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26., 27., 28.

Januar 2019
Semperoper

6. SYMPHONIEKONZERT
Christian

THIELEMANN
Frank Peter

ZIMMERMANN
26., 27., 28. Januar 2019
Semperoper

6. SYMPHONIEKONZERT
Christian

THIELEMANN
Frank Peter

ZIMMERMANN

Dresden klingt und glänzt!


Kunst gehört zu den wichtigsten Kulturgütern
unserer Gesellschaft.
Wir freuen uns daher ganz besonders, als
Partner der Semperoper Dresden
Kunst und Kultur zu fördern und so einen
Beitrag leisten zu können.
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6. SYMPHONIEKONZERT PROGRAMM
S A M STAG SO N N TAG M O N TAG SE M PERO PER
2 6 .1.19 27.1.19 2 8 .1.19 D R E SD EN
19 U H R 11 U H R 20 UHR

Christian Thielemann Dirigent Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)


Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64
Frank Peter Zimmermann Violine 1. Allegro molto appassionato
2. Andante
3. Allegretto non troppo – Allegro molto vivace

PAU S E

Anton Bruckner (1824-1896)


Symphonie Nr. 2 c-Moll WAB 102
in der neuen Edition der Fassung 1877 von William Carragan
1. Moderato
2. Andante. Feierlich, etwas bewegt
3. Scherzo. Mäßig schnell – Trio. Gleiches Tempo
4. Finale. Mehr schnell

Abschluss Bruckner-Zyklus
Mit der zweiten Symphonie vollenden Chefdirigent Christian Thiele-
mann und die Staatskapelle ihren Bruckner-Zyklus, der auch auf DVD
dokumentiert ist. Bereits in der letzten Saison zeigten sich Künstler
wie Publikum von der ersten Symphonie des spätberufenen Symphoni-
kers beeindruckt. Mit 47 Jahren begann Anton Bruckner die Arbeit an
seiner zweiten Symphonie, die bei ihrer Wiener Uraufführung einen
großen Erfolg feierte. Capell-Virtuos Frank Peter Zimmermann inter-
pretiert zudem das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Kostenlose Konzerteinführungen jeweils 45 Minuten


vor Beginn im Opernkeller der Semperoper

2 3 6. SYMPHONIEKONZERT
Christian Thielemann
C H E F D I R I G E N T D E R S Ä C H S I S C H E N S TA AT S K A P E L L E D R E S D E N

D
ie Saison 2018 / 2019 ist Christian Thielemanns siebte Spiel-
zeit als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden.
Über Stationen an der Deutschen Oper Berlin, Gelsenkirchen,
Karlsruhe, Hannover und Düsseldorf kam er 1988 als Gene-
ralmusikdirektor nach Nürnberg. 1997 kehrte der gebürtige
Berliner in seine Heimatstadt als Generalmusikdirektor der Deutschen
Oper Berlin zurück, bevor er das gleiche Amt von 2004 bis 2011 bei den
Münchner Philharmonikern innehatte. Neben seiner Dresdner Chefpo-
sition ist er seit 2013 Künstlerischer Leiter der Osterfestspiele Salzburg,
deren Residenzorchester die Staatskapelle ist. Intensiv widmete er sich
den Komponistenjubilaren Wagner und Strauss. Aber auch Werke von
Bach und Henze, Rihm und Gubaidulina dirigierte er am Pult der Staats-
kapelle Dresden. Zudem leitete er Neuproduktionen u. a. von »Manon
Lescaut«, »Elektra« und »Der Freischütz«. Bei den Osterfestspielen Salz-
burg dirigierte er u. a. »Parsifal«, »Arabella«, »Otello«, »Die Walküre« und
»Tosca«. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit den Berliner und
Wiener Philharmonikern sowie mit den Bayreuther Festspielen, die er
seit seinem Debüt im Sommer 2000 (»Die Meistersinger von Nürnberg«)
alljährlich durch maßstabsetzende Interpretationen prägt. Von 2010 an
war er musikalischer Berater auf dem »Grünen Hügel«, im Jahr 2015
wurde er zum Musikdirektor der Festspiele ernannt. Im Zuge seiner viel-
fältigen Konzerttätigkeit folgte er Einladungen der großen Orchester in
Amsterdam, London, New York, Chicago und Philadelphia und gastierte
außerdem in Israel, Japan und China. Erst kürzlich dirigierte er die
Wiener Philharmoniker in ihrem traditionellen Neujahrskonzert.
Christian Thielemanns Diskographie als Exklusivkünstler der
UNITEL ist umfangreich. Zu seinen jüngsten Einspielungen mit der
Staatskapelle zählen u. a. die Aufnahmen der Symphonien Nr. 3, 4 und 1
von Anton Bruckner sowie die Symphonien und Solokonzerte von
Johannes Brahms. Mit den Wiener Philharmonikern legte er eine Gesamt-
einspielung der Symphonien Beethovens vor. Er ist Ehrenmitglied der
Royal Academy of Music in London sowie Ehrendoktor der Hochschule
für Musik »Franz Liszt« Weimar und der Katholischen Universität Leuven
(Belgien). 2015 erhielt er den Richard-Wagner-Preis der Richard-Wagner-
Gesellschaft der Stadt Leipzig. 2017 wurde sein Vertrag als Chef­dirigent
der Staatskapelle Dresden bis 2024 verlängert.

4 5 6. SYMPHONIEKONZERT
Frank Peter Zimmermann
C A PELL-V IRT U OS D ER
S Ä C H S I S C H E N S TA AT S K A P E L L E D R E S D E N 2 0 1 8 | 2 0 1 9

F
rank Peter Zimmermann zählt zu den bedeutendsten Geigern
unserer Zeit. Geboren 1965 in Duisburg, begann er als Fünf-
jähriger mit dem Geigenspiel und gab bereits im Alter von
zehn Jahren sein erstes Konzert mit Orchester. Nach Studien
bei Valery Gradow, Saschko Gawriloff und Herman Krebbers
setzte 1983 sein kontinuierlicher beruflicher Aufstieg ein. Frank Peter
Zimmermann gastiert bei allen wichtigen Festivals und musiziert mit
großen Orchestern und renommierten Dirigenten weltweit. Mehrfach
trat er auch mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden auf.
Sein Repertoire reicht vom Barock bis in die Gegenwart. Allein
vier Violinkonzerte hat er in den vergangenen Jahren zur Urauffüh-
rung gebracht: 2015 das zweite Violinkonzert von Magnus Lindberg,
2009 »Juggler in Paradise« von Augusta Read Thomas, 2007 »The
Lost Art of Letter Writing« von Brett Dean und 2003 »en sourdine«
von Matthias Pintscher. Neben seinen zahlreichen Orchesterengage-
ments ist Frank Peter Zimmermann auch als Kammermusiker auf den
bedeutenden Podien der Welt zu hören. Gemeinsam mit dem Brat-
schisten Antoine Tamestit und dem Cellisten Christian Poltéra grün-
dete er das Trio Zimmermann. Konzerte führen das Ensemble u. a.
nach Amsterdam, Brüssel, Köln, London, Lyon, Mailand, München,
Paris und Wien sowie zu den Salzburger Festspielen, dem Edinburgh
Festival, dem Schleswig-Holstein Musik Festival und dem Rheingau
Musik Festival. Bisher veröffentlichte das Trio Aufnahmen mit Werken
von Beethoven, Mozart und Schubert.
Frank Peter Zimmermann erhielt zahlreiche Preise und
Ehrungen, darunter den Premio del Accademia Musicale Chigiana
in Siena (1990), den Rheinischen Kulturpreis (1994), den Musikpreis
der Stadt Duisburg (2002), das Bundesverdienstkreuz (2008) sowie
den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau (2010). Zudem nahm er
nahezu alle großen Violinkonzerte von Bach bis Ligeti sowie zahlreiche
Kammermusikwerke auf. Seine Aufnahmen wurden weltweit mit renom-
mierten Preisen ausgezeichnet. Frank Peter Zimmermann spielt die
Violine 1711 »Lady Inchiquin« von Antonio Stradivari, die ihm von der
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, »Kunst im Landes­
besitz« überlassen wird.

6 7 6. SYMPHONIEKONZERT
Felix Mendelssohn Bartholdy »… DASS SICH DIE ENGEL
* 3. Februar 1809 in Hamburg IM HIMMEL FREUN«
† 4. November 1847 in Leipzig Mendelssohns Violinkonzert e-Moll

Konzert für Violine und Orchester


e-Moll op. 64
1. Allegro molto appassionato

D
2. Andante er große Geiger Joseph Joachim soll anlässlich seines
3. Allegretto non troppo – Allegro molto vivace 75. Geburtstages im Juni 1906 gesagt haben: »Die Deutschen
haben vier Violinkonzerte. Das größte, konzessionsloseste
stammt von Beethoven. Das von Brahms, in seinem Ernst,
eifert Beethoven nach. Das reichste, das bezauberndste
schrieb Max Bruch. Das innigste aber, das Herzensjuwel, stammt
von Mendelssohn.« Joachim bezieht sich auf Mendelssohns e-Moll-
Violinkonzert, das zu dessen bekanntesten Schöpfungen zählt, beliebt
bei Publikum und Virtuosen gleichermaßen. Sein Ideenreichtum, seine
Natürlichkeit und Eleganz sichern ihm den Rang eines Meisterwerks,
das zwischen den gewichtigen Meilensteinen von Beethoven, Bruch
und Brahms einen eigenständigen Beitrag für die Gattung liefert. Das
Konzert ist für Mendelssohns engen Freund, den Geiger Ferdinand
David geschrieben, der dem Komponisten bereits seit Kindertagen
verbunden ist. Der sechzehnjährige Felix hat den um ein Jahr jüngeren
Ferdinand in Berlin kennengelernt, wo das junge geigerische Genie,
Sohn eines Hamburger Kaufmanns, gerade auf Konzertreise ist. Einige
Jahre später, Mendelssohn ist inzwischen zum Musikdirektor in Leipzig
aufgestiegen, holt er den Freund als Konzertmeister zum Gewandhaus-
orchester und ermöglicht ihm, als Geiger am dortigen Konservatorium
zu unterrichten. 1838 vertraut er David an, »daß es doch nicht viel solche
ENTSTEHUNG BESETZUNG Musiker gibt, wie Du bist, und daß ich mir am Ende doch keinen zweiten
zwischen 1838 und 1844 Violine solo; 2 Flöten, ausdenken könnte, mit dem ich so einig wäre in der Kunst«. Beide stehen
in Leipzig und Bad Soden 2 Oboen, 2 Klarinetten, in regem Briefkontakt. Im Juli 1838 kündigt Mendelssohn gegenüber
2 Fagotte, 2 Hörner, David an: »Ich möchte Dir wohl auch ein Violin Concert machen für
U R AU F F Ü H R U N G 2 Trompeten, Pauken, nächsten Winter; eins in e moll steckt mir im Kopfe, dessen Anfang mir
am 13. März 1845 im Leipziger Streicher keine Ruhe läßt.« Im August antwortet ihm der Freund: »Aber wenn Du
Gewandhaus (Solist: Ferdinand ein Conzert für die Geige in e moll schreibst (was natürlich die leise
David, Gewandhausorchester, DAU ER Hoffnung auf einiges e dur in mir erwect), so bist Du der him– lischste
Dirigent: Niels W. Gade) ca. 30 Minuten Mensch, ich verspreche Dir es so einzuüben, daß sich die Engel im
Himmel freun sollen.« Vor allem aber schwelgt David in der Aussicht

8 9 6. SYMPHONIEKONZERT
auf eine Erweiterung seines Repertoires. Eine begrenzte Anzahl spiel-
barer Werke veranlasst ihn oftmals selbst, zur Feder zu greifen, was
meist darin gipfelt, die eigene Bravour in den Vordergrund zu stellen.
Im Juli 1839 klagt er Mendelssohn: »Ich lebe hier jetzt ganz einsam …
und ich komponire in der Verzweiflung Conzerte u. Variationen, komme
aber noch mit nichts recht in den Zug. Besonders kann ich mit der Form
eines Conzerts nicht ins Reine kommen; in 3 Sätzen mag ich keins
schreiben (vielleicht weil ichs nicht kann) u. bei denen in einem Satze
befriedigt mich die Form des ersten Stücks nicht … Ich möchte jetzt so
gerne einmal wieder etwas Neues von Jemand Andrem spielen aber es
ist ein wahrer Jammer daß auch nicht ein vernünftiges Stück erscheint.
Erbarme Du Dich doch u. schreibe ein Violinkonzert, Du hast ja den
Klavierspielern Orchestern Chören Klarinetten u. Bassetthörnern schon
so manches Liebe erzeigt. Thu auch einmal etwas für uns, besonders
für mich; Du bist der rechte Mann dazu, es kostet Dich 14 Tage u. Du
erntest eine ewige Dankbarkeit; aber thu es bald ehe meine Finger steif
werden und der springende Bogen das Podagra [schmerzhafte Gelenk­
erkrankung] bekommt.« Mendelssohn zeigt sich über die unumwundene
Wiederholung des Anliegens angespornt: »Das ist gar zu hübsch vor
Dir, daß Du mich zu einem Violin Concert stempeln willst; ich habe die
allergrößte Lust Dir eins zu machen, und wenn ich ein Paar gutgelaunte
Tage hier habe, so bringe ich Dir etwas der Art mit. Aber leicht ist die
Aufgabe freilich nicht; brillant willst Du’s haben, und wie fängt unser
einer das an? Das ganze erste Solo soll aus dem hohen e bestehn.« In
einigen Details scheint das Werk also schon vorzuliegen, noch in der
zweiten Hälfte des Jahres 1839 arbeitet Mendelssohn motiviert daran
weiter. Doch zu einer tatsächlichen Niederschrift kommt es nicht. Erst
nach vier Jahren nimmt er die Arbeit am Violinkonzert wieder auf,
nachdem ihn David erneut bezüglich einer Ausfertigung in den Ohren
gelegen hat: »Sie [sic!] erwerben sich dadurch den Dank der ganzen civi-
lisirten Violin=Welt die Ihnen ja schon durch Ihre lang gehegte Absicht Felix Mendelssohn Bartholdy, Gemälde von Theodor Hildebrandt, 1835
ein Violin Concert zu komponieren zu ewigem Dank verpflichtet zu sein
beabsichtigt.« Der spöttische Ton entspricht der Situation. Schließlich
ist es soweit: Laut eines Partitureintrags beendet Mendelssohn das
Natürlichkeit und Innigkeit des Gefühls
Violinkonzert am 16. September 1844 während eines dreimonatigen
Aufenthalts in Bad Soden am Taunus, wo die Familie des Komponisten Im zielstrebigen Aufschwingen der Violine könnte zu Beginn des Werks
1844 / 1845 eine Sommervilla bewohnt. Nicht selten spazieren Mendels- leicht der Eindruck entstehen, das Thema sei Mendelssohns Eingebungs-
sohn und seine Gattin Cécile, die aus einer Frankfurter Familie stammt, kraft wie aus einem Guss entsprungen. Dabei belegen frühe Entwürfe,
zu dem bekannten Ausblick bei den »Drei Linden« in Neuenhain, wo dass er den Anfang mehrfach überarbeitet hat. Lange ist er damit
später auch Tschaikowsky und Wagner die sanften Züge des Taunus beschäftigt, die melodischen und rhythmischen Konturen zu schärfen,
genießen. (In Bad Soden wird Richard Wagner 1860 die erste Nacht auf um schließlich aus der ursprünglichen Idee das in sich stimmige Haupt-
deutschem Boden nach seiner Verbannung aus Sachsen verbringen.) thema in den Händen zu halten, von dem wir meinen, es sei eines jener

10 11 6. SYMPHONIEKONZERT
sohn auch in seiner 1842 uraufgeführten »Schottischen Symphonie«
anwendet, in deren Partitur er vermerkt: »Die einzelnen Sätze dieser
Symphonie müssen gleich aufeinander folgen, und nicht durch die sonst
gewöhnlichen längeren Unterbrechungen voneinander getrennt werden.«
Vermutlich beabsichtigt er, den damals nicht unüblichen Applaus
zwischen den Sätzen von vornherein abzuwehren. Auch das wiegende
Andante, in dreiteiliger Liedform, geht ohne Pause in den Finalsatz über.
Die vierzehntaktige Überleitung (Allegretto non troppo) präsentiert dabei
ein eigenständiges, traumverhangenes Zwischenlied, das mit seinem
nordisch-volkstümlich Ton über die Grenzen des Singens hinauszutreten
scheint und den Gestus eines Sprechens annimmt. Kunstvoll verwebt
Mendelssohn hier die Ebenen. Durchsichtig, umweht von einem zarten
Hauch, verwandelt sich die Geige in eine beseelte Stimme, bevor ein
lebhaftes Rondo (Allegro molto vivace) das Werk beschließt. Seine wie
hingetupft wirkende, geradezu hinhuschende Leichtigkeit scheint die
Sphäre der Elfen zu beschwören. Einzelne repräsentative Aufschwünge
im Orchester erinnern zudem an die Welt Oberons und Titanias – auch
hier ein Spiel der unterschiedlichen Ebenen und Charaktere, zusammen-
gehalten von einem wirbelnden Dahintreiben in heiteren Gefilden.
Beginn des ersten Satzes, Seite aus der handschriftlichen Partitur von 1844 Am 13. März 1845 wird das Werk in Leipzig zum ersten Mal
aufgeführt. Solist ist Ferdinand David, der davon spricht, dass es »ganz
außerordentlich gefallen« habe. Nach der umjubelten Uraufführung
Themen, das schon ewig zuvor existierte, lange bevor es der Komponist bemerkt der anwesende Robert Schumann gegenüber dem beglückten
für uns hörbar gemacht hat. Unprätentiös ist der Beginn des ersten Geiger: »Siehst du, da hast du jetzt das Konzert gespielt, das du eigent-
Satzes auch in formaler Hinsicht. Während der Kopfsatz eines damaligen lich immer schreiben wolltest.« Nur wenige Monate später kommt es
Konzerts üblicherweise mit einer zweifachen Exposition beginnt, also am 23. Oktober 1845 zum ersten Mal in Dresden zur Aufführung. In
die Themen erst vom Orchester gespielt werden, bevor der Solist sie dann der von Schumann organisierten und von Ferdinand Hiller dirigierten
nochmals vorträgt, verzichtet Mendelssohn hier auf das »erste Tutti«, Konzertreihe soll eigentlich Schumanns Klavierkonzert uraufgeführt
was kurz nach der Uraufführung schon vom Rezensenten der Neuen Zeit- werden; da Clara Schumann aber erkrankt und Ferdinand David zeitlich
schrift für Musik bemerkt wird. Gleich im zweiten Takt stellt der Solist das verhindert ist, schickt dieser einen seiner Konservatoriumsschüler – den
Hauptthema vor. Den Eintritt zum ruhigeren zweiten Thema überlässt damals 14-jährigen Joseph Joachim, der mit der gefeierten Aufführung
die Solovioline zunächst den Klarinetten und Flöten und begnügt sich nicht nur sein denkwürdiges Debüt in Dresden gibt, sondern auch den
mit einem Orgelpunkt auf der leeren G-Saite. Ungewöhnlich ist auch die Grundstein für seine außerordentliche Karriere legt. Später schreibt
Stellung der auskomponierten Solokadenz. Mendelssohn rückt sie von Joachim über die unmittelbare Zeit nach seinem Dresdner Einstand:
ihrem angestammten Platz nach der Reprise in die Mitte des Satzes. »Als Sechzehnjähriger hatte ich wiederholt das Glück, dieses Konzert
Sobald an ihrem Ende das Orchester das Anfangsthema intoniert, verän- vom Komponisten begleitet zu spielen, dessen Intentionen mir somit
dern die Arpeggien in der Violine ihre virtuose Funktion und avancieren genau vertraut sind, da er es an gelegentlicher Kritik nicht fehlen ließ.«
zu Begleitfiguren des einsetzenden Themas. Eine weitere Besonderheit Somit ist Mendelssohns e-Moll-Violinkonzert eng verwoben mit dem
zeigt sich am Ende des Kopfsatzes, wenn das Fagott seinen Ton nach dem Werdegang zweier herausragender Geiger, die jeder auf seine Weise
Schlussakkord in der Quinte weiterklingen lässt und damit die Spannung dazu beigetragen haben, dass das Werk schon früh einen festen Platz im
aufrechterhält, oder besser gesagt in der Schwebe hält. Unmittelbar Konzertrepertoire einnimmt.
geht der erste Satz �����������������������������������������������
über ������������������������������������������
in den zweiten – ein Prinzip, das Mendels-  ANDRÉ PODSCHUN

12 13 6. SYMPHONIEKONZERT
Anton Bruckner SYMPHONISCHE STRÖME
* 4. September 1824 in Ansfelden Bruckners zweite Symphonie
† 11. Oktober 1896 in Wien

Symphonie Nr. 2 c-Moll WAB 102


in der neuen Edition der Fassung 1877 von William Carragan

1. Moderato
2. Andante. Feierlich, etwas bewegt
3. Scherzo. Mäßig schnell – Trio. Gleiches Tempo
4. Finale. Mehr schnell

B
ruckners Schwanken zwischen Vollendung und Verunsiche-
rung ist legendär. Es scheint, als flüchtete er nachgerade in
den Zwiespalt, um dem Eigengewicht seiner Symphonien
größeren Nachdruck zu verleihen. Dabei unterstreicht sein
Bekenntnis zu umfassender Weiträumigkeit seinen monu-
ENTSTEHUNG BESETZUNG mentalen Anspruch. Dass eine Ausweitung insbesondere des zeitlichen
zwischen Anfang Oktober 1871 2 Flöten, 2 Oboen, Empfindens bei Bruckners Zeitgenossen jedoch kaum verfängt, trägt
und 11. September 1872; 2 Klarinetten, 2 Fagotte, nur wenig zu einer Minderung seiner Verunsicherung bei – die zahl-
Umarbeitungen 1873 und 1876, 4 Hörner, 2 Trompeten, reichen Fassungen der meisten seiner Symphonien scheinen dies zu
Revision 1877 (mit Änderungen 3 Posaunen, Pauken, bestätigen. Das Verständnis für seine Werke wächst nur langsam. Gereizt
1892 gedruckt) Streicher schreibt Clara Schumann an Johannes Brahms über eine Symphonie von
Fassungen: 1872 (1. Fassung); Bruckner: »Das ist ja ein greuliches Stück, nichts wie Fetzen aneinander
1877 (2. Fassung): 1892 (Druck- DAU ER gereiht und viel Bombast; dazu nun noch von unverschämter Länge.«
fassung) ca. 55 Minuten Demgegenüber wertet Bruckner die Symphonien ihres Mannes Robert
Schumann als »Sinfonietten«, womit er ihnen abspricht, vollwertige
U R AU F F Ü H R U N G Exemplare der Gattung zu sein. In der Regel dauern seine Sympho-
erste öffentliche Aufführung nien doppelt so lang wie jene Schumanns. Unterstellt man damaligen
am 26. Oktober 1873 mit dem Symphonien, dass sie sich vor allem an ein bürgerliches, vorrangig städ-
Orchester der Philharmoni­ tisches Publikum wenden, deutet Bruckners Befangenheit namentlich
schen Konzerte in Wien unter in seinen ersten Wiener Jahren auf eine eher ländliche Prägung, die oft
Bruckners Leitung; in Zusammenhang mit seiner Erziehung im Stift St. Florian gebracht
Uraufführung der 2. Fassung wird. Das Bruckner häufig nachgesagte unbeholfene Auftreten verdeckt
am 20. Februar 1876 in Wien indes seinen nicht geringen Erfolg. Mit der Übersiedelung nach Wien im
unter Leitung des Komponisten Oktober 1868 nimmt er seine Unterrichtstätigkeit am dortigen Konser-
vatorium der Gesellschaft der Musikfreunde auf, wenig später wird ihm

14 15 6. SYMPHONIEKONZERT
ein Jahresstipendium des Kultusministeriums »zur Herstellung größerer
symphonischer Werke« von 500 Gulden gewährt. Im Frühjahr 1869
unternimmt er Orgel-Konzertreisen nach Nancy und Paris, wird Ehren-
mitglied oberösterreichischer Liedertafeln. Mit großem Triumph gibt
er im Sommer des Jahres 1871 Orgelkonzerte in der Royal Albert Hall
sowie im Crystal Palace in London. Er spielt Werke von Bach, Händel und
Mendelssohn, zudem steuert er eigene Improvisationen bei. Als er nach
Wien zurückkehrt, muss er allerdings eine unerfreuliche Bekanntschaft
mit dem intrigenreichen Pflaster der Donaumetropole machen. Wegen
einer angeblich unsittlichen Annäherung an eine Schülerin sieht er sich
Anfang Oktober einem Disziplinarverfahren ausgesetzt, das ihn, den
Sensiblen, hochgradig verstört. Auch wenn er später in der sogenannten
St.-Anna-Affäre rehabilitiert wird, fühlt er sich möglicherweise neuerlich
bestätigt, dass er »von Wien anfangs ganz zusammengeschreckt« sei.
Seine Erschütterung hat freilich keine vordergründigen Folgen für seine
Produktivität. Scheinbar unbeirrt beginnt er die Arbeit an einer neuen
Symphonie, die später als seine zweite zählen wird. Verpflichtungen
halten ihn zunächst an der Fortführung der begonnenen Komposition ab,
bevor er im Sommer 1872 ohne Unterbrechung das Werk während eines
Aufenthaltes in St. Florian fertigstellt. Zu mehr als einer Durchspielprobe
bei den Wiener Philharmonikern kommt es indes nicht. Das Werk fällt
durch, wird als »unspielbar« abgetan. Das Wort vom »Unsinn« macht die
Runde. Bruckners Bitte, die Zweite selbst dirigieren zu dürfen, mündet
in blankes Unverständnis. Man rät ihm, das Werk zu kürzen. »Das tat
ich auch«, erinnert er sich, »jedoch 20 bis 40 Takte waren ihnen viel zu
wenig.« Im Zuge der Weltausstellung 1873 in Wien, die den Fortschritt
feiert, mietet Bruckner mit finanzieller Hilfe des Fürsten von Liechten-
stein die Philharmoniker und bringt das Werk anlässlich der Schlussfeier
der Weltschau am 26. Oktober 1873 zu einer umjubelten Aufführung.
Doch fühlt er sich nach zahlreichen Pressebesprechungen veranlasst,
die Zweite partiell umzuarbeiten. Nach einer weiteren Aufführung im
Februar 1876 in Wien wird die Symphonie nun einer größeren Durchsicht
unterzogen. Diese mit mehr Sorgfalt erarbeitete Fassung gelangt jedoch
vor Drucklegung des Werks 1892 nicht zur Aufführung und wird anläss-
lich des Drucks erneut korrigiert. Die knappe Schilderung vermag ledig-
lich erste Einblicke in die verwickelte Fassungsfrage zu geben.

Symphonische »Weitenwirkung«
Wie auch immer die einzelnen Stationen der Ausarbeitung ausfallen,
Bruckners Zweite fasziniert durch ihre lyrische Schönheit und durchsich-
Anton Bruckner, um 1880 tige Form. Der neue Bearbeiter der Fassung von 1877 William Carragan

16 17 6. SYMPHONIEKONZERT
spricht gar von einer »ernsten, nie schwerfälligen ›Majestät‹«, die das
Werk durchwalte. Dabei deutet sich ein Formelement an, das in Bruck-
ners Symphonik größere Bedeutung erlangt. Ernst Kurth prägt dafür das
Bild einer »Kraftwelle als dynamischem Einheitsvorgang symphonischen
Gestaltens«. Kurth, der für Bruckners Symphonien eine ausgesprochen
plastische Sprache hegt, formuliert 1925: »Bruckner entströmt alles
Formen, vom Erstansatz bis zu seinen symphonischen Riesenwogen,
als ein Werden, Schwellen und Vergehen in der Unmittelbarkeit seines
Weltgefühls. Daher überall das Naturereignis eines beispiellos starken
Seelenatems, wie er durch die wehende Stofflosigkeit der Töne streicht;
Grundvorgänge sind die musikalische Kraftanstrengung, ihre Verdich-
tung, Zusammenballung, Auslösung und verstreichende Wiederlö-
sung.« Damit ist viel über Bruckners Verständnis seiner Werke gesagt –
aufbauend auf ein ahnungsvolles, gleichwohl unmittelbares Wehen,
wenn auch die Zweite im Vergleich zur »kecken« ersten Symphonie
gebändigter, klassizistischer erscheint (Wagner soll sie einigermaßen
»zahm« vorgekommen sein). Wie in den meisten seiner Symphonien setzt
in der Zweiten ebenso ein geheimnisvolles Flirren ein: am Anfang steht
eine raumschaffende Imagination. Nicht laut, fordert Bruckner dennoch
in den Violinen und Bratschen einen markierten, nachdrücklichen
Klang, der über reine Klangfächenbeschreibung hinausgeht. In den Celli
schält sich die Kontur des ersten Themas heraus, beantwortet von einem
fallenden c-Moll-Dreiklang in den Hörnern, der die Statik des Beginns
zu festigen scheint. Chromatisch aufgeladen, birgt der zaudernde Tonfall
des Themas dennoch einen drängenden, vorwärtstreibenden Impuls.
Mit den später einsetzenden Trompetensignalen öffnet sich eine weitere
Ebene, die im Scherzo, mehr noch im Finale ausführlicher hörbar wird
und bereits hier Bruckners Prinzip der »Weitenwirkung« (Ernst Kurth)
ankündigt. Der zweite Themenkomplex mit einer wiederum in den Celli
eingewobenen Gesangsmelodie wächst aus einem ländlerartigen Ton
hervor. Die anfängliche Begleitfigur der zweiten Violinen avanciert dabei
zusehends zu einer Art Gegenmelodie. Nachdem Bruckner erste Anläufe
der Verdichtung unternommen hat, findet er im dritten Themenkomplex Beginn des zweiten Satzes, Autographseite (Fassung 1877)
wieder zu einer eingängigen, mustergültigen Aufteilung. Über dem
rhythmischen Ostinato in den unisono geführten Streichern intoniert er
in den Holzbläsern, ebenso unisono, eine archaisch anmutende Linie. Symphonie ist schon früh nachgesagt worden, sie sei eine »Pausensym-
Struktur, so hat man den Eindruck, waltet hier vor allem vor – wie über- phonie«. Dabei sind die zahlreichen Pausen für Bruckner nicht nur Mittel
haupt die gesamte Exposition von dem Willen einer klaren Gestaltung der Orientierung, um rein äußerlich einen höheren Grad an Verständlich-
getragen ist, die namentlich eine Arbeit mit Schichten erkennen lässt. Der keit und Übersicht zu erreichen, sondern mindestens ebenso Ausdruck
Beginn der Durchführung steht zunächst unter langsameren Vorzeichen, eines »Denkens in Schüben, in Energiewellen« (Bernhard Rzehulka). In
ermöglicht dadurch allerdings einen neuen energetischen, sich verdich- den Pausen strömt die Musik weiter, schöpft sie gleichsam Atem für neue
tenden Aufbau. Die Reprise ist nach einer Generalpause erreicht. Der Bögen und Verlaufskurven.

18 19 6. SYMPHONIEKONZERT
Der zweite Satz, in der ersten Fassung noch an dritter Stelle stehend,
entführt den Hörer in ein weihevolles Umfeld. Vorwiegend mystisch-
hymnischer Natur, trägt das Andante zum ersten Mal in Bruckners
Symphonik die für sie maßgebliche Bezeichnung »feierlich«. Der Begriff
suggeriert einen gesteigerten, qualitativ veränderten Anspruch mit
Zuschreibungen des Bedeutungsvollen und Nachdrücklichen. Rondohaft
angelegt, wird der religiöse Charakter des Andante von einem choralar-
tigen Gestus bestimmt. Nicht zufällig zitiert Bruckner zweimal aus dem
Benedictus seiner f-Moll-Messe. Das erste Mal deutet er das Thema ledig-
lich an, um es beim zweiten Mal (am Anfang der Coda) wörtlich einzu-
fügen. Bruckner soll es als Dank für die Erlösung aus geistigem Tode
verwendet haben. Noch im hohen Alter entsinnt er sich, dass ihm die
Melodie am Weihnachtsabend 1867 nach brünstiger Andacht eingegeben
worden sei und er sich so, dem Irrsinn nahe, wiedergefunden habe. Trifft
das zu, könnte man sagen, das Zitat stehe für erneuerte Schaffenskraft.
Es heißt, Bruckner habe den langsamen Satz am 19. Juli 1872 beendet.
Kurz vorher, am 16. Juni, hat er die f-Moll-Messe in der Wiener Augusti-
nerkirche mit dem Hofopernorchester aufgeführt. Dass er aus dem Werk
zitiert, mag auch daran liegen, dass die Messe wieder in sein Bewusst-
sein gedrungen ist. Die zusätzliche Hereinnahme der sogenannten Mari-
enkadenz verstärkt die sakrale Aura. Bruckner destilliert die Kadenz aus
seinem vierstimmigen »Ave Maria« WAB 5, wo auf das gleichzeitig gesun-
gene Wort »Maria« eine oft verwendete, aus dem kirchenmusikalischen
Repertoire der frühen Wiener Klassik stammende Schlusswendung zum
Klingen kommt – eine kadenzierte Form, bei der der Schluss auf plagaler
Basis im vierteiligen Achtel- oder Sechzehntelnachgang erreicht wird.
Vielleicht ist es überzogen, daran zu erinnern, dass Bruckners Schwester
ebenfalls den Namen Maria getragen hat, obgleich sie zu ihren Lebzeiten
Nani genannt wird. Maria Anna, so ihr vollständiger Name, führt ihrem
Bruder in Linz, später in Wien, den Haushalt, bevor sie Anfang 1870,
anderthalb Jahre vor Beginn der Arbeit an der zweiten Symphonie, in
Bruckners Wohnung verstirbt. Möglicherweise dient die Marienkadenz
dem tiefgläubigen Bruckner gleichermaßen als Ausdruck enger familiärer
Verbundenheit; beginnend mit der Zweiten spielt die Wendung in seinen
späteren langsamen Sätzen eine oft vernehmbare Rolle.

Spiel unversöhnlicher Gestalten und Charaktere


Der Einbruch des Diesseitigen beendet im Scherzo abrupt die Schwebe-
stimmung seines Vorgängersatzes. Mit zackiger Verve reißt er aus dem
Konzertzettel der Königl. musikalischen Kapelle vom 1. Dezember 1916. Gefühl inniger Weltverschmelzung. Das Prinzip der Attacke wird im Trio-
Erstmalig steht Bruckners zweite Symphonie auf dem Programm. Teil zunächst ländlich-freundlich abgemildert, um aus der klanglichen

20 21 6. SYMPHONIEKONZERT
Beschaulichkeit einen weitreichenden Kontrast für den wiederholten
Anfangsteil des Scherzos zu gewinnen. Wie um den kompakten Anfang
des dritten Satzes auszugleichen, beginnt das Finale vergleichsweise

EUROPA
unbestimmt. Bruckner setzt das Hauptthema aus dem ersten Satz fort.
Ebenso weist das beschwingte zweite Thema Ähnlichkeiten zum entspre-
chenden Thema aus dem Kopfsatz auf. Als Sonatensatz mit eingestreuten
Rondo-Elementen komponiert, besteht das Finale aus drei Themenkom-
plexen. Was der erste Satz in seiner Dimension abgesteckt hat, obliegt
ihm nun einzulösen. Bruckner spitzt zu und treibt das Geschehen in

TOURNEE
Eruptionen, die plötzlich abbrechen – ein Spiel unversöhnlicher Gestalten
und Charaktere. Beispielhaft für dieses Vorgehen ist der Umschlag auf
dem Höhepunkt einer Steigerungswelle im dreifachen forte, dominiert
im ohnehin vollbesetzten Orchester von den Blechbläsern. Nachdem
die Kraft der Welle ihren Zenit überschritten hat, setzt eine dreitaktige
Generalpause ein, nach der die Streicher sempre pianissimo das Eleison
aus dem Kyrie der f-Moll-Messe intonieren. Später, am Ende der Reprise, 30. und 31. Januar 2019 | 19.30 Uhr
kommt dieses Zitat wieder. Überdies werden die Trompetensignale, die im Musikverein Wien
ersten Satz vereinzelte Anklänge fanden, im Finale zunehmend integriert.
2. Februar 2019 | 18 Uhr
Ausgeweitet auf den gesamten Bläserapparat, dominieren sie den Schluss-
Festspielhaus Baden-Baden
block. Bruckner, der am Ende seiner Symphonie kompositorisch an ihre
Anfänge zurückbindet, drängt auf größere Stringenz im symphonischen 4. Februar 2019 | 20 Uhr
Grundriss. Auch hier, im Strukturellen, geht es ihm um Fasslichkeit, was Alte Oper, Frankfurt
ihm das Wiener Publikum in der Aufführung vom Oktober 1873 auch zu 6. Februar 2019 | 20 Uhr
honorieren scheint. Zumindest spricht Ludwig Speidel im Fremdenblatt Elbphilharmonie, Hamburg
von einem »Beifall, der an Enthusiasmus grenzte«. Als die Königliche
Kapelle, später umbenannt in Staatskapelle Dresden, Bruckners zweite Werke von Carl Maria von Weber,
Symphonie am 1. Dezember 1916 zum ersten Mal aufführt, beobachtet Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann
der Rezensent des Dresdner Anzeigers »Schmerz, Ergebenheit, gläubige und Anton Bruckner
Hoffnung, feste Zuversicht, gelegentlich einen Schauer religiöser Ergrif-
fenheit����������������������������������������������������������������
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im Werk, »wobei es seltsam ist, daß Bruckner einige Male gera-
dezu in eine Amfortas-Stimmung hineinkommt; und das über 10 Jahre CHRISTIAN THIELEMANN
vor dem Parsifal!« Der Hinweis auf Wagners letztes Bühnenwerk lenkt den Dirigent
Blick auf Bruckners Parteinahme für die Neudeutsche Schule um Liszt
und Wagner. Ein auffälliges Thema im Kopfsatz der Zweiten lässt mit FRANK PETER ZIMMERMANN
seinem Doppelschlag an die Liebesmetaphorik des Bayreuther Meisters Violine
denken. Auch wenn es nicht dazu kommt, weil Liszt bei seiner Abreise
nach Weimar die Partitur der zweiten Symphonie vergisst, sagt Bruckners
Absicht, Liszt die Zweite anzutragen, viel über seine ideelle Anbindung
an die sogenannten Fortschrittlichen aus. Spätestens mit seiner nächsten
Symphonie, der Dritten, wird Bruckners Ehrfurcht vor Wagners Errun-
genschaften dann unüberhörbar.
 ANDRÉ PODSCHUN

22 23 6. SYMPHONIEKONZERT
6. Symphoniekonzert 2018 | 2019
Orchesterbesetzung

1. Violinen Bratschen Flöten Trompeten


Roland Straumer / 1. Konzertmeister Sebastian Herberg / Solo Andreas Kißling / Solo Tobias Willner / Solo
Thomas Meining Andreas Schreiber Bernhard Kury Volker Stegmann
Jörg Faßmann Stephan Pätzold
Federico Kasik Ulrich Milatz Oboen Posaunen
Johanna Mittag Michael Horwath Céline Moinet / Solo Uwe Voigt / Solo
Jörg Kettmann Claudia Briesenick Michael Goldammer Guido Ulfig
Susanne Branny Susanne Neuhaus Frank van Nooy
Birgit Jahn Juliane Preiß Klarinetten
Martina Groth Luke Turrell Robert Oberaigner / Solo Pauken
Wieland Heinze Fabian Lindner Dietmar Hedrich Manuel Westermann / Solo
Anja Krauß Florian Kapitza*
Anett Baumann Henry Pieper*
Fagotte
Annika Thiel Philipp Zeller / Solo
Anselm Telle Violoncelli Andreas Börtitz
Renate Peuckert Norbert Anger / Konzertmeister
Ludovica Nardone Simon Kalbhenn / Solo
Hörner
Tom Höhnerbach Zoltán Mácsai / Solo
2. Violinen Martin Jungnickel David Harloff
Reinhard Krauß / Konzertmeister Uwe Kroggel Miklós Takács
Matthias Meißner Bernward Gruner Eberhard Kaiser
Annette Thiem Johann-Christoph Schulze
Stephan Drechsel Matthias Wilde
Jens Metzner Titus Maack
Olaf-Torsten Spies Natalia Costiuc
Mechthild von Ryssel
Alexander Ernst Kontrabässe
Emanuel Held Viktor Osokin / Solo
Martin Fraustadt Martin Knauer
Robert Kusnyer Torsten Hoppe
Yukiko Inose Christoph Bechstein
Michael Schmid Fred Weiche
Ami Yumoto Reimond Püschel
Thomas Grosche
Johannes Nalepa * als Gast

24 25 6. SYMPHONIEKONZERT
Staatskapelle
Vorschau

li e 7. Symphoniekonzert
Z U M G ED E N K E N A N D I E Z ER S TÖ R U N G
D R E S D E N S A M 13. F E B R UA R 194 5
M I T T WO C H 13. 2 .19 2 0 U H R
D O N N ER S TAG 14 . 2 .19 2 0 U H R
S E M P ER O P ER D R E S D E N
F R EI TAG 15 . 2 .19 2 0 U H R
F R AU E N K R I C H E D R E S D E N

Christoph Eschenbach Dirigent


Venera Gimadieva Sopran
Elisabeth Kulman Alt
Pavol Breslik Tenor
René Pape Bass
Sächsischer Staatsopernchor Dresden (13. / 14. Februar)
Chor des Bayerischen Rundfunks (15. Februar)
Antonín Dvořák
»Stabat mater« für Soli, Chor und Orchester op. 58

8. Symphoniekonzert
S O N N TAG 2 4 . 2 .19 11 U H R
M O N TAG 2 5 . 2 .19 2 0 U H R
D I E N S TAG 2 6 . 2 .19 2 0 U H R
S E M P ER O P ER D R E S D E N

Christian Thielemann Dirigent


Zoltán Mácsai Horn
Jochen Ubbelohde Horn
Julius Rönnebeck Horn
Miklós Takács Horn
W W W.FACEB O O K .CO M / STA AT SK A PELLE.D R E SD EN
Robert Schumann
Konzertstück F-Dur für vier Hörner und großes Orchester op. 86
Franz Schubert
Symphonie C-Dur D 944 »Große«

6. SYMPHONIEKONZERT
Schirmherr Christian Thielemann

Das Phänomen Wagner

Wo Wagner 1846 während eines Som-


international merurlaubs die Skizzen zu seiner Oper

Freunde
„Lohengrin“ schuf, befindet sich heute
Wunderharfe eine moderne multimediale Ausstellung.
Die Richard-Wagner-Stätten Graupa,
unterstützen patron die das Jagdschloss Graupa und das
Lohengrinhaus umfassen, widmen sich
engagement begeistern darin nicht nur Wagners Zeit in Sachsen,

verbinden network sondern auch seinem einmaligen Lebens-


werk.

gewinnen Staatskapelle Teil der Ausstellung ist ein Holografiethe-


ater, in dem die innovativen Inszenie-
rungstechniken seiner Opern veranschau-

tradition
Dresden licht werden.

junge Menschen fördern


Ein virtueller Orchestergraben lädt ein, Wagners Stücke Note für Note zu verfolgen
und visualisiert jedes aktive Orchesterinstrument. Viele andere interaktive Angebote sor-
gen dafür, dass man einen lebendigen Eindruck davon bekommt, wie Wagner arbeitete.

friends Gesellschaft VERANSTALTUNGEN IM JAGDSCHLOSS GRAUPA

Netzwerk close Sonderausstellung Do | 14. Februar | 19 Uhr

hautnah

Wo Wagner weilte LiebesWahn – poetry & music


GESELLSCHAFT DER FREUNDE DER Häuser und Landschaften von Valentinskonzert mit Tatort-Schauspielerin
S TA AT S K A P E L L E D R E S D E N E . V. Dresden bis Prag Maria Kempken und Michael Fuchs
13. Oktober bis 17. März 2019 Eintritt: 18,00 €, erm. 14,00 €
KÖNIGSTRASSE 1
Jagdschloss Graupa Jagdschloss Graupa
01097 DRESDEN | GERMANY
I N F O @ G F S K D D . D E | W W W. G F S K D D . D E
Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna mbH | RICHARD-WAGNER-STÄTTEN GRAUPA
Tschaikowskiplatz 7 | 01796 Graupa | Tel.: 03501 4619650
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Wir freuen uns auf Sie! Ticket-Hotline 03501 556 446 | online unter www.ticket.pirna.de
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IMPRESSUM

Sächsische
Staatskapelle Dresden
Künstlerische Leitung/
Orchesterdirektion
Sächsische Staatskapelle Dresden
Chefdirigent Christian Thielemann
Christian Thielemann
Spielzeit 2018 | 2019 Chefdirigent
Maria Grätzel
H E R AU S G E B E R
Persönliche Referentin
Die Sächsische Staatskapelle Dresden von Christian Thielemann
ist ein Ensemble im Staatsbetrieb
Sächsische Staatstheater – Staatsoper Dresden
Jan Nast
Theaterplatz 2, 01067 Dresden
Orchesterdirektor
GESCHÄF TSFÜHRUNG Dennis Gerlach
Peter Theiler Konzertdramaturg,
Intendant der Staatsoper Künstlerische Planung
Wolfgang Rothe André Podschun
Kaufmännischer Geschäftsführer Programmheftredaktion,
© Januar 2019 Konzerteinführungen
Elisabeth Roeder von Diersburg

Semperoper
R E DA K T I O N Presse und Marketing
André Podschun Alexandra MacDonald

Dresden
Assistentin des Orchesterdirektors
G E S TA LT U N G U N D L AYO U T
Cornelia Ameling
schech.net Orchesterdisponentin
Strategie. Kommunikation. Design.
Matthias Gries
DRUCK Orchesterinspizient
Union Druckerei Dresden GmbH Steffen Tietz
Golo Leuschke
ANZEIGENVERTRIEB Wolfgang Preiß
Anzeigenvermarktung Semperoper Dresden Stefan Other
Max-Joseph Groß Orchesterwarte
Telefon: 089/540 447 122
Agnes Thiel
E-Mail: anzeigen@semperoper.de
Vincent Marbach
Notenbibliothek
T E X T N AC H W E I S E
Die Artikel von André Podschun sind
Originalbeiträge für dieses Programmheft.

B I L D N AC H W E I S E
Matthias Creutziger (S. 5); Harald Hoffmann
(S. 6); Martin Geck, Felix Mendelssohn
Urheber, die nicht ermittelt oder erreicht
Bartholdy, Reinbek bei Hamburg 2009 (S. 11);
werden konnten, werden wegen nachträglicher
Bibliotheka Jagiellońska, Kraków (S. 12);
Rechtsabgeltung um Nachricht gebeten.
Die Symphonien Bruckners. Entstehung,
Deutung, Wirkung, herausgegeben von Renate Private Bild- und Tonaufnahmen sind aus
Ulm, Kassel 1998 (S. 16); Österreichische urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet.
Nationalbibliothek Wien (S. 19); Historisches
Archiv der Sächsischen Staatstheater (S. 20) W W W. S TA AT S K A P E L L E - D R E S D E N . D E

Vorstellungen 5., 7., 9., 21. Februar & 3., 4. März 2019
Es spielt die Sächsische Staatskapelle Dresden

Informationen & Karten


T +49 351 49 11 705
semperoper.de
30
Partner der Staatskapelle Dresden