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Danksagung

Dieses Buch konnte nur entstehen, weil ich lebe. Ich


danke also allen Menschen und Wesen, denen ich in
diesem und in allen vorangegangenen Leben
begegnet bin. Sie alle haben in ihrem ganz speziellen
Maße dazu beigetragen, dass ich so bin, wie ich bin.
Wenn ich auch jemanden nennen möchte, hieße das,
die Einheit zu trennen.
Und wenn ich schon trenne, dann in zwei Kategorien.
In die eine Kategorie des Menschen und Wesens, die
ich als gut empfunden habe. Diese gute Seite gab
mir stets Kraft, mein Leben weiterzuleben.
In die andere Kategorie, die ich als schlecht
empfunden habe. Diese Kategorie gab mir stets
Ansporn, mich zu verändern.
Bei einigen Menschen empfand ich persönlich zu
bestimmten Zeiten die eine Seite mehr, bei anderen
die andere.
Wer hat nun mehr Dank verdient? Der, der mich am
Leben erhält oder der, der mich zur
Weiterentwicklung anspornt?
Weil ich diese Wahl nicht treffen kann, danke ich
allen.
Teil I
Abwärts in die Höhle

Die erste Frage

Immer wieder ist in aller religiöser und esoterischer


Literatur zu lesen: Du sollst lieben, deine Ängste
überwinden, du sollst Gott vertrauen. Das sei besser
für das Leben. Ich höre und lese, dass es eine Sünde
ist und weder gut für die Gesundheit noch für das
Leben, negativ zu denken, Haß zu haben, zu urteilen
und zu verurteilen.
Lange Zeit hatte ich, nach dem ich das wußte, wegen
meiner negativen Gedanken ein schlechtes Gewissen.
Das heißt, zunächst wußte ich gar nicht, dass da
schlechte Gedanken, Urteile, Verurteilungen, Haß
und Sorge und Wut in mir waren.
Wie gern wäre ich nicht so. Nicht so wütend, nicht so
voller Urteile. Nicht so ohne Liebe. Ich wollte einfach
besser leben.
Aber wie stellt man das an, ohne negative Gedanken
und Gefühle zu sein? Die Antwort auf diese Fragen
haben ich bisher in noch keinem Buch für mich
schlüssig gefunden. Und ich habe in den
vergangenen Jahren sehr, sehr viele Bücher gelesen.
Und sehr viele Fragen sind mir in den vergangenen
Jahren beantwortet worden. Auch die eine Frage, wie
ich das negative Denken lassen kann.

Alles geht Schritt für Schritt


Die Antwort darauf kann ich nicht in einem Satz
sagen. Denn auch mir ist die Antwort darauf nicht in
einem Satz mitgeteilt worden. Aber sie ist mir
mitgeteilt worden. Durch mich selbst. Stück für
Stück, Schritt für Schritt bekam ich die Antwort. Je
nachdem, welche Fragen ich stellte.
Bei diesem Frage-und-Antwort-Spiel, das ich in den
vergangenen drei Jahren mit meinem höheren Selbst
spielte, wurde ich hingeleitet vom unbewußten zum
bewußten Sein. Zu einem Menschen, der sich auf
dem Weg befindet.

Der unbewußte Mensch

Wie charakterisiere ich mich als unbewußten


Menschen?
Ich lebte mein Leben vor mich hin. Ich tat, was zu
tun anstand, und versuchte, mein Leben unter
Kontrolle zu bekommen bzw. unter Kontrolle zu
halten. Wie bekommt man mit der Zeit sein Leben
unter Kontrolle? Indem man sich das Wissen und die
Erfahrungen der anderen, der Generationen zuvor,
nutzbar macht, sie erlernt und dann anwendet. Ganz
einfach.
So erlernte ich meinen Beruf als Journalist an einer
Schule, lernte ich kochen, indem ich mich durch
Kochbücher wühlte oder andere Menschen befragte,
ich lernte nähen, indem ich einen Schneiderlehrgang
besuchte, lernte den Garten zu bearbeiten, indem ich
Gärtnerbücher las oder andere Gartenbesitzer
befragte.
Ich lernte und lernte, ich plante und führte aus, und
mein Leben hätte eigentlich ganz prima aussehen
müssen. Sah es aber nicht. Ich konnte alles noch so
gut planen, wie ich wollte, meist kam was
dazwischen. Machmal hatte ich dabei Glück, dann
wurde es besser, als ich geplant hatte, oder ich hatte
Pech, dann wurde es schlechter, als ich geplant
hatte.
Ich liebte und haßte, hatte Sehnsucht, Wünsche,
Hoffnung und Verlangen, Träume und Ziele.
Ich war eine ganz normale Frau. Totaler
Durchschnitt. Mit durchschnittlichem Wissen und
Können. Mit durchschnittlichem Aussehen. Mit
durchschnittlichen Talenten.
Mit durchschnittlichem Schicksal. Ich lebte in die
Welt hinein, wie es gerade so kam, wie es mir
entsprechend meines Wissens und Könnens
angeraten schien.

Die Wende

Alles ging so bis zur damaligen Wendezeit in der


damaligen DDR, deren Bürgerin ich war. Kurz vor
dem Mauerfall 1989 brachte meine Mutter aus dem
Westen ein Buch von Erhard. F. Freitag mit. Dieses
Buch handelte vom Positiven Denken und von
positiven Gedanken. Das war das erste Mal, dass ich
etwas über Gedanken las.
Darüber, dass es positive und negative Gedanken
gibt. Es wurde mir zum ersten Mal bewußt, dass es
soetwas wie positive und negative Gedanken gibt.
Ich war reineweg fasziniert. Es sollte also möglich
sein, mit der Kraft von Gedanken etwas zu bewirken?
Ich brauchte also nur positiv von allem zu denken,
und schon würde mein Leben unter voller Kontrolle
stehen? Ich müßte also nur immer positive Gedanken
haben, dann würde mir in meinem Leben nichts
Schlechtes mehr geschehen? Im Gegenteil, ich
könnte dann alles Gute, was ich mir nur vorstellen
konnte, in mein Leben ziehen? Nicht auszudenken,
wie toll das wäre!!!
Natürlich wollte ich das sofort machen, was da in
dem Buch stand. Aber das erwies sich als schwerer,
als gedacht. Denn bis zu diesem Buch hatte ich echt
noch nie über meine Gedanken nachgedacht. Ich
hatte mir bis zum November 1989 noch nie
Gedanken darüber gemacht, dass ich dachte.
Ich war 35 Jahre alt, aber ich hatte bis zu diesem
Alter noch nie bewußten Kontakt mit meinen
Gedanken gehabt.
Aber selbst das wußte ich damals so noch gar nicht.
Ich begann einfach, die Formeln, Sätze, auch
Affirmationen genannt, die in diesem Buch
angeboten wurden, vor mich hinzubeten.
Nach der politischen Wende in der DDR kam ich noch
mit anderen Büchern über das Positive Denken in
Kontakt. Neben Freitag wurden Prof. Murphy und vor
allem Caterine Ponder meine jahrelangen
literarischen Gedanken-Begleiter. So begann ich
langsam, negative Gedanken aus meinem Gehirn zu
räumen, um positiven Platz zu machen. Es begann
meine geistige Wendezeit.
Es ging aufwärts

Was geschah da im einzelnen?


Da ich damals noch nichts von der Komplexität von
Leben, Fühlen und Gedanken wußte, begann ich mir
einige posive Sätze zu merken und ab und an vor
mich hinzusprechen. Unter anderem die: „Ich bin die
Größte und die Schönste, ein Glück dass es mich
gibt.“ „Ich bin voller Harmonie.“ „Mein Leben ist
schön.“
Gleichzeitig versuchte ich, dieses und jenes negative
Wort aus meinem Wortschatz zu verbannen. Zum
Beispiel Verneinungen in Bezug auf das Geld. Ich
bemühte mich, nichts Negatives zu meinem Geld zu
denken.
Und man sollte es kaum glauben, mein Leben wurde
auf einmal wirklich wunderschön. Ich konnte mich
arbeitsmäßig und kreativ voll entfalten, ich bekam
von Jahr zu Jahr mehr Gehalt, ich hatte einen
reichen und lieben Freund, der mich in Luxus und
Zärtlichkeit badete. Alles, was ich anfaßte, was ich
mir vornahm, gelang mir. Ich zog in dieser Zeit
dreimal privat und dreimal dienstlich um. In immer
größere und schönere Wohnungen und Büros. Ich
kaufte mir immer größere und luxuriösere Autos. Ich
trug bald echte Perlen und Diamanten. Ich reiste um
die halbe Welt. Ich hatte Macht und Geld und
Ansehen ohne Ende.
Alles nur, weil ich positiv dachte. Weil meine
positiven Gedanken meine Welt verschönerten.
Damals wollte ich alle und jeden auf meinem Weg
davon überzeugen, wie schön es doch auch für ihn
wäre, positiv zu denken.

Bis was dazwischen kam

Doch wie es so geschildert ist, war es nicht ganz.


Zwar ging alles wie eine Rakete aufwärts, aber
dazwischen waren immer wieder Stolpersteine
gesetzt. Sowohl auf der Arbeit als auch privat
machten sich negative, schmerzvolle, unschöne
Ereignisse breit. Schicksal, dachte ich und dachte
noch intensiver positiv.
In den Büchern, die ich dazu las, war die Rede von
der Macht des geschriebenen Wortes. Also schrieb ich
mir von nun an die Welt und mein Leben schön.
Jeden Morgen nach dem Aufstehen setzte ich mich
hin und beschrieb alle Probleme, die ich den Tag auf
mich zukommen sah, in ein positives Licht.
Mit der Zeit mußte ich immer mehr und mehr
schreiben, denn mit der Zeit tat sich das Leben
schwerer, einfach positiv zu sein.
Obwohl ich weiterhin dachte: „Ich bin in Harmonie“,
war ich lange nicht mehr in Harmonie. Etwa um 1994
war die Affäre mit meinem reichen Freund zu Ende,
hatte ich auf der Arbeit eine Widersacherin, die mir
das Leben sehr schwer machte, fehlte mir eine
Arbeitskraft, mißlangen mir schon hin und wieder ein
paar größere Dinge.
Ich verdoppelte meine Anstrengungen mit dem
positiven Denken von positiven Affirmationen. Ich
malte Glücksräder, auf denen ich in Bildern meinen
angestrebten Wohlstand darstellte. Ich schrieb mir
die Finger wund. Letztlich war mein Elend insgesamt
so groß, dass ich mir
20 000 000 Dollar wünschte, um dem elenden Leben
irgendwohin entfliehen zu können.
20 Millionen Dollar, ja, ich dachte, diese Summe
müßte mittels positivem Denken und Schreiben in
meine Welt zu zaubern sein. Immerhin war doch
schon so manches Gute mit meinem positiven
Denken erreicht worden.

Ich beschrieb nach der Vorlage aus den Positiv-


Denken-Büchern bestimmt mehr als eintausend
Seiten mit den Worten: „Ich bin glücklich, 20
Millionen Dollar zu besitzen“, oder „Göttliche
Ordnung herrschen mit meinen 20 Millionen Dollar“,
oder „Ich gebe gern meine 20 Millionen Dollar aus.“
Wieviel Zeit ich damit verbracht habe, wage ich nicht
mehr nachzurechnen.

Das Gewitter entlud sich

Es kamen aber keine 20 Millionen Dollar in mein


Leben. Vielmehr zogen riesengroße Gewitterwolken
auf. Und eines Tages ergoß sich eine wahre Sintflut
an Leid über mich. Das ging dabei alles so schnell,
dass ich kaum zum Luftholen kam. Meine Chefs und
Kollegen wandten sich von einem Tag auf den
anderen gegen mich, ich verlor meine Arbeit, hatte
einen Riesenberg Schulden, der Mann, den ich in
dieser Zeit kennenlernte und heiratete, liebte mich
nicht und verstieß mich einen Tag nach der Hochzeit.
Ich hatte keine Aussicht auf einen neuen Job und das
Geld wurde immer weniger, was auch mein Wohnen
gefärdete.
Ich bin mir sehr sicher, dass ich an dieser Stelle das
Leid und den Schmerz nicht beschreiben kann, der
mich in dieser Zeit erfaßte und festhielt. Ich
klammerte mich zwar noch immer an meine positiven
Schreiben, aber es stellte sich kein Erfolg mehr ein.
Es war nur ein hilfloses Zucken angesichts des
gewaltigen Elends und Schmerzes, die mich zu
verschlingen drohten. Tag für Tag, Nacht für
Nacht.
Natürlich versuchte ich noch dieses und jenes, um
mich aus diesem grausamen Sumpf zu erretten. Um
die Kontrolle zu bekommen. Aber nichts gelang mir.
Im Gegensatz zu früher, wo mir jedes Vorhaben
gelang, ging nun alles daneben. Es schien einfach
keine Chance für mich mehr zu geben. Keine Chance.

In der Grube

Ich landete in der tiefsten, dunkelsten Deperession.


Ich fühlte mich absolut verlassen und arm, ungeliebt,
ohne Wissen und Können, ohne Freude, ohne Glück,
ohne Hoffnung, ohne Zuversicht. Meine Welt war
voller rasendem Schmerz und rabenschwarz. Ich
fühlte mich wie in einer tiefen, dunklen,
erbarmungslosen Grube.
Doch noch glaubte ich an die Kraft des positiven
Denkens. Meine Art zu denken hatte sich seit 1990
nicht wesentlich geändert. Ich wußte noch immer
nichts von irgendwelchen Zusammenhängen. Ich
glaubte noch immer, es genügt, sich beständig Gutes
zu wünschen, und dann erhält man es auch. Mein
eigenes Leben war mir noch immer kein Beispiel für
die Unwahrheit dieses Glaubens.
Ich war sogar so von dem positiven Denken
überzeugt, dass ich in der Kreisvolkshochschule
einen Vortrag darüber anbot, um andere zu belehren.

Die Offenbahrung

An irgendeinem Tag im Frühjahr 1998 setzte ich mich


an den Computer meines Sohnes und wollte mir ein
paar Notizen für diesen Vortrag aufschreiben. Doch
auf einmal begann sich mein Schreiben zu
verselbständigen.
Ich schrieb und schrieb, ich schrieb scheinbar
schneller, als ich dachte, denn das, was ich da
schrieb, konnten unmöglich meine eigenene
Gedanken sein. So etwas hatte ich noch nie gedacht.
Und das, was da stand, verschlug mir die Sprache
und das Atmen. Das war so ungeheuerlich, so
aufregend, so neu!
In wenigen Sätzen, Seiten, offenbarte sich mir hier
die Entstehung der Welt oder wie ich die Entstehung
der Welt verstehen könnte. Es offenbarte sich mir die
Entstehung des Lebens, die Eigenschaften des
Lebens, die Entwicklung vom Einzeller zum
Menschen, die Entwicklung der Wesen, deren
Eigenschaften, Charaktere, wie es zu der
Herausbildung von Organen bis zum Gehirn
gekommen ist und kommen mußte, und warum es
eine Entwicklung gibt, mit welcher Richtung und
welchem Ziel. Das alles stand auf knapp 50
Schreibmaschinenseiten.

Leider nur im Computer. Ich habe sie nicht auf


Diskette abgespeichert, und mein Sohn
experimentierte mal wieder mit seinem Computer
herum, wobei diese Seiten auf Nimmerwiedersehen
von der Festplatte verschwanden. Doch dieses erste
Schreiben war der Anfang meines Bewußtwerdens.

Das Schreiben begann

Das Jahr 1998 war wohl das Jahr meiner größten


Tiefe. Meine Gedanken waren voller Angst, mein Herz
schmerzte ununterbrochen. Im März heiratete ich,
wobei, wie gesagt, mein Mann mich einen Tag nach
der Hochzeit kaum noch ansah. Im Juli wurde ich
arbeitslos mit knapp der Hälfte von meinem
bisherigen Gehalt. Die Kosten aber, vor allem die
Hypothek auf das Haus, blieben. Ich sah nur noch
schwarz. Und das schrieb ich auf. Ich schrieb dabei
meinen gesamten Frust von der Seele.
Ich schrieb an Gott, der mir alles genommen hatte.
Ich spie ihm meinen ganzen Haß ins Gesicht.
Irgendwann im November begann ich, regelmaßig
alles aufzuschreiben. Alles, was mir so in den Sinn
kam. Meinen Tagesablauf. Meine Gedanken zum Tag.
Meine Gedanken zu meinen Gedanken und Gefühlen.
Und ich schrieb auf, was nicht von mir war.
Gedanken, die durch mich flossen. Am Anfang kaum
bemerkbar. Später mehr und mehr.

Ab jetzt aber muß ich detaillierter vorgehen. Denn ab


jetzt wird es bewußter und bewußter.
Stufe für Stufe. Schritt für Schritt.
Mein Kampf gegen Gott

Zunächst versuchte ich herauszufinden, warum Gott


mich so sehr quälte. Warum ich so sehr leiden
mußte. Warum er wohl wollte, dass ich starb. Denn
ich war in diesem und noch im nächsten Jahr oft
nahe daran zu sterben. Zumindest wünschte ich mir
den Tod so sehr.
Ich erwähne das Wort Gott. Bis zur Wendezeit hatte
ich mit Gott nicht viel am Hut. Zwar sagte ich schon
mal „Gott sei dank“, aber ansonsten war mir schon
klar, dass es keine Gott geben konnte. Es gab keinen
Gott. Wie auch? Wo auch? Ich sah keinen.
Ein wenig änderte sich meine Einstellung zu dem,
was da Gott sein könnte, als ich 1989 mit dem
Positiven Denken in Berührung kam. Alle Autoren
erwähnten da sowas wie Gott. Sie nannten es aber
auch Superintelligenz, womit ich mich dann abfinden
konnte.
Anfang der 90er Jahre las ich die Bibel. Ein Jahr
später las ich das dicke Buch noch mal. Die vielen
Weisheiten in diesem Buch haben mich tief
beeindruckt. Auch wenn ich vieles gar nicht
verstanden habe und mir die Gottdarstellung darin
ganz und gar nicht geheuer vorkam. Ein böser,
rächender, vernichtender Gott erschien mir in der
Bibel. Bis auf eine Stelle, wo Moses in der Wüste
Gott im brennenden Dornenbusch begegnete und ihn
fragte, wie er ihn nennen solle. „Ich bin der Ich bin“
erwiederte Gott. In einer anderen Bibel, einer
Lutherübersetzung, steht an dieser Stelle: „Ich
werde sein der ich sein werde“.
Das war höchst ergreifend für mich. „Ich bin der ich
bin“. Hat das auch was mit mir zu tun? Bin ich Gott?
Wer ist dieser „Ich bin“? Ich wußte es nicht. Aber ein
Nachdenken blieb.

So was wie eine Superintelligenz mußte es zumindest


geben, sonst könnte das mit dem positiven Denken
wohl nicht klappen. Ich begann 1993 sogar, eine Art
von Zehnten von meinem Gehalt an die Kirche zu
spenden. Als ich damit begann, schien die Super-
Gott-Intelligenz ganz zufrieden mit mir deswegen zu
sein. Denn ich wurde reicher und reicher. So zahlte
ich mehr und mehr als sogenannten Zehnten. Ich
wollte ja auch reicher werden, warum als sollte ich
nicht was abgeben, wenn der Weg so einfach war.
Irgendwann ging es mir mit dem Reichtum nicht
schnell genug. So schlug ich der Superintelligenz
einen Handel vor. Ich zahlte ihr mehr als den
Zehnten, dafür wollte ich dann auch mehr Geld
bekommen. Auf diesen Handel ging die
Superintelligenz nicht ein. Im Gegenteil.
Das Positive Denken wollte bald so ganz und gar
nicht mehr klappen. Ich wurde ziemlich unzufrieden
mit der Superintelligenz. 1998 mehr denn zuvor.
Denn wer, wenn nicht diese Superintelligenz, auch
Gott genannt, konnte mir so weh tun?
Ich haßte Gott und – wie schon gesagt – ich schrieb
ihm einen Haßbrief. Und weil ich gerade beim
Schreiben war, versuchte ich über das Schreiben
herauszufinden, womit Gott es gelang, mir derartige
Schmerzen zuzufügen.

Triumphale Entdeckung

Ich machte ein furchtbare und doch so triumphale


Entdeckung. Gott konnte mir immer dann weh tun,
wenn er mir etwas wegnahm. Immer, wenn mir etwas
weggenommen wurde, dann spürte ich Schmerz. Das
war es also: Gott konnte mir weh tun, indem er mir
etwas wegnahm. Denn er hatte mir meine Arbeit
weggenommen, meinen Mann, meine Liebe, mein
Geld, mein Ansehen. Das alles hat mir weh getan
und tat mir immer noch weh. Na warte Gott, dachte
ich mir. Du sollst mir nicht mehr weh tun können.
Ich begann, alles aufzuzählen, was ich besaß, und
was mir eventuell noch weggenommen werden
könnte. Was mir Gott noch alles wegnehmen könnte,
um mir so richtig weh zu tun. Bei dieser Aufstellung
drang ich bis in die tiefsten Tiefen meiner
Besitztümer vor. Ich schrieb zunächst alles Materielle
auf, was ich besaß. Da ich meinen Besitz nicht
beschützen konnte vor dieser imaginären
Superintelligenz, wollte ich es ihr in den Rachen
werfen. Ich wollte Gott alles geben, so dass er es mir
nicht mehr wegnehmen konnte. So daß er mir keinen
Schmerz mehr bereiten konnte.
Da war noch mein Haus, mein Auto, meine Kleidung,
meine Möbel, mein Schmuck, meine Bilder. Ich
machte genaue Bestandsaufnahme. Und ich
entschloß mich, Gott das alles zu geben. Sollte er es
doch haben, wenn ihn das so glücklich machte.

Ich gab Gott fast alles

Nein, es war nicht einfach für mich, das alles so


wegzugeben. Bei den Gedanken, mein Haus, mein
Auto, meine Möbel, meine Kleider einfach
herzugeben, wurde mir wahrhaft übel. Dieses Geben,
wenn auch zunächst nur als Akt des gedanklichen
Loslassens, war keine einfache Tat, sondern ein
gewaltiger Prozeß, der sich über einige Zeit
hinstreckte. Jedesmal, wenn ich daran dachte, eines
dieser materiellen Güter nicht mehr zu haben,
erfaßte mich ein großer Schmerz.
Ich haßte Gott dafür, dass er mir das alles
wegnehmen wollte, wo er mir schon so viel
weggenommen hatte. Doch er sollte mir nicht mehr
mit seinem Wegnehmen weh tun können. So
überschrieb ich ihm Stück für Stück. Ich fügte mir
selbst und bewußt den Schmerz zu, damit es ein
anderer nicht mehr tun konnte.
Schwieriger wurde es, als es an das ideelle Eigentum
ging. Denn auch dort konnte Gott mir wegnehmen,
so, wie er mir meinen Beruf und somit mein
öffentliches Ansehen weggenommen hatte. Bei der
Erforschung, womit Gott mir denn weh tun könnte,
kam ich auch bei meinen Kindern und bei meinem
Leben an.
Hier war guter Rat sehr teuer. Denn so einfach wollte
und konnte ich Gott weder mein Leben noch das
meiner Kinder übergeben. Er, der Böse, Gemeine,
Fiese, sollte meinen Kindern nichts antun. Nein,
meine Kinder konnte ich ihm nicht geben, er war kein
guter Vater, und so konnte ich ihm auch nicht mein
Leben geben, denn ich war als Mutter zuständig für
meine Kinder. Ich war eine gute Mutter. Eine bessere
Mutter als er als Vater. Väter waren sowieso nie gut
zu ihren Kindern. Sogar der alte Abraham, der so
lange um ein Kind gebettelt hatte, wollte seinen
Sohn töten, weil es dieser grausame Gott befohlen
hatte. Hier also war ich noch verletzbar. Hier konnte
er mir noch weh tun. Noch.

In Gedanken geben

Während dieses Kampfes mit Gott, der sich über eine


zeitlang hinzog, war noch einiges in mir geschehen.
Ich hatte irgendwo gelesen, dass Geben seeliger
wäre als Nehmen. Ich gab zwar immer noch den
Zehnten, aber die Summe war erheblich kleiner
geworden. Bis sie irgendwann ganz versiegte.
In Gedanken beschäftigte ich mich weiter mit dem
Thema. In der Krise, in der ich zu dem damaligen
Zeitpunkt steckte, versuchte ich zu jedem Strohhalm
zu greifen, der sich mir bot. Einer dieser Strohhalme
war der Satz, Geben ist seeliger denn Nehmen.
Nun, ich hatte nichts Materielles mehr zum Geben.
Ich hatte ja selbst nicht genug zum Leben. Geben
konnte ich somit kein Geld oder Gut, damit es mir
seeliger ginge. Bis auf eines. Ich konnte gute
Gedanken an andere geben. Auch das hatte ich
gelesen, dass das möglich war, gute Gedanken,
lichtvolle Gedanken an andere zu senden. Nun, damit
es mir irgendwie besser ging, wollte ich also gute
Gedanken geben.
Mal sehen, was dabei passiert? Ich hoffte, dass ein
ähnlicher Effekt einträte wie damals beim Geben des
Zehnten.
Weil ich nicht wußte, wie man gute Gedanken gibt,
machte ich das ganz pragmatisch. Ich erkor
verschiedene Familienmitglieder, denen ich gute
Gedanken geben wollte, und begann, folgendes zu
denken: „Ich sende Licht an E.K. Ich sende Licht an
A.B. Ich sende Licht an W.H. Ich sende Licht an E.T.“
Statt also wie bisher zu denken: „Ich bin in
Harmonie“ – was ja doch nichts nützte, dachte ich
diese vier Sätze. Immer und immer wieder.

Gedankenflöhe

Dabei entdeckte ich Erstaunliches. Es war gar nicht


so einfach, hintereinander solche Sätze zu denken.
Es war sogar sehr sehr anstrengend. Immer und
immer wieder kamen mir ganz andere Gedanken
dazwischen. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Beim Denken der vier Geben-Sätze bemerkte ich,
dass ich meine Gedanken in gar keiner Weise in
irgendeiner Kontrolle hatte. Im Gegenteil. Meine
Gedanken dachten einfach, was sie wollten. Hin und
her, kreuz und quer liefen meine Gedanken durch
den Kopf.
Kein einziger Gedanke schien stille zu stehen. In
meinem Kopf wimmelte es von Gedanken wie in
einem Ameisenhaufen. Wie ein Sack voller Flöhe
erschien mir auf einmal mein Gehirn mit meinen
Gedanken. Es war am Anfang fast unmöglich, länger
als wenige Minuten diese Geben-Gedanken zu
denken. Dann war ich an einem gedanklichen K.o.
angelangt.
Doch genau hier begann mein Ehrgeiz. Ich war
arbeitslos und hatte sonst nicht viel zu tun. So ging
ich oft stundenlang spazieren durch den Wald, der
hinter meinem Haus beginnt. Und bei diesem
Spazierengehen zwang ich mich, die von mir
gewählten Sätze konzentriert zu denken. Immer und
immer wieder glitten mir dabei die Gedanken weg.
Sie verloren sich einfach in einem unkontrollierbaren
Gedankengewirr. Das erstaunte mich sehr.
So begann ich immer mehr, mir Gedanken über
meine Gedanken zu machen.

Pragmatisches Herangehen

Das muß so ungefähr im September, Oktober 1998


gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon im
regelmäßigen Schreiben.
Irgendwie hatte es mich eines Tages gepackt. So wie
im Frühjahr, wo es einfach aus mir
herausgeschrieben hatte. So ähnlich schrieb es sich
jetzt manchmal auch aus mir heraus. Es waren
zunächst die wildesten und wirrsten Gedanken. Vor
allem viele negative. Dabei entdeckte ich das von
mir so genannte Heilende Denken. Ich bemerkte,
dass ich negative Gedanken einfach hatte. Und ich
schrieb diese negativen Gedanken alle auf. Auch hier
ging ich ganz pragmatisch vor. So, wie ich es konnte
oder sah. Ganz unkompliziert.
Ich hatte bemerkt, dass ich negative Gedanken zu
bestimmten Situationen hatte. Wie zum Beispiel zu
meiner Ehe. Oho, hier hatte ich ganz bestimmt viele
negative Gedanken. Und zu meinem Mann hatte ich
noch mehr negative Gedanken. Ganze Schimpftiraden
kamen dabei aus mir heraus. Ich schrieb und schrieb
und schrieb.
Dabei bemerkte ich irgendwann, dass ich vor allem
zu mir selbst negative Gedanken hatte. Dass ich von
mir selbst schlecht dachte. So schlecht, dass ich
mich oft schämte, manchmal schrecklich fürchtete,
ich selbst zu sein.

Bei Aufschreiben der Gedanken kam mir meine


berufliche Erfahrung zugute. Schreiben,
hintereinander Aufschreiben, hatte ich als Journalist
gelernt. Aufschreiben, ohne das Geschriebene gleich
zu selektieren, das war einmal mein tägliches
Brotverdienen gewesen.
Ich schrieb also ganz systematisch all die schlechten
Gedanken nieder, die mir so zu einer Situation oder
zu einem Menschen oder zu mir selbst in den Sinn
kamen.
Wenn ich all diese negativen Gedanken
niedergeschrieben hatte, dann begann ich nach einer
Weile, sie ins Positive zu übersetzen. Ja, es war eine
Übersetzungsaufgabe, die ich da vornahm.
Zum Beispiel, wenn ich schrieb: Ich hasse es, so
lautete die Übersetzung, ich liebe es. Ich wollte das
Schlechte in mir in Gutes verwandeln. Ich dachte,
wenn es in mir heller wird, dann wird es auch um
mich herum heller. So ähnlich wie der Effekt einer
Glühlampe. Wenn sie leuchtet, dann leuchtet es um
sie herum auch.

Tiefer und tiefer

Irgendwann stellte ich fest, dass ich ganz schön viele


negative Gedanken in mir hatte. Und es kam dabei
noch etwas zutage. Während ich also meine
negativen Gedanken über eine Situation, einen
Menschen, einen Begriff oder mich selbst
niederschrieb, schien sich das Schreiben immer
wieder zu verselbständigen. Es flossen negative
Gedanken ungeheuerlichen Ausmaßes aus mir
heraus. Gedanken, mit denen ich nie im Leben
gerechnet hätte. Gedanken, die ich noch nie gedacht
hatte. Und zu diesen Ausflüssen kamen gewaltige
Gefühle, ganze Gefühlsausbrüche. Zum Glück sah mir
niemand zu, denn es muß schon ein lächerliches Bild
abgegeben habe, wie ich so saß und schrieb und
weinte, und weinte und schrieb.

Ich bemerkte noch mehr. Nach den Negativ-


Gedanken-Entleerungen überkam mich in den ersten
Monaten oft ein Schreibanfall. Ich schrieb dabei
philosophische Weisheiten oder das, was sich so
nennen könnte, nieder. Ich schrieb über
gesellschaftliche Zusammenhänge, über göttliche
und weltliche Geschehnisse, über Krankheiten und
ihre Ursachen sowie ihre Heilmöglichkeiten.
Bald bemerkte ich ganz konkrete Zusammenhänge
zwischen meinen gedanklichen Entleerungen und
Heilungen und den darauf folgenden Schreiben, die
mich tiefer und tiefer in meine Erkenntnistheorie
hineinbrachten.

Einweihung

Ich spürte, wie ich eingeweiht wurde in die tiefen


Geheimnisse der Welt. Ich war fasziniert von mir. Ich
war überwältigt von mir. Von all dem Wissen, das da
so ungehemmt durch mich strömte und strömte.
Das waren die ersten Auswirkungen der inneren
Heilung. In mir wurde es lichter und lichter. Ich fand
heraus, dass meine unbewußte Ahnung vom Sein auf
der Welt so langsam zu bewußterem Wissen und
Erkennen wurde.
Einen gewaltigen Sprung in der Qualität meines
Schreibens erfuhr ich ab Ende November 1998. Im
Herbst hatte ich drei Seminare besucht, die mich
zum Auratherapeuten ausbildeten. Seit Ende 1996
hatte ich mich mit esoterischem Wissen beschäftigt.
Das heißt, ich lernte Handlesen und Kartenlegen,
ganz professionell. Ich hatte auch Erfolge damit,
aber so recht wollten keine Kunden kommen. Auch
spürte ich, dass das mein Weg noch nicht war.
Im Frühjahr 1998 half ich einer Bekannten auf der
Esoterikmesse in Berlin, Aurafotos zu interpretieren.
Viele Menschen haben Interesse an ihrer spirituellen
(spirit=Geist) Entwicklung, so auch an ihrer Aura.
Bis dahin hatte ich mich noch nie damit beschäftigt,
ich hatte keine Ahnung, was Aura ist, und von der
Interpretation der Aura wußte ich auch nichts. Aber
meine Bekannte meinte, das könne ich schon.
Sie wies mich kurz vor der Messe ein paar Minuten in
die Bedeutung der sieben Regenbogen-Aura-Farben
ein, dann wurde ich in das kalte Wasser geworfen.
Ich konnte ganz leidlich schwimmen. Die Leute waren
mit meinen Interpretationen einverstanden. Im Laufe
der Zeit merkte ich, wie ich dabei immer intuitiver,
klarer in meiner Aussage wurde.
Im Herbst besuchte ich drei Auraseminare, lernte die
Aura eines Menschen erkennen und sehen, lernte
dabei, dass das im Prinzip jeder Mensch kann. Ich
kaufte mir von meinem allerletzten Geld eine
Aurakamera für 14 000 Mark. Damit wollte ich nun
endlich zurück in die Welt, Geld verdienen und ein
vernünftiges Leben leben. Daraus wurde aber nichts.
Was ich auch anstellte, ich bekam keinen Fuß mehr
in die weltliche Tür. Es sollte halt nicht sein. Das Leid
ließ mich noch lange nicht aus seinen Pranken.

Mein himmlischer Meister

Während des letzten Auraseminars Anfang November


1998 verband uns unsere Seminarleiterin mit
unserem Höheren Selbst. Sie nannte es auch
Himmlischer Meister. Ich war davon etwas verwirrt.
Während der dazugehörigen Meditation sah ich in
meinem inneren Bild einen Mönch mit einer Kaputze
über dem Kopf, so dass ich statt des Gesichtes nur
ein schwarzes Loch sah. Und als seinen Namen
nannte er mir Uriel.
Nein, das war mir ganz und gar nicht geheuer. Ein
schwarzer unheimlich anmutender Mönch mit dem
Namen Uriel – in mir, über mir, um mich herum oder
was -, was sollte denn das?
Uriel, so hatte ich einmal gehört, war wohl ein
Erzengel. Mit Engeln und sowas hatte ich mich bis
dahin noch nie beschäftigt. Noch war ich ein totaler
Atheist. Ein Gottesgegner, ein Kämpfer gegen Gott
vielleicht. Ein Suchender, eventuell.
Nun aber gab es da einen gewissen Uriel, der mein
Himmlischer Meister sein sollte. Was sollte denn das
alles? Wie geschah mir hier? Dass der Mensch eine
Ausstrahlung hat, auch Aura genannt, das ließ sich
schon wissenschaftlich belegen. Aber was war dieses
Höhere Selbst, dieser Himmlische Meister? Hier
konnte mir keine Wissenschaft mehr helfen.

Was also tun? Ich ging auf die Suche nach Literatur
über Engel. Alles, was ich zunächst dazu fand, war
mir suspekt, d.h. unlogisch. Über den Engel Uriel
erfuhr ich auch zunächst nur soviel, dass er ein
Erzengel sei. Wobei ich noch nicht wußte, was ein
Erzengel war/ist. Und so ein ganz guter Engel schien
er auch nicht zu sein, immerhin war zumeist nur von
den Erzengeln Michael, Gabriel und Raphael die
Rede. Ich erfuhr dabei, das selbst Luzifer, der Teufel,
mal ein Engel, sogar der ranghöchste Engel gewesen
sein soll. Dann aber von Gott abgefallen sei. Und
auch von Uriel gab es eine negative Beschreibung.
In Bezug auf Uriel, meinem Höheren Selbst, war ich
lange Zeit hin- und hergerissen. Logisch war es/er
nicht. Aber offensichtlich war er/es doch da.

Neue Qualität des Schreibens

Seit der Zeit, wo ich im Kontakt mit meinem


sogenannten Himmlischen Meister kam, begann eine
ganz neue Qualität meines Schreibens. Es war auf
einmal so etwas wie eine Richtung zu erkennen. Auf
gezielte Fragen erhielt ich gezielte Antworten. Seit
dieser Zeit gibt es eine fortlaufende Nummerierung
der Seiten, die ich nach dem Compurterdesaster alle
handschriftlich füllte. In den vergangenen drei
Jahren habe ich mehrere Tausend Seiten gefüllt.
Dieses Buch ist ein Extrakt des Wissens, dass sich
mir dabei offenbarte.
Neben meinem beständigen Heilenden Denken schien
ich auf eine Art Suche zu gehen. Es ist nicht so, dass
ich sagen kann, ich war auf der Suche. Das hieße zu
sagen, ich wollte es ganz bewußt. Aber von vollem
Bewußtsein kann in der Zeit November, Dezember
1998 nicht die Rede sein. Es war eine spannende
Zeit. Ich saß fast nur noch in meinem Arbeitszimmer
und schrieb und schrieb. Dabei kam so manches
komische Kauderwelsch, so manch genialer Einfall
aus mir heraus.
Ab und an ging ich durch den Wald spazieren, um
meine Sätze zu denken. Beim Denken der Sätze, der
Licht-Geben-Sätze, wurde ich immer besser. Bald
schon konnte ich über einen längeren Zeitraum
hintereinander ohne andere Gedanken diese Sätze
denken. Monoton, so wie man vor sich hinbetet
vielleicht.
Bei dieser regelrechten Gedankenarbeit bekam ich
meine Gedanken mehr und mehr unter Kontrolle.
Dabei meine ich zunächst nicht, dass ich Gedanken
nur noch dachte, die ich denken wollte. Nein, so gut
war ich noch lange nicht. Aber ich bemerkte meine
Gedanken nun schon viel bewußter. Ich bemerkte
zum Beispiel , wann meine Gedanken abzudriften
begannen, oder wann meine Gedanken begannen, ins
Negative zu rutschen.
Ich bemerkte, wenn ich begann, in Gedanken andere
Menschen zu verurteilen, zu beschimpfen, weil sie
so schlecht zu mir waren. Ich bemerkte, wenn ich
begann, gedanklich irgenwelche Situationen
durchzuspielen, in denen ich mich bemühte, andere
von meiner Meinung zu überzeugen, sie zu belehren
oder klein zu kriegen, um der Sieger zu sein.

Immer besser, schneller, schöner sein


Ich bemerkte dann recht schnell, dass es mir immer
darum ging, der Sieger zu sein. Dass es mir immer
darum ging, besser zu sein, schneller zu sein,
schöner zu sein. Etwas besser zu machen als vorher,
etwas besser zu sein, als die anderen dachten. Als
ich dachte, dass es die anderen dachten.
So kam ich irgendwann zu der Feststellung, dass es
mir immer darum ging, besser zu sein. Weil ich
immer befürchtete, nicht gut genug zu sein.

An dieser Stelle will ich versuchen, dass, was mir im


Frühjahr des Jahres 1998 durch mein Schreiben am
Computer von der Entstehung der Welt mitgeteilt
wurde, hier darzulegen. Immerhin will ich ja auch
versuchen, meinen Einweihungswerdegang
nachvollziehbar darzustellen.
Teil II
Das bewusste Begreifen beginnt

Die Entstehung der Welt

Damals, als ich so all die Worte und Sätze in den


Computer hämmerte, wußte ich noch nichts von der
Entstehung der Welt, hatte ich mich nie damit
beschäftigt. Ich wußte nichts von Ying und Yang, von
der Dualität der Welt, nichts von der Angst und
nichts vom Vertrauen. Damals war ich noch
vollkommen unbewußt, ein Mensch allein in der
äußeren Welt.
Doch mit dem Schreiben im Frühjahr begann sich in
mir eine Art Tor zu öffnen. Ein Tor, durch das ein
kleiner Strahl Licht hereinkam. Anders weiß ich es
nicht auszudrücken.

Ich will an dieser Stelle ganz kurz wiedergeben, was


sich mir damals offenbarte:

Der Urgrund allens Seins ist eine Art Bewußtseins-


Energie. Die in sich ein Ganzes, Unteilbares ist. Nicht
erkennbar und nicht benennbar. Dieses Ganze hat
eine Art Rhythmus, das man mit Einatmen und
Ausatmen bezeichnen kann.
Beim Einatmen entstehen Verdichtungen dieser
Bewußtseins-Energie. Durch diese Verdichtungen
entsteht Trennung in Zwei. Genannt Ying und Yang.
Diese Einheit teilt sich somit in eine Dualität. In
Materie und in Geist. Die Materie teilt sich wiederum
in die Elemente Erde und Wasser, der Geist in die
Elemente Feuer und Luft. Dieser Teilungsvorgang
geht weiter und weiter, es kommt zu immer mehr
Differenzierungen, zur sogenannten Pluralität der
Welt.
Beim Vorgang des Ausatmens werden die Elemente
wieder miteinander verbunden, Ying verbindet sich
mit Yang, wobei zum einen Materie, zum anderen
Liebe (Bewußtsein) entstehen. Auch wurde mir
deutlich, dass über das Leben die neue
Bewußtsseins-Energie-Einheit entsteht. Während der
Vorgang der Trennung und Differenzierung ein
äußerer, in die Materie gerichteter ist, ist der
Vorgang der Vereinigung ein innerer, ein über den
inneren Geist vollzogener. Die Vereinigung wird von
Ying, einer Art Leere, angetrieben, die sich mit Yang,
der Fülle, vereinen will. Während alle scheinbar tote
und lebende Materie zu diesem Zweck und Ziel
angetrieben wird, ist einzig der Mensch in der Lage,
diesen Vorgang mittels seines Willens und
Erkenntnisvermögens bewußt zu gestalten. Der
Mensch ist somit in der Lage, selbst Bewußtsein zu
erzeugen. Bei diesem Prozeß erkennt er sich
zunächst als Individuum – Ich bin selbst – später
erkennt er sich als Einheit – Ich bin alles – bis er
selbst Bewußtsein ist. Der Mensch ist somit in der
Lage, über seine Erkenntnis Gottes – der Bewußtsein
ist - selbst Gott-Bewußtsein zu werden/sein.

Mit diesem Wissen, so war mir irgendwie klar, konnte


ich von nun an die ganze Welt erklären und
verstehen. Es war kein Wissen, wie ich es in der
Schule gelernt hatte. Es war irgendwie anders,
innerlicher, weiter. Es war – man verzeih mir die
schwachen Worte - lebendiges Wissen.
Mir wurde bei dem Schreiben auch klar gemacht,
dass sich die Vorgänge des Einatmens-Ausatmens
sowohl zeitlich-räumlich als auch zeitgleich
abspielten. Obwohl ich mit diesem Wissen am Anfang
absolut nichts anzufangen wußte, war mir innerlich
die gewaltige Dimension dieses Wissens irgendwie
klar.

Weiterhin schrieb ich schon damals eine ganz


eigenartige Definition von Gott auf. Dass Gott das
sei, was alles Wissen ist. Das Gott sämtliches Wissen
in Nichtgestalt sei, und dass der Mensch im Laufe der
Zeit dieses Wissen in Gestalt von Form erfährt, in
Form von Form. In Form von In-Form-ation.
Doch erst im Laufe der Zeit erschloß sich mir nach
und nach das ganze Ausmaß dieses lebendigen
Wissens. Im Frühjahr 1998 war ich noch zu sehr im
Kampf gegen Gott begriffen.

Antwort auf alle Fragen

Im November nun war mein Kampf gegen Gott fast


abgeschlossen. Ich hatte gesiegt, und ihm alles, was
ich hatte, gedanklich übereignet. Dabei stellte ich
fest, dass Gott mich hatte siegen lassen. Oder dass
er letztlich gesiegt hatte, denn nun hatte er alles
freiwilig von mir in kurzer Zeit bekommen, was er
mir sonst unter Schmerzen über einen langen
Zeitraum Stück für Stück genommen hätte.
Zur Erkenntnis kam ich so nach und nach.
Inzwischen schrieb und schrieb ich. Fragte und fragte
nach Sinn und Hintergründe. Ich wollte wissen,
warum der Mensch leidet. Ich wollte die Sprache des
Körpers erlernen. Ich wollte die Sprache Gottes
erlernen. Ich wollte wissen, was gut und böse ist.
Was ich tun könnte, um gut zu werden. Und ich
bekam auf jede meiner Fragen eine Antwort. Eine
genaue Antwort. Bei diesen Antworten mußte ich
feststellen, dass ich im Laufe der Zeit immer neue,
detailliertere Antworten auf die gleiche Frage
erhielt. Scheinbar gleiche Frage, denn auch meine
Fragen wurden detaillierter.
Es war, als teilte sich mir das Wissen schicht- oder
spiralförmig mit. Die Antworten waren erst sehr
einfacher Natur, gemäß meines derzeitigen
Begriffsvermögens und Fragens. Mir der Zeit wurden
die Antworten differenzierter und komplizierter, aber
für mich immer deutlicher und verständlicher. Man
kann sich dieses Frage-Antwort-Spiel in etwa
vorstellen wie das Malen eines Bildes.
Zunächst nimmt man die Leinwand und grundiert sie.
Dann werden die Grundfarben und Grundumrisse des
zu malenden Bildes aufgetragen. Ein wenig ist schon
zu erkennen, was es werden könnte. Doch mit dem
Fortschreiten der Malerei wird Detail für Detail
herausgebildet und gemalt. Bis ein Bild entsteht,
dass man genau erkennen kann.
So war es auch mit den Antworten. Am Anfang
bekam ich auf eine allgemeine Frage eine ganz
allgemeine Antwort. Nach und nach wurden die
Fragen differenzierter, die Antworten differenzierter.
Bis sich mir irgendwann eine deutliches Bild in
meinem Bewußtsein ergab.
Schauen Sie sich ein Gemälde eines großen Meisters
an, so finden Sie es wundervoll. Kaum jemand weiß
dann, wie der Meister Schritt für Schritt dabei
vorgegangen ist. Von der Grundierung der Leinwand
angefangen.

Jeder Mensch ist in der Lage, ein schönes Bild zu


malen, wenn er sich hinsetzt und damit beginnt.
Dabei wird jeder Mensch etwas anderes malen, je
nach Talent und Interesse.
So ist das auch mit der Erkenntnis der Welt. Jeder
Mensch, der Interesse an der Erkenntnis hat, muß
nur zu fragen beginnen, und er erhält Antwort.
Dieses Buch soll dazu beitragen, zu erkennen, wie
man es auch machen kann, sich auf die Suche zu
begeben. Die Antworten kommen dann schon. Das
zumindest habe ich im Laufe der Zeit bei mir und
anderen Menschen festgestellt. Der Weg führt immer
über das eigene Fragen. Woher die Antworten
kommen, muß man dann sehen. Man sollte gefaßt
darauf sein, dass der, der da antwortet, Humor und
Einfallsreichtum besitzt.

Bei mir war das so.


Oftmals kamen die Antworten gleich nachdem ich die
Fragen gestellt hatte. Ich stellte schriftlich eine
Frage und schon floß aus mir eine Art von Antwort.
Am Anfang ging das noch ziemlich chaotisch vor sich.
Es geschah auch häufig, dass ich ein Antwort auf
eine Frage erhielt, die ich erst viel später stellte.
Machmal konnte ich gar nicht so schnell schreiben,
wie es durch mich antwortete. Das dauerte etwa bis
zum 20. Dezember 1998.
Mittlerweile hatte ich mich auch einigermaßen mit
diesem Uriel angefreundet: Immerhin gab er mir
Antwort, wenn ich ihn nach irgendetwas befragte.
Das war schon ganz in Ordnung so. Später bekam ich
auch komplexe Antworten über Literatur. Über
jegliche Art von Literatur. Immer, wenn ich auf der
Suche nach einem bestimmten Zusammenhang war,
der sich nicht in wenigen Sätzen darstellen ließ,
bekam ich rein „zufällig“ ein entsprechendes Buch
dazu in die Hand. Ich habe in meinem Leben noch
nie so viel gelesen wie in den vergangenen drei
Jahren.
Viel später erfuhr ich auch, dass das Utensil des
Erzengels Uriel ein Buch ist. Ich habe auch gelesen,
dass mit der Bezeichnung Uriel eine Bewußtsseins-
Energie gemeint ist, die mit dem jetzt beginnenden
Zeitalter des Wassermannes auf der Erde zum
Ausdruck kommt. Eine Energie, die der jetzigen
irdischen Wissenschaft sozusagen himmlische Flügel
verleiht.

Die Ursache allen Leidens

Schließlich und endlich fand ich um die Jahreswende


1998/99 heraus, was die Ursache meines/unseres
Leides ist. Die Ursache unseres Leidens auf Erden
ist, dass wir nicht genug haben, nicht genug
bekommen, nicht genug sein können. Haben,
Bekommen, Sein. Das Maß daran bestimmt all
unseren Schmerz, all unser Elend auf dieser Welt.
Unsere Trennung von der Einheit äußert sich in
unserem Schmerz, der uns gleichzeitig dazu treibt,
zur Einheit zu gelangen. Schmerz ist der Antrieb, das
oben erwähnte Ying.

Ich weiß, dass diese Antwort für eine unbewußte


Seele kaum zu verstehen ist. Denn im unbewußten
Zustand denken wir nicht über uns nach, wissen wir
nichts von Schmerz, von den Zusammenhängen von
Denken und Fühlen. Im unbewußten Zustand tun und
lassen wir, wie es gerade so kommt, wie es uns
gerade so treibt. Manchmal sind wir dabei zufrieden,
manchmal unzufrieden, manchmal glücklich,
manchmal traurig.

Wenn wir aber beginnen, nach dem Warum dieser


Zustände zu fragen, dann begeben wir uns auf den
sogenannten Pfad. Auf den Pfad, auf dem es alle
Antworten gibt. Auf den Pfad, von dem es kein
Zurück mehr gibt.
Darum Vorsicht bei dem Fragen nach dem Warum.
Sobald Sie die erste Frage gestellt haben, sobald sie
die erste Antwort bekommen haben, werden Sie nie
wieder in das Ach-so-süße-Unbewußtsein
zurückkehren können. Von nun an beginnt Ihr Weg
durch Schmerz und Leid, durch bewußt erlebten
Schmerz und Leid, der ins Licht der Erkenntnis führt.

Die Weltformel

Der Mensch, der sich auf diesen Weg begibt, begibt


sich auf den Weg zum Bewußtwerden. Folgerichtig
vom Unbewußtsein zum Bewußtsein.
An dieser Stelle will ich schon mal eine Formel
nennen, die mir erst vor einigen Monaten mitgeteilt
wurde. Die mir erst vor ein paar Monaten richtig klar
wurde. Doch ich denke, mit dieser Formel wird jeder,
der sich jetzt auf dem Pfad mit mir begibt, besser
und besser verstehen, worum es geht.

Shakespeare stellte die Frage: Sein oder Nichtsein,


das ist hier die Frage. In der Schule lernte ich, dass
sich Kommunismus und Kapitalismus, Idealisten und
Materialisten an der Frage trennen: Was war zuerst
da: Materie oder Geist?
Solange man die Fragen in der oben genannten Form
stellt, will eine Antwort nicht so recht einleuchten.
Das ist auch so ähnlich wie die Frage nach dem Huhn
und dem Ei. Die einen sagen, es war zuerst Materie
da, aus dem sich das Gehirn als der Sitz des
Bewußtseins gebildet hat. Sie erklären aber nicht,
wer den Plan gemacht hat zum Bau des Gehirns.
Die anderen sehen im Geist den Schöpfer allen
Seins. Sie erklären Materie als Zweitrangig, oftmals
als das Böse, das Sündbehaftete, das Nicht-
Göttliche, sogar. Aber kann es sein, dass Gott-
Bewußtsein außerhalb von etwas ist, was ist?
Die Formel, die ich hier nenne, ist auch nicht die
Antwort auf diese Frage, sondern Ergebnis eines
monatelangen Frage-Antwort-Spirale-Prozeß.

Formel: Das Unbewußt-Sein steht zum Sein im


proportional umgekehrten Verhältnis wie das
Bewußt-Sein zum Nicht-Sein.

Das, so meine ich, ist die Welt-Gott-Formel. Daran


läßt sich die Welt, daran lassen sich alle Fragen
klären.
Man kann es auch so sagen: Der Bewußtseinsgrad
eines Menschen ist an seinem Verhältnis zu
erkennen, wie sehr er an der Materie hängt, in der
Materie wirkt, in ihr etwas bewirken will. Je höher
sein Bewußtsein, desto weniger Materie, materielles
Bewirken benötigt er zur Selbstdefinition.
Die Formel reicht aber über den Menschen hinaus
und umfaßt das gesamte Universum. Sie bedeutet,
dass es überall Bewußtsein und Materie gibt. In
unterschiedlichen proportionalen Verhältnissen. Sie
bedeutet, dass Materie und Geist eine Einheit sind.
Eben die Gott-Bewußtseins-Einheit, auch Liebe oder
Harmonie genannt.
Man kann auch sagen, dass das eine die Energie ist
und das andere die Kraft. Je höher die
Bewußtseinsenergie, desto geringer die materielle
Verdichtung, desto größer ihre Kraftwirkung. So
erklären sich scheinbar tote Materie genauso wie
auch andere Seinsformen, die nicht sichtbar-
materielles Sein sind, dafür aber mehr Bewußt-Sein.
Und der Mensch liegt irgendwo dazwischen.
Um aber diese Formel und ihre Bedeutung zu
verstehen, mußte ich seit der Jahreswende 1998/99
noch einen weiten Weg gehen. Bis Dezember 1998
war ich ein vollkommen unbewußter Mensch, der sich
auf die Suche nach der Ursache seines Unglücks,
seines Leidens gemacht hatte. Ich war durch und
durch Materialist, ich hinterfragte alles und jedes.
Nur logische Antworten ließ ich durchgehen, alles
mußte sich mir logisch und wissenschaftlich
erschließen. Erst dann glaubte ich. Ich war
Journalist, mir konnte so schnell keiner ein X für ein
U vormachen.
Die ganze Angelegenheit von der Einatmung und
Ausatmung Gottes, von Ying und Yang, von Materie
und Bewußtsein, war für mich damals überhaupt
nicht schlüssig. Doch ließ ich es einfach in meinem
Wissensraum stehen, ohne daran zu glauben, aber
auch ohne es zu verwerfen. In dieser Zeit rauchte ich
sehr stark, trank viel Kaffee, viel Alkohol, aß mit
Vorliebe viel Fleisch und fast kein Gemüse. Ich trug
teure Klamotten, teuren Schmuck, teures Parfüm,
schminkte mich, färbte mir die Haare und rasierte
mir die Beine.
Das Weihnachtswunder
Zu Weihnachten 1998 sollte sich alles schlagartig in
meinem Leben ändern. Weihnachten weilten wir in
Baden-Baden, bei meiner Schwester, meiner Nichte
und ihrem Mann. Am ersten Feiertag war ich recht
früh auf den Beinen und las in einer esoterischen
Zeitschrift über Dämone, die über das Nikotin in den
Geist eines Menschen eindringen.
Da wurde mir schlagartig klar, dass Uriel so ein
Dämon war. Ja, es konnte nicht anders sein. Hatte
ich doch in den vergangenen Wochen, wo ich mit
Uriel im Disput war, sehr sehr viel geraucht. Ich war
voller Angst. Noch nie war ich in Angst wegen
irgendwelcher Dämonen gewesen. Aber mein
Schreiben war mir sowieso nicht ganz geheuer
vorgekommen. Das konnte nur ein Dämon sein, der
da durch mich schrieb. Was sollte ich tun? Im
Wohnzimmer von meiner Nichte ging ich auf die Knie
und flehte die anderen Erzengel, die ich nun schon
kannte, Michael, Raphael, Gabriel, an, mich von den
Dämonen zu befreien und mich vor allem vom
Rauchen und vom Nikotin zu befreien.
Seither habe ich keine Zigarette mehr angefaßt. Ich
hatte auch keine Entzugserscheinungen seither.
Das war aber noch nicht alles. Mit dem gleichen Tag,
ja fast Moment, hörte ich auf, Alkohol zu trinken. Ich
konnte mir das nicht so recht erklären. Zwar war ich
bis dahin schon so ziemlich überzeugt vom Heilenden
Denken und seiner erlösenden Wirkung. Aber anders
wiederum wollte es sich mir dann doch nicht ganz
deutlich erklären, wieso ich so einfach mit dem
Rauchen und Alkohol trinken aufhören konnte. Eine
richtige, d.h. rationale, logische Erklärung jedenfalls
konnte ich dafür nicht finden.
Irgendwie saß ich ganz schön in der Patsche. Auf der
einen Seite wollte ich mich selbst und das mit dem
Positiven und/oder Heilenden Denken logisch-rational
ergründen und erforschen. Auf der anderen Seite
kniete ich mich am hellen Tage in ein fremdes
Wohnzimmer hin um zu irgendwelchen Engeln zu
beten. Es geschahen da Dinge mit mir, in mir, oder
so, die nun wirklich in das Reich der Phantasie, der
Mythen und Märchen gehörten.
Engel, sowas gab es nicht. Dämonen gab es auch
nicht. Das versuchte ich mir nach diesem blamablen
Akt auf dem Teppich hinterher einzureden. Meine
Angst vor Dämonen war einfach ein Hirngespinst,
sonst nichts. Und dass ich nicht mehr rauchte und
Alkohol trank – na, das war toll, aber sonst nicht
weiter zu erklären. Basta.

Die Spur einer Ahnung

In der Zeit, wo ich in Baden-Baden war, schrieb ich


nicht weiter. Ende Dezember wieder Zuhause
angekommen, wollte ich mein Schreiben fortsetzen.
Aber nur mühsam perlten die Worte aus dem
Kugelschreiber. Von Eingebung keine Spur. Jetzt
hatte ich nichts mehr. Bis Weihnachten hatte ich
zwar auch nichts, aber wenigstens flossen zahlreiche
Worte, Ideen, Visionen durch mich auf das Papier.
Ich hatte so eine Ahnung von der Weisheit, von der
Welt, ihren Gesetzen, ihren Zusammenhängen. Es
war eine Spur einer Ahnung. Aber unheimlich
verlockend, auf dieser Spur weiterzugehen.

So will ich denn an dieser Stelle einmal darlegen,


was ich bis durch mich erfahren hatte.
Die Schichten des Wortes

Jedes Wort besteht aus drei Schichten. Man kann es


auch so sagen, dass ein Wort aus drei
Wesenseinheiten besteht. Wer sich über ein Wort
noch keine Gedanken gemacht hat, wird sagen: Ein
Wort ist ein Wort.
Ein Wort beschreibt etwas, je nach Wort. So
beschreibt ein Substantiv einen Subjekt oder eine
Situation. Es ist ein Dingwort und beschreibt somit
ein Ding. Ein Tätigkeitswort beschreibt eine Tätigkeit
und ein Eigenschaftswort eine Eigenschaft. OK.
Dem flüchtigen Betrachter mag das so erscheinen.
Doch wer sich mit dem Wort näher auseinandersetzt,
wird sein blaues Wunder erleben.
Mir erschien dieses Wunder folgendermaßen. Ich
erlebte das Wort in seinen drei Wesensheiten, die wie
zwei Hüllen um einen Kern liegen. Die äußere Hülle
ist die kolektive, oder auch archetypische Bedeutung
eines Wortes. Man könnte auch sagen, das sich die
kollektive Schicht in viele Schichten aufteilen ließe.
Je nachdem, wie man es ganz individuell möchte. Ich
will mich aber mit einer einzigen kollektiven Schicht
begnügen, indem ich die Kollektive Familie, Sippe,
Ahnen, Volk, Tradition einfach zusammenfasse.
Nehmen wir das Wort Schwein. Als Beispiel mag hier
nur der Unterschied zwischen den Kollektiven der
Moslems und der Christen gelten. Soviel wie ich
weiß, essen Moslems kein Schweinefleisch. Sie hegen
dagegen eine Abneigung. So hat bei den Moslems
das Wort Schwein seit Jahrhunderten als kollektive
Schicht etwas Negatives in Bezug auf das Essen
gesehen. Diese negative Abneigung in Bezug auf das
Essen von Schweinefleisch gibt es bei den Christen
nicht.
Unter dieser kollektiven Schicht gibt es die
individuelle Schicht. Jeder Mensch hat zu jedem
Ding, zu jeder Erscheinung eine ganz individuelle
Sicht, ein ganz individuelles Empfinden. Kein Mensch
auf der Welt denkt und fühlt genau das gleiche beim
Nennen eines Wortes.
Jeder Leser, der jetzt das Wort Schwein liest, wird in
seinem Geist sein ganz individuelles Erlebnis mit
dem Ding „Schwein“ in seiner Vorstellung erscheinen
lassen. Der eine hat ein Schwein im Zoo gesehe, der
andere in einem echten Bauernstall. Der nächste
kennt ein Schwein aus dem Fernsehen und ein
anderer hat sogar schon ein Schwein getötet.
Somit ist für niemanden auf der Welt das Wort
Schwein von gleicher Bedeutung. Auch wenn alle
Menschen meinen, das gleiche zu meinen, so meinen
sie sowohl kollektiv als auch ganz individuell gesehen
nie genau dasselbe.
Aus dieser Sicht betrachtet, hat das Wort Schwein
eine unendlich vielfältige Wesensbedeutung, wenn
man es von unendlich vielen Menschen aussprechen,
denken läßt.
Arbeitet man sich durch diese beiden Schichten
durch, gelangt man an den wahren göttlichen Kern
des Wortes, der für jeden Menschen gleich ist. Will
man diesen ergründen, muß man die beiden Hüllen,
die kollektive und dann die individuelle Wesenshülle
entfernen. Dann dringt man in den Kern, in das
Urwort ein. Und dann kommt man ganz unmittelbar
mit dem Logos in Kontakt. Mit Gottes Wort. Mit Gott
selbst, der sich in jeder Form, in jeder Information,
somit in jedem Wort offenbart.

Arbeit mit dem Wort

Wie man das macht?


Ich habe bei meinem Denken der vier Sätze, später
wurden daraus acht Sätze, festgestellt, dass ich zu
jedem Wort, dass ich dachte, einen negativen Bezug
herstellen kann.
Ich meine, ich bemerkte, dass ich zu jedem Ding-
oder Tätigkeits- oder Eigenschaftswort, zu jeder
Person oder Situation sowohl positive als auch
negative Gedanken dachte. Das fand ich zunächst
ganz interessant. So begann ich, mich in die
einzelnen Worte hineinzudenken. Da ich das Negative
aus meinem Leben entfernen wollte, mußte ich es
zunächst darauf konzentrieren. Genau wie beim
Reinigen einer Wohnung. Hierbei konzentriert man
sich auch nur auf die unordentlichen und
schmutzigen Stellen, um sie bewußt beseitigen zu
können.
Bei dem Aufschreiben war es ganz genauso. Dabei
konzentrierte ich mich ganz bewußt auf die negativen
Gedanken.
Ich schrieb einfach alle negativen Gedanken auf, die
mir zu den einzelnen von mir gewählten Worten duch
den Kopf schossen. Beim Aufschreiben der negativen
Gedanken, die aus mir herausflossen, bemerkte ich,
dass ich zu jedem ausgewählten Wort einen Bezug
habe. Dann fiel mir auf, dass es zu diesen Worten
sowohl allgemeine, kollektive negative Bezüge als
auch ganz individuelle negative Bezüge gibt. Die
sogenannten kollektive Bezüge waren negative
Wörter, Meinungen, die mich nicht so tief berührten.
Sie waren soetwas wie Dahergeplapper von
Meinungen, Ängsten, Ärgernissen, die ich im Laufe
des Lebens gelernt und ungeprüft als richtig
akzeptiert hatte.
Wie zum Beispiel: Das Schwein ist schmutzig. Ich
weiß, dass Schweine gar nicht so schmutzig sind, wie
allgemein behauptet. Wenn sie genügend Platz und
Auslauf haben, machen sie ihren Mist sehr wohl nur
in eine Ecke. Aus meinem persönlichen Erlebnis
heraus liebe ich Schweine, so, wie jedes Tier. Wen
ich ganz bewußt darüber nachdenke, fällt mir nichts
Negatives zum Tierwesen Schwein ein.
Eigenartigerweise aber, wenn ich die Worte so
einfach aus mir herausfließen lasse, dann ist, als
würde sich in mir eine Art Stau lösen. Alles, was ich
jemals – unbewußt – Negatives über ein Schwein
gehört, gedacht oder gesagt habe, kommt dann wie
ein Schwall aus mir heraus. Als hätte dieses ganze
Negative in mir nur darauf gewartet, endlich
herausgespült zu werden.
Nach ein paar Sätzen spielte dann das Schwein als
Wort oder Begriff fast keine Bedeutung mehr.
Vielmehr kommen dann Situationen zum Vorschein,
Erlebnisse, die ich irgenwann einmal mehr oder
weniger vielleicht mit Schwein oder Schweinerei
verglichen habe.
Im Laufe der drei Jahre, wo ich jetzt in dieser Form
meine Gedanken reinige, konnte ich feststellen:
Nichts, aber auch gar nichts, kein einziges Wort, kein
einziger Gedanke, kein einziges Gefühl, keine einzige
negative Situation im Leben eines Menschen geht
verloren. Alles wird im Unterbewußtsein gespeichert.
Und dort wartet es auf seine Erlösung. Auf seine
Befreiung aus dem dunklen Verlies des
Unterbewußtseins, um an das Licht des bewußten
Erkennens zu gelangen.
Letzlich kam ich bei diesem Entleeren all der
negativen Inhalte in mir an das, was ich beim Wort
den immerwährenden feststehenden Kern nenne.
Und dieser Kern erscheint dual. In diesem Kern hat
jedes Wort sowohl eine gute als auch eine schlechte
Seite. Eine positive als auch eine negative Seite.
Wobei sich beide Seiten bedingen. Die Bedeutung des
Wesenskerns eines Wortes erschließt man sich aber
nicht mit dem Intellekt, sondern mit seinem ganzen
Wesen. Man erfährt sich selbst als dual, als
zweigeteilt in diesem Wort. So jedefalls erschien es
mir. Ich kam in Kontakt mir des Wortes Kern und von
Wort zu Wort drang ich tiefer in die Erkenntnis
meines eigenen Seins ein.

Krieg und Frieden

Ich will versuchen, diesen Wesenskern eines Wortes


anhand eines vielbenutzten Begriffes darzustellen.
Nehmen wir das Wort Krieg. Ich persönlich,
individuell mag keine Krieg. Auch meine Familie,
mein Volk lehnen den Krieg ab. So kamen beim
Aufschreiben zunächst nur negative Worte und
Urteile in Bezug auf den Krieg aus mir heraus. So
etwa wie: Ich hasse den Krieg. Ich habe Angst vor
dem Krieg. Ich will einen Krieg nicht haben.
Doch als ich auf den Kern des Wortes Krieg stieß, da
war auch das Wort Frieden. Ich merkte, dass, als ich
den Krieg ablehnte, gleichzeitig den Frieden haben
wollte. Alles in mir bäumte sich gegen den Krieg, das
Morden und Töten auf. Tränen und Schmerz
schüttelten mich. Ich spürte in mir so einen
Schmerz, wie ich ihn bei vielen Gelegenheiten in
meinem Leben spürte, wenn es mir elend ging. Wenn
mir irgend jemand weh tat. Und dann schrie und
sehnte ich mich nach Frieden, Frieden in meinem
Herzen, in meinem Leben, Frieden in der Welt,
Frieden immer und überall. Weil ich so unendliche
Angst vor dem Schmerz hatte, vor dem Elend und
Leid des Krieges, den ich in mir in diesem Moment
des Schreibens spürte.
Bei der späteren Heildenden Übersetzung wurde mir
mehr und mehr klar, dass es das Wort Krieg nie ohne
das Wort Frieden gibt. Dass es den Seinszustand
Krieg nie ohne den Seinszustand Frieden gibt. Dass
es eine unabdingbare Gleichzeitigkeit ist, dass wir
das Schlechte ablehnen und das Gute haben wollen.
Dass wir uns immer in dieser Dualität befinden. Bei
allem, was wir denken und fühlen. Ich habe viele
hundert Worte, Situationen, Menschen nach diesem
negativ-positiv-Muster geprüft. Es ist immer so. Wir
sind in uns selbst geteilt.
Was dann auch für das Wort Frieden gilt, das es in
seinem Kern, in seinem Urzustand nie ohne den Krieg
gibt. Mit einem Male wurde mir klar, dass ich den
Krieg nicht ablehnen kann, ohne den Frieden
abzulehnen. Dass ich den Frieden nicht erflehen und
herbeisehnen kann, ohne den Krieg zu erzeugen.
Eines ist nicht möglich ohne das andere. Wir sehen
und erleben scheinbar einen Zustand, ein Wort, eine
Erscheinung immer in ihrer doppelten Funktion,
immer in ihrer Dualität.
Das hat mich fasziniert und oft sehr erschüttert.

Erschütterungen, tiefste Erschütterungen, erlebte ich


viele beim Schreiben. Von Wort zu Wort
unterschiedlich. Ich war ja auf der Suche nach der
Ursache des Leidens. Auch wenn ich die Antwort
darauf oben schon gegeben habe, so einfach erschloß
sie sich mir noch lange nicht in ihrer Logik. (Logik
bedeutet auch die Antwortsuche nach Ja oder Nein,
Richtig oder Falsch, Ying oder Yang). Noch war ich
vor allem ein unbewußter Mensch, der schrecklich
durch die äußeren Umstände litt. Zu meinem
Schmerz trug vor allem mein Mann bei.

Die Würze der Speise


Sehr sehr oft mußte ich meine Gedanken in Bezug
auf ihn in Heilung bringen. Den sehr sehr oft bekam
ich regelrechte Heul- und Schimpfanfälle, was ihn
anbelangte. Bis ins tiefste Mark peinigte er mich. Im
Jahr 1998 trug er fast die Hauptschuld an all meinem
Schmerz. Dachte und fühlte ich. Er lebte auf meine
Kosten, aber er trug mit nichts zum gemeinsamen
Leben bei. Er ließ in meinem Haus seine
Verwandtschaft und Bekanntschaft hochleben, aber
mich würdigte er keines Blickes. Er liebte mich nicht.
Bis zum Oktober schlief er noch ab und an mit mir.
Aber ich spürte, er tat es nur wiederwillig. Im
Oktober kündigte ich ihm die Versorgung, da zog er
aus dem Schlafzimmer aus. Im Dezember zum
Weihnachtsfest und Jahreswechsel fuhr er in sein
Land zu seiner Familie. Ich liebte ihn und litt
schrecklich daran, von ihm nur benutzt und
ausgenutzt zu werden.
Doch je öfter ich Entleerungen meiner negativen
Gedanken zu meinem Mann vornahm, desto bewußter
wurde ich mir meiner inneren Dualität zu ihm.
Dessen, dass ich von ihm immer nur haben wollte.
Ich wollte, dass er mich glücklich macht. Ich wollte,
dass er mich in jedem verdammten Moment meines
Lebens glücklich macht. Ich lehnte ihn ab, wenn er
mich nicht glücklich machte. Ich wollte nur, dass er
mich glücklich machte. Jetzt, hier, gleich und sofort.
Ich wollte nur die eine Seite von ihm. Die für mich
scheinbar Gute.
Und noch etwas stellte ich beim Aufschreiben fest.
Mit keiner Silbe, mir keiner Ader interessierte ich
mich in Wahrheit dafür, ob er glücklich war, oder was
genau ihn glücklich machte. Zwar schien es so, als
sorgte ich für ihn. Schließlich gab ich ihm zu essen
und zu trinken, ein Dach über dem Kopf. Ich machte
mich schön für ihn.
Aber ich wußte nicht, ob es das war, was er von mir
wollte. Eher schien es so, als ob ich ihn damit
unglücklicher machte, was ich für ihn tat. So wurden
wir beide mit der Zeit immer unglücklicher, weil wir
nicht wußten und nicht fragten und nicht gaben, was
der andere wirklich haben wollte. Denn wir wußten
doch selbst nicht, was wir wollten.
Bevor ich meinen Mann kennenlernte, war ich lange
Zeit allein. Ich war nicht so sehr auf der Suche nach
einem neuen Parter. Ich hatte von den Männern die
Nase voll. Keiner war mir bislang gut genug
gewesen. Und ich konnte mir auch nicht vorstellen,
wie der Mann sein könnte, der gut genug für mich
wäre. Also wünschte ich mir einen Mann aus dem
Universum. Es sollte sein wie das Salz der Erde. Er
sollte absolut gut für mich sein. Der, den ich
daraufhin bekommen habe, schien absolut das
Gegenteil davon zu sein. Absolut nicht gut für mich.
Sehr, sehr bitter war dieses Salz.

Immer die anderen

Ich war unbewußt. Und wenn man unbewußt ist,


dann emfindet man nur seinen eigenen Schmerz.
Dann sieht man nur sein eigenes Leid. Was natürlich
von Mensch zu Mensch ganz individuell ist. Aber
eines haben alle unbewußten Menschen schon
gemeinsam. Sie sind kollektiv der Ansicht, dass
immer andere, andere Menschen, äußere Umstände
schuld sind an ihren Zuständen, an ihrem Leid und
Kummer.
Nur wegen der anderen, wegen der unberechenbaren
äußeren Zustände müsse man sich Sorgen und
Gedanken machen, wie man irgendwie zurecht
kommt. Es ginge einem ja so gut, wenn es die
anderen, die äußeren Umstände nicht gäbe. Ja.
So dachte ich bis dahin auch. Und so dachte ich,
dass mein Mann Schuld hätte an meinem wilden
reißendem Schmerz. Immerhin nutzte er mich aus,
ohne mir etwas zu geben und ohne mich zu lieben.

Schlechte Gedanken

Ich hatte aber nicht nur negative Gedanken zu


meinem Mann. In dem Prozeß der Heilungen fand ich
sehr schnell heraus, dass ich zu allen Menschen in
meinem Leben negative Gedanken hatte.
Anfangs schämte ich mich sehr dafür. Ich war
fassungslos, wie schlecht ich in meinem Inneren war.
Egal, welchen Menschen ich mir mit dem Schreiben
vornahm, ich fand zu jedem Urteile und
Verurteilungen. Zum einen mehr, zum anderen
weniger. Damit nicht genug.
Ich fand auch zu jedem Wort, jedem Begriff,
negative, schlechte Gedanken, Urteile und
Verurteilungen. Oft waren diese Gedanken
schlimmster und brutalster Gestalt. Ich erlitt bei den
Entleerungen und Ausschüttungen der negativen
Gedanken oftmals regelrechte Heulanfälle vor tiefem,
peinigendem Schmerz, der gleichzeitig aus mir
herauszuquellen schien.
Tiefe Wut-, Haß- und Schmerzensanfälle, die mich
fast zerrissen und mich stark erschöpften. Dabei
hatte ich immer das Gefühl, dass mir im Leben von
diesem Menschen, in diesen Situationen das bitterste
Unrecht geschehen sei. Dass mir immer alle
Menschen auf der Welt nur weh tun wollten. Dass
alles auf der Welt nur deswegen ist, damit ich leide,
Kummer und Sorgen habe.
Jedesmal aber, wenn ich so meine gedanklichen
Entleerungen vornahm, drang ich tiefer und tiefer in
mein Unterbewußtsein vor. In mein Unbewußtsein. Es
war mir, als öffneten sich nach und nach Türen und
Gänge in alte, dunkle, schmutzige Räume und
Verliese. Oft, nein, fast immer, hatte ich dabei
schreckliche, schreckliche Angst. Angstkrämpfe
schüttelten mich auf meiner Reise in mein tiefstes
Inneres, dass so dunkel und schmutzig war.

Böses Kind - Artiges Kind

Was aber ist mein Inneres, mein Unbewußtes, mein


Unterbewußtsein?
In meiner Kindheit bin ich - wie die meisten Kinder -
erzogen worden. Ich hatte keine so ganz leichte
Kindheit, denn mein Vater war früh gestorben und
meine Mutter, eine Pädagogin, meinte, die Weisheit
der Kindererziehung erfunden zu haben. Nichts, was
ich tat, war ihr gut genug. Sie war streng und
herrisch. Oft fand sie gefallen daran, so schien es
mir, meinen kindlichen Willen zu brechen.
Alles natürlich nur, weil es zu meinem Besten war. So
lernte ich schon recht frühzeitig, dass es schlecht
war, etwas Schlechtes zu tun, etwas Schlechtes zu
sagen, etwas Schlechtes zu denken. Was gut und was
schlecht war, das bestimmte dann meine Mutter. Und
ich fühlte mich noch viele Jahre schlecht und
schuldig bei ihr.
Als Kind ist man noch nicht in der Lage zu
differenzieren. Für ein Kind gibt es noch kein Gut
und kein Böse. Das wird einem Kind erst über die
Umwelt und die Erziehung beigebracht. So lernt das
Kind Werte und Grenzen und Maßstäbe im Leben
kennen. So lernt es, Gutes von Schlechtem zu
unterscheiden.
Das ist ein sogenannten bewußter Vorgang, der aber
automatisch an einen unbewußten Vorgang gekoppelt
ist. Denn beim Lernen, was gut und schlecht ist, muß
das Kind einen Teil seines Selbst verdrängen. Ins
Unterbewußtsein verdrängen. Nämlich den Teil, der
so schlecht ist. Schlecht ist immer, was den
Maßstäben der anderen, der Erwachsenen, nicht
genügt. Ob die Maßstäbe der Erwachsenen wirklich
gut sind, kann ein Kind nicht einschätzen. Das Kind
will einzig und allein nur geliebt werden. Nichts
weiter.
So lernt es aber, dass der Teil, der keine
Anerkennung und Liebe erhält, offensichtlich der
schlechte sein muß. Und weil das Menschen-Kind
ganz und gar geliebt werden will, verdrängt es
einfach den nicht geliebten Teil des Selbst. Dieser
Teil, der den Maßstäben der Eltern und Lehrer nicht
genügt, der nicht schneller, höher, besser, weiter ist,
der kommt in das dunkle Verlies des
Unterbewußtseins.
Doch ganz und gar geliebt und anerkannt zu werden
ist der Grund seines Seins. Ist der tiefste Wunsch
des Wesens. Aller Wesen.
Kommt das Kind auf die Welt, will es ganz und gar
geliebt und angenommen sein/werden. Mit all seinem
Dasein, mit all seinen Regungen, Handlungen,
Worten und Taten. Mit seinem ganzen Ich. Es will
ganz und gar geliebt und angenommen werden, das
heißt auch, es will zu jedem Moment alles haben,
was es sich gerade wünscht.
Doch schon bald bemerkt das Kind, dass es das Alles
gar nicht gibt. Nicht sofort ist der Hunger gestillt,
wenn er aufkommt, nicht sofort kann es schlafen,
wenn es müde ist. Nicht sofort erhält es
Streicheleinheiten und die Nähe der Mutter, wenn
ihm danach ist.
Schon so erfährt es die erste diffuse Differenzierung
in gut und schlecht. Später „lernt“ es noch mehr
hinzu. Es lernt über die Mutter, den Vater, die
Umwelt, seine Taten, Worte und Gedanken in gute
und schlechte Taten, Worte und Gedanken zu
trennen. Es trennt sich somit von sich selbst in zwei
Teile. Eins ins Kröpfchen, eins ins Töpfchen.
Maßstab für Gut und Schlecht ist dabei sein
individueller Wunsch und Wille im Verhältnis zur
Reaktion seiner Umwelt. Nimmt sich ein kleines Kind
einen Keks vom Teller auf dem Tisch, so erntet es ein
Lächeln von der Großmutter, einen Schlag auf die
Hand von der Mutter. Der Ausspruch „Blöde Kuh“ ist
bei niemandem beliebt, deshalb merkt man sich
diesen Spruch unter der Abteilung „schlechte
Ausdrücke“.
So wird das Kind größer und größer. Es lernt zu
differenzieren und sich an die gesellschaftlichen
Normen und Anforderungen, an die Wünsche und
Maßstäbe der anderen da draußen scheinbar
anzupassen.
Und irgendwann vergißt das Wesen Mensch, dass es
eigentlich nur zur Hälfte existiert. Dass nur die eine
Hälfte lebt und agiert. Nur ab und an spürt es die
andere Hälfte. Wenn ihm unwohl ist. Wenn er
Kummer hat. Wenn er im Elend ist.
Nicht gut genug

Meine Mutter hat mich für fast nichts in meinem


Leben gelobt, für fast alles aber getadelt oder
zurechtgewiesen. So kam es, dass ich mich letztlich
in meinem ganzen Wesen für nicht gut genug hielt.
Denn die Eltern sind nun einmal prägender Maßstab
für ein heranwachsendes Wesen. Sie sind die Götter
der Kinder. Ihr Maßstab ist der einzig geltende und
wahre.
Doch so konnte ich es damals noch nicht definieren.
Allerdings lernte ich schon frühzeitig lügen, das heißt
ich lernte, mich den Umständen entsprechend
anzupassen oder zurechtzubiegen. Innerlich wie
äußerlich. Da ich ständig nach Anerkennung und
Liebe suchte, versuchte ich so zu sein, wie ich
dachte, dass man mich lieben könnte. Oft fand ich
nur Ablehnung und Verlassenwerden.
Später im Leben verließ ich meist die anderen. Denn
schließlich und endlich erschienen sie mir nicht gut
genug. Waren sie es, die mir weh taten und mich
nicht befriedigten. In diesem Zustand erlebte ich so
manche Menschen, die ich für ihr widerliches, böses
und verletzendes Verhalten mir gegenüber wahrhaft
haßte.
Und all diesen Menschen, all diesen Situationen, all
diesem Haß begegnete ich nun auf meinem Weg ins
Unbewußtsein, in mein innerstes Selbst. Dieses
innere Selbst stellt sich in diesem Weg des
Erkennens auch als Weg zurück über alle Stationen
dar, in denen man scheinbar Leid erfahren hat oder
Leid jemand anderem vermittelt hat.
Maßstab des Handelns und Seins

Als ich noch unbewußt war, glaubt ich, der Maßstab


meines Handelns wäre Ich. Ich allein, mein eigenes
Wohlsein, wäre der Maßstab dafür, dass ich etwas
tue.
Dass ich mich schminkte, zum Beispiel. Wenn mich
früher mal jemand gefragt hatte, warum ich mich
schminke, hatte ich ihm geantwortet, weil ich mich
so wohler fühle. Auch meine schönen Sachen habe
ich nur aus diesem Grunde gekauft. Allein für mich.
Auch den Schmuck trug ich nur für mich. Ich lernte
nur für mich. Ich war der festen Überzeugung, dass
ich das alles für mich mache.
Und nicht einen Satz habe ich weiter gedacht. Ich
habe nie darüber nachgedacht, was das bedeutet:
Für mich.
Denn wenn ich damals darüber nachgedacht hätte,
dann wäre mir damals schon klar geworden, was es
heißt: Für mich.
Der Maßstab meines Handelns „Für mich“ ist immer
ein fremder Maßstab. Immer ein Maßstab von jemand
„undefinierbar da draußen“.
Erst nachdem ich mich in der Heilenden Weise mit
meinem Make up auseinander gesetzt hatte, stellte
ich fest, dass ich mich schöner machte, weil ich
Angst hatte, nicht schön genug zu sein. Tiefe,
unendlich tiefe Angst, für diese Welt da draußen
nicht schön genug zu sein. Für diese Welt, von der
ich geliebt werden wollte, und von der ich nicht
wußte, wie ich sein mußte, damit sie mich liebt.
Ich hatte von Kindheit an gelernt, dass mein Ich, so
ganz und gar, wie es war, nicht geliebt wurde. Ich
wurde von allen Menschen immer nur zu einem
bestimmten Teil geliebt. Wobei es mir in meinem
Unbewußtsein ein Rätsel war, welches Teil von mir
gerade angenommen oder abgestoßen wurde.
Deshalb bastelte ich ein anderes Bild von mir, von
dem ich dachte, dass es ganz und gar geliebt werden
könnte. Ein Lügenbild mit Maske. Eines, was
vielleicht der allgemein geliebten Norm entsprechen
könnte.
Äußerlich wie innerlich.
Dabei hatte ich für jeden Menschen eine andere
Maske, ein anderes Bild, eine andere Norm. Ich hatte
für jede Tageszeit eine andere Maske. Mich selbst
kannte ich schon bald selbst nicht mehr. Immer,
wenn ich mich zum Beispiel morgens im Spiegel ohne
Makeup sah, erschauderte ich. Erst wenn Farbe
aufgelegt war auf alle sichtbaren Stellen, konnte ich
mich rein äußerlich wieder ertragen.
Genauso ist es mit der inneren Maske. Für jeden
Menschen, für jede Situation hatte ich eine andere.
Da ich gelernt hatte, dass mein Innerstes meist nicht
so erwünscht ist, wie es ist, legte ich auch hier eine
Maske darüber. Natürlich macht das jeder Mensch.
Das ist ganz normal. Und so leben die Menschen
nach einer Norm, von der sie glauben, dass es eine
allgemein anerkannte ist.
Aber die Norm ist der Durchschnitt von allem. Somit
ist die Norm immer das Gegenteil des Individuellen.
Wenn ich mich also wie ein normaler Mensch verhalte
und bewege, besteht die Chance zu 100 Prozent,
dass ich mich nicht individuell darstelle. Dass ich
somit ganz individuell nicht geliebt werde. Gar nicht
geliebt werden konnte. Weil ich mich so individuell,
wie ich bin und war, gar nicht zeigte und darstellte.
Ich schaute immer, was die anderen gut fanden und
machte es ihnen nach. Meine Frisur, meine Kleidung -
ich war immer in der neuesten Mode – meine
Meinung. Und weil ich erlebte, dass das alle in
meiner Umgebung so machten, fand ich es richtig.
Ich war oft so fest überzeugt, dass es richtig ist, was
ich machte, dass ich andere Menschen davon zu
überzeugen versuchte. So ermunterte ich Menschen,
die nicht geschminkt waren, sich anzumalen, damit
sie schöner würden. Und beruflich als Journalist war
ich oft sehr krass und rechthaberisch in meiner
Meinung, in meinem Urteilen und Verurteilen
anderer. Ich liebte diesen Job.

Unbewußt leben wir alle nach den Maßstäben der


anderen, der Norm. Alle wollen wir den anderen, der
Norm, gerecht werden, damit wir bekommen, was wir
haben wollen.
Das, was wir immer haben wollen, ist Anerkennung
bzw. Liebe. Doch müssen wir auf dieser Welt erst
noch lernen, was Liebe ist. Weil wir das nicht wissen,
deshalb geben wir uns auch mit Liebesersatz, mit
materiellen Gütern, mit Geld zufrieden. Aber
befriedigt werden wir davon nicht. Ähnlich wie das
Baby, dass statt der Mutterbrust den Daumen oder
Nuckel nehmen muß.
Das alles erfuhr ich, als ich mich in meine Tiefe
begab. Als ich auch begann, all mein bisheriges
Handeln zu hinterfragen. All meine Wünsche zu
hinterfragen. Jeden einzelnen Wunsch. Ich gebe zu,
das war auch eine Fleißarbeit. Denn ich wollte es
kaum glauben, ich hatte eine Menge Wünsche am
Anfang meines Heilungsprozesses.

Das innere Licht

Weil es mir damals am Anfang so elend ging, wollte


ich gute und lichtvolle Gedanken an andere
Menschen senden, bzw. geben. Damit wollte ich
erreichen, dass sich mein Leben zum Besseren, zum
Lichteren wandelte. Immerhin stand geschrieben:
Geben ist besser als nehmen. Ich hatte sonst keinen
Glauben mehr als den. Es sollte mir besser gehen,
hoffte ich. Mit dem positiven Denken hatte es ja
nicht so gut geklappt. Jedenfalls nicht auf die Dauer.
Das liegt daran, so erfuhr ich in mir, dass unser
Selbst aus Gut und Böse besteht. Bemüht man sich,
nur Gutes zu denken, wie beim reinen Positiven
Denken, ohne das Böse in den eigenen Gedanken zu
erkennen, dann verdrängt man das Böse in sich noch
viel mehr. Dann kommt es irgendwann geballt zum
Vorschein. Wenn man das Böse aber ansieht und mit
dem Guten verbindet, dann muß es eine
Verbesserung des Leides geben.
In mir drin und um mich herum. Als ich mit dem
Schreiben begann, ahnte ich noch nichts von der
ganzen Tragweite dieser Aussage. Doch wurde mir
diese Aussage immer detaillierter und dataillierter
klar gemacht im Laufe der Zeit.
Bei meinem Aufschreiben geschah manches. Nicht
nur, dass ich mit soetwas wie meinem höheren
Selbst, meinem Himmlischen Meister in geistigen
Kontakt kam. Auch wenn er wirklich und wahrhaftig
durch mich sprach, wollte ich das ganze doch noch
nicht so recht glauben. Immer wieder zweifelte ich
seine Existenz an. Dann war der Spuk auch eine
Weile verschwunden. Bis ich ihn wieder rief, mir eine
Antwort zu geben, was er dann auch wieder tat.
Ich bemerkte noch etwas. Je tiefer ich in mein
Unbewußtsein durch das Entleeren meiner negativen
Gedanken zu bestimmten Menschen, Situationen oder
Wörtern gelangte, desto mehr offenbarten sich mir
die Gesetze und Zusammenhänge dieser Welt. Es
wurde sozusagen Stück für Stück der Schleier des
Unbewußten mehr und mehr gelichtet. Ich erkannte
klarer und klarer, wie alles so zusammenhängt. Nach
jeder gedanklichen Entleerung, nach jeder Heilung
schien etwas mehr „Platz“ in meinem Kopf zu sein,
wo lichtvollere Gedanken, Weisheiten ihren Platz
einnahmen. Es läßt sich nur so beschreiben. Ich weiß
nicht, woher diese Gedanken kamen, sie waren aber
einfach da. Als wäre dieses Wissen schon immer in
mir gewesen, nur eben verdeckt von einer dunlken
Schicht.

Eins, Zwei, Drei

Da war zunächst dieses Eine, das sich in Zwei teilt,


um zu einem Dritten zu werden. Nach und nach
erfuhr ich von der komplexen Durchdringung dieser
Aussage in allen Lebens- und Wirkensbereichen der
Welt und des Lebens. Überall und alles, worauf ich
meine Aufmerksamkeit richte, besteht aus dieser
Dualität, die durch mich zur soganannten Trinität
wird. Ich bin es ja, der das Duale sieht und erkennt.
Ich kam hinein in die Erkenntnis vom Alles und vom
Nichts. Ich erfuhr in allem das Wirken Gottes in all
seinen Erscheinungsformen. Ich lernte, dass alle
Form Sprache ist, dass letztlich Gott in Form ist,
wenn er ist. Wenn er nicht ist, dann ist er/sie nicht
erkennbar und benennbar. Denn zum Erkennen
benötigt man immer mehr als eins. Das, was erkannt
wird und den, der erkennt. Und wenn er erkennt,
dann erkennt er immer das Duale. Das Gute und
Böse. Das Dunkle und Helle. Das Vorn und das
Hinten. Das Innen und das Außen. Wir sind scheinbar
immer zu dritt. Das Duale und ich. Ganz zuletzt aber
gibt es nur den nach Erkenntnis Suchenden und das
zu Erkennende.
Doch in der Ureinheit ist diese Zwei- und Dreiheit
eben nicht gegeben. Somit ist es nicht möglich, diese
Ureinheit zu erkennen und zu benennen. Denn dafür
kann es kein Wort geben, weil ein Wort eine
Information ist, also nur ein Teil des Ganzen.
Für das Erkennen aber gibt es zwei Wege. Der erste
Weg ist das Erkennen im Außen, in der materiellen
Welt. Der wird sozusagen vom Alten Testament der
Bibel dargestellt. Es ist der Weg in die Teilung, in die
Vermehrung. Der Weg, der von Geboten und
Gesetzen geprägt ist. Der Weg von der Dualität in die
Polarität, wo es einen Gott da draußen gibt. Wo es
Gold und Silber, Luxus und Lust, Weh und Leid und
den Teufel gibt.
Und es gibt den zweiten Weg. Den Weg des
Erkennens des Inneren, der inneren Welt. Es ist der
Weg, den das Neue Testament mit Jesus Christus
lehrt. Der Weg, der von der Liebe und dem Mitgefühl
gesprägt ist, auf dem man sich trennen muß von
aller Äußerlichkeit, weil man sonst nicht durch das
schmale Tor des Selbst kommt. Der Weg, wo man
unter Leiden und Schmerzen das eigene Ego ans
Kreuz nageln muß. Der Weg, wo der Gott in uns ist.

Lebendiges Wissen

Dieser Weg kann nicht gesehen oder angefaßt


werden. Er kann nur erlebt und begriffen werden.
Innerlich. Dieses Begreifen ist es, was erlebt werden
muß. Als ich es erlebte, war mir Angst und Bange.
Denn ich erlebte nicht nur, dass ich nicht gut genug
bin. Immer öfter erlebt ich, dass ich NICHTS bin. Das
ist einfach gesagt, aber einfach erlebt ist es nicht.
Sich das erste Mal als ein NICHTS zu zu erleben ist
wohl mit das Schrecklichste, was es gibt auf der
Welt. Ich erlebte mich auch als ALLES. Und auch
dieses Erlebnis ist am Anfang schrecklicher Natur.
Am Anfang kommen diese Erlebnisse und gehen
wieder.
So erlebte ich mich manchmal als Nichts und
manchmal als Alles. Alles oder Nichts. Ich sah,
fühlte, verlor mich in der unendlichen dunklen kalten
Weite des Nichts. Immer und immer wieder. Tauchte
dann wieder auf, um im Überschwang der Gefühle
berauscht zu sein von all dem neuen Wissen, dass
mich durchströmte. Dieser Vorgang dauerte in
Etappen bestimmt mehrere Monate. Und letztlich
abgeschlossen ist er bis heute noch nicht.
Noch immer fürchte ich, ein Nichts zu sein. Sind
diese Art von Anfälle auch nur noch sehr kurz, so
sind sie immer tief erschütternd. Das ist das Erleben
des Selbst, wenn es zu Bewußtsein kommt/wird.
Ich schildere hier auch deshalb alles so ausführlich,
weil ich glaube, dass das eine Hilfe für andere ist,
die sich auf dem Weg befinden. Mir jedenfalls wurde
immer wieder Hilfe in Form von Information zurteil,
wenn ich glaubte, schier zu verzeifeln. Ich habe die
Male nicht gezählt, an denen ich dachte, ich sein
verrückt. Dass ich dachte, dass ich den allergrößten
Blödsinn der Welt schreibe. Und schlimm waren auch
die Momente, wo ich dachte, dass es sinnlos ist, dass
alles aufzuschreiben, weil es doch schon jeder weiß.
Wissen muß, außer mir. Weil es doch so klar ist, dass
es so ist.

Lebenstrieb

Wie ist es denn nun, das Alles? Wie wirkt das Leben?
Was ist Leben?
So schön und fließend, wie das in meiner ersten
Computeraufzeichnung stand, kann ich das Leben
nicht mehr darstellen. Hier offenbarten sich mir die
Eigenschaften des Lebens in ihrem tieferen Sinn.
Inwischen weiß ich es aber auch anders
auszudrücken, und villeicht genügt das für das
Verständnis auch.

Leben ist Trieb. Die alten Griechen nannten es auch


Eros. Leben ist der Trieb, Ying mit Yang zu vereinen.
Das ist alles. So, wie die Trennung von Ying und
Yang über die Einatmung, das Zusammenziehen der
Gotteinsenergie erfolgt, so erfolgt die Vereinigung
über das Ausdehnen, das Ausatmen der
Gotteinsenergie. Sowohl im Vorgang von Zeit-Raum
als auch sofort und parallel.
Diese EinsGottesEnergie ist pures reines Bewußt-
Sein. In seiner getrennten Form ist dieses
Bewußtsein sowohl Energie als auch Kraft, sowohl
Geist als auch Materie, sowohl Erde, Wasser, Feuer,
Luft. Und was sich sonst noch aus diesen vier
Urelementen so alles heraus differenzieren läßt.
Die moderne Wissenschaft und Technik hat da schon
fast unendlich viele Differenzierungen vorgenommen,
so dass es sehr schwer ist, zum Ursprung
zurückzukommen. Denn je mehr wir unsere
Aufmerksamkeit auf etwas das draußen richten,
desto mehr erkennen wir, differenzieren wir, teilen
wir es in Ying und Yang. Und mit der Zeit gibt es in
unserem Wissen die vielen Variationen von Ying und
Yang, die einem kaum noch einen Überblick
gestatten. Was dann die Vielfalt des Lebens genannt
wird.
Man kann sich das gesamte Leben auch vorstellen
wie einen Baum. Aus dem Stamm erwächst Ast um
Ast, Zweig um Zweig, Zweiglein um Zweiglein.
Immer differenzierter, immer weiter entfernt vom
eigentlichen Stamm. Wie so eine riesige Baumkrone
kann man sich das heutige Wissen und Leben
vorstellen. Es gibt unendlich viele Wissens- und
Lebenszweige mit sovielen Differenzierungen und
Spezialisierungen, dass es keinem Menschen mehr
möglich ist, einen Überblick über das gesamte
Wissen, das gesamte Leben zu bekommen. Doch all
dieses Wissen ist geboren aus dem einen Stamm.
Der Stamm aber, der ist das Nichtwissen, aus dem
alles Wissen sich entfaltete, weil wir unsere
Ausmerksamkeit darauf richteten, und wir das Duale,
schließlich Ying und Yang erkannten. Darunter ist die
in der Bibel geschilderte sündhafte Frucht am Baum
der Erkenntnis gemeint. Die Gier in uns, die Neugier,
die Haben-Gier, das Ying, das Gefühl, das Weibliche -
Eva -, will erkennen. Dieses Erkennen ist die
Zweiteilung des Einen, ist die bewußtwerdende
Trennung des einen Ganzen in Zwei. Das Wissen,
dass der Mensch so erlangt, ist die Frucht dieses
Erkenntnisprozesses. Der paradiesische Apfel, in den
die Menschheit seither mit viel Genuß immer wieder
hineingebissen hat. Alles Wissen verschlungen und
vereinnahmt.
Wer sich übergessen hat, wird enthaltsam. Der
griechische Philosoh Sokrates sagte: Ich weiß, dass
ich nichts weiß. Er hatte es geschafft, zu dem
Ursprung allen Wissens zurückzukehren.
So ist der Stamm vom Baum der Erkenntnis auch der
Urgrund, aus dem sich das Sein und Nichtsein in
seinen verschiedenen Formen und Variationen
entfaltet.

Die verschiedenen Bäume

In den mir bekannten Religionen oder


Religionsformen spielt der Baum eine wichtige, wenn
nicht sogar zentrale Rolle. In der Bibel ist es der
Baum der Erkenntnis. An seinen Zweigen hängt die
Frucht der Erkenntnis, die Frucht des Erkennens,
dass alles auf der Welt in Zwei geteilt ist. In Gut und
Böse. In Sein und Nichtsein. Diese Erkenntnis von
der Dualität also ist die Ursünde, weswegen wir von
der Einheit getrennt sind. Weil wir immer nicht
erkennen können, dass alles in sich Eins und
Unteilbar ist. Weil der Mensch meint, er müsse mit
seinem Erkennen und Ur-teilen, das Ur, das Eine
teilen.
Als Adam und Eva die Frucht des Erkennes aßen, da
vereinnahmten sie diese Erkenntnis. Und seither
leiden sie daran. Die wahre Erkenntnis steckt ihnen
sozusagen im Magen fest. Immer, wenn uns der
Magen knurrt, wollen wir etwas haben. Nahrung
haben. Der innere Schmerz zwingt uns, etwas haben
zu wollen.
Den gleichen Baum des Lebens gibt es im nordischen
Götterglauben. Hier ist die Rede von der Ur-Esche
Yygdrasil, an die der Gott Odin gefesselt wurde. Er
mußte ein Auge geben, um zum Wissen um die
Bedeutung der Runen zu gelangen, die am Fuße des
Baumes lagen. Er gelangte also zu der Erkenntnis
von den Geheimnissen des Lebens durch die Sicht
des einen Auges, durch die eine Sicht, durch die
Einsicht, durch die Sicht nach Innen hinein.
Im indisch-asiatischen Raum gibt es den Mythos des
Feigenbaumes. Dieser wächst im Weltenall mit der
Krone nach unten ins Leben hinein, die Wurzeln ufern
in der Unendlichkeit, im Nichtsein. Somit im
Bewußtsein, nimmt man hier zum Erkennen die
Weltformel zuhilfe.
Unter diesem Feigenbaum saß auch Buddha, als ihm
die Erleuchtung kam über das Sein und das
Nichtsein, über das Leid und die vier Wahrheiten.
Und die vierte Wahrheit lautet, dass es einen Weg
aus diesem Leid heraus gibt. Aus dem Sein ins
Bewußtsein zurück. Zurück zu dem einen Ganzen,
der/die/das auch Gott genannt wird.

Geteiltes Schwein

Wie ist das mit der Erkenntnis, der paradisischen


Frucht, gemeint?
Nehmen wir mal wieder das Schwein. Das Schwein ist
als solches eine Einheit. Es ist die Einheit Schwein.
Vom Standpunkt der objektiv-rationalen Wissenschaft
kann man das Schwein in unendlich viele Einheiten
teilen. Das geht zum einen rein schlachthofmäßig,
indem man das Teil in seine geschlachteten
Einzelteile zerlegt. Zunächst in zwei
Schweinehälften, dann in Eisbein, Speck, Kotelett,
Nackensteak, Rippchen, Innereien usw.
Das geht auch chemisch, indem man das Schwein auf
seine chemische Zusammensetzung zu differenzieren
beginnt. Oder man erforscht es vom physikalischen
Standpunkt aus, wiegt es, wirft es, drückt und
schiebt es mit Kraft und Gegenkraft. Auch biologisch
ist das Schwein in seiner Differenzierung in Organe,
Muskeln, Zellen ganz interssant. Und erst vom
Standpunkt der Gen-Erforschung!
Doch letztlich bleibt ein Schwein ein Schwein, so
sehr man an ihm auch herumhackt, zerrt und
schneidet. Und das Schwein ist letztlich nur deshalb
ein Schwein, weil der Mensch es so erkennt und so
benennt. Würden wir nicht unsere Aufmerksamkeit
darauf richten, wäre es eine Einheit mit der
gesamten Natur. Denn niemand anderes als der
Mensch selbst hat „erkannt“, dass das Schwein
getrennt von der Natur zu betrachten sei.
Woher aber hat er sein Wissen? Das Wissen des
Menschen basiert auf den Erkenntnissen seiner
Vorfahren. Diese wiederum haben ihr Wissen von den
Erkenntnissen der Vorfahren. Immer auf der
Grundlage des alten Wissens entsteht neues Wissen.
Neues Wissen entsteht durch Differenzierung, durch
Erforschung, durch Trennung und Messung.
Die Menschn vor hunderten und tausenden Jahren
wußten nicht so viel wie wir heute. Denn sie hatten
keine solch entwickelte Wissenschaft, nicht solche
vielen und qualitativ guten Schulen und
Universitäten.
Man bedenke und erkenne, dass die heutigen
Wissenschaften Wissenszweige am Baum des
Erkennens sind, entstanden aus ständigem
Nachfragen und Differenzieren, Verzweigen des
Wissens, dass in sich eine Einheit darstellt.
So kann man erkennen, dass die Menschen, dass alle
Wesen immer und ungetrennt Besitzer alles Wissens
in ihrer Einheit sind, waren und sein werden.
Nur waren die Menschen früher eins mit dem Wissen
um das Ganze. Sie waren eins im inneren Erleben.
Nicht im Erkennen.
Die Veräußerung des Wissens in all die
Wissenszweige geschieht dadurch, dass wir täglich
neu den Apfel der Erkenntnis verspeisen. Dass wir
täglich getrieben sind, mehr und besser sein zu
wollen. Auf dem Weg der Erkenntnis aber ging einmal
die Philosophie voran. Die Mutter aller
Wissenschaften.
Philosophische Trennung

Somit ist auch die Philosphie eine Wissenschaft, die


trennt. Ein Schwein läßt sich auch unter dem
philosophischen Gesichtspunkt trennen und
erkennen. Beim philosophischen Erkennen gehen wir
immer sowohl abstrakt als auch dual voran. Dual
deshalb, weil die Philosophie hinterfragt, um Antwort
zu bekommen. Frage gleich Ying, Antwort gleich
Yang. Wir machen gedanklich aus dem Ganzen zwei
Teile. Die dualen Teile Ying und Yang. Zu allererst
trennen wir das Schwein mit unserem Erkennen aus
der Einheit der Natur. Das Schwein ist jetzt das Eine,
die es umgebene Umwelt das andere.

Wer zur Erkenntnis des Einen und des Dualen


kommen will, der muß sich mit dem dualen Pärchen
Ying und Yang früher oder später beschäftigen. Ohne
dieses duale Paar, dass stets getrennt gesehen wird,
dass aber immer eine Einheit ist und zu dieser
Einheit strebt, ist ein Erkennen und Harmonisieren
nicht möglich. Wer sich nicht bis auf die abstrakte
Eben der Dualität begibt, wird immer in der Vielfalt
der Welt hängen und letztlich darin verwirrt bleiben.
Nur dem Menschen mit seinem Bewußtseins- und
Erkenntnis-Vermögens ist es gegeben, diese
abstrakte Ebene mit seinem Geist zu erreichen.
Dieses Abstraktionsvermögen ist es denn auch, was
von den bisherigen Wissenschaftlern und Philosophen
so hoch geschätzt wurde und wird. Die Philosophie
als Mutter der Wissenschaften begann mit dieser
Abstraktion, um zum Ursprung des Seins, zur
Erkenntnis zu gelangen. Vor etwas über 2000 Jahren
wollten die ersten Philosophen die mystische und
nicht erklärbare Weltenordnung rational erkennen
und erklären. Sie wollte Gott finden, ihn sehen und
anfassen und mit ihm reden.
Dabei aber verselbstständigte sich der reine
Suchvorgang. Die Kinder der Philosophie, die Natur-,
Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, die sich
aus der Mutterwissenschaft herausdifferenziert
hatten, fanden Gefallen am Suchvorgang an sich. Die
Gier hatte neue Nahrung gefunden und wurde zur
Neugier. Die Neugier ließ die Menschen suchen und
suchen. Alles in der Welt krempelten sie um,
zerschnitten und zerkleinerten sie, differenzierten
und verzweigten sie, maßen und wichteten,
bewerteten und urteilten, schoben, zerrten,
schüttelten, brannten und löschten sie. Dabei
entdeckten die Menschen die herrliche und
wunderbare Vielfalt dieser Schöpfung. Aber Gott
fanden sie nicht. Irgendwann hatten sie auch
aufgehört, ihn zu suchen, den Ver-Ur-sacher allen
Seins. Sie hatten so viel entdeckt, und all das
Entdecken machte so viel Freude, dass sie bald
selbst glaubten, die Mensche, sie seinen diejenigen,
die das alles geschaffen hatten. Weil, sie hatten es ja
entdeckt. Und niemand schien da zu sein, der ihnen
diesen Glauben an ihre eigene Entdecker-
Schöpferkraft streitig machte.

Alle Wissenschaften eint aber das Eine, die Dualität.


Das mag paradox klingen, ist es aber nicht. Die
Mathematik basiert auf der Logik Ja-Nein, auch Plus-
Minus, Logarithmen, das duale Zahlensystem. Die
Physik arbeitet mit Kraft und Gegenkraft, mit
Impulsen An-Aus. Die Chemie beginnt beim Atom,
dass aus positivem Kern, Proton, und negativer
Hülle, Elektronen, besteht. Auch die Sprache läßt
sich letztlich auf dieses Muster bringen. Denken wir
dabei an das Morsealphabet, dass aus Punkten und
Strichen besteht.

Was ist bei diesem dualen Paar Ying, was ist Yang?
Wer sich dafür interessiert, findet eine Menge
Literatur. Soviel: Ying ist immer das duale Gegenteil
von Yang und umgekehrt. Dabei hat man sich in der
Welt auf bestimmte Merkmale für das philosophische
Ying und Yang festgelegt. Ying ist das, was man nicht
sehen und anfassen kann, das Diffuse, Weiblich,
Kalte, Dunkle, Gefühlsmäßige, Materielle. Yang ist
immer das Männliche, Äußere, was man sehen und
anfassen kann, das Lichtvolle, Helle, Warme, Große,
Schöne. Bei ein wenig gedanklicher und Vorstellungs-
Übung kommt man schnell zu den Eigenschaften von
Ying und Yang beim Betrachten der Welt.

So wollen wir zurückkehren zum Schwein.


Nachdem wir das Schwein aus der Natur
herausgetrennt und ihm eine Eigenständigkeit
verpaßt haben, läßt es sich selbst als Ganzes
abstrakt-philosophisch betrachtet trennen. Somit ist
das Schwein selbst Ying, die Natur um ihn herum ist
Yang, das äußere. Weiter nach diesem Trennmuster
ist das innere, Nichtsichtbare vom Schwein Ying, das
äußere Sichtbare Yang.
Das kann man mit allen Teilen des Schweines
machen. Es gibt bei jedem Teil ein Innen und ein
Außen, also immer eine Trennung des Ganzen in Ying
und Yang.
Da kann man noch so winzig kleine Teilchen nehmen.
Letztlich besteht auch das Atom aus posivem Proton
und negativen Elektronen. Es ist also in sich auch
getrennt. Ein weiteres duales Paar ist, wenn man das
Schwein als lebendig im Vergleich zu der toten
Materie betracht. Oder wenn man es als niederes
Wesen im Verhältnis zum höheren Wesen des
Menschen sieht. Man sieht immer das eine im
Verhältnis zum anderen. Eins geht nicht ohne das
andere zu sehen. Auch wenn man das andere bewußt
vielleicht gar nicht sieht.

Und so wie das Schwein, läßt sich jedes Lebewesen,


jedes Ding, jeder Erscheinung letztlich dual
betrachten und in sich selbst trennen. In Ying und
Yang. Es kommt nur auf das Verständnis davon an.
Somit ist Gott als eins in allem und gleichzeitig
getrennt in seiner Einheit, wenn man seine
Aufmerksamkeit darauf richtet. Wir aber sind
diejenigen, die unsere Aufmerksamkeit auf die Welt
richten und so ihre Dualität erkennen.
Dass wir aber diese Erkenntnismöglichkeit haben, ist
der Beweis dafür, dass dieser von der Philosphie
gesuchte Gott auch in uns ist. Denn er ist durch uns
der Betrachter und gleichzeitig außen um uns das zu
Betrachtende. Gott ist in seiner Ausdrucksweise
immer dual. Doch Gott selbst kann man nicht
erkennen. Niemand kann sich selbst in die Augen
schauen.
Deshalb haben die ganzen Wissenschaften bei all
ihrer jahrhundertelangen Suche Gott auch noch nicht
gefunden. Sie haben ihn da draußen in der Welt
scheinbar nicht gefunden. Denn all das, was sie
fanden, sah ihrer Meinung nicht aus wie Gott. Wie
aber sieht Gott aus? Wer wird ihn denn erkennen,
wenn er ihn endlich gefunden hat?

Das Rätsel und die Lösung

Es gab in den vergangenen Jahren des Schreibens


Zeiten, da habe ich täglich viele Fragen gestellt. Und
auf alle Fragen erhielt ich eine Antwort. Ich stellte
die nächste Frage und erhielt die nächste Antwort.
Und so fort und so fort. Eines Tages wurde ich
stutzig. Ich begann, über dieses Frage-Antwort-
Frage-Spiel nachzudenken. Fragen zu stellen, auf die
ich auch eine Antwort erhielt.
Ich betrachtete meine Fragen und Antworten und
stellte fest, dass sich zumeist meine zweite Frage
aus der Antwort der ersten Frage ergab. Ich prüfte
es nach und stellte fest, es war genau so. Aus jeder
Antwort ergab sich eine neue Frage. Es entschleierte
sich mir, dass in der Antwort die neue Frage
sozusagen im Keim schon vorhanden war. Ja, es war
und ist so. In jeder Antwort auf eine Frage steckt
immer eine neue Frage schon.
Die Logik ist von ihrer Gesetzmäßigkeit her aber
nicht nur in einer Richtung gültig. Wie ich nach
vielfachem Prüfen feststellen konnte, steckt auch
immer schon eine Antwort in jeder Frage. Wenn ich
die Frage stellte, war die Antwort schon parat.
Da ich ja in den Jahren meines Schreibens fast alle
Antworten durch mich selbst (oder durch Uriel,
meine höheres Selbst) erhielt, mußte ich
unweigerlich zu dem Schluß kommen, dass in mir
sowohl alle Fragen als auch alle Antworten stecken.
In mir oder das, was man „in mir“ nennen kann.
Was aber sagt der Volksmund zu der Erscheinung, wo
Frage und Antwort schon in einem vorhanden sind.
Es gibt ein Wort, in dem sind beide
Erscheinungsformen des Geistes schon
eingeschlossen. Es ist das Rätsel. Wer ein Rätsel
stellt, stellt eine Frage mit dem Hintergrund, dass es
darauf eine Antwort gibt. Dass er die Frage schon
weiß. Ein Rätsel beinhaltet immer zugleich Frage und
Antwort.
Führe ich diese Erkenntnis auf die duale Struktur der
Erkenntnistheorie zurück, so heißt das: die Frage ist
Ying, das Leere, was gefüllt werden will. Die Antwort
ist Yang, was die Leere auffüllt. Das Rätsel aber ist
die Eiheit, aus dem beides dual geboren wird, um
sich wieder zu vereinen.

Auf meiner Suche nach dem weiblichen Aspekt des


Lebens kam ich auch zu einer der wenigen weiblichen
Gestalten, die in der Bibel eine aktive Rolle spielen
dürfen. Es ist die Königin von Saba. Sie hat zwar nur
eine winzig kleine Rolle in dem großen Bibeldrama,
aber man sollte ihre Rolle nicht gering schätzen. Bei
diesem Wissen hat mir ein Buch weitergeholfen, das
auch den Titel „Die Königin von Saba“ trägt. Der
Autor des Buches legt ganz anschaulich dar, wie hoch
die Klugheit der Königin von Saba, die hier sonst
keinen weiteren Namen hat, zu bewerten ist.
Immerhin stellt sie dem weisesten Mann der ganzen
Bibelgeschichte, dem weisen König Salomon, Rätsel.
Sie ist also diejenige, die klüger sogar ist als
Salomon, denn sie weiß schon die Antwort auf die
Fragen, die sie ihm stellt. Sie ist somit – in der
bildlichen und abstrakten Übertragung – die
Inhaberin des Allwissens.
Die Frage kommt aus uns selbst. Die Formulierung
einer Frage ist gebunden an unsere Gier, an unsere
Neugier, an die Gier, nicht genug zu wissen. Die
Antwort aber muß mit bewußtem Geist gegeben
werden. Die Frage ist Nichtwissen, die Antwort ist
Wissen. Was ist ein Rätsel? Sind wir das Rätsel, dass
es zu raten gilt? Denn in uns ist die Frage. Wir sind
gierig nach etwas. Und gleichzeitig ist in uns die
Antwort. Wir sind der Geist, der die Erkenntnis
bringt.

Das Gesetz, das dem Rätsel innewohnt, läßt sich


auch auf andere Lebensbereiche anwenden. Zm
Beispiel auf unsere Probleme. Der Mensch hat immer
irgendwelche Probleme, mag er diese nun Aufgaben,
Ziele oder sonstwie nennen. Wir können also mit
dem Wissen über das Rätsel-Gesetz ganz locker an
die Probleme herangehen. Es muß so sein, dass in
jedem Problem schon die Lösung des Problems
vorhanden ist. Sobald wir das Problem als solches
benennen.
Leider gilt es auch umgekehrt. Haben wir ein
Problem gelöst, wartet schon das nächste auf uns. Es
scheint fast ratsam, alle Probleme nicht so schnell zu
lösen.
Das aber ist nun wieder das Problem der heutigen
Gesellschaft. Sie will immer schneller alles erreichen.
Dabei tun sich immer schneller neue Probleme auf.
Der Kollaps läßt grüßen.
Dieses Problem der Zeiterscheinung ist aber nicht
allein der rasend gierigen Menschheit geschuldet. Es
ist eine allgemeine in unserem Universum.
Die Physiker sprechen von einem sich ausdehnenden
Universum, ausgehend von einem sogenannten Big
Bang, dem Urknall, bei dem das gesamte Universum
auf einmal entstanden sein soll. In jüngster Zeit
beobachten die Wissenschaftler, dass sich das
Universum immer schneller ausdehnt. Dieses
scheinbare schnellere Ausdehnen kann nicht ohne
Auswirkung auf unsere Welt bleiben. Alles ist eins.
So erfahren auch wir in unserem Leben ein Rasen der
Zeit. Jetzt gilt es zu erkennen, dass wir als Menschen
in der Lage sind, durch unser Bewußtwerden all
dieser Phänomene in Bezug auf uns selbst, diese
Probleme zu lösen.

Indem wir sie als Schatten unseres Selbst erkennen


und heilen. Zunächst muß da jeder für sich beginnen.
Dann wird der Funke der Erkenntnis übergreifen auf
die Familie, die Freunde, das Volk, die Menschheit.
Es wäre für jeden einzelnen fatal, eine Lösung seiner
ureigensten Probleme von anderen zu erwarten.
Denn die Lösung liegt nicht „da draußen“. Sie liegt
immer in uns selbst. Das ist das Geheimnis des
Rätsels.

Grundsätzliches

Wichtig ist beim Erkennen der äußeren Welt der


Satz: Wenn man seine Aufmerksamkeit darauf
richtet. Das ist das Handycap aller Wissenschaft.
Jeder Wissenschaftler kann immer nur seine ganz
individuelle Aufmerksamkeit auf etwas richten. Es ist
so, dass sich nicht nur die die Philosophen, sondern
alle Wissenschaftler letztlich um die Erkenntnis der
Welt ziemlich streiten. Jeder sieht sie anders. Jeder
erkennt sie anders.
Dabei ist aller Streit sinnlos. Zwar ist die Welt
erkennbar, aber jeder kann sie nur ganz individuell
erkennen. Somit kann eine Sicht nie dieselbe sein
wie die andere. Stelle man sich nochmal den
Wissensbaum vor. An jedem der Zweiglein in der
riesigen Krone hängt ein Apfel. In jedem Apfel sitzt
eine Made. Und diese Maden versuchen nun, sich
gegenseitig den Baum zu erklären. Jede Made hat
eine ganz andere Sicht zum Baum, zur Umwelt. Und
jede Made fühlt auch ganz anders. So will jede aus
ihrer ganz persönlichen Sicht-und Fühlweise den
anderen Maden den Baum erklären, den Stand der
Sonne zu einer bestimmten Zeit, die Richtung des
Windes, den Fall des Regens, den Geschmack des
Apfels.
Keine der Maden hat genau die gleiche Sichtweise.
Jede erkennt und benennt den Apfelbaum anders.
Und wie die Maden den Baum, so sehen und erleben
die Menschen die Welt. Ganz individuell. Man kann
zwar nun viele Sichten zusammenfassen, um einen
Annäherung der Sichten zu erfahren. Das kann sich
dann Norm nennen. Aber die Norm ist immer das
Gegenteil von Individualität.
Die folgende Aussage soll deshalb als philosophische
Ergänzung dienen: Marx sagte in seinem
Kommunistischen Manifest: Die Philosophen haben
die Welt nur immer unterschiedlich interpretiert, es
kommt aber darauf an, sie zu verändern. Das stimmt
für den materiellen, äußeren Teil der Welt. Für den
gleichzeitg existierenden geistigen Teil der Welt gilt:
Will man seine eigene Welt verändern, muß man sich
und seine Sicht zur Welt verändern. Dazu muß man
seine Aufmerksamkeit auf sich selbst richten. Dann
kann man sich selbst erkennen und sich seiner Selbst
bewußt werden. Anders geht es nicht.
Beides ist dann wieder eine Einheit. Siehe
Weltformel.
Haben, um zu sein

Wie bewirken nun Ying und Yang das Leben. Ich will
hier weder auf chemische noch physikalische oder
biologische Vorgänge eingehen. Mit diesen
Wissenschaften ist außerdem bisher das Leben an
sich noch gar nicht erklärt worden. Doch
philosophiosch, eben mit den Begriffen Ying und
Yang, läßt sich das Leben zum Teil für sich selbst
ganz einfach erklären. Mir gelang das nach wenigen
Wochen Heilung schon sehr gut im Jahre 1998.
Nur konnte ich es damals zwar ganz gut verstehen,
aber auszudrücken verstand ich es noch nicht sehr
gut.

Wie ich schon mal sagte, ist die Trennung des Einen
sowohl vollzogen als auch nicht vollzogen. Beides in
einem. Beweisen läßt sich weder die Trennung von
Ying und Yang noch die Einheit. Alles, was der
Mensch mit seiner sogenannten Wissenschaft und
Technik, mit seinen Meßmethoden beweisen kann, ist
der Anschein von etwas, aber nie das Selbst.
Aber wagen wir uns philosophisch gesehen auf die
Ebene des scheinbar Getrennt-Seins. In Ying und
Yang getrennt seins.
Da werden mir die Wissenschaftler recht geben, dass
das Leben immer durch den Lebenstrieb am Leben
gehalten wird. Dieser Lebenstrieb aber ist der Drang
von Ying, sich mit Yang zu vereinen. In der
Mythologie wird der Lebenstrieb auch Eros genannt.
Eros, der Gott der Liebe, der die Vereinigung der
Geschlechter bewirkt. Ob sie wollen oder nicht. Denn
die Liebe ist die Kraft (Ying), die die Energie (Yang)
lenkt.
Ich will zum besseren Verständnis Ying einige andere
Namen geben. Zum Beispiel Leere. Ying ist die Leere,
die sich mit der Fülle vereinen will, um ein Ganzes zu
sein. Die Leere will Fülle haben. Die Leere will haben
um zu sein. Haben wollen um zu sein. Das ist der
gesamte Schöpfungsakt.
Ausdruck von Ying ist also das Haben-wollen. So will
eine Pflanze Wasser, Nährstoffe, Licht haben, um zu
wachsen und zu gedeihen. Sich zu entwickeln und
sich fortzupflanzen. Einem Tier geht es dabei nicht
viel anders und einem Menschen auch nicht. Auch ein
Mensch wird vom Lebenstrieb angetrieben. Und auch
sein Lebenstrieb ist Ying, ist Leere, ist Nicht-Haben,
ist Haben-Wollen.
Jede Handlung, jeder Atemzug, jedes Denken, Fühlen
ist beim Menschen darauf ausgerichtet, Haben zu
wollen. Ob wir das nun wollen oder nicht. Es ist so.
Es ist der ganz normale Lebenstrieb, der Urtrieb an
sich. Nur ist das den meisten Menschen überhaupt
nicht bewußt.

Das nackte Leben

Auf diese ganz einfache Lebens-Philosophie kam ich,


als ich mit Gott im Kampf lag. Wie ich schon
feststellte, tat es mir weh, wenn mir etwas
weggenommen wurde. Es tat mir weh, dass ich keine
Arbeit mehr hatte, dass mein Ansehen in der
Öffentlichkeit plötzlich nicht mehr da war, dass ich
immer mehr Geld verlor. Dass ich meinen Mann
verlor, dass ich keinen Sex mehr bekam, keine Liebe.
All das tat mir weh und ich machte Gott dafür
verantwortlich. Ich machte ihn dafür verantwortlich,
dass mir das alles weggenommen wurde. Schließlich
wollte ich ihm dann alles geben, was ich hatte, damit
er mir nicht mehr weh tun konnte. Bei diesem
ganzen Weggeben kam ich an die Grundfesten
meiner Existens, meines Lebens an.
Mein Leben selbst. Als ich schließlich alles Materielle
und auch Ideelle in meinem Leben ihm vor die Füße
geworfen hatte, stellt ich fest, dass da noch mein
nacktes Leben war, was er von mir fordern konnte,
um mir weh zu tun. Dieser Moment, in dem ich das
so nackt und bloß feststellte, war nicht lustig. Wenn
ich ihm nun mein Leben gab, nahm er es dann auch?
Und mußte ich dann sterben? Diese Angst, die ich
damals erlitt, wünsche ich keinem. Aber es sollte
erst der Anfang meiner Ängste sein. Als ich an
diesem Punkt meines Kampfes angelangt war, stellte
ich auf einmal etwas Erstaunliches fest.
Dieser Gott da, mit dem ich kämpfte, existierte zum
einen gar nicht. Zum anderen aber doch in meinen
Vorstellungen von ihm. Ich kämpfte mit jemandem,
der absolut keine Existenz hatte, der aber doch
irgendwie da zu sein schien. Ich gab diesem
nichtexistenten Gott die Macht, mir alles wegnehmen
zu können. Er hatte sogar die Macht, mir mein Leben
wegnehmen zu können. Aber war er es denn nicht,
der mir das Leben gegeben hatte? Wer war es, der
mir das Leben gegeben hatte? Wer war es, der mir
das Haus, meine Arbeit, mein Geld, meinen Mann
gegeben hatte?
Wenn es denn da einen gab, der mir alles nehmen
konnte, dann mußte es auch einen geben, der mir
alles geben konnte. Mußte es. Ganz logisch
betrachtet. Aber ich sah ihn nicht. Ihn konnte ich
nicht erkennen.
Teil III
Das Erkennen der Reaktion

Gott

An dieser Stelle, wo es um mein nacktes bloßes


Leben ging, um Sterben oder Leben, da begann ich
an Gott zu glauben. Ich denke mal, das war
irgendwann Anfang Herbst 1998. Vorher wußte ich
von so einer sogenannten Superintelligenz, die alles
durchdringt. Nun begann ich, diese Superintelligenz
Gott zu nennen.
Wobei ich allerdings keinerlei Vorstellung hatte, wer
oder was Gott ist. Es mußte aber irgendeine Art
Person sein. Denn nur eine Person empfindet Freude,
wenn sie andere quälen kann. Und nur eine Person
ist in der Lage, schöpferisch zu sein, um all das zu
schaffen, was ich in meinem Leben schon bekommen
hatte.
Soweit zu meiner ersten Gottbegegnung im Glauben.

Schmerz und Angst

Als ich nun so nackt und bloß mein Leben darbot, da


fühlte ich nur eines: kalte Angst. Eine einzige kalte
Angst um mein Leben. Und dann wurde mir nach und
nach klar, dass war Ying. Ying, die Leere, drückt sich
im Lebewesen in Form von Unwohlsein, von Schmerz
aus. Und dieser Schmerz hat bei den Menschen einen
Namen. Angst. Schauen wir uns diese Angst einmal
näher an. Abstrakt und philosophiosch, versteht sich.
Jedes Lebewesen wird durch diese innere Leere
angetrieben, Nahrung oder Wasser oder Licht zu sich
zu nehmen. Dieser Trieb erfolgt über den Schmerz.
Das Lebewesen empfindet Unwohlsein –Ying – und
strebt nach der Vereinigung mit Fülle – Yang. Nach
der Vereinigung erfährt das Lebewesen Wohlsein,
was auch die Entstehung der neuen
Bewußtseinsenergie bewirkt.
Das ist bei den Einzellern genauso wie bei den
Pflanzen, Tieren und Menschen. Auch bei den
Gesteinen. Hier aber nur viel langsamer. Jede
Handlung, jede Regung eines jeden Lebewesens
basiert auf dem Gefühl Unwohlsein, Streben nach
Fülle und Wohlsein. Die Vereinigung von Ying und
Yang. Und dieses Haben-Wollen-Gefühl ist geboren
aus der unbewußten Angst, nicht genug zu haben. So
zumindest kann es der Mensch erkennen und
benennen. Nur der Mensch kann seine Gefühle
benennen.

Geteiltes Selbst

Als mir das klar wurde, wurde mir eine weitere Sache
klar. Ich war in mir Selbst geteilt. Getrennt in zwei
Teile. Zunächst entdeckte ich zumindest erst mal
zwei Teile. Nämlich das Tier und den Weisen. Ich
kam damals zu der Erkenntnis, dass ein Mensch so
eine Art Zwischending zwischen Tier und Engel sein
muß.
Deutlich erkannt ich nun meine Trennung in gut und
schlecht, in klug und dumm, in primitiv, animalisch
und in weise, göttlich. Und ich erkannte das Ziel der
Entwicklung des Lebens. Das Leben entwickelt sich
vom Niederen zum Höheren. Es entwickelt sich vom
Unbewußten zum Bewußten. Es entwickelt sich von
von Unbewußtsein zu Bewußtsein. Und der Mensch
ist dazu sowas wie eine Schnittstelle.
Denn wenn sich diese Entwicklung bislang in der
Materie und im Lebewesen unbewußt und irgendwie
außerhalb, allein vom Trieb getrieben vollzog, so
begann nun mit dem Menschen die weitere
Entwicklung über das Bewußtsein auch innerhalb des
Lebewesens Mensch ganz bewußt.

Vertrauen haben und sein

Und wie erreicht er dieses Bewußtsein bewußt?


Indem er die Angst in Vertrauen verwandelt. Nicht
mehr und nicht weniger. Als ich meine Wünsche
erforschte, hinterfragte, da hatte ich festgestellt,
dass der Hintergrund jedes Wunsches letztlich die
Angst ist, nicht genug zu haben, nicht genug zu sein.
Diese Angst erscheint einem ganz real, sogar
begründet in der realen Welt.
Wenn sich aber die gesamte Welt über Ying und Yang
erklären und erkennen läßt, so dachte ich, dann muß
es auch hier eine Möglichkeit des Heilens geben. Die
Antwort war auch mal wieder ganz einfach. Das
Gegenteil von Angst ist Vertrauen. Vertrauen haben,
Vertrauen sein. Ganz bewußt. Und wenn ich in
meinen negativen Gedanken schrieb: „Ich habe
Angst, dass...“, dann lautete die Heilungsformel
einfach: „Ich habe Vertrauen, dass..“

Das Leben lebt

Das war so in etwa mein Wissens- und


Erkenntnisstand im Januar 1999. Ende Januar zog
mein Mann ganz und gar aus meinem Haus aus. Von
da ab sah ich ihn nur noch alle paar Wochen oder
Monate. Manchmal half er mir im Haus. Ich liebte ihn
immer noch und war stets und ständig voller
Schmerz. Finanziell ging es ebenfalls bergab. Meine
Ersparnisse waren aufgebraucht und das Arbeitsamt
forderte wegen eines Steuerklassenirrtums 5.000
Mark von mir zurück.
Im Sommer war es denn soweit, dass ich kein
erspartes Geld mehr und weit weniger Einnnahmen
hatte im Monat als Ausgaben. Meine Schwester
unterstützte mich damals. Es kam also noch die
Schmach des Annehmens, des Bettelns hinzu. Ich
wurde tief in die Knie gezwungen.

Im Januar 1999 wollte das Schreiben nicht mehr so


recht gelingen. Ich hatte nun keinen Erzengel Uriel
mehr. Er war ein Dämon, wie ich mir seit
Weihnachten dachte. Ihn konnte ich nicht mehr
rufen, wenn ich eine Frage hatte.
Ohne meinen Himmlischen Meister aber fühlte ich
mich bitterlich allein. Meine Hirngespinste, die ich
durch mein Schreiben so erlebte, verhinderten
irgendwelche Gespräche mit anderen Menschen.
Selbst meine Familie erklärte mich für verrückt.
Niemand konnte oder wollte nachvollziehen, was ich
da dachte und schrieb. Ich lebte wie in zwei Welten,
der irdischen und der göttlichen. Mein Bewußtsein
begann sich zu weiten. Aber ich wußte nicht mehr,
wo ich hingehörte. Ich schwankte hin und her. Ich
bewegte mich mit meinen Gedanken und Gefühlen in
der Spannbreite von Alles bis Nichts. Aber noch
vollkommen chaotisch und ungeordnet. Manchmal
erklärte ich mich selbst für verrückt, was mich dann
wieder in tiefe Depressionen stürzte.
Hinzu kam meine Existenzangst. Ich erlebte auch
noch im Jahre 1999 solche schrecklichen Ängste, wie
ich sie schon 1998 erlebt hatte. Vorstellbar sind
diese Ängste, Qualen und Schmerzen vielleicht, wenn
sich jemand mal die Mühe macht, und Dantes Gang
durch die sieben Höllen seiner „Göttlichen Komödie“
nachvollzieht. Ich habe in jeder der Höllen
geschmort. Und in der siebenten war mir
bitterbitterkalt.

Es ging immer tiefer und tiefer in das dunkle Nichts


hinein. In meine inneren Höllen, in der alle Spuke,
Dämonen, Geister Teufel und Höllenhunde auf mich
warteten. Doch es gab keine Weg zurück. Und
obwohl ich oft den Tod erflehte, konnte ich ihn mir
selbst nicht geben. Denn ich hatte zwei Kinder, die
mich brauchten.
Zu allem Übel war in diesem Jahr hinzugekommen,
dass der Vater der Kinder ab Januar die Zahlung der
Alimente einfach einstellte. Mit einem Schulterzucken
erklärte er mir, er habe kein Geld. Bis heute, Ende
2000, hat er nicht einen Pfennig mehr bezahlt. Ich
fühlte mich von aller Welt und von allen Engeln und
allen Göttern verlassen. Dass dieser Zustand und
dieser Mann auch ein Teil meines Lebens, meines
Selbst war/ist, konnte ich lange nicht nachvollziehen
und verstehen.

Auf diesen Trips in die innere Hölle erfuhr ich


haarklein, was Ying und Yang im Leben ist. Was es
bewirkt und wie man mit Hilfe des Heilenden
Denkens zu einem besseren Leben, zu einer höheren
Bewußtseinsstufe gelangt. Letztlich zur Einweihung
und Erleuchtung.
Neben den tiefen schmerzlichen Momenten, wo ich in
der Nähe des Nichts weilte, hatte ich auch Momente
der unvorstellbaren Seeligkeit. Hier fühlte ich mich
eingetaucht in eine allwissende Geborgenheit.
Manchmal kam ich so in den Kontakt mit der
Allwissenheit, die ich bald das geistige Internet
nannte. Hier zu surfen, auf alle Fragen eine absolut
klare reine Antwort zu bekommen, dieses Gefühl ist
mit Worten nicht zu beschreiben. Manchmal wünschte
ich mir allen Schmerz der Welt herbei, als Preis
dafür, um wieder in diesem herrlichen geistigen
Internet surfen zu können. Folgendes erkannte ich
nach und nach im Laufe des Jahres 1999/2000.

Die Entwicklung geht voran

Solange, wie das Lebewesen unbewußt ist, wird es


von Ying in seiner Entwicklung angetrieben. Vom
niederen zum höheren. Es ist eine lineare
Entwicklung, wie sie Charles Darwin zum Teil erkannt
und beschrieben hat.
Ist die Entwicklung soweit vorangeschritten, dass
sich die Organe und als höchstes Organ das Gehirn
gebildet haben, kommt es mal wieder zu einem
Entwicklungssprung. Zur Herausbildung des
Menschen. Solch ein Sprung war auch der Übergang
von der unbelebten zur belebten Materie. Und solch
ein Sprung in eine neue Qualität steht uns bevor.
Denn der Grad des Bewußtseins dieser Welt ist schon
recht weit vorangeschritten. Auch wenn man es bei
manchen Menschen und Puplikationsmedien nicht
sogleich erkennen kann.
In seinen Anfängen ist der Mensch zum größten Teil
unbewußt. Dabei lebt er zum einen wie ein Tier im
Einklang mit der Natur, zum anderen beginnt er
bewußt sich selbst und sein Wirken in der Umwelt zu
erkennen. Er verzweigt sein Wissen. Er wird
logischer. Er begibt sich auf die Suche nach dem
Ja/Nein.
Er lernt zu planen und zu kontrollieren. Doch sein
Handeln basiert weiterhin auf Trieb. Auf der
Funktionsweise des Lebens: Leere füllen. Ying mit
Yang vereinen.
Im unbewußten Zustand erfolgt die Vereinigung von
innerem Ying mit äußerem Yang. Das heißt, die
Pflanze, das Tier hat Hunger und frißt, hat Durst und
trinkt, will sich vermehren und macht Sex. Der Wille
der EinenGottesEnergie äußert sich im unbewußten
Lebewesen in Form des Triebes Eros.
Doch über die Aktion und Interaktion des
Lebewesens Tier in der Natur entwickeln sich seine
Organe, auch sein Denkapparat. Mit dem Erscheinen
des Menschen kommt die Fähigkeit hinzu, bewußt
innerhalb des Lebenwesens Bewußtsein zu
entwickelt, das heißt zu erkennen. Das ist auch das
letztendliche Ziel der Ausatmung. Dass alles wieder
eins wird. Ein Bewußtsein. Der Mensch steht also an
der Nahtstelle von der Entwicklung des Unbewußten
und Getriebenen in das Bewußte und Willentliche.
Inzwischen vollzieht sich ein enormer
Bewußtseinszuwachs.

Ich will

Wie nun handelt der Mensch? Er handelt aus keinem


anderen Wunsch heraus, als sein Ying mit Yang zu
vereinen. Das klingt sehr abstrakt. Machen wir es
einfacher. Der Mensch handelt ähnlich wie ein Tier. Er
unternimmt fast alle seine Handlungen allein aus
dem Trieb heraus, seinen Magen zu füllen, seine
ordinären Wünsche zu erfüllen. Zumindest sind die
meisten Menschen damit beschäftigt, etwas zu
unternehmen, um sich letztlich den Wanst zu füllen.
Um sich seine Wünsche zu erfüllen.
Das, so glaubt die Mehrheit der Menscheit, sei die
Krone der Schöpfung: Wunscherfüllung. Lust und
Spaß zu haben, darauf scheint sich heute die
sogenannte zivilisierte Welt eingeschworen, ist das
Nonplusultra. Sonst gar nichts. Doch natürlich sind
nicht alle Menschen so.
Viel suchen schon noch einen anderen Sinn im
Leben. Einem sogenannten Höheren. Einen, der zu
mehr Erkenntnis und Bewußtsein führt. Wird der
Mensch sich seines Wunsches bewußt, nennt er ihn
zuerst seinen Willen.
So beginnt der Mensch auf der Basis seines Willens
zu handeln. Das, was ihn treibt, das will er so. Er will
seinen Magen füllen. Er will ein Schiff bauen. Er will
ein Bild malen. Er will ein Ziel erreichen. Er will zur
Gotterkenntnis gelangen. Es scheint dem Menschen
so, als habe er einen freien Willen.
Denn offenbar kann er machen, was er will. Was
Gottes Wille ist, weiß der Mensch zunächst nicht.
Den Menschen drängte es im Laufe seiner
Jahrtausende währenden Entwicklung, immer mehr
zu wollen. Mehr Wissen haben zu wollen. Dabei
mußte er manche Hindernisse überwinden. Manche
Kriege führen, manche Schlachten schlagen. So kam
es, dass sich sein Wille verstärkte. Je mehr der
Mensch aber über sein Mehr-Haben-Wollen
differenziert und trennt, desto größer wird sein
Verlangen, etwas zu erreichen. Um mehr zu
erreichen, als der andere neben ihm, mußte er
immer besser sein als vorher. Immer stärker, immer
schöner, immer klüger.
So verstärkte der Mensch sein logisches Denken.
Immer mehr lernte er, mit Hilfe der Logik seine Welt
zu ergründen. Die Logik aber läßt ihn immer
hinterfragen in Ja oder Nein, in Richtig oder Falsch.
In diesem Prozeß der fortschreitenden Trennung des
Allwissens in Wissenszweige wird sein logisches
Denkvermögen größer und größer.
Vormals hat der Mensch das Wissen in sich gehabt.
Er wußte es, ohne es erkennen und benennen zu
können. Er lebte in Einklang mit allem Wissen. Sein
Wortschatz war genauso gering wie seine
mathematischen, physikalischen, planerischen und
sonstigen strategischen Fähigkeiten. Soetwas wir
eine linke rationale Gehirnhälfte gab es zu Beginn
der Menscheitsgeschichte nur ansatzweise.
Mit zunehmendem logischen Differenzierens und
Erkennens aber vergrößerte sich seine linke
Gehirnhälfte mehr und mehr. Neben dem Essen und
Trinken fand der Mensch im Laufe seiner Entwicklung
auch viel Spaß am rationalen Denken und Erkennen
der Welt da draußen. Man kann sich die
Menscheitsgeschichte vorstellen wie das
Heranwachsen eines Kindes. Das stopft zunächst
auch erst alles in den Mund – wie den Apfel der
Erkenntnis – um es besser erkennen zu können.
Schließlich lernte der Mensch dabei auch die Macht
seines erstarkenden Willens kennen. Und mit der
Macht seines Willens erklärte er die logische Seite
des Erkennens und Lebens als die einzig Wahre. Mit
diesem Beschluß seines eigenen Willens war die
äußere Trennung von Gott, von der Einheit vollzogen.
Das ist die pubertäre Phase. Das Kind löst sich von
seinen Eltern und geht eigene, selbstbewußte Wege.
In dieser Phase befindet sich die Menschheit etwa
jetzt. Sie hat einen eigenen Willen. Der Mensch hat
einen eigenen, individuellen Willen erkannt.
Er hat im Gegensatz zum Tier erkannt, dass er einen
eigenen Willen hat. Und darauf ist er sehr stolz. Dass
es aber genau dieser Wille ist, der ihm so viele
Schmerzen, der der Welt und den darin lebenden
Menschen soviele Schmerzen bereitet, dass ist ihm
nicht bewußt.
Denn dieser Wille ist es, der ihn von der Einheit
trennt. Von Gottes Willen.

Dienen und herrschen

Ich habe einmal Uriel gefragt, warum der Mensch


denn einen eigenen Willen bekommen hat, wenn es
doch dieser eigene Wille ist, der ihn und andere so
leiden läßt. Die Antwort, die ich erhielt, zeugte von
einer derart großen Weisheit, dass ich die Weite
dieser Antwort zunächst nicht mal erahnen konnte.
Uriel meinte, der Mensch erhalte deshalb einen
eigene Willen, weil er, sein von ihm geschaffenens
Bewußtsein, einmal zu Gott werden soll. Und der
Wille Gottes herrscht über und in allem. Also müsse
der Mensch lernen, einen Willen zu haben und ihn
beherrschen zu lernen.
Dass er als unbewußtes Wesen damit zunächst
einmal viele Dummheiten macht, wäre dabei ganz
normal. Deshalb wäre der Mensch ja auch auf die
Erde versetzt. Wie ein Kind in den Buddelkasten.
Hier könne er seinen Willen ausleben und die
Reaktionen erleben, die sein eigener Wille anrichtet.
Aus dem Schaden, den er für alle Wesen der Erde
und für sich selbst anrichtet, würde er dann zu der
Erkenntnis gelangen, dass sein Wille eins werden
müsse mit Gottes Wille, wenn er selbst Gott
werden/sein wolle.
Erst, wenn der Mensch seinen Willen Hundertprozent
Gottes Willen unterodnet, dann wird er über und in
allem herrschen können. Das heißt dann auch nichts
anderes, als dienen zu lernen, um herrschen zu
können. In seine absoluten Form.
Viele Wege

Dazu gibt es mit Sicherheit so manche Wege. Ich


habe einen gefunden. Er ist nicht der einfachste
Weg. Empfehlen kann ich ihn auch nicht so recht. Er
ist steinig, er ist dunkel, er ist kalt und grausam. Es
ist der Weg ins Innere Selbst. Es ist der Weg durch
das schmale Tor des Egos.
Es ist der Weg, der unweigerlich durch die eigene
Hölle führt. Und es ist der Weg, den jeder ganz allein
für sich selbst gehen muß. Da kann keiner
mitkommen. Doch wenn man da durch ist durch das
tiefe tiefe Tal, duch die Hölle des Selbst, dann
kommt man ans Licht der Wahrheit und Erkenntnis.
Dann ist man nicht mehr allein. Dann erkennt man,
dass Tausende auf diesem Weg sind und man hat
eine riesige Engelschar um sich herum, die einem
alle Hilfe anbietet.
Durch die Hölle aber gibt es doch einen Begleiter.
Wie bei Dante es der Virgil war, so ist es bei jedem
sein Höheres Selbst, sein Himmlischer Führer. Auf
ihn kann man vertrauen.

Danke Uriel

Irgenwann Ende Januar 1999 hatte ich mich durch


soviel Engelliteratur gewälzt, dass ich mich Uriel
wieder voll Vertrauen zuwandte. Er war doch nicht
der böse Dämon, der mich besetzt zu haben schien.
Er war mir auch nicht böse, dass ich ihn so lange von
mir gestoßen hatte. War ja schließlich mein eigener
Verlust. Als ich mich mit ihm ausgesöhnt hatte, ging
das Schreiben wieder besser von der Hand.
Nun wußte ich, was das Leid im Menschen
verursacht. Sein Ying, sein Haben/Sein-Wollen, weil
er Angst davor hat, nichts zu haben, nichts zu sein.
Solange, wie der Mensch sich antreiben läßt,
solange, wie er den Trieb und somit seinen eigenen
Wunsch und Willen zum Maßstab seines Handelns
sein läßt, solange wird der Mensch Unwohlsein,
Schmerz, Angst fühlen. Das wußte ich nun. Meine
nächste Suche war jetzt, nun aber ganz bewußt, wie
der Mensch sich heilen kann. Wie er sich von seiner
Angst, von seinem Ying heilen kann.

Einfache Heilung

Das ganze Jahr 1999 und auch den größten Teil des
Jahres 2000 verbrachte ich mit der Suche nach der
Antwort. Die logisch-rationale Antwort ergab sich mir
sofort. Als Wissen hatte ich die Antwort sofort.
Die Heilung erfolgt, wenn man nicht mehr haben will.
Wenn man nur noch geben will. Wie einfach das doch
klingt. Wie schwer es doch zu bewerkstelligen ist.
Dabei war bei mir der Anfang schon gemacht. Damit,
dass ich keinen Alkohol und keinen Nikotin mehr
haben wollte. Meine schlimmsten Süchte waren
einfach so verschwunden. Sozusagen als erstes
Geschenk der Engel auf meinem persönlichen Weg
der Heilung.
Nun ist es ja so, dass das Haben-wollen der
Lebenstrieb an sich ist. Diesen Trieb erfährt der
Mensch über das Unwohlsein, die Angst, nicht genug
zu haben, nicht genug zu sein. Letztlich in der Angst,
nichts zu haben, nichts zu sein. Es ist die Urangst
des Urbewußtseins, sich selbst nicht erkennen zu
können. Sie äußert sich in den menschlichen
Wünschen, die zunächst äußerst vielfältiger Natur
scheinen. Je nach individueller Eigenart spielt der
Mensch auf dem Klavier seiner differenzierten
Wünsche. Er weiß ja nicht, dass er dazu angetrieben
wird.
Unbewußte Menschen sind im Gegenteil noch stolz
auf ihre Wünsche. Ganz kluge unbewußte Menschen
nennen ihre Wünsche Ziele odere Pläne. Romantisch
veranlagte nennen sie Sehnsüchte, Träume und
Verlangen. Wieder andere nennen sie Tradition und
Verpflichtung, nennen es Ruhm, Ehre, Macht,
Bildung, Gerechtigkeit, Menschlichkeit. Doch alle
basieren auf dem gleichen Ding: Ying. Haben-wollen,
Sein-wollen. Wille. Ich will.

Irdisches Loslassen

So nach und nach wurden mir die Zusammenhänge


der Wirkungsweise von Ying und Yang, von Trieb und
Weisheit, von Unbewußtsein und Bewußtsein klarer
und klarer. Meine eigenen Wünsche, Triebe und
Ängste lehrten es mich. Und auch die
Heilungsschritte bekam ich gelehrt.
Will ich meine Ängste, die meine Schmerzen sind,
heilen, darf ich nicht mehr Haben- und Sein-Wollen.
Einfach gesagt. Aber wie ist der praktische Weg?
Nicht-haben-wollen beginnt mit dem Weniger-haben-
wollen, dachte ich mir. So begann ich mit dem
Loslassen. Dabei habe ich am Anfang ganz einfache,
kleine materielle Dinge losgelassen. Nachdem ich mit
dem Rauchen und Alkohol trinken aufgehört hatte,
begann ich mit zunehmender Heilung meiner
negativen Gedanken auch andere irdische Dinge
abzulegen. Ich wußte damals nicht, dass ich mich
damit auf den Weg ins Nichts machte.
Ganz einfach war das Loslassen nicht, aber mit der
Zeit wurde das Versagen und Verzichten zur
Gewohnheit. Im Laufe des Jahres 1999 legte ich
vieles ab: Ich hörte auf, Kaffee zu trinken und
wandte mich dem klaren Leitungswasser zu. Ich las
keine Zeitung mehr. Ich gab alle meine teuren
Fummel in die Kleiderkammer und begann, mich
ganz schlicht und einfach zu kleiden. Meinen
Schmuck hatte ich schon vorher abgelegt.
Ich benutzte dann kein Parfüm mehr, aß kein Fleisch,
hörte auf, mich zu schminken und die Haare zu
färben. Ich wurde zu einer grauen, häßlichen Maus.
Das war ein nicht ganz einfacher Prozeß.
Gleichzeitig entwickelte sich in mir eine Art
Verständnis vom Geben als göttliche Lebensart.
Ergänzend um der ganzen Wahrheit willen muß ich
dazu sagen, dass ich zwar alles bewußt und freiwillig
aufgab. Dass mir aber stets dabei geholfen wurde. Es
war schwer, den ersten Schritt zu tun. Aber wenn ich
ihn getan hatte, war es nicht mehr schwer, das
Materielle zu lassen.
Ich hatte dabei immer das Gefühl, dass mir dann
geholfen wird. Auch sollte man mit sich bei diesem
Versagen und Loslassen geduldig sein. Manchmal
wird man rückfällig, manchmal will es gar nicht
gelingen. Dann rufe man seinen Engel an, seinen
Himmlischen Meister, sein Höheres Selbst, irgend
jemanden aus Gottes Riege, zu dem man Vertrauen
hat. Dann klappt es mit Sicherheit früher oder
später.
Dieses Loslassen, dieser Weg ins Nichts, ist eben ein
Weg, den man geht. Selbst geht. Man kann das
Tempo auch selbst wählen. Will man auf diesem
persönlichen Weg der Heilung vorwärtskommen, gilt
es immer, etwas abzugeben, abzulegen, loszulassen.
Wer nicht weiß, was er gerade loslassen soll, der
braucht nur in sich hineinzufragen. Die Antwort
kommt promt.

Verlierer und Versager sein


Um es noch einmal so deutlich wie möglich zu sagen,
damit sich niemand Illusionen macht: Der Weg in die
Heilung von allen Schmerzen führt über den Verzicht.
Es gibt dafür in der Welt noch andere Ausdrücke, wie
versagen, verlieren. Auf diesem Weg werden wir also
Verzichter, Versager, Verlierer. In der ganz und gar
vollen Bedeutung, die diese Worte und Zustände in
der Welt haben. Versager und Verlierer zu sein ist
etwas, was die ganze Welt verachtet.
Was auch wir anerzogenerweise und
gewohnheitsgemäß verachten. Niemand will ein
Versager und Verlierer sein. Wir wollen alle immer
Sieger und Gewinner sein. So ist der Schmerz, sich
selbst als Versager und Verlierer zu erkennen, ein
ganz ungeheuerlicher. In dieser Zeit des Versagens
und Verlierens äußerer und innerer Werte verachten
und verabscheuen wir uns sehr. Habe ich mich sehr
verachtet und verabscheut. Und diese Zeit zieht sich
hin. Immer und immer wieder wurde ich geprüft, ob
ich bereit bin, ein vollkommener Versager und
Verlierer zu sein. Ich, die ich das Schöne dieser Welt
so liebe, die ich so gerne genieße, so gerne geachtet
und anerkannt und geliebt werden wollte mein
ganzes Leben lang, sollte nun freiwillig auf all das
verzichten. Zum Glück bin ich ein Dickkopf. In
meinen tiefsten Schmerzen über all den Verlust
äußerer Schönheit und Wohlergehens stieß ich immer
wieder wütend hervor: Ja, ich will. Und so verlor ich
mehr und mehr. Eigenartiger Weise aber, je mehr ich
verlor, desto mehr war ich bereit zu geben.

Bewußt geben lernen

Nehmen ist das Tier im Menschen. Egal, in welcher


Form das Nehmen stattfindet. Geben ist der Gott im
Menschen. Während das Nehmen vom Trieb diktiert
wird und sich oft unbewußt vollzieht, ist das Geben
ein ganz bewußter Vorgang, der allein vom Willen,
vom Geist beeinflußt ist. Obwohl ich der festen
Überzeugung war, noch immer nichts zu haben, was
ich geben könnte, begann sich in mir 1999 ein
Prozeß zu vollziehen. Ich lernte zum Beispiel, dass
Reden eine Form der Selbstdarstellung ist, die vom
Trieb erzeugt wird. Es treibt die Menschen zum
Reden, meist zum Reden von negativen Dingen. Bei
seinen Reden stellt der Mensch sich fast immer in
einem positiven Licht dar. Das kann aussehen, indem
er über seine negative Umwelt klagt, was ihn dann
auch positiv dastehen läßt, oder indem er darstellt,
was er alles weiß, was er alles kann, was er alles
gehört, gesehen, gegessen, gelernt, etc. hat.
Die Reden eines unbewußten Menschen handeln
immer vom Ich. Das tut der Mensch einzig und allein
aus dem unbewußten Grund, um Aufmerksamkeit zu
bekommen. Er will Aufmerksamkeit, Anerkennung,
Achtung, Respekt haben. Es gibt sehr viele Worte für
den Zustand Liebe, die er haben will. Von der er sich
ganz und gar entleert fühlt. Als ich das erkannte,
verzichtete ich nach und nach auch ganz bewußt
darauf zu reden. Mich im angetriebenen Redefluß
darzustellen.
Das Zuhören jedoch ist eine göttliche Form des
Gebens, die erst gelernt sein will. Man gibt dabei die
Aufmerksamkeit, die der andere sich so sehnlichst
wünscht. Zuzuhören und nicht zu reden ist nicht
einfach.
Ich bemühe mich seit 1999 ganz bewußt darum.
Dabei bemerkte ich, dass es die meisten Menschen in
ihrem Redebedürfnis überhaupt nicht interessiert,
was oder ob der andere auch etwas sagt. Anfangs
glitten auch meine Gedanken immer wieder weg vom
Zuhören und ich erlag dem inneren Drang, von mir
zu reden. Die meisten Menschen sind unendlich
dankbar, in vollen Zügen über sich selbst reden zu
können und dabei Aufmerksamkeit zu erhalten. Einen
anderen Zweck, als dass man Aufmerksamkeit erhält,
haben solche Reden nicht. Wenn man es ganz genau
nimmt, haben alle Reden auf der Welt keinen
anderen Zweck, als sein inneres Ying mit Liebe-
Anerkennung-Haben-wollen aufzufüllen – sich selbst
darzustellen. Auch dieses Schreiben hier hat nur
diesen Zweck.
Ich reduzierte meinen eigenen öffentlichen
Selbstdarstellungstrieb, lernte das Zuhören geben
und später auch das Anerkennen geben. Meine
Mitarbeiter hatten mir immer vorgeworfen, dass ich
sie nicht genügend lobte, anerkannte. Ich war
damals viel zu unbewußt meiner und des Lebens
selbst, als dass ich erkannt hätte, wie sehr
unbewußte Menschen nach Lob und Anerkennung
dürsten. Ich wollte ja selbst noch viel gelobt
werden.
Weiterhin lernte ich, Geld für Nichts zu geben.
Früher gab ich nur, wenn ich auch etwas dafür
bekam. Es wäre mir ungeheuerlich gewesen,
irgendjemandem zu geben, ohne nicht wenigstens
ein Dankeschön zu bekommen. Die meisten
Menschen denken so, denn wir lernen es, uns am
Maßstab Geld oder Wert zu definieren. Unser
Selbstwertgefühl genannt. Weil wir denken, wir
bekommen nur dann etwas, wenn wir oder unser
Sein und Handeln etwas Wert ist, deshalb geben wir
nur gegen einen Gegenwert.
Heute weiß ich, dass das ein Zeichen der unbewußten
Angst ist, nicht genug zu haben, zu bekommen, wenn
man für Nichts etwas gibt. Mit diesem
aufrechnerischen Bewußtsein hatte ich anfangs auch
nur meinen Zehnten gegeben. Gott gab mir ja das
Zehnfache zurück. Unter diesem Gesichtspunkt fiel
mir das Geben damals recht leicht. Bis die Rechnung
nicht mehr aufging. Will man den konsequenten Weg
der Heilung gehen, muß man lernen, für Nichts zu
geben.
Ich fing Ende 1999 mit ein paar Pfennigen an. Ich
legte Geld auf die Straße, ohne mich darum zu
kümmern, wer es fand und aufhob. Zunächst war das
ein komisches Gefühl. Als ich das erste Mal eine Mark
auf die Straße legte, war es wie eine Art Triumpf in
mir. Ich fühlte mich ungebunden und frei, für Nichts
zu geben. Mit der Zeit legte ich mehr und mehr Geld
hin. Am Anfang wurde ich scheinbar auch ermuntert
in meinem Tun. Es erschien mal wieder so, als
bekäme ich das Mehrfache gleich zurück. Später
wurde es nicht ganz so einfach. Je mehr man auf
seinem Weg in das Vertrauen hineinkommt, desto
mehr muß man Vertrauen haben.

Das zweite Weihnachtswunder

Mitte 1999 begann ich eine einjährige Weiterbildung


als Projektmanager. Finanziert vom Arbeitsamt. Ich
wußte noch immer nicht, was aus mir werden sollte.
Ich war Mitten im tiefen Tal, sowohl seelisch als auch
materiell.
Ich hatte mir ausgerechnet, wenn ich sparsam lebte,
dann würde mein Geld eventuell bis Oktober reichen.
Was dann werden sollte, wußte ich nicht. Wie gesagt,
meine Schwester, die selbständig in Baden-Baden
arbeitet, unterstützte mich zwar mit Geld, aber ewig
würde das auch nicht gehen.
Im November teilte sie mir mit, dass einer ihrer
Patienten mich sprechen wolle. Ein Baden-Badener
Millionär. Sie hatte ihm von mir erzählt und ihn
gebeten, sich in seinem Bekanntenkreis für einen Job
für mich umzusehen. Er bezahlte mir den Flug und
Mitte November sprach ich bei ihm vor. Er wollte
mich selbst engagieren als Projektmanager für seine
noch zu gegründete GmbH.
Ich wußte nicht, wie mir vor Glück geschah. Schon
zwei Wochen später sollte es die nächste Begegnung
geben in Baden-Baden, wozu ich erneut angeflogen
kam. Nach dieser Begegnung brach die Welt wieder
für mich zusammen.
Der Millionär war über achtzig Jahre alt und sehr
krank. Er war im Endstadium der parkinsonschen
Krankheit. Er konnte kaum noch reden, kaum hören,
kaum laufen, beim Essen fiel ihm alles aus dem
Mund. Und mit seiner GmbH hatte er folgendes vor:
Der noch einzustellende Geschäftsführer und ich als
Projektmanager sollten der deutschen
Fußballnationalmannschaft T-Shirts verkaufen mit
dem berühmten Kennedy-Ausspruch: Ich bin ein
Berliner. Nach der Nominierung Deutschlands als
Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft sollten
diese T-Shirts dann den Aufdruck tragen: Ich bin ein
Haushalter. Mit diesen T-Shirts sollten die Fußballer
die Weltmeisterschaft bestreiten. Es war schon ein
genialer Gedanke. Mit einer „Haushalter-Firma“
wollte mein Millionär an die Börse gehen. Die
Fußballer dienten als Namens- und Imagesverstärker.
So dachte es sich der Millionär. In seinem kranken
Hirn wußte er nichts mehr von Sponsoring, und dass
die T-Shirts der Fußballnationalelf schon
millionenschwere Werbeaufdrucke trugen. Er dachte,
die Fußballer werden uns dankbar sein, dass wir
ihnen T-Shirts mit solchen Aufdrucken verkaufen.
Ich hatte die Arbeit noch gar nicht begonnen, da
legte ich sie schon nieder.
Doch wenn der alte Millionär auch körperlich und
offensichtlich geistig sehr krank war, einen starken
Willen hatte er. Er überredete mich, wenigstens ein
Konzept für die Arbeit der GmbH zu schreiben. Dafür
zahlte er mir 2.000 Mark im Monat für je ein
Wochenende Arbeit bei ihm in Baden-Baden inklusive
Flug.
Da ich nichts zu verlieren hatte, tat ich es. So erhielt
ich im November, Dezember und Januar je 2.000
Mark zusätzlich. Damit konnte ich die Schulden bei
meiner Schwester zurückzahlen und auch
Weihnachtsgeschenke kaufen. Im Februar starb mein
Millionär. Ich hatte ihn sehr gern und war sehr
traurig über seinen Tod. Auch wegen des nun
ausbleibenden Geldes. Aber nicht nur. In der kurzen
Zeit unseres Kennenlernens spürten wir beide eine
sehr tiefe Verbundenheit. Ich brauchte ihn und er
brauchte auch mich.
Denn er, der sich nicht mehr bewegen konnte, sah
über mich noch einmal seine Möglichkeit, etwas in
der Welt zu bewirken. Noch einmal die Macht und
Anerkennung zu erleben, die ihm so lange versagt
worden war. Denn außer seinem Dienstpersonal
kümmerte sich niemand mehr um ihn.
Ich weiß nicht, ob diese Begegnung mit dem Millionär
etwas damit zu tun hatte, dass ich gerade begonnen
hatte, für nichts Geld zu geben. Man könnte es
annehmen, denn immerhin erhielt ich hier auf einmal
Geld für Nichts.

Weitere Reduzierung

Mitte des Jahres 2000 begann ich mit dem Fasten.


Inzwischen faste ich jeden Montag und Dienstag und
jeden Donnerstag. Dabei ging es mir nicht allein um
meine spirituelle Entwicklung, ich wollte auch
abnehmen. Noch immer ging und geht es mir auch
darum, mein Leben zu verbessern. Geistig und
materiell gesehen. Ich habe noch nicht genügend
Vertrauen, dass es mir schon gut genug geht.
Ebenfalls hörte ich auf, fernzusehen. Zumindest
entfernte ich den Fernseher aus meinem
Wohnzimmer. Ich benutze keine Seife und keine
Zahnpasta mehr. Ich esse gar keine tierischen
Erzeugnisse mehr. Ich gehe nicht mehr in
irgendwelche Vergnügungsrummel, egal welcher Art.
Sex hatte ich schon seit zweieinhalb Jahren nicht
mehr. Ich lebe fast vollkommen zurückgezogen.
Mit der Sexualität hat es seine eigene Bewandtnis.
Sie ist ein Urtrieb neben dem Hunger und dem
Verlangen nach Wärme. Der Wunsch nach sexueller
Vereinigung war schon immer sehr groß in mir. In
dieser Zeit des Nachdenkens dachte ich natürlich
auch darüber nach. Und entdeckte in meinem tiefen
Inneren so manche Leiche in Bezug auf die
Sexualität. Jeder Mensch will es. Jeder Mensch tut
es, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Doch fast alle
Menschen denken schlecht über und von der
Sexualität. Und das schon seit Jahrhunderten. Meine
Konzentration auf meine negativen Gedanken zur
Sexualtiät war mit grausamen Gefühlsausbrüchen
verbunden.
Ich habe selten so schlechte und schmutzige
Gedanken aus mir herausgeholt wie in Bezug auf das
Wort, den Begriff, die Bedeutung Sexualität. Dieses
Wort ist kollektiv und individuell mit soviel Schmutz
beladen, dass es hier sehr schwer fällt, an den Logos
zu kommen. Je mehr ich mich in dieser Beziehung
aber heilte, desto geringer wurde in mir mein
sexuelles Verlangen. Gerade in diesem Wort, in
meinem inneren Bezug zu diesem Wort und zu
diesem Trieb erkannte ich, was Heilung in mir
bewirkte.
Insgesamt reduzierte und reduziere ich meine
Bedürfnisse auf ein Minimum. Stück für Stück. Ich
spüre, je weniger materielle Bedürfnisse ich habe,
desto freier werde ich in meinen Entscheidungen, in
meinem ganzen Dasein. Desto weniger Wünsche und
Triebe habe ich in mir. Desto weniger haben diese
und damit die äußere Welt Macht über mich.
Solange, wie ich etwas haben will, können andere
mich beherrschen und manipulieren. Ich gebe ihnen
die Macht dazu. Ich allein bin es, die den anderen
Macht über mich gibt. Meine Ying-Ängste sind es, die
mich abhängig machen. Niemand sonst.
Bevor man aber diese Ängste heilen kann, muß man
sie erst erkennen. Erforscht sind die Urängste der
Menschen schon lange.

Die Maslowsche Pyramide

In der Betriebswirtschaftslehre bekommen die


Schüler und Studenten auch die Maslowsche
Bedürfnispyramide gelehrt. Der Psychologe Maslow
hat sich in den 40er und 50er Jahren intensiv mit
den Bedürfnissen, also Wünschen, der Menschen
auseinander gesetzt. Dabei fand er heraus, dass es
eine pyramidale Abstufung der Bedürfnisse der
Menschen gibt.
Das Grundbedürfnis, die Basis der
Bedürfnispyramide, ist das Bedürfnis nach Essen,
Trinken, Wärme. Hat der Mensch diese Bedürfnisse
einigermaßen abgedeckt, erklimmt er die nächste
Stufe der Pyramide. Er will Sicherheit im Leben. Hat
er das, benötigt er Kommunikation mit anderen
Menschen. Sofort steigt er dann weiter hinauf und
verlangt nach Anerkennung durch seine
Mitmenschen, durch seine Umwelt. Ist ihm auch
dieses Bedürfnis erfüllt, dann hat er die Spitze der
Pyramide gleich erreicht, die da lautet:
Selbstdarstellung.
Hier nun will er seine volle Individualität entfalten
und alle Blicke auf sich ziehen. Unbewußte Menschen
lieben nichts mehr als Siege und Sieger, die im
Scheinwerferlicht stehen.
Diese Bedürfnispyramide wird heute im Fachgebiet
Betriebswirtschaft gelehrt. Geht es doch den
Betriebswirtschaftlern einzig und allein darum,
herauszufinden, welches Haben-wollen der Menchen
sie in welcher Form am besten bedienen oder
erzeugen können, um Geld zu verdienen. Solange,
wie der Mensch das nicht erkennt, wird er weiterhin
an jeder Würstchenbude oder in jedem
Shoppingpalast seinem Trieb nach- und sein Geld
ausgeben. Er läßt die Macht der anderen über sich
selbst zu. Je unerlöster das Ying, je weniger der
Mensch sich seiner selbst bewußt ist, desto höher
steigt der Mensch auf der Bedürfnispyramide. Desto
mehr muß er arbeiten, um seinem Gier-Tier zu
dienen.
Angesichts der zahlreichen Talkshows und Big
Brother-Container, der Sport- und Wettbewerbsshows
im Fernsehen zeigt der enorme
Selbstdarstellungstrieb, dass das angestaute Ying die
Menschen ganz schön schon in der Seele drückt.

Wer den Weg zum Bewußtsein gehen will, kann sich


auch an diese Pyramide halten. Nur in umgekehrter
Reihenfolge. Erst legt er alles ab, was seiner
Selbstdarstellung dient, das sind pure
Äußerlichkeiten wie Make up, Schmuck, Kleidung,
aber auch solche individuellen Darstellungsformen
wie Kunst, Gesang, Lehren. Dann minimiert er sein
Verlangen nach Anerkennung, Lob, Respekt. Danach
überprüft er sein kommunikatives Verhalten und
reduziert hier sein Übermaß an Reden und Tratschen.
Bis hierher ist es schwer, aber nicht zu schwer. Die
Schwelle des Sicherheitsgefühls zu überwinden ist
wirklich hart. Denn das heißt, die Kontrolle über sein
Leben abzulegen. In allem. Dafür das Vertrauen
setzen. In diesem Stadium ist man dem Bewußtsein
schon sehr nahe. Zwischendurch lohnt sich eine
Reduktion der Kost. Je einfacher sie wird, desto mehr
erspürt man seine eigene Energie.
Es geht beim Bewußtwerden immer darum, vom
Komplizierten, Differenzierten, Pluralem, zum
Polarem, Dualem, Einfachem zu gelangen. Bei allem,
was man tut.
Letztlich ist das Ziel das Eins-Sein. Dieses äußert
sich in Bewußt-Sein mit dem Eins-Sein.

Kontrollierte Gedanken

Zum Reduzieren gehört auch das Minimieren der


Gedanken. Inzwischen habe ich meine Gedanken so
ziemlich unter Kontrolle. Es passiert mir zu kaum
einer Zeit mehr, dass ich meine Gedanken und meine
Rede nicht ganz bewußt nachvollziehen und
kontrollieren kann. Es ist dabei nicht die Kontrolle
gemeint, die die Manipulation des anderen bewirken
soll. Es ist die Kontrolle der Gedanken, die einem
nicht mehr wie früher wirr durch den Kopf schießen.
So etwas kommt jetzt fast nicht mehr vor. Nach wie
vor denke ich regelmäßig Geben-Sätze, gute Worte.
Doch das jetzt nicht mehr so sehr, weil ich besser
leben möchte. Ich habe gemerkt, dass ich damit
meinen Geist in Ruhe stellen kann. So erkenne ich
dann sofort, wenn ein negatives Gefühl negative
Gedanken erzeugen will.
Inzwischen habe ich auch schon gelernt, meinen
Geist über längere Zeit ganz und gar und ohne Worte
ruhig zu stellen. Anfangs war das genau so schwer
wie es am Anfang schwer war, die vier Sätze
hintereinander zu denken. Mit Sicherheit bin ich noch
lange nicht so gut wie ein Yogi, der es wohl über
Wochen, Monate, vielleicht Jahre schaffen soll,
seinen Geist ohne Bewegung zu halten. Aber ich lebe
ja auch nicht wie ein Yogi abgeschieden in der
Einsamkeit eines Himalaja-Berges, einer Höhle oder
eines Klosters. Ich muß nach wie vor im sogenannten
realen Leben meinen Lebensunterhalt und den
meiner Kinder besorgen. Zumindest ist das noch
meine Sicht zum Leben.

Kein irdisches Glück

Mein Ziel hat mittlerweile eine andere Definition.


1998, als ich mit dem Heilenden Denken begann, war
ich der festen Überzeugung, dass ich sehr bald schon
in Reichtum, Erfolg, Liebe und Glück schwelgen
werde mittels dieser Methode. Ich stellte mir einen
ähnlichen Effekt vor, wie er sich mir zu Beginn
meines Positiven Denkens Anfang der 90er Jahre
gezeigt zu haben schien.
Inzwischen ist mir klar, dass sich mit dem Heilenden
Denken kein irdischer Luxus, kein irdisches Glück
einstellt. Als ich das irgendwann Ende 1999
feststellen mußte, war ich sehr enttäuscht. Wie ein
Schleier fiel es mir wieder von meinem inneren Auge,
dass ich nun nie mehr irdisches Glück in seiner
ehemals erlebten Form erleben werde. Zunächst war
dieser Gedanke nur eine Art Gedankenblitz. Kam und
verschwand wieder, ehe ich es richtig begriffen hatte.
Nie wieder irdisches Glück? Das wollte ich dann doch
nicht glauben. Wozu all die Mühe? Wozu all die
Verzichte? Wozu sollte all mein Versagen und Geben
denn gut sein, wenn nicht dazu, Glück und
Wohlergehen zu erhalten? Immerhin war ich doch auf
der Reise, in die Heilung zu gelangen. War Heilung
nicht Wohlergehen?

Hans im Glück

Was war/ist denn nun Heilung? Was genau ist denn


das Ergebnis all des Heilenden Denkens, das ich so
viel und oft vorgenommen hatte? Sollte es am Ende
nur einen Berg Enttäuschung geben? Wie bei Hans im
Glück?
Das Märchen vom Hans im Glück habe ich nie
gemocht. Als Kind nicht und später auch nicht. Wie
konnten Menschen, die so blöd waren wie dieser
Hans und seine Mutter, mit dem Begriff Glück in
Verbindung gebracht werden? Sieben Jahre arbeiten,
alles verlieren, nichts haben und glücklich sein?
Das erschien mir nicht einleuchtend und ich wollte
auch wirklich nie richtig über den Sinn dieses
Märchens nachdenken. Ich habe es wohl auch nur
einmal in meinem Leben gelesen und dann nie mehr.
Und nun sollte ich selbst soetwas wie dieser Hans im
Glück werden? Glücklich ohne irdisches Glück?
Glücklich über Nichts? Dieser Gedanke, der sich so
nach und nach bei mir einzuschleichen begann,
schien mir zunächst gar nicht so freundlich.
Was aber ist Glück? Allgemein weiß ich es nicht zu
sagen. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto
weniger kann ich es sagen. Früher war Glück, einen
Wunsch erfüllt zu bekommen. Oder etwas Schönes zu
erleben. Etwas zu genießen. Dazu gehörten ein
goldener Ring, ein saftiges Steak, ein theaterbesuch,
Erfolg im Beruf, der Sieg über jemanden oder über
etwas genauso wie Sex mit einem geliebten
Menschen oder eine Tasse Kaffee und eine Zigarette
zum morgendlichen Frühstück oder sonstwelcher
Kurzweil.
All das machte mir einmal Freude. Gehörte zu
meinen glücklichen Momenten. In der Psychologie
wird das wohl auch Libido genannt. Glücksmomente.
Doch von den ehemaligen Glücksmomenten hatte ich
mittlerweile fast alle abgelegt. Vieles zählte nicht
mehr zu meinem Glück. Damit konnte man mir keine
Freude mehr machen. Immer, wenn ich irgendwohin
zu Besuch ging, waren die jeweiligen Gastgeber
enttäuscht, dass sie mir keine Freude mehr machen
konnten. Denn zur Freude des Besuches bieten die
Menschen Kaffee oder Alkohol, Schokolade oder
einen Schwatz über dies und das an. Ich gehe kaum
noch irgendwohin zu Besuch.
Heute weiß ich, wen ich irgendwohin gehe, dann
kann ich durch mein Zuhören dafür sorgen, dass die
anderen glücklich sind.

Wünsche erkennen

Wie genau nun merkt ein Mensch, dass in ihm Ying


ist? Dass er von Ying getrieben ist? Normalerweise
merkt das ein Mensch nicht in seinem unbewußten
Zustand. Er sieht das Leben in seiner ganzen
differenzierten Vielfalt und weiß nichts von Dualität,
von Ursache und Wirkung. Jedenfalls nicht immerzu.
Doch wenn er wirklich will, kann der Mensch sein
Ying in sich erfahren. Dafür hat er seinen
individuellen Willen in Wahrheit bekommen. Zunächst
muß er dazu, so wie ich es getan habe, seine
Wünsche aufschreiben. Also schreiben muß er schon
können, denn nur mit dem Aufschreiben seiner
Gedanken ist er hinterher in der Lage, sie bewußt
wieder zu erkennen.
Man kann Wünsche in materielle und ideelle
Kategorien teilen. Materielle Wünsche sind z.B.: ein
neues Auto, eine neuer Hut, ein tolles Abendbrot,
eine Reise.
Ideelle Wünsche sind: eine neue Arbeit, eine neue
Liebe, ein besseres Auskommen mit der Mutter, dem
Ehemann/frau, dem Kollegen, Chef, Nachbarn, mehr
Gesundheit, mehr Anerkennung, Ruhm und Ehre,
etwas Tolles zu entdecken, zu erfinden, zu bauen, zu
gestalten etc.
All das sind ganz normale Wünsche, Bedürfnisse, die
die Menschen auf der Welt haben.
Die unbewußte Menschheit emfindet es ebenso als
ganz normal, dass man auf dieser Welt ist, um all
seine Wünsche zu erfüllen. Denn nur mit dieser Art
entwickelte sich das Leben auf der Erde bisher.

Die Frage nach dem Warum

Nachdem nun jeder seine Wünsche aufgeschrieben


hat, muß er sich mit jedem einzelnen Wunsch ganz
intensiv auseinandersetzen.
In meinen Seminaren ist das immer ein Knackpunkt.
Denn jetzt kommt die Frage nach dem Warum.
Warum habe ich diesen Wunsch? Zum Beispiel,
warum habe ich den Wunsch nach einem neuen Auto?
Klar doch, weil das alte aus welchen Gründen auch
immer ganz real und objektiv nicht mehr gut genug
ist. Es ist alt, hat keine TÜV, ist kaputt, zerbeult, zu
Schrott gefahren. Jedenfalls ist es für meine
Bedürfnisse nicht mehr gut genug. Ja, genau.
Da wäre schon mal die erste Erkenntnis, dass ein Teil
der Umwelt nicht mehr gut genug ist. Diese
Antworten finden wir zunächst bei allen materiellen
Wünschen. Man könnte hier noch weiter in die Tiefe
gehen, aber es ist leichter, die Tiefe zu erfahren bei
der Hinterfragung der ideellen Wünsche.
Frage nach dem Warum. Warum wünsche ich mir
einen neuen Partner? Weil ich Sehnsucht nach Liebe
habe. Weil ich etwas haben will. Haben will! Warum
wünsche ich mir eine neue Arbeit? Weil ich mehr
Geld, mehr Herausforderung, mehr Spaß, bessere
Umgebung, bessere Mitarbeiter haben will. Weil ich
haben will. Weil ich nicht genug habe. Weil ich nicht
genug bin.

Ying erkennen

Soweit sogut. Wir wünschen uns etwas, weil wir es


haben wollen. Schon daran läßt sich das animalische
Ying erkennen. Der Trieb in uns, etwas haben zu
wollen. Das aber – so war es vorhin deutlich gemacht
worden, - hat nichts mit göttlicher Weisheit zu tun.
Warum will ich haben? Antwort: Weil ich nicht genug
habe. Warum will ich (berühmt, anerkannt, geliebt)
sein? Weil ich nicht (berühmt, anerkannt, geliebt)
genug bin. Nicht bin.
Hier ist ganz eindeutig das Ying zu erkennen. Sie
können das Spiel mit allen Ihren Wünschen
durchspielen. Sie können nach Auswegen und
Ausflüchten suchen, soviel Sie wollen. Beim
Nachfragen mit Warum kommen sie immer dort an:
Bei der Angst, nicht genug zu haben, nicht genug zu
sein. Nichts zu haben, nichts zu sein. Letztlich, ganz
tief drinnen die Angst, nicht zu sein.

Wurzelbürsten und Internet

Wenn Sie das Spiel eben mitgespielt haben, wird es


Ihnen bewußt geworden sein, was es mit allen Ihren
Wünschen, Sehnsüchten, Hoffnungen, Plänen und
Zielen so auf sich hat. Sie haben/sind nicht genug.
Nicht gut genug. Sind sich selbst nicht genug.
Deshalb wollen Sie mehr, besser, höher, schöner,
schneller, haben/sein. Das ist die einfache Formel,
auf der die Entwicklung der äußeren Welt begründet
ist.
Das ist das sogenannte Unbewußtsein, dass jedes
Lebewesen auf der Welt zwingt, zu leben und sich zu
entwickeln. Ganz klar vom Niederen zum Höheren.
Denn das Vorherige ist nicht gut genug, deshalb muß
das Nachfolgende besser werden/sein.
Was damit die Menschen auch schaffen und
erschaffen, ob Gummihandschuhe, Wurzelbürsten,
Teppiche, Flugzeuge, Computer oder das Internet. Es
ist immer aus dem unbewußten Trieb des Haben/Sein
wollen heraus geschaffen. Mit Intelligenz, mit
Kreativität. Das will ich gar nicht abstreiten. Der
Mensch ist ja zu einem Teil auch ein göttliches
Wesen. Und das Göttliche drückt sich in
Schöpferkraft, in Kreativität aus. Ganz recht. Durch
den Teil des schon geschaffenen Bewußtseins.

Als ich das erste Mal von dieser Triebhaftigkeit in mir


erfuhr, war ich nicht sehr begeistert. Allerdings
wurde es mir auch nicht sofort so klar, wie ich es
jetzt hier aufschreiben kann. Ich kam erst Schritt für
Schritt zu dieser bemerkenswerten Erkenntnis. Uriel
hatte wirklich viel Geduld mit mir.

Die Macht des Triebes

Wie aber kommt es, dass dieser Trieb, dieses Ying,


soviel Macht über das Leben hat. So unendlich viel
Macht, dass sich alles nach seiner Anweisung richtet?
Dass alles auf der Welt nach der Ying-Pfeife Trieb
tanzt?
Ganz einfach, ich habe es am Anfang auch schon mal
erwähnt. Ying ist äußerst perfide und äußert sich in
Form von Unwohlsein. Unwohlsein in der
verschiedensten Graduierung. Von einem leichten
Hauch bis zum bittersten Schmerz. Je nach Bedarf
und Programm. Der Mench meint, viele Gefühle zu
kennen. Er hat diesen vielen Gefühlen auch viele
Namen gegeben. Freude, Kummer, Angst, Trauen,
Wut, Haß, Ärger, Neid, Gier, Sehnsucht, Hoffnung,
Liebe. Eine ganze Baumkrone voller Gefühle. Doch
gehen wir jedem Gefühl auf den Grund, reduziert es
sich letztlich auf Wohlsein und Unwohlsein. Auf das
duale Paar Yang und Ying.
Nehmen wir als Beispiel den Ärger heraus. Ärgerlich
zu sein ist ein Gefühl, dass zunächst nicht gleich mit
Angst in Verbindung gebracht werden kann. So kann
man ärgerlich sein über die unvorsichtigen
Fußgänger, die einem dauernd vor dem Fahrrad
herumlaufen. Aber warum ist man über diese
unvorsichtigen Fußgänger ärgerlich? Weil man Angst
hat, dass man mit so einem Trottel zusammenstößt,
hinfällt und sich weh tut.
Man kann ärgerlich sein über die Politiker, die sich
schon wieder die Diäten erhöhen. Warum ärgert man
sich über vollkommen fremde Leute? Weil wir den
Politikern die Verantwortung für unser Leben
übergeben haben. Sie sollen für unser Wohlergehen
sorgen. Sie scheinen sich aber nur um ihr eigenes
Wohlergehen zu sorgen. Also haben wir Angst, dass
sie sich nicht genügend um unser Wohlergehen
sorgen.
Unser Unwohlsein ist immer Angst, die uns treibt.
Ying als Triebkraft des Lebens strebt zur Vereinigung
mit Yang. Ist das geschehen, dann scheint alles gut.
Dann herrscht Glückseligkeit. Wer diese
Verschmelzung nicht erlangt, emfindet Leid und
Schmerz. Weil wir das so polar noch nicht erkennen,
erscheint uns das im Leben nicht ganz so einfach.

Ying und Yang

Kommen wir deshalb noch einmal auf Ying und Yang


zurück. Diese beiden Begriffe sind absolut und
abstrakt zu sehen. Das kann der Mensch aber nur,
wenn er ein entwickeltes logisches Denkvermögen
hat. Um zu erkennen, dass er Nichts ist, muß der
Mensch erst Alles erkennen können. Zunächst ganz
logisch und rational.

Um diese beiden Pole besser zu verstehen, lohnt sich


ein Blick in die asiatischen Interpretationen. Das
Ying-Yang-Zeichen, das hier in Osten Zuhause ist,
gibt enormen Aufschluß. Wer sich in dieses Symbol
gedanklich vertieft, wird vieles gelehrt bekommen.
Allerdings habe ich mich erst vor kurzem mit diesem
Symbol beschäftigt.
Während mir die Worte Ying und Yang als
Ausdrucksformen Gottes schon im Frühjahr 1998 klar
gemacht wurden, wußte ich doch lange Zeit nichts
von ihrer überlieferten Bedeutung im asiatischen
Raum. Zum damaligen Verständnis der Antworten auf
meine vielen Fragen war das vielleicht auch gar nicht
nötig.
Bei der Kontemplation über Ying und Yang, beim
Nachdenken über diese beiden in sich selbst
vereinten Zeichen und Bedeutungen darf man auf
keine Fall eine starre Herangehensweise haben. Ying
ist demnach sowohl weiblich als auch kalt, als auch
dunkel, tief, unten, schwarz, materiell, links, innen,
unsichtbar, gefühlvoll. Yang ist demnach sowohl
männlich, stark, hoch, groß, glänzend, als auch
geistig, intellektuell, weiß, heiß.
Es kommt einfach immer auf die Betrachtungsweise
und den eigenen Grad der Erkenntnismöglichkeit an.
Auch deshalb ist es so schwer, zur Erkenntnis zu
gelangen, weil jeder Mensch einen eigenen Grad
dafür hat, und so recht keiner die Erkenntnis des
anderen einfach übernehmen kann. Das gilt nicht
zuletzt für meine Sicht der Dinge und der Entstehung
der Welt.
Ich habe eben die eigene nach meinen Mitteln und
Möglichkeiten. Und so, wie ich aus vielen
Erkenntnissen anderer Menschen meinen Teil
herausgenommen habe, um auf meinem Weg
weiterzugehen, so kann sich jeder Mensch aus dieser
von mir gemachten Erkenntnis seinen Teil
herausnehmen für seinen eigenen Entwicklungsweg.
Letztlich, so steht es geschrieben, so habe ich es
auch herausgefunden, ist die Einheit-Gott-Energie
gar nicht erkennbar. Wer also denkt, mit seiner
Erkenntnis Gott erkannt zu haben, der irrt. Gott ist
nicht erkennbar und nicht benennbar. Das als
Wiederholung. Aber was erkennbar und benennbar
ist, dass ist je nach individuellem Erkenntnisstand
sein Wirken in der Welt. Irgendwo muß man ja
anfangen, um bewußt zu Bewußtsein zu kommen. Um
bewußt Bewußt zu Sein.

Sehnen, hoffen, wünschen

Nun also wirkt dieses ominöse Ying in uns. Dieser


Lebenstrieb, der uns zum Leben und zum
Weiterentwickeln antreibt mittels seines
Unwohlseins-Gefühls, seines Schmerzes. Solange,
wie wir dessen unbewußt sind, fühlen wir also
schmerzvolle Leere, die wir auffüllen wollen, damit
es uns besser geht. Wohl ergeht.
Zunächst triebhaft mit irgendetwas von da draußen
auffüllen wollen. Ob das nun ein saftiges Steak ist,
ein schönes Kleid, ein neues Auto, eine bessere
Arbeitsstelle, mehr Macht oder Ruhm oder
Gesundheit. Wir wollen haben und auffüllen. Ich
habe schon weiter oben die Objekte der Begierde,
egal ob materieller oder ideeller Natur, einfach
äußeres Yang genannt.
Zu seiner Unterscheidung mit dem inneren Yang
komme ich gleich.
So besteht das ganze Leben eines unbewußten
Menschen aus Sehnen, Hoffen, Wünschen, aus
Auffüllen und Auffüllen oder nicht Auffüllen können,
weil ihn irgendwas daran hindert, seine Wünsche zu
erfüllen. Diese
Wunscherfüllungsverhinderungsmomente sind die
traurigen im Leben. Während, wenn man sich einen
Wunsch erfüllt hat, es scheinbar in diesem Moment
sehr schön ist. Das muß ich wohl nicht näher
erläutern. Darin kennt sich jeder Mensch bestens
aus.
Ein Bild soll zu besserem Verständnis der
Funktionsweise verhelfen. Als Kind hatte ich ein
Blechspielzeug, dass ich mit einem Schlüssel
aufziehen mußte. Dann tanzte das Spielzeug im Kreis
herum. Da ich neugierig war, bastelte ich das
Spielzeug auseinander. Ich wollte wissen, was es
zum Tanzen brachte. Ich war fasziniert, als ich ein
ganz einfaches Metallband vorfand, dass zu einer
Spirale gedreht war. Mit dem Schlüssel wickelte man
dieses Metallband fest zusammen, man spannte die
Feder. Bei seiner Ausdehnung bewegte das Band
kleine Rollen, die das Spielzeug in den Tanz
versetzten. Hatte das Band seine maximale
Ausdehnung, seine Entspannung erreicht, hörte der
Tanz auf. Meine Freude an dieser Art von Spielzeug
war immer nur sehr kurz. Das lag in der Natur der
Sache begründet. Weil ich die Feder sehr oft aufzog,
ging sie bald kaputt. Sie leierte aus oder sprang aus
ihrem Rahmen.
Unser Ying funktioniert ähnlich wie dieses
Blechspielzeug. Bestimmte Prozesse, auf die ich noch
zu sprechen komme, ziehen in uns etwas zusammen,
spannen etwas an, was wir als Anspannung, als
Schmerz, als Druck, als Leere empfinden. Dieser
Druck treibt uns zum Tanzen, bzw Handeln an. Das
Ziel ist, die Leere zu füllen, den Wunsch zu erfüllen.
Haben wir das Ziel erreicht, fühlen wir momentane
Entspannung. Bis es zu neuer Anspannung kommt.
Und wenn wir diesen Tanz sehr oft tanzen, leiert
irgendwann die Feder aus, geht sie kaputt. Wir und
unsere Welt erscheinen kaputt, eben unheil.

Aus dem Schmerz lernen

Bei mir war es nun so, dass sich Anfang der 90er
Jahre, als ich auf einem Positiv-Denken-Trip war,
scheinbar alle äußeren Wünsche erfüllten. Es war
ein sehr schönes Leben. Bis etwas dazwischen kam.
Bis vieles dazwischen kam, zwischen meine Wünsche
und ihrer Erfüllung. Bis sich überhaupt kein Wunsch
mehr zu erfüllen schien, und im Gegenteil mir alles,
was ich besaß, weggenommen wurde.
Zu welchem Ziel und Zweck? „Warum“, fragte ich und
erhielt Antwort. Damit ich das alles lerne und
erkenne. Aus diesem einzigen Grunde erlitt ich all
diesen Schmerz. Denn ohne diesen erlittenen
Schmerz hätte ich gar nicht gewußt, was Schmerz
ist, was Wunsch ist, was Wunscherfüllung bedeutet.
Oft und oft habe ich mit Uriel über den Schmerz
gestritten. Ich wollte den Schmerz nicht haben. Ich
fand es gemein, dass es Schmerzen gibt. Ich fand es
ungerecht, dass die Lebewesen leiden müssen. Ich
wünschte von ganzen Herzen, es gäbe für
niemandem auf der Welt einen Schmerz.
Doch da sagte mir Uriel immer wieder, dann gäbe es
kein Leben. Dann gäbe es keine Entwicklung. Ohne
dieses Unwohlsein in Form von Schmerz und Leid
würde es Glück und Freude, würde es die Erkenntnis
von der Schönheit der irdischen Welt nicht geben.
Einmal sagte Uriel sogar, ich solle den Schmerz in
mir als Geschenk Gottes betrachten. Ohne diesen
erlebten Schmerz würde ich nie zur Gotterkenntnis
gelangen.

Irgenwann kam da in mir dabei der Gedanke auf,


dass alles seinen Sinn hat. Auch der Schmerz. Auch
das Leid. Das gesamte Leid auf der Welt hat seinen
Sinn. Seinen Sinn darin, dass wir erkennen.
Ich verstand zwar den Sinn nicht, aber doch erschien
mir das Leben irgendwie logisch.
Es gab eindeutig die Entwicklung vom Niederen zum
Höheren. Es gab eindeutig das Ying, das das Leben
zwang, sich zu entwickeln. Und die Grundmatrix war
auch schon da, wohin sich das Leben entwickeln
sollte. Zu neuem Bewußtsein nämlich. Irre.
Aus dem Urgrund des nicht benennbaren
Bewußtseins entstehen Ying und Yang, Mutter und
Vater, um sich zu vereinigen und ein neues Kind, ein
neues Bewußtsein zu erzeugen, erschaffen. Irre. Und
ich bin dabei!
Die Dimension dieser Erkenntnis war/ist für mich
ungeheuerlich. Ich, U.B., erkenne den Sinn des
Lebens, den Sinn allen Seins! Ich, U.B., erkenne
Gott, weil ich Gott bin! Auch diese Momente gab es
in meiner Zeit des Schreibens.
Es waren sehr sehr schöne Momente.
Dieses Gott-Sein-Bewußtsein relativierte sich jedoch
bald. Es stimmt zwar und stimmt doch eben nicht.
Denn Gott ist eben nicht erkennbar. Ich kann schon
deshalb nicht Gott sein, weil ich nur ein Teil davon
bin. Aber immerhin. Ich bin eine Teil vom Ganzen,
das ewig teilt und vereint und strebt. Wie schön.

Ich und Uriel

Was ich hier so erkläre, ist alles sehr abstrakt und


philosophisch. Aber so hat sich Uriel mir mitgeteilt,
das heißt, so erkenne ich durch ihn das Wirken des
Seins. Oft ist in meinen Schreiben keine Trennung
ersichtlich, was war nun Uriels Anteil, was meiner.
Letzlich gibt es dann wohl auch gar keine getrennten
Anteile. Denn letztlich gibt es auch keine Trennung
von Uriel, keine Trennung vom Allwissen und
Allerkennen. Letztlich gibt es auch keine Trennung in
Licht und Schatten. Letztlich ist alles eins. In sich
selbst. So auch in mir selbst.
Sein Höheres Selbst zu erkennen ist Bestandteil der
Einweihung in das Wissen. Wie schon gesagt,
vollzieht sich das Ausatmen über die Vereinigung von
Ying und Yang, dass in seiner Ausformung
irgendwann Leben genannt wird. Zunächst sind Ying
als Materie und Yang als Geist scheinbar vollkommen
getrennt.
So hat jedes materielle Sein einen eigenen
Strahlkörper. Dieser Strahlkörper ist der Geist, der
noch außerhalb von der Materie scheint. Mit
zunehmender Entwicklung und Vereinigung von Ying
und Yang entsteht eine scheinbare Durchdringung
von Geist und Materie, dass dann irgendwann das
Leben ist.
Dass jedes Ding und jedes Lebewesen eine
Ausstrahlung, Aura, hat, ist mittlerweile meßbar und
somit auch wissenschaftlich anerkannt. Je weiter die
Vereinigung und Durchdringung voranschreitet, desto
mehr wächst der Grad des Bewußtseins im
Lebewesen. Es kann auch umgekehrt gesagt werden.
Je bewußter der Mensch sich seiner selbst und der
Welt wird, desto mehr vereinigt sich Geist und
Materie, um neues Bewußtsein zu werden.

Auf einer bestimmten Stufe dieser Vereinigung


kommt der Mensch mit seinem Bewußtsein in
Kontakt. Er erkennt in sich selbst die Dualität, da er
zur Selbsterkenntnis kommt. Bei mir äußerte sich
das zunächst in der Geistform Uriel.

So habe ich durch und mit Uriel die Ursachen des


Leidens gefunden und die Möglichkeit der Heilung.
Die Ursache dürfte jetzt einigermaßen klar sein.
Gottes Plan und Ziel ist es, dass Bewußtsein
entsteht. Dieses Bewußt-Sein entsteht über die
Vereinigung von Ying und Yang, die sich letztlich im
Leben bewußt vollzieht. Der Mensch als die Krone
der Schöpfung ist sozusagen der letzte Vollzieher in
der irdischen Welt.
Schließlich gibt es noch andere Welten und
Dimensionen. Die Welten und Dimensionen, in denen
schon ein sehr hoher Grad an Bewußtsein
vorherrscht, und wo die Materie nicht mehr für das
menschliche Auge sichtbar ist. Die Welt der Engel
und vielleicht auch der Dämonen. Mit der wir
Menschen auch eine Einheit bilden. Aber das ist nicht
das Thema hier.
Auch habe ich eine andere Definition des Mensch
gefunden. Er ist demnach nicht die Krone der
Schöpfung, sondern am Baume der Entwicklung die
Blüte, woraus die Frucht des neuen
Gottesbewußtseins entstehen soll dereinst jetzt hier
auf Erden. So wird der Kreis in dieser
Schöpfungswelt geschlossen. In dem Moment, wo er
die ganze Welt erkennt, ist er zugleich die Frucht der
Erkenntnis, die er ißt.

Auf meiner Suche nach den Antworten wurde mir


eines ganz klar. All das, was sich mir hier als Wissen
offenbarte, was ich vormals nicht wußte, ist als
Wissen auf der Welt schon lange vorhanden. Das war
auch eine sehr große Enttäuschung meines Selbst.
Zu erkennen, dass meine Erkenntnis gar keine neue
Erkenntnis ist. Dass es neues Wissen gar nicht gibt.
Eine Weile wollte ich trotzig gar nicht mehr
weiterschreiben und erkennen.
Aber dann tröstete mich Uriel damit, dass meine
persönliche Sicht der Erkenntnis notwendig ist für
die gemeinsame Sicht auf Erden. Deshalb jetzt auch
dieses Buch. Es wird eventuell, nein, mit Sicherheit,
Leser finden, die noch keine Erkenntnis von der
Erkenntnis haben. Die meine Erkenntnis als
transformiertes Wissen dafür brauchen, um selbst
weiter zu kommen auf ihrem Pfad.

Keine Beweise

Was war im Laufe der Jahre 1998,1999 und 2000 mit


mir geschehen? Ich wollte ja, dass es mir besser
ging. Geht es mit nun an der Schwelle zum neuen
Jahrtausend besser. Leider muß ich eindeutig mit Ja
antworten.
Leider deshalb, weil ich es nicht beweisen kann. Es
geht mir materiell gesehen eben nicht besser.
Jedenfalls sieht es nicht so aus. Mein Mann ist immer
noch weit fort von mir, ich habe immer noch keinen
Job, ich weiß immer noch nicht, wovon ich leben soll,
ich kann meine Hypothek nicht mehr bezahlen, ich
bin weder berühmter noch schöner, noch ist sonst
etwas geschehen, was man sehen und anfassen
kann.
Keine Beweise.
Aber es geht mir besser. Ich habe so gut wie keine
Angst mehr. Kommt dann doch ein Unwohlsein in mir
hoch, erkenne ich es sofort und entleere und heile
mich, um zu erkennen. Statt des wilden Schmerzes
haben sich hauptsächlich Frieden und Ruhe in mir
ausgebreitet. Fast schon Weisheit.
Ich bin kaum noch ungeduldig mit irgendjemandem.
Ich beschuldige niemandem mehr für mein Leid, das
auch kaum noch da ist.
Obwohl ich nicht weiß, wovon ich morgen leben soll,
bin ich eher von Vertrauen erfüllt. Irgendwie kommt
immer etwas zur rechten Zeit. Ich habe keine Angst
mehr zu geben und ich gebe viel und gern. Wenn
möglich teuer und das Beste.
Das ist jetzt meine Art von Egoismus.
Denn ich habe erkannt, dass ich mit dieser Art zu
leben einfach besser lebe. Kein Streß, keine Angst,
keine Wut, kein Haß, kein Ärger. Die äußere
materielle Welt hat kaum noch Macht über mich.
Denn ich habe durch mein Heilendes Denken in mir
viel Angst aufgelöst. Ich habe einfach nicht mehr den
Wunsch, mehr haben zu wollen, mehr sein zu wollen.
Im Gegenteil, in mir festigt sich immer mehr das
Vertrauen, genug zu haben, gut genug zu sein.
Was ein wahnsinnig machtvolles Gefühl ist.
Ab und an kommen negative, schmerzvolle Gefühle
natürlich immer noch hoch. Noch lebe ich ja. Noch ist
also der Ying-Trieb in mir. Aber ich erkenne Ying sehr
schnell und lasse mich nicht mehr treiben. Ich werde
nicht mehr angetrieben, sondern entscheide meist
nach freiem bewußten Willen. Meist. Wobei ich
erkannt habe, dass mein Wille nur gut für mich ist,
wenn er mit Gottes Willen übereinstimmt.
Das klingt jetzt alles sehr phrasenhaft. Kann ich gut
nachvollziehen. Solche Geschichten würde ich nie
schreiben in der Zeitung. Da muß mehr Konfliktstoff
rein. Na gut. Sollen Sie haben den Konfliktstoff.

Eher langsam

Wie kommt es zu der erhöhten Erkenntnisfähigkeit


durch das Heilende Denken? Diese Frage habe ich
natürlich auch irgendwann gestellt. In etwas
abgewandelter Form. So vom unbewußten Fragen
zum bewußteren und wieder bewußterem. Die
Erkenntnis teilt sich einem nicht im ganzen Stück
mit. Das wäre ja keine Kunst.
Da würde ja gar kein eigenes Zutun bei sein. Da
würde auch gar kein Leben stattfinden. Das wäre
dann gar kein Schöpfungsakt, sondern nur eine Art
Ein-Aus und fertig.
Nein, so einfach ist das nun nicht mit Gottes Welt.
Da geht das eher langsam und gemütlich zu. Eben
Schritt für Schritt. Niemand braucht deshalb zu
befürchten, dass ihm dabei etwas entgeht. Er
bekommt immer zu rechten Zeit das richtige
geboten.
Ganz nach Wunsch und Willen. Ganz nach Bedarf.
Aber wünschen muß man es sich schon. Wollen muß
man schon. Warum?
Vom Wunsch zum Willen

Nun, das ist eben das göttliche Element, das vom


Unbewußten zum Bewußten führt. Auch das Tier
spürt einen Wunsch in sich. Wir sagen Trieb oder
Instinkt. Manchmal ist es mit Sicherheit schon etwas
mehr. Die höhere Form des Wunsches ist dann der
Wille. Zunächst der eigene Wille. Der Wille besagt,
dass der Mensch sich bewußt geworden ist, dass er
einen Wunsch hat. Und diesen Wunsch drückt er
dann aus in Form von Worten und Taten.
Der Mensch ist somit in der Lage, sich und seine
Situation, sein Wirken und vor allem Bewirken in der
Umwelt zu erkennen. Er ist dazu in der Lage, ob er
es tut oder nicht tut, obliegt allein ihm. Fast. Ich
sage fast, denn erkennen wird er, ob er will oder
nicht. Die Verantwortung muß er übernehmen, ob er
will oder nicht. Doch Gott ist äußerst geduldig mit
seiner Schöpfungsblüte Mensch. Schließlich soll der
Mensch lernen, Gottes Willen zu erkennen, ihn
letztlich als seinen eigenen Willen frei-willig
akzeptieren.
Dazu muß der Mensch erkennen wollen. Dann
beginnt der spannende Prozeß. Vielleicht muß
niemand auf der Welt dafür das Heilden Denken
praktizieren. Ich denke mal, dass die Welt Gottes so
reich ist, dass jeder Mensch eine ganz individuelle
eigene Möglichkeit erhält, zur Erkenntnis und zum
Bewußtsein zu gelangen.
Mir machte eben das Schreiben Spaß. Das Frage- und
Antwort –Spiel in Schriftform. Schließlich bin ich
Journalist. So bin ich eben über das Aufschreiben der
negativen Gedanken und deren Heilung zur
Gotterkentnis und zum wachsenden Bewußtsein
gekommen.
Doch ich kann sagen, dass ich es gewollt habe. Eines
Tages im Jahre 1996 saß ich in der Redaktion und
hatte die Nase voll von allem. Alles erschien mir
langweilig und öde und zu blöde. Nichts und niemand
ging so, wie ich es wollte und für richtig hielt. Für
besser hielt, als es war.
Ich sehe mich noch, wie ich an meinem Schreibtisch
saß und versuchte, meine inzwischen schon aus den
Fugen zu geratende Welt immer noch schön zu
schreiben. Und dann platzte mir der Kragen, weil die
Welt nicht so sein wollte, wie ich es wollte. Und dann
hatte ich es satt zu wollen. Selbst etwas zu wollen.
Weil es ja doch nicht gelang. Und dann sagte ich zu
dem Gott, an den ich damals noch gar nicht glaubte:
„Mach doch mit mir, was Du willst. Ich will dann tun,
was du willst. Vielleicht wird dann alles besser.“
Sage niemand auf der Welt diese Sätze einfach nur
so dahin. Die Folgen sind fatal.

Frei von Materie

Man kann nun nicht sehen, fühlen, riechen, hören


und schmecken, dass es mir besser geht als vor drei
Jahren. Das ist dabei sogar vollkommen logisch. Das
entspricht der Formel: Das Unbewußtsein steht im
Verhältnis zum Sein wie umgekehrt proportional das
Bewußtsein zum Nichtsein.
Man kann es auch anders ausdrücken. Je unbewußter
ich bin, desto materiell gebundener bin ich, je
bewußter ich bin, desto weniger materiell ist mein
Leben. Das zumindest aber ist dann doch schon
erkennbar. Ich benötige kaum noch Materielles, um
mein Sein zu definieren. Ich gebe zu, dass ich noch
zuviel esse. Aber sonst bin ich schon sehr frei von
Materie, vom Ying-Trieb. Und ich erkenne die
Zusammenhänge der Welt, des göttlichen Wirkens.
Doch wenn ich sagte, es geht mir materiell schlecht,
wäre es gelogen. Ich habe keine Not. Jeden Tag
komme ich gut zurecht. Immer rechtzeitig ist alles
Notwendige da. Mehr als das. Ich bin mir aber auch
sehr sicher, dass es keine Sicherheit gibt. Ich habe
keine Sicherheit. Wie es in einer Woche weitergehen
soll, kann ich heute noch nicht sagen. Aber es ging
in den vergangenen Jahren immer weiter. Früher
hatte ich Angst vor dem, wie es weitergeht. Heute
habe ich Vertrauen. Das ist eigentlich alles. Aber was
war das für ein schwerer Schritt.

Dialog mit Uriel

Wenn von Erkennen die Rede ist, kommt auch die


Frage auf, was denn nun Erkenntnis ist. Oder wie
man Erkenntnis verstehen kann. Da kann ich mit
einem jüngsten Auszug aus meinem Dialog mit Uriel
dienen:

Text vom 16.11.00, 7.15 Uhr, Seite 212

Dieses Leben, so, wie es sich in diesen seinen


Grenzen darstellt, zu leben, ist schwer. Es ist eine
Aufgabe. Kann man diese Aufgabe mal definieren?
Ich wüßte nämlich wirklich gern, was der Sinn dieses
Lebens ist. Ich wüßte wirklich gern, wozu ich diese
Aufgabe „Leben“ erfüllen soll. Ich möchte auf meine
Fragen eine klare und verständliche Antwort. Bitte
Uriel, gib mir die Antwort auf meine Fragen. Wie
lautet die Definition der Aufgabe „Leben“? Und was
ist das Ziel, der Sinn des Lebens, das wir zu
meistern haben?
Definitionen müssen immer sehr allgemein gehalten
werden, damit alle möglichen und unmöglichen Fälle
hineinpassen.
Ich möchte die Definition der Aufgabe „Leben“.Es
kommt ja niemand freiwillig ins Leben. Jedenfalls
sieht es nicht so aus. Man wird geboren. So heißt es.
Es heißt nicht: Ich bohre mich ins Leben.
Was bedeutet eigentlich: geboren werden?
Es ist ein Vorgang, an dem alle Beteiligten einen
aktiven Anteil haben. Mehr oder weniger. Jeder ein
wenig und so ist es wieder im Komplex - als Einheit
- zu sehen. Es ist nicht allein so, dass die Mutter
allein will, dass das Kind geboren wird. Das Kind ist
reif für die Geburt und will auch geboren werden. Es
drängt zur Geburt. Und der Körper ist reif für die
Geburt. Es ist also sowohl ein bewußter als auch ein
unbewußter Vorgang. So ist das auch mit der
Zeugung. Zur Vereinigung der Geschlechter kommt
es halb bewußt, halb unbewußt. Wenn wir uns zum
Geschlechtsakt vereinen, folgen wir bewußt unserem
Trieb – unserer Sehnsucht nach... was auch immer.
Die körperliche Vereinigung ist vom Trieb, von Ying,
diktiert. So auch die Geburt. Hierbei spielt das
Bewußtsein nur eine nebensächliche Rolle. Insofern
eine Rolle, dass die Menschen bewußt alles tun, um
der Natur, dem unbewußten Trieb des Menschen, zu
dienen.
Worin unterscheidet sich der Mensch vom Tier?
Dadurch, dass er einen Kreiss-Saal angeschafft hat?
Dadurch, dass er sich in Betten und auf
Küchentischen zum Sexualakt vereint?
Der Mensch ist sich gegenüber dem Tier seiner
Triebe durchaus bewußt. Er bedient seine Triebe
bewußt.
Was ist „bewußt“?
Nun, er kann die Triebe erkennen und benennen, er
kann den Dingen einen Namen geben. Und er hat die
Wahl, den Trieben zu folgen oder es zu lassen.
Es sieht zumindest manchmal so aus, als ob er
die Wahl hat. Aber wir sprachen schon von der
Sucht, die uns oft nicht die Wahl läßt.
Nein, er hat immer die Wahl. Das ist ein Prozeß. Um
die Wahl zu haben, muß er sich seines Selbst schon
bewußt sein. Er muß wissen, was die natürliche
Ursache seines Handelns ist. Dass alles Handeln auf
der Welt darin begründet liegt, dass er von außen
etwas haben will. Er will seine innere Leere füllen.
Das ist der Trieb. Diese innere Leere ist aber nur
eine scheinbare. Beispiel: Schmuck. Am eigenen
Leibe spürst Du es, wie wenig man wirklich haben
muß davon und trotzdem noch lebt. Es geht beim
„Leben-bewußt-werden“ nicht in erster Linie um
Entsagung. Auch wenn es scheinbar so aussieht. Es
geht um das Erkennen der Triebe. Als die Ursache
des eigenen Handelns.
Dazu muß man seine Konzentration auf seine
Handlung lenken. Und dann im Sinne der Philosophie
– hinterfragen mit Warum. „Warum will ich so
handeln?“ Bei der Beantwortung kommt jeder zu der
Ursache seines Handelns, die immer darin begründet
liegt, dass er haben will, seine innere Leere füllen
will. Dieser Mechanismus ist der allgemeine Antrieb
eines jeden Lebens. Leere füllen. Ying mit Yang
vereinen. Und bei diesem Vorgang entsteht
automatisch Bewußtsein. Das wiederum führt zu
einer sogenannten Weiterentwicklung,
Höherentwicklung. Auch dieser Vorgang der Bewußst-
Seins-Bildung ist zunächst ein unbewußter,
angetriebener. Doch mit der Weiterentwicklung des
Lebewesens wird er immer bewußter. Bis der Mensch
letztlich in der Lage ist, ganz selbst-bewußt Bewußt-
Sein zu erzeugen.
Es geht immer und ewig um das Erzeugen von
Bewußt-Sein. Von geistiger Energie. Diese ist Gott.
Die Ursache aller Ursachen aller Ursachen. Das Ziel
aller Ziele aller Ziele. Das A und O. Das ist die
Definition der Aufgabe und des Sinns zugleich. Das
ist letztlich Religion. Das Zurückführen zu Gott.
Wobei der Ausgangspunkt Gott ist/war und ewig sein
wird.
Ja, es stimmt. Das ist sehr allgmein. Ja, da paßt
alles rein. Aber der Sinn meines eigenen Lebens ist
mir damit noch nicht ganz klar. Ich kann schon
erkennen, dass ich einer großen Aufgabe diene, wenn
ich lebe und leide. Aber wozu bin ich eine Person,
eine eigene Persönlichkeit, ein Selbst? Warum muß
ich das alles im Selbst erleiden? Leben?
Dein Selbst ist nur ein Teil dessen, was Du erlebst.
Du erlebst auch das Ganze. Du lebst und existierst ja
nicht unabhängig vom Ganzen. Du bist ein Teil des
Ganzen, vollkommen unlösbar. Egal, wo du dich
gerade befindest, du bist Teil von allem.
Das noch unbewußte Selbst erkennt das aber noch
nicht. Es ist eben noch ohne Bewußt-Sein. Eine
Pflanze ist sich dessen nicht bewußt, dass sie lebt.
Sie wird wirklich einzig und allein „getrieben“,
entsprechend ihrer individuellen Art. Sie hat keine
Wahl. Wie es zu individuellen Arten kommt, das
haben wir am Anfang des Buches durchgenommen.
Doch auch die Pflanze, ja selbst der Einzeller,
entwickelt während seines Lebens einen Teil von
dem, was Bewußt-Sein genannt wird. Es speichert
die Erfahrung, die es macht, es bilden sich
sogenannte Speicherorgane von Erfahrung, die
letztlich zur Herausbildung der Schaltzentrale des
Bewußt-Seins, dem Gehirn wird.

Alles ist eins. Das ist ja doch wohl deutlich


erkennbar für dich. Nichts und gar nichts in diesem
Universum kann ohne das andere sein. Es wandelt
sich um, aber es verschwindet nichts. Es bleibt
immer eins. Ein Ganzes, getrennt in Teilen. Nur über
das Leben ist es möglich, die Einheit wieder
herzustellen.
Die Ur-Einheit von allem aber ist eben das Bewußt-
Sein. Die Harmonie. Die Vereinigung von Ying und
Yang. Diese Einheit ist reines Bewußt-Sein.
Vollkommen materielos. Sie ist dann dieses
unnnennbare „Weniger als Nichts“.
Sobald aber diese Einheit aufgehoben wird, nicht
mehr existiert, ist sie in Form vorhanden. In Form.
In Form von Form.
In Form von Inform-ation. In Form von Senden und
Empfangen. In Form von Geben und Nehmen. In
Form von Dualität, Getrennt-Sein. In Form von Ying
und Yang. In Form von Einzelteilen. Da aber in
jedem Einzelteil auch das Ganze repräsentiert ist –
du weißt, das Fraktal ist davon der Ausdruck – ist in
jedem Teil auch „der Wunsch“ (Trieb) nach
Vereinigung. Doch nur das Leben kann diesem
Wunsch-Trieb eine aktive Richtung geben. In der
sogenannten toten Materie ist das Bewußtsein nicht
innerhalb. Es ist ja noch getrennt in Geist und
Materie. Erst über die materielle Entwicklung
entsteht eine Vereinigung aus dem Selbst heraus.
Aus dem Einzelteil heraus. So entsteht aus scheinbar
toter Materie Leben. Hier spielt das Gesetz der
Dialektik eine Rolle. Das Entwickeln entsteht aus
einer Ansammlung von Quantitäten, bis daraus
scheinbar sprunghaft eine neue Qualität entsteht. So
erklären sich die lineare Entwicklung und die
Entwicklungssprünge. Solange, wie es Materie gibt,
ist Geist außerhalb. Das Leben aber ist in der Lage,
Materie in Geist zu verwandeln. Sich seiner Selbst
bewußt zu werden. Das geht, wie du siehst, anfangs
eben nur über die Form, das Teil. Über das
sogenannte Individuum. Doch je höher sich das
Individuum entwickelt, desto mehr erkennt es seine
Einheit mit allem. Erst: Ich bin Selbst. Dann: Ich bin
Alles.
Der Weg zur Erkenntnis ist die Vereinigung mit Gott.
Sich seines Selbst bewußt zu werden ist die Vorstufe
zu dem Sich in allem als eins zu erkennen. Das geht
nur schrittweise. Und niemand kann das aus Büchern
erlernen. Nur der Weg dorthin ist erlernbar. Nicht
das Ziel. Denn das Ziel liegt nicht im Außen. Sondern
in uns. In der inneren Erkenntnis.

Soweit mein Dialog mit Uriel zur Erkenntnis. Ich


zumindest habe daran erkannt, warum es mich
persönlich auf dieser Welt geben muß. Damit das
neue Gottesbewußtsein entstehen kann, bin ich
persönlich sehr wichtig. Ist jede Erscheinungsform
auf der Welt sehr wichtig. Vor allem jede Form des
Lebens. Daher der Spruch: Du sollst nicht töten.

Logik und Unlogik

Anhand der einfachen Matrix: Einheit – Ying und


Yang – wieder Eihheit, lassen sich alle Fragen der
Welt erklären. Allerdings nicht auf der Stufe der
Wissenschaft, die messen und teilen will. Denn
Unendlichkeit ist nicht messbar und teilbar im Außen.
Die sogenannte Teilung ist ja nur scheinbar. Alles ist
als Ganzes vorhanden. Nur das, worauf wir unsere
individuelle und auch kollektive Aufmerksamkeit
richten, erscheint uns getrennt, de-tail-liert. Doch
Unerkennbares ist eben nicht erkennbar. Und wenn
wir meinen, wir erkennen, dann gibt es beim
Erkennen immer noch den Part des nicht
Erkennbaren. Wo Logik im Spiel ist, ist die Unlogik
gleich nebenan. Sonst wäre die Welt ja nicht heil und
unheil zugleich.
Logik ist Yang, Unlogik ist Ying. Erst, wen man also
das Unlogische im Leben genauso akzeptiert wie das
Logische, kommt man der Erkenntnis ein Stück
näher.

Auf dem Weg vom Niederen zum Höheren entwickelte


das Wesen seine Organe und sein Gehirn. Mit dem
Magen verinnerlicht das Wesen das Äußere in form
von Materie. Mit dem Gehirn ist es dem Wesen
möglich, das Außen geistig zu verinnerlichen. Mit
deinen Greiforganen, Hände und Füße, ist das Wesen
gleichzeitig in der Lage, über sein Inneres Sein auf
das Äußere einzuwirken. Dieses gegenseitige
Bedingen erhöht seine Möglichkeit des Erfahrens.
Das Erfahren wird schließlich zum Erkennen. Der
Mensch ist in der Lage, das Erkennen zu
strukturieren, zu rationalisieren. Es entsteht das
logische Denken, es entsteht das Logos, der Geist,
das Wort. Das Wort, das in Form gebrachter Gedanke
ist. Der Gedanke aber kommt immer aus seinem
innersten Selbst. Das Wort ist somit Ergebnis seines
Fühlens. Seines inneren Empfindens. Seines
innersten Wesens.

Umgekehrt – so kam es mir in den Sinn – muß es


somit möglich sein, über das Wort in das innerste
Wesen vorzudringen. Dort, wo alles eins ist. Wo wir
alles als eins erfahren können. Das Heilende Denken
ist die Möglichkeit, über das Wort den inneren
Erkenntnisprozeß zu aktivieren.

Schimpfen ist richtig schön


So wollen wir uns der Erkenntnis noch ein Stück
weiter logisch nähern, auch auf die Gefahr hin, die
Unlogik gleich mitzuproduzieren.
Ich will jetzt Vorgänge im Körper und im Geist
erklären, die von der Wissenschaft so vielleicht nicht
bestätigt werden. Sie sind philosophisch gesehen
eben logisch/unlogisch. Wer glauben will, der glaube.
Oder probiere es aus.
Ich spreche zunächst von meiner Zeit als unbewußter
Mensch. Es ist nun so, dass mir in meinem Alltag als
unbewußter Mensch einige Dinge quer laufen. Es ist
so, dass ich in mir Wünsche verspüre. Noch kann ich
die Wünsche nicht benennen, ich spüre nur so ein
leichtes Unwohlsein.
Wenn man unbewußt ist, achtet man nicht sonderlich
auf dieses Unwohlsein. Oft ist es am Morgen da,
manchmal in bestimmten Situationen, manchmal
nachts, wenn wir schlafen wollen.
Dann kann dieses Unwohlsein auch stärker werden
und uns quälen. Wir quälen uns dann mit wirren
Gefühlen und Gedanken herum. Immer und immer
wieder. Bis wir uns einer anderen Beschäftgung
hingeben oder etwas essen, oder Kaffee trinken, oder
rauchen, oder das Unwohlsein mit Alkohol oder
Rauschgift niederdrücken.

Am liebsten würden wir dieses unbestimmte


Unwohlsein ja abtöten, aber das gelingt uns meistens
nicht. Wohler wird uns oft, wenn wir mal so richtig
schimpfen können, das heißt, wenn wir jemanden,
der uns geärgert hat, so richtig beschimpfen können,
ihm unsere Meinung von ihm sagen können, ihm so
richtig klar machen, wo der Hase lang läuft, wenn
wir ihm so richtig klar machen, wer hier das sagen
hat, wer hier Recht hat. Wer hier der Größere und
Bessere ist. Wenn wir den anderen so richtig zur
Sau, so richtig nieder gemacht haben. Ist Ihnen
danach auch schon mal so richtig wohl gewesen? Mir
früher öfter. Ich war schließlich Journalist. Da war
das Kritisieren, Schimpfen und Niedermachen meine
Arbeit. Eine zeitlang eine befriedigende und schöne
Arbeit.
Dieser soeben beschriebene Vorgang ist das
unbewußte geistige Entleeren, dass man als solches
nicht erkennt. Irgendwie aber ist Schimpfen schon
der Anfang der Erkenntnis. In der katholischen
Kirche gibt es die Einrichtung des Beichtens. Bei der
Beichte kann der Sünder seinen ganzen
Seelenschmerz aus sich herausreden. Und dann
bekommt er die Absolution erteilt. Das ist so ähnlich
wie das geistige Entleeren und Heilen.

Die Wirkung von Ying

Was passiert nun im menschlichen Körper, wenn Ying


mit seiner Wirkung beginnt. Wir können Ying als
Unwohlsein fühlen. Die Feder spannt sich. Dieses
Unwohlsein ist das erste Anzeichen von Wunsch. Von
etwas Haben wollen. Da der unbewußte Mensch das
aber nicht weiß, achtet er nicht so darauf.
Es kann auch sein, dass er einfach schnell eine
Tablette nimmt, damit er das Unwohlsein nicht spürt.
Aber Unwohlsein spüren wir.
Wie spüren wir es? Ein Gefühl können wir spüren,
indem oder weil es im Körper chemische Vorgänge
gibt. Diese chemischen Vorgänge in unserem Körper,
in unseren Organen und Drüsen bewirken, dass wir
Gefühl fühlen.
Ein bestimmtes Ying erzeugt dabei immer ein
bestimmtes Gefühl. Somit wird bei einem
bestimmten Ying immer ein ganz spezieller
chemischer Vorgang in Gang gesetzt. Ich sage der
Einfachheit halber mal, es wird dabei ein ganz
bestimmtes Hormon erzeugt. Dieser chemische
Prozeß vollführt eine Art Säuerung im Körper. Je
unwohler uns ist, desto sauerer werden wir, desto
mehr fühlen wir uns angespannt.
Ying will, dass das unbewußte Leben reagiert. Es soll
sich entwickeln. Wenn das Ying zum Beispiel Hunger
signalisiert, dann erzeugt es dazu ein bestimmtes
Hormon A, das bestimmte körperliche Aktionen in
Gang setzt, die uns den Hunger fühlen lassen. Zum
Beispiel wird Magensäure produziert. Wenn der
Mensch nun nicht darauf reagiert, wird Ying stärker.
Das heißt, das bestimmte Hormon A wird mehr und
mehr produziert.
Je mehr Hormon A da ist, je mehr Magensäure, desto
mehr Hunger verspüren wir. Das heißt, der Schmerz
in unserer Magengegend wird größer und größer. Wir
können uns vor Anspannung und Verlangen kaum
noch konzentrieren. Solange, bis wir essen. Dann ist
der Schmerz weg. Scheinbar. Wir haben auf die
Signale von Ying reagiert und getan, was das Ying in
uns wollte. Wir haben dem Trieb in uns nachgegeben,
gehandelt. Die Feder ist entspannt.
So kann man das sich mit allen Wünschen vorstellen.
Wir erfahren den Wunsch über Unwohlsein, dass sich
als chemischer Vorgang im Körper äußert. Wir
werden sauer. In uns spannt sich die Feder an.
Solange, bis wir darauf reagieren. Die
tiefgründigsten Formen von Ying sind dabei die
Urformen Hunger, Durst, Wärmebedarf, Sexualität.
Das macht unser Leben aus. Auf dieser Eben
bewegen sich alle Lebewesen. Und unbewußte
Menschen nur.
Mit der Erzeugung des Hormons A wird der Körper
einseitig beansprucht. Denn durch das Reagieren in
der Materie, durch das Essen zum Beispiel, entsteht
keine endgültige Erlösung und Harmoniesierung des
Ying. Viel mehr wird es zu weiteren Trieben
angeregt. Wir kennen das, weil wir z.B. immer
wieder neuen Hunger spüren. Manche Menschen
essen und essen, werden davon aber nicht
glücklicher oder befriedigter. Im Gegenteil, je mehr
sie essen, desto unzufriedener werden sie, desto
größer erscheint ihnen ihre Gier, desto mehr müssen
sie essen. Ist der Mensch in seiner
Nahrungsaufnahme unbewußt, ißt er nur, was Lust
bereitet, also scheinbar schmeckt. Das aber sind
genau die Nahrungsmittel, die den Säuregehalt des
Körpers weiter erhöhen. Die innere Feder wird so
immer mehr überspannt. Die Gier wird größer und
größer, aber der Befriedigungseffekt wird immer
kleiner. Ich weiß, wovon ich spreche.
Doch wie gesagt, auch so kommt es zur Erkenntnis.
Zum Beispiel werden wir vom vielen Essen dick und
alt und krank. Und wenn wir richtig fett oder richtig
alt oder richtig krank sind, dann macht das erzeugte
Bewußtsein in uns Klick und wir stellen fest, dass wir
im Leben viel zu viel gegessen haben.
Nicht anders ist das mit jedem Ying, das in uns sein
Spielchen treibt. Ying kommt, erzeugt Hormone A,
die uns schmerzen bringen, bis wir – unbewußt -
reagieren.
Dann geht das Spiel von vorne los. Solange, bis
Bewußtsein da ist. Je nach Lust und Laune kann der
Mensch das Spiel lange mitspielen und vielleicht kurz
vor seinem Tod die Weisheit erlangen oder nicht so
lange und schon früher zu Bewußtsein kommen.
Die neue Heilung

Über das Reagieren auf Ying, auf den Tieb, findet


zwar Weiterentwicklung in der Welt statt, aber noch
keine wahre Heilung. Heilung ist ein Vorgang, der an
erlebtes inneres Bewußtsein gekoppelt ist. Heilung
ist schon der Ausdruck von Bewußtwerdung. Von
Bewußtseins-Entwicklung. Denn erst der Mensch war
in der langen Reihe der Entwicklung der Lebewesen
in der Lage zu erkennen, dass er noch nicht heil ist.
Dass die Welt noch nicht heil ist. Und er ist in der
Lage zu erkennen, dass und wie die Menschen und
die Welt geheilt werden können. Nicht umsonst
werden die Ärzte auch Götter in Weiß genannt. Denn
sie sind Heiler.
Nur sollten diese weißen Götter aufpassen und weise
werden, damit sie nicht bald von ihren Sockeln
gestürzt werden. Denn so langsam müßten sie
mitbekommen haben, dass die Konzentration allein
auf die Heilung des Körpers den gewünschten Effekt
der Heilung des Wesens Mensch nicht bringt. Sonst
rennen ihnen die Patienten genauso weg wie der
Kirche ihre Mitglieder.
Wie der Heiland Jesus Christus schon sagte: Gott ist
in uns. Das muß die Kirche lernen, das müssen die
Ärzte lernen, dass müssen die Wissenschaftler
lernen, das muß jeder Mensch jetzt lernen. Nicht
wahr, Uriel? Ja.
Die neue Generation von Ärzten begreift aber schon
etwas mehr von ganzheitlichem Verständnis der
Zusammenhänge. Immer mehr ganzheitlich
arbeitende Heilpraktiker gibt es, immer mehr Ärzte
wenden sich der ganzheitlichen Medizin zu.
So, wie die neue Generation von Wissenschaftlern die
Ganzheit des Universums schon zu erkennen beginnt.

Die Matrix des Wesens

Je nach individueller Eigenart hat jedes Wesen sein


ganz spezielles Ying-Programm. Seine eigene Matrix.
Was ist nun wieder darunter zu verstehen?
Ich sagte doch, das mir eines Tages das Wirken der
Welt irgendwie planmäßig, rational und strukturiert
vorkam. Anfangs dachte ich schon, alles geschehe
irgendwie chaotisch, ohne Sinn und Verstand, jeder
macht, was er will, und alle machen mit. Bis zum
Ende der Welt. Am Anfang habe ich in meinem
Haßbrief an Gott ihn auch den größten Chaoten der
Welt beschimpft.
Im Laufe meiner eigenen Erkenntnisfähigkeit
erkannte ich dann doch einen Sinn hinter all dem
Spuk. Den Sinn hatte ich in der groben Matrix, in der
Weltformel, schon mal erläutert. Jetzt soll es an die
Einzelheiten im Selbst des Individuums gehen. Wie
im Großen, so im Kleinen.
Ein Individuum entwickelt sich zum einen, weil es
einzigartige Entwicklungsbedingungen vorfindet. An
der Stelle, wo ich bin, kann in diesem Moment kein
anderer Sein. Insofern ist mein Standpunkt
einzigartig. Durch diese Einzigartigkeit der
Umweltbedingungen macht also ein Individuum
einzigartige Erfahrungen, was einzigartige Eindrücke
in seiner ganz individuellen Matrix, d.h. Erbanlage,
bewirkt.
So entwickelt sich die Welt eben im und über das
Individuum. Dieses Erbgut, diese individuelle Matrix,
bestimmt das Leben des Individuums. Ganz
individuell. Es hat ein ganz individuelles Ying in sich,
wenn es auch in der gleichen Spezies sich manchmal
sehr kollektiv äußert.
Man kann das dann auch völkisches Brauchtum, eine
Modeerscheinung oder eine Massenbewegung
nennen. Doch selbst ein Eintopf schmeckt jedem
anders. Soweit zum eigenen.
Eine Matrix ist im Computer oder im Internet ein
Grundlagenprogramm. Auf dieser Grundlage sind alle
anderen Programme dann aufgebaut.
Hier läßt sich noch einmal Ying und Yang erwähnen.
Denn die Urmatrix, das Urprogramm des Computers
besteht einzig und allein aus den beiden Befehlen
An-Aus, Ja-Nein, Yang-Ying. Alles, was wir letztlich
auf dem Bildschirm des Computers sehen, ist nichts
weiter als eine Differenzierung von diesem Ying-
Yang, Ja-Nein, An-Aus.
Und ganz oben auf der Differenzierungsleiter sehen
wir Bilder. Wobei man kein Computerexperte mehr
sein muß, um zu wissen, dass Bilder aus winzigen
Punkten, Bits genannt, bestehen, die letztendlich
auch nichts weiter als Hell-Dunkel, An-Aus, Yang-
Ying sind.

So hat jedes Individuum seine ganz individuelle


Matrix. Im Grunde nur das Ying, Yang, auf das sich
immer weitere Verzweigungen aufbauen, bis Bilder
entstehen. Individuelle Bilder des Selbst. Wir als
Selbst sind Abbildungen unserer Matrix. Was aber ist
Matrix? Ein Programm. Und wer hat das Programm
geschrieben? Na? Nicht so vorschnell jetzt sein mit
der Antwort. Vor dem Antworten ganz langsam und
lange überlegen. Na?

Der Programmierer

Die Antwort ist wie jede Antwort auf der Leiter der
Erkenntnis ganz einfach und doch so schwer zu
verstehen. Natürlich hat sie dieses
GottEinheitEnergie-Etwas geschrieben. Dieses
Unerkennbare, Unbenennbare. Dieses Dinsda, dieser
Gottda. Dieses „Ich bin“. Wer? Dieses „Ich bin“.
Dieses „Ich bin“, dass sowohl in der Einheit als auch
in der Dualität und letztlich in seiner Trinität
existiert.
Als mir das erste Mal ganz schwach diese Antwort
bewußt wurde, war ich entsetzlich wütend. Ich war
so wütend darüber, dass ich mich tagelang weigerte,
weiterzuschreiben, zu beten oder sonst einen
Kontakt mit dem Dingsda aufzunehmen.
War ich denn sein Hampelmann? Seine Marionette?
Seine Puppe, mit der er einfach spielte und bei
Nichtbedarf achtlos in die Ecke warf ? Offensichtlich.
Da war es wieder, dass ich erkannte, er hatte mir
alles weggenommen, weil er eine großer Quäler ist,
weil er mir nur weh tun wollte. Er war ein Sadist
sondergleichen. Denn er hatte mich erschaffen, mein
Programm geschrieben, meine Matrix installiert,
einzig und allein um mich zu quälen. Na gut, einzig
und allein, damit ich zu Bewußtsein komme. Denn
das war es ja, was er wollte, dieser Dingsda. Was ich
aber wollte, dass interessierte ihn nicht.
Manchmal aber fragte er mich höhnisch süßlich: Na,
was willst du denn, meine Kleine? Und ich schrie:
„Ich will Glück, ich will Liebe, Reichtum,
Anerkennung, ich will alles alles haben!“
Und immer, wenn ich das so aus mir
herausgeschrien, herausgeschrieben hatte, dann war
mir, als ob ich sein höhnisches Lachen hörte. Weithin
schallend.
Und dann saß ich da und schaute auf das, was ich da
hingeschrieben hatte. Da stand, von eigener Hand
geschrieben: Haben wollen. Mehr haben wollen. Mehr
sein wollen. Und dann biß sich die Katze in den
Schwanz.

Da saß ich nun mit meinem Wissen von der Matrix.


Vom individuellen Ying-Programm. Vom
Seelenprogramm letztlich.

Wie oben, so unten


Wenn also die Grundlage allen Seins Ying und Yang
ist, dann muß das in jedem Teil des Seins so sein.
Also auch im Menschen. Dazu kann man sich einen
Strichcode auf einer Einkaufsware vorzustellen. So
ein Strichcode besteht auch aus Ying und Yang, aus
Schwarz und Weiß in unterschiedlicher
Differenzierung.
So in etwa kann man sich seine Seele, seine
individuelle Seele vorstellen. Ich will es noch ein
wenig anders erklären.

Eine große Weisheit des Lebens lautet: wie oben, so


unten, wie im großen, so im kleinen, wie im Himmel,
so auf Erden. Wenn also das GroßeEineGanze sowohl
als Einheit als auch in sich dual getrennt existiert,
dann ist das abstrakt gesehen nicht anders mit
jedem Teil, mit jeder Form, in der sich das Ganze
individuelle ausdrückt. Nur eben mit verschiedener
individueller Programmierung.

Um des besseren Verständnisses willen stellen Sie


sich einmal eine Lampe vor mit einem
Lampenschirm. Der Lampenschirm hat ein
durchbrochenes Muster, so dass Sie sowohl Licht als
auch Schatten sehen. Das Licht kommt von der
Glühbirne, der Schatten kommt vom Lampenschirm.
So können Sie sich jede Erscheinungsform, auch das
Lebewesen vorstellen. In allem ist und leuchtet das
eine Licht Gottes. Individuell aber ist es erkennbar
an dem Schatten, dass dieses Licht wie der oben
genannte Lampenschirm umgibt. Dieser Schatten
aber ist Ying. Und jede Form hat einen ganz
individuellen Schatten, ein ganz individuelles Licht-
Schatten-Programm. Strich-Code. Matrix.
Der Schatten des Ego

Je weiter die Entweicklung im Sein voranschreitet,


desto mehr scheint das Licht durch den
Schattencode. Desto mehr Bewußtsein wird
entwickelt und erlöst den Schatten um das Licht. Ab
einer bestimmten Erlösungsstufe zeigt sich die Form
als Lebensform. Hier nun benennt der Mensch die
Einheit des Licht-Schatten-Programms als das
individuelle Ego, das Selbst im Teil. Ich kann dieses
Ego erkennen an den Schatten, an dem, was es/ich
ganz individuell haben will. Das Licht ist Yang, der
Schatten ist Ying. Das individuelle Schatten-Ying
treibt uns zu individuellem Wollen.
Der eine will ein besseres Auto. Der andere einen
besseren Partner. Der dritte eine bessere Arbeit.
Aber immer, wenn wir haben wollen, ist Ego im Spiel,
das individuelle Ying, das uns zum Haben-wollen
treibt. Je mehr ein Mensch haben will, desto größer
ist sein Ego, also sein Schatten.

Schatten ist Ying. Ying macht sich in Form von


Unwohlsein, letztlich von Schmerz bemerkbar. Man
kann dazu nun verschiedene Behauptungen und
Aussagen treffen. Wer viele Schmerzen hat, ist ein
großer Egoist. Wer ein großer Egoist ist, hat viele
Schmerzen. Wer viel haben will, hat viele Schatten.
Wer viel haben will, verspürt starke Triebe. Wer viel
Schatten in sich spürt, hat die Möglichkeit, ein
großes Licht zu werden. Mit diesem Modell läßt sich
fast die gesamte Psychologie erklären. Natürlich nur
in der einfachen Grundstruktur.

Der Schatten des Logos


Nach der Erklärung des Bildes mit dem
Lampenschirm möchte ich hier noch einmal auf das
Wort zurückkommen. Oben sprach ich von den
Schichten und dem Kern des Wortes, wie es sich mir
offenbarte. Mit dem Lampenschirmbild läßt es sich
jetzt noch etwas tiefer und anschaulicher erklären.
Das Wort Gottes ist wie eine sehr hell leuchtende
Glühbirne. Oder wie das Licht der Sonne. Wir können
in dieses helle Licht nicht hineinschauen ohne
Schutz. Dieser Schutz kann ein Lampenschirm sein
oder eine Sonnenbrille. Auf jedenfall ist es etwas,
was das Licht verdunkelt, also Schatten hervorruft.
Um das Licht als Licht zu erkennen, benötigt es
immer eines Schattens, d.h. der Dunkelheit. Yang-
Ying.
Sage ich nun, das Wort Gottes ist das Licht, so kann
ich dieses Licht, dieses Wort nur über den Schatten
meiner Individualität erkennen, meines individuellen
Wissens, meiner individuellen Erfahrung, meinen
individuellen Empfindungen.
Solange, wie ich mir diese Tatsache nicht bewußt bin,
solange herrscht scheinbar Chaos in meiner Ansicht
zum Wort. Unbewußtsein nennt und benennt das
Wort in vielen Situationen und Bedeutungsinhalten.
Unbewußtsein schwatzt einfach.
Ich habe mich dem Wort in seiner Dualität genähert,
gefiltert durch die individuelle und kollektive Schicht,
die mein Ego-Selbst ausmachen. Um das deutlicher
zu machen, will ich hier ein Beispiel einer
Gedankenentleerung und einer anschließenden
Heilung vornehmen.
Dabei sei noch einmal vorangestellt: Meine Gedanken
zu dem Wort sind individuell und können und müssen
mit Ihren Gedanken nicht übereinstimmen.
Ich möchte auch hier wieder das Wort Schwein
wählen.
Meine negativen Gedanken zu dem Wort Schwein

„Schweine sind schmutzig. Schweine stinken. Ich


hasse Schweine, weil sie so stinken. Ich hasse
Schweine, weil sie so ekelhaft sind. Ich hasse alle
Schweine. Ich hasse es, das Schweine so gemein
sind. Ich hasse alle Schweine, die so gemein sind.
Ich hasse dich. Ich hasse dich, weil du ein Schwein
bist. Ich hasse dich, weil du so gemein bist. Ich
hasse dich, weil du mir weh tust. Ich hasse alle, die
mir weh tun. Ich habe Angst, dass mir alle immer so
weh tun. Ich habe Angst, dass mir alle immer so weh
tun können. Ich will so nicht mehr leben. Ich habe
Angst, so zu leben. Ich habe Angst, so zu sein. Ich
habe Angst zu sein.“

Diese Beispiel ist bewußt sehr gekürzt dargestellt.


Im Anhang finden sie mehr und ausführlichere
Entleerungs-und-Heilungs-Beispiele zu vielen Worten
und Begriffen. Aber in etwa ist seine Struktur
erkennbar. Von der kollektiven Sicht zum Ding
Schwein, „Das Schwein ist schmutzig“ zur
individuellen Sicht „Ich hasse dich, weil du ein
Schwein bist“ bis zum göttlichen Kern, hier als
Schatten, „Ich habe Angst zu sein.“
Teil IV
Die Anwendung der Erkenntnis

Der Prozeß des Entleerens

Man benötigt mit Sicherheit Übung, um die Gedanken


und dann die Gefühle aus sich in dieser
konzentrierten, rein auf die Negativität
ausgerichteten Form herausfließen zu lassen. Auch
bei mir war es ein Prozeß. Deshalb ist bei jedem, der
mit dem Heilenden Denken anfängt, Geduld
angesagt.
Bei dem Prozeß des Aufschreibens geschieht mit der
Zeit folgendes. Die ersten Wörter und Sätze werden
scheinbar allein vom Intellekt diktiert. Man muß noch
überlegen, damit einem was Negatives zu dem Wort
einfällt. Anerzogenerweise sträubt sich in uns ja
alles, etwas Negatives zu sagen und zu äußern.
Doch mit der Zeit und ein wenig Übung fließen die
negativen Worte und Sätze von allein. Es ist fast so,
als warte das „Ich“ darauf, sich endlich von all dem
gefühlsmäßigen und gedanklichen Schmutz und Unrat
in sich zu befreien.
Dann kommen die Sätze mit Macht. Dann aber
kommen auch alle negativen Gefühle dazu mit Macht.
Mit all den Schmerz- und Haßworten fließt auch aller
Kummer, alle erlittene Empörung, aller Schmerz aus
einem heraus. Mal mehr, mal weniger. Gewöhnlich
fließen dabei viele Tränen.
Das ist dann nicht lustig. Sogar sehr anstrengend.
Ich bin hinterher meist erschöpft. Aber ich bin
hinterher auch frei von Schmerz und Angst. Am
Anfang des Heilprozesses nur für kurze Zeit, später
dann für längere Zeit, jetzt schon für Tage,
manchmal Wochen.
Nicht immer schaffe ich es gleich, diese
aufgeschriebenen negativen Gedanken in positive
umzuwandeln. Aber es ist angeraten, das innerhalb
weniger Tage, am besten jedoch gleich zu tun. Damit
man nicht die Übersicht verliert.

Meine heilenden Gedanken zum Wort Schwein

Man kann beim Heilungsvorgang ganz pragmatisch


vorgehen. Satz für Satz bekommt dann einfach eine
positive Darstellung. Manchmal klingt die positive
Bedeutung des Satzes lustig, manchmal weise,
manchmal erscheint sie einem irgendwie verdreht
und nicht logisch. Doch auch das hat seine tiefere
Bedeutung, wenn man sie ergündet hat.

„Schweine sind sauber. Schweine duften. Ich liebe


Schweine, weil sie so stinken. Ich liebe Schweine,
weil sie so ekelhaft sind. Ich liebe alle Schweine. Ich
liebe es, dass Schweine so gemein sind. Ich liebe
alle Schweine, die so gemein sind. Ich liebe dich. Ich
liebe dich, weil du ein Schwein bist. Ich liebe dich,
weil du so gemein bist. Ich liebe dich, weil du mir
weh tust. Ich liebe alle, die mir weh tun. Ich habe
Vertrauen, dass mir alle immer so weh tun. Ich habe
Vertrauen, dass mir alle immer so weh tun können.
Ich habe Vertrauen, so zu leben. Ich habe Vertrauen,
so zu leben. Ich habe Vertrauen, so zu sein. Ich habe
Vertrauen zu sein.“

Um die Sätze „Ich liebe Schweine, weil sie so


ekelhaft sind“, „Ich habe Vertrauen, dass mir alle
weh tun können“ in ihrem Heilungs-Sinn zu
begreifen, müssen wir wieder auf unsere Kindheit
und unsere Erziehung, auf die Maßstäbe und Werte
unserer Gesellschaft zurückkommen.
In unserer Kindheit bekamen wir Werte von Gut und
Böse beigebracht. Dabei mußten wir einen Teil
unseres Selbst – den sogenannten bösen, nicht
geliebten – in die Tiefe unseres Unbewußtseins
verdrängen. Hieß es nicht oft: „Pfui, das tut man
nicht.“ „Laß das, das ist böse.“ „Das sagt man nicht,
das ist ein schlechtes Wort.“ Im Unbewußtsein aber
war der „böse, schlecht, ungeliebte“ Teil unseres
Selbst nicht einfach verschwunden. Es gibt im
Universum nichts, was einfach verschwindet.
Es war weiterhin da, um uns in unserem Leben zu
begleiten, als unser Schatten, der uns im weiteren
Verlauf unseres Lebens immer mehr bedrängt.
Und weil wir es in unserer Kindheit so gelernt hatten,
verdrängten wir im Laufe des Lebens weiterhin Teile
unseres Selbst. Bis unser Inneres so dunkel wurde,
dass wir es gar nicht mehr erkennen konnten. Bis wir
uns, sowohl individuell als auch kollektiv, nur noch
auf das Äußere des Lebens konzentrierten. Bis wir
nur noch Äußerlichkeiten als wichtig ansahen, und
unser Inneres, unsere inneren Gefühle niemandem
mehr zeigen wollen. Logisch, sie waren ja so
schlecht. Wer will schon das Schlechte von sich
zeigen, wenn alle nur immer darauf aus sind, gut
genug und besser, schneller, schöner zu sein? Ich
wollte und konnte das über Jahrzehnte nicht.

Schmerzen und Krankheit

Unser Ego ist unser Schatten.


So saß ich nun mit meinem Wissen über das Ego da.
Ein schönes Bild hatte sich mir offenbart. Mit dieser
Lampe und dem Lampenschirm. Eines wurde mir
dann aber mit diesem Wissen klar. Dieser Schatten
da in mir, das war die Ursache meines Elends, die
Ursache meines Leidens und meiner Schmerzen.
Wollte ich mich heilen, dann mußte ich diese
Schatten auflösen. Denn das Licht, das war kein
Leid, das war irgendwie Wohlsein. Uriel machte mir
auch ziemlich deutlich klar, dass sich mein Schatten
immer nur vergrößerte, je mehr ich dem Trieb des
Ying nachgab. Körperlich drückt sich dass so aus,
dass immer wieder, wenn ich dem Trieb folgte und
mir einen materiellen Wunsch erfüllte, in mir
dasselbe chemische Produkt, dasselbe Hormon
produziert wird. Dass ich wieder sauer und
angespannt bin.
Das aber führt mit der Zeit zu einem Ungleichgewicht
im Körper, das sich letztlich in Schmerzen ausdrückt.
Erst in psychischen Schmerzen, dann in körperlichen
Schmerzen, letztlich materialisiert es sich zu
wirklichen Krankheiten, die wir erleiden.
Zu dumm das ganze. Wir spüren Schmerzen, wenn
Ying uns treibt. Reagieren wir aber auf Ying, dann
kommen irgendwann auch wieder Schmerzen. Das
heißt, erfüllen wir uns unser ganzes Leben lang
unsere Wünsche, dann altern wir schnell, dann
werden wir schnell krank, dann sterben wir schnell.
Zu blöde, das da.

Herr über das Leben

Wie aber kommen wir aus diesem Kreislauf heraus?


Solange, wie wir auf unser Ying reagieren, gar nicht.
Solange sind wir wahrhaftig Marionetten. Obwohl wir
das in diesen Momenten gar nicht so sehen, weil wir
ja der Ansicht sind, dass wir ganz allein von unserem
Willen diktiert, unsere Wünsche und Sehnsüchte,
unsere Ziele und Hoffnungen erfüllen.
Mögen diese Ziele noch so lauter sein, es sind
Wünsche, die wir verwirklichen wollen, angetrieben
von Ying. Natürlich gibt es auch hierbei eine
Differenzierung.

Es ist nun so, in dem Moment, wo wir denken, dass


wir allein Herr über uns selbst sind, dass wir unser
Leben unter Kontrolle hätten, sind wir in Wahrheit
unseren programmierten Trieben unterworfen.
Anders ausgedrückt, getrennt vom Einssein.
Das kann man drehen und wenden wie man will.
Sicher, es ist schon sehr schmerzhaft, diese Wahrheit
zu erkennen. Ich empfand diese Erkenntnis als sehr
sehr schmerzhaft. Das heißt ja, dass es gar keine
freien Willen gibt. Keine Selbstbestimmung des
Wesens Mensch.
Ja und Nein. Solange, wie der Mensch nur seine
eigenen Wünsche ichbezogen bedienene will,
solange ist er eben nicht Herr seines Selbst. Auch
wenn es über die Jahrtausende und Jahrhunderte
anders aussehen mag. Die göttliche Wahrheit lautet
anders.

Sein Wille geschieht

Erst, wenn wir uns Gottes Willen ganz und gar fügen,
erst dann kommen wir aus dem Kreislauf von stirb,
leide und werde heraus. Erst, wenn wir uns
vollkommen fügen, erst dann sind wir vollkommen
frei. Was aber ist Gottes Wille? Er will, dass wir zu
Bewußtsein unseres Selbst kommen. Nicht mehr und
nicht weniger. Er will, dass sich Vater und Mutter,
Geist und Materie, Himmel und Erde, vereinen um
einen neuen Gott zu schaffen. Dass sich Ying mit
Yang vereint, um neues Bewußtsein zu Sein. Um sich
seiner Selbst bewußt zu sein. Um den Himmel auf
Erden zu schaffen. Es ist nicht anderes als die
Umkehrung der biblischen Schöpfungsgeschichte. Der
Weg zu Gott zurück. Re-Ligion.

Und wie sieht das in unserem Alltag aus? Vorhin


nannte ich das äußere Yang. Die Illusion von Yang.
Äußeres Yang ist zum Beispiel Nahrung, Güter, Geld,
Gold, Macht, Ruhm, Ehre, Anerkennung, Erfolg, Liebe
eines anderen Menschen, was wir haben wollen, mit
dem wir unsere innere Leere füllen wollen.
Doch erinnern wir uns an die Definition von Ying und
Yang. Da hieß es, dass Ying auch Materie ist. Was
aber ist Gold und Geld und Sexualität? Materie oder
zumindest materiell gebunden. Also eigentlich
verkapptes Ying. So wird also im übertragenen Sinne
das innere Ying beim Erfüllen der Wünsche abstrakt
gesehen auch nur mit Ying vereint. Ying gesellt sich
zu Ying, und die Disharmonie wird immer größer. So
ist zu erklären, dass mit jeder Wunscherfüllung
unsere Schatten immer stärker und dichter werden,
wir immer mehr Trieb und Drang haben. Wir immer
mehr haben wollen.
Und erinnern wir uns, was das wahre duale Yang im
Gegensatz zur Ying-Materie ist? Es ist Geist. Reiner
Geist.
Einfach ausgedrückt, wenn wir also unser inneres
Ying, unsere Sehnsüchte und Triebe, unser Gefühl
mit unserem Geist, unserer geistigen
Aufmerksamkeit verbinden, dann entsteht eine wahre
Vereinigung von Ying und Yang, dann entsteht das
von Gott gewollte Bewußtsein. Nicht mehr und nicht
weniger.
Erst dann erfolgt die Erlösung, die Auflösung der
Schatten, die eine Heilung des Selbst zur Folge
haben.
Der Heilungsprozeß

Und nichts anderes geschieht bei dem Prozeß des


Heilenden Denkens.
Wenn ich also meine negativen Gedanken
aufschreibe, so schreibe ich auf, was mir nicht
gefällt, was ich haben will, wovor ich Angst habe,
was mir Schmerz bereitet. Ich schreibe Ying auf. In
Form von Worten. Und wenn ich diese negativen
Aussagen erkenne und ganz einfach ins Positive
umkehre, dann verbinde ich sie mit meinem
bewußten Geist. Mit meinem Erkennen von Ying
erkenne ich mich selbst. Bislang habe ich als
unbewußter Mensch immer nur auf mein Äußeres
geachtet, auf alles Äußere allgemein. Nun aber gehe
ich mit meiner Beachtung in mein Inneres.
Das Ergebnis ist verblüffend einfach. Das Ying löst
sich auf. Stück für Stück verschwinden die Schatten.
Es wird lichter und lichter in mir. Ich transformiere
mich sozusagen hoch in eine neue lichtvollere Ebene.
Ich komme der Erleuchtung nahe. Schritt für Schritt.
Stück für Stück.
Das mit der Erleuchtung klingt sehr dramatisch. Ich
habe mir jedenfalls unter Erleuchtung etwas
Dramatisches vorgestellt. Ich dachte, dass dabei in
einem ein großes Licht angezündet wird. Ganz
ehrlich, ich dachte dass man bei der Erleuchtung
sowas wie eine innere Glühbirne wird. Eben ganz
hell. Soetwas habe ich auch schon in der form
gelesen. Mag sein, dass es sowas auch gibt. Ich habe
es so nicht erlebt. Obwohl ich immer wieder darauf
gehofft hatte und dann enttäuscht war. Ich libe
dramatische Effekte.
So im vollziehenden Prozeß kann ich sagen, dass mir
der vorgang eher sehr undramtisch erscheint. Leider.
Es wird lichter und lichter in mir. Dass wohl. Aber
das gilt mehr im übertragenen Sinne. Ich erkenne
mehr und mehr die Zusammenhänge des Lebens. Ich
schaue sozusagen hinter die Kulissen. Auch denke
ich, dass sich mein Gesundheitszustand verbessert
hat. Doch da ich früher auch nicht nenneswert krank
war, kann ich dazu keine wesentliche Aussage
treffen.
Ein weiteres Zeichen ist, dass ich meine Umwelt
anders erlebe.
Zunächst erscheint das Bild der Umwelt das gleiche
zu sein. Ich habe keine Arbeit. Ich habe keinen
eigenen Verdienst. Mein Mann hat mich verlassen.
Die Zwangsversteigerung meines Hauses droht. Das
äußeres Bild ist das gleiche wie vor zwei Jahren.
Doch meine innere Einstellung dazu ist eine andere.
Meine Angst vor all diesen Zuständen ist so gut wie
nicht mehr vorhanden. Die meiste Zeit jedenfalls. Die
Angst vor der scheinbaren drohenden Katastrophe
meines irdischen Seins ist aufgelöst. Ich habe sie
erkannt und geheilt. Ich habe keine Angst mehr, dass
mein Mann mich nicht liebt. Ich habe Vertrauen, dass
er mich nicht liebt. Ich habe keine Angst mehr, dass
ich keinen Job mehr bekomme. Ich habe Vertrauen,
dass ich keinen Job mehr bekomme. Ich habe keine
Angst mehr, dass mein Haus mir weggenommen wird,
weil ich die Hypothek nicht mehr bezahlen kann. Ich
bin in dieser Beziehung voller Vertrauen. Ich lebe
jetzt ganz ruhig in den Tag und schaue auf die Dinge,
die da kommen.
Mag sein, es gibt andere Methoden. Das ist meine,
und sie hat sich schon mal bewährt. Mein Drang nach
Habenwollen ist sehr viel geringer geworden.

Was passiert in mir, wenn ich Ying spüre? Ich fühle


das produzierte Hormon A. Das ist der körperliche
Prozeß. Um Ying aber zu erkennen und mit dem Geist
zu erlösen, muß es auch einen geistigen, scheinbar
geistigen Prozeß geben. Gibt es auch. So, wie sich
Ying im Körper über das Produzieren von chmischen
Substanzen, wie es Hormone sind, bemerkbar macht,
so macht sich Ying auch im Geist bemerkbar. Und
zwar über die Elektrizität. Elektrizität ist Energie.
Letztlich ist alles Energie, aber bleiben wir mal an
dieser Stelle bei unserem einfachen
Schulbuchwissen.
Wir müssen keine Professoren sein, um zur
Erkenntnis zu gelangen. So, wie Ying also Gefühle,
die wir spüren, in Form von Hormonen und Säuren
erzeugt, so erzeugt das gleiche Ying auch Gedanken
in Form von elektrischen Impulsen. Das gleiche Ying
erzeugt immer das gleiche Hormon, immer den
gleichen elektrischen Impuls, der schließlich zum
Gedanken wird.
Zum formulierten Wunschgedanken.
Der unbewußte Mensch hat seine Gedanken ganz und
gar nicht unter Kontrolle. So hat er am Tag
tausenderlei Wunschgedanken, und verliert sich
letztlich in den einfachsten, in denen nach Essen und
Trinken und Sexualität. Wie eben ein ganz normales
Tier. Höherbewußte Menschen können über das
Studium ihre Gedanken schon besser strukturieren.
Sie haben dann Ziele und Pläne. Mit diesen Zielen
und Plänen erfüllen sie sich große Wünsche. Wie den
Wunsch nach einem neuen Auto. Noch höher
strukturierte Menschen haben noch strukturiertere
Pläne, wollen etwa einen Staudamm bauen, um eine
Land zu ent- oder bewässern, einen heiligen Krieg
führen, um das Volk von Unterdrückung zu befreien
oder eine Raumstation bauen, um in den Weltraum
vorzudringen. Auch Menschen, die immer nur gut
sein wollen, sind von Ying diktiert. Denn alles Wollen
ist Ying, ist Trieb. Sorry. Ist so.
Ekel vor allem

Mitten in meiner Heilungsphase gab es immer mal


wieder Momente, da ekelte mich auf einmal die
ganze Welt an. Ich hatte sie durchschaut und sie
erschien mir auf einmal so lächerlich.
Die Menschen da draußen rannten alle wir blöde
umher um Haben-zu-wollen. Nichts anderes bewegte
sie. Sie wollen ihre Wünsche und Träume erfüllen,
ihre Sehnsüchte leben, ihre Ziele erreichen, Macht
haben, Geld haben, Arbeit haben, zu Essen haben,
Glück haben, Erfolg haben, ein neues Ziel haben,
Recht haben, Ruhe haben, Spaß haben.... oh, laßt
mich doch alle in Ruhe damit!!!!!

Nein, ich wollte nicht mehr haben. Nichts mehr


haben. Nie mehr etwas haben wollen! Ich wollte
nicht mehr die Marionette meines Triebes sein. Ich
wollte nicht mehr funktionieren. Ich wollte nicht
mehr so funktionieren, wie es mir mein Gier-Tier in
mir vorschrieb.
Ich fühlte mich gefangen und wie eine machtlose
Marionette. Ich sah all die Menschen in der Welt, wie
sie wie Marionetten ange-trieb-en leben. So
unendlich sinnlos, das alles. So unendlich sinnlos
und unendlich blöde.
Hat man diese Show erst einmal vollkommen
durchschaut, ist man angewiedert von der
fressenden, saufenden, hurenden, gierigen Welt.
Schalte doch bitte einer ab! Mach doch bitte einer
den Vorhang zu! Erlöse doch bitte einer die
Menschen von ihrem ewigen Wahn, Haben-zu-wollen
um glücklich zu sein!
In diesen Momenten, wo ich die Sinnlosigkeit des
ganzen Erdenlebens so schaute, war mir untröstlich
und zum Lachen zugleich zumute. Wie in einem
Panoptikum. Warum sieht denn das keiner, dachte ich
mir immer wieder.
Bis ich den Blick wieder auf mich selbst lenkte. Ich
war ja genauso eine Marionette, die an den Strippen
der eigenen Gier hing. Nicht mehr ganz so
festgezurrt, wie andere vielleicht, aber immerhin
doch noch. Ich mußte, ob ich wollte oder nicht,
essen, um zu leben. Es treibt mich mittels Hunger zu
essen. Ich erkannte: Das Leben ist unmittelbar an
den Trieb gebunden. Es gibt kein Leben ohne den
Trieb.
Da begann ich mich mit den Lebenstrieb genauer zu
beschäftigen.

Der Antrieb des Lebens

Der Trieb, das Ying, ist genauso aufgebaut wie alle


anderen Erscheinungsformen der Welt auch. Der
Urtrieb ist die Vereinigung von Ying mit Yang. Haben
wollen um zu sein. Um glücklich oder in Harmonie zu
sein.
Dieser Urtrieb differenziert sich dann immer mehr
und mehr. Je nachdem, wieviel Futter man ihm gibt.
Er verzweigt sich auf die gleiche Weise wie der
Lebensbaum.
Denken wir beispielsweise an den Hunger. Wer
wirklich Hunger verspürt, begnügt sich mit einem
harten Stück trockenem Brot. Das reicht, um den
Hunger, den Hungertrieb zu stillen. Eigentlich.
Doch obwohl der Hunger gestillt ist, ist Ying noch da.
Nur jetzt noch etwas größer. Es will mehr haben.
Also geben wir ihm mehr. Wir geben ihm – so wir uns
unbewußt von unserem Gier-Tier antreiben lassen,
Brot mit Butter. Mehr, Mehr, schreit das Gier-Tier. Es
bekommt Brot und Butter und Wurst. Mehr, mehr. Es
bekommt Käse, Schinken, Schokolade, Kaffee, Chips.
Mehr, mehr. Es bekommt Joghurt, Bananen, Tee,
Gewürze, Gekochtes und Gebackenes und Gebratenes
und Gesottenes. Mehr, mehr. Es bekommt Chillisoße
und Rahmspinat und Spätzle und Weinsauerkraut und
Burger-King. Mehr, mehr.
Uns wird doch noch was einfallen, oder?
All unsere gesamte Erdenenergie verwenden wir
darauf, allein unser inneres Gier-Tier zu füttern.
Dabei wird es dicker und dicker und schreit lauter
und lauter: Mehr, mehr.

Meine Einsicht kam nur widerwillig. Aber wollte ich


mich von den Fesseln der Marionetten-Strippen
befreien, mußte ich diesem Mehr, mehr Einhalt
gebieten. Deshalb lautet seither meine persönliche
Devise: Weniger, weniger. So einfach wie nur
irgendmöglich muß das Leben werden, will man nicht
seine mitbekommenen Lebenspotenzen
verschleudern, nur um seinem Gier-Tier zu dienen.
Diese Entscheidung ist nicht einfach zu treffen. Es
bedeutet eben, und darauf läuft es immer wieder
hinaus, mehr und mehr zu verzichten und sich selbst
zu versagen.
Das ist der Weg zurück. Das ist aber auch und
glücklicherweise der parallele Weg zum Heilenden
Denken. Es ist ein gleichzeitiger Prozeß, insofern ist
er nicht ganz so schwer, wie er jetzt erscheint. Je
mehr ich mich innerlich von all den negativen
Gedanken gereinigt hatte, desto weniger Verlangen
hatte ich nach all den äußeren Dingen.
Das Verzichten bot sich so von ganz alleine an. Wie
beim ersten Mal das Aufhören mit dem Rauchen. Das
ist eben auch ein positiver Effekt dieser Heilungsart.
Es kommt immer wieder vor, dass ich rückfällig
werde. Der Lebenstrieb ist stark. Doch es macht
auch Spaß, gegen ihn zu Felde zu ziehen. Sich selbst
etwas zu versagen, weil man ja weiß um des
Wunsches Ursprung. Hinterher bin ich dann immer
wieder stolz auf mich. Auch wenn es meist nur kleine
Siege sind. So wie meine wöchentlichen Fastentage.
Ich freue mich schon imme auf sie. Mittlerweile hat
sich mein Körper auch untergeordnet und diese Tage
sind für mich Erfolgstage über mein Gier-Tier.
Insofern hat man dann doch wieder seine
Erfolgserlebnisse. Nur anderer Natur als bisher.

Um beim gleichen Beispiel Hunger zu bleiben. Hier


geht es eben darum, nur den Hunger zu bedienen,
nicht den Appetit. Die Zutaten immer weiter zu
verringern. Keine Gewürze, keine Gourmet-Rezepte,
wenige Zutaten, natürlicher Geschmack. Frugale
Male sind angesagt. Nein, es gelingt mir nicht immer.
Aber immer öfter.
Diesen inneren Kampf muß jeder selbst antreten. Da
hilft ihm kein Arzt oder Apotheker, kein Politiker oder
Lehrer, niemand. Es ist eine persönlich eigene
Entscheidung, die Verantwortung für sein Leben
selbst zu übernehmen.
Natürlich kann jeder sagen: Das will ich nicht.
Na, was wollen Sie denn?? Welchen Wunsch haben
Sie? Und - welche Angst steckt hinter Ihrem Wunsch,
es nicht zu haben? Schon erkannt?
Ach, laß mich doch in Ruhe damit!

Im Erkennen ist alles Sein eins

Die Buddhisten haben diese Matrix auch so erkannt.


Kein Wunder, leben sie doch seit Jahrtausenden mit
dem Ying-Yang-Symbol. Sie haben erkannt, dass
alles Tun, alles Handeln letztlich auf Ego, auf
Wunsch, auf Ying beruht. Deshalb lautet ihre
Empfehlung, das Ego zu überwinden, die eigenen
Wünsche zu überwinden, am besten nicht zu handeln
aus dem Ego heraus. Der Buddhist meditiert und
entleert dabei seinen Geist. In diesem Prozeß der
Meditation und geistigen Entleerung, Stillwerdung,
überwindet er auch seine Wünsche. Die
Buddhistische Weisheitslehre beschreibt genau den
Weg, den die Schüler zur Erleuchtung gehen müssen.
Doch eines glauben die Buddhisten nicht. Sie glauben
nicht, dass es einen Gott gibt. Sie wissen, dass alles
Sein nur Schein ist, Widerschein und Illusion. Sie
wissen, dass das Leben Leid ist, das es zu
überwinden gilt, damit das Ego überwunden wird. Um
eins in Allem zu sein.
Buddhisten, die sich auf dem Pfad befinden, sind
wahrhaft weise Menschen. Ich bezweifel auch nicht,
dass sie zu einer Art Erleuchtung gelangen.
Doch ich bezweifel, dass sie dazu ohne einen Gott
gelangen. Denn es ist Gott, der uns und diese Welt
geschaffen hat. Es ist diese Superintelligenz, die sich
in Allem in Form äußert. Auch in der Form des
Lebens, in der Form der Person, der Persönlichkeit.
Sollte Gott, der die Persönlichkeit schuf, selbst ohne
Persönlichkeit sein? Diese Frage wird in den
indischen Lehren eindeutig beantwortet. In einer
Interpretation der über 5000 Jahre alten Bagavadgita
las ich, dass Gott hier sowohl als persönliches als
auch als unpersönliches Prinzip verehrt wird.

Wie heißt es in der Bibel: Am Anfang war das Wort.


Das Wort aber ist Sprache, ist In-form-ation. Ist
Logos. Und so erscheint uns Gott in allem als „In
Form“, als Information, als Sprache, die wir nur
verstehen lernen müssen, um ihn zu erkennen. Gott
erscheint uns in seiner ganzen Persönlichkeit in den
einzelnen individuellen Formen der sicht- und
erlebbaren Welt.
Ihn hat nun das Christentum, diesen einen Gott.
Diesen höchsten aller Hohen, diesen Einzigen, alles
Durchdringenden. Diese „Ich bin“-Persönlichkeit.
Doch das Christentum scheint wiederum nichts von
Ying und Yang zu wissen. Die Kirche lehrt das Wort,
aber nicht die Bedeutung. Sie hat das Wissen um die
Mysterien verschlossen in den heiligen Hallen, in die
kein unbewußter Mensch dringen darf. Geheim,
geheim alles Wissen um die Befreiung des Selbst.
Damit die Menschen nicht zu Bewußtsein gelangen
und der Kirche nicht ihre materielle Macht nehmen,
die sie nur über unbewußte Menschen haben kann.
Vor kurzem wiederholte der Papst in einer seiner
Traktate, dass die Kirche von der Existenz des Bösen,
des Teufels ausgeht. Für wie dumm hält die Kirche
ihre Schafe? Für so dumm, wie sie sich halten
lassen.

Zur Zeit zieht es viele Menschen aus dem Westen zu


den östlichen Religionslehren. Nicht nur zum
Buddhismus. Auch die indischen Veden, die
Bagavadgita und die Upanishaden, die jahrtausende
alten Weisheitslehren, das nördliche Schamentum,
die indianischen Manitu-Lehren üben eine starke
Faszination auf den nach innerer Erkenntnis
dürstenden christlichen Geist aus. Und es zieht
zahlreiche östliche Weisheitslehrer, ob aus Indien,
China oder Tibet in den Westen, hier ihre Weisheit zu
verbreiten. Ein Anzeichen dafür, dass sich auch die
Weltreligionen schon bald als eins erkennen. Die
Globalisierung schreitet mit Riesenschritten voran.
Die Welt will erwachen. Dornröschen will wachgeküßt
werden.
Das böse Weib

Weil sich Eva von der Schlange verführen ließ, zur


Frucht der Erkenntnis langte, den armen Adam gleich
mit verführte, wurden die ersten Menschen aus dem
Paradies vertrieben. Schuld war das böse, lüsterne
Weib. In den vergangenen tausend Jahren haben die
Herren der Schöpfung für diese Schandtat ihre Rache
am Weibe deutlich spüren lassen. Die Frau, alles
Weibliche, wurde verfemt und verteufelt,
unterdrückt, gedemütigt, entrechtet und dem Manne
Untertan gemacht.
In der christlichen Kirche war es dem bösen,
sündhaften Weib nicht gestattet, ein religiöses Amt
zu übernehmen. Doch auch in fast allen anderen
Religionen hat das Weibliche eine Zweitrangstellung
inne.
Sowohl die Buddhisten, die Mohammedaner, die
indischen Religionen, die Christen und fast alle
derzeitigen Religionen der Welt schließen aus der
Erleuchtungsmöglichkeit des Menschen die Frauen
aus. Buddha war ein Mann, und nach dem
buddhistischen Glauben sei es nur Männern möglich,
ins himmlische Nirvana zu gelangen. Nirwana ist der
Ort, wo das Individuum seine Schatten aufgelöst hat
und sich mit den All-Licht vereint.
Der Christus Jesus ist der Sohn, Gott der Vater, und
der Heilige Geist der Kirche scheint gemäß der Bibel
auch männlicher Natur zu sein.
Dieser Ausschluß des Weiblichen, des Ying in seiner
irdischen Verkörperung, aus dem Prozeß des
Erkennens hat in den vergangenen Jahrhunderten die
Entwicklung auf der Erde nicht so sehr zu ihrem Heil
gelingen lassen. Das Unterdrücken des Weiblichen
bedeutete auch, die intuitive, gefühlsmäßige,
leidenerschaffende, beseelende Seite des Lebens und
des Menschen zu unterdrücken. Das Leid wurde
verteufelt und sollte ausgerottet werden. Mit allen
Mitteln versuchen die Menschen seit Jahrtausenden,
dem Leid zu entfliehen. Sie wollen die Welt schöner
und besser erschaffen. Sie streben und streben und
streben. Und laufen vor sich selbst davon. Damit
geriet die Menschheit in eine starke Disharmonie. In
eine Art rational-logische Schieflage.
Nun ist parallel zum Erwachen des Bewußtseins in
der Menschheit auch das Erstarken des Weiblichen
auf der Erde zu erkennen. Nicht nur, dass die Frauen
in den entwickelten Nationen ihre Gleichberechtigung
in allen Lebensbereichen einfordern. Viele Menschen
erfahren und erkennen in sich schon das tiefe
Sehnen. Viele Menschen halten schon inne in ihrem
strebenden Tun. Weltweit ist ein Erstarken der
sogenannten esoterischen Szene zu erkennen. Das
Unnatürliche und Übernatürliche bricht sich seine
Bahn. Zu erkennen an den vielen Dämonenfilmen und
Mysterysendungen in den Medien. Zu erkennen an
dem riesigen Markt von Geist- und Engelssehern und
–heilern.
Nicht zuletzt an dem zunehmenden Weltenschmerz,
den die Menschheit erfaßt zu haben scheint. Immer
mehr Menschen erkennen und akzeptieren das
weibliche Element in ihnen, das Leid, nehmen es an
als den anderen Teil des Selbst. Das Sein ist dual. Es
besteht aus zwei Teilen. Aus gegensätzlichen Teilen.
Eine Erlösung gibt es nur über die Einheit und
Harmonie der Gegensätze. Auch das ist ein göttliches
Gesetz, das immer wirkt. Es ist Gottes Wille, der
immer geschieht. Oder ist es der Wille der Göttin?

Nun mag man sagen, Gott, dass ist doch der Herr.
Also Mann. Nein. Nirgends steht geschrieben, dass
Herr mit Mann gleichzusetzen ist. Die Männer haben
es zwar jahrtausendelang getan. Dadurch hat sich
die Überlagerung der Begriffe eingebürgert, ist es
allgemeines Wissen geworden, dass meist nicht mehr
hinterfragt wird. Doch gab es in den alten Sprachen,
in denen die alten weisen Bücher der Welt verfaßt
wurden, keine geschlechtlichen Bezeichnungen für
das Wort Gott oder Herr. Dass Gott also ein Mann
sein soll, ist deshalb eine Behauptung, aber keine
Tatsache. Eine Tatsache müßte man belegen und
beweisen können. Gott kann man nicht belegen und
beweisen.
„Ich bin“ ist ungeschlechtlich, bis wir uns damit
identifizieren.

Die Göttin und der Gott

Vor Tausenden Jahren herrschte auf der Welt das


Matriachat. Hier hatte die Frau, die Mutter, die
verehrte und bestimmende Stellung in der Familie
und Gesellschaft. Als das Prinzip der Schöpfung
wurde die Große Göttin verehrt, die den Menschen
als vielschichtige und in sich selbst differenzierte
Wesenheit erschien.
Damals lebten die Menschen im intuitive Bewußtsein
mit der Natur, mit der Göttin, mit dem
Schaffungsprinzip des ewigen Werdens und
Vergehens. Das Gehirn des Menschen war noch nicht
in zwei eigenständige Hälften geteilt. Lesen wir in
der Mythologie über die Göttinnenverehrung nach, so
wird sie uns – je nach ihrem wirkenden Aspekt oft in
verschiedenen Namen und Bezeichnungen – als
Prinzip der Dreiheit dargestellt. Die jungfräulich
Werdende, die erhaltende Mutter und die
allesverschlingende Alte. In der verschiedensten
bildlichen Darstellung ist diese Große Göttin noch
heute in allen Religionen der Welt erkennbar.
Es gehörte zum Prinzip der damals verehrten Göttin,
dass aus ihr der neue Gott geboren wurde. Dieser
neue Gott, der nach seiner Geburt die Herrschaft
übernahm, war versinnbildlicht mit dem Licht, mit
der Sonne, mit dem Tag, mit der Erscheinung an
sich. Während die Göttin eine Allwährende war, war
der Gott immer nur eine Zeiterscheinung. Er wurde
von der Göttin geboren, um zeitweise zu strahlen
und zu sein. Am Ende seiner Zeit aber wurde er von
der Göttin wieder verschlungen, weil die Zeit seines
Seins zu Ende war. Wie der Tag, wie das Jahr, wie
das Leben. Um am nächsten Morgen, zur nächsten
Periode, wieder neu geboren zu werden.
Schauen wir uns diese alte Mythologie aus der
Erkenntnistheorie an. Danach ist die Große Göttin
das eine Ganze, unberührte Bewußtseinsprinzip. Wie
in der christlichen Mythologie die Jungfrau Maria. In
der indischen die Göttin Shakti. Aus diesem
unberührten Prinzip entsteht das Weibliche, Ying, die
Mutter, und das Männlich, Yang, der Sohn. Maria
gebar Jesus und wurde zur Gottesmutter, Shakti
gebar Shiva und wird noch heute in Indien als
Urmutter verehrt.
Während nun nach der Geburt die Mutter in den
scheinbaren Hintergrund oder Untergrund tritt,
erstarkt der Sohn und wird zum Vater, zum
alleserschaffenden Prinzip, zum leuchtenden
Himmelsgott, Sonnengott. Die indische Mythologie
nennt diesen Gott auch den Brahman. Dieser Gott
hat seine Zeit der Schaffung. Er erschafft die
vieltausend Formen aus dem Grund des Seins. So,
wie Jesus sagte, alles Wort muß zu Fleisch werden.
Diese Gottphase zeigte und zeigt sich auf der Welt
und in der Menschheitsgeschichte als die Zeit des
Patriachats. Hier kam alles ans Licht. Der Mann und
Gott übernahm die Herrschaft. Nach seinem Willen
geschah, wurde geforscht, entdeckt und erfunden.
Die Logik wurde entwickelt und gewann die
Oberhand. Nur das Bewiesene hatte von nun an
Bestand. Das Unbewiesene, Unlogische, das
Gefühlsmäßige, Intuitive, geriet mehr und mehr in
den Schmähwinkel. Das Weibliche war scheinbar
nicht mehr wichtig für das Leben. Es wurde
unterdrückt, in den Hinter- und Untergrund
geschoben. Doch es war und ist das ewigwährende
weibliche Prinzip, das Ying, das die Menschen zum
Schaffen und Differenzieren antreibt. Es war die
Unlogik, die die Logik erschuf.

Das weibliche Prinzip

Jetzt nun, in der schon stattfindenden Zeit, ist die


Zeit da, wo das Weib, die Göttin ihr Recht als
allesverschlingende Alte in Anspruch nehmen wird.
Der Gott wird sich jetzt in seinem Todeskampf mit
der Göttin vereinen. Das hirarchische, patriachale
Prinzip hat ausgedient. Es ist alles Wort zu Fleisch,
es ist alle Form letztlich durch die Schöpferkraft des
Menschen zu Information geworden. Die linke
Gehirnhälfte ist voll entwickelt, der Mensch besitzt
soviel Ratio, Geist, dass er sich selbst und damit das
Göttliche und Wesentliche seines Seins erkennen
kann. Zu keinem anderen Zweck ist er in die
Buddelkiste Welt gesteckt worden.
Es ist nun die Zeit angebrochen, wo das
GottEinsEnergie-Bewußtsein will, dass das weibliche
Prinzip zu seinem partnerschaftlichen Recht kommt.
Vor Tausenden von Jahren, in der Zeit des
Matriachats und der Großen Göttin, herrschte es
uneingeschränkt. Dann wurde es verdrängt und
unterdrückt durch das erschaffende und erstarkende
männliche Prinzip. Nun ist die Zeit reif, wo beide
Prinzipien sich vereinen. Vater mit Mutter, Ying mit
Yang, Shiva mit Shakti. Der heilige Geist wird und
muß das Fleisch nun vollkommen durchdringen. Dann
ist Harmonie. Dann ist der derzeitige Schöpfungsakt
an seinem diesmaligen Ende angekommen.
Was heißt das in der sogenannten Realität?

Nimmt nun die Frau die Führung der Welt wieder in


ihre sanften, harmonisierenden Hände? Vielleicht
sollte sie. Doch es geht ja nicht um die
Unterdrückung des männlichen Prinzips. Es geht um
die Vereinigung. Das Weibliche im abstrakten Sinne
nimmt, wie beim Geschlechtsakt üblich, das
Männliche liebevoll in sich auf. Der Geist, Ratio,
durchdringt das Gefühl und vereint sich so zur
Harmonie im Menschen selbst und in seiner Welt. Die
Wissenschaft erhält Flügel. Wie ich gelesen habe,
haben das die intelligentesten Wissenschaftler selbst
schon erkannt. Was blieb ihnen nach dem
Quantensprung zu Beginn dieses Jahrhunderts auch
anderes übrig?
Bisher ist der Mensch vor der Angst weggelaufen.
Nun muß er sich ihr stellen. Die Zeit ist reif zum
Erkennen. Die Ernte wird nun eingeholt.

Wünschen lernen – Verzichten lernen

Ying ist es also, das in uns Gefühle und dann


Gedanken erzeugt, die sich wiederum in Worten
strukturieren. So erkennen wir die Dinge und
Erscheinungen und geben ihnen einen Namen.
So erzeugt Ying in uns die Wünsche nach Haben-
Wollen. Das ist auch das erste, was ein Kind lernt. Es
soll seine Wünsche formulieren lernen. Sein Ying in
Form bringen. Es soll informieren. Seinem
unbestimmten Haben-wollen einen Namen geben.
Und wenn es schön artig ist, dann bekommt das liebe
Kind auch, was es haben will.
Das ist die Grundlage der bisherigen
Menschheitsentwicklung. Weihnachten wurde einmal
gefeiert als das Fest der Neuerstehung aus dem
Alten. Die Geburt des neuen Gottes. Des neuen
Rhythmus. Des neuen Jahres. Heute ist daraus ein
Geschenke-Rummel-Rausch geworden.
Selbst das Christkind und der Weihnachtsmann
sagen: Das liebe Kind bekommt immer, was es haben
will.
So denkt es lange, lange Zeit. Deshalb will das Kind
auch ganz lieb sein, damit es bekommt, was sein
Ying ihm diktiert. So kommt es, dass auch ganz liebe
Kinder, ganz liebe Menschen Schmerzen erleiden,
Kummer, Angst und Sorgen haben. Sie sind nicht frei
von Wünschen.
Woher sollten sie auch, sie haben es nicht anders
gelernt. In seiner als Menschheits-Ganzes
betrachteten Kindlichkeit strebte der Mensch nach
Erfüllung, nach Freude und Glück. Entsprechend dem
männlichen Yang-Prinzip. Der Mensch fand kindliche
Freude an all dem Spielzeug, das Gott ihm auf der
Erde hingestreut hatte. Ich kann mich dabei noch an
meine eigene kindliche Entdeckerfreude erinnern.
Wie mir der Park hinter unserem Haus als ein
riesiges Arsenal von unentdeckten Geheimnissen
erschien. So erschien bislang dem Kind-Mensch die
Erde.
Nun ist aber die Zeit des Erwachens gekommen.
Immer mehr Menschen spüren das in sich. Die große
Einweihung in das Erwachsenenleben steht bevor.
Wie für jeden jungen Erwachsenen gilt es auch für
die Menschheit jetzt, die Verantwortung für das
eigene Tun zu übernehmen.
In erster Linie sollte er dafür die Wirkungsprinzipien
der Welt kennen. Und das grundlegende
Wirkungsprinzip der Schöpfung ist nun mal, dass
Bewußtsein zu erschaffen. Der Mensch ist
aufgerufen, seinen Part an dieser Aufgabe zu
übernehmen.
Das heißt zunächst, Verzichten zu lernen. Verzicht
auf all die schönen Dinge da draußen, die den
Menschen Jahrhunderte und Jahrtausende so viel
Freude gemacht haben. Beim Spielen.
In allen Religionen sind Rudimente dieses
Verzichtens noch vorhanden. Bei den Christen ist es
die große Fastenzeit vor Ostern. Im moslemischen
Raum der Ramadan. Mose soll auf dem Berg Sinai 40
Tage gefastet haben, dann soll ihm Gott erschienen
sein und die zehn Gebote übergeben haben.
Die Weisen dieser Welt lehren es seit Jahrtausenden,
dass der Verzicht auf äußeres Sein zu innerer
Erhellung und bewußtseinsmäßiger Erweiterung
führt. Ich kann das nach drei Jahren Verzichtens und
Heilens nur wieder bestätigen.
Wohl wahr, es ist ein schwerer Weg. Und der Lohn ist
keine müde Mark. Doch es ist der einzige Weg, der
aus dem eigenen und dann wohl auch weltweiten
Elend herausführt.

Der Held der Arena

Es muß jetzt niemand denken, dass dieser Weg eine


vollkommen freiwillige Angelegenheit ist. Vielleicht
war sie das einmal. Jetzt nicht mehr. Die Zeit ist reif,
die Ernte wird eingeholt. Es geht auf der Welt nicht
mehr darum, glücklich zu sein, Spaß zu haben. Das
weibliche Prinzip, jahrtausende unterdrückt, kommt
nun mit Macht zum Ausbruch. Das ist keine Warnung.
Das ist eine Tatsache, die belegt und bewiesen
werden kann. Auch Jesus sprach davon, als er sagte,
es werde die Königin von Saba aus dem Osten
kommen und die Menschen zur Erkenntnis bringen.
Die Vorboten der allesverschlingenden Alten sind
deutlich zu sehen. Die Krankheiten vergrößern und
verschlimmern sich auf der Welt. Fieberhaft
versuchen die Wissenschaftler, den zunehmenden
Seuchen und Epidemien Herr zu werden. Vergebens.
Die Erde bäumt sich auf und schüttelt sich. Die
Umweltkatastrophen lehren den Menschen das
Grauen. Nicht trotz, sondern gerade wegen der
Überproduktion verfaulen ihm die Nahrungsmittel vor
dem Mund.
Gold und Geld verlieren zusehens an Wert. Die zur
Zeit wie noch nie bestürmten Aktien- und
Wertpapier-Börsen lassen schon das bedrohliche
Knistern und Krachen eines Einsturzes hören.
Depressionen und Ängste bemächtigen sich in
ungekanntem Ausmaß der Herzen der einzelnen
Menschen aber auch ganzer Völker. Immer schneller
und schneller scheint die Zeit zu rasen. Niemand hat
mehr Zeit. Sie scheint zwischen den Fingern zu
zerrinnen. Gerade war gestern – jetzt ist schon
Morgen.
Der Tod schwingt seine Hippe, der Teufel läutet das
letzte Stündlein ein: Freut euch, Leute, ruft er,
nehmt euch, was ihr noch irgend bekommen könnt,
schmeichelt er mit schillernd-werbender Stimme.
Wer will das alte böse Weib bezwingen? Wer traut
sich, in die Kampfesarena zu steigen?
Wer sich traut, nehme das Schwert des Verzichtens
mit, das Beil des Versagens, das Schild des
Erkennens seines ganzen Selbst. Er ist dann der Held
der Arena. Wird er aber siegen?

Wirr im Kopf

Es ist das Ying in uns, das den negativen Gedanken


schafft. Ein Gedanke ist elektrische Energie. Energie
besteht aus Impulsen: An-Aus. Ein negativer
Gedanke besteht dabei – bildlich dargestellt - aus
vielen negativen Impulsen. Um es anschaulich
darzustellen, soll ein negativer Gedanke mal so
aussehen wie eine große Kuhle. Wie der untere Teil
einer Sinuskurve.
Man kann sich den negativen Gedanken auch wie
eine Schale vorstellen, in die was hineingefüllt
werden soll.
Man kann sich vorstellen, dass ständiges Wünschen
zu einer Überflutung der Hirnzellen mit negativen
Gedanken kommt. Disharmonie herrscht. Der Geist
wird wirrer und wirrer.
Das äußert sich so, dass man oft nicht einschlafen
kann vor lauter Sorgen, dass man die schlimmsten
Vorstellung hat von dem, was da auf eine zukommen
kann.
Was geschieht nun mit diesem unteren Teil der
Wunsch-Sinus-Kurve, wenn der Mensch sich einen
Wunsch, viele Wünsche erfüllt. Mit äußerem Ying
anfüllt.
Natürlich, Ying verstärkt sich. Das heißt, dieser Teil
der
Sinuskurve, diese Schale wird immer größer. Die
negativen Gedanken nehmen zu. Es kommt zu einem
Stau von negativen Gefühlen und Gedanken. „Je
mehr er hat, je mehr er will“, sagte meine Oma
immer. Dieser Stau muß sich irgendwann einmal
entladen. Und er entlädt sich bei unbewußten
Menschen in verschiedener Form. Eine davon ist ein
Schwall von Worten, von zumeist negativen Worten.
Das hört sich dann so an, dass der Mensch klagt über
die schlechten Zeiten, die schlechten Nachbarn, die
schlechte Ernte, das schlechte Wetter, die schlechten
Kinder, das verkorkste Leben insgesamt. Und weil
der Mensch sich so schlecht fühlt, versucht er viel
Anerkennung von anderen zu bekommen dadurch,
dass er erzählt, was er alles Tolles hat und kann und
will und schafft oder träumt. Man lausche nur mal
ganz bewußt dem Redeschwall der Menschen. Selbst
bei scheinbar vernünftigen Gesprächen, Konferenzen,
geht es nur allein darum, wie man noch besser sein
kann als man ist. Weil man nicht gut genug ist.
Der Ying-Druck kann sich auch in der Form eines
Streites entladen, wo der andere, der Gegenüber
richtig beschimpft wird. Wie oben schon dargestellt,
will der Mensch mit seinem Schimpfen auch wieder
nur seinem Haben-wollen Ausdruck verleihen. Es
kann soweit gehen, dass man vor lauter angestautet
Ying-Wut dem anderen etwas antun möchte, ihm
dann auch etwas antut. So sind Mord und Totschlag,
Diebstal und Betrug zu verstehen. Findet Ying keinen
Ausfluß, dann kommt es zu Kurzschlüssen,
Kopfschmerzen, Überdrehtheiten,
Geisteskrankheiten.
Auch der Krieg ist nichts anderes als die kollektiv-
unbewußte Erscheinungsform des Nicht-genug-
haben.

Kollektiv ist der angestaute Ying-Druck an dem


zunehmenden negativen Blödsinn zu erkennen, der in
nie gekanntem Ausmaß aus den nicht mehr zählbaren
Mündern – Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehsendern,
Internet, Telefone, Handys – herausschwillt.
Die ganze Welt scheint ein einziges
sichselbstdarstellendes Kommunikations-Meer zu
sein. So schnell kann niemand mehr mitkommen, wie
schon wieder ein neues plapperndes Maul erschaffen
wurde. Alle reden nur noch. Keiner hört mehr zu. All
diese Münder erinnern mich an das zischelnde
Schlangenhaar der schrecklichen Medusa.
Jeder negative Gedanke, jedes unbewußte, negative
Wort, jede Klage ist letztlich nichts anderes als ein
Zeichen der unerlösten Triebhaftigkeit des Menschen.
Daher raten die Erleuchteten und Weisen auch, dass
man nicht so viel Schwätzen möge. Aber wer hört
schon auf den Rat der Weisheit?

Erlösung in Sicht

Was geschieht aber nun im Körper und im Gehirn,


wenn der Mensch sein Ying bewußt erkennt? Also mit
Geist-Yang vereint?
Im Körper geht dabei folgender Prozeß vor sich.
Erzeugte Ying das genannte Hormon A, die Säure,
die in ihrr Ansammlung in Raum und Zeit zu
Schmerz, Alterung und Krankheit des Körpers führte,
so werden dieses Hormon, diese Säure bei der
Vereinigung mit Geist-Yang aufgelöst. Man kann es
so anschaulich darstellen: Die genau dual zu den
negativen Sätzen und Bedeutungen übersetzten
positiven Sätzen und Bedeutungen erzeugen im
Körper das entsprechende duale Hormon B, die Base.
Damit ist der wahre Ausgleich geschaffen.
Je mehr wir unser Ying erlösen, desto mehr
verschwinden unsere Säuren, Anspannungen, Leiden
und Schmerzen. Wir bleiben körperlich-materiell
gesehen jung, schön, vital und kräftig. Dass damit
auch eine Erlösung von körperlichen Krankheiten
erfolgt, kann ich nicht behaupten, da ich es nicht
beweisen kann.
Was passiert im Geist? Erinnern wir dazu an die
negative Sinuskurve des Ying-Gedanken, der
Negativ-Impulse. Der bewußte Yang-Erkenntnis-
Gedanke ist dabei der entsprechende duale Positiv-
Impuls. Wie die andere obere Hälfte der Sinuskurve.
Und beide Kurvenhälften heben sich auf. Es kommt
zu einer Entspannung allein über den Geist.
Ich habe mal gelesen, dass es bei dieser direkten
Vereinigung von Positiv- und Negativ-Impulsen zu
einer Art Blitz kommt. Man stelle sich dazu die
Funktion einer Glühbirne vor. Hier arbeiten auch
Negativ- und Positiv-Impulse der elektrischen
Energie. Im Gehirn kommt es somit zu einem
gedanklichen Blitzlicht, was man hier dann geistige
Erleuchtung nennen kann. Die göttliche Weisheit
durchflutet uns mehr und mehr. So zumindest habe
ich es mit dem Heilenden Denken erfahren. Denn nur
so ist mir dieses Wissen zuteil geworden.

Natürlich ist das alles recht einfach und schematisch


dargestellt. Warum auch nicht? Ich bin ein einfacher
Geist, ein einfacher Mensch. Mir genügt diese
einfache Darstellung. Eines weiß ich. In den vielen
Büchern, die ich gelesen habe, ist manche meiner
hier angebrachten Darstellungen ausführlicher,
detaillierter, sogar wissenschaftlich erforschter
dargelegt. Letztlich aber kommt dabei genau
dasselbe heraus.

Meine Umwelt und Ich

Das waren aber bei weitem noch nicht alle Fragen,


die ich zu meiner Heilung hatte. Immerhin hatte ich
ja vor allem deshalb Schmerzen, weil es mir in
meiner Umwelt so schlecht ging. Würde meine
Umwelt nicht so schlecht zu mir gewesen sein, dann
hätte ich ja gar keine Wünsche gehabt. Dann hätte
ich gar keinen Schmerzen gespürt. Na, schau mer
mal, sagte Uriel.

Welche Umwelt ist denn nun konkret gemeint? Bei


mir war es so, dass ich meine Arbeit verloren hatte,
meinen Mann, mein Geld, meine Zukunft und wie es
aussieht, auch mein Haus. Ist wohl jedem Menschen
sonnenklar, dass ich dabei großes Leid empfand.
Großes Leid. Riesengroßes Leid.
Mir wäre es gut gegangen, wenn meine Umwelt nur
besser ausgesehen hätte. Wenn ich mehr Geld
gehabt hätte. Wenn mich mein Mann geliebt hätte.
Wenn ich eine gute und sichere Arbeit gehabt hätte.
Halt.
Das alles hatte ich ein paar Jahre zuvor. Ich hatte
einen tollen Job, war Leiterin einer Redaktion. Ich
verdiente eine Menge Geld. Viel mehr, als ich
ausgeben konnte. Ich hatte einen Freund, der mich
auf Händen trug, mir Gold und Edelsteine und
Weltreisen schenkte. Warum war ich zu diesem
Zeitpunkt nicht glücklich? Warum blieb ich nicht
glücklich? Warum veränderte sich meine Welt so
plötzlich zum Negativen, zum äußeren Leid?
Ich gebe es nicht gerne zu. Aber die Wahrheit muß
ans Licht. Zu dem Zeitpunkt, wo es mir scheinbar so
gut ging, war ich noch nicht bewußt.
Das heißt, ich war noch von Ying diktiert. Das heißt,
ich wollte noch mehr haben. Das ist wohl wahr.
Anstatt zu erkennen, dass mich Gott schon reichlich
beschenkt hatte, war ich unzufrieden. Ich langweilte
mich zeitweise auf der Arbeit, an meinem Freund
störte mich, dass er nicht ständig bei mir war.
Goldene Ringe und Ketten erfreuten mich nicht mehr.
Meine schön eingerichtete Fünf-Zimmer-Wohnung
war mir zu klein, ich wollte jetzt ein Haus haben.
Mehr Gehalt wollte ich sowieso. Und wie ich schon
sagte, ging in dieser Zeit auch nicht alles glatt in
meinem Leben.
Am liebsten wollte ich 20 Millionen Dollar haben und
dann irgendwohin verschwinden, wo es keinen Ärger
und keine Sorgen mehr gibt. Ich begann, wie schon
erwähnt, Gott zu einem Handel zu bewegen. Ich
erhöhe den Zehnten, Du läßt goldene Dukaten über
mich regnen.

Jetzt erkennen Sie schon, wo hier der Hase im


Pfeffer lag. Mein Bauch wurde riesengroß, meine
negative Sinuskurve war riesengroß. Anstatt mich
mit dem zu begnügen, was ich hatte, wollte ich mehr
haben. Ich wurde dabei immer dicker und
unglücklicher. Und mit meinem Unglücklich- und
Unzufriedensein ging eine Verschlechterung meiner
Lebensverhältnisse vor sich. Eigenartiger Weise.
Was hatte denn das eine mit dem anderen zu tun?
War es Schicksal?

Ich hatte schon am Anfang davon berichtet, dass ich


als Schuldigen an meiner Situation eindeutig Gott
erkannte. Gott, der mir alles weggenommen hatte,
um mir Schmerz zuzufügen. Weil er eben ein
schlechter Vater ist, der seine Kinder willkürlich
leiden läßt.
Das war am Anfang meines Erkenntnispfades. Wo ich
noch sehr sehr unbewußt war. Inzwischen aber wurde
ich bewußter und bewußter. Erkannte immer mehr
die Zusammehänge zwischen dem Großen und dem
Kleine, zwischen oben und unten. Wie aber ordnet
sich in diese Matrix meine Umwelt ein? Die Antwort
ist auch wieder sehr einfach, und nicht ganz so
einfach zu verstehen.

Ich bin meine Umwelt. Ich bin nicht nur Ich Selbst,
ich bin gleichzeitig auch meine Umwelt. Manchem
mag das jetzt sehr weit hergeholt sein. Doch ich will
es gleich näher heranbringen und verständlicher
machen.

In den Spiegel sehen

Ich möchte dazu die Spiegeltheorie heranziehen.


Stellen Sie sich mal vor den Spiegel und schauen
hinein. Was sehen Sie? Sie sehen sich selbst. Sie
sehen ihr Gesicht, ihre Nase, ihre Augen, Ohren,
ihren Körper. Oft stehen wir vor dem Spiegel und
machen uns schön.
Das heißt, wir wollen uns schöner machen, als wir
sind. Weil wir uns nicht gut und schön genug sind.
Wie können wir das? Indem wir die unschönen Dinge
an uns erkennen. Zum Beispiel einen Pickel auf der
Stirn. Der wird dann mit Makeup retuschiert. Oder
wir sehen einen Fleck auf der Bluse, dem Hemd. Der
wird dann herausgewaschen. Dass wir uns im Spiegel
erkennen können, ist ein Zeichen unseres
gewachsenen Bewußtseins. Kein anderes Wesen als
der Mensch kann sich so im Spiegel erkennen. Ich
will hier einfach mal alle Versuche mit Affen
weglassen. Eigenartiger Weise können wir uns zwar
im Spiegel erkennen, aber kein Wissenschaftler
konnte bislang ergründen, was das ist: sich selbst
erkennen.
Niemand weiß, worin das begründet ist, dass der
Mensch sich im Spiegel erkennen kann. Das erscheint
fatal angesichts der vielen anderen großen
wissenschaftlichen Entdeckungen. Aber es ist auch
wiederum ganz einfach zu verstehen. Erkenntnis und
Bewußtsein ist nicht materiell, also weder zu riechen,
zu schmecken, zu sehen, noch anzufassen, also auch
nicht meßbar.
Was aber nicht meßbar ist, dass wird in der heutigen
sogenannten Wissenschaft nicht akzeptiert. Doch
wenn wir annehmen, dass die Welt dual ist, dann
muß es neben dem Meßbaren in der Welt auch den
gleichen Anteil an nicht Meßbarem geben. Logik und
Unlogik. Unbewußtsein ist beweisbar. Bewußtsein
eben nicht mehr. Da sei noch mal an die Weltformel
erinnert.

Doch ob meßbar oder nicht, jedem halbwegs


normalen Menschen ist es möglich, sich - das heißt
sein körperliches Ich - im Spiegel zu erkennen.
Einem Tier ist das nicht möglich. Ich weiß nicht, was
ein Tier im Spiegel sieht oder erkennt. Es ist bislang
noch kein Tier danach befragt worden und es hat
bislang auch noch kein Tier davon berichtet. Nur
soweit ist es wohl erforscht, dass die Tiere sich nicht
selbst im Spiegel erkennen können. Von ein paar
klugen Affenarten eventuell einmal abgesehen.

Sehen und erkennen

Nun gibt es die Behauptung, die Theorie, eine sehr


sehr alte Theorie, dass die Umwelt das Spiegelbild
des Menschen ist. Auf einer höheren, abstrakteren
Ebene. Es ist so, dass ein noch unbewußter Mensch,
der allein seinen Trieben gehorcht, sich nicht in
seiner Umwelt erkennen kann.
Ihm geht es da so, wie es den Tieren mit dem
Silberspiegel geht. Einfach nichts zu machen. Je
bewußter aber ein Mensch wird, je mehr er sich und
seine Triebe erkennt und mit Geist verbindet, desto
mehr erkennt er sich in seiner Umwelt. Zuerst
erkennt er sein Wirken in der Umwelt, dann sein
Bewirken in der Umwelt, schließlich erkennt er sein
ganzes Selbst.
Jede Form auf der Welt ist für sich selbst Form, für
seine Umgebung aber Umwelt. Durch seine langsame
oder schnelle Bewegung wirkt jede Form in der Welt
auf seine Umwelt ein. Veändert die Umwelt durch
sein spezifisches Sein. Wenn zum Beispiel ein Baum
wächst, verändert er seine Umwelt durch seine große
Baumkrone, in der Vögel und Insekten Platz finden.
Auf dem Wege ins Bewußtsein erkennt der Mensch
sein Wirken, dann auch sein Bewirken in der Umwelt.
Bis er dann die volle Verantwortung für dieses
Wirken und Bewirken übernimmt, dauert es wieder
eine Weile. Er wird spätestens dann erkennen, wenn
ihm die Auswirkung seines Wirkens auf die Füße fällt
und er individuellen und kollektiven Schmerz
erleidet. Dann wird es ein individuelles und
kollektives Erleuchten und Erwachen geben.
Dieses Erleuchten und Erwachen ist aber schon
erfahrbar.
Ich kann die alte Spiegel-Theorie nur bestätigen. Sie
läßt ganz gut anhand eines Bildes erklären, wenn
man dazu die Grundmatrix zuhilfe nimmt. Die
EinsBewußtseinEnergie teilt sich in Dual-Ying-Yang,
um neue EinsBewußtseinEnergie zu schaffen. Eins
zwei drei. Ganzheit, Dualität, Trinität.

Um diese Spiegelbildtheorie zu verstehen, will ich


mehrere Bilder zeichnen. Hier das erste. Stellen Sie
sich ein Glasgefäß vor, dass mit irgeneiner farbigen,
durchsichtigen Gallertmasse gefüllt ist. Das ist das
Eins. Das Ganze. Nun stellen Sie sich vor, dass ein
Teil dieser Gallertmasse eine andere Farbe hat. Das
ist das Duale in dem Ganzen. Je nachdem, wie sich
nun die eine Gallertmasse bewegt, so folgt ihm die
andere Gallertmasse. Denn es gibt kein Vakuum im
Ganzen. So verhält sich die eine Gallertmasse immer
spiegelbildlich zu der anderen Gallertmasse.
Das ist Ying und Yang. Mit diesem Bild im Kopf
können Sie sich jetzt auch das Zeichen von Ying und
Yang im geschlossenen Kreis vorstellen. Da, wo das
einen ist, da kann das andere nicht sein. Doch beide
Teile verhalten sich spiegelbildlich zueinander. Das
eine ist leer, das andere ist voll. Das eine ist dunkel,
dass andere ist hell. Das eine ist männlich, das
andere ist weiblich. Das eine ist das Ich, das andere
ist die Umwelt, die das Ich umgibt.
Natürlich muß man für dieses Bild seinen Geist schon
ganz schön anstrengen. Ich zumindest mußte das.
Anfangs war mir dieses Bild auch ganz und gar nicht
einleuchten oder verständlich.
Ich schaute in meine Umwelt wie ein Tier in den
Silberspiegel. Und so, wie das Tier sich nicht im
Spiegel erkennt, erkannte ich mich zunächst auch
nicht im Spiegel meiner Umwelt. Das sollte sich aber
bald ändern.

Es gibt da das alte Sprichwort: So wie es in den Wald


hineinruft, so schallt es heraus. So ist das dann auch
mit unserem Umwelt-Spiegel. Um in ihm sich Selbst
sehen zu können, benötigt man aber schon eine
Menge Abstraktionsvermögen.
Das bekam ich mit der Zeit der ständigen Heilung
meiner negativen Gedanken.
So will ich hier einige selbsterkannte Spiegelbilder
wiedergeben. Mitte 1999 bekam ich vom Arbeitsamt
eine Zahlungsaufforderung. Ich sollte über 5000
Mark, die ich zuviel an Leistung erhalten hätte,
zurückzahlen. Mir wurde vorgeworfen, ich hätte eine
falsche Steuerklasse angegeben und deshalb zuviel
Geld kassiert. Die Geschichte ist zu lang, um sie
genau hier zu schildern. Wahr ist, dass ich einen
Steuerklassenwechsel Anfang 1998 durch meine
Eheschließung vornahm, dass ich dabei zugunsten
meines Mannes entschied, dabei einige Irrtümer und
Schwierigkeiten auftauchten, aber nicht beabsichtigt.
Das Arbeitsamt hatte aber letztlich recht. Ich aber
hatte keine 5000 Mark. Mein Entsetzen war groß.
Und wieder die Frage: Warum? Ich hatte doch für
meinen Mann gehandelt, ich hatte gegeben und
schon gar nicht betrogen. Warum also? Leider kam
auch hier die Antwort prompt. Ich hatte sehr wohl
betrogen. Nicht hierbei, aber an anderer Stelle.
Anfang 1998, wo ich mein Geld an allen Ecken
schwinden sah, hatte ich noch – völlig unbewußt –
panische Angt, nicht genug zu haben. Da kam ein
Schreiben von meiner Autoversicherung, die meinen
Kilometerstand wissen wollte. Ich hatte eine Klausel
als Wenigfahrer, was mir eine wenig Geld sparte. Nun
war ich aber inzwischen in einen anderen Ort
umgezogen, mein Tacho stand weit über dem Limit.
Ich hätte Geld zurückzahlen müssen. Ich bat meinen
Mann, mir zu helfen. Praktiker, wie er ist, half er mir.
Mein Tacho zeigte bald die nötigen Kilometerstand.
Ich brauchte nicht nachzahlen. Hier nicht. Noch
nicht. Aber zahlen mußte ich doch.
Zunächst leuchtete mir hier der Zusammenhang nicht
ganz ein. Aber mit der Zeit wurde er mir schon klar.
Zumal mit der Zeit der Spiegel auch immer klarer
wurde.
Weiteres Beispiel. Im Frühjahr 2000 wußte ich schon
recht gut Bescheid um die Zusammenhänge der Welt,
um die Kostbarkeit eines jeden Wesens und meine
Einheit mit ihm. Aber zwischen Erkennen und
Handeln liegt leider immer ein Weg. In unserer
Küche schwirrten ganz viele kleine Essigfliegen
umher. Das war unschön und eklig. Meine Tochter
hatte Insektenspray gekauft, mit dem sie ab und an
der Plage zuleibe ging. Ich nicht. Bis auf einmal. Da
war die Plage so groß, dass ich zur Sprayflasche griff
und eine Mengen dieser lästigen Viecher tötete. Noch
wie ich beim Sprühen war, hörte ich in mir eine leise
Stimme, die sagte, dass das mein Blut sei.
Wenig später zahlte ich den Blutzoll. Beim
morgentlichen Jogging stolperte ich über einen Stein
oder eine Wurzel. Im hohen Bogen flog ich. Dieser
Flug kam mir wie in Zeitlupe vor. Gedanken schossen
durch den Kopf. Noch bevor ich den Bodenberührte,
wußte ich, dass das die „Strafe“ für meinen
Fliegenmord war, dass dieser Sturz schwer werden
würde und dass ich starke Schmerzen haben würde.
Schon in der Vorgewißheit dieses Schmerzes schrie
ich beim Fliegen schrill auf. Dann knallte ich hin.
Fürwahr. Der Strurz war schwer. Die Schmerzen
waren stark. Aber da ich wußte, dass ich sie
„verdient“ hatte, ertrug ich sie ohne großes
Gejammer. Noch heute, ein Jahr später, ist die Narbe
nicht ganz verheilt und leuchtet rotviolett als
Mahnung.
Drittes: Ich bin kein Verkehrsraudy. Eher fahre ich zu
langsam als zu schnell. Bis auf manchmal. Ende 2000
fuhr ich abends in eine Ortschaft mit über 80
Stundekilometer ein. Für mich eigentlich
unvorstellbar, aber geschehen. Plötzlich ein Blitz.
Erwischt. Warum? Ich halte mich doch seit langem
immer an alle Regeln, warum also? Die Antwort: Weil
ich mich eben nicht an die Regeln halte.
Der Zehnt von meinen Einnahmen gehört Gott. Ich
hatte ihn aus scheinbar wirklicher Geldnot nicht
gezahlt. Wo ich ganz unten war. Inzwischen hatte ich
abrr wieder etwas mehr. Aber ich zahlte weiter nicht.
Darum. Am nächsten Tag ging ich sofort zur Bank
und erteilte wieder einen Dauerauftrag.
Am Anfang, als ich begann, mein Spiegelbild in der
Umwelt zu sehen, sah ich nur das Schlechte, wie die
oben geschilderten Beispiele. Das war nicht
angenehm und am liebsten hätte ich den Spiegel
wieder zugehängt. Denn so nach und nach wurd mir
klar, dass ich die absolute und volle Verantwortung
für jede meiner Handlungen übernehmen muß. Jede
Handlung. Es wurde mir klar, dass ich von nun an
keine unbedachte Handlung mehr ausführen dürfte.
Nie mehr. Das war eine schwere Erkenntnis. Eine fast
untragbare Last mal wieder. Denn jede Handlung
basiert auf Wunsch, auf Trieb, auf Angst, auf
Schatten. Erzeugt somit Schatten in meiner Umwelt.
Es sei denn, meine Handlung ist selbstlos. Es sei
denn, ich handle, um anderen etwas Gutes zu tun
ohne persönliches Motiv. Nur dann ist die Folge des
Handelns nicht Schatten. Nicht widergespiegeltes
Leid in meinem Leben. Und das Leid ist der
Lehrmeister, der Wegweiser zur Selbstlosigkeit.
Ich habe festgestellt, dass dieser Weg mehr einem
Zickzack-Kurs gleicht als einer Geraden. Bei aller
Erkenntnis ist die Selbstlosigkeit nicht leicht zu
leben. Ich weiß zwar, dass ich es sollte, weil ich um
die Leiden weiß, die folgen. Doch beim Kampf gegen
meine Triebe bin ich nicht immer der Gewinner.
Auf dieser Erkenntnisstufe angelangt muß man sehr
vorsichtig und langsam leben. Hier wäre Eile wirklich
nicht angebracht. Ist es sonst auch nicht, aber da
weiß man nicht um die Zusammenhänge. Da glaubt
man noch an Schicksal, Zufall, Glück und Pech. Auf
dieser Stufe aber weiß man. Der Spiegel ist fast klar.
Ich erkenne meine ganz persönlichen Gespenster wie
Gefräßigkeit, Faulheit, Lüge, Undiszipliniertheit, Geiz
und all die anderen. Sie lächeln mir winkend aus dem
Spiegel der Umwelt zu, Farben und Pinsel in der
Hand bereit, bei nächster Gelegenheit ihre Arbeit zu
verrichten und mir meine Schatten in der Umwelt in
lebendigen Bildern zu malen.

Doch zum Glück stehen da nicht nur die Sünden des


Selbst.
Wenn man auf einem bestimmten Level angelangt
ist, benötigt man kaum noch viele Belehrungen.
Dann ist man schon sehr bewußt verbunden mit den
anderen Dimensionen, die uns umgeben und
durchdringen, und die einem auf dem Weg zum
Bewußtsein weiter helfen. Und das sind eben nicht
nur die Schatten, sondern auch die Lichter.
Am Anfang hatte ich dafür diesen Uriel, der
scheinbar außerhalb von mir schien. Er antwortete
mir zwar durch mich, aber ich konnte mich nicht mit
ihm identifizieren. Inzwischen ist das anders.
Inzwischen erkenne und akzeptiere ich, dass ich
auch Teil anderer Berwußtseins-Dimensionen bin, in
denen ich Wissen bin. Wenn ich ihr Wirken in mir
zulasse und wenn ich mich bewußt zu ihnen
hinbewege, kommen sie mir entgegen. So erscheint
es mir.

Wie innen, so außen

Gott will, dass der Mensch sich selbst erkennt. Dass


er zu Bewußtsein kommt und in diesem höheren
Bewußtsein die Dunkelheit mit dem Licht vereint.
Dass die Menschen sich auf der Stufe eines hohen
Bewußtseins in allem erkennen und vereinen, was
dann diese neue Gottes-Bewußtseins-Energie ist. Mal
ganz einfach ausgedrückt.
Der Weg zu diesem hohen Bewußtsein führt über die
Entwicklung in der Materie. Materie ist Ying. Unser
innerer Lebenstrieb ist Ying. Unser innerer
Lebenstrieb ist die Angst, nicht genug zu sein, nicht
genug zu haben.
Das äußere Ying, die Materie unserer Umwelt,
spiegelt somit unser innerers Ying nur wieder. Also
wenn ich Angst habe, nicht genug zu haben, dann
erscheint mir meine Welt so, dass es so aussieht, als
hätte ich wirklich nicht genug. Je größer meine
Wünsche nach Haben-wollen, desto mehr ist unsere
individuelle Umwelt so gestaltet, dass es so scheint,
als benötigten wir wirklich mehr.
Ein anderer muß das nicht unbedingt so sehen. Dass
z.B. ein reicher Mensch noch mehr haben will,
erscheint einem ärmeren kaum wahrscheinlich. So
kommt es auch, dass auf der Welt viele Menschen
meinen, die anderen seien glücklich, nur sie selber
nicht. Unbewußte Menschen sehen nur sich selbst als
Ego, nicht die Zusammenhänge des ganzen Seins und
Wirkens.

Jedenfalls erkannte ich schließlich, dass ich selbst


mir meine Umwelt geschaffen hatte. Dass ich es
Selbst war, die mir alles weggenommen hatte. Und
zwar passiert mir dieses selbst Wegnehmen
folgendemaßen:

Meine Schatten

Aus welchen Gründe auch immer hatte ich zu Beginn


der 90er Jahre ein sehr angenehmes Leben. Mit
allem, was man sich nur wünschen kann. Doch ich
war damit nicht zufrieden und wollte mehr haben.
Immer noch mehr haben. Wir erinnern uns. Ich
wollte letztlich 20 Millionen Dollar haben. Also eine
ganze Menge mehr. Was bedeutete das in mir? In
meinem Ying-Schatten? Er wurde größer und größer
und größer. Ohne daß ich es auch nur ahnte. Ich war
ja unbewußt. Wie schon mal gesagt, spielt sich das
Leben der Dualität in Zeit und Raum ab. So
entstehen die Schatten unserer Ying-Angst nicht
sofort als Schatten unserer Umwelt. Ein Samen keimt
auch erst eine Weile in der Dunkelheit.
Aber wie aus dem Samen ein neues Wesen Gestalt
annimmt, so entstehen aus unseren inneren Schatten
äußere Schattenbilder. Immer. Ob in diesem oder im
nächsten Leben. Gott wollte wohl, dass ich noch in
diesem Leben zu Bewußtsein komme. Jedenfalls
erlebte ich die Riesenschatten meines Riesen-Angst-
Wunsch-Ying noch in diesem Leben. Mit aller Macht
und Grausamkeit.
Ich erlebte also alle meine Angst, nicht genug zu
haben, in der grausamen Realität, wirklich nicht
genug zu haben. Das ist die Spiegelbildtheorie. Und
ich kann sagen, es ist keine Theorie allein. Es ist
Praxis. Ich bin also selbst verantwortlich für mein
jetziges Leben. Ich bin selbst verantwortlich für all
das Leid, dass mir geschehen ist.
Das Bewußtwerden des Menschen in seiner
persönlichen Entwicklung vom Kind zum
Erwachsenen, Erwach-enden, ist auch daran zu
erkennen, dass immer mehr Verantwortung für sein
eigenes Tun und Lassen übernimmt und übernehmen
muß. Sonst kommt er im Leben nicht zurecht.
Die Anzeichen des Erwachsenwerdens der Menschheit
sind auch daran zu erkennen, dass sich die Menschen
immer globaler ihrer Verantwortung gegenüber dem
gesamten Sein bewußt werden, ihres Tuns und
Wirkens in ihrer Umwelt.
Als ich das das erste Mal erkannte, dass ich selbst
verantwortlich bin für all den Mist, der mir passierte,
war ich mal wieder böse. Mit wem ich böse war, kann
ich gar nicht sagen, weil ich ja nun gar keinen mehr
für schuldig erklären konnte an meiner Misere.
Keinen Gott konnte ich für schuldig erklären. Ich
selbst war schuld. Diese Erkenntnis lastete lange Zeit
wie ein zentnerschwerer Stein auf mir. Es schien kein
Entrinnen zu geben aus dieser Schuld. Ich mußte alle
Verantwortung für jeden einzelnen Schmerz in
meinem Leben übernehmen.
Aber nicht nur das. Wenn ich, wie es die
Erkenntnistheorie lehrt, eins in allem bin, wenn ich
Alles bin, bin ich dann auch Schuld an allem Elend
dieser Welt? Liegt alles Elend dieser Welt in meinen
inneren Schatten begründet? Auch wenn mir das
logisch so erschien, war ich nicht in der Lage, die
Schuld an dem gesamten Elend der Welt auf mich zu
nehmen. Es waren schlimme Stunden, Tage und
Wochen, wo ich in meinem inneren Erkenntnisprozeß
diesen Kampf kämpfte. Wenn ich all dieses Elend als
Schuld annähme, würde ich zusammenbrechen.
Nähme ich diese Schuld nicht an, würde meine ganze
bisherige Erkenntnistheorie zusammenbrechen. Eines
war so schlimm wie das andere.
Meine einzige Möglichkeit, dieser grausamen, fast
verrückt machenden Erfahrung zu entfliehen war,
soviel Last und Schuld auf mich zu laden, wie ich
gerade noch ertragen konnte, und heulend und
schreiend den Weg ins Nichts weiterzugehen.
Hätten Sie Angst, ohne Netz, Leine und Fallschirm
einfach in einen tiefen Abgrund zu springen? Diese
Angst hatte ich in dieser emotional-geistigen
Erkenntnis-Situation.
Einfach Gesetz

Die Frage tauchte immer wieder auf: War ich schuld?


Schuld hat man doch eigentlich nur, wenn man etwas
ganz bewußt gemacht hat. Ich habe aber doch meine
Ying-Wünsche nach Mehr und Mehr nicht bewußt
gemacht. Ich war doch im Trance des Unbewußtseins.
Warum dann diese Gemeinheit, diese schwere Last?
Weil es Gesetz ist. Ganz einfach. Es ist eines der
göttlichen Gesetze, die es auf dem Wege der
Erkenntnis eben zu erkennen gilt. Und dann muß
man sich nur daran halten. Das Spiegelgesetz ist
genauso wirksam wie wenn man ins Wasser springt,
dass man dann naß wird. Das ist auch ein Gesetz der
Natur, das ewig wirkt.
Man kann es leugnen und verdrehen. Man kann es
ignorieren, wie es sehr viele Menschen tun. Wie ich
es lange tat. Doch jeder ist seines Glückes Schmied
und jeder schaufelt sich sein eigenes Grab, ganz
nach Bedarf.

Letztlich aber hatte dieses ganze Leid, was mir


widerfahren ist, doch sein Gutes. Ich bin dadurch zur
Erkenntnis gekommen. Zur Erkenntnis des göttlichen
Willens, der da lautet, dass alle zur Erkenntnis
gelangen müssen. Dafür sorgt er schon. Und so sorgt
letztlich jede Gottes-Seele dafür selbst. In der
Entwicklung vom Niederen zum Höheren.

Das ist gemeint, wenn es da heißt: Dein Wille


geschehe, nicht meiner. Denn wenn ich den höheren
göttlichen Willen erst einmal erkannt habe, wenn ich
seine ewig wirkenden Gesetze erkannt habe, dann
bemühe ich mich um Erkenntnis, um eine Leben in
seinen Gesetzen.
Und wenn ich das tue, dann geht es mir gut. Nicht
gut im einfachen materiellen irdischen Sinne.
Sondern gut im göttlichen Sinne. Das ist im
Anfangsstadium, das ich erlebe, Ruhe, Harmonie,
Ausgeglichheit, Weisheit, Erkenntnis, Kreativität,
Weitsicht, Mitgefühl, Geduld, Vertrauen,
Dienenwollen.

Ich denke mal, dazu gehört dann auch wieder ein


einigermaßen irdisches Wohlergehen. Wenn man
auch im Zuge und auf dem Wege der Bewußtwerdung
immer weniger und weniger irdisches, materielles
Gut benötigt. Richtig beweisen kann ich es nicht,
aber ich fühle mich nicht unzufrieden, ich habe kaum
noch Wünsche. Und wenn Wünsche in Form von
negativen Gedanken und Gefühlen auftreten, dann
heile ich sie.

Ohne Wünsche sein

Das mag zunächst nicht jedermanns


erstrebenswertes Ziel sein, keine Wünsche mehr zu
haben. Ohne materielle Annehmlichkeiten und Güter,
ohne Lust und Spaß im irdischen Sinne zu leben.
Aber es ist der Weg aus dem Leid heraus. Es ist der
Weg, der zur Heilung führt. Zur Erlösung der
irdischen Seele aus dem Ying-Programm. Und es ist
der einzige Weg, der für den Menschen, die
Menschen noch begehbar ist. Es ist der Weg nach
innen, in sein inneres Selbst.
Alle Wege nach außen werden jetzt nach und nach
versperrt. In seinem blinden Haben-Wollen – als
notwendigen Reifeprozeß des Wesens Mensch – hat
der Mensch die Sperren selbst geschaffen. Nun lautet
das weise Prinzip: Erkenne Deine Schuld, werde
einsichtig und folgsam. Aber nicht wie ein Schaf.
Sondern wie ein/e selbstbewußte/r Gott/Göttin.
Als Erklärung zu diesem letzten Satz sei auf die
wegweisende Mythologie verwiesen. Hier finden wir
die großen Götter immer paarweise auftreten. Kronos
und Gaia, Uranus und Rhea, Zeus und Hera, Diana
und Apoll. Am bekanntesten ist dem heutigen
Menschen wohl noch der Ausdruck Hermaphrodith,
der auf ein zweigeschlechtliches Wesen hindeutet.
Der Ausdruck stammt von den Götternamen Hermes
und Aphrodite ab. Das duale Paar findet sich hier
wieder, dass auf die gleichzeitige Trennung und
Vereinigung von den universalen Wirkprinzipien Ying-
Yang hindeutet.

Der Weg nach oben

Eines möchte ich noch zum Dienenwollen sagen. Der


Dienst an seinem Nächsten ist ein ganz logischer
Schritt auf dem Weg zur Erkenntnis. Der „normale“
Mensch ist in sich zunächst zweigeteilt. Wenn er mit
dem Erkennen beginnt, erkennt er sich zunächst
zweigeteilt, dual.
Er erkennt, dass es in ihm sowas wie ein Gier-Tier
gibt, dass immer nur Haben-will, weil es besessen ist
von der Angst, nicht genug zu haben/sein. Aber er
erkennt auch, dass es in ihm eine Art Engel gibt, der
geben will, weil er im Vertrauen auf Gottes Fülle
genug hat. Als ich an dieser Stelle der Erkenntnis
angelangt war, erkannte ich, dass da jemand war,
der erkannte. Ein scheinbar Drittes in mir. Der, der
erkannte, dass es die Triebe gibt, und der erkannte,
dass es die Weisheit gibt. Und dieser scheinbar Dritte
war und ist es, der stets und ständig entscheiden
muß, in welche Richtung er gehen will. Ich habe
immer die Wahl, wohin ich mich wenden will.
Ich stehe dabei in jedem Moment, in jeder Minute,
jeder Sekunde vor dieser Entscheidung, wohin ich
gehen will, wem ich dienen will. Will ich zu Gott im
Himmel oder zum Teufel in die Hölle. Der Weg in die
Hölle ist zunächst der einfachere, der leichtere, der
schönere, genußvollere. Aber er geht berab und am
Ende wartet der schmerzvolle Abgrund, in dem wir
schmoren müssen, bis alles Leid abgelöst ist.
Der Weg nach oben führt zur lichten Höhe Gottes im
Himmel. Wege nach oben sind immer beschwerlich,
da der Mensch Masse besitzt, die ihn durch die
Erdanziehungskraft nach unter zieht. Das gilt auch
im übertragenen abstrakten Sinne. Wer nach oben zu
Gott, zur Erkenntnis seines Selbst, zur Erlösung und
Heilung will, erleichtert sich den Weg ganz allgemein,
wenn er Lasten abwirft. Irdische Lasten. Indem er
verzichtet auf dies und das. So kommt er schneller
zur Erkenntnis. Und wenn er dabei noch dem anderen
gibt, der ihm auf seinem Weg begegnet, was der von
einem haben will, dann wird er sehr bald auf die
Flügel der Engel gehoben und der Weg zu Gottes
lichter Höhe wird ganz ganz leicht.
Geben und nehmen

Dieses Geben hat noch eine andere Bedeutung, die


vielleicht etwas mehr dem Ego zuspricht. Schauen
Sie mal in den Spiegel, in den Silberspiegel, und tun
Sie so, als wollten Sie etwas aus diesem Spiegel
herausnehmen. Was sehen Sie? Der da in dem
Spiegel drin will ebenfalls etwas nehmen, aber seine
Hand kommt auf Sie zu. Das heißt, was wir aus
unserer Umwelt, die unser Spiegelbild ist,
herausnehmen wollen, das wird uns selbst
genommen. Das erklärt die derzeitige
Mangelgesellschaft in der Welt, wo jeder so viel wie
möglich nur nehmen will. Da erscheint es so, dass
bald nichts mehr da ist.
Nun tun Sie vor dem Spiegel mal so, als wollten Sie
etwas geben. Was sehen Sie? Der da in dem Spiegel
drin will auch Ihnen geben. So ist es auch mit
unserem Umweltspiegel. Je mehr Sie in diese Welt
hineingeben, desto mehr erhalten Sie zurück. Darauf
können sie vertrauen. Und das können Sie auch ganz
logisch nachvollziehen.

Macht und Ohnmacht des Geldes

Tun Sie es einfach mal, und Sie werden es erleben.


Eines nur gilt es dabei zu beachten. Die Welt ist
bildlich gesehen rund. Ein ewig währender Kreislauf.
Das bisherige Handeln, unbewußte Handeln, beruhte
auf dem Prinzip: Gibst Du mir, geb ich dir. Das aber
hat mit einem Kreislauf nichts zu tun.
Im Gegenteil. Es ist ein reines statisches,
punktuelles Austauschen. Aus dieser Tauschpraxis
entstand das Geld. Eine sehr willkürliche Maßeinheit.
Denn wer bestimmt, was wieviel Geld wert ist? Doch
immer der scheinbar Stärkere. Wer das Geld und das
Handeln um des Geldes willen zu seinem Maßstab
erhebt, übergibt sich somit automatisch dem selbst
erschaffenen Gesetz des Stärkeren.
Er hat es also – nach dem Spiegelbildgesetz - selbst
zu verantworten, dass er in seiner Umwelt immer von
Stärkeren dirigiert wird.
Somit hat er es selbst zu verantworten, dass er sich
selbst nicht stark fühlt, nicht machtvoll fühlt. Mag er
soviel Geld haben wie er will. Dass ist die Misere, die
die scheinbar Starken und Mächtigen haben. Sie
leben in einer Wahnsinnsangst, nicht stark und
mächtig genug zu sein. Und nach dem
Spiegelbildgesetz erscheint ihnen ihre Umwelt so, in
der sie sich nicht stark und mächtig genug fühlen.
Aus dieser Angst heraus führen sie Verhandlungen
und Kriege, weil sie noch mächtiger und stärker sein
wollen. Aus dieser Angst heraus gründen sie
Konzerne und Imperien, Armeen und Geheimdienste.
In der heutigen Zeit sind regelrechte
Mammutfusionierungen von Geld- und
Wirtschaftsinstituten zu beobachten. Solange, wie
die Menschen sich dem Gesetz des Geldes
unterwerfen, gilt für sie das Gesetz des Stärkeren.
Ob bewußt oder unbewußt ist egal. Das Gesetz des
Stärkeren aber führt zur Konzentration, zur
Anspannung, Verengung. Erinnern wir uns, die Ying-
Feder wird immer weiter angespannt. Es läuft als
sichtbarer Schatten in der sichtbaren Welt darauf
hinaus, dass immer weniger Menschen immer mehr
haben und immer mehr Menschen auf der Welt immer
weniger haben. Und so schaut es zur Zeit auch aus.
Wer das Geld zu seinem Maßstab wählt, hat immer
das Gefühl der Machtlosigkeit, der Ohnmacht. Auch
wenn es im Außen anders aussieht. Denn Geld
konzentriert und engt ein. Das ist das Wirkprinzip
des Geldes. Geld ist das äußere Yang, das verkappte
Ying. Je mehr wir danach streben, desto mehr erfaßt
uns die innere Angst, nicht genug zu haben. Und so
erscheint dann das Bild des Nicht-Genug-Habens im
Außen.
Als Beispiel für dieses Wirkprinzip des Geldes sollen
die Geldhäuser selbst, die Banken dienen. Sie, die
doch alles Geld der Menschen in sich konzentrieren,
die hohe Zinsen erheben, sind nicht mehr in der
Lage, die an sie gestellten Anforderungen zu
erfüllen. Ihr Service wird immer geringer, ihre
Filialen werden immer weniger und kleiner. Ihre
Angst, von anderen Banken aufgesogen und
verschlungen zu werden, wird hingegen immer
größer.

Doch hat dieses Sandkastenspiel der unbewußten


Menschheit bald ein Ende. Denn immer mehr
Menschen beginnen so wie ich zu erkennen, dass es
besser ist, dem Geld keine Macht mehr zu geben.
Wer den Verzicht und das Loslassen von irdischem
Gut zu seinem Maßstab wählt, der wählt die innere
geistige Erweiterung und Befreiung von der Angst.
Er löst sie letztlich in sich selbst auf. Der wählt
letztlich die Unendlichkeit zu seinem Maßstab. Die
Banken haben scheinbar Macht über die ganze Welt.
Aber sie haben keine Macht über den, der kein Geld
mehr braucht.

Einfach so

Wie ist das Geben nach der Erkenntnistheorie


gemeint?
Ganz einfach. Ich als Ego-Ich bin scheinbar getrennt
von Gott. Erkenne ich aber meine Einheit mit meiner
Umwelt, so erkenne ich Gott in allem, was mich
umgibt. Also auch in meinem Nächsten.
Gebe ich in mein Spiegelbild Umwelt hinein, so gebe
ich in die Unendlichkeit hinein. Nicht nur im
Negativen, auch im Positiven Denken und Handeln
wächst der Keim erst eine Weile im Dunkeln heran,
bis er gewachsen ist und größer und sichtbar wird.
Eine Weile, nachdem man gegeben hat, kommt aus
der Unendlichkeit, aus der unendlichen Fülle reiche
Ernte zum Gebenden zurück. Gebe ich in die
unendliche Fülle regelmäßig, kommt unendliche Fülle
regelmäßig zu mir zurück. Auch das ist göttliches
ewiges Gesetz.
Will ich nehmen, wächst Schatten, gebe ich, wächst
Licht.
Gebe ich meinem Nächsten Liebe und all das, was ich
erkenne, was er braucht und was er von mir bittet,
so erhalte ich aus meiner Umwelt alles, was ich
brauche und worum ich gar nicht bitten muß. Das ist
auch eine der Lehren Jesus Christus im Neuen
Testament.
Einfach so. Weil das eben ein Gesetz ist. Dieses
Gesetz erschien mir anfangs nicht logisch. Nein,
logisch ist dieses Gesetz zunächst nicht so sehr. Die
Logik will immer Beweise, sie will immer etwas, was
den äußeren Sinnen als Erscheinung entspricht. Das
Geben können wir nicht horten und anhäufen wie das
Geld und materielle Gut. Es ist nur erfahrbar in einer
sich ausbreitenden inneren Ruhe, Sicherheit und
Harmonie.
Man kann das Geben aber auch lassen und kämpfen
und siegen und mehr haben wollen. Kann man. Klar.
Man hat ja dazu seinen freien Willen. Hat man?
Teil V
Das Nichterkennbare
Das Gesetz und die Liebe

Doch alles, was hier steht, ist nur das eine. Ist das
eine, was man auf spirituellem, geistig erwachendem
Wege irgendwie verstehen kann. Könnte. Doch wenn
auch viele Menschen sich bemühen, das zu
verstehen, so wären sie erst am Anfang.

Seit Tagen weine ich. Alles das, was ich zu erkennen


gemeint habe in den vergangenen drei Jahren,
erscheint mir so gar nichts wert. Ich erscheine mir
so gar nichts wert.

Für mich ist es so, dass dieser Prozeß des Nichts-


wert-seins und -werdens sehr schlimm war und ist.
Bei Laotse im „Tao te king“ hatte ich in einen Spruch
gelesen, dass der wahre Herrscher unter allem ist.
Oder so ähnlich. Viele Sprüche im „Tao te king“ hatte
ich nicht richtig verstanden. Aber als ich das Buch
vor einem Jahr gelesen hatte, da weinte ich, denn
ich fühlte die Wahrheit, die mich aus diesen Worten
berührte.

So bemühte ich mich denn in den vergangenen


Jahren, weniger und weniger zu werden. Materiell
gesehen. Unter allem zu sein. Geistig wurde ich es
durch die Erlösung meiner Schatten durch das
Heilende Denken. Manchmal erinnerte mich Uriel an
die Welt-Formel, damit ich verstehen lerne, was es
bedeutet, weniger und weniger zu werden und zu
sein. Dieser Prozeß ist nicht nur ein materieller und
geistiger, sondern vor allem ein emotionaler.
Nichts wert zu werden/sein ist ein sehr emotionaler
Prozeß. Zu erkennen, dass man anderen Menschen
nichts wert ist, ist ein sehr emotionaler Prozeß.
Versagen und verzichten ist emotional.
So mußte ich denn erkennen, dass ich niemandem
etwas wert bin. Nicht meinem Mann, der mich
scheinbar nicht liebt. Nicht meiner Mutter, die
scheinbar nur sich selber liebt. Nicht meinen
Kindern, die bei ihrem Aufwachsen ganz etwas
anderes zu tun haben als an ihre spinnerte Mutter zu
denken. (Meine Kinder sind wunderbare Kinder, die
immer zu mir stehen. Aber sie sind jung und wollen
das ganze Leben genießen, sie können meinen Weg
des Verzichtens und Versagens wohl noch nicht
verstehen.)
Auch schien ich niemandem aus meiner ehemaligen
Vergangenheit etwas wert zu sein, denn keiner
interessierte sich scheinbar für mich. Und ich schien
auch niemand aus meiner Gegenwart etwas wert zu
sein. In den vergangenen Monaten habe ich für viele
Menschen sehr viel gearbeitet. Ich habe mit meiner
Arbeit dafür gesorgt, dass deren Wert anstieg. Aber
kaum jemand hat mir dafür etwas gegeben. Meine
Arbeit schien ihnen nichts wert zu sein.
So erfuhr ich mehr und mehr meine eigene
Wertlosigkeit. Ich diente und gab, aber ich wurde
dabei weniger und weniger wert. Mein Herz wollte
vor Angst schier zerreißen.
Ich dachte, alle Schatten sind aufgelöst in mir, ich
kenne kaum noch Haß und Verurteilung. Warum aber
dieser Schmerz? Dieses unendliche Leid?
Alles in mir – so spürte ich – sehnte sich nach Liebe.
Aber nicht die Liebe, die haben will. Die
leidenschaftliche Liebe. Es war die Sehnsucht nach
der Liebe, die geben will. Nur Geben. Geben kann
wie die Sonne, immerzu aus sich selbst heraus.
Und ich stellte fest, dass ich das nicht kann. Ich
kann nicht Liebe geben. Ich weiß nicht, was es ist,
Liebe zu geben.
Ja, ich kann Geld geben. Ich kann Zuhören,
Anerkennung und gute Worte geben. Ich kann mein
ganzes Dasein geben, opfern, um anderen Menschen
in ihrer Not zu helfen. Aber ich kann keine Liebe
geben.
Ich gebe ja noch nicht mal das andere. Ich bin
herzlos und ein Stein. Das fühle ich in mir und es ist
schrecklich, dass zu fühlen.

Da sprach Uriel wieder und erinnerte an die Formel,


erinnerte an die Definition von Gott.
Gott ist auch das Nicht-erkennbare, das Nicht-
nennbare. Das also, was ich bisher erkannt habe, ist
nur der eine Teil von Gott. Der spirituelle, der
geistige Teil. Doch es gibt dann noch den Teil von
Gott, der eben nicht zu erkennen und zu benennen
ist. Das ist der Teil, der die Liebe ist.

Und die Liebe, dass ist das, was man nicht sehen und
nicht anfassen und nicht erkennen kann. Die Liebe
ist in gar keinem Teil materiell oder mental erfaßbar.
Uriel sagte, es sei richtig, ein Nichts zu werden. All
sein Haben-wollen zu eleminieren, um ein Nichts zu
werden, ist der wahre Weg zu Gott. Zu Gott in seiner
Ganzheit. Denn erst, wenn man materiell und
wertmäßig Nichts ist, erst dann erfährt man die
Liebe. Denn die Liebe ist Geben.
So ist Gott. Gott gibt ganz und gar. Gott ist das
Geben selbst. Denn er gibt sich selbst, damit alles
sein kann. Also kann Gott zur einen Hälfte nur
Nichts sein. Rein logisch. Wer also zu Gott gelangen
will, muß erst einmal Nichts werden. Nichts sein. Mit
allen Fasern Nichts werden wollen. Nichts sein wollen
und können.
Wer will das schon?
Doch die Formel lautet nun einmal: Das
Unbewußtsein steht zum Sein umgekehrt
proportional wie das Bewußtsein zum Nicht-Sein.

Das heißt, wenn man zu Gott, zu Bewußt-Sein


kommen will, dann muß man sich von allem
Materiellem Sein lösen. Sowohl äußerlich, aber vor
allem auch innerlich. Es geht um die innerliche
Lösung und Erlösung des Schattens. Dazu gehört
dann auch der Wertebegriff von sich selbst. So kann
man wohl sagen, dass dieses Bewußtsein, was da
dieser Gott sein soll, die Liebe ist.

Dann ist die Liebe, wenn wir selbst nicht mehr sind.
Das ist der Preis der Liebe. Das eigene Sein. Das
Selbst los sein. Das eigenen Fleisch und Blut, das
Christus in Form von Brot und Wein seinen Jüngern
gab. Das Gott den Menschen mit seinem Sohn gab
und ewig gibt. Er gibt die Liebe.

Will ich mich mit Gott vereinen, muß ich mich geben.
Aber ich weiß nicht wie. Denn es scheint mich zur
Zeit niemand haben zu wollen. Es erscheint mir so,
weil ich es nicht sehe. So muß ich jetzt ganz neu
sehen lernen.

Ich bin auf dem Weg erst ganz am Anfang.

Dieses Buch wurde geschrieben in den Tagen vom


29. Dezember 2000 bis zum 01. Januar 2001.
Nachtrag

02.03.2001

Seit diesem Schreiben sind einige Wochen


vergangen. Inzwischen bin ich im Nichts
angekommen. Auf einmal war ich da. Es war ein
erstaunliches Gefühl. Ich kam mir zunächst vor wie
in der Mitte eines Hurrikans. Ringsherum tobt der
Sturm, hier bei mir ist alles ruhig. Absolut still.
Nichts. Null-Punkt allen Seins. Absolut keine Angst.
Absolut keine Schmerzen. Absolut keine Freude.
Absolut keinen Wunsch. Absolut kein Wert. Es ist ein
unendlicher Friede. Ich kam mir vor wie ein Fels in
der Brandung. Unumstößlich. Keine Macht der Welt
hat mehr Einfluß auf mich. Es war ein gewaltiges,
erhabenes Gefühl. Doch noch ist dieses Gefühl nicht
stetig.
Ich muß es mir täglich neu erarbeiten. Denn täglich
werde ich im Leben von Wünschen und Verlockungen,
von persönlichen Schwächen heimgesucht. Der Trieb
ist ständig wach und aktiv. Gebe ich ihm nach, dann
falle ich heraus aus dem Nichts, aus dem Null-Punkt.
Die Buddhisten nennen diesen Zustand auch So-Sein.
Das Selbst aufzulösen ist vergleichbar mit dem
Aufbau von Muskeln. Wenn der Mensch sich einen
muskulösen Körper herantrainieren will, muß er seine
Muskeln ständig anspannen. Er muß auch auf
bestimmte Wünsche und Dinge in seinem Leben
verzichten. Wie Trägheit und Weichheit. Um sich
einen muskulösen Körper anzutrainieren, muß der
Mensch ausdauernd und beharrlich sein.
So ist es auch, wenn er sein Bewußtsein
herausbilden will. Er muß immer konsequent,
ausdauernd und beharrlich sein. Selbsterkenntnis
und Verzicht auf die Erfüllung der Wünsche ist hier
das oberste Gebot. Dabei geht es im wahrsten Sinne
um das Auflösen des Egos, der Schatten. Man erlebt
diesen Prozeß als Angst vor dem Nicht-Sein. Diese
Angst ist sowas wie Muskelkater. Wenn man erst mal
weiß, dass es diese Angst ist, die da so weh tut, ist
sie nicht mehr so schlimm.

In der Mythologie wird der Vorgang des Nichts-


Werdens sehr dramatisch dargestellt. Am schönsten
fand ich diese Darstellung in der nordischen
Mythologie in der Geschichte von der
Götterdämmerung. Hier wird geschildert, wie die
Weltenesche Ygdrasil mit Stumpf und Stiel verbrennt,
wie die Götter sterben, wie alles Leben erlischt. Nur
die reine Asche bleibt.
Die Weltenesche ist der Lebensbaum, der
paradiesische Baum der Erkenntnis. Alle
Differenzierung, alle Verzweigung, alles Erkennen der
äußeren Welt muß sich auflösen im Nichts. So, wie
alles Erkennen aus dem Nichts kommt, wie der
Urgrund allen Wissens das Nichtwissen ist, so muß
sich im Menschen alles Wissen um das Sein auflösen
in Bewußtsein. Im Bewußtsein vom Nicht-Sein.
Erst dann ist der Schatten des Egos endgültig
besiegt. Erst dann kann das Licht in uns sein
Leuchten verbreiten. Der Prozeß, der Weg beginnt
mit dem Suchen, mit dem Fragen. Auf diesem Weg
erhält man viele Antworten. Unendlich viele
Antworten. Man glaubt im Himmel des Wissens zu
sein. Doch der Weg führt weiter. Durch diesen
Himmel hindurch. Nicht das Allwissen ist das Ziel des
Suchenden. Das Ziel liegt hinter allem Wissen. Das
reine Bewußtsein ist ohne erkennbares Wissen. Das
reine Bewußt-Sein ist Nicht-Sein. Hier kann man
bleiben. Wenn man will. Oder:
Ein neuer Atemzug beginnt.
Denn die nordische Götterdämmerungsgeschichte
geht noch weiter. Aus der Asche der alten Ygdrasil
entsteht eine neue Weltenesche, werden neue Götter
geboren, erwacht neues Leben. So, wie auch Phönix
immer wieder aus der Asche neu ins Leben erwächst.
So, wie in jedem Ende ein neuer Anfang ist.

21.03.2001

Das Suchen und Finden

Wie ich am Anfang schon sagte, als ich mich auf die
Suche begab, wußte ich zunächst gar nicht, dass ich
mich auf einer Suche befand. Ich taste vielmehr
blind um mich, denn der Schmerz hatte mir die
Augen geschlossen für alles, was um mich war. Nur
dunkel erschien mir die Welt. Eine ewige Finsternis
ohne Aussicht auf einen Schimmer. Vielleicht kann
man den Vorgang beschreiben wie es einem Baby
kurz vor der Geburt gehen muß. Es sieht nichts, es
hört nichts, es weiß nichts, aber irgendetwas treibt
es voran. Ich weiß nicht, ob ein Baby bei der Geburt
so empfindet. Aber ich stelle es mir so vor.
Jedenfalls war von Suche keine Rede und von Finden
schon gar nicht. Im Nachhinein sieht natürlich alles
anders aus. Da ist der Weg gegangen, die
Unebenheiten sind erforscht. Ja, manchmal kam es
mir schon vor, als tastete ich mich durch eine dunkle
Höhle, in die kein Schimmer Tageslicht fällt. Ich
denke, dass ich diese ganz dunkle Höhle hinter mir
gelassen habe. Die Höhle meines Selbst.
So will ich denn kurz berichten, wie sich mir der Weg
in mein inneres Selbst darstellte.

Ich will bei dem Bild eines Höhlenforschers bleiben,


da sich hier viele Vergleiche anbringen lassen zum
besseren Verständnis.
Zunächst – meine Damen und Herren – befinden wir
uns außerhalb der Höhle. Hier ist die Wiese schön
grün, die Bäume wachsen gen Himmel, die Blumen
blühen und duften, die Vögel zwitschern. Diese
schöne Welt erfassen wir ganz und gar mit unseren
fünf Sinnen. Wir saugen sie in uns ein. Wir erfüllen
uns damit. Wir erfüllen uns hier auf dieser Welt all
unsere Wünsche. So wie ich es tat.
Eines Tages nun stolperte ich und fiel in die Höhle.
Eine sehr tiefe Höhle. Nach oben gab es scheinbar
kein Entkommen mehr. Die Außenwelt war mir
verschlossen. Hier unten – in meinem Inneren - war
es ausgesprochen unwirtlich. Hier treten die
Funktionsweisen der fünf Sinne außer Kraft. Man
kann sich auf seine fünf Sinne nicht mehr verlassen.
Das ist es, was mich am Anfang am meisten
verwirrte. Die äußeren Sinne zählen nicht mehr. Die
inneren Sinne aber sind noch nicht entwickelt. Als ich
mein äußerers Selbst, den Anschein von mir, begann,
hinter mir zu lassen und mit Fragen in mein Inneres
mich vortastete, begegnete mir deshalb eine Menge
undurchsichtiger Schlick und Schlamm.
Zum Ersticken viel. Es dauerte eine Weile bis ich
erkannte, das waren alle meine Urteile und
Verurteilungen dieser Welt. Als ich noch auf dem
Erdboden der Realität stand, da wußte ich über alles
ganz genau Bescheid. Ich war wissend, klug und
intelligent. Ich konnte mir also über die Dinge und
Erscheinungen ein Urteil erlauben. Ich war als
Journalist sogar in der glücklichen Lage, meine
Urteile und Verurteilungen aller Welt als das
Nonplusultra mitzuteilen. Eigenartiger Weise
reagierte die Welt darauf. Das ist Macht. Ich fühlte
Macht mit meinen Urteilen und Meinungen. Ich
dachte, ich wäre Wer. Ich dachte, ich hätte einen
Wert in dieser Welt.

In der ersten Schicht meines Selbst begegnete ich


nun allen diesen Urteilen und Verurteilungen, die ich
jemals gedacht oder ausgesprochen hatte, in
Konfrontation. Sie standen mir wie eine lehmige
Schildwacht gegenüber. Ich mußte mich mit ihnen
auseinandersetzen, den inneren Kampf antreten,
einen anderen Weg gab es nicht. Ich tat es zunächst
instinktiv. Noch immer war von richtiger Suche keine
Rede. Aber es schien nur diesen einen Weg zu geben.
Mit jedem einzelnen Urteil über einen Menschen, eine
Sache, eine Situation, mußte ich mich nun
auseinandersetzen.
Ich lernte dann irgendwann, dass der beste Weg
dieser Art Konfrontation die Hinterfragung war. So
begann ich, meine Urteile zu hinterfragen.
Beispiel: „Der Vater meiner Kinder ist ein schlechter
Vater, weil er keine Alimente zahlt. Ihm ist es egal,
ob die Kinder verhungern.“ Das ist ein klares Urteil.
Ich denke auch, dass viele Menschen so denken
könnten. Normal. Bei der Hinterfragung dieses
Urteils kam aber etwas anderes heraus. Warum
dachte ich denn so? Antwort: Weil ich kein Geld von
ihm bekam. Weil ich es gemein fand, dass ich die
Kinder allein ernähren mußte. Weil ich Angst hatte,
dass mein Geld nicht reicht, dass ich es allein nicht
schaffe.
Ja, es war meine Angst, es nicht zu schaffen. Es war
meine Angst, nicht genug zu bekommen, nicht genug
zu haben. Nicht gut genug zu sein für diese Aufgabe
allein. Diese Angst ist der tiefste Grund meines
Urteils gewesen. Diese Angst ist der tiefste Grund
aller meiner Urteile gewesen. Es dauerte allerdings
eine ganze Weile, bis ich das erkannte. Es war immer
und immer wieder mein Ying, meine innere Leere, die
gefüllt werden wollte. Die mich antrieb, zu sein, was
ich zu sein wünschte. Die Welt nach meinen Wunsch-
ansichten zu formen und zu bilden. Mir eine Meinung
zu bilden. Zu urteilen und zu verurteilen. Die ganze
Welt da draußen in meine Werturteile zu verpacken.
Erst, nachdem ich jedes einzelne Urteil, jede
einzelne Angst in mir erkannt, benannt und geheilt
hatte, ließ mich die Schildwache durch. Ich kann
nicht mehr genau sagen, wie lange ich in dieser
Schlick- und Schlammschicht meines Selbst
festgesessen habe. Es müssen Monate gewesen sein.
Die nächste Schicht ins innere Selbst ist anders, aber
auch nicht besser. Ich würde es den Bereich des
Höhlenlabyrinths bezeichnen. Dunkel ist es immer
noch. Aber es ist eine gähnenden weite Dunkelheit,
die mich mit eisigkalten Höhlenwind umwehte.
Dagegen war die Schlick- und Schlammschicht schon
fast gemütlich. Irgendwie hatte ich mich in all den
Monaten Heilung fast an sie gewöhnt. Nun aber
mußte ich in das Labyrinth. Wie gesagt, ich kann das
hier im Nachhinein schildern, dass da ein Labyrinth
in meinem Selbst war/ist.
Damals wußte ich es nicht, sonst hätte ich mir viele
Irrwege ersparen können. In der Konfrontation mit
meinen Urteilen hatte ich gelernt, gezielt Fragen zu
stellen. Ich hatte dabei auch gelernt, dass ich
Vertrauen haben kann, dass eine Antwort von
irgendwoher kommt. Mit diesem anfänglichen
Vertrauen ausgerüstet, tastete ich mich in das
Labyrinth hinein.
Das Höhlenlabyrinth erschien mir auf zweierlei Art.
Zum einen waren die Entleerungen meiner negativen
Gedanken verbunden mit einem Herausspülen
vergrabener Gedankenmuster. Der oberste Schlamm
war beseitigt, nun ging es an den untersten Moder.
Mir erschien es in dieser Zeit, als würde ich mit
Erlebnissen aus irgendwelchen Vorleben konfrontiert.
Ich erlebte mich vergewaltigt, ermordet und sogar
selbst als mordende Bestie. Ich erreichte die
dunkelsten Höhlenecken meines inneren Selbst. Nie
hätte ich geglaubt, dass so viel ekelhafte Schwärze,
soviel bodenlose menschliche Niedertracht in einem
Selbst ist. In mir ist. Das ich das auch bin.
Manchesmal war ich dabei dem Wahnsinn nahe. Doch
da ich immer alles aufschrieb, hatte ich irgendwo
eine Art Leitfaden, an dem ich mich weiterhangeln
konnte. Meinen persönlichen Ariadnefaden.
Zum anderen hatten meinen Fragen inzwischen schon
suchenden Charakter angenommen. Ich fand Gefallen
daran zu suchen. So erschien mir dieses Labyrinth
manchmal auch, als hätte es gar nichts mit mir zu
tun. Es war wie eine weite Halle des Wissens. Auf
jede meiner Fragen erhielt ich hier schnelle Antwort.
Das machte mir einen Heidenspaß. Es gab eine Zeit,
das stellte ich am Tag wohl hundert allgmeine
Fragen. Und die Antworten sprudelten nur so. In
dieser Zeit las ich viele Bücher, kam mir viel Wissen
in den Weg. In mir selbst hatte ich die Vorstellung,
an den Born des Allwissens angeschlossen zu sein.
Ich erwähnte schon einmal das geistige Internet.
Schier unerschöpflich schien das Wissen zu sein,
dass sich mir hier offenbarte.
In dieser Zeit dachte ich oftmals, dass dieses Wissen
die Welt retten könnte und ich der Erlöser sei, weil
ich ja all dieses Wissen auf einmal hatte. Das ist
genau der Trugschluß dieses Labyrinths. Da ich noch
nicht wußte, dass ich auf der Suche nach mir selbst
war, nach meinem „Ich bin“, verirrte ich mich in den
zahllosen, immer mehr verzweigenden Gängen der
inneren Höhle. Anstatt den Hauptweg zu suchen,
mich streng an meine eigenen Probleme zu halten,
die ich allein zu lösen habe, ließ ich mich in alle
möglichen Nebengänge der sogenannten
Weltenweisheit verleiten. Die Verlockung war aber
auch sehr groß. Es erschien mir hier, als wüßte ich
die Antworten auf alle Fragen, die die Welt bewegt,
als wüßte ich die Ursachen und Heilmethoden vieler
schwerer Krankheiten, wie AIDS und Krebs und
Parkinson, als wüßte ich die richtige
Erziehungsmethoden der Kinder, die richtige
Ernährungsweise, die richtige Gesellschaftsform, die
richtige Verhaltensweise für jeden Menschen auf der
Welt. Ich fühlte mich allwissend. Ein wahrhaft
schönes Gefühl.

Ich denke mal, der Effekt dieses Allwissens kam


durch die zunehmende Heilung und Reinigung meiner
Gedanken und Gefühle. Ein inneres Leuchten
beginnt. Apropos Leuchten. Die innere Erleuchtung,
so, wie ich sie erfahren habe, ist ein äußerst
unspektakulärer Akt. Es geht kein Licht an und
Wumm, ist es hell. Mit Helligkeit in dem Sinne, wie
wir es vom Sonnenlicht oder einer anderen äußeren
Lichtquelle her kennen, ist es sowieso nicht
vergleichbar. Mein inneres Licht arbeitete eher wie
ein ganz langsamer Dimmer. Zunächst bekam ich
gar nicht mit, dass es heller wurde. Weil ich diese
Art von Licht auch nicht kannte. Es ist eine innere
Ahnung. Ein Wissen, das nach und nach in Fleisch
und Blut übergeht. Ein Wissen, dass man nicht hat,
wie Schulwissen, sondern ein Wissen, dass man
selbst ist. Diese Licht ist also keine Lampe, die in
einem scheint. Dieses Licht ist man selbst. Das ist
jetzt natürlich schwer zu beschreiben.
Mit dem Reinigen der inneren negativen Gedanken
und Gefühle verschwinden die dichten Schatten vor
dem Inneren Licht, dass man selbst auch ist. Wir
sind gleichzeitig göttlich als Wesenskern – Licht –
wie auch individuell, Ego, als schattige Hülle um das
Licht, oder auch Er-scheinung genannt. Dieses Ego-
Ich definiert sich in der Außenwelt, dort, wo die
Blumen blühn, unter anderem an seinem Wissen,
seinen Erfahrungen, seinen Urteilen und
Verurteilungen. An seinen guten und schlechten
Gedanken und Gefühlen, mittels derer man in der
Welt agiert und reagiert, mißt und scheinbar
gemessen wird. Wenn man nun aber einen Großteil
dieser alten Gedanken und Gefühle auflöst – mittels
Heilendem Denken – verschwindet man dann?
Diese Frage drängte sich mir eines Tages auch auf.
Zuvor will ich das Labyrinth abschließen. Wie gesagt,
im Labyrinth bekommt man alle Fragen der Welt
beantwortet. Man bekommt eine ganz weite
Weltsicht. Man meint, die Welt zu erkennen und zu
durchschauen. Ich wage zu behaupten, dass bis zu
diesem Labyrinth die meisten Philosophen schon
vorgedrungen sind. So jedenfalls lese ich es aus den
Werken der Philosophen heraus. Ihre Fragen und
Antworten fand ich alle selbst in diesem Labyrinth.
Doch dieses Labyrinth ist das Wurzelgeflecht des
Weltenbaumes. Es verzeigt sich genauso in der
Unendlichkeit, wie die Zweige der Baumkrone des
Wissens. Wer meint, die Welt aus dieser Sicht heraus
erkannt zu haben – irrt als Philosoph, wie die
Wissenschaftler mit ihrer Spalt- und Meßmethode
irren. Der grichische Philosoph Sokrates kam an den
Grund des Wissens als er sagte: Ich weiß, dass ich
nichts weiß.

Das wurde mir schließlich auch klar. Klar gemacht.


Ich war ja zum Glück nicht allein hier unten. Uriel
war immer bei mir und geleitete mich heil heraus.
Ich muß das „heil“ betonen, denn es kommt vor, dass
sich hier in diesem Labyrinth mancher verirrt. Er
bleib mit seinen Gedanken irgendwo stecken und
findet den Weg nicht mehr zurück. Er wird
schizophren, verrückt.
Auch mir war manchesmal, als wäre ich schon
verrückt. Meine Gespräche mit Uriel zum Beispiel
erschienen mir teilweise als beginnende
Schizophrenie. Aus den Verzweigungen des
Labyrinths herauszukommen half mir aber jedesmal
meine Fragen nach mir selbst. Nach meinen
ureigensten Problemen. Das brachte mich immer
wieder auf den irdischen Boden zurück.
Wenn es auch sehr schön und erhaben ist, die Welt
zu erkennen, dass ist nicht das Ziel, wenn man sich
auf den Weg nach Innen begibt. Das Ziel ist das
eigene Selbst. Letztlich Ich bin, der/das da Gott sein
soll/ist. Irgenwo habe ich einmal gelesen, dass die
Philosophie die Theorie ist, die Religion aber die
Praxis. Re-ligion aber heißt nichts anderes als zu
Gott zurückkehren. Einkehren in das Selbst, nachdem
man auf der Wanderschaft in der Außenwelt war.

In unserem Wesen sind wir alle mit diesem All-


Bewußtsein verbunden. Den wir sind alle die Form, in
die sich das nichtnennbare All-Bewußtsein gegossen
hat. Als vergleichbares Bild aus der Bibel bietet sich
hier an, wie Gott dem Adam das Lebenslicht einbläst.
Es ist das Bewußtsein, dass die Materie zu Form, zu
Information, letztlich zu selbst bewußtseins-
bildendem Leben werden läßt.

Als ich das Labyrinth unbeschadet überstanden


hatte, war ich trotzdem nicht sehr glücklich. Die Zeit,
die so erhabene Zeit darin, war oft zu schön. Es ist
ein innerlicher Genuß zu wissen. Doch der Weg ins
Innere führt nur und allein über den Verzicht von
allem Genuß. Den Verzicht von allem was ist. So
auch Verzicht auf das Wissen. Der Urgrund allen
Seins ist das Nichtsein. Somit auch das Nichtwissen.
Das erlangt man aber nur, wenn man dem Wissen
keinen Wert mehr beimißt.

Die nächste Schicht, durch die ich mich nun


arbeitete, war nicht mehr ganz so dunkel. Hier war
ich schon in einem Zustand der inneren Befreiung
angelangt. Doch will ich den Preis für diese Befreiung
nennen. Der Preis ist eben das Ich-Ego. Der Verzicht
auf alles, was mit Sein zusammenhängt. Diese
Schicht kam mir vor wie ein wabernder Nebel. Es war
zwar nicht mehr so dunkel, die Ängste waren im
Groben aufgelöst, aber mir schien kein
Vorwärtskommen mehr möglich. Alles um mich her
schien an Kontur verloren. Nichts war mehr da, was
es zu greifen gab.
Meine bisherige Weltanschauung, an die ich mich
halten konnte, meine bisherigen Glaubenssätze,
meine Werte von mir und der Welt schienen sich in
einem Einheitsbrei aufzulösen. Ich schien mich
vollständig in diesem Einheitsbrei aufzulösen. Auf
dem Weg bis hierher hatte ich gelernt, dass Urteile
und Meinungen auf keinerlei wahren Maßstäben
beruhen. Dass allein meine Angst, nicht gut genug zu
sein, der Maßstab aller meiner Urteile gewesen war.
Diesen Maßstab konnte ich nun an meine Welt nicht
mehr anlegen. Aber einen neuen hatte ich noch
nicht. In diesem breiigen Nebel war es mir sehr oft,
als würde ich verloren gehen. Als würde ich mich
auflösen und nicht mehr da sein. Ich verlor meinen
Wert, meine Maßstäbe der Welt. Ich bekam es immer
mehr mit der Ur-Angst zu tun, nicht zu sein.
Zunächst in Form der Angst: Nichts zu sein.

Das schien sich dann auch in meinem realen Leben


widerzuspiegeln. Ich schien niemandem etwas Wert
zu sein. Ich wußte auch gar nicht mehr, welchen
Wert ich haben wollte. Das, was ich früher einmal
war, wollte ich nicht mehr sein. Nicht mehr so
aussehen, nicht mehr so reden, denken, fühlen. Ich
wollte diesen Beruf nicht mehr, diesen Mann nicht
mehr, dieses Leben nicht mehr. Ich wollte schließlich
gar nichts mehr mit dieser Welt zu tun haben. Diese
ehemalige Welt von mir erschien mir als eine Art
Scheinwelt, eine Welt, die nur ihre äußere Seite
kannte.
Es war mir eine Welt, die ich lächerlich und albern
fand, wie sie sich da in ihrem äußeren Schein drehte
und spiegelte, wie ein eitler dummer Pfau. Ich hatte
inzwischen das innere Funktionsmuster erkannt. Nie
mehr konnte ich dorthin zurückkehren. Eine
Marionette meines Gier-Tiers konnte ich nie mehr
sein. Aber was dann?

Ich sehnte mich nach Liebe. Wußte aber gleichzeitig,


dass die Liebe im irdischen Sinne nicht gemeint war.
In diesem Nebel löst sich das Ego wirklich auf. Dieser
Vorgang war für mich manchmal ein traumatischer.
Die eigene Wertlosigkeit zu erfahren und gleichzeitig
wissend zu akzeptieren – auch in dieser Phase war
ich oft dicht dabei, den Verstand über diese paradoxe
Unmöglichkeit zu verlieren.
Hier in diesem Nebel galt es für mich, die letzten
Fesseln des Hochmutes abzustreifen. Hier mußte ich
mich ganz und gar unterwerfen. Ich verurteilte
inzwischen die ganze Welt als albern und dumm. Nun
sollte ich noch erkennen lernen, dass das auch nur
mein eigener Schatten war.

Das klingt romanhaft kitschig. Die Realität ist aber


immer mit im Spiel. Inzwischen hatte ich gelernt,
mich im Spiegel meiner Umwelt zu betrachten und zu
erkennen. Ich hatte gelernt, niemandem mehr die
Schuld an meinem Leben und Erleben zu geben. Ich
hatte es zwar schon gelernt, aber es war mir noch
nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Noch war es
kein lebendiges Wissen. So erfuhr ich denn weiterhin
Demütigungen aus meiner Umwelt, bis ich gelernt
hatte. Bis ich es endgültig begriffen hatte.
Die vollkommene Unterwerfung des Ego-Selbst ist
das Ziel der Nebelphase. Zu erkennen und
vollkommen zu verinnerlichen, dass alles auf der
Welt sowohl aus dem eigenen Selbst heraus
geschaffen ist als auch, dass es einfach so, ohne
unser selbst, existiert. Das heißt, die Gleichzeitigkeit
von Alles und Nichts in einem Selbst bedingungslos,
fragenlos, zu akzeptieren. Nach der Nebelphase gibt
es kein Abwägen mehr von Schuld und Unschuld, von
Gut und Böse, von Wahr oder Falsch. In der Mitte des
Seins ist die Trennung von Ying und Yang
aufgehoben. Es herrscht Stille, Frieden, Harmonie.

Nach dieser Nebelphase ist das Suchen zu Ende. Was


habe ich gefunden? Nichts. Nichts, was ich näher
erklären könnte. Es ist die innere Gewißheit, dass
alles so wie es ist, vollkommen ist. Nicht gut, nicht
schlecht, einfach vollkommen. Und das ich es bin,
die jederzeit diese Vollkommenheit zerreißt, wenn ich
mir darüber ein Urteil, eine Meinung bilde.

Ich denke mal, dass es hinter diesem Zustand


meines jetzigen Seins noch einen weiteren gibt. Ich
fühle es ganz genau. Ich erahne eine gewaltige Tür,
hinter der sich ein riesiges Reich verbirgt. Doch ich
weiß gleichzeitig auch, dass es sehr schwer ist, in
dieses Reich zu gelangen. Für mich ist es sehr
schwer. Das weiß ich. Denn in diesem Reich ist
unbedingter Gehorsam, unbedingte Disziplin
verlangt. Hier geht es um hohe Werte, um Werte, die
ich nicht kenne, die ich nur ahne. Ich glaube, man
kommt nur durch dieses Tor, wenn man seinen Willen
bewiesen hat, dass man dort unbedingt hinein will.
Den Beweis tritt der Mensch an, indem er Disziplin
übt. Das ist es, was mir so schwer fällt. Disziplin und
Gehorsam. Mich selbst zu disziplinieren erscheint mir
ungeheuer schwer. Es geht ja dabei nicht um
irgendeine Disziplin. Es geht immer um die ganz
individuelle. So kann man zum Beispiel nicht
allgemein sagen, man muß aufhören mit dem
Rauchen, dem Trinken, dem Fleischessen. Man muß
jeden Morgen Frühsport machen. Oder regelmäßig
Fasten. Oder sonst wie gut und richtig leben, wie es
einem im eigenen Bewußtsein aufgezeigt wird. Das
ist vielleicht notwendig. Doch viel wichtiger ist etwas
anderes. Es geht um das Durchhalten. Das ständige,
bedingungslose Durchhalten.

Denn solange man lebt, ist Ying in uns. Der


Lebenstrieb. Der Drang, zu leben. Der Drang, zu
erleben. Zu genießen. Haben zu wollen. Diesen
Drang muß man ständig erkennen und ihm Einhalt
gebieten. Das eigenen Selbst zu disziplinieren ist nun
der nächste Schritt. Ob er noch in das Selbst hinein
geht oder schon in eine andere Dimension, weiß ich
nicht. Ich weiß nur: Der Weg nach oben ist schwer.

Die Religionen der Welt

Auf der inneren Suche fand ich in den Religionen der


Welt immer wieder meinen Halt. Von der Erziehung
her bin ich kein Christ, sondern durch und durch
Materialist. In die Kirche bin ich nur gegangen, um
mich an dem historischen Kulturgut zu erfreuen und
die Erhabenheit der hohen, vor allem in katolischen
Gebieten sehr reich verzierten sakralen
Räumlichkeiten zu genießen.
Das änderte sich, als ich die Bibel gelesen hatte. Ich
spürte, wie in mir irgendwelche Saiten angeschlagen
wurden, die so noch nie in mir geklungen hatten.
Zunächst las ich die Bibel wie einen spannenden
historischen Roman. Wobei mich das Alte Testament
wesentlich mehr interessierte als das Neue. Mit der
Jesusfigur wußte ich am Anfang ganz und gar nichts
anzufangen. Während die Gesetze und Hinweise des
Alten Testamentes logisch und klar zu sein schienen.
Daran konnte man sich halten. Noch heute halten
sich die orthodoxen Juden an das Wort der alten
Schrift.
Mit diesem Worten und Gesetzen der Alten Schrift
konnte ich nach Herzenslust die Welt messen und
vermessen. Die Gesetze des obersten Richters –
Gottes – gestatteten es mir sogar. Auge um Auge,
Zahn um Zahn, so stand es hier als Gottes Gesetz
geschrieben. Wobei mich dieser Gott das Fürchten
lehrte. Denn von einem gütigen Gott kann höchstens
ansatzweise im Alten Trestament die Rede sein.
Vielmehr fand ich hier die ganze Ungerechtigkeit der
irdischen Welt widergespiegelt. Ohne Gnade und
Barmherzigkeit.

Das änderte sich ein wenig, als ich mich langsam an


die Evangelien des Neuen Testamentes heranwagte.
Jesus schien schon irgendwie ein Mann der Gnade
und Barmherzigkeit zu sein. Immerhin hielt er sich
mit dem verachteten Volk, den Zöllnern und Huren,
zusammen auf. Er heilte Blinde und Lahme, ohne
Ansehen der Person. Er übertrat das Gesetz aus
Liebe zum Leben.
Anderswiederum erschein er mir nicht ganz normal.
Denn welcher halbwegs normale Mensch läßt sich
wissentlich verraten, peinigen und ans Kreuz nageln?
Auch wurde ich aus seinen vielen Gleichnissen nicht
sonderlich klug. Das Neue Testament blieb mir lange
Zeit ein Buch mit sieben Siegeln.
Bis ich mich auf die Reise in mein Inneres begab. Auf
einmal erschlossen sich mir, parallel zur Erkenntnis
über mich selbst, die Bedeutung der Worte und
Gleichnisse aus der Bibel. So, wie ich tiefer und
tiefer in mich selbst eindrang, so drang ich tiefer und
tiefer in das Wesen der einzelnen Aussagen ein. Die
Bibel war mir so lange Zeit ein Wegbegleiter. Und ist
es heute noch. Aber nicht nur.
Irgendwann auf meiner inneren Wanderschaft schien
mir die Bibel nicht mehr weiterzuhelfen. Das war
zum Beispiel, als ich die Bedeutung des Weiblichen in
der Welt suchte. Dieses Buch bot da keine Hilfe
mehr. Die fand ich dann in den Weisheitsbüchern des
Ostens. So spricht Laotses „Tao te king“ von der
Schöpferin, der Königin des Alls. Hier fand ich das
weibliche Prinzip als das All-Erschaffende.
Das gab mir neuen innerlichen Halt in der tiefsten
Tiefe meines dunklen Selbst. In dieser Dunkelheit
war ich oftmal so allein, dass mir die Last meines
Lebens zu schwer erschien. Als einzigen Ausweg
wußte ich hier nur den Tod. Alles beenden. Vorbei
mit dem Spuk. Vorbei. Auch hier gab mir die Bibel
keinen Trost. Die Fabel von dem späteren Paradies,
in dem wir alle friedlich vereint sein werden, wen wir
nur geduldig unsere Last auf Erden tragen, konnte
meinen Schmerz nicht lindern.

Ein anderes Buch erhellte hier mein Bewußtsein ein


wenig. Das tibetische Totenbuch. Das heißt, eine
Interpretation durch einen tibetischen Mönch. Dieses
Buch eröffnete mir klar und einsichtig, dass mit
meinem Tod der Weg nicht zu Ende sei. Die Lehre
von der Inkarnation der Seelen ist vollständig aus
der heutigen Bibel verbannt. Dabei – so las ich in
alten Schriften, hat darüber einmal ein Menge auch
in diesem weisen Buch gestanden. Wer aber die
erneuerte Wiedergeburt der Seelen aus dem Wissen
der Menschen streicht, negiert die Verantwortung des
Menschen für sein eigenes Leben. Überträgt sie auf
einen imaginären Gott da draußen, dem man dann
die Schuld geben kann an all seinem Leid. Was einem
dann die Verantwortung für das eigene Leben
abnimmt. Doch die Menschheit wird erwachsen. Sie
muß jetzt die Verantwortung selbst übernehmen.

Als ich mich ausgiebig mit der Widergeburt und dem


Karma beschäftigt hatte, gab ich die Vorstellung,
meinem Leben ein Ende zu setzen sei eine Lösung,
auf. Schweren Herzens mußte ich einsehen, dass ich
Schuld selbst erschaffe und selbst abtragen muß. In
diesem oder in einem anderen irdischen Leben. Nun,
dachte ich, dann kann ich es ja auch gleich machen.
Eine zeitlang erbauten mich die Reden des Dalai
Lama. Die vier Wahrheiten des Buddha über das Leid
und die Möglichkeit seiner Auflösung versöhnten
mich immer dann, wenn ich an meinem eigenen
Schicksal zu zerbrechen drohte.
Die indische Bagavadgita, die Interpretation davon,
fiel mir in die Hand, als ich an totalem Selbstzweifel
litt, ob mein Weg, meine Theorie über die Welt, die
ich bis dahin noch nie gehört oder erlebt hatte, auch
wirklich sei, oder ob ich doch eher in psychatrische
Behandlung gehöre. Hier fand ich Gott sowohl als
immerwährendes Prinzip in mir als auch als
immerwährende Persönlichkeit des Alls. Die gesamte
fernöstliche Lehre erwies sich mir als Bestätigung
der Theorie des Einengottseins, das uns in Form von
dualer Form erscheint. Das wir als Selbst erleben.
Zugleich als Ich bin selbst und Ich bin alles. Ying-
Yang. Aber auch jetzt war das Bild von mir und
meiner Welt nicht vollkommen.

Noch fehlte mir ein Puzzle. Noch nicht einmal kam


ich auf meiner Suche in den vergangenen Jahren mit
den Lehren des Koran in Berührung. Ich wunderte
mich schon darüber. Aber es ergab sich einfach nicht.
Doch wenn alle Religionen eins sind, so mußte sich in
mir und auf meinem Weg auch die Lehre des Koran
widerspiegeln. Das stand für mich fest. Nur wie?
Die Antwort darauf erhielt ich erst vor kurzem. Ich
schilderte schon meine Verzeiflung, ein Nichts zu
werden und zu sein.
Was ist das: ein Nichts? Man kann es nicht
beschreiben. Das ist das fatale am Nichts-Sein. Es ist
nur ein Gefühl. Ein Gefühl, gegen dass sich das
ganze Sein, mein gesamtes inneres Sein mit großer
Kraft zur Wehr setzte. Nicht Sein ist die Ur-Angst,
das Ur-Ying, ist letztlich aber auch der Ur-Antrieb
zum Handeln. Diesen Urantrieb kann man nicht so
einfach außer Kraft setzen.
Das hieße, den Schlüssel für das Leben finden. Und
der ist tief, tief in uns versteckt. Dort, so sagt eine
alte Geschichte, haben ihn die Götter versteckt,
damit der Mensch ihn nicht findet. Solange, wie die
Wissenschaftler im Außen suchen, solange wie sie
ihre Ergebnisse messen und bewiesen haben wollen,
solange werden sie den Schlüssel des Lebens nicht
finden. Solange ist er sicher.

Der Koran nun gab mir den Schlüssel in die Hand. Ein
guter und rechtgläubiger Moslem muß einmal in
seinem Leben nach Mecka pilgern. Auf dieser
Pilgerreise muß er alles ablegen, was ihn an sein
individuelles Sein bindet. Er legt symbolisch dafür
seine Kleidung ab, trägt nur zwei weiße Tücher, die
ungenäht sind, damit nicht einmal eine Naht auf
irgendetwas Einmaliges, Individuelles hinweist. Auf
seiner Pilgerreise nach Mecka wird der moslemische
Pilger zum Nichts, muß er zum Nichts werden und
sich mit der übrigen, zahlreichen Pilgerschar zu einer
Menschheit zu vereinen. Eins sein in allem. Am Ende
meiner bisherigen eigenen Suche, der eigenen
Pilgerfahrt in mein inneres Selbst, war es der Koran,
der mir Mut zusprach, ein Nichts zu werden und zu
sein. Das ist das Ende meines bisherigen Seins.
Anhang
Ausgewählte geistige Entleerungen und die
dazugehörigen Heilungen aus den vergangenen
Jahren

03.12.1998 , 7.30 Uhr

Meine (negativen) Gedanken zu meiner Mutti

Sie will immer alles besser wissen. Sie will immer


Recht haben. Sie will immer, dass man ihr Recht gibt.
Sie will immer die Größte und die Beste sein. Sie will
nie einsehen und kann es auch gar nicht ertragen,
dass auch andere Menschen etwas können, etwas
wissen, vielleicht sogar mehr als sie. Meine Mutti
behandelt uns, ihre Kinder, wie Dummköpfe oder
Sklaven, die sie achten, ehren, zu ihr aufschauen
und bedienen müssen. Meine Mutti möchte für sich
von anderen bedingungslos Liebe, sie ist selbst aber
nicht in der Lage, diese Liebe zu geben. Meine Mutti
ist autoritär und selbstgerecht. Es fällt mir sehr
schwer, mit meiner Mutti in einen engen, herzlichen
Kontakt zu treten. Meine Mutti trampelt auf meine
Gefühlen herum, nur damit sie selbst oben stehen
kann. Ich denke, meine Mutti sollte sich mehr um
ihre eigene Erkenntnis kümmern als um die der
anderen. Meine Mutti gibt nie etwas umsonst, immer
will sie dafür auch etwas haben. Meine Mutti läßt sich
nie etwas umsonst geben, immer will sie dafür
bezahlen.

(Meine) heilenden Gedanken (zu meiner Mutti)


Meine Mutti hat alles Wissen, was sie braucht. Das
Wissen meiner Mutti ist in göttlicher Ordnung in
Harmonie. Meine Mutti hat die wahre Erkenntnis von
der Harmonie des Wissens. Meine Mutti ist Gottes
Kind und somit göttlich in allem. Meine Mutti hat
wahres Verständnis für das Gottsein aller Menschen.
Das Verhältnis meiner Mutti zu uns, ihren Kindern,
ist in göttlicher Harmonie, in göttlicher Weisheit, in
göttlicher Ordnung und göttlicher Liebe. Durch meine
Mutti fließt die göttliche Harmonie, in der sie mit
Gott und allen Geschöpfen auf der Erde lebt. Meine
Mutti lebt bedingungslose Liebe und strahlt das auch
aus. Göttliche Harmonie, Erkenntnis und Liebe
bestimmen das Verhältnis zwischen meiner Mutti und
mir. Wir sind in Harmonie eins. Meine Mutti achtet
mich und meine Gefühle in göttlicher Liebe,
Erkenntnis und Harmonie. Meine Mutti ist auf dem
Weg der Erkenntnis und Erleuchtung. Meine
Gedanken und Gefühle zu meiner Mutti sind in
göttlicher Harmonie. Meine Mutti lebt in selbstloser
Liebe, alles Geben und Nehmen in ihr und durch sie
fleißt in göttlicher Harmonie.

08.02.1999

Meine negativen Gedanken zu meinem Geben

Ich gebe immer und keiner gibt mir etwas. Ich gebe
immer gern und keiner gibt mir gern. Immer, wenn
ich etwas gebe, sind alle böse mit mir. Immer, wenn
ich meine Hilfe gegeben habe, habe ich dafür einen
Tritt bekommen. Alles, was ich über das Geben und
Nehmen gehört habe, ist nicht wahr. Alle wollen
immer nur Nehmen, keiner will geben. Auf dieser
Welt gibt keiner etwas freiwillig. Auf der Welt gibt
keiner etwas Gutes freiwillig. Jeder will auf der Welt
erst haben, bevor er gibt. Alles auf der Welt ist nur
ein Geschäft. Gibst du mir, geb ich Dir. Wer
schneller, klüger, besser ist, bekommt das meiste.
Geber sind Verlierer. Geber sind dumm. Geber haben
selbst schuld. Keiner glaubt, dass er etwas umsonst
gegeben bekommt. Auch Gott will für seine Gaben
einen Zehnten. Für den Tod muß man sein Leben
bezahlen. Gott gibt und nimmt, wie es ihm gefällt,
wir sind ihm hilflos ausgeliefert. Ich habe Gott gern
gegeben, aber er hat mir nichts gegeben. Was Gott
mir gegeben hat, tut mir weh. Was Gott gibt, tut
immer weh. Ich kann Gottes Gaben nicht erkennen.
Ich kann Gottes Gaben nicht für gut erkenen. Ich
sehe keinen Sinn darin, zu geben, Wenn ich viel
gebe, habe ich selbst wenig. Je mehr ich gebe, desto
weniger habe ich. Ich muß immer mehr geben, als
ich bekomme. Mir gibt niemand etwas umsonst.
Wenn ich etwas bekomme, dann wollen alle, dass ich
etwas dafür gebe. Ich will nichts haben, denn ich
habe nichts mehr zum geben. Ich habe immer so viel
gegeben, und jetzt habe ich gar nichts mehr. Ich
sehe nicht, was daran gut sein soll, etwas zu geben.
Ich sehe nur, dass es gut ist, etwas zu bekommen.
Alle bekommen gern Geschenke. Ich bekomme nichts
geschenkt. Mir schenkt niemand etwas. Das Geben
und Nehmen auf der Welt ist nicht im Ausgleich. Es
ist besser, etwas zu bekommen als etwas zu geben.
Alle wollen immer nur haben, keiner will geben. Ich
verstehe nicht den Sinn des Satzes: Geben ist
seeliger denn nehmen. Ich habe nur gesehen, dass
es mich ärmer macht, wenn ich gebe. Ich habe Gott
meinen Zehnten gegeben, regelmäßig, aber Gott hat
mir alles weggenommen. Gott ist nicht gerecht. Ich
erkenne keine gute Ordnung in seinem System. Ich
habe den Menschen meine Hilfe, mein Verständnis
gegeben, aber sie haben mich abgestoßen. Ich habe
jetzt nichts mehr zum Geben, ich bin arm und
unglücklich. Nur, wenn ich etwas habe, bin ich
glücklich. Wenn ich etwas gebe, bin ich unglücklich.
Ich habe meinem Mann, seinem Bruder, seinem
Freund alles gegeben, aber sie haben mich dafür
abgelehnt und abgestoßen. Ich glaube nicht, dass
geben seelig macht. Ich glaube, dass Geben immer
traurig und arm macht. Auf der Welt lebt man besser,
wenn man mehr nimmt und bekommt als man gibt.
Nur die, die viel von anderen genommen haben und
wenig geben, die Reichen, sind wirklich glücklich.
Die, die viel gegeben haben und wenig bekommen,
die Armen, sind unglücklich. Ich kann nichts geben,
wenn ich nichts habe. Ich kann nicht geben, wenn
ich selbst nicht genug habe. Ich habe Angst, dass
Gott mir immer alles nehmen will. Ich habe Angst,
dass ich bald nichts mehr habe, was ich geben kann,
so dass mir alles weggenommen wird. Ich habe
Angst, dass mir jetzt alles weggenommen wird. Ich
habe Angst, dass ich nichts mehr zum Geben habe.
Ich habe Angst, das alles nicht zu verstehen. Ich
habe Angst, nicht zu verstehen, wenn ich etwas
Geben soll. Ich habe keinen Glauben mehr in Gottes
Gutes. Ich habe keinen Glauben mehr in Gottes
Ordnung. Ich habe keinen Glauben daran, dass es
göttlich und seelig ist, etwas zu geben. Ich habe
keinen Glauben mehr an mich und an Gott. Ich habe
gedacht, Gott gibt mir seinen Lohn, wenn ich ihm
diene. Ich diene ihm, ich bete, aber er hört mich
nicht und er gibt mir nichts. Gott nimmt mir alles
weg und läßt mich dann allein. Ich kann Gott geben,
soviel wie ich will, er hört mich nicht. Ich war artig
und habe Gott meinen Zehnten gegeben und sogar
noch mehr, aber er liebt mich nicht. Ich war immer
lieb und artig, aber Gott hat mich verstoßen. Es ist
immer so, wenn ich etwas gebe, dann erhalte ich
Schmerz und Haß. Ich weiß nicht mehr, wass ich tun
soll. Ich will mich doch einfach nur nach Gottes
Geboten richten. Ich möchte doch einfach nur gut
sein. Aber ich weiß nicht wie. Immer mache ich alles
falsch. Ich mache für Gott nichts richtig. Ich mache
für Gott nichts gut genug. Ich verstehe Gott nicht.
Warum tut er mir so weh. Ich möchte nicht, dass er
mir so weh tut. Ich möchte doch tun, was er will.
Aber ich weiß nicht, was er will. Ich verstehe nicht
seine Sprache. Er tut mir so weh, weil ich ihn nicht
verstehen kann. Woher soll ich wissen, was gut ist
für Gott, wenn ich seine Sprache nicht verstehe. Ich
kann doch nicht dafür, dass ich ein Mensch bin. Du
hast mich in diese Welt gesetzt und mir eine
Ordnung gegeben und eine Aufgabe. Wenn ich diese
Aufgabe erfüllen soll und wenn ich diese Ordnung
einhalten soll, dann sage mir alles klar und deutlich.

Meine heilenden Gedanken zu meinem Geben

Alles ist immer für alle in Gottes Liebe vorhanden.


Alles ist in einem und eins ist in allem. Immer im
Hier und Jetzt ist Gottes Liebe ewig. Immer im Hier
und Jetzt bin ich Gottes Liebe. Alle Erkenntnis ist in
der wahren Liebe Gottes. Gottes Liebe ist die
Vereinigung von Sichtbarem und Unsichtbarem. In
der Schöpfung schwingt das Licht. Alle Dunkelheit
wird Licht. Die Liebe ist im Licht. Die Engel heilen
dich und mich. Im Vertrauen zu Gott steigst du auf
ins Licht. Engel können fliegen. Engel sind in der
Liebe. Engel sind in der Weisheit. Im Vertrauen
kommt die Weisheit ans Licht. Gottes Liebe ist
unendlich. Gottes Liebe ist ewig. Gottes Liebe
durchströmt und und heilt uns. Die Engel tragen
mich und trocknen meine Tränen. Die Engel lieben
mich und heilen mich. Ich bin in Gottes Liebe
geborgen. Ich bin in Gottes Liebe und Licht
geborgen. Ich bin in Gottes Liebe und Licht
geborgen. Gottes Liebe strömt unendlich durch mich
und heilt mich. Ich erkenne Gott in mir. Ich lasse
Gottes Liebe und Licht in mir zu. Ich bin geheilt in
Gottes Liebe und Licht. Durch mich strahlt Gottes
Liebe und Licht auf alle aus. Ich lasse mich
vertrauensvoll in Gottes Liebe fallen. Ich habe
Vertrauen, dass ich Gottes Liebe bin.
Ich sehe und erkenne, ich bin Gottes Liebe und Licht.
Ich sehe und erkenne, dass ich in Gottes Liebe
strahle. Ich durchströme in Liebe alle Liebe. Alle
Liebe durchströmt mich. Ich diene der Liebe Gottes.
Ich liebe den Dienst an Gott. Liebe ist Geben in Gott.
Ich bin in der unendlichen Harmonie. Alle sind in mir
in der unendlichen Harmonie. Ich bin in allen in der
unendlichen Harmonie. Die Liebe ist unendliches
Strömen in die Unendlichkeit hinein. Die Liebe ist
Gottes Reich. Ich bin in Gottes Reich in der Liebe.
Gott ist unendliche Bewegung des Lichts. Ich
schwinge in der Unendlichkeit des Lichts. Alle Engel
heilen die Seelen der Menschen. Ich öffne mich der
unendlichen Liebe meines Engels. Ich bin eins mit
ihm auf dem Weg zu Gott. In der Liebe meiner
Mitmenschen bin ich in der Liebe Gottes. Ich gebe
nur noch, wenn ich genug zum Geben habe und
Freude am Geben habe. Gott öffnet mir die Augen
und zeigt mir ganz genau, was ich von seinen Gaben
auszuteilen habe. Ich erkenne meinen Teil an Gottes
Reich. Ich erkenne bewußt meinen Teil an der
Entwicklung der Schöpfung. Ich erkenne bewußt
meinen Teil an der Heilung. Ich erkenne bewußt
meinen Teil an der Liebe. Ich lebe bewußt in der
Liebe Gottes. Ich lebe bewußt im Licht Gottes. Ich
nehme bewußt meine Lebensauftrag an. Ich bin ein
bewußter Teil des Ich bin. Ich erkenne bewußt
meinen Teil an der weiteren Gestaltung des Ich bin.
Ich lasse bewußt zu, dass alle Wesen ihren Teil an
der Entwicklung des Ich bin leisten. Ich lasse bewußt
zu, dass alle im Ich bin in Liebe sind. Ich habe
Vertrauen, das alle Menschen in Gottes Liebe sind.
Ich habe Vertrauen, dass alles in Gottes Ordnung ist.
Ich habe Vertrauen, dass ich mich bewußt in Gottes
Liebe entwickle. Ich habe bewußt Vertrauen, dass ich
die Liebe weiterentwickle. Ich bin mir meines Seins
in der Liebe Gottes im Hier und Jetzt voll und ganz
bewußt. Ich höre ganz bewußt mit dem Gejammer
auf, denn ich bin. Ich bin erwachsen und selbst
verantwortlich für mein Tun. Gottes Gebot ist die
reine Liebe. Wenn ich in selbstloser Liebe handle, bin
ich in Gott. Ich lasse mich von nun an ganz selbst-
bewußt von meinem himmlischen Engel führen. Ich
vertraue mich ihm ganz selbst-bewußt an. Ich habe
Gewißheit und Vertrauen, dass ich auf jede Frage
eine Antwort erhalte, die mich zu Gott führt. Ich
habe bewußt unendliches Vertrauen, dass von nun an
alle meine Handlungen von Engeln geführt werden.
Ich habe bewußt Vertrauen, dass ich von jetzt an bei
jedem Schritt zu Gott mehr weiß, mehr erkenne und
mehr liebe. Ich weiß, erkenne und habe Vertrauen,
dass ich nach der selbstbewußten Führung durch
meine Engel selbst weise, erleuchtet und ein Engel
bin.
Danke Amen Ich bin

09.02.1999

Meine negativen Gedanken zu meiner Angst


Ich hasse meine Angst. Die Angst behindert mich auf
meinem Weg zu Gott. Die Angst behindert mich auf
meinem selbstbestimmten Weg zu Gott. Ich verstehe
nicht, warum ich Angst habe. Ich weiß nicht, wovor
ich Angst habe. Diese unbewußte Angst ist so groß,
dass sie mir Schmerzen zufügt. Ich habe in meinem
Leben vor jeder Veränderung Angst gehabt. Ich habe
Angst gehabt, dass sich in meinem Leben etwas
verändert. Ich habe Angst gehabt, dass das Neue
schlecht für mich ist. Ich habe Angst gehabt, dass
das Neue für mich zu schwer ist. Ich habe Angst
gehabt, dass ich das Neue nicht schaffe. Ich habe
immer Angst gehabt, dass die neuen Anforderungen
meine Fähigkeiten überfordern. Ich habe Angst
gehabt, dass meine Mitmenschen mich dann
auslachen und ablehnen, wenn ich das Neue nicht
schaffe. Ich habe Angst gehabt, dass ich ein
schlechter Mensch bin, wenn ich das Neue nicht
schaffe. Ich habe immer Angst gehabt, schlechter zu
sein als die anderen. Ich war immer neidisch auf die
anderen. Ich habe immer Angst gehabt, von meinen
Mitmenschen nicht geliebt zu werden. Ich habe
immer Angst gehabt, im Leben nicht gut genug zu
sein, um für mein Leben genügend zu bekommen.
Ich habe immer Angst gehabt, wenn ich schlechter
bin als die anderen, muß ich schlechter leben. Ich
habe nie gewußt, was gut oder schlecht ist. Ich habe
immer Angst gehabt, nicht zu wissen und zu
erkennen, was gut oder schlecht ist. Ich habe immer
Angst gehabt, zu verhungern und zu verdursten. Ich
habe immer Angst gehabt, mein Leben zu verlieren,
wenn ich nicht schneller und besser war als die
anderen. Ich habe immer Angst gehabt, wenn ich
nicht viel handle, bekomme ich nicht viel. Die
Menschen haben mir immer Angst gemacht, dass ich
nicht genug bekomme, wenn ich nicht so bin, wie sie
es wollen. Ich habe im Leben immer Angst gehabt,
weil ich nicht wußte, wie ich sein soll. Ich habe
immer Angst gehabt, weil ich nicht wußte, wie ich
bin. Ich habe im Leben immer Angst gehabt, weil ich
nicht wußte, wie ich gut sein kann. Ich habe immer
Angst gehabt, wenn ich so bin, wie ich gut bin, dass
ich dann nichts bekomme. Ich habe immer Angst
gehabt, wenn ich gut bin, dann muß ich leiden. Ich
habe immer Angst gehabt, wenn ich gut bin, dann
bekomme ich nichts und dann muß ich sterben. Ich
habe immer Angst gehabt, wenn ich mich gut fühle,
dass ich dann schlecht bin. Ich habe immer Angst
gehabt, dass ich nicht weiß und erkenne, was gut
und was schlecht ist. Ich habe immer nicht gewußt,
wie ich sein soll, weil ich nicht wußte, wie ich bin.
Ich habe große Angst, nie zu wissen und zu
erkennen, wann und wie ich in göttlicher Ordnung
wirklich gut bin, damit alles Leben dann auch immer
wirklich gut und in Ordnung ist.

Meine heilenden Gedanken zu meiner Angst

Ich liebe das Vertrauen. Das Vertrauen fördert mich


auf meinem Weg zu Gott. Das Vertrauen befördert
mich auf meinem selbstbestimmten Weg zu Gott. Ich
weiß und erkenne, dass ich Vertrtauen habe. Ich
weiß und erkenne, wozu ich Vertrauen habe. Dieses
bewußt erkannte Vertrauen ist so unendlich, dass es
mich heilt. Ich habe in meinem Leben zu jeder
Veränderung bewußtes unendliches Veretrauen
gehabt. Ich habe bewußtes unendliches Vertrauen
gehabt, um etwas in meinem Leben zu verändern.
Ich habe bewußtes Vertrauen gehabt, dass ich das
Neue gut für mich gestalten kann. Ich habe bewußt
unendliches Vertrauen gehabt, dass ich das Neue
ganz leicht schaffe. Ich habe bewußtes unendliches
Vertrauen gehabt, dass ich das Neue voller Liebe
ganz leicht schaffe. Ich habe immer im Hier und Jetzt
bewußtes unendliches Vertrauen gehabt, dass ich an
mich wegen meiner göttlichen Fähigkeiten immer
höhere Anforderungen stellen kann. Ich hatte immer
im Hier und Jetzt bewußtes Vertrauen, dass ich
meinen Mitmenschen helfen und sie annehmen kann
durch das Neue, was ich selbst schaffe. Ich habe
immer im Hier und Jetzt bewußt unendliches
Vertrauen gehabt, als göttliches Wesen alles Neue zu
schaffen. Ich habe immer im Hier und jetzt bewußt
unendliches Vertrauen gehabt, gemeinsam mit allem
göttlich zu sein. Ich habe immer allen anderen
gegeben. Ich habe immer im Hier und Jetzt bewußt
unendliches Vertrauen gehabt, alle Liebe meinen
Mitmenschen zu geben. Ich habe immer im Hier und
Jetzt unendliches Vertrauen ghabt, mein Leben in
göttlicher Liebe für andere zu leben. Ich habe immer
im Hier und Jetzt bewußt unendliches Vertrauen, in
göttlicher Gemeinsamkeit mit anderen in Gott zu
leben. Ich habe immer gewußt und erkannt, dass
alles göttliche Liebe ist. Ich habe immer im Hier und
Jetzt bewußt unendliches Vertrauen gehabt, zu
wissen und zu erkennen, dass alles im Leben
göttliche Liebe ist. Ich habe immer im Hier und Jetzt
bewußt unendliches Vertrauen gehabt, alle Liebe in
Gott zu sein. Ich habe immer im Hier und Jetzt
bewußt unendliches Vertrauen, alles Leben in Gottes
Liebe zu gewinnen und zu sein. Ich habe immer im
Hier und Jetzt bewußt unendliches Vertrauen, wenn
ich in Liebe bin, dann bin ich in Gott. Ich habe in den
Menschen immer imHier und Jetzt bewußt Vertrauen
erweckt, alles Liebe in Gott zu haben und zu sein.
Ich habe immer im Hier und Jetzt bewußt
unendliches Vertrauen, ewig zu sein weil ich bin. Ich
habe im Leben im Hier und Jetzt bewußt unendliches
Vertrauen, weil ich weiß und erkenne, ich bin Gott.
Ich habe immer im Hier und jetzt bewußt
unendliches Vertrauen, weil ich weiß und erkenne,
ich bin gut in der Liebe Gottes. Ich habe immer im
Hier und Jetzt bewußt unendliches Vertrauen, im Ich
bin alle zu haben und in Liebe zu sein. Ich habe
immer im Hier und Jetzt bewußt unendliches
Vertrauen, in Gottes Liebe zu sein und alle Heilung
zu erhalten. Ich habe immer im Hier und Jetzt
bewußt unendliches Vertrauen, im ewigen Licht der
Liebe Gottes im Ich bin zu sein. Ich habe immer im
Hier und Jetzt bewußt unendliches Vertrauen, in der
Harmoine und Erkenntnis der Liebe Gottes zu sein.
Ich habe immer im Hier und Jetzt bewußt
unendliches Vertrauen, dass ich weiß und erkenne, in
Liebe in Gott zu sein. Ich habe immer im Hier und
Jetzt gewußt und erkannt, Ich bin zu sein. Ich habe
immer im Hier und Jetzt bewußt unendliches
Vertrauen, zu wissen und zu erkennen, in göttlicher
Ordnung geborgen und gut zu sein.
Danke Amen Ich bin

23.02.2001 , 7.72 Uhr

Meine negativen Gedanken zu meinem Mann

Ich will diesen Schmerz endlich los sein. Ich will


endlich alles überstanden haben. Es tut so weh, an
diesen Mann zu denken. Es tut so weh, soviel
erniedrigt worden zu sein. Es tut so weh, so einem
Mann im Leben begegnet zu sein. Es tut so weh,
diesen Mann zum Mann zu haben. Es tut so weh, alle
Ideale, Träume und Vorstellungen über Bord werfen
zu müssen. Es tut so weh, kein edler und
unbeschadeter Mensch zu sein. Es tut so weh, mit
soviel Schmutz in Kontakt zu sein. Es tut so weh,
soviel Schmutz erleben zu müssen. Es tut so weh, so
ein Leben leben zu müssen. Es tut so weh, nicht so
unantastbar rein zu sein, wie ich dachte. Es tut so
weh, von jemandem so beschmutzt zu werden. Es tut
so weh, sich dagegen nicht wehren zu können. Es tut
so weh, zwischen allen Stühlen zu sitzen. Es tut so
weh, vor so viel Schmutz kapitulieren zu müssen. Es
tut so weh, soviel Schimpf und Schande ertragen zu
müssen. Es tut so weh, so eine ekelhafte Szene
erleben zu müssen. Es tut so weh, aus diesem Sumpf
nicht unbeschadet herauszukommen. Es tut so weh,
eine Niederlage nach der anderen einstecken zu
müssen. Es tut so weh, Angst zu haben, ihm weh zu
tun. Es tut so weh, nicht zu wissen, was ich tun soll.
Es tut so weh, nicht zu wissen, ob es legitim ist,
mich zu rächen. Es tut so weh, in soviel Unwissenheit
und Inkompetenz stecken zu bleiben. Ich hasse es,
in diesem Modder zu bleiben. Ich hasse es, mich aus
diesem Schmutz nicht befreien zu können. Ich hasse
es, so blöd und unbeholfen und erfolglos zu sein. Ich
hasse es, dass meine Ehe so ein ekelhafter Sumpf
ist. Ich hasse es, dass meine Vorstellung von der Ehe
so beschmutzt ist. Ich hasse es, dass meine edle
Gesinnung so in den Dreck gezogen wurde. Ich hasse
es, so besudelt dazustehen. Ich hasse es, so
bespuckt und besudelt zu sein. Es tut so weh, so ein
Versager und Verlierer zu sein. Es tut so weh, in
allem so ein verachtenswerter Verlierer zu sein. Es
tut so weh, so einen miserablen Charakter zu haben.
Es tut so weh, so erbärmlich inkompetent zu sein. Es
tut so weh, immer eine Verlierer zu sein. Es tut so
weh, immer von allen besiegt werden zu können. Es
tut so weh, immer eine Flasche zu sein. Es tut so
weh, keinen Mumm in den Knochen zu haben. Es tut
so weh, immer falsch zu liegen und immer alles
falsch zu machen. Es tut so weh, so feige und blöd
zu sein. Es tut so weh, von allen Menschen nur
verachtet zu werden. Es tut so weh, so ein elender
Versager zu sein. Es tut so weh, immer nur ein
elender Versager zu sein. Ich hasse mich so, weil ich
immer in allem versage. Ich hasse mich so, weil ich
das Leben nicht meistern kann. Ich hasse mich so,
weil mich alle immer übervorteilen können. Ich hasse
mich so, weil ich nicht kämpfen kann. Ich hasse mich
so, weil ich keine Ahnung von der Welt habe. Ich
hasse mich so, weil ich nicht klug und stark und gut
genug für den Lebenskampf bin. Ich hasse mich so,
weil ich so schwach und blöd bin. Ich hasse mich so,
weil ich keinen starken Charakter habe. Ich hasse
mich so, weil jeder mich unterbuttern kann. Ich
hasse mich so, weil jeder mich nach Lust und Laune
an die Wand spielen kann. Ich hasse mich so, weil
ich so ein elender Versager und Verlierer bin. Ich
hasse mich so, weil ich nicht klug und stark genug
bin, mich zu wehren. Ich hasse mich so, weil ich zum
Untergang verurteilt bin. Ich hasse mich so, weil ich
zu allem zu schlecht bin. Ich hasse mich so, weil ich
zu allem zu schlecht bin. Ich hasse mich so, weil ich
nicht gut genug bin. Ich hasse mich so, weil ich
nichts bin. Ich habe Angst, nichts zu sein.

Meine heilenden Gedanken zu meinem Mann

Ich bin göttliches Vertrauen, diesen Schmerz nicht


los zu sein. Ich bin göttliches Vertrauen, diesen
Schmerz nicht überstanden zu haben. Es heilt so, an
diesen Mann zu denken. Es heilt so, so viel erniedrigt
worden zu sein. Es heilt so, so einem Mann im Leben
begegnet zu sein. Es heilt so, diesen Mann zum Mann
zu haben. Es heilt so, alle Ideale, Träume und
Vorstellungen über Bord werfen zu müssen. Es heilt
so, kein edler und unbeschadeter Mensch zu sein. Es
heilt so, mit soviel Schmerz in Kontakt zu sein. Es
heilt so, so viel Schmerz erleben zu müssen. Es heilt
so, so ein Leben leben zu müssen. Es heilt so, nicht
so unantastbar rein zu sein wie ich dachte. Es heilt
so, von jemandem so beschmutzt zu werden. Es heilt
so, sich dagegen nicht wehren zu können. Es heilt
so, zwischen allen Stühlen zu sitzen. Es heilt so, vor
so viel Schmutz kapitulieren zu müssen. Es heilt so,
soviel Schimpf und Schande ertragen zu müssen. Es
heilt so, so ekelhafte Szenen erleben zu müssen. Es
heilt so, aus diesem Sumpf nicht unbeschadet heraus
zu kommen. Es heilt so, eine Niederlage nach der
anderen einstecken zu müssen. Es heilt so, Angst zu
haben, ihm weh zu tun. Es heilt so, nicht zu wissen,
was ich tun soll. Es heilt so, nicht zu wissen, ob es
legitim ist, sich zu rächen. Es heilt so, in so viel
Unwissenheit und Inkompetenz stecken zu bleiben.
Ich liebe es, in diesem Modder festzustecken. Ich
liebe es, mich aus diesem Schmutz nicht befreien zu
können. Ich liebe es, so blöd und unbeholfen und
erfolglos zu sein. Ich liebe es, dass meine Ehe so ein
ekelhafter Sumpf ist. Ich liebe es, dass meine
Vorstellung von der Ehe so beschmutzt ist. Ich liebe
es, dass meine edle Gesinnung so in den Dreck
gezogen wurde. Ich liebe es, so besudelt dazustehen.
Ich liebe es, so bespuckt und besudelt zu sein. Es
heilt so, so ein Versager und Verlierer zu sein. Es
heilt si, in allem so ein verachtenswerter Verlierer zu
sein. Es heilt so, so einen miserablen Charakter zu
haben. Es heilt so, so erbärmlich inkompetent und
dumm zu sein. Es heilt so, immer von allen besiegt
werden zu können. Es heilt so, so eine Flasche zu
sein. Es heilt so, so keinen Mumm in den Knochen zu
haben. Es heilt so, immer falsch zu liegen und immer
falsch zu machen. Es heilt so, so feige und blöd zu
sein. Es heilt so, von allen Menschen nur verachtet
zu werden. Es heilt so, so ein elender Versager zu
sein. Es heilt so, immer nur ein elender Versager zu
sein. Ich liebe mich so, weil ich immer in allem
versage. Ich liebe mich so, weil ich das Leben nicht
meistern kann. Ich liebe mich so, weil mich immer
alle übervorteilen können. Ich liebe mich so, weil ich
nicht kämpfen kann. Ich liebe mich so, weil ich zu
blöd zum Kämpfen bin. Ich liebe mich so, weil ich
keine Ahnung von der Welt habe. Ich liebe mich so,
weil ich nicht klug und stark und gut genug für
diesen Lebenskampf bin. Ich liebe mich so, weil ich
so schwach und blöd bin. Ich liebe mich so, weil ich
keinen starken Charakter habe. Ich liebe mich so,
weil jeder mich unterbuttern kann. Ich liebe mich so,
weil mich jeder nach Lust und Laune an die Wand
spielen kann. Ich liebe mich so, weil ich ein so
elender Versager und Verlierer bin. Ich liebe mich so,
weil ich nicht klug und stark genug bin, mich zu
wehren. Ich liebe mich so, weil ich zum Untergang
verurteilt bin. Ich liebe mich so, weil ich zu allem so
schlecht bin. Ich liebe mich so, weil ich zu allem zu
schlecht bin. Ich liebe mich so, weil ich zu allem zu
schlecht bin. Ich liebe mich so, weil ich nicht gut
genug bin. Ich liebe mich so, weil ich nichts bin. Ich
bin göttliches Vertrauen, nichts zu sein.

Danke Amen Ich bin

(Im Laufe der Zeit meines Schreibens hat sich meine


Erkenntnis auch über das Schreiben selbst erhöht. So
sind die unterschiedlichen Ausdrucks- und
Herangehensweisen an das Entleeren und Heilen zu
erklären. Jede Weise war zu ihrer Zeit aber
vollkommen richtig. Es läßt sich also kein
allgemeines Schema erkennen. Wer mit dem
Heilenden Denken beginnen will, findet mit
Sicherheit sein eigenes Schema.)

Quellenangabe

Ich vermag nicht mehr zu sagen, woher all das in


diesem Buch dargestellte Wissen im einzelnen
kommt. In meinem Leben habe ich mit hunderten
Menschen gesprochen, hunderte Bücher gelesen,
hunderte Filme gesehen, hunderte Bilder betrachtet.
Ich habe so viel Wissen aufgenommen, dass ich nicht
sage kann, woher die einzelnen Wissenspassagen
stammen.
Ich will aber gerne zugeben, dass nicht ein Satz in
diesem Buch aus mir selbst gekommen ist. Ich bin
nicht der Urheber dieses Wissen, nicht der Verfasser
dieser Sätze. Ich war nur der Kopf, ich war nur die
Hand mit dem Kugelschreiber gewesen, durch den
diese Worte flossen.
Letztlich ist alles Wissen eins. Die allwissenende
Liebe ist der gesuchte Stein der Weisen, der aus
Unedlem Edles macht. Und jeder von uns kann Anteil
an dieser Weisheit-Liebe haben. Kommt er mit dem
Stein der Weisen in Berührung, wird er gebrannt und
geläutert und aus seinem unedlen materiellen Sein
wird edles geistiges Bewußtsein. Soviel er möchte.
Wenn er will.

„Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“

Der Erlkönig
von
Johann Wolfgang von Goethe