Sie sind auf Seite 1von 2

Vorwort

Dieses Skript dient als begleitendes Lehrmaterial für den 3-semestrigen Grundkurs Analy-
sis im Pflichtbereich des Bachelorstudienganges ”Mathematik” für die Studienanfänger des
Wintersemesters 2011/12. Es soll Ihnen nicht den Gang in die Bibliothek ersetzen. Gehen
Sie bei Gelegenheit dort hin und blättern Sie in den vielen dort stehenden Lehrbüchern
zum Grundkurs Analysis. Sie werden dann selbst feststellen, welches dieser Bücher Ih-
nen am besten gefällt und Ihnen am meisten hilft. Dieses Skript enthält den Stoff des
Grundkurses Analysis, so wie ich ihn in den nächsten drei Semestern lesen werde und soll
Ihnen die Nacharbeit der Vorlesung erleichtern. Es soll Sie auf keinen Fall davon abhalten,
während der Vorlesung mitzuschreiben. Erfahrungsgemäß ist das Mitschreiben einer Vor-
lesung (auch dann, wenn man ab einer bestimmten Stelle nicht mehr alles oder nichts mehr
versteht) etwas, das vielen von Ihnen am Anfang schwer fällt. Es ist aber eine Fähigkeit,
die Sie für Ihr Studium benötigen und lernen müssen.
Mathematik lernt man nur, wenn man sich selbst mit ihr beschäftigt. Es reicht also nicht,
sich in die Vorlesung zu setzen. Die wenigsten von Ihnen werden nach den 90 Minuten
rausgehen und alles verstanden haben. Das ist völlig normal. Arbeiten Sie die Vorlesung
zu Hause an Hand Ihrer Mitschriften nach und versuchen Sie, die nicht verstandenen
Stellen zu klären. Wenn Ihnen das allein nicht gelingt, nutzen Sie die Übung, eines der
Tutorien und die Sprechstunden dazu. Auch die Diskussion mit Ihren Kommilitonen über
den Vorlesungsstoff kann hilfreich sein. Den sicheren Umgang mit dem gelernten Stoff
erwerben Sie nur durch das Lösen der Übungsaufgaben, die Sie jede Woche bekommen.
Die Aufgaben sind nicht nur ein Selbsttest oder ein lästiges Übel, um den Übungsschein
zu bekommen – sie sind das entscheidende Mittel, mit dem Sie zunehmend Routine im
Umgang mit Mathematik bekommen.

Möchte man verstehen, ’was in der Welt vorgeht’ und dies genauer analysieren, so stellt
man schnell fest, daß man dazu die funktionalen Abhängigkeiten von Ursachen und Wir-
kungen geeignet modellieren muß. Die Analysis beschäftigt sich mit der Frage, wie man
das Änderungsverhalten von Funktionen verstehen, beschreiben und beherrschen kann. Sie
stellt Begriffe bereit, mit denen man die Änderung einer Funktion ’im Kleinen’ (also bei
geringen Änderungen ihrer unabhängigen Variablen) erfassen kann und untersucht, wann
VIII Vorwort

und auf welche Weise man aus diesen Eigenschaften ’im Kleinen’ globale Eigenschaften
der Funktion bestimmen kann. Das wichtigste und unverzichtbare Hilfsmittel für solche
Untersuchungen ist der Begriff des Grenzwertes. Man muß exakt formulieren können, was
es in dem jeweils benutzten Modell bedeutet, daß man sich an einen Punkt ’annähert’.
Ich beginne deshalb den Grundkurs Analysis mit dem Studium einer Klasse von Räumen,
in denen man einen solchen Grenzwertbegriff formulieren kann, mit den metrischen Räum-
en. Anschließend werden verschiedene Klassen von Funktionen zwischen allgemeinen und
speziellen metrischen Räumen behandelt, insbesondere die stetigen, die differenzierba-
ren und die integrierbaren Funktionen. Als Anwendung der grundlegenden Eigenschaften
verschiedener Funktionenklassen werden wir die Lösungstheorie gewöhnlicher Differenti-
algleichungen, die Maßtheorie und die Analysis auf Untermannigfaltigkeiten behandeln.

Im Einzelnen werden wir in den drei Semestern der Vorlesung folgende Schwerpunkte
behandeln:

1. Konvergenz und Stetigkeit


- Reelle und komplexe Zahlen
- Metrische Räume und ihre topologischen Eigenschaften
- Folgen und Reihen, Potenzreihen, elementare Funktionen
- Stetige Abbildungen zwischen metrischen Räumen
2. Differential-und Integralrechnung einer und mehrerer reeller Variablen
- Differentialrechnung von Funktionen einer reellen Variablen
- Integralrechnung für Funktionen einer reellen Variablen (Riemann-Integral)
- Differentialrechnung für Funktionen mehrerer reeller Variablen
- Integralrechnung für Funktionen mehrerer reeller Variablen
(Lebesgue-Integral als Teil der Maßtheorie)
3. Gewöhnlichen Differentialgleichungen
- Elementare Lösungsverfahren
- Allgemeine Aussagen über Differentialgleichungsprobleme (Existenz, Eindeutigkeit,
Fortsetzbarkeit, Stabilität von Lösungen)
- Lineare Differentialgleichungssysteme im Rn
4. Maß- und Integrationstheorie
- σ-Algebren und Maße (insbesondere Lebesgue-Maß im Rn )
- Der Integralbegriff über allgemeinen Maßräumen
- Grenzwertsätze
- Satz von Fubini
- Transformationsformel für Lebesgue-Integrale
5. Differential- und Integralrechnung für Untermannigfaltigkeiten des Rn
- Untermannigfaltigkeiten des Rn
- Vektorfelder und Differentialformen
- Integration über Untermannigfaltigkeiten
- Der Satz von Stokes und die klassischen Integralsätze