ist die schwächste Form des Iman.“ (Muslim, Iman 78)

So ist es verständlich, warum das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten, und seine Voll-
endung durch den Jihad, das beste ist. Und weil es das Beste für die Menschen ist, hat man gesagt:
„Gebiete das Gute, und verbiete das Schlechte und sei dabei nicht schlecht.“

Da das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten eine der wichtigsten und weltvollsten Wajib
und Mustahab ist, muss es sich auch wie bei den Wajib und Mustahab verhalten, und der Gewinn
größer sein als der Verlust. Alle Propheten sind hierfür geschickt und alle Bücher sind hierfür
herabgesandt worden. Allah (t) liebt nicht das Übel. Im Gegenteil alles was Allah (t) gebietet ist ein
Gewinn. In vielen Stellen des Qurans lobt Allah (t) das Vorteilhafte und diejenigen, die vorteilhafte
Taten vollbringen, und diejenigen, die glauben und gute Taten vollbringen, und kritisiert die
Schlechten. Sollte bei einem Gebieten oder Verbieten der Verlust größer sein als der Vorteil, so kann
dies nicht etwas von Allah (t) Befohlenes sein, auch wenn es sich dabei um des Verlassen einer Pflicht
(Wajib) oder um das Tun von etwas sein, was Haram ist, handeln. Denn der Mu’min (Gläubige), muss
in Bezug auf Seine Geschöpfe Ehrfurcht vor Allah (t) besitzen, sie recht zuleiten ist nicht die Aufgabe
des Gläubigen.

„O ihr, die ihr glaubt! Wacht über euch selbst. Wer irre geht kann euch nicht schaden, wenn ihr
nur selbst auf dem rechten Wege seid.“ (Sure Al-Maida, Aya 105)

Auf dem rechten Wege ist man nur so lange, wie man die Pflicht (Wajib) erfüllt. So lange der Muslim
die Pflicht, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten erfüllt, wie er auch seine anderen
Pflichten erfüllt, werden ihm der Irregang der irre gehenden nicht schaden können. Diese Pflicht wird
manchmal mit dem Herzen, manchmal mit der Zunge und manchmal mit der Hand getan. Mit dem
Herzen ist es in jeder Situation zu tun gefordert, denn von einem möglichen Nachteil kann hier nicht
die Rede sein.

Wer hierzu nicht einmal mit seinem Herzen fähig ist, kann kein Mu’min sein. Wie Rasulullah (s) sagt:
„Dies jedoch ist die schwächste Form des Iman.“ (Muslim, Iman 78 )

6
„Danach gibt es kein Iman, nicht einmal so groß wie ein Senfkörnchen.“ (Bukhari, Iman 15;
Muslim, Iman 80)

Als man Ibn Mas'ud (ra) fragt: „Wer ist ein lebendiger Toter?“ antwortet er: „Derjenige, der das
Gute nicht weiß und das Schlechte nicht verbietet.“

In diesem Punkt machen zwei Gruppen der Menschen Fehler:

Die erste Gruppe verlässt ihre Pflicht das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten, indem sie
die folgende Ayat Tawil (in einer anderen als der offenkundigen Bedeutung darstellen) machen:

„O ihr, die ihr glaubt! Wacht über euch selbst. Wer irre geht kann euch nicht schaden, wenn ihr
nur selbst auf dem rechten Wege seid.“ (Sure Al-Maida, Aya 105)

Auf den Fehler dieser Leute hindeutend sagt Abu Bakr (ra) in einer Rede: „Ihr lest die Ayat:

„O ihr, die ihr glaubt! Wacht über euch selbst. Wer irre geht kann euch nicht schaden, wenn ihr
nur selbst auf dem rechten Wege seid“,

doch gibt ihr, ihr eine Bedeutung, die sie nicht ausdrückt. Ich habe gehört wie Rasulullah (s) gesagt
hat: „Wenn die Menschen etwas Schlechtes sehen und es nicht ändern, würde sie deswegen Allah
(t) beinahe in ihrer Gesamtheit bestrafen.“ (Tirmidhi, Fitan 8; Abu Dawud, Malahim 17; Ibn Maja,
Fitan 20; Ahmad, 1/2)

Die zweite Gruppe sind die, die ihre Pflicht das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten mit
Zunge und Hand erfüllen wollen, aber ohne Wissen, ohne die erforderliche Ruhe, ohne Geduld und
ohne Vorteil und Nachteil abzuwägen, und ohne zu berücksichtigen ob derjenige, dem geboten oder
verboten wird, die erforderliche (körperliche und geistige) Kraft aufbringt oder nicht. Diese Gruppe ist
in der Überlieferung des Gesandten Allahs (s) von Abu Salaba al-Husni (ra) zu erkennen. Er sagt: „Ich
habe diese Ayat (Sure AI-Maida, Aya 105) bei Rasulullah (s) erfragt, und er sagte: „Gebietet euch
gegenseitig das Gute und verbietet euch gegenseitig das Schlechte. Wenn du bei den Menschen auf
einen unterwerfenden Geiz, auf persönliche Wünsche, denen Folge geleistet wird, auf das
Vorziehen des Weltlichen, auf das Wohlgefallen eines jeden seiner eigenen Meinung gegenüber
oder auf eine Situation der du dich nicht gewachsen siehst, stößt, dann wache über dich selber, und
lass ab von anderen. Denn nach dir werden solche Tage kommen, in denen geduldig sein, Feuer in
der Hand zu tragen gleichen wird. Wer in diesen Tagen Gutes tut, dessen Belohnung wird der Be-
lohnung von fünfzig Männern, die die gleiche gute Sache tun, gleich sein.“ (Ibn Maja, Fitan 21)

Diese Gruppe ist, obwohl sie bereits ihre Grenzen überschritten hat, im Glauben Allah (t) und Seinem
Gesandten (s) gehorchend das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten. Auf diese Vorgehens-
weise trifft man z. B. bei der Haruniyya, Mu’tazila, Rafidiyya und bei vergleichbaren Bid’a Gruppen
und anderen ihrer Lust verfallenen, die obwohl der Nachteil den Vorteil übersteigt darauf bestehen
fehlerhaft Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verbieten und um dessen Willen Jihad zu machen. Aus
diesem Grund hat Rasulullah (s) befohlen geduldig gegenüber der Ungerechtigkeit (Dhulm) der
muslimischen Regenten zu sein und nicht gegen sie zu kriegen, so lange sie das Salah verrichten. In
einer Überlieferung sagt Rasulullah (s): „Ihr werdet nach mir Absolutismus (Istibdat) und andere
Sachen die euch nicht gefallen sehen.“ Daraufhin fragten die, die um ihn herum standen: „Was be-
fiehlst du uns?“ Und er antwortete: „Gibt ihnen ihr Recht und verlangt das eurige von Allah.“
(Bukhari, Anbiya 50; Muslim, Imama 44; Tirmidhi, Fitan 25; Ahmad, 1/3 84)

In einer anderen meiner Schriften habe ich dieses Thema ausführlich behandelt. Sich an die Jamaa’a
zu binden und nicht gegen muslimische Regente zu kriegen, und vor allem nicht in Zeiten der Fitna,
sind deshalb zu Grundlagen der Ahlu s-Sunna wa l-Jamaa’a geworden.

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Die Mu’tazila legt hingegen ihre religiösen Grundlagen als fünf fest:

1. Tauhid: die Eigenschaften Allahs zu leugnen


2. Adl: die Ablehnung der Qadr (göttlichen Vorsehung)
3. AI- Manzila bayna l-Manzilatayn (die Stufe zwischen 2 Stufen): derjenige der große Sünden begeht,
steht zwischen Iman und Kufr
4. Die Bestrafung des Sünders ist Wajib auf Allah (t)
5. Eine Auffassung von „das Gute gebieten und das Schlechte verbieten“, welche auch den Krieg
gegen muslimische Regenten beinhaltet.

Das Thema „Krieg gegen muslimische Regenten“ habe ich in einem anderen Buch behandelt. Der
Kernpunkt der Thematik wird getragen von dieser allgemeinen Regel: „Wenn sich in einem Thema
die Vorteile und Nachteile, Gutes und Schlechtes aneinander geraten oder sich vermischen, muss
das beste bevorzugt werden. Denn beim Gebieten des Guten und Verbieten des Schlechten - so sehr
auch ein Vorteil verwirklicht und ein Nachteil aufgehoben werden will betrachtet man den Streit-
punkt. Sollte der Verlust des Vorteils oder der Gewinn des Nachteils größer sein, so kann dies nicht
das Gebotene sein, ganz im Gegenteil, wenn der Nachteil größer als der Vorteil ist, kann es nur Ha-
ram sein. Nur, es ist wichtig die Ausmaße des Vorteils und des Nachteils an der Scharia zu messen.
So weit der Mensch den Nass (unverwischbares Wissen = Quran und Sunna) folgen kann, kann er
sich nicht von ihnen abwenden; sollten keine Nass vorliegen, so wird er angelehnt an sein Asch-
hab- und Nazaair Wissen (ähnlichen Zuständen werden ähnliche Gesetze zugewiesen), seine eigene
Idschtihad (Meinung) vorlegen. Wobei es sehr selten ist, dass die Nass denjenigen, der die Nass
kennt oder die Wege der Gesetzesfindung kennt, unbeholfen lassen.“

Demnach ist es für jemanden oder eine Gruppe, die beides zusammen macht oder beides zusammen
verlässt, gutes und schlechtes nicht von einander unterscheiden kann, nicht erlaubt Gutes zu gebieten
und Schlechtes zu verbieten. Weiter ist es nicht gestattet etwas Schlechtes zu verhindern, wenn mit
diesem Verbot ein Verlust von mehr Gutem einhergehen würde. Diese Form des Verbietend wäre ein
Abbringen vom Weg Allahs (t), wäre eine Initiative um den Gehorsam zu Allah (t) und Seinen Ge-
sandten (s), und die guten Taten aufzuheben. Sollte aber das Schlechte überwiegen muss es verboten
werden, auch wenn damit der Verlust von verhältnismäßig weniger Gutem einhergehen würde.

Etwas Gutes zu gebieten, dass mit sich mehr Schlechtes mitbringt als gutes, würde bedeuten
Schlechtes zu gebieten und sich gegen Allah (t) und Seinen Gesandten (s) aufzulehnen. Sollten beide,
das Gute und das Schlechte, im Gleichgewicht sein, so ist weder zu gebieten noch zu verbieten.
Manchmal ist es besser das Gute zu gebieten und manchmal ist es besser das Schlechte zu verbieten,
und manchmal ist es von größerem Vorteil, nämlich wenn gutes und schlechtes gleichgewichtig ist,
weder zu gebieten noch zu verbieten. In bestimmten Lagen ist dies der Fall.

Allgemein betrachtet sollte grundlegend das Gute geboten werden und das Schlechte verboten werden.
Dem Einzelnen oder der Gruppe wird das Gute geboten und das Schlechte verboten, der gute Taten tut
wird gelobt und erhält Anerkennung, der schlechte Taten tut wird getadelt. Das Gebieten von einem
Guten darf und kann nicht dazu führen, dass noch mehr Gutes verloren geht, oder mehr Schlechtes
gewonnen wird. Genauso darf und kann es nicht sein, dass das Verbieten von einem Schlechten dazu
führt, dass noch mehr Schlechtes gewonnen wird oder mehr Gutes verloren geht. Sollte die Lage un-
übersichtlich werden, dann muss der Mu’min seine Untersuchungen fortsetzen bis er die Wahrheit
gefunden hat; er gibt sich der Erfüllung seiner Pflicht nur wissend und mit richtiger Absicht hin, sollte
er dies verlassen, würde er zum „ sich Auflehnenden“ werden. Sowohl das Verlassen einer Pflicht
(Wajib) als auch das Tun eines Verbots (Haram) ist Ma’siyat (Auflehnung).

8
Dieses ist ein sehr ausführliches Thema. Ein Beispiel hierfür ist die Duldung solcher Führer der
Heuchler (Munafiqun) und Ahlu l-Fujur, wie Abdullah bin Ubayy oder andere durch Rasulullah (s).
Denn hätte man versucht seine (Abdullah bin Ubayy) Bosheiten mit gleichem zu verhindern, so hätte
das dazu führen können, dass sein Volksstamm in blinden Zorn und in Taassub (fanatisches Folgen)
verfallen wäre, und dass die Leute in der Feme, die davon erfahren hätten, dass Muhammad (s) die
Leute um ihn herum töten lässt, in Ablehnung verfallen wären, und somit ein noch größerer Nutzen
verloren gegangen wäre.

Aus diesem Grund hat Rasulullah (s) die Menge gebeten ihn (s) zu entschuldigen, als man von ihm
eine Stellungnahme zum Ifk-Geschehnis2 erwartete. Daraufhin verkündete Sa’d bin Muad (ra), dass er
Rasulullah (s) unterstütze und sagte: „0 Rasulullah, ich schwöre bei Allah, ich werde dir bei deiner
Rache zur Seite stehen.“ Sa’d bin Ubada (ra) stellte sich trotz seines starken Glaubens gegen Sa’d bin
Muad und verfiel in Stammesfanatismus. Um beide sammelten sich alsbald Anhänger und es wäre
beinahe zu einer Unruhe gekommen.

2
(Das Ifk-Geschehnis ist kurz gefasst folgendes. Wie in den Sahihayn berichtet wird: Auf der Rückkehr vom
Krieg Bani Mustaliq verliert die ehrbare und reine Gattin Rasulullahs (s) Aischa (ra) ihren ausgeliehenen
Halsschmuck Um diesen zu finden geht sie auf die Suche nach ihm und verliert somit den Anschluss an die
Karawane. Saffan bin Muattal (ra) war beauftragt gewesen den Platz der Armee zu kontrollieren und folgte ihr
(der Armee) somit von hinten. Er stieß auf Aischa (ra) und brachte sie nach Madina. Daraufhin setzten die
Heuchler, und an ihrem Kopf Abdullah bin Ubayy, ungerechtfertigte Verdächtigungen gegen die ehrenhafte
Aischa (ra) in die Welt. Doch Allah (t) selber offenbarte ihre Unschuld und Reinheit (Sure An-Nur, Aya 1-20).
Der Übersetzer.)

9
Strategie der Verbesserung

Liebe und Hass im Islam

Das wesentliche an der Liebe und am Hass im Islam sind, dass des Menschen Liebe und Hass, sein
Verlangen und seine Ablehnen, der Liebe, dem Verlangen und der Ablehnung Allahs (t) entspricht,
und dass er entsprechend seiner Kraft das was er verlangt tut oder das was er ablehnt verlässt. Denn
Allah (t) legt jedem nur gemessen an seiner Kraft (geistig und körperlich) Verantwortung auf (Taklif).
Allah (t) sagt:

„So fürchtet Allah, soviel ihr nur könnt, und hört und gehorcht und spendet.“ (Sure At-Tagabun,
Aya 16)

Die Taten des Körpers sind gemessen an der Kraft des Körpers. Die Liebe, der Hass, das Verlangen
und die Ablehnung aus dem Herzen hingegen müssen ganz (vollständig) und klar sein. Den Mangel in
dieser Sache macht nur ein Mangel an Iman deutlich. Ist das Verlangen und die Ablehnung des Her-
zens ganz und ohne Mangel, und die Taten des Tätigen entsprechend seiner Kraft, so erhält er, wie ich
in einem anderen meiner Bücher ausgeführt habe, die Belohnung desjenigen, der diese Tat ganz und
ohne Mangel vollbringt. Bei manchen Menschen aber ist ihre Liebe und ihr Hass, ihr Verlangen und
ihre Ablehnung, nicht entsprechend der Liebe und dem Hass Allahs (t) und Seines Gesandten (s),
sondern entsprechend ihrer Nafs (Ego). Das jedoch ist eine Form der Hawa (Die Lust des Egos). Wenn
der Mensch diesen Weg beschreitet ist er einer der seiner Hawa folgt.

„Doch wenn sie dir nicht Folge leisten, dann wisse, dass sie nur ihrer eigenen Hawa folgen. Und
wer ist irrender als der, der ohne Führung Allahs seiner eigenen Hawa folgt.“ (Sure AI-Qasas,
Aya 50)

Denn die Grundlage für die Lust des Egos ist die Liebe des Egos. Diese wird gefolgt von der Zunei-
gung oder Abneigung des Egos. Das die Liebe und der Hass des Egos nicht kontrolliert werden kön-
nen ist nicht zu kritisieren, zu kritisieren aber ist, wenn man sich von der Liebe und dem Hass des
Egos beherrschen lässt. Allah (t) sagt:

„O Dawud, Wir haben dich zu einem Kalifen auf Erden gemacht; richte darum zwischen den
Menschen in Gerechtigkeit und folge nicht deiner Hawa, damit sie dich nicht vom Weg Allahs
abirren lässt.“ (Sure Sad, Aya 26)

Und:

„Wer ist irrender als der, der ohne Führung Allahs seiner eigenen Hawa folgt.“ (Sure AI-Qasas,
Aya 50)

Und Rasulullah (s) sagt: „Drei Sachen sind rettend: Die Furcht vor Allah im Offenen und Verbor-
genen. Sparsamkeit in Armut und Reichtum. Die Wahrheit sagen im Zorn und im Wohlbefinden.
Drei Sachen sind vernichtend: Geiz, dem man sich unterwirf; Der Lust Folge leisten; Arroganz.“
(vgl. Abu Dawud, Malahim 17)

Ist das Geliebte oder das Verhasste gefunden, so folgt die geliebte oder verhasste Empfindung, die
Aufregung, das Verlangen und dergleichen. Wer diesen Folge leistet ohne einen Befehl von Allah (t)
und Seinem Gesandten (s) erhalten zu haben, begibt sich in die Lage desjenigen, der ohne eine Füh-
rung Allahs (t) seinen persönlichen Neigungen folgt; es kann sogar so weit kommen, dass derjenige
seine Hawa zu seinem Gott erhebt.

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In Sachen der Religion seinen persönlichen Neigungen (Hawa) zu folgen ist gefährlicher, als ihnen in
weltlichen Sachen zu folgen. Denn das erstere ist das was die Ahlu l-Kitab3 und die Götzendiener
(Muschrikun) gemacht haben. So berichtet Allah (t):

„Doch wenn sie dir nicht Folge leisten, dann wisse, dass sie nur ihrer eigenen Hawa folgen. Und
wer ist irrender als der, der ohne Führung Allahs seiner eigenen Hawa folgt? Wahrlich, Allah
leitet das ungerechte Volk nicht.“ (Sure AI-Qasas, Aya 50)

„Er prägt euch ein Gleichnis aus eurer eigenen Lage. Habt ihr unter denen, die ihr von Rechts
wegen besitzt (Sklaven), Teilhaber an dem, was Wir euch beschert haben? Seid ihr darin also
gleichgestellt und fürchtet ihr sie etwa, wie ihr einander furchtet? So machen Wir die Zeichen
klar für ein Volk, das begreift. Doch die Ungerechten folgen ohne Wissen ihren persönlichen
Neigungen (Hawa). Und wer kann den leiten, den Allah zum Irrenden erklärt? Für solche wird
es keine Helfer geben.“ (Sure Ar-Rum, Aya 27-28)

„Warum solltet ihr denn nicht von dem Essen, worüber Allahs Name ausgesprochen wurde, wo
Er euch bereits erklärt hat, was Er euch verboten hat - das ausgenommen, wozu ihr gezwungen
werdet? Und gewiss, viele führen mit ihren Gelüsten durch Mangel an Wissen zum Irrweg.
Wahrlich, dein Herr kennt die Übertreter am besten.“ (Sure AI-An'am, Aya 119)

„Sprich: O Leute der Schrift, übertreibt nicht zu unrecht in eurem Glauben und folgt nicht den
Gelüsten von Leuten, die schon vordem irregingen und viele irregeführt haben und weit vom
rechten Weg abgeirrt sind.“ (Sure AI-Maida, Aya 77)

„Mit dir werden weder die Juden noch die Christen zufrieden sein, bis du ihrem Glauben folgst.
Sprich: ‚Wahrlich, die Rechtleitung Allahs ist die einzig wahre Rechtleitung.’“ Und wenn du
ihrer Hawa folgst, nachdem zu dir das Wissen gekommen ist, so wirst du vor Allah weder
Freund noch Helfer haben.“ (Sure AI-Baqara, Aya 120)

„Doch solltest du ihrer Hawa folgen nach dem, was dir an Wissen zugekommen ist, so würdest
du bestimmt zu denen gehören, die Unrecht tun.” (Sure Al-Baqara, Aya 145)

„Und du sollst zwischen ihnen nach dem richten, was von Allah herabgesandt wurde; und folge
nicht ihren Neigungen, und sei vor ihnen auf der Hut, damit sie dich nicht bedrängen und von
einem Teil dessen, was Allah dir herabgesandt hat, wegtreiben.“ (Sure AI-Maida, Aya 49)

Aus diesem Grund akzeptiert man diejenigen islamischen Gelehrten und Diener, so wie sie auch die
Salafi Salihin als Ahlu l-Hawa gekennzeichnet haben, die sich von dem entfernen, was der Quran und
die Sunna erfordert, von den Leuten die ihren persönlichen Neigungen folgen (Ahlu l-Hawa). Denn
jeder der nicht dem Wissen folgt, folgt der Lust seines Egos. Religiöses Wissen ist nur durch die
Rechtleitung Allahs (t) und über die Propheten, die Er deswegen geschickt hat, zu erlangen. Aus
diesem Grund sagt Allah (t):

„Und gewiss, viele führen mit ihren Gelüsten durch Mangel an Wissen zum Irrweg.“ (Sure AI-
An'am, Aya 119)

„Und wer ist irrender als der, der ohne Führung Allahs seiner eigenen Hawa folgt.“ (Sure AI-
Qasas, Aya 50)

Des Menschen Aufgabe ist es zu erkunden, ob seine persönliche Liebe und Hass, und die Stärke dieser
Liebe und des Hasses, den Befehlen Allahs (t) und Seines Gesandten (s) angemessen sind. Denn dies
(die Befehle) ist die

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Völker, die ein göttliches Buch erhalten hatten

11
Rechtleitung die Allah (t) Seinem Gesandten herabsandte, sofern diese bestimmte Liebe oder Hass be-
fohlen ist. Somit würde er auch nicht Allah (t) und Seinem Gesandten (s) zuvor kommen. Denn Allah
(t) sagt:

„O ihr, die ihr glaubt, kommt nicht Allah und Seinem Gesandten zuvor, und fürchtet Allah.“
(Sure AI-Hujurat, Aya 1)

Denn wenn jemand liebt oder hasst ohne hierfür einen Befehl von Allah (t) erhalten zu haben, liegt
hier eine gewisse Form von Allah (t) und Seinem Gesandten (s) zuvorkommen vor. Die unabhängige,
ungebundene Liebe und Hass sind Gelüste des Egos. Aber wenn sie ohne Rechtleitung Allahs (t) emp-
funden wird, ist sie verboten (Haram). Deswegen sagt Allah (t):

„...und folge nicht deinen persönlichen Neigungen, damit sie dich nicht vom Wege Allahs ab-
irren lassen.“ Wahrlich jenen, die von Allahs Weg abirren, wird eine strenge Strafe zuteil sein,
weil sie den Tag der Abrechnung vergaßen.“ (Sure Sad, Aya 26)

Allah (t) weist uns daraufhin, dass das Befolgen der Hawa den Menschen vom Wege Allahs (t) abirren
lässt. Der Weg Allahs (t) ist die Rechtleitung, die Er Seinem Gesandten herab gesendet hat. Dieses ist
der Weg der zu Allah (t) führt.

Amal-i Salih- die gute Tat

Wahrlich, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten ist eine der höchsten, besten und wert-
vollsten Pflichten (Wajib). Allah (t) sagt:

„Er ist Der, der den Tod erschaffen hat und das Leben, auf dass Er euch prüfe, wer von euch die
besseren Taten verrichte; und Er ist der Erhabene, der Allvergebende.“ (Sure AI-Mulk, Aya 2)

Wie auch al-Fudayl bin lyad sagt, ist unter dem Ausdruck „die besseren“, „die aufrichtigsten und
richtigsten (korrektesten)“ zu verstehen. Denn ist die vollbrachte Tat aufrichtig, aber nicht richtig, so
ist sie nicht akzeptiert bis sie aufrichtig und richtig ist. Ist sie richtig, aber unaufrichtig, so ist sie nicht
akzeptiert bis sie richtig und aufrichtig ist.

Aufrichtig ist diejenige Tat, die nur für Allah (t) gemacht wird, und richtig ist diejenige, die nach der
Sunna von Rasulullah (s) gemacht wird. Bei der guten Tat ist auf das Wohlgefallen Allahs (t) zu zie-
len, denn Allah (t) akzeptiert nur die Taten, die Seine Zufriedenheit erfahren wollen. Rasulullah (s)
sagt: „Allah (t) sagt:

Ich bin Der, der am weitesten von Schirk (Vielgötterei) entfernt ist. Wer eine Tat tut und in
dieser jemanden anderes Mir zum Teilhaber macht, von dem bin Ich fern, alles was er tut soll
dessen, den er beigesellt hat, sein.“ (Ahmad 2/301; Ibn Maja, Zuhd 21)

Dies ist das wesentliche des Islam, nämlich Tauhid, der Grund warum Allah (t) alle Seine Propheten
geschickt, und alle Seine Geschöpfe geschaffen hat. Das Recht Allahs (t) auf Seinen Dienern ist, dass
sie Ihm nichts beigesellen und nur Ihm dienen. Gleichzeitig muss der Dienst richtig sein. Dies ist was
Allah (t) und Sein Prophet (s) gebieten, dies ist Gehorsam. Jeder Gehorsam ist eine gute Tat. Jede gute
Tat ist geboten als Wajib oder als Mustahab. Dies ist Amali Salih, ist Hasan, ist Birr, ist Khayr. Sein
Gegenteil ist Masiyat, Amali Fasid, Sayyiat, Fujur, Dhulm. Bei jeder Tat müssen zwei Sachen vor-
handen sein: die Absicht und die Handlung. So sagt Rasulullah (s): „Die richtigsten aller Namen sind
Haris (der Strebende) und Hammam (sich Durchsetzende).“ (Ahmad 4/345; Darimi, Adab 61)

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Bei jedem der beiden ist Absicht und Handlung vorhanden. Nur, bei Allah (t) wird nur diejenige
Absicht angenommen, belohnt und gelobt, die beim Handeln die Zufriedenheit Allahs (t) beabsichtigt.
Und die lobenswerte Handlung ist die, die Sahih (richtig) und geboten (Amr) ist. Aus diesem Grund
sagte Umar (ra) in seinen Gebeten: „O Allah! Lass alle meine Taten gut sein. Lass sie alle nur für
Dich sein, und lass niemanden an ihnen Teilhaber sein.“

Da dies ein Maß für alle guten Taten ist, muss auch das Gute gebieten und das Schlechte verbieten so
vollbracht werden. Dies ist persönlich für den Gebietenden und Verbietenden gültig. Ohne Wissen und
Verständnis kann keine Tat eine gute sein.

Umar bin Abdu l-Aziz sagte: „Derjenige, der Allah (t) ohne Wissen dient zerstört mehr als er
richtet.“

Und Muad bin Jabal (ra) sagte: „Wissen ist der Führer der Handlung, die Handlung folgt ihm.“

Denn wenn Absicht und Handlung ohne Wissen gemacht wird, wird daraus Unwissenheit und
Irregang, und wie vorhin ausgeführt, der Lust des Egos (Hawa) Folge leisten. Das ist der Unterschied
zwischen einem Menschen der Jahiliyya und einem Menschen des Islam. Hieraus lässt sich eine
Vorgehensweise im Gebieten des Guten und Verbieten des Schlechten zusammenstellen, die so ist:

Wissen: Man muss wissen was gut und was schlecht ist, muss sie von einander unterscheiden können.
Gleichzeitig muss man auch wissen wie es um die Leute steht (ihre Lage), denen das Gute geboten
und das Schlechte verboten wird.

Das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten muss auf dem rechten Weg (Siratu l-Mustaqiim)
verwirklicht werden, denn dies ist der Weg, der, der Verwirklichung der Absicht am Nahesten ist.
Nachgiebigkeit: Man muss in dieser Sache nachgiebig sein. Rasulullah (s) sagt: „Es gibt nichts, was
die Nachgiebigkeit nicht verschönert und die Härte nicht beschmutzt.“ (Muslim, Birr 78; Abu
Dawud, Adab 10)

Und:

„Allah ist nachgiebig, Er liebt in jeder Sache die Nachgiebigkeit, Er gibt der Nachgiebigkeit, was
Er der Härte nicht gibt.“ (MusIim, Birr 77; Abu Dawud, Adab 10)

Milde (Verständnis und Geduld): Genauso müssen die Probleme mit Verständnis und Geduld
angegangen werden. Denn es ist ausgeschlossen, dass derjenige der diese Arbeit verrichtet nicht mit
Problemen konfrontiert wird. Sollte er nicht verständnisvoll und geduldig sein. So wird er, wie
Luqman seinem Sohn sagt, mehr zerstören als richten.

„O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Schlechte und ertrage gedul-
dig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen.“ (Sure Luqman, Aya
17)

Deswegen hat Allah (t) Seine Propheten, die Vorbilder für die Ausführung von „das Gute gebieten und
das Schlechte verbieten“ sind, gewiesen geduldig zu sein, so z. B. auch bei Seinem letzten Gesandten
(s). Sogar geht das Gebot geduldig zu sein einher mit seiner Übermittlung (Tablig). Denn gleich nach
der Offenbarung der Sura al-Alaq, und somit dem Beginn seines Prophetentums, erhielt er die Sura al-
Muddathir.

„O du Bedeckter! Erhebe dich und Warne und verherrliche deinen Herrn und reinige deine
Kleider und meide den Götzendienst und sei nicht wohltätig in Erwartung von persönlichen
Vorteilen und sei geduldig um deines Herrn willen.“ (Sure AI-Muddathir, Aya 1-7)

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So hat Allah (t) diese Gebote, die, die Übermittlung befehlen, mit dem Befehl des Warnens begonnen
und dem Befehl geduldig zu sein beendet. Warnen selbst ist das Gute zu gebieten und das Schlechte zu
verbieten, und danach lehrt Allah (t) geduldig zu sein.

„So sei denn geduldig mit dem Befehl deines Herrn, denn du stehst unter Unseren Augen, und
lobpreise deinen Herrn, wenn du aufstehst.“ (Sure At-Tur, Aya 48)

„Und ertrage mit Geduld was sie reden und halte dich von ihnen in angenehmer Weise zurück.“
(Sure AI-Muzammil, Aya 10)

„So gedulde dich, wie es die Gesandten taten, die geduldig waren, und überhaste dich nicht
ihretwegen.“ (Sure AI-Ahqaf, Aya 35 )

„So warte geduldig auf den Befehl deines Herrn, und sei nicht wie der Mann des Fisches
(Yunus), als er seinen Herrn anrief, während er von Kummer erfüllt war.“ (Sure AI-Qalam, Aya
48)

„Und harre in Geduld aus; deine Geduld kommt nur von Allah. Und sei weder traurig über sie,
noch beunruhigt wegen ihrer Intrigen.“ (Sure An-Nahl, Aya 127)

„Und sei geduldig; denn wahrlich, Allah lässt den Lohn der Rechtschaffenen nicht verloren ge-
hen.“ (Sure Hud, Aya 115)

Es ist notwendig, dass diese drei Sachen, also Wissen (Ilm), Milde (Hilm) und Geduld (Sabr) nicht
verlassen werden. So sehr diese drei auch im Miteinander existieren, bedarf es dem Wissen bevor das
Gute geboten und das Schlechte verboten wird, die Ruhe während und die Geduld nachdem geboten
und verboten wird.

Dies ist auch an einigen marfu Überlieferungen von den ersten Muslimen (Salaf), die Kadi Abu Ya’la
in seinem Buch „AI-Mu’tamadu fii Usuli l-Fiqh“ berichtet, zu sehen, Dort heißt es: „Das Gute
gebieten und das Schlechte verbieten können nur diejenigen verwirklichen, die wissend in dem was
sie gebieten und verbieten sind, und nachgiebig und verständnisvoll sind.“

Man muss wissen, dass es sehr vielen Menschen große Schwierigkeiten bereitet nach diesen Kriterien
ihre Pflicht, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten, zu erfüllen. Und da sie diese
Kriterien (Ilm, Hilm, Sabr) nicht oder nicht ganz erfüllen können, glauben sie, dass diese Pflicht von
ihnen abfällt und verlassen sie. Wobei dies einen noch größeren oder aber einen noch kleineren
Nachteil bringen kann, als wenn man diese Pflicht ohne das Einhalten der Kriterien erfüllen würde.
Das Verlassen einer Pflicht (Wajib) ist Ma’siyat (Auflehnung). Von einer Ma’siyat in eine andere
überzuwechseln, ist eine noch größere Sünde als das Erste. So wie wenn man aus dem erhitzten Sand
in das Feuer flüchtet. Jemand der aus einer Ma’siyat in eine andere überwechselt, ist wie jemand, der
aus einer un-gültigen Religion wieder in eine andere ungültige Religion überwechselt. Die zweite
Religion kann noch schlechter sein als die erste, oder weniger schlecht sein oder genauso schlecht
sein.

Diesen Zustand, dass der eine mehr Sünden oder gleichviel Sünden wie der andere hat, wirst du auch
bei denen sehen können, die das Gute gebieten und das Schlechte verbieten fehlerhaft oder übertrieben
ausführen. Sünde und Unglück. Gehorsam und Glück. Wie bekannt ist, sind Grund für das Leid die
Sünden, und Grund für das Wohlbefinden der Gehorsam. Dies zeigt uns Allah (t) mit Seinen Wundern
im gesamten Universum und in uns und teilt es uns mit Seinem Wort, dem Quran mit. Unglück und
Strafe kommen aufgrund der schlechten Taten, und Glück aufgrund des Gehorsams, denn gut zu han-
deln ist Grund für die Gnade Allahs (t). Allah (t) sagt:

„Und was euch an Unglück treffen mag, es erfolgt aufgrund dessen, was eure Hände gewirkt
haben. Und Er vergibt vieles.“ (Sure Asch-Schura, Aya 30)

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„Was dich an Gutem trifft kommt von Allah, und was dich an Schlimmem trifft kommt von dir
selbst.“ (Sure An-Nisa, Aya 79)

„Wahrlich diejenigen von euch, welche am Tage des Zusammenstoßes der beiden Scharen den
Rücken kehrten, und Schaytan verleitete sie zum Straucheln wegen etwas von ihrem Tun. Aber,
wahrlich, nunmehr hat Allah ihnen vergeben; seht, Allah ist Allverzeihend und Milde.“ (Sure Al-
Imran, Aya 155)

„Und als euch ein Unglück traf, obwohl ihr euren Gegnern bereits ein doppelt so schlimmes zu-
gefügt hattet, sprächet ihr da etwa: ‚Woher kommt dies?’ Sprich: ‚Es kommt von euch selber.’
Siehe, Allah hat Macht über alle Dinge.“ (Sure AI-Imran, Aya 165)

„Oder Er kann sie untergehen lassen um dessentwillen, was sie begangen haben, und Er vergibt
vieles.“ (Sure Asch-Schura, Aya 34)

„Doch wenn ein Unheil sie um dessentwillen trifft, was ihre Hände vorausgeschickt haben, siehe,
dann ist der Mensch undankbar.“ (Sure Asch-Schura, Aya 48)

„Allah aber wollte sie nicht bestrafen, solange du unter ihnen weiltest, noch wollte Allah sie be-
strafen, während sie um Vergebung baten.“ (Sure Al-Anfal, Aya 33)

Allah (t) hat darüber berichtet, wie Er sündigende Völker, wie das Volk Nuhs, die Völker Ad und
Samud, das Volk Luts, die Ashabu Madyan und das Volk Firauns, auf der Erde bestraft und wie Er sie
im Jenseits bestrafen wird. Aus diesem Grund sagte ein Gläubiger aus der Familie Firauns:

„Da sagte jener, der gläubig war: O mein Volk, ich fürchte für euch das gleiche, was den Ver-
bündeten widerfuhr, das gleiche was dem Volke Nuhs und den Ad und den Samuds und denen
nach ihnen widerfuhr. Und Allah will keine Ungerechtigkeit gegen die Menschen. O mein Volk,
ich fürchte für euch den Tag der gegenseitigen Hilferufe, den Tag, an dem ihr den Rücken zur
Flucht wenden werdet. Keinen Beschirmer werdet ihr gegen Allah haben. Und der, den Allah
zum Irrenden erklärt, wird keinen Führer finden.“ (Sure Gafir, Aya 30-33)

„So ist die Strafe. Und Wahrlich, die Strafe des Jenseits ist schwerer. Wenn sie es nur wüssten.“
(Sure AI-Qalam, Aya 33 )

„Wir werden sie zweimal bestrafen. Danach werden sie einer gewaltigen Strafe zugewiesen wer-
den.“ (Sure At-Tauba, Aya 101)

„Und wahrlich, Wir werden sie vor der größeren Strafe von der diesseitigen Strafe kosten las-
sen, damit sie sich vielleicht doch noch bekehren.“ (Sure As-Sajda, Aya 21)

„Darum aber erwarte den Tag, an dem der Himmel einen sichtbaren Rauch hervorbringt, der
die Menschen einhüllen wird. Das wird eine schmerzliche Qual sein. ‚Unser Herr, nimm die Pein
von uns, wir wollen glauben.’ Wie können sie lernen, wo doch ein aufklärender Gesandter zu
ihnen gekommen ist. Und sie haben sich von ihm abgewandt und haben gesagt: ‚Er hat es ein-
studiert, er ist besessen.’ Wir werden die Strafe geringfügig hinweg nehmen, ihr aber werdet
rückfällig werden bis zum Tage, wo Wir den größten Schlag versetzen werden. Wahrlich, Wir
werden uns rächen.“ (Sure Ad-Dukhan, Aya 10-16)

Deswegen offenbart Allah (t) in den meisten der Suren, die erschrecken sollen, was die Sünder auf der
Erde erhalten und was sie im Jenseits erwartet, denn im Jenseits ist sowohl die Strafe als auch die
Belohnung größer, dort wird man in Ewigkeit verweilen. Wenn Er die Belohnung und die Strafe auf
Erden und im Jenseits erzählt, so offenbart Er sie, wie es bei der Geschichte Yusuf s der Fall ist, als
das sie in Wirklichkeit aneinander gebunden sind. So sagt Allah (t):

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„Und so verliehen Wir Yusuf Macht im Lande; er weilte darin, wo immer es ihm gefiel. Wir
gewähren Unsere Gnade wem Wir wollen, und Wir lassen den Lohn der Rechtschaffenen nicht
verloren gehen. Der Lohn des Jenseits aber ist besser für jene, die glauben und fürchten.“ (Sure
Yusuf, Aya 56,57)

„Und Allah gab ihnen den Lohn dieser Welt und den schönsten Lohn des Jenseits. Und Allah
liebt diejenigen, die Gutes tun.“ (Sure AI-Imran, Aya 148)

„Und diejenigen, die um Allahs willen ausgewandert sind, nachdem sie unterdrückt worden
waren, werden Wir sicherlich eine schöne Wohnstatt in der Welt geben; und wahrlich, der Lohn
des Jenseits ist größer, wenn sie es nur wussten; es sind diejenigen, die geduldig geblieben sind
und auf ihren Herrn vertrauen.“ (Sure An-Nahl, Aya 41,42)

Und über Ibrahim (as) sagt Allah (t):

„Und Wir gewährten ihm Gutes in dieser Welt, und im Jenseits wird er sicherlich unter den
Rechtschaffenen sein.“ (Sure An-Nahl, Aya 122)

Ober die Strafe im Diesseits und im Jenseits sagt Allah (t):

„Bei denen, die heftig entreißen. Und bei denen, die leicht emporheben. Und bei denen, die
einher schweben und bei denen, die eifrig voran eilen, und bei denen, die jegliche Angelegenheit
lenken! Eines Tages wird die Dröhnende dröhnen, gefolgt von der darauf Folgenden.“ (Sure An-
Naziat, Aya 1-7)

Und über den Jüngsten Tag sagt Allah (t) allgemein:

„Ist die Geschichte von Musa zu dir gedrungen? Damals rief ihn sein Herr im heiligen Wadi
Tuwa: Geh hin zu Firaun, denn er hat das Maß überschritten. Sprich dann zu ihm: ‚Willst du
dich nicht reinigen? Und ich werde dich zu deinem Herrn führen, auf das du dich fürchten
mögest!’ So zeigte er ihm das große Wunder. Er aber leugnete und blieb ungehorsam. Dann
kehrte er den Rücken und lief weg, versammelte alsdann sein Volk und rief aus, indem er sagte:
‚Ich bin euer Herr.’ Da erfasste ihn die Strafe Allahs im Diesseits und im Jenseits. Hierin ist
wahrlich eine Lehre für den, der fürchtet.“ (Sure An-Naziat, Aya 15-26)

Und danach:

„Seid ihr denn schwerer zu erschaffen oder der Himmel, den Er gebaut hat. Er hat seine Höhe
gehoben und ihn dann vollkommen gemacht. Und Er machte seine Nacht finster und ließ sein
Tageslicht hervorgehen. Und Er breitete hernach die Erde aus. Aus ihr brachte Er ihr Wasser
und ihr Weideland hervor. Und Er festigte die Berge; als eine Versorgung für euch und für euer
Vieh. Doch wenn das größte Unheil kommt an jenem Tag, da der Mensch sich das ins
Gedächtnis zurückrufen wird, was er erstrebt hat, und die Hölle vor Augen gestellt wird für
den, der sieht. Was denjenigen angeht, der aufsässig war und das irdische Leben bevorzugte, so
wird wahrlich die Hölle seine Herberge sein. Wer aber das Stehen vor seinem Herrn gefürchtet
hatte und die eigene Seele von niederem Gelüst abhielt, so wird das Paradies sicherlich seine
Herberge sein. Sie befragen dich wegen der Stunde: ‚Wann wird sie wohl sein?’ Was weißt du
von ihr zu sagen! Das endgültige Wissen darum ist allein deinem Herrn vorbehalten. Du bist nur
ein Warner für den, der sie fürchtet. An jenem Tage, an dem sie, sie schauen, werden sie
meinen, sie hätten auf der Erde nicht länger geweilt als einen Abend oder den Morgen darauf.“
(Sure An-Naziat, Aya 27-46)

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Und genauso sagt Allah (t):

„Und überlass Mir diejenigen, die leugnen und sich des Wohllebens erfreuen; und gewähre
ihnen eine kurze Frist. Bei Uns sind wahrlich Fesseln und die Hölle und erstickende Speise und
schmerzliche Strafe an dem Tage, da die Erde und die Berge ein Haufen zusammengesunkener
Dünen sein werden. Wahrlich, Wir haben euch einen Gesandten geschickt, der euer Zeuge ist,
wie Wir zu Firaun einen Gesandten geschickt hatten. Doch Firaun widersetzte sich dem Gesand-
ten, darum erfassten Wir ihn mit einem schrecklichen Strafgericht.“ (Sure AI-Muzammil, Aya
11-16)

Und auch in der Sura AI-Haqqa sagt Allah (t) nachdem Er über Völker wie die Samud, Ad und Firaun
berichtet:

„Und wenn in den Sur mit einem einzigen mal geblasen wird und die Erde samt den Bergen
emporgehoben und dann mit einem einzigen Schlag niedergeschmettert wird, an jenem Tage
wird das Ereignis schon eingetroffen sein. Und der Himmel wird sich spalten, denn an jenem
Tage wird er brüchig sein. Und die Engel werden an seinen Rändern stehen, und acht werden an
jenem Tage den Thron deines Herrn über sich tragen. An jenem Tage werdet ihr Allah
vorgestellt werden, keines eurer Geheimnisse wird verborgen bleiben. Was den anbelangt, dem
sein Buch in die Rechte gegeben wird, so wird er sagen: ‚Wohl an, lest mein Buch. Wahrlich, ich
habe damit gerechnet, dass ich meiner Rechenschaft begegnen werde.“ So wird er ein
Wohlleben in einem hochgelegenen Paradies fuhren, dessen Früchte leicht erreichbar sind.
‚Esset und trinkt und lasst es euch wohl bekommen für das, was ihr in den vergangenen Tagen
gewirkt habt.’ Was aber den anbelangt, dem sein Buch in die Linke gegeben wird, so wird er
sagen: ‚O wäre mir mein Buch doch nicht gegeben worden! Und hätte ich doch nie erfahren,
was meine Rechenschaft ist! O hätte doch der Tod ein Ende gemacht! Mein Besitz hat mir nichts
genützt. Meine Macht ist von mir gegangen.’ ‚Ergreift ihn und fesselt ihn, dann lasst ihn hierauf
in der Hölle brennen. Dann legt ihn an eine Kette, deren Länge siebzig Ellen misst, denn er
glaubte ja nicht an Allah, den Allmächtigen, und forderte nicht zur Speisung der Armen auf.’“
(Sure Al-Haqqa, Aya 13-34)

Und in der Sura AI-Qalam sagt Er über die Strafe, die, die Besitzer der Gärten, die, die Rechte anderer
missachten erfahren werden folgendes:

„So ist die Strafe. Und wahrlich, die Strafe des Jenseits ist schwerer. Wenn sie es nur wüssten!“
(Sure AI-Qalam, Aya 33)

„Ist nicht die Geschichte von denen, die zuvor ungläubig waren, zu euch gekommen? So
kosteten sie die bösen Folgen ihres Betragens, und ihnen wird eine qualvolle Strafe zuteil sein.
Dies, weil ihre Gesandten mit klaren Beweisen zu ihnen kamen, sie aber sagten: ‚Sollen
Menschen uns recht leiten?’ Also glaubten sie nicht und wandten sich ab, doch Allah hat dies
nicht nötig; und Allah ist auf keinen angewiesen, des Lobes Würdig. Diejenigen, die da
ungläubig sind, behaupten sie würden nicht auferweckt werden. Sprich: ‚Doch, bei meinem
Herrn, ihr werdet gewiss auferweckt werden; dann wird euch gewiss verkündet, was ihr getan
habt. Das ist für Allah ein leichtes.“ (Sure At-Tagabun, Aya 5-7)

Auch in der Sura Qaf berichtet Allah (t) über die Lage derer, die sich gegen die Gesandten auflehnen,
berichtet über die Belohnung der Guten und die Bestrafung der Schlechten auf Erden und im Jenseits.
Und auch in der Sura Al-Qamar verdeutlicht Er dieselbe Thematik, und genauso in den Suren, die mit
„Ha-Mim“ beginnen: Gafir, As-Sajda, Az- Zuhruf, Ad-Dukhan, und in viele anderen Suren.

17
Tauhid

Angelegenheiten wie Tauhid, Wa’d und Wa’id werden schon in den ersten Ayat, die herab gesendet
wurden, behandelt. Im Sahih Bukhari heißt es in der Überlieferung Yusuf bin Mahaks: „Ich war bei
Aischa, der Mutter der Gläubigen, als einer aus Iraq zu ihr kam und fragte: ‚Welches Totenbuch ist
besser?’ Aischa (ra) sagte erstaunt: ‚Nanu? Was ist mit dir los?’ Und er sagte: ‚Mutter der
Gläubigen zeig mir dein Buch (Mushaf).’ Aischa (ra) fragte. ‚Warum?’ ‚Um so den Quran zu
vervollständigen, denn er wird unvollständig gelesen.’ antwortete er. Daraufhin sagte Aischa (ra):
‚Welcher Schaden wird dich treffen, welche du auch immer zuerst liest? Die erste Sure die
hernieder kam, war eine von den Mufassal 4. In dieser Sura wurde von Jannah und Gahannam
berichtet. Als die Menschen für den Islam offener waren, kamen die Gebote (Halal) und Verbote
(Haram). Wenn das Verbot „ Trinkt keinen Wein“ zuerst gekommen wäre, hätten die Menschen
„nie verlassen wir den Wein“ gesagt. Wäre das Verbot „begeht keinen Ehebruch“ gekommen,
hätten die Menschen „nie verlassen wir das Ehebrechen“ gesagt. Als ich noch ein kleines
Mädchen, das spielte war, erhielt Rasulullah (s) die Ayat:

„Nein, die Stunde (Qiyamat) ist ihnen versprochen. Und die Stunde ist noch unheilvoller und
bitterer.“ (Sure AI-Qamar, Aya 46)

Die Suren Baqara und Nisa erhielt er, als ich mit ihm war.’“ Wie der Überlieferer berichtet, zog
Aischa ihren Quran hervor und lies dem Mann die Ayat der Suren (ab)schreiben. (Bukhari, Fadailu l-
Quran /6)

Der Unglaube, die Sünde und die Auflehnung sind die Ursachen für Schlechtes und Feindschaft.
Deswegen sind alle Sünder, wenn jemand oder eine Gruppe etwas Schlechtes begeht und die anderen
oder die andere Gruppe ihnen nicht das Gute gebieten und das Schlechte verbieten; und genauso ver-
hält es sich, wenn diejenigen, die das Gute gebieten und das Schlechte verbieten, ihre Unzufriedenheit
mit der schlechten Tat in einer Weise wie sie verboten ist zum Ausdruck bringen, denn hieraus werden
Trennungen in verschiedene Gruppen, unterschiedliche Meinungen und somit allgemein Schlimmes
resultieren. Und genau dies war und ist die größte aller Fitna und Übel. Denn der Mensch ist dhalim
(ungerecht) und gahil (unwissend).

Es gibt viele Formen der Dhulm und der Jahalat. Des einen Dhulm und Jahalat ist anders als des
anderen Dhulm und Jahalat, und des anderen ist wiederum anders als des anderen. Derjenige, der die
Unruhen der Vergangenheit und der Gegenwart (Fitna) untersucht, wird feststellen, dass ihnen immer
diese zwei Ursachen zu Grunde liegen und gelegen sind. Auch die Unruhen, die unter (zwischen) den
Emiren (Befehlshabern) der Ummah, den Gelehrten und den Regenten, den Schaikhs, und dem Volk,
welches diesen folgt, begründen sich im Wesentlichen in diesen zwei Ursachen. Weitere Ursachen für
Irrgang und Unwissenheit sind religiöse und weltliche Gelüste, religiöse Neuerungen ohne
rechtskräftige Grundlagen (Bid’a) und weltliches Übel (Fujur). Religiöse Neuerungen (Bid’a) und
weltliches Böses sind Grund für Irrgang und Jahalat und wirken sich auf alle Menschen aus, da diese
ungerecht und unwissend ist. Einige der Menschen schaden durch Sünden wie, Ehebruch,
Homosexualität und ähnlichem, Alkoholgebrauch, Falschheit, Diebstahl und ähnlichem, sich selber
und auch den anderen Menschen.

Es ist bekannt, dass der Mensch nach der Sünde, wie sehr sie auch aus Sicht des Verstandes und der
Religion hässlich gesehen und verabscheut wird, verlangt. Es ist eine Eigenheit der menschlichen
Natur, dass es ihm nicht gefällt, dass ein anderer besser als er selber ist, und dass er dasselbe besitzen
will, was der anderer besitzt.

Von den zwei Formen dieses Neides (Hasad) ist die schwächste „Gibta“. Die menschliche Natur
verlangt danach besser als die anderen zu sein und sich den anderen vorzuziehen, ist entweder neidisch
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nach einer Überlieferung von Aus bin Abi Aus Hudayfi Saqafi im Musnad Ahmad und Sunan Abu Dawud ist
dies die letzte Einheit des Qurans ab der Sura Qaf

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auf den anderen oder will, auch wenn er es nicht bekommt, dass der andere seinen Besitz verliert.
Menschliche Eigenschaften, wie Überlegenheit (Takabbur), Boshaftigkeit, Stolz und Neid, sind in
seiner Natur verankert und dienen nur dazu seine persönlichen Neigungen verwirklichen zu können.
Wenn dies so ist, wie soll er die Überlegenheit und den Drang eines anderen seine Neigungen
durchzusetzen akzeptieren? Hier sind diejenigen, die zu Teilen wissen und gefallen an der Gleichheit
(Gerechtigkeit) haben, diejenigen die den Mittelweg gehen, alle anderen sind sehr ungerecht und
neidisch. Diese zwei Zustände gibt es bei den mubah (weder verboten noch geboten) und verbotenen
(haram) Sachen. Sollte eine Neigung dazu bestehen mubah Sachen wie, Essen und Trinken, Heirat,
Kleidung, Gefährte oder Besitzgegenstände nur für sich zu wollen, ist dies Dhulm, Geiz und Neid.

Die eigentliche Ursache für all dies ist die Gier (Asch-Schuh). In einer Hadith im Sahih Bukhari, sagt
Rasulullah (s): „Nehmt euch in Acht vor der Gier. Denn sie hat die, die vor euch waren vernichtet.
Sie hat ihnen geboten geizig zu sein, und sie waren geizig, sie hat ihnen geboten ungerecht
(dhalim) zu sein und sie waren ungerecht (dhalim), sie hat ihnen geboten den Kontakt zu ihren
Verwandten abzubrechen und sie haben den Kontakt zu ihnen abgebrochen.“ (Bukhari; Darimi,
Zakah 46; Ahmad 2/160)

Deswegen sagt Allah (t), als Er die Eigenschaften der Ansar berichtet:

„Und jene, die vor ihnen in der Behausung (Madina) wohnten und im Glauben heimisch
geworden sind, lieben jene, die bei ihnen Zuflucht suchten, und hegen in sich kein Verlangen
nach dem, was ihnen gegeben wurde, sondern sehen (sie) vor ihnen selbst bevorzugt, auch wenn
sie selbst in Dürftigkeit leben. Und wer vor seiner eigenen Habsucht (Gier) bewahrt ist, das sind
die Erfolgreichen.“ (Sure AI-Haschr, Aya 9)

Als man sah wie Abdu r-Rahman bin Auf (ra) die Kaaba umrundete (Tawaf) und dabei: „O mein
Herr! Schütze mich vor der Gier meiner selbst. Mein Herr schütze mich vor der Gier meiner
selbst!“ sagte, fragte man ihn warum er so sagte und er antwortete: „Wenn ich geschützt vor der Gier
meiner selbst bin, dann bin ich geschützt vor dem Geiz, der Ungerechtigkeit und dem Brechen des
Familienbandes.“

Diese Habsucht, diese gewaltige Habsucht, fördert und gewährt, seine Schulden nicht zurückzuzahlen
und ungerecht zu sein, indem man sich eines anderen Eigentum bemächtigt, den Kontakt zu den
Verwandten verlässt. Und sie lässt den Neid entstehen, dem es nicht gefällt, dass der andere
irgendetwas besitzt. Sowohl Ungerechtigkeit als auch Geiz sind in Neid vorhanden. Denn durch den
Neid ist erstens durch das, was einem anderen gegeben wird, Habsucht da und zweitens durch das
Verlangen, dass derjenige verliert was er gewonnen hat, Ungerechtigkeit (Dhulm).

Wenn das die Lage bei mubah Wünschen ist, wie sieht es dann wohl bei Verbotenem wie Ehebruch
(Zina), Alkoholgebrauch und vergleichbarem aus? Kommt es zur Verwirklichung einer von diesen,
entstehen zwei Arten der Unzufriedenheit:

1. Unzufriedenheit gegenüber diesen verbotenen Tätigkeiten, wie bei denen, als allgemein mubah
eingestuften Tätigkeiten, weil diese Habsucht und Ungerechtigkeit beinhalten

2. Unzufriedenheit gegenüber diesen verbotenen Tätigkeiten, weil Rechte Allahs (t) verletzt werden.
Aus diesem Grund sind die Sünden in drei Katagorien eingeteilt:

a) Sünden, die Ungerechtigkeit (Dhulm) gegen andere Menschen beinhalten, wie z.ß: ihren
Besitz wegnehmen, nicht ihre Rechte zu geben, Neid und vergleichbares.

b) Sünden, mit denen der Sünder nur ungerecht (dhalim) zu sich selber ist, wie z.ß: voraus-
gesetzt andere werden nicht geschädigt, Alkoholgebrauch oder Ehebruch.

c) Sünden, mit denen der Sünder zu sich selber und zu anderen ungerecht ist, wie z.ß: wenn
ein Regierender den Besitz der Menschen an sich reißt, und mit diesen Zina macht, Alkohol

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trinkt oder anderes Schlechtes begeht. Oder so, wie manche die gefallen an manchen Frauen
und Kindern finden, dass sie das, was sie tun anderen mitteilen, und sie auch zu diesen
schlimmen Taten; auffordern (zwingen) und sie hierdurch schädigen. Allah (t) sagt:

„Sprich: ‚Mein Herr hat nur Schändlichkeiten verboten, seien sie offenkundig oder
verborgen, dazu Sünde und ungerechte Gewalttat. Und, dass ihr Allah das beigesellt,
wozu Er keine Befugnis herab gesendet hat, und, dass ihr von Allah aussagt, was ihr
nicht wisst.’“ (Sure AI-A'raf, Aya 33)

Gerechtigkeit (Adalat) und Ungerechtigkeit (Dhulm)

Die Tätigkeiten der Menschen auf der Erde bleiben mit Gerechtigkeit, auch wenn diese mit Sünden
einhergehen, eher korrekt, als mit Ungerechtigkeit, auch wenn diese von Sünden frei sind. Aus diesem
Grund sagt man: „Allah lässt den gerechten Staat, auch wenn er ungläubig ist, überleben, aber den
ungerechten Staat, auch wenn er gläubig ist, nicht überleben.“

Und genauso sagt man: „Die Erde bleibt mit Gerechtigkeit und Kufr (Unglaube) bestehen, aber
bleibt nicht bestehen mit Ungerechtigkeit und Islam.“

Rasulullah (s) hat gesagt: „Es gibt keine Sünde, die noch schneller bestraft wird als Auflehnung
(Rebellion, Ungerechtigkeit) und den Kontakt zu den Verwandten abzubrechen.“ (Ibn Maja, Zuhd
23; Abu Dawud, Adab 43)

Der Aufständische wird, auch wenn ihm im Jenseits vergeben wird, auf der Erde bestraft. Denn die
Gerechtigkeit ist die Grundlage von allem. Irdische Taten, die mit Gerechtigkeit ausgeführt werden,
sind beständig, auch wenn denjenigen, der sie tut, im Jenseits kein Gewinn erwartet, wenn sie aber
ohne Gerechtigkeit ausgeführt werden, sind sie unbeständig, auch wenn derjenige, der sie tut soviel
Iman besitzt, dass er für ihn im Jenseits ausreichend sein wird. Der Trieb gegen andere Menschen
ungerecht zu sein, indem nach Überlegenheit gestrebt wird, missgönnt und Rechte anderer
missbraucht werden, ist in der Natur des Menschen gegeben. Außerdem besitzt er den Trieb, niedere
Neigungen, wie Zina oder das Essen von religiös abscheulich gesehenen Sachen, auszuführen und
somit ungerecht zu sich selber zu sein. Somit kann er zu einem, der zu sich selber nicht ungerecht ist,
zum machen, und kann einen anderen, der selber nicht seinen niederen Neigungen nachgibt, zu diesen
verführen. Denn wenn er sieht, dass die anderen ungerecht sind und ihre Gelüste in die Tat umsetzen,
wird bei ihm die Lust, und mit dieser der Drang zur Ungerechtigkeit (Dhulm), in gewaltiger Weise
zunehmen.

Manchmal bleibt er auch geduldig, dann aber kann dieser Zustand seinen Hass und seinen Neid gegen
die anderen an peitschen, und er verlangt, obwohl er zuvor nie solche Gedanken hatte, nach deren
Bestrafung und verlangt danach, dass sie alle ihre Wohltaten verlieren. In diesem letzten Zustand
behauptet er, indem er gedankliche und religiöse Beweise zu der betreffenden Sache vorlegt, dass es
Wajib ist gegen denjenigen, der ungerecht gegen ihn und die Muslime ist, das Gute zu gebieten und
das Schlechte zu verbieten und in dieser Sache Jihad zu machen.

Hieraus lassen sich die Menschen, die das Gute gebieten und das Schlechte verbieten in drei Gruppen
einteilen:

1. Die Ersten, denken nur an ihre eigenen Wünsche, sind nur dann zufrieden, wenn sie bekommen was
sie begehren, und erzürnen nur dann, wenn sie nicht erhalten was sie begehren. Wird einem von diesen

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das gegeben was er begehrt, gleich ob es haram oder Halal ist, verfliegt sein Zorn und er wird
zufrieden. Ein Zustand, den er noch zuvor verboten hat, deswegen er zuvor noch bestraft hat, seinen
Täter geachtet hat und erzürnt ist, wird so zu einem Zustand, von dem er zufrieden ist. Nun tut er diese
Tat selber, wird in dieser Sache Mittäter und Unterstützer, und wird Feind derer, die ihn an der
besagten Tat hindern und von dieser Tat abbringen wollen. So sind die meisten der Menschen. Hierfür
sieht und hört man unzählige Beispiele. Der Grund für dieses Verhalten des Menschen ist, dass der
Mensch ungerecht und unwissend ist. Deswegen verhält er sich nicht gerecht; manchmal kann er auch
in beiden Fällen ungerecht sein. Du wirst sehen, dass einige, die dieser Gruppe der Menschen
angehören, einen Regierenden, der sie unterdrückt und ihre Rechte missachtet, obwohl sie ihn nicht
mögen, unterstützen und ihm helfen, nur weil dieser ihnen Machtpositionen, Besitztümer oder andere
vergleichbare Sachen schmecken lässt. Der beste Zustand dieser Leute ist, dass sie ihre
Unzufriedenheit mit dem Regierenden nicht zeigen. Genauso wirst du sehen, dass diese Menschen
diejenigen, die Ehebruch begehen und dem Vergnügen verfallen sind nicht mögen, aber wenn sie sich
selber in diese Sachen begeben oder man sie von diesen Sachen schmecken lässt, fangen sie an, sich
im Namen derjenigen, die diese Sachen tun, mit uns zu streiten. Folglich werden einige von diesen
Menschen noch schlimmer als sie es vorher waren, oder etwas besser oder bleiben wie sie waren.

2. Die Zweiten sind diejenigen, die einen gesunden Glauben haben. Sie sind in dieser Sache aufrecht
und konstruktiv (muslih). Sie bleiben auf dem rechten Weg und begegnen der Pein, die ihnen
zugeführt wird, mit Geduld. Diese Gruppe ist diejenige Gruppe, die glaubt und gute Taten verrichtet,
und zu der Ummah gehört, die, die beste Ummah ist, die für das Wohl der Menschen hervorgebracht
wurde, das Gute gebietet und das Schlechte verbietet und an Allah (t) Iman macht.

3. Die Dritten sind diejenigen, die beide Eigenschaften besitzen. Die meisten der Gläubigen gehören
dieser Gruppe an. Sie sind religiös, folgen aber auch ihren persönlichen Neigungen. In ihren Herzen ist
sowohl die Empfindung zum Gehorsam, als auch zur Auflehnung; manchmal beherrscht ihn die erste
und manchmal die zweite Empfindung. Diese Dreiteilung gleicht der Aufteilung des Egos (Nafs) in
Nafsi Ammara, Mutmainna und Lauwama. Die Menschen in der ersten Gruppe sind diejenigen, die
ein Ego besitzen, das ihnen ständig das Schlechte befiehlt. (Nafsi Ammara). Drei Menschen in der
zweiten Gruppe sind die Besitzer der Nafsi Mutmainna, wie sie Allah (t) erzählt:

„O du ruhige Seele (Nafs)! Kehre zurück zu deinem Herrn wohl zufrieden und mit Allahs Wohl-
wollen. So schließ dich dem Kreis Meiner Diener an. Und tritt ein in Mein Paradies.“ (Sure AI-
Fajr, Aya 27-30 )

Die Menschen in der dritten Gruppe sind diejenigen, die sündigen und sich dann wegen dieser Sünden
tadeln, beide Eigenschaften besitzen, die guten und schlechten Taten miteinander vermischen. Sie sind
Besitzer der Nafs-i Lauwama. In einer Hadith befiehlt Rasulullah (s) Abu Bakr (ra) und Umar (ra) zu
folgen: „Folgt nach mir diesen beiden, Abu Bakr und Umar.“ (Tirmidhi, Manakib 16; Ibn Maja,
Muqaddima 11; Ahmad 5/382)

Diese Menschen, die mit diesem Befehl befohlen waren, lagen der Zeit des Propheten (s) am nächsten
und waren in Bezug auf Iman und Sulh die besten. Und ihre Führer erfüllten ihre Pflichten (Wujubat)
in bester Weise und sättigten das Volk. Weil sie (sowohl die Führer als auch das Volk) Angehörige der
zweiten Gruppe waren, entstand zu deren Zeit keine Fitna (Unruhe). Zum Ende der Zeit Uthmans (ra)
und in der Zeit Alis (ra) mehrte sich die Zahl derjenigen, die der dritten Gruppe angehörten.

Neben ihrem Glauben und ihrer Religiosität, fingen sie an, sich ihren persönlichen Neigungen und
Zweifeln zu unterwerfen. Dies zeigte sich sowohl bei einigen Verwaltern, als auch im Volk. Später,
mehrte sich die Zahl solcher und weil Gottesfurcht und Gehorsam von diesen nicht mehr verinnerlicht
werden konnte, entstand in Folge ihrer Hawa und der Gründe, die ich vorhin genannt habe, Fitna.

Beide Gruppen haben das Gute geboten und das Schlechte verboten, beide versuchten jeweils ihre
Gruppe als die wahre und gerechte darzustellen (Tawil). Nun, allein das Benutzen der Tawil (etwas in
einem anderen Sinn darstellen, als er offenkundig zu ersehen ist) ist eine Form der persönlichen

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Neigung zu folgen. So sehr auch eine der beiden Gruppen der Wahrheit näher stand, ist hier das, was
betrachtet werden soll, dass in dieser Ta'wil Vermutung (Dhann) und ein Zustand, den das Ego
begehrte, eine Rolle spielte. Deswegen ist es die Aufgabe des Gläubigen, sein Herz auf dem Rechten
Weg zu halten, es nicht zweifeln zu lassen, beständig in der Rechtleitung zu sein und gottesfürchtig zu
sein, von Allah (t) Hilfe zu verlangen, dass man nicht den Gelüsten seines Egos verfällt und auf Allah
(t) zu vertrauen. So sagt Allah (t):

„Zu diesem also rufe sie auf. Und bleibe aufrichtig, wie dir befohlen wurde, und folge ihren per-
sönlichen Neigungen nicht, sondern sprich: ‚Ich glaube an das, was Allah als Buch herabgesandt
hat, und mir ist befohlen worden, gerecht zwischen euch zu richten. Allah ist unser Herr und
euer Herr. Für uns unsere Werke und für euch eure Werke! Kein Beweisgrund ist zwischen uns
und euch. Allah wird uns zusammen bringen, und zu Ihm ist die Heimkehr.’“ (Sure Asch-Schu-
ra, Aya 15)

Hierauf beruhen auch die Meinungsverschiedenheiten und Zersplitterungen der Muslime in


verschiedene Gruppen in der Betrachtung des Glaubens (Iman) und des Gottesdienstes (Ibadah).
Zustände wie diese verstärken die Strapazen der Muslime. Um sich in Zuständen wie diesen von der
Fitna befreien zu können müssen die Muslime zwei Sachen verstehen:

1. Die Muslime müssen, religiöse und weltliche Unruhen, in die ihnen Vergleichbare gefallen sind,
von sich fern halten. Denn, wie alle anderen haben auch sie ihre Egos und ihre Schayatin (Teufel).
Diese sind:

a) Einem anderen gleichen

Wenn man bei einem anderen, der in einer ähnlichen Lage wie man selber ist, sieht, wie er die
begehrten Sachen tut, verstärkt dies den Wunsch, der sowieso schon im menschlichen Ego
vorhanden ist, das Schlechte zu tun. Es gibt so viele, die von sich selber aus weder gutes noch
schlechtes tun wollen, aber wenn er einen anderen sieht, und vor allem wenn dieser ein
Gleichaltriger ist, dann tut er sie auch. Denn die Menschen sind wie Tauben. Sie versuchen
sich gegenseitig gleich zu sein. Aus diesem Grund wird demjenigen, der etwas Gutes oder
Schlechtes als erster tut, all derer Belohnung oder Sünde aufgeladen, die ihm in dieser Tat
folgen. So sagt Rasulullah (s): „Demjenigen, der einen schönen Weg im Islam öffnet wird
seine eigene Belohnung und die derer, die bis zum Tag der Auferstehung seinem Weg
folgen, gegeben, ohne das sich von ihrer Belohnung etwas mindert. Und dem, der einen
schlechten Weg öffnet wird seine eigene Bestrafung und die derer, die bis zum Tag der
Auferstehung seinem Weg folgen, gegeben, ohne das sich von ihrer Bestrafung etwas
mindert.“ (Muslim, Ilm /6)

Denn sie sind im Wesen der Tat Teilhaber. Etwas Ähnliches erhält das Urteil von etwas
Ähnlichem. Diese zwei, anderen gleichen zu wollen und der Hang zur Sünde, sind zwei starke
Triebe in der menschlichen Natur. Wenn zu diesen auch noch die zwei Triebe hinzukommen
die unten genannt werden, dann kannst du dir ja ausmalen was geschieht.

b) Einvernehmen im Verlangen und in der Ansicht

Sehr viele derjenigen, die Schlechtes tun finden Gefallen an denen, die ihre Taten billigen und
finden keinen Gefallen an denen, die ihre Taten nicht billigen. Dies ist in den falschen
Religionen offen zu sehen, wenn diese zu den Gemeinschaften freundlich sind, die sich ihnen
anschließen, und den Gemeinschaften feindlich sind, die sich ihnen nicht anschließen.

c) Gemeinsames Verlangen

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Dies ist in weltlichen Angelegenheiten und egoistischen Neigungen der Fall. Wie es bei
gewalttätigen Staatsverwaltern, Rebellen u. a. ist, die ihre Teilhaber (an ihrer Tat) bevorzugen
und (sich zu Freunden) auswählen, weil diese ihnen in ihren Taten helfen. Wie es bei denen
ist, die gerne Alkohol trinken und es gerne sehen das Alkohol getrunken wird, diejenigen
bevorzugen und für sich auswählen, die Treffen zum gemeinsamen Alkoholgebrauch
organisieren. Und wie es bei denen ist, die diejenigen bevorzugen und auswählen, die wie sie
selber auch, einen anderen nicht mögen, weil sie auf ihn neidisch sind, oder weil er ihnen
überlegen ist und hierfür gelobt wird und somit nur er mit Gutem charakterisiert wird. Oder
wie es bei denen ist, die ihre Teilhaber (im gemeinsamen Verlangen) deswegen bevorzugen
und auswählen, damit diese keine Beweise gegen sie haben, sie nicht bestrafen oder sie nicht
(an die Obrigkeit) melden, oder damit sie nicht in ihrer Schuld stehen oder ihren Drohungen
ausgesetzt sind. Allah (t) sagt:

„Viele von den Besitzern des Buches möchten euch, nachdem ihr gläubig geworden seid,
gern wieder zu Ungläubigen machen, aus Neid in ihnen, nachdem ihnen die Wahrheit
klar gemacht wurde. Doch vergebt und seid nachsichtig, bis Allah Seine Entscheidung
ergehen lässt, Wahrlich, Allah hat zu allem die Macht.“ (Sure AI-Baqara, Aya 109 )

„Sie wünschen, dass ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, so dass ihr alle gleich
werdet.“ (Sure An-Nisa, Aya 89)

Uthman (ra) sagt: „Die Frau, die Ehebruch begeht, will das alle Frauen Ehebruch
begehen.“

Sie (die gemeinsames Verlangen teilen) wollen, dass diese Teilhaberschaft, wie es bei
Teilhaberschaften von Alkohol trinken, lügen und falschen Religionen ist, durch das Begehen
des gleichen Schlechten verwirklicht wird, oder durch das Begehen der gleichen Art von
Schlechtem, wie etwa bei dem, der selber Ehebruch begeht und will, dass auch der andere
Ehebruch begeht, aber mit einer anderen Frau, oder bei dem, der selber stiehlt und will, dass
auch der andere stiehlt, aber eines anderen Eigentum stiehlt, verwirklicht wird.

2. Der Wille, dass ein anderer Teilhaber ihrer schlechten Taten wird. Wird er es, nun gut! Wird er
nicht, so wird er in bedrohlicher oder schwächerer Weise gefoltert und gequält. Diese Leute, die durch
ihre schlechten Taten erreichen wollen, dass der andere Teilhaber ihrer schlechten Taten wird, und die
ihm diese schlechten Taten befehlen und seine Hilfe möchten, um diese zu verwirklichen, werden
sofort, wenn der Fremde ihr Teilhaber wird, ihnen hilft und ihnen gehorcht, alle seine Fehler aufzählen
und offen legen, sich mit diesen über ihn lustig machen und diese gegen ihn als Beweise benutzen.
Wenn er nicht ihr Teilhaber wird, dann quälen und foltern sie ihn in einer andauernden Feindschaft. In
dieser Lage befinden sich die meisten starken Unterdrücker. Was wir bis hierher in Bezug auf
schlechte Taten gesagt haben, ist genauso, sogar noch mehr gültig für die guten Taten. Denn Allah (t)
sagt:

„Die aber, die glauben, lieben Allah noch mehr.“ (Sure AI-Baqara, Aya 165 )

Denn der Trieb zum Guten ist noch stärker. Diese Triebe sind:

a) Das Gewissen

Im Menschen ist ein Trieb vorhanden, der ihn zum glauben, zum wissen, zur Richtigkeit, zur Gerech-
tigkeit ruft und ihn dazu ruft, dass er das, was er in Gewahrsam genommen hat, achtet und vollbringt.

b) Gesunder Wettbewerb

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Sieht der Mensch einen anderen die gleiche Sache machen, dann erwacht in ihm ein Trieb zum Wett-
bewerb, vor allem wenn dieser andere ihm ähnlich ist. Dieses Verhalten ist ein schönes und lobens-
wertes Verhalten.

c) Der Wille mit den Guten zu sein

Sieht der Mensch, dass andere Gläubige und Gute die selbe Sache anerkennen und an ihr Teilhaben
möchten, oder sieht wie sie es missbilligen, dass man es nicht tut, dann erwacht in ihm ein anderer,
dritter Trieb.

d) Das Verlangen nach der Freundschaft der Guten

Sieht der Mensch, dass sie (die Guten) seine Freunde werden, weil sie ihm das Gute gebieten und er
gutes Tut, und seine Feinde werden und ihn dafür bestrafen, weil er es nicht tut, dann erwacht in ihm
ein vierter Trieb.

Der Weg zur Läuterung

a) Schlechtes mit Gutem erwidern

Deswegen ist den Gläubigen aufgetragen, schlechtem mit seinem Gegensatz, mit Gutem zu begegnen.
Genauso wie der Arzt der Krankheit mit seinem Gegensatz begegnet. Der Mu’min ist damit befohlen,
sein Ego (Nafs) zu läutern. Dies wird durch zwei Vorgehensweisen erreicht: Trotz und gegen die
Triebe Gutes zu verhindern und Schlechtes zu begehen, Gutes zu tun und Schlechtes zu verlassen.
Und dies geschieht auf vier Wegen. Auf diesen vier Wegen und entsprechend seiner Kraft ist es dem
Mu’min gleichzeitig aufgetragen auch andere zu verbessern. Allah (t) sagt:

„Beim Asr (Nachmittag)! Wahrlich, die Menschen sind ganz gewiss verloren. Außer denjenigen,
die Imaan besitzen und gute Werke tun und sich gegenseitig die Wahrheit aufrufen und sich
gegenseitig zur Standhaftigkeit anhalten.“ (Sure AI-Asr)

Es wird berichtet, dass Imam Schafi’i gesagt hat: „Würden die Menschen nur über die Sura Asr
nachdenken, dann würde ihnen das reichen.“

Und wahrlich, es ist so. Denn Allah (t) gibt hier die Nachricht, dass alle, ausgenommen denjenigen,
die selber glauben und gut sind, und den anderen die Wahrheit und die Geduld empfehlen, im Verlust
sind.

b) Die Mehrung der Probleme sind ein Anlass für die Erhöhung des Ranges

Wenn sich die Strapazen mehren, ist dies ein Grund dafür, dass sich der Rang des Gläubigen erhöht
und sich seine Belohnung vermehrt.

Als man Rasulullah (s) fragt: „Welche unter den Menschen sind es, die am meisten von Plagen
heimgesucht werden?“ antwortet er: „Die Propheten, dann die Guten, und dann nach der Reihe die
anderen, die ihnen folgen. Ist jemand fest im Glauben, dann mehren sich seine Probleme. Ist
jemand schwach im Glauben, dann verringern sich seine Probleme. Solange der Gläubige auf der
Erde wandelt, und bis er keine Fehler mehr hat, wird er fortan geprüft werden.“ (Darimi, Riqaq
2/320; Ahmad 1/172)

c) Geduld in der guten Tat

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In dieser Sache braucht der Gläubige mehr Geduld als jeder andere. Diese Geduld ist auch eine
Voraussetzung (ein Grund) für eine Führungsrolle im Glauben. So sagt Allah (t):

„Und Wir erweckten Führer aus ihrer Mitte, die nach Unserem Gebot leiteten, weil sie geduldig
waren und fest in Unsere Ayat glaubten.“ (Sure As-Sajda, Aya 24)

Um jedes befohlene Gute zu tun und jedes verbotene Schlechte zu verlassen ist Geduld unablässig.
Genauso verhält es sich mit der Geduld gegenüber zugeführten Qualen, oder den Beschimpfungen an-
derer, oder Bosheiten, die man erfahrt. Hierzu gehört auch diejenige Geduld, die gefragt ist um nicht
in der Freude zu übertreiben, wenn man belohnt wird.

d) Mit zweifelsfreiem Wissen

Besitzt der Mensch nichts, was ihn sättigt, ihn beschenkt und nährt, also kein zweifelsfreies Wissen
(Yaqin), dann ist es für ihn unmöglich geduldig zu sein. In einer von Abu Bakr (ra) überlieferten
Hadith sagt Rasulullah (s): „O ihr Menschen! Verlangt von Allah Yaqin und Gesundheit. Denn, es
gibt nichts Besseres als Gesundheit, was dem Menschen nach Yaqin gegeben wurde. Verlangt bei
Allah diese zwei.“ (Tirmidhi, Dua 05; Ibn Maja, Dua 5)

e) Gutes Benehmen

Wenn man einem anderen Gutes gebietet und erhofft, dass einem in dieser Sache folge geleistet wird,
oder man einem anderen Schlechtes verbietet, muss dies mit so einer Güte gemacht werden, dass das
Beabsichtigte, nämlich dass, das Erwünschte geschieht und das Unerwünschte verschwindet, erfüllt
wird. Denn die Menschen finden sich mit etwas scharfen nur mit etwas Süßem ab. Es gibt keinen
anderen Weg. Aus diesem Grund hat es Allah (t) geboten, die Herzen zu gewinnen, hat sogar denen,
deren Herz gewonnen werden soll, einen Teil von der Zakah zugeschrieben. Allah (t) hat zu Seinem
Propheten wie folgt gesprochen:

„Übe Nachsicht, gebiete das Rechte und wende dich von den Unwissenden ab.“ (Sure AI-Araaf,
Aya 199 )

„Dann wird er unter denen sein, die glauben und einander ermahnen zur Geduld und einander
ermahnen zur Barmherzigkeit.“ (Sure Al-Balad, Aya 17)

Es ist äußerst notwendig geduldig und nachsichtig zu sein. Das ist wahrer Mut und wahre
Großzügigkeit. Aus diesem Grund zählt Allah (t) manchmal das Salah und die Zakah, und manchmal
das Salah, die Zakah und die Geduld nebeneinander auf. Alle drei sind dringend notwendig. Die
Läuterung (Islah) des Gläubigen selber und der anderen ist nur mit diesen drei Gottesdiensten zu
verwirklichen.

Vor allem in Zeiten in denen die Unruhen und Probleme sich mehren, steigert sich das Bedürfnis nach
diesen dreien. Duldung (Musamaha) und Geduld sind Werte, nach denen alle Menschen ein Bedürfnis
haben. Religiöse und weltliche Vorteile für die Menschen lassen sich nur mit diesen zwei verwirkli-
chen. Aus diesem Grund wird von allen Menschen der Mut und die Großzügigkeit gelobt und der Geiz
und die Feigheit getadelt. Die Themen, über die sich die Menschen eins sind, wie z.ß: die Richtigkeit
und Gerechtigkeit zu loben und die Lüge und Ungerechtigkeit zu verachten, sind Wahrheiten.

Als die Beduinen (Wüstenbewohner) von Rasulullah (s) Hilfe verlangten, und ihn in einen Dickicht
drängten, blieb sein Gewand an einem Ast hängen, woraufhin er sich zu ihnen wandte und sagte: „Ich
schwöre bei Allah, in dessen Hand ich liege, würde ich soviel Tiere besitzen, wie dieser Dickicht
Dornen hat, ich würde sie alle unter euch aufteilen. Dir werdet mich niemals geizig, feige und als
Lügner sehen.“ (Bukhari, Jihad 24; Ahmad 4/83)

Nur ist dies alles je nach Absicht und Art und Weise unterschiedlich beschaffen. Die Taten
entsprechen der Absicht, jeder erhält das, was er beabsichtigt.

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Deswegen, tadelt der Quran und die Sunna den Geiz und die Feigheit, und lobt auf dem Weg Allahs (t)
mutig und duldsam zu sein. Rasulullah (s) sagt: „Das Schlimmste im Menschen ist ein heftiger Geiz
und Feigheit.“ (Abu Dawud, Jihad 21; Ahmad 2/302).

Und als Rasulullah (s) fragte: „O ihr Söhne von Salama! Wer ist euer Gebieter (Sayyid)?“ Und sie
sagten: „Neben seinem Geiz, der zu kritisieren ist, ist es AI-Jadd bin Qays.“ Daraufhin sagte
Rasulullah (s): „Gibt es denn eine noch schlimmer Krankheit als Geiz?“ (Bukhari, Maghazi 73)

Und in einer anderen Überlieferung dieser Hadith befindet sich folgende Antwort: „Ein geiziger kann
kein Gebieter sein. Euer Gebieter soll al-Bara bin Ma'rur, der Junge mit den weißen Haaren sein.“
(Ibn Hischam Sira 2/104; Qurtubi Tafsir 9/159; Hakim 1/11)

In der Sahih Imam Bukharis wird überliefert, dass als Jabir bin Abdullah (ra) zu Abu Bakr (ra):
„Entweder wirst du mir geben oder wirst geizig sein“ sagt, Abu Bakr (ra) ihm antwortet: „So etwas
sagst du zu mir. Gibt es denn eine schlimmere Krankheit als den Geiz?“ (Bukhari, Khums 15;
Ahmad 3/308)

Somit gab er den Geiz als eine der schlimmsten Krankheiten zu erkennen. Wie von Salman bin Rabia
in der Sahihi Imam Muslim berichtet wird sagt Umar (ra): „Rasulullah (s) hat eine Ware zugeteilt.
Und ich sagte: „O Gesandter Allahs (s)! Andere als diese (denen die Ware zugeteilt wurde) sind
diesen Gegenständen noch würdiger.“ Und er sagte zu mir: „Sie haben mich wählen lassen
zwischen, jemandem, von dem mit unschönen Worten verlangt wird zu sein, oder zu den Geizigen
gezählt zu werden. Ich bin nicht geizig.“ (Muslim, Zakah 1/27; Ahmad 1/20)

Rasulullah (s) macht hier deutlich, dass es besser ist denjenigen, die in einer bösartigen Art und Weise
von ihm verlangen, zu geben was sie wollen, als es ihnen nicht zu geben, denn würde er es ihnen nicht
geben, dann würden sie ihn als geizig bezeichnen und dass sie ihn gezwungen haben eine von zwei
nicht guten Taten zu tun, nämlich entweder unangebracht zu reagieren (, also ihnen zu geben was sie
verlangen, obwohl sie von ihm in einer schlechten Art und Weise verlangt haben,) oder geizig zu sein.
Und er verdeutlicht uns, dass er den Geiz für noch schlimmer empfindet, und indem er gibt, ein noch
größeres Übel (den Geiz) zurückstößt. Die Arten des Geizes:

a) Geiz ist ein Rahmen

Es gibt große und kleine Übel, die in ihm Platz nehmen. Allah (t) sagt:

„Und diejenigen, die mit dem geizen, was ihnen Allah von Seiner Huld gegeben hat, sollen ja
nicht meinen, das sei so besser für sie. Nein, zu ihrem Schlechten soll es ihnen dienen. Als Hals-
band sollen sie am Tag der Auferstehung das tragen, womit sie geizig waren. Und Allahs ist das
Erbe der Himmel und der Erde, und Allah kennt euer Tun.“ (Sure AI-Imran, Aya 180)

„Dient Allah und setzt Ihm nichts zur Seite; und seid gut zu den Eltern und zu den Verwandten,
den Waisen, den Armen, dem Nachbar, sei er nah oder fern, dem Begleiter an der Seite, dem
Sohn des Weges und dem (Sklaven), den ihr von Rechts wegen besitzt. Seht, Allah liebt nicht den
Hochmütigen und Prahler, die da geizig sind und den Leuten gebieten, geizig zu sein, und
verbergen, was Allah ihnen in Seiner Huld gegeben hat; und den Ungläubigen haben Wir eine
schändende Strafe bereitet.“ (Sure An-Nisa, Aya 36,37)

„Ihre Spenden werden nur deshalb nicht angenommen, weil sie nicht an Allah und Seinen
Gesandten glauben und nur träge zum Gebet kommen und ihre Spenden nur widerwillig
geben.“ (Sure At-Tauba, Aya 54)

„Doch als Er ihnen dann aus Seiner Fülle gab, geizten sie damit und wandten sich in Abneigung
ab. Zur Vergeltung pflanzte Er Heuchelei in ihre Herzen. Bis zu dem Tage, an dem sie Ihm

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begegnen werden, weil sie Allah nicht gehalten haben, was sie Ihm versprochen hatten, und weil
sie gelogen hatten.“ (Sure At-Tauba, Aya 76,77)

„Seht, ihr seid diejenigen, die dazu berufen sind, auf Allahs Weg zu spenden, doch unter euch
sind manche, die geizig sind. Und wer geizig ist, der geizt nur gegen sich selber, und Allah ist
Derjenige, Der reich ist, und ihr seid die Armen. Und wenn ihr Ihm den Rücken kehrt, so wird
Er ein anderes Volk an eure Stelle setzen; und sie werden nicht so sein wie ihr.“ (Sure
Muhammad, Aya 38)

„Wehe denjenigen Betenden, die bei der Verrichtung ihres Gebets nachlässig sind, die nur
gesehen werden wollen, und die Hilfeleistung verweigern.“ (Sure AI-Ma'un, Aya 4-7)

„Jenen, die Gold und Silber horten und es nicht für Allahs Weg verwenden, ihnen verheiße
schmerzliche Strafe. An dem Tage, da es (das Gold und Silber) im Feuer der Hölle glühend
gemacht wird und ihre Stirnen und ihre Seiten und ihre Rücken damit gebrandmarkt werden,
wird ihnen gesagt: Dies ist, was ihr für euch selbst gehortet habt; kostet nun, was ihr zu horten
pflegtet.“ (Sure At- Tauba, Aya 34,35)

b) Des Weiteren wird von allen Ayat im Quran, die das Geben und die Hilfeleistung gebieten,
gleichzeitig der Geiz erniedrigt.

Und auch in vielen Ayat hat der Quran die Feigheit getadelt. Wie z.ß: in folgenden:

„Derjenige, der ihnen an solch einem Tage den Rücken kehrt, es sei denn, er schwenke zur
Schlacht oder zum Anschluss an einen Trupp ab, der lädt wahrlich Allahs Zorn auf sich, und
seine Herberge soll die Hölle sein; und schlimm ist das Ende!“ (Sure AI-Anfal, Aya 16)

„Und sie schwören bei Allah, dass sie wahrhaftig zu euch gehören, doch sie gehören nicht zu
euch, sondern sie sind feige Leute. Könnten sie nur einen Zufluchtsort finden oder Höhlen oder
ein Schlupfloch, würden sie gewiss in wilder Hast dorthin eilen.“ (Sure At-Tauba, Aya 56,57)

„Die da glauben sagen: ‚Warum wird keine Sura herabgesandt?’ Doch wenn eine entscheidende
Sura herabgesandt wird und darin vom Kampf die Rede ist, dann siehst du die, in deren Herzen
Krankheit ist, dich mit dem Blick eines (Menschen) anschauen, der im Sterben von Ohnmacht
befallen wird; also wehe ihnen. Gehorsam und geziemende Worte ständen ihnen besser an. Und
wenn die Sache beschlossen ist, dann wäre es für sie am besten, sie würden Allah gegenüber
aufrichtig sein.“ (Sure Muhammad, Aya 20,21)

„Hast du nicht jene gesehen, zu denen man sagte: ‚Haltet eure Hände zurück, verrichtet das
Gebet und entrichtet die Zakah.’ Doch als ihnen der Kampf verordnet wurde, da fürchtet ein
Teil von ihnen die Menschen wie in Furcht vor Allah oder mit noch größerer Furcht; und sie
sagten: ‚Unser Herr warum hast Du uns den Kampf verordnet? Möchtest Du uns nicht noch
eine Weile Aufschub gewähren?’ Sprich: ‚Die Nutznießung dieser Welt ist gering, und das
Jenseits wird für die Gottesfürchtigen besser sein; und kein Fädchen Unrecht sollt ihr
erleiden.’“ (Sure An-Nisa, Aya 77)

c) Und des Weiteren erniedrigen alle Ayat im Quran, die zum Jihad aufrufen und diejenigen
tadeln, die sich davor drücken und ihn verlassen, gleichzeitig die Feigheit

Weiter gibt uns Allah (t) darüber Nachricht, dass das religiöse und weltliche Wohl der Menschen nur
dadurch gewährleistet werden kann, indem an die Stelle derer, die den Jihad verlassen, solche gebracht
werden die den Jihad ausführen:
„O ihr, die ihr glaubt, was ist mit euch, dass ihr euch schwer zur Erde sinken lasst, wenn euch
gesagt wird: ‚Zieht aus auf Allahs Weg?’ Würdet ihr euch denn mit dem diesseitigen Leben statt

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mit jenem im Jenseits zufrieden geben? Doch der Genuss des irdischen Lebens ist gar gering,
verglichen mit dem des Jenseits. Wenn ihr nicht auszieht, wird Er euch mit schmerzlicher Strafe
bestrafen und wird an eurer Stelle ein anderes Volk erwählen, und ihr werdet ihm gewiss keinen
Schaden zufügen. Allah hat Macht über alle Dinge.“ (Sure At-Tauba, Aya 38,39)

„Seht, ihr seid diejenigen, die dazu berufen sind, auf Allahs Weg zu spenden, doch unter euch
sind manche, die geizig sind. Und wer geizig ist, der geizt nur gegen sich selber, und Allah ist
Derjenige, Der reich ist, und ihr seid die Armen. Und wenn ihr Ihm den Rücken kehrt, so wird
Er ein anderes Volk an eure Stelle setzen; und sie werden nicht so sein wie ihr.“ (Sure
Muhammad, Aya 38)

Allah (t) hat den Vorherigen in Mut und in Großzügigkeit Überlegenheit gegeben:

„Was ist mit euch, dass ihr nicht für Allahs Sache spendet, obwohl die Erbschaft der Himmel
und der Erde Allah gehört? Es sind nicht gleich diejenigen unter euch, die spendeten und
kämpften vor dem Sieg. Sie stehen höher im Rang als jene, die erst nachher spendeten und
kämpften. Allen aber verhieß Allah gutes. Allah ist dessen wohl kundig, was ihr tut.“ (Sure Al-
Hadid, Aya 10)

d) In sehr vielen Ayat des Quran wird der Jihad mit dem Vermögen und dem eigenen Leben auf
dem Weg Allahs von Allah (t) erzählt und gelobt.

Nämlich genau dies ist Mut und Nachsicht (infaq) um des Gehorsams zu Allah (t) willen. Allah (t)
sagt:

„Wie oft hat nicht eine geringe Schar Ober eine große Schar gesiegt mit Allahs Erlaubnis! Allah
ist mit den Geduldigen.“ (Sure AI-Baqara, Aya 249)

„O ihr, die ihr glaubt, wenn ihr auf eine Schar stoßt, so bleibt fest und denkt eifrig an Allah, auf
dass ihr erfolgreich sein möget. Und gehorcht Allah und Seinem Gesandten und hadert nicht
miteinander, damit ihr nicht versaget und euch die Kampfkraft nicht verlässt. Seid geduldig;
wahrlich, Allah ist mit den Geduldigen.“ (Sure AI-Anfal, Aya 45,46)

Mut bedeutet nicht Körperkraft. Ein Mensch kann körperlich stark, aber feige sein. Mut ist nur
Unerschrockenheit. Die Grundlagen des Kampfes sind Körperkraft und Kampfkunst, Mut und
Kampfkenntnis. Welche von diesen beiden gelobt ist, ist nicht das kopflose, sondern das bewusste und
geplante Handeln.

Deswegen ist derjenige ein starker Mensch, der in seiner Wut, sein Ego kontrollieren kann und somit
das angebrachte tut. Derjenige hingegen, der seiner Wut unterliegt ist weder mutig, noch stark. Wie
schon vorher erwähnt, ist das Eigentliche von alledem die Geduld. Geduld ist eine Notwendigkeit.

Die Geduld hat zwei Formen:

1 - Geduld während der Wut

2 - Geduld während eines Übels

Hassan al-Basri hat gesagt: „Niemand hat einen größeren Happen heruntergeschluckt, als sanft
während der Wut und geduldig im Unglück zu sein.“

Dieser schmerzliche Zustand ist auf die Geduld zurückzuführen Dieser schmerzliche Zustand steigert,
wenn es möglich ist den Zustand zu ändern, die Wut, und wenn er nicht zu ändern ist, dann steigert er

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die Trauer. Deswegen errötet das Gesicht- weil sich das Blut in Bewegung setzt, wenn man in der Wut
glaubt handeln zu können, glaubt man aber nicht handeln zu können, verfällt man in Trauer und das
Gesicht verblasst, weil das Blut absinkt.

In einer Überlieferung Ibn Mas’uds (ra), die sahih ist, wird folgendes von Rasulullah (s) zu einem
Grundsatz erklärt: „Wen würdet ihr Rakub nennen?“, fragte Rasulullah (s), und sie antworteten ihm:
„Jemand der keine Kinder bekommt.“ Daraufhin sagte Rasulullah (s): „Nein, dieser ist nicht Rakub.
Rakub ist derjenige, der keines seiner Kinder verliert (stirbt), bevor er selber stirbt.“ Dann fragte
Rasulullah (s): „Und wen würdet ihr einen Pahliwan nennen?“ Und sie antworteten: „Denjenigen,
der den anderen im Ringkampf besiegt.“ Und Rasulullah (s) sagte: „Nein, dieser ist kein Pahliwan,
sondern derjenige, der sein Ego in seiner Wut kontrollieren kann.“ (Muslim, Birr 1/06; Ahmad
1/382)

In dieser Hadith bringt Rasulullah (s) die Notwendigkeit der Geduld in Momenten des Unglücks und
der Wut zum Ausdruck. Zum Unglück sagt Allah (t):

„Und gewiss werden Wir euch prüfen durch etwas Angst, Hunger und Minderung an Besitz,
Menschenleben und Früchten. Doch verkünde den Geduldigen eine frohe Botschaft, die, wenn
sie ein Unglück trifft, sagen: ‚Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.’“ (Sure AI-
Baqara, Aya 155,156)

Und zur Kontrolle über die Wut sagt Er:

„Aber dies wird nur denen gewährt, die geduldig sind; und dies wird nur denen gewährt, die
großes Glück haben.“ (Sure Fussilat, Aya 35)

Das gemeinsame Betrachten der Geduld im Unglück und in der Wut, ist genauso wie die gemeinsame
Betrachtung der Geduld im Unglück und in der Gnade. So sagt Allah (t):

„Und wenn Wir dem Menschen Unsere Gnade zu kosten geben und sie ihm daraufhin fort
nehmen, ist er verzweifelt und undankbar. Und wenn Wir ihm nach einer Drangsal, die ihn
getroffen hat, eine Gabe bescheren, sagt er sicherlich: ‚Das Übel ist von mir gewichen.’ Siehe, er
ist frohlockend und prahlend. Ausgenommen sind diejenigen, die geduldig sind und gute Werke
tun. Ihnen wird Vergebung und ein großer Lohn zuteil sein.“ (Sure Hud, Aya 9-11)

„Damit ihr euch nicht betrüben möget, was euch entging, noch darüber frohlocken möget, was
Er euch gegeben hat. Allah liebt keinen der eingebildeten Prahler.“ (Sure AI-Hadid, Aya 23)

Kab bin az- Zuhayr charakterisiert die Muhajirin folgendermaßen: „Weder fallen sie in Freuden-
taumel, wenn ihre Schwerter vereint über ihre Feinde niedergehen, noch fallen sie in Ungeduld,
wenn sie einer Niederlage erlegen sind.“

Und Hassan bin Sabit charakterisiert die Ansar folgendermaßen: „In ihrer Niederlage geraten sie
weder in Panik, noch werden sie (bewegungslos) zu Eis.“

Und einige Araber sagen über Rasulullah (s): „Weder freut er sich übertrieben über den Sieg, noch
bedrückt ihn die Niederlage.“

In diesen zwei Situationen (der Trauer und der Freude) verführt Satan die Menschen dazu, mit ihren
Seelen, ihren Stimmen und ihren Händen, die vorgezeigten Grenzen zu übertreten. Und deswegen hat
es Rasulullah (s) verboten. Als der Sohn Rasulullahs (s), Ibrahim, starb und er deswegen weinte, fragte

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man ihn erstaunt: „Weinst du? Hast du denn nicht das Weinen verboten?“ Daraufhin Rasulullah (s):
„Ich habe zwei dumme und sündige Laute verboten. Der eine ist der Laut der Instrumente Satans,
die Melodien des Vergnügens und Tanzes spielen, und der andere ist der Laut desjenigen, der im
Unglück seine Wangen schlägt, seine Kleider zerreißt (vom Leibe reißt) und das Wehgeschrei aus
der Zeit der Jahiliyyah fortführt.“ (Bukhari, Janaiz /32; Tirmidhi, Janaiz /25)

Somit hat er diese beiden Laute gleichbedeutend betrachtet. Rasulullah (s) hat während des Unglücks
einige Taten verboten. Die folgenden Überlieferungen sind ein Beispiel für einige von diesen: „Wer
seine Wangen schlägt, seine Kleider (vom Leibe reißt) zerreißt und die Bräuche aus der Jahiliyya
fortführt, ist nicht von uns.“ (Bukahri, Janaiz /3 5; Ahmad 1/432)

„Ich bin fern von den Frauen, die sich im Unglück ihre Haare ausreißen, schreien und ihre
Kleider zerreißen.“ (Bukhari, Janaiz /37; Muslim, Iman /166)

„Was vom Auge und dem Herzen kommt ist von Allah, und was von der Hand und der Zunge
kommt ist von Schaytan.“ (Bukhari, Janaiz /43)

„Allah bestraft nicht für die Tränen, die vom Auge fließen, und für die Trauer, die das Herz
erfährt, nur wegen diesem hier- hier zeigt er auf seine Zunge- bestraft oder verzeiht Er.“ (Bukhari,
Janaiz /44)

„Der Tote, dem nach geweint wird, erfährt aufgrund dieses Nachweinens Strafe.“ (Bukhari, Janaiz
/34)

Und Rasulullah (s) sagt: „Wenn eine Frau, die einem Toten nachjammernd und nach schreiend
nach weint, nicht vor ihrem Tod dies bereut, wird sie am Tag der Auferstehung, bekleidet mit einem
Kleid voll Teer und einem kratzenden Hemd, auferstanden.“ (Muslim, Janaiz /29; Ibn Maja, Janaiz
/51)

In Bezug auf Überlegenheit, Leid und Freude sagt Rasulullah (s): „Allah hat bei allem die Wohltat
(ihsan) befohlen. Wenn ihr tötet, tötet schön. Schlachtet das Opfertier schön. Derjenige unter euch,
der ein Tier schlachten will, soll sein Messer schärfen, und es dem Schlachttier wohl ergehen
lassen.“ (Tirmidhi, Diyat /14; Nasai, Dahaya /22)

„Die ehrenhaftesten im Töten sind die gläubigen (Ahlu l-Iman).“ (Abu Dawud, Jihad /110; Ibn
Maja, Diyat /30)

„Quält nicht, seid nicht untreu, tötet keine Kinder.“ (Muslim, Jihad /2)

Es gibt noch viele solcher Hadithe, in denen er, sich den folgenden Geboten Allahs (t) unterwerfend,
die Mäßigkeit im Jihad befiehlt:

„O ihr, die ihr glaubt! Setzt euch für Allah ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Und der Hass
gegen eine Gruppe soll euch nicht dazu verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht,
das ist der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah; wahrlich Allah ist eures Tuns kundig.“
(Sure AI-Maida, Aya 8)

„Kämpft auf dem Weg Allahs gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht.
Wahrlich, Allah liebt nicht diejenigen, die übertreten.“ (Sure AI-Baqara, Aya 190)

Rasulullah (s) hat es verboten sich mit Seide zu kleiden, Ringe aus Gold zu tragen, aus goldenen und
silbernen Tassen zu essen und zu trinken und das Kleid zu verlängern, weil dies eine Verschwendung
der Gaben und Prahlerei bedeutet.
Außerdem hat er diejenigen kritisiert, die Teppiche, Seide und seidiges, Wein, Musikinstrumente als
halal betrachteten und hat sie über ihre miserable Situation benachrichtigt, mit der sie am Tag der
Auferstehung konfrontiert sein werden. Allah (t) sagt:

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„Seht. Allah liebt nicht den Hochmütigen und Prahler.“ (Sure An-Nisa, Aya 36)

„Da sagte sein Volk zu ihm: ‚Brüste dich nicht, denn Allah liebt nicht diejenigen, die sich
brüsten.’“ (Sure AI-Qasas, Aya 76)

Im Verlangen zu weit zugehen, sind neben der Geduld, diese drei Zustände die Grundlagen dieses
Kapitels. Denn der Mensch steht zwischen dem, was er liebt und begehrt, und dem, was er hasst und
missbilligt. Der Mensch muss in Momenten der Liebe und dem Bergehren geduldig gegenüber
übermäßige Liebe und übermäßiges Begehren sein und in Momenten des Hasses und Missfallens,
muss er geduldig über deren Übermaß sein. Genauso muss er sich mit Geduld gegen ein übermäßiges
freuen in Momenten der Freude wehren und sich in Momenten des Leids gegen Ungeduld wehren.

In der obigen Hadith hatte Rasulullah (s) zwei Laute als die von Dummen und Sündern bezeichnet:
Einmal der Laut, der den Menschen in seiner Freude zu weit gehen lässt und ihn in eine prahlende
Freude abwürgt. Und der Laut, der den Menschen in seinem Leid ungeduldig werden lässt, ihn sehr
ungeduldig macht. Solche Laute aber, wie Gedichte, die im Jihad, ohne die Begleitung von
Instrumenten, rezitiert werden, und solche Laute, die für Allah (t) den Wut der Menschen in
Bewegung bringen, und solche Laute, in der Form wie sie in der Sunna überbracht sind, die Frauen
und Kinder in Zeiten der Freude wie Hochzeiten durch das schlagen des Tamburins vergnügen sollen,
sind erlaubt.

Die meisten der Gedichte, die laut rezitiert werden um die Menschen in Bewegung zu bringen,
gehören diesen vier Gattungen an:

1. Vergleiche, die, die Jugendzeit thematisieren


2. Heldenepen und Schmähgedichte, die Heldentum, Schmach und Wut thematisieren
3. Elegien, die Trauer thematisieren
4. Lobungen, die Bescherungen und Freuden thematisieren

Wie Allah (t) verkündet, ist es die Art der Dichter, Gedichte entsprechend ihrer Laune und den
Traditionen zu schreiben:

„Hast du nicht gesehen, wie sie verwirrt in jedem Tal umher wandeln, und wie sie reden, was sie
nicht tun?“ (Sure Asch- Schuara, Aya 225,226)

Deswegen offenbart Allah (t), dass die Irrenden den Dichtern folgen. Das Wort „ ghawi“ in der Ayat
steht für denjenigen, der ohne Wissen, blind seinem Verlangen folgt. Dies ist genau die „ghawi“, die
aus demselben Wortstamm wie „ghawi“ herkommt und das Gegenteil der Rechtleitung bedeutet. Nun
genauso wie der Irrende, der den Nutzen nicht sieht, genau das Gegenteil desjenigen ist, der die
Rechtleitung gewonnen hat. Allah (t) sagt:

„Beim Stern, wenn er untergeht! Euer Gefährte (Muhammad) ist weder verwirrt, noch befindet
er sich im Unrecht, noch spricht er aus Begierde.“ (Sure An-Najm, Aya 1-3)

Und deshalb sagt Rasulullah (s): „Haltet euch nach mir an meiner Sunna, und an der Sunna meiner
recht geleiteten Kalifen nach mir fest.“ (Abu Dawud, Sunna /5; Tirmidhi, Ilm; Ibn Maja, Muqaddima
/16)

Du wirst sehen, dass die Dichter jede Form des Mutes und der Nachsicht loben. Denn das nicht
vorhanden sein dieser zwei ist allgemein nicht gern gesehen. Doch wenn sie vorhanden sind, dann
erreichen im Allgemeinen die Menschen mit ihnen ihre Ziele.
Doch diejenigen, die im Jenseits unter den Gewinnern sein werden, sind diejenigen, die Allah (t)
fürchten. Diejenigen, die Ihn nicht fürchten gewinnen im Diesseits, aber nicht im Jenseits. Das gute
Ende ist nur im Jenseits zu erlangen, doch kann auch das diesseitige Leben schon gewinnbringend

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sein, so wie es in der Geschichte Nuhs (as) und seiner Errettung mit dem Schiff von Allah (t) erzählt
wird:

„Es wurde befohlen: „O Nuh, gehe an Land, und sei mit Unserem Frieden begleitet! Und
Segnungen seien über dir und über den Geschlechtern, die bei dir sind! Und es werden andere
Ge-schlechter kommen, denen Wir Versorgung gewähren, dann aber Unsere schmerzliche
Strafe treffen lassen. Das ist einer der Berichte von den verborgenen Dingen, die Wir dir
offenbaren. Zuvor kanntest du sie nicht, weder du noch dein Volk. So harre denn aus, denn der
Ausgang entscheidet zugunsten der Gottesfürchtigen.“ (Sure Hud, Aya 48,49)

Und:

„Wer nun gegen euch gewalttätig handelt, gegen den handelt in gleichem Maße gewalttätig, wie
er gegen euch gewalttätig war, und fürchtet Allah und wisset, dass Allah mit den Gottes-
fürchtigen ist.“ (Sure Al-Baqara, Aya 194)

Das Maß mit dem hier zu messen ist, ist zu loben, was Allah (t) und Sein Gesandter (s) loben. Denn
nur Allahs (t) Lob ist schön und nur Sein Tadel ist schlimm, und nicht etwa der Lob und Tadel der
Dichter, Redner oder anderer. Aus diesem Grund antwortet Rasulullah (s) einem der Söhne Tamims,
als dieser zu ihm: „Mein Lob ist schön, und mein Tadel ist schlimm“ sagt mit: „ Der schöne Lob
und schlimme Tadel ist der Allahs.“ (Tirmidhi, Tafsir /49; Ahmad 3/488)

Allah (t) lobt den Mut und die Duldsamkeit auf Seinem Weg. So wird in den Sahihayn überbracht,
dass Abu Musa al-Asch’ari (ra) Rasulullah (s) gefragt hat: „O Gesandter Allahs (s)! Der eine kämpft
des Mutes Willen, ein anderer des Heldentums Willen und wieder ein anderer um das Gesehen
werden willens. Welcher dieser drei kämpft auf dem Weg Allahs?“ Und Rasulullah (s) antwortet:
„Derjenige, der kämpft, damit Allahs Wort das höchste ist.“ (Bukhari, Tauhid /28; Muslim, Imara
/150)

Und Allah (t) sagt:

„Kämpft gegen sie, bis keine Verführung (Fitna) mehr stattfindet und bis sämtlicher Glauben
auf Allah allein gerichtet ist.“ (Sure AI-Anfal, Aya 39)

Denn dies, ist der Grund warum die Geschöpfe geschaffen wurden. Allah (t) sagt:

„Und Ich habe die Jinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir allein dienen.“
(Sure Az-Zariyat, Aya 56)

Alles was auf den Schöpfungsgrund Allah (t) abzielt ist das Lob Allahs (t) würdig. Diese Taten sind
diejenigen, die den Menschen nicht verlassen werden und die Allah (t) als nützlich erachten wird,
genau diese sind die guten Taten, die Amali salih. Aus diesen Erkenntnissen heraus sind die Menschen
in vier Gruppen einzuteilen:

1. Diejenigen, die mutig und duldsam (simaha) für Allah (t) handeln. Diese sind die Gläubigen, die das
Paradies gewinnen.

2. Diejenigen, die, ohne das ihr Handeln für Allah (t) ist, mutig und duldsam sind. Diese sehen den
Nutzen ihrer Werke im Diesseits, haben aber im Jenseits nichts zu gewinnen.

3. Diejenigen, die zwar für Allah (t) handeln, aber ohne Mut und Duldsamkeit. Bei diesen befindet
sich entsprechend ihres Zustandes eine Art Heuchelei (nifaq) und Glaubensschwäche in ihren Taten.

4. Diejenigen, die ohne Mut und ohne Duldsamkeit und nicht für Allah (t) handeln. Diese haben weder
im Diesseits noch im Jenseits etwas zu gewinnen.

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Jeder Gläubige ist in Zeiten des Leides und in Zeiten großer Unruhen, allgemein oder im Speziellen,
auf diese Verhaltensweisen (ahlaq) und diese Taten angewiesen. Sie müssen, wenn sie zum Irrgang
verführt werden (fitna), sich läutern und sich ihrer Sünden reinigen und sich ihrer entledigen. Genauso
müssen sie, entsprechend ihrer Kraft und Möglichkeiten, den anderen das Gute gebieten und das
Schlechte verbieten. In beiden Fällen wird der Gläubige mit großen Schwierigkeiten konfrontiert
werden, aber Allah (t) macht es für wen Er will leicht. Denn Allah (t) hat den Gläubigen geboten Iman
zu machen und gute Taten zu vollbringen, und gleichzeitig die Menschen zum Iman und zu guten
Taten zu rufen und hierfür Jihad zu machen.

„Allah wird gewiss dem zum Sieg verhelfen, der für Seinen Sieg eintritt. Allah ist wahrlich
Allmächtig, Erhaben. Jenen, die, wenn Wir ihnen auf Erden die Oberhand gegeben haben, das
Gebet verrichten und die Zakah entrichten und Gutes gebieten und Schlechtes verbieten, steht
Allah bei. Allah bestimmt den Ausgang aller Dinge.“ (Sure AI-Hajj, Aya 40,41)

„Wahrlich, helfen werden Wir Unseren Gesandten und denen, die gläubig sind, im diesseitigen
Leben und an dem Tage, wo die Zeugen vortreten werden.“ (Sure Ghafir, Aya 51)

„Allah hat es geschrieben: ‚Sicherlich werde Ich siegen, Ich und Meine Gesandten. Wahrlich,
Allah ist Allmächtig, Erhaben.’“ (Sure AI-Mujadala, Aya 21)

„Und Unser Heer wird sicher siegreich sein.“ (Sure As-Saffat, Aya 173)

Jihad

Einige Menschen behaupten, dass der Befehl über sie, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu ver-
bieten und auf Allahs Weg Jihad zu machen, sie zum Irrgang verführt, ihnen Leid und Probleme
bringt, und verlassen dann diese Pflicht, mit der Begründung, sie würden sich somit vor der Fitna
schützen. Nun, so sagt Allah (t), als Er über die Heuchler (Munafiqun) spricht:

„Und unter ihnen ist so mancher, der sagt: ‚Erlaube mir (zurückzubleiben), und stelle mich
nicht auf die Probe (Fitna).’ Hört! Ihre Probe hat sie ja schon ereilt. Und wahrlich, die Hölle
wird die Ungläubigen einschließen.“ (Sure At-Tauba, Aya 49)

Wie in der Tafsir dieser Sure berichtet wird, wurde diese Ayat wegen Jadd bin Qays herabgesandt, als
Rasulullah (s) ihm und den anderen befahl sich auf den Feldzug gegen die Byzantiner vorzubereiten
(Krieg von Tabuk). Ich denke Rasulullah (s) sagte zu ihm: „Verlangst du nach den blonden Frauen
der Römer?“ Daraufhin sagte er: „O Gesandter Allahs (s)! Ich bin jemand der sehr ungeduldig
gegenüber Frauen ist. Ich fürchte in Fitna zu fallen, wenn ich deren Frauen sehe. Gebe mir
Erlaubnis (zurückzubleiben) und stelle mich nicht (mit der Verführung) auf die Probe.“

Dieser Jadd bin Qays ist derjenige, der, als Rasulullah (s) unter den Bäumen das Wort der Sahaba
einverlangte (Bay'a von Ridwan), sich unter einem rötlichen Kamel versteckt hatte. (Ibn Hischam, Sira
4/159; Qurtubi, Tafsir 8/158) Über ihn sagt Rasulullah (s): „Außer dem, der sich mit dem rötlichen
Kamel versteckte, ist allen, die an dieser. Bay’a teilgenommen haben, verziehen.“ (Muslim,
Munafiqun /12)

In Folge dieses Geschehnisses ist die oben genannte Ayat 49 der Sura At-Tauba herabgekommen.

Wie gesehen begründete Jadd bin Qays seinen Wunsch nicht am Jihad teilzunehmen damit, dass er
sich vor der Verführung der Frauen schützen will und nicht in Fitna fallen will. Somit bestanden aus
seiner Sicht für ihn nur zwei Möglichkeiten, entweder er schützt sich vor dem Verbotenen und tritt in

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einen Kampf gegen seine Lust ein, und erleidet in Folge dessen Schmerzen, oder er begeht das
Verbotene und wird in Folge dessen ein Sünder.

Nun, wer etwas schönes sieht und gefallen daran findet, verspürt einen Schmerz im Herzen, wenn er
es nicht besitzen kann; gleich ob aufgrund eines Verbotes von Allah (t), oder weil derjenige nicht die
Gelegenheit dazu hat. Ist er aber in der Lage es zu besitzen und er begeht das Verbotene, dann geht er
seiner Vernichtung entgegen. Sogar bei erlaubten Beziehungen zu Frauen gibt es manchmal
Schmerzen. Dieses ist mit den Worten „stelle mich nicht auf die Probe“ gemeint. Und Allah (t) sagt:

„Wisset! Ihre Probe hat sie bereits ereilt.“ (Sure At-Tauba, Aya 49)

Er will sagen: „Das er sein Gesicht vom Jihad, der Pflicht auf ihn ist, abgewendet hat und sich vor
ihm drückt, die Schwäche seines Glaubens, die Krankheit in seinem Herzen, die es ihm verschönert
den Jihad zu verlassen, ist eine große Fitna in die er bereits gefallen ist.“

Nun, wenn die Lage so ist, wie beabsichtigt er sich vor einer kleinen Fitna zu schützen, die noch nicht
einmal eingetreten ist, indem er sich in die große Fitna begibt? Allah (t) sagt:

„Und kämpft gegen sie, bis es keine Fitna mehr gibt und die Religion Allah allein gehört.“ (Sure
AI-Baqara, Aya 193)

Derjenige, der den Jihad, der doch von Allah (t) befohlen ist, damit es keine Fitna mehr gibt, verlässt,
ist schon durch den Zweifel seines Herzens, der Krankheit seines Geistes und durch das Verlassen
eines Befehles den Allah (t) erteilt hat in Fitna gefallen. Über diese Angelegenheit muss man wirklich
gut nachdenken, denn das ist wirklich eine sehr gefährliche Sache. Die Menschen teilen sich in dieser
Angelegenheit in zwei Gruppen auf:

1. Diejenigen, die Gutes gebieten und Schlechtes verbieten, und, wie sie sagen kämpfen, um die Fitna
zu beheben. Aber in Wahrheit ist das, was sie machen, die größte Fitna. Die Kharijiin, die in Zeiten
der Verwirrung unter den Muslimen gekämpft haben, sind solche.

2. Diejenigen, die obwohl sie die Fitna bereits ereilt hat, mit der Begründung nicht in Fitna fallen zu
wollen, sich davon abwenden Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verbieten, und somit den Kampf
bis die Religion allein Allah (t) gehört und Sein Name der Höchste ist, verlassen.

Auch die Prüfungen, denen man aufgrund erfreulicher Ursachen unterzogen wird, gehören zu der
Prüfung, die in der Sura Bara (Tauba) genannt wird, denn genau solch eine Ursache ist der Grund für
die Sendung dieser Ayat. Sie glauben sich vor der Fitna zu schützen, bringen sich jedoch in Wahrheit
nur in eine noch größere Fitna. Um der Lust ihres Egos nicht zu verfallen, verlassen sie ihre Pflicht das
Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten und den Jihad, mit dem die Religion allein Allahs (t)
und Sein Name der Höchste wird. Dies ist die Lage sehr vieler Gläubiger, wo doch ihre Aufgabe die
Pflicht (wajib) zu erfüllen und das Verbotene (haram) nicht zu tun ist; diese zwei sind nicht von
einander zu trennen.

Die Gemeinschaft und ihre Führung

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Es ist unbedingt notwendig, dass jeder auf der Erde Gutes gebietet und Schlechtes verbietet, und dass
jedem Gutes geboten und Schlechtes verboten wird. Sogar wenn einer alleine auf der Erde wäre,
müsste er diese Pflicht, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten, an sich selber ausführen.
Denn, wie Allah (t) sagt:

„ ... denn das Wesen des Menschen gebietet oft Schlechtes, ausgenommen jenen, derer mein
Herr sich erbarmt.“ (Sure Yusuf, Aya 53)

Denn etwas zu gebieten, bedeutet dieses zu wollen und zu verlangen. Und etwas zu verbieten bedeutet
dieses verlassen zu wollen. Jedes Lebewesen besitzt ein Verlangen, einen Willen, mit dem es seine
eigene, oder wenn es dazu in der Lage ist, die Handlung eines anderen in Bewegung zu bringen in der
Lage ist. Denn der Mensch ist ein Lebewesen, das mit seiner Willenskraft handelt. Menschen leben
zusammen. So ist es unausweichlich, dass wenn zwei oder mehr Menschen miteinander leben, sie sich
untereinander eine Sache gebieten und eine andere verbieten. Deswegen sind zwei Personen das
Minimum für eine Jamaa’a im Salah. So sagt man „Zwei und mehr sind eine Jamaa’a“. Doch dieser
Zustand wird nur verwirklicht weil es eine Teilnahme am Gebet gibt, und der eine Imam und der
andere Ma’mum (derjenige, der dem Imam folgt) wird. In einer Hadith sagt Rasulullah (s) zu Malik
bin Huwayris (ra) und seinem Freund: „Wenn die Zeit für das Gebet eintritt, lest den Adhan, bringt
Iqamat und der ältere unter euch soll Imam werden.“ (Muslim; Masajid /293)

Diese zwei waren im Rezitieren des Qurans nahezu gleich gut. Und in einer anderen Hadith sagt er:
„Es ist nicht halal für sie, wenn drei sich zusammen auf eine Reise begeben, und sie sich keinen
zum Kopf der Gruppe (Führer) machen.“ (Abu Dawud, Jihad /80; Ahmad 2/177)

Da es nun so ist, dass das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten eine Notwendigkeit der
menschlichen Existenz ist, ist es wohl dann unvermeidbar, dass derjenige, der nicht das Gute gebietet,
welches Allah (t) und Sein Gesandter (s) geboten haben, und nicht das Schlechte verbietet, welches
Allah (t) und Sein Gesandter (s) verboten haben, und derjenige, dem nicht das Schlechte, welches
Allah (t) und Sein Gesandter (s) verboten haben, verboten wird, entweder gegen die Wahrheit, die
Allah (t) herabgesandt hat, das Gute gebietet und das Schlechte verbietet, oder ihm gegen die
Wahrheit, die Allah (t) herabgesandt hat, das Gute geboten und das Schlechte verboten wird, oder das
Gute in so einem Zustand gebietet und das Schlechte in so einem Zustand verbietet, oder ihm das Gute
so geboten und das Schlechte so verboten wird, in der die Wahrheit, die Allah (t) herabgesandt hat mit
der Lüge, die Allah (t) nicht herabgesandt hat, miteinander vermischt ist. Und betrachtet derjenige
diese dann auch noch als eine religiöse Wahrheit, dann entsteht so ein falscher, verirrter und falscher
Weg. Da jeder Mensch mit seiner Willenskraft handelt, besitzt jeder einen Eifer und eine Absicht.
Sollte seine Absicht und seine Tat nicht gut (richtig) für die Zufriedenstellung Allahs (t) sein, so sind
sie irrig (fasid). Sollte seine Tat außerhalb der Zufriedenheit Allahs (t) sein, dann ist sie ungültig,
nutzlos (batik). So sagt Allah (t):

„Wahrlich, euer Eifer (Taten) ist verschieden.“ (Sure AI-Lail, Aya 4)

Und alle diese Taten, sind gleich der wertlosen Taten der Ungläubigen:

„Die Taten derjenigen, die ungläubig sind und vom Weg Allahs abhalten, macht Er zunichte.“
(Sure Muhammad, Aya 1)

Und Allah (t)sagt:

„Die aber ungläubig sind, ihre Taten sind wie eine Luftspiegelung (Fatamorgana) in den weiten
Wüsten: Der Dürstende hält sie für Wasser, bis er, wenn er zu ihr tritt, sie als Nichts vorfindet.
Doch nahebei findet er Allah, Der ihm seine Abrechnung vollzieht; Allah ist schnell im
Abrechnen.“ (Sure An-Nur, Aya 39)
„Wir werden Uns den Werken zuwenden, die sie gewirkt haben, und werden sie wie verwehte
Stäubchen zunichte machen.“ (Sure AI-Furqan, Aya 23)

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Die Führung in der islamischen Gemeinschaft (’Ulu l-Amr)

Allah (t) gebietet in Seinem Wort, Ihm, Seinem Gesandten und dem Befehlshabenden (’Ulu l-Amr)
von den Gläubigen zu gehorchen.

„O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und denen, die unter euch
Befehlsgewalt besitzen. Und wenn ihr Über etwas streitet, so bringt es vor Allah und Seinem
Gesandten, wenn ihr an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag. Das ist das Beste und nimmt am
ehesten einen guten Ausgang.“ (Sure An-Nisa, Aya 59)

’Ulu l-Amr sind diejenigen, denen ein Amt aufgetragen ist, und die das Gute gebieten und das
Schlechte verbieten. Diese Aufgabe teilen sich die Autoritäts-, und Machthaber mit den
Wissensträgern (Gelehrten). Deswegen teilt sich die Position des ’Ulu l-Amr in zwei Gruppen, einmal
in die der Gelehrten (Ulama) und in die der Emire (Umara). So lange diese beiden Gruppen geläutert
sind, sind auch die Menschen geläutert. Verderben diese beiden Gruppen, dann werden auch die
Menschen verdorben. Als eine Frau mit dem Namen al-Ahmasiyya, Abu Bakr (ra) fragt: „Wie lange
wird diese gute Führung bestehen bleiben?“, antwortet er ihr: „So lange eure Führer auf dem
rechten Weg bleiben, wird diese gute Führung bestehen bleiben.“

Alle Regierenden, Volksführer (Schuyukh) und Mitglieder der Verwaltung (Ahlu d-Diwan) und alle
Personen, die eine Führungsrolle haben, werden von dem Begriff ’Ulu l-Amr umfasst. Jede Einzelne
Aufgabe von diesen ist es, das was Allah (t) geboten hat als Gutes zu gebieten, und das was Allah (t)
verboten hat als Schlechtes zu verbieten. Und die Aufgabe derer, die ihnen gehorchen sollen ist es,
ihnen (’Ulu l-Amr) im Gehorsam zu Allah (t) zu gehorchen, und ihnen in der Ma’siyat (Auflehnung
gegen Allah (t)) nicht zu gehorchen. So sagte Abu Bakr (ra), der erste der recht geleiteten Khalifen, als
er zum Khalifen gewählt wurde: „0 ihr Menschen! Diejenigen, die unter euch als die Mächtigen
gelten, gelten bei mir als (sofern sie im Unrecht sind) schwach, bis ich das Recht (derer, an denen
sie sich unrechtmäßig angenommen haben) von ihnen zurückgeholt habe. Diejenigen, die unter
euch als die Schwachen gelten, gelten bei mir als eure Starken, bis sie ihr Recht erhalten haben. So
lange ich Allah gehorche, gehorcht mir! Sollte ich mich gegen Allah auflehnen, dann seid ihr mir
keinen Gehorsam schuldig.“ (Jamharatu Khutabi l-Arab 1/67)

Alles Gute muss das Wohlgefallen Allahs (t) beabsichtigen

Es ist notwendig, dass bei allem Gutem zwei Sachen vorhanden sind; erstens, das Wohlgefallen Allahs
(t) als Zielsetzung, und zweitens, die Übereinstimmung mit der Scharia. Deswegen müssen diese zwei
Notwendigkeiten bei allen schönen Worten und Taten und bei allen Tätigkeiten, die mit Wissen und
Gottesdienst (Ibadah) zu tun haben, vorhanden sein. Aus diesem Grund berichtet Rasulullah (s) in
einer Hadith aus dem Sahihi Muslim: „Der erste von den Dreien, die das Höllenfeuer verbrennen
wird, ist derjenige, der Wissen gelernt und gelehrt hat, den Quran gelesen hat und lesen hat lassen,
damit die Leute ihn einen Gelehrten und einen Lesenden nennen, der zweite ist derjenige, der
gekämpft und Jihad gemacht hat, damit die Leute ihn mutig und Kampf freudig nennen, und der
dritte ist derjenige, der Almosen und Sachen verteilt hat, damit ihn die Leute großzügig und „mit
offener Hand“ nennen.“ (Muslim, Musafirin /201; Abu Dawud, Adahi /4)

Nun, diese drei Personen werden von den Siddiqin, Schuhada und den Salihin gezählt, die gemessen
an der Bedeutung, nach den Propheten kommen. Denn wer das Wissen, das Allah (t) Seinem
Gesandten (s) gesendet hat, für Allah (t) lernt und lehrt, ist ein Siddiq. Und wer kämpft, tötet und
getötet wird, um Allahs (t) Nahmen als den höchsten zu erklären, der ist ein Schahid. Und wer nach

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dem Wohlgefallen Allahs (t) verlangend Gutes tut, der ist ein Salih. Deswegen wird der Geizige, bei
seinem Tode wünschen, wieder zurückkehren zu dürfen. Nachdem Ibn Abbas (ra) sagte: „Derjenige,
der mit seinem Vermögen nicht Hajj gemacht hat und nicht seine Zakah entrichtet hat, wird bei
seinem Tode wünschen, wieder zum Leben zurück kehren zu dürfen“, rezitierte er folgende Ayat aus
dem Quran:

„Und spendet von dem, was Wir euch gegeben haben, bevor einen von euch der Tod ereilt und
er sagt: ‚Mein Herr! Wenn Du mir nur Aufschub für eine kurze Frist gewähren würdest, dann
würde ich Almosen geben und einer der Rechtschaffenen sein.’“ (Sure AI-Munafiqun, Aya 10)

Außerdem müssen die Berichte desjenigen, der von diesem Wissen (allg. islamisches Wissen), von
Allah (t) und dem Jenseits, dem Geschehenen und dem zu Geschehenem, Bescheid gibt, richtig und
wahr sein. Und was er gebietet und verbietet muss in Übereinstimmung mit dem sein, was die
Propheten von Allah (t) erhalten haben. Das ist der richtige Weg, der Weg, der mit der Sunna und der
Scharia übereinstimmt, der Weg, der dem Wort Allahs (t) und der Sunna Seines Gesandten (s) folgt.

Genauso sind auch der Gottesdienst der Gläubigen nur dann, wirklich und richtig, wenn sie dem
entsprechen, was die Propheten von Allah (t) erhalten haben, wenn sie (Gottesdienste) solche sind, die
von Allah (t) legitimiert (maschru) sind und/oder von Allah (t) und Seinem Gesandten (s) befohlen
sind. Alle Gottesdienste, die nicht befohlen oder nicht legitim (ghairi maschru) sind, sind, mögen sie
manche auch als Um, Maqul (rationelles Wissen), Gottesdienst, Mujahada, Freude und Maqam
(melodische Weise) bezeichnen, irreleitende Bid’a und Wissenslosigkeit. Außerdem muss alles Gute
geboten werden, weil Allah (t) es geboten hat, und alles Schlechte verboten werden, weil es Allah (t)
verboten hat. Und weil alles, was die Propheten offenbart haben wahr ist, Iman und Rechtleitung ist,
muss über alles was Allah (t) Nachricht gegeben hat Bescheid gegeben werden. Genauso muss im
Gottesdienst die Zufriedenheit Allahs (t) beabsichtigt sein. Tut man dies alles aber aus persönlichem
Verlangen, aus einem patriotischen Eifer (Hamiyat) heraus, um sich wissend und gehoben darzustellen
oder um gesehen zu werden und Ruhm zu erlangen, dann gleicht man demjenigen Krieger, der um des
Mutes, des Patriotismus und des Gesehen werden willens kämpft.

Somit ist die Lage, in der sich viele Wissens- und Meinungsträger und Gottesdiener befinden, noch
besser zu verstehen. Vieles von dem was diese Leute sagen widersprechen dem Quran und der Sunna
oder beinhalten Widersprüche zum Quran und zur Sunna. Viele der Gottesdienste, welche diese Leute
tätigen, sind solche, die Allah (t) nicht befohlen hat, sogar verboten hat, oder sind solche, die sowohl
erlaubtes als auch verbotenes beinhalten. Viele der Kriege, den diese Leute führen, widersprechen dem
gebotenen Krieg, oder beinhalten sowohl als auch verbotenes. Und auch in ihrer Güte sind sie so. Ob
nun legitim, verboten oder gebotenes und verbotenes vermischt, die Absicht des als auch Lust geleitet
oder beides vermischt sein. Das alles, weil sie die Wahrheit mit der Lüge, das Gute vermengen.
Demjenigen, der in Folge eines Fehlers oder seiner Vergesslichkeit Schlechtes zu wird, wie einem
Mudschtahid, der trotzdem belohnt wird und ihm sein Fehler vergeben wird, vergeben. Oder der
Fehler den er beging ist klein und wird zum Grund nicht einen noch größeren Fehler zu begehen. Oder
ihm wird vergeben weil er seine Tat bereut, oder weil er gute Taten besitzt, die seine Fehler beheben,
oder weil er mit einem Leid geprüft wird und diese Prüfung meisten. Die Religion Allahs (t), wegen
welcher er Seine Bücher herabgesandt und Seine Propheten geschickt hat, befiehlt die gute Tat (Amali
Salih) nur für das Wohlgefallen Allahs (t) zu tun. Das ist der Islam, außer dem Allah (t) von
niemandem nichts annimmt. Allah (t) sagt:

„Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt, nimmer soll sie von ihm angenommen
werden, und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein.“ (Sure AI-Imran, Aya 85)

„Allah und die Engel und die Wissenden, die, die Gerechtigkeit aufrechterhalten, haben bezeugt,
dass keine Gottheit da ist außer Ihm. Es gibt keine Gottheit außer Ihm, dem Allmächtigen, dem
Allweisen. Wahrlich, die Religion bei Allah ist der Islam.“ (Sure AI-Imran, Aya 18,19)

Der Islam hat zwei Bedeutungen:

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1. Sich zu ergeben und zu unterwerfen. Deshalb kann ein Gläubiger nicht hochmütig sein.

2. Die zweite Bedeutung ist, wie es in der folgenden Ayat verdeutlicht wird ergeben und verbunden zu
sein.

„Allah prägt ein Gleichnis von einem Mann, der mehreren Herren gehört, die unter sich im
Zwiespalt sind, und von einem Mann, der einem einzigen Herrn gehört. Sind sie beide einander
gleich? Alles Lob gebührt Allah. Jedoch die meisten von ihnen wissen es nicht.“ (Sure Az-Zumar,
Aya 29)

Deshalb kann ein Gläubiger kein Muschrik (Polytheist) sein. Also bedeutet Islam, sich einzig und al-
lein dem Herrn der Welten, Allah (t) zu ergeben. Und so sagt Allah (t):

„Wer verschmäht den Glauben Ibrahims außer dem, der sich selbst zum Toren macht? Denn
Wir hatten ihn bereits im Diesseits auserwählt, und im Jenseits wird er gewiss unter den Recht-
schaffenen sein. Als sein Herr zu ihm sagte: ‚Sei Mir ergeben!’ sagte er: ‚Ich habe mich dem
Herrn der Welten ergeben.’ Und Ibrahim befahl es seinen Söhnen an und ebenso Yaqub: ‚Meine
Söhne, Allah hat für euch die Religion auserwählt, deshalb sterbt nicht anders als Allah ergeben
zu sein.’“ (Sure AI-Baqara, Aya 130-132)

„Sprich: ‚Wahrlich, mich hat mein Herr auf einen graden Weg geleitet, zum rechten Glauben,
dem Glauben Ibrahims, des Aufrechten, Und er war keiner der Götzendiener.’ Sprich: ‚Mein
Gebet und meine Opferungen und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn de
Welten. Er hat niemanden neben Sich. So ist es mir geboten worden, und ich bin der erste der
Gottergebenen (der Muslime)’. Sprich: ‚Sollte ich einen anderen Herrn als Allah suchen, wo Er
doch der Herr aller Dinge ist?’ Keiner wirkt, es sei denn gegen sich selbst, und kein Lasttragen-
der soll die Last eines anderen tragen. Zu eurem Herrn werdet ihr dann heimkehren, und Er
wird euch Ober all das in Kenntnis setzen, worüber ihr uneins wäret.’“ (Sure AI-An'am, Aya
160-164)

„Kehrt euch zu eurem Herrn, und ergebt euch Ihm, bevor die Strafe über euch kommt; dann
werdet ich keine Hilfe finden.“ (Sure Az-Zumar, Aya 54)

„Sie sagte: ‚Mein Herr, ich habe wahrlich gegen mich selbst gesündigt, und dich ergebe mich
mit Sulayman Allah, dem Herrn der Welten.’“ (Sure An-Naral, Aya 44)

„Verlangen sie etwa eine andere Religion als die Allahs? Ihm ergibt sich, was in den Himmeln
und auf der Erde ist, gehorsam oder wider Willen, und zu Ihm kehren sie zurück.“ (Sure AI-
Imran, Aya 83)

„Sprich: ‚Sollen wir statt Allah das anrufen, was uns weder nützt noch schadet, und sollen wir,
gleich einem, den die Satane im Land herumirren lassen, auf unseren Fersen umkehren,
nachdem Allah uns den Weg gewiesen hat? Jedoch, er hat Gefährten, die ihn zum rechten Weg
rufen: ‚Komm zu uns!’ Sprich: ‚Allahs Führung ist die wahre Führung, und uns ist befohlen
worden, dass wir uns dem Herrn der Welten ergeben sollen.’ Und: ‚Verrichtet das Gebet und
fürchtet Ihn; und Er ist es, vor Dem ihr versammelt werdet.’“ (Sure AI-An'am, Aya 70,71)

Der Regriff „Islam“ wird in manchen Ayat auch zusammen mit dem Begriff „Ihsan“ gebraucht. Wie
z.ß: in den folgenden Ayat:

„Sie sagen: ‚Es wird niemand in das Paradies eingehen außer Juden und Christen.’ Dies sind
Wunschvorstellungen. Sprich: ‚Bringt euren Beweis her, wenn ihr wahrhaftig seid!’ Doch wer
sich Allah hingibt (Islam) und Gutes tut (Ihsan), der hat seinen Lohn bei seinem Herrn, und
diese werden weder Angst haben noch werden sie traurig sein.“ (Sure AI-Baqara, Aya 111,112)

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„Wer hat eine schönere Religion als jener, der sich Allah ergibt und dabei Güte übt und dem
Glauben Ibrahims folgt, des Aufrechten? Und Allah nahm sich Ibrahim zum Freund.“ (Sure An-
Nisa, Aya 125)

In diesen Ayat verdeutlicht Allah (t), dass es keine schönere Religion als diese gibt. Diese einzigartige
Religion, ist sich Allah (t) zu ergeben und dabei Gutes zu tun. In diesen Ayat offenbart Allah (t), dass
denjenigen, der gut ist und sich Allah (t) ergibt, ein Lohn bei Allah (t) erwartet, und dass dieser weder
Angst haben wird, noch traurig sein wird. Ich habe hier versucht, diesen umfangreichen und
allgemeinen Begriff, Islam“ etwas auszuführen, um die Meinung derer zu widerlegen, die behaupten,
dass nur diejenigen ins Paradies eingehen werden, die nachahmen (sich die Juden und die Christen zu
Vorbildern nehmen). Diese zwei, Islam und Ihsan, sind zwei sehr wichtige Fundamente. Sie
beinhalten, dass das Werk, das getan wird, erstens allein für das Wohlgefallen Allahs (t) getan wird,
und zweitens in Übereinstimmung mit der Sunna und der Scharia richtig getan wird. Denn sich Allah
(t) ergeben bedeutet, das Wohlgefallen Allahs (t) zu wollen und zu beabsichtigen.

Wahrheit ist das, was im Inneren ist, das Äußere ist die Vollendung und Formgebung des Inneren.
Wenn sich das Herz zu etwas hingibt, dann folgt das Äußere dem Herzen. Wenn sich die Absicht, der
Wille und die Zielsetzung des Dieners, Allah (t) hingibt, dann zeigt dies die Richtigkeit seines Willens
und seiner Zielsetzung. Und wenn er nun auch noch gut (Muhsin) ist, dann ist seine Tat gut, und er hat
in seinem Gottesdienst niemanden Allah (t) beigesellt. Umar (ra) sagte: „ 0 Allah! Lass alle meine
Taten gut sein. Lass sie alle nur für Dich sein, und lass niemanden an ihnen Teilhaber sein.“

Gute Tat ist Ihsan

Ihsan bedeutet Gutes zu tun. Nun, und dies ist das, was Allah (t) befiehlt. Von Allah (t) befohlen heißt,
von Ihm legitimiert, übereinstimmend mit dem Quran, der Sunna und der Scharia zu sein. Allah (t)
spricht, dass derjenige, dessen Absicht aufrichtig nur für Allah (t) ist (Ihlas) und dabei seine Tat gut
ist, belohnt und nicht bestraft wird. Deswegen betrachteten die Salaf diese zwei Grundlagen (Ihlas und
Ihsan) als eine Einheit. So z. B. al-Fudayl bin lyad, der „die besseren“ in der Ayat

„Er hat den Tod und das Leben erschaffen, auf dass Er euch prüfe, wer von euch die besseren
Taten verrichtet; Er ist der Erhabene, der Allvergebende“ (Sure AI-Mulk, Aya 2)

als „die am meisten aufrichtigen und am meisten richtigen“ interpretierte. Als man ihn fragte: „O Abu
Ali! Welche ist die aufrichtigste und korrekteste?“ antwortete er: „Ist eine Tat richtig (korrekt),
aber nicht aufrichtig, dann wird sie nicht akzeptiert. Ist sie aufrichtig aber nicht richtig, dann wird
sie auch nicht akzeptiert. Nur wenn sie aufrichtig und richtig ist, dann wird sie akzeptiert.“

Ob eine Tat aufrichtig ist, zeigt sich daran, dass die Tat für Allah (t) getan ist, ob sie korrekt ist, zeigt
sich daran, ob sie der Sunna entspricht. Ibn Schahin und al-Laliqa'i berichten, dass Sa'id bin Jubayr
gesagt hat: „Kein Wort wird akzeptiert ohne Tat. Und kein Wort und keine Tat wird akzeptiert ohne
Absicht. Und kein Wort und keine Tat und keine Absicht wird akzeptiert, ohne dass sie mit der
Sunna übereinstimmen.“

Beide berichten die gleiche Aussage auch von Hassan al-Basri, nur mit dem Unterschied, dass in sei-
ner Aussage anstelle „wird nicht akzeptiert“, „ist nicht gut“ berichtet wird. Diese Aussagen widerlegen
die Meinung der Murjiya, die behauptet, dass Iman allein die wörtliche Bestätigung (Iqrar) ist. Denn
diese Aussagen verdeutlichen, dass sowohl Wort als auch Tat unbedingt notwendig sind.
Denn Iman ist Wort und Tat. Wie ich in einer meiner anderen Schriften ausgeführt habe, ist Iman nur
zusammen mit Wort und Tat vorhanden. Und außerdem habe ich in diesem Buch ausgeführt, dass eine
Bestätigung mit dem Herzen (Tasdiq) und der Zunge (Iqrar) zusammen mit Hochmut oder ohne Liebe
zu Allah (t) und dem was Er geboten hat nicht Iman ist, genauso wie es nicht Iman ist, wenn sie keinen
Ausdruck in der Tat finden. Die eigentliche Tat ist die Tat des Herzens. Und diese Tat ist das

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Gegenteil von nicht lieben und Hochmut, nämlich Liebe, Hochachtung und Ehrfurcht. Sie (die Salaf)
stellen klar, dass das Wort und die Tat nur zusammen mit einer Absicht akzeptiert werden. Das ist
klar. Denn ist das Wort und die Tat nicht aufrichtig für Allah (t) ausgeführt, wird sie Allah (t) nicht
annehmen. Außerdem stellen sie klar, dass Wort, Tat und Absicht nicht angenommen werden, wenn
sie nicht in Übereinstimmung mit der Sunna sind. Sunna bedeutet Scharia, bedeutet von Allah (t) und
Seinem Gesandten (s) befohlen.

Denn jede Tat und jede Absicht, die nicht so ist, wie sie Allah (t) geboten hat, und nicht der Sunna
entspricht, wie sie Allah (t) geboten hat, ist Bid’a. Und jede Bid’a ist Irrgang, ist etwas, woran Allah
(t) keinen Gefallen findet und nicht annimmt. Solche Taten können, wie die Taten der Götzendiener
und der Ahlu l-Kitab, keine guten Taten (Amali Salih) sein. Im Wortgebrauch der Salaf wird das Wort
Sunna sowohl für die Sunna in der Ibadah, als auch in der I'tiqad gebraucht. Ein Beispiel hierfür ist
das Wort von Ibn Mas’ud, Ubayy bin Kab und Abu Darda, die sagen: „Gemäß der Sunna auf dem
Mittelweg zu bleiben ist besser, als eine Idschtihad, die zur Bid’a führt.“

Gelobt und gepriesen sei Allah, der Herr der Welten. Sein Segen und Frieden soll mit Muhammad,
seiner reinen Familie und all seinen Gefährten sein.

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