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Kurz & Gut macht Schule

Kurzfilm „Kleingeld“
(Bearbeitung: Julia Koch und Detlef Gericke-Schönhagen)

1. Vor dem Sehen:

Gruppenarbeit: jede Gruppe bekommt ein Standfoto, beschreibt die Person (Mann mit Krückstock,
Mann am Telefon) so genau wie möglich und stellt Vermutungen an:

• Wo ist die der Mann?


• Was macht der Mann?
• Was denkt der Mann?
• Wo wohnt der Mann?
• Was macht er gern/nicht gern?
• Wie fühlt sich der Mann?
....

2. Während des Sehens:

2.1. Exposition: (Autofahrt durch die Stadt)

Wie ist die Atmosphäre? Wie wird sie erzeugt? (Farben, Kameraführung, Perspektive, Spiegelungen...)

Antwortvorschläge: Spiegelungen ziehen sich als Motiv durch den ganzen Film. Zu Beginn werden die
grauen, kalten Häuserfassaden in der Kühlerhaube und im Rückspiegel eines fahrenden BMW
gespiegelt. Erst dann schwenkt die Kamera auf die tatsächlichen Häuserschluchten, wodurch die
Monotonie noch stärker eingefangen wird. Die Metallfarben grau und blau ziehen sich durch den
ganzen Film (Kleidung, Inneneinrichtung, Himmel…). Die Kühle, die von diesen dominanten Farben
ausgeht, wird durch die Spiegelung in zahlreichen Scheibenfronten noch vervielfacht und verstärkt.

2.2. Film spielen (bis zu dem Moment, an dem der reiche Geschäftsmann merkt, dass er kein
Kleingeld in der Tasche hat sondern nur 100 DM), dann stoppen

Handlung antizipieren: Erfinden Sie das Ende zu der Geschichte.

2.3. Es wird in diesem Kurzfilm wenig gesprochen. Stattdessen werden die Gefühle und Gedanken
der Personen weitgehend über Bilder transportiert.

2 Gruppen bilden, die sich jeweils auf eine der beiden Hauptfiguren konzentrieren:

1. Gruppe: Wie wird das Seelenleben des Geschäftsmanns über die Orte, Kameraeinstellungen,
Farben und Dekors, Gesten und Mimik kommuniziert?

Antwortvorschläge: es regnet, alles ist in grauen und schwarzen Farben, seine Welt besteht aus
grauem Beton, einem matschigen Parkplatz. Er arbeitet in einem Glaspalast, der aussieht wie ein
Aquarium. In seinem Büro steht ein kleines Aquarium (Spiegelung) mit einem darin eingezwängten
Fisch und ohne Wasserpflanzen. Er redet und kommuniziert wenig. Wenn er redet, dann in stereo-
typen Dialogen. Persönliche Gespräche werden sofort abgebrochen, er ist wortkarg, immer ernst und
lacht nie. Er hat Stirnfalten und zusammen gepresste Lippen. Gefühle und Beziehungen haben die
anderen (Sekretärin, Obdachloser). Der Obdachlose ist lange die einzige Beziehung, sein Becher das
einzig Bunte im Bild. Als Hoffmann die Beziehung verliert, will er sie zurück kaufen, so als hätte es an
den 100 DM gelegen.

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2. Gruppe: Wie wird das Seelenleben des Obachlosen über die Orte, Kameraeinstellungen, Farben
und Dekors, Gesten und Mimik kommuniziert?

Antwortvorschläge: Auch der Obdachlose spricht nicht aber trotz der Armut scheint sein Leben nicht
so eintönig und kalt wie das des Geschäftsmanns. Es geht eine gewisse Warme von dieser Figur aus.
Er hat menschliche Kontakte, versteckt sich nicht, sein Becher und sein Haare heben sich farblich ab.
Er zeigt seine Gefühle.

3. Nach dem Sehen:

Schreibanlass:

Symbolische Gesten spielen eine grosse Rolle in diesem Film. Schüler wählen eine Geste aus und
schreiben über die Aussagekraft dieser Geste im Kontext des ganzen Films.

2 Beispiele fur symbolische Gesten:


– Der Film hat zwar kein typisches Happy End aber eine starke Geste am Ende: als Hoffmann dem
Obdachlosen einen Hundertmarkschein hinhält, kehrt dieser sich wortlos von ihm ab und humpelt
davon.

– Die Sekretärin muss sich während ihrer Arbeitszeit an die sterile, unpersönliche, graue Atmosphäre
in Hoffmanns Büro anpassen. Diese Kühle setzt sich in ihrer grauen Kleidung und strengen Frisur
fort. Erst nach Feierabend schüttelt sie die konformen Zwänge dieser Bürowelt ab (symbolische
Geste: sie löst ihr Haar und schüttelt es).

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