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Lösungen zum Übungsblatt 9

Physikalische Chemie I
Havenith-Newen, Schwaab

Hinweis: Die Zahlen in den Aufgaben wurden verändert. Bitte daher sorgfältig auf korrekte
Endergebnisse korrigieren.

1. Hess´scher Satz (15 Punkte)


Bestimmen Sie die Standard-Reaktionsenthalpie für die Hydrierung von Propen zu Propan gemäß
C3H6 (g) + H2 (g) à C3H8 (g)
Bekannt sind die Standardverbrennungsenthalpien von Propen und Propan,
!
C3H6 (g) + O2 (g) à 3CO2 (g) + 3H2O (l) ∆$% = −2058 -.
"

C3H8 (g) + 5 O2 (g) à 3CO2 (g) + 4H2O (l) ∆$% = −2220 -.


Sowie die Standardbildungsenthalpie von Wasser
/
H2 (g) + O2 (g) à H2O (l) ∆$% = −285,8 -.
"

Lösung:

Zur Bildung von 1 mol Propan werden 3 mol CO2 und 4 mol Wasser benötigt (Gleichung 2,
Umkehrreaktion). (5 Punkte)

Diese Ausgangssubstanzen kann man durch Kombination der Verbrennung von 1 mol Propen
(Gleichung 1) und der Bildung von 1 mol Wasser (Gleichung 3) erreichen. Dabei wird insgesamt eine
Energie von 2343,8 kJ frei. (5 Punkte)

Zur Erzeugung von Propan aus Wasser und Kohlendioxid wird eine Energie von 2220 kJ benötigt
(Umkehrung der Reaktion 2). Damit beträgt die Hydrierungsenthalpie von Propen:
-. -. -. -.
∆$% = −2058 − 258,8 + 2220 = −123,8
123 123 123 123
Die Reaktion ist also exotherm (5 Punkte)

2. Temperaturabhängigkeit von Bildungsenthalpien (15 Punkte)


:;
Die Bildungsenthalpie von gasförmigem Wasser bei 1 bar und 100 °C ist ∆$% = −242.6 <=> . Die

Wärmekapazitäten der Reaktionspartner H2, O2 und H2O besitzen die Werte


;
?@,< = 28.84, 29.37 CDE 33.58 <=> F und sind in guter Näherung temperaturunabhängig. Geben

Sie die Bildungsenthalpie bei 250 °C an.

Lösung
Wir verwenden den Kirchhoff’schen Satz für temperaturunabhängige Wärmekapazitäten (5 Punkte):

∆G $(I" ) = ∆G $(I/ ) + KL u; ?@,< (. )M ∆I


;

Die Bildungsreaktion von Wasser lautet (5 Punkte):


1 1
$" + N" → $" N 2EPQ 0 = −1 $" + R− S N" + 1 $" N
2 2
Einsetzen der Werte in die Gleichung ergibt (5 Punkte)
-. 1 123 . -.
∆G $ (200°? ) = −242.6 + 150U R−28.84 − 29.37 + 33.58S = −242.6 − 1.49-.
123 2 123 U 123
= −244,1 -.

3. Kreisprozess (70 Punkte)


1mol eines einatomigen idealen Gases durchlauf folgenden Kreisprozess:
1. Schritt: Ausgehend von 400 K und 105 Pa (Zustand 1: p1, Vm1, T1) wird das Gas bei konstantem
Volumen auf 1000 K erwärmt. (Zustand 2: p2, Vm2, T2)
2. Schritt: Von Zustand 2 lässt man das Gas isotherm und reversibel expandieren, bis der
Anfangsdruck wieder erreicht ist. (Zustand 3: p3, Vm3, T3)
3. Schritt: Zuletzt kühlt man das Gas von Zustand 3 bei konstantem Druck wieder auf den
Ausgangszustand 1 ab.

a) Stellen Sie den Verlauf des Kreisprozesses in einem p (Vm) – Diagramm dar.
Lösung (20 Punkte):

Zunächst sollen für die vorgegebenen Punkte Druck, Temperatur und Volumen aus den vorhandenen
Größen berechnet werden:

Punkt 1:

Hier fehlt das Volumen. Es kann aus dem idealen Gasgesetz mit
DWI/
V/ =
X/
Berechnet werden. Man erhält (3 Punkte):
.
1123 ∙ 8,3145 123 U ∙ 400U
V/ = = 33,26 ∙ 10\[ 1 [
Z .
10 [
1
Punkt 2:

Bei einer Erwärmung con 400 auf 1000 K bei konstantem Volumen erhöht sich der Druck eines
idealen Gases um einen Faktor 2,5. Daraus folgt (2 Punkte):

V" = V/ = 33,26 3
X" = 2,5 ∙ X/ = 2,5 ∙ 10Z ]^

I" = 2,5 ∙ I/ = 1000 U


Punkt 3:
o
Bei einer isothermen reversiblen Expansion auf den Ausgangsdruck vergrößert sich das Volumen
entsprechend der idealen Gasgleichung (3 Punkte):
DWI" 2,5 ∙ DWI/
V[ = = = 2,5 ∙ V/ = 83,15 ∙ 10\[ 1 [
X/ X/

X[ = X/ = 10Z ]^
I[ = I" = 1000 U
Für den Druck zwischen Punkt 2 und Punkt 3 gilt dabei
_
X(V) = X" _` (2 Punkte)


����� �� ���


1 3


�� �� �� �� �� �� �� ��
������� �� �����
Für die Korrekte Zeichnung gibt es 10 Punkte. Bitte auch auf die Zahlenwerte und die Krümmung der
Isotherme achten!

b) Geben Sie für jeden Teilschritt sowie für den Gesamtprozess die am System geleistete Arbeit
und die mit der Umgebung ausgetauschte Wärme an.

Lösung (30 Punkte)

Um die aufgenommene bzw. abgegebene Wärmemenge zu erhalten, benötigt man die


Wärmekapazitäten für konstanten Druck Cp,m und konstantes Volumen CV,m.

Für einatomige Gase gilt:


Z ;
?@,< = " W = 20.79 F <=> (2 Punkte)
[ ;
?_,< = W = 12.47 (2 Punkte)
" F <=>

Damit erhält man:

co
Teilschritt 1: isochore Erwärmung

Hier wird keine Volumenarbeit verrichtet, da keine Volumenänderung auftritt:

a/ = 0 (2 Punkte)

Die vom System absorbierte Wärmemenge erhält man aus der Wärmekapazität bei konstantem
Volumen (3 Punkte):
d`
3 .
b/ = c D?_,< (I) EI = 1123 ∙ W (I" − I/ ) = 1123 ∙ 12.47 ∙ 600U = 7.48-.
de 2 U 123

Teilschritt 2: reversible isotherme Expansion

Bei isothermer Expansion eines idealen Gases ändert sich die innere Energie nicht (3 Punkte):

∆f = b + a = 0
b" = −a"
Die verrichtete Volumenarbeit beträgt (3 Punkte):
_ ;
a" = −DWI 3D g_hi = −1123 ∙ 8.314 F <=> ∙ 1000U ∙ 3D(2.5) = −7.62 -.
`

Diese Arbeit wird vom System an der Umgebung verrichtet!

Die von der Umgebung aufgenommene Wärme beträgt damit (3 Punkte):

b" = 7.62-.

Teilschritt 3: isobare Abkühlung

Hier wird Volumenarbeit verrichtet und es findet ein Wärmeaustausch statt:

Der Wärmeaustausch berechnet sich aus der isobaren Wärmekapazität Cp,m:


d`
5 .
b[ = c D?@,< (I)EI = 1123 ∙ W (I/ − I" ) = 1123 ∙ 20.79 (−600U) = −12.47-.
de 2 U 123

Diese Wärmemenge wird an die Umgebung abgegeben. (3 Punkte)

Die Volumenarbeit bei konstantem Druck ist gegeben als

a[ = X(V[ − V/ ) = 10Z ]^(83.14 ∙ 10\[ 1 [ − 33.26 ∙ 10\[ 1 [ ) = 4.99-.


Diese Volumenarbeit wird von der Umgebung am System verrichtet. (3 Punkte)
Gesamtprozess:

Für den Gesamtprozess erhält man die ausgetauschte Wärmemenge und die insgesamt geleistete
Volumenarbeit durch Addition der Einzelbeträge:

bjkl = b/ + b" + b[ = 7.48-. + 7.62-. − 12.47-. = 2.63-.

Es wird also Wärme vom System aus der Umgebung aufgenommen.

ajkl = a/ + a" + a[ = 0-. − 7.62-. + 4.99-. = −2.63-.

c) Geben Sie für den Kreisprozess die Gesamtänderung der inneren Energie und der Entropie
an.
i) Für das betrachtete System (11 Punkte)
Lösung:

Die Gesamtänderung der inneren Energie beträgt:

Δf = njkl + bjkl = 0

Wie bei einem Kreisprozess zu erwarten, ändert sich also die innere Energie nicht. Es werden
insgesamt 2,63 kJ Wärme aus der Umgebung aufgenommen und in Volumenarbeit umgewandelt. (5
Punkte)

Da die Entropie eine Zustandsfunktion des Systems ist, muss sie nach Ende des Kreisprozesses den
gleichen Wert annehmen, wie zu Beginn des Kreisprozesses. Dies erhält man auch rechnerisch:

1. Schritt (3 Punkte)

Für isochore Erwärmung eines idealen Gases gilt

Eb D ?_,< 3W
Eo/ = = EI = D EI
8 I I 2 I
d"
3 1 3 I" 3 .
∆o/ = D W c EI = D W ln R S = 1 123 ∙ ∙ 8,314 ∙ ln(2,5) = 11,43 ./U
2 d/ 2 2 I/ 2 123 U

2. Schritt (3 Punkte)

Für isotherm reversible Expansion erhält man

Ebskt
Eo" =
I
bskt V[ 7,62 -.
∆o" = = D W log R S = = 7,62 ./U
I V" 1000 U

o
3. Schritt (3 Punkte)

Für isobare Kompression erhält man

Eb D ?@,< 5W
Eo[ = = EI = D EI
I I 2 I
d"
5 1 5 I/ 5 .
∆o[ = D W c EI = D W log R S = 1 123 ∙ ∙ 8,314 ∙ ln(0,4) = −19,05 ./U
2 d/ I 2 I" 2 123 U

Die Gesamtänderung der Entropie des Systems ist daher:

. . . .
∆ojklw<x = ∆o/ + ∆o" + ∆o[ = 11,43 + 7,62 − 19,05 = 0
U U U U

ii) Für die Umgebung (6 Punkte)


Für die Umgebung gilt, dass sie aus zwei Wärmebädern bestehen muss mit den Temperaturen T1 =
1000 K und T2 = 400 K. Bei der isochoren Erwärmung und der isothermen, reversiblen Expansion wird
dem Wärmebad bei 1000K Entropie entzogen. (3 Punkte)

z
b/ + b"
∆o/y" =− = −15,1 ./U
I/

Bei der isobaren Kompression wird dem Wärmebad bei 400 K Entropie zugeführt. (3 Punkte)

b[
∆o[z = − = 31,175 ./U
I"

iii) Ist der Prozess reversibel oder irreversibel?


Lösung (3 Punkte):

Die Änderung der Entropie der Umgebung ist größer als Null, was die Irreversibilität des
Kreisprozesses bestätigt.