Sie sind auf Seite 1von 55

ISBN 978-3-662-24369-5 ISBN 978-3-662-26486-7 (eBook)

DOI 10.1007/978-3-662-26486-7
Sonderabdruck aus
"Ingenieur-A.rchiv", 24. Band, 3. Heft, 1956, S. 216-232
Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH

Die Berechnung des beliebig gestiitzten Durchlauftrăgers


nach dem Reduktionsverfahren
Von S. Falk
216 FaIk: Die Berechnwag des beliebig gestützten Durchlaufträgen UIW.

1. Einleitung; Ziel der Arbeit. In der Baustatik pflegt man statisch unbestimmte Tragwerke
im allgemeinen nach der Eliminationsmethode mit Hilfe sogenannter "Grundsysteme" zu berech-
nen: entweder wird das Tragwerk durch Entfernen von Bindungen statisch bestimmt gemacht
(Kraftmethode), oder durch zusätzliche Bindungen so festgehalten, daß es sich nicht mehr ver-
formen kann (Deformationsmethode). In beiden Fällen sind die dabei auftretenden "überzäh-
ligen" Kraft- bzw. Deformationsgrößen aus linearen Gleichungssystemen nach dem Gaußsehen
Algorithmus oder anderen Verfahren (Iteration von Biezeno l , Relaxation von Cross 2 usw.) zu
ermitteln. Die Anzahl der Gleichungen, die in einfachen Fällen übersichtlich gebaut sind (Drei-
bzw. Fünfmomentengleichungen und andere) wächst mit dem Grade der statischen Unbestimmt-
heit.
Nun ist die Einführung eines Grundsystems natürlich keineswegs zwingend; man kann ebenso
gut Kraft- und Deformationsgrößen nebeneinander herführen, und da dann weder die einen noch
die anderen aus dem Zusammenhang eliminiert werden, treten auch keine Überzähligen, somit
auch keine Gleichungssysteme höherer Ordnung auf; der Grad der statischen Unbestimmtheit
tritt bei diesem sogenannten "Reduktionsverfahren" überhaupt nicht in Erscheinung; wesentlich
für die Berechnung werden vielmehr die topologischen Eigenschaften des Tragwerkes - die sich
übrigens auch in den Gleichungssystemen der Eliminationsmethode widerspiegeln - , und zwar
zeigt es sich, daß man beim durchlaufenden offenen Rahmen, als deren einfachsten Vertreter wir
den geraden Balken mit n Feldern herausgreifen, auf Systeme von höchstens zwei linearen Glei-
chungen stößt.

'E' r '1'~ --- ;:. ~


In der vorliegenden Arbeit werden nun einfach gehaute fünfreihige Matrizen angegeben, mit
denen sich die Kraft- und Deformationsgrößen eines beliebig starr oder elastisch gestützten Balkens
leicht berechnen lassen. Biege-
steifigkeit EJ und Belastung q
brauchen nicht konstant zu sein.
Einzige, auch sonst in der Baustatik
J:. " Xl .2'J ~ übliche Voraussetzung ist, daß
sämtliche Beziehungen linear sind,
das Hookesche Gesetz also im vollen
~~~---
~ Jb-------~ ~
~i}
Abb . 1. Beliebig Itltllll.ttl' Durcbhuflriler. Im liDku. Eride dW'cb eine Eillael-
Umfang gültig bleibt. An drei Bei-
spielen wird das V crfahren vor-
geführt und der Rechenaufwand
kraft btllauet. mit dem der Eliminationsmethode
verglichen.
2. Der Grundgedanke des Reduktionsverfahrens. Ein beliebig gestützter Balken mit n Feldern
werde am linken Ende durch eine senkrechte Kraft Qo belastet (Abb. 1), dann sind Durchbiegung
(Verschiebung) W., Neigung (Drehwinkel) p., Biegemoment M._ und Querkraft Qn am rechten
Ende eindeutig bestimmt, und zwar als lineare Funktionen von Qo, das heißt, die Kraft k Qo ruft
auch die k-fachen Kraft- und Deformationsgrößen am rechten Balkenende hervor. Nun denken
wir uns links außer Qonacheinander ein Moment Mo, eine Verschiebung Wo und einen Dreh-
winkel ({Jo - alles von beliebiger Größe - , und schließlich die über den ganzen Balken verteilte
gegebene Belastung q angebracht: jedesmal sind Kraft- und DeformationsgröBen am rechten
Ende festgelegt. Da nun die vier Konstanten Wo' rpo, Mo und Qo ganz willkürlich sind, lassen sich
mit ihnen auch gerade die je nach der Lagerung an beiden Enden vorgeschriebenen zweimal zwei
Randbedingungen erfüllen, und die eigentliche rechnerische Aufgabe besteht lediglich darin, den
linearen Zusammenhang zwischen Kraft- und Deformationsgrößen an bei den Balkenenden her-
zustellen, was zweckmäßig mit Hilfe von Matrizen geschieht.

1 C. B. Bieunou. R. Grammel, Technische Dynamik, Bd. 1, S. 280, 2. Aufi., Berün.Göttiugen-Heidelberg 1953.


• H. Cross, TrlUl8. Am. 80c. civ. Eng. 96 (1932) 8. 1.
XXIV. Rund 19S6 Falk: Die Berechnullt( ,les beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. 217

Die hier geschilderte Methode ist im Prinzip nicht neu. Sie tritt uns in ihrer einfachsten
Form schon im Ziehen einer Schlußlinie bei der zeichnerischen Integration entgegen und findet
sich weiterhin in der gesamten angewandten Physik und Technik, so etwa bei Holzer- Tolle l
(Schwingungen von Kurbelwellen), H. Herzberger~ (Strahlengang durch Linsensysteme) und
Q. Koitpr 3 (Träger auf elastischen Stützen). Besonders in den letzten Jahren wurde der Gedanke
des Reduktionsverfahrens durch einige, zum Teil voneinander unabhängige Arbeiten immer mehr
in den Vordergrund gerückt, so vor allem von E. Pestel· und H. Fuhrke' (Schwingungen von
Stabwerken) und von W. Schne1l 6 und K. Marguprre 7 (Stabilitätsprobleme). Ferner wurde das
Problem vom Verfasser 8 ganz allgemein mit Hilfe normierter Fundamentalsysteme von n linearen
inhomogenen Differentialgleichungen m-ter Ordnung mit insgesamt m·n Rand- und Übergangs-
bedingungen behandclt und schließlich von H. SchaeJer 9 von der Jakobi-Hamiltonschen Theorie
der linearen kanonischen Gleichungssysteme her aufgegriffen, wobei sich unter anderem bemer-
kenswerte Eigenschaften der bilincaren Kovariante ergaben, die sich auch für die praktische
Rechnung heranziehen lassen.
3. Feld- und Leitmatrix. Die allgemeine Lösung der Biege-Differentialgleichung
[EJi(Xi) W"(Xi)]" = q.(x.) (1)
im i-ten Felde der Länge '. = x. - Xi_I lautet mitsamt ihren ersten vier Ableitungen
U'(Xi) ~ Wi(Xi) = 1. lVi-.1 - + + W.(Xi)· 1,
Xi' rp'_1 !i(Xi) • M'_ I + gi(Xi)' Q'_I
- 10'(Xi) "'" !Pi (X.) = + tPi(Xi)' 1,
1· rp' __1- j:(Xi) • M'_ I - g:(Xi)' Q._I
EJi(Xi) W"(Xi) = Mi(Xi) = 1· M'_I + Xi' Qi-I + Mi(xi)'I, (2)
[EJi(x.) W"(Xi»)' = Qi(X.) = 1· Qi-I + Q.(Xi) • 1,
[EJi(Xi) W"(Xi)]" = qi(Xi) = qi(Xi)' 1.

l
Dabei wurde zur Abkürzung gesetzt

') rEIlJ) ,
Si
, J d~
S.
"i

ji(X. = d$ !i(XI) = (Ja~) d$; gi(Xi) =


';·d$
EJM) , gi(X.) = g;m (3)
o ö o o
und

- J' - J' Q- J' MM) Jf/Ji-(~).....J~ • (4)


Xi Xi x. Xi

Q(X)i= qi(~)'~' Mi(Xi)= )d


M~; - ()
-'/,iXI = EJ;(E) , d,! - (X)
-Wi • =
o 0 0 0

Die Vorzeichen sind nach Abb. 2 so gewählt, daß einer positiven Querkraft (einem positiven Biege<
moment) am rechten Schnittufer auch eine positive Verschiebung (ein positiver Dre~winkel)
entspricht. Für Xi = 0 verschwinden offenbar sämtliche Glieder außerhalb der Hauptdiagonale
in (2), und man erkennt, daß die vier willkürlichen Integrations< ~.r r =
konstanten Wi_t. rpi-t. M,_I und Qi-I nichts anderes sind als
Verschiebung, Drehwinkel, Biegemoment und Querkraft an
1~
= N
(
der linken Feldgrenze. Die mit dem Zeichen - versehenenGrößen ID

w., tPi' ii; und Qi dagegen sind die von der gegebenen Belastung Abh. 2. Voroci.hen d.". Kur,. "nd
im Bereiche 0 < ~ < Xi herrührenden Anteile. O'C.rm •• i ....r.llen.

Fassen wir nun die fünf Größen w, f/J, M, Q und 1 zum "Vektor" lJ und die Koeffizienten des
Gleichungssystems (2) zur "Feldmatrix" lY zusammen, sO läßt sich nach Division der letzten
Zeile durch qi(Xi) anstelle von (2) kurz schreiben:
~i(Xi) = lYi(Xi) ~i-I • (5)
1 M. Tolle, Regelung der Kraftmaschinen, Berlin 1921.
• H . H.rzberg.r, Strahlenoptik, S. 94, Berlin 1931. . ,
• Q. Koiter, De Ingenieur 55 (1940) S.57. Das Verfahren findet sich ausführlich beschrieben und rrut
einem Zahlenbeispiel versehen bei Bi.uno-Gramm.I, Technische Dynamik, Bd. I, S. 268, 2. Aun.
• E. PUleI, Abh. Braunschweig. Wi••. Ge •. 6 (1954) S. 227.
• H. Fuhrk., Ing.-Arch.23 (1955), S.329.
• W. Schnell, Z. angew. Math. Mech. 35 (1955), S. 269.
7 K. Margu.rr., Forochungsbericht auf der GAMM-Tagung 1955 in Berlin.
• S. Falk, Abh. Braunschweig. Wi ••. Ge•. 7 (1955), S. 74.
• H. Schoefer, Vortrag auf dem Mechanik-KoUequium der Niedersächsischen Hochschulen am 3.12.1955
in Braunschweig.
218 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers U8W. Ingenieur-Archiv

Setzen wir hier den Wert X; = li ein, so wird an der rechten Feldgrenze
~i(li) = lYi(li) ~ i - I (6)
oder auch
t)ii = Bi ~ i-I (7)
mit
s,(',)

~,I') ~ ~ [j
-li /;(1.;) Wi(l;)
-ni,) -g:(li) ipi(l,)
2, 0 1 I.; Mi(li) (8)
0 0 1 Qi(li )
0 0 0 1
Diese sogenannte "Leitmatrix" .I:li stellt nach (7) den linearen Zusammenhang zwischen Kraft-
und Deformationsgrößen an den Feldgrenzen x, = 0 und x, = I, her. Die darin auftretenden,
durch die Gleichungen (3) und (4)
ß~(lJ definierten festen Zahlenwerte sind
-----W~(l;) die an die rechte Feldgrenze redu-
zierten Funktionen qi (Belastung),
M;jEJ, ("konjugierte Belastung"),
I /EJ, und x;jEJi • Man denkt sich
also das i-te Feld links frei, rechts
eingespannt(Abb.3), trägt die Funk-
tion q,(Xi) in geeignetem Maßstab
auf und ermittelt den Flächeninhalt
Q,(I,) sowie das Moment ersten Grades
Mi(l;), entweder rechnerisch oder mit
Hilfe von Kraft- und Seil eck. Ebenso
_ _ _ _ _~ ~t{l;) verfährt man mit den anderen drei
Funktionen. Im Gegensatz zum
~(Li) Mohrschen Analogie verfahren gibt
es hier keine "zugeordneten Balken"
mit vertauschten Auflagern; denn
sämtliche Randbedingungen werden
ja bereits durch die vier freien Kon-
stanten in (2) erfaßt!
"Falls die Biegesteifigkeit feldweise
ALb. 3. En»itUun, der btllü\i&t.cD Funktiolll5wert.c du~ R~dullioo an di(: reohtd.
konstant ist, wird nach (3) einfach,
Fddgrcuze. wenn wir der Übersichtlichkeit halher
noch den Index i herausziehen,

ß{
-I 12/2 EJ 13/6EJ
1 - l/EJ _12/2 EJ .I~l
~(I)
0 1 1 ~(I) , EJ, = konst. (9)
0 0 1 Q(I)
0 0 0 1 i

Die Werte der letzten Spalte dieser Matrix sind für die häufigsten Belastungsfälle in der
Tabelle 1 zusammengestellt.
4. Die Vbergangsmatrix. Die Matrix B leitet die Werte (w, rp, M, Q, 1) = t) vom linken zum
rechten Feldrande hinüber; wie aber geht nun der Vbergang ins Nachbarfeld vonstatten? Vor-
erst sei der Balken nach AbbA lediglich durch Federn und Drehfedern elastisch gestützt; deren
Reaktionen sind dann nach dem Hookeschen Gesetz:
Q'i =- Ci w" -Me, =- Ci tp,. (10)
Die Federkonstanten ,,(to/m) und Ci(to m) sind entweder von vornherein gegeben oder aber aus
anderen mechanischen Kenngrößen bei Queranschlüssen usw. zu berechnen. Sollten die (Dreh)-
XXIV. B""d 1956 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgera usw. 219

Tabelle I. Be/45lung.grOß.n für feldlJJfJi•• k<>n5/(Jnt. Bitgtsuifigkeil EJ.

La::! tr'\H ~
L o- ' V"E::"~
l /.
rr.E:~I~ qz

w<.'> = Po'/6E} Mb'/2EJ 9/'/24 EJ (491 + q,) /' 1120 EJ


<P</) = -PoI/2EJ -MbIEJ --</./'/6 EJ - (3 91 + q.) 1'/ 24 EJ
M(l) = Pa M qll /2 (2 91 + q.) 1'/6
Q<I) = P 0 91 (q, + g.) 1/2

federn in der unverbogenen Lage des Balkens nicht seIhst entspannt sein, so gilt nach Abb. 5
anstelle von (10) allgemeiner:
Q.i = - Ci (Wi - W i) = - Ci Wi + Ci Wi, Mei = - Ci ('Pi - <1>i) = - Ci fPi + Ci <1>i. (11)
Man hraucht also nur die konstanten gegebenen Größen Ci Wi bzw. Ci <1>i zur Belastung hinzuzu-
schlagen und rechnet dann so, als seien sämtliche Federn ohne Vorspannung; wir kümmern uns
daher im folgenden nur noch um die Gleichung (10).

--1------
ir

:;./
Abb. 4. Elutilloehe. Sl tz.e mil F~der
l.lDQ Dn:b&dcr. Abb. S. Ei. ... ~jtche SI.Il1.iUl:mit vor,«pllllDt~n Federa.

I
Nun können an einer Feldgrenze außer den elastischen Reaktionen auch noch andere Kraft-
und Deformationsgrößen hinzutreten, die wir mit einem ~ versehen wollen. Die Gleichungen
zwischen den Vektoren ~i(li) == ~ii und ~i+!(O) == ~i+l lauten dann unter Berücksichtigung
von (10)
Wi+l = w"
fPi+!= 'Pli +."
+ ~i'
M i +1 = -Ci'Pii + M ii + Mi, (12)
Qi+l = - Ci WH +Qii+Qi,

:
1 1
oder kurz
1 0 0 0

~i+l = Ui ~ii ~~~l -Ci


-Ci
0
1 0
1
0
0
0
1 ·'1
'Pi
~i
Qi
• (13) Abb. 6. Drei!.ch dreb,dedcrtet
G<:rbvgel.nk.

0 0 0 0 1
In das Schema dieser" übergangsmatrix" Ui ordnen sich auch allgemeinere Bindungen ein, wie
etwa das dreifach gefederte Gerhergelenk von Ahb. 6. Wie man sich leicht überlegt, ist hier
Ci = Cil + Ci" Ci = 0 ferner Mi = - (Ci'" + Cir);P;, Wj = 0 und Qi = 0 zu setzen.
5. Der ZWIIIIIlD1enbang von Kraft- und DeformatioDBgrö8en an den Trägerenden. Nach (13)
und (7) ist nun zunächst
t)i+l = U, ~ii = Ui .\3i ~i' (14)
220 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. In~nieur .. Arcbiv

also der Reihe nach eingesetzt


~n = U" ~n U 1 2 -1
n- n (15)
oder
(16)

Und diese Produktmatrix jß" stellt den gesuchten Zusammenhang zwischen Kraft- und Defor-
mationsgräßen an den Stellen Xl = 0 und x" = In her. Man kann ~" als Leitmatrix eines (ge-
dachten) Balkens mit nur einem einzigen Feld ansehen, auf dessen Berechnung somit das ganze
Problem zurückgeführt ist.
6. Äußere Randbedingungen. Von den vier willkürlichen Integrationskonstanten Wo' f{!o, Mo
und Qo sind, wie leicht einzusehen, stets zwei gleich Null infolge der beiden Randbedingungen
links; mit den beiden übrigen, noch freien Konstanten aber lassen sich gerade die beiden Bedin-
gungen am rechten Trägerende erfüllen. In der Tabelle 2 sind alle vorkommenden Randbedin-
gungen zusammengestellt. In Sonderfällen können die (Dreh)federn fehlen, ebenso werden -
außer hei der Stützung IV - Verschiebungen bzw. Drehwinkel an den Enden in der Regel gleich
Nu1lsein, doch ist das für das Verfahren selbst völlig belanglos.

Tabelle 2. A..ßere Randbedi"IJ""IJen.

I I
111. StnkrHhte. IV. Fr t'i ~~

I
ArL d~r StUh.Utl,; l. Ei(ltp.onuO !; H. Fellu Cdtnk Führun& (gdcdcrlu) Ellde

Freie Konsta n·
ten am linken
Ende
M,.Q. 'P•• Q,
I
fOOt Mo I
I
Wo, <Po

Rand bedingen w" = con!!lt = oonst


lilA 'PA = <amt M~ = O
am rechten Ende '1',.. = const Mn = O Qn = 0 Q" = 0

Zeichneriscbes
Symbol
~ r - -t== ~
-~-

Damit ist der ganze Rechnungsgang festgelegt, und wir haben nur noch nach der Beschaffen-
heit der übergangsmatrix U. drei verschiedene Fälle zu unterscheiden:
1. Sämtliche Sprunggrößen in der letzten Spalte der übergangsmatrix sind von vornherein
gegeben: Balken ohne Zwischenhcdingungen.
2. Eine der Sprunggrößen ist zunächst unbekannt und erst im Laufe der Rechnung zu ermit-
teln: Balken mit Zwischenbedingungen.
3. Zwei der Sprunggrößen sind unbekannt; der Balken zerfällt dann in zwei voneinander unab-
hängige Teile. Dieser Fall ist daher für das Weitere ohne Interesse.
7. Der Balken ohne Zwischenbedingnngen. Hierzu ist nach dem Vorangehenden kaum etwas
zu sagen. Da sämtliche Elemente der Leit- und übergangs matrizen von Anfang an gegeben sind,
läßt sich die Rechnung nach (15) und Tabelle 2 ohne weiteres durchführen und bietet keine Beson-
derheiten.
8. Der Balken mit Zwischenbedingungen. Wir stellen als erstes die vier überhaupt möglichen
Arten von Zwischenbedingungen mit den zugehörigen Sprunggrößen in der Tabelle 3 zupammen.
SelbstJ:edend können alle diese Bindungen noch mit Federn und Drehfedern versehen sein (wie in
Abb. 6); grundsätzliche Schwierigkeiten treten dabei nicht auf.
Um nun aus den Bedingungsgleichungen die unbekannten Sprunggrößen zu ermitteln, kann
man drei verschiedene Wege einschlagen:
a) Das Ablösen der Konstanten. Soll an der Feldgrenze Xi = 1;, Xi+' = 0 die kote Kompo-
nente Yila des Vektors~, den festen Wert d, annehmen (man denke zum Beispiel an eine bleibellde
XXIV. Band 1956 Folk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. 221

BeadehWJI I. Felte. Celenk


I n. Sabed". FöIarua(
I 111. Guborl.lenlt
I IV. C.bel""rbiod"",

Bedingung .. = conol (= 0) 9' = conol (= 0) M=O Q =O

Sprunggröß"
(neue Konetante)
Querkraft Q Bi"8emomcmt JC! Drehwinkel ;p V"nchiebtmg w

g
~
~
Zeichneriache.o
Symbol iir N <~

Stützensenkung der Größe dl , dann muß die erste Komponente WI = dl sein), so berechnet man
zunächst Y.k als lineare Funktion der beiden bis dahin freien Konstanten A und B:
Yik = IX A + ßB + " = d. (17)
und kann daraus eine der Konstanten, etwa B, durch die andere ausdrücken. Als Ersatz tritt
nach Tabelle 3 eine neue freie Konstante (im angenommenen Beispiel die Auflager[ Quer·Jkraft
(1) hinzu, und die Rechnung verläuft mit A und QI weiter wie bisher. Bei mehreren Zwischen·
bedingungen empfiehlt es sich, eine der beiden Anfangskonstanten aus Tabelle 2 zur Hauptkon·
stante zu erklären und diese bis zum Schluß beizubehalten, während die Nebenkonstanten
wieder abgelöst werden.
b) Das abgekürzte Verfahren. Die unter a) beschriebene Methode läßt sich wesentlich ver·
einfachen, wenn bereits an der unmittelbar benachbarten Feldgrenze i +
1 infolge der Zwischen·
bedingung YI+1.k = di+l eine gerade hinzugetretene neue Konstante (etwa 01) wieder abgelöst
werden muß. Dann nämlich kann man auf deren Berechnung ganz verzichten, sie sich von vorn·
herein linear zerlegt denken in der Form

QI = 0, . A + b• . 1 , (18)
'wo A die Hauptkonstante sei, und die unbekannten Vorzahlen a. und b. 80 bestimmen, daß die
Zwischenbedingung in folgender Weise erfüllt wird:
(19)
Denn die Größe von A ist ja noch völlig offen; also muß der Faktor bei Averschwinden (Glei·
chung für 0.), der Faktor bei 1 jedoch den Wert d'+ 1 annehmen (Gleichung für b.). Sind an allen
Feldgrenzen des Balkens Zwischenbedingungen vorgeschrieben (wie beim Clapeyronträger oder
im Beispiel 3), so läßt sich die ganze Rechnung sogar allein mit der Hauptkonstante bewältigen,
und die beiden Randbedingungen rechts sind obendrein entkoppelt. Falls von Interesse, lassen
sich die unterdrückten Sprunggrößen (Nebenkonstanten) nachträglich leicht ermitteln.
c) Das erweiterte Verfahren. Für manche Zwecke, insbesondere für die Programmierung von
Rechenautomaten, kann es vorteilhaft sein, außer den beiden Anfangskonstanten auch noch
sämtliche Sprunggrößen als Unbekannte bis zum Schluß der Rechnung mitzunehmen und dann
erst die äußeren Randbedingungengemeinsam mit den Zwischenbedingungen zu erfüllen. Das so
entstehende Gleichungssystem hat stets eine Matrix der sogenannten "He8senbergform" (20)
und ist bequem rekursiv auflösbar:

.p =[~~.~. ~. :~'.::::::. :1·


hm1 hmz hm3 h... ...... hmm
(20)
222 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. In,;enieur_Archiv

9. Die praktische Durchführung des Verfahrens. So nützlich die Trennung in Leit· und Über-
gangs matrizen für rein theoretische Fragen ist, wird man doch vor der eigentlichen Rechnung
das Produkt Ui Ei ausmultiplizieren und die grundlegende Gleichung (14) in der besonders für
Rechenautomaten geeigneten Form (21) anschreiben: 1

( 1 -I j g W +w
1 -1' ip + rp
_g'

l-:
-c 1 + Cf' 1+ Cg' M+M (21)
cl -cf l-cg Q+Q
0 0 0 1

UiEi (14)
Für die Rechnung von Hand aber empfiehlt sich folgendes Schema:
1 -1 f
W+_\ rw'Pi ] [I
g
0 -1' _g'
'P+'P i Wi-l-l]

-C'-"~
PHI
0
0
0
0
1
0
1
1
M+MJ"
_ A M, ,;I
Mi-l- I
QHl
• (22)
Q +Q ~ Qi ,;
0 0 0 0 1 i 1 1
Man setzt also die Federkonstanten Ci und C; zunächst gleich Null. Dann unterscheidet sich die
Produktmatrix Ui Ei von der Leitmatrix Ei lediglich durch die fünfte Spalte, in der jetzt die
Summen Wi + IVi usw. auftreten; mit anderen Worten: wir schlagen von Anfang an die Sprung-
größen (A) zu den Belastungsanteilen (-) hinzu, betrachten somit alle an der Feldgrenze selbst
anzubringenden Kraft- und Deformationsgrößen als zum linken Feld gehörig; die Kräfte und
Momente fügen sich dann mit a = 0 bzw. b = 0 zwanglos in das Schema von Tabelle 1 ein. Die
Gleichungen (10) aber erfüllen wir nachträglich direkt an den bereits berechneten Größen W.+~
und 9'.+10 wie in (22) durch die Pfeile angedeutet; der praktische Gewinn gegenüber (21) ist erheb-
lich!
Für die Zahlenrechnung denken wir uus nun mittels zweier geeigneter Vergleichsgrößen
p. (Kraft) und 1* (Länge) alle vorkommenden Werte dimensionslos gemaclit, wollen diese jedoch
nicht durch eine besonders Schreibweise von den wirklichen dimensionsrichtigen Größen unter-
+
scheiden, so daß also Ausdrücke wie Po 3 Mo = 2 P durchaus ihren Sinn haben. Es empfiehlt
sich im allgemeinen, mit der hundertfachen Belastung zu rechnen und P" = 100 to, 1* = 1 m
zu wählen, dann bleibeu alle auftretenden Zahlen in vernünftigen Grenzen, und zum Schluß sind
von sämtlichen Kraft- und Deformationsgrößen einfach zwei Dezimalstellen abzustreichen. Bei
Tragwerken mit lauter gleichen Feldlängen 1 und Biegesteifigkeiten EJ (und wohl auch sonst)
werden Kenngrößen und Belastung auf das Tragwerk selbst bezogen, indeDl man ,. = 1 und
p. = 6 EJ/12 setzt.
Soll jetzt eine beliebige Matrix .re mit einer Reihe von Vektoren tl' t 2.•• multipliziert werden,
so schreibt man diese rechts oberhalb von Sl' als senkrechte Spalten hin und genau darunter,
also rechts neben Sl', die Produktvektoren Sl't1, Sl'r2 ••• :
(tl) (r2)'" 1 (23)
(Sl') (Sl' tl) (Sh 2 ) ••• f
Jede Komponente z irgendeines der Vektoren Sl't, ist dann einfach gleich dem skalaren (inneren)
Produkt aus der links neben z stehenden Zeile von Sl' und dem darüber stehenden Spaltenvektor r ••
Steht eine Rechenmaschine zur Verfügung, so läßt man diese skalaren Produkte im Ergebnis-
werk auflaufen, und zwar ohne Ablesen und Niederschreiben der TeilprodukteI).
Nun hat der Anfangsvektor ~o in (16) stets die Form
~o = A . tl + B • T2 + 1 . ra, (24)

1 Diese ausmultiplizierte Form benutzen z. B. E. Pestei, Abh. Braunschweig. Wiss. GeH. 6 (1954), S.227
und Unger-Schäfer, Hausmitteilungen der Remington-Rand-GmbH. Frankfurt/Main, Heft 159, Januar 1954.
• Einzelheiten dazu bei R. Zurmühl, Matrizen, S. 256, BerIin, Göttingen, Heidelberg 1950.
XXIV. Band 1956 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. 223

wo A und B die freien Konstanten nach Tabelle 2 sind. Ziehen wir diese Konstanten nach oben
heraus und lassen noch sämtliche Pluszeichen zwischen den Ti und ihren Produktvektoren .131 ti
usw. fort, so hat das gesamte Rechenschema das folgende Aussehen:
ABI
(tl) (tl) (t3) ~ ~o
(21) (+) (+) (+) ~) ~ ~1
(22) (+) (+) (t) ~) ~ ~2 (25)

(2n) (+) (+) (+) ~) ~ ~n'


Als erstes werden die Vektoren tl> t2' ta unabhängig voneinander in drei senkrechten Kolonnen
der Reihe nach mit den Leitmatrizen BI" ..13. multipliziert (senkrechte Pfeile), wobei die Feder-
konstanten Ci und Ci (gebogene Pfeile) nebenher mit eingeflochten werden. Rechts unten neben
2n erscheint dann schließlich der Vektor gn, noch zerlegt in seine drei Anteile. Nun bestimmt man
aus den Randbedingungen am rechten Balkenende die Konstanten A und B, multipliziert mit
ihnen die ersten beiden Kolonnen und addiert diese nach (24) zur dritten (waagerechte Pfeile),
womit dann alle Kraft- und Deformationsgrößen zahlen- und dimensionsrichtig in Form .der
Vektoren go' gl"'" 1). gegeben sind. Jeder der überhaupt benötigten, aus den Kenngrößen des
Trägers und seiner Belastung gebildeten Funktionswerte (3) und (4) erscheint in dem Schema (25)
nur ein einziges Mal an genau vorgeschriebener Stelle, wodurch das Mindestmaß an Schreib- und
Rechenarbeit gewährleistet ist. Auch das Vorhandensein von Zwischenbedingungen beeinträch-
tigt die Geschlossenheit dieser übersichtlichen Anordnung kaum. Der Vollständigkeit halber
bemerken wir noch, daß die ersten beiden Kolonnen allein von den Längen, Biegesteifigkeiten
und Federkonstanten des Trägers abhängen, während die dritte Kolonne außerdem eine Funktion
der gegebenen Belastung ist. Oder
mathematisch gesprochen: die beiden
ersten Kolonnen stellen zwei linear un-
abhängige Lösungen der homogenen,
die dritte dagegen eine Partikularlösung
der inhomogenen Differentialgleichung
(I) dar. Abb. 1. EIIJtUlCb luUll1l:ler TrIS- mit zwei FeJ:dent..

Die ganze Rechnung wird mit Hilfe der üblichen Summenproben dauernd überwacht. Eine
weitere Kontrollmöglichkeit bietet die aus irgend zwei linear unabhängigen (und mechanisch
verträglichen) Lösungsvektoren der homogenen Gleichung (I) gebildete biIineare Kovariante BIS'
die, wie H. Schaefer l gezeigt hat, an jeder Stelle des Trägers, also auch an den Feldgrenzen, den
konstanten Wert Null hat:
B11 = W1 Q2 - Ws Q1 + !PI MB - !pa MI = 0,]
(26)
=~+~ =0.1
Greift man daher aus den ersten heiden Kolonnen des Schemas (25) irgend zwei nebeneinander
stehende Vektoren heraus, so muß die Summe der beiden aus den Zeilen 1 und 4 bzw. 2 und 3
bestehenden zweireihigen Determinanten verschwinden. Und schließlich - eine letzte Kontrolle-
überzeugt man sich nach beendeter Rechnung, ob das aus der gegebenenBelastung und den nun
bekannten Reaktionen bestehende Kräftesystem im Gleichgewicht ist, wie es sein muß.
10. Beispiele. An drei einfachen, leicht nachzurechnenden Beispielen führen wir nun das
Verfahren praktisch vor.
Erstes Beispiel. Für den elasti8ch gestützten Balken der Abb. 7 sind QuerkraIt- und
Momentenverlauf zu ermitteln. Gegebene Werte:
50
IJ=lm, EJ1=Ttml, eo=20t!m, Co=IOtm, P=O,5t,
200
12 = 2 m, EJ. = Tt ml , Cl = 100 tIm, Cl = 0, q= 16t/m.
CI = 50 tIm, Ca = 50 tm .
J 11. Srltaefer, a. a. O.
224

I
Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. Ingen;eu••A.cMv
----~--------~-----

Rechnen wir mit der hundertfachen Belastung und wählen als Vergleichsgrößen 1* = 1 mund
p' = 100 t, so wird

'1 = I', EJI = {P' 1*3, Co = 0,2 pO/I', Co = 0,1 P'l', 100 P = 0,5 P*,

12 = 21', EJa = f P'I*2, CI = 1,0 P'/l', Cl = 0, 100 q = 16 P"JI*, (la)

C2 = 0,5 P'/l·, Ca = 0,5 P·".


Von jetzt ah henutzen wir nur noch die reinen Zahlenwerte, setzen also 11 = 1, EJ2 = 2/3,
Ci =0,5 usw. Damit lassen sich nach (9) und Tabelle 1 die Leitmatrizen53 1 und 2 2 mitsamt ihren
(klein gedruckten) Zeilensummen leicht hinscbreiben. Zum Beispiel ist das zweite Element 9?a(l2)
in der fünftjln Spalte von 53 2 nach Tahelle 1, Spalte 3:
_ ql3 16 pO/1°. j3
!P2(/a) =- 6 EJ; =- 6.2 ji*j"73- = - 4.

Der Anfangsvektor ~o ist hier

mit den heiden freien Konstanten Wo und !Po (Tabelle 2, Spalte IV). Die Pluszeichen lassen wir
der Einfachheit halber fort und multiplizieren die drei Vektoren Tl; Ta, Ta nacheinander mit der
Leitmatrix 2] (siehe Zablenschema). Z. B. wird das aus der ersten Zeile von 53) und dem Vektorrl
gebildete skalare Produkt: 1· 1 - 1 . 0 +
3·0 1· (-0,2) + +
O· 0= 0,8. Die Summenprohen
sind gut, auch die biIineare Kovariante ist nach (26) gleich Null
B 12 = .114 + .1 23 = (0,8' 0 - 0,2' 1,3) + (- 0,6' 0 + 0,2' 1,6) = O.
Beim Ühergang vom ersten ins zweite Feld wird nach (10) W I mit -CI mulitpliziert und zu Q1
addiert, was der mit - Cl = - 1 hezifferte Pfeil andeutet. Da die Drehfeder fehlt, ist CI = O.
Damit sind Kraft- und Deformationsgrößen an der Stelle x 2 = 0 unmittelbar rechts von der Feld-
grenze als Komponenten des Vektors t)l hekannt.
Jetzt hilden wir das Produkt 2 2 t)l (z. B. wird die zweite Komponente in der dritten Kolonne:
+ + + +
o· 0,5 1· (-1,5) (-3)' (0,5) (-3)'0 (-4)' 1 =-7) und addieren die mit - c2 =
-0,5 ( - C2 = - 0,5) multiplizierte erste (zweite) Zeile zur vierten (dritten), womit auch t)a
ermittelt ist, natürlich immer noch, wie auch ~o und ~l in seine drei Anteile aufgespalten.
Die Randhedingungen am rechten Balkenende lauten M a = 0, Q3 = 0 (Tahelle 2), das sind,
noch einmal ausführlich hingeschriehen, die heiden im Zahlenschema eingerahmten Gleichungen
-4,3 Wo + 3,5 !Po + 12 = 0,) (lc)
0,5 Wo + 2,4 !Po + 13 = 0 J
mit den Lösungen
Wo = - 112~~77 = - 1,3836, !Po = - 16;'~7 = -5,1284. (ld)

Nun multiplizieren wir die erste Kolonne mit wo' die zweite mit !Po' addieren darauf heide zur
dritten und ziehen die Summen nach rechts heraus (waagerechte Pfeile). So wird etwa die Quer-
kraft Q] als vierte Komponente von 1)1 :
Q] = -1' Wo + 1,311'0 + °= -1· (-1,3836) + 1,3' (-..5,1284) = - 5,2833.

1, p' '*,
Damit sind die Vektoren 1)0' 1)1 und 1)2 berechnet. Ihre Komponenten sind der Reihe nach mit ",
p* und 1 zu multiplizieren und außerdem durch 100 zu dividieren, da wir ja von der
hundertfachen Belastung ausgegangen waren. Die Dimensionen der Deformations- und Kraft-
größen sind demnach für
Verschiebungen: ,. /100 = 1 cm, Drehwinkel: 1/100 = 0,01,
Biegemomcnte: P*I'/100 = 1 t m, Querkräftc: p' /100 = 1 t,
XXIV. B""d 1956 FaIk: Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers uaw. 225

Zahlenschema zum
Beispiel 1
r 1
0
11'0
o
1
1
o
o
_1,3836)
-5,1248

\
-0,2
o

0
-0,1
o
o
o
0,5
1
) -+ [ 0,5125 =
0,7767
1
~o

[1 -1 3101 [
~1 o o
-1,3 0,5 6,0601

)-J
1 -6-3 0,6
0,8 1,6 -1,5 -10,5356.
[
o 0 1 1 o -0,2 -0,1 0,5 -+ 1,2896
o 0 0 1 o -0,2-0,8 0+ 1,3 0,5-0,5 -5,2833
o 0 0 0
o -2
d 0 " 0
0.2
1 1

~2 flo -21 -33 -32 -41) [_34,2 -2,2


-2 -76 ) l ! [ 21,4333
-2,5543
o 0 1 2 8 1-2,2-2,12,5+1 85+35
, , -0,5_0,5_
I" 0,0000 = ~I
o 0 0 1 16 -1 +1,5 1,3+1,1 16-3 ,,- 0,0000
~O 0 0 0 1 0 0 1 1
-1 22 -2 _0,4 24,5

also z. B. unmittelbar
rechts von der mittleren 16t
Stütze (xf = 0):
W 1 = 6,0601 cm, Mf/.ftm.
fPl = - 0,105356
(= -6,04°), ) l,Z771tm.
MI = 1,2896t m, ,\ b b.8.

Ql = - 5,2833 t •
Mit den Verschiebungen 5,Z8J3
und Drehwinkeln sind
jetzt nach (10) auch 0,7767
die Federreaktionen be-
kannt, die zusammen mit
I eintl
der gegebenen Belastung Abb.9. 1O,7fGr
im Gleichgewicht sind,
wovon man sich leicht
überzeugt (Abb.8). Quer- ~2898

kraft- und Momenten- 0,.f12


verlauf sind nun mühe-
los einzuzeichnen (Abb.9
und 10), auch die Biege- IN/nt'" I
linie läßt sich mit Hilfe
Abb.IO.
der drei b&rechnetenVer-
schiebungen und Dreh-
winkel hinreichend· ge-
nau skizzieren (Abb. 8),
wenn man sie nicht na~h A.bb. 8. Biqdia.ie wad Cle.icbsewlc:btuyrttm am Trlser der Abb. 1.
Gleichung(2), erste Zeile, Abb. 9. Q"erbd'tverlaut CUr deD Triser der Ahb. 1.
Abb.l0. Kome.aterlVul.uf tur deo Tri,ft' drr Abb. 7.
exakt berechnen will.

flußmatrix zu berechnen. Die elastische Stütze c,


Zweites Beispiel. Für den mit drei EinzelJaitten beeetzten Träger der Abb. 11 iet die Ein·
80U ent nachträglich eingebaut werden.
226 FaIk: Die Berechnung dea beliebig gestützten Durcblaufträgers DSW.

Gegebene Werte:
11 = I, EJI = 2 EJ, Co = 0, Cl = 12 EJ{13, Cabeliebig, Ca = 0 ,
II = I, EJa = 2 EJ, Co = 0, CI = 12 EJ{I, Ca =0, Cs=O,
la = 1{2, EJa=EJ.
Als Vergleichsgräßen wählen wir I· = I und p. = 12 EJ{l! und berechnen nach (9) die drei Leit-
matrizen; z. B. wird das vierte Element der ersten Zeile von 2 3
'I (1{2)8 18 1 I·. 12 I·
61U. = 6 EJ = 48 EJ = 4ii p., •• = 0,25 p.'
Die Größen ,. und p. lassen wir im Folgenden wieder fort, schreiben also einfach 0,25. Da die
Kräfte Pu Pa, Ps an den Feldgrenzen selbst angreifen, ist in Tabelle 1, Spalte 1, a = 0 zu setzen.
Der Anfangsvektor ist wegen Wo = 0, Mo = 0 (Tabelle 2)

seine drei Anteile rl' ra und Ta werden kolonnenweise mit den Leitmatrizen multipliziert, ferner
sind beim 'Übergang vom ersten ins zweite Feld die beiden Federkonstanten CI und Cl zu berück-
sichtigen. (Die in der Abb. 11 gestrichelt eingezeichnete Feder c.lassen wir vorläufig fort.) Die
bt'iden im Schema eingerahmten Randbedingungen lauten ausführlich
Ma = 0,5 CPo + 4 Qo + 1,5 PI + 0,5 Ps = 0, \ (2a)
Q3 = CPo + PI + PI + Pa = o. J
. fPo Qo 1
Zahlenschema zum 0 0

~I I'
Beispiel 2 1 0
0 0 -+ '0' = tJ,

1
0 1 .0.

0 0 1

21 1-1 ~'~~ PI + P s + 1,125 Pa)


I
3 1
o
o
1 -6 -3
0 1 1
011-10-1
o
o
1-3
1
1+3 -+ ... J
o 0 0 1 PI 0+1 1-1 .00

o 0 0 o 1 0 0 1

:][-:
3 1 16

1o
21 o
1 1 -6 -3
_ 0 1 1
-27
4
~C'P'+6P']
o 0 o 1 PI 1 o
o 0 o 0 1 0 o 1 ~1
2a [1 -0,5 1,5 0,250
o 1 -6 -1,5 0
11- 5'75 35,5 4,25 PI + 0,25 PI ~
2,5 -51 -10,5 PI -l,5 PI
1 1'125 PI +6 PI+I0,1875pa]
0"

o 0 1 0,5 0 \ 0,5 4 ~l + 0,5 PI -+. . • = tJ,


o 0 0 1 Pa 0_
_1___ Pl +P,I +Pa • o'
~O 0 0 0 1 0 0 1 1
XXIV. Band 1956 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. 227

Ihre Lösungen sind


'Po = - (PI + Pa + Pa), Qo = - 0,25 PI + 0,125 P 3 • (2b)
Da lediglich die Einflußmatrix gesucht ist, brauchen wir auch nur die Verschiebungen Wj als
erste Komponenten der Vektoren 1). zu berechnen, z. B. wird
w 2 = -4'Po+ 16Qo+ PI = 4 (Pl + Pa+ Pa) + 2 (-2 PI + Pa) + P1=P1 4 PI +6Pa• +
Damit haben wir die lineare homogene Beziehung zwischcn den Verschiebungen und Kräften in
der Form P'}j

<<'IJ
( f{'2 =
(0,75
I 4 ~'125). (;:1' (2c)
W3 1,125 6 10,1875 Pa
kurz tu = 2llJ .
Die Einflußmatrix 2{ ist symmetrisch, wie nach Abb. 11. Trl«er mit 'd:ti.~(l:l:g=t~~dernf tew "-ur, ltU.
dem Satz von Belti-Maxwell zu erwarten war.
Nun werde nachträglich die Feder c2 = ß P/l angebracht. Ihre Reaktionskraft sei Fa, also
+
hat man jetzt 1'2 zu ersetzen durch Pa Fa = Pa - ß Wa = Pa - ß. (- 4 fPo 16 Qo + PI)' +
.Dies in (2a) eingeführt ergibt die neuen Randbedingungen
M a = 0,5 C{!O + 4 Qo + 1,5 PI + 0,5' [Pa - ß(- 4 fPo + 16 Qo + PI)] = 0 '} (2d)
Q3 = 'Po + PI + [Pa-ß ( - 4fPo + 16Qo + PI)] + Ps = 0
mit den Lösungen
-(1+4ß)'Po=(1+3ß)PI +Pa +(1-2ß)Ps und -BQo=2PI - Pz . (2e)
Nach einiger Rechnung bekommen wir damit die Einflußmatrix
o -3/2)
W" = (W + ß )8)/(1 + 4ß), oo 0
19/4
J' (2f)

Für ß = 0 (fehlende Feder) geht m* in m, für ß-4 00 (festes Gelenk) in !S/4 über.
Drittes Beispiel. Für das symmetrische Tragwerk der Abb.12 sind Querkraft· und Mo.
mentenverlauf infolge einer bleibenden Senkung der Mittelstütze zu berechnen. Gegebene
Werte: I = 1,60 m, EJ = 40 t m 2 , C = 100 t m.

Abb. 12. .ymmetri.cbH T ... puk mit


HOII\ott:on;
Kc:h:ll Feldern.

Die Drehfederkonstanten (Drehsteifigkeiten) C sind aus den Längen und Biegesteifigkeiten


der Pfosten nach bekannten Formeln leicht zu berechnen, wir nehmen sie deshalb der Einfach·
heit halber als gegeben an. Da die Knoten unverschieblieh sind und aus Symmetriegründen in
der Mitte des Trägers Neigung (Drehwinkel) und Querkraft verschwinden müssen, können wir
IIn8 auf den dreifeldrigen Balken der Abb. 13 beschränken. Mit den Vergleichsgräßen 1* = I und
p* = 2 E J/[2 wird nun
1=1*, EJ=P"I*2j2. C=2P*Z*, oderkurzl=l, EJ=I/2. C=2,
womit sich die Leitmatrizen nach (9) leicht hinschreiben lassem, sie stimmen natürlich in ihren
ersten vier Spalten überein.
Infolge der Bedingungen WI = wa = 0, Ws = d = const können wir nach dem abgekürzten
Verfahren rechnen; die Sprunggrößen Ql und Q~ (hier Auflagerkräfte, Abb. 13) ersetzen wir in
den Leitmatrizen.l3:t und ~2 (nach Tabelle 1 mit a = 0) durch einen *, zum Zeichen dafür, daß
wir auf ihre Berechnung vorerst keinen Wert legen. Erklären wir das Moment Mo zur Haupt.
konstante und zerlegen die Nebenkonstante Qo (Tabelle 2, Spalte 1) nach (18) in der Form
228 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. In~cnieur-Arcbiv

Qo = 0 0 • Mo + bo • I, so wird der Anfangsvektor

(3a)

Zahlenschema zum
Beispiel 3

-1 I 1/3
1 -2 -1
o 1 1
o 0 1
o 0 0

-1 1/3
1 -2 -1
o 1 1
o 0 1
o 0 0

-1 1/3
1 -2 -1
o 1 1
o 0 1
o 0 0

Die vierte Komponente des Vektors 90 (die Querkraft Qo) ist also zunächst unbekannt (im Zahlen-
schema durch eine Punktreihe angedeutet), wird aber sogleich nach (19) aus der Bedingung
WI = 0 • Mo +
0 . 1 = 0 errechnet, und zwar gibt die erste Zeile von BI mit Tl und T3 multipliziert
Faktor bei Mo: 1· 0 - 1 . 0 + 1 . 1 + Ij3 • U o + 0·0 = 0 ..... ao = - 3,1 (3b)
Faktor bei 1: 1 • 0 - 1 . 0 + 1 • 0 + 1;3 • bo + O' 1 = 0 ..... bo = o. J
Mit dem jetzt bekannten Vektor IJo rechnen wir weiter wie sonst. Die vierte Komponente von IJI
läßt sich wiederum wegen des • aus BI selbst nicht ermitteln (Punktreihe im Schema), wohl aber
+
aUB der Zwischenbedingung W z = 0 . Mo 0 . 1 = 0, und zwar wird nach leichter Rechnung
01 = 15, bl = O. Auch beim nächsten Schritt bleibt die vierte Zeile vorläufig offen, aus der Be-
dingung der bleibenden Stützensenkung
Ws = 0 . Mo +Ö• 1 = Ö mit Ö = d/'"
folgt aber sofort
1· 0 -1' (- 6) + 1· (23) + 1/3· a2 + 0·0 = 0 ..... a2 =- 87,
1. 0- 1. 0 + 1 . 0 + Ij3. bz + 0 . 1 = ö ..... b2 = 36.
XXIV. Band 1956 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers U8W. 229

Der letzte Rechenschritt verläuft wieder ganz normal. Die Multiplikation mit - C = -2 er.
sparen wir uns hier, da ja ohnehin f/!a = 0 gemacht wird. Aus den im Schema eingerahmten
Randbedingungen entnimmt man nun die Konstante Mo und die Auflagerkraft K am rechten
Ende:
f/!2 = 35 Mo - 3 b = 0 - M~ = 3 b/3S ,
+
03 = - 87 Mo 3 b K = 0 - K = IS6 b/3S .+
Die erste Kolonne mit Mo multipliziert und zur zweiten addiert ergibt die gesuchten Vektoren
1:)0 ... 1:)3' Deren vierte Komponenten - das sind die Querkräfte unmittelbar rechts von den Feld.
grenzen - zeichnen wir in Abb. 14 ein und gewinnen daraus die Auflagerkräfte; auch die Reak.
tionsmomente -C f/!i sind nun mit den Drehwinkeln zugleich bekannt. Das gesamte am Balken
der Abb. 13 angreifende Kräftesystem ist nach Abb. 15 im Gleichgewicht, was als Schluß.
kontrolle dient.
Die maximalen Schnittgrößen treten wie vorauszusehen über der Mittelstütze III auf, und
zwar wird für einen Zentimeter Durchsenkung wegen

b = -Id• = 01',0601 mm = 1610' p. = E


2I
= 100 t m
2 • 1,60 m
= 100 t
3;2

1
mit den aus Abb. 14 und 16 abzulesenden Höchstwerten:
30. 52 . 3 . 100
Oma., = 52 . 35 P = 35 . 160. 3 2 t = 0,871 t
3 <I 29.3. 100"1,6 j je cm Durchsenkung.
M ooa , = 29 . 35 p. I· = 35. 160 . 3,2 t m = 0,777 t m

Zum Schluß noch einige Bemerkungen zur Rechenpraxis. Da hier, wie stets bei homogenen
Trägern, die Leitmatrizen BI' B 2 und 2a einander gleich sind, werden sie auch nur ein einziges
Mal aufgeschrieben, und zwar auf $Zr--
ein bewegliches Blatt, das an den I
senkrechten Kolonnen entlang· I
t
gezogen wird. Zur Lösung der Glei· I
chungen (3b) usw. läßt man auf der 15 I
Rechenmaschine vier Teilprodukte J~!======~--~---r-------i---
1

auflaufen und dividiert deren Sumo lein Np·J


me in einem Gang ohne Zwischen·
ablesung durch den Faktor bei a,
bzw. b i • Und endlich erwähnen wir
noch, daß beim abgekürzten Ver·
Abb. I' . I J
67 51
fahrcn die durch Stern und Punkt·
reihe gekennzeichnete Zeile natür·
lich von der Summen probe aus·
geschlossen werden muß, was aber Abb.I!.
deren Wert nicht schmälert.
11. RechenauCwand; Vergleich
mit der Eliminationsmethode. Wir
gehen zunächst davon aus, daß die
gesamte Rechnung in Zahlen (nicht
in algebraischen Ausdrücken) durch·
geführt wird und führen als objek.
Abb.16.
tives Maß für den Rechenaufwand
die Anzahl der Aufschreibungen,
Additionen (bzw. Subtraktionen) und A.bb. 14. Qutrbdtverl.uI rur de.n Trl.ler YOD Abb. 13 b ••. 12.
Multiplikationen (bzw. Divisionen) Abb, 1 S. DieleI iDie u.nd CklcblewlchtMyltem am Trlcer du üb. U brw J J.
Abb. 16. :Y,o meate.:.'VeriaufflU deDTI'llH 'VwAbb. 13 b..w. 12.
ein. Da das Aufschreiben und Ad·
dieren von mehrstelligen Zahlen gegenüber den Multiplikationen kaum ins Gewicht fällt,
beschränken wir uns der Einfachheit halber auf diese und vergleichen an ihrer Anzahl das Re.
duktions· mit dem EliminationsverfahrenI. Beiden gemeinsam ist die Vorbereitung, nämlich das
1 Ein solcher Vergleich wurde für den Sonde~all des Koiterschen Verfahrens, allerdings ohne exakte Zahlen.
angaben, auch durchgeführt von G. Worch, Bawngenieur 30 (1955) S. 388.
16
230 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. Inl~njeur·Arch.v

Auswerten d er Integrale (3) und (4) bzw. das Einsetzen Von Zahlen in die fertigen Ausdrücke (9)
und Tahelle 1; denn diese Größen erscheinen sowohl in den Leitmatrizen des Reduktionsver-
fahrens wie in dem Gleichungssystem
(27)
der Eliminationsmethode mit den u Überzähligen (Xl' X 2 •• • X.,) = /; und den B elastungs-
gliedern (rl' r2 ••• ru) = r.
Das Reduktionsverfahren verlangt nun außerdem für jedes der n Felder: a) die Multiplika-
tion der Leitmatrix,Bi mit eine m in drei (bzw. zwei) Anteile aufgespaltenen Vektor, h) das Be-
rechnen der Produkte Ci W i und Ci lpi, c) die Multiplikation der ersten beiden Kolonnen (bzw.
der ersten allein) mit den freien Konstanten (bzw. der Hauptkonstante). Die Tabelle 4 gibt
üher die erforderliche Anzahl Von Multiplikationen Aufschluß, und zwar für die heiden Extrem-
fälle des vollkommen elastisch gestützten Balkens (Federn und Drehfedern, Beispiell) und des
Clapeyronträgers. Darin ist das Auflösen der beiden linearen Gleichungen nicht einhezogen, da
ja ein Mehrfaches dieser Arbeit heim ersten Rechenschritt infolge der einfachen Form des An-
fangsvektors ~o eingespart wird. Beim homogenen Träger mit lauter gleichen Feldlängen 1 und
Biegesteifigkeiten E J besteht die Berechnung des Produktes Leitmatrix mal Vektor bei Wahl
von I" = 1 und P' = 6 EJ(12 üherhaupt nur aus je einer Multiplikation mit den Zahlen 3, -3
und -6 (siehe die beiden ersten Leitmatrizen im Beispiel 2).

TabeU.4. Anzahl der erforderlichen Mulriplikalionenfür ein Feld beim Reduklion$verfahren.

Triil,;e.r. ell.llilch Btllöt'&l Dunhl.ufu Iier .ul feiten SUUnn


Buechnun, von
und el •• tu,eh dntdp.nnt (Clop"yrouU·ser)

.1l__ em~D bomOltm aUCfJmH.D. bom.°Cca

a} Leitmntrix mal Vektor 6·3 = 18 3·3 = 9 6 · 2=12 3·2= 6


b}Ci W .. Ci 'l'i 3 ·2 = 6 3· 2 = 6 0 0
c) sämtlichen Kraft- und 8 8 4 4
Deformationsgrößen

umme I 32 j 23 16 j 10

Nun zur Eliminationsmethode. Außer der Vorbereitung muß a) das Gleichungssystem (27)
aus den Funktionswerten (3) und (4) zusammengestellt und b) aufgelöst werden. Da sich nil-
gemeine Angaben nicht machen lassen, beschränken wir uns auf den Durchlaufträger und den
Balken auf elastischen Stützen, deren Gleichungssysteme drei- bzw. fünfgliedrig sind, und stellen
die Anzahl der erforderlichen Multiplikationen in der Tahelle 5 zusammen.

Tabelle S. Aruahl der erforderlich.n Mulliplikatiomn für d~


Bor.ehRung von u Vberzählisen bei der Elimin<Jlion.smelhodt.

Tri lU .wel .. tilchto Tr1lotr luffHten


Stlltvn StD,lzt:n.
(f'IIACsl;eclris) (dni,UedriS)

a} Berechnen der Koeffizienten 27 U - 16 I 0


_u_C_lo_',e_"_d_ e_r_ G_le_i_c_h_u_D_g_en_ _ +--_
_b_}_A _ __ .~ _
lO_u_-_ 14
Sunune 37 u - 30 I 5u - 4

Da hei heiden Trägern zu n Feldern n -1 = u Überzählige (nämlich die Stütz momente) ge-
hören, ist allein an der Anzahl der Multiplikationen gemessen, die Eliminationsmethode im Vor-
teil beim Clapeyronträger. Beim Balken auf elastischen Stützen aber ist das Reduktionsver-
fahren schon gleichwertig und wohl stets überlegen, wenn die linken Seiten des Gleichungs-
systems nicht formelmäßig fertig vorliegen. Treten zu den elastischen Stützen noch elastische
Einspannungen (Drehfedern) hinzu (wie im Beispiell), 80 wird das Reduktionsverfahren kaum
davon berührt; dagegen verdoppelt sich sofort die Anzahl der Überzähligen. die Elimination der
XXIV. Band 1956 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträgers usw. 231

Kraft- oder Deformationsgrößen wird dann äußerst mühselig, findet sich in der gängigen Lite-
ratur der Baustatik auch nirgends durchgeführt.
Natürlich ist die Anzahl der Multiplikationen nicht immer das geeignete Maß; für die üblichen
Tischrechenmaschinen zum Beispiel ist vielmehr die Anzahl der skalaren Produkte wesentlich,
und in dieser Hinsicht ist das in Matrizen geschriebene Reduktionsverfahren offenbar stets im
Vorteil, da sich der Eliminationsprozeß selbst wie auch das Einsetzen in fertige Formeln nicht
durchweg in Form von skalaren Produkten erledigen läßt.
12. Die Variation der Belastung. Soll derselbe Träger für verschiedene Belastungen be-
rechnet werden, so hat man lediglich die fünften Spalten der Leitmatrizen nach Tabelle 1 aus-
zuwechseln und die letzte Kolonne im Zahlenschema zu erneuern; in den beiden Randbedin-
gungen ändern sich dann nur die rechten Seiten. Auch die Eliminationsmethode braucht infolge
der Aufspaltung in zwei "gestaffelte" Gleichungssysteme (Dreiecksmatrizen) nur einen geringen
Teil der Rechnung zu wiederholen. Das bisweilen empfohlene Aufstellen der Reziproken W-l (in
der Baustatik auch "Konjugierte" genannt) bedeutet im allgemeinen eine Arbeitsvergeudung
von mehreren Hundert Prozent und scheidet daher in der Praxis aus.
Auch das Mitführen freier Parameter in den Belastungsgrößen bereitet keine Schwierig-
keiten. Insbesondere bei Einzelkräften und -kräftepaaren kann man entweder deren Beträge
offen lassen ("EinfInßmatrizen", Beispiel 2) oder deren Angriffspunkte ("Einflußlinien") oder
schließlich beides.
13. Die Variation der Trägergrößen; der nachträgliche Einbau von Stützen und Gelenken.
Von der Variation der Längen, Biegesteifigkeiten und Federkonstanten werden beim Reduk-
tionsverfahren die Leitmatrizen, bei der Eliminationsmethode außer den rechten Seiten auch noch
die Elemente der Matrix 2! selbst betroffen; große Teile der Rechnung müssen daher wiederholt
werden, falls man nicht eine oder mehrere Größen als freie Parameter bis zum Schluß mitnehmen
will, was beim Reduktionsverfahren, da immer nur multipliziert, niemals dividiert wird, mühelos
gelingt, nicht aber bei der Eliminationsmethode. Denn der Gauß sche Algorithmus verlangt bei
jedem Rechenschritt eine Division, wodurch allgemeine formeImäßige Ausdrücke in Gestalt von
gebrochenen rationalen Funktionen so stark anschwellen können, daß unter Umständen der
Algorithmus als praktisches Verfahren völlig in Frage gestellt wird.
Will man schließlich erst nachträglich Stützen oder Gelenke einbauen, d. h. die Anzahl der
Felder vermehren, so muß das Eliminationsverfahren nicht nur die Zahlenrechnung, sondern
auch die Aufstellung der Gleichungen selbst (den Eliminationsvorgang) wiederholen. Beim Re-
duktionsverfahren dagegen führt man zusätzliche Federn (Beispiel 2) oder Sprunggrößen an be-
liebiger Stelle des Trägers mit Hilfe der Gleichungen (2) ein und multipliziert sie für sich in
eigenen Kolonnen im Schema (25) his nach unten durch; etwa neu hinzugekommene Zwischen-
hedingungen werden dann zum Schluß mit den heiden Randbedingungen gemeinsam erfiillt;
das Ganze läuft also im wesentlichen auf das "erweiterte Verfahren" von Ziffer 8 c) hinaus.
14. Verallgemeineruugen des Verfahrens. Das Reduktionsverfahren ist in zwei Richtungen
verallgemeinerungsfähig :
a) Die Differentialgleichung (1) und mit ihr die Feld- und Leitmatrizen werden durch andere
ersetzt, gegebenenfalls auch die Vbergangsmatrizen. So kann man zum Beispiel ohne weiteres
den Einfluß von Schubkräftenl oder Temperaturschwankungen in die Matrix (9) aufnehmen;
ebenso ändert sich im Prinzip nicht viel, wenn etwa die Differentialgleichung des Knickens oder
Schwingens zugrunde liegt. Bei homogenen Problemen (freien Schwingungen, Knicken) kann
man in allen Leitmatrizen die nun überflüssigen fünften Spalten und Zeilen streichen; auch fehlt
die dritte Kolonne im Schema (25). Sei schließlich irgend eine lineare (in)homogene Differen-
tialgleichung mit nicht notwendig konstanten Koeffizienten der Ordnung m anstelle von (1) ge-
geben und kennt man dazu ein Fundamentalsystem (und eine Partikularlö8ung), 80 bereitet
auch hier das Aufstellen der Feld- und Leitmatrizen von der Ordnung m (m +
1) keine Schwie-
rigkeiten 2.
b) Die Topologie des Trägers wird verallgemeinert. Für beliebig verzweigte offene (d. h.
einfach zusammenhängende) räumliche Rahmen bietet das Reduktionsverfahren kaum neue
Gesichtspunkte; es sind jetzt lediglich mehrere, voneinander unabhängige Gleichungssysteme

1 Siehe etwa H. Fuhrke, Iug.-Arch. 23 (1955), S.333, Gleichung (27).


• S. Falk, a. a. O.
]6*
232 Falk: Die Berechnung des beliebig gestützten Durchlaufträger. U$W. Ingenieur-Archiv
--------
zweiter Ordnung zu lösen; im wesentlichen verläuft die Rechnung wieder nach dem Schema (25).
Enthält der Rahmen jedoch geschlossene Umläufe (Stockwerkrahmen, Trägerroste), so treten
auch Gleichungssysteme von höherer als zweiter Ordnung auf, doch soll davon erst in einer
späteren Arbeit die Rede sein.
15. Zusammenfasaung. Wir haben das in der Idee nicht neue Reduktionsverfahren auf den
beliebig gestützten Durchlaufträger angewandt, allgemeine Formeln zur Aufstellung der Grund-
gleichungen hergeleitet und die Rechnung so weit schematisiert, daß sie auch von Hilfskräften
oder auf Rechenautomaten durchgeführt werden kann. Der Vergleich mit der klassischen EH-
minationsmethode zeigte, daß das Reduktionsverfahren dem Rechenaufwand nach fast immer,
in der Weite seines Anwendungsbereiches aber grundsätzlich überlegen ist, Drei hinreichend
erläuterte Beispiele geben einen Begriff von der Geschlossenheit einer in Matrizen durchge-
fiihrten größeren Zahlenrechnung.

(Eingegangen am 17. Januar 1956.)


Anschrift des Verfassers: Dr.• Ing. Sigurd Falk, Braunschweig

;7109123;4 0,100 (K,B,IZ.040)


Sonderabdruck aus
"Ingenieur-Archiv", 26. Band, 1. Heft, 1958, S.61-80
Springer~Vulag • Berlin , GöUingen I HeüHlberg

Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren


Von s. Falk
1. Einleitung. Die vorliegende Arbeit stellt die Fortsetzung und Verallgemeinerung meines
ersten Aufsatzes1 dar und behandelt offene, aus lauter geraden Stücken zusammengesetzte Rahmen-
tragwerke. Solche offenen Rahmen lassen sich durch einen einfachen Kunstgriff stets auf einen oder
mehrere Durchlaufträger zurückführen, und es zeigt sich, daß bei ebenen (räumlichen) Tragwerken
höchstens drei (secbs) lineare Gleichungen aufzulösen sind, unabhängig von der statischen oder
geometrischen Unbestimmtheit und der sonstigen Beschaffenheit des Tragwerkes. An drei Bei·
spielen wird das Verfahren vorgeführt. Formeln aus meiner ersten Arbeit werden mit dem Buch-
staben I zitiert.
2. Der Begriff der Reduktion. Gegeben sei ein im Endpunkt E eingespannter starrer Träger
nach Abb. 1. In jedem beliebigen Schnittpunkt S läßt sich die im Bereich A S angreifende gegebene
Belastung reduzieren auf eine Kräftesumme Sfs und eine Momentensumme Wl s . Beide Vektoren
zerlegen wir in Tangentenrichtung (Längskraft und Drillmoment) und in zwei zueinander senk-

\ A
~
!t .

.- ~ d$'
1
!DIi_'


Jl.
'

--------4---------
AlJb. 1. SI...rT1CI" uurcbJnCclIodu R.bmC:11 mit KnCtßroßc=n. Abb. 2. Cu&du Bal.keD mit Kra.C\..&T6!kn.

rechte Normalrichtungen (Querkräfte und Biegemomente). Diese sechs Komponenten werden vom
Balkenteil A S auf den Teil S E übertragen; wir nennen sie die Kraftgrößen im Schnitt S. Die
Reduktion der Kraftgrößen gelingt, weil die Vektoren Sl'A und lm.. im Anfangspunkt A gegeben
sind; man braucht ja, in A beginnend, nur nach den Gleichgewichtsbedingungen
Sfi = Sfi - 1 + se }
imi = lm H + §Jt - li t i X SfH (1)
fortzuschreiten (Ahb. 2).
Nun sei der Träger elastisch verformbar. Dann treten zu den sechs Kraftgrößen noch sechs
Deformationsgrößen hinzu, die diesen paarweise zugeordnet, "konjugiert" sind, und zwar handelt
es sich um die folgenden sechs Paare:

x.Richtung j Längsverschiebung
Längskraft
Längsverdrehung (Drillung)
u,
L,
{),
Längsmoment (Drillmoment) T,

y-Richtung j Querverschiebung (Durchbiegung)


Querkraft
Drehwinkel (Neigung)
(2)
Biegemoment

z-Richtung j Querverschiebung (Durchbiegung)


Querkr:Üt.
Drehwmkel (Neigung)
w,
Q.,
1p,
Biegemoment iW:••
Die Vorzeichen sind nach Ahh. 3 gewählt. Die Kraftgrößen bezeichnen wir allgemein mit k i , die
Deformationsgrößen mit di • Wenn eine Unterscheidung nicht nottut, schreiben wir einfach gi'
I S. Falk, Ing.-Arch. 24 (1956) S.216.
62 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren Ingenieur-Archiv

Den Begriff der Reduktion erweitern wir jetzt sinngemäß auf alle 12 Größen (2): zu den sechs
statischen Gleichungeu (I) gesellen sich ja noch sechs geometrische, die mit jenen durch das Hooke-
sehe Gesetz verknüpft sind, und diese insgesamt zwölf Gleichungen geben eindeutig au, wie die
zwölf Größen gi von Punkt zu Punkt zu reduzieren sind. Allerdings - und das ist eine einschnei-
dende Voraussetzung - müßten sämtliche Kraft· und Deformationsgrößen im Anfangspunkt A
gegeben sein, was in Wirklichkeit nie der Fall ist. Die Kernfrage des Reduktionsverfahrens lautet
demnach: wie findet man die Kraft- und Deformationsgrößen im Anfangspunkt A eines Balkens?
Ihre Beantwortung stellen wir fürs erste zurück .
3. Die grundlegenden Differentialgleichungen. Die Größen (2) sind bekanntlich durch 12 lineare
Differentialgleichungen erster Ordnung verknüpft, die sich zu den folgenden vier Differential-
gleichungen zusammenfassen lassen:
- [E F(x) u'(x)]' = p(x) , )
[E ly(x) w"(x)]" = q.(x) , (3)
- [G I(x) ß'(x)J' = t(x) ,
[E l,(x) v"(x)l" = qix) ,
wobei Striche Ableitungen nach x bedeuten.
Hier stehen auf den rechten Seiten die gegebenen Belastungsfunktionen p(x), q.(x), t(x) und
qy(x). Wir wollen vorerst annehmen, y und z seien die über den ganzen Integrationsbereich kon-
stanten Hauptträgheitsrichtungen, auch mögen
die Steifigkeiten E F, Ely ' G I und E l. konstant

Abb. 3. Vorzeicbtn der Krah. uod Ddol"ma tiorugröOen. Abb.4. C't-ude:r 8alken frli l Dt't.I c k- lind D r ehred~ r n .

sein (Voraussetzungen, von denen wir uns später wieder befreien werden); dann nämlich lassen
sich die Lösungen von (3) unmittelbar hinschreiben. Als Integrationskonstanten wählen wir die
Kraft- und Deformationsgrößen an der Stelle x = 0 [vgl. 1(2) bis 1(9)].
Weiter sei im Punkt I des Balkens (x = I) eine Anzahl von Druck- und Drehfedern angebracht
(Abb. 4); die von diesen auf den Balken übertragenen Kraftgrößen sind nach dem Hookeschen
Gesetz
ki = - Ci di (i = 1, 2, ... ,6) , (4)
wo die k i zu den d, konjugiert sind. Diese Federreaktionen müssen wir noch zu der im Bereich
o ~ x ~ 1 angreifenden Belastung hinzuschlagen und haben damit den für das Reduktionsver-
fahren grundlegenden Zusammenhang zwischen den Kraft- und Deformationsgrößen an zwei
Schnitten 0 und 1 (genauer gesagt unmittelbar rechts davon) in der Entfernung 1 voneinander

u(l) = u , = Uo - EIFT~o + ~(I), 1 (5)


L(I) = L, = Lo + L(I) - Cu u,

I' [3 _
10(1) = !C, = Wo - I 'Po + 2-E J~ Myo + (JE J-;Q,o+ w(l) ,
1 12 _
'P(l) = Cf1 = 'Po- EJ; MYO-2EJ;Q,0+'P(I) ,
My(l) = M YI = Myo+ I·Q,o + Mß)-C'I''PI '
Q,(I)=Q'l = (6)
XXVI. Band 1958 FaIk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktion"verfahren 63

mit j q,(g) dg = Q.(x) ,


.
o
.
f ßitJ} dg = - g;(x) , f ~~:) dg = w(x) ,

I
o o

{}(I) = 191 = {}o - GI I T o + ~I) , .j[t(g) dg = T(x) , f


-f ~(~dg=ß(x),
mIt x (7)
T(l) = TI = T o + T(I) - C& {}1
o
I' /3 _
v(l) = VI = Vo + I "Po - 2 E J, M,o + 6 E J. QyO + v(l) ,
I /' _
1p(/) = 1J!1 = "Po - E J, M,o + 2 E J. QyO + 1p(I) ,
M,(/) =M,j= I QyO + M,(I) - C" 'ljJl ,

Qy(l) = QYI = Qyo + Qß) - C, VI (8)

j qig) dg = Qy(x) , j Qy(;) dg =


..'Pm
mit - M.(x) ,
.- M.(~)
o o

f
o
EJ.
dg = ip(x) , JEJ. d" -
o
<; -
-( )
V X •

I
4. Die Leitmatrizen. Nun schreiben wir die Gleichungen (5) bis (8) noch einmal in Matrizen
hin und bekommen, wenn wir, um allgemeiner zu bleiben, die Zeiger 0 und 1 durch i -1 und i
ersetzen, ferner aus formalen Gründen die triviale Gleichung 1 = 1 zu jedem der vier Gleichungs-
systeme hinzufügen:
u, : Eu; U'-I'
1); -Ey , 1),-1 ,
(9)
t; = E" t'-1 ,
5; = E.. 0,-1'
Die vier sogenannten "Leitmatrizen" mit ihren zugehörigen Vektoren sind dabei der Reihe nach

.8. =
f -1/~F ~:
(O L l -cu
0) , U-
_(U)
L, (10)
o 0 1 1 0 1

2/
- I -1 2 E J y 13/6EJy w 00 001 (Wrp 1
i
1
1 lIEJ;; -12j2EJy ip 1

~ ~ ?y :- ~w ~~ - , ~= ;/ ' (11)

.8, =
-:c.). t ~ m (12)

_;~ ~;c..1 '~l;'


(v 1
1 -/2/2 EJ. 1316 E J,
I -IIEJ. 1'/2 E J,
0
o 1 -I
(13)
o o 1
o o o
64 Fa1k: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren Ingenieur-Archiv

Die von der gegebenen Belastung herrührenden, mit dem Zeichen,...., versehenen "Lastgrößen"
sind für die praktisch wichtigsten Fälle in den Tabellen 1 und I (1) zusammengestellt.
Aus den Matrizen (10) bis (13) lassen sich nun leicht Leitmatrizen höherer Ordnung zusammen-
stellen, zum Beispiel für den Sonderfall der ebenen Statik (Biegen in der (z, xl-Ebene mit Längs-
dehnung in x-Richtung)
1 o o o 0 - li EF ü o o o u
o 1 -1 12/2 E J y 13/6 E 1 y 0 w o o o w
o o 1 -ljEJy -12/2 E1y 0 cp 1 o o o
o o o 1 1 0 MY 1 o o -C", (14)
o o o o 1 0 Q. 1 o o
o o o o o 1 I - cu o
o o o o o o 1 o o
e
oder ganz allgemein: sind Paare an der Deformation des Balkens beteiligt, so kann man diese
gemeinsam mit der Ziffer 1 zu einem Vektor zusammenfassen und aus den Matrizen (10) bis (13)
die zugehörige Leitmatrix mit 2 1 Zeilen und 3 e+ e+
1 Spalten ohne Schwierigkeiten zusammen-
bauen. Alle diese Leitmatrizen sind offensichtlich von der folgenden typischen Form :

- I
C\.I fi
.,
d,
[) b
~I
2= k. 1
(15)
D
: I
OC sr
k1
1
o . . 0 o . .0 1 0 . . 0 1
- 1
oder noch einmal ausführlich in Vntermatrizen der Ordnung (! geschrieben (0 ist die Nnllmatrix):

@ bi - 1 + l5 fH = (b - b)i' }
(16)
SI f i - 1 +Q: (b - ii) i = (f - fl i .
Jede dieser Untermatrizen enthält eine gewisse Gruppe von Kenngrößen, und zwar gilt folgende
Zuordnung:
@ -7 Geometrie, sr -+ Kräftegeometrie , }
(17)
\y -7 Steifigkeit des Balkens, ~ -+ Federung von außen.
In sr
finden wir I! der Gleichungen (1) wieder; \Y verschwindet, wenn die Steifigkeiten unendlich
groß werden (starrer Balken), ~, wenn die äußeren Federn fehlen. Den punktiert (gestrichelt)
eingerahmten Teil von 2 wollen wir den Kern (den Hauptteil) der Leitmatrix nennen. Die letzte
Zeile heißt (aus später verständlichen Gründen) die Kontrollzeile, die die gegebenen Lastgrößen
enthaltende Spalte die Lastspalte. Die Determinanten der Kerne und Hauptteile aller Leitmatrizen
haben offenbar den Wert 1. Die Reziproken der Kerne entstehen, wie man leicht zeigt, wenn man x
durch - x bzw. 1 durch -1 ersetzt.
Die Matrizen (11) und (13) lassen sich übrigens noch um die Ordnung zwei erniedrigen, wenn
man irgendeine Größe gi mit Hilfe ihrer Konjugierten, die dann in der Lastspalte erscheint, eli-
miniert. So entsteht zum Beispiel, wenn man in (11) die Querkräfte entfernt, die folgende Leit-
matrix, die im wesentlichen den gesamten Formelapparat der Traversenmethode von Slewart l
enthält :
-2 112 E 1 y
53'i =
(
6 Eiß -2
o
(18)

mit
(19)

1 R. W . SIewart und A. KleinlogeI, Die Traversenmethode, Berlin 1952.


XXVI. Band 1958 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktion.verfahren 65

Solche, an der Deformation des Balkens zwar beteiligten, aber aus dem Kern der Leitmatrix ent-
fernten Paare nennen wir "unterdruckt". Falls von Interesse, lassen sich die unterdrückten Größen
nachträglich leicht wiedergewinnen; zum Beispiel findet man aus (11) für die Querkräfte Q'-1 und
Q" wenn man der Übersichtlichkeit halber die Indizes z und y bei Q und M fortläßt
- I ~
Qi - 1 = Qi - Qi = li (Mi - Mi - Mi_I) , (20)

ferner für die Durchbiegung wals Funktion von X im ersten Feld

w(x) = - x(l-y) [(l + +)9'0 + 2~JMol + [w(x) -~w(l) + Wo + (w - u'o)~l 1 (21)

und entsprechend in allen anderen Feldern.


Schließlich fügen wir noch eine Bemerkung zu der Matrizenmultiplikation
'li = Bi 'lH (22)
ein. Die Leitmatrix Bi hat 3 e+
1 Spalten, aber der Vektor 'lH nur 2 (! 1 Komponenten; +
man faßt daher die ersten (! Komponenten von 'li als die letzten (! des Vektors 'li- l auf und multi-
pliziert sodann wie gewöhnlich. Eine solche Matrizenmultiplikation nennen wir "verschränkt".
Zwar könnte man die Gleichung (22) auch auflösen in die beiden Gleichungen
'lt = .\!, 'li-I' 'li = Ui 'lt (23)
mit dem quadratischen Hauptteil~, und der ebenfalls quadratischen " Übergangsmatrix" Ui [I (13)
in sinngemäßer Erweiterung], was aber nur unnötige Schreib- und Rechenarbeit verursachen
würde.

Tabelle l. Las'großenfiir Lön!lsdehnung. Drillen lind Biellerl 111;' un.erdriich.om Q, IV

p p r t
<D ~ ® " I I
..- a,- -h -a -h-

u(l) - PalE F - ph'/2 E F 0(1) - TalG / - ,h'/2 C f


L(I) P ph 1'(/) T I h

rr
® V
-- a- - ~
-- lJ
~1!l1

,,,(1) - Pa' ( 1
2E J· - T
0) _ Mb. ( l _ ~)
EJ 21
- ,,6..'/24 E J

~(I) PII (I - *) ,\1 (1- 3~;) 'I Jt!/4

5. Der durchlaufende Träger. Der geradlinige Abschnitt zwischen zwei benachbarten Feld-
grenzen heißt das Feld der Nummer i. Ein Punkt Fist Feldgrenze, wenn für ihn mindestens eine
der folgenden Eigenschaften zutrifft:
1) In F tritt eine Federreaktion nach (4) hinzu. (24)
2) Für z der Kraft- oder Deformationsgrößen sind in F feste Werte vorgeschrieben (z. B.
die Werte Null), oder allgemeiner: zwischen den Kraft- und Deformationsgrößen im Punkte F
sollen z lineare Bedingungen erfüllt sein. (25)
3) F ist ein Verzweigungspunkt. (26)
4) F ist ein Knickpunkt. (27)
Demnach stellt also auch jedes freie oder irgendwie gegen die feste Umgebung gestützte Ende
eines Trägers eine Feldgrenze dar. Mitunter kann es zweckmäßig sein, auch andere Punkte zu
Feldgrenzen zu erklären, etwa Punkte, in denen die Steifigkeitsfunktion unstetig ist (abgesetzte
Wellen und dergleichen).
5
66 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren IngenicUT.Archiv

Für einen durchlaufenden Träger mit 11 Feldern (Abb. 5) gilt nun nach (9), (15) usw. der Reihe
nach
~1 = 531 ~o , ~2 = ,\32 ~1 , ... , ~. = ,\3. ~n-l (28)
oder eingesetzt
(29)
(30)
e
Sind nun an der Deformation Paare beteiligt, so müssen in den Endpunkten A und E auch genau
je e Randbedingungen der Form
go, = 0 (p = 1,2, ... e) , (31)
g.~ = 0 (JI = 1, 2, ... e) (32)
(bzw. Linearkombinationen dieser Gleichungen) befriedigt werden, und zwar muß in A wie in E
aus jedem Paar gerade eine Größe g verschwinden. Die in Averbieibenden e wollen wir die "Frei-
größen" (Al' A 2, • •• A e) = a und die in E verschwindenden die "Nullgrößen" (BI' B 2 • • • Be) = b
nennen. Aus (30) und (32) entsteht dann das lineare inhomogene Gleichungssystem
(33)
Damit haben wir die Kernfrage des Reduktionsverfahrens (Ziff. 2) für den Durchlaufträger - und
wie wir sehen werden, im Prinzip bereits für jedes beliebige Tragwerk - beantwortet: Von den
2 e Kraft- und Deformationsgrößen im Anfangspunkt A eines durchlaufenden Trägers sind e gleich
e
Null; die übrigen gewinnt man aus dem linearen Gleichungssystem (33).

I
E~ - -- I
I
. . . . &ac-----< a;--JI
........
a,"< --
Abb. 5. Oure:hlaaJender Ra1t.ft)eD , .ebematiKb. Abb. 6. Kniekpu.n kt eines Rahme:os mit begleitendem Drt:ibein.

Den praktischen Hergang der Rechnung zeigt das Schema (34): Die mit den Freigrößen Ai
+
und der Ziffer I multiplizierten e I Spalten des Anfangsvektors ~o werden unabhängig von-
einander an sämtlichen Leitmatrizen vorbeimultipliziert bis unten rechts neben 53. die e Null-
größen Bi erscheinen. Dann wird des Gleichungssystem (33) der Ordnung gelöst und mit dem e
nun bekannten Anfangsvektor !o die Rechnung wiederholt, wobei die Kraft- und Deformations-
größen unmittelbar rechts von jeder Feldgrenze zahlenmäßig erscheinen. Nach (5) his (8) sind
dann auch Kraft- und Deformationsgrößen als Funktionen der Balkenkoordinate x bekannt,
womit die gestellte Aufgabe erschöpfend gelöst ist.
Al A2 Ag I

~o = (~o...... !. . ...:.:.:.....~ ...... ~)


0 ... 0 . I (34)
(,\31) (-J, t -J, t)
-J,

Sind alle Feldgrenzen vom Typ (24), so sind die Elemente sämtlicher Leitmatrizen von vornherein
gegeben und die Rechnung bereitet nach (28) und (34) keine Schwierigkeiten. Zwischenbedingungen
nach (25) kann man auf drei verschiedene Arten erfüllen: durch Ablösen der Freigrößen, das ab-
gekürzte und das erweiterte Verfahren [I (8)]. Bei abgewinkelten Trägern schließlich (Abb.6)
transformieren sich die Größen (u, v, w) und ebenso (L, Qy, Q.), (8, 1/', 9'), (T, My, M.) mit Hilfe
XXVI. Band 1958 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach 'dem Reduktionsverfahren 67

der Matrix

(35)

Je nach Art und Zahl der beteiligten Paare werden zweimal e Elemente dieser Matrix zu einer

- 1
Gesamttransformationsmatrix % zusam-
mengefaßt; es gilt dann beim Übergang
an einer Knickstelle i N IV
6. = '\],6,-1' • } (36)
6,+1 = '\]'+1 %.+1 6, = ,\]i+l 6, ,
und zwar empfiehlt es sich, von vorn-
herein die Kerne der Leitmatrizen von Abb.7. Ersa tz. ~iDe". dW'c:hlauCtndr:n R.hmeoll durch dne Koppellcdt:r.
rechts mit % zu multiplizieren_
6. Fedennatrizen. Wir fragen jetzt, wie die (} Kraftgrößen mit den e Deformationsgrößen in
einem beliebigen Schnitt N eines Durchlaufträgers zusammenhängen (Abb. 7)_ Rechnen wir den
Träger bis zum Punkt N durch, so erscheint unten rechts in (34) folgendes Zahlenschema:
AI A2 Aa 1

(: .:. ffi ) ::
---------- -- - = 6N' (37)

(
~ - ... - .:. . (0 ~. . ~:
)

• * k}
o 0 0 1
Mit den e-reihigen Matrizen mund @? und den Vektoren
a = (AI' Az , •• _ A Q) ,)

b = (dl , dz , .••• da) , (38)


f = (ke• k'_1 ' ••• k 1)
können wir dafür kürzer schreiben
ma = b - b-, (0 a = f -1 (39)
und weiter, da mstets regulär ist,
a= m-I (b - b) , (40)
f- f= @5 m- (b -
1 b) = ~ (b - b) . (41)
Die überstrichenen Größen stammen aus der gegebenen Belastung; besteht der Träger aus einem
einzigen Feld, so stimmen sie natürlich mit den Lastgrößen der Tabellen 1 und I (1) überein. Die
Matrix

@5m- 1 = ~ = cZe
CI.

• ..
I
• • • C12

C22
cn
Cl2 (cu ~ 0) (42)
I;.·.····:::··· ';2~" ';1~
heißt die Federmatrix des Rahmenschnittes N, ihre Reziproke ~-1, falls vorhanden, die Einfluß-
matrix. Nach dem Satz von Maxwell-Betti ist die Federmatrix, wie in (42) bereits ausgedrückt,
symmetrisch zur Nebendiagonale ; die Elemente c" sind negativ oder gleich Null. Diese Feder-
matrix stellt die natürliche Verallgemeinerung der Matrix [ in (15) dar. Dort waren noch alle
f! Gleichungen nach (4) entkoppelt. Wollten wir hier aber die elastische Wirkung des abgeschnit-
tenen Rahmenteiles im Punkte N durch eine einzige Feder ersetzen, so müßte diese die Matrix
(42) haben, ließe sich also nicht einfach aus Druck- und Drehfedern wie in Abb. 4 zusammensetzen,
5"
68 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren Ingenieur.Archiv

sondern erst verwirklichen durch ein komplizierteres (gedachtes) Gebilde, das wir als Koppelfeder
bezeichnen und nach Abb. 7 symbolisieren wollen. Die auf den Punkt N von der Feder übertra-
genen Anteile der gegebenen Belastung deutet ein Pfeil an; wir lassen ihn fort, wenn sämtliche
überstrichenen Größen in (37) verschwinden.
Da nun gewisse Bauelemente der Praxis immer wieder vorkommen, lohnt es sich, Kataloge
von Koppelfedern zusammenzustellen. So zeigt die Tabelle 2 Federmatrizen nebst Kehrmatrizrn
ffi-1 am einfeldrigen Balken mit konstanter Biegesteifigkeit EJy für die Paare (My, rp) und (Q., w).
Hier kann man die Lastgrößen direkt aus den Tabellen 1 bzw. LI übernehmen; in allen anderen
Fällen dagegen muß man sie nach (37) berechnen, da das Katalogisieren von Lastgrößen kaum
praktischen Wert besitzt.

-. -.

Abb. $. ZwückInhruug einet mcbtfach venwe.i[tten R.b_mrul .ur einen Durcbl.wLriigcr.

7. Das Anfedern von Rahmenteilen. letzt sind wir in der Lage, einen beliebigen offenen Rahmen
auf eine Anzahl von Durchlaufträgern zurückzuführen: wir erklären irgendeinen durchlaufenden
Linienzug des Tragwerkes zum Hauptträger, schneiden sämtliche Seitenzweige ab, ersetzen sie in
den Schnittpunkten durch ihre Koppelfedern, deren Matrizen in (15) unten rechts einzutragen
sind, und können nuu den Hauptträger wie üblich berechnen. Dann aber liegen nach (40) auch die
Freigrößen der Seitenzweige fest, womit die Aufgabe gelöst ist. Auch bei mehrfachen Verzweigun-
gen nach Abb. 8 kommt man stets zum Ziel. Bei schiefwinkligen Anschlüssen sind Kraft- und
Deformationsgrößen in die Richtungen des Hauptträgers zu zerlegen.
8. Anfedern mit Nebenbedingungen. Bei biegesteifen Anschlüssen sind die Deformationsgrößen
des abgeschnittenen Zweiges gleich denen des Hauptträgers, so daß die in diesen eingeleiteten
Kraftgrößen als linke Seiten von (41) unmittelbar gegeben sind. Solleu aber z (1 ;::;: z :;;: e) der
Kraftgrößen fest vorgeschriebene Werte annehmen (etwa die Werte Null wie in den Anschlüssen
der Abb. 9), so werden für den Hauptträger auch gerade die z konjugierten Deformationsgrößen
des Seitenzweiges bedeutungslos; diese eliminieren wir daher in den Gleichungen (41) mit Hilfe
geeigneter Zeilenkombinationen, wodurch eine um die Ordnung z erniedrigte, ebenfalls neben-
symmetrische "reduzierte" Federmatrix entsteht. Ähnlich geht man vor, wenn z lineare Bedin-

Tabelle 2. Federmalrizen. für einfeldrige Balken mit kon.stanter Biegesteifigke il E J, Länge 1

Art der lütZUl1g


I), = ß (h - E), r. b),
,1"-, (f - = 91-' (b - n.
re, MI! ! w., Q. Federma trix G: 1atrix ur' Freie Konstanten


~~
l:;1 a - ~~
( 'f 6/1' - 4/1 )
-
E J - l ?JI' 'f 6/1'
E 611' + 211)
J - 1211' 'f 6/1' .
2a
~e ~
zb EJ CT 31" - 311)
3/1' 'F 311'
( 'f 3/2 1 - 112
- 3EJ/f3 'f 3EJfF
)
(~).
J..l

~
3a 3b
efi.TT
.. EJ(
0
0
- ~/) (+~ .L 1/2

- EJII
)
('M.
")
a. e e
~~
'"
(-~ - ~) (+ ~ ±I)
+1 I (;).
Die un Ieren Vorzeichen in (i lind ill- ' gehen fiir die Folie b)
XXVI. nand 195B Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren 69

gungsgleichungen zwischen den Kraftgrößen oder noch aIIgemeiner z Gleichungen zwischen sämt-
lichen 2 e Kraft- und Dcformationsgrößen vorgeschrieben sind; doch hat dieser Fall wohl nur
theoretisches Interesse.
9. Die Addition (Parallelschaltung) von Koppelfedern. Die freien Enden von p Durchlauf-
trägern mögen im Punkte H biege steif miteinander verbunden sein (Abb. 10)_ Dann gilt für
diesen Punkt nach (41), wenn wir uns sämtliche Kraft- und Deformationsgrößen nach gemein-
samen Richtungen zerlegt denken,
P _. P -
1; (1 - f,) = .1'~, (b - bLl (43)
i=1 ,=1
oder
(44)
mit
~, = .1'Q:" f, =.1' (1, -~, b,) . (45)

II
1
I'f
~--~=- ~
l
Abb. 10. Erial~ cinH oHerll;p R.hmcn dU TCb c:.il'li! KIDppr.l(cdcr.

Man kann daher den ganzen Rahmen der Ahb. 10 durch eine einzige (belastete) Koppelfeder im
Punkte H ersetzen, und zwar auch dann, wenn infolge Nebenbedingungen einige oder alle Feder-
matrizen reduziert sein sollten. Sind insbesondere alle p Zweige unbelastet, so wird einfach
(46)
Das heißt: die von der gewöhnlichen Druek- und Drehfeder her bekannte Tatsache, daß sich bei
ParaIIelschaltungen die Federkonstanten addieren, überträgt sich auch auf die Federmatrizen.
Läßt man jetzt in H gegebene Kraftgrößen f angreifen, so folgt aus der Gleichgewichtsbedingung
f + Q:, bn = 0 (47)
sofort
(48)
und damit ist nach (41) auch schon der ganze Rahmen berechnet: ein Vorgehen, das in diesem
einfachen Falle stark an die Deformationsmethode erinnert. Auch dort werden ja die aus dem e
Zusammenhang eliminierten Deformationsgrößen d,R aus e linearen inhomogenen Gleichungen
ermittelt.
10. Rahmen mit unverschieblichen Knoten. Sind die Knoten (Feld grenzen) cines Tragwerkes
unverschieblich, so kann man alle Kraft-Verschiebungspaare unterdrücken und allein mit den
Momenten-Drehwinkel-Paaren rechnen. Bei ebenen Trägern hat man dann lediglich das Paar
(My, q;) mit der Leitmatrix (18), in der die w, verschwinden. Aus der Momentenlinie folgt der
Querkraftverlauf durch Ableiten (20), die BiegeJinie aus (21).
Il. Praktische Durchführung und Beispiele. Das Einflechten der Federkonstanten nach 1. (22)
ist nun durch die verschränkte Matrizenmultiplikation überflüssig geworden. Um auch die Rechen-
proben mit in das Schema (34) einzubeziehen, addieren wir zur letzten Zeile der Leitmatix die
e
negativen Summen der ersten 2 Zeilen, so daß die Zeilen summen dieser neuen Matrix gleich
NulI bzw. Eins sind. Addiert man nun zur letzten Komponente des Vektors b' die Summe seiner
ersten 2 e-Komponenten, so kommt bei richtiger Rechnung unten in jeder der homogenen, mit
einer Freigröße multiplizierten Spalte eine Null, in der inhogenen (Last-) Spalte dagegen eine Eins
heraus, gegebenenfalls bis auf vertretbare Abrundungsfehler, die zu streichen sind, denn weiter-
rechnen darf man natürlich nur mit den Zahlen 0 oder 1. Weitere willkommene Kontrollen stellen
70 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren Ingenieur-Archiv

die Bedingungen CH ~ 0 und die Nebensymmetrie der Federmatrizen dar (42). Auch sollte man
immer das Gleichgewicht am Tragwerk überprüfen.
Bei ebenen Tragwerken zeichnen wir positive Biegemomente nach oben auf (negative w, Q-
Richtung); sie erscheinen dann auf der Zugseite des Balkens. Positive Längskräfte bedeuten
Druck-, negative Zugkräfte.
a) Erstes Beispiel. Für ein offenes Tragwerk mit unverschieblichen Knoten (Abb. 11)
ist die Einflußlinie für das Biegemoment M 2 , unmittelbar rechts vom Pfosten 2 infolge einer wan-
dernden Einzellast P zu berechnen.

-
p +111-11
EJ

zU izu c.~(\~
- - +-- l ~J
Ahb. 11 . Rahmen mit waDderndu Ein_zell.at, duu Ers.alz.ttiger.

Wir bringen rechts vom Pfosten 2 ein Gelenk an und lassen an ihm ein MOlnentenpaar +M,
-M angreifen; aus der dadurch hervorgerufenen Biegelinie w(x) folgt dann bekanntlich
M = w(x) p
2r _ rp , (1.01)

wo rp die Winkeldifferenz (Sprunggröße, Tabelle 1,3) im Gelenk und w(x) die Durchbiegung an der
Laststelle ist. Da die Knoten unverschieblich sind, rechnen wir mit der Leitmatrix (18), in der alle
w,= 0 zu setzen sind. Mit
p* = 2EJ 1
1* = 1, d. h. 1 = 1, EJ = 2"

I
12
(1.02)

werden die Drehfederkonstanten der Pfosten nach .Tab. 2 (Elemente Cu rechts oben)
2EJ
Pfosten 1 (Fall 2a): Cl = 3-1~ = 3,
2EJ (1.03)
Pfosten 2 und 3 (Fallla) : C2 = C3 = 4 -1- = 4.

Als äußere Belastung haben wir im Feld 2 das Moment +M = p* l* = 1 mit b = 0 und im Feld 3
das Moment -M = - 1 mit b = 1 = 1 (Tabelle 1,3); in die Lastspalte des dritten Feldes ist
außerdem die Sprunggröße fP aufzunehmen. Freigröße ist hier das Einspanmnoment Mo. Damit
läßt sich das Zahlenschema 1 hinschreiben; die Zeilensummen in den Leitmatrizen sind der Über-
sichtlichkeit wegen fortgelassen worden. Die Elemente rechts von 53'2 zum Beispiel finden wir so
(-2) . (1) + (2) . (- 5) + 0 + 0 . (*) = -12 ,
(1,5)· (1) + (-2)· (-5) + 1· 0 + (-4)· (-12) = 59,5.

I
Die Zwischenhedingung M 2 = 0 (Gerbergelenk!) übergehen wir zunächst, rechnen also nach dem
erweiterten Verfahreu I (8c). Aus den beiden eingerahmten Gleichungen ergibt sich dann zum
Schluß
M2 = + 1 = 0-)- Mo = -59~5 = -0,0168,
59,5 Mo
(1.04)
Ma = -489 Mo + 11 ~ = 0-)- fP = 48~~o = - 0,7472.

Damit läßt sich nun die rechte (End-) Spalte des Schemas hinschreiben, womit Drehwinkel und

I
Biegemomente für alle Feldgrenzen gegeben sind (Zahlenschema I).
Nach (21) sind jetzt die Biegelinien in allen drei Feldern wegen w, = 0, 1 = 1,

= CP21 + (j; = 0,2017 - 0,7472 = - 0,5455, E J


Cf2, = {-

im Feld 1: w(x) = - x (1 - x) [(1 + x) . 0 - x(- 0,0168)] + 0,


Feld 2: w(x) =- X(1 -i) [(1 +-1-) (-0,0168) - x(0,0840)} + 0, (1.05)

Feld 3: w(x) =- x (1- x) [(1 +x) (-0,5455) - X· 0] +[(-I)x2 - x3(-1) 12] .


XXVI. Band 1958 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren 71

Mo 1

( ) (fO)
Zahlenschema 1 0 0
1
0
0
1
(- ~,0168 ) =

)3'1
(-2
~ -2 1 0
0
I

-i) ( -5
1 0
0 ) (-0,0168)
~,0840 =
Cl)
~1

(-2 2
0 1 0 1

Cl)
I

-!)
0 -12 0
)3'2 ~,5 -2
0
1
1
(I 59,5
0
1
1
I) (
0,2017)
0,0000 =
1
M2
1

)3'3
(-2
~ -2
1-2ip-l
3 tp 2+ , -~)
( 83,5
1-48~
-2 P)
1~ pi ( 0,0910)
~,OOOO =
C)
~3
0 1

Das nach (l.01) durch -rp = 0,7472 dividiert und geordnet gibt
Feld 1: M2r = (0,0225 ;3 - 0,0225 ;2) PI 'f
Feld 2: M 2r = ( - 0,0618 ;3 + 0,1l24;2 + 0,0225;) PI, (; =-1'-) (1.06)
Feld 3: M 2r = (0,6085 ;3 -1,3383;2 + 0,7301;) PI.
Den Funktionsverlauf zeigt Abb. 12.
b) Zweites Beispiel. Das offene
verzweigte Tragwerk von Abb. 13 ist
zu berechnen. Wie ist die Rechnung
abzuändern, wenn die Anschlüsse in B
und C nicht biegesteif, sondern gelenkig
sein sollen ?Das Tragwerk sei in Längs-
richtung starr (I/E F = 0), die Biege-
steifigkeit des Mittelpfostens ABCD sei
2 E J, die aller übrigen Felder E J. Ge-
gebene Werte sind
1=2,OOm, EJ=80tm2 '}(2.01)
q = 11 tIm
oder mit I' = I, P' = 2 EJ/12, und
wenn wir im Hinblick auf die Nenner
in Tabelle 1,1 vorerst
q* = 24 P·/l· = 480 tim Abb. 12. MomlClILcu·Ein!luOlinit für dl:ß Rilimcu.l de.r Ahb. 11.
wählen,
1=1, EJ=1/2, q=24, d.h.P*=ql/24, P*I*=qI2/24. (2.02)
Das Schema der Anfederung zeigt die Abb. 13 rechts.
1. Berechnung des Zweiges I nach Abb. 14. Die Anschlußkräfte und -momente der Pfosten
12 und 13 finden wir in Tabelle 2, Fall la vor; da beide Pfosten unbelastet sind, verschwinden
die ---Glieder, und es verbleibt

( M)
Q ö,
=EJ(-6/12
-12fl"
-4/1) (w)=(-3 -2) (w)=(-3W -2tp) (i = 12,13). (2.03)
-6/12 tp ö, -6 -3 rp ö, -6w -3tp ö,
Der Pfosten 11 ist gelenkig angeschlossen (Nebenbedingung !) wir eliminieren daher den Winkel tp11'
indem wir die mit -1,5 multiplizierte erste Zeile der Federmatrix (2.03) zur zweiten addieren
und Mn = 0 setzen.

(M- M) (- 3 - 2) (w _~) .(- ~,5) (2.04)


Q- Q 6 - 3
11= rp - tp
- ;.-1 11
~--~~~----~--~~

Qu = (Q - 1,5 M + 1,5 w)u - 1,5 W11


72 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren Ingenieur~Archiv

oder mit den Werten aus Tabelle 1,1, Spalte 3 und aus Formel (2.02)
Qll = (24 - 1,5 . 24/2 +
1,5 .24/12) - 1,5 W u = 9 - 1,5 Wu . (2.05)
Da die w,Q-Richtungen der Pfosten mit der (L, u)-Richtung des waagerechten Trägers 1 zusammen-
fallen, setzen wir in (2.03) und (2.05) Wu = WI2 = WIS = U S , ferner PI2 = PI' fPla = fP2 und bekom-
men als eingeleitete Kraftgrößen (die eingeklammerten Werte übersehen wir vorerst)
Mn = 0
M I2 : : - 3 u. - , Qu = 9 - 1,5 u.
2 PI (= - 0,721) , QI2 =
(= - 8,467), }
- 6 u a - 3 !PI (= - 1,614) ,
M la - - 3 ua-2fP2 (= - 0,832), Q13 = __ ._ - 6 u. -3P2(= -1,781) .
(2.06)

La = }; Q. = 9- 13,5 u. - 3 (!PI + !P2) (= 5,072) . (2.07)

,1 1J

- I
Abb. 13. Mc brr.ch \ 'ctzwtigtu offener Rahmen mil lhupuri,t:r.

Somit hat der Zweig 1 das Aussehen der Abb. 14, rechts. Wir unterdrücken die Paare (L, u) und
(Q, w) und rechnen mit den Leitmatrizen (18), wobei die w, = 0 zu setzen sind. Unten rechts im
Zahlenschema 2.1 finden wir neben Er. die beiden Gleichungen
- 64 fPo + 15 ua = Pa; 117 fPo - 27 u. = M.
vor und berechnen daraus
M a = - 1,828 !Pa + 0,422 u a ' (2.08)
fPo = - 0,0156!p. + 0,2344 u •. (2.09)

M, - -JU, ~--3ILJ
,--... ,,--....
.... -&dI7QI7~'
Mit den Werten PI = - 2 fPo, fP2 = 11 !Po - 3 u. aus dem Schema 2.1 wird nun nach (2.07) und
(2.09)
L. - 9 = - 13,5 Ua - 3 (9 fPo - 3 u.) = - 4,5 u. - 27 (-0,0156!p. + 0,2344 u a)
= - 10,828 u. + 0,422 fP., (2.10)
und das gibt zusammen mit (2.08)

(M a
La - 9
)
=
(
-
0,422
10,828
- 1,828) ('u.)
0,422 !P.'
(2.11)

Wie nach (42) zu erwarten, ist diese Federmatrix nebeusymmetrisch; die Elemente cil sind negativ.
2. Berechnung des Zweiges 11. Wir stellen den abgeschnittenen Zweig auf den Kopf, damit
das freie Ende rechts liegt (Abb. 15), was zwar nicht unbedingt notwendig, aber für die Anschau-
ung bequem ist. Für die Pfosten 14 und 16 wird nach Tabelle 2, 2a
I (- 3/0,52
~4 = ~6 = '2 _ 3/0,5' - 3/0,52 = -12
- 3/0,5 ) (- 6 -3)
-6
(2.12)
XXVI. Band 1938 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren 73

I
und für die Pfosten 15 und 17 nach Tabelle 2, 1 h):

~15 = {-(-1~ !) = (_~ - 2)


1 (
~17 = "2 -
6/1,5
12/1,53
2 - 4/1,5) (
6/1,5 = -
4/3
16/9
- 4/~)
4/3
(2.13)

Da Belastungsglieder nicht vorhanden sind und wegen W 14 = w 15 = w1S = w17 = u 6 ' ferner !P14
= PIS = p" !P,S = P17 =!P6 sind die in den Punkten 4 und 5 in den Träger 11 eingeleiteten Kraft-
gräßen
M" = - 6 U8 - 3!p, (= 6,954); Q14 = -12 Us - 6!p, (= 13,908), )
M I5 = 3 Us - 2 p, (= - 5,499); QlS = - 6 U s 3!p, (= 10,420) , +
M ,a = -6us - 3!P5 (= 7,787); QIS = -12 Us - 6!ps(= 15,574), (2.14)
4 4 19
Mn = T US-3"P5 (= -2,330); Q17 = - (lua
4
+ 3"!ps(=2,974).
(2.15)

Die Drehfederkonstanten sind demnach C, = 3 2 = 5 und Cs = 3 + + 4/3= 13/3 (Ahb. 15


rechts). Das Zahlenschema 2.11 liefert die heiden Gleichungen
1
57 3"P' + 20i1 us = Ps;
2 2

-
-1073"9',-373"u s = M a ,
17

das heißt 1, ~--3U.


,.........
~- - :l" Ur
~
+
MG = - 1,878!p8 0,517 U s , (2.16) ::ci
9', = 0,0174 Ps - 0,355 u a • (2.17) fII
5
16
6
/~j;~!.
Nun setzen wir in (2.15) ein und er-
halten Abb. IS. 1't: il U du n.hrnt:l1.!i \'on Abb. JJ.

La = - 31,778 Ua - 3 p, - 4,667 (- 79'4 - 3 Ua)


= -17,778 U s + 29,667 (0,01749'8-0,355 U6) = -28,299 U a + 0,517 Ps' (2.18)
also zusammen mit (2.16)
(ML ss) =
( 0,517
-28,299
- 1,878) (us)
0,517 9's'
(2.19)

!Po 1

( ° ° ) ( ~'0863)
1
Zahlenschema 2.1 0 10 ,

(-2 ° ° ' 1

~{l
-1
3 -2
1

1
°
- 3 U a i -20)
1+ 3 Us 2
(-~ -~ ua)
(-0,173 )
-0,462
1
11'

2 f2 (-2 3
1
-2 °
-3 U a -i) ( 11
-4~
-3 Ua )
9 Ua
(-0,117 )
-0,426 12 ,-
-1 1 1+ 3 Ua 1 1

(-2 1
(-6411~
D
15 U a ) CO,193 )
2f3 3 -2 -27 U a ~,503 = fa,
-1 1 1

3. Berechnung des Hauptträgers ABCD. Nach Abb. 16 ist in den Anschlußpunkten Bund C
zu setzen
U a= Ws, Wa = 0, 9'3 = PS; U a= - Ws' Ws = 0, PG = f{J9 • (2.20)
74 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren Ingenieur.Archiv

fP, 1

( (
1
-~
0,578 )
Zahlenschema 2.11 -5 s) 1,455 = f4'
U
0 1 .
-7
)( 0,300)
2 rs
r:
-1
-2
- 14
o "
-3-ua
14
I
I
-13/3
1+Tu6 I 13/3
)
(
1
43 3

0
-3~
17 ua :,279 = fs,

2 r6 (-'
-1
3 -2
1
;)
( ,
573

-10:i -3~iu6
') ( 3'~1)_
20"P a

-7,660 - f6'
1

Somit wird aus (2.11) und (2.19), wenn wir heachten, daß - L6 (nicht + La) mit der positiven
Q, w-Richtung des Hauptträgers zusammenfällt,

( Ma ) ( 0,422
La -9 = -10,828
- (ws). (M
1,828)
0,422 fPs'
s ) (- 0,517
- L = - 28,299
s
- 1,878) e)
-0,517 fPe'
(w (2.21)

Diese heiden Federmatrizen sind daher in


2s und .13 9 (Schema 2.IlI) einzusetzen. Aus

fPIO = °
den eingerahmten Bedingungsgleichungen
und M10 = 0 berechnen wir die
beiden Freigrößen zu
M 1 = 1,7452, Q1 = - 3,1044 (2.22)
9

'-..J
~,~
Abb. 16. ~ittt.1prone.D ABCD dea Rl.hmc.uj von Abb.IJ. Abb.17. Cifr.dr:r Dalken lD,it Kr.ctgr61J.en .

und wiederholen mit dem nun bekannten Anfangsvektor 1)1 die Rechnung; in der Tat wird w10 = 0,
MlO = 0, wie es sein muß.
4. Jetzt gehen wir zu den abgeschnittenen Zweigen zurück. Für die heiden Zahlenschemata 2.1
und 2.1l brauchen wir als erstes die Werte U a' fPo hzw. Ua, fP,' Aus dem Schema 2.IlI bekommen
wir nach (2.20) zunächst
Ws = Ua = 0,355; fPs = fPa = - 0,193, (2.23)
-w e = u a = -1,448; fPe = fPs = 3,680, (2.24)
weiter aus (2.09) und (2.17)
fPo = - 0,0156 (- 0,193) + 0,2344 (0,355) = 0,0863 , (2.25)
0,0174 (3,680) - 0,355· (-1,448) = 0,5777 , (2.26)
herechnen damit alle Werte fPi' Mi in 2.1 und 2.1l und ebenso die von den Pfosten in die waage-
rechten Träger eingeleiteten [in (2.06) und (2.14) eingeklammerten] Kraftgrößen. Da diese aber
gleich der im Anschlußpunkt reduzierten Gesamthelastung eines jeden Pfosten sind, findet man
deren Reaktionen Q. und Mo in den Einspannungen bzw. Gelenken und daraus Querkräfte und
Biegemomente der Pfosten nach Abb. 17 auf folgende Weise:
Qo = Q.-Q, M. = M.- (Q.-Q) h-M, (2.27)
XXVI. Band 1958 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren 75

zum Beispiel für die Pfosten 11, 12 und 16

{
Qna = Qll. - 24 = 8,467 - 24 = -15,533 ,
Q12. = Q12. - 0 = - 1,614 ,
QI6a = Q16. - 0 = 15,574,
1
Mn. = Mn. - (Qll. - 24) 01-12 = 0 - 8,467 12 + = 3,533 , (2.28)
{ M12 • = M12.-Q12.·1 = -0,721 1,614 = 0,893 +
M16 • = M16.-Q16./2 = 7,787 -15,574/2 = O. J
Schließlich gibt die Gleichung (20), die hier infolge der fehlenden Belastung übergeht in
1
Qi = const = T; (Mi - Mi-I) , (2.29)

Momenle In !1ff{Z'
Kräne in 19lfl - ~

-
Sf

14~20

1'1
l,m~l~w ~l
-S

./l:EL ,tG19 ..!!!!... o·l10q

Abb. ] 8. Cleiebscwiehtt;.!JYlItcm am Tragwerk ... On Abb. 13.

11,907 15;5" 1J.M8

Y-""~-""'F====::::n:==:;===Ft-'·U;58
, t ,
alS! (J8&8 l/9Z1

1MJJ
Ahb. 19. Querkn!tvulau! rrU' d., Traswcrk. '\'00 AlJb. 13.

den Querkraftverlauf der Träger I und II und damit auch die senkrechten Au.flagerkräfte, d. h.
die Längskräfte in den Pfosten. Anhand der Abb. 18 bestätigt man leicht, daß die Gleichgewichts-
bedingungen erfüllt sind. Die Abb. 19 und 20 zeigen Querkraft- und Momentenverlauf, und zwar
in den Dimensionen p* = q 1/24 und p* l* = q l2/24 für beliebige Werte von q und l. Die Dimen-
sionen der Drehwinkel und Verschiebungen sind 1 und 1* = l. Nach (2.01) müssen wir diese
Werte bei der gegebenen Belastung noch mit 11/480 = 0,0229 multiplizieren. Beispielsweise
hat die waagerechte Verschiebung des Zweiges I, nämlich u3 = w8 = 0,355 l* (2.23) die wahre
Größe
0,0229 . 0,355 . 200 cm = 1,63 cm.
76 Falke: Die Berechnung offener Rahmentragwerkee nach dem Reduktionsverfahren bge.ieur.Archiv

5. Sollen nun die Zweige I und 11 in Bund C gelenkig angeschlossen werden, so ist in den
Federmatrizen (2.11) und (2.19) M 3 = 0 hzw. M a = 0 zu setzen. Addiert man die mit passenden
Vielfachen multiplizierten ersten Zeilen zu den zweiten, so daß ({Ja hzw. ({J. herausfällt, so wird
-1,828 ) (u 3) - 1,878) (U a) )

I
(0La - 9) = (-10,731
0,422
0,0000 ({Ja'
(0) ( 0,527
L. = - 28,157 0,000 ({Ja' (2.30
also nach (2.20)
La = Qs = 9 - 10,731 Ws , Cf!. = (=;6 ({Js) = 10,422
828 WB = 0,231 ws'
(2.31)
- L6 = Qe = - 28,157 w e, ({J6 = (=;6 ({Je) = ~~;!7 w, = - 0,275 we •

•• 1,S/f6
j t I
aZSJ QM8 ll9ZI

1M33
Abb. 19. Querknth·e.rlaul tüT du Traswcrk vou Abb. 13.

M7 Q7
o o o
Zahlenschema 2.111

(o
o
1
o
o
o
1
o
o
o ) ( -3,1044~'7452 )= ~7'
o 1 1

2S ( ~01 -i ~r -i~~ ~: ~'422J'828](


o 0 1 9 -10,828 0,422
-!::39
-5,836 -1,016
~:~:: ~ 9
) ( ~:!H]= ~8'
1,968
-1 0 -1/2 -5/3 _8 1 10,506 1,406 0 0 1 1

2e ( ! -~ -'\' -:/: ,i: J':17 -1'78] ( H~r -l:~n 2~t6) ( H~~]= ~,'
o 0 0 1 24 -28,299 -0,517 -63,181-42,147 -37,489 -16,907
-1 0 -1/2 -5/3 -40 1- 28,816 2,395 0 0 1 1

2
210 ( ~o -li ~i~2 ~i~8 11/126]
0 0
0
1 1/2
0
3
1 12
1~.'.~~~ ~.'.~~:. ~.:~.~~ I] ( ~:~~~]
(\-33,340-17,163
........
4,902\
........
0,000
........ -4,907
=~lO'

-1-1/2-5/8-1,396 ... 0 0 1 1

n
Man hat daher die Federmatrizen (2.21) in 28 bzw. 2 9 zu ersetzen durch

(-lg,731 ~) hzw. (- 28~157 (2.32)


XXVI. Band 1958 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktion_verfahren 77

Die beiden Koppelfedern in Bund C (Abb. 16) sind somit in gewöhnliche horizontal wirkende
Druckfedern entartet. Von Formel (2.21) an ist die Rechnung mit neuen Zahlenwerten zu wieder-
holen. Für die Praxis besonders angenehm ist der Umstand, daß die beiden Federmatrizen (2.11)
und (2.19) von zwei Rechnern gleichzeitig und unabhängig ermittelt und kontrolliert werden
können. Von der absoluten Überlegenheit der hier gezeigten Methode überzeugt man sich am
besten, wenn man die Aufgabe nach dem üblichen Eliminationsverfahren zu rechnen versucht;
das Tragwerk ist 18fach statisch, bzw. 13fach geometrisch überbestimmt.
c) Drittes Beispiel. Gegeben ist das symmetrische und symmetrisch belastete offene Trag-
werk von Abb. 21. Alle Stäbe seien in Längsrichtung starr. Man ermittle Querkraft-, Längs-
kraft- und Biegemomentenverlauf.

i. f j I.

r
H

Aus Symmetriegrunden können wir uns auf die linke Hälfte des Tragwerkes beschränken. Die
Bedingungen im Mittelschnitt 2 lauten dann (H und V sind Horizontal- bzw. Vertikalkräfte)
(3.01)

x, = w, sin (). + Uz co. IX = 0 -+ Wz = - Uz cotg IX , (3.02)

v, = Q, cos IX - L, sin IX = 0 -+ Q2 = (L 2/cos IX) sin (). = H 2 sin IX • (3.03)

Infolge der Längsstarrheit ist U o= U1 = U, = u, u' o = u'l = U tg IX , u', = - u cotg IX, also

Wo - wl = 0, w l - U, = u tg IX + u ctg IX = 1
u (3' + 3) = 10 u .
3' (3.04)

Ebenso wie im zweiten Beispiel unterdrücken wir die Paare (L,u) und (Q,w), ersetzen die beiden
Pfosten I und II durch Koppelfedern und zerlegen die senkrecht wirkende Belastung in ihre beiden
Anteile q cos' IX und q sin C< cos c<. Mit· den Vergleichsgrößen

I· = l/cosC< , p. =~
(1 /cOS <»2 ,
q* = 12 P*/I·
wird

l/cos IX = 1, EJ = 1/2 , q = 12 ; (3.05)


ferner ist
sin IX = 1/(10 = 0,3162, cos C< = 31Y1o = 0,9487 . (3.06)

Für die Lastspalte der Matrix (18) brauchen wir jetzt die Werte der Tabelle 1,3

= - q* l' ~
'Pt =24~ = - 1,'1',=- 24.1 /2 ' = -8'
12 . (1 /2)3 1
WO-WI
3
=0, T(wl-w,)
3 10
=1 /23'u = 20 u,
1
, (3.07)
~ q* l' '" 12 (1/2)2 3 10
llfl = - 4- = 3, M, = - 4 - = 4"' - 6 E J (wl - wz)/l~ = - 123' u = - 40 U •
78 Falk: Die Berechnung offener Rahmentragwetke nach dem Reduktionsverfahren

Mit den Längen und Biegesteifigkeiten der beiden Pfosten


1
EJi = 1,5 2 = 0,75, Ir = 1,5 I = 1,5 cos IX • 1 * = 1,5.0,9487 = 1,4230, )
(3.08)
1 11 11 11
E Jrr = 1,0 2 = 0,50, In = 6 1 ="6 cos IX • 1 * ="6°,9487 = 1,7392

bekommen wir als in den Hauptträger (Abb. 21 rechts) eingeleitete Biegemomente Mi und Hori-
zontalkräfte H i mit Xi = u/cos IX und nach Tabelle 2, la

(HM) = ° 7- ( - 6
I
, ~
1,4230'-cos IX
-12
U
u
1.423IPcos IX
-

-
6
4) _ (-
1,4320 !Po

1,4230'!Po
-
-
2,3424 u - 2,1082 Cfo

3,2922 u - 2,2222 Cfo


) ,
(3.09)

() ( -6
M

H 11
= 0 50 1,7392"'cosU IX
, -12 u
1,7392'cos IX
-

-
6
4) (
1,7392 !PI

1,73921.!PI
_
-
- 1,0454 u -1,1499 Cfl

- 1,2021 u - 0,9917 Cfl


) •
(3.10)

4QJfJ3
~)~)aaJfJ3(~ ( ~
~1 o~ 51 ~r o~~r
Krbflt In I[lht
MlJ/TII!nlt in I[t'llZ
Ahb. 22. Gle.icbgc:wiebm)'-Ue.m am Rahmen von Abb.21.

Die Drehfederkonstanten des Hauptträgers sind demnach Co = 2,1082 und Cl = 1,1499. Damit
läßt sich das Zahlenschema ausfüllen. Die eingerahmte Bedingung !P. = 0 gibt
Cfo =- 1,9632 u - 0,2784 • (3.11)
und somit die Spalte (a) des Schemas. Als nächstes addieren wir die zweiten Spalten von (3.09)
und (3.10,.:
Ho + H I = H 2 = - 4,4943 u - 2,2222 !Po - 0,9917 !PI )
= _ 4,4943 u- 2,2222 (-1,9632 u- 0,2784) - 0,9917 (5,7228 u + 0,1437) , (3.12)
H2 =- 5,8071 u + 0,4762 .

Weiter wird nach (20)

Q2 = M.- ~:r-M. + Q2 = [(28,5536u-O,0394)-(-17,1084u +0,8258) -1,5] 2 + 6.} (3.13)


Q2 = 91,3240 u + 1,2696 ,
und aus der Bedingung (3.03)
Q2 = 91,3240 u + 1,2696 = H 2sin<x = (- 5,8071 + 0,4762) 0,3162
folgt nun
u =-0,0120. (3.14)
XXVI. Band 1958 Fall<: Die Berechnung offener Rahmentragwerke nach dem Reduktionsverfahren 79

In der Endspalte (b) des Schemas finden wir jetzt die Biegemomente in der Dimension p. I·
= q* 1*2/12 = q /2/12 vor, berechnen daraus q,en Querkraftverlauf nach (20), weiter aus den nun
zahlenmäßig vorliegenden eingeleiteten Kraftgrößen (3.09) und (3.10) Querkraft und Biegemoment

t in /Tl/I!
!)iSS o.~91U
5ß!8f

1,"6 2l
Zllg

~
~
ein /Tl/ I! l~
~
~
~
::l
~

Abb.23. Querladl"t:rlllluUw- die IÜlke HiiJftc d~5 Rahmf:ol Abb. 24. Liir\g8 kr.(t~' erl.ut (ar difllinkc Hälfte de.5 RabmeD.
von Abb. 21. von Abb. 21.

14 in/Tl'/t2

Abb. 23. mlCgcI1l(lment.~n\' erl.ur tür die linke lHllhe d u RahmenlJ von Abb. 21.

(a) (b)
'Po U 1
Zahlenschema 3 1 0 -1,9632 -0,2784) '-0'255)
( -2,1082 -2,3424 u ) ( ~,7964 ~,5869 \ ~,565
o 1
-2 1 - 1 0 ) ( -4,1082 -2,3424 u - 1 ) ( 5,7228 0,1437)( 0,075)
+
1
( 3 -2 3-1,0454 U 1-1,1499 11,9404 +6,3329 u 4,1499 -17,1084 0,8258 1,031
-1 1 - 1+1,0454 U 1 1,1499 0 1 0 1 1
-2 0,5 -0,125 + 20 U)
( 6 -2
( 114,1866 27,8513 U +
3,950 1) ( 0,0002 0,0005)( 9,000)
0,75 -40 U -48,5300-66,7202 U -13,5498 28,5536 -0,0394 -0,382
-4 1,5 0,375+20 U 0 1 0 0 1
8_O_ _ _ _F_a_lk_:_D_i_e_B_e_re_c_hn_u_ng"----o_f_Ce_u_e_r_R_ah_m_eu_t_r_agw'--e_r_k_e_u_a_c_h_d_e_m_R_e_d_u_k_t_io_u_sv_e_r_Fa_hr_en
___In_ß_enieu,.Ar'h;v

der Pfosten und schließlich durch eine einfache Zerlegung in den Anschlußpunkten 0 und 1 auch
die Längskräfte. (Abb. 22 bis 25.) Für den rechten Teil des Tragwerkes sind Momente und Längs.
kräfte symmetrisch, die Querkräfte dagegen antisymmetrisch fortzusetzen.
12. Zusammenfassung und Ausblick. Wir haben gezeigt, wie sich mit Hilfe des Begriffes der
Koppelfeder jeder offene Rahmen auf einen (oder mehrere) Durchlaufträger zurückführen läßt.
Die Zahlenrechnung wurde im Hinblick auf Kontrollen und leichte Programmierbarkeit für Rechen·
automaten noch weiter schematisiert durch Einführung von rechteckigen erweiterten Leitmatrizeu
und einer zweckmäßig definierten sogenaunten "verschränkten" Matrizenmultiplikation. Drei
Beispiele zeigen den praktischen Gang des Verfahrens. In eiller dritten und abschließenden Arbeit
sollen Tragwerke mit geschlossenen Umläufen (Stockwerkrahmen, Trägerroste, Holme usw.) be·
hande)t werden, wobei die ganze Reichweite und Anpassungsfähigkeit des Reduktionsverfahrens
noch mehr als bisher hervortreten wird.

(Eingegangen am 8. April 1957)


Anschrift des Verfassers: Dr •. lng. Sigurd Falk, Braunschweig, Celler Str. 93a

V/12/6 0,125 (KB./Z.040)


Sonderabdruck aus
"Ingenieur-Archiv", 26. Band, 2. Heft, 1958, S.96-109
SpTi.nger~ Verlag. BerUn , GöHingen I Heidelberg

Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke


nach dem Reduktionsverfahren
Von S. Falk
96 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. Ingenieur-Archiv

1. Einleitung, Ziel der Arbeit. Die vorliegende Arbeit behandelt als Fortsetzung meiner beiden
früheren Aufsätze" deren Formeln und Abbildungen mit I bzw. II zitiert werden, geschlossene
ebene und räumliche Rahmentragwerke. Zwei Beispiele werden ansführlich vorgerechnet. Den
Schluß bildet eine kurz gefaßte vollständige Theorie des Reduktionsverfahrens für beliebige Systeme
von linearen gewöhnlichen Differentialgleichungen (Schwingen, Knicken, elastische Bettung usw.).

2. Zwei- und mehrfache Koppelfedern. Bislang haben wir nur die einseitige Koppelfeder nach
Art der Abb. 1 kennengelernt. Um auch die Matrix der beidseitigen (zweifachen) Feder nach Abb. 2
zu gewinnen, denken wir uns einen durchlaufenden Träger oder ein offenes Tragwerk an zwei be-
liebigen Stellen Mund N durchgeschnitten (Abb. 3), rechnen, in M beginnend, mit den dort vorhan-
denen 2 e Kraft- und Deformationsgrößen als Freigrößen bis zum Punkte N und finden ähnlich
wie unter II (37)

(.. ,)(,
(d l d2 ••• dQ)M (kQk._, ... k')M 1

, *\ ~\ d,
d2
~ ..*. <51 •*. ~ . .*. 6 2 .*.J• ~~d

(:' J:. . ;) (, . *.
• * Q d.
* (I)
<5 3
,) 64
k. k.

• * k2 k2
k1 kl
*0 *0 0 0 0 0 1 I N

oder kurz
<51bM +62fM=(b-~lN} (2)
<53 bM + 6 4fM = (f-f)N
und daraus
-fM =-<52"l(b-b)N + 62"1 <51 bM , }
(3)
<51 - 6 3 ) bM •
(f - [)N = <54 <52"1 (b - b)N - (6 4 <52"1
Die Gesamtmatrix

(4)

ist nach dem Satz vOn Maxwell-Betti nebensymmetrisch und heißt die Federmatrix der Rahmen-
schnitte M, N. Im wichtigen Sonderfall des einfeldrigen geraden Balkens mit konstanter Biege-
steifigkeit lautet sie znm Beispiel für die beiden Paare (rp, My) und (w, Q.)
- 6/12 -2/1 6/1 2
12/13 6/12 -12/13
_4/1]
6/1'
( mit (5)
E Jy _ 6/12 -4/1 6/ 2 -2/1
-12Jl3 -6/12 12Jl3 -6/12
1 S. Falk, Ing.-Arch. 24 (1956) S. 216; S. Fa/h, Ing.-Arch. 26 (1958) S.61.
XXVI. Band 1958 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. 97

Sind insbesondere die Endpunkte unverschieblich, WM = W N = 0, so folgt hieraus nach Streichen


der ersten und dritten Spalte, wenn wir noch die Zeiger Mund N durch 0 und 1 ersetzen,

( - ~o) =
Mt-Mt
E J . (-
/
2 - 4) (fj!t -fj!o ert) .
-4 -2
(6)

Wenn die Belastung fehlt, entnehmen wir daraus die Gleichung der geraden Momentenlinie (Abb.4)
M(x) = Mo + (Mt - Mo) . Tx = EJ[
T (4 Po + 2 fj!t) - (6 Po + 6 PI) . TXl . (7)

AvlJ.... Li ncucr MOlücnteD'o'f:rl.u! ulK r eill4:JU ullhch •• l t,:lt-JI senden


Abb.1. l:insei'ig.e l 'ed l':r.
Ulllu,::tn.

~~ ~
I
$t~
K.c(x, -Xz}
~-- :r:,

l\bb.2 . Deidw:itiCc Feder.


K

~~1--- - -- 1 'I 1

_~/~N'fN
- - 11 l AI',

-"'~" "
Abb. 3. ErMalz e inCli UalJtIl!ClILdlCl .\I N durf.! h ei n e. oe jd ~ci li gc i\ lJb. 6. llü ulIl lidil.' 'fra;w("rk mi t S chniu,[ liic:he:
(btlastel(!) KoppciCeder . s<:herlla t i.iCh.

Das Biegemoment M(x) verschwindet im Punkt


x' = 2cpo+cp, .1. (8)
3 CPo + 3 cp,
Für fPo = 0 folgt daraus x' = 1(3 (Drittelpunkt bei fester Einspannung, Abb. 5) und weiter aus (7)
M(x) 2EJ
= - /- . (1- 3 TX) fj!I' (9)

+
Wir haben in (3) gleich den Vektor - fM (nicht IM) auf die linke Seite gesetzt; das aus - iM' IN
und fN bestehende Kräftesystem ist dann im Gleichgewicht. Oder anders ausgedrückt: die Glei·
chung (3) gibt an, wie eine im Bereich MN gegebene Belastung bei vorgeschriebenen Deforma.
tionen b M und bN auf die Umgebung "abgesetzt", d. h. in welchem Verhältnis sie verteilt wird.
Das zugehörige Symbol zeigt Abb. 3 unten.
Ganz allgemein lassen sich nun durch p Schnitte insgesamt n = l!t 1!2 (! p Kraftgrößen + + ... +
des Tragwerkes bloßlegen, die mit ihren konjugierten Deformationsgrößen über eine n·reihige qua.
dratische Federmatrix zusammenhängen (p-fache Koppelfeder) ; die Reziproke dazu heißt eine
p·fache Einflußmatrix.
3. Der Begriff der gemeinsamen Reduktion. Eine Schnittfläche möge ein beliebiges Rahmen·
tragwerk in zwei getrennte Teile zerlegen und dabei in s Schnittpunkten treffen (Abb. 6). Ähnlich
7
98 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. Ingenieur-Archiv

wie früher 11. Ziff. 2 können wir jetzt die Gesamtheit der zweimal

T = 1: e. (1 ~ e ~ 6) (10)
I

Kraft· nnd Deformationsgrößen in der Schnittfläche e reduzieren, und auch hier läuft die Aufgabe
darauf hinaus, die zunächst unbekannten Kraft· und Deformationsgrößen an der "Anfangsfläche"
EA zu finden. Sind diese bekannt, so läßt sich das Tragwerk in einem einzigen Rechnungsgang bis
zur "Eudfläche" CE durchrechnen.
4. Die geordnete Strangschar. Wir betrachten jetzt s parallele gleich lange gerade Durchlauf·
träger - wir wollen sie in diesem Zusammenhang "Stränge" nennen - als Kanten eines geraden
Prismas über einer Grundfläche co und legen n dazu parallele Schnitte hindurch (Abb. 7). Koppel.
federn, die in Abb. 7 der Einfachheit halber durch gerade
Verbindungsliuien dargestellt sind, sollen allein in diesen
e" Schnittebenen liegen, und zwar sprechen wir von "Nach·
barkopplung", wenn höchstens je zwei benachbarte Ecken
durch Koppelfedern miteinander verbunden sind (wie in
der Ebene EI' Abb. 7), sonst von "durchgehender" Kopp·
lung (so in den Ebenen c2 und En ). Nun fassen wir die Kraft·
und Deformationsgrößen sämtlicher s Stränge zu einem
einzigen Vektor /; zusammen

, i
i {
I
I \
I \
I \
\
r-
~-- ~
/-=== \
s
"1" I
, . 1
!
~----~
I

Abb.8. Eini.ge ebcne geordnele Stranlli chucn .

und bauen die zugehörigen Leitmatrizen aus den Matrizen 11 (10) bis II (13) auf. Haben wir zum

l
Beispiel s = 2 Stränge, an deren jedem allein das Paar (rp, My) beteiligt sei, so liefert 11 (18) im
Falle unverschieblicher Knoten (w, = 0)
0 l./2 EJ. r. 0 0

!~[H
( -2 0
lb/2 E J b 0
~
0 0
o0 6-2
E Jb/lb - 2 0 ~b (12)
6 E J./l. 0 0 -2 M. Ir. b
0 0 0 0 1 0 0
Von den Komponenten des Vektors! (11) verschwinden an der Anfangsfläche r Komponenten,
die übrigen T Freigrößen werden durch die r Randbedingungen an der Endfläche festgelegt, nnd
mit dem nun bekannten Anfangsvektor !o wird die ganze Rechnung wiederholt. Diese Rechnung
verläuft somit auch hier nach dem Schema II (34) und wird im Prinzip nicht gestört, wenn wir das
Prisma der Abb. 7 noch auf folgende Weise verallgemeinern:
1. Auf jedem Strang weiden noch beliebig viele Feldgrenzen eingefügt (Anfederungen, Ablenk·
winkel, Zwischenbedingungen).
2. Die Punkte MI" werden auf ihren Strängen verschoben, doch nur so, daß ihre Reihenfolge
ungeändert bleibt; allenfalls dürfen einige Punkte MI" zusammenfallen.
3. Die Stränge brauchen weder geradlinig noch parallel zu sein, dürfen sich nur nicht schneiden.
Wir gewinnen hiernach eine große Mannigfaltigkeit von räumlichen Netzwerken, die wir alle als
geordnete Strangscharen bezeichnen wollen. Einige einfache ebene Netze zeigt die Abb. 8, wo die
XXVI. Band 1958 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. 99

Stränge dnrchgezeichnet sind. Zwar ist die Strangzahl s keine fest definierte Größe, doch fällt
bei den üblichen Bauwerken der Praxis die Auswahl der kleinstmöglichen Zahlen s bzw. r nicbt
schwer.

5. Die Ausnahme-Strangscbar. Nicht jedes Tragwerk ist einer geordneten Strangschar topo-
logisch äquivalent. Es kann durchaus vorkommen, daß sich einige oder alle Stränge schneiden.
An solchen Schnittpunkten - in der Abb. 9 z. B. den Punkten A, B, C, D, E - sind im allgemeinen
Zwischenbedingungen zu erfüllen, so etwa in A: rpl = rp2 = 'Ps = 'P4' 1: My = O. Daß sich jedes
überhaupt denkbare Rahmentragwerk auf eine Strangschar zurückführen läßt, liegt auf der Hand:
man braucht ja nur jedes einzelne Feld zum
Strang zu erklären.

A
E

J---iI---!
s ---Aa------~o~----~c~
~! I
r
x

Abb.9. Zwei AU.!ollolll1nc.--5lnngic.hurcn,

6. Tragwerke mit einheitlichen Zwischenhedingungen. Bei Tragwerken mit einheitlichen Zwi-


schenbedingungen kann es oft von Vorteil sein, den Vektor 1; (11) anders einzuführen. Das prak-
tisch wichtigste Beispiel zeigt die Abb. 10: infolge der Längsstarrheit der senkrechten Zwischen-
stützen sind die Durchbiegungen w an der Stelle a (ebenso in b, c usw.) einander gleich; zweckmäßig
ist daher die Einführung eines konjugierten Paares (w, Qg,,) mit der gemeinsamen Durehbiegung
IV = w1 = ... = w, und der Querkraftsumme am Knoten Qg.. = Ql Q,. Für ein recht- + ... +
eckiges ebenes Tragwerk nach Abb. 10 mit zwei (und ähnlich mit s) Strängen lautet dann die zu-
gehörige Leitmatrix
,
1
-"'. -"'b -ßb -ß. 1/6 m }; Wf-ll m
1
I 0 0 0
3/ 1• -2 0 0 (1/2 E J). 0 fP. I -311• 0 0
311b 0 -2 (112 E J)b 0 0 Tb I -311b 0 0
- 6 (E J11 2 )b 0 6 (E Jll)b -2 0 0 Mb I 6 (E J/l"lb * * (13)
-6 (EJfl2). 6 (E JIIl. 0 0 -2 0 M. I 6 (E JI12 ). * *
0 0 0 0 0 1 Qg" I -c 0 0
0 0 0 0 0 0 1 I 0 0 0
(w 'T. (/'b Mb M. Qg.. I) 1;-

Dabei wurde zur Abkürzung gesetzt


,
f-l = E JfP, m =}; f-l, '" = EJlm I", ß = 1121 m. (14)
1

Der mittlere Teil des Kerus der Matrix (13) enthält die Kenngrößen der Paare (rp, M) und wird um-
rahmt von den (zum Teil durch (14) definierten) Kenngrößen des allen s Strängen gemeinsamen
Paares (w, Qg.. )' Der Ausdruck}; (w f-l)lm stellt gewissermaßen das gewogene Mittel der durch die
Belastungen hervorgerufenen Durehbiegungen dar.

7. Einige spezielle Tragwerke der Baustatik. Wir stellen jetzt einige in der Praxis immer wieder-
kehrende Typen von Tragwerken zusammen und geben ihre kennzeichnenden Eigenschaften an. Es
bedeuten:
7*
100 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. Ingenieur-Archiv

Anzahl der Stränge{ keine s,


ko ,
Art der Kopplung Nachbarkopplung kn ,
durchgehende Kopplung kd ,
(15)
Anzahl der beteiligten Paare je Strang Cl,
Art der Leitmatrix (Hinweis auf 11 ... ) (11 ...),
Ordnung r des zu lösenden Gleichungssystems r = 1: e, .
1
Damit ist Tab. 1 wohl ohne weitere Erläuterungen verständlich.

---------------------- Tabelle 1. Eiltiso spe.:iel/. Tragl•• rh. der Bau.lalik

1. Durchlauflräger auf festen Stützen .


• =1, k o, e = 1, (11. 18), r = 1.
2. Gerad er DurchlauIträge r auf ullverdreh·
baren Stü tzen.
s = 1, " 0' Q = 1, ( ... ), r = 1.

3. Gerad er DurehlauItriiger, elas ti sch dreh- .€1~


+---+*---- it
lind so nkbor gestützt. ~ A 4?t fj
s = 1, "0' e = 2, (I,9), r = 2. ~~ ~ ,

4. Facb werkbrückc, Kuo t CIl CCkOIlSleif. s = 2, k n •


Fa Us lä ngssturr (Knoten ullver"cbieblicb):
e = 1, (11. 18), r = 2.
Fa lls Biegung mit Lang dehn ung : Q = 3, (11. 14), r = 6.

5. tockwerkra hmCD, Knoten unverschieblich (läogss\arr).


s, k,,, Q = 1, (H. 18), r = S.

6 . . 'tockwerkrahmcn, Kn oten
vcr schicblicb (lang starr). $ , "". oder e= 2, ( .... ),
E ntwed er Q = 1, (lU. 13), r = S . r = 2 •.

7. Triigcrt'oste (Krcuzwcrke).
B iegen olle'l) (GI = 0): .', kd, !? - 2, (11. 9), r = 2 s.
Biegen und Drillen: ., k .. , !? = 3, ( . ...), r = 3 s.

8. Die praktische Durchführung des Verfahrens. Wir stellen jetzt ein allgemeines Programm
auf, nach welchem sich jedes ebene oder räumliche Rahmentragwerk (auch Fachwerk) berechnen
läßt.
1. Die Charakteristik des Tragwerkes wird nach (15) festgelegt. Man entwirft eine Skizze der
einzelnen Stränge und stellt die Hauptteile der Leitmatrizen nach 11 (lO) usw. zusammen. Falls der
Rahmen abgewinkelt ist, müssen diese Hauptteile noch mit den Transfdrmationsmatrizen % 11 (35)
multipliziert werden.
2. Kommen im Strangschema Koppelfedern vor, so entnimmt man deren Federmatrizen einer
Tabelle oder berechnet sie nach dem in II. Ziff. 6 bzw. III. Ziff. 2 geschilderten Verfahren. Diese
stets nebensymmetrischen Federmatrizen werden unten rechts in die Leitmatrix B 11 (15) einge·
tragen.
3. Alle Werte liegen jetzt formelmäßig vor, z. B. 6 E Jj1 2 , 21 cos 40° und dergleichen. Diese
Werte werden dimensionslos gemacht mit Hilfe zweier zweckmäßig-zu wähle~en VergleichsgröBen
XXVI. Band 1958 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. 101

p. (Kraft) und I" (Länge), indem man sämtliche vorkommenden Größen als Vielfaches von P", 1*,
P"I", P"/l" usw. darstellt, die Buchstaben P" und I" aber während der Rechnung fortläßt (oder
in etwas nachlässiger, aber gebräuchlicher Redeweise: indem man sie gleich Eins setzt). Bei homo-
genen Tragwerken (und wohl auch sonst) empfehlen sich 1* = 1 und p. = 6 E J/12 bzw. p. =
2 EJ/I2.
+
4. Nun multipliziert man die r 1 Spalten unabhängig voneinander an sämtlichen Leitmatrizen
von oben nach unten vorbei. Nach jeder Matrizenmultiplikation ist die Summenprobe zu machen,
bei größeren Matrizen schaltet man Zwischenproben ein. Unten rechts neben der letzten Leit-
matrix Bn findet man dann die r Nullgrößen vor. (Die übrigen r Größen gni brauchen oft nicht be-
rechnet zu werden.)
5. Man löst das Gleichungssystem 11 (33)
m+ a t = b= 0 (16)
nach dem Gaußsehen Algorithmus oder durch Iteration und findet mit a zugleich den Anfangs-
vektor ~o. Die Lösung ist aus mechanischen Gründen stets vorhanden und eindeutig_
6. Mit dem nun zahlenmäßig vorliegenden Anfangsvektor ~o wird die Rechnung in einer einzigen
Spalte, der "Endspalte" wiederholt. Die r Bedingungen rechts müssen von selbst erfüllt sein.
7. Jetzt sind auch alle etwa abgeschnittenen Zweige (ein -oder mehrfache Koppelfedern) nach dem
gleichen Schmea in einer einzigen Spalte zu berechnen, da deren Anfangswerte nach 11. Ziff.6 bzw.
III. Ziff. 2 ebenfalls festliegen.
8. Damit sind die Werte der an der Deformation beteiligten Kraft- und Deformationsgrößen für
alle Feldgrenzen, also nach I (2) usw_ für den ganzen Rahmen gegeben. Auch etwa unterdrückte
Paare lassen sich leicht wiedergewinnen 11 (20).
9. Zum Schluß prüft man nach, ob die gegebene Belastung und die berechneten Reaktionen zu-
sammen im Gleichgewicht sind.
Soll dasselbe Tragwerk für verschiedene Belastungen durchgerechnet werdeu, so sind auszu-
wechseln: die Lastspalten in den Leitmatrizen, die inhomogene Spalte im Schema 11 (34), der
Vektor tin (16) und die Endspalte. Es macht auch keine grundsätzlichen Schwierigkeiten, einige
Kennwerte E J, 1 usw. als frei verfügbare Parameter mitzunehmen, auch lassen sich nachträglich
neue Feldgrenzen einführen I (13).
Ein Umstand ist indessen an dieser Stelle erwähnenswert: Aus mechanischen Gründen liegen
die Werte der Endspalte bei vernünftiger Wahl von p. und 1* etwa zwischen 0,1 und 10, auf alle
Fälle aber in derselben Größenordnung. Nicht so die Werte der homogenen Spalten: diese schwellen
in der Regel mit wachsender Felderzahl stark an, was sich oft schon beim vierten, fünften Feld
unliebsam bemerkbar macht. Mit anderen Worten: die in der Größenordnung gleichbleibenden
Endwerte sind die so gefürchteten "kleinen Differenzen großer Zahlen" und das um so mehr, je
höher die Nummer des Feldes ist. Bei der Wiederholung mit dem Vektor ~o wird daher im allge-
meinen eine Gleichung
ma+t=f"",O (17)
mit einem Fehlervektor f entstehen. Jetzt lösen wir das Gleichungssystem
m +
all) f= 0 (18)
und wiederholen die Recbnung mit dem neuen Vektor );~l), diesmal aber mit der letzten Ziffer 0
statt 1, wodurch die gegebene Belastung automatisch ausgeschaltet wird, und bekommen als Summe
zweier Endspalten das Ergebnis
+
~l =);i 6~"' (19)
wobei wir eine gewisse Anzahl neuer geltender Stellen gewonnen haben. Falls notwendig, ist dieser
Vorgang hinreichend oft zu wiederholen. In fast allen praktischen Fällen jedoch genügt es, den
Vektor a(l) aus (18) zu ermitteln und mit seiner Hilfe an Hand der homogenen Spalten die Anzahl
der geltenden Stellen abzuschätzen, was meist mit einem flüchtigen Blick auf die Rechnung erledigt
ist.
Das Anwachsen der homogenen Spalten kann man aber auch grundsätzlich verhindern, indem
man die Träger zerschneidet und mit Koppelfedern rechnet; allerdings müssen dann mehrere Glei-
chungssysteme gelöst werden. Aber aueh durch geschickte Wahl des Anfangsvektors läßt sich das
Anschwellen weitgehend verhindern, indem man nicht mit den r Freigrößen selbst, sondern ge-
eigneten Linearkombinationen losrechnet, etwa so, daß die "rechte Seite" t in (16) klein bleibt
oder die Hauptdiagonalelemente der Systemmatrix 2t stark überwiegen (zum Zwecke der Iteration);
doch sind das Einzelheiten, die hier zu weit führen.
102 S. Falle Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. Ingenieur-Archiv

Sind mehrere oder alle Leitmatrizen einander völlig oder doch annähernd gleich, so schreibt
man sie ein einziges Mal auf ein hewegliches Blatt, das an den Kolonnen des Schemas II (34) von
oben nach unten vorbeigezogen wird. Bei großer Strangzahl s werden die Matrizen ziemlich um·
fangreich - sie enthalten dann relativ immer mehr Nullen - und daher leicht unübersichtlich;
man wird in solchen Fällen, namentlich bei nur schwacher Kopplung (insbesonder N achbarkopp-
lung) die Stränge einzeln bzw. gruppenweise nebeneinander herführen und die unterdrückte Kopp-
lung nach jeder Matrizenmultiplikation gesondert nachholen.
9. Die Programmierung für digitale Rechenautomaten. Das Reduktionsverfahren verlaugt in
der hier entwickelten Form lediglich zwei Operationen: das Multiplizieren und das Umkehren von
Matrizen, heides aber gehört zum Grundprogramm Ruch der kleinsten Ziffernmaschine. Will man
die in 11 (22) definierte verschränkte Multiplikation umgehen - obwohl auch deren Programmie-
rung keine besonderen Umstände erfordert -, so rechnet man nach II (23). Um den allgemeinen
Rechnungsgang auf einem Automaten zu zeigen, entwkkeln wir jetzt das Programm für eine ge-
ordnete Strangschar (Durchlaufträger, Stockwerkrahmen, Trägerrost und dergleichen), und zwar
werde das Tragwerk gleich für b verschiedene Lastfälle berechnet. Das zugehörige Matrizenschema
sieht so aus:
*- " - -+ ...... b -+
(
2r
~ 58
I
,j,
t
- - -- -
b () (:!:
,j, )
2 r ----+ +_ b -+ _r--+
I
t I
I
I D
I I
1- _ _ _
2r .1iP1
I
21 I tr1
I I
-- - -- -- 1---1- - - -
t 1 I
b 0 ~ ()
I
,j, - - - - - - - -1 - -- -- -
2 Leitmatrix
sr Kern
Q; Federmatrix
~ Einheitsmatrix
0 ullmatrix ~ ~

jffi
I
I
1
1 ()
(
1 I
1 L ___
$1'.
I 1
2. 1 [n 8
I I
- - -- --- 1- - -1- - -- - ---
1 I
0 ~ 0 () Q;
I I
XXVI. Band 1958 S. Falle Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. 103
--------------------~~-------------~-----------------

Und die Anweisung für den Rechenautomaten lautet:


1. Eingabe: n Matrizen Ei (Leitmatrizen),
Matrix ~ (homogene Spalten),
Matrix j8 (b Belastungen).
2. Berechne und speichere das Produkt \ß = En E.- 1 ••• 21 ,
3. Berechne 1m = jß ~.
4. Greife aus 1m r bestimmte Zeilen heraus und fasse sie zur Matrix III zusammen.
5. Bilde und speichere Ill-l.
6. Berechne das Produkt .8 = lß ~.
7. Greife aus.8 r bestimmte Zeilen heraus (die gleichen wie unter 4) und fasse sie zur Matrixlffi
zusammena
8. Berechne 'iD = - 1ll-1 1ffi.
9. Berechne S) = j8 ~ 'iD. +
1
21 ~,

10. Berechne und drucke aus 2 2 (21 s,;»,


2" (2.- 1 " • EI S).
Die unter 10. ausgedruckten Matrizen enthalten die Kraft- und Deformationsgrößen an sämt-
lichen Feldgrenzen für die b vorgeschriebenen Lastfälle in den Dimensionen p., l*, pOlO usw.

11
~
r-
f::9"
~
::
f -
1 ;::
r;:
......
.
2EJ
T
I--l -~2~ l~

tU

Abb. 11 . FilQhli).ck iser R al'.me:n mit uD vawt.bie.bJi,~:h!ln KnottD, dazu Slratlpche.ma .

10. Beispiele. Wir führen nun zwei Beispiele vor und richten uns dabei nach dem Programm
aus Ziff.8.
a) Erstes Beispiel. Für den fünfstöckigen Rahmen von Abb.ll ist der Biegemomenten-
verlauf infolge der angegebenen Windbelastung zu berechnen. Die Knoten sind unverschieblich.
1) s = 2, kn , e = 1, 11 (18), r = 2. Strangschema Abb.ll rechts. Sämtliche Koppelfedern siud
unbelastet.
2) Es ist CI =4.2EJ/l=8EJ/1 nach TabelleII, 2; die Feder Cr des zweifeldrigen Rahmen-
winkels unten rechts ergibt eine kurze Rechnung mit der Matrix 11 (18) zu Cr =7 EJ/l. Die Matrix
der Koppelfeder ist nach (6)

(- MMI)r 2E
21
J . ( - 2 - 4) (rpr) .
=
-4 - 2 rpl
3) Wir wählen p. = 2 EJ/12, l* = I, q = 12 pO/lo, d. h. EJ = 1/2, I = 1, q = 12.
4) Zahlenschema 1. Die Leitmatrix finden wir unter (12) vor; die Federmatrix ~.~ unten
rechts in 2 ist hier
0 -C,(bZW.O») +(-1 -2)=(-1 -5,5 (bzw.-2»).
(
-Cl 0 -2 - I -6 -1
104 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. Ingenieur-Archiv

5) Die beiden Randbedingungen rechts (d. h. hier oben) lauten


M Sr = -18,600 M ol -ll,7145 M or - 0,155 = O} --r {MOl = 0,00383667,
M SI = -82,394 Mol - 24,795 M or -0,163 = 0 M or = - 0,0193232.
6) Siehe Zahlenschema 1. In den homogenen Spalten ist mehrmals nach abgeschlossener Ma-
trizenmultiplikation der Faktor 10 herausgezogen, um ein unnötiges Anschwellen der Zahlen zu
vermeiden; auf die eingerahmten Endgleichungen ist dieser Rechenkniff ohne Einfluß. Die Werte
der Endspalte sind einer achtstelligen Rechnung entnommen und aufgerundet.
P*Z*- l[lz;,Z

-~1f5

-1/167

0/1.

- I,O/G
-1, 11J1J

(},B7

- 9,611
- O,JM

Abb. 12. MomeDl~n"r':rt.uf rür deo Stoe1t.wtfkrahme n von Abb. 11 .

c - 6EJ/Z
Abb. 14. Linh H Ifte des Tras:wcrkcI von Abb.13.

7) Für alle eingespannten Rahmenteile gilt infolge fehlender Belastung die Gleichung (9):
Drittelpunkte in Abb. 12. Für die waagerechten Mittelträger gibt (6) den Momentenverlauf.
8) Momentenverlauf Abb.12: über den drei belasteten Feldern parabolisch, sonst linear, Dimen-
sionen: M in P'[' = 2 E J/[, q = 12 P'/l' = 24 E J/l, also erscheint M in q [2/12.
9) Ableiten der Momentenlinie gibt den Querkraftverlauf, womit alle 24 Reaktionen bekannt
sind. Wie man sich leicht überzeugt, ist das gesamte Kräftesystem im Gleichgewicht.
b) Zweites Beispiel. Für das symmetrische und symmetrisch belastete Tragwerk von Abb.13
sind Querkraft- und Momentenverlauf zui ermitteln. Infolge der starren, gelenkig angeschlossenen
XXVI. Band 1958 S. Fall<: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. 105

senkrechten Zwischenstützen sind die Durchbiegungen beider Träger an den Feldgrenzen einander
gleich.
1) s = 2, k o, e. = e& = 1, dazu das Paar (w, Qg ..), (13), r = 3.
2) Koppelfedem sind nicht vorhanden.
3) Wir wählen 1* = I, p* = 6 E J/12, ferner P = p* und haben damit P = 1, 1 = 1,
E J = 1/6, c = 1, q = 6.
Die in die Leitmatrix (13) einzusetzenden Werte sind nach (14) und den Tabellen I. 1 bzw.

t.
11.1,3:
Feld 1:
P. = E J/13 = 1/6 } 1 1 5 = E J/m 12 = 0,8; ß. = 1/2 ml = 2,4 ,
P& = 2 E J/(2l)3 = 1/24 m = 6 + 24 = 24 IXb = 2 E J/m (21)2 = 0,4; ßb = 1/2 m(2 l) = 1,2 ,
~.=O; =
f{Jb=- 4.2.2 (1 - 43 ) + 4.2.2
[9 EJ=-l,125,
1 ( 1- 41 )]"

M.=O; Mb =[}(I-/4)+ !(1- 4 \)]1=1,125,


w.=O; -b = e78.2.6
w + 1) EJ=I,75,
1 (Ewp)/m =(O·P. + 1,75-k) ~ = 0,35.

Q.g•• = 0, Qbg•• =2 P=2.


MOl M Or 1
0 0 0

"~(~H
0 0 0
Zahlenschema 1 0
1
1
0
0
0
) (- :,0193]
0,0038

r'
0 0 1 1
0 0 0 I 0 1 0 0

=~$]( O'OO~J
) (-0,0193
-2 1 0 0 I 0 0 1 0
3 -2 0 0 1-1 -1 -7,5 0 0,1411
2, ;
0 o -2 0 1-6 -8 -1 0 -0,0113

r'!
0 0 0 1 I 0 0 0 1 1
0 0 1 0 I 0 0 -1 0
I 0 0
)(~~ ) (_0'0,1797
01%]
-2 1 0 0 -9,5 0

2,
3 -2 0 0 I - 1 -2 38 0 -0,6806
0 o -2 0 I - 6 -1 17,5 0 -0,0312

~ (-'!
0 0 0 1 I 0 0 0 1 1
0 0 1 0 I 19,5 0
-2 1 0 1 I 0o 0 o J( 101,6 5,7 0,1
) (-0,0400
0'_]
3 -2 o -3 I - 1 -2 -16,3 -23,8 -0,5 -1,0264
0 o -2 0 I - 6 -1 -80,6 -21,2 -0,1 0,0041
0 0 I 0 o

~. !
0 1 0 0 1 1

(_2 -2
0 0
1
1
0
0
1
I 0 0
I 0 0 ) (_10' 06
-1,95
-2,51
-3,52
-0,01
-0,06
) (-0'~6]
0,0537
3 -2 o -3 I - 1 -2 17,70 16,02 0,23 -1,1650
0 o -2 0 I - 6 -1 81,43 23,405 0,14 0,0166
0 0 0 1 I 0 0 0 0 1 1

(_2 -2
0 0
1
1
0
0
1
I 0 0
I 0 0 ) [ 10.1$2,160
,_
2,306
0,016)
0,036
[- 0,0358)
0,2724

2, ~ 3 -2
0
o -3
o -2 0
I - 1 -2
I - 6 -1
-18,600
-82,394
-11,7145 - 0,155
-24,795 - 0,163
0,0000
0,0000
0 0 0 1 I 0 0 0 0 1 1
106 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. Ingenieur-Archiv

Feld 2:
fk. = EJ/P = 1/6} 1 1 2 {<X. = EJ/m/2 = 0,25; ß. = 1/2 ml = 0,75 ,
fkb = 3 E J/P = 1/2 m = 6 + 2" = 3' <Xb = 3 E J/m 12 = 0.75; Pb = 1/2 ml = 0,75 ,
:: 6·1 I" -
rp.=O, rpb=-]4-:JEJ=-0,5, Q.g" =0, Qbg,,=6,
"" 6 _ 6·1 /' 053
Ma=O, Mb ='412= 1,5, w.=O, w b=24.3EJ=0,5, (Zwp,J/m=0+TJ'=0,375.
o,6~O 4) Siehe Zahlenschema 2.
5) Das im Zahlenschema eingerahm-
te Gleichungssystem (Randbedingungen
Abb.14!) hat die Lösungen:
f{lob = - 1,864154 ,
Mo. = 1,801790,
Qo~.. = - 3,325922.
6) Zahlenschema 2, Endspalte.
7) Entfällt.
8) Abb. 15 und 16.
9) Das Gleichgewichtssystem der
(J,81111
Kräfte und Momente zeigt Abb. 17.
Abb. ]5. Momoentf!.nverllur rür da! Tragwe:r k "0 0 Abb. 13.
11. Verallgemeinerungen und Ergän-
zungen. 1) Die Steifigkeiten
EJ:y, EJ., GI und EF in II (3)
0,680 sind nicht konstant, sondern beliebige
r=q (oft unstetige) Funktionen der Koordi-
(l,JlO
nate x. Davon werden offensichtlich
allein die Steifigkeitsmatrizen iJ in 11 (15)
flin/p) betroffen. Da die Integration der Dü'fe-
rentialgleichungen 11 (3) trivial ist, brau-
chen wir nicht weiter darauf einzugehen;
beispielsweise wäre in II (10) die Ma-
trix iJ, die dort wegen (! = 1 aus dem
einzigenElement -liEF besteht, zu er-
Abb. 16. QueTkrd.ver-lau.f liir du Tragwerk Abb. ll.
VOll
setzen durch
I

( ( - JEFm'
d;
(20)
o
G,IJ6P 2,158P ö,IJöP 2) Die vier Differentialgleichungen
II (3) können teilweise miteinander ge-
koppelt sein (wenn z. B. der Schubmittel-
fi t punkt nicht mit dem Profilschwerpunkt
zusammenfällt). Dann lautet lediglich
Abb. 17. Cleicll,ewi4:!hlll)'llf:fr'J /l:m T .... gwerk VOn Abb. 13. das Fundamentalsystem anders; die
Ordnung der Matrizen bleibt die gleiche.
3) Die gewählten Richtungen y und z in Ahh. II (3) fallen nicht mit den Hauptträgheitsrich-
tungen des Balkenquerschnittes zusammen (schiefe Biegung). Dann sind die Belastungen q. und
qy mit Hilfe des Ausdruckes
(21)
in bekannter Weise zu kombinieren.
4) Federn mit Vorspannung. Wenn die Anschluß(koppel)federn in der unverformten (spannungs-
losen) Lage des Trägers nicht selbst entspannt sind wie in Abb. I (5), so gilt an Stelle von 11 (4)
allgemeiner
(22)
5) Verteilen der Belastung auf die Feldgrenzen. Oft kann es zweckmäßig sein, die in einem Feld
angreifende Belastung auf beide Feldgrenzen zu verteilen. Zu diesem Zweck bringt man in i - I
XXVI. Band 1958 S. Fall<: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. 107

--- ""
0 0
"!'
'C
c:o
...< 0
c:o
......
,....; ""
0
c:o
0\

...,
v>

..,; .....
,..-
"" .....""CI)
0\
..... e:>
11)

ci ~,..röö
tf)
tf)
tf) "!'
o"!'
CI)"!' "!'
l1) \0 co
......
11)
c:o
0 ""
r
0:- 0
0\ 0
c:o
0
0
.; ..... ..,; 0 ö ,..rod' ......
0 0 ..... 0
o
0
0
'C CI) 0
..... ..... 0
.......... 0
"-

'-
I I .;'
'-
I I I I I I
r .... r "- - r;:;;-
..... ""
V> V>
.....
..... · ""
tf) tf) tf) tf) tf)
CI) o'CCI) CI)
"":. .....
..... "!'.
~
...... 0 0 0 0 0 0 ..... 0 ~""";~ ö ,....; 'C .,.; ......
I I I I
tf)

"""!'.
V> V>
......
JO :
0 00 0 ..... 0
c:o
0
"!'.

""I
""...< "!'ö ö ""
00
0 0 · 0 ..;
V>
..... o
I I I
.
'i 0
0 0 0 ...... 0 0
"!'
ci "" 'C~ ....."".
..; ~ ci
0
.;'<
0 ·
V>
"":. ~
CI) ..;
V>
V>
.....
.....
.,.; o
I I I I I I
tf)

.....
.;'<.
"" .....
...<
"!'• 00• .;'<. .;'<.
v>
0:-
o · q..... .....Ö
V> V>
""cl;
0
o
~o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

.... '-
I I L '-
,. ....... <; 0
,. '"
"-
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0 0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0 0
c.o.ot!l:
;s s.s.~~C:>"'" tf) tf) V> 11)

.... .-' 0 CI) ...< ö ..... ...... ..;< 0 M M CI) ..... ö ci


I I I I
~
------- -------
...,
v> ..., ...,0:-
tf) tf) v> 11)

""..... 0
""........< ...<
V> 0:-
M V>tf)
0 .....r 0 ÖI"""'1"' 0 ..0
""
0 0 'C
I I
c:o
v> 1'"
.....r "" ..... ""
IX)
0 0 0 0 0 ...... 0 0 0 00 ,....;

v> 11)
.;'<. ..;< 0:- 0:-
c-i 0 ,....;
"" ""I '"I
M 0 0 0 M 0 0 0

'"= I I
v> v>
EI
..="
"'t
...... 0 CI)
""I 0 0 ""
c-i 0
0:-
0 .....
""I 0 0 ""0
I
'""1'1 v> 11)

:;;" .;'<.
..... ""':.
..... 0
0:-
""0
0 0
""I 0 0 0
""I 0 0
CI)

=
N I I I
v> 11)
c:o
0 ..... ..... ""
IX).
0 ""
,....;
I '"I I ""I
0 0 0 0 0 ..... 0

...... CI)
tf) tf)
...< ö ..... 0 ..;< ..... M CI) CI) ..... 0 ...,
'-
I .;
I '-
I ..;
I
und i konstante Kräfte und Momente an und bestimmt sie nach Tabelle I, 1 bzw. 11, 1 so, daß
sie der gegebenen Belastung im Felde i äquivalent sind.
12. Der Vergleich mit der Elirninationsmethode. Wir stellen zunächst die Grundzüge der beiden
Verfahren in kurzen Worten einander gegenüber:
Die Eliminationsmethode I Das Reduktionsverfahren
eliminiert eine oder mehrere Kraft- bzw. Defor- I beläßt sämtliche an der Deformation beteiligten
mationsgrößen aus Kraft und Deformationsgrößen in
ihrem natürlichen Zusammenhang
108 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. Ingenieur-Archiv

Die Elimination gelingt nur durch Übergriffe Die Grundgleichungen werden tur jedes einzelne
von einem Feld auf alle benachbarten (oft auch Feld getrennt und unabhängig voneinander auf-
ferner liegende) Felder. Diese sich über das gestellt. Diese Trennung
ganze Tragwerk hin erstreckende Kopplung
hat ein lineares Gleichungssystem von verhältnismäßig
hoher I niedriger
Ordnung zur Folge. Die Systemmatrix ist
stets symmetrisch und oft von Streifenform.
I getunt.
nicht symmetrisch und im allgemeinen voll aus-

Nachdem dieses Gleichungssystem gelöst ist,


liegen lediglich die eliminierten Größen vor. I
sind nach einiger weiterer Rechnung Kraft-
und Deformationsgrößen bekannt.

Die Vorzüge des Reduktionsverfahrens sind somit folgende:


a) Es entfällt der lästige Eliminationsvorgang.
b) Die Ordnung r des zu lösenden Gleichungssystem ist niedrig.
Sie ist insbesondere unabhängig vom Grade der statischen Unbestimmtheit und der Felderzahl.
c) Die gegebenen technischen Daten werden direkt oder doch in einfachstenKombinationen in die
Rechnung eingeführt.
d) Die praktische Rechnung besteht allein aus dem Bilden skalarer Produkte, ist deshalb ein·
förmig und somit leicht programrnierbar.
e) Man gewinnt Kraft· und Deformationsgrößen gleichzeitig, was besondere Vorteile bei der
Ermittlung von Einflußlinien bietet.
Obgleich die vorgerechneten Beispiele genug Überzeugungskraft besitzen, ist selbstv,erständlich
ein möglichst objektiver Vergleich des-Rechenaufwandes erforderlich. Ein solcher Vergleich läßt
sich exakt jedoch nur tur Verfahren durchrühren, deren Operationen von vornherein abzählbar
sind, also nicht für Näherungsverfahren wie etwa das von Cross und andere, da deren Rechenauf·
wand in großem Maße von der Erfahrung und der Geschicklichkeit des Rechners abhängt. Mehrere
zum Teil recht umfangreiche und deshalb hier nicht wiedergegebene Vergleiche zeigen in der Tat,
daß das Reduktionsverfahren in fast allen praktisch vorkommenden Fällen weitaus weniger Ope-
rationen (Aufschreiben von Zahlen, Additionen und Multiplikationen) erfordert als die Elimi·
nationsmethode, selbst wenn man annimmt, daß der Eliminationsvorgang ein für alle mal formel·
mäßig durchgeführt wurde und daher keine Mehrarbeit verursacht, wie etwa bei den bekannten
Drei· bzw. Fünfmomentengleichungen und anderen [siehe auch I Ziff.l1].
13. Die voUstindige Theorie des Reduktionsverfahrens. Zum Schluß wollen wir uns ganz von
der speziellen Bedeutung des grundlegenden Differentialgleichungssystems 11 (3) lösen und nur
noch voraussetzen, daß es linear sei (Biegen, Knicken, Schwingen1 ,2.8, elastische Bettung, ge·
krümmte Rahmen' und dergleichen). Der Rechnungsgang läßt sich dann in großen Zügen etwa
folgendermaßen umreißen:
1) Das dem Problem zugrunde liegende lineare Differentialgleichungssystem der Ordnung 2 (!
wird gelöst; man erhält ein Fundamentalsystem mit 2 (! willkürlichen Integrationskonstanten und
eine Partiknlarlösung.
2) Diese im allgemeinen mechanisch sinnlosen Integrationskonstanten werden ersetzt durch die
Kraft- und Deformationsgrößen am linken Feldrand, was durch geeignete Linearkombination
geschieht6 •
3) Damit ist auch der Zusammenhang zwischen den Kraft- und Deformationsgrößen an beiden
Feldrändem hergestellt:
(23)
wo b bzw. f die zueinander konjugierten Deformations· bzw. Kraftgrößen sind. Falls am rechten
Ende Federreaktionen angreifen, wird die zunächst quadratische Matrix .I:l zu einer rechteckigen

1 K. Marguerre, Math. Phys. 35 (1956) S.28.


• E. Pestel und G. Schumpich, Schiffstechnik 4 (1957) S.55.
• S. Falk, Abh. Braunschweig. Wiss. Ges. 9 (1957) S. 1.
• G. Schumpich, Beitrag zur Kinetik und Statik ebener Stabwerke mit gekrümmten Stäben. Diss. Hannover
1957.
& S. Falk, Ahh. Braunschweig. Wiss. Ges. 7 (1955) S.74.
XXVI. Band 1958 S. Falk: Die Berechnung geschlossener Rahmentragwerke usw. 109

Leitmatrix mit 2(,1+1 Zeilen und 3e+1


Spalten erweitert; die.Vorschrift (23) ist dann als ver·
schränkte Multiplikation aufzufassen.
4) Jetzt haben wir drei verschiedene Typen von Tragwerken zu unterscheiden:
a) Durchlaufträger. Für n aufeinander folgende Felder gibt (23)
~n = .l3n.l3n- 1 .•. BI ~o = I.13n ~o· (24)
b ) Verzweigte offene Tragwerke. Diese werden durch einen einfachen Kunstgriff auf einen oder
mehrere Durchlaufträger zurückgeführt (Koppelfedern).
c) Geschlossene Tragwerke. Aus diesen läßt sich stets eine Anzahl s von durchlaufenden
Strängen herauslösen, deren Gesamtheit man nach geeigneter Erweiterung des Vektors ~ und der
zugehörigen Leitmatrix ebenfalls wie einen einzigen Durchlaufträger behandeln kann.
5. Auf jeden Fall sind damit sämtliche überhaupt in der Rechnung auftretenden Kraft· und
Deformationsgrößen nach (24) lineare Funktionen der im Anfangsvektor ~o vereinigten bzw. e
+ ... + e.
r = (,11 Paare von Integrationskonstanten. Aus jedem dieser Paare verschwindet
genau eine Größe iufolge der r Randbedingungen links; die übrigen gehen als Freigrößen (AI'
A2, ••• Ar) = a durch die ganze Rechnung hindurch. Die r Randbedingungen rechts liefern zu
ihrer Bestimmung das lineare Gleichungssystem
91a+t=0. (25)
6) Hier unterscheiden wir drei Fälle:
a) Ist /91/ # 0, so folgt a = -2l-1 r.
b) Falls t = 0 ist (homogene Probleme), stellt /91/ =0 als notwendige Bedingung für nichttriviale
Lösungen eine Bestimmungsgleichung für gewisse in der Rechnung mitgeführte Parameter dar.
Die Wurzeln dieser Gleichung heißen Eigenwerte (kritische Knicklasten, Eigenfrequenzen usw.)
und die zugehörigen Eigenvektoren a sind bis auf einen willkürlichen Faktor ebenfalls bestimmbar.
c) Wenn /2l/ =0, aber t # 0, so sind Lösungen nur möglich, wenn t gewissen Bedingungen
genügt.
7) Mit a zugleich liegt nun der Anfangsvektor ~o und damit die Gesamtheit der Kraft· und
Deformationsgrößen an allen Feldgrenzen fest. Das grundlegende Fundamentalsystem liefert daraus
auch den funktionalen Verlauf der an der Deformation beteiligten Kraft· und Deformationsgrößen
über dem ganzen Rahmentragwerk, womit das Problem erschöpfend gelöst ist.

14. Zusammenfassung. Wir haben gesehen, wie sich auf Grund der Gleichungen II (3) oder
irgendeines anderen linearen gewöhnlichen Differentialgleichungssystems und einiger zweck·
mäßig eingeführter Begriffe wie Reduktion, Feldgrenze, Koppelfeder, Strangschar usw. die große
Mannigfaltigkeit ebener und räumlicher Rahmentragwerke theoretisch erfassen, aber auch zahlen·
mäßig berechnen läßt. Insgesamt acht vorgeführte Beispiele und ein allgemeines Programm für
digitale Rechenautomaten zeigen den praktischen Wert des Verfahrens auf; seine Überlegenheit
über die bis heute gebräuchlichen Eliminationsmethoden beweist ein objektiver Vergleich.

(Eingegangen am 13. Mai 1957)


Anschrift des Verfassers: DrAng. Sigurd Falk, Braunschweig, Celler Str. 93 a

V/12/6 0,125 (KB./Z. 040)