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Aktiver Bergbau auf Steine- und Erdenrohstoffe

Der Steine- und Erdenbergbau stellt einen wichtigen Wirtschafts- Allerdings ist eine Versorgung des Marktes mit Kiessanden und amtlichen Probenahmen und Feststellung als grundeigener Bo-
faktor im Land Brandenburg dar, wenngleich in den Jahren seit Sanden aus nur wenigen Großtagebauen nicht möglich, da eine denschatz gemäß §3 Abs. 4 BBergG.
der Wiedergründung des Landes eine wechselvolle Entwicklung wirtschaftliche Vermarktung bei einer Transportentfernung von
der Nutzung dieser Rohstoffe zu beobachten war. Betrachtet man mehr als 30 km oftmals unrentabel ist. Aus diesem Grund wird Unter Baurecht/Wasserrecht (Grundeigentümerbodenschätze)
die Steine- und Erden-Jahresförderung seit der Wende, so ist fest- die flächendeckende Verteilung von Gewinnungsbetrieben auch laufen derzeit lediglich 10 Abbauvorhaben in Brandenburg, wobei
zustellen, dass mit dem Jahr 1989 zunächst ein starker Rückgang zukünftig Bestand haben, wenngleich der Prozess der Marktberei- zu bemerken ist, dass es sich hierbei meist um relativ kurzlebige
der Jahresförderung bis zum Tiefststand im Jahre 1992 zu verzeich- nigung noch nicht abgeschlossen scheint. Abbautätigkeiten für einzelne Bauobjekte (z. B. Autobahnbau)
nen war. Dies ist auf die Wiedervereinigung der beiden deutschen handelt.
Staaten und die daraus resultierenden strukturellen Veränderungen Die weiteren auf der Karte 34 dargestellten in Betrieb befindlichen
und Produktionsverschiebungen zurückzuführen. Rohstoffgewinnungsbetriebe verteilen sich auf 19 Tonlagerstätten, Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass der Bergbau auf Steine-
5 Torflagerstätten, zwei Hartgesteinslagerstätten, eine Glassandla- und Erdenrohstoffe die Versorgung des Landes Brandenburg mit
Seit dem Jahr 1992 ist die jährliche Förderung durch einen konti- gerstätte und eine Kalksteinlagerstätte (vgl. auch Erläuterungen zur kostengünstigen Rohstoffen aus einheimischen Ressourcen sichert.
nuierlichen Jahreszuwachs bis zum Jahre 1996 gekennzeichnet. Karte 33 „Oberflächennahe mineralische Rohstoffe“). In dieser Branche sind direkt ca. 1 000 Menschen beschäftigt. Von
jedem dieser direkt Beschäftigten hängen weitere sechs bis sieben
Mit der Jahresrohförderung im Jahre 1996 von 35,5 Mio t, das Insbesondere bei den Torflagerstätten erfolgt der Abbau sehr Arbeitsplätze in der Weiterverarbeitung bzw. den nachfolgenden
entspricht in etwa dem Niveau der Förderung des Jahres 1986, diskontinuierlich. Da Torfe im Land Brandenburg derzeit nur für Produktionsstufen ab. Um die Zukunftsfähigkeit der Rohstoffge-
wurde eine vorläufige Förderspitze erreicht. Seit 1996 ist, bedingt balneologische Zwecke gewonnen werden, beschränkt sich der winnung und -verarbeitung im Land zu erhalten, sollte auf allen
durch die rückläufigen Bautätigkeiten in Berlin und Brandenburg, Bedarf auf ca. 10 000 - 15 000 t im Jahr. In Übereinstimmung mit Ebenen ein gut ausbalanciertes verträgliches Miteinander von
ein leichter Rückgang der brandenburgischen Jahresrohförderung natur­schutzfachlichen Regelungen wird diese Menge im Zeitraum Umweltschutz und Rohstoffwirtschaft erreicht werden.
zu verzeichnen. weniger Wochen im Jahr aus den Lagerstätten gewonnen.
Auf der Karte 34 sind die 207 aktiven Steine- und Erdentage- Zur tonverarbeitenden Industrie ist zu bemerken, dass in den letzten Literatur
baue in Brandenburg dargestellt. Den Großteil nehmen dabei die 10 Jahren eine Reihe hochmoderner Werke der grobkeramischen
Gewinnungs­stellen von Kiessanden und Sanden ein (179 Stand- Industrie in direkter Nachbarschaft ergiebiger Lagerstätten errich- Höding, T. (2001): Komplexe Untersuchung und Bewertung grob-
orte). Im Gegensatz zur Karte „Oberflächennahe mineralische tet bzw. modernisiert wurden (Reetz, Gransee, Bad Freienwalde, keramischer Rohstoffe in Brandenburg. - Berichte DTTG Band
Rohstoffe“ wurden in der Bergbaukarte die Kiessande und die Buchwäld­chen, Karstädt). Mit projektierten Jahreskapazitäten von 8, S. 82-94, Limburg
Sande zusam­mengefasst, da durch die zum Einsatz kommende 516 Mio Stück Normalformat (NF) Hintermauerziegeln, 60  Mio
Aufbereitungstechnik in den Tagebauen mehrere Kornfraktionen Stück NF Vormauerziegeln und Klinkern sowie 40 Mio Stück Höding, T. & F. Ludwig (2001): Zur Nutzung oberflächennaher
hergestellt und vermarktet werden. Dachziegeln ist die brandenburgische grobkeramische Industrie im Rohstoffe im östlichen Brandenburg. - Zeitschr. geol. Wiss. 29,
Verhältnis zur Einwohnerzahl des potenziellen Absatzgebietes und 1/2, S. 223-232, Berlin
Die Abgrenzung zwischen aktivem und zeitweilig stillgelegtem im Vergleich zu anderen Bundesländern gut positioniert. Darüber
Gewinnungsbetrieb gestaltet sich nicht ganz einfach. Bedingt hinaus betreiben einige kleinere Betriebe eine grobkeramische Hoffmann, J. (1996): Bergrechtsvereinheitlichung und Bestandsschutz
durch die schwankende Absatzsituation kommt es in manchen Nischenproduktion, die durchaus floriert (Herstellung von Ziegeln für bestehende Bergbauberechtigungen. - Betriebs-Berater 28/29,
Betrieben zu zeitweiligen Gewinnungspausen. In der Karte 34 sind für die Bauwerks­restaurierung, Herstellung von Glasuren und S. 1450-1454, Berlin
die Betriebe dargestellt, die aufgrund der Genehmigungssituation Drahtziegelprodukten).
und der vorhandenen Gewinnungstechnik jederzeit den Abbau
Kranz, J. (2000): Wirtschaftliche Perspektiven der Gewinnung von
durchführen können. Rechtlich untergliedern sich die Steine- und Erdenrohstoffe Bran- Steine- und Erdenrohstoffen. - In: 3. Brandenburg. Steine- und
denburgs in Erdentag, Tagungsband, S. 9-12, Potsdam
Wegen der geologisch bedingten Standortgebundenheit der Stei-
ne- und Erdenbetriebe bildeten sich in Gebieten mit qualitativ - Bergfreie Bodenschätze (Bergrecht)
Thiem, H.-G. (2000): Die Entwicklung des Steine- und Erdenberg-
hochwertigen Lagerstätten regionale Förderschwerpunkte heraus. - Grundeigene Bodenschätze (Bergrecht)
baus in Brandenburg aus behördlicher Sicht. - Kies + Sand-
Hier wären beispielsweise die Sandergebiete im Raum Germen- - Grundeigentümerbodenschätze (Baurecht/Wasserrecht).
Perspektiven 1, S. 11-13, Iffezheim
dorf (nördlich von Berlin) oder die fluviatil gebildete großflächige
Kieslagerstätte im Raum Mühlberg an der Elbe zu nennen. Diesen Der überwiegende Anteil der Steine- und Erdenrohstoffgewin-
nung in Brandenburg fällt in den Geltungsbereich des Bundes- Thiem, H.-G. (2000): Auswirkungen der neuen gesetzlichen Rah-
Lagerstättenbereichen kommt eine überregionale Bedeutung zu,
berggesetzes. Dies resultiert zum einen aus den Regelungen des menbedingungen auf bergrechtliche Zulassungsverfahren. - In:
da die dort gewonnenen Rohstoffe aufgrund der Qualität und der
Einigungsvertrages und zum anderen aus einer Vielzahl seit der 3. Brandenburg. Steine- und Erdentag, Tagungsband, S. 30-33,
zur Verfügung stehenden Menge auch in weiter entfernte Gebiete
Rechtsangleichung bei Bodenschätzen (1996) durchgeführten Potsdam
transportiert werden.

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Aktiver Bergbau auf Steine- und Erdenrohstoffe
1 : 1 000 000
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

53°
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53° Kölpin-
Rohstoffarten

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Müritzsee Kiessand und Sand

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Rathenow
Braunkohlentagebau stillgelegt
S a c h s e n - B e r l i n
Seelow 52°
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52°
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A n h a l t Braunkohlentagebau in Betrieb
Beetzsee
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Herzberg/Elster

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Senftenberg
34 51°
30'
51°
30'
Spr e Verwendete Unterlagen:
Rohstoffgeologische Karten von Brandenburg 1 : 50 000 (KOR 50),
e

S a c h s e n
0 10 20 30 40 50km
LGRB Kleinmachnow 1996 - 2001
P u l s ni t z Berechtsamsdatei des LBB
Archivmaterial (unveröff.) des LBGR
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

Kartengrundlage: Topographische Karte, Land Brandenburg, Maßstab 1 : 1 000 000 Nutzung mit
Genehmigung des Landesvermessungsamtes Brandenburg, Nummer: GB 107/01
Höding, T., Göttlich, K. & H.-G. Thiem
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Känozoische Grundwasserleiter
Gliederung in Grundwasserleiterkomplexe GWLK 1 - weitgehend unbedeckter Grundwas- In den Hochflächen Brandenburgs ist der GWLK 1 nur bereichs-
Die känozoischen Lockergesteine des durchschnittlich 100-200 m weise in großräumig nutzungsfähiger wasserführender Mächtig-
serleiterkomplex
mächtigen süßwasserführenden Grundwasserstockwerkes Bran- keit ausgebildet und damit in die Kartendarstellung übernommen
denburgs können im Wesentlichen in drei aus Sanden und Kies- worden. Örtlich treten auch hier in Sandern grundwassererfüllte
Der GWLK 1 besteht vorwiegend aus weichsel- und spätsaalekalt-
sanden bestehende Grundwasserleiterkomplexe (GWLK) mit Mächtigkeiten über 10 m auf.
zeitlichen Sanden und Kiessanden.
zwischengelagerten grundwasserhemmenden Geschiebemergeln Die Durchlässigkeitsbeiwerte liegen generell bei durchschnittlich
In den Urstromtälern und Niederungen tritt der GWLK  1
und tonigen Schluffen gegliedert werden (Abb. 42). 2-6 x 10-4 m/s.
häufig in für die großräumige Grundwassernutzung ausreichen-
Als wesentliche grundwasserhemmende weitaushaltende Schich- Die Grundwasserflurabstände liegen zwischen 8–15 m, in Hoch-
der grundwasserführender Mächtigkeit zwischen 10-20  m, z.  T.
ten zwischen den drei GWLK treten in Brandenburg auf: lagen auch > 30 m. Nur vereinzelt treten hydraulische Verbindun-
größer als 20 m auf. Seine hauptsächliche Verbreitung findet er
in den von Nord nach Süd angeordneten Eberswalder, Berliner, gen zum tieferen Grundwasserleiterkomplex auf. (s. Karte 39).
• der obere saalekaltzeitliche Geschiebemergel über dem Wegen der nicht vorhandenen grundwasserhemmenden Deck-
GWLK 2; hinzu kommen weichselkaltzeitliche Geschiebemer- Baruther und Lausitzer Urstromtälern und in deren Durchbruchs-
tälern. Er ist meist sandig-kiesig ausgebildet (hohe kf-Werte) und schichten ist der GWLK 1 gegenüber anthropogenen Einträgen
gel besonders in der Uckermark mit größeren Mächtigkeiten, weitgehend ungeschützt (s. Karte 38).
• elsterkaltzeitliche Geschiebemergel und tertiäre Schluffe sowie gekennzeichnet durch geringe Flurabstände (meist unter 5 m).
Im nördlichen Landrücken der Prignitz und Uckermark sind ober-
bindige Rinnensedimente in den quartären Erosionsrinnen. flächennah vorwiegend Geschiebemergel ausgebildet. Im Flä-
• Im Liegenden grenzt der oligozäne Rupelton das wasserwirt- In der Elbeniederung wie im mittleren und südöstlichen Bran-
denburg sind die den GWLK 1 unterlagernden saalekaltzeitlichen ming als Teil des südlichen Landrückens Brandenburgs sind zwar
schaftlich nutzbare Süßwasserstockwerk vom tieferen Salz- überwiegend Sande verbreitet, jedoch liegt der Grundwasser-
wasserstockwerk ab. Grundmoränen größtenteils erodiert, so dass der GWLK 2 oft un-
mittelbar unter dem GWLK 1 liegt und sich hier nutzbare Grund- spiegel so tief, dass erst der GWLK 2 zur Grundwassergewinnung
wasserleitermächtigkeiten von mehr als 40 m ergeben können. geeignet ist (vgl. Abb. 43). Hydraulisch sind diese Bereiche als
Im LBGR werden seit 1995 hydrogeologische Karten (HYK 50) Neubildungs- und Transitgebiet einzustufen Diese Gebiete ohne
nach der Grundwasserleiterkomplexgliederung (s. Abb. 42 und Diese hydraulischen Verbindungen sind in der Karte 35 ausge-
halten worden. Dem Kartenmaßstab entsprechend können lokale großflächig nutzbaren GWLK 1 sind in der Karte ausgewiesen.
Karte 35) erstellt. Soweit vorhanden, ist hier der tiefer gelegene GWLK 2 wasser-
Anhand der hierzu erarbeiteten hydrogeologischen Schnitttafeln Einzelheiten nicht dargestellt werden.
wirtschaftlich nutzbar.
werden zusammenhängende Grundwasserleiter so zu Grundwas- Im Lausitzer Braunkohlenrevier ist der GWLK 1 innerhalb des
serleiterkomplexen (GWLK) zu- dargestellten Entwässerungsbereiches im bergbaubedingten Ab-
sammengefasst, wie es für eine Hochfläche senkungstrichter gelegen und damit z. T. entwässert. Der geolo-
hydrogeologische Modellierung gische Aufbau sowie das morphologische Bild dieses Gebietes
erforderlich ist. Niederung ist recht kompliziert gestaltet. In den Endmoränengebieten treten
engräumig wechselnde Lagerungsverhältnisse auf. Mehrere Ge-
Bisher sind 30 Karten im Maßstab schiebemergelhorizonte mit dazwischen gelagerten Beckensedi-
1 : 50 000 fertig gestellt worden.
In diesem kartierten Bereich sind
1 6DDOH*0
menten sind intensiv glazial gestaucht, gefaltet und verschuppt,
wobei z. T. das Tertiär bis zu den Briesker Schichten einbezogen
Mächtigkeitsabstufungen sowohl wurde. Der Absenkungs- und auch der Wiederanstiegsbereich, in
für den GWLK 1 (s. Karte 35) als
auch für den GWLK 2 (s. Karte
2 dem der Grundwasserspiegel wegen der Einstellung von Tagebau-
entwässerungen bereits wieder ansteigt, wurden gekennzeichnet.
36) detaillierter dargestellt als im Aufgrund der Flutung und Renaturierung der Braunkohlentage-
restlichen Brandenburg. Abb. 42 baue erfolgt eine lang anhaltende Umgestaltung der hydrographi-
Grundwasserleiterkomplexe im schen Verhältnisse.
Der GWLK 2 als „Hauptgrund- Land Brandenburg
wasserleiterkomplex“ Branden-
burgs wird in Karte 36 abgebil-
det.
3 Literatur
Zum tiefer gelegenen GWLK  3 GWLK 1: Hermsdorf, A., Hotzan, G., Jeschke, R. & R. Kalatz (1999):
werden die tertiären Sande ober- oberer, meist nicht von bindigen Sedimen- Grundwasserlagerstätten im Land Brandenburg.- Brandenburg.
ten bedeckter Grundwasserleiterkomplex,
halb des Rupeltons, insbesondere geowiss. Beitr. 6, 1, S. 47-55, Kleinmachnow
GWLK 2:
der miozäne Quarzsandhorizont weitgehend von Geschiebemergel bedeckter
sowie in diese Sande eingreifen- 5XSHOWRQ Hauptgrundwasserleiterkomplex, Manhenke, V., Hannemann, M. & B. Rechlin (1995): Gliederung
de Sande und Kiessande in tiefen GWLK 3: und Bezeichnung der Grundwasserleiterkomplexe im Lockerge-
quartären Rinnen gerechnet. tieferer, oberhalb des Rupeltones gelegener stein des Landes Brandenburg. - Brandenburg. geowiss. Beitr.
6DO]ZDVVHU *:/. Grundwasserleiterkomplex. 2, 1, S. 12, Kleinmachnow

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GWLK 2 - weitgehend bedeckter Grundwasserlei- Zum GWLK 2 gehören hier: Der GWLK 2 führt Grundwasser, dass in seinem hemmerbedeck-
terkomplex LH3=innersaalekaltzeitliche glazifluviatile Sande und Kiessande, ten Teil generell gespannte Druckverhältnisse aufweist. Beim An-
L3.1=spätholstein- bis frühsaalekaltzeitliche limnische und glazi- bohren der Grundwasseroberfläche steigt das Grundwasser bis
Den GWLK 2 bilden überwiegend glazifluviatile spätelster- bis fluviatile Sande/Kiessande zum Druckspiegel, den die Grundwassergleichen in m über NN
saalekaltzeitliche Sande und Kiessande, die meist von grundwas- HL3=holstein-warmzeitliche Schluffe und Tone anzeigen (s. Karte 40). Im Gebiet ohne Geschiebemergelbede-
serhemmenden saalezeitlichen Grundmoränen unmittelbar über- L3.2=spätelster- bis frühholsteinzeitliche Kiessande und Sande ckung ist der Grundwasserspiegel nicht gespannt und die Grund-
deckt und von elsterzeitlichen Grundmoränen unterlagert werden. L4.3=limnischer miozäner Feinsand wassergleichen zeigen die teilweise im GWLK 1 liegende Grund-
Ebenso werden als Erosions- und Exarationsrest bzw. auch durch wasseroberfläche an.
pleistozäne Stauchungen in das Niveau des GWLK 2 aufragende Der GWLK 2 stellt somit einen hydraulisch meist zusammenhän- Der Abstand zwischen Grundwasserspiegel und Erdoberfläche
miozäne Sande einbezogen. Im südwestlichen Brandenburg ge- genden Komplex dar, der stratigraphisch unterschiedliche Grund- (Grundwasserflurabstand) ist in Karte 39 dargestellt.
hören auch die fluviatilen Kiessande des mittelpleistozänen Berli- wasserleiter umfasst. Es ist der wichtigste wasserwirtschaft-
ner Elbelaufes zum GWLK 2 (s. Karte 7). lich genutzte GWLK Brandenburgs. Durch die Überdeckung mit Grundwasserhemmern sind die
Regional wird der GWLK 2 durch holstein-warmzeitliche Schluf- Grund­wässer des GWLK 2 generell gut vor anthropogenen Ver-
fe und Tone zweigeteilt (Berlin und weiteres Umland). In Altmo- Der GWLK 2 wird sehr häufig mit Mächtigkeiten größer 20  m, unreinigungen geschützt (s. Karte 38 und 40).
ränen Gebieten (Prignitz) erfolgt dies durch drenthe-kaltzeitliche jedoch nicht selten über 50  m ausgewiesen. Die detaillierten
Grundmoränen. Mächtigkeitsangaben konnten auf der Kartendarstellung nur im Im Liegenden können allerdings über die tiefgreifenden spätels-
Die Abbildung 43 zeigt einen Ausschnitt der hydrogeologischen komplexkartierten Gebiet angegeben werden. In den mit unmit- terkaltzeitlichen Rinnensysteme (s. Karte 9), die z. T. den Rupelton
Schnitttafel des Blattes L 3744 Potsdam. Eingetragen ist hier au- telbarer Überlagerung durch den GWLK 1 ausgewiesenen Gebie- durchschnitten haben (s. Karte 13), Verbindungen zu den hoch-
ßerdem die zwischen den deutschen geologischen Diensten ab- ten, was auch im Beispielschnitt (Abb. 43) durch den L1 über mineralisierten Salzwässern im Untergrund (s. Karte 41) bestehen.
gestimmte hydrostratigraphische Nomenklatur mit H als Hemmer L3.1 erkennbar ist, können entsprechend höhere Gesamtmäch- Insbesondere in den Urstromtälern mit niedrigem Grundwasser-
und L als Grundwasserleiter. tigkeiten vorhanden sein. stand und in Bereichen von Grundwasserdruckflächenabsenkung
in Wasserwerken können Salzwässer auch in den GWLK 2, z. T.
Hydrostratigrafische Schnitterläuterung: L1 und L2 gehö- Die Durchlässigkeitsbeiwerte liegen in glazifluviatilen Sedimenten auch bis an die Oberfläche aufsteigen und so zu Grundwasser-
ren zum GWLK 1; H2 ist die weichselzeitliche Grundmoräne, H3 bei durchschnittlich 3-6 x 10-4 m/s, in untergeordneten limnischen versalzung führen. Diese Tendenzen können bereits frühzeitig in
die saalezeitliche Warthe-Grundmoräne als Hemmer über dem Sedimenten eher bei 1-2 x 10-4 m/s. Wasserwerksbrunnen nachgewiesen werden (s. Karte 38).
GWLK 2.

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60.0 Nuthe
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60.0
Literatur
Wilhelmshorst Genshagener Heide
Nudow
40.0
Stöcker
H2
qw H2 qw 40.0
Manhenke, V., Reutter, E., Hübschmann, M., Limberg,
qs L2 qs
L2
H3 L1 H3
L1 L2 qs H3 L2
H3 qs
qs
20.0
A., Lückstädt, M., Nommensen, B., Peters, A., Schlimm,
20.0 H3
L3.1 L3
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H3 qs
W., Taugs, R., & H.-J. Voigt (2000): Hydrostratigra-
H4 0.0
fische Gliederung des nord- und mitteldeutschen kä-
0.0 qe qhol
HL3
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H4 L3.2 HL3 L4.3 L3.1


qe

-20.0 -20.0
qe
H4 nozoischen Lockergesteinsgebietes. - Z. angew. Geol.
H5 L4 L3.2 -40.0
-40.0 H5
H4 qe
47, 3/4, S. 146-152, Hannover
-60.0 L5 -60.0

H4 Blankensee-Schmöckwitzer-
-80.0 qe
-80.0
(Teltow) Rinne
qe

-100.0 L6 -100.0
Beelitz-Dreilinden-Tegeler Rinne
L6 L4.2
-120.0 L7 -120.0

-140.0 L7 -140.0
L4.2
-160.0 -160.0

-180.0 -180.0
H8
-200.0 -200.0
Überhöhung 1 : 25
K. Berner 2001

wasserwirtschaftlich nutzbare Grundwasserleiterkomplexe: Hydrostratigraphische Einheiten der


norddeutschen Nomenklatur: H2 - H8 und L1 - L7 Abb. 43 Schnitt 5800 der Hydrogeologischen
GWLK 1 GWLK 2 GWLK 3 Schnitttafel Blatt L 3744 Potsdam, verkleinert

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Grundwassereinzugsgebiete der Flussgebietseinheiten
Grundwasserführung und Grundwasserscheiden serscheide treten Grundwasserstände zwischen 120 m NN im Die aus den Grundwassergleichen zu erkennenden Grundwasser­
Muskauer Faltenbogen im Süden, bis 80 m NN in der Fünfeichener scheiden markieren die Abgrenzung der einzelnen Grundwasser­
Die Grundwasserleiterkomplexe (GWLK) Brandenburgs führen einzugsgebiete von Flussgebietseinheiten. Gleichzeitig markieren
nutzbares Grundwasser. Das aus dem Niederschlag versickernde Hochfläche, der Barnimhochfläche und der nördlichen Uckermark
und unter 40 m NN im Eberswalder Urstromtal auf. sie entsprechend der DIN 4049-3: 1994-10 die seitlichen Abgren-
Wasser erreicht in einer Tiefe von weniger als 2 m bis mehr als zungen der entsprechenden Grundwasserkörper.
70 m die Grundwasseroberfläche. Je nach Ausbildung - besser Im Elbeeinzugsgebiet der Nordsee, dem Brandenburg größ-
durchlässige Sande oder grundwasserhemmende Geschiebemer- tenteils angehört, ist die Grundwasserfließrichtung vom südlichen Die Grundwasseroberfläche markiert die obere Grenzfläche eines
gel - und Mächtigkeit der Deckschichten (vgl. Karte 40) dauert die Landrücken mit Grundwasserständen über 100 m NN und vom Grundwasserkörpers, die Grundwassersohle seine untere Grenz-
Versickerung bis zur freien oder gespannten Grundwasseroberfläche nördlichen Landrücken mit Grundwasserständen bis über 80 m fläche. Hydrogeologen müssen die Zuordnung tieferer GWLK
nur Tage bis mehr als 25 Jahre. NN in das Gebiet der Urstromtäler gerichtet. In den Urstromtälern bearbeiten und bewerten.

In der Karte sind die Linien gleichen Grundwasserstandes (Grund­ treten Grundwasser­stände überwiegend zwischen 35-40 m NN auf, Unter Beachtung der nach der Europäischen Wasserrahmenricht-
wassergleichen) generell in 10 m Höhenabständen eingetragen. die sich im Elbebereich der Prignitz auf unter 20 m NN reduzieren. linie vorgegebenen etwaigen Größe von einzeln zu betrachtenden
Sie stammen aus im LBGR vorliegenden Grundwassergleichen- Bemerkenswert ist das geringe Grundwassergefälle im Bereich der Fluss­gebietseinheiten wurden in einem Entwurf des Landesum-
plänen mit 1  m Höhendifferenzen im Maßstab 1 : 50 000. Im mittelbrandenburgischen Urstromtäler von 1-2 ‰. weltamtes nach oberirdischen Gegebenheiten abgegrenzte Bear-
Bereich ungespannten Grundwassers geben die Grundwasser- Im Odereinzugsgebiet der Ostsee, das den östlichen Teil Bran- beitungsräume entworfen. In der vorgelegten Karte werden die
gleichen die Grund­­wasseroberfläche wieder. In den Bereichen denburgs einnimmt, ist die Grundwasserfließrichtung direkt auf entsprechenden maßgeblichen Grundwassereinzugsgebiete der
gespannten Grundwassers reflektieren die Grundwassergleichen die Oder bzw. ihren Nebenfluss Neiße gerichtet. Es treten Grund- Flussgebietseinheiten ausgewiesen.
die Grundwasser­druckfläche, die sich nach Durchbohren der wasserstände von 80 bis unter 10 m NN, im Odertal z. T. nahezu
grundwasser­hemmenden Deckschicht des GWLK und bei Erreichen Für Brandenburg sind das im Elbeeinzugsgebiet insbesondere das
0 m NN, und ein Gefälle von 1-4 ‰ auf. Grundwassereinzugsgebiet der Havel, das in die Teileinzugsgebiete
der Grund­­­wasseroberfläche in gesetzten Standrohren als Standrohr­
spiegelhöhe einstellen würde. Die Grundwasserfließgeschwindigkeiten liegen entsprechend von Oberer Havel, Unterer Havel, Spree (noch weiter unterglie-
dem geringen Gefälle und beeinflusst von den Durchläs­sigkeits­ derbar), Dahme, Nuthe, Plane/Buckau, Jäglitz/Dosse und Rhin
Trotz der für den Maßstab erforderlichen großen Höhendifferenzen beiwerten der aus Sanden und Kiessanden bestehenden GWLK untergliedert wurde.
von 10 m geben die Grundwassergleichen einen Einblick in die überwiegend bei 0,05 bis 0,5 m pro Tag, das sind etwa 20-200 m
Grund­wasserstände und, da sich das Grundwasser im Untergrund Außerdem gehören zum Elbeeinzugsgebiet die Grundwasser­
pro Jahr. einzugsgebiete der Schwarzen Elster und Stepenitz/Löcknitz.
entsprechend seines Gefälles bewegt, in die Grundwasserfließ­
richtungen. Die Karte enthält neben der Hauptgrundwasserscheide auch die Randlich berührt Brandenburg im Süden unbedeutendeTeile
für die großen Nebenflüsse relevanten Grundwasserscheiden. des unmittelbaren Elbeeinzugsgebietes und am Nordrand das
Durch Grundwasserstandsmessungen weitgehend belegt ist der in Außer­dem sind die derzeitigen Grundwasserscheiden zu den Müritzsee-Einzugsgebiet.
Brandenburg wasserwirtschaftlich hauptsächlich genutzte GWLK 2 großen Absenkungsmaßnahmen der Braunkohlentagebaue ein-
sowie der GWLK 1 besonders in den Niederungen. Die Grund­ Im Ostsee/Odereinzugsgebiet wurden die Grundwassereinzugs-
getragen. gebiete von Oder (noch weiter untergliederbar) und Neiße sowie
wasserstände unterscheiden sich in den einzelnen Grundwasser­
leiter­komplexen aufgrund ähnlicher Abflussverhältnisse in die Örtliche Veränderungen des Grundwassergleichenbildes im Ücker dargestellt, letztere mündet ins Oderhaff.
Vorfluter allgemein wenig, sind jedoch im GWLK 1 auf den Hoch- Grundwasser­absenkungsbereich der Brunnen von Wasserwerken Die außerdem eingetragenen weiteren Grundwasserscheiden
flächen oft um Dezimeter, seltener um mehr als 1 Meter höher als und damit verbundene lokale Verschiebungen der Grundwasser- können zusätzlich zu Untergliederungen der Grundwasserkörper
im GWLK 2, wobei hier im oberen GWLK jeweils nur einzelne scheiden wurden hier nicht berücksichtigt. herangezogen werden.
Grundwasser­messstellen für die Ermittlung zur Verfügung stehen.
Grundwassereinzugsgebiete und Grundwasserkörper
Im Braunkohlenabbaugebiet der Lausitz, in dem das Grundwasser
im Bereich der Tagebaue abgesenkt worden ist, werden in der Karte Das Grundwasser in den oberen Grundwasserleiterkomplexen fließt
einerseits ausgewählte derzeitig abgesenkte Grundwasserstände generell den sich in die GWLK einschneidenden Flüssen zu. Um
markiert und außerdem die sich voraussichtlich nach der Beendi- diese haben sich natürliche Grundwassereinzugsgebiete gebildet.
gung des Braunkohlenabbaus und dem Grundwasserwiederanstieg
einstellenden Grundwassergleichen. Wegen der prognostischen In Brandenburg gibt es die Ausnahme, dass in den Grundwasser­
Aussage sind hier größere Höhendifferenzen gewählt worden. absenkungstrichtern des Lausitzer Braunkohlengebietes die Grund­
wasseroberfläche z. T. weit unterhalb der Flusssohle z. B. der Spree
Im östlichen Brandenburg verläuft die Hauptgrundwasserschei- und Schwarzen Elster liegt und sich hier Grundwassereinzugsge-
de zwischen Nordsee und Ostsee. Entlang dieser Grundwas- biete um die Tagebaue gebildet haben.

110
Grundwassereinzugsgebiete der Flussgebietseinheiten
1 : 1 000 000
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'
50

40
53°
30'
Grundwasserführung
53° Kölpin-
Langjährige Grundwassergleichen (in m über NN)

r
ke
30' see 60

c
Ue
Plauer
See
M e c k l e n b u r g - V o r p o m m e r n Zeitweilige Grundwassergleichen aus den Absenkungs-

50
40

20
30
Müritzsee 80

60

50
trichtern der Braunkohlentagebaue (in m über NN)

70

10
30
20

40
80
Ücker Erwartete Grundwassergleichen nach Abschluss des
30 0

60
Prenzlau 2 100
Braunkohlenbergbaus und Grundwasserwiederanstiegs
(in m über NN)

40
Elde

90

50

er
80
e

70 80
Eld

Od
120
70
Grundwasserscheiden

10
0
90 80 70 20
80

50
70
60
70

±0
10
50
40

60
Hauptgrundwasserscheide zwischen Nordsee

90
30 Stepenitz/ 50 20
und Ostsee
40 70 60 60

±0
weitere maßgebliche Grundwasserscheiden

70
El 20 Perleberg
30 S te
p e ni t z 100
90
60 Obere
be Dosse/ weitere Grundwasserscheiden

50
53°
Löcknitz

10
50

40
Rh
in 40 30 2
0 ±0 00'
53° Nieder-
60 50 Havel ±0

Natürliche Grundwassereinzugsgebiete

60
00' sachsen
Jäglitz/ Rhin 60
40
P O L E N

Ha
Werbellinsee 50

vel
Neuruppin
Grundwassereinzugsgebiet der Havel

e
50

Doss
40

40
(eingetragen sind die Teileinzugsgebiete Obere Havel,

40
K an a l
H a v e l-
Oder- Eberswalde Untere Havel, Mittlere Spree, Untere Spree, Dahme,
Nuthe, Plane/Buckau und Jäglitz/Dosse/Rhin)
Hav

10
el
30

Oranienburg
Rhin 50
Grundwassereinzugsgebiet der Oder (ohne Neiße)

40
40
30 40 Oder Grundwassereinzugsgebiet der Neiße

50

90
80
Od

30
er
70
Rathenow
Untere
H a ve l- Kanal
60
200
Grundwassereinzugsgebiet der Ücker
3

10
40
S a c h s e n - 30 B e r l i n 50 Seelow
50
52° Grundwassereinzugsgebiet der Schwarzen Elster
30

A n h a l t
Havel Sp
ree 30'
52°
Untere

30
30' 30
Grundwassereinzugsgebiet von Stepenitz und Löcknitz
30
Beetzsee 30
30
30

el
Hav
30

Bra ndenburg
30 30
Spree Teil Grundwassereinzugsgebiet Elbe im Süden

20
Potsdam
30

a. d. Havel Sp re
e-
und Müritzsee im Norden

60
Ka nal 70

80
50
O d e r-
l
na

Frankfurt/

40
Ka

Schwielow-
e l-

see Oder
av

Grundwassereinzugsgebiete der Braunkohlentagebaue


-H

40
be

50 0
6
El

Scharmützelsee

70
Nu

We
Grundwassereinzugsgebiet der aktiven Tagebaue
th e

se r
Plane/

30
-E l b
40

e-K
Jänschwalde und Cottbus-Nord
a na 40
l

Buckau Dahme Beeskow


Grundwassereinzugsgebiet des aktiven Tagebaues

D a h me
Nuthe
50

110
Belzig
Welzow-Süd

100
60

100 Spr ee
70

40
80
90

70
50

60
Luckenwalde Schwieloch-
see
90
Grundwassereinzugsgebiet der stillgelegten Tagebaue,

90
80 Bereich des Grundwasserwiederanstiegs
50
52°

52° Mittlere 70 00'

00' 110
Neiße
Lübben/

50
Spreewald
Spree 60
Verwendete Unterlagen:
60

60
Saale

e
Elb
Bode
40
Hydrogeologische Karte von Brandenburg 1 : 50 000 (HYK 50). - LGRB,
50

Kleinmachnow 1997-2001,
80
70

40
90 0
Blätter L2940 Wittstock/Dosse, L2942 Rheinsberg, L3140 Kyritz,
80

10
S c hw a r z e El st e Cottbus
r
Muld

100
Forst/Lau sitz N L3142 Neuruppin, L3148 Eberswalde, L3340 Rathenow, L3344 Oranienburg,
e

e iß
La
L3346 Bernau, L3348 Werneuchen, L3540 Brandenburg/Havel, L3542 Ketzin,

e
us
80 tze

i
r
Herzberg/Elster
50
100 L3544 Spandau, L3548 Strausberg, L3740 Wusterwitz, L3742 Werder/Havel,
0

L3744 Potsdam, L3746 Königs Wusterhausen, L3748 Storkow,


10
1100
0

L3942 Treuenbrietzen
1

Schwarze Elster
40

12
0 KNISPEL, H. (1996): Überarbeitete Grundwassergleichen nach den Grund-
80 120 wasservorratsprognosen Potsdam, Frankfurt, Cottbus. - Hydrogeologie
60

90
Senftenberg Berlin - Brandenburg, unveröffentlicht
$WODV]XU*HRORJLHYRQ%UDQGHQEXUJ.DUWH 100
51°
30' ARNOLD, I. (1993): Hydrogeologische Komplexstudie - Niederlausitzer
51°
30' ‹ /%*5&RWWEXV S
pr e
Braunkohlenrevier. - LAUBAG, Abt. Wasserwirtschaft, Senftenberg
S a c h s e n
e
Landesumweltamt Brandenburg (2001): Bearbeitungsgebiete im Land
     NP Brandenburg zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. -
P u l s ni t z Abt.W, Potsdam, 31. 10. 2001
Archivunterlagen des LBGR
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

Kartengrundlage: Topographische Karte, Land Brandenburg, Maßstab 1 : 1 000 000 Nutzung mit
Genehmigung des Landesvermessungsamtes Brandenburg, Nummer: GB 107/01
Manhenke, V.
111
Grundwasserlagerstätten – Genese und Geschütztheit
Im Bundesland Brandenburg wird die Trinkwasserversorgung zu gehalten, die sich in ihrer Bewertung neben dem geologischen unter den in der Trinkwasserverordnung festgelegten Grenzwerten für
99 % aus dem Grundwasser (GW) gewährleistet. Dafür steht derzeit Schichten­aufbau an der Lage der GW-Oberflächen und den Ver- die einzelnen Hauptparameter. Maßgebend für deren Einstufung war
ein erkundetes Dargebot von mehr als 2 Mio m3/d zur Verfügung. weilzeiten in der GW-Überdeckung (Hölting 1995) orientieren. neben der genetischen Zuordnung auch deren Gesamt­mineralisation
Somit kann festgestellt werden, dass die etwa 2,5 Mio Einwohner Die Flächen mit sehr geringer bis geringer Schutzfunktion haben > 500 mg/l sowie der geochemische Background der Grund­wässer
Brandenburgs, die gegenwärtig zu ca. 95 % an das öffentliche Was- kurze Verweilzeiten (Aerationszone < 5 m) und sind meist für die im Einzugsgebiet. Weiterhin konnten auch bei Konzentrationen
serversorgungsnetz angeschlossen sind, für absehbare Zeit sicher Niederungen typisch. In Bereichen mit mittlerer Schutzfunktion < 500 mg/l noch Stoff­einträge sowohl anthropogener als auch
mit Trink­wasser versorgt werden können. Die meisten Förderbrun- ist im Allgemeinen eine Aerationszone von > 10 m vorhanden salinarer Herkunft identifiziert werden.
nen der Wasserwerke stehen in pleistozänen, wenige in tertiären und bei denen mit hoher bis sehr hoher Schutzfunktion sind i. d.
Lockergesteinsgrundwasserleitern und nutzen überwiegend den R. GW-Geringleiter in der GW-Überdeckung verbreitet, so dass Im Ergebnis der Untersuchungen kann festgestellt werden, dass
durch Deckschichten geschützten Grundwasser­leiterkomplex 2 sehr lange Verweilzeiten erreicht werden, wofür Hochflächen die auf geologischen Grundlagen basierende Gesamtschutzfunktion
(Manhenke et al. 1995). präde­sti­niert sind. der GW-Überdeckung nicht immer identisch mit der hydrogeoche-
misch-genetischen Geschützt­heitsbewertung der GW-Lagerstätten
Auf der Grundlage hydrogeologischer Erkundungsarbeiten sind Hauptinhalt der Karte ist die hydrogeochemisch-genetische ist. Deutlich wird dies z. B. in den Hochflächen der Uckermark und
ausgewählte Grund­wasserlagerstätten nach ihrem verfügbaren GW- Zustands­beschreibung der Fassungsstandorte bzw. fassungs- des Flämings. Hier unterliegen trotz der vorhandenen günstigen
Vorrat, der Gesamtschutz­funktion ihrer GW-Überdeckung sowie nahen Räume der jeweiligen GW-Lagerstätten. Dafür wird das im Verhältnisse der GW-Überdeckung anteilig viele Vorräte der aktu-
ihrem hydrogeochemisch-genetischen Zustand bewertet worden. LGRB entwickelte „Hydrogeochemische Genesemodell der Wässer ellen GW-Neubildung und den damit verbundenen relativ geringen
in den Grundwasserleiterkomplexen des Landes Brandenburg“ Aufenthaltszeiten, sind also den anthropogenen Stoffeinträgen (z.
In die Karte wurden regional bedeutende ungenutzte sowie genutzte (Rechlin 1997, 2000) verwendet, das aktuell wesentlich erweitert B. Düngemittel) unmittelbar zugänglich. Hingegen konnten für
GW-Lager­stätten (Einzugsgebiete) aufgenommen, wobei letztere und auf eine neue Grundlage gestellt wurde. Damit besteht nun- die Ressourcen der Prignitz, Teile des Barnims und der Beeskower
eine genehmigte Förder­menge von Q365 ≥ 5 000 m3/d aufweisen. mehr die Möglichkeit, die Herkunft der Grundwässer zu ermitteln, Platte ein guter Geschütztheitsgrad und damit längere Aufenthalts-
In diesen genutzten GW-Lagerstätten kann an 65 Standorten eine geologische Lagerungs­verhältnisse zu bewerten sowie anthro- zeiten im Sedimentpaket ermittelt werden. Daraus folgt, dass hier
Menge von mehr als 800 000 m3/d gehoben werden. Aufgrund der pogene und/oder geogen-salinare Stoffeinträge auch geringerer eine Übereinstimmung von geologischen und hydrogeochemisch-
infra­strukturellen Gegebenheiten und dem sich daraus ableitenden Konzentration zu erkennen. Mit Ausnahme des geogen-salinaren genetischen Befunden vorliegt.
Bedarf liegen viele Wasserwerke in den Ballungsgebieten. So ste- CaCl2-Typs (sehr gut geschützt) sind alle CaSO4-haltigen Wässer
hen im sogenannten Speckgürtel von Berlin fast 20 Wasserwerke als grundsätzlich ungeschützt einzustufen. Sie werden durch die In den Tälern, die eine sehr geringe bis geringe Gesamtschutz-
mit einer genehmigten Menge von ca. 300 000 m3/d in Nutzung. genetischen Haupttypen CaSO4, Na2SO4 und MgSO4, die durch funktion der GW-Überdeckung aufweisen, treten in den Fassungs-
Die größten Wasserwerke im Land sind Stolpe, Tettau, Cottbus GW-Neubildung geprägt sind, beschrieben. Im Gegensatz dazu sind bereichen der GW-Lagerstätten genetisch meist ungeschützte bis
und Staaken mit Tagesförderungen zwischen 74 000 m3/d und die geschützten Wässer durch das Auftreten des hypothetischen gering geschützte Verhältnisse auf. Nachweisbar ist aber auch, dass
24 000 m3/d. Salzes Mg(HCO3)2 gekennzeichnet. Dazu gehören im Wesentlichen in geologisch ungeschützten Brunnenstandorten Wässer aus gut
die genetischen Typen MgCl2, NaHCO3 und Ca(HCO3)2, die längere geschützten Bereichen mit längeren Aufenthaltszeiten gefördert
Für die 58 ungenutzten Lagerstätten ist eine Vorratsmenge von Aufenthaltszeiten der Wässer im hydraulischen System repräsen- werden.
Q365 > 500 000 m3/d hydrogeologisch erkundet worden, wobei tieren. Zu diesen den geogenen Background repräsentierenden
die meisten aufgrund günstiger Speisungsbedingungen in den Grundtypen gehören weitere genetische Typen, mit denen dann In Auswertung dieser Karte ist erkennbar, dass für eine Standort­
Hochflächen liegen. So stellen der Fläming und der Barnim mit die Stoffeinträge in das Süßwassersystem einschließlich Uferfiltrat bewertung nicht nur die geologischen Lagerungsverhältnisse,
> 20 000 m3/d bzw. ca. 40 000 m3/d die größten Grundwasser­ ermittelt werden können. sondern auch der hydrogeochemisch-genetische Zustand des
reserven für die Trink­wassergewinnung dar. Größere Vorräte sind Grund­wassers herangezogen werden muss. Die sich darauf grün-
auch in der Uckermark mit > 33 000 m3/d und auf der Beeskower In der Karte wird eine sich aus dem Genesemodell (Arbeitsstand denden Aussagen zur eigentlichen Geschütztheit des Grundwassers
Platte mit ca. 30 000 m3/d verfügbar. 2001) ergebende erste Beurteilung des Zustandes brandenburgi- können wesentliche Grundlagen für wasserrechtliche Entscheidun-
scher GW-Lagerstätten und deren Geschütztheits­bewertung auf gen, z. B. zu Investitions­vorhaben, sein.
Eine besondere Form der GW-Vorräte sind die ausgewiesenen hydrogeo­chemisch-genetischer Grundlage dargestellt.
neun Mineralwasser­vorkommen, die sich durch ihre qualitativen Für die Mitwirkung bei der Erarbeitung der Grundlagen der Karte
Eigenschaften als natürliche Wässer auszeichnen und staatlich Für einen Teil der untersuchten Lagerstätten konnte aufgrund der danken wir Frau P. Haschke sowie den Herren D. Brose, G. Hotzan
anerkannt sind. für genetische Aussagen nicht hinreichend genauen bzw. fehlender und R. Kalatz.
chemischer Analysen keine entsprechende Bewertung vorgenom-
Die als Kartenhintergrund dienende Gesamtschutzfunktion der men werden.
GW-Überdeckung repräsentiert die geologischen Lagerungs­
verhältnisse und bezieht sich im ent­sprechenden Gebiet auf den Sämtliche genetische Typen, also auch die der Kategorie „Grundwäs-
jeweiligen Hauptgrundwasserleiter. Es werden drei Klassen aus- ser mit deutlichen anthropogenen Stoffeinträgen“, liegen meist weit

112
Grundwasserlagerstätten - Genese und Geschütztheit
1 : 1 000 000
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

53°
30'
53° Kölpin-
Erkundete unterirdische Einzugsgebiete der

er
ck
30' see

Ue
Plauer
See
M e c k l e n b u r g - V o r p o m m e r n
Grundwasserlagerstätten
Müritzsee

Einzugsgebiete mit potentieller Nutzung Q365 ≥ 5 000 m³/d


Prenzlau
Einzugsgebiete ohne aktuelle Nutzung
Elde

er
e
Eld

Od
Mineralwasservorkommen

Hydrogeochemisch-genetischer Zustand der Grund-


St e
p e n i tz

Perleberg
wässer im fassungsnahen Raum entsprechend
El
be
53°
dem Genesemodell
00'
53° Nieder- Rhin
00' sachsen Grundwasser geogener Herkunft
P O L E N

Ha
Werbellinsee

vel
se
Dos
Neuruppin
Grundwasser mit deutlichen anthropogenen Stoffeinträgen
Ka na
H a v e l- l
Oder-
Eberswalde Grundwasser mit signifikanten geogen salinaren Stoffeinträgen
Hav
el

Oranienburg
Wasser des ungeschützten GWLK 1 aus Ufer- und Seeboden-
Rhin filtrat mit kurzen Aufenthaltszeiten - ungeschützt
neubildungsgeprägte Wässer des GWLK 1 und GWLK 2
Od
er mit kurzen Aufenthaltszeiten - gering geschützt

Rathenow
H av el- Kanal überwiegend neubildungsgeprägte Wässer des GWLK 2 und 3
mit längeren Aufenthaltszeiten - gut geschützt
S a c h s e n - B e r l i n
Sp
ree
Seelow 52°
30'
überwiegend stationäre Wässer des GWLK 2 und 3 mit
52°
30'
A n h a l t sehr langen Aufenthaltszeiten - sehr gut geschützt
Beetzsee

Hav
el
Potsdam
keine bzw. nicht auswertbare Analysen
Brandenburg
a. d. Havel Sp re
e- Frankfurt/
l

Ka nal
Oder
na

O d e r-
Geschütztheitsgrad der Grundwasserüberdeckung
Ka
e l-

Schwielow-
av

see
-H
be
El

sehr geringe bis geringe Gesamtschutzfunktion der Grund-


Nu

We
se r
th e

-E l b
e-K
a na
l Scharmützelsee
wasserüberdeckung

Beeskow mittlere Gesamtschutzfunktion der Grundwasserüberdeckung

D a hm e
Belzig
Spr ee

Luckenwalde
hohe bis sehr hohe Gesamtschutzfunktion der Grundwasser-
Schwieloch-
überdeckung
see
52°
00'
52° Braunkohlentagebaue (aktuelle und stillgelegte)
00'
Lübben/
Spreewald

Verwendete Unterlagen:
Saale

e
Bode Elb

L
HÖLTING, B., HAERTLE, T., HOHBERGER, K. H., VILLINGER, E.,
WEINZIERL, W. & J.-P. WROBEL (1995): Konzept zur Ermittlung der Schutz-

au
s itz er
S ch war z e E l ste
r
Cottbus funktion der Grundwasserüberdeckung. - Geol. Jb. C63, Hannover
Muld

Forst/
Lausitz
e

MANHENKE, V., HANNEMANN, M. & B. RECHLIN (1995): Gliederung und


Herzberg/Elster
Bezeichnung der Grundwasserleiterkomplexe im Lockergestein

Ne
des Landes Brandenburg. - Brandenburg. geowiss. Beitr. 2, 1, Kleinmachnow

iße
RECHLIN, B. (1997): Zur Anwendung des Hydrogeochemischen Genese-
modells der Wässer in den GWLK des Landes Brandenburg.-
Brandenburg. geowiss. Beitr. 4, 1, Kleinmachnow
Senftenberg
$WODV]XU*HRORJLHYRQ%UDQGHQEXUJ.DUWH38 51° RECHLIN, B. (2000): Möglichkeiten der Identifizierung anthropogener Stoff-
30'
einträge mit Hilfe des "Hydrogeochemischen Genesemodells der Wässer
51°
30' ‹ /%*5&RWWEXV S
in den Grundwasserleiterkomplexen des Landes Brandenburg.-
pr e
e
S a c h s e n Aktuelle Reihe 4.2/2000 (Tagungsband, Teil 2) der BTU Cottbus,
     NP S. 68-79, 6. Abb.
P u l s ni t z

Archivunterlagen des LBGR


11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

Kartengrundlage: Topographische Karte, Land Brandenburg, Maßstab 1 : 1 000 000 Nutzung mit Hermsdorf, A., Kaboth, U. & B. Rechlin et al.
Genehmigung des Landesvermessungsamtes Brandenburg, Nummer: GB 107/01

113
Grundwasserflurabstand
Die Karte stellt die Isohypsen des Grundwasserflurabstandes be- ferenziert. Die Flurabstände schwanken zwischen 5 und 11 m, here Flurabstände auf. Der hydrogeologische Aufbau ist durch die
zogen auf den Grundwasserdruckspiegel in Intervallen von 10 m nur vereinzelt können Werte über 20 m auftreten. Die Belliner und mehrfache Wirkung des Inlandeises recht kompliziert gestaltet. Die
dar. In Gebieten ohne Grundwasser hemmende Bedeckung wird Gliener Hochfläche ist eine von holozänen Niederungen umgebe- glazigenen Lagerungsstörungen reichen bis in erhebliche Tiefen.
somit der Abstand der freien Grundwasseroberfläche bzw. der Un- ne Insel, die überwiegend mit Geschiebemergel bedeckt ist. Die
tergrenze der Aerationszone zur Geländeoberfläche dargestellt. Flurabstände schwanken zwischen 5 und 15 m. Die Beckenlandschaft der Lausitz (Kirchhainer, Luckauer, Lug, Alt
Döberner und Schliebener Becken) weisen meist einen geringen
In der Karte werden Gebiete (schraffiert) gesondert ausgehalten, in Die Hochflächengebiete im Nordosten von Brandenburg (Ucker- bis mittleren Flurabstand auf. Sie sind den meist wechselhaft aus-
denen eine Grundwasser hemmende Bedeckung zur Ausbildung märker Hochfläche, Gramzower Hochfläche, Penkuner Hochfläche gebildeten Grundwasserleitern zuzuordnen. Die Bedeckung ist an
einer gespannten Grundwasser­oberfläche führt. Hier werden die und Angermünder Hochfläche) weisen überwiegend ungünstige vielen Stellen erodiert.
Druckwasserspiegel zur Darstellung des Flurabstandes heran- Grund­wasserneubildungs- und -fassungsmöglichkeiten auf. Sie
gezogen. Basis der Konstruktion des Grundwasserflurabstandes zeichnen sich durch hohe Geschiebemergelmächtigkeiten aus. Die Lieberoser Hochfläche nördlich des Baruther Urstromtals ist
bilden eine Höhenschichtenkarte (Maßstab 1 : 100 000) und die Der Grundwasser­spiegel ist meist gespannt und liegt in großen durch die Haupteisrandlage des Brandenburger Stadiums sowie
Hydroisohypsen aus den Grundwasser­vorratsprognosen Potsdam, Teilen tief unter der Geländeoberfläche. Es treten Flurabstände die ihnen zugehörigen Sanderflächen gekennzeichnet. Die Flur-
Frankfurt/Oder und Cottbus. zwischen 10 und 46 m auf. Das morphologisch tief eingeschnitte- abstände liegen zwischen 11 und 20 m. Der Grundwasserleiter im
ne Randow-Welse-Bruch zerlegt die Uckermärkische Hochfläche Bereich der Sanderflächen ist größtenteils unbedeckt.
Als weiterführende Information wurde die Darstellung von an der in einzelne Teile und nimmt das von ihr abfließende Grund- und
Oberfläche anstehenden glazialen Stauchungsgebieten aufgenom- Oberflächenwasser auf. Hier herrschen Flurabstände unter 6 m Ähnlich wie der Drebkauer Faltenzug stellt der Muskauer Faltenbo-
men, die wegen ihrer exponierten topographischen Ausprägung und ein generell ungespannter Grundwasserspiegel vor. gen eine durch Gletscherschub entstandene intensiv lagerungsge-
hohe Grundwasserflurabstände zeigen, dabei allerdings einen störte Zone dar, die tertiäre und quartäre Ablagerungen in engem
äußerst wechselhaften Schichtenaufbau besitzen. Westlich des Oderbruchs erstrecken sich die Barnim und Lebuser Wechsel enthält. Durch Stauchung und Verschuppung der Sedi-
Platte, welche durch die Buckower Rinne von einander abgegrenzt mente tritt häufig eine Steilstellung der Schichtenfolgen auf. Die
In weiten Teilen des Blattgebiets treten Flurabstände zwischen werden. Große Bereiche sind glazigen gestaucht und deshalb in Grundwasserbewegung erfolgt im Streichen der Schichtenfolgen.
0 und 10 m auf. Sie sind grundsätzlich im Bereich der Tal- und ihrem hydrogeologischen Aufbau äußerst uneinheitlich. Während Flurabstände bis über 20 m sind auf die morphologische Position
Niederungs­gebiete anzutreffen. Generell liegen hier ungespannte bei den morphologisch exponierten Hochflächenteilen extrem tief- der Stauchfalten zurückzuführen.
Grundwasser­spiegelverhältnisse vor. Es handelt sich hierbei im- liegende Grundwasserspiegel zu verzeichnen sind (Flurabstände bis
mer um den obersten unbedeckten Grundwasserleiter, der seine > 60 m), tritt das Grundwasser am Hochflächenrand und besonders
Verbreitung im Wesentlichen im Eberswalder, Berliner, Baruther in den tief eingeschnittenen Tälern in Form von Quellen zutage.
und Lausitzer Urstromtal und in den holozänen Niederungen des
Elbtales und im Oderbruch hat. Südlich des Berliner Urstromtals erstrecken sich die Hochflächen-
gebiete der Nauener, Teltower und Beeskower Platte. Getrennt
Dagegen weisen die Hochflächengebiete sehr differenzierte Flurab- werden sie durch die Havelseerinne und das Dahme-Seengebiet.
stände des Grundwasserdruckspiegels auf, was zum einen auf ihre Die Flurabstände schwanken zwischen 7 und 51 m, wobei die
morphologische Position und zum anderen auf ihren lithologischen hohen Flurabstände im Stauchungsbereich der Beeskower Platte
Aufbau zurückzuführen ist. Bei den Hochflächengebieten der Prignitz, (Rauensche Berge) auftreten.
der Kyritzer und Neuruppiner Platte handelt es sich vorwiegend um
eine flachwellige Grundmoränenlandschaft. Der hydrogeologische Der Fläming grenzt sich mit deutlichen morphologischen Grenzen
Aufbau ist sehr wechselhaft. Der Flurabstand schwankt zwischen vom nordöstlich gelegenen Baruther Urstromtal ab. Unter über-
10 und 25 m. Lediglich in gestauchten Bereichen treten Flurabstän- wiegend mächtiger Sandbedeckung treten Geschiebemergel auf,
de über 30 m auf. Die geringen Flurabstände (< 10 m) im Bereich die das tiefliegende Grundwasser bedecken. Aufgrund intensiver
des Wittstock-Ruppiner Sanders, des Rüthnicker Sanders sowie im Stauchung ist örtlich mit einer gestörten Lagerung der Grundwas-
oberen Rhinluch sind dem oberen unbedeckten Grundwasserleiter serleiter zu rechnen. Es herrschen gute Versickerungsmöglichkeiten
zuzuordnen. vor. Der Grundwasserspiegel ist im Fläming allgemein erst in großer
Tiefe anzutreffen (Flurabstand bis max. 86 m).
Die Gransee und Templiner Hochfläche wird repräsentiert durch
eine aufgelöste Grundmoränenfläche, die an das östlich gelegene Durch das Dahmetal getrennt schließt sich südöstlich das Lausitzer
Haveldurchbruchstal und den Schorfheider Sander anschließt. Becken und Heideland an. Hochflächenbereiche des Lausitzer
Die Verbreitung oberflächennaher Grundwasser­leiter ist sehr dif- Grenzwalls weisen aufgrund ihrer morphologischen Position hö-

114
Grundwasserflurabstand
1 : 1 000 000
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

53°
30'
53° Kölpin-
Grundwasserflurabstand

er
ck
30' see

Ue
Plauer
See
M e c k l e n b u r g - V o r p o m m e r n
Müritzsee < 10 m

Prenzlau 10 - 20 m
Elde
e

20 - 30 m
Eld

30 - 40 m

Oder
p e n i tz
St e
40 - 50 m
El
be Perleberg

Ha ve
53°

e
00'

ss
50 - 60 m

l
Do
53° Nieder- Rhin
00' sachsen
Werbellinsee P O L E N
Neuruppin
60 - 70 m
K an a l
H a v e l-
Hav
el
Oder- Eberswalde > 70 m

Oranienburg
Rhin

Od
er
Bedeckung des Grundwasserleiters
Rathenow H a v el - K anal

B e r l i n
bindige Bedeckung
Seelow
S a c h s e n -
52°

52° A n h a l t
30'
Stauchung
30'
S pree
Beetzsee

Hav
el Tagebau
Brandenburg Potsdam
a. d. Havel Sp re
e- Frankfurt/Oder
l

Ka nal
na

O d e r-
Ka
e l-

Schwielow-
av

see
-H

Scharmützelsee
be
El

Nu

We
th e

se r
-E l b
e-K
a na
l

Beeskow

D a hme
Belzig

Spr ee
Schwieloch-
Luckenwalde see

52°
00'
52°
00'

Lübben/Spreewald
Saale

e
Bode Elb

S c hw a r z e E l st e Cottbus
r
Muld

Forst/
e

L au
Lausitz

sit
ze
r

Herzberg/

Ne
iße
Elster

Senftenberg
39 51°
30'
51° S
30'
pr e
e

S a c h s e n
Verwendete Unterlagen:
P u l s ni t z Grundwasservorratsprognose Potsdam, Frankfurt und Cottbus

11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

Kartengrundlage: Topographische Karte, Land Brandenburg, Maßstab 1 : 1 000 000 Nutzung mit
Berner, K.
Genehmigung des Landesvermessungsamtes Brandenburg, Nummer: GB 107/01 115
Rückhaltevermögen der Grundwasserüberdeckung
Das Rückhaltevermögen der Grundwasserüberdeckung (Aera­ Die unterhalb der Bodenzone folgende weitere Sickerzone hat, Geschiebemergel, Ton und Schluff werden ab ≥ 3 m Mächtigkeit
tionszone) gegenüber Fremd- und Schadstoffen setzt sich haupt- abhängig von ihrer Mächtigkeit und Zusammensetzung, große als wirksame geologische Barriere bewertet. Für die Errichtung
sächlich Bedeutung für den Grundwasserschutz. Dies trifft auch bei lo- von Deponien bieten sich aus umweltgeologischer Sicht am ehe-
kalen intensiven Schadstoff-Kontaminationen (z. B. Havarien) sten die Gebiete an, in denen das Rückhaltevermögen durch die
- aus dem der Bodenzone, zu. Je mächtiger die Grundwasserüberdeckung und vor allem je Mächtigkeiten von Geringleitern in der Aerationszone besonders
- aus dem organogener Ablagerungen (vorrangig in Niederungs-­ mächtiger die eingelagerten geringleitenden bis stauenden Ge- hoch ist und die Schichten nicht gestaucht sind.
gebieten) und schiebemergel, Schluffe und Tone (Geringleiter) sind, desto länger
- aus dem der bis zum Grundwasserspiegel folgenden Schichten ist die Verweildauer in der Sickerzone und desto höher sind die Solche Gebiete befinden sich weitverbreitet
(weitere Sickerzone) zusammen. Sorptions-, Austausch- und mikrobiellen Abbauergebnisse und das - in der nördlichen Uckermark (Raum Prenzlau),
Rückhaltevermögen der Grundwasserüberdeckung. Für nicht oder - in Teilgebieten der Prignitz (weitere Umgebung von Perleberg
Einfluss auf das Rückhaltevermögen haben außerdem nur sehr schwer abbaubare Schadstoffe ist durch die Geringleiter und Pritzwalk) und
- Störungen der Lagerungsverhältnisse, insbesondere in zwar eine Verzögerung aber kein wirksamer Schutz gegeben. Hier - im Raum östlich von Berlin (Teilgebiete um Werneuchen
Stauchungs­­gebieten, kann der Humusgehalt der Bodenzone gegebenenfalls einen hö- und Müncheberg).
- anthropogen stark veränderte bis neu geschaffene Lage­- heren Rückhalt bewirken.
rungs­verhältnisse in Tagebaugebieten und Kippen und Großräumig ungünstige bis sehr ungünstige Bedingungen für die
- zeitlich wechselnde Grundwasserstände im Grundwasser­- In glazigenen Stauchungsgebieten treten intensive Lagerungs­ Anlage von Deponien kennzeichnen die südlichen Teile von Bran-
absenkungstrichter des Braunkohlenbergbaues. störungen auf. In Extremfällen stehen die Schichten senkrecht. Das denburg (Hannemann & Manhenke 1996).
Rückhaltevermögen ist gemindert, weil die Geringleiter wegen ihrer
Die meist nur geringmächtige Bodenzone stellt den obersten gestörten Lage gegenüber durchsickernden schadstoffbelasteten
Teil der Grundwasserüberdeckung dar. Sie hat vor allem bei Medien nur eingeschränkt wirksam sind.
flächenhaften Kontaminationen durch gasförmige, flüssige und
feste Bestandteile eine große Bedeutung für das Rückhaltever- In den Tagebau- und Kippengebieten der Niederlausitz ist der
mögen (Retention). Böden sind mit Wasser, Luft und Lebewesen natürliche Schichtenaufbau gestört. Das Rückhaltevermögen ist
durchsetzte Umwandlungs­produkte mineralischer und organischer im Allgemeinen gemindert, es ist vom Material der umgelagerten
Substanzen. Ihr unter­schiedliches Rückhaltevermögen ist u. a. Schichten, der Kippentechnologie und den Maßnahmen zur Wie-
auf Unterschiede in der Filterwirkung, der Adsorptionskraft, des derurbarmachung abhängig.
mikrobiellen Abbauvermögens und des pH-Werts zurückzuführen.
Tonreiche Böden weisen die beste Retentionswirkung auf. Sande Der weitgehend zusammenhängende Grundwasserabsenkungs-
haben nur sehr geringe, lehmige Sande mittlere und Lehme hohe trichter der Tagebaue ist ein Gebiet mit relativ kurzzeitigen
Tongehalte. Entsprechend ist das Rückhaltevermögen gering, mittel Grundwasser­standsänderungen. Seit etwa 1990 überwiegen
oder hoch. die Gebiete mit Grundwasseranstieg. Der Anstieg des Grundwas-
serspiegels verringert entsprechend die Mächtigkeit der Grundwas-
Entsprechend des Kartenmaßstabes wurden lehmiger Sand und serüberdeckung.
Lehm in der Bodenzone zusammengefasst, während in der ver-
wendeten Unterlage im Maßstab 1 : 300 000 diese beiden Boden- Die Darstellungen in der Karte ermöglichen Einschätzungen zum Literatur
bereiche differenziert ausgewiesen werden. Rückhaltevermögen der Schichtenfolge oberhalb des Grundwasser­
spiegels. Örtliche Veränderlichkeiten sind entweder noch unbekannt Hannemann, M. & V. Manhenke (1996): Die erste umweltgeologi-
Organogene Ablagerungen treten insbesondere als Nieder- oder konnten dem Kartenmaßstab entsprechend nicht dargestellt sche Übersichtskarte des Landes Brandenburg. - Brandenburg.
moortorf in Niederungen auf, wo sie größere Verbreitung haben werden. geowiss. Beitr. 3, 1, S. 151-153, Kleinmachnow
und häufig mehr als 3 m mächtig sind. Organische Substanzen
in den Böden haben infolge der enthaltenen Huminstoffe eine Je nach Art der Kontamination, z. B. ob schwach oder flächenhaft Hölting, B., Haertle, T., Hohberger, K.-H., Nachtigall, K. H.,
hohe Bindungs­kapazität für Fremd- und Schadstoffe. Organische oder stark und punktförmig eng begrenzt, sind das Rückhaltevermö- Villinger, E., Weinzierl, W. & J. P. Wrobel (1965): Konzept zur
Substanz ist ein Ionenaustauscher u. a. mit besonders hohem Re- gen der Bodenzone und der organogenen Ablagerungen oder das Ermittlung der Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung. -
tentionsvermögen für Schwermetalle. Durch Huminstoffe können der weiteren Sickerzone von größerer Bedeutung. Dabei ist die Art Geol. Jb. C63, S. 5-24, Hannover
u. a. auch Biozide und radioaktive Stoffe fixiert werden. Sehr oft des Schadstoffes, die in der Kartendarstellung nicht zu betrachten
werden Schadstoffe bereits in den obersten Zentimetern humusrei- war, zu berücksichtigen.
cher Schichten zurückgehalten. Das Rückhaltevermögen übersteigt
das der Tonminerale.

116
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     NP

117
Grundwasserversalzung
Das Auftreten von Salzwasser in Oberflächennähe wird bis heute geht eine nach Süden gerichtete Grundwasserströmung aus. Diese Müller-Stoll, W. R. & H. G. Götz (1962): Die märkischen Salzstel-
als Besonderheit und Ausnahme empfunden. Bis zum Ende des verhindert, dass Salzwasseraustritte nicht nördlicher auftreten als im len und ihre Salzflora in Vergangenheit und Gegenwart. - Wiss.
18. Jahrhunderts wurde diese Erscheinung als Möglichkeit der Havelländischen Luch. Die hydrodynamische Barriere des Barnims Z. Päd. Hochsch. Potsdam, Math.-nat. R. 7, 1/2, S. 243-296,
Kochsalzgewinnung genutzt. Negativ wird sie erst gesehen, seit und der Lebuser Hochfläche ist anscheinend auch die Ursache Potsdam
Grundwassernutzung örtlich zu einem Ansteigen des Salzgehaltes dafür, dass im Grundwasseraustrittsgebiet des Oderbruchs, nur bis
in Brunnen führte. 10 m über Ostseeniveau gelegen, nicht gehäuft Salzwasseraustritte Müller-Stoll, W. R. & H. G. Götz (1993): Vegetationskarten von
vorhanden sind. Salzstellen Brandenburgs. - Verh. Bot. Ver. Berlin-Brandenburg
Im Liegenden der Rupelschichten tritt Wasser mit mindestens 25 g/l 126, 5, S. 4-24, Berlin
Kochsalzgehalt auf. Oberoligozäne und miozäne Sedimente enthal- Der unteroligozäne Rupelton bewirkt als regionaler Grundwasser­
ten regional begrenzt ebenfalls Salzwasser, allerdings in geringerer hemmer im allgemeinen eine scharfe Trennung zwischen höher­ Schirrmeister, W. (1997): Aus der Literatur überlieferte Angaben
Konzentration. Vom Oligozän zur Trias nimmt der Salzgehalt mit der liegendem Süßwasser und tieferliegendem Salzwasser. An Stellen, über natürliche Salzwasseraustritte an der Grundwasseroberflä-
Tiefe bis zur Sättigung mit Kochsalz zu. Die Süß-Salzwassergrenze an denen der Rupelton fehlt, besteht bei entsprechenden Druck­ che/Geländeoberfläche in Brandenburg. - Brandenburg. geowiss.
wird maßgeblich von der Höhe der Grundwasserneubildung und unterschieden die Aufstiegsmöglichkeit des Salzwassers in die Beitr. 3, 1, S. 94-96, Kleinmachnow
vertikalen Druckdifferenzen bestimmt. Von der Lage der Neu- jüngeren tertiären und quartären Grundwasserleiter. Dabei werden
bildungs- und Druckentlastungszonen sowie den großräumigen die vorhandenen Druckdifferenzen abgebaut und das Salzwasser Schmitt, K. (1994): Hydrogeochemische und hydraulische Unter­
hydraulischen Druckdifferenzen ist es abhängig, ob Salzwässer wird im normalen Grundwasserstrom mitgeführt. Es wird vorwie- suchungen von stark mineralisiertem Grundwasser an Beispie-
aufsteigen können. gend an der Basis und auch innerhalb des Süßwasserkomplexes len nördlich Treuenbrietzen. - Unveröff. Diplomarb., Institut für
laminar transportiert und kann eine bedeutende Entfernung vom Geologie und Paläontologie der TU Berlin
Derzeitige Lage der Süß-Salzwassergrenze Ursprungsort erreichen, ehe es an der Oberfläche austritt. So wur-
den z. B. unterhalb des Salzstockes Blankensee, bezogen auf die
Die Tiefenlage der Süß-Salzwassergrenze korreliert regional Grundwasser­fließrichtung, auf einer Entfernung von 9 km bisher
deutlich mit der Höhe des Grundwasserspiegels, d. h., wo der sieben Salzwasseraustritte erkannt.
Grundwasserspiegel topographisch höher liegt, ist die Grenze
zum Salzwasser tiefer. Im Norden des Landes, am Südrand der Die Lage der Salzwasseraustritte ist sehr labil; Gewässerregulierun-
Mecklenburgischen Seenplatte und im Nordbrandenburgischen gen, aber auch jahreszeitliche Schwankungen des Grundwasser-
Platten- und Hügelland kann sie unterhalb -200 m NN liegen. Im spiegels können bedeutende laterale Verlagerungen verursachen.
Fläming liegt die Süß- Salzwassergrenze bei etwa -100 m NN. Bei ortsstabiler Lage der Salzwasseraustritte siedeln sich häufig
salzliebende und salztolerante Pflanzen an. Gröben, Ütz Nauen Storkow Luch
Die hydrodynamischen Hochlagen grenzen die Möglichkeit für
%HCO3 %HCO3
%HCO3

%C %SO4 %C %SO4

flächenhafte Versalzungen oberhalb des Rupeltones ein. Diese ist Hydrochemie der Salzwässer
%C %SO4 l l
l

nur in Gebieten gegeben, in denen der Grundwasser­spiegel deutlich %Ca %NaK %Ca %NaK %Ca %NaK

unter 60 m NN liegt. Das versalzene Grundwasser im Känozoikum ist fast immer ein %Mg %Mg %Mg
NaCl-Wasser. Untergeordnete Beimengungen von Erdalkali-
Sperenberg See Grössinsee Blankensee
Salzwasseraustritte und Herkunft der Salzwässer Chloriden geben Hinweise auf die Ursprungssolen und damit auf %HCO3
%HCO3
%HCO3

Wanderwege. Mischungen und Austauschreaktionen machen sich %C


l
%SO4
%C
l
%SO4
%C %SO4

Abgesehen von lokalen Salzwasseraustritten am Zechsteinaus- verstärkt bemerkbar. Die hydrogeochemische Vielgestaltigkeit der
l

%Ca %NaK %Ca %NaK

biss bei Luckau konzentrieren sich die brandenburgischen Salz- Salz­wasseraustritte ist deutlich in der nebenstehenden Abbildung
%Ca %NaK

%Mg %Mg %Mg


wasseraustritte auf die Niederungen des Baruther und Berliner (Abb. 44) zu erkennen. Das Wasser wechselt vom NaCl-Wasser
Urstromtales, auf die Elbeniederung in der Prignitz und auf das (Gröben, Ütz) über Zumischungen von CaSO4 in unterschiedlichem
Entwässerungssystem der Ücker in der Uckermark. Ausmaß (Nauen, Storkow, Sperenberg) zum Sulfatwasser (Grös- Grundwassertypen an ausgewählten Salzwasseraustritten
sinsee) und letztendlich zum Bikarbonatwasser (Blankensee).
Der Ursprung für das Salzwasser im Zentralteil Brandenburgs ist
hauptsächlich die postpleistozäne und rezente Ablaugung der Abb. 44 Hydrogeochemie ausgewählter Salzwasseraustritte
paläozoischen und mesozoischen Salze am Südrand ihres Verbrei- Literatur
tungsgebietes. Das Neubildungsgebiet des Flämings mit seinem
Druckmaximum ist der „Motor“ für die Grundwasserbewegung Glander, H. & W. Schirrmeister (1975): Erfassung und Darstellung
in nördliche Richtung. Von den hydrodynamischen Hochlagen der oberen Mineralwassergrenzfläche. - Z. angew. Geol. 21, 7,
des Barnims, der Uckermark, der Ruppiner Platte und der Prignitz S. 322-331, Berlin

118
Grundwasserversalzung
1 : 1 000 000
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

53°
30'
53° Kölpin-
Salzwasser

er
ck
30' see

Ue
Plauer
See
M e c k l e n b u r g - V o r p o m m e r n
Müritzsee
an der Oberfläche hydrochemisch nachgewiesen

Prenzlau an der Oberfläche botanisch nachgewiesen oder


Elde
keine näheren Angaben

er
e
Eld

Od
flächenhaft oberhalb NN

St e
p e n i tz oberhalb des Rupels
Perleberg
El
be
53°
00' l l l l l l
Südgrenze zusammenhängender Salzwasser-
53°
00'
Nieder-
sachsen
Rhin
verbreitung im präquartären Untergrund

Ha
P O L E N

ve
Werbellinsee

l
se
Dos
Neuruppin

Oder-
H a v e l-
K an a l
relevante geologische Strukturen
Hav
Eberswalde
el

l l l l l l Südgrenze der Zechsteinverbreitung


Rhin Oranienburg

Od
l l l l l l Südgrenze des tonigen Rupels
er
H avel- K anal
Rathenow
Rupelton reduziert
S a c h s e n - B e r l i n Seelow
52°
Sp
ree 30'
52° A n h a l t
30' Rupelton ausgeräumt
Beetzsee

el
Hav

Brandenburg Potsdam
Frankfurt/Oder
a. d. Havel Spre e-
l
na

r- K a na l
Od e
Ka

Grundwasserstand (m NN) des quartären Haupt-


e l-

Schwielow-
av

see
-H
be
El

We
se r
Scharmützelsee grundwasserleiterkomplexes (GWLK2)
-E l b
e-K
a na
l
N ut he

Beeskow 0 - 20 m

D a h me
Belzig
Spr ee

Luckenwalde Schwieloch-
see
20 - 40 m
l l 52°
l l
l l l 00'
52°
00' 40 - 60 m
Lübben/Spreewald l
l
l l
l l
l l
l l
60 - 80 m
l l l l
Saale

Elb
e l l l l l l

Lau si tz
Bode l l l l
l l l l l l l l l l l l
l l l l
l l 80 - 100 m

er
l l Nei
ß
l l

e
Cottbus
l l l l
S c h w a r z e E l st e r l l
l l
Muld

l l l Forst/Lausitz
l
l l l l l l l l l l l l l l l
e

l l l l l ll l l 100 - 120 m
l

l l
l

l l
l

l l l l l l l
l l l l l
l
Herzberg/Elster l
l l
l
> 120 m
l
l
l
l l
l l

Senftenberg
l

41 51°
30' Hauptgrundwasserscheide Oder/Elbe
51° S
30'
pr e
e

S a c h s e n

P u l s ni t z

11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

Kartengrundlage: Topographische Karte, Land Brandenburg, Maßstab 1 : 1 000 000 Nutzung mit
Schirrmeister, W.
Genehmigung des Landesvermessungsamtes Brandenburg, Nummer: GB 107/01
119
Braunkohlenführendes Tertiär und Altbergbau
Braunkohlen sind in Brandenburg flächenhaft ausgebildet. Ihre Konkurrenz der Großtagebaue. Ab der Jahrhundertwende überwog
wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten sind, abhängig von der dann die Braunkohlengewinnung aus Tagebauen, vorwiegend in
Flözmächtigkeit, der Kohlequalität und der Tiefenlage zur Erdober- der Lausitz.
fläche unterschiedlich zu bewerten. Die Verbreitung bauwürdiger
Flöze ist wesentlich geringer als die des dargestellten Horizontes. Im Jahre 1889 förderten Tagebaue und Schächte in der Niederlau-
sitz etwa 3,5 Millionen Tonnen Braunkohle. 1912 lag die Förderung
Braunkohlenabbau ist in der Vergangenheit weit über die Grenzen bei etwa 65 Millionen Tonnen und 1987 wurden im gleichen Revier
des heute bekannten Braunkohlenreviers der Lausitz hinaus in mehr als 200 Millionen Tonnen Rohbraunkohle abgebaut.
Brandenburg umgegangen. Grundlegende Bedeutung als Energie­
träger gewann die Braunkohle, bedingt durch die wirtschaftliche Zurück blieben eine Vielzahl von Hohlräumen in unterschiedlichen
Entwicklung, ab der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Vorausset- Teufen, die die Nutzung der Erdoberfläche über denselben immens
zung für gewinnbringenden Abbau der Braunkohle war ihr Vor- beeinträchtigen können. Etwa 2,2 % der Erdoberfläche Branden-
handensein in Oberflächennähe. Die Bedeckung der tertiären, burgs sind durch Einflüsse des Altbergbaus beeinträchtigt.
braunkohlen­führenden Sedimente mit jüngeren Ablagerungen
nimmt in Brandenburg von Süden nach Norden zu. Daher finden Die Bereiche der untertägigen Grubenbaue inklusive der Bruchfel-
sich in der Lausitz relativ flächenhaft verbreitet Tagebaue und Reste der stellen in jedem Falle einen ingenieurtechnisch geschwächten
alten Braunkohlentiefbaus. Weiter nach Norden sind die Abbaue Teil der Erdoberfläche und damit eine Gefahr für die öffent-
(vorwiegend Tiefbaue) eng an glazigene Stauchungszonen gebun- liche Sicherheit dar. Um derartige Flächen sicher zu machen,
den. Das sind jene Bereiche, in denen das Inlandeis tiefergelegene sind umfangreiche und kostenaufwendige Untersuchungen und
Schichten aufgepresst und gefaltet hat. nachfolgende Sanierungs­maßnahmen erforderlich. Da dafür nur
begrenzte Mittel zur Verfügung stehen, ist eine Wichtung der po-
Der Energiebedarf steigt mit dem jeweiligen wirtschaftlichen tenziellen Gefährdung und die Festlegung von Prioritäten bei der
Fortschritt. Die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts war in Sanierung von großer Bedeutung.
Brandenburg geprägt durch die Deckung des Bedarfs an Energie-
trägern aus verbraucher­nahen Gewinnungsstätten. Die einzelnen Nicht nur die initialen Hohlräume, sondern auch das über ihnen
Braunkohlen­gruben fanden ihre Abnehmer in relativer Nähe. Holz befindliche, strukturell gestörte Deckgebirge sind zu verfestigen. Die
war rar geworden, Wind und Wasser als Energieträger reichten nicht bergmännisch angelegten Hohlräume und Auflockerungszonen sind Abb. 45 Ausgekohlte Kammer
mehr aus. Geringe Transportentfernungen und damit verbundene durch Bohrungen, möglichst unter Einbeziehung geophysikalischer Beim „Rauben“ des hölzernen Ausbaus. Nach Beseitigung des
niedrige Preise wogen Qualitätseinbußen gegenüber dem alterna- Untersuchungsmethoden, aufzusuchen. Anschließend wird in die Ausbauholzes bricht das Deckgebirge, unter bestimmten geologi-
tiven Energieträger, der Steinkohle, auf. nachgewiesenen Hohlräume aushärtender Versatz, der sogenannte schen Bedingungen mit erheblicher zeitlicher Verzögerung, bis zur
Bergbaumörtel, unter leichtem Druck eingepresst. Nach dessen Erdoberfläche durch.
Der Abbau der Kohle im Tiefbau erfolgte im Kammerpfeilerbruch- Aushärtung sind in der Regel weitere Brüche an der Erdoberfläche
bau überwiegend manuell durch Hackarbeit. Nach Auskohlung der auszuschließen.
Kammern, deren Abmessungen bei etwa 25 m2 Grundfläche und
2 bis 4 m Abbauhöhe lagen, wurden diese durch Herausreißen Als Ergebnis derartiger Sicherungsmaßnahmen gibt der ausführen-
der Abstützhölzer (Rauben) zu Bruch gebracht. Die einbrechenden de Betrieb eine Sicherheitseinschätzung ab. Diese wird gemeinsam
Hohlräume bewegten sich durch Nachbrechen mehr oder weniger mit den zuständigen Behörden und den betroffenen Kommunen
schnell zur Erdoberfläche und hinterließen dort Bruchtrichter. Die beraten, so dass entsprechend gesicherte Flächen wieder einer
Gesamtheit aller Tagesbrüche bildete dann ein Bruchfeld. Häufig vielfältigen Nutzung zugeführt werden können.
blieben einzelne Brüche stecken und erreichten die Erdoberfläche
nicht. Die Förder- und Erschließungsstrecken wurden nach Auf-
gabe der Bergwerke in der Regel unverfüllt gelassen, so dass auch
sie heute noch Hohlräume im Bereich der alten Bergwerke bilden
können. Literatur

Die Konjunktur der Braunkohlentiefbaue in Brandenburg dauerte Brose, F. (1994): Zu einigen Problemen des Altbergbaus ohne Abb. 46 100 Jahre nach Aufgabe dieses Grubenteils entstand
etwa ein halbes Jahrhundert – um 1900 überholte die technische Rechtsnachfolger im Land Brandenburg. - Brandenburg. geowiss. der hier gezeigte Bruch während der vorbereitenden Bauarbeiten
Entwicklung diese Form der Brennstoffgewinnung. Sie unterlag der Beitr. 1, 1, S. 113-116, Kleinmachnow für ein Industriegebiet über altem Braunkohlentiefbau.

120
121
Braunkohlenflöze und Tagebaugebiete
„Unter den zerbrechlichen Steinen gibt es einige, die, wenn man Dieser Inkohlungsprozess, der auch als Carbonifikation bezeichnet Die für Brandenburg wesentlichen Flözbildungszeiträume lagen im
sie ins Feuer bringt, wie angezündete Kohlen werden und lange so wird, findet in verschiedenen Stufen statt. In einer ersten Phase wird Unter- bis Mittelmiozän. Untergeordnet sind auch eozäne und oli-
verbleiben. ...sie fangen Feuer, wenn man glühende Kohlen darauf durch biochemische Vorgänge aus der unveränderten Pflanzensubs­ gozäne Flöze entwickelt, die jedoch für die wirtschaftliche Nutzung
wirft... ...Diejenigen Steine, die man Kohlen nennt und häufig für tanz Torf gebildet. Hierbei wird die abgestorbene Pflanzensubstanz im brandenburgischen Raum keine Rolle spielen.
den häuslichen Gebrauch gewinnt, sind erdartig. Sie entzünden sich im oberflächennahen Grundwasser der Oxidationszone durch
wie Holzkohlen. Man findet sie in Ligurien, .... und zu Elis auf den Sauerstoff, Pilze, Bakterien und chemische Stoffe des Grundwas- Die größte flächenhafte Verbreitung und auch die größte wirt-
Bergen, über welche man nach Olympia geht. Ihrer bedienen sich sers zerstört. Im Laufe der Zeit sammelt sich immer mehr Pflan- schaftliche Bedeutung von den in Brandenburg ausgebildeten Flöz­
die Schmiede.“ berichtet der griechische Philosoph Theophrastos zensubstanz an, bedeckt die unterlagernden Schichten, die dann horizonten besitzt das 2. Miozäne Flöz. Es wird im Niederlausitzer
aus Eresos (372-288 v. u. Z.) (vgl. Zincken 1867, S.1). Auch Marco in eine Zone mit abnehmendem Sauerstoffeinfluss gelangen. Bei Braun­kohlenrevier seit Jahrzehnten abgebaut. Seine Mächtigkeit
Polo weiß von seiner Ostasienreise (1271-1295) zu berichten, dass weiterer Absenkung und Bedeckung gelangt die Substanz dann in schwankt hier zwischen ca. 8 und 14 m. Weiter nach Norden spaltet
in China schwarze Steine aus den Bergen gegraben werden, die eine sauerstofffreie Zone, die sogenannte Reduktionszone. Hier es in mehrere Flözbänke auf. Die Kohle weist geringe Asche- und
im Feuer wie Holz brennen. Werden sie am Abend angezündet, wird das Torfstadium erreicht. Diese erste Etappe der Inkohlung, Schwefelgehalte auf und besitzt gute Brikettiereigenschaften. Sie ist
halten sie die ganze Nacht das Feuer. die Vertorfung, wird auch als Diagenese der Kohlen bezeichnet. für die Herstellung von Braunkohlen-Hochtemperatur-Koks und für
Dieser Prozess setzt sich bis in das Stadium der Weich­braunkohlen die Druckvergasung gut geeignet. Ihre Eigenschaften führten dazu,
Die hier beschriebenen fossilen Brennstoffe waren offensichtlich fort. Unter weiterer Druck- und Temperatur­belastung setzt die dass die Braunkohle zwischen 1950 und 1990 im Niederlausitzer
Braunkohlen. Bis zur Nutzung der natürlich auftretenden Kohlen geochemische Phase des Prozesses ein. Im Verlauf dieses, auch Braunkohlenrevier mit einer jährlichen Förderung von ca. 114 Mio t
war es dann jedoch noch ein weiter Weg. Bis zur Mitte des 18. Metamorphose der Kohlen genannten Vorganges, können die zum Hauptenergieträger wurde (z. B. wurden damals auch 65%
Jahrhunderts wurde der Holzkohle der Vorzug gegeben. Erst ab ca. nachfolgenden Stadien Hartbraunkohle, Steinkohle bis hin zum des Stadtgases aus tertiären Braunkohlen erzeugt). Neben der Bri-
1840 begann die Steinkohlenförderung enorm zu steigen. Gründe Anthrazit durchlaufen werden. Im brandenburgischen Tertiär endete kettierung, Verkokung und Gaserzeugung diente die Braunkohle
dafür lagen in der technischen Entwicklung, wie der Eisenerzer- die Inkohlung im Stadium der Braunkohle. auch der Bitumenextraktion und vor allem der Erzeugung von
zeugung, der Eisenbahn und der Dampfschifffahrt. Ein weiterer Elektro- und Wärmeenergie. Der heutige Abbau der Braunkohle
Förderanstieg ist mit der Entwicklung der chemischen Industrie In der Karte sind für den Kartenmaßstab generalisierte Verbreitungs­ beschränkt sich auf nur noch drei Tagebaue in dieser Region, ihre
verbunden. Hier war es vor allem die zur Farbherstellung benötigte grenzen tertiärer Braunkohlenflöze dargestellt. Die miozänen Nutzung auf Verstromung und mehr oder weniger geringfügige
Anilingewinnung aus Steinkohlenteer. Seit dem 19. Jahrhundert Braunkohlen umfassen in altersmäßig aufsteigender Reihenfolge Brikettierung und Wärmeerzeugung (s. Nestler 1999).
erlangte dann auch die Braunkohle als Brennstoff und chemischer folgende Flözhorizonte:
Rohstoff zunehmend an Bedeutung.
4. Miozäner Flözhorizont (einschließlich Flöz Lübbenau)
Zur Bildung von Kohlen muss eine Reihe von biologischen und 3. Miozäner Flözhorizont Literatur
chemisch-physikalischen Voraussetzungen erfüllt sein. Besondere
Flöz Biesenthal
Bedeutung kommen dabei den geologischen und klimatischen Lotsch, D., Ahrens,H., Bachmann, G., Jortzig, H. et al. (1982):
Bedingungen zu, die entscheidende Bedeutung dafür besitzen, 2. Miozäner Flözhorizont Gesamteinschätzung Ressourcenpotenzial (GERP) Braunkohle
ob es überhaupt zur Ausbildung von Kohlenflözen kommen kann. 1. Miozäner Flözhorizont DDR, Gebiet Berlin. - Unveröff. Ber., ZGI, Berlin
Dazu gehört in erster Linie ein permanent durchfeuchteter Raum
mit ausgeprägtem Moorwachstum. Dieser Raum muss eine mehr Wegen geringer, nur begrenzter Bedeutung für Brandenburg
Nestler, P. (1999): Braunkohlenlagerstätten in Brandenburg –
oder weniger kontinuierliche Absenkungsrate aufweisen, die in werden lokale Einzelflöze hier nicht aufgeführt. Außerdem ist mit
Förderentwicklung und Nutzungsperspektiven. - Brandenburg.
etwa der Geschwindigkeit des Wachstums der Moorpflanzen sowie der hier dargestellten geologischen Verbreitung der Flözhorizonte
geowiss. Beitr. 6, 1, S. 39-46, Kleinmachnow
deren Absterberate entspricht. Dieser Prozess muss weiträumig und keine Aussage über tatsächlich nutzbare Lagerstätten verbunden.
über einen längeren Zeitraum stattfinden, um eine entsprechende Nur in wenigen Gebieten werden die dafür notwendigen Kriterien Pätz, H., Rascher, J. & A. Seifert, (1986): Kohle - ein Kapitel aus
flächenhafte Verbreitung und Mächtigkeit (Schichtdicke) eines erfüllt. dem Tagebuch der Erde. - Leipzig
späteren Kohlenflözes zu erhalten. Schwarzbach (1949) rechnet
mit einem Moorwachstum von ca. 25 000 bis 50 000 Jahren für Die heutige Verbreitung der Braunkohlen entspricht nicht mehr der Schwarzbach, M. (1949): Die Sedimentationsdauer mächtiger
ein 10 m mächtiges Braunkohlenflöz. Danach sind eine Absen- natürlichen Ausdehnung des ursprünglichen Bildungsraumes der Braunkohlenflöze. - Braunkohle, Wärme und Energie, 3/4, S.
kung des Moores in mehr oder weniger größere Tiefen und eine Braunkohlenmoore. Sie wurde zunächst durch intratertiäre geolo- 57-59, Düsseldorf
ausreichende Sedimentbedeckung erforderlich. Es muss zu einer gische Prozesse modifiziert. Einen großen Einfluß auf die heutige
Druck- und Temperaturbelastung des Moores kommen, die zu Verbreitung hatten danach quartäre eiszeitliche Vorgänge, die zu Zincken, C. F. (1867): Die Physiographie der Braunkohlen. - Leip-
seiner weitgehenden Entwässerung und Kompaktion führt und erheblichen Einschränkungen in Verbreitung und Mächtigkeiten zig
den Prozess der Umwandlung abgestorbener Pflanzensubstanz in des braunkohlen­führenden Tertiärs führten und die auch die La-
Kohle einleitet. gerungsverhältnisse erheblich beeinflussten.

122
Braunkohlenflöze und Tagebaugebiete
1 : 1 000 000
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

53°

53° Kölpin-
30' Braunkohlenflöze

er
ck
30' see

Ue
Plauer
See
M e c k l e n b u r g - V o r p o m m e r n F2
Müritzsee

F2 über FBH
Prenzlau
F2 über FBH, F3
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F2 über FBH, F3, F4

F2 über F3

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F2 über F3, F4
El Perleberg
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53°

53° Nieder- pe
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Werbellinsee F2 über F3, F4, IV

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Neuruppin

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Oranienburg FBH über F4

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F3 über F4
S a c h s e n - B e r l i n
Seelow 52°

52° A n h a l t
Sp
ree 30' F3 über F4, IV
Beetzsee
30'

el
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Hav
Brandenburg Potsdam
a. d. Havel
Oder-
Frankfurt/Oder
F4 über I
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Ka
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Schwielow-
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Scharmützelsee
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l
Ka n
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D a hme
Beeskow
I
Belzig Spr ee

Luckenwalde

Schwieloch-
Braunkohlentagebau
see 52°
00'
52°
00'
Tagebau stillgelegt
Lübben/Spreewald
Tagebau aktiv
Saale

e
Bode Elb

F2 tmiF2 2. Miozäner Flözhorizont


z e El s
S ch w a r
FBH tmiFBH Flöz Biesenthal
ter
Forst/
Muld

Cottbus Lausitz
e

F3 tmiF3 3. Miozäner Flözhorizont

La
Herzberg/ i tz

us
er
Elster N
F4 tmiF4 4. Miozäner Flözhorizont (ungegliedert)

eiß
e
IV tolF Oligozäne Flöze (ungegliedert)
I tpa/teoF Paläozäne/Eozäne Flöze (ungegliedert)
Senftenberg
51°
43 30'
51° S
30'
pr e
e

S a c h s e n Verwendete Unterlagen:
P u l s ni t z
Archivunterlagen des LBGR
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

Kartengrundlage: Topographische Karte, Land Brandenburg, Maßstab 1 : 1 000 000 Nutzung mit
Jortzig, H. & P. Nestler
Genehmigung des Landesvermessungsamtes Brandenburg, Nummer: GB 107/01
123
Geotemperatur in 2 000 m Tiefe
Das Temperaturfeld der Erdkruste wird von verschiedenen Faktoren sis verfügbar zu haben, andererseits neben den Beziehungen zum (> 80 °C) die Salzakkumulationszone. Die an die Mächtig­
– von dem aus dem Erdinneren aufsteigenden Wärmefluss, von salinar­tektonisch geprägten Deckgebirgsbau auch Zusammenhänge keitsverteilung des Steinsalzes gebundene Temperaturzonierung
radiogener Wärmeproduktion, von geo- und hydrodynamischen zum tiefengeologischen Bauplan erkennen zu können. ist in der hohen spezifischen Wärmeleitfähigkeit des Steinsalzes
Prozessen und nicht zuletzt von der Wärmeleitfähigkeit der Gesteine („Schornstein“-Effekt) begründet (vgl. Abb. 47).
– geprägt und ist damit neben seiner Tiefenabhängigkeit regional In 2 000 m Tiefe sind korrigierte Temperaturen von z. T. deutlich
wie lokal differenziert. Die Zunahme der Temperatur mit der Tiefe über 90 °C im Bereich von Salzstrukturen (Salzstöcke, Salzkissen) Eine deutliche Änderung in der Streichrichtung der Temperatur­
wird als geothermischer oder Temperaturgradient (°C/100 m; K/100 und bis weniger als 70 °C im Süden des Landes bestimmt worden. anomalien zeichnet sich im mittleren Landesteil ab. Es dominieren
m) oder als geothermische Tiefenstufe (m/1 °C; m/1 K) ange- Auffallend ist eine NNE-SSW gerichtete Temperaturzonierung im im Süden WNW-ESE-, z. T. E-W-Richtungen. Diese stehen in engem
geben. In Brandenburg liegt die Wiege dieser Erkenntnis. Durch Nord­westen des Landes. Das zeigt einerseits die Beziehung zum Zusammenhang mit der strukturtektonischen Gliederung in die-
Bergrat E. Dunker wurde mit Temperaturmessungen in der Bohrung altangelegten und jünger aktivierten Bauplan (Tiefenstörungen), sem Raum (Randeinfluss der Norddeutschen Senke). Mit regional
Sperenberg I (südlich Berlins) im Jahr 1871 die geothermische belegt im lokalen Rahmen jedoch auch deutlich die Zusammen- abnehmender und weniger differenzierter Steinsalzmächtigkeit
Tiefenstufe (33 m/1 K) entdeckt. Die Bohrung war mit 1 271,6 m hänge zum salinaren Strukturbau. nach Süden und dem Anstieg der Zechsteinoberfläche über das
die damals tiefste Bohrung der Welt. Bezugsniveau von 2 000 m nehmen die Beziehungen zum salinaren
Prägnant ist eine im 5 °C-Abstand dargestellte, flächenhaft verbreite- Strukturbau ab. Die Temperaturen sind hier mit < 70 °C (minimal
Die Kenntnis der Temperaturverteilung ist von hohem wissen­ te Zone im Temperaturbereich > 85 °C, die sich vom Nordosten des < 60 °C) am niedrigsten.
schaftlichen und wirtschaft­lichem Interesse. Sie liefert z. B. Beiträge Landes bis in den Berliner Raum erstreckt und zahlreiche Salzstruktu-
zur Bewertung geodynamischer Prozesse und des geologischen ren (Steinsalzmaxima mit mehr als 1 500 m Mächtigkeit) umschließt. Sehr differenzierte Temperaturverteilungen sind im Bereich mesozo-
Tiefenbaus und bildet auch eine wesentliche Grundlage für die Weitere belegte oder interpretierte lokale Temperaturanomalien der isch aktiver Störungs­zonen mit hoher salinartektonischer Intensität
Nutzung des Geopotenzials Erdwärme. 85 °C-Iso­therme sind nicht dargestellt. Im Bereich des Rheinsberg- im SE des Landes zu erwarten (Groß Köris-Merzdorfer und Gu-
Neuruppiner Tiefenbruchs z. B. sind NNE-SSW streichende Tempe- ben-Fürstenwalder Störungszone). Positive Temperaturanomalien
Temperaturwerte werden vorrangig durch Messungen in Tief­ raturminima (< 80 °C) ausgebildet, die mit Salzabwanderungs­zonen (> 80 °C) im Grenzbereich zur Republik Polen können z. T. auf
bohrungen – durch kontinuierliche Temperaturmessungen und (Steinsalzminima, z. T. steinsalzfrei) deutlich korrelieren. Um- Einschaltungen von einigen 100 m mächtigem Werrasteinsalz
andere Einzelmessungen – erhalten. Von etwa 140 Bohrungen gekehrt belegt das einge­s chlossene Temperaturmaximum zurückgeführt werden.
im Land Brandenburg liegen kontinuierliche Messungen vor, die
bis in Tiefen von 5 500 m reichen. Für die dargestellte Karte der
Temperatur­verteilung in 2 000 m Tiefe konnten etwa 70 Bohrungen
Kotz 4/74 Kotz3/74 Kotz1/69 Kotz2/72 Kotz 5/74
berücksichtigt werden, die mehrheitlich (etwa 50 Bohrungen) den Tiefe
(m)
WNW (proj.) (proj.) ESE
Legende
Nordteil repräsentieren. Im mittleren und südöstlichen Landesteil Känozoikum
stehen etwa 20 Bohrungen in unregelmäßiger Verteilung zur Ver- 20˚C Oberkreide
fügung. Im Süden/Südwesten liegen keine Mess­ergebnisse vor; hier Unterkreide
kann die Temperaturverteilung nur als Trend dargestellt werden. 1000 Malm
40˚C Dogger
Die beim Niederbringen der Bohrungen gemessenen Tempera-
Lias
turwerte repräsentieren nicht die wirkliche Temperaturverteilung. 60˚C
Keuper
Während des Bohraufschlusses wird im Bereich des Bohrlochs 2000
Muschelkalk
vor allem durch den Spülungsumlauf das initiale Temperaturfeld 80˚C
Buntsandstein
gestört. Deshalb sind die Messwerte im oberen Bohrungsabschnitt
100˚C Zechstein
überhöht; im unteren Bereich werden sie zwangsläufig zu niedrig
3000 115˚C Rotliegend
gemessen. Die Abweichungen vom ungestörten Temperaturfeld 120˚C
Oberkarbon
sind um so höher, je kürzer die Standzeit bis zur Messung und je
größer die Aufschlusstiefe (= Auf­schlussdauer) sind. Statistische 140˚C Tiefe des korrigierten T-Wertes
Auswertungen der Standzeiten und Wiederholungs­messungen in 4000 80˚C tiefenbezogene Isotherme
Bohrungen (z. T. nach mehreren Jahren) ermöglichen eine nähe- 160˚C
rungsweise Korrektur, die für die dargestellte Karte berücksichtigt
wurde. Aus Übersichtsgründen wurde ein Isothermen­abstand von
5000
10 °C verwendet. 180˚C

Als Beispiel wurde die Temperaturverteilung in 2 000 m Tiefe


(unter Gelände) gewählt, um einerseits eine ausreichende Datenba- Abb. 47 Temperaturverteilung im Bereich des Salzdiapirs Kotzen

124
Geotemperatur in 2 000 m Tiefe
1 : 1 000 000
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

53°
30'
53° Kölpin-
Temperatur in °C

er
ck
30' see

Ue
Plauer
See
M e c k l e n b u r g - V o r p o m m e r n
Müritzsee < 60

Prenzlau 60 - 70
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70 - 80

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80 - 90
p e n i tz
St e
85 - 90
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53°

53° Nieder- Rhin


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> 90
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P O L E N

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Isotherme

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Werbellinsee
Neuruppin
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Oder-
Hav
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Mächtigkeitsdifferenzierung des oberen


Oranienburg
Rhin
Zechsteins
Od
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Maximum
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Rathenow

S a c h s e n - B e r l i n Minimum
Seelow 52°
Sp
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A n h a l t
52°
30' Tiefenlage der Zechsteinoberfläche
Beetzsee
el
2 000 m unter NN
Hav
Potsdam
Brandenburg Frankfurt/Oder
a. d. Havel Sp re
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l

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na

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wichtige Tiefenstörung
Ka
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Schwielow-
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Beeskow

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Belzig Spr ee

Luckenwalde -2
00 Schwieloch-
0 see
00
52°
-2000

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52°
00'
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0 -2
Lübben/Spreewald
Saale

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Bode

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Nei
ß

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S c h w a r z e El s t er
Muld

Cottbus Forst/Lausitz
e

Herzberg/Elster

Senftenberg Verwendete Unterlagen:


Atlas zur Geologie von Brandenburg - Karte 41
$WODV]XU*HRORJLHYRQ%UDQGHQEXUJ.DUWH
51°
30' BEER, H. : Temperaturmessungen in Tiefbohrungen - Repräsentanz und
51°
30' ©‹LGRB, Kleinmachnow 2002
/%*5&RWWEXV
S Möglichkeit einer näherungsweisen Korrektur; Brandenburgische
pr Geowissenschaftliche Beiträge S. 28 - 34, Kleinmachnow, 1996
ee
S a c h s e n HURTIG, E. : Temperaturdaten und Temperaturkurven, Land Brandenburg,
0 10
 20
 30
 40
 50km
NP (1994, unveröffentlicht)
P u l s ni t z
Archivunterlagen des LBGR
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

Kartengrundlage: Topographische Karte, Land Brandenburg, Maßstab 1 : 1 000 000 Nutzung mit
Genehmigung des Landesvermessungsamtes Brandenburg, Nummer: GB 107/01
Beer, H.

125
Geotemperatur in 4 000 m Tiefe
Einleitend gelten die Ausführungen, die bereits für die Temperatur­ markiert z. B. durch altangelegte regionale Tiefenstörungen, beein-
verteilung in 2 000 m Tiefe dargestellt wurden. Naturgemäß flusst das Temperaturfeld. Markante Blöcke sind u. a. der Lausitzer
gibt es weniger temperaturvermessene Bohrungen in größe­ren Block im Süden oder das Norddeutsche Massiv mit prävariszisch
Tiefen. In Brandenburg und seinem direkten Umland sind mehr gefaltetem Untergrund, das sich bis in den nordwestlichen Bran-
als 30 Bohrungen bis mindestens 4 000 m Tiefe kontinuierlich denburger Raum erstreckt. Dieser Bereich invertierte im Oberen
temperatur­vermessen. Diese bilden nach Korrektur (Beer 1996) Rotliegend zu einem Becken mit mächtigen Sedimenten (z. B.
die wesentliche Grundlage der dargestellten Temperaturverteilung. Parchim-Folge mit > 500 m Mächtigkeit), während außerhalb die
Einbezogen wurden auch Bohrungen, die bis mindestens 3 500 Parchim-Folge auf kurze Distanz auskeilt. Markant hebt sich auch die
m Tiefe vermessen sind und deren bei 4 000 m erwartete Tempe- NNE-SSW streichende Westbrandenburg-Schwelle mit fehlenden
ratur extrapoliert wurde. Alle diese Bohrungen beschränken sich permokarbonischen Effusiva ab, deren Mächtigkeit in Richtung der
auf den Nordteil des Landes. Im gesamten Süden und flächenhaft Depozentren mehr als 1 000 m erreicht.
im Nordwesten existieren keine Bohrungen mit kontinuierlicher
Temperaturmessung in diesem Tiefenbereich. Deshalb wurden Weitere Untergliederungen im tiefengeologischen Bau, Differen­
gerade für diese Abschnitte Temperaturmessungen in Bohrungen zierungen in Mächtigkeit, Ausbildung und Beanspruchung von
mit größeren Extra­polationsdistanzen (bis max. 2 000 m) und auch Schichtkomplexen und in den Lagerungsverhältnissen sind zu
weniger repräsentative Einzelvermessungen (Testarbeiten bzw. Ma- erwarten, vor allem im Südteil des Landes wegen fehlender Tie-
ximaltemperaturen) berücksichtigt. Für den äußersten Süden (etwa fenaufschlüsse jedoch nicht ausreichend begründbar.
ab der Linie Belzig-Forst) sind selbst solche Daten nicht verfügbar.
Die Zuverlässigkeit der Temperaturverteilung muss entsprechend Deutlich zeichnet sich die effusivfreie Westbrandenburg-Schwelle
dieser Datensituation differenziert betrachtet werden. durch eine Zone erhöhter Temperatur (max. ca. 160 °C) ab. Die eben-
falls effusivfreie Ostbrandenburg-Schwelle liegt deutlich oberhalb des
In Abhängigkeit vom geologischen Bau treten sowohl flächenhaft als 4  000  m-Bezugsniveaus und stellt deshalb keine analoge
auch teufenbezogen Differenzierungen im Temperaturfeld auf. Die Temperatur­anomalie dar.
unterschiedliche Wärmeleitfähigkeit der Gesteine ist dafür die ent-
scheidende Ursache. Zum Beispiel führt die hohe Wärmeleitfähig­ Die Blockstrukturen des Norddeutschen Massivs und des Lausitzer
keit des Salzes einerseits zu positiven Temperaturanomalien in und Blocks sind durch vergleichsweise niedrige Temperaturen gekenn­
über Salzakkumulationen, bedingt andererseits jedoch negative zeichnet. Unterschiedliche Genese, innerer Bau und Beanspruchung eine generelle Abnahme in südlicher Richtung festzustellen.
Anomalien im Basisbereich des Salzes und in dessen Liegendem dieser Struktureinheiten zeigen, dass die Temperaturverteilung ur-
(vgl. Abb. 47 Salzdiapir Kotzen, Geotemperatur in 2 000 m Tiefe). sächlich differenziert zu sehen ist. Abb. 48 Temperatur, geothermischer Gradient und Litholo-
Diese Anomalien setzen weit (bis ca. 1 000 m) unter die Salzunter- gie: Bohrung E Nauen 1/76
fläche fort und nehmen deshalb Einfluss auf die Temperaturvertei- Die Temperaturzonierung folgt im Wesentlichen der struktur­
lung auch im 4 000 m-Tiefenbereich. tektonischen Gliederung. In Tiefenbereichen der Zechsteinbasis
beiderseits der 4 000 m-Tiefenlage wird der Einfluss des Zechstein­
Am Beispiel einer bis 4 150 m temperaturvermessenen Bohrung salinars deutlich, belegt z. B. durch Minima (< 140 °C) im Bereich
(vgl. Abb. 48) sind der gemessene und korrigierte Temperatur- von Salzakku­mulationen im Nordwesten (Rambow, Bad Wilsnack,
verlauf dargestellt. Der für jedes Messintervall (50 m) ermittelte Barenthin, Kotzen, Zechlin, siehe Karte 22 und 23), aber auch in
Temperaturgradient (°C/100 m), der der Wärmeleitfähigkeit um- Schönfließ und Rüdersdorf (< 130 °C). Auffallend ist ein Tempe-
gekehrt proportional ist, zeigt eine erwartete lithologisch bedingte raturplateau im Temperaturbereich zwischen 140 °C und 130 °C
Differenzierung, so z. B. hohe Temperaturgradienten in unverfe- vom Berliner Raum bis in die Lausitz, was durch extrapolierte
stigten känozoischen Ablagerungen oder geringe Gradienten in Temperaturwerte grob gestützt wird.
den salinaren Zyklen des Keupers, Buntsandsteins, vor allem aber
des Zechsteins. Insgesamt sind im 4 000 m-Tiefenbereich Temperaturen zwischen
etwa 160 °C und 120 °C nachgewiesen bzw. zu erwarten. Dabei ist
Mit zunehmender Tiefe besitzt neben der Wirksamkeit des Zech-
steinsalinars in seinem Basis­bereich insbesondere der struktur-
tektonische Bau des Untergrundes wesentlichen Einfluss auf die
Temperaturverteilung. Die Blockgliederung des Untergrundes,

126
Geotemperatur in 4 000 m Tiefe
1 : 1 000 000
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

53°
30'
53° Kölpin-
Temperatur in °C

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30' see

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Plauer
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M e c k l e n b u r g - V o r p o m m e r n 14
Müritzsee < 120

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130 - 140
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0
15
140
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150
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p e n i tz 0
Massiv
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150 - 160
14

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4500
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53°

53° Nieder- Rhin


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P O L E N

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Tiefenlage der Zechsteinbasis

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Eberswalde 4500
(in m unter NN)

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Hav
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15
Rhin
0 Tiefenlage der Oberfläche permo-
S 4000
g 16
0 karbonischer Effusiva (in m unter NN)
ur
Oranienburg
b
Bereich ohne Effusiva (Schwellenzone)
35

en
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Od
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Rathenow
K anal wichtige Tiefenstörung
bra

14
el-
0

0
H av
15

0
Begrenzung des Lausitzer Blockes
15
West
S a c h s e n - B e r l i n Seelow
52° l l l l l
3500 Sp 130
(hochliegendes Grundgebirge)
0

30'
0

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16

14

el
52° A n h a l t
30'
Beetzsee Begrenzung des Norddeutschen Massivs
(prävariszisches Faltungsgebiet)
Potsdam
Brandenburg
0 Os Frankfurt/Oder bis > 4 000 m temperaturvermessene Tiefbohrung
a. d. Havel 14 Od
e r-
Ka na
l tb
ra mit korrigiertem Temperaturwert (4 000 m)
l

Sp r e e-
na
Ka

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bis > 3 500 - < 4 000 m temperaturvermessene
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Schwielow-
av

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see
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35
be

00
El

Tiefbohrung mit korrigiertem und extrapoliertem

nb
Nu

Scharmützelsee
Temperaturwert (4 000 m)
We
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Beeskow

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Luckenwalde

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see

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52°
00'
52°
00'
Lübben/Spreewald

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Bode

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Nei
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l

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Muld

l l Cottbus Forst/Lausitz
l
e

l l
l
l l l l
l l l l 120
l

Herzberg/Elster l
l
l
Verwendete Unterlagen:
l BEER, H. (1996): Temperaturmessungen in Tiefbohrungen-Repräsentanz
l
und Möglichkeit einer näherungsweisen Korrektur. -
Lausitzer Block
l

Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, S. 28-34, Kleinmachnow


l
l

Senftenberg BEER, H. & G. HURTIG (1999): Das geothermische Feld in Brandenburg. -


l

$WODV]XU*HRORJLHYRQ%UDQGHQEXUJ.DUWH
Atlas zur Geologie von Brandenburg - Karte 42 51°
30' Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, S. 57-68, Kleinmachnow
51°
30' ©‹LGRB,
/%*5&RWWEXV
Kleinmachnow 2002 S
pr e
HURTIG, G. (1994): Temperaturdaten und Temperaturkurven Land Branden-
e burg. - Kleinmachnow (unveröff.)
S a c h s e n KATZUNG, G. u.a. (1984): Geothermieatlas der Deutschen Demokratischen
0 
10 
20 
30 
40 NP
50km
P u l s ni t z Republik. - Berlin (unveröff.)
Archivunterlagen des LBGR
11°30' 12°00' 12°30' 13°00' 13°30' 14°00' 14°30'

Kartengrundlage: Topographische Karte, Land Brandenburg, Maßstab 1 : 1 000 000 Nutzung mit
Genehmigung des Landesvermessungsamtes Brandenburg, Nummer: GB 107/01
Beer, H.

127
Tiefliegende Bodenschätze Bodenschätze möglich. Im Südwesten erreichte auch die Uranerz- in Teufen > 4 000 m läuft derzeitig im Raum Groß Schöne­beck
Erkundung Brandenburger Gebiet. Ein Abbau ist hier nicht zu er- (Schorfheide) zur Erdwärmegewinnung und Stromerzeugung.
Im tieferen Untergrund lagernde Gesteine besitzen aufgrund ihrer warten. Tiefliegende Braunkohlenflöze (> 100 m) sind außerhalb Die „trockene“ Erdwärmegewinnung erfordert mindestens Tem­
Zusammensetzung, ihres Inhalts oder ihrer physikalischen und der Lausitz weitverbreitet, in der Karte 46 aber nicht dargestellt. peraturen von ca. 150 °C und dementsprechend große Tiefen.
chemischen Eigenschaften, aber auch wegen ihrer Lagerungs­ Eine Nutzung dieser tiefliegenden Braunkohlen durch neuartige Geeignete Gesteine mit hohen Mächtigkeiten sind in Brandenburg
verhältnisse ein weitgefächertes wirtschaftliches Interesse. Diese Technologien (wie Methangasgewinnung) ist perspektiv. Ebenfalls die Vulkanite des Unterrotliegenden. Durch Zirkulation von einge-
tiefliegenden Bodenschätze sind dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht dargestellt wurden die im Land Brandenburg weitverbrei- brachtem Wasser in künstlich erzeugten Risssystemen kann die dort
ausschließlich über Bohrungen (Fluidbergbau) bzw. durch Unter- teten und mächtigen Stein- und Kalisalze, Gipse und Anhydrite. aufgenommene Wärme übertage entzogen werden. Geo­logisch
tageanlagen (Schachtanlagen) nutzbar sind. Der heute erreichte Dagegen besitzen die Salzstrukturen in Form von Salzdiapiren und geeignete Gebiete gibt es in Brandenburg mehrfach. Diese Form
geologische Kenntnisstand resultiert weitgehend aus speziellen Un- Salzkissen als unterirdischer Speicherraum eine weit größere und der Energie- und Wärmege­winnung kann zukünftig Bedeutung
tersuchungsarbeiten mittels Tiefbohrungen und geophysikalischen aktuelle Bedeutung. erlangen.
Vermessungen. Auf dem Territorium des Landes Brandenburg
wurden diesbezüglich umfangreiche Erkundungsprogramme, wie Erdöl- und Erdgaslagerstätten sind in Brandenburg an Karbo- Bei der Wärmenutzung über tiefe Erdwärmesonden erfolgt der Wär-
z. B. auf Erdöl/Erdgas, Kupfererz, Eisenerz, Steinkohle, Uranerz, nate des Zechsteins (im Wesentlichen Staßfurtkarbonat) gebun- meaustausch über das durch die Bohrung aufgeschlossene Gestein.
Untergrund­gasspeicherung und Geothermie realisiert, die zur Nut- den und auf den Südosten des Landes beschränkt. Die Mehrzahl Es erfolgt kein Wasserkreislauf im Gebirge wie bei den vorangehend
zung von Boden­schätzen geführt haben und zuverlässige Prognosen dieser Lagerstätten sind in klüftigen Karbonaten der Lagune auf beschriebenen Technologien. Geeignet sind nach­nutzungs­fähige
über die Verteilung interessierender Bodenschätze erlauben. der Plattform des basalen Zechsteinbeckens (vgl. Karte 24) nach- Bohrungen. Geologische Konditionen bestehen dabei nicht vor-
gewiesen. Die größte Lagerstätte (Erdgas mit verminderter Gas- dergründig. Eine tiefe Erdwärmesonde wird in Prenzlau betrieben.
Die im Land Brandenburg bekannten Bodenschätze sind an Ge- qualität) befindet sich am Plattformhang (Märkisch Buchholz) und In breiterem Maße bietet sich eine Wärme-(Kälte)-Speicherung in
steine unterschiedlichen Alters vom Proterozoikum bis zum älte- steht einer zukünftigen Förderung offen. Die Lagerstätten liegen in Aquiferen an, die bis in das präkänozoische Stockwerk reichen, wie
ren Tertiär gebunden. Sie lagern in Tiefen von wenigen Hundert Tiefenbereichen von ca. 1 150 bis 2 750 m. Nahezu 30, jedoch in es bereits für das Reichstagsgebäude in Berlin praktiziert wird.
Metern bis mehr als 5 000 m und besitzen ein Bildungsalter von ihrer Größe begrenzte Lagerstätten wurden entdeckt. Der Abbau
etwa 600 - 30 Mio Jahren. Die meisten Bodenschätze sind wäh- erfolgt derzeitig nur aus der Lagerstätte Kietz. Aus wirtschaftlichen Geologische Formationen und Gesteine, die zur unterirdischen
rend der Entstehung der Norddeutschen Senke gebildet worden, Gründen (Erdöltiefpreis) wurde 1998 die Förderung aus anderen behälterlosen Speicherung geeignet sind, stellen einen wichti-
in der bis auf den äußersten Südwesten des Landes permische, Lagerstätten eingestellt. gen Bodenschatz im Land Brandenburg dar. Zum einen sind das
mesozoische und känozoische Gesteine abgelagert und erhalten Aquifere mit bestimmten geologischen Eigenschaften, andererseits
geblieben sind. Im Rotliegenden wurde eine Lagerstätte an Erdgas (Rüdersdorf) Salzdiapire oder Salzkissen in technologisch und wirtschaftlich
Die tiefliegenden Bodenschätze können in verschiedene Gruppen mit hohem Stickstoffanteil und wirtschaftlich interessantem Heli- interessanten Tiefenbereichen. Für die Unter­grundgasspeicherung
untergliedert werden: umanteil in einer Tiefe von etwa 3 100 m nachgewiesen und zur in Aquiferen sind strukturelle Hochlagen prädestiniert, die zudem
- feste mineralische Bodenschätze Helium­gewinnung genutzt. eine zuverlässige Abdeckung der Speicherhorizonte aufweisen.
- Erdöl- und Erdgaslagerstätten Durch Einleiten von Gas in die Aquiferstrukturen wird so eine
- Sole und Erdwärme Erdwärme als Bodenschatz ist allgegenwärtig. Die Temperatur künstliche Gaslagerstätte durch Verdrängung von Schichtwas­ser
- Aquifer-Gesteine, die sich zur unterirdischen behälterlo- nimmt dabei um ca. 3 °C je 100 m mit der Tiefe zu. Die Erdwär- geschaffen. Von den zwei Untergrundgasspeichern in Branden-
sen Speicherung eignen. menutzung wird vorrangig von technologisch-infrastruk­turellen burg (UGS Buchholz und Ketzin) wurde aus wirtschaftlichen und
Kriterien (Abnehmer) standortabhängig bestimmt. Nach dem technischen Gründen der UGS Ketzin rückgebaut und ander-
Zur Kategorie der festen mineralischen Rohstoffe werden Erze, technologischen Verfahren kann man in hydrothermale, „trockene“ weitig genutzt (CCS). Ein weiterer wird in Berlin betrieben. Die
Kohlen und Salze i. w. S. gezählt. Jurassisches Eisenerz (Koral- und Erdwärmenutzung über tiefe Erdwärmesonden unterschei- geologische Situation bietet weitere geeignete Aquiferstrukturen
lenoolith) ist in der Prignitz, im Nordwesten des Landes erkundet den. Bei der hydrothermalen Erdwärme­nutzung fungieren die in an. In Aquifere kann zudem Sole, die beim Solprozess der Ka-
worden. Nach derzeitigen wirtschaftlichen Kriterien dieses in etwa den Aquiferen (Speicherhorizonten) enthaltenen mineralisierten vernenerrichtung in Salzdiapiren oder Salzkissen anfällt, ver-
900 - 1 400 m Tiefe liegenden Bodenschatzes ist kein Abbau Schichtwässer (Thermalsole) als Wärme­träger, indem der über presst werden (Kavernensolung Rüdersdorf und Verpressung in
zu er­warten. Der Abbau von Kupfererz an der Zechsteinbasis Bohrungen geförderten Thermalsole die Wärme entzogen wird. mesozoische Aquifere im Raum Heckelberg). Kavernen in den
(Kupferschiefer) im Sprem­berger Raum wird derzeit vorbereitet. Tiefen­lage, Verbreitung und Ausbildung der Aquifere schwan- gesolten Salzstrukturen können als unterirdische Hohlräume für
Hochinkohlte Steinkohle (Anthrazit) ist in einem frühmolassischen ken in Abhängigkeit von der geologischen Position in weiten Speicher- oder Deponiezwecke dienen. Sie eignen sich z. B. für
Becken während des Unterkarbons im Raum Doberlug-Kirchhain Grenzen. In Kombination mit einer balneologischen Nutzung eine geothermische Wärmespeicherung, eine Bevorratung mit
gebildet worden. Dieser erkundete Bodenschatz in zwar geringen kann die geothermische Wärmegewinnung optimiert werden flüssigen oder gasförmigen Energieträgern sowie für die Entsor-
Tiefen zwischen 200 und 600  m ist aufgrund seiner begrenzten (Neuruppin in Vorbereitung). Solebäder ohne wärmeenergeti- gung von Abfällen. In den Salzdiapiren ist das Salz oberflächennah
Größe und seiner Qualität (z.  T. Aschegehalte von >30% im sche Nutzung werden in Burg (Spreewaldtherme), Bad Saarow bis in Tiefen von wenigen 100 m aufgestiegen und über 2 000 m
Brandschiefer) derzeit nicht abbauwürdig. Künftige Nutzungen (Catharinenquelle), Templin (Natur Therme Templin) und Bad mächtig. Für eine Kavernenerrichtung gibt es in Brandenburg eine
mit modernen Abbau­technologien des Fluidbergbaus (chemisch- Wilsnack bereits betrieben. Weitere sind in Vor­bereitung. Ein For- Vielzahl geeigneter Salzstrukturen, von denen einige besonderes
bakterielle Lösung, Untertagevergasung) sind für die genannten schungsprogramm zur Stimulierung gering permeabler Speicher Interesse verdienen.

128
129
Weitere geologische und thematische Fachkarten des LBGR

Für die Vertiefung Ihrer Studien zur Geologie des Landes Brandenburg können Sie eine Reihe konventioneller (Karten, gedruckte/geplottete Ergebnisse) und digitale Produkte erwerben, die
­­ vom
Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (und Partnern) herausge­gebenen werden. Ein ausführlicheres und aktuell gehaltenes Vertriebsverzeichnis finden sie auf den Web-
Seiten des LBGR (www.lbgr.brandenburg.de, siehe auch dritte Umschlagseite, dort auch Zugang zu digitalen Informationen).

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Geologische Übersichtskarten des Landes Brandenburg 1 : 300 000
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Umweltgeologie etc.

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Karte der oberflächennahen Hydrogeologie (HYK 50-1)
Karte des weitgehend bedeckten Grundwasserleiterkomplexes GWLK 2 (HYK 50-2)
Hydrogeologischer Schnitttafel (HYK 50-S)

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Karten im Maßstab 1 : 25 000


o Geologische Karte von Preußen, die so genannten geologischen Messtischblätter, teils noch als Originaldrucke erhältlich, auch als gescannter Datensatz

130
Anhang

Stratigraphische Tabelle der Mark Brandenburg 2010

Die Gliederung des Pleistozäns im Land Brandenburg

Die Gliederung des Holozäns im Land Brandenburg

Tafel 1 - Minerale

Tafel 2 - Fossilien

Tafel 3 - Geotope

Geowissenschaftler und geohistorische Stätten in Brandenburg und Berlin

Erläuterung von Fachbegriffen (Auswahl)

Literaturverzeichnis

131
Stratigraphische Tabelle der Mark Brandenburg 2010 - STBB 2010

Die aktualisierte stratigraphische Tabelle der Mark Brandenburg 2010 (STBB tigraphischen Einheiten gegeben. Nach meiner Auffassung kann im Sinne ments (Neoproterozoic) in the northeastern Saxothuringian Zone (Germany). - N. Jb.
2010) zeigt, wie ihre Vorgänger von 1997 und 2002, die Gesteinseinheiten des von Zalasiewicz et al. (2004) auf die Doppelgleisigkeit der Hierarchien, die mit Geol. Paläont. Mh., 6, S. 312-342, Stuttgart
Landes Brandenburg und der Bundeshauptstadt Berlin in Relation zur aktuellen dem ISG 1976 (Hedberg 1976) eingeführt wurde, verzichtet werden: Neben den CGTS (Ogg, J. G., Ogg, G. & F. M. Gradstein) (2008): The Concise Geologic Time
globalen stratigraphischen Skala. Für den Zeitraum Devon–Quartär nutzt die grundlegenden lithostratigraphischen Gliederungen für einzelne Ablagerungs- Scale. - 177 p., Cambridge (Cambridge Univ. Press)
STBB 2010 die Zeitskala der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002 räume reicht eine globale geochronologische Gliederung aus. Eine zusätzliche
Diener, I. (1976): Stratigraphische Skala der DDR Kreide. - Zentr. Geol. Inst., 14 S., 2
(STD 2002), die sich nur wenig von den Globalen Geologischen Zeitskalen (akademische) chronostratigraphische Gliederung ist entbehrlich, zumal sie Korrelationstabellen, Berlin
von 2004 und 2008 (GTS 2004, CGTS 2008) unterscheidet. Die STD 2002 zeigt häufig nicht verstanden wird und oft mehr Verwirrung als Nutzen stiftet. Zum
zusätzlich zu der GTS 2004 und der CGTS 2008 die spezifischen geologischen Beispiel muss das Karbon nicht System und Periode sein. Doch eine Revision GTS (Gradstein, F. M., Ogg, J. G. & A. G. Smith) (eds.) (2004): A geologic time scale. -
Einheiten von Mitteleuropa und der Mark Brandenburg. Für den Zeitraum des ISG 1976 ist nicht absehbar. 589 p., Cambridge (Cambridge Univ. Press)
Ediacarium bis Silur entspricht der globale Teil der STBB 2010 der CGTS
Heuse, T., Blumenstengel, H., Elicki, O., Geyer, G., Hansch, W., Maletz, J., Sarmiento, G.
2008, die die zügige internationale Entwicklung der Stufennamen im Frühen Die ältesten bekannten Gesteine der Mark sind die Grauwacken der Lausitz- N. & D. Weyer (2010): Biostratigraphy – The faunal province of the southern margin
Paläozoikum widerspiegelt. Gruppe, die ins Ediacarium (jüngstes Neoproterozoikum; einzige Periode bzw. of the Rheic Ocean. - In: Linnemann, U. & R. L. Romer (eds.): Pre-Mesozoic Geology
einziges System im Proterozoikum) gestellt werden. Aus dem Zeitraum Kambrium of Saxo-Thuringia. - S. 99-170, Stuttgart (Schweizerbart)
Aktualisierungen gegenüber 2002 sind: 1) Die Untergrenze des Quartärs wird bis unteres Unterkarbon sind in der Mark nur relativ wenige Gesteine bekannt,
seit 2009 wieder bei 2,6 Ma an der Basis des Gelasiums statt, wie seit 1985, bei weitere könnten im nicht erkundeten Untergrund stecken. Die weitaus meisten ISG (Hedberg, H. D.) (Ed.) (1976): International Stratigraphic Guide. - Int. Union Geol.
1,8 Ma an der Basis des Kalabriums gezogen. 2) Die Deutsche Stratigraphische Gesteine der Mark wurden im Zeitraum höheres Unterkarbon bis Quartär (333 Sci. - 200 p., New York (Wiley)
Kommission (www.stratigraphie.de) möchte dazu beitragen, dass das Tertiär Ma bis rezent) abgelagert. Schichtlücken innerhalb dieser Abfolge sind in der
wieder den Rang einer Periode bzw. eines Systems erhält; seit 1989 wurde es Tabelle generalisiert eingezeichnet. Nicht bekannt sind bisher Gesteine aus dem Kopp, J., Bankwitz, P., Bankwitz, E. & M. Tichomirova, (1998): Variscan orthogneises in
the eastern part of the Mid-German Crystalline Zone (MGCZ). - Acta Univ. Carolinae
zu einer informellen Einheit herabgestuft und Paläogen und Neogen wurden zu Namurium C und dem Westfalium. Weitere bedeutende Schichtlücken existieren
- Geologica 42, 3/4, S. 451-458, Praha
Perioden/Systemen erhoben. 3) In den Jura haben W. Schudack & R. Tessin im Rotliegend, im Keuper, in der Unterkreide, in der oberen Oberkreide, im Pa-
Schichtlücken generalisiert eingetragen. Lias, Dogger und Malm sind, ohne läozän und im Miozän–Quartär. An der Oberfläche stehen in der Mark weithin Kopp, J., Bankwitz, P., Bankwitz, E., Ehling, B. & M. Tichomirova (1999): Ortho- and
dass es bisher dafür eine Empfehlung der Jura-Subkommission der Deutschen Lockergesteine des jüngeren Pleistozäns und Holozäns (0,5 Ma bis rezent) an. Paragneises in the eastern part of the Mid-German Crystalline Zone. - Terra Nostra,
Stratigraphischen Kommission gibt, als Gruppen klassifiziert und damit genauso 1, S. 122-123, Berlin
wie der Schwarze, Braune und Weiße Jura Süddeutschlands sowie Rotliegend, Das Vorkommen der litho- und biostratigraphisch definierten Einheiten Bran-
Zechstein, Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper in der STD 2002 enthalten. denburgs und/oder ihre Korrelation mit den globalen geochronologischen bzw. Lotsch, D. (1981): Stratigraphische Skala der DDR Tertiär. - Zentr. Geol. Inst., 13 S.,
Im Jura einzuführende Folgen könnten mit den Kürzeln l1 bis ln (Lias), d1 bis dn chronostratigraphischen Einheiten basiert auf Buschmann et al. (2001, Ediacari- Korrelationstabelle, Berlin
(Dogger) und ma1 bis ma n (Malm) bezeichnet werden. 4) Folgen sind bereits um), Heuse et al. (2010, Kambrium), Bankwitz et al. (1998, Ordovizium), Kopp et
Lutz, M. (2010): Beiträge der Lithologie zur Korrelation und stratigraphischen Gliederung
in Perm und Trias neben den Formationen dargestellt. Im Zentrum des Mittel- al. (1998, Ordovizium, Karbon; 1999, Karbon), Menning et al. (2000, Karbon),
sedimentärer Schichtenfolgen. - Z. Dt. Ges. Geowiss. 161, Stuttgart (im Druck)
europäischen Beckens (Germanischen Beckens) sind beide weithin identisch. Menning (1995, Perm-Trias), STD 2002 (Perm-Trias), Tessin (1995, Jura), Diener
Unter Folge wird eine regionale geochronologische Einheit, die lithostrati- (1976, Kreide), Lotsch (1981, Tertiär) und Suhr (1995, Oligozän-Pliozän) sowie Lutz, M., Etzold, A., Käding, K.-Ch., Lepper, J., Hagdorn, H., Nitsch, E. & M. Menning
graphisch mit Hilfe der Leitflächen von Zyklen, Leitbänken oder Diskontinuitäten freundlichen Mitteilungen von D. Leonhardt (Ediacarium), O. Elicki (Kambri- (2005): Lithofazies und Leitflächen: Grundlagen einer dualen lithostratigraphischen
allostratigraphisch definiert ist, verstanden (Lutz et al. 2005, Lutz 2010, Menning um), D. Weyer (Karbon), H. Beer (Mesozoikum), M. Göthel (Unterkreide), H. Gliederung. - Newsl. Stratigr. 41, 1/3, S. 211-223, Berlin
et al. 2005, www.stratigraphie.de/perm-trias, Beschluss Nr. 68 von 2009). Die Jortzig, D. Lotsch und W. von Bülow (Tertiär). Die Nomenklatur der Einheiten
Folgen sind mit Kürzeln aus Buchstaben und Zahlen benannt. Damit können entspricht der in der STD 2002 sowie wenigen Aktualisierungen (s. o.). Informelle Menning, M. (1995): A numerical time scale for the Permian and Triassic periods. An
Formationen jetzt auch im Zentrum des Zechstein- und Buntsandsteinbeckens stratigraphische Begriffe stehen in Klammern. integrated time analysis. - In: Scholle, P., Peryt, T. M. & D. S. Ulmer-Scholle (Eds.):
ausgehalten werden. 5) Die globalen stratigraphischen Einheiten sind in Permian of the Northern Continents 1, S. 77-97, Berlin (Springer)
der Tabelle in Kapitälchen geschrieben: so sind sie sicher von z. T. homonymen In der Tabelle nimmt die zeitliche Auflösung vom Proterozoikum/Paläozoikum
Menning, M., Weyer, D., Drozdzewski, G., Amerom, H. W. J. van & I. Wendt (2000): A
Einheiten in Mitteleuropa (die nicht (immer) identisch mit der globalen sind) zu über das Mesozoikum zum Känozoikum hin zu. Die Zuverlässigkeit der nu- Carboniferous Time Scale – discussion and use of geological parameters as time indica-
unterscheiden. Dies ist wichtig an der globalen Grenze Tithonium-Berriasium merischen Alter variiert, weil die Alter der Globalen Stratigraphischen Skala tors from Central and Western Europe. - Geol. Jb. A 156, S. 3-44, Hannover
(= globale Jura-Kreide-Grenze), die deutlich älter ist als die Grenze zwischen den unterschiedlich genau sind, weil die Korrelation zwischen den globalen und den
homonymen mitteleuropäischen Einheiten Tithon und Berrias (Grenze Malm- brandenburgischen stratigraphischen Einheiten von präzise bis vage reicht und Menning, M., Gast, R., Hagdorn, H., Käding, K.-C., Simon, T., Szurlies, M. & E. Nitsch
Unterkreide), die zwecks besserer Unterscheidung sowie ihrer herkömmlichen weil geologische Zeitindikationen bisher nur für den Bereich Karbon bis Trias (2005): Zeitskala für Perm und Trias in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland
Handhabung in Deutschland ohne die Endung –ium geschrieben werden. eingearbeitet sind (vgl. STD 2002). 2002, zyklostratigraphische Kalibrierung von höherer Dyas und Germanischer Trias
Deshalb auch ist in der Spalte Mark Brandenburg der Terminus „Unterkreide“ und das Alter der Stufen Roadium bis Rhaetium. - Newsl. Stratigr. 41,1/3, S. 173-
im Unterschied zur OBERKREIDE nicht kapital geschrieben, denn der Malm Danksagung 210, Berlin
reicht deutlich in die globale UNTERKREIDE hinein (vgl. STD 2002). Natürlich Für freundliche Unterstützung danke ich dem Landesamt für Bergbau, Geo-
STD (Deutsche Stratigraphische Kommission) (Hrsg.) (Koordination und Gestaltung: M.
können nicht alle derartigen Feinheiten in der stark generalisierten STBB 2010 logie und Rohstoffe Brandenburg, dem Sächsischen Landesamt für Umwelt Menning & A. Hendrich) (2002): Stratigraphische Tabelle von Deutschland. - Potsdam
dargestellt werden, doch auch schon in der 1. und 2. Auflage von 1997 und und Geologie und dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (GeoForschungsZentrum), Frankfurt a. M. (Forsch.-Inst. Senckenberg)
2002 ist in der Trias zwischen einerseits den Gruppen Buntsandstein, Muschel- Mecklenburg-Vorpommern sowie sehr herzlich Andreas Hendrich für die zeich-
kalk und Keuper und andererseits (den globalen) Serien Unter-, Mittel- und nerische Kreativität bei der Umsetzung der Tabelle. Suhr, P. (1995): Das Tertiär. Stratigraphie und Sedimentologie. - In: Schröder, J. H. & W.
Obertrias klar unterschieden worden. Auch im Karbon differieren die regionale M. Menning Nowel (Hrsg.): Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg. Lübbenau – Calau:
und globale Gliederung deutlich. 6) Am rechten Rand der drei großen Blöcke Nr. 3. - S. 20-30, Berlin (Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e.V.)
der Tabelle ist in einer zusätzlichen Spalte die vorwiegend angewendete stra-
tigraphische Methode zur Gliederung der Schichten neu angegeben. 7) Die Literatur Tessin, R. (1995): Zur Entwicklung des Raumes Rüdersdorf (Ostbrandenburg) im Jura.
Bankwitz, P. & E. Bankwitz (1998): Terrane fragment belt along the northern margin of - Berliner geowiss. Abh. A 168, S. 43-53, Berlin
Tabelle zeigt die Globalen Stratotypen-Profile und -Punkte (GSSP) mit Stand
2009. Von den elf Perioden/System-Grenzen des Phanerozoikums ist nur noch the Saxothuringian microplate. - Acta Univ. Carolinae 42, 3/4, S. 381-394, Praha
Zalasiewicz, J. A., Smith, A., Brenchley, P., Evans, J., Knox, R., Riley, N., Gale, A., Gregory,
die Jura-Kreide-Grenze ohne GSSP. 8) Im Tabellenkopf ist die (seit Zalasiewicz Buschmann, B., Nasdala, L., Jonas, P., Linnemann, U. & M. Gehmlich (2001): SHRIMP F. J., Rushton, A., Gibbard, P., Hesselbo, S., Marshall, J., Oates, M., Rawson, P. & N.
et al. 2004) wieder in der Diskussion befindliche Klassifizierung der stra- U-Pb dating of tuff-derived and detrital zircons from Cadomian marginal basin frag- Trewin (2004): Simplifying the stratigraphy of time. - Geo­logy 32, S. 1-4, Boulder

132
133
Alter in 18
∆ O Stratigraphische Gliederung Zuordnung der wesentlichsten Ablagerungen
Die Gliederung des Pleistozäns im Land
Brandenburg
ka BP

1 Holozän
11,6
Dünen Schwedter Terrasse

Unterste Niederterrasse
Jüngere Tundrenzeit
12,68 Kalk-, Detritus-, Jüngere zusammengestellt von Lippstreu (1999, 2002), ergänzt Hermsdorf & Strahl

Weichsel - Spätglazial
Finowboden

Oberes Weichsel
Lebermudden Laacher See Tephra

13,35
Alleröd-Interstadial
häufig basale Torfe Randow- (2010)
Stendell-Vierradener Terrasse
13,54
Ältere Tundrenzeit
Silikatmudden,
lokal Kalkmudden
Flugsand-

decken,
Schwemm-
Altersangaben i. W. nach Litt & Stebich (1999), Gibbard et al. (2005), Geyh
13,67
Bölling-Interstadial
lokal erste Torfe vereinzelt Netze-
Meyenburg-Blumberger Terrasse
& Müller (2005), Litt (Hrsg.) (2007), Krebetschek et al. (2008), Strahl &
fächer

13,8
Älteste Tundrenzeit
Jüngerer
Dünen
Hermsdorf (2008)
Meiendorf-Interstadial (Bagemühl-) Lunow-
2 Talsandbildungen
Wriezener Terrasse

Das Pleistozän umfasst im Vergleich zu anderen geologischen Zeitabschnit-


14,6
Mecklenburger Vorstoß Maximalausdehnung Fluviatil- Grund-
moräne qw3

Untere Niederterrasse
(Rosenthaler Endmoräne) Sternhagener Beckenablagerungen Ältere
Gerswalder Halt
Grund-
Gerswalder Sander
Felchower Beckenablagerungen
Schwemm-
ten nur eine relativ kurze Phase von etwa 2,6 Millionen Jahren. Obwohl in
15 Angermünder Sander Jüngerer Eberswalder Talsand
Wei chsel - H ochglazial

Pommersches Stadium Angermünder Halt (Nieder- moräne Neuenhagener Bänderton Brandenburg nur die jüngsten Abschnitte seit ca. 400 000 Jahren durch
Mittleres Weichsel
Weichsel-Kaltzeit

Parsteiner Halt qw2 Pommerscher Sandersaum Jüngerer Berliner/Älterer fächer

Sedimente belegt sind, kommt der exakten Kenntnis dieses für das mensch-
Pommerscher Hauptvorstoß (Milmersdorf, Althüttendorf u. a.) Eberswalder Talsand
J u n g p l e i s t o z ä n

Frankfurter Sander (Germendorf, Strausberg u. a.) Älterer Berliner

18
Fürstenberger Halt
Frankfurter Staffel
terrassen-)
Grunower Sander (Müllrose, Schwanheide u. a.)
Talsand
Jüngerer Baruther
Ablage- liche Dasein so wichtigen Abschnittes der erdgeschichtlichen Entwicklung,
dessen Ablagerungen das gesamte Gebiet nahezu gänzlich bedecken, eine
Brandenburger Stadium Grundmoräne Talsand rungen
Grunower Halt Reicherskreuzer Sander
qw1 Lieberoser Bänderton der Spree
Reicherskreuzer Halt Älterer Baruther
Komplex
20 Brandenburger Hauptvorstoß
Vorschüttsande u. -tone
Brandenburger Außen-
randsander (Taubendorf,
Beelitz u. a.)
Talsand
Mischschotter immense Bedeutung zu.
24 von Bresinchen
Rixdorfer Horizont
3 Denekamp-Interstadial Flug- Fluviatil

Höhere Niederterrasse
Seit mehr als hundert Jahren bemühen sich die Quartärgeologen um eine
58 fluviatile
fluviatile bis limnische Sedimente sande Jüngere
4 in den Stadialen von
Schalkholz-Stadial
allgemein anerkannte stratigraphische Gliede­rung des Quartärs. Der hier für
und Lausitzer Nochtener
75 Buchow-
5a limnische Sedimente und Boden-
Lösse
Frühglazial

Odderade-Interstadial Sedi- Karpzow


Weichsel
Weichsel-
Unteres

bildung in den Interstadialen


Redderstall-Stadial (Kittlitz, Kerkwitz, Gräningen u. a.) in den
u. Zachow
Talsand- Neiße-
das Land Brandenburg vorgelegte Gliederungsvorschlag – wichtigste Grund-
Brörup-Interstadial
lage für die Landeskartierung – berücksichtigt den derzeitigen Kenntnisstand
Stadialen folge lauf
r

Herning-Stadial mente Gosdaer Fluviatil


5d
und ist offen für weitere Konkretisierungen.
115
limnische u. telmatische Sedi- (Phöben, Groß-Drewitz, Klinge, Kittlitz,
5e E e m - Wa r m z e i t mente: Silikat- u. Kalkmudden, Torfe Schönfeld, Zehdenick, Vevais u. a. )
127 Obere Niederterrasse der Neiße
glaziale bis spätglaziale Tone,
ä

Saale-Spätglazial Typ Kittlitz-Klinge,

Sie basiert auf der von Cepek (1981) für das Gesamtgebiet der ehemaligen
Flächensander Tone Ältere Lausitzer
mehrphasige
Aufschüttung Jüngere Talsandfolge
Saale-Kaltzeit (-Komplex)

Fläming-
DDR erarbeiteten Quartärstratigraphie (TGL 25234), weist jedoch besonders
Oberes Saale

Saale-Hochglazial

Jüngeres Saale-Stadium ("Warthe") Oberer Grund- der Flämingsander Niederlausitzer


ostbaltische Fazies
moränenkomplex tone Beckentone

im Mittelpleistozän starke Aktualisierungen auf. Es bleibt zu hoffen, dass


t

qsWA Normal-, z.T. Kd-Fazies Vorlandsander des


Vorschüttsande Nieder-
6 ? Herzfelder Tone Ältere

ein weiterer Kenntnisfortschritt mit der bisher nur bis zum Eem gelungenen
lausitzer
Grenzwalls
Niederlausitzer
Unterer Grundmoränen- ostbaltische Fazies
Älteres Saale-Stadium ("Drenthe") komplex Glindower Ton Becken- Korrelierung zwischen dem nordmitteleuropäischen und dem alpinen Verei-
r

qsD
Normal-Fazies Altdöberner

150
Vorschüttsande Ton tone
Wietstocker Pritzener
sungsgebiet sowie den aus Tiefseesediment- und Eiskernen Grönlands ab-
Oberes
geleiteten Ergebnissen eintritt. Gesicherte absolute Altersangaben für Anfang
Kiese Fluviatil
Unteres Saale

Saale-Frühglazial

Mittlerer Tranitzer
Holstein-Komplex

Stadial-Interstadial-Folge
Berliner Elbelauf
a

Übergangs- Fluviatil
und Ende der Holstein-Warmzeit und für die Grenzziehung Tertiär / Quartär
7 fluviatile bis limnische Sedimente fluviatile
Fluviatil- limnische Sedimente: Tone, Schluffe, Mudden, Feinsande;
sedimente

fehlen bisher. Die Übertragung der aus der Untersuchung der quartären
Dömnitz-Warmzeit Bodenbildung (Pritzwalk, Wittstock, Müllrose, Erkner u. a.) der Berliner
z. T.
Stadial B (Mittel- Elbe Klinger
Mittelpleistozän

Sedimente Unteres
Tiefseesedimente abgeleiteten ∂18O-Stufen auf das kontinental entwickelte
Fuhne-Kaltzeit Pritzwalk-Interstadial fluviatile bis limnische Sedimente: Schluffmudden, Sande, Fluviatil
8
u

verschwemmte Böden (Pritzwalk, Schönfließ, Klinge, Tranitzer


Stadial A Müllrose, Genshagen u. a.)
304 terrassen-) Fluviatil

9 Holstein-Warmzeit marin-brackische Sedimente


limnische und limnisch-fluviatile Sedimente,
fluviatile Einschüttungen
Berliner
Paludinenkiese z. T.
Unteres
Quartär ist insbesondere für das obere Mittelplei­stozän der Stufen 6-12 mit
(Paludinenton, Silikatmudden, Kiessande, lokal Torfe) Liegendkiese
320
Komplex L a u s c h ü t z e r To n e
der Berliner Elbe Tranitzer
Fluviatil außerordentlichen Differenzen behaftet.
Q

Elster-Spätglazial Lauenburger Ton (Tone von Frankfurt)


E l s t e r

Obere Rinnenfolge:
Tone, Schluffe, Sande,
Elster-Kaltzeit

Kiese, mächtige Geschiebe-


Der hier vorgestellten Gliederung des Pleistozäns in Brandenburg wurde
Elster-Hochglazial

2. Elster-Eisvorstoß (Jüngeres Stadial) qe2-Grund- Vorschütt- mergelpakete, glazigene Schollen


10 moränen- sande Stau- präquartärer Sedimente
komplex
jeweils eine Auswahl typischer Sedimententwicklungen zugeordnet. Die
O b e r e s

beckenabsätze Untere Rinnenfolge: Schluffe, Sande und


Kiese (oft mit hohem Anteil allochthoner

1. Elster-Eisvorstoß (Älteres Stadial) qe1-Grundmoränenkomplex, zumeist


Präquartärsedimente), verlagerte und ver-
stürzte Geschiebemergel, Gerölle unterschiedlichen Farbgebungen kennzeichnen dabei die Abfolge der auf-
in parautochthoner bis allochthoner Tiefposition
Vorschüttsande einanderfolgenden kalt- und warmzeitlichen Sedimente und deuten ihre
Unteres

regionale Verschneidung an.


Elster

Elster-Frühglazial Älterer
400 Fluviatil-
(Oberterrassen-)
Cromer-Komplex Komplex
780 bislang keine Sedimentbelege Unsicherheiten betreffen besonders die exakte stratigraphische Position und
A l t p l e i s t o z ä n

die Wertigkeit der kaltzeitlichen Sedimente (Geschiebemergel i. w. S.). Im


in Brandenburg
Bavel-Komplex

Frühpleistozäne Kalt-/Warmzeiten-
Menap übrigen liegt es wohl in der Natur der so überaus absetzigen Quartärfolgen
Komplexe Waal
mit ihren oftmals großen Schichtlücken und Lagerungsstörungen insgesamt,
Eburon
1800
Tegelen
Jungtertiärer bis
frühpleistozäner zu keiner Zeit vor Überraschungen sicher sein zu können. Stratigraphische
2580
? Prätegelen
Fluviatil-
(Hochterrassen-)
Schotter des Bautzener Elbelaufs
Schotter des Jüngeren Senftenberger Elbelaufs
Tabellen und Gliederungen können folglich immer nur Kenntnisstandsetappen
Jungtertiär Komplex
auf dem langen Weg einer angenäherten Wahrheitsfindung sein.

134
Die Gliederung des Holozäns im Land
Alter
Brandenburg ka BP*
Stratigraphie, Pollen- Klima-
klimageschichtliche zonen nach entwicklung
Wald-
entwicklung
Geodynamisch relevante Prozesse
bzw. deren Ergebnisse
Archäologische
Gliederung
(14 C) Gliederung 2) FIRBAS 3) marin 4) fluviatil äolisch endogen
Das Holozän beginnt mit einer dem Rückzug des letzten Inlandeises ka Ostseespiegel
BP* m NN
ka
BP*
0
folgenden großräumig und langzeitig wirkenden Erwärmung. Es Kulturforstboden Dünen, Neuzeit
hat den klimastratigraphischen Rang einer Warm­zeit. Gegliedert Sande

Salztektonische Aufstiegs- und Senkungserscheinungen an einzelnen Salzstrukturen


zunehmende Flugsand-
jüngeres Xa-c trocken Auenlehm decken 0,7 Hochmittelalter
Rodungen mit
wird es in Mitteleuropa nach der Klimaentwicklung und der damit

Subatlantikum
0,8
1 Siedlungsanzeigern ±0 Torfe
Slawen
verbunde­nen Waldgeschichte. Der Übergang von der Weichsel- und 1,3
Eichenmischwald 1,5

Schwankungen auf und um ± 0m


Auenlehm
Kaltzeit zur Warmzeit, das Weichsel-Spätglazial, erfolgte in einem IXb Feuchtphase
mit Rot- und Weiß- -0,2 1,6 Völkerwander.
kühl buchenoptimum Sande
Wechsel von wärmeren Abschnitten, und abgesehen von der 2 älteres 2,0 Flugsande 2,0 Kaiserzeit
Eichenmisch- ±0 Torfe und
Jüngeren Dryas bzw. Jüngeren Tundrenzeit, relativ kurzzeitigen IXa
Feuchtphase
wald
Mudden Vorrömische
Auenlehm Eisenzeit
Kälterückschlägen. Die detaillierte Untergliederung des Weichsel- 2,7 mit Buchen
2,9
2,7
3 lokale
Spätglazials ist der Gliederung des Pleistozäns in Brandenburg auf langsame beginnende
-0,6
Torfe
Dünenbildung
Bronzezeit
S. 134 zu entnehmen. Bei der Verbindung von pollen­analytischen Buchen- Mudden

Subboreal
ausbreitung
Einstufungen und 14C-Datierungen ist zu berücksichtigen, dass die 4
VIII Abkühlung 3,9
Erosion
3,8

neotektonische
Hinweise auf
-0,6
Vegetations­entwicklung besonders zu Beginn des Holozäns ein von

Aktivitäten
(Sommer trocken Eichenmisch-
wald Sande
Süd nach Nord gerichtetes Gefälle aufwies. Der Klimagang führte und warm)
Flugsande
z.T. Dünen
dann über das Klimaoptimum vor etwa 8 000 Jahren in Intervallen 5 Auenlehm
Neolithikum

Isostatische Ausgleichsbewegungen von Norden bis


bis heute zu einer langsamen Abkühlung. mit
5,3
-1,0
jüngeres VII feucht- Eichen- Torfe
Klima- und Vegetationsentwicklung, die holozäne Oberflächenge- misch-
Linde 5,7
~±0

Atlantikum
6 6,0
staltung und die Besiede­lung des Landes durch den Menschen grif- warmes und

langsamer
wald

Anstieg
fen ineinander. Wesentliche landschaftsformende Faktoren während mit mit Mudden
VI Klima- Ulme

nach N- Brandenburg
älteres Hasel
der letzten rund 11 600 Jahre waren der Wind, das Wasser und der 7 und 7,0 -5,0
Schluffe mit
nach oben
Mensch in unterschiedlichen Anteilen. Optimum Linde 7,3 um-5,0
zunehmenden
organogenen
7,5 -5,0

Abfall Anstieg
Anteilen
Mesolithikum
Der Wind entfaltet seine stärkste Wirkung immer auf vegetationsfrei-

schneller
Kiefer mit
Vb Haselmaximum und 7,9 -22,0
8 jüngeres warm und
en Sandflächen. Nach dem Eisrückzug lagen bis zur Ausbildung einer

Boreal
Eichenmischwald- Sande
trocken, ausbreitung <-22,0
geschlossenen Vegetationsdecke im Präboreal große Sandflächen 8,7 Wechsel von Dünenbildung
älteres Va kontinental
der Sander und Talsandgebiete frei. Große Dünengebiete gibt es 9
Kiefer mit Hasel -8,0 Erosion
und z.T.
daher u. a. westlich Spremberg (Breslau-Magdeburger Urstromtal), Akkumulation

Anstieg
Beginn der Birke und Kiefer 9,3 seit
mit -24,0 jüngster
bei Storkow, Müllrose, südwestlich von Potsdam, im havelländischen Präboreal IV kontinuierlichen
wechselnder Mudden Dryas
Luch, bei Nauen und nordöstlich von Rathenow (südlich des Berliner 10
10,2
Erwärmung Dominanz
-40,0
Schluffe
Sande
10,0

Urstromtales), bei Erkner und in der Umgebung von Fürstenwalde (~11,6 ka BP) 1) Paläolithikum
(Berliner Urstromtal), südlich Eberswalde, in der Schorfheide und W e i c h s e l - K a l t z e i t
südöstlich von Neuruppin (Eberswalder Urstromtal). Nach der ersten 1) Referenzdatum 1950 (LITT & STEBICH 1999, MERKT & MÜLLER 1999) * unkalibriert F. BROSE 2002; aktualisiert J. STRAHL 2010
großen spätpleistozänen bis holozänen Dünenbildungs­phase tra- 2) (FIRBAS 1949) 3) (FIRBAS 1949/52) 4) (DUPHORN et al. 1995)
ten immer wieder dann große äolische Umlagerungen auf, wenn
entsprechende Sandflächen, zumeist durch menschlichen Einfluss und Schluffen sowie organogenen Sedimenten in Senken. In den gebildete Raseneisenerz für die örtliche Eisengewinnung von Bedeu-
vegetationsfrei wurden. Während des gesamten Holozäns sind lokale Auen der seit dem Eisrückzug sich schnell entwickelnden großen tung. In Hangbereichen der Hoch­flächen wurden während des ge-
Dünenbildungen nachweisbar. Zeiten verstärkter Aktivitäten des Flusssysteme wie Elbe und Oder und deren Nebenflüsse wurden samten Holozäns mit wechselnder Intensität in engen Talein­schnitten
Menschen mit Eingriffen in das Vegetationsgeschehen zeigen sich Gefälleänderungen und Klima zur steuernden Größe der Erosi- Kolluvien verfrachtet und am Hangfuß fächerförmig abgelagert.
sowohl im Pollen­spektrum, als auch durch vermehrte äolische Um- ons- und Akkumulationsprozesse. Dabei wurde die Erosionsbasis Die Rolle des Menschen bei der Oberflächengestaltung nahm
lagerungen. So sind im Neolithikum, der Bronze- und der Eisenzeit weitgehend von der Lage des Meereswasserspiegels und dessen während des Holozäns zu. Der anthropogene Einfluss wirkte häufig
sowie im Hochmittelalter verstärkt Flugsand- und Dünenbildungen Schwankungen bestimmt. Für große Abschnitte des Holo­zäns destruktiv wie bei der mittelalterlichen Entwaldung mit z. T. katastro-
zu verzeichnen. In das Mittelalter sind vielfach Dünenaufwehungen bestehen gleiche Tendenzen der Spiegeländerungen in Nord- und phalen Folgen bei der Degradierung großer Flächen für verschie-
bis über 15 m Höhe sowie weitverbreitet Flugsanddecken in Bran- Ostsee. dene Formen der Moornutzung sowie dem Braunkohlenabbau in
denburg zu datieren. Haupttypen holozäner Auensedimente in Brandenburg sind Schluffe Großtagebauen mit großen rekultivie­rungsbedürftigen Kippenflä-
Das Wasser ist als erosives und akkumulierendes Medium oberflä- und Tone (Auentone), fein- bis grobkörnige Sande, organogene chen und Restseen. Mit wachsenden Einflussmög­lichkeiten auf die
chengestaltend wirksam. Auf den Hochflächen wirkte es reliefaus- Sedimente (Torfe) und Mischsedimente wie humose Sande und Landschaftsentwicklung wächst die Verantwortung des Menschen
gleichend durch flächenhafte Erosion und Ablage­rung von Sanden Mudden. Mehr als 2 500 Jahre lang war das in den Niederungen für seine Aktivitäten.

135
Tafel 1: Minerale
In Brandenburg stehen nur wenige Festgesteine mit interessanten Mineralvor- sten geologischen Bedingungen. So auch im sedimentären Milieu, wie das abgebildete 10 - Granat, Almandin, Fe3Al2[SiO4]3, in einem Granat-Plagioklas-Pyroxen-Metamorphit.
kommen ober­flächlich an. Da fast die gesamte Landesoberfläche mit eiszeitli- Septarienbruchstück beweist. Septarien sind kalkige Konkretionen mit Schrumpfungsrissen Die kubisch kristallisierten, z. T. eigengestaltigen und zonaren Granate sind das Ergebnis
chen Lockerse­di­menten bedeckt ist, läßt sich auch in Kies- und Tongruben bei (Septen), z. B. im tertiären Rupelton, auf denen bevorzugt die Minerale kristallisierten, die einer intensiven Regionalmetamorphose, bei der sich im Verlauf gebirgsbildender Prozesse
genauerem Hinsehen manche mineralogische Besonderheit entdecken - sei es als unter oberflächennahen Bedingungen relativ stabil sind. Das Septarienbruchstück mißt unter erhöhten Temperaturen und Drücken vielfältige Mineralum- und Mineralneubildungen
nordisches Geschiebe, südliches Geröll oder als Neubildung in tonigen Sedimen- 5,5 cm in der Längsachse und stammt aus der Tongrube bei Muggerkuhl, ca. 9 km westlich vollzogen. Diese Vorgänge können so intensiv sein, dass das Ausgangsmaterial nicht mehr
ten. Mit der Tafel 1 wird eine Aus­­wahl ansehnlicher Minerale vorgestellt, die auf von Putlitz. erkennbar ist und sich nur durch aufwändige mineralchemische Untersuchungen bestimmen
heimischem Boden gefunden wurden. Sammlung Dr. F. Brose, Berlin. läßt. Entsprechend der stofflichen Vielfalt in der Erdkruste und im oberen Mantel ist auch die
chemische Zusammensetzung der Granate als typische Mineralgruppe des metamorphen
1 - Coelestin, Sr[SO4], aus dem Unteren Muschelkalk (Wellenkalk) von Rüdersdorf. Ab- 6 - Turmalin, Schörl, NaFe2+3Al6[(OH)1+3/(BO3)3/Si6O18], mit längsgestreifter Prismenfläche Grundgebirges sehr komplex. Das angeschnittene und polierte Geschiebe mißt 17 cm in
weichend von der häufig bläulichen Farbe des Coelestins (griech. coelestis= himmlisch) ist in derbem Quarz. Schörl ist ein häufiges und typisches Mineral aus den meist höheren und seiner Längsachse und stammt aus dem Tagebau Greifenhain.
das Strontiumsulfat hier in rötlich und zonar pigmentierten Exem­plaren in ehemaligen Hohl- jüngeren Stockwerken granitischer Körper. Er kristallisiert während der sogenannten pegma- Geschiebesammlung des LGRB.
räumen (jetzt Drusen) des marinen Sedimentes auskristalli­siert. Die Bildung von Coelestin titisch-pneumatolytischen Erstarrungsphase granitischer Magmen zusammen mit anderen,
steht im Zusammenhang mit den Umwand­lungs­prozessen von fossilhaltigem Kalkschlamm sonst selten auftretenden Mineralen aus einem gasreichen, unter hohem Druck stehenden 11 - Tektit, Moldavit, grünliches und oberflächlich genarbtes Gesteinsglas, das sich in-
zu festem Kalkstein. Derartig gut erhaltene Coelestin-gefüllte Drusen sind unter den heutigen Schmelzrest, in dem sich all die Elemente angereichert haben, die in die Masse der bereits folge eines Meteoriteneinschlags vor 14,8 Mio. Jahren in die Schwäbisch-Fränkische Alb im
technisierten Abbaumethoden im Tagebau Rüdersdorf eine Seltenheit. Der Durchmesser festen gesteinsbildenden Minerale nicht eingebaut wurden. Damit ist die Fe-reiche Turmalin- Gebiet um Nördlingen (Nördlinger Ries-Krater) explosionsartig bildete, ausgewor­fen und in
der Druse beträgt ca. 4 cm. varietät Schörl, ebenso wie seine vielfältigen, chemismusabhängigen Farbvarianten, Anzeiger Streufeldern in Böhmen, Mähren und der Lausitz in jungtertiären Sedimenten abgelagert
Mineralogische Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin. für mineralogische Raritäten, zum Teil bis zu Edelsteinqualität. Der Name Turmalin leitet sich wurde. Nachfolgende, vorwiegend fluviatile Umlagerungsprozesse haben zu den heutigen,
aus dem Singhalesischen ab und bedeutet Edelstein. Der abgebildete Schörl ist 2,4 cm lang seltenen Vorkommen in jungtertiären und quartären Flußschottern der Lausitz geführt.
2 - Gips, Ca[SO4] . 2H2O, aus dem unteroligozänen Rupelton von Bad Freienwalde. Die und wurde als Geschiebe in der Kiesgrube Kleinmutz bei Zehdenick gefunden. Es gehört außerordentliche Ausdauer und Sammlerglück dazu, Tektite in Brandenburg
rosettenartige Anordnung der zerbrechlichen, gelblichen Gipskristalle konnte sich in dem Mineralogische Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin. zu finden. Der erste Moldavit-Fund in der Lausitz einschließlich sächsischem Anteil wurde
umgebenden plastischen Ton besonders gut herausbilden. Einfache, oft durch Ton- und 1967 registriert, bis 1995 wurden 111 gesammelte Exemplare bekannt. Der abgebildete
Schluffpartikel verunreinigte und an einspringenden Winkeln erkennbare Zwillinge von 7 - Achat, Chalcedon, SiO2; Achat setzt sich überwiegend aus parallellagigen und unter- Moldavit mißt 17,9 mm in der Längsachse und wurde auf der Waschkieshalde der Kiesgrube
Gipskristallen sind hier und in ähnlichen Vorkommen relativ häufig. Das natürliche oder schiedlich gefärbten Chalcedonschichten (feinfaseriger bis mikrokristalliner Quarz) zusam- Saalhausen bei Großräschen gefunden.
künstlich gebrannte wasserfreie Calciumsulfat (Anhydrit) erfährt bei Wasseraufnahme und men, die bisweilen um einen gröberkristallinen Quarzkern angeordnet sind. Am häufigsten Sammlung H. Wlordaczyk, Großräschen.
Umkristallisation zu Gips eine Volumenzunahme bis ca. 60% - eine Eigenschaft, die den tritt Achat in der hydrothermalen Spätphase der Erstarrung von Vulkaniten auf, in deren mit
Gips als Form- und Baumaterial zu einem der weitver­breitetsten Industrieminerale macht. konzentrierten kolloidalen Kieselsäurelösungen gefüllten Hohlräumen die Chalcedonbänder 12 - Anthophyllit, (Mg,Fe)7[OH/Si4O11]2, ist ein rhombisches Kettensilikat (Amphibol) und
Der Durchmesser der Gipsrosette beträgt ca. 7 cm. auskristallisieren. Sie kleiden den vorhandenen Raum sukzessive aus und bilden so die präsentiert sich in bläulich irisierenden, pflanzenartigen Aggregaten (griech. anthos=Blume),
Mineralogische Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin. äußerlich unscheinbaren Achatmandeln und -knollen. Aufgrund ihrer höheren Verwitte- die hier ein fast monomineralisches Gesteinsstück bilden. Anthophyllit ist ein typisches Mi-
rungsresistenz bleiben diese oft erhalten und gelangen als Gerölle in die Schmelzwasser- und neral metamorpher Gesteine, die reich an Magnesium, aber arm an Cal­cium sind. Infolge
3 - Calcit, Kalkspat, Ca[CO3], aus dem Muschelkalk von Rüdersdorf. Die weißen bis Flußablagerungen. Die angeschnittene Achatknolle hat eine Längsachse von 12 cm und seiner Kristallstruktur tritt er vorwiegend in strahlig-stengliger Form auf, bisweilen in relativ
gelben rhomboedrischen Kristalle kleiden eine Druse aus, die als fossiler Hohlraum im wurde in der Kiesgrube Ruhlsdorf gefunden, ca. 15 km westlich von Eberswalde. langfasrigen Aggregaten, die früher als Anthophyllitasbest bergmännisch gewonnen und in
kalkigen Meeresbodensediment mit übersättigten Calciumkarbonat-Lösungen gefüllt war Sammlung Dr. F. Brose, Berlin der Asbestindustrie weiterverarbeitet wurden. Die rechte Kantenlänge des bei Teschendorf/
und die physiko-chemischen Voraussetzungen für die Calcitkristallisation bot. Calcit ist das Oranienburg gefundenen Geschiebes beträgt 9 cm.
formen- und flächenreichste Mineral sowie eines der häufigsten Bestandteile insbesondere 8 - Albit, Na[AlSi3O8], ein auffälliger Bestandteil einer Kluft- oder Drusenfüllung eines Mineralogische Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin.
der Sedimentgesteine und des Stützapparates zahlreicher Organismen. Gesteinsbildender granitischen Gesteins. Der weiß-gelbliche pinakoidale Kristall (lat. albus=weiß) zeigt den
Calcit (z. B. Kreide, Kalkstein, Marmor) hat eine sehr große wirtschaftliche Bedeutung vor eigengestaltigen Habitus der Na-reichen Vertreter der Alkalifeldspat-Gruppe. Albit ist gleich- 13 - Schriftgranit, Graphophyr, regelmäßige Verwachsung von Quarz mit Kalifeld­spat
allem für die Bau- und chemische Industrie. Der seit alters bekannten Nutzung als minera- zeitig das Na-reiche Endglied der Ca-Na-Feldspäte oder Plagioklase (lat.=Schiefspaltende) (K[AlSi3O8], Mikroklin bzw. Orthoklas, griech.=rechtwinklig Spaltender). Die Anord­nung des
lisches Bindemittel - nach dem Erhitzen (Calcinieren) zu CaO (Branntkalk) - verdankt der und ein häufiges gesteinsbildendes Mineral der Tiefen-(Plutonite) und Ergussgesteine (Vul- Quarzes richtet sich nach dem Gitterbau des Kalifeldspates und erzeugt die an Schriftzeichen
Calcit seinen auf das Griechische zurückgehenden Namen. Die Länge der oberen Kante kanite) sowie der Umwandlungsgesteine (Metamorphite). Aufgrund fast gleicher Ionengröße erinnernden und namengebenden Muster. Derartige Ver­wachsungen sind sehr vielgestaltig
der Mineralstufe mißt 9,5 cm. von Na und Ca sind beide im Kristallgitter der Plagioklase beliebig austauschbar, so dass und ein Merkmal der späten Erstarrungsphase von grani­tischen Magmen. Die Längskante
Mineralogische Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin. eine lückenlose Mischkristallreihe besteht vom Albit bis zum Anorthit (Ca[Al2Si208]), dem des angeschnittenen Geschiebes beträgt 9 cm. Es stammt aus der Kiesgrube Vogelsang bei
Ca-reichsten Plagioklas. Die Entstehung von Mischkristallen insbesondere in magmatischen Eisenhüttenstadt.
4 - Bernstein, Succinit, C10H16O, fossiles Harz, das aus den ausgedehnten, küstennahen Gesteinen ist ein weit verbreiteter Prozess und erklärt die chemische und mineralogische Sammlung Dr. F. Brose, Berlin.
Braunkohlenwäldern des unteren Tertiärs (Eozän-Oligozän) Nordosteuropas stammt. Anhand Variabilität vieler Gesteine. Albit wird als keramischer und Emaille-Rohstoff genutzt. Das am
seiner zahlreichen pflanzlichen und tierischen Einschlüsse wurde nachgewiesen, dass vor Potsdamer Tor in Berlin gefundene Geschiebe hat einen Längsdurchmesser von 9 cm. 14 - Amethyst, SiO2, violetter Quarz, der als Kristallrasen eine Druse in einem Basalt aus-
allem Kiefern (z. B. Pinus succinifera) das Harz lieferten und eine reiche Insektenfauna den Mineralogische Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin. kleidet. Der Name wird von seiner einstigen Verwendung als Talisman gegen die Trunksucht
tropischen Bernsteinwald bevölkerte. Das zu Bernstein verfestigte Harz gelangte aus dem (a methyl) abgeleitet. Quarz ist das häufigste gesteinsbildende Mi­neral der Erdkruste und
torfigen Ursprungssediment während aller nachfolgenden geologischen Umlagerungsvor- 9 - Beryll, Al2Be33[Si6018], gelblichgrün, mit gut ausgebildeten Prismenflächen in derbem tritt je nach Bildungsbedingungen in verschiedenen Modifikationen mit unterschiedlichem
gänge, bei denen Wasser beteiligt war, infolge ihrer geringen Dichte von 1-1,1 g/cm3 fast Quarz. Beryll bildet sich ebenso wie der unter (6) beschriebene Turmalin in der pegmati- Kristallgitter sowie in einer Fülle von Farb-, Form- und Kristallinitätsva­rietäten auf. Am
schwimmend in immer jüngere Ablagerungen. So sind die Bernsteinklumpen und das, tisch- pneumatolytischen Kristallisationsphase granitischer Schmelzen. Die dort herrschenden bekanntesten ist der klare Bergkristall, geringe Beimengungen von Elementen, Kristalliten
was von ihnen nach der „aufreibenden“ Transportdauer von mindestens 24 Mio. Jahren Bedingungen führten auch zur Anreicherung des Elements Beryllium und zur Auskristallisa- oder winzigen radioaktiven Einschlüssen er­zeugen die ästhetische Farbpalette der Quarzva-
übriggeblieben ist, nicht nur an den Stränden von Nord- und Ostsee zu finden, sondern tion von Beryll unterschiedlicher Färbung in Abhängigkeit von bestimmten Elementbeimen- rietäten, wie Amethyst, Rauchquarz, Citrin, Rosenquarz und Morion. Hochreine natürliche
auch in eiszeitlichen Sedimenten. Die untere Kantenlänge des im ehemaligen Braunkoh- gungen (z. B. Smaragd mit Spuren von Chrom) sowie anderer berylliumhaltiger Silikate. oder gezüchtete Quarze werden für Spezialoptiken und als piezo-elektrische Taktgeber im
lentagebau „Helene“ bei Frankfurt/Oder gefundenen Bernsteins beträgt 5,5 cm. Beryll ist das wichtigste Erz für die Be-Gewinnung. Eine Besonderheit seines Auftretens Gerätebau verwendet. Die Druse mißt 12 cm in der Läng­s­achse und ist Teil eines Geschiebes,
Sammlung Dr. F. Brose, Berlin. ist, dass er häufig an riesenkörnige Mineralaggregate (Pegmatite) geknüpft ist mit zum Teil das in der Kies­­grube Niederlehme/Königs Wusterhausen gefunden wurde.
beträchtlichen Ausmaßen (z. B. in Brasilien ein Beryllkristall von ca. 200 t). Der größte der Geschiebesammlung des LGRB.
5 - Kupferkies, Chalkopyrit, CuFeS2, als feiner Kristallrasen mit aufgewachsenem gelb- hier abgebildeten Kristalle ist 10 mm lang. Der genaue Fundort des brandenburgischen
lichem Calcit (vgl. 3). Der mit seinen bunten, metallisch glänzenden Anlauffarben typische Geschiebes ist nicht bekannt.
Kupferkies bildet sich als Durchläufermineral und wichtiges Cu-Erz unter den verschieden- Mineralogische Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin.

136
1 2 3 4

5 6

7 8 9 10

11 12 13 14

Tafel 1 in: Atlas zur Geologie von Brandenburg, LBGR (2010)

137
Tafel 2: Fossilien
Fossilien sind Überreste vorzeitlicher pflanzlicher und tierischer Organis- vielen Sand- und Kalksteinen des Kambriums, Ordoviziums und Silurs zu 9 - Bernstein-Inkluse
men sowie deren Lebensspuren, die unter günstigen Voraussetzungen finden. Der hier abgebildete Trilobit Ogmaasaphus praetextus stammt Bernstein als fossiles Baumharz (vgl. Tafel 1) ist ein vorzügliches Fossilisati-
der vollständigen Zerstörung entgangen sind und so über viele Millionen aus dem ordovizischen Ludibunduskalk, der in Schweden beheimatet ist. onsmittel. Er kommt in den Lausitzer Braunkohlentagebauen und auch als
Jahre erhalten blieben. Die Überreste vergangenen Lebens sind in den Deutlich ist die Dreiteilung des Körpers in Kopf- (links, mit Augen), dem Geschiebe in einer Reihe von Kies- und Sandgruben vor, z. T. in solchen
verschiedenartigsten Sedimenten wie in Ton-, Sand- und Kalksteinen zu segmentierten Rumpf- und Schwanzschild zu erkennen. Mengen, dass er zur Schmucksteingewinnung abgebaut wurde. Bernstein
finden. Diese Gesteine stehen in Brandenburg jedoch nur in Ausnahme- enthält nicht selten Einschlüsse von Pflanzen- und Tierresten (Inklusen).
fällen, wie zum Beispiel der Muschelkalk in Rüdersdorf, oberflächennah Mit etwas Glück kann man in ihm wunderschön erhaltene Insekten wie
4 - Lituites lituus; Geschiebe
an. Sedimente des Paläozoikums und des Mesozoikums sind meist von den abgebildeten Silberfisch Zygentoma finden.
jüngeren Ablagerungen bedeckt und können nur mittels Tiefbohrungen In den roten und grauen Orthocerenkalken des Ordoviziums finden sich
zutage gefördert werden. häufig die Überreste von Kopffüßern, zu denen auch die heute noch leben-
Mit den pleistozänen Inlandeismassen wurden jedoch gewaltige Mengen den Tintenfische gehören. Im Gegensatz zu diesen besaßen die Nautiliden, 10 - Viviparus diluvianus
Gesteinsschutt aus Skandinavien in das norddeutsche Flachland trans- deren einziger noch lebender Vertreter das Perlboot (Nautilus) ist, eine In der Holstein-Warmzeit waren weite Teile des heutigen Brandenburgs
portiert. Darunter befinden sich nicht nur die kristallinen Gesteine des gekammerte Außenschale. Während der heutige Nautilus eine eingerollte durch eine Seenlandschaft geprägt. In diesen Gewässern lebte die Schnecke
skandinavischen Grundgebirges, sondern auch zahlreiche fossilführende Schale besitzt, bevölkerten im Erdaltertum zahlreiche Variationen von Nau- Viviparus diluvianus, deren widerstandsfähige Schalen als Umlagerungs-
Sedimente vornehmlich aus dem Baltikum und vom Grunde der Ostsee, tiliden mit geradgestreckten, leichtgekrümmten kegelförmigen und teilweise produkt in nahezu jeder Sandgrube gefunden werden können. Das ab-
die in nahezu jeder Sandgrube und in den Lesesteinhaufen an Feldrändern bis vollständig eingerollten Gehäusetypen die Meere. Der hier abgebildete gebildete Stück, in dem die bis zu 3 cm großen Schnecken noch in ihrem
gefunden werden können. Lituites wuchs zuerst spiralig, daran schließt sich ein gestreckter Gehäu- ursprünglichen Einbettungsmedium lagern, stammt aus einer Bohrung bei
Aber auch die eiszeitliche Tier- und Pflanzenwelt, die unsere Breiten bevöl- seabschnitt an. Die Ähnlichkeit dieser Schalen mit dem Stab der Auguren Nauen aus einer Tiefe von 45 m.
kerte, hat in nunmehr fossilen Resten bis in unsere Zeit überdauert. (lituus augurum) trug ihnen den Namen Lituites (Bischofsstab) ein.
Die folgende Bildtafel soll einen kleinen Einblick in die faszinierende Vielfalt 11 und 12 – Mammuthus primigenius
der in Brandenburg gemachten bzw. möglichen Fossilfunde geben. Dabei 5 - Monograptus; Geschiebe
Während der Kälteperioden der Eiszeit bevölkerte eine an das rauhe Klima
haben sowohl „wissenschaftliche Sensationen“ als auch „Allerweltsfossilien“ Ein typisches Geschiebe aus dem Silur ist das am Grunde der Ostsee angepaßte Tierwelt unseren Raum. Typische Vertreter aus der Familie der
Berücksichtigung gefunden: beheimatete grünlichgraue Graptolithengestein, welches neben anderen Säugetiere waren die Lemminge, das Rentier, das Wollhaarige Nashorn
Fossilien häufig eigentümliche schriftartig oder laubsägeartig geformte und natürlich das Mammut (Mammuthus primigenius), das Symboltier
1 - Xenusion auerswaldae; Geschiebe Reste enthält. Dabei handelt es sich um die fossilen Wohnkammern von der Eiszeit schlechthin. Häufigste Reste des Mammuts sind die charakte-
Ein gutes Beispiel dafür, dass in dem von den skandinavischen Inlandeis- ausgestorbenen koloniebildenden polypenähnlichen Tieren – den Grap- ristischen Backenzähne (Abb. 11 zeigt ein Unterkieferbruchstück, Abb. 12
massen in unser Gebiet transportierten Gesteinsschutt auch wissenschaftlich tolithen (graphein = schreiben, lithos = Stein). die Kaufläche eines Backenzahnes). Die abgebildeten Exemplare wurden
sensationelle Funde möglich sind, ist Xenusion. in der Sandgrube Niederlehme geborgen.
Xenusion gehört zu den ältesten größeren Körperfossilien Europas. Es 6 - Undularia scalata
entstammt einem violetten, weißlich gebänderten Sandstein unterkambri-
In Rüdersdorf bei Berlin werden seit Jahrhunderten Kalksteine aus der 13 – Pollenkörner von Lysimachia vulgaris
schen Alters aus Ostschweden. Bisher ist es nur in Geschieben gefunden
Muschelkalkzeit abgebaut. Aus diesen Gesteinen sind im Laufe der Zeit Die mikroskopisch kleinen Blüten- und Sporenstäube tertiärer und
worden und auch das nur in drei unvollständigen Exemplaren. Es ist damit
zahllose Fossilien geborgen worden, darunter die abgebildete Kalkstein- pleistozä­ner Land- und Wasserpflanzen (Abb.  13 Lysimachia vulga-
seltener als der berühmte Urvogel.
platte mit mehreren Exemplaren der Schnecke Undularia mit bis zu 15 cm ris = Gemeiner Gilbweiderich, Größe ca. 30 µm) erhalten sich insbeson-
Xenusion gehört wahrscheinlich zu den Gliedertieren, läßt sich jedoch bis
Höhe. Daneben befindet sich ein Exemplar des triassischen Nautiliden dere in den Ablagerungen von Seen und Mooren außerordentlich gut. Mit
jetzt keiner bekannten Tiergruppe zuordnen, daher der wissenschaftliche
Germanonautilus bidorsatus. Hilfe der sogenannten Pollenanalyse ist es möglich, nicht nur das Alter
Name, der soviel wie Fremdwesen bedeutet.
Das hier abgebildete Exemplar wurde bei Sewekow (Prignitz) gefunden, derartiger Ablagerungen zu bestimmen, sondern auch Aussagen über
ein weiteres stammt aus Fürstenwalde. 7 - Nothosaurus raabi die Vegetationszusam­mensetzung und das Klima u. a. der vergangenen
warmzeitlichen Perioden des Eiszeitalters zu treffen.
Im Rüdersdorfer Muschelkalk werden häufig isolierte Zähne und Knochen
2 - Scolithos linearis; Geschiebe von Sauriern gefunden. Selten sind dagegen ganze Skelette. Ein schönes
Ebenfalls im Unterkambrium wurde der sehr häufig anzutreffende weiß- Beispiel dafür ist das wohl am besten erhaltene Skelett des bis zu 3 m lan-
lichgelbe, manchmal bräunlich gebänderte Scolithos-Sandstein aus Öland gen Räubers Nothosaurus, der als Küstenbewohner an eine amphibische
(Schweden) abgelagert, der mit zahlreichen röhrenförmigen Gebilden Lebensweise angepaßt war.
durchsetzt ist, die senkrecht zur Schichtung angeordnet sind (Scolithos =
Pfahlstein). Dabei handelt es sich nicht um pflanzliche oder tierische Re- 8 - Kreidefossilien; Geschiebe Danksagung
ste, sondern um sogenannte Spurenfossilien. In diesem Falle sind es sehr Für die freundliche Unterstützung bei der Bereitstellung des Bildmaterials der Minerale wird den
Aus dem heutigen Ostseeraum nahm das Inlandeis auch die Ablagerungen
wahrscheinlich ehemalige Wohnbauten von Würmern, die im Flachmeer Herren Dr. G. Wappler und H.-R. Knöfler, Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu
des ehemaligen Kreidemeeres auf und transportierte die widerstandsfähigen Berlin, sowie Herrn Dr. J.-M. Lange, Staatliche Naturhistorische Sammlungen Dresden, Museum für
lebten.
Anteile (meist Feuerstein) auch bis ins Brandenburgische. So können wir Mineralogie, herzlich gedankt.
Für die Auswahl der Objekte und für die Zurverfügungstellung des Bildmaterials der Fossilien danken
heute in Sandgruben ein großes Spektrum an fossilen Tieren aufsammeln, wir Frau Radke und Herrn Dr. Heinrich vom Paläontologischen Institut der Humboldt-Universität zu
3 - Trilobit; Geschiebe die einst das Kreidemeer bevölkerten. Auf der Abbildung sind neben den Berlin. Das Scannen der übrigen Sammlungsstücke sowie das Anfertigen der farblich ausgewogenen
Trilobiten (Dreilappkrebse) waren urtümliche Gliederfüßer, die im Erd- allseits bekannten Belemniten („Donnerkeile“) der Seeigel Galerites vulgaris Abbildungs-Tafeln lag in den Händen von Frau Dipl.-Geophysn. A. Andreae.
Quellen (Fossilien):
altertum mit unzähligen Arten die Meere bevölkerten, zum Ende des (a), der „Klapperschwamm“ Plintosella squamosa (b), der Kalkschwamm Abb. 1 – 4, 6, 7, 9, 11 und 12 Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin, Abb. 5, 8, 10 und
Erdaltertums jedoch ausstarben. Ihre widerstandsfähigen Panzer sind in Porosphaera (c) und die Einzelkoralle Parasmilia (d) zu sehen. 13 Sammlung LGRB

138
1 2 3 4

5 6 7

8 9 10

a
b
c

11 12 13

Tafel 2 in: Atlas zur Geologie von Brandenburg, LBGR (2010)


139
Tafel 3: Geotope
( 1 ) Findling im Ueckertal bei Strehlow, OT von ( 2 ) NSG Gipsbrüche Sperenberg, Nordbö­schung ( 3 ) Findling Großer Stein in Kobbeln bei Eisen­- ( 4 ) Strom bei Boitzenburg, Uckermark.
Potzlow, Uckermark. zw. Restloch 2 und 3 mit Geschiebemergel und hüt­tenstadt. Foto: D. Göllnitz, 21.08.2001
Foto: D. Göllnitz, 09.10.2001 Gipsbroc­ken. Foto: D. Göllnitz, 27.10.1999
Foto: D. Göllnitz, 29.02.2000 Der Strom bei Boitzenburg – ein Zufluß zur Uecker
Die Jungmoränenlandschaft der Uckermark ist nicht nur Der Große Stein in Kobbeln ist mit ca. 95 m der – hat ein für das Norddeutsche Tiefland strecken-
geomorphologisch sehr bewegt, sie besitzt auch viele Die Sperenberger Gipsbrüche sind in mehrerer Hinsicht zweitgrößte Findling in Brandenburg. Er besteht aus weise be­acht­liches Gefälle (zwischen Klosterruine in
große Geschiebe. Gegenwärtig sind 9 Findlinge mit bemerkenswert. Hier wurde von 1867 bis 1871 die mit Bornholm Granit und wurde durch das Eis der Saale Boitzenburg und unterhalb der Rummelpforter Mühle
mehr als 10 m Volumen bekannt, darunter der große 1 271,6 m die für 15 Jahre tiefste Bohrung der Erde - Kaltzeit hierher verfrachtet. 1921/22 begannen Hei- 9,5 m auf 2 600 m ). Mit zahlreichen Mäandern, einer
Hünenstein am Vorwerk Karlsberg bei Blumberg mit niedergebracht, um die Mächtigkeit des Salzstockes zu matfreunde mit der Freilegung des Findlings, die wegen Steinsohle als Bachbett und einem mehr als 30 m tief
29,8 m . Der auf dem Foto abgebildete Findling liegt erkunden. Genaue Temperaturmessungen in dieser Geldmangels erst 1925 abgeschlossen werden konnte. in die Grund­moränenfläche eingeschnittenen Tal ist er
frei auf dem Acker und ist daher weithin sichtbar. Er ist Bohrung durch Bergrat Duncker ermöglichten ihm 1927 durch Anpflanzungen geschmückt, bietet der Platz ein Kleinod der Natur.
11,6 m groß und besteht aus mittelkörnigem Granit. die Entdeckung der geothermischen Tiefenstufe von um den Stein einen reizvollen Anblick.
33 m/°C. Der Gipsabbau endete 1957.

( 5 ) Gesundbrunnen, ca. 80 m unterhalb vom Quell- ( 6 ) Kleiner Markgrafenstein, Rauensche Ber- ( 10 ) Gletschertöpfe, Rüdersdorf ( 7 ) Os von Müncheberg – Hoppegarten mit
kes­­sel. ge bei Fürs­­­ten­­walde. Foto: D. Göllnitz, 12.12.1994 4,9 km Längserstreckung.
Foto: D. Göllnitz, 06.01.1999 Foto: P. Birkenstaedt, 02.09.1997 Foto: D. Göllnitz, 16.01.1996
Der Kalksteintagebau Rüdersdorf gehört wie Speren-
Der Gesundbrunnen im Hohen Fläming ist ein ca. Auf den Rauenschen Bergen, einem weichselzeitlich berg zu den bedeutendsten Geotopen Brandenburgs. Oser oder Wallberge sind vor allem in der Uckermark und
900  m langer Zufluß zur Buckau in der gleichnami- überprägten saalekaltzeitlichen Stauchungskomplex, Untrennbar verbunden ist Rüdersdorf vor allem mit in Ostbrandenburg verbreitet. Sie treten bahn­damm­artig
gen Gemarkung, der aus einem Quellkessel gespeist be­fand sich bis 1827 der mit ca. 290 m größte Find- dem Namen des schwedischen Geologen Otto Torell. mit oft jähen Windungen auf und bestehen aus Kies-
wird. Mit ca. 70 bis 90 l/s ist der Quellkessel, der heute ling Bran­­denburgs, der Große Markgrafenstein. Er Auf Grund der Kenntnisse aus seiner schwedischen sanden, die von Schmelzwässern längs der Spal­ten am
einen Durchmesser von 130 bis 150 m aufweist, der wurde mehrfach gespalten, ein Teil davon zur großen Heimat deutet er im Jahre 1875 die ihm hier gezeigten Grunde des Inlandeises abgelagert wurden. Wegen der
ergiebigste in ganz Brandenburg. Laut Klöden, der in Granitschale vor dem Alten Museum in Berlin verar- Schrammen und Löcher im Kalkstein als eindeutige meist guten Qualität der Kiessande unterliegen die Oser
den Erläuterungen zur Geologischen Spezialkarte, Mbl. beitet. Heute ist der nur einige Meter entfernte Kleine Spuren von Gletschereis. Damit konnte der Theorie der Gefahr des Abbaggerns. Das längste und schönste
3740 zitiert wird, soll die Quelle am 23. Mai. 1659, Mark­grafenstein mit 166 m der größte Findling Bran- über die Inlandvereisung des Norddeutschen Tieflandes Os Brandenburgs bei Müncheberg/ Hoppe­­garten steht
einem Pfingstmontag, plötzlich aufgesprungen sein. denburgs. zur Anerkennung verholfen werden. z. Zt. im Unterschutzstellungsverfahren.
Die damals vorhandenen Naturdenkmale fielen um
( 8 ) Vorwerk Hammerdamm bei Golzow, Gebäu- ( 9 ) Eem vom Klinge, zwischen Cottbus und die Jahrhundertwende dem Abbau zum Opfer. Auch ( 11 ) Verkieselte Quarzsande bei Hohenbocka
de aus Ra­­sen­­eisenstein. Forst. die jetzt von Prof. K. B. Jubitz aufgefundenen Glet- südlich Senftenberg.
Foto: D. Göllnitz, 15.06.2000 Foto: P. Sitschick, 01.07.1999 scherschrammen und Gletschertöpfe konnten nicht an Foto: P. Sitschick, 30.06.1999
Ort und Stelle verbleiben. Sie wurden geborgen bzw.
Bauwerke unter Verwendung von Raseneisenstein sind Am sogenannten Südrandschlauch des Braunkoh- durch Abdrücke erhalten und für das Museum erlebbar Im Umfeld der auflässigen Glassandgruben bei Ho­
selten. Mangel an Baustoffen, hohe Preise für Mate- lentagebaues Jänschwalde befindet sich bei Klinge gestaltet. henbocka sind durch die Sandgewinnung verkieselte
rial und Transport führten zur Nutzung dieses örtlich ein fossilreiches Vorkommen eem - warmzeitlicher Dr. Schwab, zusammen mit Prof. Jubitz auf den Schich- Quarzsande freigelegt worden, die für den Abbau
vorkommenden Materials in früheren Jahrhunderten. Sedimente. Das Interglazial von Klinge ist die älteste ten des Mittleren Muschelkalk stehend, prägte dafür den ungeeignet waren. Es handelt sich um miozäne Quarz-
Neben Wohnhäusern in Sigrön (Prignitz) und der Kir- Fundstelle pleistozäner Wirbeltiere in der Niederlausitz Begriff der zeitweiligen Geotope. sande der unteren Briesker Schichten. Das Gelände ist
che Schmer­kendorf (Falkenberg/E.) ist das Vorwerk mit überregionaler und internationaler Bedeutung. für Besucher zugänglich, mit Aussichtsturm versehen
Hammerdamm (bei Golzow/PM) – ein Komplex aus Die Unterschutzstellung als Geotop/geschützter Land- und sehr reizvoll.
Wohn­häu­sern, großen Scheunen und Nebengebäu- schaftsbestandteil ist vorgesehen.
den – ein besonders schönes Beispiel für die bauliche
Verwendung von Raseneisenstein.
( 13 ) Rezente Düne zwischen Jüterborg und Lucken- ( 14 ) Feldsoll bei Göhlsdorf im Niederen Fläming. ( 15 ) Reuthener Moor im Muskauer Faltenbogen.
( 12 ) Quelle zur Plane westlich Rädigke. ­walde. Foto: D. Göllnitz, 10.01.2001 Foto: D. Göllnitz, 20.09.2000
Foto: D. Göllnitz, 30.03.1999 Foto: D. Göllnitz, 30.05.2001
In den Vereisungsgebieten Brandenburgs sind nach Der Muskauer Faltenbogen, eine bemerkenswerte glazi-
Viele Quellen in Brandenburg sind flächenhafte Durch militärische Nutzung seit der Mitte des 19. Jahr- dem Rückschmelzen des Gletschereises zahllose sedi- tektonische Großstruktur von 20 x 22 km erschließt vor-
Grundwasseraustritte, seltener sind punktförmige hunderts wurde die Pflanzendecke soweit dezimiert, mentbedeckte, sogenannte Toteisblöcke im Untergrund wiegend deformierte braunkohlenführende Sedimente.
Grundwasseraustritte mit hoher Ergiebigkeit. Neben dass die anstehenden Dünensande freiliegen und erneut liegengeblieben. Nach deren Abtauen bildeten sich Durch Verwitterung der zu Tage tretenden Flöze ent-
dem Goldborn bei Werchow und der Kochquelle bei vom Wind verfrachtet werden. Hohlformen, die abhängig von der Höhenlage bzw. standen sog. Gieser, abfluss­lose, langgestreckte, meist
Kunsterspring ist der Quellaustritt zur Plane zwischen Das Gebiet ist zur Unterschutzstellung als LSG vorge- dem Lockergesteinsmaterial wassergefüllt sein können. schmale Senken. In einer breiteren Senke bildete sich
Raben und Rädigke im Hohen Fläming sehenswert. sehen. Kleinere Hohlformen werden als Sölle bezeichnet. das Reuthener Moor – Lebensraum bedrohter Tier- und
Pflanzenarten, das als NSG unter Schutz gestellt ist.

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Tafel 3 in: Atlas zur Geologie von Brandenburg, LBGR (2010)

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Geowissenschaftler und geohistorische Stätten in Brandenburg und Berlin
Berlin ist seit mehr als 200 Jahren ein Zentrum naturwissenschaft- phischen und bodenkundlichenVerhältnisse miteinander vereinigte. Naturkundemuseum aufgestellte Marmorbüste erinnert an den
licher Forschung und Lehre. Als Hauptstadt Preußens und später Mit dem Blatt Nauen begründete Berendt seine Kartiermethodik großen Wissenschaftler.
Deutschlands war es zugleich Ort der staatlichen Aufsicht über für das Flachland, u. a. die Sondierung bis in 2 m Tiefe, aber auch
Bergbau und Geologie. Die Bundesländer Brandenburg und die Grundfarben und Signaturen für die känozoischen Schichten, Leopold von Buch (1774-1853)
Berlin können auf eine beachtliche Anzahl namhafter Geowissen- wie sie überwiegend noch heute angewendet werden. Geologe. Schüler Abraham Gottlob Werners an der Bergakademie
schaftler verweisen, die aus dieser Region hervorgingen bzw. in Freiberg, wo er mit seinen Studienkollegen Alexander von Hum-
entscheidenden Phasen ihres Lebens hier gewirkt haben. Einige Insgesamt hat Berendt im Verlauf seiner Kartiertätigkeit 43 Blätter boldt und Johann Carl Freiesleben, dem späteren sächsischen
der bedeutendsten unter ihnen werden im Folgenden vorgestellt. 1 : 25 000 bearbeitet, davon die Mehrzahl aus brandenburgischem Berghauptmann, einen lebenslangen Freundschaftsbund schloss.
Weiterhin finden Stätten und Einrichtungen Erwähnung, die für Gebiet. Unter seiner Leitung entstand ferner die erste geologische Verließ nach kurzer Tätigkeit als preußischer Bergreferendar den
die Geowissenschaften in Brandenburg und Berlin von nationaler, Übersichtskarte der Umgebung von Berlin, deren 1. Ausgabe 1884 Staatsdienst und widmete sich, finanziell durch die Einkünfte der
regionaler oder lokaler Bedeutung sind. zum Internationalen Geologenkongress in Berlin erschien. im Familienbesitz befindlichen landwirtschaftlichen Güter abgesi-
chert, privaten wissenschaftlichen Forschungen. 1826 Abschluss
Geowissenschaftler Berendt war es auch, der am 3. November 1875 O. Torell nach der Arbeiten zur ersten geologischen Karte von Deutschland (42
Rüdersdorf begleitete und so vor Ort Augenzeuge der auf den Blätter, i. M. 1 : 100 000, bis 1845 fünf Auflagen). Mitbegründer und
Johann Jacob Baeyer (1794-1895) Schichtköpfen des Muschelkalks freigelegten Schrammen wurde, erster Vorsitzender der 1848 gebildeten Deutschen Geologischen
Preußischer General und Geodät. Leitete ab 1821 das Topogra- die Torell als unzweifelhafte Zeugnisse und Beweise einer Inland- Gesellschaft. Veröffentlichte auf der Grundlage ausgedehnter For-
phische Büro und ab 1876 das Geodätische Institut in Berlin, das eistätigkeit interpretierte, was dann in der Folgezeit der Inland- schungsreisen zahlreiche Arbeiten zur Paläontologie, Stratigraphie
1866 nach Potsdam verlegt wurde. Begründete die wissenschaftlich eistheorie auch für das nordmitteleuropäische Gebiet endgültig (u. a. Untergliederung des Juras und der Trias), Gebirgsbildung
fundierte Landesvermessung in Preußen. Die Denkschrift „Über zum Durchbruch verhalf. und Kartographie. Hielt, entgegen der neptunistischen Lehre
die Figur und Größe der Erde“ führte 1862 zur Mitteleuropäischen Berendt hat sich im Verlauf seiner Kartiertätigkeit im Dienste der Werners, die vertikale Bewegung als entscheidend für die Bildung
Gradmessung als Vorläufer der Internationalen Assoziation für Preußischen Geologischen Landesanstalt mit nahezu allen Phäno- der Gebirge (Erhebungstheorie und Theorie der vulkanischen
Geodäsie. Im GeoForschungsZentrum Potsdam werden Teile seines menen der eiszeitlich geprägten norddeutschen Landschaft befasst. Erhebungskrater), Ende des 19. Jahrhunderts abgelöst durch die
Nachlasses verwahrt. 1962 wurde aus Anlaß des 100. Jahrestages Von besonderer Bedeutung waren seine Veröffentlichungen über die von Eduard Suess begründete Intrusions- und Wandertektonik.
der internationalen Erdmessung auf dem Dorfanger des Berliner Endmoränen und über die großen Urstromtäler Norddeutschlands. Das Naturkundemuseum Berlin, über dessen Portal ein Standbild
Vorortes Müggelheim zum Gedenken an J. J. Baeyer nahe seines Die von ihm für die Urstromtäler vorgeschlagenen Bezeichnungen an Leopold von Buch erinnert, bewahrt die umfangreiche Biblio-
Geburtshauses eine Kunststeinstele mit bronzenem Porträtmedail- haben noch heute Bestand. Neben seiner Kartierarbeit im Quartär thek, Tagebücher, Briefe und die 9 000 Exponate umfassende
lon aufgestellt. richteten sich seine Forschungen auch auf das Tertiär. So geht der paläontologische Sammlung des Gelehrten. Marmorbüste im Besitz
Nachweis des miozänen Alters der jüngeren märkischen Braunkoh- der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; Ge-
Gottlieb Michael Berendt (1836 – 1920) lenflöze auf Berendt zurück. Berendt starb 1920 in Schreiberhau denkstein auf der Begräbnisstätte der Familie von Buch in Stolpe/
(Schlesien). Uckermark sowie in Großraming/Österreich.
Quartärgeologe. Nach dem Studium des Bergfaches an der Berliner
Universität promovierte er 1863 über die Diluvialablagerungen der
Mark Brandenburg, insbesondere der Potsdamer Gegend. 1865 August Heinrich Ernst Beyrich (1815-1886) Christian Gottfried Ehrenberg (1795-1876)
ging er nach Königsberg (Ostpreußen), um dort die geologische Geologe. Begann als Paläontologe und nutzte die Paläontologie Paläontologe. Zunächst Mediziner, promovierte er über die Pilzflo-
Kartierung im Maßstab 1 : 100 000 aufzubauen. In den neun Jah- als Biostratigraph und Kartierer. Lehrte an der Friedrich-Wilhelm- ra Berlins und begab sich anschließend auf eine mehrjährige For-
ren seiner Königsberger Zeit hat er 12 Karten 1 : 100 000 kartiert Universität zu Berlin und der Berliner Bergakademie. Wurde 1873 schungsreise nach Ägypten, Libyen und Palästina, von der er 34 000
und dabei versucht, aufbauend auf den Erfahrungen Bennigsen- zum Direktor des Museums für Naturkunde berufen. Regte, aufbau- Tiere vom Säuger bis zum Mikroorganismus mitbrachte. Wurde 1827
Förder’s, die agronomischen Verhältnisse mit darzustellen. In den end auf Kartierarbeiten in Schlesien und der Provinz Sachsen, mit zum Professor an der Berliner Universität berufen, deren Rektor
Jahren 1873/74 – nach Gründung der Königlich Preußischen W. Hauchecorne die Herausgabe der Internationalen Geologischen er 1855/1856 war. Begleitete Alexander von Humboldt 1829 auf
Geologischen Landesanstalt – wurde er in den Prozess des Aufbaus Karte von Europa an. Als bahnbrechend gilt seine Geologische dessen Rußlandreise. Wissenschaftliche Hauptleis­tung ist die Be-
einer großmaßstäblichen Kartierung 1 : 25 000 auch für das bis da- Spezialkarte von Preußen im Maßstab 1 : 25 000. Hatte großen gründung der Mikropaläontologie mit dem 1854/56 erschienenen
hin geologisch vernachlässigte norddeutsche Flachland involviert. Anteil an der Gründung der Königlich Preußischen Geologischen Werk „Mikrogeologie. Das Erden und Felsen schaffende Wirken
In die Anstalt trat er 1874 als Mitarbeiter ein und wurde 1875 zum Landesanstalt, deren zweiter Direktor er wurde sowie an der Grün- des unsichtbar kleinen Lebens auf der Erde“. Der Nachlass wird im
ersten Leiter der Flachlandsabteilung berufen. Gleichzeitig nahm er dung der Deutschen Geologischen Gesellschaft, deren langjähriger Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaf-
auch seine Lehrtätigkeit an der Berliner Universität auf. Zusammen Vorsitzender er dann war. Wissenschaftshistorisch von Bedeutung ten, die Sammlung „Mikrogeologie“ im Museum für Naturkunde
mit Orth entwarf er die Legende für die geologisch-agronomische ist auch die Ausgliederung des Oligozäns innerhalb des Tertiärs Berlin aufbewahrt. Das Grab Ehrenbergs mit Porträtmedaillon auf
Karte 1 : 25 000 und legte 1875 mit der Sektion Nauen auch das durch Beyrich. Seine paläontologische Sammlung ist Bestandteil dem Grabstein befindet sich auf dem Friedhof St. Marien und St.
erste Blatt vor, auf dem er die Darstellung der kartierten petrogra- der Sammlungen des Museums für Naturkunde. Eine 1898 im Nicolai (Prenzlauer Allee/Ecke Mollstraße) in Berlin.

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Carl Abraham Gerhard (1738-1821) Zeitschrift. Es ist das Verdienst Huckes, dass die Geschiebeforschung In den Publikationen sind auch Beobachtungen und Erfahrungen
Deutschlands bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges eine zuvor und von Auslandsreisen eingeflossen, die oft im Zusammenhang mit der
Mineraloge. Gründete 1770 im Auftrag Friedrich II. die Berliner danach nicht gekannte Blüte erreichte. Teilnahme an Internationalen Geologenkongressen durchgeführt
Bergakademie und schuf mit der „Königlichen Cabinett-Samm- wurden. Tragischer Tod des geistig und körperlich Rüstigen in seiner
lung“ den wissenschaftlichen Ausgangspunkt für das Museum für Alexander von Humboldt (1769-1859) Wohnung als Folge eines Bombenangriffes auf Berlin.
Naturkunde. Lehrte neben anderen Fachgebieten Mineralogie Geowissenschaftler und Humanist. Studium in Frankfurt/Oder,
und veröffentlichte Schriften „für den praktischen Bergmann“. Göttingen, Hamburg und Freiberg mit zwischengeschalteten na- Karl Friedrich (von) Klöden (1786-1856)
Gab 1776 eine richtige Deutung der Torf- und Kohlelagerstätten. turwissenschaftlichen Reisen, u. a. in Begleitung von Georg Forster Karl Friedrich (von) Klöden, im Folgenden KFK genannt, war ein
1781/82 erschien seine „Geschichte des Mineralreichs“, in der er nach England. Schüler von Abraham Gottlob Werner. Ab 1792 in brandenburgischer Geowissenschaftler, Historiker, Lehrer und
für ein viel höheres Erdalter als zu dieser Zeit allgemein angenom- verschiedenen Funktionen im preußischen Bergdienst, aus dem Schulreformer. Der moderne Begriff „Geowissenschaftler“ charak-
men, plädierte. Das Haus, das sich der Geheime Bergrat Gerhard er Ende 1796 als Oberbergrat ausschied. Ab 1797 Vorbereitung terisiert seine Tätigkeit. Er war einer der »vorzüglichsten Kartogra-
1790 in Berlin (Neue Grünstraße 27) errichten ließ, existiert noch und 1799-1804 zusammen mit Aimé Bonpland Durchführung der phen« seiner Zeit (1815), begründete die Wetterbeobachtungen
heute und trägt eine Gedenktafel für den Gründer der Berliner großen Amerikareise, der „zweiten, wissenschaftlichen Entdeckung in Potsdam (1821), schrieb über die »Grundlinien zu einer neuen
Bergakademie. Amerikas“. Die Auswertung in Paris, niedergelegt in 34 Bänden, Theorie der Erdgestaltung …« (1824), beschrieb die Geologie
nahm über 20 Jahre in Anspruch. 1827 nach Berlin zurückgekehrt, Brandenburgs, arbeitete als Paläontologe, Stratigraph (1830-1837),
Karl Friedrich Freiherr von Heinitz (1725-1802) hielt Humboldt Vorlesungen an der Universität und parallel dazu schrieb über Natursteine und ihre Verwendung, entdeckte die er-
Bergmann. Studium des Bergfachs in Dresden und Freiberg. Nach öffentliche Vorträge in der „Singakademie“ über physische Geogra- sten Braunkohlenlagerstätten Brandenburgs, veröffentlichte über
kurzer Tätigkeit in verschiedenen Gruben bis 1774 im sächsischen phie (Kosmos-Vorlesungen). 1828 Wiederaufnahme erdmagneti- Astronomie (1832-51) und Vermessungskunde (1831). In seinem
Staatsdienst, zuletzt als Generalbergkommissarius des sächsischen scher Messungen (mit K. F. Gauß, W. Weber u. a.; Göttinger Magne- Nachlass wurde auch eine »Bodenfruchtbarkeitskarte« gefunden.
Bergwesens. 1765 Mitbegründer der Bergakademie Freiberg. 1777 tischer Verein). 1829 Durchführung der russischen Forschungsreise,
in Preußen zum Minister und Berghauptmann ernannt und damit zusammen mit Rose und Ehrenberg. Anschließend (in Potsdam) Als Karl Friedrich Klöden wuchs er unter primitiven Bedingungen in
an die Spitze des preußischen Bergwerks- und Hüttendepartements Arbeit am „Kosmos“, der in fünf Bänden (1842-1862) erschien und einer Berliner Kaserne und in westpreußischen Grenzstädten auf.
gestellt. In dieser Funktion nahm Heinitz entscheidend Einfluss auf Humboldts Weltruhm als Naturforscher abrundete. Im Jahr 1801 begann er in Berlin eine Lehre als »Goldarbeiter«.
die Entwicklung des Berg-, Hütten- und Salinenwesens des preu- Während der Lehrzeit nahm er außerhalb der Arbeitszeit, die 13
ßischen Staates, so u. a. auf die Entwicklung der bergbaulichen Konrad Keilhack (1858-1944) Stunden dauerte, kostenlosen Zeichenunterricht, lernte Französisch
Kalksteingewinnung in Rüdersdorf. Geologe. Studium in Jena, Göttingen und Berlin. Promotion 1881 und Italienisch im Selbststudium und beschäftigte sich mit Mathe-
in Jena, danach Eintritt in die Königlich Preußische Geologische matik. Im vorletzten Lehrjahr lernte er das Gravieren, Schriftstechen
Kurt Hucke (1882-1963) Landesanstalt Berlin. 1884 dort etatmäßige Anstellung, 1886 und Kartenstechen. Für die Landkartenhandlung Schropp war er
Lehrer, Naturwissenschaftler, Quartärgeologe, Geschiebeforscher. Beförderung zum Bezirks-, 1890 zum Landesgeologen. Schon als Kartograph von 1811 bis 1817 tätig.
Seine Erziehung und Ausbildung erhielt er am Königlich Joachims­ 1892 Ernennung zum Mitglied der „Kaiserlichen Leopoldinisch- Plamann, Leiter einer pestalozzischen Privatschule, stellt Klöden
thal’schen Gymnasium in Berlin. Hier studierte er auch, und legte Carolinischen Akademie deutscher Naturforscher“ in Halle/Saale. 1813 als »Lehrer für Formenlehre, Geometrie und Mineralogie«
1905 an der Berliner Universität das Staatsexamen in Mathematik, 1900 Verleihung des Titels Professor, 1907 Geheimer Bergrat. ein. Im gleichen Jahr belegt er als Externer Vorlesungen bei Sa-
Physik, Zoologie und Botanik ab. Nach Lehrertätigkeit an verschie- Seit 1896 Lehrtätigkeit an der Bergakademie, später TH Char- muel Weiß. Zu einem »ordentlichen« Universitätsabschluss wird
denen Berliner Schulen wurde er 1912 Lehrer am inzwischen nach lottenburg; 1914-1923 Abteilungsdirigent, später -direktor für die er 1814 an der Berliner Universität immatrikuliert. 1817 erhält er
Templin (Uckermark) verlegten Joachimsthal’schen Gymnasium. Kartierung im Flachland der Preußisch Geologischen Landesanstalt das Abschlusszeugnis der Berliner Universität und wird zum Be-
1936 übernahm er die Heinrich-von-Kleist-Schule in Frankfurt/ als Nachfolger von F. Wahnschaffe. 1917-1919 Vorsitzender der ginn der Jahres 1818 als Direktor des in Potsdam neu gegründeten
Oder, doch schon 1940 wurde er nach Lübben versetzt. Im April Deutschen Geologischen Gesellschaft, auch deren Ehrenmitglied. Lehrerseminars berufen.
1945 verließ er Lübben und fand in Plön (Holstein) bei seiner 1928 Ehrensenator der TH.
Tochter Unterkunft. Bei ihr wohnte er bis 1963. Hucke starb 1963 Der Bürgermeister von Berlin gewinnt Klöden 1824 als Gründungs-
in Hanau, er wurde beigesetzt auf der Insel Elft im Selenter See Nach eigener Auflistung ca. 500 wissenschaftliche Publikationen direktor der Städtischen Gewerbeschule. Inhaltlich ein Realgym-
in Holstein. (und unzählige Gutachten), vornehmlich auf den Gebieten: nord- nasium – das erste in Preußen - lehrte es Naturwissenschaften,
Mit Recht wird Hucke als der Altmeister der Geschiebeforschung deutsches Quartär, Grundwasserfragen, Geologie der Braunkohlen Geschichte, Geographie, Mathematik und neue Sprachen und
angesehen, und er hat Großes geleistet für die Erforschung und (Niederlausitz) und balneologische Verwertung der Moore. Insge- unterschied sich damit deutlich vom altphilologisch und theologisch
die Kenntnis des Quartärs der Mark Brandenburg. Aus seiner Feder samt kartierte Keilhack (z. T. zusammen mit Kollegen) 118 geolo- dominierten Gymnasium. Als Lehrer konnte er Wissenschaftler wie
stammen die Bücher „Geologische Wanderungen in der Mark Bran- gische Meßtischblätter und bearbeitete mehrere Übersichtskarten. Heinrich Rose, Friedrich Wöhler, Jakob Steiner und Georg August
denburg“, „Sedimentärgeschiebe des norddeutschen Flachlandes“ Höchste Anerkennung erwarb er sich mit den Werken „Lehrbuch Büchmann gewinnen.
und vor allem die „Geologie der Mark Brandenburg“. der praktischen Geologie“ (4 Auflagen 1896-1921/22, Übersetzung
1924 initiierte Hucke die Gründung der Gesellschaft für Geschiebe­ ins Russische und Spanische) und „Lehrbuch der Grundwasser- und 1846 erhält er von der Universität den Dr. phil. hc. Im Jahr 1854
forschung und organisierte die Herausgabe der gleichnamigen Quellenkunde“ (3 Auflagen 1912-1935, Übersetzung ins Russische). erleidet KFK einen Schlaganfall. Im folgenden Jahr gibt er die Lei-

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tung der Gewerbeschule auf. Am 9. 1. 1856 verstirbt Karl Friedrich Alfred Wegener (1880-1930) Forschungseinrichtungen
(von) Klöden. Meteorologe und Geophysiker. Studium in Berlin, Heidelberg und Geologische Forschungseinrichtungen in Berlin
Wien. Promotion über ein astronomisches Thema. Am Aeronau-
Ferdinand von Richthofen (1833-1905) tischen Observatorium in Tegel und Lindenberg bei Beeskow als Die Berliner Universität besteht erst seit 1810, aber die Wissen-
Geologe und Geograph. Studium in Breslau und Berlin. Nach praktischer Meteorologe tätig. 1907-09 Teilnehmer der Dänischen schaft von den Gesteinen, Mineralen und Fossilien konnte an eine
geologischen Arbeiten in den Alpen begleitete er die preußische Expedition nach Nordostgrönland. Danach Privatdozent für Meteo- an der Bergakademie vorhandene Geologie/Mineralogie-Tradition
Expedition nach Ostasien (1860-1862), durchreiste anschließend rologie und Astronomie in Marburg. 1912-13 Grönland-Durchque- und an die museumsartige Königliche Cabinett-Sammlung an-
Teile von Nordamerika und unternahm dann eine ausgedehnte rung von Ost nach West zusammen mit dem Dänen Johan Peter schließen, die bereits einen hohen Ruf genoß. Erster Professor für
Reise nach China und Japan.1886 an die Berliner Universität Koch und Begleitern. 1912 erste Äußerung der Idee von der Drift Mineralogie an der Universität und damit Nachfolger von D. L. G.
berufen, errichtete er ein Jahr später das Geographische Institut, der Kontinente, 1915 Buchpublikation „Die Entstehung der Kon- Karsten (1768-1810) als Leiter des „Bergeleveninstituts“ und des
das durch ihn internationalen Ruf erlangte, u. a. durch den „Führer tinente und Ozeane“ (bis 1930 drei jeweils verbesserte Auflagen). Mineralienkabinetts war C. S. Weiß. Ihm folgten als Direktor des
für Forschungsreisende“ (1886) sowie seine Arbeiten über China 1919 Abteilungsvorstand an der Deutschen Seewarte in Hamburg Mineralogischen Museums von 1866-73 G. Rose (1798-1873)
(1877/85). Gilt als Begründer der modernen Geomorphologie und Professur an der Universität Hamburg. 1924 Berufung an die und A. H. E. Beyrich (1815-1896). In die Amtszeit W. v. Bran-
und hatte wesentlichen Anteil an der Gründung des Museums und Universität Graz auf den Lehrstuhl für Meteorologie und Geophy- cas (1844-1928) fällt die denkwürdige Tendaguru-Expedition
Instituts für Meereskunde in Berlin. Belegmaterial seiner Chinareise sik. 1929 Vorexkursion, 1930 Leitung der Deutschen Grönland- als größte Auslandsunternehmung des Naturkundemuseums, in
bewahrt das Museum für Naturkunde auf. Eine Marmorbüste be- expedition (glaziologische, meteorologische und geophysikalische deren Ergebnis 1916 die ersten Dinosaurier-Skelette aufgestellt
findet sich im Geographischen Institut der Humboldt-Universität, Untersuchungen). Auf dem Rückmarsch von der Station Eismitte wurden. Nach dem 1. Weltkrieg waren J. F. Pompecki (1867-1930)
das Grabmal auf dem Südwest-Kirchhof in Stahnsdorf. verstarb Wegener Mitte November 1930 infolge Erschöpfung. und nach dessen Tod kurzzeitig F. Solger (1877-1965) Inhaber
des Lehrstuhls für Geologie und Paläontologie. 1932 wurde H.
Carl Ritter (1779-1859) Wissenschaftliche Hauptleistung ist der Anschub der mobilistischen Stille (1876-1966) aus Göttingen nach Berlin berufen. Andere
Geograph. Erhielt 1828 den ersten Lehrstuhl für Geographie Denkweise in der Geotektonik, die auf der Grundlage moderner namhafte Geologie-Professoren der Berliner Universität waren W.
an der Berliner Universität. Begründete zusammen mit Alexan- Forschungen in Form der Plattentektonik heute Allgemeingültigkeit Gothan (1897-1954) und F. Lotze (1903-1971). Durch Kriegsein-
der von Humboldt die vergleichende Geographie und ist damit besitzt. Wegeners Beiträge zur Physik der Atmosphäre sowie zur wirkungen erlitt das Naturkundemuseum schwere Schäden, erst
maßgeblich an der Entwicklung der Geographie zur Wissenschaft Impaktforschung haben wissenschaftshistorisch ebenfalls einen 1953 war z. B. der Sauriersaal wieder aufgebaut.1949 erhielt die
beteiligt. Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der Berliner hohen Stellenwert. Als einer der bedeutendsten deutschen Geo- Berliner Universität den Namen der Gebrüder Humboldt. Nach
Gesellschaft für Erdkunde. Teile des Nachlasses befinden sich in der wissenschaftler erfährt er heute vielfache Wertschätzung, z.  B. der Emeritierung von H. Stille trat der aus Greifswald berufene
Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Im Bereich Geographie durch einige nach ihm benannte Gremien und Einrichtungen S. v. Bubnoff (1888-1957) an seine Stelle. 1961 wurde R. Daber
der Humboldt-Universität befindet sich eine Marmorbüste, die (Alfred-Wegener-Stiftung, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und als Direktor des Paläontologischen Instituts und Museum und E.
Grabstätte auf dem alten Friedhof St. Marien und St. Nicolai. Meeresforschung). Kautzsch (1905-1986) als Direktor des Geologischen Instituts
berufen. Die 3. Hochschulreform der DDR führte 1968/69 an der
Adolf Schmidt (1860-1944) Christian Samuel Weiß (1780-1856) Humboldt-Universität zur Auflösung der Fakultäten und Institute
Mineraloge und Kristallograph. Studium in Leipzig und Freiberg und zur Bildung von Sektionen. Der Lehrstuhlbereich Geologie fiel
Geophysiker. Studium in Breslau. Ab 1883 im höheren Schul-
(Schüler von A. G. Werner). 1806-08 Reise zum Studium der der Sektion Geographie zu, die Geologieausbildung aber war an
dienst tätig. 1898 Mitglied der Internationalen Kommission für
Geologie der Alpen, Oberitaliens und Frankreichs sowie der die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald abgegeben worden.
Erdmagnetismus. 1902 an das Preußische Meteorologische Institut
Mineralsammlungen in Paris und Wien. 1808 zum Professor für Paläontologisches und Mineralogisches Museum blieben Teile
als Vorstand des Magnetischen und 1909 des Meteorologisch-
Physik an der Universität Leipzig ernannt, 1810 zum Professor des neuformierten Museums für Naturkunde. Das Mineralogische
Magnetischen Observatoriums Potsdam berufen. Erwarb sich große
für Mineralogie an die neugegründete Berliner Universität berufen Institut, unter der Leitung von W. Kleber (1906-1970) zu einem
Verdienste bei der Erforschung des Erdmagnetismus (Bearbeitung
unter gleichzeitiger Ernennung zum Vorstand des Mineralogischen kristallograpischen Institut umgewandelt, gehörte nun der Sektion
der 1898-1906 durchgeführten magnetischen Vermessung Nord-
Museums. 1815 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften Physik an.
deutschlands; Entwicklung verschiedener magnetischer Messinstru-
mente, wie magnetische Feldwaage für die Lagerstättenerkundung; gewählt. Um Weiß bildete sich eine international weit verzweigte
wissenschaftliche Schule, aus der bedeutende Wissenschaftler wie Die Hochschulreform hatte dazu geführt, dass an der Humboldt-
wesentliche Beiträge zur Theorie des Erdmagnetismus).
G. Rose, F. E. Neumann, C. F. Naumann, N. I. Koksarow, A. J. Uni­versität zu Berlin an Geowissenschaftlern i. e. S. nur noch
Mitherausgeber von Gerlands Beiträgen zur Geophysik Bde.
Kupfer, W. H. Miller u. a. hervorgegangen sind. Geographen und Kristallographen ausgebildet wurden. Das
11(1912) - 59(1943).
Geographische Institut der Berliner Universität war 1887 unter
1928 bereitete er den erforderlichen und 1930 vollzogenen Um- Weiß ist neben R.-J. Hauy Begründer der wissenschaftlichen Kristal- F. von Richthofen gegründet worden. Als weitere geographische
zug des Observatoriums, das seither seinen Namen trägt, nach lographie, er entwickelte eine mathematisch begründete Theorie der Einrichtung kam 1906 das Museum und Institut für Meereskunde
Niemegk vor. Hier erinnert eine Büste an ihn. Teile des Nachlasses Kristallmorphologie. Im Museum für Naturkunde Berlin existieren hinzu, das unter A. Penck (1858-1945), der die Lehre von den
bewahrt das Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der eine Porträtbüste sowie über dem Haupteingang dieses Gebäudes Oberflächenformen der Erde mitbegründete, zu Weltruhm gelangte.
Wissenschaften auf. ein Porträtmedaillon von ihm. Das Gebäude Georgenstraße 34/36, in dem beide Institute unter-

144
gebracht waren, wurde im 2. Weltkrieg zerstört. 1928 zog das Geo- tionale Bezugsgröße anerkannt (Potsdamer Schwerewert). Er galt der Eröffnung der Berliner Bergakademie als Königliche Cabinett-
graphische Institut in die Universitätsstraße 3b. Nach der Wende bis 1971. Die Reform der Deutschen Akademie der Wissenschaften Sammlung, die wissenschaftlicher Ausgangs­punkt der musealen
wechselte das Geographische Institut der Humboldt-Universität in führte 1969 zur Zusammenführung der Institute für Geodäsie und Einrichtung war. Neben dem Gründer C. A. Gerhard brachten auch
die Chausseestraße 86 und befindet sich heute in Adlershof. Geomagnetismus, des Geotektonischen Instituts Berlin und des andere Leiter und Mitarbeiter ihre eigenen Sammlungen in den
Geodynamischen Instituts Jena zum Zentralinstitut Physik der Erde Museumsfundus ein, z. B. Ch. S. Weiß und G. Rose. Schenkungen
1873 erfolgte die Gründung der Königlich Geologischen Lan- (ZIPE) mit Sitz auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Ziel der Konzen- in den ersten Jahrzehnten erfolgten u. a. durch Zar Alexander I.
desanstalt und Bergakademie von Preußen, die in Berlin, tration der geowissenschaftlichen Grundlagenforschung der DDR („alte russische Sammlung“ in der sich auch ein Stück Pallas-Eisen
Invalidenstraße 44 im Jahre 1878 ein stattliches Gebäude erhielt. war die Untersuchung der Erdkruste und der Erde als Ganzes. befand), M. H. Klapproth, E. F. F. Chladni (Meteoriten), A. v. Hum-
Die PGLA prägte als führende Institution für die geologische Kar- boldt und K. F. Rammelsberg. Mit Gründung der Universität 1810
tierung wesentlich die Entwicklung der geologischen Forschung in Im Ergebnis der Neustrukturierung der Forschungslandschaft im wurde dieser auch das Mineralienkabinett unterstellt, das ab 1814
Deutschland und gab der Geologie in Europa bedeutende Impulse. vereinigten Deutschland wurde 1992 das GeoForschungsZen- - untergebracht im Hauptgebäude der Universität - den Namen
1916 wurde die Bergakademie in die Technische Hochschule Berlin trum Potsdam (GFZ) gegründet (jetzt: Helmholtz-Zentrum Pots- Mineralogisches Museum führte. 1856 erfolgte die Trennung in das
integriert. Bis 1945 war die PGLA das Zentrum der amtlichen Geo- dam, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ). Als Einrichtung Paläontologische und Mineralogi­sche Museum. Seit 1886 befindet
logie in Deutschland, zuletzt als Reichsamt für Bodenforschung. der Grundlagenforschung hat es sich zum Ziel gesetzt, im fach- sich das Museum für Naturkunde in der Invalidenstraße 43 und
Nach 1945 war die Invalidenstraße 44 Sitz der Geologischen übergreifenden Verbund zukunftsweisende Forschungsfelder der beherbergt das Mineralogische Museum, Paläontologische Museum
Landesanstalt in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, Geowissenschaften aufzugreifen und mit neuen wissenschaftlichen und Zoologische Museum. Die Sammlungen wurden durch Schen-
Sitz der Staatlichen Geologischen Kommission und später des Zen- und organisatorischen Ansätzen zu bearbeiten. Das GFZ, das Astro- kungen, museumseigene Sammeltätigkeit sowie Ankauf ständig
tralen Geologischen Instituts der DDR. Nach der Wende erfolgte physikalische Institut Potsdam (AIP), das Alfred-Wegener-Institut erweitert. Spektakulärste Exponate sind die den Lichthof füllenden
seit 1990 dort der Aufbau der Außenstelle der Bundesanstalt für für Polar- und Meeresforschung (AWI) und das Potsdam-Institut Saurierskelette, angeführt von dem aus den Tendaguru-Schichten/
Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) Hannover, die ihren für Klimafolgenforschung (PIK) bilden zusammen den Wissen- Ostafrika (Tansania) unter Leitung von Kustos Prof. Janensch
Dienstbereich Berlin 1996 nach Spandau verlegte und den traditi- schaftspark Albert Einstein. geborgenen 23 m langen und 12 m hohen Brachiosaurus sowie
onsreichen Standort europäischer Bodenforschung zugunsten des das Berliner Exemplar des aus den Solnhofener Plattenkalken/
damaligen Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungs- Mit der Gründung des GFZ und des Geologischen Instituts an der Fränkische Alb stammenden Urvogels Archaeopteryx .
wesen räumte. Universität Potsdam wurde die Möglichkeit zur Verknüpfung von
geowissenschaftlicher Lehre und Forschung geschaffen. Ein wichti- Seit 2000 werden die bedeutenden geowissenschaftlichen Samm-
Die Teilung Berlins nach der Währungsreform 1948 brachte es ger und traditioneller Schwerpunkt an der Universität Potsdam sind lungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Roh-
mit sich, dass in Westberlin als neue Einrichtung die Freie Uni- ferner die regionalen Beiträge zur physischen Geographie und Geo- stoffe (BGR), Dienstbereich Berlin- Spandau in Kooperation mit
versität Berlin mit breit gefächerter geowissenschaftlicher Lehre ökologie des Landes. Die Universitätsbibliothek Potsdam verwaltet zu- dem Museum für Naturkunde Berlin erhalten und gepflegt.
und Forschung gegründet wurde. 1946 erfolgte die Neugründung gleich die seit 1848 angelegte Bibliothek der Deutschen Gesellschaft für
der Technischen Hochschule Berlin als Technische Universität Geowissenschaften (DGG), eine der vollständigsten Geobibliotheken Die geologischen Sammlungen der Stadt Cottbus (vormals Museum
Berlin. Der Lehrstuhl für Geologie wurde 1952 in die Fakultät für Deutschlands. der Natur und Umwelt) sind in die Städtischen Sammlungen
Bergbau und Hüttenwesen integriert. Aus der Fakultät entstand Cottbus integriert worden, jedoch leider zurzeit nicht zugänglich.
1970 der Fachbereich für Bergbau und Geowissenschaften. Nach Geologische Forschungseinrichtung in Cottbus Vorläufer war das am Oberkirchplatz in Cottbus gelegene Heimat-
der Wiedervereinigung wurden an beiden Universitäten neue Wege museum, dessen Sammlungsbestand im Krieg verloren ging. Das
der studentischen Ausbildung beschritten, so mit der Einrichtung Die 1991 gegründete Brandenburgische Technische Universi- Museum widmet sich auf der geologischen Strecke hauptsächlich
des integrierten Studienganges Geoingenieurwissenschaften und tät (BTU) in Cottbus ist die einzige Technische Universität des Lan- der Braunkohlenthematik sowie der Tertiärflora. Es hat eine um-
Angewandte Geowissenschaften an der Technischen Universität. des Bran­denburg. Ihre Aktivitäten auf geowissenschaftlichem Gebiet fangreiche Geschiebesammlung sowie Sammlungen zur Geologie,
sind insbesondere auf angewandt-geologische Themen konzentriert. Mineralogie, Petrographie und Stratigraphie. Einge­gangen in den
Geologische Forschungseinrichtungen in Potsdam Schwerpunkte hierfür sind: Umweltgeologie, Bodenschutz, Sammlungsbestand sind u. a. Sammlungen der Lübbenauer Gräfin
Hydro(geo)logie und Umweltplanung. Ausdruck der starken A. Ch. v. Kielmannsegg, des Landrats C. Freiherr v. Manteuffel aus
Der Telegrafenberg in Potsdam ist ein geschichtsträchtiger Ort regio­­nalen Bindung ist die komplexe Beschäftigung mit den Lau- Luckau sowie von Dr. K. Elze aus Cottbus. Markantestes Exponat
von Weltgeltung für die Geowissenschaften. Den Ausgangspunkt sitzer Braunkohletagebauen, dem Grundwassermanagement in der des Museums ist ein 1982 aus dem Tagebau Klettwitz geborgener
bildete das 1870 in Berlin unter J. J. Baeyer errichtete und unter Bergbauregion und der Rekultivierung der bergbaulich genutzten Mammut­baumstubben von 3,20  m Durchmesser und 2,50 m
seinem Nachfolger F. R. Helmert 1886 auf den Telegrafenberg Flächen. Hierzu wurde als übergreifende, interdisziplinäre Einrich- Höhe. Anläßlich der Bundesgartenschau 1995 in Cottbus wurden
verlagerte Königlich Preußische Geodätische Institut, das den Ruf tung das Forschungszentrum Bergbaulandschaften gegründet. ein mit heutigen Gehölzen nachgestellter Urwald der Braunkoh-
Potsdams als Weltzentrum für Geodäsie und Gravitationsforschung lenzeit sowie die Findlings­allee in der Parkaue als Außenanlagen
begründete. 1890 erfolgte die Gründung des Geomagnetischen des Museums eingeweiht.
Museen, Gedenkstätten und Lehrpfade
Instituts, an dem erstmals in Deutschland Dauermessungen aller
erdmagnetischen Elemente vorgenommen wurden. Die Absolut- Das Museum für Naturkunde Berlin ist eng mit der Geschichte Der Museumspark Rüdersdorf gehört zu den jüngsten musealen
bestimmung der Erdschwere in Potsdam wurde 1909 als interna- der Berliner Universität verknüpft. Es entstand 1770 gleichzeitig mit Einrichtungen des Landes Brandenburg. Vorläufer war das 1937

145
im Auftrag der Direktion der Berginspektion Rüdersdorf von dem persönlichen Dokumenten bestehende Schenkung Else Wegeners, eine ca. 300 m tiefe Bohrung niedergebracht, in der mit einer
Geologen Friedrich Solger im Verwaltungsgebäude eingerichtete der damals in München lebenden Ehefrau Alfred Wegeners, an von G. Magnus (1802-1870) entwickelten Meßapparatur erste
Betriebsmuseum, das eine geologische Schausammlung sowie das Heimatmuseum Neuruppin. Für das Zustandekommen des Bohrloch-Temperaturmessungen stattfanden.
eine Sammlung bergmännischer Geräte und Kleidung enthielt. Die Museums engagierten sich besonders Pfarrer H. Fahrun aus Flecken
Sammlung und Teile des Archivs wurden im April 1945 verpackt, Zechlin sowie E. Asseng aus Lindenberg. Die Zusammenstellung Der südlich von Berlin gelegene Salzstock Sperenberg, bei dem
nach Schönebeck an der Elbe transportiert und in ein ebenfalls der und wissenschaftliche Aufberei­tung der Unterlagen erfolgte durch Zechstein­ablagerungen bis an die Erdoberfläche aufgestiegen sind,
Preussag gehörendes Salzbergwerk eingelagert. Beides ist seither H.-G. Körber, Potsdam, G. Kobe, Berlin, sowie G. Skeib, Linden- war wegen seiner Gipsvorkommen bereits seit dem 13. Jahrhundert
verschwunden. Seit Mitte der 50er Jahre bestand ein Heimatmuse- berg. Nach der Wende musste das Museum wegen Restitutions­ von wirtschaftlichem Interesse. Von 1869-1871 wurde im Bereich
um in einem der Rumfordschen Öfen in der Heinitzstraße, jedoch ansprüchen auf das Gebäude geschlossen werden. Die Gemeinde des Salzstocks eine Bohrung zur Klärung der lagerstättenkundlichen
gelang es nicht, das baufällige Gebäude zu renovieren. Nach der stellte daraufhin Räumlichkeiten in der ausgebauten ehemaligen Verhältnisse geteuft, deren 1 272 m damals Weltrekord-Tiefe dar-
Wende ent­stand zunächst ein „Verein zur Wahrung der Rüdersdorfer Schule zur Verfügung, in der seit 1995 die Alfred-Wegener- stellte. Gleichfalls globale Bedeutung erlangte die Bohrung durch
Bergbautradition“ und bald die Idee für das Projekt „Museumspark“, Gedenkstätte eine neue Heimstatt gefunden hat. Wiederöffnung die Auswertung der in ihr vorgenommenen Temperaturmessun-
wofür sich 1992 der Förderverein Baustoffindustrie Rüdersdorf e. V. sowie fachliche und technische Neugestaltung waren das Ergebnis gen, anhand derer E. Duncker (1808-1894) eine geothermische
gründete. Mit der Übernahme der Trägerschaft des Museumsparks des Zusammenwirkens einer Reihe von Institutionen und Einzel- Tiefenstufe von 33,7 m für 1ºK ermittelte und dieses Ergebnis mit
durch die Gemeinde Rüdersdorf 1994 war der Startschuß für das personen, des Heimatmuseums Neuruppin und der Gemeinde der Schlussfolgerung „die Temperatur nimmt linear mit der Tiefe
Unternehmen gegeben. Der Museumspark umfasst eine Fläche Zechlinerhütte. Auf dem Friedhof Zechlinerhütte erinnert ein auf zu ...“ als typisch für die Erdkruste ansah.
von 17 ha, auf der Baudenkmale aus der Geschichte des Kalk- der Familiengrabstätte der Wegeners aufgestellter Gedenkstein an
steinabbaus vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, wie Schachtöfen den im grönländischen Eis zur Ruhe gebetteten Alfred Wegener. Lehrpfade, Findlingsgärten und Geoparke
und Rumfordöfen, stehen. Besucher haben die Möglichkeit, an
Tagebauführungen teilzunehmen und sich dabei als Mineral- und Dem Andenken des Australien-Forschers Ludwig Leichhardt (1813- In Brandenburg existieren zehn geologische Lehrpfade bzw. Gärten,
Fossiliensammler zu betätigen. Mit dem im Jahr 2000 eröffneten 1848) ist im Ludwig-Leichardt-Kulturzentrum in Trebatsch die vorwiegend den eiszeitlichen Geschieben gewidmet sind. Meist
„Haus der Steine“ wurde eine gelungene Ausstellung zur Geologie bei Beeskow die „Austellung Ludwig Leichardt und seine Zeit“ entstanden sie durch privates Engagement geologisch interessierter
der Struktur Rüdersdorf und zur Geschichte des Kalksteinabbaues gewidmet. Leichardt durchquerte 1844/45 mit seiner Expedition Personen. Älteste Einrichtung dieser Art ist der seit 1964 in Bad
geschaffen, und 2010 zu Ehren von Prof. Karl-Bernhardt Jubitz um das nördliche Australien mit dem Ziel, die Geographie, Geologie Freienwalde bestehende Geologische Lehrpfad Altranft. Bis zur
den Jubitz-Stein-Erlebnis Platz erweitert. sowie die Tier- und Pflanzenwelt dieses Gebietes zu erforschen. Wende kamen der Geologische Wanderpfad Angermünde sowie
Auf einer erneuten Tour ist er 1848 in Australien verschollen. Vor der Geologische Lehrpfad Eisenhüttenstadt hinzu. Einrichtungen
Die Geologischen Sammlungen der naturwissenschaftlichen Ab- der Schule in Trebatsch befindet sich ein Gedenkstein. Ein zweiter, jüngeren Datums sind der Geologische Garten Stolzenhagen bei
teilung im Potsdam-Museum umfassen Bestände aus den Berei- in der Ludwig-Leichardt-Straße des Ortes, kennzeichnet die Stelle Angermünde, der Geologische Lehrpfad im Forstbotanischen Gar-
chen allgemeine Geologie, Mineralogie, Paläontologie und speziell seines Geburtshauses. ten Eberswalde, der Naturlehrpfad am Pimpinellenberg bei Oder-
auch einige, die zur Dokumentation der geologischen Entwicklung berg, der Naturlehrpfad Frankfurter Stadtwald, der Naturlehrpfad
des Landes Brandenburg während des Känozoikums beitragen. Historisch bemerkenswerte Aufschlüsse Luttchensberg bei Zinnitz sowie die Findlingsgärten Wannichen,
Sammlungsschwerpunkte sind dabei kristalline und sedimentäre Henzendorf und Kähnsdorf. Eine Besonderheit unter den Find-
Geschiebe Brandenburgs, Geschiebefossilien und fossile pleisto- Dem durch mobilisierte Zechsteinsalze an die Erdoberfläche gelang- lingspräsentationen stellt die vom Museum für Natur und Umwelt
zäne Großsäuger. Zum Samm­lungsspektrum gehören außerdem ten Muschelkalk von Rüdersdorf östlich Berlins kommt neben Cottbus und Mitgliedern des Naturwissenschaftlichen Vereins der
Gesteine aus dem Topbereich brandenburgischer Salinarstrukturen. seiner geologischen, bergbaugeschichtlichen und lagerstätten­ Niederlausitz e. V. initiierte Findlingsallee im Cottbusser Spreeau-
Diese Sammlungsbestände sind Grundlage für Ausstellungen, die kundlichen Bedeutung auch geologiegeschichtlich eine besondere enpark dar, die zur Bundesgartenschau 1995 fertiggestellt wurde.
die Natur und Umwelt des zentralen und westlichen Landesgebietes Rolle zu. Anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Geologischen
präsentieren. Gesellschaft 1875 deutete der schwedische Geologe Otto Martin Berlin kann in dieser Hinsicht auf 48 Findlinge - vorwiegend Ein-
Torell (1828-1900), der vorher Spitzbergen und Grönland bereist zelexemplare, die in den einzelnen Stadtbezirken an öffentlichen
Weitere Museen, die geologische Themen behandeln bzw. geologi- hatte, parallele Kritzungen auf Rüdersdorfer Kalkstein als Gletscher- Plätzen exponiert sind - sowie auf ein Findlingsensemble im Ka-
sche Exponate führen, sind das Oderlandmuseum Bad Freienwalde schrammen. Damit war der Inlandeistheorie, die die Vorstellung stanienwäldchen zwischen Neuer Wache und dem Hauptgebäude
und die Heimatmuseen in Fürstenwalde und Königs Wusterhau- ablöste, die skandinavischen Gesteinsblöcke wären durch driftende der Humboldt-Universität verweisen.
sen. Eisschollen in unseren Raum gelangt, zum Durchbruch verholfen.
Die Belegstücke wurden durch den Kalkabbau zerstört. In jüngster In Brandenburg konnte seitens der GeoUnion Alfred-Wegener-
Die Wegener Gedenkstätte Zechlinerhütte bei Rheinsberg Zeit jedoch gelang die Entdeckung neuer Gletscherschrammen und Stiftung, als der prüfenden und zertifizierenden Institution bisher
wurde 1969 im ehemaligen Direktorenhaus der Zechliner Kristall- deren Bergung für den Museumspark Rüdersdorf. zwei Gebieten der Status als Geopark zuerkannt werden: Das ist
glashütte eröffnet. Das Gebäude, in dem die Mutter der Brüder der Geopark „Eiszeitland am Oderrand“ in Nordostbrandenburg
Kurt und Alfred Wegener geboren war, wurde 1886 von der Fa- Im Zusammenhang mit dem Namen Rüdersdorf steht auch eine sowie der Geopark „Muskauer Faltenbogen“, der sich über Südost-
milie zurückgekauft und als Feriensitz genutzt. Grundlage für die Pionierleistung der angewandten Geowissenschaften. Zur Untersu- Brandenburg und das angrenzende Sachsen sowie grenzüberschei-
Einrichtung des Museums war eine i. w. aus Fotos, Briefen und chung der geologischen Struktur wurde in den Jahren 1827-1833 tend auch nach Polen hinein erstreckt (vgl. Karte 5).

146
Erläuterung von Fachbegriffen (Auswahl)
Aerationszone, belüfteter Bereich oberhalb des Grundwasser­spiegels Flaschenton, mariner Ton als Verwitterungsprodukt magmatischer Gesteine, Grundmoräne, siehe Geschiebemergel
Alaunschiefer, sulfat- und schwefelkieshaltiger Tonschiefer in Brandenburg Begleitrohstoff der Braunkohlegewinnung Grünschieferfazies, Kennzeichnung für einen relativ geringen Metamorpho-
fluviatil, von fließendem Wasser aufgearbeitet, fortgetragen, abgelagert und/oder segrad
alpidische Faltungsära, (genannt nach den Alpen) mit Faltungsphasen von Oberer
Trias bis Quartär angereichert
Halit, (griech. hals = Salz) Steinsalz, gesteinsbildendes Mineral (NaCl)
Flysch, (schweiz. Lokalbegriff für Gesteine, die zum Rutschen neigen) Sediment-
altkimmerische Bewegungen, tektonische Phase der alpidischen Gebirgsbildung Halokinese, Sammelbegriff für alle Vorgänge, die auf vorrangig schwerkraft-
folge in mobilen Senkungs­zonen von Gebirgsbildungsräumen, meist
gegen Ende der Trias bedingte Salzbewegungen zurückzuführen sind
bestehend aus Sand­steinen, Mergeln, Schiefertonen und Kalksteinen in
Andesit, (nach den Anden) Ergußgestein mit mittleren Kieselsäuregehalten enger Wechsellagerung, z. T. mit Rutschgefügen und ortsfremden Ge-
Holstein-Warmzeit, Warmzeit zwischen Elster- und Saale-Kaltzeit vor rund
(intermediär) steinsbrocken
300 000 Jahren
Anthrazit, Steinkohle mit hohem Inkohlungsgrad (< 10 % flüchtige Bestand- Foraminiferen, gehäusebildende Einzeller, z. T. wichtige Leitfossilien
­ teile) Hämatit, gesteinsbildendes Mineral (Fe2O3), auch Eisenglanz oder Roteisen-
Antiklinale, Antikline, sinnverwandt mit Sattel, Falte mit nach unten divergie- Gabbro, kieselsäurearmes (basisches) Tiefengestein stein
renden Schenkeln Geodynamik, Wissenschaftsgebiet, das sich mit den An­triebs­mechanismen und herzynisch, (nach lat. Hercynia silva) Bezeichnung für deutsche Waldgebirge
Kräften der Horizontal- und Vertikal­bewegungen der Erdkruste, z. B. mit (siehe auch Variszikum)
Antiklinorium, sattelförmiges Großfaltensystem, dessen mittlere Falten sich in
der Plattentektonik, befasst
Hochlage befinden Hydrosphäre, Wasserhülle der Erde, bestehend aus dem Wasser der Meere,
Geosynklinale, ausgedehnte Zone starker Absenkung mit mächtigen Sedimen- Flüsse, Seen, Schnee- und Eismassen sowie dem Grundwasser
Aquifer, (lat. aqua = Wasser, ferre = tragen) international übliche Bezeichnung
ten und unterschiedlichem Auftreten von Magmatismus
für den mit Grundwasser gefüllten Teil eines Grundwasserleiters Ingression, (lat. ingressio = Eintritt) langsames Eindringen des Meeres in ab-
Geothermie, Zweig der Geophysik, der sich mit den Wärmeströmen der Erde
Ästuar, durch den Gezeitenstrom trichterartig erweiterte Flussmündung sinkende festländische Räume
sowie deren Nutzbarkeit beschäftigt
asturische Phase, Phase der varistischen Faltungsära Interglazial, Warmzeit zwischen zwei Kaltzeiten (Glaziale)
Geotop, schützenswerte erdgeschichtliche Bildung der unbelebten Natur
Balneologie, Bäderkunde intraformational, innerhalb einer Schicht auftretend und mehr oder weniger
Geschiebe, vom Gletscher oder Inlandeis aus ihrem Ursprungsgebiet verfrach-
gleichzeitig mit dem einschließenden Sediment entstanden
Basalt, kieselsäurearmes (basisches) dichtes Ergussgestein tete Gesteinsbrocken, die beim Transport mechanisch beansprucht und
geformt werden intrakratonal, innerhalb eines konsolidierten Krustenteils (Kraton) der Erde
Blockpackung, Anhäufung von Gesteinsblöcken, z. B. entstanden aus Gletscher-­
ablagerungen (Endmoränen) Geschiebemergel, Gemisch aus Gesteins- und Mineralbruchstücken bis zur Block- Inversion, Umkehr, z. B. Reliefumkehr, Überkippung oder Heraushebung ehe-
größe in meist tonig-schluffiger Grundmasse, normalerweise unsortiert, maliger Sedimentationströge
Braunerde, brauner Waldboden, Bodentyp des gemäßigten Klimas bei entspre- entsteht durch Ausschmelzen und Ablagerung des von einem Gletscher
chenden Niederschlägen mitgeführten Schuttes an der Gletschersohle oder -oberfläche, typisches Isobathe, (griech. bathos = Tiefe) Linie gleicher Wassertiefe

Bouguerschwere, Abweichung vom Normalwert der Schwerkraft bezogen auf Sediment der Grundmoräne Isochrone, (griech. chronos = Zeit) Linie gleichzeitigen Eintretens einer Erschei-
eine ideale Erdgestalt Gipshut, an Anhydrit durch Aufnahme von Wasser erzeugte Umwandlung zum nung
schwer löslichen Gips im oberen Bereich von Salzstöcken Isohypse, (griech. hypsos = Höhe) Schichtlinie gleicher Höhe über dem Meeres-
Diagenese, (griech. dia = nach, genesis = Entstehung) Sammelbegriff für alle
Vorgänge, die zur Verfestigung von Sedimenten und damit zur Bildung von Glaukonit, (griech. glaukos = blaugrün) Mineral, Eisen-Aluminium-Silikat spiegel
Sedimentgesteinen führen, z. B. Kalkstein aus Kalkschlamm
glazial, eiszeitlich (kaltzeitlich), das Glazial = Eiszeit, Kaltzeit Isopache, (griech. pachos = Dicke) Linien gleicher Mächtigkeit
Diapir, ein geologischer Körper (z. B. Salz, Kohle, Ton), der die überlagernden
glazigen, Bezeichnung für alle unmittelbar durch den Gletscher entstandenen Kames, Sande, Kiese und Steine, die von Schmelzwässern in Gletscherspalten
Schichten nicht nur aufgewölbt, sondern durchstoßen hat
Ablagerungen und Bildungen oder auf bzw. zwischen Eisresten eines zerfallenden Gletschers aufge-
Diatomeenerde, Ablagerung von im Süßwasser gebildeten Kieselalgenschalen schüttet wurden; treten meist als Hügelgruppen in Erscheinung
Glazitektonik, Lagerungsstörungen in Lockergesteinen, die durch den Druck
Diorit, (griech. dihorizo = unterscheiden) mittel bis grobkörniges Tiefengestein sich bewegender Inlandeismassen verursacht wurden Känozoikum, Erd-Neuzeit, siehe geologische Zeitskala
mit mittleren Kieselsäuregehalten (intermediär)
Gley, Boden in Niederungen und Senken, bei dessen Entwicklung das Grundwas- klastisch, Bezeichnung für Gesteine, die aus Trümmern mechanisch zerstörter
Dolomit, Mineral- und Gesteinsname (CaMg(CO3)2) ser entscheidenden Einfluss hat Gesteine bestehen, z. B. Sandstein
endogen, Bezeichnung für geologische Erscheinungen, die durch Kräfte aus dem Gneis, metamorphes Gestein Kontaktmetamorphose, Metamorphose im Kontaktbereich magmatischer
Erdinneren hervorgerufen werden Schmelzen
Gravimetrie, Schweremessung und -auswertung
epigenetisch, Bezeichnung für Bildungen, die jünger sind als ihre Umge- lakustrin, (lat. lacus = See) in Seen gebildete Sedimente (vgl. limnisch)
Grundwasser, Hohlräume der Erdkruste zusammenhängend ausfüllendes,
bung
nur der Schwerkraft unterliegendes Wasser laramisch, Phase der alpidischen Faltungsära
Erosion, ausfurchende, abtragende Tätigkeit des fließenden Wassers
Grundwasserleiter, Gesteinskörper der geeignet ist, Grundwasser zu leiten Lessivé, (von franz. lessiver = auswaschen) mechanische Verlagerung von
Exaration, (lat. exarare = durchfurchen) Erosion durch Gletschereis Grundwassergleiche, Linie gleicher Höhe einer Grundwasserdruckfläche (auch Tonteilchen im Boden (Parabraunerde)
exogen, Bezeichnung für geol. Erscheinungen, die durch von außen auf die Grundwasserisohypse, vgl. Isohypse) limnisch, (griech. limne = stehendes Gewässer) Sedimente und Vorgänge in
Erdoberfläche und Erdkruste einwirkende Kräfte hervorgerufen werden festländischen Seen
Grundwasserkörper, abgegrenztes Grundwasservorkommen oder abgrenz-
Fazies, Gesamtheit der Bildungsbedingungen eines Gesteins barer Teil eines solchen Lithosphäre, äußere Erdschale mit dem stofflichen Charakter der Gesteine

147
Lydit, Kieselschiefer („Lydischer Stein“) Pleistozän, kaltzeitlicher Abschnitt des Quartärs, siehe geologische Zeitskala Synklinorium, eingemuldetes Großfaltensystem mit einer Faltengebirgs-
region
Ma, Abk. für Millionen Jahre Plutonit, in der Tiefe der Erdkruste erstarrtes Gestein, Tiefengestein, z. B.
Granit synsedimentär, (griech. syn = zusammen) Vorgänge, die während der Sedi-
Magma, Masse teilweise oder vollkommen geschmolzener Silikate mit gelösten
Podsol, Bodentyp mentation ablaufen
Gasen, die aus der Tiefe aufsteigen und im Bereich der Erdkruste erstarren
(Magmatit) Pyroxene, (griech. pyr = Feuer) Gruppe gesteinsbildender silikatischer Mine- Tektonik, Lehre vom Bau der Erdkruste und von den Kräften und Be
rale (Augite) wegungen, die diese erzeugt haben
Magmatismus, Bezeichnung für sämtliche, das Magma betreffende Erschei-
nungen Pyroklastit, Oberbegriff für sämtliche klastischen vulkanischen Produkte wie Tertiär, System des Känozoikums, siehe geologische Zeitskala
marin, (lat.) dem Meere zugehörig Aschen, vulkanische Brekzien usw. Tillit, metamorph verfestigter Geschiebemergel
Mélange, (franz. Vermischung) Gesteinskörper meist feinkörniger Grund­masse, in Quartär, System des Känozoikums, siehe geologische Zeitskala Tournai, Stufe im Unterkarbon, siehe geologische Zeitskala
dem Gesteinsfragmente unterschiedlichster Dimension (cm bis km) Quarzmonzonit, kieselsäurereiches (saures) Tiefengestein
„schwimmen“ Trachyt, Ergussgestein
Radiometrie, Methode der absoluten Altersbestimmung mit Hilfe der Zerfalls-
Mesozoikum, Erdmittelalter, siehe geologische Zeitskala dauer (Halbwertszeit) radioaktiver Substanzen in Gesteinen Transgression, Vorrücken des Meeres in Landgebiete

Metamorphose, zusammenfassender Begriff für alle Verände­rungen von Rb/Sr-Untersuchungen, radiometrische (siehe oben) Altersbestimmung mit Hilfe Tuff, sekundär verfestigtes, vulkanisch gefördertes Lockermaterial
Gesteinen durch Druck und Temperatur unter Beibe­haltung des festen der Rubidium/Strontium-Methode (vgl. Pyroklastit)
Zustandes und der chemischen Pauschal­zusammensetzung, die nicht an ubiquitär, überall verbreitet
Regression, Rückzug des Meeres aus vorher von ihm beherrschten Gebieten
der Oberfläche stattfinden
Rhenoherzynikum, Teil des variszischen Gebirges (siehe Variszikum), umfasst Urstromtal, breite, flache Täler im Nordmitteleuropäischen Tiefland, die von
Molasse, Abtragungsschutt, der sich während und nach der Heraushebung von Schmelzwässern während der Kaltzeiten des Pleistozäns als Hauptabfluß-
das Rheinische Schiefergebirge und den Harz
Faltengebirgen bildet bahnen benutzt wurden, und die Schmelzwässer des nordischen
Rhyolith, kieselsäurereiches (saures) Ergussgestein Inlandeises nach Nordwesten zur Nordsee abführten
Moldanubikum, südlichste Zone des variszischen Gebirges (siehe Variszi-
kum) Rupelton, tonige Schicht der Rupel Folge (Unteroligozän, s. geologische Zeitskala) Variszikum, auch Varistikum, Varisziden, Gebirge im südlichen Mitteleuro-
mit wichtiger abdichtender Funktion pa mit Faltungsphasen von Unterdevon bis Perm
Moräne, von Gletschern mitgeführter und abgelagerter Gesteinsschutt
Salinar, Bezeichnung für Gesteinskomplexe, die überwiegend aus Salzge-
Muschelkalk, Serie der Trias, siehe geologische Zeitskala Vorfluter, ein in der Regel offenes Fließgewässer, das die abfließenden Wässer
stein bestehen
aus Gerinnen niederer Ordnung, aus Grundwasserkörpern, Hangwas-
Ooide, Oolithe, kugelförmige Körper, bei denen sich konzentrisch schalige oder Sander, verschiedenkörnige Sande und Kiese, die von Schmelzwässern breitflächig ser- oder Oberflächen­wassersystemen aufnimmt
radialfaserige Mineralabscheidungen (oft Kalzit) um ein Fremdteilchen bis fächerförmig vor dem Eisrand abgelagert wurden
(z. B. Quarzkorn) abgeschieden haben; Oolith, (griech. Eierstein) Gestein, Vulkanit, an der Erdoberfläche erstarrtes Eruptiv- bzw. Ergussgestein
welches aus zahlreichen Ooiden aufgebaut ist Santon, Stufe der Oberkreide, siehe geologische Zeitskala
Weichselglazial, Weichsel-Kaltzeit, bisher letzte Kaltzeit, während der Nord-
Oser, langgestreckte, bahndammartige Wälle wechselnder Breite und Höhe. Sie saxonisch, mesozoisch-känozoische tektonische Phase deutschland und auch Teile Brandenburgs von skandinavischen Inlandeis-
sind aus Sanden und Kiesen aufgebaut, die von Schmelz­wasser­strömen in Saxothuringikum, Teil des variszischen Gebirges (siehe Variszikum), umfasst massen bedeckt waren. Sie dauerte von ca. 115 000 bis ca. 11 500 Jahre
Tunneln im oder unter dem Gletschereis aufgeschüttet wurden Teile der Vogesen und des Schwarzwaldes sowie die sächsisch-thüringischen vor heute

Paläomagnetik, Magnetismus bestimmter Minerale und Gesteine, der auf Induk- Mittelgebirge Zirkon, gesteinsbildendes Mineral (ZrSiO4), enthält oft etwas Thorium und ist
tion des Erdmagnetfeldes während der Kristallisation zurückgeht und damit Schwarzerde, Tschernosem (russ.), dunkelbrauner bis schwarzer Steppenboden damit Hauptträger der Radioaktivität in den Gesteinen
die Abweichungen vom heutigen Magnetfeld „konserviert“ (Rema- mit mächtigem Humushorizont, der sich auf kalkhaltigem Lockerge-
nenz) stein, in erster Linie auf Löss, bildet
Paläozoikum, Erd-Altertum, siehe geologische Zeitskala Schwermineral, Mineral mit spezifischem Gewicht >2,96 g/cm3
Anmerkung: Stratigraphische Fachbegriffe finden sich in diesem Atlas in der
Paludina, (lat. palus = Sumpf) Gattung der Sumpfschnecken Seismizität, Ausdruck für die Erdbebenhäufigkeit und -stärke eines Gebietes geologischen Zeitskala auf Seite 132 und 133.
paralisch, (griech. para = bei, hals = Meer) der Küste angehörig, z. B. Siltstein, Schluffstein, Sedimentgestein, 0,063-0,002 mm Korndurchmesser
Wechsellagerung von Kohlenflözen mit Meeresablagerungen
Solifluktion, Bodenfließen infolge des Gefrierens und Wiederauftauens von
pedologisch, bodenkundlich Schutt- und Erdmassen
Literatur (Auswahl):
Pedosphäre, belebte, lockere, überwiegend klimatisch bedingte Verwitterungs- Stratigraphie, Ordnung der Gesteine nach ihrer zeitlichen (chronologischen)
schicht der Erde, die aus mineralischen und organischen Stoffen einschließ- Bildungsfolge unter Betrachtung aller organischen und anorganischen Merk- Bögl, H. (1986): Geologie in Stichworten. - 191 S., 4. Auflage, Kiel (Ferdinand
lich Wasser und Luft besteht male und Inhalte. Grundlage für die Rekonstruktion der Geschichte der Hirt)
Erde und des Lebens. Verschiedene relative Zeitskalen werden u. a. erstellt
Pelit, Sedimentgestein < 0,02 mm Korndurchmesser Murawski, H. (1992): Geologisches Wörterbuch. - 254 S., 9. Auflage, Stuttgart
durch die Biostratigraphie (mit Hilfe von Fossilien) oder die Lithostratigraphie
(Enke)
periglazial, Bezeichnung für die Gebiete, die die ständig von Eis und Schnee (mit Hilfe der Gesetzmäßigkeiten der Aufeinanderfolge der Gesteine)
bedeckten Regionen umrahmen Schröder, D. (1984): Bodenkunde in Stichworten. - 160 S., 4. Auflage, Kiel
Subrosion, (lat. sub = unter, rodere = benagen) unterirdische Ausspülung
(Ferdinand Hirt)
Phanerozoikum, Bezeichnung für die durch Fossilien belegten Abschnitte der durch Wasser, vor allem Grundwasser
Erdgeschichte
Synklinale, sinnverwandt mit Mulde, durch Faltung entstandene tektonische Form
Phyllit, aus Tonsteinen hervorgegangenes metamorphes Gestein mit nach oben divergierenden Faltenschenkeln Sowie zahlreiche Hinweise von Mitarbeitern des LBGR

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Literaturverzeichnis regionalgeologisch und wissenschaftshistorisch unikalen Kalklagerstätte (Ger- Brandenburgische Jahrbücher. Schriftenreihe für Natur- u. Landschaftsschutz,
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