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Flying Colors – "Third Stage: Live In London"

Obwohl sich Flying Colors auf ihren vergangenen beiden Alben nie an das Niveau des
meisterhaften, nach der Band betitelten Debüts heranreichen konnte, bot die Supergroup
um Deep-Purple-Gitarrist Steve Morse und Drummer Mike Portnoy, Gründungsmitglied von
Dream-Theater, doch immer hochkarätigen Adult-Rock zwischen progressivem Fusion und
hell scheinenden Stadionpop-Melodien. "Third Stage: Live In London" ist das obligatorische
Live-Album zu ihrem Drittwerk und bildet in ihrer Diskographie keine Ausnahme. Angefangen
mit "Blue Ocean", dem Opener von "Flying Colors", nimmt sich das Quintett ihrer Definition
von Progressive Rock an. Dabei ist seit der ersten Sekunde klar, was für Weltklasse-Musiker
auf der Bühne stehen – nicht nur an den bis aufs letzte ausgefeilten Parts, zahlreichen Breaks
und harmonischen Verschiebungen der Band, sondern auch und vor allem über die
Fähigkeit, ihre Songs und Umschweife live darbieten zu können. Die Produktion lässt dabei
leider etwas zu wünschen übrig und bleibt etwas hinter dem glasklar-druckvollen Mix der
Studioalben zurück, gerade in der Konzert-Abstinenz von 2020 sind die 120 Minuten
musikalische Perfektion von Flying Colors aber ein willkommener Lichtblick.

Panzerballett – "Planet Z"


Bewegt sich die Mathcore-Szene um Bands wie The Hirsch Effekt oder The Dillinger Escape
Plan schon immer im Spannungsfeld zwischen Alternative-Szene und klassischer
Musiktradition, treiben Panzerballett diese Entwicklung auf die Spitze: Das Projekt um
Mastermind Jan Zehrfeld kombiniert Metal, Jazz und Klassik auf eine derart furiose Art und
Weise, dass auf "Planet Z" bereits eine große Riege Weltklasse-Musiker und -Komponisten
vertreten ist. "Who The Jack Is Migger" etwa kombiniert scharf-dissonante Single-Note-Riffs
mit klassisch-jazzigen Saxophon-Melodien, ohne für eine Sekunde eines dieser Genres zu
vernachlässigen. "Prime Time" aus der Feder von Avantgarde-Künstlerin Nélida Béja treibt
die Anarchie auf die Spitze und bedient sich zudem an Free-Jazz-Elementen auf dem Weg zur
Gitarren-Anarchie. "Mind Your Head" bietet mit seinen Powerchords den wohl eingängigsten
Moment des Albums, nur um mit vertrackter Polyrhythmik diesen zugänglichen Moment
sofort zu zerschießen – am Schlagzeug sitzt schließlich Grammy-Gewinner Morgan Ågren,
der bereits mit Franz Zappa spielte. Und "Alle meine Ändchen" von Komponist und
Schlagzeuger Andy Lind schafft es trotz durchgängiger Taktwechsel und Atonalität
tatsächlich, so etwas wie nachvollziehbare Melodien zu erzeugen. Panzerballett und Jan Z
gehen ihren avantgardistischen Weg also unentwegt weiter und lassen sich auch von
widrigen Umständen nicht aufhalten – die perfekt klingenden Instrumentals von "Planet Z"
wurden von den Musikern aufgrund des Lockdowns allesamt zuhause eingespielt.
Various Artists - Angel Headed Hipster – "The Songs Of Marc Bolan & T. Rex"
Dass es sich bei einem Album wie "Angelheaded Hipster" um einen Tribut für eine der ganz
großen Künstler des vergangenen Jahrhunderts handelt, wird spätestens mit der Liste der
Beteiligten klar: U2, Nick Cave, Elton John und viele weitere geben sich hier das Mikrofon in
die Hand, um auf sage und sich auf sage und schreibe 26 Songs vor der Musik von T. Rex und
Marc Bolan zu verneigen. Unter der Federführung von Produzenten-Legende Hal Willner, der
in diesem Jahr der Corona-Pandemie in New York zum Opfer fiel, entstanden so gelungene
Neuinterpretationen der größten Songs der britischen Psychedelic-Folk-Legenden. Das
mächtige, langsam groovende "Children Of The Revolution" singt etwa Party-Pop-Künstlerin
Kesha – und macht dabei eine richtig gute Figur. Nick Cave dagegen verleiht "Cosmic Dancer"
seinen ganz eigenen, romantisch-düsteren Charme, und auch Indiepop-Künstler Børns gibt
"Dawn Storm" mit seinen Streicher-Arrangements einen ganz eigenen Glanz. U2 und Elton
John gehen mit ihrer Version von "Get It On (Bang A Gong)" den eher klassischen Weg des
Bluesrocks, ebenso Nenas "Metal Guru". Den Höhepunkt von "Angelheaded Hipster" bildet
jedoch Folk-Rock-Sänger Father John Misty, der "Main Man" als sanften, ursprünglichen
Midtempo-Folk inszeniert. Am Ende spricht aber jeder Song von einer tiefen Bewunderung
für T. Rex – eine größere Hommage an eine der wichtigsten Bands der 70er Jahre wäre also
kaum möglich gewesen.