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Eugen Gabowitsch

Der geniale Schöpfer der modernen


Chronologie: Joseph Justus Scaliger
(Teil 3)
(Übersetzung aus dem Russischen von Sören Kliem)
Chronologiekonstrukteur der verlorenen Texte von Eusebius er-
Scaliger fasst hatte. Er beklagt sich darüber, dass
Bernays begrenzt seine kritischen der Text von Scaliger in seiner Form so
Bemerkungen an die Adresse der „Kor- an ein antikes Werk erinnert, dass beim
rektur“ auf Vorwürfe, die beim Le- Leser, ungeachtet der zahlreichen ge-
ser auftauchen können. Die Ziele und genteiligen Beteuerungen Scaligers, der
Neigungen des Wissenschaftlers, so Eindruck entstehen konnte, dass Scali-
schreibt er, veranlassten Scaliger, oft ger hier einen aufgefundenen antiken
zu vergessen, dass diese den Wunsch Text als seinen eigenen ausgibt.
hatten, ein solches Buch als Lehrbuch Für Bernays ist dieses Werk ein Sei-
der Chronologie und als Nachschlage- tenhieb in Richtung der italienischen
werk, und nicht als wissenschaftliche Humanisten, die dem raff inierten
Abhandlung zu verwenden (S. 100). Stil von Cicero allzu großen Glauben
Über das zweite Buch Scaligers zur schenkten und so verschiedenen Ge-
Chronologie schreibt Wainstein folgen- schichtsfälschern auf den Leim gingen.
des (S. 377): An anderer Stelle spricht er darüber,
„Scaliger, der sich in Holland, wo er dass Scaliger das Latein erneuert hat,
den Posten eines Professors der Uni- indem er den viele Nachahmungen
versität in Leiden inne hatte und sich Dieses Bild zeigt Scaliger als einen relativ jungen hervorrufenden Stil von Cicero über-
durch die moralische und materielle Mann. wand. Zeitgenossen und Vorgängern
Unterstützung der bürgerlichen Re- auf die Sprünge helfen, das kann und
gierung völlig sicher fühlte, lud sich im loren gegangenen Originals der ‚Chro- muss man natürlich. Eine Sprache zu
Alter eine neue ungeheuer große Arbeit nik‘ von Eusebius nach der ungenauen verbessern, die angeblich schon 2000
auf - ‚Hort der Zeit‘ (‚Thesaurus tem- Übersetzung von Hieronymus und zur Jahre alt ist, dazu ist jeder Scaliger
porum‘, 1606), das entsprechend der Überprüfung der darin enthaltenen einfach verpfl ichtet, aber wie daraus
Absicht des Autors, streng überprüftes historischen Daten angewandt.“ die Schlussfolgerung von Bernays folgt,
Daten- und Faktenmaterial für die Ich möchte hier nur hervorheben, dass Scaliger mit seiner „Olympischen
Schaffung einer ‚wirklich wissenschaft- dass unter den Herrscherlisten sol- Liste“ eine absolut wahre Darlegung
lichen‘ Weltgeschichte liefern sollte. che wie die von Mazedonien, Attika der Geschichte, die völlig frei von ir-
Hier werden Systeme der Zählung und Peloponnes und auch zahlreicher gendwelchen Fälschungen ist, geschaf-
der Zeit eingeführt, die bei allen im kleinerer „altgriechischer“ Stadtstaa- fen hat, bleibt mir, ehrlich gesagt,
16. Jahrhundert bekannten Völkern ten waren, die Scaliger aus dem von völlig unklar.
(z. B. bei den mexikanischen India- seinem Freund Casaubon „gefunde- Über den zweiten Teil des „Hortes“
nern, bei den Völkern Ostasiens, u. nen“ antiken Manuskript übernahm schreibt Bernays, dass Scaliger bei der
a.) Anwendung fanden, wobei die (siehe dazu weiter unten). Diese Daten darin dargestellten Rekonstruktion des
chronologischen Daten dem Autor erlaubten ihm, die durch ihn früher Eusebius sehr große Fehler unterliefen,
‚nicht nur einfach zur Anordnung his- nach dem Verzeichnis von Manetho deren ganzes Ausmaß man erst im
torischer Fakten‘ dienten, sondern auch erstellten Dynastietabellen wenigstens 19. Jahrhundert erkannte, als die auf
als Material für die Geschichte antiker mit irgendeinem historischen Inhalt zu armenisch erhalten gebliebenen Werke
Kulturen. Scaliger zeigte in seinem füllen, da der „Fund“ von Casaubon von Eusebius übersetzt wurden. Diesen
letzten Werk, dass man mit Hilfe der auch „Informationen“ über assyrische, Teil des Buches bezeichnet Bernays
Untersuchung chronologischer Systeme altjüdische, persische und römische als absolut unannehmbar. Aber die
verloren gegangene historische Fakten Herrscher enthielt. Kommentare zu Eusebius schätzt er
wiederherstellen kann. Die Chrono- Bernays schreibt in diesem Zusam- weiterhin sehr hoch ein, hat doch Sca-
logie verwandelte sich in den Händen menhang (S. 97), dass dieser Teil seiner liger in ihnen zahlreiche chronologi-
des Forschers in eine ‚historische Heu- Arbeiten unter der allgemeinen Über- sche Korrekturen vorgenommen. Ob
ristik‘. Selbstredend ist diese Methode schrift „Olympische Liste“, benannt man nach all dem Eusebius weiterhin
nur für die Perioden der Geschichte des nach einer von Casaubon zur Verfügung als Quelle bezeichnen kann, ist schon
Altertums von Bedeutung, über die nur gestellten Liste, bekannt ist. Weiterhin eine ganz andere Frage. Im zweiten
wenige Informationen vorliegen. Mit führt er aus, dass sie aus der schöpferi- Teil bringt Scaliger auch eine stark
großem Erfolg wurde sie von Scaliger schen Stimmung entstand, die Scaliger überarbeitete Variante der „Korrektur“,
auch auf die Wiederherstellung des ver- seit seiner divinatorischen Bearbeitung die durch ihn endlich in ein Lehrbuch
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Scaliger
dann, wenn ihm klar war, dass es sich dessen Buch Scaliger für seine astro-
um eine Fälschung handelte. Bei seiner nomischen Berechnungen und Unter-
Bildung kostete es ihn nichts, seine we- suchungen nutzte, wird auf 23 Seiten
niger gebildeten Zeitgenossen davon zu erwähnt.
überzeugen, dass die eine oder andere Die ganze Zeit verweist Grafton auf
Fälschung überhaupt keine Fälschung den veröffentlichten Briefwechsel von
ist, sondern ein fast wahrheitsgetreues Scaliger mit seinem Freund Casaubon
Abbild der Vergangenheit. Und wenn und auf die Diskussionen, die sie mit-
er schon seine Zeitgenossen überzeugt einander führten. Natürlich waren sie
hat, dann kostet es auch nichts, sich nicht immer in allen Einzelheiten einer
selbst davon zu überzeugen, dass er die Meinung, aber Casaubon erlaubte sich
wahrscheinlichste Lösung des Problems, nie, Scaliger ernsthaft zu kritisieren,
wie man chronologische Löcher flickt, und wenn er es tat, dann in äußerst
gefunden hat. höf licher Form. So schreibt Grafton
z. B. auf S. 306 über die Reaktion von
Mein ergebener Freund Casaubon, der damals noch in Mont-
Isaac Casaubon pellier wohnte, auf die zweite Ausga-
Isaak Casaubon wird im zweiten be der „Korrektur der Chronologie“
Buch von Grafton auf 54 verschiedenen im Jahr 1598. Casaubon bringt seine
Scaliger in älteren Jahren.
Seiten erwähnt, öfter als jeder beliebige Verwunderung über das Fehlen der
antike Autor, deren Daten Scaliger in Begründung für eine der Herrscherlis-
und Nachschlagewerk für Historiker seine chronologischen Bücher aufnahm, ten zum Ausdruck und charakterisiert
umgewandelt wurde, die sich nicht mit oder einer seiner Zeitgenossen. Zum diese Stelle im Buch als divinatorisch,
solchen langweiligen Sachen (genau Vergleich nennen wir die entsprechen- d. h. erstellt aus Vermutungen ohne
– E. G.) wie Nachdenken und Erörtern den Zahlen für Berossos (gr. Berosos, Begründung und echtes Wissen.
herumschlagen wollten: Los, her mit lat. Berossus, Berosus) -33, Censorin Das Wort „lügt“ hat Casaubon in
dem Ergebnis in Form chronologischer (lat. Censorinus) -48, Cicero -23 (plus diesem Zusammenhang nicht verwen-
Tabellen, und basta. zweimal Pseudo-Cicero), Diodorus det, obwohl Scaliger sich hier sehr stark
Im zweiten Buch von Grafton trifft Sikul -19, Dionysios von Halikarnassos an Berossos orientiert, den Casaubon
man oft die Beschreibung darüber, -20, Eratosthenes -22, Eusebius -36, später als Fälschung entlarvt. Nebenbei
auf welche Art und Weise Scaliger Flavius Josephus -30, Plinius der Ältere gesagt, die divinatorischen Fähigkei-
entschieden hat, ob der eine oder an- -12 und Plutarch -39. Das sind die, die ten von Scaliger erwähnt Casaubon
dere Text glaubwürdig ist, ob man am häufigsten von Scaliger verwendet nicht nur einmal und nicht immer als
chronologische Informationen aus wurden. versteckte Kritik, teilweise auch als
ihm übernehmen kann. Teilweise gibt Der antike Autor Censorin zählt zu Ausdruck echter Bewunderung, so z.
er ehrlich zu, dass er nicht weiß, auf den reichsten Quellen astronomischer, B. über die Seiten der „Korrektur der
welcher Grundlage – teilweise in völ- kalendarischer und historischer Infor- Chronologie“, auf denen Scaliger die
ligem Widerspruch zu seinen eigenen mationen (Scaliger las seine Bücher Einzelheiten des abessinischen Kalen-
Prinzipien der Quellenkritik - Scaliger in der Ausgabe, die angeblich 1568 ders rekonstruiert.
entschieden hat, die Listen von Herr- erschien, wobei er seit 1497 mehrfach Auf S. 311 schreibt Grafton: „Nicht
schern und ihren Regierungszeiten, an in verschiedenen verbesserten Auflagen alle Argumente von Scaliger waren gleich
denen er selbst anfänglich zweifelte, zu neu herausgegeben wurde: Die Klassiker gut“ und erzählt darüber, dass Casau-
übernehmen. Grafton ist der Meinung, muss man doch von Zeit zu Zeit verbes- bon, den dieser den sympathischsten
dass Scaliger seine Entscheidungen sern und in Übereinstimmung mit den seiner Zeitgenossen nannte, mit ei-
nicht immer logisch fällte, sondern neuesten Erkenntnissen bringen!). nigen etymologischen Begründun-
intuitiv auf der Basis seiner reichen Diodorus hält man für einen anti- gen und linguistischen Argumenten
Erfahrung in der Arbeit mit Fälschun- ken Historiker, der im -1. Jahrhundert Scaligers nicht einverstanden war.
gen und der Kenntnis der Techniken, auf Sizilien und in Rom lebte und der Nebenbei gesagt nahm Scaliger, der
derer sich Erf inder von Geschichte eine Weltgeschichte in 40 Büchern auf Kritik äußerst empfindlich rea-
bedienten, und der Fehler, die ihnen verfasst hat. Aus dieser „Bibliothek“ gierte, diese von Casaubon ruhig an
dabei unterliefen. Oft trifft man bei haben sich 15 Bücher bis in die heutige und folgte nicht selten seinem Rat, als
Grafton auf die Wendung „Scaliger sah Zeit erhalten (mit den Nummern 1 - 5 er die zweite Ausgabe der „Korrektur“
etwas als die wahrscheinlichste Lösung und 11 - 20). Eine Vorstellung über die vorbereitete.
des betrachteten Problems an“. anderen geben uns erhalten gebliebene Einer der bekanntesten Fälle der
Ich wiederum denke, dass unter „der Fragmente. Es wird gesagt, dass er ein fruchtbaren Zusammenarbeit von
größten Wahrscheinlichkeit“ das Stre- unkritischer Sammler gewesen sei und Scaliger und Casaubon hängt mit der
ben Scaligers danach zu verstehen ist, sich nur dadurch auszeichnete, dass „Entdeckung“ der Liste der antiken
die weißen Flecken im Vergangenheits- er antike historische Angaben für die Herrscher, die mit den griechischen
modell, die auf Grund der künstlich ver- Zukunft erhalten habe. Olympiaden verbunden ist, durch letz-
längerten Geschichte entstanden sind, Ein anderer Zeitgenosse, der Profes- teren zusammen. Scaliger war der Mei-
zu entfernen. Alles, was diesem Ziel sor der Mathematik und Astronomie nung, dass solch eine Liste Bestandteil
nützte, wurde auch verwendet, selbst der Jenaer Universität Raul Crusius, des nicht erhalten gebliebenen Teils der
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Scaliger
Arbeiten von Eusebius sein müsste, an Version schenkt. Bernays unterstreicht,
dessen „Rekonstruktion“ er so lange dass Scaliger dies auch früher getan
arbeitete. Aber in seiner „Korrektur der hat, so z. B. bei der Herausgabe der
Chronologie“ sah er sich gezwungen, Arbeiten eines gewissen Sinzellius.
nur Vermutungen über die Existenz Aber es ist auch wahr, dass Bernays das
dieser Liste in der Antike und den In- Vorhandensein von groben Fehlern bei
halt derselben anzustellen. Diese wert- Scaliger zugibt, die jedoch nach seiner
vollen zielführenden Hinweise wurden Meinung auf das Konto des Schreibge-
von Casaubon als Bedienungsanleitung hilfen gingen.
aufgefasst, und er verbrachte viel Zeit Seinen Fund nannte Casaubon
damit, selbst kleinsten Hinweisen „Ausgewählte Abschnitte“. Darin folg-
über Herrscher, deren Lebenszeit in te er dem Beispiel Scaligers, der kurz
die Epoche der Zeitzählung nach den zuvor als Anlage zu seinem „Hort der
Olympiaden fiel, nachzuspüren. Zeit“ einen gewissen Idacius veröffent-
lichte, der angeblich Ergänzungen zu
Eine sensationelle „Entdeckung“ Eusebius verfasst hatte. Dabei nutzte
Das Resultat dieser Arbeiten war er ein durch Friedrich Lindenborg
ein aus mehreren Teilen bestehen- erstelltes Verzeichnis, das angeblich
des langes Verzeichnis, das Casaubon eine Kopie eines Kodexes, zu dem auch
Scaligers „Cronicorum“
angeblich in der Königlichen Pariser der Text von Idacius gehört, sein soll.
Bibliothek gefunden hat (Es lag dort Schon nach dem Tod von Scaliger gab
seit der Antike vor sich hin, legte sich der französische Jesuit Sirmond eine
selbst lange vor der Gründung der Bi- vervollständigte Variante des Textes
bliothek auf ein Regal, und als Scaliger von Idacius heraus. In die Neuausgabe
es brauchte, da stach es ungeachtet der des „Hortes der Zeit“ im Jahr 1629
dicken Schicht nachantiken Staubes wurde die Variante von Sirmond auf-
seinem besten Freund ins Auge!): genommen.
• Verzeichnis der griechischen Herr- Bernays bringt nicht wenige Bei-
scher dieser Zeit, spiele der Veröffentlichung verschie-
• Verzeichnis der nichtgriechischen dener anderer antiker und byzanti-
antiken Herrscher, nischer Chronologen durch Scaliger.
Lassen wir ihm die Begeisterung über
• Verzeichnis aller Sieger der Olympia-
diese gigantische Arbeit, erlauben uns
den bis zur 249.
aber, daran zu zweifeln, dass all diese
• Ein umfangreiches Zitat des Philoso- zahlreichen Werke über Jahrhunderte
phen Porfirius über die Zeit der Di- und Jahrtausende erhalten geblieben
adochen (erstes Herrschergeschlecht und zum geeigneten Zeitpunkt in die
nach Alexander dem Großen, denen Hände ihres Redakteurs, Korrektors
die so genannten Epigonen folgten) und Verlegers Scaliger fielen. Wenn
Interessa nt ist, da ss ungefä hr man seine divinatorischen Fähigkeiten
200 Jahre lang niemand diese Hand- und Neigungen in Betracht zieht, ist es
schrift (Bernays nennt sie den Ge- dann nicht natürlicher anzunehmen, ten. Scaliger schaffte es, diese Listen als
mischten Kodex oder ganz einfach dass Scaliger – zumindest in einigen Anhang zu seinem „Hort der Zeit“ auf
Sammelsurium) in der Pariser Bibli- Fällen – diese Werke an Stelle der 24 Blättern zu veröffentlichen.
othek finden konnte, bis dies in der antiken und byzantinischen Autoren, Doch kehren wir zu der von Ca-
Mitte des 19. Jahrhunderts einem Eng- die dies in ihrer Zeit nicht geschafft saubon gefundenen Liste zurück. Mit
länder namens Kramer gelang. Bernays hatten, einfach selbst geschrieben und den Herrschern – habe sie Gott selig
schreibt, dass Kramer sehr vorsichtig dabei irgendwelche Fragmente verwen- – werde ich mich nicht beschäftigen,
davon sprach, fast wie über eine Vermu- det hat, die andere schon vor ihm für sie haben wahrscheinlich nur eine klei-
tung, dass der Kodex echt sein könnte. verschiedene Zwecke verfasst hatten. ne Spur in der Geschichte hinterlassen,
Es ist natürlich klar, dass das Papier seit Casaubon informierte Scaliger über wenn man ihre Liste schon in der Kö-
dem Beginn des 17. Jahrhunderts Zeit seine „Entdeckung“ kurz bevor dieser niglichen Bibliothek im Frankreich des
hatte zu vergilben. Kramer schreibt sein zweites chronologisches Buch 17. Jahrhunderts suchen muss. Aber
weiter, dass die Veröffentlichung von vollendete. Scaliger war außer sich vor die Liste mit den Siegern der Olym-
Scaliger nicht gewissenhaft genug Freude, dass sein Plan langsam Wirk- piaden interessiert mich (eine Tradi-
war, aber diese Einschätzung wird von lichkeit wurde und verlangte, dass ihm tion, die sich 1000 Jahre gehalten hat:
Bernays als ungelenke Formulierung schnellstens Kopien zugesandt wur- 1000 Jahre ist eine sehr lange Zeit!)
abgetan. Bernays ist der Meinung, den, was auch getan wurde. Casaubon und ich begann alles zu lesen, was ich
dass Scaliger einfach eine ganze Menge schrieb, dass er auf einen Codex gesto- über die antiken olympischen Spiele
Verbesserungen vorgenommen hat, ßen war, der griechischen Text ohne in die Finger bekam. Nirgends fand
ohne der Welt in aller Bescheidenheit Titelblatt und ohne Anfang enthielt, ich ein Wort über diese Liste. Meist
zu sagen, dass er ihr eine verbesserte darin enthalten die drei genannten Lis- werden einzelne Namen der bekann-
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Scaliger
an den besten Freund der Schüler und
Studenten – das Internet. Mit den
Schlüsselwörtern „Antike Olympi-
aden Sieger“ fand ich 123 Verweise
auf unterschiedliches Material, aber
in keinem wurde Casaubon erwähnt.
Neun Seiten waren den Siegerlisten
gewidmet, aber über unsere großen
Chronologen enthielten sie kein Wort.
Dafür erfuhr ich – sowohl aus dem In-
ternet als auch aus den Büchern – dass
sogar das Datum der ersten Spiele (an-
geblich -776) nicht sehr verlässlich ist,
es wurde mit einigen Zweifeln aus der
Siegerliste, die Hippius aus Ellis angeb-
lich um -400 erstellt hat, rekonstruiert.
Es erweist sich, dass die Historiker
vermuten, dass die olympischen Spiele
schon hunderte von Jahren vor den
ersten Spielen durchgeführt wurden.
Sie schreiben sogar Genossen Herakles
den Siegerkranz für deren Erfi ndung
zu. Nur weiß man nicht so genau, in
welchem Jahrhundert diese historische
Persönlichkeit gelebt hat. Schöbel ist
der Meinung, dass in Olympia die Tra-
dition der Heraklesverehrung seit dem
-13. Jahrhundert existiert hat.
Aber jetzt kehren wir zur Geschich-
te der Auffindung der Handschrift in
der Königlichen Bibliothek zurück
und fragen uns, was das überhaupt
bedeutet, dass das Manuskript gefun-
den wurde (oder dass Casaubon auf es
gestoßen ist). Wir erinnern daran, dass
Casaubon, der seit 1600 in Paris lebte
Isaac Casaubon und zweifellos schon in der Königli-
chen Bibliothek arbeitete, nicht allzu
testen Athleten aufgeführt, aber über und als historisches Standardwerk der lange davor, nämlich im Jahr 1604, zu
eine Liste mit hunderten von Namen modernen olympischen Spiele gilt, und deren Bibliothekar wurde. Wenn sich
– kein Wort. Die ganze Zeit geht es erfahre nur, dass für die Spiele mit den diese Handschrift zuvor schon in den
um Listen, in die die Sieger eingetragen Nummern 265 – 286 die Namen der Archiven der Bibliothek befunden hät-
wurden, aber irgendetwas Konkretes Sieger nicht überliefert sind und dass te, so hätte Casaubon, der mindestens
ist nie dabei und die oben genannte nicht klar ist, ob diese Spiele über- seit 1598 wusste, dass Scaliger auf der
Liste erwähnt überhaupt niemand. haupt stattfanden. Dafür kann aus Suche nach der Liste der Olympiasieger
Hier haben wir das reich illustrierte den Siegerlisten der Jahre -146 bis -80 war, es in den Bibliothekskatalogen su-
deutsche Buch von Werner Rudolf geschlussfolgert werden, dass die Spiele chen können. Und auch im Jahr 1605
„Olympische Spiele in der Antike“ in diesen Jahren nur lokale Bedeutung hat er es nicht in den Katalogen gefun-
(Urania, DDR, 1975). Ausführlich hatten. Doch über die Entdeckung der den, er ist auf es „gestoßen“. Das Wort
wird über die verschiedenen Sportar- Liste aller Sieger und über Casaubon „gestoßen“ kann man auf verschiedene
ten berichtet, wann in welcher Dis- wird kein Wort verloren. Beides fehlt Weise interpretieren, aber eines ist klar,
ziplin Wettkämpfe abgehalten wur- auch in der „Kulturgeschichte der es geht nicht um eine Handschrift, die
den (es scheint, dass die olympischen Antike: Griechenland“ (Akademie- regelgerecht in einer großen Bibliothek
Spiele lange Zeit jeweils nur in einer Verlag, Berlin, 1977). Überflüssig zu auf bewahrt wurde. Immerhin teilt
bestimmten Disziplin durchgeführt erwähnen, dass der Name von Scaliger, er im Brief an Scaliger nicht mit, wie
wurden), die Namen einzelner Sieger der diese Liste veröffentlicht hat, auch man es in den Archiven der Bibliothek
sind aufgeführt, der Name von Casau- nirgends auftaucht. finden kann. Wahrscheinlich war es
bon allerdings taucht, genau wie seine Niemand erinnert sich an die „Aus- noch nicht in den Archiven registriert,
Liste, nirgends auf. Ich blättere in dem gewählten Abschnitte“ von Casaubon und auch in den nächsten Monaten, bis
noch dickeren Fachbuch von Heinz und an ihre Korrektur durch Scaliger. zu seiner Abreise nach England, hat er
Schöbel „Olympia und seine Spiele“, Nachdem ich einige Dutzend Bücher es wahrscheinlich nicht geschafft, die
das in viele Sprachen übersetzt wurde durchgeblättert hatte, wandte ich mich Handschrift in die Kataloge einzu-
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Scaliger
tragen. Nur dadurch ist zu erklären, formationen über die Handschrift, so
warum sie im Verlaufe von ungefähr wird es Ihnen kurz und bündig ohne
200 Jahren niemand finden konnte. überflüssige Details erzählt. Niemals er-
Er hat wohl die Handschrift, nachdem langen Sie ein vollständiges Bild davon,
er sie geschrieben hat, auf irgendein welcher Weg vom Original bis zu den
Regal in der entsprechenden Abteilung Handschriften durchlaufen wurde, aus
abgelegt, damit sie sich entwickeln (al- denen das jeweilige Buch dann erstellt
tern, vergilben) kann. In den Katalog wurde. Niemals! Niemand sagt Ihnen,
hat er sie nicht eingetragen, damit sie welche Handschriften auf Papyrus,
niemandem in der nächsten Zeit in die welche auf Tierhäuten vorlagen, wo
Hände fallen konnte, d. h. in einem sie auf bewahrt wurden, wie man sie
Zustand, der eine kürzliche Herstel- beschafft hat, in den Katalogen welcher
lung nahe legen würde. Klosterbibliotheken sie registriert wa-
ren und wo diese Aufzeichnungen bis
Das Rätsel der „alten“ heute geblieben sind. Im Allgemeinen
Manuskripte schreibt man über dieses Thema – wenn
Ich kann mir gut vorstellen, wie überhaupt - einige allgemeine Worte,
sich die traditionellen Historiker beim ein Minimum an Informationen, da-
Lesen dieser Zeilen die Hände rei- mit erst überhaupt keine überflüssigen
ben. Aha, jetzt haben wir ihn, den Fragen entstehen. Als wenn die Autoren
Verschwörungstheoretiker! Verleum- dieser Kommentare gar nicht auf die
det einen großartigen Menschen und Idee kämen, dass uns solche zweitran-
bringt nicht den geringsten Beweis, gigen technischen Details interessie- Die Historiker können nicht erklä-
nur Vermutungen und Mutmaßungen. ren könnten. Vertiefen Sie sich in die ren, warum die Handschriften aller in
Es stimmt, ich war bei dieser ganzen gefundenen Zeilen und versuchen Sie der Renaissance und in der Neuzeit her-
Geschichte nicht dabei (nicht wie die den Wahrheitsgehalt des geschriebenen ausgegebenen Werke antiker Autoren
traditionellen Historiker, die alles mit einzuschätzen. Vergegenwärtigen Sie verschwunden sind, warum es bei de-
eigenen Augen gesehen haben und sich, wie heute, da die Bibliotheken Jahr ren Nichtvorhandensein eine Fülle an
deshalb von jeder ihrer Fantasien, von für Jahr tausende und zehntausende Fragmenten gibt, die praktisch niemals
jedem Detail, dass sich jemand für von Büchern bekommen, über jedes den gesamten Text enthalten, warum
seine Zwecke ausgedacht hat, absolut einzelne von ihnen Buch geführt wird: plötzlich in der Renaissance wie aus
überzeugt sind). Einverstanden, ich wo gekauft, für wie viel, wohin gestellt, dem Nichts massenweise relativ lange
habe hier meine Hypothese dargelegt, welche Kärtchen angelegt usw., und das, Werke antiker Autoren auftauchen, die
meine Sicht der Ereignisse. Möglicher- wo heute ein mittleres Buch ungefähr so eintausend bis zweitausend Jahre vor
weise habe ich ein paar Einzelheiten viel wie ein Kilogramm Fleisch kostet. dieser Epoche gelebt haben. Wenn die-
nicht richtig verstanden. Aber bin ich Hat man wirklich in früherer Zeit, als se Bücher wirklich auf der Grundlage
weit von der Wahrheit entfernt? Meine eine Handschrift mit Gold aufgewogen von Handschriften angefertigt wurden,
Hypothese fußt schließlich auf den wurde, als in fast jeder Klosterbibliothek die auch nur im Entferntesten an anti-
jahrelangen Beobachtungen der Art kaum mehr Bücher als heute in einem ke Handschriften erinnerten, so hätten
und Weise, wie uns Werke „antiker“ mittleren Haushalt vorhanden waren, die pragmatischen und die Antike über
Autoren präsentiert werden. keinerlei Aufzeichnungen über die Auf- Alles schätzenden Humanisten diese
Deshalb wende ich mich mit der nahme von Handschriften und deren unschätzbaren Handschriften gesam-
Bitte an meine Leser, zuhause oder in Vorgeschichte geführt? melt und mit ihnen gehandelt. Jeder
der Bibliothek die Bücher antiker Au- Entscheiden Sie selbst, ob unser von ihnen wäre ein reicher Mensch
toren zu suchen und nachzusehen, wie Verdacht, dass all diese Handschriften geworden, und Reichtum verabscheu-
konkret und überzeugend in ihnen (im in Wirklichkeit erst in der Renais- ten die Humanisten schließlich nicht.
Vor-, im Nachwort oder in den Kom- sance kurz vor der Veröffentlichung Doch die Imitationen der Werke der
mentaren) die Geschichte der Rekonst- der entsprechenden Bücher angefer- „antiken“ römischen und griechischen
ruktion dieser Werke dargelegt ist. Am tigt wurden (auch die Handschrift Autoren sahen so vordergründig wie so-
häufigsten werden Sie überhaupt nichts von Casaubon wurde ein Jahr später eben geschrieben aus, dass die wahren
fi nden, kein Wort zu diesem Thema. von Scaliger veröffentlicht), und dass Autoren (Humanisten) es vorgezogen
Im Prinzip müssen wir – die Leser – ja die Handschriftenfragmente von den haben, diese nach der Drucklegung
auch überhaupt nichts darüber wissen schon gedruckten Büchern durch Leu- sofort zu vernichten, um nicht durch
oder unsere Gedanken in die falsche te angefertigt wurden, die sich das für neidische Konkurrenten oder andere
Richtung schweifen lassen. Es geht die Mehrzahl der potentiellen Käufer Missgünstlinge entlarvt zu werden.
doch gerade mal um 2000 Jahre, was zu teure Buch nicht leisten konnten, Nebenbei gesagt kannte Scaligers
soll das alles. Versuchen Sie nicht, Pro- eine Verschwörungstheorie oder eine Freude aus Anlass der durch Casau-
bleme zu sehen, wo keine sind. Lesen Arbeitshypothese ist, die viel erklären bon „gefundenen“ „ Ausgewählten
Sie die großartigen Werke und erfreuen kann, was die traditionellen Historiker Abschnitte“ keine Grenzen. Nach den
Sie sich an ihnen. nicht können. Es ist eine sehr glaub- Worten von Bernays vollführte er so-
Und wenn Sie sehr, sehr viel Glück würdige und überzeugende Arbeits- gar stundenlange Freudensprünge.
haben, und es gibt in dem Buch In- hypothese. Danach machte er sich daran, Nutzen
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Scaliger
aus der neuen „Quelle“ zu ziehen. Er virtuelles Bild, das dazu dient, unsere Textual Criticism and Exegesis, Oxford
konnte dadurch seine chronologischen Unkenntnis über der Vergangenheit 1993.
Tabellen entscheidend erweitern und er zu verdecken. Sie ist ein Spiegelbild Grafton A.: Joseph Scaliger, A study in the
History of Classical Scholarship, Vol. II,
nahm sie in detaillierter Form in sein der primitiven Vorstellungen über Historical Chronology, Oxford 1993.
Werk „Hort der Zeit“ auf, das er kurz die Zeitmaßstäbe der Entwicklung Grafton, Antony; Marchand, Suzanne
danach veröffentlichte. Es entsteht der der menschlichen Zivilisation. Der L. (ed.): Proof and persuasion in his-
Eindruck, dass er die Hilfe von Ca- Koeffizient der Verzerrung der anti- tory, Wesleyan University, Middletown,
saubon erwartet hatte, dass er so fest ken Geschichte ist ungefähr so groß Conn. 1994.
davon überzeugt war, das Werk auf den wie der Fehler, den die Menschheit Grafton, Antony: Die tragischen Ursprün-
ge der deutschen Fußnote, Deutscher
Tisch zu bekommen, dass er die Ver- wahrscheinlich beim Übergang vom Taschenbuch Verlag, München, 1998
öffentlichung des fast fertigen Buches Jahr, das vier Mondphasen entspricht, (Original: The Footnote. A Curious
bis zum Eintreten dieses freudigen und zum um einiges längeren Sonnenjahr History).
hilfreichen Ereignisses immer wieder gemacht hat. Wir erinnern daran, Grafton, Antony: Cardanos Kosmos, Die
verschob. dass „bei den Chaldäern und bei den Welten und Werke eines Renaissance-
Ägyptern das Jahr zu Anfang nicht mehr Astrologen. 414 S., Berlin 1999.
Schlussfolgerung: Über die als ein Monat war“ . Warum sollen
Grafton, Antony: Leon Battista Alberti.
Unmöglichkeit des Unmöglichen Baumeister der Renaissance, Berlin
die zahlreichen europäischen Völker 2002 (Original: Leon Battista Alberti.
Scaliger war zweifellos eine au- schlechter als die Ägypter und Chaldä- Master Builder of the Italian Renais-
ßergewöhnliche Persönlichkeit. Mehr er sein?! Wahrscheinlich haben auch sie sance, 2000).
noch, er war genial, da der durch ihn noch bis kurz vor der gregorianischen Ideler, Ludwig: Handbuch der mathema-
erschaffene Koloss auf zu langen Bei- Reform die Jahre wie Monate gezählt. tischen und technischen Chronologie,
nen – die chronologischen Tabellen der Berlin, Band 1, 1825, Band 2, 1826.
So wie Scaliger sich irrte, als er Mischtschenko, O.: Scaliger, Enzyklopädi-
antiken Geschichte - vier Jahrhunderte dachte, dass er das Problem der Qua- sches Wörterbuch, Bd. XXX, Herausge-
stand, schwankend zwar, und noch dratur des Kreises gelöst hat, wie er ber: Brockhaus & Efron, St.-Peterburg,
nicht endgültig umgefallen ist. Tat- reagierte, wenn man ihn auf Fehler in 1900, S. 168 - 169 (auf Russisch).
sächlich, es brauchte eines Genies vom seinen Ausführungen hinwies (heute ist Morison, James Cotter.: Isaac Casaubon; by
Schlage Scaligers, um an die Möglich- theoretisch und logisch streng bewie- Mark Pattison. A review of this work on
keit einer vieltausendjährigen Chrono- the classical scholar. An article extracted
sen, dass dieses Problem keine Lösung from the Fortnightly Review, 1875. Oc-
logie zu glauben, deren Unmöglichkeit besitzt), so irrte er auch, als er dachte, tavo. 14 pages.
den italienischen Humanisten und vor dass man die falschen Vorstellungen Müller, Reimar (Hrgb.): Kulturgeschichte
ihnen den byzantinischen Chrono- der früheren Generationen über die der Antike - Band 1: Griechenland,
logen offensichtlich war. Es brauchte Vergangenheit durch ein paar divina- Akademie-Verlag, Berlin, 1977.
eines Genies vom Schlage Scaligers, torische Tricks auf Basis dieser falschen NAZELLE L.-J.: ISAAC CASAUBON,
um diesen Traum zu verwirklichen SA VIE ET SON TEMPS, 1559 - 1614.
Vorstellungen in Ordnung bringen (SLATKIN REPRINT 1897) (ISBN:
und unüberwindbare Hindernisse zu und dadurch ein widerspruchsfreies 3600120130303).
überwinden. Es brauchte eines Genies chronologisches Modell derselben er- Pattison, Mark: Isaac Casaubon 1559 -
vom Schlage Scaligers, um die Fli- stellen könnte. Wie wir auf der Grund- 1614. London: Longmans, Green, and
cken zu besorgen, die auf die riesigen lage der Untersuchungen von Isaac Co., 1875.
schwarzen Löcher aufgebracht wurden, Newton wissen, ist die Erstellung eines Pfister, Christoph: Die Matrix der alten
für die zu keiner Zeit chronologische Geschichte. Analyse einer religiösen
widerspruchfreien Modells der Ver- Geschichtserfindung, Fribourg, 2004.
Informationen existiert hatten. gangenheit auf der Basis so genannter Robinson, George W.: Autobiography of
Aber auch Genies irren sich. Und Quellen prinzipiell nicht möglich. Joseph Scaliger, Cambridge, Harvard
auch Wissenschaften durchlaufen Er- University Press 1927.
schütterungen und Revolutionen. Der Russell, C. W.: Pattinson’s Life of the clas-
Fehler Scaligers war nicht die Erschaf- Literatur sical scholar, Isaac Casaubon. A brief
Anonym: Scaliger, Enzyk lopädisches biographical summary with excerpts
fung der wissenschaftlichen Chro- from the text. An article extracted from
nologie, diesen Verdienst macht ihm Wörterbuch, Bd. XXX, Herausgeber:
Brockhaus & Efron, St.-Peterburg 1900, the Edinburgh Review, 1876, 33 pages.
niemand streitig. Viele der durch ihn S. 169 (auf Russisch). Saweljeva I. M. und Poletaev F. I.: Ge-
entwickelten Methoden müssten heute Bernays, Jacob: Joseph Justus Scaliger, Ber- schichte und Zeit. Auf der Suche nach
reanimiert und unter Berücksichtigung lin, 1855 (Reprint Osnabrück 1965). dem Verlorenen, Die Sprachen der rus-
neuer chronologischer Informationen Bikerman, E.: Chronologie der antiken sischen Kultur, Moskau 1997 (auf Rus-
Welt, Moskau 1976 (auf Russisch). sisch).
weiter verwendet werden. Sein Fehler Schedel, H.: La Chronique Universelle.
bestand darin, dass er durch und durch Brockhaus: Petavius, Enzyklopädisches
Wörterbuch, Bd. XXIII, Herausgeber: 1493. L’édition de Nurenberg, coloriée
ein Mensch seiner Epoche war, bis ins Brockhaus & Efron, St.-Peterburg 1898, et commentée. Köln 2003.
Innerste durchsetzt von ihrer Moral, S. 434 (auf Russisch). Stryjkowski, Maciej: Chronika polska,
ihren Irrtümern, ihrem Denken und Einhard: Das Leben Karls des Großen, in: litewska, żmudska, ruska. Warszaea
den entsprechenden Zielen. Die durch Historiker der Epoche der Karolinger, 1845.
Moskau 1999, S. 5 - 36 (auf Russisch). Wainstein, O. L.: Westeuropäische mittel-
ihn geschaffene Chronologie erwies alterliche Historiographie, M.-L. Nauka,
sich als Träger aller dieser Nachteile Grafton, Antony: Fälscher und Kritiker.
Der Betrug in der Wissenschaft, Berlin 1964 (auf Russisch).
und Irrtümer. 1991. Werner, Rudolph: Olympische Spiele in der
Sie ist kein Modell der realen Ver- Grafton A.: Joseph Scaliger, A study in the Antike, Leipzig-Jena-Berlin, 1975.
gangenheit, sondern nur ein gewisses History of Classical Scholarship, Vol. I, 
12 SYNESIS-Magazin Nr. 6/2007