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64 PHÄNOMENOLOGISCHE UNTERSUCHU~GEN ZUR KONSTITUTION

Hinsicht auf die allgemeine „Farbenveränderung" kein als Ur-


sache aufgefaßter und auffaßbarer Vorgang, der Farbenwechsel
aller Sehdinge ist so, daß auch kein Anlaß ist, ihn überhaupt als
eine reale Beleuchtungsveränderung (etwa durch eine aufstrah-
5 lende farbige Lichtquelle) anzusehen. Daher steht er als Schein-
veränderung da; alles sieht so aus „als wie" beün Aufstrahlen
einer neuen Lichtquelle oder „als ob" sonst reale Ursachen für
eine allgemeine optische Veränderung walteten (wenn auch un-
bestimmte, unbekannte): aber solche Ursachen sind jetzt nicht
10 zu supponieren, sie sind bei der ganzen Erfahrungssituation
ausgeschlossen.
Aber was kann au f d e m G r u n d e s i n n e n d i n g-
1 i c h e r W a n d 1 u n g die A p c r z c p t i o n r e a 1 e r
V e r ä n d e r u n g in dieser Art v ö 11 i g a u f h e b e n, im
15 Gegensatz zu den Fällen, wo eine solche vollzogene Apperzeption
eine bloße Vlandlung dadurch erfährt, daß dem supponierten
kausalen Zusammenhang ein anderer untergeschoben wird, also
die angenommene Ursache preisgegeben, aber eine andere Ur-
sache angenommen wird? Die Antwort lautet: eine Wandlung in
20 der Sphäre der p s y c h o physischen ,,Kau s a 1 i t ä t''
oder, wie wir besser sagten, ,,K o n d i t i o r:ia 1 i t ä t". (Denn
eine causa im eigentlichen Sinn ist eben eine r e a 1 e Ursache.
Das Subjektive ist aber gegenüber der Realität eine Irrealität.
Realität und Irrealität sind wesensmäßig zusammengehörig in
25 der Form Realität und Subjektivität, was sich beides ausschließt
und sich andererseits, wie gesagt, wesensmäßig fordert.) Außer
den Verhältnissen von Realem zu Realem, die zum \Vesen jedes
Realen gehören als räumliche, zeitliche, kausale Verhältnisse,
gehören zu eben diesem Wesen auch Verhältnisse psychophy-
30 sischer Konditionalität in möglicher Erfahrung. Dinge sind „er-
fahren", sind dem Subjekt „anschaulich gegeben", notwendig als
Einheit eines raum-zeitlich-kausalen Zusammenhangs, und zu
diesem Zusammenhang gehört notwendig ein ausgezeichnetes
Ding, ,,mein Leib", als die Stelle, wo sich, und immer wesens-
35 notwendig, ein System subjektiver Konditionalität verflicht mit
diesem System der Kausalität und zwar so, daß im Übergang
von der n a t ü r 1 ich e n E j n s t e 11 u n g (Blickrichtung
auf Natur und Leben in der Erfahrung) zur s u b j e k t i v e n
E i n s t e 11 u n g (Blickrichtung auf das Subjekt und Momente