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Energieautarke Kläranlage
Kategorie: Aufbereitung & Behandlung

Datum: 29. Oktober 2017

Die Reinigung von Abwasser ist ein energieintensiver Prozess. In diesem Zusammenhang wurde
insbesondere auf kommunalen Kläranlagen die Produktion von Faulgas aus Klärschlamm etabliert. Ziel
ist neben einer Reduzierung des zu entsorgenden Schlammvolumens auch die Rückgewinnung der
eingesetzten Ressourcen. Das Ziel der energieautarken Kläranlage liegt voll im Trend. Die anaerobe
Schlammstabilisierung ist jedoch technischen Grenzen unterworfen. Diese können mit Anwendung von
Ultraschall überwunden werden und der Faulungsprozess dadurch intensiviert. Zusätzlich werden
Betriebsprobleme, wie Schaumbildung in den Faulbehältern oder die Entwicklung von Blähschlamm,
nachhaltig eliminiert. Auch die aerobe Schlammstabilisierung wird durch Ultraschall verbessert.
Insgesamt steigert die Technologie somit auf mannigfaltige Weise die Effizienz der gesamten Kläranlage.

Die Firma ULTRAWAVES aus Hamburg verfolgt seit der Gründung 2001 das Ziel, durch den Einsatz von
Ultraschalltechnik den Prozess der Klärschlammbehandlung verbessern. Dazu wurde gemeinsam mit der
Technischen Universität Hamburg eine Desintegrationsmethode entwickelt, die speziell auf die
biologischen Eigenschaften von Klärschlamm-Biomasse einwirkt: der Hochleistungs-Ultraschall. Wird
Ultraschall mit ausreichend hoher akustischer Intensität (Intensität > 5 W/cm2) zur Beschallung einer
Biomassesuspension eingesetzt, führt das zur Erzeugung von Kavitation: Während der Phase des
Unterdrucks entstehen kleine gas- und wasserdampfgefüllte Blasen, die in der nachfolgenden
Druckphase implodieren. Dabei treten im Mikromaßstab lokal Drücke von bis zu 500 bar und
Temperaturen von bis zu 5.000? °C auf. Durch die Implosion werden schnelle lokale Strömungen
erzeugt, so genannte Jet-Streams. Die auf diese Weise ausgelösten extremen mechanischen Scherkräfte
führen zum wirkungsvollen Aufschluss der partikulären Biomasse (Desintegration).

Intensivierung der anaeroben Schlammstabilisierung


Der Prozess der anaeroben Schlammstabilisierung wird durch die geschwindigkeitsbestimmende
Hydrolyse der partikulären Phase begrenzt. Selten werden im konventionellen Prozess Abbaugrade der
organischen Schlammfraktion von 50 % erreicht. Die Ursache liegt in den für die aktiven bzw. fakultativen
anaeroben Bakterien nur schwer zugänglichen Bakterienzellen im Überschussschlamm. Durch
Beschallung wird dieses Material aufgeschlossen und damit für den nachfolgenden biologisch-
enzymatischen Abbauprozess besser verfügbar gemacht. Der limitierende Hydrolyseschritt wird somit
überwunden, so dass der gesamte Faulprozess intensiviert und die organische Fraktion weitergehend
abgebaut werden kann. Eine erhöhte Biogasproduktion und die Steigerung der Ausbeute vom
Energieträger Methan sind die Folge. Im Verhältnis zur eingesetzten Ultraschallenergie wird so im Schnitt
etwa das Zehnfache an elektrischer Energie aus der Verstromung des zusätzlich erzeugten Biogases
gewonnen. Weiterhin sinkt die zu entsorgende Restschlammmenge. Aufgrund der geringeren
Restorganik kann zudem die Entwässerbarkeit des Faulschlamms verbessert werden (geringere
Flockungsmittelzugabe, höherer Entwässerungsgrad). Zusätzlich wird die Viskosität vom Klärschlamm
reduziert. Dieses ist insbesondere für die betriebliche Praxis von Bedeutung, da somit ein geringerer
Energieeintrag zur Durchmischung der Faulbehälter nötig ist. Systeme, die an der Grenze ihrer Belastung
gefahren werden können durch den Einsatz von Ultraschall damit langfristig problemlos weiterbetrieben
werden. Neubauten können gleich mit einer geringeren Verweildauer bemessen werden.

Bläh- und Schwimmschlammbekämpfung


Häufig treten in Kläranlagen saisonal Blähschlammprobleme auf. In der Regel sind Fadenorganismen die

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Ursache. Schaumbildung in Faulbehältern ist ebenfalls bekannt und kann zu erheblichen betrieblichen
Problemen führen. Durch Beschallung wird die verursachende Bakterien-Biomasse einem Dauerstress
durch Kavitation und Wechseldruck im flüssigen Medium ausgesetzt. Insbesondere fadenbildende
Mikroorganismen werden so beeinträchtigt und dauerhaft eliminiert. Mit Hilfe von Ultraschall kann die
Blähschlammbildung somit verhindert und ein stabiler Kläranlagenbetrieb ermöglicht werden.

Verbesserung der aeroben Schlammstabilisierung


Der biologische Stickstoffabbau geschieht über Nitrifikation und Denitrifikation. Für einen erfolgreichen
Abbauprozess ist es nötig, eine zusätzliche Kohlenstoffzufuhr zur Denitrifikationsstufe sicher zu stellen.
Konventionell wird hierfür eine externe Kohlenstoffquelle (wie beispielsweise Methanol) zugegeben.
Durch die Beschallung des Überschussschlammes mit Ultraschall wird Biomasse aufgeschlossen. Damit
werden Zellinhaltsstoffe freigesetzt, die dann als interne Kohlenstoffquelle für die Denitrifikationsstufe zur
Verfügung stehen. Der biologische Stickstoffabbau in der Kläranlage kann so auch ohne die Zugabe von
externen Kohlenstoffträgern erfolgen. Zusätzlich führt die Rückführung einer vom Überschussschlamm
beschallten Teilmenge automatisch zur Reduktion der zu entsorgenden Schlammmenge.

Fazit
Durch die Behandlung von Klärschlamm mit Ultraschall lässt sich die Effizienz von Kläranlagen in vielerlei
Hinsicht steigern. Die Verbesserung von anaerober und aerober Schlammstabilisierung oder die
Bekämpfung von Schaumproblemen in der Faulung sind nur einige Ansätze, die hier anhand von
Fallbeispielen aus der Praxis diskutiert wurden. Inzwischen wurden mehr als 200 ULTRAWAVES
Ultraschallsysteme auf Kläranlagen in über 20 Ländern weltweit installiert und verbessern erfolgreich den
laufenden Betrieb.

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