Sie sind auf Seite 1von 16

UMGANG MIT KOGNITIV

BEEINTR ÄCHTIGTEN ODER


DEMENZKRANKEN MENSCHEN
OFT SIND ES DIE KLEINEN AUGENBLICKE,
D I E Z Ä H L E N . EI N K U R Z E R M O M E N T,
WÄ H R E N D A N D E R E S S I C H V E R F LÜ C H T I G T.

LIEBE MITARBEITERINNEN
UND MITARBEITER

In Ihrer täglichen Arbeit sind Sie of t mit mit Demenz sind of t unfähig, ihre Be-
schwierigen Situationen konfrontier t. dür fnisse, Ängste oder Gedanken zu
Manche Patienten er fordern ganz be - kommunizieren. Es liegt also an Ihnen,
sonderes Feingefühl, Geschick und Ein- vieles zu erahnen bzw. vorbereitet zu
fühlungsvermögen. Dazu gehören auch sein, was auf Sie zukommen kann.
Menschen mit kognitiven Einschränkun-
gen oder Demenz. Wir hof fen, dass Ihnen diese
Broschüre dabei hilf t.
Wir möchten Sie mit dieser Aufgabe
nicht alleine lassen und haben des- Die Geschäf tsführung der
halb einen kleinen Leitfaden ent wickelt, Vorarlberger Krankenhaus-
der Ihnen auf die wichtigsten Fragen Betriebsgesellschaf t
Ant wor ten geben und Sie somit bei
Ihrer Arbeit mit diesen Menschen unter-
stüt zen soll. Nur wenn wir die Ursa- Selbst verständlich sind bei den angeführ ten
chen verstehen, sind wir in der Lage, Personenbezeichnungen immer Frauen wie
entsprechend zu handeln. Patienten Männer gleichermaßen gemeint.
ICH
ERINNERE MICH
NICHT

KOGNITIVE EINSCHRÄN-
KUNGEN UND DEMENZ,
EINE HERAUSFORDERUNG

Betrof fene Patienten und ihr Umfeld Narkose, Sauer­s tof fmangel oder Stof f-
erleben die Beeinträchtigungen ihrer wechselentgleisungen, kann unabhän-
kognitiven Funk tionen in unterschied- gig von einer Demenzerkrankung oder
lichen Ausprägungen, wie zum Beispiel aber zusät zlich zu dieser chronischen
Störungen des Gedächtnisses, Ein- Hirnerkrankung auf treten.
schränkungen des Orientierungsvermö-
gens, des Denk- und Ur teilsvermögens Ein Krankenhausaufenthalt stellt für
und der Sprache. Chronische Störungen Menschen mit kognitiven Beeinträch-
dieser Ar t treten infolge von Demenz- tigungen häufig eine belastende und
erkrankungen auf. Ein Delir (früher: ungewohnte Situation dar. Betrof fene
„ Akuter Ver wirr theitszustand“ ), her vor- können ihr Verhalten sehr schwer an
gerufen z. B. durch Exsikkose, Elektro - die jeweilige Situation und ungewohnte
ly tstörungen, Intoxikationen, Ent zugser- Abläufe anpassen.
scheinungen, Infektionen, Operationen,
ICH
HABE
ANGST

ANZEICHEN FÜR
EINE KOGNITIVE › Isst der Patient selbst oder bleibt
der Teller unberühr t, weil das
BEEINTRÄCHTIGUNG/ Essen nicht erkannt wird?
DEMENZERKRANKUNG › Ist die Reihenfolge bei Alltags-
handlungen auf fällig veränder t?
› F ragt der Patient häufig nach?
Nicht bei allen Patienten mit kognitiven Vergisst er Anweisungen und
Einschränkungen liegt die Diagnose Termine?
„Demenz“ vor. Häufig wird erstmals in › S ucht der Patient sein Zuhause?
der ungewohnten Umgebung des Kran- Lässt er sich beruhigen, wenn
kenhauses deutlich, dass die geistige Sie Gefühle oder biografische
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Themen ansprechen?
Die Diagnosestellung kann über die › V ergisst der Patient seine Ein-
Konsultation eines in der Altersmedizin schränkungen? Übergeht er sie?
er fahrenen Ar ztes oder Psychiaters › F ragt der Patient mitten in der
eingeleitet werden. Im Folgenden Nacht nach einem Frühstück?
werden einige Anzeichen genannt, bei › F olgt der Patient den Anweisun-
denen eine Demenz vermutet werden gen des Ar ztes und der Pflegen-
kann und die Pflege darauf eingestellt den? Kann er auf deren Fragen
werden sollte. ant wor ten?
ICH
VERSTEHE
NICHT

KOMMUNIKATION MIT
KOGNITIV BEEINTRÄCH-
TIGTEN/DEMENZKRANKEN › G ehen Sie freundlich und langsam
PATIENTEN auf den Patienten zu.
› Versuchen Sie Ruhe auszustrahlen.
› E rklären Sie, was Sie gerade tun.
Wenn eine for tgeschrittene Demenz vor- › G esten, Mimik und Körpersprache
liegt und sprachliche Verständigung nur sind oft wichtiger als Sprache.
noch sehr eingeschränkt möglich ist, › S etzen Sie Körperberührung
gilt es, diese Patienten auf der Gefühls- achtsam und respektvoll ein.
ebene zu erreichen und ihre Stimmung › H alten Sie beim Sprechen Blick-
durch menschliche Zuwendung, Be- kontakt, möglichst auf Augenhöhe.
ruhigung und ein freundlich gestaltetes ›S  prechen Sie langsam und deutlich.
Umfeld zu verbessern. Durch ange- › Verwenden Sie einfache Sätze. Ver-
messene Kommunikation ist eine gute meiden Sie „entweder/oder“.
Begleitung auch in schwierigen Situatio- › V erwenden und wiederholen Sie
nen möglich. die Worte des Patienten.
› W idersprechen oder korrigieren
Die of tmals schwierige Verständigung Sie den Kranken nach Möglichkeit
mit kognitiv beeinträchtigen /demenz- nicht.
kranken Patienten kann vereinfacht wer- › V ermeiden Sie Lärm und Reizüber-
den, wenn Sie einige Regeln beachten. flutung.
WARUM
BIN ICH
HIER?

PATIENTEN MIT KOGNITIVEN EINSCHRÄNKUNGEN –


EINE GROSSE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE
MITARBEITENDEN IN DEN KRANKENHÄUSERN

Patienten mit kognitiven Einschränkun- chen Sie mit den Angehörigen, was
gen bzw. einer Demenz fällt es schwer, getan werden kann, um dem Patienten
ihre Situation zu überblicken. Die frem- den Aufenthalt im Krankenhaus zu er-
de Umgebung des Krankenhauses und leichtern.
die Unruhe um sie herum machen ihnen
of tmals Angst. Sie fragen sich „Wo bin Ist die stationäre Aufnahme unaus-
ich hier? “, „Was wollen die vielen frem- weichlich, sind allgemeine Empfehlun-
den Menschen von mir? “ gen zum kompetenten Umgang mit den
Betrof fenen zu berücksichtigen:
Prüfen Sie im multiprofessionellen
Team: Ist die stationäre Aufnahme not-
wendig? Wenn ja: Wie kann der Auf- ›N
 üt zen Sie den Krankenhauspass,
enthalt so kur z wie möglich gehalten um die spezifischen Bedür fnisse
werden? Mit der Dauer des Aufenthaltes des Patienten schnell und unkom-
steigt die Gefahr, dass es zu einem plizier t zu er fassen.
Delir bzw. einer psychischen Dekom- › L assen Sie Demenzkranke bei
pensation mit Verschlimmerung der Untersuchungen möglichst nicht
Symptomatik kommt. Versuchen Sie, allein.
für Betrof fene eine ruhige, stressfreie › D euten Sie auf wichtige Gegenstän-
Atmosphäre zu gestalten. Schaf fen Sie de, machen Sie Bewegungen vor.
eine gut vorbereitete Umgebung, die › S tellen Sie kur ze Fragen und wie-
den Bedür fnissen und Gewohnheiten derholen Sie sie im Wor tlaut, wenn
des Patienten entgegen kommt. Spre- sie nicht verstanden werden.
› B ewahren Sie auch in kritischen fene möglichst kur z war ten muss
Situationen die Ruhe. oder nicht alleine gelassen wird.
› B eziehen Sie die Angehörigen in › V ereinbaren Sie im Pflegeteam
den Aufenthalt mit ein. Angehörige eine erhöhte Aufmerksamkeit bei
sind wichtige Partner im Pflegepro- der psychosozialen Begleitung.
zess. Sie können als „Dolmetscher” › P ositionieren Sie den Patienten in
und Vermittler wirken und ein Gefühl der Nähe des Pflegestüt zpunk tes,
der Sicherheit vermitteln. so dass Sie ihn möglichst immer
› R äumen Sie Angehörigen nach im Blick haben. Informieren Sie
Möglichkeit großzügige Besuchs- Mitpatienten über die spezielle Si-
und Begleitmöglichkeiten, auch tuation bzw. die Einschränkungen
außerhalb der regulären Besuchs- des Patienten.
zeiten, ein. › B ei Unruhe und Nesteln geben Sie
› B itten Sie Angehörige, einen ver- dem Patienten et was zum Tas-
trauten Gegenstand (wenn möglich ten und Fühlen in die Hand (z. B.
zum Anfassen) mit zubringen. Waschlappen, Fell, Handtuch).
› A chten Sie besonders auf aus- › A chten Sie darauf, ob sich aus
reichende Nahrungs- und Flüssig- dem Verhalten und den Äuße-
keitszufuhr. rungen des Patienten Hinweise
› V
 ermeiden Sie Lärm und Reizüber- auf mögliche Schmer zen ableiten
flutung. lassen, da sie diese of t nicht ent-
› B
 eachten Sie bei Untersuchungen sprechend mitteilen können.
und Eingrif fen, dass der Betrof-
ICH
MÖCHTE NACH
HAUSE

DIE ENTLASSUNG
AUS DEM
KRANKENHAUS

Kognitiv beeinträchtigte /demenzkranke management) Kontak t mit der Haus-


Patienten sind meist nicht in der Lage, krankenpflege oder dem betreuenden
bei ihrer Entlassung nach Hause, in Pflegeheim auf.
ein Heim oder eine andere Einrichtung
mit zuwirken. Deshalb ist es bei den Be- Wenn die Versorgungssituation unklar
trof fenen besonders wichtig, recht zeitig ist, binden Sie möglichst früh über den
die Angehörigen einzubeziehen. Sozialdienst das Casemanagement der
Heimatgemeinde des Patienten in den
Leiten Sie frühzeitig das Entlassungs- Entlassungsprozess ein und nüt zen Sie
management entsprechend den gelten- Überleitungsstruk turen wie Nachsorge,
den Leitlinien in die Wege. Nehmen Sie Remobilisation, Übergangspflege, etc.
ent weder direkt (direk tes Entlassungs-
LI T ER AT U R

ALZHEIMER UND DEMENZ VERSTEHEN DER ALTE KÖNIG IN SEINEM E XIL


TRIAS Verlag Arno Geiger
Wolfgang Maier, Jörg B. Schulz, HANSER Verlag
Sascha Weggen, Stefanie Wolf ISBN 978 -3 - 446 -23634 -9
ISBN 978 -3 - 8304 - 6441-9
Arno Geiger hat ein äußerst berühren-
Wenn ein Familienmitglied an Alzheimer des Buch über seinen Vater geschrie-
oder einer anderen Demenzform er- ben, der trot z seiner Alzheimerkrankheit
krank t, ist der Schock bei den Ange- mit Vitalität und Klugheit beeindruck t.
hörigen groß. Denn kaum eine andere Im Alltag ist der Vater of t hellwach,
Erkrankung wir f t so viele Fragen über aber seine Vergangenheit, sein Haus
das weitere Leben auf wie der allmäh- und seine Kinder hat er vergessen.
liche Verlust des Gedächtnisses und Arno Geiger er zählt, wie er nochmals
der Persönlichkeit. Dieses Buch gibt Freundschaf t mit seinem Vater schließt
Menschen in der schwierigen ersten und ihn viele Jahre begleitet. Pflicht-
Zeit Rat, Hilfe und Orientierung zu den lektüre für Vorarlberger.
Themen Diagnose, Behandlung, Alltag
und Betreuung.

DAS HER Z WIRD NICHT DEMENT INFORMATIVE LINKS


BELTZ Verlag w w w.bmgf.gv.at /home / Gesundheit /
Udo Baer, Gabi Schotte -Lange Krankheiten / Demenz
ISBN 978 -3 - 407- 85966 -2
w w w.gesundheit.gv.at /krankheiten /
Ratgeber für Pflegende und Angehörige gehirn-ner ven /demenz /inhalt
– mit Würde begleiten, praktische
Beispiele. Demenz ist mehr als Ge- w w w.sozialministerium.at /site / Pension_
dächtnisverlust. Sie beeinflusst Gefühle, Pflege / Pflege_und_ Betreuung / Demenz
die gesamte Ar t, wie Menschen sich
und ihre Welt erleben. Über ihr Her z w w w.ak tion-demenz.at
können wir sie erreichen, wenn wir nur
wissen, wie.
VOR ARLBERGER KR ANKENHAUS -BETRIEBSGES.M.B.H.
Carinagasse 41, A- 6800 Feldkirch, w w w.khbg.at