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Masarykova univerzita

Pedagogická fakulta

KATEDRA NĚMECKÉHO JAZYKA

Authentische Texte im Deutschunterricht

Závěrečná práce

  

Brno 2015

 Vedoucí závěrečné práce:                                   Vypracovala:

prof. PhDr. Věra Janíková, Ph.D.                         Mgr. Markéta Kaštylová


2
3

Ich versichere, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst und keine
anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.
4

Věžná, 1.426.7. 201507

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG………………………………………………..………..….................... 52
1 AUTHENTISCHE TEXTE ………..………………………………….................... 63
1.1 Funktion des Textes im Fremdsprachenunterricht ……........................ 74
1.2 Synthetische Texte in Lehrwerken ……………..……….….................... 85
1.3 Authentizität der Texte ………..………………………….…................. 107
1.4 Kriterien der Authentizität von Texten …………………..................... 12 9
2 METHODENKONZEPTIONEN IM FREMDSPRACHENUNTERRICHT
IN BEZUG AUF EINSATZ DER AUTHENTISCHEN TEXTE
IM DaF UNTERRICHT................................................................................................ 141
2.1 Die Grammatik-Übersetzungsmethode…………………....... ..................... 152
2.2 Die audiolinguale/audiovisuelle Methode ……………...…... ...................... 1512
2.3 Der kommunikativ-pragmatische Ansatz ……………........…..................... 163
2.4 Der interkulturelle Ansatz .…………………..………........… ....................... 185

3 AUTHENTISCHE TEXTSORTEN ………..……………………..…. ......................


2017
3.1 Gebrauchstexte ………..…………………………………...........................
2118
3.2 Landeskundliche Texte ………………..……..………….…....................... 252
3.3 Literarische Texte ………………….……………………...…..................... 274
4 GRAMMATIKÜBUNGEN AN AUTHENTISCHEN TEXTEN ............................... 31
28
4.1 Konkrete Beispiele der Übungen an authentischen Texten…...................
3229
ZUSAMMENFASSUNG …………………………….…………..…................................. 47.
RESUMÉ ……………………………………………….….…………................................ 49

LITERATURVERZEICHNIS ……………………………………...….............................. 50
5

EINLEITUNG

In der vorliegenden Arbeit habe ich mich für ein Thema aus dem Bereich der Didaktik
entschieden. Aus meinen Erfahrungen , die ich während meiner Praxis als Deutschlehrerin
machte, weiß ich, wie schwer es ist, heutige Jugend noch im Fremdsprachenunterricht zu
begeistern. Als Lehrerin muss ich immer neue Ideen haben, wie ich mit Jugentlichen Schritt
halte.

Ich konzentriere mich in dieser Arbeit auf authentische Texte, mit denen man im
Fremdsprachenunterricht gut arbeiten und dabei Spaß haben kann. Und gerade nicht
didaktische, trockene Texte, aber authentische, persönlich bezogene Informationen,
Meinungen, Erfahrungen und Erlebnisse wirken auf Lerner besonders motivierend..

In der ersten Hälfte meiner Arbeit befasse ich mich mit dem Thema, was eigentlich
„authentisch“ bedeutet und mit welchen authentischen Textsorten man im
Fremdsprachenunterricht arbeiten kann. Ich werfe einen Blick auf den Einsatz der
authentischen Texte in der Geschichte der fremdsprachlichen Didaktik
In dem zweiten Teil dieser Arbeit werden konkrete Beispiele grammatischer Übungen
an authentischen Texten formuliert. .
In der ganzen Arbeit möchte ich meine eigenen Erfahrungen mit der Arbeit mit
authentischen Texten im Grammatikunterricht vorführen.
Das Hauptziel meiner Arbeit ist zu zeigen, dass der Einsatz von dem „Authentischen“
im Deutschunterricht motivierend wirken kann und dass es einen Lustgewinn an
Grammatiklernen bringen kann.
6

1 AUTHENTISCHE TEXTE

Die Forschung der authentischen Texte hat in den letzten Jahren in der Linguistik
einen zunehmenden Einfluss erhalten. Der Erwerb der Fremdsprache ist durch das Erlernen
grammatischer und lexikalischer Strukturen allein nicht möglich. Es müssen gleichzeitig
deren kommunikative Funktionen gelernt werden. Es genügt für die Beherrschung der
Sprache nicht nur grammatisch richtige Sätze bilden zu können, wenn nicht die Fähigkeit
entwickelt wird, diese Sätze im Handeln und Sprechen zu verwenden. Authentische Texte
sowohl in geschriebener als auch in gesprochener Form, spielen für den Erwerb der
kommunikativen Fähigkeit eine besonders wichtige Rolle, denn sie bieten einen reichhaltigen
„echten“ Kontext. Die grammatischen Phänomene können in den Texten überprüft werden.
Die Grammatik dient als Erschließungshilfe beim Verstehen fremdsprachlicher Texte sowie
als Hilfsmittel zur Produktion eigener Texte.

vorhandene TEXTE neuere, eigene TEXTE

TEXTANALYSE ÜBUNG/AUFGABEN
Globalverstehen (Textarbeit)
Intention, Thema, Funktion produktives, kreatives Schema
entwickeln

„Regel“
TEXT-GRAMMATIK
7

mit welchen Mitteln erreicht der Text seine Wirkung1

Wenn es um authentische Texte geht, verbindet man sie nicht nur mit der Fertigkeit
Lesen, sondern auch mit der eigenen Text-Produktion (Fertigkeit Schreiben), denn es handelt
sich auch um authentische Texte. Sie ermöglichen eine konstruktive, kreative Spracharbeit.
Eigene authentische Texte von Jugendlichen für Jugendliche stellen eine besonders
motivierende Grundlage für die Textarbeit dar. Die Texte von gleichaltrigen Lernern knüpfen
an die Lebenserfahrungen an und regen das Interesse der Jugendlichen an. Mit solchen Texten
kann besonders gut in einem Unterricht gearbeitet werden, was oben das Schema andeutet.

1.1 Funktion des Textes im Fremdsprachenunterricht

In der Methodik des Fremdsprachenunterrichts steht fest, dass „ es sich bei einem Text
um eine schriftliche Quelle handelt, aus der Schüler und auch Lehrer das Sprachmaterial für
die Sprachübungen schöpfen.“2 Die Texte die in den Lehrbüchern enthalten sind, sind
meistens schriftlich, sie können aber in Form von Lautsprachaufnahme sein, z. B. auf
Audiokassetten oder CDs. Fernsehsendungen sind ohne Zweifel auch als Text anzusehen.
„Der Text im Fremdsprachenunterricht ist ein zusammenhängendes sprachliches
Ganzes (in monologischer oder dialogischer Form), das schriftlich fixiert oder als
Lautspracheaufzeichnung vorliegt und somit vom Lernenden visuell oder auditiv (lesend und
hörend) aufgenommen wird. Der entsprechend seiner Zielstellung gestaltete oder ausgewählte
Text, der einen bestimmten Inhalt vermittelt, dient der Entwicklung der
Hauptsprachtätigkeiten Hören, Sprechen, Lesen oder Schreiben.“3
Die Hauptaufgabe eines Lehrbuchs ist es, Kenntnisse über das Sprachmaterial zu
vermitteln und die Entwicklung von Fertigkeiten zu ermöglichen. Der Text nimmt dabei eine
zentrale Stelle ein und unterstützt diesen Prozess. Wenn man von dem Text spricht, meint
man in der Regel einen „Mehrzwecktext“, der die Aufgabe hat, alle Bereiche der Sprache
(Lexik, Phraseologie, Grammatik), alle Gebiete der Sprachfertigkeit (Hören, Sprechen,
Lesen, Schreiben) und alle Stufen der Vermittlung sprachlichen Stoffes (Einführung, Übung,
Wiederholung) zu fördern.

1
KRUMM, J. H. Vom Lesen fremder Texte. In: Fremdsprache Deutsch 2/1990, S. 20.
2
FÖRSTER, U. – GRÖSCHEL, R. Textgestaltung, Textauswahl und Arbeit am Text im
Fremdsprachenunterricht. In: DaF. 1988, S.239.
3
Ebd. S. 239.
8

Nach Harald Hellmich „sind Texte Ergebnisse von Sprech- bzw. Schreibhandlungen,
die in unfassende kommunikative Handlungen eingebettet sind, in konkreten Situationen
ablaufen und an bestimmte Adressaten gerichtet sind.4 Jeder Text hat einen bestimmten
Handlungsplan. Jeder Text wird durch ein zusammenhängendes Thema, d. h. einen Grund-
oder Leitgedanken zusammengehalten. Der Text im Fremdsprachenunterricht bietet einen
bedeutenden Beitrag zur Auflockerung des Unterrichts, zur Anregung der Lerner für Lektüre
und vor allem zur Steigerung der Motivation. Und gerade die Motivation im
Grammatikunterricht ist meiner Meinung nach sehr wichtig. Texte, in denen authentische,
persönliche Informationen auftauchen, können die Entfremdung des Lerners von den
Unterrichtsmaterialien und von sich selbst entgegenwirken.
Im Fremdsprachenunterricht kommen zwei Arten von Texten zum Einsatz, und zwar
authentische Texte und synthetische (didaktische). Authentische Texte finden sich im Alltag
des Sprachgebrauchs im Zielspracheland. Es sind z. B. Texte aus der Zeitung, Zeitschrift,
Werbung, Fahrpläne, literarische Texte usw. Authentische Texte vermitteln bestimmte
Inhalte, Hinweise oder sie berichten über bestimmte Ereignisse (z. B. Text in einer Zeitung).
Synthetische Texte kommen nur in Lehrwerken vor, sie werden nur für die Lehrbücher
konstruiert, um die grammatischen Regeln der Sprache zu verdeutlichen.

1.2 Synthetische Texte in Lehrwerken

Ein Geschenk
Rudi: Mutti, wem gehören denn die Fußballschuhe da?
Sind die für mich?
Mutter: Ja, sie gehören dir. Das freut dich sicher. Tante
Erika und Onkel Karl schicken sie dir, weil du so
Gern Fußball spielst.
Rudi: Oh, das ist aber nett von ihnen. Vielen Dank. Die
Schuhe gefallen mir gut. Ich nehme sie heute
Nachmittag mit zum Sportplatz.
Mutter: Willst du sie deinem Freund zeigen?
Rudi: Natürlich zeige ich sie ihm.
4
HARDJONO, T. Von der Jakarta – Messe zum Oktoberfest. In: Fremdsprache Deutsch 2. 1990, S. 47.
9

Mutter: Zuerst musst du aber Tante Erika und Onkel Karl


einen Brief schreiben und ihnen danken.
Rudi: Ja, sicher ich schreibe ihnen den Brief sofort und
Bringe ihn gleich zur Post.5
Deutsch für Dich, 1975.

Dieses Beispiel ist ein charakteristischer konstruierter Text. Es gab diese Texte vor
allem in älteren, die nach der Grammatik-Übersetzungs-methode oder audiolingualen
Methode erstellt wurden, Lehrwerken. Wie das Lehrwerk Deutsch für dich (1975), aus dem
dieser Ausschnitt kommt oder das Lehrwerk Němčina (1984), in dem man kaum einen
authentischen Text findet, auch wenn die Realien eingefügt sind, beweisen. Es geht darum:
zuerst wird der Grammatikmittelpunkt festgelegt (in diesem Beispiel geht es um Verben im
Dativ), erst dann wurden die anderen Aspekte (Themabereich) zugeordnet.
Der Lehrbuchtext ist nur scheinbar an dem Gespräch zwischen Mutter und Rudi
interessiert. In Wirklichkeit will der Text den Lernern die Verben mit Dativ erläutern. Dieser
Text hat mit der Authentizität nichts zu tun und klingt ein bisschen grotesk, denn die Lerner
bekommen auch einige „landeskundliche Informationen“, z. B. wie „brav“ dieser Junge ist
und denken dann, dass die deutschen Jungen mehr brav sind, als sie. Die Personen dürfen
nicht spontan sprechen, sondern als „Puppen der Grammatik“, die Verben mit Dativ oft in
Lippen nehmen müssen. Sie wirken künstlich und blass, ohne Anspruch auf Authentizität,
sie sprechen in ganzen Sätzen um das Grammatikpensum möglichst oft zu verwenden. Kein
Wunder, dass einer der Gründe, warum Lerner am Anfang nach großem Interesse die Lust am
Fremdsprachenlernen verlieren, darin liegt, dass diese Lehrbuchtexte „bedeutungslos“ sind.
Dass die Texte nicht interessant sind, hängt davon ab, dass die Themen oft nur als Mittel
genommen werden, um ein bestimmtes Grammatikkapitel zu „verpacken“, das gerade in der
Grammatik „dran“ ist. Den synthetischen Texten fehlt vor allem der Anreiz zur intensiven
Beschäftigung und zum Weiterfragen. Das führt bei den Lernern zur Demotivierung. Man
lernt dann die fremde Sprache, so wie man für die Schule lernt, der Stoff wird
durchgenommen, es werden Noten vergeben und dann kann die Sache schnell wieder
vergessen werden. Der tiefere Sinn des Lernprozesses ist verloren gegangen. Man lernt doch
die Sprache fürs Leben und nicht nur für die Noten.
Man sollte versuchen, solche Themen wie z. B. Lerner, Schule, Arbeiten, Sich
versorgen, Gesundheit, Freizeit, Wohnen, Leben in einer Familie, Selbstständig werden,
5
ECKES, H. Deutsch für Dich. Band 1, 1975, S. 83.
10

Medien, Umgang mit Freunden, Liebe, Beziehungen, Sterben usw. einzusetzen. Solche
Themen sollen für die entsprechende Lerngruppe interessant und aktuell sein. Es gibt aber
Themen, deren Interesse wieder „aus der Mode kommen“, deshalb muss die Planung der
bestimmten Lerngruppe angepasst werden. Wenn sich der Lerner jedoch im Unterricht mit
synthetischen Texten beschäftigt, dann bleibt ihm kaum Zeit, über eigene Erfahrungen und
Erlebnisse zu berichten, was meiner Meinung nach nicht der Vorstellung des heutigen
kommunikativen Unterrichts entspricht.
Anders ausgedrückt: Je stärker das Gefühl der Fremdheit und Andersartigkeit beim
Lesen und Lernen der Fremdsprache ist, desto weniger lernen und behalten die Schüler.

1.3 Authentizität der Texte

„ „Authentisch“ wird häufig synonym mit „dokumentarisch“, „real“, „echt“ gebraucht.


Es soll den Gegensatz zu „gemacht“, „fabriziert“, und „unecht“ bezeichnen.“ 6 Die Diskussion
über authentische Texte wird in den letzten Jahren immer lauter. Es gibt immer noch
Unsicherheit, was eigentlich „authentisch“ ist und wie man mit authentischen Texten im
Fremdsprachenunterricht umgeht. Die Charakterisierung des „authentischen“ findet
unterschiedliche Meinungen. Nach Gutschow7 kann sich der authentische Text nur an den
Standart des Muttersprachlers annähern. Das bedeutet, dass alle Texte, auch didaktisch
geänderte, authentisch sind. „So versteht sich z. B. jeder literarische Text als ein originaler,
nicht aber jeder als ein authentischer Text,“8 unterstreichen M. und M. Löschmann. Sie
verstehen unter authentischen Texten nur Texte, die ein „tatsächliches Ereignis, ein
Sachverhalt der objektiven Realität.“9 Edelhoff10 unterscheidet neben der Authentizität von
Texten noch die Authentizität der Sprache, die Authentizität der Landeskunde, Authentizität
der Situation und die Authentizität der Lernenden und des Lernprozesses.
Die authentischen Texte sollen die Realität der fremden Sprache in Lebenssituationen
vorbereiten. Zum anderen soll der Sprachunterricht für die reale Begegnung in und mit der

6
EDELHOFF, CH. Authentische Texte im Deutschunterricht. Einführung und Unterrichtsmodelle. München:
Max Hueber Verlag, 1985, S. 37.
7
GUTSCHOW, H. Authentizität und Aktualität in Texten für den Fremdsprachenunterricht. In: Zielsprache
Deutsch 4. München: Max Hueber Verlag,1977, S. 11.
8
LÖSCHMANN, M. – LÖSCHMANN, M. Authentisches im Fremdsprachenunterricht. In: Daf.1/1984,
S. 43.
9
Ebd. S. 43.
10
EDELHOFF, CH. Authentizität im Fremdsprachenunterricht: Landeskunde – Texte – Lernende. In:
Zielsprache Deutsch. 4/1986, S. 24.
11

Fremdsprache befähigen. Dazu braucht man umfangreiche landeskundliche Informationen


und Wissensstände, die nur durch die Arbeit mit authentischen Tatsachen und Texten
gewonnen werden können. Landeskundliches Lernen geschieht unter kommunikativer
Zielstellung nur, wenn der Lernende gleichzeitig über sich selbst (das Land,
von dem er kommt) und andere (das Zielspracheland) lernt und in der Lage ist, eigene mit
fremden Erfahrungen in Beziehung zu setzen.
Authentische Texte sind nötig zum erfolgreichen Erlernen einer Fremdsprache, durch
die Engagement und Motivation geweckt werden. Die Arbeit mit authentischen Texten soll
die Verbindungen zur sprachlichen Realität sichtbar machen und die Attraktivität der Inhalte
erhöhen. Denn der Hauptzweck des Fremdsprachenunterrichts ist, Klischees und Vorurteile
abzubauen und Urteilfähigkeit aufzubauen.
Man könnte denken, dass sich authentische Texte nur in Ausnahmefällen zur
Behandlung grammatischer Aspekte der Fremdsprache eignen, denn die Texte, die nicht
speziell für den Fremdsprachenunterricht konstruiert sind, bringen den Lernenden oft
Schwierigkeiten im Wortschatz und im Satzbau. Zudem haben sie den Charakter, die
Ausnahmen zu grammatischen Regeln gleich mitzuliefern. Das Wesentliche ist, dass
authentische Texte einen inhaltsreichen echten Kontext bieten. „Nicht das Erlernen korrekter
Formen ist das eigentliche Ziel des Grammatikunterrichts, sondern der intentions- und
situationsadäquate Gebrauch dieser Mittel durch den Lernenden. Der Grammatikunterricht
muss also den Lerner dazu befähigen, eigene Aussageabsichten in sprachlich angemessener
Form umzusetzen. Es sollten daher auch authentische Sprech- und Schreibanlässe angeboten
werden, die die Verwendung der gelernten Strukturen zwingend erforderlich machen.“11
Authentizität gilt im Fremdsprachenunterricht als Begriff für aufgeschriebene oder
gesprochene Texte von Muttersprachlern, anstatt solcher, die im Fremdsprachenausland,
meist nicht von Nicht- Muttersprachlern, die für den Fremdsprachenunterricht hergestellt
oder bearbeitet werden. In diesem Zusammenhang spricht man in zweierlei Sinn von
Authentizität, nämlich im „sprachlich-linguistischen und im pädagogisch-situativen Sinne.“ 12
Beide Bedeutungen sind wichtig, wodurch die erste für die Auswahl und Vorbereitung von
Texten für Unterricht, die andere Bedeutung für die pädagogisch-methodische Seite des
Curriculums.

11
JANÍKOVÁ, V. – MICHAELS-McGOVERN, M. Metodik und Didaktik des Unterrichts Deutsch als
Fremdsprache im Überblick. Brno: MU Brno Pdf, 2001, S.37.
12
EDELHOFF, CH. Authentische Texte … Ebd. S. 7.
12

Die Texte sollen authentisch sein, damit sich die Vertretung der Fremdsprache im
Unterricht der Begegnung und Anwendung der Fremdsprache im Leben möglichst annähern.
Häufig werden in Lehrwerken Texte angeboten, an denen bestimmte lexische und
grammatische Erscheinungen geübt werden, ohne dass sie das Verstehen und Bearbeiten von
Texten üben. Wenn der Lerner in das Zielspracheland kommt, ist er dazu gezwungen,
authentisch zu handeln. Dazu kann ihm im Fremdsprachenunterricht ein authentischer Text
helfen, der die Funktion hat, Kommunikationsanlass zu bieten und die Fähigkeit der
Mitteilung und des Verstehens auszulösen. Authentische Texte sollen also als Anlass zur
Kommunikation dienen. Sie erfüllen vor allem die Aufgabe, Stücke der fremden Sprache
vorzuführen.
Ich denke, dass es wichtig ist, dass diese Texte dem Fremdsprachenlerner etwas über
das Zielsprachland sagen und ermöglichen ihm so, originelle Informationen über das
betreffende Land zu erhalten und mit seinem eigenen Land in Beziehung zu setzen, aber auch
lernen, wie die Gebrauchstexte aufgeschrieben sind und in dem Land benutzt werden. Die
Lernenden werden dann auf einen möglichen Aufenthalt im Zielsprachenland vorbereitet und
das ist der Zweck des Fremdsprachenunterrichts.

1.4 Kriterien der Authentizität von Texten

Im Folgenden zähle ich die Merkmale auf, die Texte authentisch machen. Es geht vor
allem um Texte, die für Unterrichtszwecke geeignet sind. Die These lautet nämlich, dass
„dokumentarische Texte, d. h. solche, die unmittelbar aus der Sprachwirklichkeit
entnommen werden, nur bedingt für Fremdsprachenunterricht geeignet sind und der
didaktischen Manipulation bedürfen, ohne dass die Forderung nach Authentizität außer Acht
gelassen werden darf.“13 Unter didaktischer Manipulation versteht man jeden Eingriff, der
den Text aus seiner originalen Sprachumgebung löst und sich bestimmten Veränderungen
unterwirft, die dazu geeignet sind, den Text leichter, zugänglich und erschließbar zu machen.
Den Text verändern auch die Bearbeitung der Struktur und die Zusammenstellung mit
anderen Texten. Damit der Lerner einen ähnlichen Text in der realen Lebenssituation
wieder erkennen und anwenden kann, darf der zu Lehrzwecken bearbeitete Text nur so weit
manipuliert sein, als Merkmale des Wiedererkennens mit dem echten Text in ihm enthalten
sind, also Kriterien der Authentizität beachtet und erhalten werden. Es handelt sich um solche
Kriterien:
13
EDELHOFF, CH. Ebd. S. 24.
13

 Jeder Text hat eigene äußere Form. Das gilt aber nicht nur für gedruckte Texte, die an
der äußeren Form erkennbar sind, wie z.B. Anzeigen in Zeitungen, sondern auch für
Hörtexte, die durch Geräusche charakteristisch sind, z.B. eine Fußball–Reportage im
Radio.
 Der Träger des Textes ist das Medium. Die Texte sind durch verschiedene Medien
bedingt, z. B. eine Fußball–Reportage, je nachdem, ob sie in der Tageszeitung, im
Radio oder im Fernsehen gegeben wird.
 Zu den äußeren Merkmalen gehören auch die Adressaten. Ein Text über bestimmte
Problematik wird anders für Spezialisten geschrieben als für die allgemeine
Öffentlichkeit.
 Dieses Merkmal zeigt auf das andere, und zwar auf den Zweck der Mitteilung. Die
Texte richten sich an bestimmte Personen und ihre Autoren wollen etwas bewirken.
Zu diesen Merkmalen der authentischen Texte treten die Charakteristika spontaner,
gesprochener Sprache:
 Grammatische und lexikalische Merkmale – Neologismen, kreative Wendungen,
Wortspiele, Fügungen und doppeldeutige Wörter, Dialekt, Jugendsprache, falsche
Sprachformen, unvollständige grammatische oder syntaktische Fügungen usw.
 Phonologische Merkmale – regionale Aussprache, Wechsel in Lautstärke und
Tonhöhe, Zögern, Verhaltung usw.
 Diskursive Merkmale – Unterbrechungen (durch andere Sprecher), Wiederholungen,
Widersprüche usw.
 Gestische Merkmale – mimische und gestische Begleitung von Äußerungen, nicht-
verbale Unterbrechungen, Lachen, Husten usw.

Damit die authentischen Texte für Unterrichtszwecke benutzt werden können, wird
gefordert, dass diese Kriterien der Authentizität behalten werden müssen, d.h. dass
Kürzungen, Austauschen von Wörtern und Satzteilen oder Umstellungen den Text nicht
berühren. Vereinfachte oder gekürzte Texte können dadurch zerstört werden, aber manchmal
ist die Verwendung der vereinfachten oder gekürzten Texte die eigene Möglichkeit, wie man
einen umfangreichen Text aus der Realität im Unterricht präsentiert. Die Authentizität darf
aber auf keinen Fall verletzt werden.
14

2 METHODENKONZEPTIONEN IM FREMDSPRACHENUNTERRICHT IN BEZUG


AUF EINSATZ DER AUTHENTISCHEN TEXTE IM DaF UNTERRICHT

Der Fremdsprachenunterricht reicht bis ins Mittelalter. Vor allem Latein und
Griechisch wurden unterrichtet. Die Aufgabe des Lateinunterrichtes lag im Lernen
grammatischer Regeln und vor allem im Übersetzen literarischer Texte. Seit dem 16.
Jahrhundert gehörte die deutsche Sprache zu den neueren Sprachen, die eingesetzt wurden.
Einen großen Beitrag leistete Johann Amos Comenius in seinem Lehrwerk für den Latein-
und zugleich muttersprachlichen Unterricht. Er forderte junge Schüler, mit
Anschauungsmaterialien lernen zu lassen. „Es ist nichts in dem Verstand, was nicht zuvor im
Sinn gewesen ist.“14
VilhelmViëtor, der Anglist, forderte das Umkehren des Sprachunterrichts. Er
kritisierte die stark am Literatur- und Übersetzungsunterricht orientiertes Lernen der „toten“
Sprache Latein. Statt Literatur übersetzen zu können und das Ziel über die Sprache zu
„Wissen“, forderte er das sprachliche „Können“, also die Kommunikationsfähigkeit. Er
forderte ein induktives, an Texten und am unterrichtlichen Gespräch in der Fremdsprache
orientiertes Vorgehen, das den Schülern ermöglicht, selbst zu Erkenntnis in den Bau und die
Verwendung der Sprache zu kommen.
Was den Einsatz der Texte und vor allem authentischer Texte betrifft, war die
Meinung in der Geschichte des Fremdsprachenunterrichts nicht eindeutig. Die Frage, ob die
authentischen Texte eine wichtige Rolle beim Erlernen spielen, bleibt offen. Wird der Einsatz
der Texte im Unterricht die Motivation der Lerner verstärken? Oder im Gegenteil, infolge
ihrer sprachlichen Komplexität auf die Lerner demotivierend wirken? Ich werfe jetzt Blick
auf die vier Konzeptionen, die für den Daf-Unterricht besonders wichtig sind und betrachte
dabei die Entwicklung des Einsatzes der Texte in den einzelnen Methoden. Es sind die

14
STURM, D. Das Bild im Deutschunterricht. In: Fremdsprache Deutsch. München: Klett Edition Verlag, 1991,
S. 4.
15

Grammatik-Übersetzungs-Methode, die audiolinguale/audiovisuelle Methode, der


kommunikativ-pragmatische Ansatz und der interkulturell orientierte Ansatz.

2.1 Die Grammatik-Übersetzungsmethode

Diese Methode habe ich schon oben erwähnt, wie Viëtor sie kritisierte. Sie wurde im
19. Jahrhundert nach dem Vorbild des Lateinunterrichts entwickelt. Das Ziel war das Kennen
der Grammatikregeln, es werden Artikel, Kasus, Personalpronomen usw. definiert. Der
Lernweg ist ausschließlich deduktiv konzipiert. Wer die Grammatik beherrscht, beherrscht
auch die Sprache und das bewies der Lerner, wenn er eine gute Übersetzung schrieb.
Man muss aber berücksichtigen, dass die Kommunikationsfähigkeit in den
Alltagssituationen nicht das Ziel des Unterrichts war. Die Schüler lernten Grammatik, damit
sie dann literarische Texte übersetzen können. Auch als Übungen werden Übersetzungen von
Einzelsätzen in beiden Richtungen angeboten. Dadurch wurde den Lernern den Zugang zur
literarischen Hochkultur der Sprache ermöglicht.
Wenn es um die Texte geht, beschäftigten sich die Lerner mit Auszügen aus deutscher
Prosa bedeutender Autoren. Die Verwendung der Texte in dieser Methode war erstrangig. Es
waren natürlich literarische, also authentische Texte, denn das Ziel des damaligen
gymnasialen Unterrichts waren die allgemeine Geistesbildung der Schüler und die
Auseinandersetzung mit der Bildung der fremden Kultur.
Die Texte wurden erst wenn der Grammatikstoff beendet wurde, zur Hilfe genommen.
Sie sind nach dem Schwierigkeitsgrad abgestuft. Die meisten Texte wurden jedoch sprachlich
vereinfacht. In den Übungen traten auch künstliche Texte auf, die zur Einübung einzelner
grammatischer Phänomene konstruiert wurden. Die authentischen Texte dienten eher zur
Schulung des Leseverständnisses.

2.2 Die audiolinguale/audiovisuelle Methode

Die Orientierung an die audiolinguale und audiovisuelle Methode bedeutet in


Lehrwerken eine radikale Wende.
16

Die audiolinguale Methode wurde vor allem durch den zweiten Weltkrieg beeinflusst.
Es wurde nach Leuten, die über aktive Fremdsprachenkenntnisse verfügen, gesucht. Das Ziel
des Sprachunterrichts (sprachliches Können in Alltagssituationen) war möglichst viel zu
sprechen. Es wurde auf Grammatiklernen verzichtet, wichtiger war das Ausgehen von
Sprachverwendungssituationen, in die Lerner bei einem Aufenthalt in dem Land der
Zielsprache geraten konnten. Einen starken Einfluss übten auch der amerikanische
Strukturalismus und die behavioristische Lernpsychologie aus, deren Ergebnisse zur
Formulierung eines neuen fachdidaktischen Konzepts am Anfang der 60-er Jahre beitrugen.
Das Ziel des Unterrichts ist die sprachliche Fähigkeit für die Alltagssituation, die die
Grundlage bilden. Das Sprachkönnen wird aufgrund der mechanischen Festigung der
Gewohnheiten gebildet. Typische Übungsformen sind „Pattern Drills“, die oft als
Tonbandübungen angeboten werden. Es ist klar, dass der Schwerpunkt auf den Fertigkeiten
Hören und Sprechen liegt.
Auch die audiolinguale Methode verzichtet nicht auf den Einsatz der Texte. Es
werden meistens dialogisierte Texte aus der Alltagssituation präsentiert, die aber der Realität
nicht entsprechen. Die Personen in den Dialogen sprechen nicht spontan, sie werden als
„Marionetten der Grammatik“ dargestellt. Manchmal wirken diese künstlichen Dialoge sehr
lustig, wenn sie „zufälligerweise“ die Verben mit Dativ möglichst oft in den Mund nehmen
müssen, wenn gerade im Unterricht Dativ erklärt wird.
Eine wichtige Rolle spielen auch landeskundlich orientierte Sachtexte, natürlich mit
authentischen Fotos. Literarische Texte werden noch nicht so oft in dem
Fremdsprachenunterricht eingesetzt.
Die audiovisuelle Methode entwickelte sich in Frankreich, fast zur gleichen Zeit wie
audiolinguale Methode. Die Hörtexte werden gleichzeitig mit optischem
Anschauungsmaterial verbunden. Auch hier spielen Dialoge, die auswendig gelernt werden,
führende Rolle. Es werden visuelle Medien wie Bilder, Dias, Folien und Videos benutzt. So
werden das Sehen (ein visueller Reiz) und Hören (ein akustischer Reiz) semantisch verbunden
und gleichzeitig eingesetzt. Kritisiert wurde an dieser Methode vor allem das starre, oft von
technischen Medien bestimmtes Vorgehen.
Die authentische Sprache wird weiterhin nicht verwendet. In den Dialogen herrscht die
grammatikalisierte Sprache, die den Sinn entleert und die Texte banalisiert. Literarische Texte
kommen mit dieser Methode immer noch nicht in den Unterricht. Aber trotz dieser Kritik hat
diese Methode und die audiolinguale Methode viel Neues gebracht.
17

2.3 Der kommunikativ-pragmatische Ansatz

In den letzten Jahrzehnten ist der Anspruch nach einer kommunikativen Orientierung
des Fremdsprachenunterrichts immer deutlicher geworden. Dabei besteht die Notwendigkeit
der stärkeren Orientierung des Sprach- und Grammatikunterrichts an der Kommunikation.
Der Schwerpunkt des Unterrichtsgeschehens im kommunikativen Deutschunterricht liegt also
auf den kommunikativen Lernzielen, d.h. die Lernenden sollen dazu befähigt werden, in
bestimmten Alltagssituationen sprachlich angemessen zu reagieren. Natürlich müssen die
Lerner dabei schrittweise die Beherrschung der relevanten Grammatik zu entwickeln. Die
zentrale didaktische Absicht ist, den Lernern erfolgreiches sprachliches Handeln zu
ermöglichen und zwar in den Situationen, in die sie bei einem Aufenthalt in einem
deutschsprachigen Land kommen könnten. Sie können z. B. lernen zu grüßen, sich zu
verabreden, Fahrplaninformationen zu erfragen und verstehen, einen Arzttermin zu
vereinbaren. Die angebotenen Texte und Aufgaben sind in ihrer Reihenfolge nicht
verbindlich, sie können verschoben, ergänzt und verändert werden.
Die kommunikative Wende kann auch nach den Kritikern zu einem Verlust an
grammatischen Kenntnissen führen. Es entsteht die Gefahr der Fossilierung, d.h. der
Stagnation des formalen Spracherwerbs auf einem Niveau, das später schriftsprachliche
Möglichkeiten der Kommunikation einschränkt. Auf diese Weise wird die Bedeutung der
Grammatik verändert. Sie wird hier als Werkzeug gesehen, mit dem man etwas sprachlich „zu
tun“ hat. Die Grammatik auf diese Weise ist nicht nur Selbstzweck, sondern ein Mittel zum
Zweck: ein „Werkzeug“ zur Produktion der Sprache. Die Äußerung und der gesamte Text
werden ebenfalls Gegenstand der Sprachbeschreibung.
Eine bedeutende Rolle im kommunikativen Unterricht spielt der Einsatz von
authentischen Texten. Vor allem die Grammatik in der aktiven Auseinandersetzung mit
authentischen Texten und insbesondere bei der eigenen Produktion der Texte kann
Lustgewinn an Lerner bringen. Die Möglichkeiten zur Anwendung authentischer Texte im
kommunikativen Grammatikunterricht sind unerschöpflich. Das heißt dann nicht trockene
Einzelsätze, sondern Texte so lebendig, dass man die „demonstrierte Grammatik“ gar nicht
bemerkt und dass die Lernenden, wenn sie über die Inhalte sprechen, den neuen
Grammatikstoff automatisch verwenden, um ihre Sprechabsichten verwirklichen zu können.
Inhalt und Form gehören zusammen. Deswegen nimmt die Textarbeit im Deutschunterricht
eine besondere Stelle ein. Durch die pragmatisch orientierte Textarbeit werden die
Verstehenskompetenz, d.h. Hör- und Leseverständnis und die produktiven Fertigkeiten, d.h.
18

Sprechen und Schreiben, eingeübt. Das Lesen der Texte in kommunikativen Unterricht ist auf
das Verstehen von Alltagstexten bezogen. Das traditionelle „Wort-für-Wort-Verständnis“ wie
in der Grammatik-übersetzungsmethode entspricht nicht mehr neuen Vorstellungen. „Um
authentische Texte des Alltags in ihrer Funktion für fremdsprachliche Verständigung zu
verstehen, muss man sie aber nicht in allen sprachlichen Details „dekodieren“ können.“15
Dadurch wurde eine neue Didaktik entwickelt, deren Schwerpunkt nicht im detaillierten,
sondern selektiven bzw. globalen Lesen liegt. Die Übungsformen gehen aus der Forderung
nach der Kommunikationsfähigkeit und dem Textverständnis hervor. Im kommunikativen
Konzept bietet sich eine Menge von Übungen zum Textverständnis, von der Vereinfachung
über Zuordnungsaufgaben bis zu der eigenen Texterstellung oder bis zur offenen Diskussion
über den Textinhalt.
Ganz oft werden auch landeskundliche Texte eingesetzt und landeskundliche Themen
spielen im Fremdsprachenunterricht eine wichtige Rolle.
Seit Beginn der achtziger Jahre ist ein verstärktes Interesse an literarischen Texten im
DaF-Unterricht zu beobachten. „Im Zuge der Entwicklung einer fremdkulturellen
Hermeneutik wird literarischen Texten als Zeugnissen fremdkultureller Wirklichkeit verstärkt
Aufmerksamkeit geschenkt.“16 Die Lernorientierung in den 80er und 90er Jahren führte dazu,
den kulturellen Hintergrund der Lerner zu berücksichtigen, auch die Tatsache, dass Erlernen
einer Fremdsprache stets auch mit interkulturellem Lernen verbunden ist. Wir können von
einem interkulturellen Ansatz im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht sprechen, der sich von
dem kommunikativ-pragmatischen allerdings nicht abgrenzt, sondern an ihn anknüpft.

2.4 Der interkulturelle Ansatz

Die führende Aufgabe des Fremdsprachenunterrichts besteht darin, die Menschen für
Mehrsprachigkeit und das Leben in multikulturellen Gesellschaften empfindlicher zu machen
und zu interkultureller Kommunikation zu befähigen. Für den Fremdsprachenunterricht ist es

15

EDELHOFF, CH. Authentische Texte im Deutschunterricht. Einführung und Unterrichtsmodelle. München:Max


Hueber Verlag, 1985, S.9.
16
HONNEF-BECKER, I. Wie sich Literatur mit Vergnügen lesen läßt. In: Info Daf. München: Langenscheidt,
4/1993, S. 437.
19

wichtig und spannend, sprachliche und nicht sprachliche Handlungen in unterschiedenen


Sprachen und Kulturen zu beschreiben. Wie lade ich ein in Deutschland und Japan, wie
fordere ich jemanden im Deutschen und im Spanischen auf, wie begrüße ich im Deutschen
und im Englischen? Wie verabschiede ich mich höflich, ohne die Gastgeber zu verletzen?
Welche Wirkung haben Witze im Deutschen und im Finnischen? Das Fremdsprachenlernen
bedeutet „Begegnung mit einer neuen Welt“, dann müssen die kulturspezifischen
Lerntraditionen und Weltorientierungen (z.B. Tabuthemen) berücksichtigt werden, um die
kulturellen Missverständnisse in der Kommunikation zu vermeiden. Im
Fremdsprachenunterricht geht es jetzt nämlich um die Fähigkeit zum Fremdverstehen im
umfassenden Sinn. „Die setzt, integriert in die sprachlichen Kompetenzen, vor allem auch
Einsichten in die Kulturbedingtheit kommunikativen Handelns in der Zielsprache und in der
Ausgangssprache voraus.“17
Mit der Konzentration auf das Fremdverstehen wird stärkere Aufmerksamkeit der
rezeptiven Fertigkeiten Hören und Lesen gewidmet. Die ausgewählten Themen im Unterricht
sollen sich an die persönlichen Erfahrungen der Lerner anknüpfen. Der Kontakt zur fremden
Kultur kann diese Erfahrungen noch erweitern.
Die interkulturelle Didaktik und Methodik basiert auf den Themen an die
Lebenserfahrungen der Lerner und auf dem folgenden interkulturellen Vergleich mit den
Lebenserfahrungen im Land der Zielsprache. Es sollten übrigens keine Themen aufgegriffen
werden, die für die Lernergruppe fremd sind.
Eine besondere Stelle nimmt das Bild in der Landeskunde dar, ob es um Bilder aus
den Lehrwerken oder Zeitschriften, Comics oder Karikaturen handelt. Ein Bild spiegelt
zunächst eine Welt wider, die des Landes, in dem es entstand. Es informiert uns über einen
Ausschnitt aus dieser Kultur. Bilder (vor allem authentische) und Landeskunde stehen daher
in einem engen Zusammenhang. Besonders hilfreich ist bei der Verstehensdidaktik der
Einsatz der Medien im Unterricht, wie Fernsehen, Videoaufnahmen und Audiokassetten. Im
Unterricht verstärkt sich damit die Unterstützung landeskundlicher Themen und literarischer
Texte überhaupt.
Nicht nur Alltagstexte (Nachrichten, Preislisten, Werbetexte, Rezepte usw.), sondern
auch oben genannte literarische Texte (Gedichte, Märchen) bilden die Grundlage für das
Textverständnis im interkulturellen Deutschunterricht.

17
HUNEKE, W. – STEINIG, W. Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Berlin: Erich Schmidt
Verlag,2002, S. 174.
20

Aus dem Überblick der vier genannten Methodenkonzeptionen ergibt sich, dass es
eine einheitliche, allgemeingültige Fremdsprachendidaktik nicht gibt. Das gilt auch für den
Einsatz von Texten im Unterricht. Man kann aber feststellen, dass es die Tendenz gibt, statt
synthetischer Texte authentische einzusetzen und dass es in dem heutigen
Fremdsprachenunterricht immer häufiger die Texte gibt. Und wie man Grammatik und Text
zusammen verbinden kann, möchte ich im nächsten Kapitel näher erläutern

3 AUTHENTISCHE TEXTSORTEN

Authentische Texte haben nicht nur die Aufgabe, verschiedene Themen in die
Kommunikation einzutragen aber auch den Grammatikunterricht interessanter und
motivierender zu machen. Der Einsatz von authentischen Texten soll außerdem die
Verbindung der Schule mit dem Leben im Unterricht bewirken. Jeder konkrete authentische
Text bedeutet auch eine bestimmte Textsorte, z. B. Fahrplan, Quittung, Gedicht, Anzeige
usw. Alle Texte sind unterschiedlich in Form und Inhalt. Um sie besser verstehen zu können,
ordnen wir sie nach Textsorten. Sie werden auch als Klassen bezeichnet, die Texte mit
gemeinsamen Merkmalen vereinen. Textsorten sollen ganz allgemein als „komplexe Muster
sprachlicher Kommunikation“18 verstanden werden, die innerhalb der Sprachgemeinschaft
entstanden sind. Die kommunikative Funktion ist dabei entscheidend, also die Frage, was der
Verfasser eines authentischen Textes zu erreichen beabsichtigt. Es werden verschiedene
Inhalte vermittelt, z.B. Kochrezept gibt uns Informationen über Fertigung eines Gerichts, sie
geben uns Hinweise, wie man etwas macht (Bedienungsanleitung) oder loben eine Sache
(Werbung). Jede Textsorte hat auch seinen charakteristischen Sprachstil. Das kann man
gerade gut im Grammatikunterricht ausnutzen, denn jede Textsorte enthält ein ganz
spezifisches Repertoire von Grammatikphänomenen. In Werbetexten werden z. B. oft
Metaphern, Ellipse, Hervorhebung (z. B. Vorziehen des Verbs an den Satzanfang, die
Ausschmückung, das Wortspiel usw.), oder Vergleiche benutzt. In Bedienungsanleitungen
sieht man oft Imperativformen (Öffnen Sie…, setzen Sie…), Kochrezepte kennzeichnen sich
durch Infinitivformen (…in Kühlschrank geben, …auf das Backblech legen), in der Zeitung

18
BRINKER, K. Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. Berlin: Erich
Schmidt Verlag, 1997, S.126.
21

sieht man immer eine indirekte Rede usw. Durch diese Grammatikphänomene kann man eine
elementare Verstehensgrammatik entwickeln.
Die entscheidenden Kriterien für die Textsortenbegriffe sind die
Kommunikationssituation, der Textinhalt und die Textfunktion. Kommentar, Nachricht,
Anweisung usw. sind schwerwiegend durch die kommunikative Funktion des Textes gegeben.
Merkmale der Kategorie „Textinhalt“ sind: Wetterbericht, Sportbericht, Kochrezept,
Todesanzeige usw. Diese Bezeichnungen thematisieren in ihrem ersten Bestandteil einen
bestimmten Lebensbereich bzw. Weltinhalt. Der zweite Teil gibt dann die Textfunktion an,
z. B. Wetter-Bericht, Koch-Rezept. Die Textfunktion gilt als Kriterium zur Differenzierung
von Textsorten, z. B. Informationstexte, Appelltexte, Kontakttexte usw. Es ist sehr wichtig,
dass die Lerner unterschiedliche Textsorten im Fremdsprachenunterricht kennen zu lernen.
Dadurch wird die Vielfalt der Möglichkeiten in der Kommunikation vermittelt.
Wie auch dem Begriff „Textsorte“ verschiedene Definitionen zugeordnet werden,
lassen sich ebenfalls authentische Materialien unter verschiedenen Aspekten in Gruppen
teilen. Man kann authentische Texte danach gliedern, über welches Medium vermittelt
werden. Auch wenn ich bis jetzt über Lese-Texte schrieb, kann ich auf keinen Fall
vergessen, Hör-Texte und Seh-Hör-Texte zu erwähnen, die nach Verbreitung der Videogeräte
und Computers im fremdsprachigen Unterricht immer größere Rolle spielen. Es werden
authentische Texte in sprachlicher (Radiosendungen, Telefongespräche), nicht sprachlicher
und gemischter Form benutzt. Die meisten erscheinen in gemischter Form – es handelt sich
um schriftliche Texte kombiniert mit Bildmaterial (Prospekte, Zeitungstexte), Tontexte
kombiniert mit anderen Tonaufzeichnungen (Hörspiele, Reportagen) oder Tontexte
kombiniert mit Bildmaterial und mit schriftlichen Texten. Besonders in der Landeskunde sind
Texte mit Bildern erforderlich. Das Bild spiegelt die Welt wider, in der das Land entstand.
Bilder und Landeskunde stehen daher in einem engen Zusammenhang zueinander. Zu den
Bildern noch mehr in dem Kapitel von landeskundlichen Texten.
Zu den Texten in nicht sprachlicher Form gehören z. B. Werbungen oder Plakate, die
Sprache hat nur einen Ergänzungscharakter.
Die authentischen Texte werden im Fremdsprachenunterricht nach den formalen und
inhaltlichen Merkmalen in Gebrauchstexte, landeskundliche Texte (auch Sachtexte genannt)
und literarische Texte aufgegliedert. Aus dieser Gliederung ergeben sich folgende Kapitel.

3.1 Gebrauchstexte
22

Als Gebrauchstexte bezeichnen wir alle Texte, mit denen man im Alltag in Kontakt
kommt. Sie sollen die Lerner auf einen möglichen Aufenthalt im Zielspracheland vorbereiten
und sie lernen, wie in bestimmten Alltagssituationen benutzt werden können, z. B. wie kann
ich im Hotel buchen, wie fülle ich Formulare auf der Post, auf der Bank oder auf der Behörde
aus andernfalls wie finde ich die richtige Busverbindung. Es ist bedeutungsvoll, dass die
Lerner mit Gebrauchstexten im Unterricht in Berührung kommen, denn man kann an ihnen
gut üben. Die Lerner könnten die Gebrauchstexte selbst verfassen z.B. einen Lesebrief, eine
Kleinanzeige oder Rollenspiele machen. Aber auch hier braucht man die Aussicht auf das
Reale, wenn die Aufgaben für die Lernende Bedeutung haben sollen. Es muss jedoch auf
jeden Fall getestet werden, ob der Textinhalt und die Eignung im Grammatikunterricht für
die Lerner tatsächlich eine Bedeutung haben, denn nicht jeder authentische Text ergibt für die
Lerner eine sinnvolle Lernsituation.
Anhand folgender Tabelle werden die häufigsten alltäglichen Textsorten aufgezählt,
die mit der Auswahl möglicher Aufgaben und Bereiche der Fertigkeiten verknüpft sind. Zu
der Tabelle füge ich Beispiele einzelner Textsorten bei (siehe Anlage 1).

Textsorten Mögliche Fertigkeiten


kommunikative Aufgaben
Anzeigen- in Zeitungen - Interesse äußern, Sprechen
(z.B. Stellensuche, - Angebot diskutieren, Schreiben
Zimmersuche, - selbst Anzeige schreiben, Leseverstehen
Bekanntschaften) - Skizzen anfertigen und erklären
Gebrauchsanweisungen/ - in die Praxis umsetzen Sprechen
Bedienungsanweisungen - bei Verstehensschwierigkeiten nachfragen Leseverstehen
(Waschanleitung in der - Skizzen anfertigen und erklären
Kleidung, für Telefon, für
Geräte und Maschinen
Berichte (Berichte in - Inhalt diskutieren Sprechen
Schülerzeitungen, in der - eigene Meinung äußern Schreiben
Klasse, Popzeitschriften) -Bericht für Schul- oder andere Zeitschrift Leseverstehen
verfassen Hörverstehen
Briefe (formale, private) - Briefform, Adresse, Absender, Datum, Schreiben
Anrede, Schlussformel analysieren Leseverstehen
- Brief verfassen (neuer Brief oder Antwort) Sprechen
23

Eintrittskarten - als Sprechanlass für Verabredungen Sprechen

Etiketten (auf Dosen, - sammeln, ordnen, Sprechen


Verpackungen) - Abkürzungen erklären, Preise vergleichen Leseverstehen

Fahrpläne (F. von Bahn, - Auskünfte anfragen Sprechen


Bus, Flugzeug, Schiff, - Auskunft geben Leseverstehen
U- Bahn) - verschiedene Reisewege nennen
Fahrkarten - Fahrkarten am Schalter kaufen Sprechen
- Gespräch über Reiseweg, Kosten führen Leseverstehen

Formulare (Einreise- - Einzelheiten nachfragen Schreiben


u.Aufenthaltsformulare, - ausfühlen Leseverstehen
Anmeldungen)
Karten (Landkarten, - Strecken einzeichnen Schreiben
Stadtpläne, Straßenkarten) - nach Weg fragen
- Wegbeschreibungen geben
- Skizzen anfertigen
Nachrichten (in Zeitung- - Nachrichten in der Muttersprache zuordnen Leseverstehen
En, im Radio, im Fern- und vergleichen Schreiben
Sehen) - gehörte /gelesene Fakten notieren Hörverstehen
Preislisten /Preise- - Preisvergleiche diskutieren Sprechen
angaben /Quittungen (in
Geschäften,
Schaufenstern, Katalogen)
Programme (Rundfunk-, - Ordnen unter bestimmten Gesichtspunkten Sprechen
Fernseh-, - Vergleich der verschiedenen Programm- Leseverstehen
Veranstaltungsprogramme Angebote,
– Kino, Theater, Feste) - Diskussion der eigenen Programm-
vorlieben
- Vorschläge für die Gestaltung eines
Abends/Wochenendes machen
Prospekte (über - verschiedene Angebote vergleichen Sprechen
Ferienmöglichkeiten, - eine Entscheidung treffen und vergleichen Schreiben
über Freizeitangebote, - Unterschied zwischen Werbung und Leseverstehen
über Touristenobjekte Realität diskutieren
24

z.B. Städte, Orte,


Landschaften, über
Konsumartikel z.B. von
Warenhäusern)
Rezepte (Kochrezepte) -Gerichte nach Anweisung herstellen Sprechen
- eigene Lieblingsspeisen benennen und Schreiben
beschreiben Leseverstehen
- typische deutsche Gerichte oder Zutaten
schreiben
Speisekarten - nach Karte bestellen, Erklärungen erbitten Sprechen
- spezielle Wünsche äußern Leseverstehen
- ein Menü zusammenstellen

Schlagzeilen - Informationsgehalt prüfen Leseverstehen


(in Tageszeitungen, - zu den Texten Überschriften finden und Sprechen
auch in umgekehrt
Boulevardzeitungen)
Telefonbücher - Auskünfte erteilen und einholen Sprechen
- Deutsch buchstabieren

Werbungen - Interesse äußern Sprechen


(in Zeitungen/Zeitschrift- - Unterschiede zwischen Werbung und Schreiben
en, Radio, Fernsehen) Realität diskutieren Leseverstehen
- eigene Werbetexte schreiben Hörverstehen

Wetterberichte (aus - aufgrund der Wetterlage Pläne für Hörverstehen


einer Zeitung, Radio, Freizeitaktivitäten schmieden Leseverstehen
Fernsehen –mit
Schaubild, Symbolen)
25

3.2 Landeskundliche Texte

Landeskunde ist im heutigen Fremdsprachenunterricht ein unerlässlicher Teil der


Fremdsprachendidaktik. Was bedeutet eigentlich Landeskunde? Dieser Begriff wird
allgemein formuliert: „alle Bezüge auf die Gesellschaften, deren Sprache in der
Fremdsprache gelernt wird. Solche soziokulturellen Bezüge treten im fremdsprachigen
Curriculum immer dann auf, wenn den Lernenden die fremde Sprache in ihrem
ursprünglichen Verwendungszusammenhang vorgestellt wird.“19 Dieser Begriff schließt
verschiedene Disziplinen ein, wie z. B. Soziologie, Geschichte, Geographie, Ethnologie,
Ökonomie, Politologie, Kulturgeschichte, Wirtschaft usw.
Als Bedürfnis nach aktuellen Informationen über das Zielspracheland wächst mit den
Reisemöglichkeiten. Wenn man eine Fremdsprache lernt, möchte man auch etwas über die
Menschen erfahren, die die Sprache sprechen. Wenn es gelingt, diese Menschen, ihre
Kulturen und ihre Länder dem Lerner näher zu bringen, dann werden meist auch das Interesse
an der Sprache und die Lernmotivation größer. Der Lerner ist also motiviert von besserem
Verstehen von authentischen Äußerungen und Texten. Ich zweifle daran, dass einem Lerner,
der diesen folgenden konstruierten Text (Nemčina, 1984) liest, der ihm etwas über Berlin
aussagen soll, authentische Informationen geben können. Man erfährt in diesem Text nichts
über die Stadt, über Leute, die in Berlin wohnen, man erfährt nur etwas über Petr, der keinen
Lerner interessiert und schon aus diesem Grund finde ich diesen Text demotivierend. Solche
Texte kann man nur in alten Lernbüchern sehen und ich hoffe, dass sie nur in den alten
Lehrwerken bleiben, sie gehören einfach nicht mehr in einen modernen kommunikativen
Fremdsprachenunterricht.

19
JANÍKOVA, V. – MICHAELS Mc GOVERN, M. Methodik und Didaktik des Unterrichts Deutsch als
Fremdsprache im Überblick. Brno: Masarykova universita Brno, 2001, S. 58.
26

(Němčina, 1984)
Wenn man den kulturspezifischen Hintergrund und den Handlungskontext kennt,
versteht der Lerner besser nicht nur sprachliche Handlungen, aber auch einzelne Wörter,
Metaphern, Idiome oder sogar nonverbale Signale.
Einen wichtigen Teil der landeskundlichen Texte bilden Bilder. In der Bilddidaktik
unterscheidet man Bilder wie Fotos, Filme und Videos. Heutzutage sind die Lehrbücher voller
bunter Fotos und Zeichnungen, und oft gehören noch Bildkarten, illustrierte Arbeitsbögen und
Folien zum Unterrichtsmaterial. Der Lehrer sollte auch eigene Bilder in den Unterricht
bringen, denn die Lerner brauchen Abwechslung, „mal etwas Anderes“. Sie brauchen viele
zusätzliche Gelegenheiten zu echter Kommunikation.
Diese Abbilder sind realitätsnah und eignen sich daher besonders gut für die
Vermittlung landeskundlicher Inhalte. Das Bild zeigt das Land im wahren Licht, deshalb
gehören Bilder und Landeskunde zusammen. Eine wichtige Aufgabe der Bilder ist die
Motivation der Lerner. Sie beeinflussen den weiteren Unterrichtsverlauf, deshalb ist auch die
Auswahl der Bilder wichtig. Zu den Kriterien der Auswahl von Bildern gehören vor allem die
Authentizität (das Bild muss aus dem Zielspracheland kommen) und die Aktualität. Wenn
man über authentische und didaktisierte Texte spricht, kann man sagen, dass es auch
„didaktisierte Bilder“ gibt, wie z. B. diese zwei Bilder 20, die zur Übung der Präpositionen
dienen.

20
ZOCH, I. Illustrationen zur Grammatik im Deutschunterricht an Ausländer. In: Zielsprache Deutsch,
Heft 4. München: Max Hueber Verlag, 1985, S. 311.
27

Das Bild soll zum Ergänzen anregen (was könnte vorher passiert sein, wie könnte es
weitergehen) und für die Schüler interessant sein. Es könnte die Frage gestellt werden, wie an
einem Bild die Grammatik vermittelt oder geübt werden kann. Ich meine, dass es gut möglich
ist. Ein gut ausgewähltes Bild regt zur Kommunikation an und man kann dadurch
grammatische Phänomene üben, z. B. Konjunktiv, Konjunktionen, Präpositionen,
Vermutungen, Passiv, Vergangenheitsformen oder Modalverben.
Landeskundliche Texte und Bilder finden im Fremdsprachenunterricht erst mit dem
Einzug des interkulturellen Konzepts die Verwendung. Die Landeskunde wurde zuvor
unsystematisch getrieben, erst in achtziger Jahren standen möglichst objektive geographische,
historische, politische und kulturelle Fakten im Fordergrund. Es ist aber eine gezielte
Erweiterung von authentischen und aktuellen Texten im Fremdsprachenunterricht notwendig.
Nicht nur die Lehrer, aber auch die Lerner können an verschiedenen Stellen authentische
Texte erhalten, z. B. an Reisebüros, Touristikzentren, staatlichen Stellen, Firmen oder
Vereinen.
Landeskundliche Texte kann man nicht so leicht definieren, sie kreuzen sich sowohl
mit Gebrauchstexten, als auch mit literarischen Texten. Sie erfüllen das sog. Kriterium der
„doppelten Authentizität“, denn sie erhalten nicht nur die reale Kommunikationssituation,
sondern auch geschichtliche, kulturelle, politische und soziale Themen, die für das
Zielspracheland charakteristisch sind. (Landeskundliche Texte, siehe Anlage 2).

3.3 Literarische Texte

Mit dem Einzug des interkulturellen Konzepts in die Fremdsprachendidaktik gewann


auch die Verwendung literarischer Texte eine große Bedeutung. Sie wenden sich
28

normalerweise an Leser des eigenen Landes und widerspiegeln gesellschaftliche und soziale
Bedingungen des Landes, deshalb können wir sie als authentisch bezeichnen. Die Texte
können den Leser zu einem Dialog und einer bewussten Auseinandersetzung mit der
Zielkultur anregen und fördern. „In der Fremdheit des literarischen Textes liegt damit eine
Verstehenschance, die der Fremdsprachenunterricht nutzen sollte.“21
Es ist schade, dass literarische Texte aller Arten (Lyrik, Epik, Dramatik) im heutigen
Fremdsprachenunterricht nur wenig Platz finden. Zu den meist ausgesprochenen Argumente
gegen literarische Texte sind z. B.: kein Interesse der Schüler na Literatur, sie ist langweilig,
die Texte sind zu literarisch d. h. zu lebensfremd, sie sind sprachlich schwierig und nicht
gebrauchstätig, das Vokabular ist unnütz und die Literatur ermöglicht keine Kommunikation
im Klassenzimmer. Diese Argumente zeigen, dass die Diskussion über Integration der
literarischen Texte im Unterricht immer noch umstritten bleibt. Der Bedarf an inhaltsvollen
literarischen Texten, von denen sich Schüler intellektuell und emotional angesprochen fühlen,
ist aber eindeutig.
Literatur ist ein besonderer Ausdruck menschlicher Erfahrungen „eines Schriftstellers“
und die Schüler können dadurch relevante Themen und Probleme, die auch sie betreffen,
gewinnen. „Es sind die Verhaltensweisen von Menschen, ihre Lebensweise, das Subjekt-
Objekt-Verhältnis, menschliches Denken und Fühlen, Menschen in Bewährungssituationen,
die interessieren und bewegen.“22Die literarischen Texte sind ohne Zweifel authentisch, die
Realität wird jedoch ästhetisch vermittelt und damit wird das emotionale Element verstärkt.
Dagegen Sachtexte, die einen dokumentarischen Charakter haben, ermünden auf die Dauer;
die Phantasie, Kreativität der Schüler werden vor allem durch literarische Texte besonders
angeregt.
Man sollte bei der Auswahl der Texte auf die Alter und Sprachniveau der Schüler
achten. Im Grundschulbereich werden vor allem Reime und einfache Lieder, Kurze
Geschichten, Märchen, Fabeln, Sprüche oder Witze eingesetzt (siehe Anlage 3). Eine
Erweiterung der Literatur bieten auch die Massenmedien an, z. B. Hörspiele, Filme, Sketsche
oder Lieder. Die Songtexte bekannter deutscher Sänger und Gruppen ( Tokio Hotel, Juli
usw.) oder Liederübersetzungen der bekannten englischen Sänger aus dem Englischen ins
Deutsche (Pink, Christina Aguilera, Avril Lavigne usw.). Besonders Arbeit an Songtexten
finden Lerner sehr spannend und interessant, was ich aus eigener Erfahrung weiß. Solche

21
HEID, G. Aufbauwissen für den Fremdsprachenunterricht. Tübingen, 1997, S. 119.
22
LÖSCHMANN, M. Und immer wieder die Frage nach der Auswahl. Literarische Texte im
Fremdsprachenunterricht. In: Daf. 1986, S. 43.
29

Texte kann man vorwiegend im Internet, dessen Gebrauch im heutigen modernen


Fremdsprachenunterricht nicht fehlen kann, finden.
Wie auch andere authentische Texte, sollten die literarischen aktuell und interessant sein, sie
müssen zu einer Äußerung oder Diskussion über die Problematik des Themas provozieren.
Auch wenn literarische Texte besonders der Entwicklung des stillen Lesens dienen, kann die
Kommunikation nicht unterschätzt werden. Dabei festigen die Lerner nicht nur erworbene
lexikalische und grammatische Kenntnisse, sondern erweitern besonders auch ihren
Wortschatz. Der Einsatz literarischer Texte zur Behandlung grammatischer Strukturen und
ihrer Funktionen widerspricht nicht der Benutzung dieser Texte. Es wird ganz oft Brechts
Keuner- Geschichte „Wenn die Haifische Menschen wären“ zur Festigung des Konjunktivs
benutzt.
Dieses kurze Gedicht23 kann z. B. als Motivation zu dem Thema „Ferien“ empfohlen
werden und dabei kann zur Vermittlung von Präpositionen dienen.
DER SOMMER SAGT ADE
Zu Ende ist die Ferienzeit.
Der Sommer sagt ade.
Wie war es schön im weiten Land,
im grünen Wald, am gelben Strand,
am blauen Meer, am See.

Zur Übung der Stammformen starker Verben wird das folgende Lied24eingeführt werden:

23
IRIČANIN, G. Spielerisch lernen mit Kindern. In: Fremdsprache Deutsch. München: Verlag Klett Edition,
1990, S. 36.
24
BELKE, G. – LYPP, M. Poetische Texte im Zweitspracheunterricht der Primarstufe. In: Zielsprache Deutsch.
München: Max Hueber Verlag. Heft 3, 1987, S.32 -33.
30

Das Lied kann mehrfach gesungen werden und dann können die Lerner selber weitere
Strophen schreiben und die Tiere durch Personen (Mitschüler) ersetzen. In einer
anschließenden Übung könnten die Schüler die Infinitivformen bilden.
Anhand dieser zwei Beispiele wurde deutlich, dass auch literarische Texte in einem
grammatikbezogenen Unterricht viele Möglichkeiten bieten. Man darf aber bei der
Betrachtung der grammatischen Erscheinungen nicht bleiben, denn dann wäre der Sinn der
literarischen Texte – das Künstlerische, Ästhetische in den Unterricht zu bringen, zunichte.
„ Vielmehr muss die Betrachtung der Grammatik dem Verstehen und Interpretieren
untergeordnet werden, denn die Sprache hat im literarischen Text eine konstitutive Rolle, ist
sie doch am Aufbau der künstlerischen Modellierung der Wirklichkeit beteiligt.“25

25
LÖSCHMANN, M. Und immer wieder die Frage nach der Auswahl. Literarische Texte im
Fremdsprachenunterricht. In: Daf. 1986, S. 43.
31

4 GRAMMATIKÜBUNGEN AN AUTHENTISCHEN TEXTEN

In diesem Kapitel möchte ich praktische Übungen anhand authentischer Texte


anschaulich machen. Text und Grammatik sind eng verbunden und das Ziel der Grammatik
bedeutet nicht nur die Regeln auswendig zu lernen. Das Ziel der Grammatik im modernen
kommunikativ orientierten Fremdsprachenunterricht soll auf dem Erkennen und Behalten
von Formen, Strukturen und Funktionen sprachlicher Mittel beruhen. Sie sollen den Lernern
helfen, diese Formen und Strukturen besser zu verstehen und im Kontext zu nützen. Denn
Grammatik als Selbstzweck zu treiben, bringt nicht viel Nützliches in den
Grammatikunterricht. Die Grammatikkenntnisse sollten nicht isoliert, sondern integriert mit
kommunikativen Aufgaben kombiniert eingeübt werden. Man sollte nicht im
Grammatikunterricht auf die Kommunikation verzichten, denn sie dient vor allem zur
Festigung und Aktivierung grammatischer Kenntnisse. Um speziell das kommunikative oder
zumindest das kommunikativsähnliche Element im Grammatikunterricht zu verwirklichen,
müssen die Grammatikübungen aus dem Kontext kommen, denn manche Lerner verstehen die
32

grammatischen Erscheinungen erst aus dem Kontext eines Textes. Wenn der Text, an dem die
grammatischen Erscheinungen geübt werden, lebensnah und authentisch ist, kann der Lerner
die grammatischen Kenntnisse in dem Zielspracheland korrekt verwenden.
Im Fremdsprachenunterricht können anhand authentischer Texte folgende
Übungsformen eingesetzt werden:
 Erkennungsübungen – die grammatischen Erscheinungen oder lexikalische Einheiten
müssen im Text identifiziert werden
 Ordnungs-/Zuordnungsübungen – sie bestehen aus zwei oder mehreren Gruppen von
Texten oder Wörtern, die so zugeordnet werden müssen, dass sie zueinander korrekt
passen
 Erklärungsübungen (Definitionsübungen)
 Substitutionsübungen – ein sprachliches Mittel wird durch ein anderes ersetzt
 Komplementationsübungen – sprachliche Einheiten (Wörter, Reihen, Sätze oder Texte)
werden ergänzt (Lückentexte)
 Expansionsübungen – sprachliche Einheiten (Wörter, Reihen, Sätze, Texte) werden
erweitert
 Transformationsübungen – eine oder mehrere morphosyntaktische Einheiten eines
Textes werden von einer Form in eine andere überführt (vom Aktiv ins Passiv, von der
Gegenwart in die Vergangenheit, von der direkten in die indirekte Rede usw.)
 Formationsübungen – nach vorgegebenen Wörtern werden Sätze oder Texte gebildet
 Übersetzungen ( von der Muttersprache ins Deutsche, vom Deutschen in die
Muttersprache)
 Reproduktion und Nachspielen von Dialogen

4.1 Konkrete Beispiele der Übungen an authentischen Texten

Die in diesem Kapitel vorgestellten Übungen sind für Fortgeschrittenunterricht


gemeint. Für die Schüler ab der fünften Klasse sollte der Umgang mit authentischen Texten
nichts Neues sein. Im folgenden verdeutliche ich an authentischen Texten, in welcher Weise
Grammatik in der aktiven Auseinandersetzung mit authentischen Texten und insbesondere bei
der eigenen Textproduktion eine Rolle spielt. Die Möglichkeiten zum Einsatz authentischer
Texte im kommunikativen Grammatikunterricht sind unerschöpflich. Wie die Grammatik
33

behandelt wird, hängt von der Aufgabenstellung, von der Textauswahl und von den
Vorkenntnissen der Schüller ab. Diese Beispiele können Anregungen für den
Grammatikunterricht geben.

1)

Frankfurter Allgemeine, 8. 12. 2002.

Schüler sollen, nachdem sie mit Hilfe der W-Fragen (wer, was, wann, wo, wie, warum?) die
wichtigsten Fakten herausgefunden haben, die Ereignisse mündlich wiedergeben:
Stellen Sie sich vor, Sie haben diesen Zeitungsartikel gelesen und wollen nun ihn einem
Freund erzählen. Was sagen Sie?
Der Dialog kann so anfangen:
Hast du das heute in der Zeitung gelesen?
Die Schüler sollen den Text ins Perfekt der gesprochenen Sprache überführen. Der Vergleich
zwischen dem Zeitungstext und dem mündlichen Bericht könnte zu Überlegungen zum
34

Gebrauch der Vergangenheitsformen führen. Es können auch weitere grammatische


Überlegungen auftreten, z. B. trennbare und untrennbare Verben oder Hilfsverben haben/sein.

2)

Young Miss 12/2002.

Bei der aktiven Auseinandersetzung mit authentischen Texten wird oft Reaktion der
Lerner auf Behauptungen herausgefordert. Die Lerner sollen ihre Meinung zum Gelesenen
ausdrücken und begründen. Es soll zu einer Diskussion kommen. Dabei kann man gut die
Wortstellung im Nebensatz (weil, dass, aber) üben:

Ich finde …gut/ schlecht, weil…


Einerseits…, andererseits …
Ich bin dafür /dagegen, weil…
Man darf nicht vergessen, dass
Ich denke, finde, meine, glaube, dass…
35

Ein Vorteil /Nachteil ist, dass …


Das kann ich nicht verstehen, aber…
Da magst du recht haben, aber…
Meiner Meinung nach…

3)

Frankfurter Allgemeine, 5.3. 1992.

In der geschriebenen Sprache, vor allem in Zeitungen und Radionachrichten kommt häufig
der Konjunktiv I zur Kennzeichnung der indirekten Rede vor. In der folgenden Übung geht
es um das Erkennen der indirekten Rede. Im ersten Schritt werden die Merkmale der
indirekten Rede anhand eines vereinfachten Zitats aus einem Zeitungsartikel mit der
Textversion in der direkten Rede verglichen und erklärt. Dazu wird eine Tabelle mit den
wichtigsten Verbformen in der 3. Person im Indikativ und Konjunktiv I vorgegeben (haben,
sein, können, werden…). Die Lerner sollen dann die indirekte Rede in die direkte umformen.
36

4)

WERR, CH. Literatur zum Anfassen. München: Hueber, 1987, S. 89.

Dieses kurze Gedicht von Reinhard Jung kann die Schüler nicht nur emotional ansprechen,
sondern kann an ihm auch die Grammatik geübt werden (Präteritum, Konjunktiv). Die
Übungen könnten so gestellt werden:

a) Übersetzen Sie das Gedicht in Ihre Muttersprache. Imitieren Sie Rhythmus, Klang und Stil.
b) Versuchen Sie, im Stil von R. Jung fortzufahren:
Ich wollte …(Akkusativ)
und bekam … (Akkusativ)
37

c) Beantworten Sie folgende Fragen und führen Sie eine Diskussion: Welche Wünsche hatten
Sie früher? Welche Wünsche sind in Erfüllung gegangen, welche nicht? Was würden Sie
heute wünschen? ( ich würde…)

5)

WERR, CH. Ebd. S. 91. u. 13.

Diese zwei Gedichte von Eugen Gomringer und Ernst Jandl bestehen aus Relativsätzen.
Mögliche Übungen für Lerner:

Sie können wie in diesem Gedicht eine bestimmte Situation, einen Lebensabschnitt, einen
Lebensbereich beschreiben. Dabei können Sie die Relativsätze üben. Versuchen es mit:
Schule, Arbeit, Heimat, Freunde usw.(das erste Gedicht).
Versuchen Sie , das Gedicht fortzusetzen (das zweite Gedicht), schreiben Sie, was Blumen,
Autos.. machen, z. B. :
- Blumen blühen - Flüsse fließen
38

- Hunde bellen - Kinder spielen


- Löwen brüllen - Menschen lieben
- Uhren gehen - Sterne leuchten
- Leute lachen
Formen Sie die Relativsätze in Partizip Präsens als Adjektivattribut um,
z. B.: singende Vögel, klingende Glocken…

6)

WERR, CH. Ebd. S. 86.

In diesem Gedicht von Rudolf Otto Wiemer verbirgt sich eine Biographie. Man kann
feststellen, dass sich hinter den Partizipformen ein Perfekt (Aktiv) oder ein Passiv verbirgt.
(ich habe gezeugt oder ich wurde gezeugt?)
Übungen:

a) Übertragen Sie das Gedicht ins Präsens.


b) Versuchen Sie zuerst einen kürzeren Zeitabschnitt nach der Art dieses Gedichts zu
schreiben:
- einen Tageslauf
- einen Schultag
- eine Deutschstunde
Dabei Können Sie auch andere Wortarten zusammen mit Partizip II Formen nehmen, z. B.
Bücher geöffnet – Texte gelesen – Pause gemacht.
c) Versuchen Sie Ihre eigene Biographie in dieser Art darzustellen.
39

7)

Mit jedem Stadtplan kann man folgende Übungen durchführen:


1. Wo ist die Neue Universität?
das Theaterwerkstatt?
das Schloss?
der Parkplatz?
die Uni-Bibliothek?
40

das Völkerkundemuseum?
Deutsches Apothekenmuseum?
die Bergbahn
In der … straße, am … platz/markt , neben, entlang
2. Wohin gehen wir? In die Neue Universität.
Ins Völkerkundemuseum…

Diese konkrete Übung soll die Präpositionen mit Dativ und Akkusativ üben.

8)

Yoy, März 2003.


41

Die Aufgabe dieser Zuordnungsübung ist klar. Die kurzen Texte 1 – 8 sollen zu den Bildern A
– H zugeordnet werden. Nach der Lösung dieser Übung kann man Modalverben üben. Die
Übung kann so aussehen:
Sagen Sie, was alles die Eltern mit Kindern machen können, müssen oder sollen, z. B. die
Eltern müssen die Kinder schützen, sich um sie kümmern, ernähern, füttern, umwickeln…, die
Eltern können mit Kindern einkaufen fahren, Spaziergang machen, auf Urlaub fahren…, die
Eltern sollen auf die Kinder aufpassen, mit ihnen viel Zeit verbringen, nicht sie fernsehen
lassen.

9)
42

Anhand dieses authentischen Materials kann ein Dialog, in dem die Präpositionen „am“,
„nach“, „um“ und „in“ geübt werden, geführt werden.
Z. B.: Ich muss am Sonntag nach…fahren.
Wann kann ich fahren?
Um…

Herr Müller muss am Montag um… in… sein.


Wann kann er fahren? Um … oder um….
10)
43

Body Soul, Februar 2003.

Die Kochrezepte dienen nicht nur zur Zubereitung der Gerichte, sondern auch zur Übung
grammatischer Erscheinungen. In Rezepten treten oft die Verben in der Infinitivform auf, was
man zu weiteren Übungen gebrauchen kann, wie z. B.:
a)Unterstreichen Sie alle Verben in der Infinitivform und bilden Sie Imperativ:
Kartoffeln schälen – schälen Sie Kartoffeln
- schält Kartoffeln
- schäl(e) Kartoffeln

b) Schreiben Sie Ihr eigenes Kochrezept Ihrer Lieblingsspeise und stellen Sie es in der
Klasse vor.

11)
44

Fast jedes Bild kann als Anlass zur Kommunikation dienen, auch wenn nicht jedes
Grammatikthema so eindeutig in einem Bild „verpackt“ wird. An diesem Beispiel können die
Lerner z. B. Konjunktiv üben:
Was könnten diese zwei Bilder gemeinsam haben?
Was würden Sie gerade machen, wenn Sie ein Baby oder eine alte Oma wären?
Möchten Sie Ihr Leben noch einmal von Anfang an leben? Was hätten Sie anders gemacht?
Usw.
45

12)

SCHUMANN, J. Mittelstufe Deutsch. München: Hueber, 1998, S. 93.


Die Aufgabe zu diesem Text ist klar, erkennen und unterstreichen der Verbformen im
Konjunktiv II. Danach kann das „Konjunktiv – Quiz“ folgen
(Schumann, J. Ebd. S. 95.)
Konjunktiv – Quiz
1. Der Konjunktiv I wird benutzt bei 4. Wie heißt die 2. Person Plural im
a) indirekter Rede Konjunktiv I des Verbs „sein“?
b) Wunschsätzen a) ihr seit
c) Bedingungsätzen b) ihr seid
2. Der Konjunktiv I hat unregelmäßige c) ihr seiet
Endungen beim Verb 5. Welche dieser Verben finden Sie im
a) haben Konj. II auch in der Umgangsprache?
b) sein a) er ginge, er wüsste, er käme, er blie-
c) werden be, er hätte, er wäre
3. Die Endungen sind bei der Bildung von b) er spränge, er sänge, er würfe, er
Konjunktiv I und Konjunktiv II stürbe, er hinge
a) ähnlich, c) er schritte, er äße, er büke, er stünde,
46

b) gleich c) verschieden

13)

Auch ein Kinoprogramm kann zur Übung grammatischer Erscheinungen dienen:


Lesen Sie die kurzen Inhalte der Filme und sagen Sie, welchen Film Sie sich gern, lieber
oder am liebsten ansehen möchten oder welchen Film Sie gut, besser oder am besten finden
und begründen Sie, warum:
a)Ich möchte am liebsten den Film 8 Mile sehen, weil…(denn…)
b) Ich finde den Film Star Trek am besten, weil…
Sie können auch andere Adjektive im Dialog benutzen und die Steigerung der Adjektive üben,
z. B. interessant, schön, spannend, langweilig…
Nach der Kinoübersicht können Sie sich mit Ihrem Gesprächspartner verabreden, zusammen
ins Kino zu gehen.
47

Diese Beispiele können nur eine Anregung geben, wie man im Grammatikunterricht
mit authentischen Texten arbeiten kann. Es gibt viele Möglichkeiten, was alles man mit
einem authentischen Text machen kann und es ist klar, dass ich nicht alle Varianten erschöpft
habe. Es hängt nur von der Kreativität und der Phantasie des Lehrers, wie sie mit den
Texten und deren Übungen im Grammatikunterricht umgehen.
Auch wenn der authentische Text zur Behandlung grammatischer Erscheinungen
dient, was ich in diesem Kapitel gezeigt habe, können wir nicht vergessen, dass der Text
vorwiegend zur Kommunikation anregen soll, wobei die Kommunikation selbst zur
Festigung der grammatischen Erscheinungen führt.

ZUSAMMENFASSUNG
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Wie kann ein authentischer Text im Fremdsprachenunterricht Hilfe leisten, hat ein
Text überhaupt mit Grammatik etwas zu tun oder braucht man noch im heutigen
kommunikativ orientierten Unterricht die Grammatikregeln zu büffeln? Diese Fragen wollte
ich in meiner Arbeit beantworten.
Aus der vorliegenden Arbeit ergibt sich, dass sich Grammatik und Text nicht trennen
lassen. Ein Text besteht doch aus vielen grammatischen Erscheinungen, die die Lerner mit
Hilfe des Lehrers selbst entdecken können. Grammatikregeln aus dem Kontext ausgerissen,
die nur auswendig gelernt werden, isoliert, ohne Authentizität und ohne
Kommunikationsmöglichkeit, die die Lerner in die möglichen zukünftigen Rollen im
Zielsprachenland vorbereiten, halte ich nur für „leblose Regeln“, die die Lerner eher quälen
als ihnen helfen. Ohne Zweifel spielen die Grammatikregeln eine dienende Rolle im
Fremdsprachenunterricht, ohne sie könnten wir die Fremdsprache nicht verstehen und lernen.
Diese leblosen Regeln können aber in authentischen Texten „lebendig“ werden. Es ist
wichtig, wie sie vermittelt und geübt werden.
Die gut ausgewählten authentischen Texte können die Vielfalt und die Abwechslung
in dem Fremdsprachenunterricht hineinbringen. An solchen Texten kann die Grammatik
vermittelt, geübt und gefestigt werden, wobei diese authentischen Informationen die Lerner
zur Kommunikation anregen und damit sehr motivierend auf sie wirken können. Ich meine,
dass die Lerner diese textbezogene Grammatik interessanter empfinden. Sie müssen selbst
entdecken, dass nicht nur durch das Lernen der Regeln, sondern auch durch Lesen, Hören,
Schreiben und vor allem Sprechen die Grammatik geübt und gefestigt werden kann.
Der Hauptzweck des Fremdsprachenunterrichts ist vorwiegend die Beherrschung der
sprachlichen Fertigkeiten und nicht nur die alleine Grammatikvermittlung. Daraus folgt, dass
sich der Fremdsprachenerwerb nicht nur auf die Vermittlung und Beherrschung der
Grammatik beschränken sollte.
Mit der vorliegenden Arbeit wollte ich zeigen, dass das Fremdsprachenlernen auch
anders gemacht werden kann, auch wenn es bis jetzt für die Arbeit mit den authentischen
Texten keine eindeutige Didaktik gibt. Deshalb liegt es vor allem an dem einzelnen Lehrer,
wie er mit den authentischen Texten im Fremdsprachenunterricht umgeht und ob der Einsatz
von authentischen Texten im heutigen modernen Unterricht eine Zukunft hat.
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RESUMÉ
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Cílem této práce je ukázat, jak mohou autentické texty ve výuce německého jazyka
přispět k osvojení si lexikálních a gramatických struktur. Autentické texty jsou v dnešní
výuce cizího jazyka nepostradatelnou součástí, to však nebylo v dřívější době samozřejmostí a
proto bylo nutné se ohlédnout do historie vyučování s ohlédnutím na využití autentických
textů.
Mohlo by se zdát, že ne všechny autentické texty jsou vhodné pro vyučování cizího
jazyka, podle mého názoru mohou být využity všechny texty (musí samozřejmě odpovídat
vědomostem a zájmům žáků), záleží však na tom, jak se s nimi pracuje.
Autentické texty vnáší do vyučování „opravdové“ informace, názory a zkušenosti,
které jsou charakteristické pro danou zemi. Tyto texty neodtrhují žáky od běžného života a
tím tak vzbudí žákovu větší pozornost a motivují ho ke komunikaci.
Podle mého názoru má hodina německého jazyka žáka spíše připravit na možné
setkání se s autentickým životem v cílové zemi, jejíž řeč se učí, než bazírovat na znalostech
gramatických pravidel. Tyto autentické informace může žák získat jedině z autentických
materiálů a ne z uměle vytvořených textů, kterým jde jen o zprostředkování gramatického
jevu. Porovnala jsem autentické a syntetické texty a dospěla jsem k názoru, že čím víc žák
cítí v textu odlišnost od reálného života v cílové zemi, tím menší má motivaci se učit a
naučenou látku si zapamatovat.
Myslím si, a to je také hlavní myšlenka této práce, že se může stát učení spojené
s autentickými texty zábavnou, zajímavou a hlavně přínosnou součástí výuky německého
jazyka.
Využití autentických textů ve vyučování německého jazyka však ještě není
samozřejmostí a zatím neexistuje jednotná didaktika pro práci s autentickými texty, proto
záleží na každém učiteli cizího jazyka, jak se k práci s texty ve vyučování postaví.

LITERATURVERZEICHNIS

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Weitere Zeitschriften und Zeitungen:


Body Soul, 2/2003.
Frankfurter Allgemeine, 2002.
Hurra!2000.
Freundschaft, 1997.
Young Miss, 11/2002.
53

Yoy 3/2003.