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Vorwort des Kompo­nisten, denn mehrere dieser damals populäre Melodie, das „Nacht-
Kopien tragen die Jahreszahl 1776. Das wächterlied“, das er schon in mehreren
einzige erhaltene Autograph zu dieser Werken zitiert hatte, beispielsweise im
Gruppe, ein Fragment des 1. Satzes der Finale der Sinfonie „Il distratto“ Hob.
Die im vorliegenden Band veröffentlich- Sonate F-dur Hob. XVI:29, ist allerdings I:60 von 1774 und im Menuett-Trio des
ten Sonaten von Joseph Haydn (1732 – ​ schon mit 1774 datiert. Auch für die So- Barytontrios in A-dur Hob. XI:35 von
1809) entstanden zwischen etwa 1771 nate G-dur Hob. XVI:27 lässt sich eine 1766/67.
und 1780. Sie bilden drei Gruppen zu frühere Entstehungszeit annehmen, denn Thematische Beziehungen bestehen
je sechs Werken (Hob. XVI:21 – 26, 27 – ​ sie findet sich in einer Sammel­abschrift zwischen dem 1. Satz der Sonate in G‑dur
32 und 35 – 39, 20). Davon ist nur die mit Klavierwerken, die Haydn in den Hob. XVI:39 und dem Scherzando aus
Sonate E-dur Hob. XVI:22 vollständig 1760er und frühen 1770er Jahren kom- der Sonate in cis-moll Hob. XVI:36.
in Haydns Handschrift überliefert, von ponierte (siehe Quelle Wg2 in den Be­ Bei der Durchsicht der Korrekturbögen
weiteren fünf Sonaten (Hob. XVI:21, merkungen am Ende der vorliegenden kamen dem Komponisten deswegen
23, 26, 29, 20) sind die Autographe in Edition). Es könnte also sein, dass Haydn Bedenken. Als er die Korrekturen am
Teilen erhalten. Zu den Sonaten Hob. die sechs Sonaten nicht von vornherein 25. Februar 1780 zurückschickte, bat
XVI:21 – 26 und 35 – 39, 20 liegen Ori- als Gruppe konzipierte. 1778 wurden er den Verleger jedenfalls darum, der
ginalausgaben vor, für die Haydn die sie zusammen im Verlag Hummel in Ausgabe einen entsprechenden Hinweis
Vorlagen lieferte. Von den Originalaus- Berlin und Amsterdam veröffentlicht. hinzuzufügen: „Unter anderen finde ich
gaben stammen alle Kopistenabschrif- Auch die Sonaten Hob. XVI:35 – 39 noth­wendig um der Critic einiger Wiz-
ten und weiteren Drucke dieser Sona- und 20 entstanden zu unterschiedlichen linge auszuweichen auf der anderen
ten ab. Die Sonaten Hob. XVI:27 – 32 Zeiten; sie werden hier in der Reihen- seite des titul blats folgendes unterstri-
brachte Haydn dagegen offenbar selbst folge vorgelegt, in der Haydn sie für die chen beyzudrucken: Avvertissement. Es
in Abschriften in Umlauf, auf denen Originalausgabe im April 1780 im Wie- sind unter diesen 6 Sonaten zwey ein-
dann auch die nicht autorisierte Erst- ner Verlag Artaria anordnete. Zur Sona- zelne Stücke, in welchen sich etwelche
ausgabe beruht. te in c-moll Hob. XVI:20 ist ein frag- Täcte einer­ley Idee zeigen: der Verfasser
Die Sonaten Hob. XVI:21 – 26 sind mentarisches Autograph aus dem Jahr hat dieses um den unterschied der Aus-
gemäß der Datierung im Autograph 1771 erhalten; es enthält Teile des 1. führung mit Vorbedacht gethan“ (Brief
1773 entstanden und wurden im Früh- und 3. Satzes, teilweise noch im Ent- Nr. 27). Haydn befürchtete offenbar,
jahr 1774 vom Wiener Verlag Kurzböck wurfstadium (siehe Bemerkungen). Ob die Ähnlichkeit der Sätze könnte Kritik
veröffentlicht. Haydn widmete sie seinem zu dieser Zeit auch der 2. Satz schon hervorrufen und dem Verkauf der Aus-
Dienstherrn, Fürst Nikolaus I. Esterházy skizziert war und wann die Komposition gabe im Weg stehen: „Dan ganz natür-
(1714 – 90). Der Ausgabe ist ein Wid- vollendet wurde, ist unklar. Wie aus ei- lich hätte ich stat diesen hundert andere
mungstext beigegeben, in dem Haydn nem Brief Haydns an seinen Verleger Ideen nehmen könen; damit aber dem
die Kennerschaft des Fürsten und seine hervorgeht, schickte er diesem die So- ganzen wercke wegen einer vorbedachten
Beherrschung von Violine und Baryton – nate am 31. Januar 1780: „Übersende kleinigkeit (welche die herrn Criticker,
einem Streichinstrument, das einer Gam- die 6te Clavier Sonate, weil dieselbe die und besonders meine feinde auf der üb-
be ähnelt, aber Resonanzsaiten hat, die längste und schwerste ist: die 5te werde len seite nehmen könten) kein Tadl aus-
auch gezupft werden können – preist ich dieser tägen ganz sicher einhändi- gesezt werden kann, derohalben glaube
(siehe Abbildung auf S. XII). gen“ (Joseph Haydn. Gesammelte Briefe ich dieses avvertissement, oder so etwas
Als 2. Satz der Sonate A-dur Hob. und Aufzeichnungen, unter Benützung dergleichen beizufügen, indem es sonst
XVI:26 übernahm Haydn das Menuet der Quellensammlung von H. C. Rob- dem abgang hinderlich seyn könte“
aus seiner 1772 komponierten Sinfonie bins Landon hrsg. und erläutert von (Brief Nr. 27). Artaria entsprach dem
G-dur Hob. I:47. Möglicherweise hatte Dénes Bartha, Kassel etc. 1965, Brief Wunsch des Komponisten; in der Aus-
er die Sonate ursprünglich als zweisät- Nr. 25). Haydn hatte also die Arbeit an gabe findet sich Haydns Erklärung als
ziges Werk geplant: Im Autograph be- der fünften Sonate (Hob. XVI:39) noch „Avertimento“ in italienischer Sprache.
ginnt das Finale auf der Rückseite des nicht abgeschlossen; er übermittelte sie Gewidmet sind die sechs Sonaten
letzten Blattes des 1. Satzes. schließlich am 8. Februar: „Übersende zwei Wiener Pianistinnen, den Schwes-
Die Sonaten Hob. XVI:27 – 32 ver- hiermit die 5. als letzte Sonate mit Bitte, tern Katharina (1755 – 1825) und Ma­
zeichnete Haydn im „Entwurf-Katalog“, mir alle 6 zur Correctur nochmahlen zu rianna Auenbrugger (1759 – 82), deren
einem von ihm in den Jahren 1765 bis übermachen“ (Brief Nr. 26). Die ersten musikalische Fähigkeiten schon Leo-
1777 geführten Werkverzeichnis, als vier Sonaten Hob. XVI:35 – 38 müssen pold Mozart 1773 in einem Brief an
„6 Sonaten von Anno 776“. Seit die- demnach bereits Ende Januar vorgele- seine Frau lobte. Auch Haydn schätzte
sem Jahr wurden die Werke in Einzel- gen haben. die beiden sehr; im oben genannten
abschriften vertrieben, wohl auf Veran- Im Menuett der Sonate in cis-moll Brief vom 25. Februar schrieb er voller
lassung oder zumindest mit Billigung Hob. XVI:36 verwendete Haydn eine Anerkennung: „Der beyfall deren Frei-

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len v. Auenbrugger ist mir der allerwich­ tion des Fingersatzes von Sonate zu So- hand, while a further five (Hob. XVI:21,
tigste, indem Ihre spielarth und die Äch- nate stark unterscheiden kann. Ziel bei 23, 26, 29, 20) survive only partly in
te einsicht in die Tonkunst denen grös- der Zusammenstellung war nun nicht, autograph. In the case of the Sonatas
ten Meistern gleichkomt: Beede verdien- bestehende Unterschiede einzu­ebnen, Hob. XVI:21 – 26 and 35 – 39, 20, there
ten durch offentliche Blätter in ganz sondern im Gegenteil die interpretato- are original editions for which Haydn
Europa beckant gemacht zu werden“ risch-technischen Überlegungen jeder provided the engravers’ copies. All man-
(Brief Nr. 27). Nach dem Wortlaut des Pianistin und jedes Pianisten erfahrbar uscript copies, and all later editions of
Titels der Originalausgabe ging die Wid- zu machen. So werden einmal wenige, these sonatas, derive from these original
mung der Sonaten allerdings nicht vom das andere Mal viele Ziffern gedruckt; editions. Conversely, Haydn himself ap-
Komponisten, sondern vom Verleger aus mal ist der Fingersatz eher pädagogisch parently circulated copies of the Sona-
(siehe Bemerkungen), was Haydn in orientiert, mal richtet er sich bewusst an tas Hob. XVI:27 – 32, and these became
seinem Brief an Artaria vom 20. März Fortgeschrittene. Parallelstellen sind in the basis for the unauthorised first edi-
1780 beklagte: „nur eines bedaure ich, der Regel identisch bezeichnet – in eini- tion.
daß ich nicht selbst die Ehre genüssen gen Sonaten weichen sie jedoch bewusst The Sonatas Hob. XVI:21 – 26 were
konnte, diese Sonaten denen Fräulen v. voneinander ab, entweder aus klangli- composed in 1773 according to the date
Auenbrugger zu dediciren“ (Brief Nr. 28). chen oder aus klavierpädagogischen in the autograph, and were published in
Gründen. Teils will der gedruckte Fin- spring 1774 by the Viennese company
Gespielt wurde Haydns Klaviermusik gersatz die gewünschte Phrasierung von of Kurzböck. Haydn dedicated them to
bis in die 1780 Jahre auf Cembalo oder Motiven vorgeben, teils hält er sich neu- his employer, Prince Nikolaus I Esterhá­
Fortepiano, im häuslichen Bereich auch tral und ermöglicht somit prinzipiell zy (1714 – 90). This edition was accom­
auf dem Clavichord. Das Hammerkla- jede Artikulation. Einige Künstler ha- panied by a dedicatory text (see the re-
vier wurde erst in den späteren 1780er ben auch ihre Erfahrung aus der histo- production on p. XII) in which Haydn
Jahren zu Haydns bevorzugtem Instru- risch informierten Aufführungspraxis praises the Prince’s musical connois-
ment. einfließen lassen und hatten bei ihren seurship and his mastery of the violin
individuellen Lösungen Instrumente aus and baryton – a string instrument simi-
Die Ausgabe von Haydns sämtlichen der Haydn-Zeit im Blickfeld. lar to a gamba but with a set of sympa-
Klaviersonaten in drei Bänden gibt den Der Verlag möchte jede Klavierspie­ thetic strings that can also be plucked.
Notentext nach der vom Joseph Haydn- lerin, jeden Klavierspieler mit dieser For the 2nd movement of the A major
Institut Köln herausgegebenen Gesamt- ­Urtextausgabe zu einer frischen, inspi- Sonata Hob. XVI:26, Haydn reused the
ausgabe wieder. Die vorliegende revi- rierenden Beschäftigung mit Haydns Menuet from his Symphony in G major
dierte Ausgabe enthält neue Vorworte Sonaten-Kosmos einladen. Wir danken Hob. I:47, composed in 1772. Perhaps
und Bemerkungen, zudem wurden im allen Künstlerinnen und Künstlern, die he had originally planned the Sonata as
Notentext Korrekturen berücksichtigt, ihre je ganz persönliche Sicht auf Haydns a two-movement work, for in the auto-
die auf Erkenntnissen aus den nachträg- Sonaten mit uns teilen. graph the Finale begins on the back of
lich erschienenen Kritischen Berichten the final leaf of the 1st movement.
beruhen. München, Frühjahr 2020 Haydn listed the Sonatas Hob. XVI:27 – ​
Den in den Bemerkungen genannten G. Henle Verlag 32 in his “Entwurf-Katalog” – a cata-
Bibliotheken sei für freundlich zur Ver- logue of works that he kept in the years
fügung gestelltes Quellenmaterial herz- 1765 – 77 – as “6 Sonatas from the year
lich gedankt. 776”. The works were distributed from
that year in single copies, probably at
Köln, Frühjahr 2020 the composer’s instigation or at least
Silke Schloen with his consent, for several of them are
Preface dated 1776. However, the only surviv-
ing autograph among this group, a frag-
Zum Fingersatz ment of the 1st movement of the Sonata
Die in diesem Band abgedruckten Fin- in F major Hob. XVI:29, is dated 1774.
gersatzangaben stammen – ungewöhnli- The Sonatas by Joseph Haydn (1732 – ​ An earlier composition date may also
cherweise – für jede Sonate von jeweils 1809) published in this volume were be assumed for the Sonata in G major
einer anderen Künstlerin, einem ande- composed between roughly 1771 and Hob. XVI:27, for it is found in a collec-
ren Künstler. Eine Übersicht aller Betei- 1780. They form three groups, each of tion of manuscript copies of keyboard
ligter findet sich im Register auf S. VI six works (Hob. XVI:21 – 26, 27 – 32 works that Haydn composed in the
der vorliegenden Edition. Der individu- and 35 – 39, 20). Only one of them, the 1760s and early 1770s (see source Wg2
elle Zugang der betrauten KünstlerInnen Sonata in E major, Hob. XVI:22, has in the Comments at the end of the pres­
führt dazu, dass sich die Art und Inten- been handed down complete in Haydn’s ent edition). Thus it could be that Haydn

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did not conceive the six Sonatas as a he asked his publisher to add a suitable Until the 1780s, Haydn’s keyboard mu-
group from the outset. They were pub- note to the edition: “Among other things sic was played on the harpsichord or
lished as a set in 1778 by Hummel in I find it necessary, so as to avoid witti- fortepiano, and also, in the domestic
Berlin and Ams­terdam. cisms from some of my critics, to print sphere, on the clavichord. The piano­
The Sonatas Hob. XVI:35 – 39 and the following underlined text on the re- forte became his preferred keyboard
20 were also composed at different verse of the title page: Avvertissement. instrument only in the late 1780s.
times. We present them here in the or- Among these 6 Sonatas there are two
der in which Haydn placed them in the individual movements in which several This three-volume edition of all of
original edition, published in April 1780 measures present the same musical idea: Haydn’s piano sonatas reproduces the
by Artaria in Vienna. A fragmentary the composer has consciously done this, musical text of the Complete Edition
autograph from 1771 survives for the bearing in mind the different contexts of published by the Joseph Haydn-Institut
Sonata in c minor Hob. XVI:20; it con- their execution” (letter no. 27). Haydn Köln. Our revised edition contains new
tains parts of the 1st and 3rd movements, apparently feared that the similarity of prefaces and commentaries, and incor-
sometimes only in sketch form (see the the movements might arouse criticism, porates corrections to the musical text
Comments). Whether the 2nd movement and stand in the way of sales of the edi- that are based on findings published
had already been sketched at this time tion: “For of course I could have used a subsequently in the Institut’s Critical
is unclear, as is the question as to when hundred other ideas instead of these; but Reports.
the composition was completed. A letter in order that no reproach will be raised Those libraries named in the Com­
from Haydn to his publisher reveals against the entire work on the basis of a ments are warmly thanked for kindly
that he sent him this Sonata on 31 Jan- premeditated trifle (which the gentlemen making the source materials available.
uary 1780: “I am sending the 6th key- critics, especially my enemies, could
board sonata, because this one is the wickedly use against me), I believe that Cologne, spring 2020
longest and most difficult; I shall defi- to include this notice or another of a sim- Silke Schloen
nitely hand over the 5th one in the com- ilar sort will be helpful, since otherwise
ing days” (Joseph Haydn. Gesammelte the works’ sales could be hindered” (let-
Briefe und Aufzeichnungen, using the ter no. 27). Artaria complied with the On the fingering
source collection of H. C. Robbins Lan­ composer’s wishes, and Haydn’s clarifi- Unusually, each of the sonatas in this
don, ed. and with a commentary by cation was printed in the edition, given volume has been supplied with finger-
Dénes Bartha, Kassel etc., 1965, letter in Italian as an “Avertimento”. ings by a different performer; their
no. 25). Thus Haydn had not yet finished The six Sonatas are dedicated to two names are all listed in the index to the
work on the fifth Sonata (Hob. XVI:39), Viennese pianists, the sisters Katharina present edition (p. VI). The individu-
which he finally delivered on 8 Febru- (1755 – 1825) and Marianna Auenbrug- al approach of each artist means that
ary: “Herewith I am sending the 5th So- ger (1759 – 82), whose musical abilities the type and purpose of the fingerings
nata, which is the final one, with the had already been praised by Leopold may differ markedly from sonata to
request that I be sent proofs of all 6 for Mozart in a letter to his wife of 1773. sonata. Our goal in bringing them to-
re-checking” (letter no. 26). The first Haydn also had a very high opinion of gether has not been to level out any
four Sonatas, Hob. XVI:35 – 38, must them, writing in the aforementioned letter differences, but – on the contrary – to
accordingly already have been in exist- of 25 February 1780 with much admira­ make visible the interpretative and
ence at the end of January. tion: “The approval of Misses von Auen- technical deliberations of each pianist.
In the Menuet of the Sonata in ck mi- brugger is the most important to me; for Thus some of the sonatas have few
nor Hob. XVI:36, Haydn used a popu- their way of playing, and their close at- printed fingerings, others have many;
lar melody of the time, the “Song of the tention to the music, are equal to those sometimes the fingering is more peda-
Night Watchman”, that he had previous- of the greatest masters. Both deserve to gogically inclined, and at other times
ly cited in several works, such as the Fi- become known everywhere in Europe it is consciously directed towards more
nale of his Symphony Hob. I:60, “Il dis- through the public newspapers” (letter advanced pianists. Parallel contexts
tratto”, of 1774, and the Menuet-Trio of no. 27). According to the wording of the are, as a rule, fingered identically, but
the Baryton Trio in A major Hob. XI:35 title page of the original edition, the So- in some sonatas they are intentionally
of 1766/67. natas’ dedication derived not from the made different from each other, either
There are thematic relationships be- composer but from his publisher (see the for pedagogical reasons or to achieve a
tween the 1st movement of the G major Comments), something that Haydn la- different sound. The printed fingerings
Sonata Hob. XVI:39 and the Scherzando mented in his letter to Artaria of 20 March are sometimes intended to produce a
from the Sonata in ck minor Hob. XVI:36. 1780: “I regret just one thing; that I was specific way of phrasing motives, but at
This caused the composer some worry not myself able to enjoy the honour of other times remain neutral, so as – in
when reading through the proofs. When dedicating these Sonatas to the Misses principle – to permit any articulation.
returning these on 25 February 1780, von Auenbrugger” (letter no. 28). Some artists have incorporated their ex-

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perience of historically informed perfor- de sa maîtrise du violon et du baryton bli si le 2e mouvement était aussi déjà
mance practice, and have had regard to (instrument à cordes similaire à une viole esquissé à ce moment-là et quand la
the instruments of Haydn’s day when de gambe doté de cordes sympathiques composition fut achevée. Comme en té-
proposing their own individual solutions. pouvant également être pincées. Pour la moigne une lettre de Haydn à son édi-
The publisher invites every pianist dédicace voir illustration p. XII). teur, il lui envoya la Sonate le 31 jan-
to a fresh and inspiring engagement Pour le 2e mouvement de sa Sonate vier 1780: «Je vous envoie la 6e sonate
with Haydn’s sonata universe. We thank en La majeur Hob. XVI:26, Haydn réu- pour piano, car c’est la plus longue et
all our artists for sharing their own per- tilisa le Menuet de sa Symphonie en Sol la plus difficile: je vous remettrai très
sonal view of Haydn’s sonatas with us majeur Hob. I:47 composée en 1772. certainement la 5e ces prochains jours»
here. Mais il est possible que la Sonate ait (Joseph Haydn. Gesammelte Briefe und
initialement été conçue en deux mouve- Aufzeichnungen, en exploitant le recueil
Munich, spring 2020 ments, car dans le manuscrit autographe, de sources de H. C. Robbins Landon, éd.
G. Henle Verlag le Finale commence au dos de la der- et commenté par Dénes Bartha, Cassel
nière page du 1er mouvement. etc., 1965, lettre no 25). Haydn n’avait
Les Sonates Hob. XVI:27 – 32 sont donc pas encore fini de travailler sur la
désignées par Haydn dans son «Ent­ 5e Sonate (Hob. XVI:39) à ce moment-
wurf-Katalog», répertoire de ses œuvres là et la transmit finalement le 8 février:
qu’il tint de 1765 à 1777, par la men- «Par la présente, je vous envoie la cin-
tion «6 sonates de l’an 776». À partir de quième comme dernière sonate en vous
Préface cette année-là, ses œuvres furent diffu- priant de me les retourner encore une
sées sous forme de copies séparées, sans fois toutes les six pour correction» (lettre
doute à sa propre instigation ou pour le no 26). Les quatre premières Sonates
moins avec son approbation, puisque Hob. XVI:35 – 38 devaient donc être
Les sonates de Joseph Haydn (1732 – ​ plusieurs de ces copies portent la date achevées dès la fin du mois de janvier.
1809) publiées dans le présent volume de 1776. Cependant, le seul manuscrit Dans le Menuet de la Sonate en utk mi-
furent écrites entre 1771 et 1780 envi- autographe conservé de ce groupe de neur Hob. XVI:36, Haydn utilisa une
ron. Elles forment trois groupes de six sonates, un fragment du 1er mouvement mélodie populaire à cette époque, la
œuvres chacun (Hob. XVI:21 – 26, 27 – ​ de la Sonate en Fa majeur Hob. XVI:29, «Chanson du veilleur de nuit», qu’il
32 et 35 – 39, 20). Parmi elles, la Sonate est déjà daté de 1774. Une date de com- avait déjà citée dans plusieurs œuvres
en Mi majeur Hob. XVI:22 est la seule position antérieure est également pro- auparavant, notamment dans le Finale
dont le manuscrit de Haydn est parvenu bable pour ce qui concerne la Sonate en de la Symphonie Hob. I:60 de 1774,
complet jusqu’à nous, tandis que les Sol majeur Hob. XVI:27, car elle figure «Il distratto», et dans le Trio du Menuet
manuscrits autographes de cinq autres dans un recueil de copies d’œuvres pour du Trio pour baryton en La majeur
Sonates (Hob. XVI:21, 23, 26, 29, 20) piano composées par Haydn dans les an- Hob. XI:35 de 1766/67.
n’ont été que partiellement conservés. nées 1760 et au début des années 1770 Il existe des liens thématiques entre
Il existe des éditions originales des So- (voir la source Wg2 dans les Bemerkun­ le 1er mouvement de la Sonate en Sol
nates Hob. XVI:21 – 26 et 35 – 39, 20, gen ou Comments à la fin de la présente majeur Hob. XVI:39 et le Scherzando
réalisées à partir de supports fournis édition). Par conséquent, il est possible de la Sonate en utk mineur Hob. XVI:36.
par Haydn. Toutes les copies de copistes que Haydn n’ait pas conçu dès le début Le compositeur fut pris de doutes à ce
et autres éditions de ces Sonates reposent ces six sonates comme un tout. Cepen- sujet lors de la relecture des épreuves.
sur les éditions originales. À contrario, dant, elles furent publiées ensemble en Lorsqu’il renvoya les corrections le
les Sonates Hob. XVI:27 – 32 furent ma- 1778 par la maison d’édition Hummel à 25 février 1780, il demanda à l’éditeur
nifestement diffusées par Haydn lui- Berlin et Amsterdam. d’ajouter une note à la publication:
même sous la forme de copies sur les- Les Sonates Hob. XVI:35 – 39 et 20 «Entre autres choses, je trouve néces-
quelles se fonde la première édition, non furent également composées à différentes saire, afin de couper court aux critiques
autorisée. époques. Elles sont présentées ici dans de certains plaisantins, d’imprimer ce
Selon la datation du manuscrit auto- l’ordre utilisé par Haydn pour l’édition qui suit et de le souligner, au verso de
graphe, les Sonates Hob. XVI:21 – 26 originale d’avril 1780, parue chez l’édi- la feuille de titre: Avvertissement. Il y a
furent écrites en 1773 puis publiées au teur viennois Artaria. Un manuscrit au- parmi ces six sonates deux pièces indi-
printemps 1774 par l’éditeur viennois tographe fragmentaire de la Sonate en viduelles dans lesquelles certaines me-
Kurzböck. Haydn les dédia à son em- ut mineur Hob. XVI:20 datant de 1771 sures partagent une même idée: l’auteur
ployeur, le prince Nikolaus I Esterházy a été conservé. Il contient des parties du a fait cela sciemment eu égard aux dif-
(1714 – 90). L’édition est accompagnée 1er et du 3e mouvement, dont certaines férences d’interprétation» (lettre no 27).
d’une dédicace dans laquelle Haydn fait encore au stade d’ébauche (voir Be­mer­ Haydn craignait manifestement que les
l’éloge de l’érudition du prince ainsi que kungen ou Comments). Il n’a pu être éta- ressemblances entre les mouvements ne

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suscitent des critiques et ne fassent obs- qu’une chose, c’est de n’avoir pu moi- sente édition. L’approche individuelle
tacle à la vente de la publication: «Bien même avoir l’honneur de dédier ces de chaque artiste de référence a pour
naturellement, j’aurais pu prendre cent sonates aux demoiselles Auenbrugger» conséquence que le style et l’intention
autres idées à la place de celle-ci. Mais (lettre no 28). des doigtés peuvent varier considérable-
afin qu’on ne puisse pas dénigrer l’en- ment d’une sonate à l’autre. Les rassem­
semble de l’ouvrage à cause d’un dé- Jusque dans les années 1780, la musique bler ici n’avait pas pour objectif de ni-
tail volontaire (que ces messieurs les pour piano de Haydn fut jouée au clave- veler les différences existantes, mais au
critiques, et surtout mes ennemis, pour- cin ou au pianoforte, voire au clavicorde contraire de rendre tangible la réflexion
raient considérer d’un œil malveillant), dans le cadre domestique. Le piano ne de chaque pianiste au regard de l’inter-
je crois que je devrais ajouter cet avver- devint l’instrument privilégié de Haydn prétation et de la technique. Ainsi les in­
tissement, ou quelque chose de ce genre, que vers la fin des années 1780. dications sont-elles tantôt rares tantôt
car sinon cela pourrait nuire à sa diffu- nombreuses, à visée pédagogique ou vo-
sion» (lettre no 27). Artaria se conforma L’édition intégrale en trois volumes de lontairement destinées à des pianistes de
au souhait du compositeur: l’explication sonates pour piano de Haydn est fon- niveau avancé. Généralement, les pas-
de Haydn figure dans la publication sous dée sur la version publiée dans l’Édition sages parallèles sont traités de manière
la forme d’un «Avertimento», en italien. Complète des œuvres de Haydn du Jo- identique – cependant, dans certaines
Les six Sonates sont dédiées à deux seph Haydn-Institut Köln. La présente sonates, le traitement est sciemment dif­
pianistes viennoises, les sœurs Katharina édition révisée contient de nouvelles férent, pour des raisons pédagogiques ou
(1755 – 1825) et Marianna (1759 – 82) préfaces et de nouveaux commentaires. musicales. Dans certains cas, le doigté
Auenbrugger, dont Leopold Mozart Ont également été prises en compte des retenu indique le phrasé de motifs sou-
louait les qualités musicales dans une corrections reposant sur les conclusions haité, dans d’autres, sa neutralité per-
lettre à sa femme en 1773. Haydn les de Commentaires Critiques parus par la met, en principe, n’importe quelle arti-
tenait également en haute estime. Dans suite. culation. Certains artistes se sont égale-
la lettre du 25 février citée précédem- Nous remercions chaleureusement ment appuyés sur leur expérience d’une
ment, il écrit plein de reconnaissance: les bibliothèques mentionnées dans les pratique d’interprétation historiquement
«Les applaudissements des demoiselles Bemerkungen ou Comments pour l’ai- informée, en gardant les instruments
Auenbrugger sont pour moi les plus im- mable mise à disposition des sources. contemporains de Haydn en ligne de mire
portants, car leur jeu et leur véritable des solutions individuelles proposées.
vision de l’art de la musique sont à l’aune Cologne, printemps 2020 Grâce à cette édition Urtext, la maison
de ceux des plus grands maîtres: toutes Silke Schloen d’édition souhaite proposer à tous les
deux ont mérité que les journaux de pianistes une approche de l’univers des
toute l’Europe contribuent à leur noto- sonates de Haydn fraîche et propice à
riété» (lettre no 27). Cependant, selon la À propos des doigtés l’inspiration. Nous remercions chaleu-
formulation du titre de l’édition origi- Fait inhabituel, les indications de doigtés reusement tous les artistes qui partagent
nale, la dédicace des Sonates n’est pas imprimées dans ce volume proviennent leur vision très personnelle des sonates
le fait du compositeur, mais de l’éditeur d’un ou d’une artiste différents pour de Haydn ici avec nous.
(voir Bemerkungen ou Comments), ce chaque sonate. Vous trouverez une vue
dont se plaint Haydn dans sa lettre à Ar- d’ensemble de tous les contributeurs Munich, printemps 2020
taria du 20 mars 1780: «Je ne regrette dans l’index figurant p. VI de la pré- G. Henle Verlag

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