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Einführung in die Politikfeldanalyse (VAK 08-26-1-M5-1)

Wintersemester 2008/09

Abschlussklausur (6. Februar 2009)

Hinweis: Die korrekten Lösungen sind im Folgenden rot und fett


markiert; zum Teil habe ich ebenfalls in roter Farbe Kommentare
hinzugefügt.

Multiple choice-Fragen (1)

Bei den folgenden 20 Fragen ist jeweils genau eine Antwortvariante richtig. So Sie unsicher
sind, sollten Sie auf jeden Fall raten. Kreisen Sie den Buchstaben für die Ihrer Meinung nach
richtige Antwort bitte ein.

[1] In David Eastons Modell des politischen Systems bezeichnen die Begriffe demands
und support…

[a] zwei Arten von outputs;


[b] zwei Arten von feedback-Mechanismen;
[c] zwei Arten von inputs;
[d] zwei Elemente der black box.

[2] Bei welchem der folgenden Begriffe handelt es sich nicht um ein politisches System?

[a] das Land Bremen;


[b] die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD);
[c] die Bundesrepublik Deutschland;
[d] die Europäische Union (EU).

[3] Was versteht man unter dem Begriff policy?

[a] die institutionelle Dimension von Politik;


[b] die prozedurale Dimension von Politik;
[c] die materielle Dimension von Politik;
[d] die normative Dimension von Politik.

[4] Eine Sozialwissenschaftlerin, die dem methodologischen Individualismus anhängt,…

[a] begreift Individuen und ihre Handlungen als Grundeinheiten des sozialen
Geschehens und sozialwissenschaftlicher Forschung;
[b] arbeitet prinzipiell nicht in Forscherteams;
[c] kann man auch als Anhängerin der Systemtheorie bezeichnen;
[d] erforscht den Individualisierungstrend westlicher Gesellschaften.

1
[5] Ein politischer Akteur handelt instrumentell rational, wenn er…

[a] im Einklang mit sozialen Normen handelt;


[b] so handelt, dass das Gemeinwohl maximiert wird;
[c] so handelt, dass sein eigener Nutzen maximiert und Kosten minimiert
werden;
[d] sein Handeln an einer intransitiven Präferenzordnung orientiert.

[6] Monopoly und Skat sind…

[a] Nullsummenspiele;
[b] Positivsummenspiele;
[c] Negativsummenspiele;
[d] Beispiele für das Gefangenendilemma.

Hier hat es (auch wenn letztlich zumeist Antwort (a) gewählt wurde) Irritationen und
Nachfragen gegeben. Sie haben mich dadurch auf eine Reihe von Differenzierungen
und Komplikationen gestoßen und damit gezeigt, dass Sie mitgedacht haben: schön!
Trotzdem bleibt für mich (a) „im Kern“ richtig. (d) scheidet ohnehin aus (bei diesen
Spielen geht es gerade nicht um erfolgreiches kollektives Handeln…). Entscheidend
für die Unterscheidung zwischen Null- bzw. Konstantsummenspielen einerseits,
Positiv- und Negativsummenspielen andererseits ist, dass es bei Nullsummenspielen
einen fixen maximalen „pay-off“ gibt (das in einem Monopoly-Spiel mitgelieferte
Bündel Geld, 120 Punkte beim Skat…); deshalb ist der Gewinn der einen Partei gleich
dem Verlust der anderen, zumindest „in the long run“ (und also bei Monopoly
spätestens dann, wenn die Bank geplündert ist und die Spieler[innen] sich gegenseitig
auf null zu bringen versuchen…). Die Existenz der Bank beim Monopoly, den
Umstand, dass Skat zumeist in mehreren Runden gespielt wird usw. sehe ich lediglich
als Modifikationen des letztlich zugrunde liegenden Nullsummenszenarios an.
Nehmen Sie einen Skat-Abend: Auch nach x Spielrunden oder Stunden wird das Geld,
das die Spieler jeweils individuell in ihren Hosentaschen mitgebracht haben, ggf.
„umverteilt“ sein; die Gesamtsumme wird sich indes nicht nach oben oder unten
verändert haben, ein Aufrechnen der individuellen Gewinne und Verluste ergibt 0.

[7] Wenn ein politisches Problem den Charakter eines Nullsummenspiels hat, dann
schließen Sie als Politikfeldanalytiker(in) daraus,…

[a] dass Verteilungskonflikte keine Rolle spielen und eine Konsenslösung für
dieses Problem deshalb eher leicht zu finden sein dürfte;
[b] dass eine Konsenslösung für dieses Problem durch Verteilungskonflikte
erschwert werden dürfte;
[c] dass eine rationale Lösung des Problems unmöglich ist;
[d] dass eine rationale Lösung des Problems nicht wünschenswert ist.

Hier und bei etlichen anderen Fragen sollten Sie bemerkt haben, dass zwei Aussagen –
hier (a) und (b) das Gegenteil voneinander darstellen; also können nicht beide richtig
sein. Ansonsten ist das Konzept Nullsummenspiel natürlich genau deshalb von
Interesse, weil es sich auf Verteilungskonflikte anwenden lässt – und wo es
notwendigerweise Gewinner und Verlierer gibt, sind Konsenslösungen
erfahrungsgemäß schwerer als dort, wo ein Positivsummenspiel vorliegt und also viele
oder alle Beteiligten zu Gewinnern werden können.

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[8] Was versteht man unter einem öffentlichen Gut?

[a] ein Gut, das vollständig aufgebraucht werden kann und von dessen Konsum
Menschen, die nicht dafür bezahlt haben, ausgeschlossen werden können;
[b] ein Gut, das in ausreichender Menge für alle zur Verfügung steht;
[c] ein Gut, das in ausreichender Menge für alle zur Verfügung stehen sollte;
[d] ein Gut, das nicht vollständig aufgebraucht werden kann und von dessen
Konsum Menschen, die nicht dafür bezahlt haben, nicht ausgeschlossen
werden können.

[9] Welches der folgenden Szenarien ist ein Beispiel für die sogenannte „tragedy of the
commons“ („Tragödie der Allmende“)?

[a] Bauern treiben ihre (privaten) Viehherden auf Weideland, das sich im
gemeinschaftlichen Besitz ihres Dorfes befindet; es kommt zur
Überweidung.
[b] Ein Schulabgänger agiert kurzsichtig – zum eigenen Schaden und dem der
Gesellschaft verdingt er sich als Hilfsarbeiter, anstatt zu studieren, und
verprasst seinen Monatslohn für Bier, anstatt in eine Riester-Rente zu
investieren.
[c] Die Stadt Bremen stellt ein öffentliches Nahverkehrssystem zur Verfügung und
versucht es über Nutzungsentgelte zu finanzieren; viele Nutzer entscheiden
sich nach individueller Risiko-Abwägung indes – mit entsprechenden Folgen
für die Finanzierung des Nahverkehrssystems – für Schwarzfahren.
[d] Eine Regierung delegiert die Kontrolle von Finanzunternehmen an eine private
Rating-Agentur – nur um festzustellen, dass diese mit genau den Unternehmen
unter einer Decke steckt, deren Seriosität sie bewerten und kontrollieren soll.

[10] Der Begriff Polizeywissenschaften…

[a] ist ein anderes Wort für Kriminalistik;


[b] ist ein anderes Wort für Ballistik;
[c] bezeichnet einen Vorläufer der policy sciences;
[d] ist ein Synonym für den Begriff Politische Theorie.

[11] Welche bekannten deutschen Sozialwissenschaftler(innen) haben den


akteurzentrierten Institutionalismus entwickelt?

[a] Herbert Obinger und Frank Nullmeier;


[b] Karl Marx und Friedrich Engels;
[c] Renate Mayntz und Fritz Scharpf;
[d] Otto Hahn und Lise Meitner.

Sollten Sie (d) gewählt haben, achten Sie auf die Haltestellen der Linie 6 und googeln
die beiden Namen…; sollten Sie (a) gewählt haben: Herrn Obinger und Herrn
Nullmeier (die auch bekannt sind, aber für andere Dinge…) wird’s freuen…

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[12] In welchem der genannten Politikfelder gibt die Europäische Union das meiste Geld
aus?

[a] Sozialpolitik;
[b] Verteidigungspolitik;
[c] Agrarpolitik;
[d] Umweltpolitik.

[13] Welches der folgenden politischen Systeme hat die niedrigste Staatsquote, gibt also im
Verhältnis zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt am wenigsten aus?

[a] USA;
[b] Schweden;
[c] Deutschland;
[d] EU.

Bei Frage (12) und (13) ging es um nichts weiter, als die Größenordnungen richtig
einzuschätzen – Grundlagenwissen für Politolog(inn)en! Die EU gibt mit Abstand das
meiste Geld für Agrarpolitik aus – doch ist ihr Haushalt (relativ zum BIP) sehr viel
kleiner als der jedes beliebigen OECD-Staates, etwa auch der USA.

[14] Welches der folgenden policy-Instrumente hat den geringsten Zwangscharakter?

[a] Informationskampagnen;
[b] Gebote;
[c] Geldstrafen;
[d] Verbote.

[15] Welche Annahme über die Beweggründe menschlichen Verhaltens liegt dem Einsatz
positiver oder negativer finanzieller Anreize in policy-Programmen zugrunde?

[a] Menschen handeln vor allem normgeleitet;


[b] Menschen handeln vor allem interessengeleitet;
[c] Menschen handeln irrational;
[d] Menschen handeln altruistisch.

[16] Welche der folgenden Methoden gilt als die beste zur Untersuchung von
Kausalzusammenhängen?

[a] Einzelfallstudie;
[b] Experiment;
[c] vergleichende Methode;
[d] statistische Methode.

Erinnern Sie sich an das Beispiel medizinisch-pharmazeutischer Experimente, siehe


Lijphart 1971. Auch für politikwissenschaftliche Fragestellungen wären Experimente
nach diesem Methodenverständnis im Prinzip am besten, wenn sie auch leider zumeist
nicht mach- oder ethisch vertretbar sind.

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[17] Mit welchem der folgenden Forschungsdesigns können Sie die Existenz eines
Kausalzusammenhangs zwischen der Parteizugehörigkeit von Regierungen und der
Höhe ihrer Sozialausgaben nicht erhärten?

[a] Fallstudie zur Bush-Administration in den USA;


[b] vergleichende Studie zu Großbritannien unter Margaret Thatcher
(Konservative) und Deutschland unter Helmut Schmidt (SPD, FDP);
[c] vergleichende Studie zur Regierung Helmut Kohl (CDU/CSU, FDP) und zur
Regierung Schröder (rot-grüne Koalition);
[d] statistische Untersuchung zu allen Regierungen aller OECD-Länder seit 1945.

Bei einem einzigen Fall können Sie nicht testen, ob unterschiedliche


Merkmalsausprägungen auf Seiten der unabhängigen Variablen (z.B.: konservative v.
linke Regierungen) den erwarteten Effekt auf Seiten der abhängigen Variablen (Höhe
der Sozialausgaben) haben – eben weil Sie nur einen Fall (und also nur je eine
Merkmalsausprägung) beobachten.

[18] Gøsta Esping-Andersen unterscheidet drei Typen von Wohlfahrtsregimes; welchen der
folgenden Typen kennt er nicht?

[a] sozialdemokratisches Regime;


[b] liberales Regime;
[c] konservatives Regime;
[d] faschistisches Regime.

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[19] Welche Theorie der vergleichenden Staatstätigkeitsforschung darf sich durch die
folgende Graphik bestätigt sehen?

[a] sozio-ökonomische Schule;


[b] Machtressourcentheorie;
[c] Parteiendifferenztheorie;
[d] marxistische Theorie.

[20] Was ist R-Quadrat (siehe obige Graphik)?

[a] ein statistisches Maß dafür, ob der dargestellte Kausalzusammenhang


exponentiell oder quadratisch ist;
[b] ein statistisches Maß für die Stärke des dargestellten
Kausalzusammenhangs;
[c] ein statistisches Maß für die Zahl der untersuchten Fälle;
[d] nichts von alledem.

Multiple choice-Fragen (2)

Bei den folgenden 20 Fragen sind jeweils mindestens eine und höchstens drei Antwortvari-
anten richtig. Sie sollten durchweg alle vier Antwortvarianten begutachten und sich entschei-

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den, ob Sie sie für wahr oder falsch halten. Kreisen Sie also bitte für jede einzelne Antwortva-
riante aller 20 Fragen das W („wahr“) oder das F („falsch“) ein.

Achtung: Wer in einer Frage viermal W oder viermal F auswählt, macht damit offenkundig,
dass er zumindest teilweise geraten hat. Diese Antwortstrategie will ich Ihnen in den folgen-
den 20 Fragen unmöglich machen! Fragen, die Sie mit viermal W oder viermal F beantwor-
ten, werde ich mit 0 (Roh-)Punkten bewerten – Sie sollten also stets eine bis drei Antwortva-
rianten als wahr (und eine entsprechende Zahl als falsch) markieren!

[21] Welche der folgenden sozialen Beziehungen sind Beispiele für das principal-agent-
Szenario (= W), welche nicht (= F)?

[a] die Beziehung zwischen einer Regierung und ihrem Beamtenapparat W F


[b] die Beziehung zwischen Eheleuten W F
[c] die Beziehung zwischen einer Anwältin und ihrem Mandanten W F
[d] die Beziehung zwischen den Vorsitzenden zweier Bundestagsfraktionen W F

[22] Welche der folgenden Institutionen oder Eigenschaften demokratischer


Regierungssysteme ordnet Arend Lijphart dem Westminster-Modell zu (= W), welche
nicht (= F)?

[a] Einparteien- und Mehrheitsregierungen W F


[b] Föderalismus W F
[c] eine unabhängige und starke Verfassungsgerichtsbarkeit W F
[d] Mehrheitswahlsysteme W F

[23] Welche der folgenden Hypothesen lässt sich aus dem Vetospieler-Ansatz von George
Tsebelis ableiten (= W), welche nicht (= F)?

[a] Reformblockaden sind umso wahrscheinlicher, je weniger Vetospieler es W F


gibt.
[b] Reformblockaden sind umso wahrscheinlicher, je mehr Vetospieler es gibt. W F

[c] policy-Stabilität nimmt mit der ideologischen Distanz zwischen W F


Vetospielern zu.

[d] Mehrheitsentscheide sind Verhandlungslösungen vorzuziehen. W F

[24] Welche der folgenden Aussagen zum „free-riding“ („Trittbrettfahren“) und zur
„tragedy of the commons“ sind korrekt (= W), welche nicht (= F)?

[a] Es handelt sich um Probleme kollektiven Handelns. W F


[b] Diese Probleme entstehen, weil viele Individuen sich irrational verhalten. W F
[c] Diese Probleme entstehen, weil viele Individuen normgeleitet handeln. W F
[d] Der Staat kann zur Lösung dieser Probleme beitragen. W F

[25] Jürgen Habermas und andere unterscheiden drei Modelle der Beziehungen zwischen
Wissenschaft und Politik; markieren Sie diese mit W und den Begriff, der nicht dazu
gehört, mit F!

7
[a] technokratisches Modell W F
[b] autokratisches Modell W F
[c] dezisionistisches Modell W F
[d] pragmatisches Modell W F

[26] Welche der folgenden politikfeldanalytischen Fragestellungen ist als empirisch zu


bezeichnen (= W), welche nicht (= F)?

[a] Hat der Anteil praktizierender Katholik(inn)en in einem Land einen W F


Einfluss darauf, wie liberal sein Abtreibungsrecht ist?
[b] Hat Hartz III dazu beigetragen, die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu W F
senken?
[c] Was sind Kriterien guten Regierens? W F
[d] Ist Hartz IV gerecht? W F

[27] Verschiedene Personen werden dazu befragt, welchen Bundestagsparteien


(CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne, Linke) sie mehr und welchen sie weniger zuneigen (=
Parteipräferenzen).

Für alle möglichen Paare dieser fünf Parteien wird gefragt: „Neigen Sie eher zu Partei
X oder zu Partei Y?“ Dabei soll CDU/CSU > SPD heißen, dass die CDU/CSU gegenüber der
SPD bevorzugt wird (usw.). Bei welchen der folgenden Antwortvarianten handelt es sich er-
kennbar nicht um transitive Präferenzordnungen? Markieren Sie diese mit W, die anderen mit
F!

[a] FDP > CDU/CSU; CDU/CSU > SPD; SPD > Grüne; Grüne > Linke; W F
FDP > Linke
[b] FDP > Linke W F
[c] CDU/CSU > FDP; FDP > Grüne; Grüne > Linke; Linke > SPD; W F
Grüne > SPD
[d]CDU/CSU > FDP; FDP > Linke; Linke > CDU/CSU W F

Keine Frage hat (nicht ganz unerwartet) größere Schwierigkeiten bereitet als diese.
Manche haben die Frage nicht genau gelesen und (leider) W und F genau falsch herum
„gepolt“. Viele fanden die Frage indes auch generell schwierig. In (a) und (c) deutet
nichts auf Intransitivität hin, also: F. (b) gibt lediglich eine unvollständige
Präferenzordnung wieder, mehr kann man nicht sagen, also: F. (d) hingegen lässt eine
intransitive Präferenzordnung erkennen. Die beschriebene Person würde der CDU (im
direkten Vergleich) den Vorzug vor der FDP und der FDP vor der Linken geben. Man
sollte also vermuten, dass sie sich (wiederum im direkten Vergleich) auch eher für die
CDU als für die Linke entscheidet, doch ist das Gegenteil der Fall, also: W. Eine
solche Präferenzordnung mag man bewerten, wie man will, aber die
Wahlentscheidungen einer solchen Person kann man nicht als rational im von uns
kennengelernten Sinne bezeichnen. Hätten viele Wähler(innen) solche intransitiven
Präferenzordnungen, würde das analytische Instrumentarium des rational choice-
Ansatzes (siehe Downs) uns kaum sehr viel bringen in der Erklärung und Vorhersage
von Wahlentscheidungen!

8
[28] Welche der folgenden Aussagen rund um das Gefangenendilemma sind richtig (= W),
welche nicht (= F)?

[a] Individuelle Rationalität der beiden Spieler führt zu einem Ergebnis, das für W F
keinen der beiden optimal ist.
[b] Individuelle Rationalität der beiden Spieler führt zu einem Ergebnis, das W F
für beide optimal ist.
[c] Individuelle Rationalität der beiden Spieler führt zu einem Ergebnis, das W F
nur für einen der beiden optimal ist.
[d] Das Problem der Spieler ist, dass sie sich nicht absprechen können. W F

Zu (d) wurde von manchen ganz richtig bemerkt, dass „verbindliche Absprachen“ die
noch genauere Formulierung gewesen wäre; der Grad an „Verbindlichkeit“ in realen
Situationen ist natürlich eine empirische Frage – im stilisierten Szenario des GD aber
ist selbst Kommunikation (über Zellen hinweg) im engeren Sinne unmöglich, scheitert
eine Absprache und Kooperation tatsächlich schon daran; ansonsten wird – wie wir
wissen – Verbindlichkeit z.B. durch Institutionen wie das Vertragsrecht und die Justiz
ermöglicht oder hergestellt.

9
[29] Welche Aussagen kann man der folgenden Graphik entnehmen (= W), welche nicht
(= F)?

[a] Die Sozialleistungsquote war 1980 in der Schweiz (CH) niedriger als in W F
Schweden.
[b] Die Sozialleistungsquote ist in Griechenland (GR) zwischen 1980 und 2001 W F
zurückgegangen.
[c] Länderunterschiede in der Höhe der Sozialleistungsquote sind zwischen W F
1980 und 2001 größer geworden.
[d] Man erkennt einen catch up-Prozess: Wo die Sozialleistungsquote 1980 W F
niedrig war, ist sie bis 2001 tendenziell besonders stark gewachsen, und
umgekehrt.

Die Antwort zu (a) lässt sich aus der relativen Position der beiden Länder auf der x-
Achse ablesen, die Antwort zu (b) daraus, dass Griechenland in der y-Dimension über
und nicht unter 0 liegt. (c) können Sie dieser Darstellung nicht (jedenfalls nicht ohne
weiteres…) entnehmen. (d) ist wahr – je höher die Sozialleistungsquoten 1980 waren,
desto geringer fielen tendenziell die Zuwächse aus, also ein negativer Zusammenhang
und catch-up.

15
Veränderung Sozialleistungsquote 1980-

GR
CH
10
P
N I F
JAUS FIN D
5
2001

CAN E UK Ö B S
0 USA NZ
DK

IRL
-5
NL

-10
5 10 15 20 25 30
Sozialleistungsquote 1980

10
[30] Wie ist die folgende Graphik korrekt zu interpretieren (= W)?

[a] Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen dem Kabinettssitzanteil W F


von Linksparteien und der Höhe der Militärausgaben, was man daran erkennt,
dass die eingezeichnete (Regressions-)Gerade nahezu horizontal ist.
[b] Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Kabinettssitzanteil von W F
Linksparteien und der Höhe der Militärausgaben, was man daran erkennt, dass
die eingezeichnete (Regressions-)Gerade nahezu horizontal ist.
[c] Je niedriger der Kabinettssitzanteil von Linksparteien, desto höher die W F
Militärausgaben.
[d] Je höher der Kabinettssitzanteil bürgerlicher Parteien, desto höher die W F
Militärausgaben.
Militärausgaben in Prozent des BIP (2000-2003)

Greece

4,0

United States

3,0

France
United Kingdom

Portugal
2,0 Italy Sweden
Norway
Netherlands Australia
Denmark
Germany
Belgium
Canada Finland Spain
Switzerland
1,0 Japan
Austria
Ireland

0,00 20,00 40,00 60,00 80,00


Kabinettssitzanteil von Linksparteien 1950-2003

Eine (wie hier) nahezu horizontale Regressionsgerade deutet darauf hin, dass es keinen
Zusammenhang zwischen den beiden Variablen gibt: Die Werte der abhängigen
Variable (y-Achse) steigen oder fallen nicht im Einklang mit dem Steigen oder Fallen
der Werte der unabhängigen Variablen (x-Achse). Die Gerade scheint zwar ganz leicht
zu steigen, aber dies sollte man nicht sehr ernst nehmen – das Maß für die Stärke des
Zusammenhangs wäre hier ohne Zweifel nahe bei 0, und schon der kleinste Messfehler
(in der Politikwissenschaft leider immer im Bereich des Möglichen…) oder das
Weglassen eines einzigen Falls (Landes) könnte dieses „Ergebnis“ ins Gegenteil
verkehren. (c) und (d) sind nur alternative Formulierungen des (nicht wirklich
existierenden) Kausalzusammenhangs, also gilt auch für diese Antwortvarianten: F.

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[31] Für welche der folgenden politischen Themen erscheint Ihnen das game of
chicken als relevantes spieltheoretisches Szenario (= W), für welche nicht (= F)?

[a] Verteilungskonflikte zwischen den Generationen in der Rentenpolitik W F


[b] Konflikte zwischen den Staaten der Erde um den richtigen Weg in der W F
Klimaschutzpolitik
[c] Verteidigungspolitik und nukleares Wettrüsten W F
[d] Familienpolitik und sinkende Geburtenraten W F

Hier hatte ich Antwort (b) zunächst gar nicht auf dem Radarschirm, habe mich aber
von einer deutlichen Mehrheit von Ihnen überzeugen lassen, dass man das game of
chicken durchaus auf dieses realweltliche Szenario anwenden könnte (auf der anderen
Seite wird deutlich, dass es nicht immer ganz einfach ist, die spieltheoretischen
Szenarien trennscharf auf realweltliche Szenarien anzuwenden).

[32] Welche der folgenden Aussagen stehen im Einklang mit dem punctuated equilibrium-
Modell des policy-Wandels (= W), welche nicht (= F)?

[a] policy-Wandel wird typischerweise durch exogene Schocks angestoßen. W F


[b] Kurzen und eher seltenen Momenten des policy-Wandels folgen W F
typischerweise lange Phasen der policy-Stabilität.
[c] policy-Wandel ist typischerweise inkrementell und wird durch endogene W F
Faktoren und Mechanismen, z.B. policy-Lernen, angestoßen.
[d] policy-Wandel ist unmöglich. W F

[33] In der Literatur zu Globalisierung und Wohlfahrtsstaatlichkeit/Sozialpolitik wird oft


die Hypothese eines race to the bottom vertreten. Was ist mit dieser Hypothese
gemeint bzw. impliziert (= W), was nicht (= F)?

[a] Die Unterschiede zwischen Ländern in Art und Umfang der W F


Sozialleistungen nehmen in Folge der Globalisierung zu.
[b] Globalisierung führt zu Wohlfahrtsstaatsabbau und einer Angleichung der W F
Sozialleistungen (Konvergenz) auf niedrigem Niveau.
[c] Globalisierung führt zu einer Angleichung der Sozialleistungen W F
(Konvergenz) auf hohem Niveau.
[d] Die exit-Optionen und das Drohpotential des Kapitals gegenüber W F
Nationalstaaten haben sich mit der Globalisierung erhöht.

12
[34] Welche der folgenden Aussagen trifft – mit Blick auf die Tabelle – zu (= W), welche
nicht (= F)?

[a] Es hat zwischen 1980 und 2001 keine (sigma-)Konvergenz der W F


Sozialleistungsquote stattgefunden.
[b] Die Zunahme des Mittelwerts deutet auf (sigma-)Konvergenz hin. W F
[c] Die Abnahme der Spannweite und der Standardabweichung deutet auf W F
(sigma-)Konvergenz hin.
[d] Die Entwicklung in den USA spricht für (sigma-)Konvergenz. W F

1980 2001 1 9 8 0 -0 1
A u s tr a lie n 1 1 ,3 1 8 ,0 6 ,7
B e lg ie n 2 4 ,1 2 7 ,2 3 ,1
D ä n e m a rk 2 9 ,1 2 9 ,2 0 ,1
D e u t s c h la n d 2 3 ,0 2 7 ,4 4 ,4
F in n la n d 1 8 ,5 2 4 ,8 6 ,3
F r a n k r e ic h 2 1 ,1 2 8 ,5 7 ,4
G r ie c h e n la n d 1 1 ,5 2 4 ,3 12 ,8
Ir la n d 1 7 ,0 1 3 ,8 -3 ,2
I ta lie n 1 8 ,4 2 4 ,4 6 ,0
Japan 1 0 ,2 1 6 ,9 6 ,7
Kanada 1 4 ,3 1 7 ,8 3 ,5
N e u s e e la n d 1 7 ,2 1 8 ,5 1 ,3
N ie d e r la n d e 2 6 ,9 2 1 ,8 -5 ,1
N o rw e g e n 1 7 ,9 2 3 ,9 6 ,0
Ö s te r r e ic h 2 2 ,5 2 6 ,0 3 ,5
P o rtu g a l 1 0 ,9 2 1 ,1 10 ,2
Schw eden 2 8 ,8 2 8 ,9 0 ,1
S c h w e iz 1 4 ,2 2 6 ,4 12 ,2
S p a n ie n 1 5 ,9 1 9 ,6 3 ,7
U SA 1 3 ,3 1 4 ,8 1 ,5
V e r e in ig t e s K ö n ig r e ic h 1 7 ,9 2 1 ,8 3 ,9
M it t e lw e r t 1 8 ,3 2 2 ,6
S p a n n w e ite 1 8 ,9 1 5 ,4
S ta n d a r d a b w e ic h u n g 5 ,7 4 ,7
V a r ia tio n s k o e ffiz ie n t 0 ,3 1 0 ,2 1

Sigma-Konvergenz kann man daran erkennen, dass Streuungsparameter (Spannweite,


Standardabweichung, Variationskoeffizient) kleiner werden, was hier der Fall ist. Der
Mittelwert hingegen ist ein Lageparameter, eine Beschreibung der zentralen Tendenz,
dessen/deren Entwicklung im Zeitverlauf nichts über Konvergenz aussagt (Beispiel:
die durchschnittliche Körpergröße im 15. Jahrhundert war niedriger als heute;
unabhängig davon kann die Streuung um den jeweiligen Mittelwert – von, sagen wir,
1,60 m und 1,80 m – zu- oder abgenommen haben, es kann also gleichzeitig zu einer
Divergenz oder Konvergenz der Körpergrößen gekommen sein). Schließlich können
Sie aus den Werten für einen einzigen Fall – hier: USA – nichts über die Konvergenz
der Gesamtheit aller untersuchten Fälle ableiten.

13
[35] Als Evaluationsforscher(in) sind Sie beauftragt, eine effectiveness evaluation der
deutschen Antidrogenpolitik durchzuführen. Was heißt das (= W)?

[a] Sie sollen herausfinden, ob diese Politik die intendierte Wirkung entfaltet. W F
[b] Sie sollen den Grad der Zielerreichung dieser Politik ermitteln. W F
[c] Sie sollen die Umsetzung dieser Politik teilnehmend beobachten. W F
[d] Sie sollen die Kosten-Nutzen-Relation dieser Politik ermitteln. W F

Zielerreichung = intendierte Wirkung = Effektivität!

[36] In welchen der folgenden Fragestellungen ist policy die abhängige Variable (das
explanandum) (= W), in welchen nicht (= F)?

[a] Ist mit der Einführung der Umweltzone in der Bremer Neustadt die W F
Feinstaubbelastung zurückgegangen?
[b] Welche Faktoren beeinflussen die unterschiedliche Dauer der W F
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in OECD-Staaten?
[c] Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Organisationsform des W F
Gesundheitswesens (staatlich, privat usw.) und der durchschnittlichen
Lebenserwartung in OECD-Ländern?
[d] Wovon hängt es ab, wieviel Entwicklungshilfe ein Staat leistet? W F

Dies fiel relativ schwer. Policy als abhängige Variable heißt: Sie wollen die Ursachen
für die Einführung, Ausgestaltung usw. dieser policy herausfinden – so wie in (b).
Verschiedene Länder gewähren die Lohnfortzahlung unterschiedlich lang; Frage ist:
Woran liegt das? Umgekehrt bei Fragestellungen, wo es um die Wirkung einer policy
geht, so in (a). Hier ist policy eine unabhängige Variable, d.h. einer der Faktoren, die
(möglicherweise) einen Rückgang der Feinstaubbelastung in der Neustadt erklären.

[37] Welche streams unterscheidet John Kingdon in seinem multiple streams-Modell (=


W), welche kommen in seinem Modell nicht vor (= F)?

[a] polity stream W F


[b] problem stream W F
[c] policy stream W F
[d] political stream W F

[38] Eine (quasi-)experimentelle Prüfung der Wirksamkeit von Qualifikationsmaßnahmen


der Bundesagentur für Arbeit ist methodisch problematisch (= W), weil…

[a] es keine Indikatoren für die Wirksamkeit arbeitsmarktpolitischer W F


Maßnahmen gibt.
[b] eine „doppelt blinde“ Zuordnung der Proband(inn)en zur Test- bzw. W F
Kontrollgruppe unmöglich ist.
[c] sie zu viel Geld kostet. W F
[d] die Kosten von Qualifikationsmaßnahmen schwer zu messen sind. W F

Dies fiel auch relativ schwer, doch nur (b) ist plausibel. Im Bereich der
Arbeitsmarktpolitik gibt es tendenziell eher viele Indikatoren, viele von der BA selbst
prozessgeneriert (und deshalb vergleichsweise „billig“ zu haben, oft kostenlos von
14
einer website…); auch (d) ist nicht plausibel – wenn die BA Sie für eine
Trainingsmaßnahme an einen Anbieter solcher Maßnahmen vermittelt, stellt dieser der
BA eine Rechnung aus – ein Messproblem entsteht an dieser Stelle schwerlich.
Hingegen trifft (b) zu – „doppelt blind“ wie bei pharmazeutischen Experimenten geht
hier nicht (überlegen Sie, wie hier die „Verabreichung eines Placebo“ an die
Kontrollgruppe aussehen sollte…)!

[39] In welchem der folgenden politischen Systemtypen sollte das Phänomen der outside
initiation am häufigsten zu beobachten sein (= W)?

[a] pluralistische Regimes W F


[b] totalitäre Regimes W F
[c] föderale Regimes W F
[d] korporatistische Regimes W F

Ausnahmsweise deutet hier schon die Formulierung der Frage an, dass nach genau
einer wahren Antwort gesucht wird!

[40] Bei welchem der folgenden Punkte handelt es sich um mögliche Ursachen oder
Mechanismen der policy-Diffusion und -Konvergenz (= W), bei welchen nicht (= F)?

[a] Zwang W F
[b] regulativer Wettbewerb W F
[c] Pfadabhängigkeit W F
[d] „lesson drawing“ W F

15