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D ie Erzählungen von D avid u n d G o liat

in I Sam 17
Von Walter Dietrich
(Universität Bern)

1. Die hebräische Gesam terzählung


Unzählige M enschen haben, wenn sie die N am en »David und ٧٠ -
liat« hören, s©gleich ein bestimmtes Bild vor Augen: das Bild eines ver-
letzhchen, zarten Jünglings, der einem schwerbew affneten, hünenhaften
Kämpen gegenübersteht und gegen ihn chancenl©s scheint. Doch wir
wissen: Der Kleine wird über den G roßen siegen. N icht von unge£ähr
lieben Kinder diese beschichte — sie müssen sich oft vor G rößeren
fürchten‫ ؛‬und im mer wieder hat sie Schwachen M ut gemacht, D rohun-
gen von Starken standzuhaltenh
D aß sich die Erzählung von David und G oliat so tief ins kollektive
G edächtnis eingeprägt hat, liegt nicht nur an ihrer Them atik, sondern
auch an ihrer höchst kunstvollen Gestaltung^. Betrachtet man die he-
bräische Fassung in ihrer Ganzheit, so lassen sich sechs Szenen erken-
nen3.
1. Israel gerät durch den Aufmarsch der Philister und vor allem durch
das Zw eikam pfangebot ihres Vorkäm pfers G oliat in schwere Be-
drängnis (٧٠ 1 —11);
2. David wird von ungefähr Zeuge des Geschehens, nim m t die Hilflosig-
keit Israels wahr, em pört sich über die Frechheit des Feindes und
gelangt schließlich vor König Saul (V. 12—31)‫؛‬

1 Vgl. w. Brueggemann, David’s Truth — in Israel’s Imagination & Memory, 130 ,85 ‫ و‬f.:
»This is not simply a romance o£ a little boy against a giant. It is a much larger struggle
o£ the marginal against the tyrants. And every marginal community can join the truth
o£ this tribe. (No doubt that is why children like the story and rally around it, because
they also live in a world o£ oppressive giants)«.
2 Die wohl gründlichste >literary analysis< von I Sam 17 hat j. p. Pokkelman vorgelegt:
The Narrative Art and Poetry in the Books o£ Samuel. A Full Interpretation Based on
Stylistic and Structural Analyses, Vol. II: The Crossing Fates, 1986, 146 ££. Vgl. aber
auch die sehr schöne Interpretation von D. w. Gooding, in: D. Barthélemy/D. w.
Gooding/J. Lust/E. Tov, The Story 0 £ David and Goliath, Textual and Literary Criti-
cism. Papers o£ a ]oint Research Venture, OBO 73, 1986, 55 ff.
3 Fokkelman (a.a.O .) zählt d eren sieben, fre ilic h unter E in sch lu ß von 18,1—5.

ZAW 108. Bd., S. 172-191


© Walter de Gruyter 1996
D ie Erzählungen von D avid und G oliat in I Sam 17 173

3. Saul will David am Zweikamp£ hindern oder ihn zum indest durch
seine eigene Rüstung schützen; David verläßt sich lieber au£ seine
Erfahrung als H irte im Kamp£ gegen wilde Tiere — und au£ die Hil£e
G ottes (V. 3 2 -4 0 );
4. G oliat hat für den unscheinbaren Gegner nichts als Verachtung und
kündigt ihm sein schnelles Ende an; in einer hochherzigen Rede ant-
w ortet David, M acht und Waffen verm öchten nichts gegen den Willen
G ottes (٧٠ 4 1 -4 7 );
5. Der Zweikamp£ ist rasch entschieden: mit einem geziehen Schleuder-
schuß setzt David Goliat außer Ge£echt, um ihn dann m it seinem
eigenen Schwert zu enthaupten. Israel erringt einen trium phalen Sieg
über die in Panik fliehenden Philister (V. 48—53).
6. Saul läßt den siegreichen jungen Helden vor sich holen und erfragt
seine H erkunft (٧ 5 4 —58 — was sicher der A uftakt zu einer Karriere
in der Umgebung des Königs ist, vgl. I Sam 18).
Die Erzählung hat einen doppelten them atischen Focus: einerseits
das Au£einandertre££en Israels und der Philister im Kamp£ um die Vor-
herrscha£t in Palästina, andererseits das Zusam m entreffen zwischen dem
regierenden König Israels, Saul, und dem aufstrebenden Helden David.
Dem einen dieser ^ e m e n sc h w e rp u n k te sind die Szenen 1, 4 und 5, dem
anderen die Szenen 2, 3 und 6 zugeordnet. So greifen zwei H andlungs-
stränge fugenartig ineinander:
A: Die Philister bzw. Goliat fordern Israel zum Kampf heraus (Szene 1)
B: David gelangt in die Schlacht und schließlich vor Saul (Szene 2)
A': Goliat und die Philister werden von David und Israel besiegt (Szene 5)
B’: David wird von Saul zu sich geholt (Szene 6)
In dem dazwischenliegenden M ittelteil der Erzählung wird das Verhält-
nis Davids zu den beiden anderen H auptprotagonisten der Erzählung
geklärt — wobei diesmal die Reihenfolge zwischen den >Phil‫؛‬stern< und
>Saul< um gekehrt wird:
C': Davids Debatte mit Saul, dem König Israels (Szene 3)
C: Davids Wortgefecht mit Goliat, dem Vorkämpfer der Philister (Szene 4)
Die G estalt Davids fehlt nur in der ersten Szene — und entsprechend
trostlos präsentiert diese sich. Ungemein sprechend ist die Sprachlosig-
keit, die sich der Israeliten auf G oliats zweimalige H erausforderungsrede
hin (V. 8 f.l0 ) bem ächtigt. Auch König Saul, den G oliat eigens erw ähnt,
schweigt e in g e ^ ü c h te rt* ‫ ؛‬ein schmerzlicheres Beispiel für einen einseiti­

4 u. Berges (Die Verwerfung Sauls. Eine thematische Untersuchung, FzB 61, 198230 ,‫—و‬
232) meint, G^iats Herausforderung gelte niemand anderem als Saul persönlich, und
dessen stille Weigerung sei ein schweres Versagen. Doch ist Goliat ja auch nicht König,
sondern ein for den Zweikampf besonders geeigneter Krieger. Die Sache nimmt her­
174 Walter Dietrich

gen »Dialogs in dem das Gegenüber niehts zu sagen hat, läßt sich kaum
denken. Ebenso spricht für sich, daß von G ott in ٧ . 1 —11 nicht gespro-
chen wird: weder fühlt sich G oliat bem üßigt noch wagen es die Israeli-
ten, seiner zu gedenken. Woher soll da Hilfe kommen? Das erste W ort
von ٧٠ 12 aber lautet: »Und David ...« 5
Sehr wirkungsvoll ist der K ontrast zwischen dem grim m en, kriegs-
erprobten philistäischen Zw eikäm pfer (V. 4 ff.) und dem gewissermaßen
von der Schafherde weg in den Krieg spazierenden Jüngling (٧٠ 12 ff.)
ausgemalt^. David tritt w ährend der gesamten Erzählung aus der Rolle
des H irten nie heraus: In Szene 2 holt ihn der Vater von der Herde und
w ünscht ihn der Bruder dorthin zurück (V. 15.28), in Szene 3 erzählt er
freim ütig von seinen Erlebnissen als H irte, in Szene 4 beschim pft ihn
G oliat als H irtenlüm m el, der wohl m it seinem Stock H unde vertreiben
wolle, in Szene 5 besiegt er den ?hihsterriesen m it der Hirtenschleuder,
in Szene 6 steht er als Sohn eines N iem and vor dem König, und dieser
beschließt, ihn bei sich zu behalten und nicht (als H irten) zu seinem
Vater zurückkehren zu lassen. David der H irte fungiert als K ontrastfigur
zu den m ilitärischen und gesellschaftlichen M achtfiguren G oliat und
Saul — und wider Erw arten ist er diesen überlegen.
H irtesein ist nicht nur Berufsbezeichnung, sondern in der altorienta-
lischen Königsideologie auch M etapher für das fürsorgliche und schüt-
zende H andeln des Königs zugunsten des ihm anvertrauten Volkes^.
Wenn David gerade als H irte G oliat besiegt und Israel zum Sieg über
seine bedrohlichsten Feinde verhilft, dann übernim m t er unversehens die
F u n k tio n des H errsch ers. Scheinbar steh t der H irte D avid sozial wie
soldatisch unendlich weit unter dem König Saul: in Tat und W ahrheit
m eldet er seinen Anspruch auf dessen H irtenam t a n 8.

nach durchaus ihren nrdnungsgemäßen Verlau‫؛‬, wenn sich David für seinen König
schlägt und dadurch dessen Aufmerksamkeit (und gewiß noch mehr) erringt.
5 Gooding (a. a. o ., 63 ff.) beschreibt sehr gewinnend die gesamten beiden Kapitel 1 Sam
16 f. als die hindernisreiche und doch hoffnungsvolle Suche nach dem Richtigen, der
helfen kann: Gott wählt ihn sich aus, doch Samuel findet ihn beinahe nicht heraus
(16,1 —13), Saul und seine Höflinge entdecken ihn in dem jungen Leierspieier und
Gefolgsmann aus Betlehem (16,14—23), Israel vermißt ihn schmerzlich im Kampf ge-
gen die Philister (12,1 —11), £liab und Saul haben Mühe, ihn in David zu sehen
(17,28.33).
6 Fokkelman (a. a. o ., 151) meint, nicht zufällig stünden sich in ٧. 4 ff. und ٧ . 12 ff. zwei
Nominalsatzreihen — nur höchst unterschiedlichen Inhalts — gegenüber. Vielleicht ist
es doch ein Zufall, sofern hier einfach zwei £rzählanfänge aufeinander folgen‫ ؛‬immer-
hin aber hat dieses Nacheinander ein Redaktor besorgt, s. dazu unten.
7 Alttestamentliche Reflexe davon finden sich u.a. in 1 Reg 22,17 und Jes 44,28, in
königskritischer Abwandlung in Jer 2,8‫ ؛‬£z 34‫ ؛‬Ps 23.
8 Vgl. £okkelman, a. a. 171 ‫ه‬.‫ ر‬f. £okkelman führt hier auch das Greimas’sche Aktanten-
modell ein, nach dem David eine Doppelrolle spielt: im Auftrag des Vaters die Herde
Die Erzählungen von David und G oliat in I Sam 17 175

Was l^u zum Königsamt legtim iert, ist freilich nicht, daß er von
H ause aus H irte ist, nicht einmal, daß er in der ?hilisterkrise wie ein
königlicher H irte handelt. Von Davids H erkunft und seiner H eldentat
gegen Goliat wird nur relativ knapp berichtet — wie überhaupt die ei-
gentlich erzählenden ?artien in 1 Sam 17 auffallend zurücktreten gegen-
über ausgedehnten Redepartien. Das Hirtesein Davids beweist und be-
w ährt sich weniger im Sein und Tun, als vielmehr im Wort. Drei große
Redegänge gibt es: den mit israelitischen Soldaten, nam entlich mit sei-
nem Bruder Eliab (Szene 2), den mit Saul (Szene 3) und den mit G oliat
(Szene 4)9. So sehr sie sich inhaltlich unterscheiden, so bem erkenswert
ist doch das ihnen G em einsam e:

— N ur äußerst sparsam werden die Reden in H andlung eingebettet: Da-


vid geht bei den Soldaten herum und wird schließlich vor den König
gebracht; David probiert Sauls Rüstung an und legt sie wieder ab,
nim m t stattdessen Stock, Schleuder und Steine‫ ؛‬David und G oliat
bewegen sich aufeinander zu: Das ist alles, alle Aufm erksam keit kann
sich auf das gesprochene W ort konzentrieren.
— In jeder Redeszene hat David im Prinzip nur m it einem Gegenüber
zu tun, und mit keinem von ihnen hat er es leicht: mit dem älteren
Bruder so wenig wie mit Saul oder gar mit G oliat. Der junge H irte,
der all diesen Figuren m achtm äßig unterlegen ist, muß sich in der
Rede gegen sie behaupten und durchsetzen. Er hört jeweils genau,
was der andere sagt, und repliziert jedes M al so geschickt und ent-
schieden, daß er als Sieger aus dem W ortgefecht hervorgeht.
— ]edes Mal ist es David, der das Gespräch auf eine neue, höhere Ebene
hebt, und zwar wesentlich dadurch, daß er — in steigender Intensität
— von G o tt redet. Ein Soldat versteht G oliats Reden als Verhöhnung
Israels, David erklärt, er verhöhne die »Schlachtreihen des lebendigen
Gottes« (V. 25 f.)10. Saul rechnet dem jungen, unerfahrenen H irten
gegen den geübten Krieger G oliat keine Chance aus; David antw ortet,
G ott werde ihm gegen diesen »Unbeschnittenen«, der »die Schlacht-
reihen des lebendigen Gottes verhöhnt«, nicht weniger beistehen als
gegen Eöwen und Bären (V 36 f.). G oliat stellt David in Aussicht, er
werde ihn sogleich zerreißen; David antw ortet, er kom m e nicht mit
Kriegswaffen, aber mit dem G ott »der Schlachtteihen Israels, die du

— und im Auftrag Gottes Israel zu >hüten<. Seine Gegner sind die wilden Tiere bzw.
Goliat; Saul möchte als Helfer fungieren, ist aber, wie Eliab, in Wahrheit ein Opponent.
‫ و‬Auch Szene 6 ist stark dialogisch geprägt, doch spricht David hier ja nur ein einziges
k le in es S ä tzch en am Schluß.
١٠ In V. 28 wirft der Bruder Eliab ihm vor, er sei nur aus Sensationslust gekommen, und
David antwortet, er habe einen ¿/‫ — ﺟﻈﻤﺢ‬ein ernstes Wort zur Sache (so Fokkelman,
a.a.O ., 165) — geredet.
176 Walter D ietrich

verhöhnt hast«, und alle Welt werde nach seinem Sieg über G©liat
wissen, daß Israel einen G ott habe, ‫ س‬1‫ ال‬noch: »Jhw h’s ist der
Krieg«, darum hängt sein Ausgang nicht von den Waffen ab
(V. 4 5 -4 7 ).
Nicht weniger wichtig als die siegreiche Tat ist in I Sam 17 deren
D eutung durch das Wort. Wer dieses nicht hört, m ißversteht die £rzäh-
lung leicht als Exempel für die Überlegenheit des gewitzten Schlauen
über den plum pen Starken, oder, noch fataler: für die W ichtigkeit der
richtigen W affenwahl; dabei will sie ein ?aradigm a sein für das Ver-
trauen auf den G ott Israels, der den Wahn von der >überlegenheit der
Waffen< zerbricht und den Unterlegenen zu ihrem Recht verhilft.

2. Die gekürzte griechische Erzählung


In I Sam 17 kom m t es zur schärfsten Dissonanz innerhalb der grie-
chischen ^ x tü b e rlie fe ru n g der Samuelbücher: Der Codex A lexandrinus,
und mit ihm die M ajorität der griechischen H andschriften, folgt in etwa
dem hebräischen Text; der Codex Vaticanus dagegen, und mit ihm eine
kleine Zahl weiterer H andschriften, bietet eine wesentlich kürzere Text-
fassung: H ier fehlen die MT-Passagen 17,12—31.41.48b.50.55 —58 (so-
wie 18,1—5.* 6 .8 b .1 0 f.l2 b .17—19.21b)11. Die gelehrte D ebatte darüber,
wie dieser Tatbestand zu erklären sei und was er zu bedeuten habe, ist
von ^ trä c h tlic h e r Breite und Tiefe12.
Im G rundsatz werden zwei gegensätzliche Lösungen verfochten:
Entw eder ist der längere Text von M T (und LXX^) der ursprüngliche
und der knappere von LXXB das Ergebnis einer entschiedenen Kür-
zu n g ^ , oder die Textform von LXXB ist die m sprüngliche und die MT-
Fassung (die dann auch von LXX^ übernom m en wurde) das Ergebnis
eines W ucherungsvorganges14.

١١ Vgl. S. Pisano, Additions or ©missions in the Books o‫ ؛‬Samuel. The Significant Pluses
and Minuses in the Massoretic, LXX and Qumran Texts, OBO 57, 1984, 78 ‫ﺀﺀ‬.
12 £ine Zusammenlassung und den bisherigen Höhepunkt der Diskussion stellt der Sam-
melband von D. Barthélémy u.a. dar (s.o. Anm. 2).
13 Dies ist in dem genannten Sammelband die Position von Barthélémy und Gooding.
Fast zeitgleich wurde sie auch von A. Rolé (The Battle of David and Goliath — Folk-
lore. Theology, Eschatology, in: 1. Neusner/B. A. Levine/F. S. Frerichs, Judaic Perspec-
tives on Ancient Israel, 1987, 117—151, speziell 119—123) vertreten.
‫ ئ‬So im erwähnten Sammelband Lust und Tov, und dazu wohl die Mehrzahl der Fxege-
ten, vgl. nur die neueren Kommentare von P. K. McCarter (AB 8/1, 1980) und F. Stolz
(ZB 9, 1981), jeweils zur Stelle. Auch H. j. Stoebe (KAT 8/1, 1973) rechnet mit einer
Textausweitung von der LXX- hin zur MT-Gestalt, nur daß er diesen Vorgang weniger
im text- als im ü b e^ efe n ^ e sc H ch th c h e n Bereich ansiedelt und sich als komplizier-
ten Wechselprozeß vorstellt.
D ie Erzählungen von D avid und G oliat in I Sam 17 177

Für die eine wie für die andere H ypothese gibt es gute Gründe. Für
die zweite sprieht vor allem, daß ein derart rabiates Kürzungsverfahren,
wie in I Sam 17 vorgenomm en, in der LXX weitgehend analogielos ist15.
Auch wird immer wieder ins Feld geführt, das MT-Plus biete eine in
sich zusam m enhängende E rzählversion^. D am it entwickelt sich aus der
textkritischen Betrachtung eine überlieferungs- und kom positionskriti-
sehe Ferspektive: Es könnte m ehrere Einzelüberlieferungen über den
Kampf zwischen David und G oliat gegeben haben, deren eine in der
kürzeren LXX-Fassung festgehalten ist, w ährend die zweite gesondert
u m l i e f und nur in der hebräischen T exttradition mit der ersten ver-
schmolzen wurde.
Gegen die H ypothese von der F riorität der kürzeren EXX-Version
ist vor allem geltend zu m achen, daß sie ebenfalls zur Annahm e analo-
gieloser Vorgänge zwingt: entw eder eines erheblichen W achstums inner-
halb der hebräischen T e x ttra d itio n noch in hellenistischer Z eit oder einer
höchst verwickelten Vorgeschichte beider Textversionen*T Kommt
hinzu, daß das MT-Flus keineswegs eine in sich verständliche Geschichte
erg ib t^ . Außerdem weitet die LXX in 17,43 deutlich — und in wenig
vorteilh after Weise — den M T-Text au s19.
Entscheidend ist, daß die griechischen Übersetzer ein ernsthaftes
M otiv hatten, den hebräischen Text nachhaltig zu verkürzen: Sie konn-
ten auf diese Weise Spannungen und D oppelungen beseitigen, welche
einer flüssigen Lektüre von I Sam 16—18 störend im Weg Stehen^: Zw ei­

١‫ ؟‬j. Lust, a. a. ٠ ., ‫ و‬. Gooding (119) kann immerhin auf das Fehlen von 1 Reg 14,19—20,
eines ebenfalls recht langen Fassus, in LXX verweisen.
١٤ Lust, ebd.
17 Es müßten für die griechische Kurzfassung eine hebräische Vorlage und von dieser
aus ?,wei Traditionslinien postuliert werden: eine, gewissermaßen kumulative, die zum
wesentlich breiteren MT-Text, und eine andere, streng restriktive, die zur LXX^-Über-
Setzung führte (merkwürdigerweise aber nirgendwo in der hebräischen Texttradition
nachzuweisen ist).
‫ ي‬Nicht nur werden in 17,12—15.28.42 Verbindungsbögen zu 1 Sam 16 und in 17,25 zu
I 18,17ff.20ff. geschlagen — zu Texten also, die auch die LXX hat —, auch hängt
17,51, wenn V. 32 ff. nicht folgt, in der Luft (was tut David bei Saul?), und bezieht
sich V. 41 auf ٧ 7 und ٧ 40 zurück. Die MT-Überschüsse in 1 18,*6.8b ergeben ohne-
hin keinen selbständigen Erzählfaden.
19 Laut Gooding (a.a.O ., 6 8 f.) verdirbt sie die Fointe, wenn sie Goliat in Davids Hand
nicht nur einen »Stock«, sondern auch »Steine« bemerken läßt, und legt sie David
einen in eine griechische Komödie, nicht aber in den hochernsten Zusammenhang von
1 Sam 17 passenden Witz in den Mund, wenn sie ihn Gohats wütende Frage: »Bin ich
denn ein Hund?« mit der Bemerkung kontern läßt: »Schlimmer als ein Hund!«
20 Vgl. auch Fisano, a. a. o ., 90: »MT represents an early conglomerate of disparate tradi-
tions. The section 17:1 —18:5 once formed a unit in itself which must have pre-dated
LXX’s attempt to remove the contradictions between it an the surrounding material
in chapters 16 and 18:6ff.« Mit einem gewissen Recht wendet Tov (a.a.O ., 3 8 f.) ein,
das Motiv der Glättung lasse sich für 18,1 —4 nicht geltend machen. Doch immerhin
178 W alter D ietrich

mal w ird D avid im Kreis seiner Familie v©rgestellt (16,6 ff.; 17,12 ff.28);
zweimal w ird der junge David an den H o f Sauls geholt (16,14—23;
17,55—58 + ‫ ا‬8 ‫ و‬2 ( ‫ ث‬zweimal wird m itgeteilt, David habe sich zu Beginn
des Kampfes auf G oliat zu (‫ل‬7 ‫و‬4 ‫ ه‬48.‫ و ( ط‬zweimal. G oliat habe sich auf
David zu bewegt (17,41.48a); zweimal >tötet< David den G oliat
(17,50.51); zweimal unternim m t Saul m it seinem Spieß einen M ordan-
schlag auf den arglos musizierenden David (18,10f.; 19,10); zweimal
kurz nacheinander heißt es, Jhw h sei >mit< David gewesen (18,12b.14);
zweimal versucht Saul, m ittels einer seiner Töchter David aus dem Weg
zu räum en (18,17—1921.20 ff.). M it den LXX-Auslassungen sind genau
diese Anstöße säm tlich aus dem Weg geräum t, es ergibt sich eine leidlich
fortlaufende D arstellung der beginnenden Karriere Davids.
Der kürzere griechische Text ist im Vergleich zum hebräischen indes
nicht nur von einigen Schwierigkeiten befreit, sondern auch von m an-
chen Feinheiten und K ostbarkeiten. Wer D oppelungen nicht als
Kunstfehler, sondern als kunstvolle Bögen zwischen unterschiedlichen
Ü berlieferungen22, wer Spannungen nicht als Störung, sondern als An-
stoß zum N achdenken über die K om plexität des Lebens wie der Ge-
schichte w ahrnim m t, w ird die griechische Fassung entschieden ärm er
finden als die hebräische: der Aufstieg Davids erscheint hier glatter, das
Bild Davids flächiger22, die K ontrastfiguren Fhab und Saul weniger
scharf profiliert als dort.
Ilm so m ehr fällt beim Vergleich der beiden Textversionen ins Auge,
daß die LXX-Verfasser aus den beiden entscheidenden Redegängen von
1 Sam 17, dem zwischen David und Saul (V. 3 2 —40) und dem zwischen
David und G oliat (V. 4 2 —47), kein einziges W ort herausgekürzt haben.
Sie hatten offenbar ein feines Gespür nicht nur für form ale Unstimmig-
keiten, sondern auch für die inhaltlichen Gewichtungen im hebräischen
Text. In gewisser Weise haben sie dessen Intention noch verstärkt. Im
LXX-Text folgt sogleich auf die Vorstellung G oliats und die W iedergabe
seiner H erausforderungsrede an Israel (V. 1 —11) die Vorstellung Davids
in seiner kühnen Erm utigungsrede an Saul (V. 32 ff.). D ringt aus G oliats

steht in diesem Absehnitt der mit 17,15 korrespondierende Vers 18,2, und ]onatans
»Liebe« zu David mag den LXX-Autoren aus ganz anderen Gründen unheimlich gewe-
sen sein.
21 Barthélémy (a.a.O ., 62) bemerkt, daß 1 18,17—19 auch wegen des Widerspruchs zu
11 21,8 den LXX-Ver£assern suspekt gewesen sein dürfte.
22 Vgl. Willis, The Function of Comprehensive Anticipatory Redactional Joints in 1 Sa-
muel 16—18, ZAW 85 (1973), 294—314, sowie allgemein den Abschnitt »Composite
Artistry« bei R. Alter, The Art of Biblical Narrative, 1982, 131 ff.
23 Alter (a.a.O ., 148) versteht das Nebeneinander von 1 Sam 16 und 17 als »the writer’s
binocular vision of David«: das eine Mal als im privaten Umgang gewinnende, das
andere Mal als der Öffentlichkeit imponierende Fersönlichkeit.
D ie Erzählungen von D avid und G oliat in 1 Sam 17 179

Auftreten und Reden die naekte Gew alt, s© klingt aus Davids Worten
G otteserfahrung und G ottvertrauen. Gleieh anschließend wieder setzt er
der vulgären B rutalität Goliats die Festigkeit dessen entgegen, der von
der W irkungslosigkeit der Waffen gegen den Willen G ottes weiß.
Wurde eingangs festgestellt, die hebräische Frzählung von David
und G oliat habe einen doppelten Focus und lege großes Gewicht auf die
Reden der H auptakteure, so zeigt sich jetzt, daß die LX X das Gewicht
der Reden eher noch erhöht und den einen Focus, den der Auseinander-
Setzung zwischen Israel und den Fhilistern, noch hervorgehoben hat. In-
dem sie aber die zweite und die sechste Szene der Goliatgeschichte (und
dam it die Begegnung Davids m it Saul, später auch die m it dem Frinzen
Jonatan und der Frinzessin M erab) wegläßt, schw ächt sie den zweiten
Focus der Erzählung, den von Davids E intritt in den Königsdienst und
das Königshaus, entscheidend ab. Eines der H auptthem en der David-
Saul-Geschichte ist nun aber der Übergang der M acht von Saul und den
Sauhden auf David. Allem Anschein nach liegt der LXX das Ringen
zwischen den beiden ersten H errschern Israels und das d a h in te r verhör-
gene zwischen Nordisrael und Juda nicht sehr nahe — jedenfalls viel
weniger nahe als das Verhöhnt- und B edrohtw erden Israels durch nicht-
israelitische M ächte sowie die H offnung auf das überleben des Gottes-
Volkes nicht durch Waffen, sondern durch G ottes Hilfe: eine im Zeitalter
des Hellenismus wohl begreifliche Akzentsetzung.

3. Z w ei Erzählungen im hebräischen Text


Ist som it die hebräische Version der David-G oliat-G eschichte eine
sinnvoll, sogar kunstvoll gestaltete Erzählung (und nicht ein Konglome-
rat aus verschiedenartigen Texten, deren einer in der LXX noch erhalten
wäre), so bleibt doch festzustellen, daß sie m it einer Reihe von Uneben-
heiten und Spannungen durchsetzt ist, welche schon die L^X -Ü bersetzer
zu beheben versucht haben. Diesem S ach v erh alt ist indes nicht auf text-
und h terak ritisch em , sondern nur auf überlieferungsgeschichtlichem
Weg beizukom m en^.

24 Der einzige mir bekannte, ausgelührte Versuch dazu stammt von A. Van der Eingen,
David en Saul in I Samuel 16—II Samuel 5. Verhalen in politiek en religie, 1983,
12—24. Er löst aus dem MT-Text zwei ursprüngliche Erzählungen heraus. Die eine,
»A«, umfaßt 17,12—15.23aa.24.39aa.40aßba.48aab.49.51aboc.55—58, die andere, »B«,
17,1—9.11.32—36a.37ba.38.39b.40aabß.42—44.48aß.50ba.51bß—53. Die beiden Ge-
schichten wurden durch einen Redaktor verknüpft, dessen Hand in 17,16.23aßb.
26ba.31.39aß.41.50abß.54 spürbar ist. Von einem weiteren Bearbeiter stammen
1 7 ,1 ^ ^ .3 6 b .3 7 a b ß .4 5 —47. — Dieses Modell wirkt (und ist wohl auch gar zu) kom-
pliziert, doch hat es einige klare Konturen: V. 1 —11 ist von V. 12—31 zu trennen; zu
dem Erzählanfang V. 12 ff. gehört als Erzählschluß ٧٠ 55 ff. (bis hierhin ist das Ergebnis
identisch mit der Differenz M T—LXX^); der große Mittelteil des Kapitels ist auf die
beiden postulierten Erzählungen aufzuteilen. Daß Van der Eingen hier den Hauptanteil
180 W alter Dietrich

Es hat den Ansehein, als zeichneten sich unter der T exoberfläche


٧٠٨ 1 Sam 17 (MT) die K©nturen zweier älterer, ehedem selbständiger,
durch eine R edaktion s©rg£ält‫؛‬g m iteinander verknüpfter ü b erlie‫؛‬erun-
gen ab. Die überlie£erungs- und kom positionsgeschichtlich bedingten
N ähte £allen m anchm al, aber nicht im m er m it den später durch die LXX
vorgenom m enen Einschnitten zusammen. M ethodisch ist aber nicht von
diesen, sondern von Beobachtungen am hebräischen Text auszugehen.
Innerhalb von I Sam 17 liegen unverkennbar zwei Erzählan£änge
vor: der in ٧ . 1 ££. und der in ٧٠ 12££. Es gilt nun zu erkunden, ob und
wo diese Erzählan£änge ihre Eortsetzung finden, und wie die sich ab-
zeichnenden E rzählungen^ zu einer Kom position verknüpft w orden
sind. W ir halten uns dazu an die eingangs skizzierte Szenenfolge.
1. Szene: Der Fluß der Erzählung läuft ununterbrochen von der
Exposition V. 1—3 bis zur H erausforderungsrede G oliats in V. 8£. D ann
aber setzt G oliat unerw artet noch einmal ein: »Und der Fhilister sprach«
(V. 10) — obw ohl er zuvor schon geredet hatte. Soll m an sich dazwischen
ein beredtes Schweigen Israels denken, oder h at m an einen T extnachttag
vor sich? Ist beides überhaupt ein Gegensatz? M öglicherweise h at ein
Bearbeiter — deutlicher: der K om positor — gem erkt, wie G oliats Rede
den Israeliten die Sprache verschlug, und hat darau£hin den Fhihster mit
W orten noch einm al anheben lassen, die hernach Leitwort£unktion ha-
ben werden: Das »Verhöhnen der Schlachtteihen Israels« bzw. »des le-
bendigen Gottes« soll G oliat zum Verhängnis w e rd en ^ . D ann, in V. 11,
spricht der R edaktor aus, was die ältere Erzählung wohl nur hat spüren
lassen: Israel hat Angst, und Saul auch‫ ؛‬dam it £ällt kein gutes Licht au£
den K ö n ig ^.
2. Szene: Ab ٧ 12 m eint m an einen breiteren, £ast behäbigen Er-
zählstil zu bem erken, am deutlichsten in dem langen H in und H er zwi-
sehen David und verschiedenen israelitischen Soldaten, darunter seinem
Bruder Ehab (V. 25££.). Dennoch ist hier nichts überflüssig: David er­

der Version »B«, d.h. der in 17, 11 —‫ ل‬begonnenen Brzählung, zuweisr, isr m. E. ebenso
fragwürdig wie die Annahme zweier, noeh dazu auf knappe Verknüpfungen sich be-
schänkender Bearbeitungen.
25 Es sei von vornherein betont, daß es nicht gelingen wird, aus dem hebräischen Text
zwei vollständig erhaltene Überlieferungen unbeschädigt herauszulösen. Der Gesamt-
Verfasser war ja nicht Archivar, sondern selber Erzähler; freilich erzählte er nicht frei-
weg, sondern benutzte dabei zwei ihm bekannte Erzählungen, aus denen er eine einzige
zu machen bestrebt war. Es ist deshalb nur natürlich, daß Formulierungen von hier
nach dort übernommen, daß übereinstimmende Züge nur einmal mitgeteilt, daß nicht
einpaßbare Kanten abgeschliffen wurden usw.
26 Vgl. V. 26.36.45, auch V. 43.
27 Damit wird eine Tendenz aufgenommen und noch vestärkt, die in der anderen, mit
V. 12 ff. beginnenden Erzählung präsent ist, vgl. V. 24.32 ff.
D ie Erzählungen von D avid und G oliat in I Sam 17

fährt und sagt Wichtiges und gelangt am Ende ٧٠٢ Saul (٧٠ 31). D am it
ist der innere Leitfaden dieser Erzählung m arkiert: Der H irtenknabe aus
Betlehem begegnet dem König Israels. Anlaß dazu ist der Philisterkrieg,
ist nam entlich das Auftreten G ^ ia ts , ٧٠٢ dem die israelitischen s©ldaten
flüchten, wenn sie ihn nur sehen ( ٧. 24). Der K © m ^ sito r m uß ihn nicht
noch einmal schildern, ihn nicht n o h einm al sprechen lassen. Der Leser
weiß darüber aus der 1. Szene (dem Anfang der anderen Erzählung) ge-
nug. D a ^ d aber muß noch d a ^ n erfahren. So beschreibt ihm der Vater
mit Worten aus ٧٠ 2 präzise, w ohin er gehen m uß (V. 19), und wird
der in ٧ 4 ff. als einmalig beschriebene A uftritt Goliats gewissermaßen
perpetuiert (٧٠ 16.23aßb), dam it D a ^ d sein Zeuge werden kann.
V. 15a28 verdankt sich u ^ r k e n n b a r dem Bemühen um Ausgleich mit
der widerständigen Erzählung I Sam 16,14 - 2 3 , ist also redaktionell^.
3. Szene: ٧ 32 schließt glatt an ٧. 31 an, es läuft hier also die in
٧ 12 begonnene Geschichte w e iter^ . D a ^ d , der sich zum König ٧٠٢٣ ‫־‬
arbeitet hat, redet diesen an, m acht ihm M ut, indem er sich zum Zwei-
kam pf erbietet. (Wie unglaublich beides ist, das Verhalten wie das Ange-
bot, werden die antiken Erzähler und H örerinnen besser gew ußt und
bew ußter ausgekostet haben als wir.) Wie schon der ältere Bruder
(٧ . 28), nur etwas ٧ät e ٢‫ ا؛‬che ٢, geht Saul auf D istanz zu dem hochgemu-
ten Jüngling (٧ . 33). D a ^ d s Erw iderung ist redundant und sichtlich
nicht aus einem Guß. Zweifellos hat er sich schon in der zugrundeliegen‫־‬
den Erzählung auf seine Erfahrung im Kampf m it wilden Tieren berufen
(٧٠ 3 4 a.3 6 ^). D ann aber, in ٧ . 37, hebt er überraschend noch einmal an
und gibt der profanen Erfahrung eine theologische Deutung: N icht er
hat die wilden Tiere besiegt, sondern Jhw h hat ihn ٧٠٢ ihnen gerettet —

28 Dazu mag der nach V. 13 überflüssige V. 14b ais Überleitung gehören. V. 15b hingegen
enthält eine Nachricht, die für das Folgende unentbehrlich ist: David arbeitete für
seinen Vater als Hirte (vgl. V 28.34).
29 Dies gestaltet Stefan Heym in seinem Roman »Der Köni^Davi^Bericht« (München
1972) köstlich aus, indem er jenen Satz von General Benaja diktiert sein läßt, der
des ewigen Gezänks über die Unvereinbarkeit der beiden Erzählungen müde ist. Zur
Aufnahme des Davidstoffs in der modernen deutschen Literatur vgl. meine Arbeiten:
Von einem, der zuviel wußte. Versuch über Stefan Heyms »König David Bericht«, in:
w. D., Wort und Wahrheit. Studien zur Interpretation alttestamentlicher Texte, 1976,
41—67. — Gott, Macht und Liebe. Drei neue Romane über die Davidszeit: Reforma-
tio 38, 1989, 301—308. — Der Fall des Riesen Goliat. Biblische und nachbiblische
Erzählversuche, in: ]. Ebach—R. Faber (Hg.), Bibel und Literatur, 1995, 241—258.
30 Gegen Van der Lingen, a. a .‫ ه‬.
31 V. 34b.35 dürfte redaktionell sein. Die Einzelszene von dem geraubten und wieder
geretteten Schaf doppelt sich mit der allgemeineren Feststellung V. 36a und paßt nicht
sonderlich gut in den hiesigen Kontext (wer ist der Einzelne, der da gerettet werden
soll?), dafür aber um so besser zu V. 50 ‫ث‬dort kehren, wie Fokkelman (a.a.O ., 186)
treffend beobachtet hat, die gleichen Verben wieder wie in ٧٠ 35: hzq, nkh, mt.
182 W alter I^tefrirh

und Er w ird ihn auch vor diesem Philister erretten. D arauf antw ortet
Saul, auf der gleichen theologischen Ebene, m it dem W unsch, ]hw h
möge m it ihm sein (V. 37). Daß es m it Sauls G lauben in W ahrheit nicht
so weit her ist, gibt der K om positor gleich anschließend zu erkennen:
Der König unternim m t den ebenso kleingläubigen wie überflüssigen, ja
gefährlichen Versuch, David mittels seiner eigenen R üstung — die derje-
nigen G oliats in V. 3 —7 verblüffend gleicht! — noch rasch zu einem rieh-
tigen Soldaten zu machen; als solcher w äre der von G oliat zerschm ettert
worden. Doch David besinnt sich auf sein Eigenes und w appnet sich wie
für einen Kam pf m it einem R aubtier; hier sind w ir wieder auf dem Bo-
den der G runderzählung (٧٠ 40).
4. Szene: O ffenbar im Fortgang zur 3. Szene w ird in V. 41 f. be‫׳‬
schrieben, wie sich die beiden Gegner aufeinander zubewegen. Einge-
streut sind kom positionelle Anspielungen auf den größeren Kontext: auf
die andere G oliatgeschichte (vgl. ٧٠ 41b m it ٧ . 7) sowie auf die beiden
Teile von I Sam 16 (vgl. V. 42bß m it 16,12.18). Z u r Erzählvorlage ge-
hörte sicher ٧٠ 43: G oliat sieht den H irtenstock und fühlt sich nicht wie
ein großer Krieger, sondern wie ein H und behandelt ‫ ־־‬w orauf er einen
Fluch auf Davids, d .h . Israels G ott folgen läßt. D ann kom m t wieder
einer jener unerw arteten Neueinsätze: Aggressiv und vulgär d ro h t er (mit
einer im Alten Testam ent weitverbreiteten F orm el^), Davids Fleisch den
»Vögeln des Him m els und dem Vieh des Feldes« vorzuwerfen (٧٠ 44)
— und gibt diesem dam it Anlaß zu einer theologisch hoch beladenen
G rundsatzerklärung über das W irken G ottes und die W irkung(slosig-
keit) von Waffen. Eine kom positorische Feinheit dieser Rede liegt darin,
daß David G oliat m it »Schwert, Spieß und Speer« auf sich zukom m en
sieht, obw ohl dieser nach ٧٠ 5 —7 kein Sehwert getragen hatte; doch wo-
m it hätte er dann in ٧ . 51 enthauptet w erden sollen? Der Sache nach
steht der Passus ٧٠ 4 5 —47 in enger Beziehung zu dem vorhin als redak‫־‬
tionell erkannten von ٧ . 37—39.
5. Szene: Die Schilderung des eigentlichen Kampfgeschehens ist,
obw ohl knapp, so doch nicht einhèitlich. Die Geschichte vom H irten-
jungen (Szenen 2 —4) findet ihre Fortsetzung jedenfalls in ٧ . 49 (dem
Schuß m it der Steinschleuder, w orauf ja ٧ . 40 vorbereitete) — und dann
w ohl in ٧ . 51a (der E nthauptung G oliats m it seinem eigenen Schwert).
Dies letztere steht näm lich in W iderspruch zu der Schilderung Goliats in
der anderen Erzählung, ٧ . 4 ff.: D ort trägt er alle möglichen Waffen, aber
kein Schwert! Wohl aber paßt bestens zu ٧ . 8 f. die panische Flucht der
Philister und der trium phale Sieg der Israeliten in ٧٠ 5 1 b —53; Goliats

32 Freilich sagt Goliat bhmt statt hyt-h Vs — und damit macht er, wie rabbinische Korn-
mentatoren spöttisch bemerken, Fflanzenlresser (>Vieh<) zu Fleischfressern (vgl. A.
Wünsche, Der Midrasch 5amuel: Aus Israels Lehrhallen, Bd. ٧, 1910, 117).
D ie Erzählungen von D avid und G oliat in 1 Sam 17 183

Angebot erweist sich als >sel£ £ulfilling prophecy< — nur m it anderem


Vorzeichen, als er gedacht hat. V. 54 dagegen spricht wieder von dem
abgeschlagenen H aupt (und der Rüstung) G oliats33, gehört also zu V. 51.
Bleibt noch V. 50 34‫» ث‬Und es überw and David den Philister m it Schleuder
und Stein‫ ؛‬er schlug den Philister und tötete ihn, ohne daß ein Schwert
in seiner H and war«. Das ist eine vollständige Version des Kamp£vor-
gangs‫ ؛‬sie stößt sich mit derjenigen von V. 49.51.54 inso£ern, als in bei-
den die »Tötung« Goliats £estgestellt w ird (mit dem Verb m t in V. 50
und V. 5135). Z udem läßt sie sich sehr gm m it V. 48b verbinden, einem
eben£alls im Kontext sperrigen Satz: »Und es eilte David und lie£ a u s ^
der Schlachtreihe dem Philister entgegen«. War er nicht zuvor bei Saul
gewesen (V. 32 ff.) und von d o rt aus dem Philister entgegengegangen
(V 40)? Nach der Version vom H irtenjungen — ja‫ ؛‬in der anderen Ver-
sion aber könnte V. 48b genau die notw endige Verbindung zwischen der
breiten Exposition v .l —9 und dem knappen Finale V. 50 herstellen: Go-
liat tritt au£, hält seine H erausforderungsrede, aus der Schlachtreihe Isra-
eis löst sich David und überw indet den gewaltigen Feind m it Schleuder
und Stein.
6. Szene: Sie ist in sich einheitlich und gehört zu der H irtenjungen-
Version. Nachholend wird berichtet, daß Saul, als David (von ihm weg)
dem Philister entgegenging, den G eneral A bner fragte, wessen Sohn der
junge M ann sei. In der Tat h at ihm David in ٧ . 32 das nicht gesagt und
hat Saul ihn nicht danach gefragt. Wenn der König sich nicht nach dem

33 Dem Satz, insbesondere ‫؛‬١٦ seiner Beziehung zum Kontext, ist nicht leicht beizukom-
men. Fokkelmans Vorschlag (a.a.O ., 207), man solle sich ein »Später dann ...« hinzu-
denken, löst das ?roblem wohl am wenigsten gewaltsam. Wie selbstverständlich setzt
die Erzählung voraus, was die Aufstiegsgeschichte erst später und nur teilweise berich-
ten wird: Daß David Jerusalem gewinnen wird (oder schon gewonnen hat?), und daß
entweder er oder Jhwh (dort?) ein »Zelt« hat. Da von einem Zeltheiligtum in II Sam
6,17; I Reg 2,28 ff. die Rede ist, und weil auch in I Sam 21,10 ein Zusammenhang
zwischen Jhwh-Heiligtum und Goliat-Schwert vorausgesetzt ist, wird eher zugunsten
der zweiten Möglichkeit zu votieren sein. Vgl. zu diesen historischen Fragen die Kom-
m en tare.
34 Fokkelman bemerkt, dieser Vers sei »not a link in the chain of actions, but an aside«
(a.a.O ., 186). Das ist weniger eine Frklärung als eine Feststellung; mehr läßt die rein
synchronische Betrachtungsweise Fokkelmans nicht zu.
35 Daß dabei verschiedene Verbalstämme verwendet werden, modifiziert die Dublette nur
leicht.
36 Hier dürfte ein einleitendes m ausgefallen sein, vgl. BHK, auch Hertzberg, ATD 10,
z. St. Dazu bemerkt Stoebe, KAT 8/1, 1971, 333: Diese Änderung »erleichtert nichts,
denn David ist schon vorher (٧ 40) dem Fhihster entgegengetreten«. Das eben ist
üleheferungges^ichtlich die Frage — und bietet eine te^^schichtliche Erklärung
für die jetzige Fassung: ein antiker Abschreiber empfand genau dasselbe wie der mo-
derne Kommentator.
184 Walter D ietrich

N am en Davids, sondern nach dem seines Vaters erkundigt, so hat dies


o£fenbar m it dem in V. 25 erw ähnten Versprechen der Steuerfreiheit für
das Vaterhaus des Goliatbezwingers zu tu n 37‫ ؛‬auch ist wohlbegreiflich,
daß der König über die H erkunft seines möglichen Schwiegersohnes ori-
entiert sein will. In V. 57 f., nach dem G ohatsieg, klärt sich dies: David
w ird, das abgetrennte H aupt des Feindes noch in der H and, vor Saul
gerufen und sagt ihm, daß er der Sohn des Isai aus Betlehem ist. D am it
kehrt die Geschichte zu ihrem Anfang in ٧ 12 zurück.
Im Ergebnis zeichnen sich som it zwei Erzählungen ab, die in
I Sam 17 v erein t w orden sind:
a) eine recht knappe vom Sieg des Schleudersoldaten David über den
philistäischen Zw eikäm pfer G oliat von G at und einen dadurch er-
möglichten glanzvollen Sieg Israels über die Philister (V. 1—9.48b.
‫ﻃﻠﻜﻤﻬﻚ‬ ‫ك ־‬3 ‫ر‬, und
b) eine legendarisch ausgeschm ückte von dem H irtenknaben David, der
in eine Philisterschlacht geriet, sich dem König Israels als Zwei-
käm pfer gegen den Pfohsterrecken G oliat anbot, diesen tatsächlich
m ittels seiner H irtenschleuder und dessen eigenem Schwert tötete,
daraufhin vor den König gerufen w urde (und eine reiche Belohnung
erhielt) (V. 1 2 - 1 4 a .l 5 b .l 7 f . 2 0 2 3‫ ־‬a a . 2 4 3 4‫ ־‬a.36.40.42aba.43.49.51.
5 4 -5 8 ).
D azu ko m m en
c) redaktionelle Erw eiterungen, die der K om bination der beiden älteren
Versionen, ihrer Einpassung in die D aid-S aul-G eschichte und ihrer
eindringlichen theologischen Kom m entierung dienen (V. 10f.14b.15a.
16.19.23aßb.34b—35.37—39.41b.42bß.44.—46.[47]).38

37 So treffend Gooding, a. a. ö ., 60.


38 Rofè (a. a. 118 ‫ ه‬.‫ )ر‬unterscheidet ebenlalls zwischen älterer überlielerung (»a popular
£airy tale« von dem kühnen Hirtenknaben David und seinem Sieg über einen giganti-
sehen ?hilistervorkämp£er) und einer späteren Überarbeitung (... »it was reworked
ffom a theological angle by thinkers and teachers«), die er vor allem in V. 26.36.45—47
meint grei£en zu können. Freilich habe diese Bearbeitung den älteren Stoff vollkommen
überformt, so daß 1 Sam 17 eigentlich ihr zu verdanken sei. Zeitlich sei sie, vor allem
au£grund ihrer sprachlichen Gestalt und ihrer theologischen Intention, in die Epoche
des 2. Tempels, mutmaßlich ins 4. Jahrhundert zu verweisen (123 —134). Nun ist der
Wert sprachstatistischer Beobachtungen for absolute Datierungen begrenzt, zumal nur
zu erwarten ist, daß im Zuge der literarischen Tradierung auch an älteren Texten die
spätere Sprachentwicklung nicht spurlos vorbeigegangen ist. Der Nachweis, daß die
Rede vom )lebendigen Gott< ins nachexilische Zeitalter gehöre (134££.‫ إ‬vgl. dagegen s.
Kreuzer, Der lebendige Gott. Bedeutung, Herkunft und Entwicklung einer alttesta-
mentlichen Gottesbezeichnung, BWANT 116, 1983, V. a. 35—83), und daß David in
I Sam 17 mit den Farben der spätalttestamentlichen Messianologie gemalt sei (139££.),
scheint mir nicht gelungen.
D ie Erzählungen von D avid und G oliat in 1 Sam 17 185

4. Der Weg der Goliat-Erzählung


Der Ursprung der biblisehen G©Jiat-Überlie‫؛‬erung liegt in der un-
scheinbaren, aber brisanten Notiz von II Sam 21,19, ein gewisser Eicha-
nan, Sohn des J a 'rê 39 aus Betlehem, habe den G oliat aus G at erschlagen,
dessen Speerschaft mächtig wie ein W eberbaum gewesen sei. Diese Nach-
rieht steht in einer Reihe von Kurzberichten über H eldentaten, die Ge-
folgsleute, darunter auch Verwandte Davids gegen gelürchtete Philister-
recken v o llb rach t haben (sollen) (II Sam 21,15 —22).

Die nächste Traditionsstufe wird in der älteren Version von


I Sam 17, der vom Sieg des Schleudersoldaten David über G oliat, greif-
bar. Elchanan ist jetzt von David abgelöst. Die G ründe lassen sich den-
ken: Beide stam m en aus Betlehem, ihre Väter tragen einander nicht un-
ähnliche Nam en, vor allem aber: beide hatten sich in Kriegen und Schar-
mützeln m it den Philistern hervorgetan, ja, David galt als derjenige, der
die expandierenden Philister auf ihr Kerngebiet zurückgeworfen hat. he-
diglich eine einzelne, große H eldentat gab es von ihm nicht zu berichten
(wie eben zumeist die Feldherren ihre Krieger lenken, ohne sich selbst
als Krieger zu schlagen). Was lag näher, als zum indest posthum den Sieg
über G oliat von Elchanan auf David zu übertragen?
Goliat nahm bei diesem Wechsel erheblich an Statur zu. Er avancierte
zum »Mann des Zwischenraumes«, zum professionellen Krieger, der für
die Institution des Stellvertreterkampfes besonders geeignet und gerüstet
ist; seine Herausforderungsrede ist durchaus gattungstypisch40. Was sein
Äußeres betrifft, so hat sein Speerschaft4* immer noch das Ausmaß eines
Weberbaums; doch jetzt weiß man, wie groß der Mann gewesen sein muß,
der derlei tragen und sogar schleudern konnte: sechs Ellen und einen Fuß
hoch. Dieser Hüne wird nun über und über mit Waffen behängt — in
solcher Menge und Mischung, wie sie kein realer Krieger der Antike be-
nutzt h a t^ . Goliat gerät zum Symbol für Überrüstung!
David ist anscheinend als gewöhnlicher Soldat in der von Saul ge-
führten Schlachtreihe Israels gedacht. Er w ird nicht (mehr?) ausführlich

39 Auffälligerweise ist in vielen MT-Handschriften das resch in diesem Persenennamen


kleingesehrieben. In der Chrenik-Parallele heißt der Mann jä'ür hzw. im Qerë jä ‘tr.
Das nachfolgende Wert oregim ist rätselhaft vermutlich gehört es nicht zum Namen,
sondern ist Dittographie zum gleichlautenden letzten Wort des Verses.
*٥ Zu altorientalischen Parallelen hierzu vgl. R. de Vaux, Single Combat in the Old Testa-
ment, in: G. E. Wright (ed.). The Bible and the Ancient Near East, 1961, 122—135‫؛‬
H. A. Hoffner, A Hittite Analogue to the David and Goliath Contest of Champions?:
CBQ 3225
‫ م‬220
‫ ؛‬1968)
— (, JL M. Sasson, Reflections on an Unusual Practice Reported
in ARM X:4, Orientalia 43 (1974), 4 0 4 -4 1 0 .
*١ Hier dürfte hes »Pfeil« mit Q und in Anlehnung an II Sam 21,19 in ‘es zu ändern sein.
42 Vgl. K. Galling, Goliath und seine Rüstung: VT 15 (1965), 150—169.
186 Walter D ietrich

vorgestellt‫ ؛‬nur das ist wiehtig, daß er die H erausforderung des Philister-
käm pfers annim m t und siegreieh besteht. D erart hoehgerüstet, wie Go-
Hat ist, muß er sich dazu einer Distanzwa£fe bedienen, die im Alten
G rient £est zum militärischen Arsenal gehört43, m it der G oliat aber nicht
gerechnet zu haben scheint. Anders als bei Elchanan, weiß m an also bei
David, wie er m it dem gewaltigen Gegner £ertiggeworden ist.
Sein Sieg ist eingebettet in eine m ilitärische Staatsaktion: Das H eer
Israels unter Saul rückt aus und m arschiert au£ gegen das H eer der Phili-
Ster. Die topographische Exposition in V. 1—3, wiewohl nicht bar kon-
kreter g o g ra p h isc h er Angaben, bietet sich dar wie eine ideale Szenerie
für einen Zweikamp£: ein Duell zwischen zwei Völkern, zwei Armeen,
zwei M ännern. Der Kampf zwischen den zwei Einzelnen entscheidet
über das Wohl und Wehe Aller — genau, wie es G oliat sagt (٧٠ 8 f.), und
wie es hernach eintrifft (V. 51b—53). Erzwungen w ird diese Entschei-
dung eindeutig von den Philistern bzw. von G oliat‫ ؛‬von ihnen geht je-
weils die aggressive Bewegung aus, Israel bzw. David reagieren nur.
Doch beide to ag eto n angemessen‫ ؟‬Israel stellt sich den Philistern kraff-
voll entgegen44, David zeigt sich G oliat überlegen. Saul und David arbei-
ten gewissermaßen H and in H and: Der König £ührt das Heer, aus dem
dann David als E‫؛‬nzelkämp£er hervortritt‫ ؛‬David besiegt G oliat, das
H eer (Sauls)43 die Philister.
Wohl ist diese Erzählung au£ David zentriert, es £ehlen ihr aber
noch explizit antisaulidische und n ^ o n a l-ju d ä isc h e N eb en tö n e^. Es
wird noch nicht als Problem emp£unden, daß David — jeden£alls in ei-
nem bestim m ten A bschnitt seiner Laufbahn — Sauls Untergebener war.
Doch wenn auch Saul als H eerführer und David nur als einfacher
Schleudersoldat figuriert: der Held der Geschichte ist er und nicht Saul.
Er hat im entscheidenden Augenblick geistesgegenwärtig die richtigen
M ittel gewählt und sie professionell eingesetzt^ und so den Sieg Israels
über seine ärgsten Feinde ermöglicht. Vielleicht darf m an verm uten, daß
eine solche Erzählung in militärischen Kreisen — möglicherweise schon
des vereinigten Königreiches — aufgekomm en ist.

43 Vgl. Y. Yadin, The Art ‫ ﻟﻠﻈﻨﻆ؛م‬€‫ اة‬Warfare in Biblical bands, 1963, 9 f.; BHH 111, 2125.
44 Von Unterlegenheit und Angst Israels redet nur die andere Version (٧ 24) und dann
der Kompositor (V 11).
45 Saul wird in V. 32 nicht erwähnt. Hat ihn der Redaktor aus der Schlacht genommen,
damit er sie in V. 33 ff. von außen beobachten l^nne? Vielleicht kamen im Gegenzug
die »Männer Judas« hinein, die sonst in I Sam 17 keine Rolle spielen‫ ؛‬dabei war dem
Kompositor aus der anderen Version klar, daß zumindest in Gestalt von Davids Brü-
dern Judäer beteiligt waren.
46 Darin atmet diese Brzählung den Geist von 1 16,14—23.
47 Nach Jdc 20,16 waren die Benjaminiten — Sauls Stamm! — berühmt für ihre Kunstfer-
tigkeit im Steinschleudern. Tritt hier der Judäer David in ihre Fußstapfen?
D ie Erzählungen von D avid und G oliat in ‫ ل‬Sam 17 187

Eine ganz andere Wurzel der D avid-G oliat-Tradition kom m t in


1 Sam 21,10 zum Vorschein: Das »Schwert Goliats« galt offensichtlich
als ein ?rachtexem plar von Waffe. Angeblich w urde es am Jhwh-Heilig-
tum von Nob aufbew ahrt48 und gelangte von dort in die H ände Davids.
Da Goliat weder in 11 Sam 21,19 noch in 1 Sam 1 7,4—7 als mit einem
Schwert bewaffnet erscheint, m uß es sich hier um eine ganz eigene ü b er-
lieferungsbildung handeln. Doch auch nach I Sam 17,51.54 setzte sich
David in den Besitz von Goliats Schwert und brachte es »nach Jerusa-
lern«. Dies w ird das unausgesprochene Ziel auch von I Sam 21,10 sein:
David erhielt das Schwert von den Priestern in Nob, behielt es und
brachte es mit nach ]erusalem ; dort w urde es sicher als besonders sym-
boiträchtige Trophäe gezeigt. Freilich: davon, daß David es dem G oliat
abgenomm en habe, verlautet in dieser Tradition n ich ts^ .

Die zweite, ausführliche Erzählung in 1 Sam 17, die von dem Hir-
tenjungen David, scheint aus m ehreren Quellen geschöpft, von denen
wir einige schon kennen: Anscheinend verarbeitet sie nicht nur die Tradi-
tion vom G oliatschwert, jetzt freilich David zum Eroberer dieser Waffe
m achend, sondern auch die von Davids Sieg über G oliat mittels der
Schleuder. Diese hat freilich eine bedeutsam e M etam orphose durchge-
macht: Aus dem Soldaten David ist ein junger H irte geworden — was
die Geschichte noch viel w underbarer und tiefsinniger m acht. Denn wie
oben gezeigt, schwingt in den Bildern von H itt und H erde die altorienta-
lische Köfegsm ctephoflk mit. Doch sind noch andere M otive in dieser
Erzählung aufgerufen: etwa das vom W iderstreit zwischen älteren und
jüngeren B rü d ern ^ , oder das vom hohen Lohn, den der König für die
Bewältigung einer schwierigen Aufgabe aussetzt, oder das vom einfa-
chen, aber beherzten jungen M ann, der die Elite der Gesellschaft be-
schäm t und überflügelt. Hinzu kom m en einige ^ a si-h isto risc h e Erzähl-
Züge: David w ar der Sohn des Isai aus Betlehem und hatte mehrere ältere
Brüder^*‫ ؛‬Saul w ar König, David w ar zunächst ein Nobody, stieg dann
aber bei Hofe auf‫ ؛‬Saul wie David hatten sich mit den Philistern ausein-
anderzusetzen‫ ؛‬diese machten Anstalten, ins judäische Bergland vorzu­

48 Es ist ein gängiges Motiv, daß Waffen besonders berühmter, besiegter Feinde an Heilig-
tümern zur Schau gestellt wurden: vermutlich als eine Art Dankes- und Votivgabe an
die Sieg gewährende Gottheit, vgl. nur 1 Sam 31,111 ‫ ﺛﻢ‬Sam 8,7.
49 Der Relativsatz in 1 Sam 21,10 »den du im Terebintental erschlagen hast«, ist redaktio-
neller Zusatz, s. gleich.
‫ ﺀﺀ‬Über die Beispiele in Gen und Sam/Reg, vor allem über angeblich auf sie anzuwen-
dende Verstehensmodelle orientiert E. Fox, Stalking the Younger Brother: Some Models
for Understanding a Biblical Motiv: JSGT 60 (168 —45 ‫و‬. , (93
51 Vermutlich stützt sich in diesem Punkt eher die Erzählung 1 Sam 16,1 —13 auf 1 Sam 17
als umgekehrt.
188 Walter Dietrich

dringen, w© sie m it den israelitischen (und judäischen?) Truppen zusam-


m enstießen52‫ ؛‬die Armee rekrutierte sich (auch) aus Freiwilligen aus dem
Volk‫ ؛‬die Soldaten w urden w ährend des Fronteinsatzes von zu Hause
aus versorgt‫ ؛‬Saul erhob allgemeine Steuern, konnte sie aber einzelnen
Familien auch erlassen^.
Last not least trägt die Erzählung eine £eine, aber m arkante theolo-
gische Tönung: freilich nur in Aussagen aus dem M unde Davids. Zwei-
mal stellt dieser fest, G oliat habe »die Schlachtreihen des lebendigen
Gottes verhöhnt« (17,26.36). Der Sieg über ihn ist dam it nicht mehr nur
Sache des Königs und der Armee (wie in der Schleudersoldaten-Version),
sondern die des Gottesvolkes Israel, ja des G ottes Israels selber. Gezielt
wird dem Feind das Epitheton »Unbeschnittener« beigelegt ( ٧ . 36) —
nicht, um ihn ethnisch zu diskrim inieren, sondern um ihn als Nichtange-
hörigen, m ehr noch: als Feind des Gottesvolkes zu kennzeichnen. G ott
duldet nicht, daß einer wie G oliat sein Volk bedroht und bedrückt‫ ؛‬er
w ird einen wie David auf den Plan rufen, der ihm das H andw erk legt.
G ottes Hilfe kom m t auf höchst unscheinbaren, rein menschlichen We-
gen. Kein N aturgesetz m uß durchbrochen werden, keine Theophanie
stattfinden, nein, ein Vater m uß seinen Jüngsten zur Versorgung der
Älteren ins Feld schicken, und der Jüngling m uß nur ein H irte sein und
sich auf den G ebrauch seiner S chleuder verstehen ...54 O der ist da doch
noch mehr? W oher kam en David Urteilsfähigkeit, Beherztheit, Gelassen-
heit zu, die ihn zum R etter Israels werden ließen?

Die letzte Ebene — wenn wir von der K ürzungstätigkeit der LXX
absehen — erreicht der David-G oliat-Stoff in der Jetztgestalt des hebräi-

52 Diskussionslos wird vorausgesetzt, daß ]uda zum Staatsgebiet Sauls oder doch zu des-
sen strategischem Finflußbereich gehörte. Das gleiche geschieht ja auch in 1 Sam 15;
24; 26, doch könnte dies in Anbetracht von II Sam 2,9 auch als Rückprojektion aus
der d^discl^salomonischen Zeit betrachtet werden.
53 £$ ist indes äußerst fraglich, ob schon Saul dieses Recht beansprucht und erhalten hat.
In I Sam 22,7 ist nur von Lehensland und von Uffiziersposten für seine Gefolgsleute
die Rede; von Natural- oder gar Fiskaleinnahmen des saulidischen Staates verlautet
nirgendwo etwas. £rst bei Salomo tauchen konkrete Anzeichen auf, etwa, wenn er
phönizisches Know-how und Baumaterial mit Getreidelieferungen abgilt, I Reg 5,25.
54 A. Deem (»... and the stone sank into his forehead«. A Note on I Samuel XVII 49:
VT 28 [1978], 349—351) sieht in David nicht nur einen sehr treffsicheren, sondern
auch noch äußerst listigen — und dabei nicht ganz so blutigen — Schleuderschützen:
er habe nämlich gar nicht auf Goliats Stirn gezielt, sondern auf sein Knie, von dort sei
der Stein hinter die Beinschiene (was msh hier wie in ٧ . 6 bedeute) gerutscht, daraufhin
habe Goliat das Kniegelenk nicht mehr abbeugen können, sei gestolpert, gestürzt usw.
Gbwohl ihr £okkelman und Berges (a. a. 186 ,.‫ ه‬bzw. 243) darin gefolgt sind, wird
sich Deems These schon sprachlich, erst recht aber überlieferungsgeschichtlich nicht
halten lassen: V. 6 gehört zur einen, ٧ . 49 zur anderen Version; und ohne V 6 käme
niemand auf die Idee, msh in V. 49 for eine >Beinschiene< zu halten.
D ie Erzählungen von D avid und G oliat in 1 Sam 17 189

sehen Textes von I Sam 17. Der A utor bzw. Kom positor hat die beiden
£rzählungen vom siegreiehen Sehieudersoldaten und vom heldenhaften
H irtenjungen David zusammengesetzt. Dazu flocht er die £rzählstränge
ineinander, verknüpfte sie durch eine Reihe von Q uerverw eisen^ und
paßte die kom binierte D a i d ‫־‬G oliat‫־‬£rzählung in den größeren Kontext
der D ^d -S au l-G esch ich te ein. Dies geschah durch einige, sehr geschickt
gesetzte Klammern sowohl innerhalb als auch außerhalb von 1 Sam 17.
Sichtlich werden die Goliat- und die Salbungsgeschichte durch die paral-
lele £am ilienschilderung in 17,12 ff. und 16,6 ff. m iteinander verbun-
d e n ^ . Um zu erklären, wie David, der laut 116,14 ff. ja bereits zu Saul
gekom m en ist, in 1 17,12 ff. von Betlehem her neu zu Sauls H eer Stoßen
kann, setzt der R edaktor die simple £rklärung ein, David sei eben nicht
ständig bei Saul geblieben (17,15). Die Saul in 17,37 in den M und gelegte
M itseins-?orm el hat Leitw ortfunktion für die gesamte sog. Aufstiegs-
geschichte D av id s^. Laut 17,42 sieht G oliat einen Jüngling auf sich zu-
kom m en, der »rötlich« ist und von »schönem Aussehen«. Die Leserinnen
kennen diese Schilderung Davids bereits aus 16,12 und 16,28‫ ؛‬Goliat
aber sieht David das erste Mal — und ahnt nicht, daß er den Gesalbten
Jh w h ’s und einen glänzenden Gefolgsmann Sauls vor sich h a t58; so
»verachtet« er ihn‫ ؛‬eine folgenschwere £ehleinschätzungj In 1 Sam 21,10
w ird vom G esam tverfasser der D av id -S a ^-G e sc h ic h te ausdrücklich auf
1 Sam 17 rückverwiesen: Der © berpriester des Heiligtums in Nob bietet
(nach der alten £rzählung) David »das Schwert des Philisters Goliat« an
— und fügt (jetzt) hinzu: »den du im Terebintental erschlagen hast«59.
Auf diese Weise wird Davids Sieg über G oliat zu einem Meilenstein
an seinem Weg zum Thron. Der G esam terzähler hat aus den verschiede-
nen, ihm bekannten Überlieferungen über »David und Goliat« eine Art
Novelle geform t, in der bereits das Ganze des Aufstiegs Davids und des
Abstiegs Sauls in nuce angelegt ist. In großer Verdichtung kom m en in
I Sam 17 zentrale Anliegen des G schichtsschreibers zum Zuge, dem wir

55 Siehe oben Abschnitt 3.


56 Vermutlich hat der Gesamtverfasser 116 stark von 1 17 her gestaltet.
57 Vgl. 1 Sam 16, 1811 ;20,13 ;18,12.14.28 ‫ إ‬Sam 5,10 und dazu A. Weiser, Die Legitimation
des Königs David. Zur Eigenart und Entstehung der sogen. Geschichte von Davids
Aufstieg: VT 16 (1966), 325—354, bes. 334 f., sowie j. H. Gronbæk, Die Geschichte
vom Aufstieg Davids (1. Sam 15—2. Sam 5). Tradition und Komposition, 1971, 91.
58 Den Kompositor stört es also nicht nur nicht, sondern er unterstreicht es u d rücklich,
daß hier drei Geschichten nebeneinanderstehen, in denen David vorgestellt wird. Soll
man ihn doch ruhig aus verschiedenen Perspektiven betrachten!
59 Zu 'mq h ’lh vgl. 17,2.19; nkh Hif. ist geradezu Leitwort in 1 Sam 17 (vgl.
V 9.25.26.27.35.36.46.49.50.57). Nicht zufällig sind die Belege über beide Versionen
sowie die redaktionellen Zusätze in 1 Sam 17 gestreut.
190 Walter D ietrich

die biblische D arstellung der frühen Königszeit verd an k en ^: die Schilde-


rung der geschichtlichen Lage, aus der das Königtum hervogegangen
ist, die Beziehung der beiden ersten Könige Israels zueinander, vor allem
aber das W irken Gottes im dam aligen A bschnitt der Geschichte Israels.
G oliat verkörpert eindrücklich die tödliche B edrohung Israels durch
die ?hilister — und sein Tod und die Flucht des m it ihm ^ g e rü c k te n
Heeres die Erfahrung der Befreiung von diesem D ruck in der Davidszeit.
Saul, so signalisiert die Erzählung, operierte gegen diesen gefährlichen
Gegner glücklos. Vor G oliat befällt ihn lähm ende Angst (٧ 11); dabei
ist er, wie m an aus V. 38 f. erfährt, selber bestens bew affnet — annähernd
so gut, ja verdächtig ähnlich wie der P hilisterrecke^. D aß er allerdings
meint, David m it diesem Kriegszeug für den Stellvertreterkam pf ausrü-
sten zu sollen, spricht nur beim ersten H insehen für ihn, in W ahrheit
aber, wenn m an die Geschichte weiterliest, entschieden gegen ihn.
D am it ist die zentrale theologische Aussage der D avid-Goliat-Ge-
schichte berührt. In deren beiden ersten und den beiden letzten Szenen
beläßt es der G esam terzähler bei der theologischen Schweigsamkeit bzw.
Z rü c k h a ltu n g seiner Quellen. In der dritten und vierten Szene, just in
den Begegnungen Davids einerseits m it König Saul, andererseits mit dem
Fhilister G oliat, gibt er seinen theologischen Anliegen vollen Ausdruck:
Jbw b ist es, der seine H and schützend über David gehalten hat (V. 37);
für Jhw h ist David in den Kampf gezogen; Jh w h ’s Hilfe w ar ihm wichti-
ger als alle Waffen (٧ 45); daß Jhw h zu Israel hält: das sollte sein Sieg
über Goliat zeigen^ (٧ 46).
Davids Goliatsieg: nicht die Tat eines vorbildlichen Soldaten, auch
nicht der erste Schritt des jugendlichen Helden zu Erfolg und M acht,
sondern D e m o n stra tio n der V erläßlichkeit G ottes — im Leben Davids
wie im Leben Israels. Und David selber: weder M ilitär noch M ärchen-
prinz, sondern M ittel zum vom G ott gesetzten Zweck: der R ettung Isra-
eis. N icht nur die Gestalt, sondern auch der G ehalt der beiden älteren
Erzählungen von David und G oliat hat sich durch ihre Kom bination und
Erw eiterung zur jetzigen erheblich verändert63.

60 Daß diese — n^abene: vor-deutem^mistische — Geschichtsschreibung nieht nur die


sog. Aufstiegsgeschiehte Davids, sondern mindestens auch einen Teil der Saul- sowie
die überarbeitete Thronfolgegeschichte enthielt, also den Großteil der Samuelbücher
umlaßte, kann hier nur andeutend behauptet werden.
61 Vgl. die übereinstimmenden rüstungstechnischen Tchausdrücke in V. 5f. und V. 38:
qwb'nhst und srywn. Daß Saul groß war — vielleicht nicht so groß wie Goliat (٧. 4),
aber doch um Haupteslänge größer als normale heute —, weiß man aus 1 Sam 9,2 (vgl.
auch 10,23), daß er einen Spieß hatte wie Goliat (V. 6, hnyt), ist ohnehin sprichwörtlich
(vgl. 1 Sam 1 8 , 1 0 2 6 , 1 1 19,10 ‫ق ؛؛‬2 ‫ﺗﻢ‬ U.Ö.).
62 Übrigens nicht »aller Weh«, wie kl-h Ws gern übersetzt wird (z. B. in der ZB), sondern
»dem ganzen Land«, das ja zwischen den Philistern und Israel umstritten ist.
63 Seit A. Weiser (a.a.O.) ist die Meinung oft wiederholt und von P. K. McCarter (The
Apology of David: JBL 99 [1980], 489—504) aufgrund angeblicher altorientalischer
D ie Erzählungen von D avid und G oliat in I Sam 17 191

Es scheint, als sei diese überl‫؛‬e£erungs- bzw. theologiegeschichtliche


Entw icklung noch einen Schritt weiter gegangen. V. 4764 nennt als Ziel
des bevorstehenden Gohatsieges, »daß diese ganze Gemeinde erkenne,
daß Jbw b nicht durch Schwert und Spieß hilft‫ ؛‬denn Jh w h ’s ist der
Krieg«. Jetzt ist das Meer Israels zur »Gemeinde« (qhl) gew andelt, und
Jhw h hilft nicht mehr gegen Wa£fen (so V. 45), sondern ohne sie. Das
heißt, er hilft überhaupt nicht durch Krieg und im Krieg. H inter solchen
Einsichten steht eine lange, schwere Eeidensgeschichte des Volkes Israel
in zahllosen Kriegen — und bereits die prophetische Einsicht, daß Jhw h
sein Volk weder zum Führen von Kriegen braucht noch als Op£er von
Kriegen sehen w ill^ . Wir be£inden uns m it I Sam 17,47 etw a au£ der
H öhe von Ps 33 und Ps 145, d. h. in der Spätzeit des Alten Testam ents‫؛‬
und entgegen altem Vorurteil erreicht dieses, jeden£alls im vorliegenden
Eall, in dieser Zeit nicht einen Tieft, sondern seinen H öhepunkt.

Obgleich äußerst überlegt und sorgfältig gestaltet, ist die große Erzählung 1 Sam 17
nicht aus einem Guß. Schon die Übersetzer der Septuaginta spürten Risse im Text, als sie
eine entschieden gekürzte und auch mit dem Kontext leichter vereinbare Fassung schufen.
Die hebräische Version ist aus zwei ehedem selbständigen Erzählungen — einer vom Sieg
des unbekannten Schleudersoldaten und einer vom Sieg des Hirtenknaben David über Go-
Hat — zusammengesetzt. Der Kompilator hat starke theologische Akzente eingetragen, die
den blick vom Kampfesgeschehen auf das Gottesverhältnis lenken, an dem sich Wohl und
Wehe Israels entscheidet. Der Traditionsstoff vom Sieg über Goliat hat sich von 11 Sam
21,19 über 1 Sam 21,10 und die verschiedenen überlieferungsstufen von I Sam 17 bis zu
dem späten, geradezu pazifistischen Spitzensatz 17,47 entwickelt, wonach »]hwh nicht
durch Schwert und Spieß hilft«.

Parallelen noch holzschnittartig vergröbert worden, daß die sog. Aufstiegsgeschichte


als politische Eegitimierung des Weges Davids zur Macht geschrieben worden sei.
1 Sam 17 aber zeichnet David auf dem Weg weniger zur Macht als zum Dienst für Gott
und sein Volk. Königsideologische Dokumente pflegen im Alten Orient (und auch im
Alten Testament) anders auszusehen‫ ؛‬die Hirtenjungen-Version bietet vielleicht einen
schwachen Abglanz davon. Vgl. zu diesem und zu anderen Aspekten der Erforschung
von 1 Sam 17 wie der sog. Aufstiegsgeschichte im ganzen: w. Dietrich —T. Naumann,
Die Samuelbücher, EdF 287, 1995, 47—119, speziell 87—98.
64 Fokkelman, a.a.O ., 184, nennt den Vers »the most important line« des Kapitels und
ein »universal Statement«.
65 Vgl. G. V. Rad, Der Heilige Krieg im alten Israel, *1964, 50 ff. Dort auch das Urteil:
»Die Erzählung von Davids Kampf mit Goliath (1. Sam 17) ist ohne Frage das Glanz-
stück« in einer »Gruppe von vergeistigten Kriegserzählungen« (47‫ ؛‬Hervorhebung von
mir). Und speziell zu 17,45—47: »Hier drängt sich noch einmal fast die ganze Ideologie
des heiligen Kriegs zusammen. Aber wie tiefgreifend hat sich doch alles gewandelt!
Jetzt sind heiliger Krieg und der Gebrauch von Waffen Gegensätze, die sich überhaupt
ausschliessen« (48).
‫آلﻣﺂورلم؛‬

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