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Geschichte, Theorie & Ethik der Medizin:

4 Aufgaben der Medizin:

1) gesammelter Erfahrungsschatz
2) biographische Geschichte
3) bibliographische Literaturgeschichte
4) pragmatische Geschichte
5) Medizinkritik
6) Historische Pathologie
7) „Warntafel“
8) Bildungsgeschichte
9) Rettungsanker
10) Politische Wissenschaft
11) Mittlerin zu den Geisteswissenschaften

5 Epochen + Stichwort/Merkmal/Ereignis + Arztbild/Arztfigur/ärztliches Rollenbild:

1) Griechische Antike: frei von Göttern, Diätetik, Hippokrates, Wanderarzt


2) Hellenismus/Alexandria: descriptive Anatomie, Herophilos
3) Römisches Reich: griech. Medizin in nichtgriech. Kultur, Galenos von Pergamon: 4 Primärqualitäten (kalt, warm,
feucht, trocken); contraria contrarii (mit gegensätzlichem behandeln!)
4) Spätantike: Kompilation, Kompendien für den Alltag, Alexander von Tralles
5) Mittelalter: Christianitas, Frühmittelalter: Hospitalgründungen, Mönchsarzt
Hoch-/Spätmittelalter: Universitätengründungen, doctor medicine
6) Neuzeit: Anatomie als medizinische Leitwissenschaft, Paracelsus + Vesalius, Arzt als Mann der Wissenschaft
7) Moderne: Virchow: „Zellularpathologie“, Robert Koch: Bakteriologie, Arzt als moderner Naturwissenschaftler

Arztrollen:

1) Priesterarzt: Asklepioskult
2) Wanderarzt (griech.Antike): Eid des Hippokrates
3) Mönchsarzt (Frühmittelalter): Medizin im Kloster
4) Doctor medicinae (Hochmittelalter): vom Handwerker zum Akademiker
5) Beutelschneider (15/16 Jh.): Betrüger, Geldgier
6) Quacksalber: Jahrmarkt, „Doktor Eisenbart“
7) Mann der Wissenschaft: Forscher und Entdecker, Paracelsus
8) Fanatiker der Wissenschaft: Mensch als Versuchstier
9) Magier (Romantik): Intuition
10) Moderner Wissenschaftler: Experimente
11) Haus & Landarzt: mehr als ein wissenschaftler
12) Gesundheitsführer (Nationalsozialismus): Pflicht zur Gesundheit
13) Halbgott in Weiss (20.Jh, 2. Hälfte): Verwendung modernster Technik

Definition der Medizin:

Medizin ist die Behandlung von Krankheit durch Experten, deren Wissen & Augenmerk allein auf gesundheitliche Probleme
des Körpers und der Seele in naturwissenschaftlichem Zusammenhang gerichtet wird.

Medizin als Wissenschaft:

Wissenschaft = Methode, um Vermutungen zu beweisen.

1) Experiment
2) Studien(design):
a) Randomisiert-kontrolliert: Zufallsprinzip + Kontrollgruppe
b) Kohortenstudie: über Jahre laufende Untersuchung einer definierten Gruppe von Personen
c) Fall-Kontroll-Studie: Vergleich

3) Evidenzbasierte Medizin (EbM):


Methode: Fachwissen am Krankenbett + wissenschaftl.Forschung werden verbunden
Ziel: Qualität verbessern & bewerten + Therapieempfehlung wissenschaftl. zu begründen
Merke: EbM = Nutzung der Ergebnisse von Studien und nicht die Durchführungklinischer Studien!

„systematic review“: umfassende Studie & ihre Zusammenfassung mit oder ohne Metaanalyse

„Sanfte Medizin“ als Alternative:

1) unkonventionelle Medizin:
a) Aromatherapie
b) Ayurveda
c) Blütentherapie nach Edward Bach
2) Komplementärmedizin:
a) Homöopathie
b) TCM
c) Phytotherapie

Alternative Heilform:

Leitidee1:

a) Gesundheit = harmonische Ordnung


b) Krankheit = Unordnung
c) Natur-, Selbstheilungskräfte

Leitidee2:

a) Anregung der Selbstheilungskräfte


b) Reize aller Art
c) Entgiften (Heilen ist Reinigen)

2 Gesichtspunkte alternativer Heilverfahren und der Schulmedizin:

Schulmedizin:

1) Kausal-mechanisch
2) Reduktionistisch
3) Organe können repariert/ersetzt werden

Alternative Heilmedizin:

1) Dynamisch-teleologisch
2) Mensch: keine in Gang gesetzte Maschine
3) Organismus hat eine Geschichte mit sich selbst

Unterschied Ausbildung & Qualifikation in Schul-, Alternativmedizin:

Schulmedizin:

1) Studien-, Prüfungsordnung
2) Weiterbildungsordnung
3) lehr-, lernbar
4) lernfähig
5) forschungsorientiert

Alternativmedizin:

1) Ausbildung & Qualifikation schwer nachprüfbar


2) Individuelle Begabung
3) Schlüsselerlebnisse
4) Keine Veränderung & keine Weiterentwicklung
5) Fortschrittsfeindlich

Unterschied Sichtweise der Welt in Schul-, Alternativmedizin:

Schulmedizin:

1) Einheit der Welt


2) Allgemeingültigkeit der Naturgesetze
3) will Gesetze der Natur finden

Alternativmedizin:

1) Einheit der Welt


2) Vorstellung eines allgemeinen Organismus
3) Interdependenz aller Erscheinungen
4) Analogiegedanken

Ethik der Medizin:

Moral: Wertmaßstäbe eines einzelnen oder einer Gesellschaft ohne Begründung z.B. „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“

Ethos: Werte, Identität stiftend, für eine Gruppe oder Gemeinschaft, z.B. Hippokratischer Eid

Ethik: methodische Untersuchung moralischer Aussagen, die objektiv & systematisch analysiert werden in Verbindung mit

Grundannahmen.

Normative Ethik: Wertüberzeugungen werden kritisch hinterfragt

Deskriptive Ethik: Wertüberzeugungen werden beschrieben

Ethiktheorien: göttliches Gebot, Natur, Nutzen, Vernunft, Konsens im Freien Diskurs( im med. Bereich am wichtigsten)

Medizinethisches Argumentieren:

1) Deontologische Ethik: „Sollensethik“


2) Konsequentialistische Ethik: kausale Folgen als Eigenschaft
3) Feministische Ethik: Wichtigkeit von Haltungen, Beziehungen, Rollen & Gefühlen
4) Kohärentistischer Prinzipien-Ansatz:
4Kriterien: 1. autonomy = Patientenautonomie
2. beneficence = gut handeln
3. non maleficence = Schaden abwenden
4. justice
Merke: Diese Kriterien haben keine absolute Gültigkeit!

Ärztliche Aufgabe:

1) Leben erhalten
2) Sterbende bis zum Tod zu begleiten
3) Individuell entscheiden
4) Patientenselbstbestimmung/-autonomie als höchstes Ziel  Aufklärung + Einwilligung notwendig
Informed Consent:

1) Informationsvermittlung ( = Pat.aufklärung)
2) Informationsverständnis ( = Arzt versichert sich b. Pat., ob alles verstanden)
3) Einwilligungsfähigkeit d. Pat. (nicht alle sind es)
4) Freie Entscheidung (kein Zwang, keine Einflussnahme von Dritten)

Selbstbestimmung: 3 Rechte leiten sich ab:

1) Recht auf körperliche Unversehrtheit


2) Recht auf Handlungsfreiheit: CAVE: in der med. Praxis häufig gefährdet (Theapieentscheidungen)
3) Recht auf Selbstzweckhaftigkeit: Würde als absoluter Wert, kein Mensch darf instrumetalisiert werden