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logischer Unfug. Denn alle drei Religio- Götter.

Denn dann würde jeder Gott


nen glauben an den einen Gott. Zu be- mit dem davongehen, was er schuf, und
Reihe „Islam“ (II) haupten, der Gott des Islam sei ein an-
derer als der Gott der anderen beiden
der eine von ihnen würde sich über den
anderen erheben. Gott ist erhaben über
monotheistischen Religionen, bedeutet das, was sie da behaupten. Der Kenner
nichts anderes als den Glauben, dass es des Verborgenen und des Sichtbaren!

Allah oder Gott? nicht nur einen einzigen Gott, sondern


mindestens zwei Götter gäbe, also Poly-
theismus. Dass Juden, Christen und
Muslime, die sich ihres Glaubens be-
Ja, er ist hoch erhaben über das, was sie
beigesellen.
Andere Stellen im Koran lassen er-
kennen, dass die Araber Gott, allāh,
wusst sind, eine Doppelung oder gar Söhne und Töchter oder nur Töchter
Vervielfachung der Gottheit strikt ab- zuschrieben (Q 6:100; 16:57). Die wich-
lehnen, liegt wohl auf der Hand. Von tigste Aufgabe der koranischen Ver-
diesem einen Gott gibt es zwar unter- kündigung bestand darin, die polytheis-
schiedliche Bilder, die sich in jeder die- tischen Araber nicht mit einem neuen
ser Religionen sowie in ihren diversen Gott namens allāh bekannt zu machen,
theologischen und philosophischen Tra- sondern sie zum Glauben an ihn als den
ditionen im Laufe der Geschichte in einzigen Gott zu bewegen, sie vom Po-
Als zweite Veranstaltung unserer vor knapp 100 Zuhörern das islami- verschiedenen Denk- und Sprachräu- lytheismus zum Monotheismus zu be-
Reihe „Islam“ fand am 5. Juni 2019 sche Gottesbild im monotheistischen men entwickelt haben. Die verschiede- kehren. Zahlreiche Verse erklären in
der Vortrag „Allah oder Gott?“ in der Kontext. Ergänzt wurde der Abend- nen Gottesbilder sind jeweils spezifi- diesem Sinn, dass es keinen anderen
Katholischen Akademie in Bayern vortrag „Allah oder Gott?“ von einem scher Prägung, wodurch sie sich unter- Gott gibt außer Gott, allāh:
statt. Prof. Dr. Georges Tamer vom Lektüreseminar am 17. Juni 2019 mit einander unterscheiden, genauso wie sie
Lehrstuhl für Orientalische Philologie Dr. Katja Thörner, die am Lehrstuhl miteinander gemeinsame Merkmale tei- Gott. Kein Gott außer ihm. Auf
und Islamwissenschaft an der Univer- von Professor Tamer lehrt und forscht. len. Nach Auffassung der drei monothe- Gott sollen die Gläubigen vertrauen!
sität Erlangen-Nürnberg beleuchtete istischen Religionen darf die Einheit (Q 64:13)
Gottes dadurch jedoch nicht beein-
trächtigt werden. So wisse, dass es keinen Gott gibt
außer den einen Gott, und bitte um
I. Vergebung für deine Schuld und für die
gläubigen Männer und die gläubigen
Frei von ideologischen Vorurteilen, Frauen! Gott weiß, wo ihr euch bewegt
die eine Sicht auf den Islam als die ganz und wo ihr Wohnung nehmt. (Q 47:19)
andere, absolut fremde Religion verur-
sachen, richten wir im vorliegenden Zu- Die Formulierung „lā ilāha illā llāh“,
sammenhang den Blick auf den Koran, „Es gibt keinen Gott außer dem Gott“,
um das in ihm geborgene Bild Gottes bildet den ersten Teil der Schahāda, des
Das islamische Gottesbild darzustellen. Dabei werden im Juden- islamischen Glaubensbekenntnisses.
tum und Christentum vorherrschende Der Monotheismus, der die koranische
im monotheistischen Kontext Gottesbilder mitberücksichtigt. Verkündung proklamierte, beanspruch-
Zunächst betrachten wir kurz das te, eine wiederhergestellte Form des rei-
Georges Tamer Umfeld, in dem das koranische Gottes- nen Monotheismus Abrahams zu sein,
bild zustande gekommen ist. Hat der der weder Jude noch Christ war, son-
Koran mit allāh ein Novum in den ara- dern der erste Muslim, d.h. der erste
bischen Kontext seiner Genese einge- Mensch, der sich dem Einen Gott be-
führt? Mit Sicherheit nicht. Historischen dingungslos ergab (Q 3:67f.). Nach ko-
Überlieferungen zufolge gab es unter den ranischer Auffassung ist der Islam im
Arabern neben Juden und Christen auch Sinne der umfassenden Ergebenheit ge-
Kein anders Wort kommt im Koran eine Gruppe von Gottesanbetern na- gen Gott die ursprüngliche Religion,
so häufig vor wie das Wort allāh. Mit mens al-�unafā’, die einer monotheisti- welche Abraham unbefleckt, natürlich,
ca. 2700 Erwähnungen übertrifft es alle schen Glaubensrichtung folgten. Mu- unverfälscht gründete und Muhammad
anderen Wörter mit Abstand. Jede Sure hammad soll vor seiner Berufung zu ih- wiedereinführte (Q 2:135; 3:95; 4:125;
beginnt im Namen Allahs. Zahlreiche nen gehört haben. Wie bereits erwähnt, 16:123).
auf Gott bezogene Attribute, Bezeich- taucht der Name allāh in vorislamisch- Um das Konzept des absolut Einen
nungen und Metaphern treten zusätz- arabischen Versen auf. In diesem Zu- Gottes zu entwickeln, musste sich der
lich an vielen Stellen im Koran auf. Al- sammenhang sind die Gedichte von Koran mit zwei einflussreichen Ideen
lah, Gott, dominiert den Koran; alles Umayya bin Abī ṣ-Ṣalt (gest. um 630) auseinandersetzen: 1) mit der gött-
andere in diesem Buch steht in seinem hervorzuheben, die sprachlich und in- lichen Natur Jesu verbunden mit der
Schatten. Der berühmte muslimische haltlich frappierende Ähnlichkeiten mit christlichen Trinität auf der einen und
Theologe, Jurist und Mystiker al-Ghazalı
al-Ghaza –lı- dem Koran aufweisen. Mag die Authen- 2) mit der altarabischen Vorstellung
(gest. 1111) hat in seiner Schrift Die Ju- tizität vorislamisch-arabischer Gedichte von der Herrschaft der endlosen Zeit
welen des Korans und seine Perlen tref- überhaupt angezweifelt werden, liefert über das Menschenleben auf der ande-
fend festgestellt, dass es im Koran eigent- selbst der Koran sichere Beweise dafür, ren Seite.
lich um nichts anderes geht als um Gott, dass die polytheistischen Araber an die Der Koran enthält keine ausführliche
seine Eigenschaften und seine Werke so- Existenz eines Gottes namens allāh Beschreibung der christlichen Trinität.
wie den Weg, der die Menschen zu ihm glaubten. Sie glaubten an ihn als Schöp- An einer Stelle wird unmissverständlich
führt. Das im Koran entfaltete Weltbild fer der Welt (Q 29:61), als Spender des als Unglaube die Auffassung zurückge-
ist theozentrisch, wobei Gott nicht nur Regens und mithin des Lebens auf Erde wiesen, dass Gott (allāh) einer von drei
im Mittelpunkt steht, sondern omniprä- (Q 29:63) und als Vertrauensinstanz in sei:
sent ist und alles beherrscht. gefährlichen Situationen (Q 29:65).
Bevor ich mich der Darstellung des Im Pantheon der polytheistischen Ungläubig sind, die sagen:
koranischen Gottesbildes widme, ist Araber war allāh offensichtlich eine Art „Siehe, Gott ist der Dritte von dreien.“
eine begrifflich-theologische Klärung er- Prof. Dr. Georges Tamer, Lehrstuhl für Obergott; sie gesellten ihm weitere Göt- Kein Gott ist außer einem Gott!
forderlich. Muslime und Nichtmuslime, Orientalische Philologie und Islamwis- ter bei. Die folgende Passage Q 23:84- Und wenn sie nicht mit dem aufhören,
darunter auch renommierte Islamwis- senschaft an der Universität Erlangen- 92 veranschaulicht die Problematik und was sie sagen,
senschaftler, die in deutscher Sprache Nürnberg wie die koranische Verkündigung damit so wird die Leugner unter ihnen
zum Islam schreiben, verwenden für umgeht: schmerzhafte Strafe treffen. (Q 5:73)
Gott das Wort Allah. Sie rechtfertigen Sprich: „Wem gehört die Erde und
diesen eigenartigen Sprachgebrauch was auf ihr ist, wenn ihr es wisst?“ Sie Unmittelbar davor wird ebenfalls für
durch die Behauptung, der Gott des Is- könnte. Das arabische Wort allāh, Gott, werden sagen: „Gott!“ Sprich: „Wollt ihr Unglauben erklärt, dass Gott Christus,
lam sei ein anderer als der Gott, an den ist ein Name, der schon vor dem Islam euch nicht mahnen lassen?“ Sprich: der Sohn Mariä ist:
Juden, an den Christen glauben. Dabei existierte, wie es Verse der vorislamisch- „Wer ist der Herr der sieben Himmel
begehen sie einen sprachlichen und ei- arabischen Dichtung belegen, die zum und der Herr des großen Throns?“ Sie Ungläubig sind, die sagen:
nen theologischen Fehler. Teil von Juden und Christen verfasst werden sagen: „Gott gehört es!“ Sprich: „Siehe, Gott ist Christus, Marias Sohn.“
1) In sprachlicher Hinsicht ist „allāh“ worden sind. Arabische Christen und „Wollt ihr nicht gottesfürchtig sein?“ Denn Christus spricht:
das arabische Wort für Gott, das höchst Juden verwenden üblicherweise in ih- Sprich: „In wessen Hand ist die Herr- „Ihr Kinder Israel! Dient Gott,
wahrscheinlich aus der Kontraktion des rem Sprachgebrauch kein anderes ara- schaft über alle Dinge, der da Schutz meinem Herrn und eurem Herrn!“
Determinationsartikels „al-„ mit dem bisches Wort für Gott außer allāh. Allah gewährt und selbst des Schutzes nicht Siehe, wer Gott etwas beigesellt,
Wort „ilāh“, d.h. „ein Gott“, entstanden ist kein Monopol des Islam. Das bestä- bedarf, wenn ihr es wisst?“ Sie werden dem wird Gott den Paradiesgarten
der Gott“, so
ist. Allah bedeutet also „der tigt selbst der Koran, wie wir es später sagen: „In der von Gott!“ Sprich: „Wie verwehren,
wie im Griechischen „o theós“ oder im sehen werden. konntet ihr euch nur betören lassen?“ und sein Zufluchtsort wird das
Englischen „The God“, im Sinne des 2) Die Behauptung, der Gott des Nein, wir brachten ihnen doch die Höllenfeuer sein.
einzigen Gottes. Also handelt es sich Islam sei nicht identisch mit dem Gott Wahrheit, doch siehe, sie sind wahrhaf- Die Frevler haben keine Helfer.
beim Nomen Allah nicht um einen Ei- des Judentums und des Christentums, tig Lügner. Gott hat keine Kinder ange- (Q 5:72)
gennamen, der nicht übersetzt werden ist aus monotheistischer Sicht theo- nommen, und neben ihm sind keine

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nen Willen, vermittelt durch die Pro-
pheten. Die dem Menschen obliegende
Reaktion ist die Anbetung, die im Islam
theoretisch und praktisch ausgerichtet
ist. Indem die Menschen Gott um Hilfe
bitten, bekennen sie sich zu ihrer natür-
lichen Einschränkung, zu ihrer Hilfsbe-
dürftigkeit. Das wichtigste, was Gott
den Menschen gewährt, ist die Rechtlei-
tung. Sie ist die umfassende Anweisung
zur richtigen Lebensführung, die glei-
chermaßen rechten Glauben und rech-
tes Handeln bedeutet. Der rechte Pfad
ist der Pfad derjenigen, die die Gnade
Gottes genießen; sie werden von zwei
anderen Menschengruppen unterschie-
den: der Gruppe derjenigen, die Gottes
Zorn auf sich ziehen, und der Gruppe
der Irrenden.
Auf Gottes Rechtleitung bezogen teilt
sich die Menschheit nach koranischer
Auffassung also in drei Gruppen ein:
die Begnadeten, die Erzürnten und die
Irrenden. Unmittelbar wird es nicht er-
sichtlich, ob die Muslime schon zu den
Begnadeten gehören. Eine andere Stelle
schafft allerdings diesbezüglich Klarheit:
Nach seinem Vortrag diskutierte
Professor Tamer auf dem Podium. Heute habe ich euch eure Religion
Akademie-Studienleiter Michael vollständig gemacht und meine Gnade
Zachmeier moderierte. an euch vollendet und habe daran Ge-
fallen, dass der Islam eure Religion ist.
(Q 5:3)

Die Frage, wie sich Gottes aktive


Vor allem in späteren Suren lässt sich II. zitierte Sure und Bestandteil des rituel- Rechtleitung bzw. Irreführung der Men-
beobachten, dass die koranische Ver- len Gebets. Ähnlich wie die letzten zwei schen mit seiner gerechten Belohnung
kündigung die Konturen ihres Gottes- Die Basmala, „bi-smi llāhi r-ra�māni Suren 113 und 114 im Koran hat die bzw. Bestrafung derselben am Jüngsten
bildes vornehmlich im Zuge der Ausein- r-ra�īm“, geläufig übersetzt mit „Im erste Sure die Struktur eines Gebets, Tag vereinbart, bleibt im Islam – wie
andersetzung mit den Buchbesitzern Namen Gottes, des barmherzigen Er- weshalb alle drei Suren in frühen Codi- übrigens auch im Christentum – unge-
(ahl al-kitāb), das sind die Juden und barmers“, steht am Anfang von 113 Su- ces nicht enthalten waren. Welche Ele- löst. Dennoch bietet die folgende Stelle
die Christen, schärft. Ein deutliches Bei- ren (Ausnahme: nicht am Anfang der mente des koranischen Gottesbildes be- einen Lösungsansatz aus der Sicht des
spiel dafür ist die im letzten Beitrag von neunten Sure) sowie an der Stelle Q inhaltet die eröffnende Sure? Korans, womit – je nach Kontext auf
mir behandelte Sure 112, in der die Ein- 27:30. Fromme Muslime beginnen ihre unterschiedliche Weise – der angedeute-
heit Gottes, sein Wesen und seine abso- Reden und ihre Handlungen im Namen 1 Im Namen Gottes, des barmherzigen te Widerspruch entschärft werden kann:
lute Einzigartigkeit in Replik auf den Gottes, indem sie die Basmala sprechen. Erbarmers.
Christlichen Glauben, der Sohn Gottes Es fällt auf, dass Gott in der Basmala 2 Lobpreis sei Gott, dem Herrn der Sie sprechen: „Das ist ja nur unser
sei mit Gott wesensgleich, in prägnanter mit drei Ausdrücken bezeichnet wird: Welten / Weltbewohner, Leben hier auf Erden.“
Formulierung festgestellt werden. In allāh, ar-ra�mān, ar-ra�īm. Neben 3 dem barmherzigen Erbarmer, Und: „Wir werden doch nicht wieder
diesem Zusammenhang ist es des Wei- allāh für Gott besteht die Dreierstruktur 4 dem Herrscher am Tage des Gerichts! auferweckt!“
teren bemerkenswert, dass die im Koran aus zwei Ausdrücken, die aus derselben 5 Dir dienen wir, dich rufen wir um Das Leben hier auf Erden ist nichts als
artikulierte Auffassung von der aus drei Wurzel abgeleitet und Attribute der Hilfe an. Spiel und Zeitvertreib,
Göttern bestehenden Trinität nicht iden- Barmherzigkeit sind. Gott wird in der 6 Leite uns den rechten Weg, und die jenseitige Wohnstatt ist
tisch ist mit der christlichen Trinitäts- Formel zweimal hintereinander als 7 den Weg derer, denen du gnädig bist, wahrlich besser für die, die gottes-
lehre mit einem einzigen dreifältigen barmherzig bezeichnet: als ra�mān und nicht derer, denen gezürnt wird, fürchtig sind.
Gott. ra�īm. In der Korangelehrsamkeit ist noch derer, welche irregehn! Wollt ihr denn nicht begreifen?
Der zweite Ideenstrang, vor dessen vielfach versucht worden, das Wort Wir wissen wohl, dass dich fürwahr
Hintergrund das koranische Gottesbild ar-ra�mān und seine Stellung in der Nach der Basmala wird Gott, „der betrübt, was sie da sagen.
mit Eigenschaften gefüllt wird, betrifft Basmala zu erklären. Die historischen Herr der Welten“, gepriesen. Genauso Doch nicht dich erklären sie zum
die vorislamische Auffassung von der Quellen liefern dazu eine nützliche An- wie in der Bibel wird Gott im Koran Lügner,
Herrschaft der Zeit über die Geschicke gabe: ar-ra�mān hieß der Gott, dessen auch rabb, Herr, genannt. Seine Herr- sondern die Frevler bestreiten die
der Menschen. Die Auseinandersetzung Anbetung zur Zeit Muhammads in Süd- schaft steht in Relation mit der Welt, Zeichen Gottes.
mit dieser paganen Auffassung verläuft arabien verbreitet war. Gleichzeitig mit vor allem mit den Menschen. Er ist Schon vor dir wurden Gesandte zu
durch den ganzen Koran, insbesondere Muhammad trat ein mit ihm konkurrie- „rabb al-�ālamīn“, „Herr der Welten“, Lügnern erklärt,
an Stellen, an denen Gottes Macht über render Prophet namens Musaylima auf, eine Bezeichnung, die im Koran häufig und sie ertrugen in Geduld,
die Zeiten feierlich mit konkreten Aus- der behauptete, er erhalte Offenbarun- vorkommt und an ähnliche Formulie- dass man sie der Lüge zieh und
drücken beschrieben wird. So bestimmt gen von ar-ra�mān, ähnlich wie Mu- rungen im Judentum und Christentum ihnen Leid antat,
Gott jedes Mal den Wechsel von Tag und hammad von allāh, Gott. Musaylima erinnert. Dass es mehrere Welten, aio- bis unsere Hilfe sie erreichte.
Nacht (Q 25:62). Er lässt die Nacht in wurde von Anhängern Muhammads be- nen, gibt, die zyklisch aufeinanderfol- Und es gibt keinen, der die Worte
den Tag eindringen und den Tag in die kämpft und schließlich getötet. Der gen, war eine Meinung spätantiker Gottes ändern kann –
Nacht (Q 3:27; 22:61), er lässt die Name ar-ra�mān wurde mit dem Na- Gnosis, die im Koran rezipiert worden zu dir kam doch Kunde über die
Nacht den Tag überdecken (Q 7:54), men allāh assoziiert, um die Identität sein dürfte. Nach wiederholt zweifacher Abgesandten!
er zieht den Tag von der Nacht weg der beiden herzustellen: Betonung der Barmherzigkeit Gottes Auch wenn es schwer für dich ist,
(Q 36:37), er dreht die Zeiten umeinan- wird er – je nach Lesart des ersten Wor- dass sie sich abwenden –
der (Q 24:44) und windet die Nacht Sprich: „Ruft Gott an, oder ruft den tes im vierten Vers: malik oder mālik – und wenn du einen Schacht in die
über den Tag und den Tag über die Erbarmer an: als König oder als Besitzer des jüngsten Erde finden könntest
Nacht (Q 39:5), wie ein Turban um den Wie immer ihr ihn nennt, sein sind die Tages bezeichnet. oder eine Leiter in den Himmel,
Kopf gewunden wird. Der Zweck sol- Schönen Namen.“ (Q 17:110) Mit dem Jüngsten Tag wird in jedem um ihnen dann ein Zeichen
cher Äußerungen besteht darin, eindeu- Fall Gottes Eigenschaft als Richter in herzubringen –
tig zu verkünden, dass keine andere Eine Reihe von Suren, die vermutlich den Vordergrund gerückt, der am Ge- hätte Gott gewollt, hätte er sie allesamt
Macht die Welt, die Natur und das um dieselbe Zeit verkündet worden richtstag das ewige Schicksal des Men- auf den rechten Weg gebracht.
Menschenleben beherrscht außer Gott, sind, zeichnen sich durch die intensive schen bestimmt. Genauso wie in dem Doch du sollst ja keiner von den
der unmittelbar eingreift, um Naturphä- Verwendung des Wortes ar-ra�mān aus. am häufigsten verwendeten Gebet im Toren sein!
nomene und Lebensumstände zu bewir- All diese Maßnahmen dürften dem Christentum, dem Vaterunser, schließt Eine Antwort geben nur die, die hören.
ken. In diesem Zusammenhang können Zweck gedient haben, die Anbeter des sich auch in der Fāti�a an den ersten Die Toten wird Gott erwecken,
koranische Aussagen, die Gottes Domi- Ra�mān von Muhammads Mission zu doxologischen Teil ein bittender Teil an. Dann werden sie zu ihm zurück-
nanz über den menschlichen Willen überzeugen. Ar-Ra�mān wird geläufig Der fünfte Vers fungiert als Übergang gebracht.
thematisieren, dahingehend als rhetori- als Attribut Gottes verstanden, obwohl zwischen den zwei Teilen. Gott wird da- Sie sprechen: „Warum wurde kein
sche Bekräftigung seiner Macht verstan- manch ein muslimischer Gelehrter der rin als Gegenstand der Anbetung und Zeichen von seinem Herrn auf ihn
den werden, im Gegensatz zu der ver- Auffassung ist, ar-Ra�mān sei ein Eigen- Instanz der Hilfeleistung dargestellt. herabgesandt?“
breiteten Meinung der Araber, sie seien name Gottes, der nicht übersetzt wer- Damit wird ebenfalls Gottes Kommuni- Sprich: „Siehe, Gott hat die Macht, ein
der unentrinnbaren Macht der schick- den kann. kabilität hervorgehoben. Zeichen herabzusehen.“
salshaften Zeit ausgeliefert. Dieses The- Die Barmherzigkeit Gottes prägt Gott im Koran befindet sich in einem Doch die meisten von ihnen haben kein
ma bedarf jedoch weiterer Untersu- ebenfalls die erste Sure, al-Fāti�a, die Kommunikationszusammenhang mit Wissen.
chung. Eröffnung des Korans. Sie ist die meist- dem Menschen. Er offenbart diesem sei- Weder gibt es ein Tier auf Erden

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noch einen Vogel, der mit seinen Diese Aussage löste eine intensive
Flügeln fliegt, theologische Debatte darüber, ob Got-
die nicht, gleich euch, Gruppen wären. tes Barmherzigkeit seine Allmacht ein-
Nichts ließen wir im Buch unbeachtet. schränken würde. Im Islam hat Gott 99
Dann werden sie bei ihrem Herrn Namen, die schönsten Namen, wie es
versammelt. im Koran heißt:
Die unsere Zeichen Lügen nennen,
in Finsternissen sind sie, taub und Und Gott hat die Schönen Namen –
stumm. ruft ihn damit an!
Gott führt in die Irre, wen er will, Und achtet nicht auf jene, die seinen
und er lässt auf geradem Weg sein, Namen leugnen!
wen er will. Denn ihnen wird vergolten, was sie
So sagt mir doch: taten. (Q 7:180)
Wenn die Strafe Gottes zu euch kommt,
oder ‚die Stunde‘ euch erreicht – Bis auf allāh bedeuten diese Namen
gibt es da einen anderen als Gott, Eigenschaften, die Gott im Verhältnis
den ihr anrufen könnt, zum Menschen offenbart. An der fol-
wenn ihr wahrhaftig seid? genden Stelle werden einige dieser Na-
(Q 6:29, 32-40). men aufgezählt:
Er ist Gott – der, außer dem es
Nach dieser Passage handelt Gott of- keinen gibt,
fenbarungsökonomisch. In diesem Sinne der das Offenbare und Verborgene
heißt es an weiteren Stellen im Koran, kennt.
dass dieser deshalb in arabischer Spra- Er ist der barmherzige Erbarmer.
che verkündet wurde, damit die Araber Er ist Gott – der, außer dem es
die Verkündigung verstehen konnten: keinen gibt.
Der König, der Heilige, der Heile,
Siehe, wir sandten es herab als Lesung der Sicherheit Verleihende,
auf Arabisch, der Wächter,
Vielleicht begreift ihr ja. (Q 12:2) der Mächtige, der Gewaltige,
der Hocherhabene!
Wir sandten keinen Abgesandten, Gott sei gepriesen; fern sei, was sie
außer in der Sprache seines Volkes, beigesellen!
um ihnen Klarheit zu verschaffen. So Er, Gott, der Schöpfer, der Erschaffer,
führt Gott in die Irre, wen er will. der Gestalter.
Er ist der Mächtige, der Weise. (Q 14:4). Sein sind die Schönen Namen.
Ihn preist, was in den Himmeln
Gott möchte, dass seine Rede ver- und auf Erden ist.
standen wird und dass sie bei den Men- Er ist der Starke, der Weise.
schen wirkt. Wenn Menschen sich dage- (Q 59:22-24)
gen sperren, wenn sie ihr Gehör für die
Verkündigung schließen, wenn ihre Im Koran werden Gott ebenfalls
Herzen verstockt bleiben, kann dieser scheinbar moralisch mangelhafte Attri-
Zustand dem eifrigen Verkünder nicht bute zugeschrieben: er handelt listig mit
angelastet werden. Er ist nach korani- denjenigen, die seine Zeichen verleug-
scher Auffassung ohnehin nur ein nen, und führt sie täuschend, wohin
Sprachrohr seines göttlichen Auftragge- sie nicht wissen (Q 7:182-3); er schmie-
bers, ohne dessen Erlaubnis er nichts det Ränke (Q 3:54; 7:99) und betrügt
machen kann. Der Verkünder verdient (Q 4:142). Stehen solche Bezeichnun-
Ermutigung, damit er über Enttäuschun- gen auf den ersten Blick im krassen
gen hinwegsieht und unermüdlich weiter Widerspruch zu Gottes Vollkommen-
die Botschaft verkündet. Omnipotent, heit, können sie doch auch in einer sol-
omnipräsent, gerecht und all-wissend, ist chen Weise gedeutet werden, dass sie
der Gott des Korans letztendlich der Ur- die Anpassungsfähigkeit Gottes im Um-
heber jeder Handlung – sogar der negati- gang mit den Menschen zeigen. Genau- Foto: akg-images
ven Haltung der Gegner Muhammads, so wie er ihnen nach koranischer Auf- Die Kalifen – unsere Abbildung einer Auslegung des Koran. Die späteren
da er sie zulässt, obwohl er sie stoppen fassung Offenbarungen in ihrer Sprache türkischen Miniatur aus dem 16. Kalifen hingegen waren aus politischen
könnte. Seine Einmischung würde aber herabsendet, damit sie sie verstehen Jahrhundert stellt die ersten vier Gründen auf Seiten der Traditionalis-
der Sanktionierung menschlichen Han- können, verhält er sich mit ihnen in ei- Nachfolger Mohammeds dar – unter- ten, die eine wörtliche Auslegung der
delns überflüssig machen, was sich keine ner Weise, die ihren Handlungen ange- stützten zu Beginn die rationalistische Schrift etablierten.´
Religion leisten könnte. messen ist. Er begibt sich auf ihr morali-
sches Terrain, um ihnen zu zeigen, dass
III. er sie mit ihren eigenen Waffen besiegen
kann, dass er in jeder Hinsicht der beste
Gottes Omnipotenz wird im Koran und größte ist. Ähnlich lautet es zum sie zu bewahren ist ihm keine Last. Deutungen solcher Koranstellen durch
an zahlreichen Stellen verkündet, unter Beginn des Gebetsrufes, al-a�ān: Er ist der Erhabene, Gewaltige! Sufis werden in der islamischen Ortho-
anderem am Ende von Versen mit dem „Allāhu akbar!“, „Gott ist größer!“ Er ist (Q 2:255) doxie nicht gern gesehen. Wobei der
Attribut al-�azīz, mächtig, und der For- größer als alles andere Sein. Er ist stets Koran schöne Beispiele für solche Inter-
mel „allāhu �alā kulli šay ̉in qadīr“, der größere, unabhängig davon, womit Gelten diese und ähnliche Anthropo- pretationen bietet, wie es besonders am
„Gott ist aller Dinge mächtig“ bzw. er verglichen wird. Derart gedeutet kön- morphismen im Koran inzwischen un- sogenannten Lichtvers demonstriert
„Gott hat zu allem die Macht“. Solche nen auch solche negativen Eigenschaften umstritten als metaphorische Bezeich- werden kann:
Attribute wie auch diejenigen, die z.B. in Bezug auf Gott dazu beitragen, seine nungen göttlicher Aspekte und Eigen-
seine Weisheit, Herrschaft, Herrlichkeit Überlegenheit zu demonstrieren. schaften, entbrannten im achten und Gott ist das Licht der Himmel
und sein umfassendes Wissen bekun- Wie in der Bibel wird Gott auch im neunten Jahrhundert unter islamischen und der Erde.
den, stellen sich als ein Rhythmus dar, Koran mit Körperlichkeit versehen. Theologen heftige Debatten über ihre Sein Licht ist einer Nische gleich,
der sich durch den ganzen Koran hin- Gott hat ein Gesicht (Q 2:115. Vgl. Deutung. Während die rationalistisch in welcher eine Leuchte steht.
durchzieht und dazu beiträgt, dieses Q 2:272; 6:52; 13:22; 18:28); er hat ein ausgerichteten Mu�taziliten und später Die Leuchte ist in einem Glas, das Glas
Buch zu einem einzigen Zeugnis über Auge (Q 20:39); er besitzt eine Hand wirkende Philosophen für die allegori- gleicht einem funkelnden Gestirn,
Gott und seine Eigenschaften und (Q 3:73) oder zwei (Q 38:75); er sitzt sche Interpretation plädierten, vertraten entflammt von einem segensreichen
Handlungen zu gestalten. Wie bereits auf einem Thron: die traditionalistischen Hanbaliten (die Ölbaum, nicht östlich und nicht
erwähnt dominiert unter den Eigen- Anhänger von Aḥmad bin Ḥanbal, gest. westlich.
schaften Gottes im Koran die Barmher- Gott: Kein Gott ist außer ihm 855) ein wörtliches Verständnis solcher Sein Öl scheint fast zu leuchten, auch
zigkeit; es heißt sogar dort, dass er sich dem Lebendigen und Beständigen. Aussagen. Die Einmischung der politi- wenn das Feuer es noch nicht
dazu verpflichtet hat: Ihn fasst nicht Schlummer und nicht schen Herrschaft in der Debatte, um an- berührte.
Schlaf. fangs die Rationalisten zu unterstützen Licht über Licht! Gott leitet, wen er
Sprich: „Wem gehört, was in den Ihm gehört, was in den Himmeln und ihre Widersacher zu verfolgen, will, zu seinem Licht.
Himmeln und auf Erden ist?“ und auf Erden ist. dann aber unter einem späteren Kalifen Gott prägt Gleichnisse für die
Sprich: „Gott!“ Wer kann bei ihm Fürsprecher sein, das Gegenteil zu tun, brachte weitere Menschen, und Gott weiß alle Dinge.
Er hat sich selber der Barmherzigkeit Es sei denn, dass er es erlaubt! Komplikationen mit sich. Der politisch (Q 24:35)
verschrieben. Er weiß, was vor und hinter ihnen ist. herbeigeführte Sieg der Traditionalisten
Fürwahr, er wird euch versammeln Doch sie erfassen nichts von seinem führte längerfristig dazu, dass sich im Is- Ebenfalls geeignet für mystisch-spe-
zum Tag der Auferstehung, Wissen, lam rationale Deutungen des Korans kulative Deutungen sind Verse, die Got-
über den kein Zweifel herrscht. es sei denn, was er will. nicht durchsetzen und nicht zu einer tes Liebe und Vergebung für die Men-
Die aber, die sich selbst verloren haben, Sein Thron umgreift die Himmel wissenschaftlichen Hermeneutik weiter- schen thematisieren:
glauben nicht. (Q 6:12) und die Erde, entwickeln konnten. Auch allegorische

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und ihren Anführer, seinen Gesandten, bei der Schöpfung eingegeben hat. „Die
nicht im Stich zu lassen (Q 3:32; 9:24), Sonne weiß ihren Niedergang“, heißt es
Gott interveniert in den Kampf, schickt in Psalm 104:19. Wie bereits dargestellt
den Muslimen Engel, die ihre scheinbar bewirkt Gott im Koran hingegen jeden
unvermeidliche Niederlage in einen von Periodenwechsel selbst unmittelbar. Er
ihm geschenkten Sieg zu verwandeln ist allgegenwärtig, unaufhörlich tätig,
(Q 3:123-125). Auch vor der Entstehung er kennt keine Ruhe, keinen Sabbat
des Islam rettete er mit einer wunder- (Q 2:255). Auch die Vernunfttätigkeit
samen Militäraktion Mekka vor der Er- des Begreifens wird im Koran aus-
oberung durch die Leute des Elefanten schließlich als Mittel zum Glauben ein-
(Q 105). Der exegetischen Literatur zu- gesetzt. Wissen, das nicht zu Gott hin-
folge ist damit der gescheiterte Feldzug führt, ist Ignoranz.
des himyaritischen Königs Abraha aus
Südarabien vermutlich um das Jahr 552
gemeint. Mit Macht haben sie den
IV. Islam zur Weltreligion ge-
macht.
Zum Schluss lässt sich Folgendes sa-
gen: nach islamischem Glauben ist Gott
Einer, er ähnelt in seiner soliden kom- Ist also der Gott des Koran ein grau-
pakten Einheit dem aristotelischen Un- samer Despot, ein schrecklicher Dikta-
bewegten Beweger. Seine 99 Namen tor? Nein, zumal die Barmherzigkeit
stehen für seine Eigenschaften. Wie sie seine wichtigste Eigenschaft ist. Er ist
sich zu seinem Wesen verhalten, ist eine allerdings ein Gott der Macht. Und er
in der islamischen Theologie reichlich wurde von Muhammad, dessen Nach-
Dr. Katja Thörner vom Lehrstuhl diskutierte Frage. Seine Eigenschaften folgern und den Anhängern seiner Bot-
Professor Tamer bot am 17. Juni noch sind seine Haltungen dem Menschen schaft auch so wahrgenommen. Mit
ihr Lektüreseminar an, bei dem mehr gegenüber. Gott ist der allmächtige Macht haben sie den Islam zur Welt-
als ein Dutzend Interessierte intensive Schöpfer des Alls und der gerechte religion gemacht. 
Textarbeit leisteten. Richter am Jüngsten Tag. Er weiß alles
und kontrolliert alles. Er ist barmherzig. Wenn nicht anders angegeben stam-
Von der Unendlichkeit seiner umfassen- men alle Koranzitate aus: Hartmut Bob-
den Barmherzigkeit überzeugt, vertre- zin, Der Koran. München: C.H. Beck,
ten manche muslimischen Theologen 2. Auflage 2017. Von mir modifizierte
Er ist der Vergebungsbereite, Ein Vers verkündet, dass Gott dem sogar die Ansicht, Gott werde am Ende Übersetzung. Georges Tamer
der Liebevolle. (Q 85:14) Menschen näher als seine Halsschlag- die Hölle eliminieren. Zwischen Gott
ader ist (Q 50:16). Gott erschuf den und dem Menschen ist eine unüber-
Sprich: „Wenn ihr Gott liebt, dann folgt Menschen mit seinen Händen, er gestal- brückbare ontologische Kluft, die es
mir nach, tete ihn auf eine schöne Weise (Q 64:3) keinem Menschen erlaubt, Gott unmit-
denn dann liebt euch auch Gott und machte ihn zum Statthalter der telbar anzuschauen oder in direkten
und vergibt euch eure Missetaten!“ Erde (Q 2:30). Der biblischen Lehre, Kontakt mit ihm zu treten (Q 42:51).
Siehe, Gott ist bereit zu vergeben und Einen Mittler zwischen Gott und den
barmherzig. (Q 3:31) Menschen wie Christus kennt der Islam
Gott ist der allmächtige nicht; auch heilige Menschen mit Für-
O ihr, die ihr glaubt! Wenn jemand bitter-Funktion lässt die islamische Or-
von euch sich von seiner Religion Schöpfer des Alls und der thodoxie nicht zu. Im schiitischen und
abkehren will, gerechte Richter am Jüngs- volkstümlichen Islam wird dieses The-
dann wird Gott Menschen bringen, ma jedoch gewissermaßen lockerer be-
die er liebt und die ihn lieben, ten Tag. handelt.
demütig gegen die Gläubigen, streng Gott verzieh Adam die Übertretung
gegen die Ungläubigen, seines Gebots. Da der Mensch schwach
die kämpfen werden auf dem Wege Gott habe den Menschen nach seinem ist, kann er nicht immer Satans von
Gottes Ebenbild und seinem Bildnis geschaf- Gott erlaubten Versuchungen widerste-
und sich nicht vor dem Tadel eines fen, erteilt der Koran indirekt eine Ab- hen. Deswegen schickt Gott den Men-
Tadlers fürchten. sage (Q 42:11). schen immer wieder Propheten, die sei-
Das ist die Gnade Gottes – er gibt sie, In medinensischen Suren beteiligt sich nen Willen wiederholt verkünden und
wem er will. Gott an den Kriegen der Muslime. Er ge- die Menschen ermahnen, sie zu befol- Unsere Online-Medien
Gott ist umfassend, wissend. (Q 5:54) bietet ihnen zu kämpfen (Q 2:190 f.; 9:5) gen. Alle Offenbarungen, alle heiligen
Schriften stammen aus einer einzigen Neben unserer Zeitschrift „zur debatte“
Quelle. Trotz ihrer Vielfalt verbindet sie bespielt die Katholische Akademie
miteinander eine wesentliche Einheit. Bayern auch eine Reihe von Online-
Dem Menschen obliegt es, sich Gott be- Medien, mit denen wir unsere Themen
dingungslos zu ergeben – eine Haltung, in den gesellschaftlichen Diskurs ein-
die die ursprüngliche Form der Religion bringen. Zuerst natürlich die Home-
ist, die nach koranischer Sicht im Islam, page, auf der Sie unter www.kath-aka-
von Verformungen und Fehlentwicklun- demie-bayern.de neben allen Anmel-
gen bereinigt, wiederhergestellt wird. defunktionen für unsere Veranstaltun-
Verglichen mit dem in der Bibel und gen regelmäßig aktuelle Mitteilungen
somit im Judentum und Christentum und den Pressspiegel finden.
vorherrschenden Gottesbild trägt das
Bild Gottes im Koran und somit im Viele Kurznachrichten und Bilder, die
Islam stärkere deterministische Züge. Sie gerne kommentieren und teilen,
Gottes Handeln im Koran lässt dem präsentieren wir mit unserem Face-
Menschen weniger Raum für freie, ei- book-Auftritt: www.facebook.com/
genständige Entfaltung. In diesem Sinne katholische.akademie.bayern
lässt Gott Adam im Koran nicht die
Dinge selbst benennen, sondern bringt Intensiv aktualisiert die Akademie ihre
ihm diese Namen bei (Q 2:31). Gott in- eigenen Kanäle auf YOUTUBE. Sie
terveniert direkt und lässt Joseph nicht können Katholische Akademie in Bay-
sündigen (Q 12:24). Ohnehin kann er ern AUDIO-Kanal (vollständige Vor-
es nicht erlauben, dass sich seine er- träge zum Nachhören) und Katholi-
wählten Gesandten und Propheten sche Akademie in Bayern (kurze Vi-
falsch verhalten oder dass sie bei der deoclips zu ausgewählten Veranstal-
Verkündigung seiner Botschaft versa- tungen) kostenlos abonnieren. Dann
gen. Deshalb interveniert er unmittel- erfahren Sie zeitnah, wenn wieder et-
bar, wann immer dies nötig ist. Gott im was Neues eingestellt wurde.
Koran ist der Gott der Stärke. Selbst Je-
sus, der im Koran zwar nicht als Gottes Auf der Plattform www.literatur-
Georges Tamer nahm sich auch Zeit, Sohn, aber doch als wichtiger Prophet radio-bayern.de schließlich stellen wir
um Fragen von Teilnehmerinnen und gilt, wird deswegen im Koran nicht ge- Ihnen Audiodateien mit Vorträgen aus
Teilnehmern zu beantworten. kreuzigt: Gott errettet ihn heimlich. Akademieveranstaltungen zur Verfü-
Auch im Hinblick auf die Abläufe in gung, die einen literarischen Bezug
der Natur erfolgen diese in der Bibel ge- haben.
mäß der Gesetzmäßigkeit, die Gott ihr

46 zur debatte 5/2019