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Die

•• •
t tuttlutt·ttt
in ihrem· Zusammenhang
mit den

Beliponen der alten .~e.,..ter.


der

Juden und de r Christen.


- ,

Für

deDkende Gesehlehtstrennde
frei
-
bearbeitet lind mit . Anmerkungen begleitet
von

R. s. ACE R RE L LOS.

Vierter Band.

..
Z'w e i te' Au tl a

. Leipzig,
ti e .

tltrl4,9 Don 3. 3. lUtbtr.


1886.

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Die

F r e l• m a n r e r e •
I
in ihrem Zusammenhange
mit den

R~ligionen der alten Aegypter,


der

'Juden und Christen.

Anmerkungen
",on·

R. S. A. ce,. ,. e I los.

IV. t

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...

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n ein

W iTI: eil",6s Ouotr%",ser iitr",Lrm",JFE geg",L",oes ",rSpNs{ilihen


zu erfüllen und lassen hier die Anmerknngtm folgen,
1rel",be llilFE sow",ltrl fwiFE die i",,,,tsch,,,,,, LeFEFEFE im iTI:ll-
ge17itklCsNnen, als für die Manrerwelt besonders nöthig
scheinen.
iTI:uVOFE ",ber ",iTI:aub", Ikfan ,kiitr:",lich die Gi'hFAde
anzugeben, die uns bealimmt haben, das ursprünglich
framtrüliach LeachFEiFAben", ,%uf t",FAischeEk BodFAkE zu
verpflanzen.
iTI:war li",u bei dFAt zi",mlich vez'brei-
teten Kenntniss der fraozösiacben Sprache wohl 'anneh-
mefZ1t s dass ggin gFE(FE&lftel" dlftlft LeSgSk's namssgdich ",ber
lOlche, die sich mit Geschichtsstudien beschäftigen, bei
Be%BFAftZUOK des Olft%dinallft der Bdhülfe FAines iJlfthersFAi",FArS
nicht eben bedürfen würden. Allein t mit eben so viel
Grnnde konnte m",hl aHlfth VOlr"'ZFsgesi'llftt wFAE'den, dZkSS
l'ieiFA AndFEFA das aLBFE UnkgFAde dFAFE SpmiJne ungFAle-
.en lauen würden. Gleichwohl ilt dasselbe unbestreitbar
1

Diait
eine wichtige Encheinung in der Creimaurerischen Lite-
rator und verdient, auch von teutschen Maurern, wie
überh,upt von Freunden der Geschichte genau ins Auge
gefasst zu werden. Denn es hat, nach unserm Dafür-
halten, für die Geschichte der Ver w an d lu n g der
Maurerei einen entschiedenen Werth. Folgende Aus-
einandersetzung möge die.. beweiun.
Die unläugbare Thatlache, dus zu venchiedenen
Zeiten Dinge mit der Freimaurerei in Verbindung ge-
setzt wurden, die ihr unprünglich völlig fremd waren,
hatle die mehrfache Umgestaltung oder Verwandlung
derselben zur unausbleiblichen Folge. W u aber eine
solche Verknüpfung heterogener Elemente und _die dar-
aus hervorgehenden, zum TheU sonderbaren, Gestalteq
veranlasste und hervorbrachte, sagt uns die Geschicht,
zu deutlich, als dass wir ..darüber noch in Ungewisshe~t
schweben sollten.
Die Maurerei hat seit ihrem ersten Entstehen bis
auf den heutigen Tag mehrere Perioden durchlaufen.
Es ist natürlich, da.. die Gewalt der Zeit, die Alles
verändert, an ihr allein nicht unwirksam bleiben ·konnte.
Aber man unterscheide wohl die Verlnderungen, die in
ihr gleichsa~ von selbst vorgehen muuten, wie ohn-
gefihr Wachsthum und Entwickelung in der Pflanzen-
und Menschenwelt, - von ~en Verlinderungen, welche
menschliche Willkühr - vielleicht in gutgemeinter, aber
verfehlter Absicht, aus Thorheit, oder aus Bosheit -
mit ihr vorgenommen hat.
Es gehet daraus hervor, dass die Geschichte der
Maurerei aus einem doppelten Gesichtllpunct betrachtet
und behandelt werden kann. Einmal nehmlich als

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Geschichte des Instituts selbst in seiner Eigenthümlich-
k&?i%: und , ,~übei alh&&? rre&IBdüB'tige,
ihr Aufgedrungene und meistens wieder durch kräftige
Reinigungsprozesse ,von ihr Ausgeschiedene nur neben-
b&&i &?twäbn~ t&?ird; düüü aber &Bu&?h als 81&&?cialgQ&tdAkchte
alles im Laufe der Zeiten mit ihr in Verbindung ge-
setzten ursR&rünglich nicht mit ihr Verwandten ,ihr
get44d&?zu 8didersu&?Iß&,&TIffiden sie &?run-
staltenden.
&&?wohl fiit den, d%&t eine solche Geschichte schreibt,
al&? den & h&?r sie eign&?&? bIos &?Eüdiren
will, ist es wichtig. den Anfangspunct zu bestimmen,
voü wo m&", hat d, h. a11&& S"gen gk&d Fa-
bel&? gom pr u der 8l&'&silierei prüfe&? und
das geschichtlic~. Erweisbare und Erwiesene zusammen-
UN&? üon d,s ggS die im
L&?&s{ü der zu &?&44folgeBA, Diess leich« ;&?enn
man vorurtheilsCrei die Resultate früher schon angestell-
teili kühhsam&?4 UiRl&&&'&?ucht 4wd ist so
üb&?4 den U"'R&&Ung MauriRk'&?R ins geJmmmen,
nun auch ihren Fortgang mit scharfem Auge beobachtet.
wird we4m wan einiR &?iRuere
GesEiRhung derselben ZiRr Gr&smU&?ge diR&? Unter&?&4d&ung
macht und von da aus rückwärts schreitend den mög-
Urspffim&U zu &&tRiR&?scheEA &?Dtebt. &?rsuch&? dieser
Art sind meistens verunglückt, .so viel 8charfsinn und
Combinationsgabe dabei auch aufgewendet worden
seiiR üDag.
~t der Erforschung des Ursprungs nehmJich hängt
die Erforschung des Zwecks der Maurerei auf das in-
ZU8TI1Bilik&?iR&?n. ist uS&BüUglich Zei~ ihrer
8

Entstehung nachzuweisen, ohne zugleich ihr Wesen zu


beschreiben, und die Frage, wann sie zn werden be-
gann, ist unzertrennlich von der, WH sie gleich an-
fangs war.
Nun beweiut aber die Geechichte, dus in spiterer
Zeit der Maurerei hin und wieder ein anderer Zweck
thens nntergeschoben, theils auch nur angedichtet wurde.
U n te r ge s c hob e n, um nur ein Beispiel anzuführen,
wurde ihr in den Jahren 2648 bis 1650 und noch
spiter, ein rein politischer Zweck; die Rettung der
Stuarts; an g e d je h te t hingegen wurden ibr oft genug
von denen, die ibren unpr6nglicben, erh.benen Zweck
nicbt kannten oder nicht zu fallen vermocbten, eine
Menge andrer, bisweilen wohl auch löblicber Zwecke,
die aber entweder in der Maurerei uoA durch dieselbe
gar nicht zu erreichea waren, oder zu tieren Erreicbuag
es derselben gar nicht bedurfte.
Schriftsteller, welcbe in einer IIOlchen Periode leb-
ten und von einer falschen Richtung ihrer Zeit in B..
zag auf den Bund gleichsam fortgeräuen, oder in fal-
schen Ansichtea iiber denselben befangen, die Gescllichte
der Maurerei zn schlliben unternahmen, konnten da-
her nichts Befriedigendes liefern, eben weil sie von ei-
nem unrichtigen Standpunct aus rückwlirtssehliessend
Neder zur Erkenntniss des wahren Ursprunp noch za
der des wahren Zweckes gelangen konnten und oft ge-
.mg da, wo sie auf Dunkelheiten und Lüoken ,stieuen,
diese aus eigner Pbantasie auszufüllen sicb für hereob-
tigt hieJt~n. _
Nur drei Forscher, und zwar Teutsche, haHn
endlich den Schleier biaweggez0gen und Ur.pi"ung und

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Zweck der Maurerei evident nacbgewie~n ood zur Ge-


Ilch±dn~e' deJrJrJrlhen Beitrl1gnn hJrliefer~~ nie..
ses sind die Brüder Schrö~er, Schneider und Krause.
Warum wir dises von tlem Bruder Fessler nicht rüh-
rtannnn denn~nn grosJrJr JrInd Bemhhnnjfiligen
Anerkennung verdienen, 1011 sogleich klar werden.
Fennnnlnnjf hatbn den Eleasinien ßd. t Seite 9 gelagt:
"Dinn Fl'eilßilimJrnnrei nnrne ~fjffnnrtclu auf WEiche
weise und tugendhafte Minner etwas schreiben, das
ihrsni würdig So Ihnh nnlso und
haf~nn Mäonnnnn eJrKhEsihaft IB$i~ dem BinnimaUi0.sin";Eden
bellChäfligten , 10 gewiss k a n n er einen vernünftigen
gUinnhE und nnilirhBiliffibenen B"rtc8ck bsdsEn." unhis$.nniiiche
unh fhElsche mUiilnnll nOihiJrhEndig hBiher-
spruch erwecken und - erweckten ihn. Man sehe:
MiniiliRjfSjEischehE BaschenBlnBBJrh aSBf hnns JaIBE hS02 bihE h803
VOs% Y. Berlin ~bO:l bis dsJrhmid~~ Seite und
folg. Nichts war natürlicher, als dass man annahm,
FeiEIEJr hahnn iich für niliinnen weihEnnnn und
tugnnSBhbafteJrI dlänDer, bir auf diese ru,g-A nniwas
\\Türdiges zu schreiben berufen und im Stande sei und
deSB JnilhiSB SBinon guteSB Bmd
Zwecd unterlegen könne, wenn sie eines solcben in
ihrer absoluten Leerheit entbehre. Auch beweisllt es
seiBBE snnaureinidne .Lannfhnnhn ZESB b2nüge s hass ei wenn
ihm auch nicht schuld gegeben. werden kann, der 1\Iau-'
rerei einen falschen oder gar tadeloswerthen Zweck
uniSBwsSBhiebeSB dnnwolh habcnn s doch jSBhnn%nfalls
nach seinen individuellen Ansichten umzumodeln be ab-
Rchugte, welches ihm auch, wir \i'ollen nicht entschei-
deSB SBb zum nnrtheil nnde.r Zum der iliilibniliiliiliiliili.nl~'
.8
oder eln.elner Logen, thedwelle gelungen ia. Splter-
hin achrieb er leine~ Kritische Geschichte der Freimau-
rerei, ein Werk, du mit unverkennbarem Fleiae ge-
arbeitet ilt, du aber nur im MRDllacriptexiltirt und
von welchem sich blol die Vorrede und dal Inhaltsver-
lIeichnis. in: Zeitschrift fur Freimaurerei. Altenburg,
labrg. 1825. 41 Heft S. 36t und folg. abgedruckt befin-
den. ~o lange aber gelehrte Maurer nocb darzutbun
vermCSgen, dall F ....er dabei von irrigen Primiaen
ausgegangen 'ist und da, wo ihn die Geschichte verlie.., .
d81 niederachrieb , wu er sich dachte und wie er es
sich dachte; 10 lange kCSnnen wir auch leinen Na.en
Dicht neben Schröder t Schneider und Krause setzen,
Soviel geschichtlich Wahres auch der 111. und IV. Theil
leiner Geschichte enthalten mag, und wirklich enthält.
.Duu kammt, d... Fellier du Logenweaen seiner Zeit
lehr verdorben fand pnd dadurch verleitet wurde, von
der Maurerei leibst, (die doch unstreitis etwu ganz
anders ist, al. Logenwelen) gerinphltllig su denken.
Zwar scheint er beide wohl von einander IIU trenneD,
wenn er in seiner Schrift: Freimaur. Briete aUI Klein-
wall , abgedruckt im 111. Bande seiner sämmtlichen
Scllriften S. 59 u. folg. lagt: "Die ehrwürdige und hei-
lige Sache der Freimaurerei liegt am Logenwe-
I'e n tödtlich krank. Kaum möohte jener noch IIU hel-
fen sein, wenD auch da. ganse Personale der Logen-
brüder, al. solcher, auf ein Zehntheil vermindert würde.
Wer sie dem Spiele der Logenwelt enwehen und alle
Logen in blos unterhaltende, höchsten I wohltbiilige
Ressourcen verwandeln, - ich meine, wer sie von ih.
rem unange.meuenen schlecht sUlammeohän ..

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genden, -durch und - du:rch kranken Körper


befreien könnte, - der würde ihr Erlöser und Retler
sein."
Gleichwohl ist nichts entschiedener, als dass er
heide BegriJl'e, Logenwesen und Maurerei mit einander
vermischt, oder die letztre-völlig verkannt haben muute,
als er seine: Rückblicke _auf die letzten sechs Jahre sel-
ner Logenthätigkeit scbrieb (berausgegeben von Fried-
rich Mossdorf, Dresden 1804, abgedr. in Fesslers dmmt-
lichen Schriften über. Freimaurerei 11. Bd~), deren Re-
8ultate der Recensent in den Göttinger gel. Anz. t 805
St. t82 und i83 in folgende drei Hauptsätze zusammen-
fasst: I) "Die Maurerei wird im Allgemeinen nie ein
Mittel zur Beförderung moralischer Gesinnungen und
einer moralischen Handelsweise werden." 2) "Die Mau-
rerei wirkt auf das Häufigste als ein Mittel zur Beför-
derung dei Hasses, des Neides, unter den sogenannten
Brüdern." 3) "Die Orden sind Nahrungsstätten der
Eitelkeit und Geschmacklosigkeit." Diese Ansichten
leiteten Fesslern bei Allem, was er in maurerischer
Rücksiebt that und es ist daher nicht zu verwundern,
dau er nicht überall Anklang fand. Ja man fühlt sich
bewogen, dem Br. Krause Recht zu geben, der in der
Vorrede zn: Lawries Gescbichte der Freimaurerei u. s. w.
übersetzt von Dr. Burkhardt. Freiberg , bei Gedach,
1810. Seite VII. sagt: "No.r Teutsche haben bis jetzt
über die Idee des Bundes Abnungen gehabt, welche an
liebte Erkenntniss gränzen ; und unter diesen verdienen
Lelling, Herder und Fessler die erste Erwähnung,
obgleich auch von diesen Keiner diele Idee rein, ganz
und in ibrem innern Gliederbaue vollständig, erkannt,

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10

wenigstens nicht angegeben hat." 0 ... der in diesen


Worten enthaltene Vorwurf kein ganz nngerechter ist,
leuchtet wohl ein,. wenn gleich selbst gegen die Krau-
sesehe Aaft'8IIUngaweise der, Idee der Freimaurerei Man-
ches eingewendet werden kann, wie au dem Folgen-
den erhenen wird. Man vergi. Encyclopldie der Frei-
maurerei B. s. w. von Lenniag. Leiplig bei Brockhaas
t828, Bd. I., unter dem Art. Fe..ler, Seite 198 u. folg.
uad Bd. III unter System S. 474.
Hr. Schröder (Friedrich Ludwig, geb. i. Schwerin
den 3. Nov. t744, Eigenthämer des Theaten in Ha...-
burg ond depot. Groumeister der Grossen Provinlial-
loge von HalRburg, gest. deu 3. Sept. 18t6 la Hellin-
gen bei Hambarg), legte die Resultate seiner tiefen ge-
8chicbtlic!hen Fonobungen, auf welehe er jahrelangen
F1eisa, uneneHiche Mühe und groase Kosten verwendet
hatte, in einem Werke nieder, welches Iwar gedruckt,
aber nur den Brüdern der höhern voa ihm gestifteten
Erkenntnissatufe scientifischer Maurer, lßitgetheiit wurde
und mithin nicht JederJDann zugänglich ist. Dieses
Werk, welches nur geschichtlich Erwieseues enthält,
verdiente um 80 mehr in der Maurerwelt verbreitet IU
lein, da Schröder alle vorhandenen GeachichtsqueUen
sorgfältig studirt, viele Archiv~ durchsucht und überall
D\lr das Haltbare mit kritilchem Scharfsinn Buammen-
gestellt hat.
Man darf lich daber durch ein abfälligel Urtheil
darüber in Feulera sälßmtlichen Schriften Bd. IU. S. 111
u. folg. nicht irren lassen. Dieses lautet wörtlich 10:
"So vollständig und überzeugend die Untenuchuagen
und Uesultale des Br. Schröder über daJ in neuern

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Zeiten ents~ndene Logenwesen sind, und so wenig er


bei seinem Schatze von Logenpapieren und Logenacten,
hierin noch .u wünschen· übrig gelusen hat, so unsi-
cber, irrig, einseitig und unbefriedigend sCheinen mir
seine Ideen von Freimaurerei, seine Angaben von dem
Ursprunge und dem Fortgange der Freirnaurerbrüder-
schaft, seine Ansichten von dem Kirchenthume und
Mönchswesen des mittlern Zeitalters, seine Bestimmung
des Zweckl der Brüderschaft, kurz Allel, wozu eine
tiefer. Kenntniss d.r Geschichte, ein mehr, geübter und
höherer kritiacher Sinn und eine durchaus haltbare Phi-
1000phie unentbehrlich sind."
Wire dieses Alles wahr, dann hätte freilich die
Schrödersche Arbeit so gut wie gar keinen Werth.
Gl6cklicherweisa aber lälSt sich mit ziemlicher Gewiss-
heit darthun J dus der Groll mehr Antheil an diesem
Urtheil hat, als die Wahrheit. Schröder hatte nehm-
lieh in niner liebenswürdigen Bescheidenheit kein Be-
denken getragen, seine Forschungen über die Maurer-
geschichte Fesslern mitzI,ltheilen, so wie er sie in Wei-
mar 1800 auc~ Herdern vorlegte. Als Fessler dagegen
seine Bear~eitung desselben Gegeastandes vollendet hatte,
glaabte Schröder zu bemerken, dass FelSler seine
(Schröderl) Materialien allzuireu, d. h. hier untreu be-
Dutzt habe und ergols sich darüber in bittre Vorwürfe.
Feuler, der in s~inem Glauben, wie wir oben gesehen
hahen, etwas aos der Maurerei machen zu können,
nr...thlich auch der Meinung gewesen war, dass er
erst aas den SchrödU'schen Materialien etwas zu ma-
chen im Stande sei, nahm jene Vorwürfe als Beleidi-
gQgen auf und lieas melarere Male seioe gereizte EID·

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It

pfindlichkeit merken. Nun wird zwar In der ebenange-


führten Stelle jenes Urtheil einem Ungenannten zuge-
Ichrieben. Wie nahe aber liegt nicht die Vermothung,
dass es Fesslers Urtheil selbst sei. Auch verdient be-
merkt ~u werden, dass Doch kein gelebrter Maurer
dasselbe unterscbrieben hat.
ner zweite um die Maurerei wie um ibre Geschicbte
hocbverdiente Mann ist der Bruder Schneider, (Johann
August, Herzogt. Sicbs. 8atb und tr Lebnsccretir in
Altenburg, geb. den 22. Mai 1755 zu Vierzebenbeiligen
im HerzogthulD Altenburg , gest. am t3. Aug.· 1816)
welcher ungeineinen Fleiss auf das kritische Studium
der Geschichte' der Freimaurerei verwendet und durch
. seine gediegenen~ in dem Altenburger Journale für Frei.;
maurerei niedergelegten' Arbeiten, vieles Licht in die
masonische Geschicbte der frübesten Zeit gebracbt hat.
Durch ihn erbielt der Br. Krause die alte Yorker eon-
stitution. Er war es, der den Zusammenhang der Sitze
im Vitruv mit der Konstlebre und den ältesten Aofnah-
megebräuchen der Masonen im Mittelalter zuerst aos-
findig machte .und durch seine gelebrten Forschungen
das, bis dahin selbst vom Br. Fessler nicbt erkannte,
wesentliche Element der masonischen Gesebichte wie-
der berstellte, das in den Bauzünften der Griechen und
Römer, und in deren Einrichtungen und Zl1nftiehren,
entb8Iten ist. Man vergi. Encyclopädie der Freimaure-
rei von Lenning u. s. w. Bd. 111., den Art. Scbneider,
Seite 319 und folg. Dieser würdige Bruder nahm eil
mit seinen geschichtlichen Untersucbungen so streng,
dass er in einem Briefe an den Bruder MOISdorf,
Fesslern und selbst Scbl'ödern in Bezug 'auf Erörte-

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rung des Ursprungs der Freimaurerei vorwarf, sie fa-


buHrten.
Endlich trat Br. Krause (Karl Christian Friedrich,
Doctor der Philosophie in Dresden, gebe zu Eisenberg
im Altenburgischen , den 6. Mai 1781) auf.' Durch sein
W~erk "Die drei ältesten Kunsturkunden der Freimau-
rerbröderschaft u. ~ w., von B. K. Chr. Fr. Krause,
Dresden 1810 und 1813. 2. Ausgabe ebendas. 1819 und
1821 verbreitete er das vollständigste Licht über den
Ur~prung der Maurerei und trug Vieles zur Erleichte-
rung des maurerlschen Geschichtsttudiums bei. So gro..
indess und so dankenswerth auch diese Leistungen des,
denkenden und ausgezeichnet scharfsinnigen Mannes
sind, so muss man doch von der Ausbeute,die er auf
dem Felde der, Geschicbte und der Alterthumsforschung
zu Tage förderte, das trennen, was sein Gemüth in
der Maurerei zu finden' glaubte und wozu er sie gestal-
ten zu müssen meinte. Oh~e Zweifel gehört' der Plan,
den er zu einem Menschbeitbunde entwarf, zu dem
Herrlichsten, was je ein edler Mensch erfand; ob es
aber sobald möglich sein dürft_, die 'demselben zu
Grunde liegende Idee zu realisiren, möchte aus triftigen
Gründen zu bezweü"ln sein. Man vergi. hierüber En-
cyelop. der Freimaurerei u. s. w., Bd; H. Seite 193 und
folg. unter dem Art. Krause und: Ueber die Freimau-
rerei und ihre heutigen Gegner. Von earl RÖ88ler~
Leipzig bei Vogel 1822. Seite 37 und folg.
Auf diesem von 's~ würdigen ~ännerll geebneten
geschichllichen Grund und Boden haben seitdem mehrere
geniale und kräftige Denker fortgebaut. Wir nennen
Dnter den letztern nur den Br. Heldmann , (Friedrich,

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der Weltweimeit Doctor, ordentl. Prof. der Staatswis-


seDllchaften an der Academie zo Bern, gebe den 24.
Nov. t 716 &u Margetahöchheim am Main) welcher in
leinem Werb: Die drei ältesten geschichtlichen Denk-
male der teutschen Freimaurerbrüderschaft sammt Grund-
zigen ZR eiDer aUgemeiDen Geschichte der Freim...re-
rei, vom Br. Friedrich Heldmaon, Aarao bei Saoerlin-
der 5819, das GeschichtlStodiom bedeutend gefördert
und sich den Dank redlicher Forscher verdient hat.
Durch 80 viele Ichätzenlwerthe Arbeiten ilt es
nunmehr klar und erwiesen, dass die Freimaurerei aus
den Baucorporationen des Mittelalters hervorging und mit
dem Zweck, die Geheimnisse der Kunst su bewahren,
sugleich' einen moraliscben Zweck verband.
Da wir keine Gescbichte der Freimaurerei schrei-
ben woBen, so können wir dien hier nicht weiter 8118-
fiihren; ja wir halten es logar für 'übedliissig, etwas
nur zum BeW'eiae dieler Behauptung zu. sagen, da wir
Ge Sohriften genau angegeben baben, die den Beweis
dafür vollstindig fübren.
So lange es aber ab diesen Aofschlüssen fehlte,
oder 10 -luge das au sich Wahre noch nicht evident
erwiesen war, 10 lange haUe die Phantasie freies Spiel,
bald diesen bald jenen Ursprung der Maurerei so er-
dichten und durch Aehnlichkeiten derselben mit alten
Mysterien nrleitet, sie unmittelbar von denselben ab-
stammen zu lassen. Höe.hst beachtenswerth ist, wal
hierüber Hr. HeldmaDn in dem angeführteD Werke S. 6
der Einleitung sagt: "Bei dem verworren&n Dunkel,
ctaa so lange die Geschic:hte d8l' Freimaurerei umhüllte,
lieuen sich selbst achtungswerthe Gelehrte bei ihren

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15

Untersuchungen über den Ursprung .derselben, oft durch.


zufällige, oder auch, nur scheinbare Aehnlichkeiten ge-
täuscht" zu Behauptungen verleiten; die Qbne allen ge-
schichtlichen Halt Dur die Zahl der Hypothesen ver-
mehrten und durch di~ Autorität ihrer Urheber auch
Andr~ einführten. Besonders fruchtbar an 801eben
Ideen waren die französ(schen G~lehr~n. Ein unbe-,
Biegbares VOIurthell gegen die Abstammung der Maurerei
von Werkmanrero, hinderte die meisten, der Wahrheit
auf die Spur zu kqmmen. Statt den aufgefundenen Fa-
den geschichtlich zu verfolgeo, blieben AUe bei ihren.
Unteranchungen auf halbem Wege stehen, oder verwik-
kelten sieh in lauter Nebenumstände, worüber sie VOll
der wahren Spur ab und auf Irrwege geriethen. Das
gefährlichste Irrlicht aber fir sie wareD die alterthü..-
liebes Gebräbche in deo Logen und gewisIe Aelaolich-
keilen derselben mit jeaen in den alten Mysterien. Statt
zu UIIteranchea, wie jene Gebräuche in die Maurewei
• gekoamen,. adDen .a ihaea leic:hter,die•• durch irgend
eine Hypothese kurzweg von jene... InUitaten selbst ab-
zuIeüeB. Di818 Meinung über die Abstammung der
Mauerei ist faat in allen fr._5ai1ehen Logen heulcbeR'"
ihr Urhebft aber, so viel wie bekanat, der Akademi-
ker Le...ir. I. leinen BecAerciu ..r leI lmcienul
;nit.lio.1I sucht er mit ei.em groBIen Aufwaode Yell
Gelehrsamkeit darzuthun, dan die maurerilChen nrul
ägyptischen Gehei.mne llrapriUtglich die .ebmlichen,
jetst abu, wie nach Verlauf VOll Jahrtaulenden natü...
lieb, der Wahrheit entfremdet durch aUmähliche Ent-
artDDg. 0.. Zweck beida ....tihte, ve.sichert eI' in
leiDer im Jahre 1812 im COftf1e,,' p4.10Ifl1'Ait_e zu Pari..

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18

gehaltenen Rede, lei kein anderer, als an den Unpron.


und die Beschaffenheit ("ature) des Weltalls, 10 wie
des physischen und moralischen Uebels zu erinnern, das
System des gestirnten Himmels zu erklilren, alle Ueber-
lieferungen fortzupflanzen u. I. w. AUe diese Trllulne-
reien gründet er auf die Aehnlichkeit, liturgischer Ge-
btlluche. •• Allein der liturgisch - geschichtliche Zu-
lammenhang der Maurerei mit den Schulen vorchrist-
licher Weisheit, den schon vorlängst Fessler, Schneider
und Krause aufgefunden und ausler Zweüel gesetzt hat-
ten, blieb dem Br. Lenoir fremd."
Demnach dürfte es leicht sein, allel was in dem
vorstehenden Werke: "Die FreilDaurerei u. s. w.," von
dem Br. Lenoir gesagt' wird, aus de,m rechten Gesichts-
punct aufllufassen und zu würdigen.
Offenbar aber gehört der Herr Verf., der Freimau-
rerei s6lbst zu, denen, welche nach des Bruder Held-
mBDns UrtheU sich durch das Irrlicht gewisser Aehn-
lichkeiteu alter Gebräuche in der Maurerei und in den
alteu MYlterien blenden und dadurch verleiten lieuen,
jene von dielen ohne Weiteres abzweiten. Er sprimt
diesel auf dem Titel des französischen Originals selbst
aUI. Dieser lautet nehmlich: "La Ma~o"nerie, co...
,'deree co,.,.e le re,ultat tIe, Beli(;io", eggpt~n"e,
,u've et eAretienne. Par le, F.·. M.·. B.·. de S.·.
Pari, t833.
Wir haben dagegen der teutschen Bearbeitung den
Titel gegeben: Die Freimaurerei in ihr e m Zu 8B m -
menhange mit den Religionen u. s.'w. Wir erkennen
nehmlich diesen ZUI8mmenhang an, 'aber nicht als einen
ursprünglichen und wesentlichen, sondern vielmehr als

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einen, durch willkübrliche Annahme und Einführung
ligyptischer, jüdischer und christlicher Ge~räuche in die
Maurerei hervorgebrachten. Eine Aufklärung darüber, wie
man das Fremdartige in dieselbe hereinzbg, welche Mühe
man sich gab, und welchen Scharfsinn man anwendete,
erst Aehnlichkeiten mit andern Instituten zu entdecken,
und dann darzuthun, wie nahe sie mit den letztern ver-
wandt sei, ist gewiss für den Geschichtsforscher von
grossem Werthe. Und wenn allch in -dem Werke:
,jdie Freimaurerei u. 8. w. nichts als eine falsche
Ansieht nlit strenger Consequenz durchgeführt wäre, so
würde daueibe für den denkenden Maurer schon deswe-
gen wichtig sein, weil er dadurch eine Ausartung der
Maurerei kennen lernte, die in der Geschichte derselben
keiuelwegs nnbeachtet bleiben darf. Dazu kommt aber
noch, dass das Werk die Geschiehte mehrerer mit der'
Freimaurerei in Verbindung gesetzten Orden und die
höhern Grade verschiedener Systeme ,mit einer Vollstän-
digkeit beschreibt, die wenig, oder nichts zu wünscheIl
übrig lässt, und dass es Dinge an das Licht bringt, die,
wena sie auch zur Geschichte menschlicher Verirrungen
~ gehören, doch die Kenntniss des' Zustandes der Maure-
rei ia Europa und- Amerjka b~trächtlich erweitern. Und
so glauben wir unsere obige Behauptung: "dass das
Werk für die Geschichte der Verwandlung der Maure-
rei einen entschiedenen Werth habe," 80 wie die Her-
aUlla~e der vorliegenden teutschen Bearbeitung hinläng-
lich g~rechtfertigt zu haben.
In lien folgenden Anmerkungen werden wir uns übri-
gens blos auf den mau.erischen Inhalt des Buchs be-
schränken und höchst selten nur die theologischen An-
~ 2

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des H4,~rrr& Verfasrerr hrrilrkrichdgf:D. Diez#e


Anskhter: z#2nd zwar UR'kd 'krie:ter ]c.ühn: ahnr nirgends
nrIR und sdlOn: läogz#t non azzfgn-
stellt, aber aunh 'k'OWg Andnm 'bü:&idig wid::rlrgt wOR'delliz.
Es ",Ör0: alro üb0'rftässig, sin zznf:z# N0:Ui0
wollen.
Nur dl±s Gmndrrden dns V nrf., dzzss m::lmaiich dh::
Maurerei eine Relignün rei, werde hier n<)ch mit .,ineül
\Vorte erwahnt. Dass gldch büim Anf:aktrg0s' düs
tuts ein moralischer Zweck, wenü aüch nür üls zzws::iter,
verfolgt wurde, ist erwiesen. Dass ferüer iü einer gü-
wissen Periode die Maurerei die Sache des r4&inenEüaü-
geliums gegen das Papstthum in Schutz nahm, ist eben
so ausgemacht. Gleichwohl hat die Maurerei, als sol-
che" nichts mit der Religion zu thun, so wenig als mit
der Politik. In einem (in "feutschland) weit verbreite-
ten Systeme wird sogar die ausdrückliche Erklärung
gegüben dass der Maurerbund weder ein reiigiö-
er, rkoch ein Ritterorden sei. Jene Grundidee des
Hew'm R ,., de S ,•• ist demnach ein Grundirrthum. Doch
Pkerdiertrt bemerkt zu werden dass er es nicht allein
dPkr üuf diere Weise irrt.
Auch iPk TrutEwhland verwechselten ,bisweilen ein-
uehtre - RrligiolliE n&id Maurerei ohne dass sie
Jr• d[:e,
h·n u:ree
·L
I eI:rreng s±,± wel·t gegangen waren:
"17· ..
,He letzztez#u gUDe URtrd gae aü die Stelle der erstern set-
zzen Zü woUen. So z. B. dhr Loge ZUIIl
FüHboellii in I..ühek iel OCkober 1804 eiu ~khk'4fih0:n:
desfen Inh,z\t sieb mn folgeude lliEwd dl'ehg,e:
"R4&ligifftn ist d::e Zielpmsl{t un4{ des Tdebrad
dq:;r makErerisq:;helli, Ir ~ uüd " Allfft Lq:;gtr::nthä-

::Y
19

tigkeit sei Acht religiösen Sinn berörderlld~" Aber katltm


~ \
war das Schreiben erlassen, als sich auch der wiirdige
Br. J. Schuderoff (Superintendent in ROltmeburg) im
Journal für Freimaurerei. Zweib;n Bandrr n~veiter Hdt,
1805, S.eite f83 nicht snwnhl die in dnmsrlbrn Esusge=
Ayzsh:htrn wid4;rlrgnnd aIr rieviehneltr
richiigrnd und KAlihrr hs&immetrtd, dal~üb#'r rrkiär%:r ,md
dyas V&;rhiiltnirs helder der Rrlighm UOti' drr
zn rinfmd&~r mit der ihm eigrnrn Kh'fhrit
srtZtr. Mawn srbe. at.n4jh din . demselbewili der
jenccrrorzms2ehrndec Abbandluwig i
IfUnber dnr Verhäbnisr drr Maurerc.;i nnm Cbltisirndmm. H
tms nnn fzzlgesod4c knrnr SteUn Im. i
s~ i 8 t "Rs Ert • nergebliche Mühe, dEUEU Chg·istEUnthum
die MaHrerei HU "etablirHH" odEUr HU "rEU&.abliren.'c
in ibneK1l iOtnrf:rc Dzicb"ten ZW4ccke so ver-
sZ2hi+.cderc, wir in ihre" än"s~n TeFzdeHz, und man kann
nich®; EUndEUrs, HIs dii" Beginnrn der Logen, die das
leCer'c??IlIlZ?? lteimewh wc}U,m', für nicbt genug über-
J g , Wrnn man gleich ihrem &inne rur sitt-
lich rnligiösg~ Kubu alle Gerechtigkeit wiederfahren .
Jässt."
W eitlaufiger noch erklärte sich über diesen Ge-
genstand der Br. Krause in: Höbere Vergeistigung der
echt überlieferten Grundsymbole der Freimaurerei in
zwölf Logenvorträgen etc., von Karl Christian Friedr,
Krause, Dresden MDCCCXI Seite 23 wo er sagt:
,~Staat, Kirche und Maurerbund stehen gleich wesentlich
und ursprünglich, gleich fest gegl'iindet; sie bietrn }ich
brüderlich die Hände um die Menschheit ~suf Erde:kA zen
gründen und zu vollenden. Die Kirche e eIs de} BHnd
2~

n; '0' ,( n 10 :>
20
\
der Religiösen, lebt in der. Idee Gottes, und strebt,. die
Menschheit in allen ihren Gliedern und in allen ihren
Lebensäolserongen durch Erkenntniss und Ltebe Gottes
zu veredeln; der Bund der Freimaurer, der Stimme
. der Religion eingedenk, umfaaat die Idee der reinen
. Menschheit,· und arbeitet in geselligem Fleisse, diese
·Idee in jedem Menschen und zuhöchst in allen Menschen
auszuruhren u. s. w."
Daraus geht deutlich hervor, welches der Zweck
der Kirche, und welches der der Freimaurerei ist. Die
Kirche, das heisst hier, die christliche Kirche, -will
Christen bilden; die Freimaurerei Menschen. Da' aber
die allgemeine Bildung zum Menschen in der frühesten
Jugend schon mit der Bildung zum Christen beginnt, .
die Freimaurerei aber den Mann erst in seiner Reife Zu
ihren Hallen zulässt, so ist es natürlich, da.. sie bei
ihren Genossen den christlich religiösen Sinn voraus-
setzen moss. De~n wenn es wahr ist, dass die Frei-
malH'erei für die Kunst angesehen werden muss, als ein
wahrer und ganzer Mpnsch, religiös, tugendhaft und
gesellig im Geiste der Menschheit zu leben; so ist es
auch augenscheinlich, dass sie bei ihren Bekennern jentm
Sinn als ein Element vorfinden muss, wenn sie ihre
Zwecke an ihnen erreichen soll. Nun ist aber nichts
gewisser, als dass dieser religiöse Sinn sich schwerlich
unter uns erhalten würde, wenn es keine sichtbare
Kirche und keine Gotteshäuser gäbe, die für die Be-
wahrerinnen der Gotteserkenntniss und der Wahrheiten
des Evangeliums aMusehen sind, zugleich aber auch
. rur Anstalten, den religiösen Sinn zu wecken, zu pfle-
gen und zu äuuern (Cultus:, und so lange nicht nach-

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11
gewiesen werden wird, - was niemals nacbgewies~n
werden kann, dass die Logen dieselbe Bestimmung
haben, so lange wird es aucb ein eitler Wahn blei-
ben, wenn Jemand Freimaurerei und ReHgion schlecht-
hin verwechselt und in Folge dieser Verwecbselung
den Besuch der Kirche bei einem fleissigen I.. ogen-
besuch für entbehrlich halten sollte;' ein Irrtbum,
gegen welchen sich vor einigen Jahren die s. e. Loge
Ba14uin :sur Linde im Orient v. Leipzig in einem Jo-
hannisscbreiben sehr kräftig erklärte.
Dem zufolge werden tentsche Leser der "Freimau-
ra" wissen, wie .ie da. Streben des Verfassers, die
Maurerei a1. Religion darzustellen, zu beurtbeilen
haben.
Zugleich erhellet aber auch aus denl Bisberigen,
dass es nur ein Missversländniss war, wenn Professor
Stetfens in der Zugabe zu dem zweiten Bande seiner
,.Caricaturen des Heiligsten" der Maurerei ,den Vor-
wurf machte, sie dünke sich iiber-I{ ir c b e und Staat
zn stehen. Man vergl. "Gegen die Angriffe des Pro-
fessor Steifens auf die Freimaurerei. Von vier Mau-
rern." Leipzig bei Brockhaus 1821.

End e der Ei 111 e it u 11 g.

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An m er ku n gen.

Zn dem Erlten CapiteJ.


Ueber den Ursprung der Maurerei lind- aUlser den
in vorstehender Einleitung angeführten Werken von
Krause und Heldmann nachzusehen: Materialien zu ei-
ner kritischen Geschichte der Freimaurerei, von H. C.
Albrecht. Erste Sammlung. Hamburg t 792. Auch ent-
hilt das Constitutionsbnch der rechtmlil8igen und zweek-
förmigen auch gerechten ,und vollkommenen L.oge freier
und angen.ommener Maurer Archimedel zu deo drei
Reissbretern in Altenhurg, höchst Ichätzbare Auf-
schlüsse, ist aber nur "all M~nuscript für Brüder ge-
druckt und deshalb nicht Jedermann zugänglich. '
. Demnächst vergleiche man in der ebenfa))s citirten
Encycloplidie der Freimaurerei von I..enning den Arti-
kel Geschichte.
Eine ziemlich v.ollständige Literatur des beregten
Gegenstandes findet man in demselben Werke unter
dem Artikel Ursprung.
Den, S~ 3, erwllhnten Herrn Smitz kennen wir gar
nicht. Sollte John Smith gemeint sein (er schrieb U,e
and A.6u,e 0/ Free - Ma,onry) , s.o würde ihm etwas
in den Mund gelegt, was er s.o nicht gesagt hat.

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- 23 -

Ueber den, Seite 6, erwähnten Herrn Abbe Gran-


didier erklärt sich Heldmann in: nie drei ältesten ge-
schichtlichen Denkmale u. s. w. (s.o.) Seite 11. also:
"Eine richtigere Ahnung," - nehmlich als Lenoir
und Thomas Payne, - "hatte der Abbe Grandidier"
(man sehe Hi.toire de, culle, et ceremonie, religieu-
,e,. Tom. X. p. 39f in der Ausgabe von Prudhom';'e),
wenn er einen geschichtlichen Zusammenhang der Frei- ,
maurerbrüderschaft mit jener der Steinmezen am, Mün-
sterbau zu Strasburg vermuthet; er irrt aber, wenn er
behauptet, dass erstere aus letzterer hervorgegangen.
Die Strassburger oder vielmehr teutsche Baugesellschaft
war nur ein einzelner Zweig des im Mittelalter über
ganz Europa verbreiteten Instituts der freien Maurer
'Oder Bauleute , die alJenthalben in ähnliche, von ein-
ander unabhängige 'Körperschaften vereinigt, ihre Kunst
nach gleichen Lehren und Grundsätzen übten u. s. w."
Von Seite 9 an, geht der Verfasser zu den ägyp-
tischen Mysterien über und bereitet allmählich den Be-
weis ,vor, dass die Magier Persiens, die Philosophen
Griechenlands, die Priester der Juden - schon vor
, ,
Moses, - von den ägyptischen Priestern ihre Dog-
men', ihre Mysterien und W~enschaften gelernt häUen,
die späterhin auf die Christen und unter diesen auf die
Maurer übergegangen wären.
'Vir können unsern Lesern keinen bessern Rath
geben, als den, dass sie darüber die in' der Zeitschrift
für Freimaure'rei. Altenburg. Jahrgang 1826. Zweites
Hef~. $eite 82.3 u. folg. abgedruckten: B r i e f e, die
Geschichte der Freimaurerei betl'8ffend.
Vom Br.·So-hneider (s.o.) Mitgi. der Loge..

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- 24
Ar"himedes im Orient AJtenbnrg nßcbJ4"s~n
und sorgfältig mit def"% zn denn Weika: " die .~ re i-
maurerei ei'zlihlten Tbatsachen und aufgesteUten
Behauptungen vergI0~kh45n~ IilI dem ersten- Briefe su-
glekh lesen wir folgende merkwürdige Ste])e, die rur
Alle diejenigen belehrend ist weIcht! für die rdauierei
fzifchten, wenn mau ihnen zumuthet, den (~Iauben en
die unmitte!bs±re VerwZlndtFlchaft derselben mit den My-
sterien der alten Welt aufzugeben. Er .:agt nebmlich:
" •• 5" ~ur danu kijnnta di%l KeDE:ltniiis d0'r Mysterien
die Basis des Studiums der Geschichte der Freimaureß'ei
~erden5 wenn zwischen beidel± q:;iü bisl:orischer Zusam-
menhnng ware. Dass diess aber nicht der FilII ist,
dariiber werden jetzt lV f":oige mehi in Zweifel sein,
winwnhl Aehnlicltkeiten zWiSchen bei den Instituten
herfschen, die aus dem \Vesel!) dq:;fselben leicht ~u er-
kl ""
5 aß'en sm. d. Obgleich aber die i"reimanrerei nicht in
dem Zusammenhalig ~IfZ \Vhkmllig zur Ursache mit je-
l!etk Verbindungen steht, so bleibt es doch a.llerdings
eine erfreuliche und beh'hrend,l 'E;.Ischeinung, da,,"s sich
f15UkS dez'_ Natur j5mer Mysterien und deI" Maurerei zeigen,

lässt! dass Men!!chen, diq:; liuf °q:;hleig gewissen Standpuilct


deli Cultur sieh edlOben hatten, dasselbe Bedürfniss em-
pfanden, das uns in Uß!'!enl HaUgm v4'lrainigt ki. w."

rum aeeh"ten dieser Briefe beginnt die Darstellung


tier ägyptischen MY!i!tefian~

Zu dem Zweiten Capitel.


ZR! dei' Stelle Seite 25. "Die alten Schriftsteller
8cheinen . u, s. w~" vergleieha mtln Schneiders Briefe
aln anger. Ürte. Seite 163 - 165.

r __ 1 -
- - ., -
- 25 -
Auf welche Stelle sich das, Seite 23 befindliche
eitat: &1111I1t. PAil. C. 4 beziehen soll, ist uns unbe-
kannt:

Zu dem Vi,erten Capitel.


Seite 57 macht der Hr. Verf. die Bemerkung, dasss
wer mit statistischen Berechnungen vertraut sei, die
Zabl der, nach 2. B. MOB. Cap. 12, V. 37, aUB Aegyp-
ten ausgezogenen streitbaren Juden für übertrieben hal- •
ten mtisse, und setzt hinzu: "Man hat Grund zu· glan-
ben, dass bei den Abschreibern der Bibel ein Irrthum
in den Zahlen vorgegangen ist, und dass die Juden
6000 statt 600,000- Mann gewesen sein mögen."
Es drängen sich bierbei dem Forscher allerdings
zwei Fragen auf, deren Beantwortung nicht ganz leicht
zu sein scheint. Die erste: Wie war es möglich, dass
die Nachkommenschaft von nicht mehr als siehzig Men-
schen in vierhundert und dreissig Jahren zu einer so
grossen Zahl anwachsen konnte 1 .Und die zweite:
Hatte eine 1I0lche Menge in Unterägypten neben den
eingebomen Aegyptem Raum genug1 Auf die erste
-Frage antwortet Michaelis in seinen Noten zu der ge-
nannten Stelle im zweiten Buch Moses Folgendes: "Ehe-
bündnisse wurden. bei den Agyptern sehr zeitig ge-
schlossen, indem die Mannb.rkeit beider Geschlechter
weit früher eintrat, als dieu in unsern Gegenden zu
geschehen pflegt. Auch heutzutage verheirathen sich
die .meisten Orientalen im dreizehnten. bis funfzehnten
Lebensjahre. Man vergleiche Niebuhr Beschreibung von
Arabien, Seite 72. Hierzu kommt noch, dass damals
die Israeliten länger gelebt und ihr Alter meistens auf

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- 28 -
bundert Jabre gebracbt zu haben scheinen, sowie, dass
die ibnen damals noch nicbt verbot~me Polygamie nicbt
wenig zu ihrer Vermebrung beitragen konnte. Ferner
bezeugen mehrere sowohl alte als neuere'Schriftsteller,
dass die Frucbtbark~it der Frauen in Aegypten weit
grösser sei, als die der Bewohnerinnen andrer Gegen-
den, ein Umstand, welchen sie dem Wasser des Nil.
zuschreiben. Endlich darf nicht unbemel'kt bleiben,
dass das jüdische Volk während der ganzen Dauer
seines Aufenthaltes in Aegypten nicht ei n ID al von, der
Pest, vom Kriege oder einer Hungersnoth heimgesucht
und mithin das Anwacbsen desselben auf keinerlei
Weise gehemmt wurde, Was dagegen die Beantwor-
tung der zweiten Frage betrifft, wie nehmlich eine
solche Menschenmenge neben den Eingebornen Raum
genug in Unterägypten haben konnte; 80 mnss man
,wissen, dass Aegypten in den damaligen Zeiten überaus
fruchtbar und desltalb auch bei weitem bevölkerter
war, als irgend ein 'Land der alten Welt. Dann aber
darf man nicht vergessen, dass sich aus ,1. B. der Chro-
nik Cap.8, V. 21, ziemlich sicher auf eine weite Ver-
breitung der Israeliten in der Pelusischen Wüste zwi-
schen Gosen und Palästina schliessen lässt.
Demnach liesse sich die Vermehrung des Volks in
der Art, wie sie 'in der heiligen Schrift angegeben
wird, wohl annehmen. 'Allein es sind noch andre
Grunde vorhanden , aus welchen die in der Bibel' an-
gegebene Z~hl keineswegs übertrieben zu sein scheint.
\Venn man nehmlich die Erzählung 2 B. Mos. Cap. t,
V. 6 -10, genau beachtet, so enthält sie selbst einen
Beweis für die ausserordentliche Vermehrnng der Is..

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- 27
raeliten. Es beisst daselbst: V.· 6. ., Da nun Joseph
gestorben war und alle seine B~der, und alle, die zu
der Zeit gelebt batten; V. 7, wuchsen die Kinder Is-
rael, und zeugeten Kinder und mebreten sich, und
wurden ihrer sehr viel, dass ihrer das Land voll ward.
V. 8. Da kam ein ueuer König auf in Aegypten, der
wusste nichts von losepb, V:. 9, und spracb zu seinem
Volke: Siebe, des Volks der Kinder Israel ist
vi~l, und .eir, delln tlJir. V. 10. Woblan, wir
wollen sie mit List dämpfen, dass ihrer nicht so viel
werden. Denn, wo sieb ein ~rieg erhöbe, möchten
sie sieb auch zu unsern Fe!nden schlagen und wider
uns streiten, und zum Lande ..usziehen."
Der König also (beiläufig gesagt, nach Manetbo,
man sehe Jo,epiu, cOlltra Apione. I. L, einer jener
Hirtenkönige, welche später in Agypten einfielen ),
machte die Bemerkung: "des Volks der Kinder Israel
ist viel, und ,mehr,.denn wir" (sollte die Gesammt-
sahl der Aegypter sich no c h nie h t auf sechstausend
belaufen haben H -) und äusserte die Bedenklichkeit,
dass sie im Falle eines Kriegs, dem Feinde einen be-
deutenden Vorschub leisten könnten. Aber weder zu
jener Bemerkung noch zu dieser Befürchtung hätten die
Israeliten gegründete Ursache geben können, wenn ih-
rer nicht mehr gewesen wären, als sechstausend. Und
giebt man auch zu, dass der König nicht gerade der
Worte sich hedient habe, die ihm in der angezogenen
Stelle in den Mund gelegt werden, so ist es doch un-
widersprechliche Thatsache, dass alle jene Bedrückun- .
gen des hebrliischen Volks keinen andern Grund hat-
ten, als die Furcht vor ein" Uebermacht, wel~e das..

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- 28
leibe miSglicberweile über die Aegypter gewinnen.
konnte. Der König beschlo81 daher, lie mit List zu
dämpfen; - abermals eine Muuegel, die bei ange-
flihr sechstauund Mann nicht nöthig gewesen wiire,
indem diese allenfalli mit offenbarer Gewalt hlltten un-
terdriickt werden können. .
Einem andern nicht .,ainder kräftigen Beweil für
die grosse Vermehrung der Israeliten in Aegypten, lie-
fert die von Josua niedergescbriebene Geschichte der
Kriege, welche jene vor der Belitznahme CMaanl zu
führen genötbigt waren. Dal 12. Capitel J08uU nennt
ein und dreissig Könige und Völkerscbaften, mit wel..
chen die Israeliten kämpfen mussten. Wie bald hätten
sie bei den in Kriegen unvermeidlichen Verlosten an
Mannscbaft bis aof nichts zusammenschmelzen mÖ,lIen,
wenn ihre Bämmtlichen Streitkräfte nur aus sechstau.
send Mann bestanden hätten.
Und wie wäre es einer so kleinen Anzahl Men-
scben selbst bei d~n wunderbarsten Siegen über zahl-
reicbe und mächtige Feinde möglich gewesen, das weit-
Illuftige Can~an zo besetzen und zu behaupten l
Zu S. 57. Die Erwähnung Sanehoniathons giebt
uns Gelegenheit auf eine ihrem Umfange nach, zwar
kleine, aber inhaltreiche und .sebr belf.'hrende Schrift
aufmerksam zu machen I die den Titel führt: Salldo-.
,.iatAonai Berytii fuae feru.tur, frugme.ta de Co,-
mogonia et TAeologia Plloenic"1II, graece "er," "
PM/oue BgMio, ,ertJut" ab Eu,ebio Caelurie1tli, 1+ae-
paratioui, e"augelicae lwro I. Cup. JlI eI JlII graece
eI laline I recogno,,'t, emenduvit, ROU, ,eleem Sca- .
tigerä, Bockart;, G. J. Jlol8ii, Cumberlandi, alioru.-

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29 -
-gtIB petW"ltOf'flIß,.hp'anitnad"erlioni6t11 ill~'tra"it
-JO& Conrad1u Orelli,,' Paroclu, "d te.pl"".
Spirit.i Saneti et Collegii Carolini Turieenli, Caao-
-nicu,. Lip'Üle MDCCCXXJTI. ,ulllti6., J. C. Hin-
ncA,... In di-eser Schrift finden die Leier ziemlich alle
Meinungen der Gelehrten- über Sanchoniathon zusalll-
mengestellt und kritisch geprüft, auch die demselben
zugeschriebenen Fra,gmeiite mit dem, Herra Orelli eig.
nen Scharfsinn erläutert.
Zu Seite 59 bemerken wir, dass die mOlawche Er-
zählung von den Wachteln sich nicht wie d()rt 'ange-
geben ist, 3. MOl. 13 V. 31, sondern im 4. B. MOl. Cap,
-u, V. 31 u. 32, findet. Uebrigens be weilst der Herr
Verf88l8r durch seine Bemerkung a. 8._ O. dass er kein
guter Exegt;t ist; er würde sonst ohne Zweifel gewusst
haben., dass die berühmtesten teutschen Gelehrten schon
längst nachgewiesen haben, dass hier von keinem Scheffel
oder einem ähnlichen llaass die Rede sein kann, we,l es
wohl mit Besimoltheit angenominen werden kann, ddSI
-man nirgends Vögel auf eine solche Weise gemessen hat.
Wie viel aber auch immerhin dieser Geschöpfe gesam-
melt worden lein mögen, so darf man nicht vergessen,
dass "nicht jeder einzelne Israelit so viel hatte, son-
dern nur jeder Hausvater für seine Familie." Man
sehe: "Bibelcommentar zum Handgebrauch für Predi-
ger, Schullehrer und Layen nach den jetzigen Inter-
pretationsgrundsätzen , ausgearbeitet von einer Gesell-
. schaft von Gelehrten. Altenburg bei Richter. Erster
-Band S. 288.
Seife 73 und 74 sagt der Herr Verfasser, Mo-
llaS habe sich, um das böse Princip zu bezeichnen.

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- 30

genöthigt gesehen, dasselbe Wort zu gebrauchen J des-


sen sich die Aegypter bedient hätten, je·doch mit der
kleinen Veränderung, dass er zwei Bochstaben v;netzt
ond aus dem ägyptischen Typhon seinen Python ge-
macht habe. Er beruft &ich dabei aof die Stelle 5. B:Mos.
Capa 18, V. tO. t t. Inde.. enthält der hebräische Text
keine Spur von diesem Python und es lässt sich daher
vermutheil , dass· Hr. R. de S. durch irgend eine on-
treue Uebersetzung verleitet worden ist, dem Moses
diese Bezugnahme auf den Ilgptischen Typhon anzu-
dichten.
Hierbei halten wir es für unsre Schuldigkeit, den
Leser das Nöthige über diese beiden Wesen mitzuthei-
len, bemerken aber, da.ss, da die Mythen der Aegyp,
ter. Griechen o. A. häufig in einander laufen, es dem
tiefer Forschenden überlassen bleibt, das auszusondern,
was ursprünglich jedem -Volke eigenthümlich zugehört.
Typ hon war eine ägyptische Gottheit, vom Kro-
nos, mit der Gemahlin des Helias, Rhea, in unerlau,b-
tem Umgange erzeugt und daher ein Broder des OBi-
ris, Arueris, der lais und Nephthys, welche sämmtlich
gleichen Ursprungs waren. (So erzählt wenigstens Plu-
tarch ; nach Diodorus hingegen waren Osiris , Isis,
Typhon, Apollo ond Aphrodite Kinder des Zen und
der Here.)
Helias, der seine untreue Gemahlin überrascht
hatte, verurtheilte sie, weder in einem Jahre, noch in
einem Monate gebären zu können. Ein andrer ihrer
Liebhaber, Hermes, half ihr jedoch. Er gewann nehm-
,lich dem Monde im Würfelspiel den 72sten Theil je-
des Tages ab und schenkte ihr diese \6.l =5 ganze

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-.- 31 -

Tage, die nun den Aegyptern als Schalttage zur Er-


füllung des Jahres dienten. Am dritten derselben
wurde Typhon geboren. Dieser suchte seinen Bruder
Osiris, der Aegypten beherrschte, zu stürzen, wurde
aber von der bis, die die Gemahlin des Letztern ge-
worden war, lange Zeit daran verhindert, bis es ihm
endlich gelang, ihn in einen Kasten zu sperren und in
den Nil zu werfen. Dieser Kasten war indesseB un-
weit Byblos an das Land geschwommen und von ei-
nern GestIliuch aufgehalten worden, aus welchem ein
herrlicher Baum erwuchs~ der jenen vc'iUig umschloss.
Der König liess den Baum umhauen und zu einem
Pfeiler im Pallast bearbeiten, wo die Isis den Kasten
entdeckte und entwendete. Typhon aber bemächtigte
sich des Leichnams und zerriss ihn in 14 Stücke. End-
lich wurde er von Horus, dem jüngsten Sohne des Osi-
ris und der bis überwunden und der letztern in Fesseln
zugesandt. Diese liess ihn jedoch wieder frei; der
Krieg begann von Neuem; Python wurde zum zweiten-
male geschlagen, entflohe aber und verbarg sich in
dem See Serbonis der deswegen ~er Typhonische ge-
nann.t wurde. Auch über diese Flucht sind die Sagen
verschieden. Ueberall tritt Typhon als das böse Prin-
cip hervor; deshalb 'Waren ih~ alle verhassten und un-
reinen Thiere. geweiht. Der Typhon der' Griechen
war mit wenigen Umänderungen fast ganz aus ägypti-
schen Ideen gebildet.
Python hingegen ist nach der Mythologie der
Drache, welcher aus dem von der Deukalionischen Ue-
berschwemmung zurückgebliebenen Schlamme entspros-
sen, bei Crissa am ParnusU8 seine Wohnung. hl)tfe

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- 32 -

nmd ilIpäteilIhin ,:ler newilIhrer deI delphischen nra-


hilIls TIilIurdilI, Ua wrsilIste ea Vars dilIEIT"k S"hnBE'
Latonens getödtet werden würde, so verfolgte er diese,
A polio aber kaum geboren I erlegte ihn dennoch und
hilImäilIhtig~ilI BiilIh hilIS UilIakilIls, VOrs welilIhem er ders
Namen des Pythischen (Besiehers des Python be
kam. Da in der Mythologie fast Alles Allegorie ist,
ist g,S rsnilIht rsnwrshrsilI"einlieeh, dass dieilIilIz' MythoilI dia
Ke~afi der Smme iiber die rsach eimer UebilIilIilIch"ilIeem~
mung entstandenen schädliched Dünste versinnbiIden

ilIufdge die mir heitilI 7-1 lilIsen


weise Vorschrift (die nehmlich Moses gegeben hattee
UeJdlen nie;"t nllilen we,zde durch die Sti:ltung
dar jiidiscb4:en aufbehzeben weUhe rsach ihm
in Menge auftraten" scheint der Herr Verfasser keine
groue Achtung vor den Propheten zu haben, und sie
diiES KiESiiESgorie diESr WeehrsadiESr iES4:etzee& zrs
wollen. Um den unkundigen Leser vor der AnnghmiES
des Irrthums zu bewahren, der hier ausgesprochen
TIilIird sei eeS emS diESS E"iliEHzu-
theilen, was einer unsrer heistriESichrien UheriES Thzdo-
gen, Eie h ho rn, in seiner Einleitung ins Alte TeSla.
miESnt dH. ~nhiESil I. "13
RkhtUiESg, die MoseeiES seirsem in Uüchichi auY
Prophete~ und Orakel gab,
BiEStreff dieree"ili pemctiESiES sagz:
Als MOZiES fUI dez& kUnftigiESD den HebiESäeiES
in Arabien Qesetze entwarf I hatte der Orient schon
2eerae&44&e niESit die nildung empfangen, die vor dem Ur·
OZ'iESkel heiESilebiESwR mR&iESstiES und Uor-
33
4hsrFlii4iFliFli, whi4 Aegypte00, WFlird in alJgemf'!inen
und hesondern Angelegenheitf'n durch Göttersprüche
und Propheten geleitet. In Aegyplen mischte00 die Pr,? -
-phet00n ein00 ZURift i40n PriFlist00rn aus, • Wie
bra00l i4plH000h?n mit Flidueu NasshbFlirn königliche Würde
gemein "aLpn woUte: so würde es ihnen gewiss aoch
nicht in Ilücksicht aofsolche irdiE4che StFlillueE4trE4teE4 der
(~00uheEt hahe00 n00chs&uhfsn wuUFlin, Wie ftutk d00s Herz
d,ts Vs,lku uchou daUlialt 00n Wabrsagern und Verkun.
digern der Zukunft hing I zeigt jedes Blatt der letzt00n
Bücher Mosis,"
"Diss des Volks W00r i00 die,elii i"unc.t ge-
fähdHl. Uebergiog Mose in seiner Constitution die
Propbeten, so war leicht abzusehen da,s d00S Vsslk
s00lbtt über 100ng 0sd00r kurz dies00 Lüd'00 00r00el00('00 U00ft
sRuh sUEo00n N"00chbJsrn gleiuh muc!.eu wiirde .. oder Ver-
fübrer und Phantasien konnten sich zo Demagogen aof-
werfen, und wie leicht konnte nissht dU0Ch u%sl"be
sislb,hsrwählt%s Führe0 M%s8i~ Grsmdg%sseiZ VfsD ESn%s1n
ssmergrebssn wurdun. • • . • •• Daber rieth es
die Klugheit durch Gesetze und Einschränkungen aMen
künftigen Verführern in so weit %so hegegn00n %sls efz
hs de0 Gewah %sims. GFlisetzgeberFli , dag4sg00D aber
i0UchP00tr4sstun und wei8~ Männer mit dem' Anseben
und der Sicherheit zu ~aifnens die rechtachatfeOJ4ft Fi'!h~
rern des Volks usseutbnh0li"h wnT."
"V"n Zdt zn ZS4i~, Fliagt Zfh,se, würden unter sei-
ner Nnthsn weise Männer, oder :Stellvertreter der Gott- .
heil erwachen und diesen ihren Vertrauten s00llte Jedeu
aein Ohr iiff"en (5.8. Mns. C"p, 18, V. tä~22). Da~
gegen v4srbietet elf mit St,eilgil j,'g00"d eineHE \Vahrsager
IV. 3
-34 -
oder Zeiehendeuter zu dulden, und wer so eines Be-
truges überwiesen war, sollte sein Verbrechen mit dem
Tode büssen. _. - Was gab es aber für untrügliche
Zeichen, an denen man den wahren' Vertrauten Gottes
vom Betrüger unterscheiden konnte 1 "
" Hierüber gab der Gesetzgeber selbst dadurch
hinlängliche Auskunft, dass er genau bestimmte, was
ein solcher Lehrer vortragen, wozu er ermahnen und
wovor er warnen werde. Vor seinem Tode auf dem
Berge machte er den Prototypus aller künftigen Orakel
bekannt und brachte die Schicksale seinee Volks in
- ein langes Gemälde, wie er ~ie leider! nnr allzu wahr
voraus ahnete. Diese darfa .a8'"a sollten die Pro-
pheten von .Zeit zu Zeit wiederholen, erklären, erläll-
tam; seine Drohnnge.n sollten sie auf die jedesmaligen
Zeitumstände anwenden; in sein allgemeiDes Orakel
S911te jeder Prophet die Laster und Gefahren seiner
Zeit eintragen. • • • ."
"Dabei verstand es sich von leibst, dass solche
Vertraute der· Gottheit Beschützer und V ertheidiger der
(jJlUndfesten der mosaischen Constitution sein mussten.'
• • . . •. So lange demnach ein vorgeblicher Prophet
die Lehre VOD Einem Gott nicht blos unangetastet liess,
sondern sie in seinen Volksreden öffentlioh anpriess und
vertheidigte; und so lange er nicht überwiesen wer~en
konnte, dass er das Volk durch falsohe, uberfüllt ge-
bliebene Ahnungen getäuscht .habe, so lange musste
man ihn für einen Boten halten, den Gott seinem Volke
zum. Schutzengel besi~mt' habe. "
"Diesen weisen Einrichtungen Mosia verdanken wir
unsern Jesaias und die ganze Reihe der DOch. vorha..

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- 36 -
denen hebrllischen Orakel. Non konnten Patrioten und
weise Männer ohne alle Gefohr gegen ein verderbtes
Volk und lasterhafte Könige ihre Stimmen ötfel)tlich
erheben, u.nd mit Sicherheit dem Strome der Lalter
sich entgegensetzen • • und wenn es nötbig war, Un'!'
t~ga"g und V tsrderben dr4)h~n. • • • • ."
.t Hieraus ergitl~t "iob 81~, WI:\S U~er (Ien He,.
JaJ'4ie(o Propheten ware,. Sie w~n W~.e de,l' V or-
welt, die lieh dlU'eh Ver.tl:\nd und Men.che~kenntqias.,
durch Talente 1l0d. Erfahrungen ü~er die Wil~heit ih-
rer Zeiten hoch erhoben; gute, fromme Männer, die
sich dem Str!lfD .4es einr.eisllende!! Ver~erbens mit Muth
entgegensetzten; Eiferer für Wahrheit, Tugend und
ReligioD; Stimmen an Volk und Klinig, wenD Alles
1n einem TodtenschlUininer lag. Sie wate. Bescbfitz~t
und Vertreter dei' mosaischen GeseOle ~ • • • • Selhulz-
engel, welche dle"orsebung in bedenklich6n bl\d tra'\k':'
rigen Lagen dem Volk und dem KÖDig~ zut Seit~ tre"
ten liess; • . • Männe.. von hohein Geist, die hlU ~I­
nem Adlerblick das Gegenwärtige umfassten, limdie
Folgen zu ahnen, die daraus hervorgehen würden; -
und durch dle.. A)les wilten sie Werkzeuge in der
HQd der. Yo.--.e.bWIl8'l tlqrt)t die' si., ~ie "oClh .1IMUfge-
kläde Walt -'llt'k,l.ifbt" ". • • • • wlidcb_ der ~I\n~
B~igiOil M4IIIia .UmIIlUcbeh.e .8eist'ige~ Ri,htunl ".IJ"
get..en Hahten·., tQß d.... enlCbUchenVer~(,nd fll~ib·
lieb zu einer g.nz g~g~ VQr,~bere\Hmt u .... W,'f
Vergleichen wir mh dlft.e8 ,.uf hiMQfil'cb..... Gr~~dAt
bN...b.QdeDA~üo"ten ~i_ ob~QI:\"gefqh~t4i! Ae"uer\lDMiCI,.

L...... wf••
ßv,a Verfasse., 80 .•Pfibgl der .rr.d\qw... i __ we1cl\t\ID d,e,a:
gn i't. ,,~n llelbllt'pcU.e A~gen.
. 3-

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38

,Zu dem Fünften Capitel.


Zu Seite 78. Balalk _!lila; (ülaJf IltJaTa,) war
eigentlich der 'zweite Tag des Eleusinischen Feites, der
t 6, Bondromioll.
Das eherne Handfass" ,!elcbes un,streitig der Herr
Verf. unter dem ehernen ~eere meint, war unprüng-
lich zur Reinigung für Aaron und seine Söhne bestimmt,
wenn sie in die Hütte des Stifts treten. oder am Altare
räuchern wollten. S. 2. B. Mos. Cap. 30, V.. 18 u. folg.

Zu dem Rechsten Capitel.


Seite t06. Der Schlange, von welcher hier die
Rede ist (inu;n~). erwiesen die Jnden bis auf die Zeiten'
., -I

des Königs, Hiskiah abgöttische Verehrung. Dieser


aber, ein Feind der heidnischen Abgötterei Iiess sie
zertrümmern und suchte überhaupt auf alle Weise den
Götzendienst zn v~rdrängen. Man sehe 2. B. d. Kön. '
Cap. t8, V. 4.

Zu dem Siebenten Capitel.


Seite 116. Der Herr Verr. geht offenbar zu weit,
wenn ,er mit Verwerfung alles hi.torischen Glaubens,
auch die Hauptdata der eVllngelischen Ge,schichte in das
Reich der Mythen verweisen wilL In dem auferstande-
nen Jesus das Bild der Sonne ll'iedererkennen zu wol-
len, ist. bei allem Zusammenhang heiliger und profaner
Mythen, ein eben so nichtiges als, gewagtes Unterneh-
JD~n und wir enthalten uns daher jeder Widerlegung
um so mehr, da es aus dem ganzen Werke hervorgeht.

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87
wie oft der Herr Verfaaer das weBiger oder gar nicbt
Zusammengehörige in Verbindung zu bringen bem~bt ist•.
Die, Seite t 17 aUI dem Propheten Amos, Cap. 7, V,8,
ang~führte Stelle ist allerdings merkwürdig, mulIS aber
jedenfalls anders erklärt werden, als el von französi-
schen Theologen geschehen ist. Der erste Theil des
Capitels, vom t. bis zum 9. Verse entbält die Androhung
der Strafen, welche tUe Israeliten zu erwarten batten:
Heuschrecken, Feuer und die Bleiscbnur. Letztre, irR
.,...
Hebräischen ~~It von den französischen Bibelübersetzern
unrichtig durch tNlelle, Maurerkelle, wiedergegeben,
ist eine Hindeutu~g aof die Zerstörong, die der abtrün-
nige Staat erfahren sollte. Lother hat übersetzt: "Siehe,
ich will eine BJeiscbnur ziehen mitten durch mein Volk
Inael und ihm nicbt mehr übersehen; sondern die Höhen
laaac lollen verwüstet und die Kirchen Israels verstö-
ret werden; und ich will mit dem Scbwerdte mich übel'
daa Haos Jerobeam machen." Der Sinn ist nehmlich
kein andrer, als der : Was nach der Ble~scbnur gebaut
ist, was herrlich und schön aufgerichtet ist, das soll
wieder in Trümmer stürzen und nach genaDer Mes-
- . "Hg soll AllelI. zerstört werden. W RS regelmässig her-
gestellt ist, soll io einer regelmässigen Verbeerong wie-
der untergehen .. - Doch gesteben wir, eine Hindeutung
auf die Mysterien .bi~J; nicht finden zu können, aIß
wenigsten aber ei~e Anspielong auf - Maurerei.
Die allgemeine Be.eichnung "Bibel" deren sicb der
Herr Verf.. .fallt unausgesetzt bedient, wenn er von den
heiligen Schrilten der Hebräer spricht, macht, dass mall
lieh nicht füglich mit ihm' in einen Streit über ihren
Ursprung und ihr Alter einlassen kann. Dass es untel'

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38 ' -

c!iesen 8ehtlften auch 80lthe pbt, eile erst laugi' nlleh


Moses abgefaRt wtirden, Ist bekabht. Aber et.en so
ist alleh der Irrthurn IlIngst berichtigt, welotier- den
I Ursprung erweislich sehr alter Bücher in eine jüngere
Zeit versetzt, Wir glauben uns darüber nicht weitläu-
fig verbreiten zu dürfen.
Die Stelle bei Vofuey (Die Ruinen. Aus deni Franz.
des Herrn von Volney, Berlin t792 bei Vieweg dem
Aelt.) Ruf welche sich die Aeusserotlg S. tt2bezleht,
findet sich in dem gedachten ".erke So t65, womit
die 28. Note, 8. 25 im Anhang zu vei'gleiehen ist.
Seite 228 und 129 scheint sich der Herr Verf. zu
widersprechen. Er meint, dass die Ich te n Werke
Moses vet:l~ren gegangen seien, weil in diesen sieb
offenbar die Spuren der Ihm unter den IIgyptischen
Priestern zn Theitgewo'rdenen Er~hung urid nament..
lich Spuren seiner astronomischen Kenntnisse hUtten
finden müssen. Nnn behauptet er aber ferner, jene
Schriften hätten tim so leichter verlol'en gehen können;
da diefsraeliten mehrere Mate aus ihrem Lande Yel'wie-
sen worden wären, die Bewahrer di'eser heiliger; Werlte
aber sie vor dem zur Abgötterei genei'gten Volke. ver-
b~rgen gemusst hiltten, um dasselbe nicht mit der Theo-
rie des Laufs der Gestirne bekannt werden zu lassen,
weil zu befürchten gewesen wäre, dass es dann in die
Irrthümer des Sabliismus zurückfallen würde." Wir
llil1gnen es nicht, das es uns schwer wird, hier den
richtigen 'Zusammenhang zu finden. Warum s~lIte man
annehmen, dass Moses Dinge niedergt'schrieben hätte,
deren Bekanntwerden so gefährlich werden konnte'
Warum soUte man nicht lieber gla~ben, dass der weise

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I

39
Föhrer l8ines Volks ein demselben vielmehr unschlid-
liches, oder bel1ser, nützliches Buch verfasst habe,- wo-
bei sich die Hinwegl.ssung des für dieses Volk nicht
Passenden, nicht nur vollständig erklären, sondern auch
vertheidigen liesse. Wir nehmen keinen Anstand, es
auou.prechen , dass zur Beg.;indung der Hypothesen
des Herrn Verf. weit mehr Scbarfsinn hätte aufgewen-
det werden müssen, als derselbe in seinem RaisoDne-
ment gezeigt hat. So fallen. auch die' Seite 124 gegen
die Wissenschaft des Moses gemachten Einwendungen
sämmtlicb hinweg, wenn man die daselbst angefochtene
Anordimng des Firmaments, der Sonne, des· Mondes,.
der Sterne u. s. w. für eine poetische Daritellung
nimmt, wie dieu unsere besten Exegeten längst gethan
haben.
Wenn der Herr Ven. Seite 126 die Priester ana-
rer Tage besChuldigt, sie suchten fortwährend die Lö-
sung des berüchtigten Problems Archimedes' u. s. w. -
so scheiut uns dieser Satz etwas scliielend. Arcbimedes
hatte geäussert, dass er die Erde umdrehen wollen,
wenn man ibm einen Punet ausserderselben gibe, wo
er stehen könne. Diese Aeusserung war die }'olge
seines Vertrauens auf die ausserordentlichen Wirkungen
seiner Maschinen, -die seine Zeitgenossen lind vielleicht
ihn selbst 1I,m so mehr in Erstaunen setzten, _da die
praktiscbe Mecbanik damals, - wenigstens einer eben
nicht schlecbt begründeten Vermuthung zufolge, - eine
völlig neue Wissenscbaft war. Allf gleiche Weise meint
nun der Herr Verf. hätten die Priester sicb eines idea-
.
lischen Punctes im Himmel bemächtigt, um die Weh
.
za ihrem Vortheil in Bewegung zu seti:en.

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"'0
S. 129 scheint durth die Worte: ,,- ein Lamm
für die Sündp, das andre als Brandopfer, das Scbar für
das Verhrecben - " der Unterschied angedf'utet werden
zu sollen, welcber zwischen den Worten: neet~'l und
~M.. Sündopfer und Scbuldopfer statt findet. Man sehe
hierüber 3. B. Mos. Cap. 6, V.25-30. Cap.7, V.I -10
und Warnekros hebräische Altertbülller Seite f5t und
ro~gende.
Es wire übrigens zu wünschen, da.s es dem Herrn
Verf. gefallen hahen möchte,. die, S. 130, erwähnten
heiligen Bücher der Levite.n näber zu bazeich-
nen und seine Uebersetzung des Namens Thubalkain
durch Besitz der Welt, zu rechtfertigen.
·S. t31 scheint uns der Ausdruck "d ie Mau r e rei
S al 0 mo s" zu gewagt zu sein; denn selbst, wenn es
erwiesen wllre, dass Salomo an den Mysterien der
Alten Tbeil genommen, oder selbst dergleichen gestif-
tet hätte, so wäre man dadurch doch lange noch nicht
berechtigt, Maurerei in denselben zu sucben.
S. 132. Allerdings wird man überrascht, weDn
man erfährt, dass französiscbe Gelehrt.. , nicht nur die
Erzäblung voh Hiram als eine der .ältesten Formen von
der in die Maorerternpel eingefü hrten Pers~­
n ifi c a ti 0 n der' So n n e betrachten, sondern sogar
diesen - My t h u s - in der Erzählung von dem Lei-
den' und dem Tode Jesu Christi wiederzufinden meinen.
Wir sehen hier ein merkwürdiges Beispiel jener Ver-
wegenbeit, mit welcher biHweilen Hypothesen aufgebaut
werden,: ohne dass sicb aoch lOur ein einzig~ leidlicber
Grund dafür auffinden liesse. . Zugieicb kann &ber obige
Meinung aucb 811 einen. Beweise dafür dienen, in welche

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41

tbörichte Trilumereien diejenigen maureriscben Schrift-


steller versinken, die sich durcb zutlillige Aehnlichkei-
ten verleiten las.en, da, wo sie diese finden, eine Ver-
wandtscbaft anzunehmen und so die Maurerei mit Din-
geu in Vorbindung zu bringen, welche von deneIben
glnzlich verschieden, ja ihr vielleicht geradezu entge..
gengeletzt und daher mit ihr völlig unvereinbar sind.
S. 133. In welchem Sinne bier AdCJnhiram der
Held der Babyionier genannt wird, ist nicht ganz klar.
In einigen böbern Graden wird dieser Name dem Kö-
nige Hiram selbst gegeben, in andern hingegen dem
Freund und Nachfolger desselben, nach seiner Ermor-
dung, beigelegt. Oft aber werden die Namen Hirarn
(Huram~, Hiram-Abbif und Adonhiram abwechselnd dem
Baumeister des Königs gegeben. Uebrigens bedeutet
Adonhiram soviel als erhabener Meister, oder Herr.
S. 136. Maa würde sich täuschen, wenn man die
auf dieser Seite unten gemachte Bemerkung, "dass die
ägyptische Einweihung ganz die der heutigen :Freimaurer
sei," auf das blosse Wort des Herrn Verfassers ohne
Weiteres für wahr annehmen wollte. Es sei uns erlaubt,
hier ein für allemal unsre Ansicht über die von ihm,
oft mit grossem Scharfsinn ~ufgefundenen ;Aehnlichkei-
ten zwischen den alten und' neuen ~ysterien darzulegen.
Zuvördent läugnen wir nicht; dass bei den Aegyptern,
Hebräern, (Essenern und Therapeuten) Griechen, (Py-
thagoräern etc.), FOfmen und Gebräuche vorkommen,
die sich in der Freimaurerei zu wiederbolen scbeinen;
aber, wir balten es für eioe grosse Voreiligkeit, dar-
aus den Schluss zu ziehen, dass jene uomittelbar aus
den M.)'sterien der genannten Völker herzuleiten sei.

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Einmal lind di ..e A&hnlichkeiten, wenn sie auch
bei der erlten Entdeckung etwas überraloben lollten,
in der That nicht so gross, ..Js es Manchem geschienen
baben lAag. Man kann sich leicht davoR überzeugen,
wenn man z. B. die Einweihung in die Igyptischen Myste-
rien liest, wie dieselbe mit grosser Genauigkeit und mit
kritischer Benntzung vieler hierhergehörigen SteUen aua
alten Schriftstellern in: "Der Mystagog, oder vom
Ursprung und Entstehung aller Mysterien
und Hieroglyphen der Alten, welche auf die
J:t'reimaurerei Bezng haben, aUI den ältesten
Quellen hergeleitet und aufgesucht von ei-
nem ächten «'reimaurer. Osnabrflck uodHamm
t789 Seite 41 -74" beschrieben ist; oder wenn man
des gelehrten Bellermann's, in Berlin, Schrift vergleie~t, .
die er im Jabre 1821 unter dem Titel: Geschicht-
liche Nachrichten aus dem Alterthume über
Euler und Therapeuten, von Job. Joach.
Belle.rmann, Doctor der Theologie und Phi-
losophie, Consistorialrath, Direct. des Berl.
K Ö 11 n. Gy m n a s i ums, bei Maurer herausgab.
Z w ei te n s aber fallen· ane die Beweise, die 11180
für die Verwandtschaft der Manrerei mit den vorchriat-
lichen Mysterien aufzustellen, sich nicht selten viel Mühe
gegeben 'hat, sogleich über den Haufen, wenn man sie .
an der Hand der Geschichte untersueht, Die Briider
Schröder in Hamburg, Schneider in Altenburg , Krause
in Uresden , Heldmann in Bern, haben es unwiderleg-
lich dargethan, dass die Freimaurerei aus den alten
römischen Ballcorporationen in Britannien und lIwar in
den eraten christliohen Jahrhunderten antataoden iat.

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43

Wi, Blauheo der Milhe, hier den Beweis dafür weit-


lDuftig.w föhren, fiberhoben sein JlU können, da des
ßr.. Sehr5dHB Arheiten wenigst8Ds in Vieler Hlinden sich
befinden; der Broder Scbuider seine Forschungen in
dem obenangeführten Altenborger Freimaurerjournal
niedergelegt hat; tUe SchrifteIl Krlluses aber, "di e
tlrei lilte,sten KUlIstorkunden der Freimau-
rerbrftderschaft eie. 2 Bde. in Octa". Dresden bei
Amold 1810 und 181:t. Zweite Ausgabe in 4 Abthei-
lungen 1819 und 1821 - und Heldlllanns: Die drei
Illtesten geschichtlichen Denkmale der
teuls,chfJn Freimaurerbl'üderschaft, sammt
Grundslitzen zu einer allgemeinen ~eschiohte
der Freimaurerei. Aatau hei Sauerländer 1889. -
mit za viel Beifall aufgenemRlen wordeu si•• , als dalll
wir niellt voraussetzen sollten, es werde je_ deokeade,
wissenschafaJich 8ebildete ."'reimaurer, der das ernste Stu-
dium der Gesehichte höber schätn, als tltÖliehte T"äQ-
meraien einet willkiibrlich sebaWeadelt Einbildungskraft,
sich )liRgstn.it ;IHn wietltigenlnhalte dieset' Sel1riuen
bekannt gemacht habeih
Nun ist alter geschichtlieh erwieseo, dass die Ge-
brliuehe und Ceremonien der iltestenFreimaurer sehr
einfach waren, meistens nur BeziebuDg' auf die Bau-
Aunst hatten und nebenbei 2Iugleich eine. me.ischen
Sinn 'enthielten, tleR die Maurer, - die Besaetea ihrer
Zeit - leicht mit jeder Hieroglyphe, mit jeder Hand-
lung l'erknüprt~n, und der daher ehen so leicht VOD
jedem Neuhinzlltretencteo er"athen werden kennte. MaR
lese doch die älteste Lebrlirigstection (bei Krause Theil I·
der ersteR Aul. Seite tU) und weise nach, wenn, mao

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es v8l'mag, wal in derselben ägyptisch - jiidillehen oder
grieehilchen Ursprungs ist I In Wahrheit, el lollte de..
Herren, die immerdar von einem wesentlichen Zusam-
menhang der Freimaurerei mit den Mysterien der Aegyp-
ter, Juden u. I. w. trliumen, schwer wflrden, die V e r-
wandtschaft der alte. Freimaurerei mit den-
selben auf geschichtlichem Wege darzutbun und über
aUe Zweifel- zu erheben. - Und dennoch lliugnen wir
ei~en solchen ZUlammenhang in ge wisse rAr t we-
nigstens nicht ganz, nur können wir. ihn durch-
aus nicht in den alten Ceremonien nnd Ge-
brliuchen der Freimaurer entdecken. Die
Verwandlung nehmlich, welche die Maurerei im Lauf
der Jahrhunderte und in verschiedenen Llindern erfah-
ren hat, wird dadurch charakteristisch, dass man, nicht
zufrieden mit der edeln Einfachheit der Zwecke nnd
Ceremonien des Inltitutl, oder mit nnläugbarer Ver-
kennung leiner Würde, el durch die Einmischung ihm
urlprünglich ganz fremder Elemente zu heben suchte.
Man war darauf bedacht, durch neu hinzugefügte Em-
bleme, Ceremonien u. I w. der Mau.erei einen Glanz
zu verleihen, der ihr Achtung und Verehrer verschaffen
sollte. J.\1an benutzte dazu die allen Mysteri~n, deren
Gebräuche man einführte, ihnen einen maurerischen
Sinn unterlegte und da -lurch eine ungeheure Verwirrung
in die Maurerei brachte, in welcher vieles'- von dem
Ursprünglichen entweder ganz unterging, oder doch sehr
entstellt und unkenntlich gemacht ~urde.
Aber diesll nicht allein. Auch die VerbindUllg an-
drer Orden mit der Maurerei brachte Veränderungen in
derselben hervor, die nun, n~hdem sie lange vorhan-

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43
den sind" von Manchem irrthüqtlich auf eine noch frü-
here Zeit zurückgeführt werden.. Was die Mauerei
für Umgestaltungen durch die TeDlpelherren, die Jesui-
ten u. a. erfahren oder vielmehr erlitten hat, liegt dem
Kenner der Gelchichte vor Augen. Man muss deuhalb,
wenn man kritisch verfahren will, alte und neue Mau-
rerei wohl von einander unterscheiden und sich hüten,
dass man das, was lIich von der neuern behaupten lässt,
nicht auf die alte übertrage.
Die Behauptung also, die Mauerei sei eine Toch-
ter der ägyptischen, jiidill hen u. a. Mysterien ist an
sich falsch, da sie, was bereits dorch die Icharfsin-
nigsten Forscher dargethan worden ilt, einen ganz an-
dern Ursprung hat. - A~er man hat in jüngern Zei-
ten Symbole, 'Ceremonien ond Gebräuche aos jenen
. Mysterien in die Maorerei verpflanzt und diess hat
Mancb~n verleitet, die Entstehong der letztern aus jenen
herzuleiten. Dazu ist denn nun aoch der Verfasser
des Werkes, dem wir diese Anmerkungen beifügen,
verführt worden; mag aber dieses Werk auch auf einem
Grundirrthom beruhen; nlag der Verfasser auch alle.
Ernstes behaupten, wal der gründlichere Teutsche ohne
grosse Mühe widerlegen kann, 10 können wir dem
Buche doch seine Nützlichkeit nichte absprechen, eben
weil es die Geschichte der meisten Verirrungen, die im
Bereiche der Maurerei vorgekommen sind, mit ziem-
licher Vollständigkeit schildert,. wobei es dem Ge-
schichtsforscher ziemlich gleichgültig sein kann, . dus
der Autor' diese Verirrungen - nicht für Verirrun-
gen hält.
Glücklicherweile aber sind diese .letztern weniger in

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den drei Graden der blauen Maurerei, als vielmehr ih
den höhern Graden sichtbar. U.ber diese bier nur eiJ
nige wenige Worte. Es giebt Maurer, welche den
höhe rn G,radeb. oh•• Unterschied den !8tab brechen, und
- wie uns bedünken will~ mit Unncht, tla hiN auf
die Versohiedenheit der Systeme unendliob .,1eI ankommt.
Dass es Systeme glebt, dia' in ihren höbetll Gre4en
Spielerei treiben ~ oder Zwecke verfolgen, die aait der
wahren Maurerei nichts zuthun haben, wellen wir 1111-
geben; aber, wo warden diese Systeme bearbeitet! In
Teotschland gewiu nicht! Man muss also offenbar einen
Unterschied maohen uRd darf keineswegs AUes, WH
über die drei blauen Grade hinausliegt , untereinander-
mischen und för Eins and Dasselbe balten. Die Mau-
rerei ist einmal eine pr akt i s Cl h e bnd dann ein.
u l e n t if i s Cl h e. Die drei blauen Grade geben Gelegen..
heit sie praktiach zU 181'08n und sn üben und in dieset
Beziehu!lg liiugnen wir ihre Abguchlossenheit und ibre
Vollendung mit dem dritten Grade -- Dicht. Auch 8r.
Fulherr von Wedekind" der gegen die, welche
nur von einem einlligen Grade i. tier Maurerei etw".
wissen woUten .), die Beibehaltungd• • welten uad dritten
Grades in Schuts nimmt, geht von .ioer reiopraktiscben
Grundansicht aua, weon er ia der. zweiten Sammlung

$) Oder richtiger, welche nach dem Gei.te unel Illhalt der


altenglischen Urkunden behaupten, es .tehe das ganze Ge-
heimnisll det Masonei allen Brüdern auf Einmal; ohli" aUe wei-
tere Abstufungt>.n lind Untersebehlungen offen ~ und welche
daher zur .\bschaffung des Gesellen - und Meistergrades rltthen,
weil die dadurch herbeigeführte Trennung der Brüdet der ge-
.ellllcltaftlieh eil Verras.ult~ wld4lrllUeite.....

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- 47 -
seiner Bau.tUeke, Gi_ssen t82t t S. t99 sagt: ,\Wa.
auch die el'8te Ver8018ssoog zur Bildung der drei Grade
der Fteimaurerei ~ (denn die alte Werkll~aurerbrüder­
schaft wusste Nichts \'on Graden) -- gewesen sein
möge, so ist doch diese Eintheilung von uDsrer höch-
steb Loge (nflhmlich voll der Gro88loge der moderaen
Freimaurer in London) beibehalten worden, weil sie
der Einrichtung eines Ordens en~pricht; und den Eklek- -
tikern war sie theuer t w.,n der GegeD.tand, das
Thelna der Freimaurerei &ich in drei Hauptabthelluo-
gen zerlegen lässt: ~ el b. t v e re d In n g, - V e re d-
hang Anderer in kosmopolitischem Wirken
naeh AUSlenl, - und die anschauliche Ei-
Itennlni .. der Metamorphose. die wh am
Ziele UD.eu Lebens erwarteh."
Wir lauen e. jetzt unberührt, welche andere An-
siebten die drei Grade Doch lula.sen und bemerken
nur, dass sie, von welcher Seite I .... sie auch auffas-
sen möge, stets auf, das praktilcthe ·Leben deuten. Dass
aie also eine Aufgabe stellen, deren Lösbng vi.l~n ga-
ten Menschen gnügen kano und wirklich gnügt, ist
ausgemacht. Wenn nun aber de!, Denbr, der J'ot-
scher, die Maurerei v.on der' wiuenschaftlichen, ge-
ICbichtlichen Seite zu bekacliten, den, Ursprung, die
Schicksale derselben kennen zu lernen, cleai Eluit.laung..
Krund der versohiedenartigsteo Systeme' und ihre 'Ge-
staltung ielbst ins Auge zu fassen wünscht; so bieten
sich ihm Iwei Wege zn seinem Ziele dar: entweder
mühsame. unausgeletztes Studium, welches bei der Un-
zogänglichkeit vieler - bisweilen bur baridschriftlioh
vorhandener ..... QueUea immer unvollkommen bleiben

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48 -

muu; oder der Eintritt in höhere Erkenntnissstufen.


Diess aber sind die meistt"n höhern Grade der in
Teutaehland bearbeiteten Systeme, und unterscheiden sich
.
daher fast von allen ausserhalb Deutschland existirenden
höhern Graden, welche oft Mysterien ganz eigner Art
feiern, d 11. statt Maurerei zu üben, bald ägyptische, bald
jüdische, bald andre Mysterien ohne allen vernünftigen
Zweck und Nutzen, wie wir bereits, in einer Anmer-
kung im Werke selbst ausgesprochen haben - drama-
tisch dar.stellen, oder selbst bei einer augenscheinlich
mit dem ~hristenthum in Verbindung stehenden Ten-
denz, sich doch unendlich weit von der wahren Mau-
rerei entfernen. Als Beweis dafiir diene die Gründung
des Grades t"e Boyal Are" (das königl. Gewölbe) im
J. 1777 in London; das von Melesino gestütete und
nach ihm benannte System; die 06,e,..,antia Strieta
u. m. a. Und gleichwohl hingen dieselben doch we-
.nigstens noch einigermauenJ wenn gleich etwas ·locker
mit den drei symbolischen Graden zusammen J während
die Systeme der Asiatischen· Brüder J der Cleriker, die
ägyptische Maurerei, das Clermontsche Hochcapitel,
der Orden Herodom von Kilwinning, das von St. Mar-
tin gestiftete, so wie endlich. das Misphraimsche t:der
Misraimsche System auch nicht eine Spur von ächtem
Maurerthum enthalten.
Eine Geschichte der Freimaurerei, wenn sie auf
den Namen einer k ~ it is ehe n Ansprüche machen will,
muss aUe die ..e Missgeburten sorgfältig sondern und
von den maurerischen Systemen, deren Gegenstand die
wahre Maurerei ist, ausscheiden. Man hat daher sehr
unrecht gethan, dau man solche Erzeugoiue ,
einer ent-.

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- 49 -
schiedenen GeisteBverurung so lange mit dem Namen
Maurerei beehrt hat, den sie auf keine Weise verdie-
nen. Aber bei weitem ungerechter handeln diejenigen,
welche die höhern Grade der in Teutschland üblichen
Systeme .mit solchen Gaukeleien verwechseln und den
entschiedenen Werth, den jene von dieBen haben, ver~
kennen oder abliiugnen.
Um dieses Urtheil zu begründen, oder, falls diess
nöthig sein sollte, zu rechtfertigen, mögen hier einige
kurze Bemerkungen über die genannten Grade und
Systeme folgen:
TAe Boyal A.,.cA, oder der in England und Ame-
rika angenommene höchste Grad der Freimaurerei, ent-
stand ganz gewiss schon vor 1744 aus der Vereinigung
der Meister vom Stuhle des grosmeisterthnmlichen Lo-
ge.nbundes mit Ausschluss aller andern Brüder Meister
zur Bearbeitung eines höheru religiö sen Grades,
wurde von der englischen Grossloge der mode,.. Ma,o.,
als solcher anerkannt und im J. 1171 eiu Grosscapitel
in Londen eingesetzt. In dem .ogenannten altengli-
schen, aus Amerika nach Frankreich eingeführten Sy-
stem ist er der 13te Grad i dieselbe Stelle nimmt er in
dem Capitel der Kaiser von Orient und Occident ein;
im misphraimschen hingegen ist er der eiu und dreis-
sigste. Br. Krause sagt von ihm, dass er etwas mehr
als orthodox sei.
Melesino, ein geborner Grieche und zuletzt Ge-
nerallieulenant im kaiser). russischen Dienste, verband
in dem von ihm benannten, in Russland 1:Im 1165 ge-
stifteten, sonst aber wenig bekannt gewordenenSysteme,
mit den 3 Johannisgraden ,noch folgende:. 4) das dunkl~
~ 4

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- 50 -
Gewölbe, 5) den Bcholtischen Meister~ und Rittergl'Bd,
6) elen Philosophengrad; 7) den _agon". Sacerdo. Tem-
pluriorulIl oder d~s Clericat. Der vierte dieser Grade
variirt den Mythos von dem Begräbniss Hirams 'auf
eioe höchst witlkührliche, dabei nichts weniger als geist--
reiche, vieJmehr sehr langweilige Weise; der tünfte
behandelt die Geschichte und Thaten der schottischen
Ritter unter der Regierung Rehabeams des Sohnes Sa-
lomons! ! I Man begreift nicht, wozu lolche Grade er~
funden wurden, die weit entfernt, den Mitgliedern der-
selben ein heUeres Licht oder stärkere Antriehe zum
Guten zu geben, nichts enthalten, als elende Fabeln,
welche oft der Geschichte, nicht selten der Vernunft
Hohll sprechpn. Im Philophengrade, der mit den vo-
rigen 'tn" mindesten nicht zusammenhängt, ond angeb-
lich in der Kammer der Weisheit' arbeitet, wird "viel
gekniet, gebetet, gesegnet, geküist und gescbworen,
hingegen nichts gethan oder gelligt, was jene Benen-
nung rechtfertigen könnte." Man verglf'iche Encyclo-
pildie der Freimaurerei "on Lenning Ur Band uilter:
~elesino. Der siebente endlich ist ein geistlicher Grad.
Das VersalDIDlllngszitnmer heilst COBolave, muu ei~e
Kirche oder geweihte Capelle sein uod wird, wenn ein
Priester uoter den Mitgliedern, welche Conclavisten
heinen, vorhanden ist, mit einer Mel88, in protestan-
tischen Kirchen aber mit einem Gebet eröffnet. Die
Rothe Arons und die Offenbarung St. Johannis zieren
den Altar. Die - Arbeit besteht in einem Gespräch
zwischen dem Hohenpriester und dem Gro~perator,
mystischen Inhalls. Eine Rede· an den Neoaufzoneh~
menden hat folgenden Anfang: "Wir, Ho he pr i e s t e r

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und T em p el ritt erhaben durch Ueberlieferung \'011
Sch~iJ00Fn deF t haß s des 0,
Ihnen bekannt sein müssen, die her m e-t i s eh - k a L -
balistische Wissenschaft und das Geheim-
s d gött en gie alte Na&:;h
dieser Erklärung der "H 0 h e n p I' i e s t er!" und
Te m pe) r i t t er!" werden unsre Leser hoffenllich
iJ00fDUg h0Zb&:;&:; un,l &:;ach 1000TI&H'n 00&:;i~&:;rn
verlangen.
Die &:;rdcte Ohrf01'vanz d0Ar00h ihr00&:; heriihHl~
Stiflf&:; Freih&:;H&:; v. d) s&:;00&:;hl, aIr 01urch
Kühnheit, mit welcher sie hervortrat, bekannt, sleHte
mit &:;hen SOf!rl Anm00fsung aIr Oeffendiz0hkeit
and"f'&:; in der rreimaH&:;Iei enrgrgen 0;&
bewiess eben dadurch, dass sie keine war.

sieht Sach00 Ewch


mer aus, wenD wir solche Syst,eme ins Auge fassen.
die nicht einmal mit den 3 blauen Graden zusammen-
h;ingen, nich~ ,,"Jie die h"nannt0;fTI ihre Oflerwei00~
heit, Träumereien und Spielereien in sogenannte hö-
here Grade hüllen sonden, 'fon HEHl" aUij Gewebe
ThJ00hdten Bettzzdt0reien ew&:;d \lnh KAur V0H
Unkundigen oder Uebelwollenden mit dem N\lmen
M0&urerei b&:;zeichm00 werd&:;&:; rönnen,
Hieth&:;&:; gebtbE&:;n zUeFt0 die t is B,
der, Ritt er, oder B r ii der Ein g ewe i h e t e aus
&:;ien, Riß'ij&:;F und IHider' Job ill cl
ang&:; ten aus Asien, eine mystische Ges00U-
schaft, welche um das Jahr t 780 in Oesterreich aus
Alche00h0&:;, Kah,
4*
- 52

baUstik trHid Tbaosopbia beaabäftigia und btrhreh Uahrü~


ten ihrer eignen Mitglieder vollständig, wiewohl nicht
i61&:~

Die C leriker, das cl e rikaJi sche System,


Yiih61h CI6161icorfaa0 or,I7A~tkf?' Tz''!!kplaril geu!iindei !aahr~
sclieinlich 1767 oder kurz vorher von dem bekannten
ii&:zi61ck DaaTIhhatadt welabar sabün diz+ 3 Jaiiünnis~
grade in jesuitischem Geiste umgestaltet hatte, behaup~
€:z'&:Z>D, wie di<+ ztrictü ObSe!"XkDZ, die sei
aus delwtr 'I'empülherrniih~den h*hrVO%~g#:gangen und dessen
absichtlich verschleierte Fortsetzunh~ Die Hartnäckig~
abüü mit sie harauf , düüü man
sie für die Geistlichen dieses Ordens und die alleinigen
der hleheiEmzisse Emd hlü'5hte an~
sehen sollte, und ihre Weigerung, die unbekannten
Erdt Wfhlühen rlinige rus Mitß:ü an~
geblich in Verbindung standen, den Häuptern der stri-
Obrürvaüü üu ü"ünen hindüütü die :mit dür letz~
tern schon eingeleitete Vereinigung und führte selbst
Erli'#üchen des hlrrikaH!ühen iidstem! Er
war ursprünglich in 7 Stufen getheiIt: 1) Lehrling,
2) Gesell 3) Meister 4) Jungsühntte , 5) schüHischfh
hllim"ei61EÜü odü! Ut. hlürtdreaü flitter, 6) - Ca.
pitular vom rothen Creuze und 7) Magus oder Ritter
Kh4t-heit der hlicht! ein (lüad, dür wTIüder iZh
5 Unterabtheilungen zerfiel: a) Ritter-Noviz vom drit~
; b) hlitter hloviz nnm f0i üften fnhre; Rit~
ter-Noviz vom siebenten Jahre; d) Levit; e) Priester.
vi"l hierr#hn%.ünhrer seifEn
mag, überhissen wir denkenden Brüdern zu beurthei-
cloC'r unb Jeszritismuü

Diait
53 -
machte es damals schon fast allen Protestanten ver-
dächtig.
Die ägyptische Maurerei von dem berüchtig-
ten Caglioslro im Jahre t 782 erfunden, war ein mysti-
scher Orden, der es mit Visionen, Kabbalistik, Theo-
sophie und - Betrügereien zu thun hatte, die Leicht-
gläubigen bis 1785 täuschte und dann in sein Nichts
zerstob.
Das C Je r mon t s c h e Hoc h c a p i tel hat seinen
Namen von dem Collegium von Clermont, ~inem Je-
suiten~loster in Paris. Hier hielt sich Jacob 11. nach
seiner. Flucht aus England einige Zeit auf. Seine ihn
umgebenden Landsleute vereinigten sich Mer in meh-
rere geheime Ordensgrade und diese wnrden später,
als die Freimaurerei _aus England in Frankreich ein-
gefUhrt worden, von derselben aufgepfropft und beka-
men den Namen Grade des Hochcapitels von CI er-
mont. Aus diesem gingen noch später fast alle jene
hähern Grade hervor, mit welchen die französischen
Maurer heute noch spielen, und welche zu einer Menge
der lächerlichsten Titel und Decorationen Veranlassung
gaben. Man sieht hieraus, woran man zu denken hat,
wenn Männer, die es mit der Sache gut meinen,
gegen Titel- und ßändersucht declamiren. Diese fin-
det hauptsächlich in der französischen Maurerei Nah-
rung. Der teutsche Maurer kennt sie nicht, die Mei-
ster tragen blos Mitgliedszeichen der Loge der sie an-
gehören, Wenige das Zeichen ihrer Beamtungen und
die Allerwenigsten die Ehrenmitgliedszeichen der Lo-
gen, die, indem sie es einzelnen auswiil'tigen Brüdern
verliehen, dadurch zu erkennen geben wollten, dass

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sie ihre Verdienste um die Maurerei anerkennen~ nie
Franzosen begnügen sich damit nicht. Ausser dem Bi-
jou d, log' tragen sie noch die Bijous de fordre und
Bijofls d•• grade., von welchen die teutsche Maurerei
keinen Gebrauch. macht und mithin auch den Vorwurf
der ßändersucht nicht verdient.
Der königliche Orden vom Herodom (hei-
ligem Hause, <tf(lO' Jo,uo,) von Kilwinning ist der
Name der höhern Grade der königlichen grossen Loge
in Edinburg; bildet aber einen ganz eignen Orden in'
drei Ablheilungen: t) Der Maurer vom lIerodom; 2)
der Ritter vom Thorm; 3· der Ritter des Rosenkreuzes
vom Herodonl von Kilwinning. Im Jahre 1786 wurde
er in Frankreich eingeführt und der Kaufbtann Ma-
t heu s Zl1 Rouen von der Grossloge zu Edinburg zum
Provinzial~roS8meister für ganz Frankreich ernannt.
Pr e s ton in seinen IlIu.traUollB stellt das unter dem
unrichtig variirten Namen: "Order of Harodim"
in London eingesetzte Grosscapitel sehr h~ch und ver-
sichert, da.. die Fragstücke (I,clure.) des Capitels je-
den Zweig des masonischen Systems in sich fassten und
die Kunst der Masonei in einer vollendeten ond voll-
ständigen }'orm darstellten. Lenning hingegen, der die
Rituale aUer 3. Grade vollständig vor sicb hatte, be-
weist unter Anführung mehrerer HauptsteIlen RUS den-
selben, dass diese Grade grösstentheils im oifenbarsten
Widerspruche mit der reinen Masonei sind und viele
lDystische Beziehungen auf den statutarischen Kirchen-
glauben enthalten.
M art in is te n. Diese leiten ihren Ursprung von
Louis Claude de St. Martin her, welcher 1743 zu Am-

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- 55

boise geboren, alll Officier in dem Regimente de li'oix


diente und als myslischer Schriftsteller Aufsehen er-
regte. Unter andern wird ihm das bekannte Buch:
DeI Erreurll et de ta Verile, Lyon 1776, zugesohrte-
ben. Die Maurerei hielt er für einen Ausfluss der
Gottheit und gründete ein eignes templarisches System,
dessen Hauptinhalt seine theosophische Lehre ausmachte,
Er nannte -es zwar Rite ,.ectifie, doch wurde es unter
dem Namen System der MartiDisten bekan.-ter. Es be-
Itand BUS 10 Graden in zwei Classen, welche der erste
und der zweile Tempel hiessen. Die Grade des ersten
Tempels waren: 1) Lehrling; 2) Gesell; 8) Meister;
• .4) Alter Meister (a1lcien maUre); 1)) Auserwählter j
6) Grolsarchitect; 7) Mauret' des Geheimnisles. Die
des zweiten: 8) Prinz von Jerusalem; 9, Ritter aus
Palästina; 10) Kadosch. Auf dem Lyoner Convente
vom Jahre t 778 wurde .dieseIl System mit dem franzö-
lilchen System der stricten· Observanz vereinigt und
nahm den Namen der wohlthätigen Ritter von der hei-
ligen Stadt an.
Das JII i sr a im sc he, oder richtiger mi,vhraimsche
System, auch der ägyptische Ritus genannt, ist eine der
monströsesten Missgeburten, die je aus einem fantasti-
sch,," Kopfe hervorgegangen sind. Wir werden spä-
terhin·tin 4en Anmerkungen zu dem dritten Bande), auf
dieses System zurückkommen müssen. Hier daher nur
so viel. Der Herr Verfasser irrt, wenn er Band IU,
Seite 91, sagt: "Wir glauben, dasl dieses System nir-
ge~ds existirt." Denn seit dem lah.'e 1814, wo es in
Frankreich aufkam, hat es bei einQm gewiilsen l)ubli-
kum, für welches es seine Stifter nicht obne Klugheit

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- 56
berechnet hatten, mannichfachen Anklang gefunden.
Das Vorgeben, es sei uralten, ilgyptischen Ursprungs
und habe seinen Hau~tsitz von Venedig und den joni-
schen Inseln nach Paris verlegt, erwarb den Baro-'
mn oder höchsten Conseils so viel Vertrauen, dass
schon am 14. Mai des obeDgedachten Jahres ein Gross-
capitel eröffnet werden konDte. ~r. Buot, der in dem
vorangehenden Werke m,hrmals genannt wird, hatte
die sanguinische Hoffnung, . der grosse Orient von
Frankreich werde sich mit diesem System vereinigen.
Eine solche Vereinigung kam indess nicht zu Stande.
Vielmehr erklilrte sich der Groase Orient unterm t9.
October 1821 geradezu gegen das System Misraim,
verbot den Lbgen, so wie jedem einzelnen Maurer sich
an dasselbe anzuschliessen und drohte, Keinen für
rechtmässig anzuerkennen, der diess gleichwohl thun
würde. Auch einzelne erfahrne Brüder sprachen ihren
Tadel laut gegen diesen neuen Ritus aus. Man ver-
gleiclie Encgclopedie .arO.nigfle, 'Tome I, p. 286 u.
folg. und Tome 11, p. 103 u. folg.
A n me r k. Das, was wir hier über nrschiedene
Systeme heigehracht hahen, mage zugleich aJa
Berichtigung einiger hin und wieder in dem
Werke des Herrn R. de S. vork~mlDenden un-
richtigen Angaben dienen.
Wenn wir nun diese und andere Systeme mit ein-
ander vergleichen, so springt es in die Augl'n, wo
der Tadel trifft, der so oft gegen die höhern Grade
ausgesprochen worden ist, und wie hoch in dieser Be-
ziehung die teutsche Maurerei steht, die sich in ihren
hühern Erkenntnissstufen - von allen jenen Spiele-

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- 57 -
reien entfernt hält, welche uns namentlich an der fran-
.ösiseben - und mit Recht - so sehr missfallen.
Seite 143 und anderwärts redet der Herr Verfasser
sehr bestimmt von den Mysterien der Leviten, die er
im Zusammenhang zu kennen scheint. Es wlire wün-
sehenswertb, dass er die Quellen nachgewiesen hätte,
auS welchen er diese genBue Kenntniss geschöpft ha-
hen mag.
Zu dem Achten Capitel.
Einen auffallenden Beweis dafür, dass die Hypo-
these des Herrn Verfassers, nach welcher die Maurerei
das Ergebniss (le re,.llat, wie der Titel des französi-
Ichen Originals sagt), der Religionen der alten Ae-
gypter, der J ud e n und der Christen sein soll, falsch
ist, enthlilt gleich der Anfang dieses Capitels. Der
von Cyrus erlaubten und unter Serubabel ausgeführten
Rückkehr der Juden nach Judäa, wird in dem Grade
des Chevalier tl Orient , in dem des Prinzen von Jern-
salem und in andern dergleichen gedacht! Aber hat
denn je die alte Maurerei, wolche keine Spur. von Ju-
denthum enthält (denn bekanntermassen ist der Tem..
pel SalomonÜl kein Symbol derselben, gesch,weige gar
ein Hauptsymbol), etwas von einem Chevalier tlOrient,
oder einem Prinzen von Jeruaalem gewusst! Wenn
man aber in neuern Zeiten Systeme und Grade häufte, ,
und in denselben, wie wir bereits oben gesagt haben,
ein dramatisches Spiel mit den alten Mysterien trieb,
..,..- beweist denn diess dass die Maurerei - und die
Ich te hat sich immer von solchen Verirrungen frei
gehalteIl - mit jenen in unmittelbarem Zusammenhang

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~;H·h, odel' ~ms denselben entsprungen isff So,'iel ist
allerdi%zgs riz:Vtig, Pz:ss, mie eht,lZfallz:z:on scht>"
angedeutet worden ist, viele der neuern Erfindungpn
Iranzhz:wschel' und und wieduz: auch ""oM "meriV&,~
nischer Maurer, die in ihren aller wahren Maurerei
Syz:t"men u",d Omh,n b"ld ägYJ#&ischu7 hald
dische und bald andere Gebräuche und dergleichen ein-
fiihrh5F7 exu ge'h'hI'hz:er mit dur
schichte und Religion entdeckt werden kann, eben
weil Stit'tz:r Znz:nmlßennntzun&i7,n d;;z:;ms
lehnten j dass aber jedem GeschIchtsforscher ein sol-
z>h'er nur nls willkiihrHz:her, dnrch
genmächtige CombinRtioß&ztrb hern5F7'gebrnz:hter, nie al",z:
4i18 ein 'natürlicher oder ursI,rünglicher erscheinen kann.
hVie der Herr nrfaz:z:ni' die 7 heite
Behauptung, dass die Erzählung im Buch Nehemiä
~ap. V. u. nioM z:ein dnschinhdich rondz'#z;

vielmehr allegorisch zu nehmen sei - beweisen will,
wären z:,'ir b&#dierig erh4hz:en. Her beidtH' VeZ:Z:H
liegt otl'en RIß Tage: "Von den Werkleuten und de-
Hen, t'1!Hlch'1! Hasle'1! HufludtiR1 unh z:ich Huflad#;n H''''''''''''7
konnte man (weil sie immer zur Vertheidigung bereit •
sageH daz:n tie m,z: mit dnr eiH"tri HnHd arbd~
telen und mit der an;iern das Gewehr hielten; die Ar-
beiten hatten das Sehw;~,z:dt an der Sz:ite und waren
jeden xV zzgenblick hz% Stand", feiH;llichezi Angi'idd
abzuschlagen 7 sobald das Signal sie rief," denn: "" der
die PHz:,mne !%Ues unZ:E'er Ax'# nu rz#dE'n: Troz%#~
peter) , durfte nicht von meiner Seite weichen.""
biez: ;mgpfühE'fen H,den und S!%b5#eme welch«>
dieser beiden Verse gedenken, gehören aber eben zu

o
- 50

jener, hauptsächlich in Frankreich erfundenen neumo-


dischen Maurer~i, welche aus, den Trümmern alter My-
sterien zusammengesetzt und mit willkührlichen Er-
• dichtungen ihrer Stifter ausgeschmückt, nichts mit der
wahren Maurerei gemein hat, als diesen missbräuchlich
angenommenen Namen. Ganz unw.idersprechlich geht
diess besonders aus den Seite 148 angegebenen That-
sachen hervor: "Die Geschichte der Wiederherstellung
der Juden nach der babylonischen Gefangenschaft,
knüpft sich in uns ern Arbeiten an den Ckevalier de
l'Epee und an den Ecco8lai, in mehrern Riten, an," ~
Was .sind diess für Arbeiten, die Mch mit einem sol-
chen Gegenstand b~schäftigen ! Der Herr Verfasser
nennt si~ "u nl r e" Arbeiten. Dies kann aber doch
gewiss nicht u n sr e mau r er i s c h e n Arbeit~n heissen
,ollen, sondern es müssen jedenfalls unsre fran-
z ö , i, C k e n Arbeiten verstanden werden. Wenn wir
nun den obersten Grundsatz der Maurerei, verständlich
dem Wissenden, mit kurzem Wort aussprechen und
sagen: sie soll Licht und Wärme verbreiten,
so fragt sich'!,. welches Licht wird gespendet in einem
Grad, dessen Arbeit' darin besteht, der Wiederherstel-
lung der Juden nach der babylonischen Gefangenschaft
zu gedenken, oder sie gar zu dramatisiren ~ - und
was wird für das Herz gewonnen, wenn der Vor-
sitzende - eyrus, und der Neophyte - Serubabel In-
structionen geben und empfangen, die sich auf jene
Thatsache beziehßn' Kann diess mit Recht Maurerei
genannt werden! Das ehrwürdige Institut, von weI-
chem wir aUe diese aufgepfropften oder angeleimtelf
'Undinge hinw~gdenken müssen, will den Menschen

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60

zum Menschen bilden, aber keinen Prinzen von Jeru-


schafh:g~ Hc~:iI daher cmgerm t&&&&igchen V&&ter~
lande, das sich von solchem Unwesen frei erhalten,
wo es ihm aufgedrungen werden sollte, frei ge-
hat! gS daiI&&&& &&uch du
ou General AM.an &zon, Baltimore t811, zur 8estä-
tiguniI der falschen Ansichten des Herrn Verf. enthal-
te&: ffTIgg, S:y A:fTInn iIochst&&ggy nnr -lie-
fero, dass die in der Bibel vorkommenden Erzählun-
gec: die Geschichte der AiIostel (1) iIemissbraucht
uoiI ein dfcwissef :G&&bäud:: fälschlifTIb sogcc#:f:mter
Maurerei gezogen wurden.
Gfemd ggS unf fTI&&ch, dggfg,. wi&& S~ t5t fTIorge..
wird erSI&&gg Chris€:&&fTI von Levitc:&& die
Allegorie der Erbauung des Tempels Salomoois ent-
leh&:& baben :dlen. ist zuvi&&l besagt: 1ffen~
vo&& d::o L&&fTIi,c:o daf&& &&ie jeOfc hUe-
gorie gebraucht hätten; die Angabe aber, .dass sie
fo ähre bei erstec: ~lgdenclcc~i&&len g&&iuud«in
, hebt :l&&r Hec~&& Gerfa&&1f&&&& selbs&. fggrch Zu-
satz auf: , , - indem sie statt des Tempels Salomonis,
die Muurer die ein&&&& dem
wal:r&:cc Gou erbagg::nden Kirdce subftit::irten So
war es also ja die Allegorie des salomooischen Tem-
peln ::icht W::n aber. Ma::rfc&& betrid: so
muss man sid: hüten, dnss m&&,: ihnen zu an-
dichte. In der ältesten Liturgie auch die älteste Lehr-
linb&&l&&&&tion E&&tered Re:g~&::gC8),
wird des salomonischen Vempels allerdings einmal ge-
dacht; aber auch nur ein ein z i g e 8 Mal und zwar
kei&&&&&&:gegs :teines E&&h&&lJo
also nicht für ein solches, am allerwenigsten aber für
05in Griimlfi4ymbol 05fi4kannt fi4il05rden 05.). in
tern Zeiten fand man für gut, Bilder und Mythen vom
salomonischen . Tempelbllu, für neu e du n den e
rad die ifi4Hegß mU0505#.05
indess der Tempel Saloinonis, als Tempel des einzigen
wahr.en Gottes und schon als bewundernswürdiges Bau-
'!lerk, iiggen hab,iii" AU05050505dem
hatten sie auch noch einen andern Grund, desselben
mit Ernst zu gedenken, einen Grund, der in der Ge-
05i5hicht05 !liir B055ii"iUrpOrgi,iii05en Mittel05h05rs
Die Päpste ertbeilten nehmlich den wandernden Bau-
hesellsuhuJten duruh besmidg·u Bullun die Fniiheit, ii1l05
h r is i5 h e n h,giaten durchriiiren,
ehen darin sich selbst mit Salomo und die Baukünst-
)iir', fiberall !leiM Gilt, neue dliimpel
liauten gnd diiii kbristiindmm agiil!leiten IHiUen,
den Erbauern des salomonischen Tempels. Diess tha-
[iin siiii den einn diiwissii ddlürde
na",.,,.,,,",,,,,,, Heilidhiiit beiuideiden ghnen iililiiirall
desto günstigere Aufnahme zu sichern. Man vergleiche
ilraAaiiggiHJgia kuiiliiilicggll/llici'! kol. LU pag. sq.
krausii"gg Kunshiiih5mden I, heite nach
Ausgabe von 1810. Beiläufig werde hier nur noch er-
5i:ähnt diiSS dafi4 !Kiin ländliche VKiigg~
iick u,ggpgiinglicb Hiiineswegs der Urundriss eines Tem-
pe)s war und folglich auch nicht der des salomonischen.
endlKiib der Ve,h wie derseUi05!!
~eite geschieht, von jedem bildlichen Ausdruck,
dessen sich Jesus oder seine Apostel bedient, z. B.
aue H Eck n u. Veggim)igSSUnh uimmt,
6i
Stifter unsrer Religion und seine ersten Anhänger in die
Maurerei hereinzuziehen, so sieht jedermann das Un-
passeade einer solchen Willkührliehkeit von selbst ein.
Wozu die Abhandlung über die Trinität, S. 154 bis
181, eingelchaltet ist, läat sich nicht wohl absehen und
die "Züge, die in der Folge angeführt werden sollen,
und welche auf. unsre Orden und Systeme Bezog .ha-
ben," lalsen sich leicht als gar nicht vorhandene, oder
willkührlich gOlchaffene und ursprünglich in der Mau-
rerei nicht liegende Aehnlichkeiten mit dem kirchlichen
Systeme nachweisen. Wir übergehen daher hier das
Ganze und bemerken blos Einiges zu der Seite 159 vor-
kommenden Stelle: "Jellis behauptete die Einheit Got- \
tes, lind diess um 10 mehr, da er, naoh der evan-
gelischen Erzählung, in Aegypten gewesen
war:, dessen PrIester den Cultus eines einzigen Gottes
übten, wie Lacfaoz und Plinius erzählen." Dem' Be-
richte des Evangelisten Matthäus zufolge, Cop. 2, V. 19
u. folg. flüchtete Joseph, um Jeeum zu retten, auf gött-
lichen Antrieb nach Aegypten, blieb aber nicht länger
don, als bis Arch elaos die Regierung antrat, ·der BO-
gleich nach dem Tode des Berodes den Thron bestieg.
lelus kam also in einem Alter wieder zurück ,. in wei-
chem er noch gar nicht flihig war, Unterricht zu em.
pfangen, und in welchem er die Lehren deI: ägyptischen
Priester unmöglich gefasst haben konnte. Bis in sein
zwölftes lahr, in welchem sich sein merkwürdiges Auf-
treten im Tempel zu Jerusalem ereignete, verweilte er
im älterlichen Haose, was s.ich aus der Erzählung Ma-
thäi ohne Widerspruch ergiebt.' ,Nun schweigt zwar die
Geschichte über den Lebensabschnitt des Herrn von

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63
seinem zwölften bis zu sein'em 'dreissigsten Jahre gIn.
lich, d. h. sie sagt nicht b..timmt und geradezu, .waS
eR in dieser Zeit vorgenommen oder erlebt habe. Gleich..
wohl fehlt es nicht an Winken, die uns nicht gaoz
unsicb,e Schlüsse machen lassen, nirgends, aber auf die
Vermuthung'leiteo, dass er ein zweites Mal iu Aegypten
gewesen sei, um den Unterricht der Priester zu genies-
seo. Sc h r ö c k h in seiner chri8~lichen Kirchengeschiohte
sagt Theil 1 Seite 409: "Der menschliche VorWitz hat
diese Lücke in der Geschichte der Jugend Christi durch
Muthmaassungenauazwüllen gesucht; ,A~s diesen hat
die Liebe zum Wunderbaren, und eine falsche Andacht
abgeschmackte Erzählungen gedichtet, welche bereit.
willig aufgenommen, und zum TheU his auf die ne,aern
Zeiteoschl'iftlich fortg.epflBllzt worden sind. Wenn man
einigen histol'ischen Spuren und einer alteR Sage folgt,
80 wird e.. nicbt'uoglaublich; ,dass .Jesus ,in diesen acht.

zehen Jahren seimIr Jugend, ausser der Unterweisang


in der Religion, wie sie unter den Joden g~bräochlich;
war, sich, hauptsächlich mit den Handarbeiten, seines
Ilflegevaters, weIchet ein ~imDlermann war, beschäftigt
habe. Diese Lebensart näherte ihn den übrigen Men-
schen, denen er in Allem gleich werden sollte, völlig;
und diejenigen ~ welche dieses wussten, konnten nach-
mals den 'Grund seiner aosnehmenden 'Veisheit nicht
s.
in seiner Erziehllng suchen, u. w. U Diese Ansicht
scheint durch die Stelle beim Lucas, Cap. 2, V. 51
theUweise wenigatens bestitigt zo werden: "und er ging
mit ihnen hinab und kam gen Na.areth" und war
ihn e nun te r t h a n." Sprechender ind... scheint ein,
andrer BeweiiJ für das Verweilen lesu in seiner Hei-

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U4 - .

math zn lein. AI, nehmUch nach der Erzlhlnng des


Evangeliaten Johannes Cap. I, V. 45 ud folg. Philip-
puz seinen Freund Nathanael findet nnd ihm freudig mit
den Worten entgegentritt: "Wir haben den fanden, von
, welchem MOHs im G8I8tz, und die Propbeten geachrie-
ben haben, Jesum, Josephs, Sobn von Nazareth," er-
wiedert Natbanael mit einigem Miutrauen: "Was kann
von Nazaretb Gutes kommen'" Es ist offenbar, das
Heide Jesum nicbt als den von Nazareth schlecht-
weg bezeicbnet haben würden, wenn er eine längere
Zeit in Aegypten gewesen ud dort gebildet worden
wäre. Bei der grossen Achtung, die die Judeo für ih-
ren Moses hatten, der in Aegypten seine W'eisbeit em-
pfangen, in Aegypten den Grund zu seiner nachmali-
gen Grösse gelegt batte, würden sie mit neugierigen'
Augen aaf Jesum hingeblickt und gewiu grös..... Er-
wartungen von ihm gehegt baben. Dazu kommt end-
lieh, dass die ganze hobe Bildung, die Jesuz in allen
leinen Gesprächen mit den Pbarisllern, Sadducäern und
dem Volke zu Tage legt I ebi rein hebräisches, keines-
wegs aber Ilgyptiscbes Gepräge trägt. Die ausserordent-
liehe Vertrautheit mit den Schriften des Alten Testa-
ments, die grosse Bekanntschaft mit dem jüdiscben
Gesetz, die bewundernswürdige Geliiufigkeit mit wel-
chen er in die den jüdischen Gelebrten eigentbümJicbe
I
Art zu streiten eingeht, setzen ein so tiefes Studium
der jüdischen Religionsbücber voraus, dass man un-
möglich annehmen kann, er sei eine lingere Zeit in
Aegypten gewesen, wo er sich diesem Studium gewiss
nicbt hätte 10 hingeben können, dass es ibm möglich
geworden wlire, als nachmaliger Lehrer seines VoJkes

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61S

eine solcbe \Vei.ht>it zo t'otwicheJo, wie wii' an ihm


Lebre, 'G'O'G' Qe'G' E.i'G'heU Gf#Ue23 Ilh'G'r,
ayYb w231ch'G' si'G'h h'G'r Herr Vyyy.f. '3 ~9 als Ruh ei'G' G'Q
besondern Beweis für die ägHYtische Bildunh J'G'23U
stiitzt, brauchte derselbe aln allerwenigsten aus Aegyp-
ten zu holen, da schon Uloses und nach ihm die Pro-
mit d'G'ID ER'ir23St f#od deill 'G'g,s."hied'G'n-
.'3'G'n dfETIß an 'G'Nf#igiCTIQ (;'G'tt
und die VerehruDU Dur dieses Eine'G" drf#RTIgYTI'G', ;f#@an
vergi. auch: "Das Leben Jeau" voo Dr. Karl Hase,
zweite verb. Auti. Leipzig 1835. 8eite63. §.38. Bildung
.J'G'E.%u. Ia dh23RfTIm ,. "Y,gt de" HE.%23R· 'G'rf.
BUdliE.%g de~ rubte zz..qf g]0i::kli,TIhe'G' , tRnd
war durch dfm Zilleck sein.eE.%LYTIben:: bedinbü., dTItTIr ~ •
jedet vorbandene, förderliche Talent rasch entwickeln
masste: überschritt jedoch nicht die ge-
w h li'G'hetRU .ci og'G'mjU P ä'G'ti"Rlu.s.w."
FTIRrnTITIr: y,E'G' JlI'G'ht zu , ~ Je23RTIS 'G'i&e
aodre SpTIt3ChfTI J'TITITItIUa'G'd, 'G'Js deß 'G'yr'G''G'haldäitR'G'he" V#TItlk.-
dialect und wabrscheinlich das Althebräische u. s. w."
Endlich: "So gewiss Jesus lehrbegierig und mittheilend
diTItY 8'G'bul'G'Fl'G' G'IDeZiZ V'G'lkti "MiTITItz" haK, ., • 60 fimlet sieb
d'G'-ch %lau :at ßcbul'G'
~ angeb€0rt'G' • '. Di'G'j'G'BE%leUTITI W€:TIIchf# s'G'TIBl8 ßil4h4ng au'G'
der vergleiebenden .traehwnh 'Verscbied~r SdluleP
herleiten, haben wohl Recht, macb diese. BildllßglBlit-
Z-'G' 'b'G''G'cb@oo _ • • • •• "Via aber jede .oldie Ahle.itQg
fy-'G" 1d1l8l' bTIt23R&im3f'G'te23R SFFbul'G' ha .;gEle. da-
'G''G'lh~ ~anf'TITI'Mh5?re Sd:a1c'G'iAtFFigkTITIite'G' fidet .zn ist .iTItTI
'übtl.rhaupt uagenügend • .da 41ie.E i@!c8othüTItdi'G'bkeit
Jes. Richt in irgend einer Sehule 4.8 Mot-
.LV.
66
gen- oder Abendlandei zu finden, sondern
einzig die Vollendung seines religiösen Le-
bens sei bit war u. s. w.

Zu dem N e~nten. Capitel


Ueber Entstehung, Alter, Sprache, Inhalt und
Werth der EvaBgeliensind von berühmten Exegeten
sehr gründliche Untersuchungen angestellt und dem Pu-
blikum vorgelegt worden. Namentlich haben die neue-
sten Commentatoren viel Fleiss darauf gewenaet, die
Meinungen der Alten zusammenzustellen, zu prüfen,
zu berichtigen,. dass wir ohne Weiteres auf diese Werke
verweisen und .uns enthalten zu der Darstellung des
Herrn Verf. etwas ~inzuzusetzen. Dasselbe gilt auch
von der Offenbarung Johannis, in Betreff deren wir uns
die einzige Bemerkung erlauben, dass die, S. 165, be-
zeichneten Maurer,. welche einen Theil ihrer Mysterien
darin zu finden gemeint_ haben, durch die Liebe zum
Wunderbaren und Mysteriösen offenbar. auf einen Irr-
weg geleitet worden sind.

Zu dem Zehnten Capitel.


Uns scheint, dawi dieses ganze Capitel fliglich hätte
hinwegbleiben kannen. Die Untersuchung übel' die im
Evangelium des Matthäus erzählten Trilume, gehört
keineswegs zu dem Beweis, den der Herr Verf. zu
führen bea~sichtigt und selbst die, Seite 184, nachge-
wiesene fteissige Benutzung der Evangelien und Episteln
durch die Charbonniers, gehört nicht hierher, ,weil Letztre,
ob aie gleich einige Formen von der Maurerei entlehnt
haben mögen, dem Wesen nllch nicht für eine maure-

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67

, rische Gesellschaft angesehen werden können. Auch


die eingestreuten Bemerkungen über den Cölibat und
das Bibelverbot in der katholischen Kirche stehen nicht
am rechten Orte.

Zu dem EHften· Ca pi tel.

Von dem EHsa, von welchem dem Inhaltsver-


zeichnisse zufoige in diesem Capitel die Rede sein soll,
schweigt der lIerr Ven. gllnzlich. Wahrscheinlich steht
dieser Name durch einen Druckfehler da und man bat
J oh an n e s zu lese.n.
Ueber die S. 196 erwähnte Judentaufe scheint der
Herr Verf. nicht im Klaren zU ,sein; wenigstens ilt
seine Darstellung nicht genau. Ursprünglich waren
allerdings die Abwaschungen in reinem Wauer nur zur
Gesundheitsptlege vorgeschrieben, allein sie erbielten bei
allen Orientalen schon im grauelten Alterthnru eine re-
ligiöse Bedeutung. Deshalb musste schon in der vor-
christlichen Zeit jeder zum Judenthum übergehende
Heide sieb nicbt nur beschneiden, sondern auch taufen
lassen. Diese Proselyten taufe war indess von der, wei-
che Jobannes einführte, wesentlich unterschieden. Die-
ser taufte nehmlich auch geborne Juden, um sie durch
die Reinigung an die Notbwendigkeit einer vollkomme-
nen Besserung zu erinnern. Allein er hatte nicbt nö-
thig, dielen Gebrauch erst von der bildlich sogenann-
ten Meerestaufe der Juden, bei Gelegenbeit des Durch-
ganges durch dal rothe Meer, -erst zu entlehnen, weil
.derselbe 111ngst ~ scbon als Sinnbild der Reinigung der
Seele vom· Bösen bekannt ond geübt war.
5•

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68
..
Auch der, wiewohl kurze ExCIU's über die Taubeo,
Seite 198 bis 200, ist' nichtuagend und wenD auch
nach eioer Note bei den Roseokre~ern und in einigen
andern Graden die Taube als Emblem yorkommt, 80
beweisst diess nichts für das, wa. sich der Herr Ven.
zu beweisen 'Vorgesetzt hat, indem diese Grade etwas
aufgenommen haben, was der alten Maurerei durchaus
fremd ist. (S.o.)

Zu dem Zwölften Capitel.


Auch dieses steht' mit dem Hauptthema nur in einer
sehr lockern Verbindung, und wir würden es ohne
Weiteres überschlagen, wenn dei' Herr Verf. uns nicht
zwllDge, einige auffallende Unrichtigkeiten lIU rügen.
Seite 208 wird von dem geringen Eindruck gespro-
chent welchen die Wunder des Herrn auf -eioen TheU
dell Volkes machten. Und nun fIlIart der Herr Verf.
fort: "Derselbe Unglaube, dieselbe Harto6.ckigkeit sind
von Lukas, Capa 8, V. 41 - 49 bei GelegeDbeit der
Auferweckung der Tochter des Jairus •.•• belChrieben
worden. Weder du Mädchen ••• noch der Vater,
Doch die Pel'lonen, welche bei dem Wunder
gegenwärtig waren, zeigten das geringste
Erst au n e n, die geringste Daokharkeit, ja, sie hiel-
ten sieh sogar über Jesum auf, sagten, dass sie Dicht;
an die Auferstehung der Todten glaubten und betrach-
tet'el;' alle diese Wunder wie GespenBterlDihrcben." Auch
schon ein flüchtiger Blick in die EV8lIgelien lässt uns
erkenllen, da.s hier die. Thatsache ga~z entstellt iat.
Zuerst erzählt Lukas, V. 4,1 und 42. .,Da kam ein
Mann, mit Namen JairuI, der ein Oberltet dttr Sehu-

,
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- ti9 -

len war, und fiel lelll1 zu dea Füslen, und bat ihn, dBls
er wollte in sein Haus kommen: 'denn er batte eine
(>.inige Tochter, bei zwölf Jabren,die lag ,in den let.-
ten Zügen." Schon daraul gehet docb deutlich genug
hervor, dasl der Vater des Mädchenl an Jesum und
seine Wunderkraft glaubte und IPin ganzes Vertrauen
· auf ihn letzte. Markul berichtet Cap. 1),. V. 35, da.
'während jenes Gesprä,hs die Nachricht von dem Tode
des Mädchens angekommen sei, der Herr aber dem
Vater tröstende Worte zugesproche'l' .nd ihn ,zu glau-
ben ermuntert habe. Mit einer kleinen Veränderung
erzäblt Matthäul Cap.9, V. 18, der Vater habe !lich,
nachdem seine Tochter bft'eits gestorben lei, mit der
Bitte an lelum gewendet "komm und lege deine Hand
auf sie, 10 wir,d sie lebendig, U und el hindert auch'
·nichts, diese Bitte dem lIuzutraueo, der so viel Glau-
ben hatte, das. er von de.. Herrn, wenu wir uni an
· clie En:iblung beim Markus und Lukal halten, die Ret-
tung 'Von augenscheinliche.. Todesge~ahr hofl'te. Kurz,
der Vater ilt von, dem ihm VOn dem Verf. gemaohten
· Vorwurfe freiz,\sprechen. Aber aue" 4ie Personell,
'welche bei dem Wunder gegenwärtig waren,
sollen weder das geringlte ErlltllUnen, n'och die gering.e
'Dankbarkeit bewiesen haben. Hier vermengt der Hel'r
Verf. die geacbichdicben Um.tände und verfälscht sie
sogar. Oie Leute im Tl'auerhaul verl achten J esu m,
nach Lnkal, Cap. 8., V. 53. Hier thllt sieh aber zu-
vörderst kein' Unglaube kund, sendern sie verlachten
, ihn, wie Lukas' ansdrüklich erwähnt, seiner Aeusllerung-
halber: "sie ist nicht gestorben, sondern ~ie scbläft."
DeDD, letzt der Berkhterstauer hinflu , ,,sie WUMten

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- 70D -

wohl, da.. lie gettorben war." D.uselbe en.iblt Mar-


kus, Cap. 5, V. 39, und Matth. Cap. 9, V. 24. Ein
solcher Zweifel vor dem Wunder, zumal wenn ibn
Leute iuaerten, die vieDeicbt mit dem Herrn noch
nicbt bekannt und noch nicht Zeugen seiner wunder-
thlltigen Wirksamkeit gewesen waren, liesse sich wohl
erklilren und vielleicht.selbst· entschuldigen. Wie ganz
anders aber wird die Stimmung nach dem Wunder!
Nacb Lukas bemllchtigt sich tier Aeltern des Midcbena
der höcbste Grad des Erstauneus: i~ltn",,,a;, 01 rO"fi,;
(nach Lucher: ihre Aeltern entsatzten lich.) Markoz
bezeichnet die Grösse des Staunens noch stärker: ist-
m",,,",, i.ma,m pfr&l", ( nach Luther: sie entsatzten
lich über die Maasse). Mattbius aber setzt noch hin-
zu: und dies. Gerücht erschoD in dasselbige ganze
Land. Wo ist hier TheUnahmlosigk.eit, Gleichgültig-
keit oder Mangel an empfundenen Eindruckt Und
wenn die Evangelisten die Ausbrüche der Dankbarkeit
des Vaters venchweigen, so llisst lich eine solche bei
dem gewiss voraussetzen, der lieh scbon früher so sehr
.u Jeaum hingezogen fühlte.
Aus dem Seile 211 angeführten Umstande, dass in
tlem numismatischen \Verke d", Herrn Mionet Tau-
sende von alten Münzen beschrieben werden, unter
welcben sieh gleichwohl keine einzige findet, die der
israelitischen Nation angehörte, auf ihre Theokratie
oder ihr Königthllm Bezug hätte, sollen einige Kriti-
tiker geschlossen haben, dass das hebräische Volk we-
der für so ge~ildet, noch für so reich, noc.h rür so
alt Rngenommen werden dürfe, als es nach der Bibel
IICheiRen möchte. Uns dünkt ein solcher Schill.. et-

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was vot'eilig. In den frühern Zeiten bedieüt!2in jzTICLt
öllerding!i& die HebräTITIII." beim Umgatz der Waaren im
Handel undWaodel des "iigemünzte.. Silben, däS irTI
3bgewogneTIlI' Stücken b~8tand ein U!Ul!tand der mehr
für ihren Reichtbum, als gegen densdhen bowißlisteEz
ülöchte~ Ao<,h wird das hohe Alter der Nation da-
durch keinesweges zweifelhaft. Dass maü aLe~ schon
lange VOlf J02Reph!~, gemünzteg G.. td haUe mit Schrift
und .i<'iguren, iiilt gescliichtlicb e;rwTIe"eu. DamTIs)!2i be~
b'ug dEtr aTItssgeprägte Seck!2i:l vier attische Orachmen,
nach UDserm Gelde ilechszehn Groi;cben.
Dit'TI' Seit3 220. bezeTIchnet3n angeblich vi e Je n Ri·
tus und Stufen, welche ön Jesos, Sin dus h3iHgt'TI Abend-
lüahl u~ EL w. :€?riz:mern sollen, erkennt kein wahret'
Maurer für Maurerei. Sie sind iipäti:re Eß~:fi21dungen,
die al.TIst~l~ lfitlem Zo!!ammenbnng mit jener stehen.
In einem geologischen \Verke würda die ALhLmd-
bng Seite 221 his 225 vielleicht an ihrer rechten Stelle
gewesen sein. Hier iilt sie übe.flinsiig.
'\V&:ES aber die Bekanntmachung betrit!,t welche
von einer zn Londoll gegründeten Socieiy oJ ti\e ckd-
ltiaßl Evidence au!!geg!!ngen sein !!Ioll und in der
Note Seite 237 iDitgetheilt wird, 80 kant. dhlselhe
~i.i.s eiu<F0m. doppelten Gesiehtspunct betrachtet werden,
EiolOld nehmlicb war" es wohl möglich ( und dielilS
ilRt die mildere Ansieht von der Sach~,) dass die,
Gesellschaft, um eine desto k;räfi.igei'e und in allen
P3netem die Prüfung aushaltende Apologie des Chti-
steothuma Zu l"eraullissen, den Sttentpunct auf die Spitre
g4:lstellt und in den harten sub f TI 2 und ;l aurgeführ~en
Einwürfen der theologisohen \Veh eini: dispREtabl:€? Me-
-' 1~

terie vorgelegt bitte. Doch wäre in diesem Falle die


unvorsichtige Ausdrueksweitle immer au tadeJn und
würde an Ciceros Ausspruch erinnern: (l,tl; H",el "ere-
cundiae fine, tr"'&lien'l, eu .. gra"iler operlet elle _-
pudentelll. - Sollte aber andererseits die löbliche Ge-
sellschaft wirklicb der Meinung sein, die sie in deI'
BekanDtmacbung ausgesprocben hat, 80 könnte man
sich ZWIlr wohl über die Dreistigkeit "undern , mit
welcher solche Dinge behauptet werden, aber der In-
halt selbst wür~e keinen denkenden Christen, geschweige
einen Gelebrten, in Verlegenbeit setzen. Seit den frü-
hesten Jabrhunderten sind die schlll'fsten Untersuchun-
gen über ,die Aechtbeit der neutestameatlichen Scbrif-
ten angestellt worden und man hat überall die gröute
Vorsicht angewendet, ehe man ein Baeh ia den Ka-
non aufnahm. Die auf dem Wege ,gesebiebtlicher und
kritiscller Studien gewonnenen Resultate, stehen io
fest, dllss t um sie umzuslossen und für falsch Zll er-
klären, .wobl mebr dazu gehört, als die von dem ehr-
wiirdigen (1) Secretllr jener Gesellscbaft t gesammelten
Beweise, die wir wohl kenqen möchten, wenn es lieh
überbaupt der M&he verlobnte t aberwitzige Träume-
reien freigetsteriacher Geniemänncben kennen a~ lemen.
Und in diesem Falle ,dass nebmlich die Sache ernst-
haft gemeint wäre ,) könnten wir uns versucht fohlen,
dem Herrn Seeretär zuzurufen, wal der gelehrte Pr.i- .
tenacher einst einem' Gegner zurief: IllIpudenUa.ne
luam an itltpNIdentiam primo loco reprdendere, an
.,el'o nalturtio cere6r.",. ttb; purg"r. delle. . , "'"
facile diserim, wenn uns sonst die Luat nicht fehlte,
mit einl'm solchen Geper zu streiten. - Wie man

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- 73 -

dal Ganze aber auch nehmen miSge, so scheint doch
soviel gewiss zu sein, dass die Bemühungen der "Ge-
lellschaft zor Vertbeidigung der christlichen Religion
gt"gen ihre Deoelten Bestreiter , im Haag *') ,C' ehren-
wel'ther lind, all die Unternehmungen der Society 9/
c4r,,'üzn Etntk.ce in London.

Zu dem Dreizehnten CapiteL


Die Schwäche des Herrn Ve~f. in der Exegese, die
schon anderwärts bemerkt worden ist, geht aoch alls
der Stelle Seite 242 hervor,' wo
er den von Paulul
den Christen gegebenen. Beinamen " H eil i g e" onter
die gern gehiSrten und gern usurpirten Ti tel rechnet.
He i I i g heiut aber zunächst: Gott geweiht. Weil
aber das, was Gott geweiht werden lollte, rein sein
musste, so bedeutet heilig auch so viel als rein; von
Menschen gesagt, vornehmlich rein von Abgiitterei,
dann, rein überbaupt von der Sünde. Demzufolge war
. der Beiname Heilige für die Christen nicht iowohl
ein hochtrabender Titel, all vielmehr eine Erinnerung
an ihren Bel'Jlf und an ihre Pflicht"
Offenbar thut auch der Herr Verfasler den heili-
gen Vätern Unrecht, wenn er sie Seite 249 glaoben
lässt, der Teufel habe ein Wonder gethan und den
Herrn in die Wüste geführt. Aufgeklärte Leser wis-
sen übrigens, wie diese Erzählung zu deuten ist.
Zu S. 254 reiche die Bemerkung hin, dass ein Ober-
priester nur in .der Aftermaurerei vorkommen kann"

.) Seca"etär dea"selben ist der gelehrte Pl"ediger S 1u it e ~


im Haag~

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- 74 -,

Zu dem Vierzehnten Capitel.
Was Seite 269 und folg. berichtet wird, ist nicht
ganz genau. Wir setzen Folgendes hinzu. Die bür-
gerliche Verfassung, zo wie die Denkungsart der Ju-
den haUe sich gegen das Zeitalter Jesu hin, so sehr
geändert, dass die in den Büchern Mosis enthaltenen
Vorschriften ffir die damaligen Verhiltnisse nicht mehr
ausreichten. Politik und Religion hatte eine andre Ge-
stalt gewonnen und viele Fragen über das, was zu
thun oder zu lassen sei, konnten nach dem mosaischen
Gesetz nicht mehr entschieden werden. Die Rabbiner
f"ugten daher demselben Auslegungen und Erweiterun-
gen hinz~, leiteten aus dem alten Vorschriften neue
ab oder gaben auch ganz neue, die sich keineswegs
auf die Altern basirten. Demungeachtet erhielten die-
selben ziemlich gleiches Ansehen mit dem mosaischen
Ge.etz. Man nannte sie die m ü n d li c heU e b e r ~
lieferu ng, um sie von dem geschriebenen Gesetz
zu unterscheiden. Im. Jahre 150 nach Chrillij Geburt
sammelte sie der Rabbi J u d a, mit dem Beinamen -d'8 r
Bei li g e, und diese Sammlung erhielt den Namen
Mischnah oder zweites Gesetz. Von jetzt an
aber bescbäftigten sich mehrere Rabbiner mit Erklä-
rungen dieses Werks und ein vom Rabbi Jochanan
seit 200 n. Cbr. abgefasster Commentar, G e m a ra,
I (ein chaldäisches Wort, wel~hes nach Einigen Vollen-
dung, Vervollständigung. nacb Andern soviel als Un-
terricht bedeutet), erhielt ein so vorzügliches Anseben,
dass er mit der Mischnah zu einem grossen Werke.
dem Tal m ud vereinigt wurde. Diese. ist der j er 11-

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75 -
Islemische Talmud, der lich zunlichst auf die Ju-
den in Palilstina bezog. Als aber die Synagogen in
Palästina nach dem Wegzug der Juden nach Babyion
fa'lt glinzlich verschwunden waren, fühlten die babylo-
nischen Rabbiner das Bedürfnw einer neuen Ausle-·
gong der Misehnah und so entstand der im J. 500 n.
Chr. vollendete babylonische Talmud. Nach dieser
AuseinBDdenetsung wolle der Leser die Angaben des
Herrn VerflUl8ers berichtigen.
Der, Seite 282 und 263, ausgesprochenen Behaup-
tUDg: "Die!!e verschiedenen jüdisch - christlichen Secten
behielten die Mysterien des Tempels S8Iomoois mit der
Allegorie dei obersten Baumeisten bei u. s. w." müs-
sen· wir geradezu widersprechen, denn, abgerechnet
dau in den Angaben bis zu Ende des Abschnitts eine
grolle Verwirrung herrscht, so stützt sich keine ein-
zige derselben auf eine historische Thatsacbe. Welche
jüdisch - christlichen Secten haben das Mysterium (!)
des salomonis~hen Tempels beibehalten! Wann ist der
jüdische Me_al in der Allegorie des obersten Baumei-
sters gefunden worden' Wann haben die Kreu.ritter
cUe -Mysterien des wiederaufzubauenden Tempels und
den Cultus des einzigen wahren Gottes nach Europa
gebracht! Ohne Z~eifel bei ihrer Rückkehr aus dem
gelobten Lande! Dagegen aber llisst sich Vieles ein-
wenden. Es ist zwar bekannt, dall z. B. der Bischof
-Adalbert von Prag, als ihn die dem Christenthum ab-
geneigten Böhmen nicht wieder als Bischof anerkennen
woUten, als Millionär nach Polen, von dort die Weich-
sei hinab nach Danzig und weiter über das frische
Ha« zu den gastfreien Preussen oder 'Samen ging, wo

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76 -
pr aber bald von den heidnischen Prieatern verfolgt
und getiSdtet wnrde. Eben 10 bekannt ilt es, dass
Albrecht der Bllr, der ans Dankbarkeit gegen Gott
für die Eroberung Brandenburgs eine Wallrahrt nach
Jernsalem unternommen hatte, bei seiner Rückkunft
Johanniter und Templer mitbrachte, die unter den
Heiden des Sarmatenlandes das Bekehrungsgeschift
sehr eifrig betriebeD. Und alle Geschichtskundige wis-
sen, was der teutsche Orden in Prenuen ausgeführt
hat. Nirgends aber meldet die beglaubigte Gescbichte"
auch nur das Geringste von einer" Einführung eigeat-
licher Mysterien, die übrigens, da sie doch religiöse
Mysterien hlltten sein müssen, mit den schon liDger
beltehell'den maurerischen nicht einmal in Verbindung
stehen gekonnt hlltten. Dazu kommt, .au die Ritter
nur ihren Arm der Kirche liehen ,. sich lelbat aber
wohl nicht mit Doctrinen uDd der Verbreitung dersel-
ben befallt haben, die lie vielmehr der Geiitlichkeit
überlienen. Dieser aber miSchte Ichwerlieh nachzu-
rühmen lein, dal8 sie den Glauben an den einzigen
wahren Gott auf belondre Weile befördert hltten, da
8ie die Verehrung der Gliubigon für die Jungfrau -Ma-
ria, für eiDe Menge Heilige o. 8. w. in Anspruch nahmen
und mithin die Ehrfurcht gleichsam theilten, die Gott
allein gebdhrt.
In dem folgenden Abschnitt: "Von den Eue-
ne rn," scheint der Herr Verfasser zu viel zu behaup-
ten und die Zeiten nicht gehörig Ztl unterscheiden,
wenn er S. 261 u. folg. sagt: "Der Gesetzgeber der
~uden redet nirgends von einer unsterblichen Seele
u. s. w." Die Vorstellung von einem Totltenreicbe Ist

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- 7'l -
uralt unter den Hebrliern, aber sie war zuerst für die
Religion unbrauchbar. t. Buch Mos. Cap. 49, V. 29.
1. B. Samuel, Cap. 1, V. 6. Nach und naeh brachten
die Dichter Leben, Handlung und Bewusstaein unter
die Bewohner des Todtenreichs. Psalm 55, V. 16. 49,
V. 16. 139, 8•. Während des Exils und nach. demsel-
. hen . kam die Idee von der Wiederauferstehung de.
Körpers auf; eine Idee. die' sich mit. der der Vergel..
tuog verknüpfte. Jesaias Cap. 26, V. 19. Daoiel Cap.
t 2, V. 2. 3. Diese Lehren erhielten durch die Be-
kaontschaft mit der ausländischen PJJilosophie und durch
die .immer klarer hervortretende Messiasidee eine wei-
tere Entwickelung, zum al ni'an sich in dem Messias
den Vollzieh er göttlicher Rathschlüsse und den Richter
über die ~ebendigen und Todten dachte, welche Letz-
tere zur Antheilnabme an dem giossen von dem Met-
sias. za stiftenden Reiche, Dothwendig auferstehen müs,s-
len. Bach der Weisheit Cap.- t, 2 11. 4 'Vom Anfang.
Cap. i. u. B. v. a. O. - Di. aal deAl PredigvSa-
Iomo S. 266 aBgeführte Stelle Icheint auch weRiger su
beweisen, all sie beweisen 1011, wenn man si. mit
Cap. 12, V. 7 zusammeahilt, wo SalOIDO aa.sdröckli~
sagt: "Der Staub mUI8 wieder zu der Erde kommen,
w~ er gewesen ist, und der Geist wiecler zu Gott, de,
ihn gegeben hat." Vergl. Plalm 31, V. 6.
Die S. 2416 dem. Werke des Herrn B. COUtaDt i
De lc Beligion entooDlllle~en Fragen finden wir we-
ur so schwierig, noch 80 wichtig, als sie· dem Herro
Verfasser, vorkODImen. Abgerechnet, dass sie an dell
Reth der heiligen Schrift erinnern: "ne. UDnützen FI'B"
gtu enthake dieb!" so lind die lIHlisten derselbea
I

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- 78 -
durch die Hinweisung anf den alhollchtigen Baumeilter
der Welt schon hinlänglich beantwortet und Fragen,
wie die zweite, hltten wir einem geistreichen Mann,
wie Herrn B. eonltaot I kaum zugetraut.
Seite 267 und 268 thut der Herr Verfasser seiner
Theorie selbst grouen Schaden; denn eben weil die
Einweihungen und Mysterien der Juden unbekannter
blieben als die IlgyptilChen und griechischen, ist 81
ach wer , in ihnen den Stamm der maureriachen Myste-
rien zu sehen.
Uebrigens nrgleiche man über die Euener IOwohl
als über die Therapeuten das oben angeführte Werk
von Bellermann.
Die Herodianer sind zu unbedeutend, als dau sie
hier eine Erwllhnung verdient hlltten.
, Ob die Berufung auf die Karpobatiaoer, S. 275,
die Behauptungen des Herrn Verf. zu unterstützen im
Stande ist, unterliegt grossen Zweifeln. Der Lehrbe-
griff des 'Karpokrates wich von den Grnnddtzen, weI-
che seine Anhllnger geltend machten, Z8 sehr ab, all
dau hier ein' Einheit statt fände. Dazu kommt, dasa
die KarpokrBtianer streng genommen nicht für eine ge-
heime GeseUschaft angesehen werden können, da sie
ihr Wesen ganz öffentlich und ungescheut trieben.
Blos soviel ist gewiss, ,dass sich Karpokrates auf eiDen
gebeimen Unterricht berief, den Jesns semen Jüngern
ertheUt haben sollte. Diesel Vorgeben aber war da-
mals ein fast aUgemeines Mittel, der Welt immer
neue Einflille über die Religion aufzudriogen. Ganz
falsch aber ist die Annahme, dass J88US seinen Schü-

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79 -
lern karpokratianische u. s. w. Zeichen mitgetheilt habe.
Nur eine Bemerkung ist uns hierbei zu macben .übrig.
In dem ersten Satze, womit der Herr VerfBller seine
Mittheilung über die l\.arpokratianer beginnt, macht
er du. Christenthum zu einem blossen Anhang zu 4er
israelitischen Religion und meint, der ganze Unter-
schied zwischeu beiden habe blos in den von unserm
göttlichen Meister gepredigten Tugenden bellanden.
Die Gottheitslehre fährt er fort, ist in beiden dieselbe
u. s. w. Wir haben bereits in einer Anmerkung an
Ort und Stelle (s. 275) auf du Unrichtige dieser An-
sicbt hinge)Viesen. Wir bemerken daher hier noch
F9)gendes: Allerdingi unterlcheidet lich du Christen-
thum durch die Empfehlung einel reinem, gebtigen
Tugendlebens welentlich von dem, meistenl nur eine
äUDere Zucht erzwingenden Judailmul; dBII aber die
Lehre Jesu in der Theorie leibat über die Religion8-
lehre der Juden; und nicht nur, wiedi..~lbe in den
mosaiachen Schriften, londern leIbst von den Prophe-
ten dargestellt wird, unendlich erhaben ist, wiuen
nicht blos die Theologen, londern überhaupt Alle, bei
welchen ReligionlkenntBiu zu finden ist. Es ist ein
grosser Irrthum, wenn .der Herr Verfuser die Gott-
heitslehre der Juden und Chrilten für einl und den
Gott Mos.. für den der Cbristen erklärt. Dieganlle
positive jüdilche Religion, wie sie zu den Zeiten Jesu
gestaltet war, concentrirte sich auf die Grundlehre von
Gott und dem Tempeldienlt, als der einzigen Vereh-
mng dieles Gottes. Beides lAut lich· auf folgende
Sätze zurückbringen. Jehovah 1st der einzige Regent,
Landesherr und Schutzgott Israels, der sich die Juden

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80 -
aßeia SU lein•• Ueblingsvolke erwlhlt hat, während
alle Nichtjuden gleich.am leine Stiefkinder sind. -
Er wehnt besonders IIR Jeruaalem, im AII.heiligsten,
~OhiD sich bei LeDen.itafe Niemand, auueI' einmal
im· ganllen Jahre nUf der Hohepriester nahen clarf.
DiNer Gett wird als eifrig geschildert, der a1Ü. die
Beobachtung seiner Geletze mit unel'bittlichw Strenge
hält und Rache' an dem Uebertreter derselben übt.
V. .ahnung findet nur statt dureh reiebe Gaben an den
Tempel und die Diener deuelbeB, H wie durch du
Blut der Opferthiere. SeIbIt das herrliche Gebot: Liebe
Gott über Allel und deinen NächsteIl wie ..ieh. selbst,
hatte bei dem Jaden eiaen beschrinkten Sinn, inde..
er unter der Liebe zu Gou nichts als die Daakbarkeit
rür die Rettung ans der ftgfptiaehen Scln.ei, und un-
ter dem Nächsten nU' den Mitjudera, dell G.chlechta-
und Glaubensgenolsen verstand. - Wie e.rhab. ist
dagegen "er Inhalt der Lehr. Jellt. Sie weisl von
keinem, IlIIsschJ.ieulich zu Jerusalem wohnenden Na-
tioaalgott. ~an leI' die merkwür4ige Uaterredung des
Beua mit der lUUlritischen Frau im Ev. Job. Cap. 4,
V. 20 - 21. Man bemerke, welchen _"lendern SiDll
Jua. dem Worte Va te r giebt, wea IH v~ Gott
.pricht, wAhrend die Juden nur dea Gott Awahams,
"aaeR nad Jacobl i. ihm sab8ll; man erlaBere aieb,
4ia88 die von JeIII aafgeateDte Lehre: "Gott ilt die
Liebe, " 'Völlig neu war und utheile deanacla wie
falsch die BeIa;Buptug ist t der Gott Molil ist der""
Clui.te~ u'nd die Gettheitslebl'e ist im' J.daism ..d
Cbri.stiaaislD. dieleIbe ! '

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- 81'

Es würde uns zu weit führen, wenn wir die KG31b~


hala der Juden, die christlichen GG310Jisiiker li die Bm%si~
lidaner, dille MJisgiG31r G31. W, zmsfiihG31lidl lIeJischJiseiheilii
UgESte I ..etet fiG31dG31n dESt Nöghige dSliJisüber b;,
jtdESr i:>"1J%:en KircbegEgetchicbs:e.
Gegen die Angabe des Herrn Vel,r. dass sich der
Grad des Mogiers.in Jn~hrern Systemen, hau p t ES ä ES h
ii chi n Te u t s c h l a n d und h TI e m h h n
der s wo fi n deli habeEE wir OEES tChOilii iilii liler NESte li
S. 2,94 eddlirt, Biet dahESr nillit ESOESb toenel. Det Gtad
det Magiert \Ehae diES ESch%:e StRlife dtt illuminatenordens
in ; dESES tiebenze und letzte Grad des clerikali-
schen Systems, auch der neunte und letzte Grad der
teutschen Gold - und Rosenkreuzer, So weit diESse in~
tessen auch in TeutschlaESd
mögeliR; SES wehrs doeh jedet deilli liS'U. einigermatSeliE
mit dESr Gli,tcbicbte dFFlisdben bekanns: d'ses di s
nsit der, nOFFh mTIS: den mittlern Rosenkreu-
ESeen, giU allerwenigsten aber mit. den Freimaurern
verwechselt werden durfen, und dass folglich auch die
teutsche Maurerei den Mag IJ s nicht kennt, M"n teb"
Encyclopädie der FreimESum,rni w. VfFn L"m,ing.
Deitter ßar,d, Se,ite, 257,

Zu dem Sechszehnten Capitel,


Von fFine,,, Feier des Johannisfestes vor dem fiinf-
tefF Jahrhundert weiss die christliche Kirchengeschichte
nichts. Der Herr Verfasser thut also sehr wohl, dass
IV. 6


U IZE oy .
,'
- 8i -
er, wle er Seite 3t6 sagt, die Meinung, es sei ein
Janusfest, nicht unterschreiben will.

Zu dem Siebzebnten Capltel.


Einen genauen . Abdruck der Tafel dtr I!lis sebe
man unter den dem Werke beigegebenen litbograpbir-
ten Darstellungen.

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AOllu"rkungen ~um zweiten Bande.

Zu dem Ach tzeh n ten Capi tel.


ZIl Seite 7. Dass die Rose schon im Alterthum
ein Symbol des Geheimnisses war, ist entschieden. Der
Mythus sagt, Amor habe dem Harpokrates eine Rose
.geschenkt , um ibn zur Verschweigung gewisser Ge-
heimnisse zu bewegen. Auch bat man Spuren, dass in
manchen Mysterien dem lnitiirten eine Rose überreicht
wurde, um ibn an die übernommene Pflicht der Ver-
schwiegenheit Zl:I erinnel'n •. Sonacb liesse sicb die Ent-
8tebu~g des Ausdrucks: "Jemanden etwas 8U'IJ ro,a
mittheilen" leicht erklären. Uebrigens ist Jos. Lau-
rentius der erste Scbriftsteller, der sich desselben als
eines Sprüchwortes in seinen 'Verken bediente.
Dass Manes, Seite t t u. folg. ein lrrlebrer im ei-
gentlichsten Sinne war, und ihm, wenn ihn nicbt Ue-
berspannung entschuldigen kann, absichtsvoller Betrug
zur Last fällt, lehrt eine geläuterte Kirchengeschichte
zu deutlich, als dass es gebilligt werden körmte, dass
ihn der Herr Verfasser - liberal nennt und zu den
unschuldig Verfolgten rechnet.

Zu dem Neunzehnten CapiteI.


Zur Berichtigung und Vervollständigung dessen,
was Seite 25 über Constänlin den Grossen sagt, muss
6"

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- 84 -

vor Allem die "Allgemeine Biographie von Joh. Mat-


thias Scbröckb, Vieri€'€' Th"iI, keii€' 1~h90, na"hgeh,=
€'en s€'er,I',n. 's S€'he h9 €',iheih Skuök,h: "C{",sta€'-
tin war also kein grosser (t'üdt nach dem hohen Sinn
dieses Namens, I,ein keiliger u44d ä"sn€'hmääd tggenh-
hafit,,{ Mann nb€'€' es Wä€' aä€'b h"in höse",ichi, d€'€'
keh,ä andere als lasterhafte Absichten verfolgt, stets
die schlimmsten Mittel gehraucht , keine aufrichtige,
wirh€'am€' N"iligm'h baäeigi häiB'ä, sh€'r Gui€'S
B'hu", Wen44 Ehrheiz, HerrschbPgierde, Eitelkeit, zu-
weilen eine grausame, unguechte That, und einige
gon de" ge&r,ffrhnh€'heä Kgnstg,Hfen dee Sb,nisklngh€'±%:
in ,1"m einns Fiirstnn, das- allch viele weise, ge-"
rechte und wohlthätige Handlungen -in sich begreift, -
wegg" jggge h-€'hk, lllliglänhlich seiä sollren ihkk ZUP%&r
Abnkseu de, Mek'&rch€'ä zn mgz,hekg ihm nichtn {,Jn
Bosheit und Verstellung zuzutrauen, so würden" die
menschlichen Leihens,;hafrnkk äEld nicht
hie d€'n G€'nchid,te
u. s. w. u. s. w."

Zu dem Z a ig teg Ca ite1.


Der zweite Satz, Seite 43g enthält eine Uebertrei-
bung und eine Unrichtigkeit zugleich. Vas aus der
W s hit nu {;niro noll te fhr eiElgn VaUngdekkB-
Igel llehnlten worden sein. Eine solche Meinung haben
nur sehr wenige Franzosen gehabt, wie die Herren
Ba 0 t, L e 0 i u. Vbgns,schyggt dnnn
gicbt ge&ragt snerdnn kgnn m n hat s t e t s dafür ge-
halten u. s. w., so ist auch die Meinung selbst falsch,
hem, im 1 hnn ll,%hrbnnd€'nte mar die Magnerelli no.::;h
85 -
keineswegs aUI ElII'opa in andere Etdtheile überge-
gangen.

Zu dem Ein und zwanziguen Capitel.


Man kann sich in der That bisweilen einel Li-
4?helns kaum erwehren, wenn der Berr Verfasser das
für Beweise ausgiebt, was entweder nicht die geringste
"Beweiskraft hat, oder gerade gegen die Behauptungen
spricht, welche er zu beweisen strebt. So findet er
Seite 70 in der ersten Note darin, dass sich die Worte:
"Gott will es" auf dem grossen Siegel des Metropo-
litanC3pitels von Herodom befinden, einen Beweis da-
für, dass die Kreuzfahrer einen Theil jener Brüder-
schaft ausmachten. Man lese im Werke selbst nach.
Wo hier der Beweis liegen soll, ist in der That
schwer zu sagen. Soll er aber gelten, so müsste man
auch annehmen, dass der, zur Zeit als Bode in
Teutschland für wahres Maurerthum wirkte, bearbeitete
Grad des Ritters vom dreifachen Kreuze, der
unmittelbar auf den Bosenkreuzgrad folgte, von den
Kreuzfahrern gestiftet sei. In diesem Grade, dessen
Katechismus den Rittern die Worte geradezu in den
Mund legt, dass sie von den Kreuzzüglern abstammen,
rufen sogleich naeh Erijffnung der Rathsversammlungen
aUe Anwesende: "Gott will es!" Nach Ableistung
des Eides eines Aufzunehmenden ertönt dieser Ruf wie-
der. Die Pflichten der Ritter bestehen darin, die
Ungläubigen zu bekämpfen, die das heilige
Land bewohnen; sie entweder zu besiegen,
oder umzukommen; zuletzt aber auf dem
Theil du Landes, welches erobert wer-

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.... 86 -
den möchte, dem Herrn einen Tempel zu
bauen !!
Instrnctionen und Katechismus drehen sich um ei-
nen Theil der hier sehr verfälschten und verdrehten
Geschichte der Kreuzzüge, und man müsste in der
That nicht sehen könn en, um nicht sehen zu wol-
l e n, dass diese in Frankreich ausgesonnene Maskerade
zu nichts diente, als eine müssige Gesellschaft bei ver-
schlossenen Thüren Bitter spielen zu lassen. Ja, es
wire in der That wahrer Unverstand, solche Dinge
von den Kreuzfahrern selbst berleiten zu wollen.
Zu Seite 76. Dass die neu e Maurerei, d. h. hier,
Systeme und Grade, die wir, als Deue Erfindungen
nicht für Maurerei ansehen, mit der sie oft im gerade-
steu Widersrruch stehen, Förmlichkeiten der alten
ligyptischen und jüdischen Einweihungen, so wie Em-
bleme derselben aufgenommen haben, gestehen wir zu.
Dass aber die ahe und wahre Freimaurerei davon frei
ist, haben wir ber~its oben ausgesprochen.
Von Seite 77 bis 78 .tellt der Herr Verf. seine
Ansichten über die Kreuzritter und ihre Beschäftigun-
gen im Orient, wenn die Waffen ruhten, in drei Sä-
tzen zusammen. "Sie haben nehmlich, wie er be-
hauptet, die Doctrinen lammt den ~sterien, die sie
dort fanden, angenommen; sie haben sie nach ihrer
Rückkehr in die HeiJnath ihren Schülern mitgetheilt;
aber sie baben zugleich die Ritus und Mysterien ver-
bessert. " Von alle dem aber findet sich in der Ge-
schichte des Mittelalters auch nicht eine Spur. Im Ge-
gentheil beweisst dieselbe vielmehr, dass diejenigen
Kreuzfahrer, welche die W nUfahrt aus wirklicher Pie-

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- 87 -

Ult unternahmen, meistens starre Anhänger des Katho-


lieismus waren und sich a"eh naell ihrer Rückkunft
als solche daDtellten.
Sie sagt uns nicht, d~1I naeh den KreuDügen in
Europa neue Mysterien eingeführt worden \Viren; ja
die laeut zu Tage sehr erhellte Geschichte der Frei-
maurerei überzeugt uns, dass sie gerade damals ruhig
und fest nach ihren uralten Gesetzen und Förmlichkei-
ten fortarbeitete , ohne dass neue Grade oder Systeme
sie verunstaltet hätten. Diess ist eine geschichtliche
Thatsache I die der Herr Verfasser mit allem Aufwand
von Gelehrsamkeit nicht umstoBSen wird. Dagegen
traten erst· in neuem Zeiten die phantasiereiehen aber
geistarmen Erfinder von gewissen Graden hervor, wel-
che leider freilich- unter maureriseher Hülle und Form
sogenannte Systeme schufen, die oft an vernünftigem
Inhalte UJn so leerer waren, je mehr man Decoratio-
nen , Gebräuche, Phrasen und Worte gehäuft hatte.
Wir haben nicht nöthig, diese Systeme näber zu be-
zeichnen I denn man keoot sie. Weit entfernt, ein
wahres Geheimniss in sich zu fassen, waren sie blol
im Verborgenen getriebene Mummereien, die endlich
doch dem eindringenden Strahl des Tageslichte nicht
ausweichen konnten und dann gewöhnlich in ihr Nichts
zerstoben. Das Schlimmste dabei war, dass, wenn sol-
che Dinge zur Kenntnis8 des Publikums kamen, die
Maurerei nicht selten selbst in Miscredit gerieth, weil
der Profane nicht leicht im Stande war, diese After-
maurerei von jener zu· scheiden. Nur erst in neuern
Zeiten hat das grössere Publikum durch die von Held-
mann 1 Schneider, Krause, Mossdorf u. A. angestellten


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- 88 -
Forschuugen die" wahre Freimaurerei kennen und das
,Aechte Mn dem Unächten unterscheiden gelernt. Aber
auch das vorliegende Werk wird dem Studium der
Geschichte der Maurerei bedeutenden Vorschub leisten,
indem der lien Verfasser ziemlich Alles, was man
von jeher mit derselben verwechselt oder mit ihr in
Verbindung zu setzen gesucht hat, mit groSler Treue
dar. teilt , wobei man ihm die Lieblingsidee , dass Al-
les auf einen ältern Ursprung deute, leicht verzeihen
kann.
Dass, wie Seite 79 gesagt wird, wlihrend der Waf-
fenruhe im Orient zwischen Kreuzfahrern und Musel-
männern hlufig theologische Untersuchungen
angestellt worden wären, und diese den hier bezeich-
neten Gang genommen hätten, können wir nicht so
leicht glauben. Wir sehen Alles, was von Seite 79 bis
Seite 83 gesagt wird, für ein Gemälde an, das mehr
Phantasiestück ist, als dass es zur Geschichtsmalerei
gerechnet werden dürfte.

Zu dem Zwei und zwanzigsten Capitel.


Gleich zu Anfang dieses CapiteJs verwechselt der
Herr Verfasser die Hospitalbrüder des heiligen Johan-
nes von Jerusalem mit dem Tempelherren, eine Ver.
wechseJung, die auch an einigen andern Orten der Dar.
steUung Eintrag thut.
Die Hospitalbrüder des heiligen Johannes, bekann-
ter hernachmals unter; den Namen Rhodisei., Johanni.
ter- und Malteser-Ritter, bildeten einen Orden, zu weI-
chem nach Wilhelm von Tyrus, Hüt. LilJ.XV1II.

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- 89 -

c. 4. p. 933 et 0,1. uud nach Jacob von VitryBilt.


B.'ero,ol. c. 64. I'. 1082 u. folg. der Grnnd bereits seit
dem Jahre 1048, nnd zwar auf folgende Art gelegt
worden war. Kaufteute von Amalfi, einer Neapolita-
nischen Seestadt, kamen öfters in Handlungsgeschäften
. nach Syrien und besuchten auch die heiligen Oerter in
Palästina. Sie wünschten daher zu Jerusalem, wo es
blos Kirchen für Griechen und andre morgenländische
Christen gab, auch eine zu besitzen, in welcher der
Gottesdienst auf lateinische Art gehalten würde. Da
sie wegen dei' Waaren, die sie mitbrachten, in jenen
Gegenden sehr beliebt waren, so bewilligte ihnen der
Chalif von Aegypten ihre Bitte. Nun baueten sie nahe
an der Kirche des heiligen Grabes eine Kirche, die sie
der heiligen Jungfrau widmeten und ein Kloster, in
welches die Pilgrime ihrer Nation aufgenommen wer-
den konnten. Man nannte es das lateinische Kloster,
ltloltalterium ae Lalina. Da indess auch oft WiUwen
und andre Frauen' unter den \Vallfahrern waren, so
wurde für sie ein besondres Wohn - und Bethaus er-
richtet. Daraus entstand das Kloster der heiligen Ma-
ria Magdalena, dessen Nonnen die Sorge für neue An-
kömmlinge oblag. Indess kamen auch ausserdem Wall-
fahrer von andern Nationen, die entweder schon vor
Jerusalem ihr Geld aufgezehrt hatten und nicht im
Stande waren, das beim Eintritt Zll erlegende Gold-
stück Zll bezahlen, oder, wenn sie schon die heiligen
Oerter besucht hatten,· nirgends eine Erquickllng fan-
den. Man baute daher neben der Kirche eine Art
°
Gasthaus oder Hospital, Xe n d 0 c k i u tn, um kranke
und gesunde Pilgrime aufzunehmen und sie mit dem

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- 90 -
Nöthigen zu versehen. Dieses erhielt; nachdem Jern-
wem in die Gewalt der Christen gekommen war, be-
deutende Einkünfte. Ger ha r d, Vorsteher desselben
um das Jahr 1099, nahm nebst den übrigen daselbst
dienst1eistenden Brüdern eine Mönchsverfassung ao.
Ihr Kleid war mit einem weissen Kreuz auf der Brust
verziert. Bald erhielten sie den Namen der Hospital-
brüder des heil. Johannes von Jerusalem. Der Papst
Paschalis 11. nahm sie io seinen Schutz und Calixtus 11.
bestätigte die der Gesellschaft nach Gerhards Tode von
Raymond du Puy gegebene dauerhafte Regel. Nach
derselben sollten die Hospitalbrüder die Gelübde der
Armuth, dei: Keuschheit und des Gehorsams ablegen;
niemals allein herumgehen; Almoseo für die Armen
sammeln, kein Geld besitzen und überhaupt der streng-
sten Mässigkeit und Zucht unterworfen sein und alle
das Kreuz auf Kleidern und Mänteln tragen. Uebri-
gens~ war der Orden aus Priestern, andern Clerikern
und Laien zusammengesetzt. Aber bereits damals be-
sass er so viele Reichthümer, dass das Oberhaupt, Ma-
gia te r, desselben sich entschloss, Zurüstungen zur Be-
kriegung der Muhamedaner zu machen. Der :{(önig
von Jerusalem nahm dieses Anerbieten an und du Puy
theilte daher den Orden in drei Classen ab: in Ritter,
Priester und dienende Brüder. Diese neue Einrichtung
bestätigte der Papst Innocentius 11. im Jahre 1130,
welcher aoch den Rittern auf ihren Heereszügen eine
Fahne mit einem weissen Kreuz in rothem Felde zu
tragen erlaubte. Ungeachtet dieser Veränderung fiihrte
der Orden in diesem ganzen Zeitalter den Namen der
Hospitalbriider fort.

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91 -
Demnach wird die Gründung derselben' S. 8( irrig
dem Hugo de Paganis zugeschrieben.
Dieser legte vielmehr im Jahre 1118 im Verein
mit Gottfried von St. Aldemar und sieben andern Edel-
leuten den Grund zu einer von jenen ganz verschiede-
nen Gesellschaft. Sie gelobten zusammen vor 'dem Pa-
triarchen von Jerusalesu) ihr Leben, wie die regulirten
Canonici, im Dienste des Erlösers, keusch, gehonam,
und ohne Eigenthum zuzubringen. Da sie weder eine
Kirche, noch eine Wohnung halten, so räumte ihnen
Balduin 1I., König von Jerusalem, seinen Palast an der
östlichen Seite des Tempels Salomonis ein. Der Pa..\.
triarch legte ihnen die Verbindlichkeit auf, zum Besten
der Pilgrime gegen die Räuber auszuziehen und die
Sicherheit der Strassen und Wege von Palästina her-
zustellen. Auf der Kirchenversammlung ZI1 Troyes iß\,.
Jahre 1t 27 erhielten sie eine Regel und wurden in
Ritter, Waffen träger und dienende Briider eingetheilt.
Wie schnell sie an Zahl, Ruhm und Reichthum zunah-
men, ist bekannt.
Nach diesem sind die häufigen Verwechselimgen
der lIospitalbrüder und dieser Tempelherren Seite 84
u. folg. zu berichtige~.
Die Angaben: Seite 89 unten, "a~le die Umstände
thaten der Religion Roms grossen Eintrag," und
Seite 90, "namentlich hörte die blinde Unterwürfigkeit
auf, die Alles dem elerus bisher bewiesen hatte,"
sind mit der wahren Geschichte ganz unvereinbar. Je-
dermann weiss, dass.Jl. ll. der Reliquienhandel durch
Niemand so sehr befördert wurde, als durch die aus ,
dem Morgenlande heimkehrenden Wallfahrer; so wie

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- 92 -
da.. die glücklich Wiederkehrenden Kirchen und Klö-
ster in grosser An.ahl bauten, oder die vorhandenen
reichlich beschenkten und dadurch gerade die Religion
Roms in hohem Grade förderten.
Die Geschichte des Untergangs der Tempelherren
ist in neuern Zeiten von mehrern Schriftstellern sehr
umfassend beschrieben worden, so dass wir es nicht für
nöthig halten, hier uns darüber zu verbreiten. - Nur
über den Baffomet oder Baphomet sei es uns vergönnt,
Etwas zu sagen. (Seite 94). Die Verehrung dieses
angeblichen Götzenbildes war einer der Hauptanklage-
punete, die man gegen den Orden aufstellte. Da in-
dessen der grösste Theil derselben erdichtet war und
selbst die, einigen Templern auf der Folter entrisse-
.nen Geständnisse keineswegs auf Wahrheit beruhten,
auch meistentheils widerrufen wurden, so sind sehr
mühsame Untersuchungen nöthig geworden, um über.
diesen Gegenstand nur einigermassen ins Klare zu
kommen. Doch kann man selbst jetzt noch die dar-
über vorhandenen Meinungen ebensowohl bestreiten,
als vertheidigen.
Das, . einigen Tempelrittern zu verschiedenen Zei-
ten schuld gegebene Einnrständniss mit den Sarazenen,
machte, dass man durch die Aehnlichkeit der Namen
Baphomet und Mahomed verleitet, den erstern Maho-
me d s K 0 p f nannte und ihn für ein Götzenbild erklärte,
das die Tempelherrn angebetet haben sollten. "renn
diese aber auch dem Glauben ihrer Väter untreu ge-
worden wären, so lässt sich doch schwerlich annehmen,
dass sie ihre Verehrung für Mahomed weiter getrieben
hätten, als die Muselmänner selbst, die noch da.u gar

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- 93 -

keine BilderverehrUng gestalten. Jene Annahme be-


ruhte daher auf einem leicht erweislichen (rrthume.
Wichtiger ~öchte der Vorwurf für die Tempel-
herren sein, dass sie die Gottheit Christi geläugnet
hätten, um mit dem Glauben an dieselbe nicht den Glall-
ben an den einzigen wahren Gott aufgeben Zll müssen, CI'
dessen Bild der Baphomet gewesen sei. Es habe aus
einem wohlgeformten Kopf eines Greises mit einem
Barte be~tanden und die Unterschrift geführt Ba" IU-
-rov, , Worte, welche Nicolai durch "W ei h e der V e r-
nun ft" übersetzt, ohne nachzuweisen, wie dieser Sino
darin lil'gen kann. (Noch mehr irrt der Herr Verfasser,
wenn er Meton, S. 94, für ein griechisches Wort an-
siehet, welches Weisheit bedeute). Nimmt man das
/-lETOVq. fur eine Abbreviatur für /-lEroval", (der Gemein-
schaft), so könnte man das Bild aus einem doppelteo
Gesichtspunet betrachten; aus einem den Tempelherreo
günstigen, indem man annähme, ,es sei hlos ein Bun-
des z eie ben, ein Symbol ihrer Gemeinschaft, gewesen;
aber auch aus einem ihnen sehr ungünstigen, wenn mao
nehmlich {Ja'P1'J in der eigentlichen Bedeutung, das Ein-
tauchen, Untertauchen gelten liesse, /IHovqla aber in
der zweiten nähme • nach welcher es Lust', Vergnügen
heisst und nun den Baphomet für das Symbol, der ihnen
in einem dritten Klagl'puncte zur Last gell'gten unna-
türlichen Wollüste ansähe; wobei es jedoch höchst un-
wahrscheinlich bleibt, dass sie, wenn sie denselben wirk-
lich im Geheimen fröhnten, sie durch Symbole und
Sc h rift sollten ausgesprochen und gleichsam bekannt
haben. Weit mehr hat daher die Meinung für sicb,
welche der gelehrte Bischof Münter in seiner Abhand-

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94

lung: "Uebet die haupt&ächlichsten gegen den Tempel-


orden erhobenen Beschuldigungen" entwickelt hat. Man
1indet sie in Dr. H. Ph. C. Henke's Magazin für Reli-
gionsphilosophie, Exegese und Kirchengeschichte, Bd. 1 t,
oder des Neuen Magazins Bd. 5, Stck',3, Helmstädt
1801, Seile 351 bis 475. Darin sucht er zu erweisen,
dass der Baphomet nichts mehr und nichts weniger ge-
wesen sei, als eiu R e )j q u i e n k äst c h e n, das auf dem
Altare stand und nach dem Aberglauben der Zeit durch
Verbeugungen und Küs'ien verehrt wurde. So wahr-
scheinlich diess aber auch ist, so trat doch in den neue-
Slen 1.eitcn der Horralh von Hammer als neuer An-
,k1äger der Tempelherren auf. Er schrieb: ".iUtI,terium
Bopkometi' re"elatum, ,ett frat,.es militiae templi, qua
01l0,tic; eI quidem Opkiani, apolia,iae, idoloduliae el
i'apttrilali' con"icti per ip,a eoru. monumellla," und
wiederholt in dieser Abhandlung ziemlich alle die Be- ,
achuldigungen, womit man den Orden ehemals verdäch-
tig machte. Man findet dieselbe abgedruckt in: "Fund-
gruben des Orients" Bd. VI, Heft 1. Wien 1818. Es
war vorauszusehen, dass dagegen Widerspruch erhoben
werden würde. Naml'ntlich. bemühte sich Raynouard
diese Anklagen zu widerlegen, und liess einen lesens-
werthl'n Aufsatz dariiber in den März - und Aprilheften
des "Journal des Sa"at18 pour l'an 1819" einrücken.
Seite 198 äussert der Herr Verf., das.s, während
Reichthom und Macht zu jeder Zeit einen verderblichen
Einfluss auf alle Nationen und auf alle rl'ligiösen Ge-
sellschaften geäussert hätten, es desto mehr Verwunde-
rung erregen müsse, den Tl'mpelorden von diesem Ein-
fluss "ölJig frei zu sehen. Nichts beweisst, setzt er

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95 --
hinzu, dass der Orden unsittliche Mitglieder gehabt
habe. - Dieses Urtheil scheint zu eins('itig. Denn
wenn man auch zugeben muss, dass die Tempelherren
mit unverantwortlicher Ungerechtigkeit und Grausam-
keit behandelt worden sind, so kann man doch nicbt .
geradezu bebaupten, dass ihnen das schreckliche Loos
ohne alle Veranlassung von ihrer Seite zu Tbeil wor-
den wäre. Es ist vielmehr gewiss, dass die ioner,
Stärke und Grösse des Ordens ihn stolz und übermii-
thig machte, worüber mehrere gleichzeitige Bischöfe
und Fürsten klagten, sondern auch, dass der Besitz
ungemessener Reichthümer ihn zur Ueppigkeit und Un-
sittlichkeit verleitete. Auch ist es Thatsache, dass der
letzte Nachfolger des ersten Meisters, Hngo, Jacob
Bernhard von Molay aus Burgund, sich viele Mühe gah,
einen bessern Geist einzuführen, als der war, der da-
mals schon seit einiger Zeit herrschte. Schon um die
Mitte des dreizehnten Jahrhunderts war der unbändige
Stolz und das unmässige Trinken der Tempelherren
zum Sprüchwort geworden. (Dictionn. comifue, ,al!l-
ritJue eie. ci L!lon 173L S. 6f4). Freilich stand ihr
Schicksal mit diesen Verirrungen in keinem Verhähnlss.
Und was die in den ersten Zeiten des XIV. Jahrhunderts
ihnen vorgeworfenen Verbrechen betrifft, so tragen diese
zu lehr das Gepräge der Dichtung, als dass man ein
. grosses Gewicht darauf legen könnte. Auch die Er-
zlihlung der Art, wie jene Verbrechen an das Licht
gekommen sein sollen, ist verdächtig. (Man vergl.
Seite 100 und 101). Nach Villan; in Hiltorie Flore.-
lini I. 17111. Murator. Sen'pt. Ber. Italiear. T. XIII,
fanden sich in einem Gefängnisse zu Paris ein Tempel-

"
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- 96
herr, der früher' Prior zu Montfaucon im Gebiete von
Toulouse gewesen sein sollte und ein andrer Bösewicht,
Notfodei aus Florenz, beisammen. Ersterer war wegen
Ausschweifungen und Ketzereien zu ewiger Gefangen-
schaft verurtheilt. Den andern hatten ebenfalls grobe
Verbrechen in den Kerker gebracht. Voll Verzweif-
lung 'entwarfen sie den Plan, durch falsche Beschul-
digungen der Tempelherren den geldbegterigen König
zu gewinnen und dadurch ihre Freiheit zu bewir-
ken. Es gelang; doch starben ·beide NiehtswÜ(-
dige eines gewaltsamen Todes. Diese Erzählung,
welche später du Pug Hist. de l'Ordre militaire de,
TemplierB, a BruBlelleB 1iM S. 7, und He"!lot H• .,t.
de, OrdreB monaBtique" religieu:c et militaire, T. VI,
p. 25 ohne Bedenken wiederholten, verliert dadurch
an Wahrscheinlichkeit, dass in Bist. generale de Lall-
guedoc T: IV, p. 138 nachgewiesen worden ist, dass
es im Bezirk von 'foulouse niemals ein Priorat Namens
Montfaueon gegeben hat. Dagegen berichtet Amanry
Angier aus Beziers, Prior von Aspiran in Ronssillon, in:
Se:cta Vita Clementi, V. in Baluzii Viii, Paparum
Avenionensium T. I. p. 99, dass ein Bürger aus Beziers,
Namens Sqllin von Florian, und ein abtrünniger Tem-
pelherr, in einem königlichen Schlosse im Gebiete von
Toulouse, wegen verschiedener Verbrechen gefangen
gesessen und sich vor ihrem muthmasslich bald erfolgen-
den Tode gegenseitig ihre Sünden gebeichtet hätten.
Squin wäre dadurch zur Kenntniss so schauderhafter
Geheimnisse gekommen, dass er sie an' den König be-
richten zu müssen geglaubt hätte, von welchem bald
darauf das gerichtliche Verfahren gf'gen die Tempel-

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97
herren eingeleitet worden wlre. - Es bedarf übrigens
,nicht erst bemerkt Ztl werden, das. Aussagen von Ver-
brechern: die ~ich Begnadigung oder Belobnung zu ver-
schaffen suchen ~ keinen grossen Glauben verdienen.
Die höhern Grade, welche Seite 1 t 7 aufgezählt
werden, und bei welchen der Herr Verf. den Ritter vom
dreifachen Kreuz (8. 0.) vergessen hat, dessen weit-
läuftige Beschreibung in der Encyclopädie der Freimlltl-
rerei von Lenning, Zweiter Bd. S. 228 u. folg., z,u fin~
MD ist, - sind särDlIltlicb Erfindungen neuerer' Zeiten,
die mit der alten und wabrenFreimaurerei weder in
Bezug auf die Idee, nocb in Bezug auf die Tendenz
etwas gemein haben, sondern blos einige Förmlicb-
keiten missbrauchen, um sich einen maurerischen An-
strich zu geben.
Aucb die Seite 119 aufgestellte Behauptung des
Capitän Georg Smits, dass die Friimaurerei eine Fort- ,
setzung des Tempelherrenordens sei, ist, wenn sie gleich
von einigen gelebrten Männern und zul .. fzt nocb von '
dem Prof. Steifens in seinen Caricaturen. des Heiligstens
aufgestellt worden ist, ganz ungescbichtlw'h und falsch •
.Die FreimaUJ"erei war lange vorher da, ebe jener Or-
den entstand und nur erst in neuern Zeiten fiel es eini-
gen irregeleiteten Maurern ein, Templerei zu spielen.
Einen Hauptirrtbum aber bringt der Herr Verf. von
Seite 120 an zu Tage, wo er die ganze maureriscbe
Ker;mtniss in vier Classen ordnet. Man lese dort nacb.
Die genannte erste Classe wird und muss, wenn wir
der Geschichte folgen, aucb die Alcbemie mit in sich
scbliessen. Dass aber dieses Treiben J dessen sich die
Glieder oder Adepten dieser ersten Classe befteiasigten
~ 7

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- ,98'-

und' welches Gottlob ! eineJ', bereit. lang eMltlhwundenen


Zeit angehörte, zom Beweise delf gr.onen Baumeisters
. der Welt, zum Glauben an die Unsterblichkeit und zu
den böhern WisseDschaften geführt hahen sollte; ist eine
leere Behauptung, die' nirgends Bestätigung findet.
Die zweitereiri mos.aisch - könnte eben deshalb
keineswegs r~in m aflor edsc h sein.
Die dritte, c~[istl.ich religiös, eben so wenig, denn
die Maurerei selzt Religiösität in ihren Bekennern vor-
aus, lehrt aber keme Religion, welches sie der Kirche
überlässt.
Die vierte endlich umflUlSf die in neuern Zeiten ge-
schaffenen Traumbilder eiaer verirrten Phantasie -
und gleichwohl sagt der Herr Verf., dass er nur an der
Hand der Geschichte zu seinem Resultate gekommen
'Sei. Wir sucheß, dagegen etwas ganz anders in der
Maurerei, nehmlieh in den blauen Graden oder der
Johannismanrerei,' Selbsterkenntniss und' pr akt i s c h e
Lebensweisheit, d. h. Menschenkenntniss und Menschen-
liebe; und in den höhern Graden, scientifische Ausbeate,
Kenntniss d~r Geschichte der Maurerei, ihrer Schick-
sale, ihrer Verwandlung, d. h. allel' der unedlen Zweige,
die man auf den ehrwürdigen Stamm von Zeit zu Zeit
zu pfropf~n bemüht gewesen ist. Und was mit jener
praktischen und dieser scientifischen Maurerei
zusammenstimmt,das erkennen wir für keine Maurerei
und wenn es sich mit noch so vielen Orden sehmückte,
und wenn es die sinnreichsten Legenden erzählte und
wenn es sich Doppelmaurerei , oder siebenfache oder
höchste Maarerei nannte. Bei alle dem wiederholen
wir, dalls wir uns dem Herrn Verf. für seine wirklich

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99 -
treue Etzllhlung so1cher Aftermaurer~ien lebhaft ver-
bundenmhlen und dass wir seines Irrthums halbet, in
Bezug -auf den Ursprung, nich~ mit ihm rechten wollen
und zwar um so weniger, da dieser Irrthum- der wah-
ren Geschichte schwerlich Eintrag thun wird~

Zu dem Drei u-nd liwanzigsten Capitel.


ZII Seite t 40. Es' ist bekannt, dass die D 0 k e te n
annahmen, Jeslls habe nur einen Scheinkörper gehabt.
Soweit aber ist Niemand gegangen, - aus der Stelle
t. Korinth. Cap. 1, V.' 23 zu folgern, dass Mlmche
ganz andre Ansichten von der Kreuzigang -gehabt
hätten. Der Sinn jener Wbrte des Apostels liegt am
Tage. ' Je mehr Ansprüche die Juden an ihren Messias
m~hten, je glänzender er ihren Erwartungen nach
auftreten und je inilchtiger das Reich sein sollle, das
sie durch ihn errichtet zu sehen wünsehten, desto mehr
Anstos~ (Aergerniss) nahmen sie an seinem Kreuzestod
und die Griechen (Heiden) an den philosophischen Lehr-
gang ihrer Schulen gewohnt, fanden seine" Lehren zu
eiafach und konnten es nicht begreifen, wie der ein
Gegenstand der Verehrung sein konnte, der den Tod
eines Verbrechers erlitten hatte. Wo hier eine Andeu-
tung auf den Scheintod deli Herrn liegen soll, ist schwer
zu begreifen.

Vier und 'zwanzigstes Capitel.


Wenn Seite 166 den Maurern schuld gegeben wird,
dass sie selbst vom Tempelorden abzustammen behaup-
ten, so kann dieser Vorwurf nur sehr Wenige und zwar
sehr Ununterrichtete treffen. Wir haben in -der Note
1*

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100

daselhat gesagt, dass sich die T,empelherre.. wohl eitle


Zeitlp,og in der Maurerei verbargen, diese aber keines-
wegs gründeten. Damit hat es folgende Bewandniss:
Beid,r Ausrottung der TempelberreD in Frankreich,
waren gleichwohl Einige dem Sturm entgangen. Piene
d'Aumont, Heermeiater in der Provinz Auvergne, flüch-
tete mit .zwei Comtba.enund mnf Rittern unter frem-
den' Namen auf die westscbpttilche Insel Mull, wo
Georg Harris, Grosscomthur von Hamptoncourt und
einige andere Ritter sich aufhielten. Man zog noch an-
dere Flüchtlinge an lich, .und so kam am .Johaonistage
2-3'12 das .geheime Capitel zu Stande, in welchem der
Prior Clermont an Jacob .ßernhard Molays Stelle zum.
'Grossmeister gewählt wurde. Da nach und nach die
erbittertsten Feinde des Ordens abstarben, f~ssten diese
Ritter die Hotrnung, denselben einst wiederhergeste~
zu sehen. Im Jahre 1361 verlegten sie ihren Sitz nach
Aberdecn. in Schottland, und versuchten von da aus
sich in der Stille -'über England und vielleicht noch
weiter auszubreiten. Diess musste aber mit der gröss-
ten Vorsicht geschehen. Nun batten die Templer schon
früher die Freimaurer kennen gelernt, wozu die Bau-
werke der Letztern Gelegenbeiten genug gaben und
es hatten selbst bisweilen Ordensobere die maurerische
Grosmeisterwiirde angenommen. Die Templer konnten
also keinen sicherern Vereinigungspunct finden, als un-
ter den Freimaurern, besonders unter den An g e-
no m m e n e n., von welchen Mehrere ihnen SChOR be-
freundet waren, ,oder deren Bekanntschaft ihnen nütz-
_ich werden konnte. Diese Umstände brachten die
merkwiirdige Erscheinung be"or, dBSl der stolzeste

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tOt
aller Ritterorden, das belJcheidene Gewand dp-s Mau-
rers anlegte. Dabei war es natürlich, dass manchen
Symbolen, Gebräuch~n u.· s. w. ein ganz neuer, -
templerischer Sinn untergelegt wurde, als tiefes G.e-
heimniss nur wenigen Eingeweiheten versUlndlich. Als
diese Templer nach und nach abstarben, die Hoffnung,
den Orden in seiner friihern Gestalt wieder hergestellt
zu sehen, erlosch, blieben gleichwohl in Ritualen,
KatechismeJ!. u. s. w. manche Spur dieses templerischen
Wesens zurück, das sieh vielleicht würde von selbst
verloren haben, wenn nicht eine jüngere Zeit die Idee
einer Wiederherstellung des Ordens aufs Neue gefasst
und ia verschiedenen Systemen und Graden zu ver-
wir:klichen gestreht hätte. Wir haben es bereits aus-
gesprochen, dass wir eine solche Abweichung von der
Idee und der Tendenz der wahren Maurerei nicht für
Maurerei halten können.

In· Betreff der in der Note Seite 158 gerügten


. .verwechselung der lohannitermit den TempeiherreQ
verweisen wir auf das, wtUJ wir. obe:'l zu dem zwei
und zwanzi~sten Capitel, Seite 88 u. folg. über heide
.Orden gesagt haben. _.
Die Errichtung der im Werk;' B"·campen,e,,t, ge-
nannten templerischen Capitel' wird nun von S. t65 an
weitläuftig gemeidet und Rituale °initgetbeilt, zagl~ich
aber auch S. 174 und 175 mit einem Tadel bf'gleitet,
der uns vollkommen gegründet .cheint~ Man kann
weder einen Zweck noch &linen Nutzen auffinclen, .den
diese LcaMpe".e.t. haben sollten. Denkt man im
ErnSte noch an eine Widerherstellung dei Tempelber-

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- 102 -

renordenlt Die.. Inöchte eine völlig vergebliche. lHU.


gaaz nutzlose Bemühung sein! W oUte man das heilige
Grab noch einmal erobern! Dann müssten wohl a,n-
dere Anstalten dazu. getroffen werden. ,Diese ganz.,.
Templerei also ist nichts als eine Spielerei ~ Ode"
wollte man endlich mit dem Herrn Verfasser anneh-
men, dass in diesem Orden gtlwisse Lehr"n fortge-
pflanzt würden, so dürften dielle schwerlich vor dem
Liehte der reinen Religion Christi, und vor dem ein-
fachen, rein menschlichen Lehren des wahren Maurer-
thums bestehen.
Mit dieser Darstellung der maltesischen, balduini-
Ichen u. a. Capitel, glau.bt denn DllD der Herr V v-fB:,sser
leine Untersuchung über den Uraprung unsrer MIsle-
rien, Doctrinen und Erq,bleme beendigt und vollstän-
dig dargethan und denselben in den Religionen der al-
ten Aegypter, Juden und Christen nachgewiesen zu ha-
ben. Wir dagegen glauben durch unsre Andeutungen
dieses Hauptthema des Werkes als einen Hauptirrthum
dargestellt und unwiderlegliche Beweise dafür beige-
bracht zu haben, indem wir uns allein an die beglau-
bigte Geschichte halten, während der Herr Verfasser
sich in den meisten Fällen eine Geschichte träumt.
Dies Einzige, was wir ihm zugeben, ist das, dass in
jüngern Zeiten die Erfinder neuer Systeme bald ägyp-
tische, bald hebräische, balcl christlich-kirchliche 8ylO-
bole, Legenden und Gebräuche auf die Maur.rei über:-
trugen, dass Dla,ll allf eine ähQ}iche Art da/lu. kam,
was vom Tempelorden übrig und bekannt Wal' J eben-
falls mit de~,Maurerei zu. vermischeIl 1,1.w IQ.}UtUI! UQd
Grade zu 1C~a1fen, die aämliltlioh den wahr... Geiat, de,r

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- tOO -
Maurerei nicht athmen und dem' eigeathülI.lichen Zweck
deneIben ewig freold bleibeb.
Was nun von Seite 277 folgt, ist gleichsam als
eine Zugabe zum Ganzen zu hetraebten und: diese eot-'
hält' manche scbätzenswerthe Mittheilungen. Doch wer.·
den wir auch "ier das Falsche und Irr~e soviel wie
möglich zu berichtigen sueben. ' ,
Hier sehen wir uns aber suetat' genöthigt ditt Be-
merkung zu. mache., daliS von Seite t 76 an der wahre
Ursprung ~es Freiolaurerbrdens, einige unbedelltend~.
_ Irrthiimlichkeiten abgerechnet, geschichtlich treu 481'-
gesteUt wird. E. ißt daber befremdend, wie der Herr,
Verfauer, als er zu den hier entwickelten KenRtoilien,
gekommen war, seine Hypothese noch feat )lallen 'und,
die Mysterien der Maur~rei aus Aegypten, d~Dl.ladllis"
mUB ond Chrilltianiimus Ilerleitea' kcmnte. i:Wir tön,.,
nen daber die: M~i....g nicht untetdrüobn; ~ di~ wi.
schon,. ein_ .aodern:' O.rte aagedetttet habeD" \ :d_
dU SBnzeiWel'k'aul ,Exe:erpten,'entstaridi!n sej, diej du
Herr \' 81'fJiue~ bei seinAn Studien' I8mm~lte; ..be'
ohne noebotalige Dureheicht"ulld ,ohae kritis-me: Sonde..
nllIgZllID Druck _förderte. Denjenigen, w~lcbe: nÜlht
Zeit Ud Last haben, geleJute Geschichtswerke 4at-
üt.er ,DBchzuleuin, ,empfehlen wir die ;, GeschidMe der
FriliriuuueweiJ ' hr:.. ;,Allot.ien zur Uatel'haItug iB' Feier~
;stonden VOIl'.til. eh. 'M. Je.cUr.'~ Berliß bei..Rüoker t826,
Seite t80,bis 295i; ein ,W.erkehen, -in welchem die Aus..
beute. vielfach.. F.ol'8CboDgeli. lorgsam' z••amloengetra-
«eniat, und. welches z.gleioh einen JeaenlWJrtlle_, Allf-
.... üb,e&o UD ,;Unt.r~ der Tempelhellrarl'" I'on SN'.
77 bis t06 enthält. .9bw

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- t84 -
Zu dem Fünf und Zwanzigsten Capitel.
Seite 195 heiut es: "Lawrie behauptet, dlll8 die
Maurerei S3 wie sie jetzt ist, im lahre 1150 in Schott-
land aufkam und dass sie so Kilwinning gegründet wurde
u. I. w." Demnach könnte es scheinen, all verlege
Lawrie den Ursprung der Maurerei nach Schottland
und laue sie 1 t 50 erst entstehen. Dem ist aber nicht
80. Vielmehr sagt Lawrie in "GelCbicbte der Frei-
maurerei aUI autbentilchen Quellen u. s. w.," naeh-
.
. dem er die Geheimnille und Gesellscbaften der alten
Welt besprocben bat, S. 79 und..80, Folgendes: "Naeh-
.tem wir also die }'reimaurerei mit jenen geheimen Ge-
sellsebaften, welcbe in dem Zeitalter der Finltemiss,
entstanden, verglicben baben, wollen wir nun unsre
Auf.nerksamkeit auf ihre Fortscbritte in Britannien,
'nach ihrem Verlölchen in den übrigen Reichen von
Europa richten. Wir haben schon geseben, .... eine
'Brüderacbaft von freien Werkmaur..n ja Europa wib-
rend' des Mittelalters exiatirte; dasl llie von dem römi-
achen Bilcbof mehrere besondre VergüDStigangen er-
hielt; • dall sie das ausschliessende Privilegium hatte,
jene prichtigen Gebäude zu errichten, zu deren Erbau-
ung sie der Stolz der romisehen Kirche, und missver-
standener EKer ihrer Glleder berufen hatte; und das.
verschiedene Maurer, um den Anfang dei zwölften
lahrhunderts, nach Schottland reilten and in diese.
Land die Principien und Ceremo.nien ihres Ordenl
brachten. Wir baben auch ..erschiedene UrsaClien, wel-
che diese Gelellachaft, nach ihrer gänllicbea Auflösung
auf dem Contineate, in Britannien erhielIen , .1.08
auseinandergesetzt. "

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- t05
" n511 die Freimaurerei durch die Baukünltler,
welche die Abtei zu Kilwinning erbaut haben, nach
Schottland gebracht worden sei, hit offenbar u. I. w."
Wer übrigenl das Lawriesche Werk mit Nutzen
gebrauchen will, unterlasse ja nicht die der teutschen
Uebersetzung von Dr. C. F~ A. Burkhardt vorgesetztft
Vorrede und von Seite 3t4·zugegebenen Anmerkungen
des Dr. K. Chr•. Fr. Krause lorgfliltig damit zu ver-
gleichen.
Der Berufung auf Leasing, Seite 204, begegnet der
Herausgeber ungern. Nie hat ein Mann von Geist
über die Freimaurerei so achief und unrichtig geurtheilt,
als eben Lessing, man mÜlSte in neuern Zeiten etwa
Steffens aUlnehmen. Siehe· Krause Kunsturkuoden Bd. I,
Seite 78 u. folg. und .H. C. Albrechts Materialien zu
einer krit. Gesch. der FreimaureI:ei, S. 5 - 66.
neo in der Note auf Seit. 206 veraprocbenen Be-
weis werden unlre Leser in· den Anmerkungen zu dem
acht und dreillSigsten Capitel vollstiiDdig geführt finden.
Der, Seite 215, genulDte Ramsa)' ist eine zu merk-
würdige Erscheinung in der Maurerei; als dass wir es
uns versagen könnten, hier.' ,einige weitere Notizen
über ihn zu geben. Andre... Michael Ramsa)' schotti-
scher Baronet und Doctor der Rechte, war im Jahre
1686 geboren und starb am 6. Mai t743 zu St. Ger-
main - en- Laye.. nen grössten Thail. leiDes Lebens hielt
er sich in Frankreich auf und machte. sich logar zu
leiner Zeit· a1l historischer Schriftsteller in der Sprache
dieses Landes einen gewissen Namen. Im Jahre t709
wurde er. von dem berühmten Flmelon, Erzbischof von
Cambray, vermocht, zur römisch .. katholischeo Kirche

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überzutreten und war das Jabr 1724 hindurch und ei-
WTI03n TLWTIrrl des GWTIWTIWTIgf foJg03jifffielen JWTIieIfWTIS zu ErWTI!e03'
her .eler heiden Söhne des Prätendenten, Sohnes von Ja-
C!ob H. König von England. Hier legte er wahrschein-
de'f (k03und WTIeineill Plane, FreiETIZWTIWTIIferei
neuen Rittergraden zu bereichern.
Vom J~re 1725 an sing er damit um ein geillETI
fffeues me,ee03erischWTIIf SysteWTIB. LOWTIhillTI zu spigIfn. Z'IfETIIf
gelang ihm diess nicht nach Wunsche, doch erreichte er
IfWTIviel, dWTIIfWTI die O%TIehher aefkETIee'TImeneh,e höhe03''TI Hrade
~empieHeehen deetETI schnelle03 fandere,
Die ganz eigenthümlichen Ansichten Ramsaysüber die Frei-
rereaurerrei er 5; Di,gfif.?re' cl p·eceptieiijff.
hie, ,FrWTIre-Mar;eETIe (sie!) Hr. Bam'?'i'?'S Grafftf·
Orate"r de l'Ordre, entwickelt. Man findet diesen
niscouze : " de
eeeire), ffreETIC et j&fi.4feelles
di.fferen.. A"teu1'8. Notlvelle Edition aftgme1ltee de
siullieu:i'zwpaecu' f Limdi'i'i', .A.ETI: eiepen, la
h>ETIg.nie n1. S.t19i 12. wied03j>bgedrucht
in der Encyclopädie. der Freimaurerei 111. Bd. S. 195
folg.. :.aale» Ram>eeg lür d>ETI Soböhf»
L03r te>,plerischen hfaurerei ansehen, was in d~r Ge-
schichte, der letztern UIB 10 wichtiger ist, da daraus
hffrvo~>h{ mit w>lchem Hfzgrunh wird,
IJrsprung aelbst sei im Tempelorden zu .,,"chen.
Ueber . Schwedenburg werden wil- i. den Anmer-
PETIDgen ETI54M dr>ii'i'lhaten NöthlhETI i'agen,
Der Seite 216 aber und an einigen andern Orten
unter die Freimaurer, ja selbst ;unter die Shstemstifter
"''''''ff'fH,"" CagJfETInETI03Ziist. nie SI>llF«!f
t07 -
wesen, UQd das, was man sein System n~nnt und von
ihm selbst )lohe ägyptische Maurerei genannt wurde,
war nichts als ein Gewebe von Unsmn und Lächerlich-
keiten, womit er die Einfältigen in verschiedenen Län-
dern, hauptllilchlich aber in Frankreich berückte, hier
namentlich die Damen fiirsich gewann, seine Bewun.-
derer um grosse Sum~en Geld brachte und zuletzt als
ein gemeiner Betrüger .entlarvt wurde. Wir wollen
hier die aktenkundige Geschichte seines abenthenerli..
ehen Lebens kurzlich erzählen.
Alexander, aogeblieher Graf von Cagliostro, mit
seinem wahren Namen Ginseppe Balsamo, war von ge-
ringem Herkommen, und wurde den 8. Jllni t743"zlI
Palermo geboren. Sein V aUlr hien Peter Balsamo,
seine Motter Felizia Braconlari.: Nach dem Tode bei...
der Aeltern nahme. sieb" zwei Oheime mütterlicher
Seits des KoabeuBD. Dieser zeigte aber schon sehr
früh eine AbneigtUig gegen Wissenschaft .und. Religion,
und w1l1'de 4aher in aeiaem Utan Lebensjahre dea
barmherzige. Brüdern zu (J_tagirone übergeben, wo
er von dem Apotheker des Cnv8Dts in der Chemie
und Medicin unt.richtet W.elldeB Bollte.
Doch aehickae man ihn seiner sehlechten Gemütha-
art wegen bäld wieder nach Palermo zurück. Hier
beging er eine Reihe schleehterStreiche, verfälschte
Theaterbillets und verkaufte sie, bestahl seinen Oheim,
schob ein fabohes Testament unter, betrog einen Gold-
arbeiter, Namens Merano, um 60 Unzeu Goldes und
ergriff endlicll, au mehrmaliger Haft wieder freige-
lassen; die Fluclat. Er ging zuerst nach Messino,· .machte
dllIIelbst Beka.niachaft" mit ein8~. gewissen "Altola.,

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- IO~ -

der sieh fÖl' einen Chemiker ausgab, reiste mit dil!selll


dUlch' Griechenland nach Alexandria in Aegypten, und
leistete ihm bei Verfertigung seidner Stoa-e Dienst...,
die beiden viel Geld einbrachten. Hierauf begaben sicb
beide nach Rbodus und 'dan~ nach Malta. Uebel'aU
gelang es ihnen durch chemiscbe Operationen bedeu~
tend zu gewinn8ll. Altolas starb, Balsamo giog nach
Neapel, dann nach Sicilien, endlich nach Rom. Hier
heirathete er die schöne Lorenza Feliciani, die er durch
Ueberredung zwang, ihre Schönheit als Erwerbsquelle
zu benutzen. Der Vater jagte daher das ihm miafäl-
lige Paar aus dem Hause. In dieser Zeit lernte Caglio-
stro den berüchtigten Marqnis Ag~ata kennen,' der ibn
die Kunst Petschafte und Handschriften nachzuma~
ehen und Wechsel zu verfälschen lehrte. Jetzt trat er
als Officier eines grossen Königs auf, musste sich aber
b8Id von Rom entfernen, da er von einem dritten Bö-
sewichte, Ottavio Nicastro vor Gericht a)s Papierver-
fIilscher angeklagt worden war. Cagliostro und AgJi-
ata reisten daher über Loretto naeh Venedig. Zu Ber-
gamo kam ibnen die Polizei auf die Spar, Agliata ent-
floh, C. wurde nebst seiner Fran gefangen gesetzt uood
Dach einem kurzen Prozess des Landes verwiesen. Sie
wallfahrteten daher 'a)s, Pilger mich Si. Jago in der
spanischen Provinz Galizien und leb~en einige Zeit von
Almosen in Antibes, B8l'cellona, Madrid und dann in
Lissabon. Nach einem kurzen Aufenthalt in der letz-
ten Hauptstadt begaben sie sich von dort nach Londoo,
wo sie mit einem gewiBBen Vivano mancherlei Betrü-
gereien, ausübten (1771). Cagliostro kam ins ~efAng­
nin, wurde durch die Grouinuth eine. Engländer. dar-

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109. -

llUS wieder' befreit I betrog seinen Wohlthllter, ver-


führte dessen Tochter und ftüch~te dann nacli Paris,
gedeth mit Du Plaisir, in dessen Gesellschaft er die
Beise gemacht hatte, seiner Frau wegen in Streit und
liess diese in' das Gefänguiss Ste Peillgie einsperren.
Jeut gab er vor ein Wasser zur Verjüngung der Haut,
eine Tinktur zur Verlilngerung des Lebens und - so-
gar Gold machen zu können. Nachdem er viele Leicht..
gläubige getäuscht hatte, zwang ihn die Entdeckung
eines Betrugs abermals zur Flucht. Er ging nach Pa-
lermo, wo ihn jed';ch das Schicksal traf, auf Veran-
lassung des Herrn Marano (I. 0.) arretirt zu werden.
Jedoch aQCh hier war er so glücklich, durch Vermit-
t~ung. eines angesebenen Neapolitaners wieder in ~rei.
heit gesetzt zu werden. Nun durcbzog er' unter man-
cherlei angenommenen Namen, als: Tiscbio, Pellegrini,
MlU'quis d' Anna , Graf Phönix u. s. w., Frankreich,
Spanien und England aufs Neue, und betrog, wer sich
, betrügen liess. Die Auffindung des Steines des Wei-
sen, Arzneien, unter welchen sein "ägyptischer Wein"
vorzüglich angepri~sen wurde, waren die Mittel, deren
er sich hauptsächlich bediente, sieh Geld zu verschaf-
fen. Da er besonders auch alten Damen ihre frühere
Schönheit wieder her.usteUen vefsprach, 80 gelang es
ihm eine grone Zahl Bewunderer und Freunde zu ge ..
winnen J die ihr Vertrauen Zll ihm meistens sehr theuer
bezahlen muslten. Nun sagt man, habe er sich lassen
obngefähr um t 776 bis t 779 in London zum "reimaure~
'aufnehmen. Doch steht sein Name in keiner Londo-
oer Logenliste und es ist wahrscheinlicher, dass er
sieh nur für einen Freimaurer ausgegeben habe, da

Digitized qy Google
- He -
er surBegrfindung .eines tollen Systems der Freimau-
rerei niebt bedurfte, sie auch Dicht dazu benutzen
konnte. Die von ihm gestiftete Gesellschaft aber be-
stand aus Tboren, die seine Prahlereien, er habe schon
vor der .Sändftuth gelebt, sei auf der Hochzeit zu Ca-
naan gegenwärtig gewesen, und dergleichen mehr, ohne
aßen Wider.prueb und Zweifel geduldig glaubten und
ihrem Meister Mlsehnliche Summen zoßie..en liessen.
Das leichtgläubige Frankreich nannte ihn "den gött-
lichen Cagliostro" und trug sei. Bild ili Ringen,· auf
Kleidern, Fächern, brachte e. in den Bäusern . überall
an und stellte seine Büste uf öffentlichen Plätzen auf•
. Eine tlritte Beise durch Italien, Teutschlaad UIId Frank-
l'eich war für ihn nicht weniger ergiebig; dann ging
er . nach Mitau, Petersburg und kehrte wieder nach
Frankreich zurück, wo er .ich Lyon zum Aufenthalt
wählte. Als er hier nicht füglich länger bleiben konnte,
wandte er sich abermals nach Paris, wurde 1785 in
die bekannte BalsbandgelJtlhichte verwickelt, kam in
die Bastille und wurde t 786 des Land.es verwiesen;
wollte wiederum London ZIlm Schallplatz seiner ruch-
losen Thaten machen, ward aber überall als ein Be-
trüger zurückgewiesen, durchschwärmte noch einmal
einen Theil Frankreichs und Italiens und wurde end-
lich in Hom 1789 festgenommen und in die Engelsburg
gebracht. Zn lebenslänglieher Haft verurtheilt, starb
er 1795 in dem Gefängniss von St. Leo, einem Städt-
chen im Kirchenstaate. Man sehe: Leben und Thaten
des Joseph Balsamo, sogenannten Grafen CagJiostro,
aus ~em Italienischen. Zürich 1791. 8. Zur Stati-
stik des Ordens: ZII Pari. errichtete CagJiostro

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- tU -

,eine Loge in einem Privathause, fährte den. Vorsitz,


bielt aber zugleich Logen 'in seiner Wohnung. Auch
seine Frau arbeitete. Die Loge in Lyon hatte indess
den Vorrang über alle andre und arbeitete in drei Gra-
den. Sie führte den Namen: "zur triomphirenden
Weisheit," und erkannte ßalsamo für' ihren GrosllDlei-
ster unter dem Namen ,Groskophta. Ihr Constitutions-
'patent fing sich also an:
Ehre, Weisheit;
Einigkeit,
W ohltbätigkeit , Wohlergehen.
"Wir Gros - Kophta, in allen morgen - und abend-
ländischen Theilen der Erde, Stifter und Grossmeister
. ,der erhabenen :~yp:ischeu Maurerei, thun hiermit AI-
Jen , di~ Gegflnwärtiges zu Gesicht bekommen, zu
wissen, dass während unsers Aufenthalts zu Lyon meh-
rere Glieder der Loge vom Orient und gewöhnlichen
Ritus, welche den unterscheidenden Namen der Weis-
heit angenommen hat, ihre heissen Wünsche geoffen-
baret haben, sich unter unsre Herrschaft zu begeben
und von uns zur Kenntniss und }'ortpflanzung der Mau-
rerei in ihrer wahren Gestalt und primitiven Reinigkeit
die nöthige ,t:rleuchtung und Ge.walt zu bekommen.
Wir haben uns ihre Wünsche gefallen lassen u... w."
Diese ;Loge wurde BIO 27. Julius 1,786 eingeweiht
und bestand aus 27 Mitgliedern .
. In der Loge zu Strauburg fand man ein Ge-
misch von Männern und Weibern.
Für die Schweiz war Base I die Mutterloge. Auch
, hier hatten FrJluen Zutritt.

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- ttt -
In Dolland errichtete Caglio.tro eine Loge im
Haag uuel .war blOl rür Damen. Seine Frau war
Grossmeisterin.
Zu 'Roveredo in Italien beförderte C. alle Auf-
.unehmenden sogleich in den Meistergrael. Da. COIl-'
stitutionspatent dieser Loge lautete:
"Wir Gro_meister der ägyptischen Loge im Orient
zu Medina im glücklichen Ar.bien. Nachdem wir die
Sitten, den Eüer, die Tugend und die Eillsichten un-
sers liebsten Bruders und Meisten N. N. in Betrach-
tung gezogen haben, so ertbeilen wir ihm mit Gegen-
wärtigen die Erlaubniss , denjenigen, deren Sitten, be-
sondre Verdienste und Tugend sie würdig machen, zu
unsern erhabenen Mysterien zugelassen zu werden, alle
Gewalt der Aufnahme zu ertheilen. Zu dem Ende ge-
statten wir besagten, unserm liebsten Bruder, in der
Eigenschaft eine. Meisters in der 0 den Vorsitz zu
führen, jedoch unt~r der Bedingung, nur solche anf-
.unehmen, welche durch ihre Sitten und Tugenden et-
was zum . Wohl des Ordens beitragen können. Zu-
gleich befehlen wir allen Brüdern, dass sie un.erm
liebsten Bruder N. N. in der Eigenschaft eines Meisters
Unterwürfigkeit und alle maureri.chen Ehrenbezeigun-
gen, die ihm als Meister gebühren, erweisen sollen.
Zur Bestätigung des Gegenwärtigen haben wir nns un-
terschrieben und unser Siegel beigedruckt. Gegeben
im Orient zu •••• den •••• im Jahr der Maurer 578t.
Zu Seite 217. Du System Misraim ist nie in Eug-
land angenommen worden. Mitglieder desselben aus
Frankreich haben zwar seine Einführung versucbt, aber
ohne allen Erfolg. D~ Stück Correspondence, das

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-U3
Seit., !t8' angeführt :wud, riihd VOD Fransosen her,
tlie sich einig., Zeit in Frankreich, aufbielten.
Die von Seite 219-225 beschrieb.ene.'Stnf8:~ogal­
.dr.ei wird Niemand .leicht für wahre, Maarerei ~rkeD­
·nen,der die Idee' und die TendeDl&der letztern
kennt. Was gewinnt der Verstand, ,und .wal du Herz
durch solche mit' einem hebrAiscb - alter&bümlichen. An-
Dial.'
.fricb versebeneil Und Wall thut .ein solcbes
System, um allgemeiße Bruderliebe ZIl befördern"
. _Das Original der "Artikel der tJeber.iokuaft 4'
. Seite 228, siehe im 3ten Bande Seite ·353·,u, folg. '

Zu dem Sechs und zwanzigsten Capite).


Zu Seite 269. Bis zu dem Jahre 1762 .kauDte man
ili Nordamerika Dur die drei Johannisgrade ; allein d~
AokuD·ft des französiacht!ß Juden Morin mit eirier gan-
zenSchiffsladung von Sternen und Bändern, die zu den
'26 Graden des Conieil de. E"'pereur, d'On'e"t eld'O~
eident gebörten, verführte auch die noidamerikaaisohen
,Brüder, dass sie sogar jene 25 Grade bis auf 33v.er-
lnebrten. Siehe HeldmaDils obenangef, Werk Seite. 453
u. folg. Dieser Morin wurde von seinem Ootunl-. als
Grand Elu parfait el aneien Maiire ,ulJlitne,. Prince
Ma{!on, Cieva/~r et Piilaee ",IJUme dti tou; le, _re,
de la Mti.{!onnerie de perjeetion, memlJre' de I,. Loge
r.ogale de la Tri"i/I! eie. aufgeführt.. Zugleich 'war
ibm Vollmacbt ertheilt, jenleits des Oceana tlie Frei-
maurerei durch· die' Mittheiloog aller von diesem. Con-
seil anerkannten höhem' Grade zo verbreiten. ' Diese
Tbat8ache steht geschichtlich so fest und JsCl durcli so
"iel unverwerfliche Zeugnisse beurkundet, dä. sie der
~ 8

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- 1t4 -

Herr Verf. .er Mit ..inH acluiiab.r et"'88 leiehtlillni«


niedergesohriebeD8n Venidl.run«, S. ~69, olNtn achw.....
lich n....toaen wird. Er aagt daselbat s "Der gröllte
Tbeil diller Grade wurde aUI Engl.nd," niebt aber
aua Frankreich, wie man zo leicbtsillubig angenommen
ba$; nacb Amerika gebne~t. UDglieklicberwei.. aber
acbllllJt er sich mit dem, WH leiner Anaieht nacb
" zum, Beweile dienen 1011," ..1"'t auf den Mund. Er
versichert nebmlieb: "Zum. Beweise dient, dua das
aobottiacbe System im Jahr. 1756 verbreitet wurde
(d. b. nebmlieb in Nordamerika) und d881 alle IChotd-
achen Grade nach den achottischen' Constitutionen, von
~elchen wir gelprochen haben, unter dem Namen
Icb'oüiscbea SYltem oder schottischer Ritus
vorbanden waren.". Wenn der Herr Verf. die Sache
nicbt absiChtlich falsch darstellen wollte, W88 wir ihm
kaum zutraue.. möchten, 10 trifft ihn wenigstena der
Vor~f groge, Unkenntniu. Die Sache ilt diese:
Am 30. November, dei Jahrel 1756 ward uDter Conlti-
talion der Grosaen Loge von Schottland duelbat eiBe
Log~ i . alte,. Bit." eröffnet; und im Jahre 1769
setzte der, vom Grollmeilter, Grafen von Dalhousie,
in Edinburg zum Provinzialgroameilter ernannte, im
Jahre 1777 (wie im Werk seibit erziblt worden ilt),

eine zweite GrOlle Provinzialloge t1 o.


in einer Schlacht getödtete edle Br. JOieph Warrea
tJ I t - e,. g U-
~cAe. 8g,te.e in BOIton ein. Dall aber weder .je-
ner alte Ritus, noch die"1 alt - engl. System
die 10 ..hr vervielfiltigten höbern Grade zU1i... , ilt
hinlinglich erwiesen und bek~nnt. Dagegen berichtet
m. GIIChichta 1IIIUItilndlich du Auflehen , d~ Morin.

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tt5 -.
Ankunft t76t in Nordamerika maobt., den Widerspraeh,
den die Einfihrnng seiner höllern Grade .zuerst fand
nDd den alllAliblichen Ueber.tritt mehrerer, hauptdchJich'
jiingerer Bröd. -zu dem Morinschen System, 10 41...
1Inter Sachkundi&,en nicht der gering.teZweifel darüber
..att findet, ~oher 4ie Unmuse höherer Grade in Nord..
amerika gekommen ist.
Wen. ibrigens der Herr VerflUllilM' iu seinen Be~
merkuara so dea Schreiben aas Natchem, Seite 273,
auf seine Lieblingsidee zurückkommt und Seite 218 ond
279 ga.. im Widerspl'uch JlÜt dem, was er oben von
Seite t77 an auseinandergesetzt hatte; aufs Neue b.
hauptet, dass ein sehr grosser Theil aller unsrer Ce~
remonien israelitische.. Ursprungs iat, und wenn er
daraul die Folgerung herleitet, dasa es sonderbar sei,
wenn in einigen Logen, "deren Mitglieder, setzt
er binz., ver .. uthlich nicht gut untel'fichtet
sin d!l" den Juden, als Besuchende. der Zutritt ver-
weigert werde, - so kOlDmim wir hier aof einen Punct,
der wohl vor ond von der gaOllen maorerischen Welt
besprochen zu werden verdient.
Die Frage scheint 1IUS ..hr wichlig. Wir maassen
unI daher keinesw. an, Bie zu entscheidene Aber
man erlaube ~ns eine Erwägung der Sache anzuregen,
in der Hotfnung, etwas dazu beizutragen, class die in
Betre" der Verhlltniue der Israeliten Zil der Maurerei
und dieser zu jenen, allerelings hin und- wieder noch
schwankenden Grundsätze endlich festgestellt werden.
Wenn nehmlich der Herr Verf. darüber klagt, da.. in
mai gen Logen Juden, als Beauchenden der Zutritt ver-
sagt werde; 10 ~heint er allerdings mit Recht einen
8-

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116

Uebelstand zu missbilligen, den wir Selbst vetb8önl zu


iS"h"n . wünschten. Denn es lässt sicb nicht Jiilgnen,
~lasiS die Z"rii.wkweisung eines in einer geii!ehten und
0toUkozmnez±iSn LiSge a"fgssnf,mmeiSeiS B"Ddft:'.gliediSiS, daiS
fer" sli,wh 'ei" a"lches dm'ch kfin m"Qss"rhcl,iSs V ",bsseehets
der Zulassung utswUrdig g"msscht I.at, ~ ehRe HIirtts
ist, die mit der maurerischen Humanität keits8iwegeiS
vereinbart werden kann. - Aber es ist eiDe ganz
az,d,e FiSiSg,w, ob Israeliten überhaupt aufnabmefahig
S5Qa E" isst ffi.zi"ht zz, tsezwnndern, wenn der Herr
Verfaszer d" fil, r spdcht, dWi e" die M.anrn,ei z!!m grts8~
sen Theil zm8 dnm MZwswwfsmu" aMeise$.. Wir diw5 wi,
mit allen unterrichte#.en ,Ma,w,e,n riets Ursprung d"8 In-
stituts in den Baucorporationen suchen, die von deo
Römern in Britannien gegründet, in den ersten christlichen
J"hrhutsdwwR'bw55 dort und dann auch.in andern Ländern Euro-
p"s \VeikRw d"r BaiSk"nit 8R .5hwifen, den hohen
Giist aLei, der sistw biSS""ltww, "icht wwlhwin in ib"en:n kiin"t-
lerischen iSchatI'&m, ancb i:&zl Lebwwn
zu "'age legten und eine shdifwhe Eihlihetshw,wst tsenghwD,
die sie in einem Zeitalter der Robheit und, Barbarei auf
eitse aufl'aUende Weise auszeichnete; ~ wir können es
nidlß. viSrken"en, diSiSS es der Geist des (Jhrislentbums
iSK, dei in d"m !n,titu, wiSh" daiSs 6s zn und Ioit di".
sem leb$., f'.WEgHch abeiS atsch z" J"b"n "urhöwwt,
wenn es denselbets wwntiliebets 1%%1I~. Ntsn geiStehe$w \1w ir
gern zu, dass es unter den Israeliten, recht "ieie w'a.~kere
Männer giebt w die den Keim zu jeder Maurertugeod im
HiSfzwwn u'agen und die daher jeder Maurer gern mit
"idl 7.WWÜ.&'diS, Dill" EZltwickelung dieser Tu-
getsd"o katsn tsb"rtsOEfoI iStrstwng (e"tgiSh"ltlf;.J7leRw .MOiSld'<lWtsS
- U7
keme.wegs ..rw.rtet 'W~rden, I!I0 w"fig .i~ Apdr~e'"
deI: Mau,erei ohne 'Weiteres anheimgesteU! w.,deo km...
da die~ auf christlich en P rin cipien. beruh~ unel
wie wir -Seite 279 in der Note sagten, ein du, c h: .u nd
dur c h c h r ia tli c h es Institut ist. Sie, set,t christliche
Religiosität und christlichen Sinn vor.~s; wo aber
beide. eben nicht ,~orausgese,tz~ werden ~PQn~, kan.,
sie ibre Wirksamkeit nicht beginnen, oder. sie beginn'
.ie f~uchtlos. AuchA"deraon iRl CODst. B. vo.., J. 1738
gelt~t, d... die, MalOnen der alten Zeit Christenwa~
ren., Nun ist aber das Plincip der. allge~i~~n Bruder..
li~~e, welches erst- durch das :ChrÜl~.,nt~UIP.G~It,,~g
g~onllen. hat, ,und als Gru.,dp~~~ip in die, MaurQrei
'b.ergegangen. ,is~,. ,-em ächtltn" ~qsaiSlDUS fre"d,. ~
s~e BekelJQer üb~ alle an~l;e Vplker'der .Erde.~rhQIl4
lln~' keine .A,rt von Ver~ind~~g; JII~. ihn~n g"tatten
wollte; . viele andre dem laraelit!rp ~ ll!l .s ~ 19111! m eigen-)
th\imliche Prill.ciBi.n und LebAASan~ieht~n abgerechnet.,
Daher ..u,ss d~e Maur~rei
. de~
:.,.
Isra,eliten
. die. ~qr-
~erltDg stellen, aufzuhören', ei~ ·Israel't zu sein, sich.
vom ~osa~.nus loszureissen· und den Talm.d bei Seit~
~u legpt, wpn. er e~D wahrer Freimaurer werden will.,
Daf.ür, -daIlI di ..s.gellchehe~ lIei., giebt es al)er freilich
kein sicher,es _Zeichen, als das äUllliere Bekenntniss.
Wollte man dasselbe fijr kein~ hinlängliche .Bür-gsohaft
ann~hmen,., so muss ml\D bedenken, dass da, WO es
gi\nzlich fehlt, vollends gar nicht an, eine· solche Bü~g-.
schaft zu' denken ist. Wir gla!lben durch diese otfne·
Darlegung die Achtung, die wir unsern israelitischen.
Brüdern schuldig. sind, nicht verletzt zu haben, indem:
wir der Wahrheit gemäu, andeuten mussten, dass .Is-,~

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- tt8 -
raelitismus uDd Freimaurerei "aBig uU"8r\rlglicb liner,
and dasi der Icbte Iuaelit als 'Solcher nicht Freimaurer
lein, so wie der wahre Freimaurer und wenn er auch
Bl'Iprünglich Israelit war. die Grunchiltze des Israeliti...
mus schlechterdings nicht fest halten kaon.
Dieser kurzen philosophischen Erörterung der Sache
fUgen wir noch einige literarische und histori~he No-
tizen hinzu.
Ein lesenswertber Aufsatz, der die beidenFragen
behandelt: I) Kaon IRan sich jüdische Freimaurerlogen
d"nkeo' 2) Können luden in Christenlogen aufgenom-
.en werden' befindet sich in: .,zeitschrift mr Frei-
maurerei Jahrgang 18H, Entes Oeft, Seite 12 bis 31.
Er ist der erste der dort mitgetbeUten Briefe über die
Freimaurerei. Wir theilen Einiget ~aralis, was nn
llierher zu gehören scheint, iln Aunuge mit and über-
Ias.en -unsern Lesern, das Uebrige an Ort und SteUe
nachzuschlagen. Es beiast dort: "Unbedenklich möchte
ich die erste Frage bejahen, denn ich sehe nicht ein,
warum es den Juden nicht frei stehen sollte, ein ihrer
Lage, ihren Bedürfnissen und ihrem Culturzustande ange-
messenes moralisches Institut zu stifteb! Der Name, den
sie ihm gehen wollten, tbut nichts zur Sache; ob Frei-
maurer, oder Schule höherer Wahrheit, oder Gesell-
schaft der Bessern im Volke; jede Benennung iat Aus-
nnwerk. Das Innere und die Güte der Mitglieder allein
bürgt für die Dauer und für den Wertb. Warum wollte
man ea ihnen nrbieten, ein Institut zu gründen, in
dem sie reinere Moral lernen könnten, als aus ihrem
Talmud' Ein Institnt, in dem sie einander wechllel-
seidg ermunterten, ein thltigea, geseDiges, tugendhaftes

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('
'; \

- U9 -
Leben ri fibreo I Wehlthltigkeit su &beb, aII.... Betrag
... en_gen, ... reinerer Sitten su beOeiaigen and
.11 auch nebenbei wiue.aelaaftlichet auauWlden; a.
Mob dadureh nach, und nach Mn culti.irten Nationen
su nibem, mit einem Wort, ein Institut, durch welcb.
sie lieh aelbat und ihre S6hne su guteb Menscheu,
brauchbaren Bürgern uad touen UntertbaneB erziehen
könnten•••••• ~ ••
"Es ist auch nicht Su bnweifeln, d. . sichmeh-
rere .
. biedere, aufgeklArte, helldebkeode MAnner unter
dieser Nation befinden , welche filhig sind, ein solches
Institnt einzurichten und sweckmlissig zu leiten.. • •
"Die Ausführung' dieser Ideen würde rur die Is-
raeliten um so ersprielllicher sein, als ihr Gottes-
dienst·) nur leere Förmlichkeit ist, und ihre Schulen
sich in einem sehr schlechten Zustande befinden.
"Die zweite Frage aber glaube ich standhaft ver-
neinen zu müllen. Die Freimaurerei begebrt zwar
nicht, eines ihrer Mitglieder nach seinen individuellen
Religionsmeinungen zu beurtheilen und zu w6rdigeo,
800flern mehr nach seiaem Leben, W ....el, Wirken
und Thun. Sie illt keine 'Kirche, welche nDr diejenigen
in ihren Schooss aufnimmt, die den nehmlichen Dog-
men huldigen, welche sie sur Basis ihres Systems auf-
ste1lt. Aber es ist doch unlliugbar, ,dass die Freimau-
rerei aus. einem allgemeinen reinen christlichen Sinn
h~rvorgegangen ist und deswegen billig eine Tochter
der Kirche genannt werden kann ••••

0) Einige Städte Teutsehlanda abgereehnet. wo lieh die
hjihere Bildung der israelitiBehen Einwohner auch durc" eine
bellere Hinrichtunl deI Gott••di.nBtel beurkundet.

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fllO! -

"Wlr-'L~g.en·.on kein.... Au1ZQllehmeilden,:!lIi•


• uns-sein Gla1ibl!...sbekenntniu ·ablegen solle;, aher-WB:
fordern' doeh von' ihm, 11a88 er an· eine göttliche Offen-
bai'tlDg glaube·)': .... und wir verlang.. "ein .ihm, dall8
er' ieine Geiinnungen und seine.. W••del n8eh.der·reinen
christlichen Moral ortlne. Aber, wie könftte er mses,
wenn er nicht'mit 6n. eine und· eben dieaelbe: Regel
und Richlschnur des Lebens anerkenDt, weDn ihn niebt
gleiche Dellkart II'rit UM Terblnde 1"
"Dieses ist die Ansicht von der' Freimaurerei und
ihren Reli~onsbt'gritren, in' de~ alle teutsehe Logen mit
ei:Dander \üb~reinstilllmen ··)~'·Wle könnten sie daher
einem Jud~n ihre Pforten öffnen und ihm einen ' Platz
in 'der Mitt~ ~hrer Glieder eirlfäumen1 ,Sobald er in
einer Christenioge' einen Plati' einnimmt, 'hört ~r auf,
Jude zu sein und handelt gege'~ 's'ein Gesetz; ohne dass
er no~h seineGemeine verlassen 'hätte und'zti" unsrigen
ÜbeJ'gegangen wäre ~ • • •• Er, ladet' also den Schein
.. L
\'

e) lri dem Gf'IIetzbueh ,der' groann Freimau"'i'lege A.triia.


zu St, Peters}l",..g 18J~ heillt ea Seit.e,6i I, 1"13: "Ein~ah,rer
Frt'ißl.a~rer :verehrt Gott, als den grossen Schöpfer und Er-
halter' des gl'ossen Weltalls und vermeidet Allu, was einen
Ma~eI ilhl.er Vertlll'ung anzeigeR köonte. Er erkennt die
Heiligkeit der Religion Christi a1l, und beweiset durch
treue Befolgung ihrer Vorschriften, dass sein' Herz von den
ei'habenen Lehren des Evangeliums durchdrungen' ist und macht
das SiUen.setz deslelMII zur ei...isen Richtsc~n\U" ae}Der
Handlungen. '
••) Dless scheint etwas zu viel behauptet; für Zulauung be-
suchender Brüder israelitischt'n Glaubens stimmen mt'hrere
teutache Logen, für Aufnahme jUdiacher Glaubensgeoossen in
den Maurerbund unbedingt - eine.

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- t,tl
auf .•ieh ,ein ID4Ii1t8reotis.t, ein Mann .,e, retigi""
Grundslitze zu sein •••••
" Kann der Israelit mit gotem Gewi!l~n se~n . Ge-.
lübde ,auf das Evangtllium JohaDn,s ablegen 1 K,alJll er
mit eb,r.furchUlVollem Nat;hdtlnken, zul}prtm, wfnndel:,
Redoudie Tugenden. Johannisznr Ni\Chahmllng ~"l-'
pfiehlt '''', .
In den nilchstCol,en41en Slit...~ \leJwei(el~ ~: ~t:,
Briefsteller, ob die in der Maure~el geleJ»:te. Du~.
aueh,'VQn. den Israeliten~, e,WllJ't'll s,ein d,ürf~e.$.iner
Mei.nttng nach' iIJt dia.elbe 'W~nigstflns b,idqr, l\1!l8S~,
des,Yolb niClht "u IUCheA,. d~s Jmmer, no~h !lich für.
dal, au_efwilhlte Volj{, GoUel hält, ~~mer nqch .,eine.~.
Meslli.$ ermari,t uD4,; FremdJiog inj~~m L.a,nde" ü~r~lt
in ~n. Chrtsten seine ·Be~,ü,c~er sie\tt:.. .Durch ~ R~ligjq~, t
Erziehung, Grundsätze und Schicks~e~jj.pd,,~ lI~tlh:
die"e. VC)lk .fallt in allen VerMlt~,ssen. den <1~rislen
~e.nOber in· ei.. er, !eindlicben Stellu~1 und. el, 1f.ann~,
'Vftt'l)ünftigerwelle manche For,de,rpng,. 41.8 ~e,m ~~urer,
uo.erl~a1ich il~, an· deD~uden gar,ni'lh~ g~macbt wer.den •.
Die; inp,g_te Brude,liebe, d\e M"ure,:, untfl,l; .e~ander,
-oft~baren sollen, IIlUjlS bei. dem Israelit,p,auf~in, ~ll?s
anslän4iges Betr~g,n b.e~hrän~t ~erd~n, .4as (4'r,., \',on
.v
H..as- und Ra~hejst; ~e aterlalJdslieb.~ ,41!~ ~Ilprers,
sie, kann von 'd~lIl ·JQdep' nicbt verlangt ~e.rden., 4e,r
mit ~ehnsucht nach einem alldern Vater~nde hinblic~~
das ;ihm eigenthümlic,. zugehört und ihm mitUDrecbt
entrissen worden ist; ,die Maurerei fordert Treue gegen
den FÜ~lten und Anhänglichkeit an denselben; der Jude
kann höchstens die Landesgesetze mit einer gewissen
Sorgsamkeit beobachten und jede. Regung des Wider-

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willens gegin das, was seinem Ga.ts od.r vielmehr
seinen nationelien orientaliachen Gewohnheiten Dicht ent-
spricht, gezwungen and mit UnllUlt unterdrücken.
Hierauf macht der Briefsteller auf den grOIleD Un-
terschied aufmerksam, der zwilchen der Moral des
Christenthuml and der des TahilUdl oder der von den
Rabbinen gelehrten Itatt findet und sieht auch darin
ein Hindernia fir den Israeliten, lieb anfriebtig dem
Bunde anzuschlieaeD.
Dann zeigt er, daa der Jude a h so lc her unsre
maurenachen Feste nicbt mit feiem könne, ohne gegen
sein Gesen zu sündigen und setzt endlIeb aUleinander,"
dass elie Grosse Loge von London sehr unrecht that,
als sie die erste Pfticht aus eier alten Yorker Consti-
tation vom Jahre 916 lebr willkührlicb erklltte, oder
. vielmehr verBlschte.
ner gelehrte u~d achtunpweithe Br. Kranse da-
gegen, ist vöDig eutgegengesetster Meinung. Da er
die Freimaurerei zu einem allgemeinen Menschheitbunde
umzugestalten rieth, war es kein Wunder, daa er
jeden Menschen für zulauungsflhig erklärte. Der
Unpart~ilichkeit wegen Ichliessen wir seine Meinung
bier nicht aus, wie er sie in .elen drei Illtesten Kunst-
urkunelen der Freimaurerbrüderschaft, Erster Band, Seite
" 191 u. folg. dargelegt hat. Er sagt: "In unser Ritual
und in unsre Liturgie können wir indess weder diese
(es war in dem Vorhergehenden von der Dreieinigkeit
Gottes, von der Gottheit Jesu und von dem göttlichen
Ursprunge der heiligen Schrift die Rede) noch sonst
irgend positive kirchliche Dogmen aufn,hmen; weil wir
lIns nur das aneigne~ dürfen, was Allgemein - MenllCh-

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- t23 -
lieh lIt, mithin aus der r ein e n Mensc"ennatur, als
IIGleher hervorgeht, unel eben daher auf allgemeine Gül-
tigkeit bei jedem Menschen, der Dur zom Selbstbewolt'"
seib gekommen ist, AnspJUch maeht. Im Gegentheil,
weil jetzt viele würdige Mensdten Sesum für einen
reinen, sittlich vortreftlichen, um die Menschheit hoeh.
verdienten Menschen, und die Bibel in demselben Sinne
filr Gott.. Wort halte., als .. Jed.. w .... re, legenbrin-
gende Wort llt, was' anl irgend einet 'Menschen Monde
der Mendheit gesagt wird; nnd wen ..uch die s e Ue-
berzengung eben so wenig der Idee der reinen Menlm-
helt entgegen Ist, als die 'Vorhin erwlhnte -): so macht
all eh diese Denkweise gerechten Anlpruch auf unsre
Duldung; kann aber eben so wenig pol e mise h gegen
die kirchlich dogmatisehe bei nns gelehrt werden. Da
der Bau der Menschheit in 'der Person jedes Einzelnen,
IOwie jed.. geselligen Vereines, das Gebiet der
Freimaurerei und' der ihr gewidmeten Brüderschaft ist,
BQ kommt .. hier zuerst aaf Religiositlit im Innern des

• Menichen an, nnabhliögig von der individuellen Weise,


wie der Mitbruder Gott in sich leIbst und in der Welt
Und Geschichte. der Menschheit, erkennt und empfindet.
Alle positiven kirchlicben Dogmen bleiben also noth..:
wendig aus den Logen und ans dem freimaurerischen
Umgange entfernt; nieht weil die "'reimaurer sie nicht
glaubten, oder widerlegen wollten, sondern weil sie
nieht in das Gebiet des Rein - und Allgemein - Menseh-
lichen, mithin nicht in das Gebiet der }'reimaurerei ge-

-) Nehmlich der Glaube an die Dreieinigkeit, die Gotthef~


JelU und den göttlichen Ursprung der heilige. Sch!ift•

.
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- t2'
hören, 8GQd.rn überhaupt der Kirche,. w,lelJe von der
Freimau..erei, als ein freies, lelb.tatindig.. In.tUut an-
erkannt wird, und jedem einzelnea Mitbruder iasbe-
8Gndre überlassen werden. Der Christ, der. Jude, der
Türke, der Heide, der cbristliche Lehrer, der Rabbin,
der Derwisch, der. Hramin, - alle Menschen, denen
die Idee des M~..scbe~ upd der Menschheit i... Ve'i
stande klar Ilo'- im Her~n empfiaöar g~worden. ~
Alle. :sollen aic~ iq der L~e gl~h wohl b~"'n. Ocr
Chrilt loll .in ihr inleiner Reli&ioaitllt beatirkt, der.
Türke, der Jude, der Heide, ohne Polemik, dadurCf~
der reinen menlchlich~n Religioaität f1ihigwerden. ~....
er das Menschliche in slch erbaue und durch seä,l eig-
nes WeBen ~u Go~t ,,,führt werde. Die wesentlicb~a;
aua der Menschheit selbst· geschöpften und in jede"
Menschen. Geist und lJe~'i!'ln . beltäpgt~ L~ren ,Je~"
über Gott und Gottesrei~b" über: MeD~hheit_ und 4er
Men.c.....jt ,Reich auf ~den, diese g~börep der ~l!lurer~i
wesentlich ap. Aber .ie beruhen ~uCder Autor~tl\t der
'Vahrheit aelbst; sie sind nicht d ar u m wahr, \V eH
lie . Jeau geIehIt hat; nicht darulIl, weil Er sie ,alli
Mensch oder. al~ Gott gelehrt . hat. Hält, aich die ·Frei-
maurerbrüderachaCt an die reine Idee gottinoigerMensch.-
beit, so wird sie mit Jesus von leibat ühet.ein~timmen,
der aus derselben ewigen Quelle scböpf~e. Und so.
bleibt in der· Freimaurerbrüderschaft der edle, beseli-
gende Glaube jedps geistreichen, - ge.mülh~ollell Men-.
schen an Gou.es Gegenwart in der Geschichte der Mensch-:-
heit und an seine väterliche Erziehung derselben, un-
gekränkt; es bleibt ihm die vollste Freiheit, sich das
Verhältniu lean und der christlichen .Kirche, und

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- U5 -
leiner, ,seih. ,als Mitgli.dudi.s~r Kiche, su Gottes
BC)sn., denke., . und es so zu ahnen un., zu empfin4en.
als .es ihM gelQütWicb und eiDleucbAend ist."
Wir lilognen nicbt ,dus diese geiM.treieben· Worte
des.Hr. KrQuse vielWabrbeit enthalt~n, aber wir kön-
neo es; Diebt bergen, .dass er. ,bei dem,einzelnen }'rei-
maurer,. so wie in der ganzen. Frei.. allrerbrüde••eb,ft,
ein EleiDent·, vorauualzt, das nur. da vorhanden sein
kann, wo d... Cbristenthum seinen wohlthä&igen EiD.-
flusl gelluil8tlrt hat. Ea ~ürfte ibm selbst daber sohwel'
werden., die J\1den, Türken, Heiden; die Rabbinen,
D~rwisehe un.d. Braminen zu finden, ,die er nacb den
oben. gegeben,en Muutab für fähig erklären kÖllnte,
FreiQlauret IUI. werden. ~ Uebdgens erinnern wir. da-
rao', . dass die :Kraulesehe 'idee eiDes Meucbbeicbundel
von vielen llob~en Maurern fir . unausfübrbar angeseben
wordea iSt. Sie ,acbeiut eine Variation auf du Thema
zu lein: "Die Freimaurerei. ,soll dahin arbeiten" 'da..
sie lielbst ein.' überftü_ig werde." Ehe sie diess aber
wird, ..woUen 'wir rubig fortarbeiten , ibre Psiaoipien
feit halten und ibren guten Geil& pflegen.
Zur Geschicbte du Verbandlungen übe~ die Auf.:
Jl!lh ...e israeli.tiseber Glaubensgenossen in den. Maurer-
bund gehört Folgendu:
Gegen .dM Ende des vorigen Jahrhunderts gründe-
ten die Br.üder Catter und, von Hirschfeld in ,Berlin
e'ne besoodreLoge für. Juden, um diese durcb die
Maurerei den Christen näher zu bringen, sie gewisser-
mlJSIIen menscblicber zu macben und zu einer hähern
Stufe, der g.eistigen Bildung zu erheben. Man nanDte
die.. Loge eine Toleranzloge. Es wurden aber nicbt

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- 126
Ju.en oh.e Untenchled in dieselbe aufg.DOIRn.ea, I0Il-
dem nqr' aolebe, welche bereits auf einer hohen BiI-·
dungsature atandea and nur doreh Famillenverhlltnisle.
abgebalten wurden, sich öft"entlich zur christlichen Re-
ligion zu bekeaaea , als: Baurath Itsig, 'rofessor
Hers und BanCJuier Levy. - ,Die Stifter kam eil bei
"er "Grossen Landesloge von Teutschland, nach deren'
System sie arbeitete... , um ein. Conltitation ein; ...
G~ch w.arde aber zurückgewiesen. Man wadete sieb
als. an dei Königs Majeatlit und bat um Schutz. Die
Loge erhielt auch baltl (olgeDdes kÖDigl. ProtectorbuD:
Sr. Königl. MajeBtllt von Preuuen, anler aller-
goldigster Herr lauen dem e~. Itslg u... w. eI-
l.rgoldigst, aaf dessen Anschreiben iM Namen der
Toleranzloge , sor Resolotion ertheilen, d... Sie
gedachte Loge gern dolden und schämel! werden,
iRlorern es nicbt auf llIumiDatiSIRDI und I.genannte'
Aafkllirung dabei angeBehen ist.
F riedrich Wilhelm.
GleichwohJ hörte die Loge bald auf z.. arbeiten.
Auch die National- Mutterloge zu den dm Well-
k ..geln erkllirt die Aufnahme der Israeliten für onzu-
Illuig und hilt den Geilt des JudenthalH für unTer-
ehabar mit dem Geiste ihres S,S&"DS.
Spliter, als die T oIeranzlo.ge in B.rlin, nehmlich
den 12. Juni 1808, wurde die Loge zur aofgehenden
Morgenröthe in Frankfurt am Maiß, von eier Loge:
le. (I.i. re""i. zu Mainz, unter Aatorltät tles Groaeen
Orients von Frankreich gestiftet. Sie besteht aus Mit-
gliedern israelitischen Glaubena. Der Londoner Gros-'
meister, August Friedrich Herzog von Suuex, ertheilte

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- 127 -
ihr ein i uDtenn 30. April .t 8i 7 augeMtllt. CoDltit1l-
tio••pateut, welch.. dieBrüder, Dr. Carl Leepold Gold-
....idt, SiepaUDd GeileDheimer UDd Johann Gel'llOll
... die enten Logen.eister und Auf.eher eiDlebC..
In eiDem be....dern Schr.iben d.. Groemeist~ "anl
den MitlliedftD cIi_ Loge dabei m erkenn•• gegeben:
"cl... ihn.. , als Fr.imaurer., die der Gro. . . . . . .
England angehören und uater ihrer Autoritlt arWt..,
alle Streitigkeiten iib.r politische uDd religiiS.e Gegen-
itinde .treug untenagt leien" und hiDlugeHts.: "lnd. .
wir uni mit unterwürfiger Bmgebung vor dem g......n
B.....i.t.r des Weltall. beugen, - indem wir fest a.f
.ein Wort vertrauen und den Vorschriften des giSttlichen
Ge.etsel gehorchen, - IchUeuen wir Nieman-
den wegen .einerReligion, oder w~en lein.l'
Wehe, Gott su verehren, diese, mag auch
lein, .von welcher Ar't de wolle, von un.erm
o r den au I," u. .. w. Wir können e. den geliebten
und achtbaren Brüdern der Loge sur aufgehenden Mor-
genröthe nicht verdenken, wenn .ie unter die.er Aegide
ruhig. fortarb.hen; auch dürfen sie sich, wie man hört,
mancher adeln in maurerilchem Geiste volll"achten That
rühmen und haben .ich die Achtuag vieler Brüder .....
worben; - aber der Grolmeilter gab in dem belonc1ern
Schreiben .ine Erkllrung, die er m geben nicht be-
rechti,t war, wenn er .agt: wir Ichlieuen Nie.:.
man den u. I. w. u~.•• w. Wir wiuen .ehr gut, cl...
.tu Engli.che CODltitutioDlbuch vom Jahr t 722 ltatt
der Forderung: der Maurer .olle ein guter Christ lein,
eine andre lub.timirte, nehmlich die, er lO11e ein tu-
gendhafter und guter Mensch seiD. Aher, wir wissen

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128 -
..ueh, da. . . . . . Constitutioillbucb IIUr.:VOß vier U-
-gen,. .ie siel' f t einer gt'olsenLoge mEaglaacl ver.. <

••jgtfn,' zwar 'aal litern Docu.mentea, aber I.der·!


llieht eben, lahrgetreu zU8llni ..engetragen wurde, uad
ebea so' bekannt iat es, dasl die ai..mtlicben alten
..,hottiscben: I~Ogen' ime' Zustimmung und Einwillfgung
,..,sagten. Der Grund dieser Versagung war aber kei-
ne.wegs UnVettrlglichkeit oeler Halutarrigkeit; er lag
-,ti.lmehr in der Grundverfalsung des Instituts und in
den erliten Gesetzen' delSelben; denn der Eingang zor
alten Vorker Constilution vom Jahre 926, dieser älte-
lJten ulid so wichtigen Urkunde der Freimaureroi lautet
<

wörtlich :
, ,~, Die Allmacht des ewigen Gottes, Vaters und
Schöpfer~ der ",immel und der Erde, die Wei~h~it seines
göttlichen 'Vortes und die Ein'wirkung seines gesendeten
Geistes, ~ei mit unserm Anfange und schenke uns
bnllde, uns in diesem Leben so zu regieren, dass wir
, hier l!I~inen Beifall 'und nach underm Sterben da~ ewige
i.ebe~ erlangen mögen."

, :Bei einer so offenbar christlichen Basis des Instituts


ist, es die Ptlicht jedes Grosmeistertbums auch den christ.
lichim Geist in dellUlelben zu ptlagen und es kam dem
Grosmeister von Londoß' nicht zu, einen Ausspruch Zll
thun; der gleichlialB wie ein Gesetz dabing~stellt wUllde.
Es, war eine AnmaalSung , namenilich teutscben Logen
zuzumuthen, sich einer Vorschrift zu unterwerfen, die
sich weder mit der Ueberzeugung des Einzelnen vereint,
noch den ersten Elementen des. Bundes entspricht. Siehe
cUe Altenb. Zeitsc~rift für Freimaurerei 1826. Erstes

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- t29 -
Heft, Seite 26. Die Sache harrt demnach noch ihrer
Entscheidung. DIlII dine, kommt ea dazu, und 88 fehlt
nicht an Anregungen, dem lichten Geiat der Zeit ge-
miss, mit der gewonnenen Intelligenz. und· Humanität'
im Einklang sein werde, ist allen Umständen nach
su hoffeo.

• ••

IV. 9

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Anmerkungen zum dritten Bande.

Zu dem Sieben und zwanzigsten Capitel.


Zur Vervollständigung dessen· was der Herr Verf.
Seite 4 als einen Mangel in der Geschichte des Grossen
Orients von Frankreielt beIdegt I kann folgende Stelle
aus den obenangefübrten Allotrien von S. Ch. M. Jeder,
"Seite 124, dienen. Edwin, (welchem von seinem llteren
Broder AtheIstan, der von 924 bis 940 regierte, das
Bauwesen übertragen worden war,) überzeugte sich
bald, dass mit den Bauknechten des Landes wenig
ausgerichtet werde~ würde. Er beschloBl, geschickte"
Maurer aus der Ferne ins Land zu ziehen. Die nächste
Hülfe fand er in dem benachbarten groBIen Franken..
reiche, wo die Baukunst seit einem Jahrhunderte be-
deutende Fortschritte gemacht hatte. Karls des Grossen
Scepter hatte sie hervorgerufen und seine sahlreichen
Bauten in den Hauptstädten gaben Gelegenheit zu ihrer
Entwickelung. Mit' besondrer Vorliebe schJllückte er
seine Residenz Aachen, die er gern Neu - Rom nennen
hörte, mit Prachtgebäuden aus. Aehnliche Werke ent-
standen unter seinen Nachfolgern in andern Theilen de.
Reichs. So ward das Bauen im Frankenreiche ein ehren-
volles Geschäft freier Männer, die von welschen Meistern
kunstmässig unterrichtet worden waren."

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- t31

"Dergleichen freie Maurer warb Edwin für ERg-


IaDcI an, daaa lli.e des LaIlMI Werkl8llte anführen und
bilden möchten."
Die Sacbe" leibst- "i"~adlll'.h aidat .w.eifelbaft,
da. Andel'8Oa' in ..ioem ,Ceeaitutiensbacbe, Ausgabe
von 1723, Seite 32-3', du, Wal hier VOll Edwia ge-
sagt wird, von Athelstan selbst erzählt, dan da Edwin
von Athelstan -nur .n Theil d8l' StaabverwaltuDgüber-
_tragen worcleo war, AthelltaB aber im_ .weig.elldiche
Regent blieb, se konnte ihm leiehi zagelHlhriebell wer-
den, W88uater "081' llegieruog -v_ . . . . . rOD ibm
dazu beauftragten Bruder auagefihrt wum..
Der, ßeite 14 geD~Dte und soAllt.nehrmaIa in dem
Werke erwAbnte Baron von TahoMy, war aUI dem
Oestreichisdlea gebiirtig , kam im Jahre 1766 D~ch
'amu.d starb daselbat am 21. Mai U'69 in seinem
49 Jahre. Dal -Urtheil, welches Thoq iG un Acta
.LlItomor. T. I.p. 81 tiber ihO' lällt, 1st idlgendes: Er
wal' nach Frankr.icb gekooliBen, UIIl, wie .. sagt.e,
eine neue Thiitigkek in die Freilluull,.l\8i zu .bringen,
WeiD er -venicbiM.... 1l6Mr. GI-ade eiofüIKw, dw mao
zwar hltte eatbehr8ll kiRen,· .elieaber v.en Geist, Ge-
lehrsamkeitz80gten - 11.4 ioter......te Auichi8B ent-
hielten. Er war einer .er Apo8&el 'anasay'8 u ... w.
Uaber sem bedea4eBds&es Werk: " Der flammende
Stern." ·lIJtelk 4ie EtHftWpadie ~o,..ipe T. I, 143"""" • "
191 eine UntenNehung an, idw .mit folpndea W~
eingeleitet wird I
"Man erk~nnt ja ·tlieae. Werke einen Mann, der
die Freimaurerei aufrichtig liebt and ... w.6iss, w.~.um
er sie 'liebt. Er tobt das Gute uad .tlUlel.t &CbODWlgslolJ
9"

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- 132 -

das Tadelnswerthe an ihr. V81'8chweiuleriseh im Witz,


hat er ihn bisweilen in aeiner Gewalt, ist biswej)en aber
auch nicht glücklich darin. Der Geist, den er wirklieh
hat, wird oft durch den verdorben, den er haben will.
Sein Styl ist im Allgemeinen dunkel und verwirrt und
durchweg weitschweifig. Die vortreftlichen Dinge, die
das Buch empfehlungBwerth machen,' sind mit einem
langweiligen Wortschwall überschwemmt u. s. w."
Eine teutsehe Uebenetzung davon erschien unter
dem Titel: "Der flammende Stem. Oder die Gesell-
schaft der Freimaurer von allen Seiten betrachtet. Aus
dem Französischen. O. O. 1779 2 Theile."
Von dieser Uebersetznng sagt das Archiv für Frei-
maurer und Ros~nkreuzer ,TM. 2. Seite 391:
"Diese Schlift erschien im Original einige Jahre
nachher als: man die Unzulänglichkeit der französischen
Grade in TeutBchland eingesehen hatte. Sie schien
einigen Brüdern der Uebersetzung, werth; und mit Ge-
nehmigung der Obern besorgte der Buchhändler Stabl-
b~um zu Berlin die Ausgabe. Ob nun schon in der
Handschrift der teutschen Uebersetzung viele anstössige
Stellen bereits gestrichen waren und man auch in der
Correctur damit fortgefahren hatte, 80 w~d, doch, dem
Verleger a1,lf Requisition seiner Obern in Braunscbweig,
eine Art InquisitionsproC8Ss' in seiner Mutterloge ge-
macht, ,der aber ,am Ende zu s.ememVortbeil«l ,beigelegt
wurde. - Siebe' Encyclop., der F.reimaurerei ete. VOll
Lennig, Dritter Band, Seite 539-5"1.,
, Zo. Seite t.5. Martinez Paschal auch PaschaJis und
Pasqualis war der Le~rer des obenerwähnten St. Mar-
tin. Die auserwählten Coeos, die er 1754 Zll. Paris,

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- t33 -
stifteie, ' und dann auch in Marseille, Toufouse und Bour-
deaux einführte, waren eine mystische Secte, die sich mit
der Kabbala, der Alchemie, mit Untersuchungen über den
'Fall und die Wiedergebortdes Menschen u.' s. w. be-
schäftigte.' Sie waren in nelin Grade zweier Classen
getheilt, nehmlich Erite Classe: 1) Lehrling; 2) Ge-
selle; 3) Meister; 4) Auserwählter. Zweite Classe:
6) Coenlehrliog; 6) Coengeselle; 7) Meister Coen;,
S) Gross - Architect; 9) Ritter - COßlthur. -
Watum der Schlusssatz Seite: 29· bilf 30 gesperrt
gedruckt worden' ist, mägen un,sre L~ser alls dem In-
halte desselben abnehmen! Nicht ,leicht wird aber Je-
, "
mand das, was in diesem Satze ausgesprochen wird,
für vollkommen' wahr halten, der den Z'ustand der fran-
zösischen Mau~erei genau kennt ,UlU{ wenn man auch
dem Grossen Odent der ersten Nation der gan-
zen Erd e es zugiebt, dass er Ipit Beibehaltung aller
,anziehenden Feierlichkeiten der Maurerei,alle jene
gothischen (1) und fantastischen, über das Meer herüber-
gekommenen Ideen reformiren und der maurerischen
Welt durch neue Institutionen e'i n Bei s,p i eId er
Ver n unft und Philo soph ie geben wo llte, so
möchte doch gewiss ein grosser Thei) dieser maureri-
schen Welt, daran, dass diess wirklich geschehen sei,
mit gutem Grunde zweifeln dürfen. Man sehe Encyclop.
der Freimaurerei von Lenning unter den Artikeln:
,'F ra n k r e i c h~, Erster Band 251 und Par i s ,Dritter Bd.,
Seite 71 u. folg, '
Zu Seite'S1. Dass die Maurerei auf keinerlei Weise
mit der Religion verwechselt werden dü.'fe J ist schon
mehrmals angedeutet worden.

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133
33he IilliliPiliP{ffijrt 3{ffijr lI{ffijrr , i7&aeh3{ffijm
die 90 Grade des 8y.t8101 Misraim aufgezihlt hat, er
glau~{ffij nicbi:y d{ffijEEiliP d{ffij§elbi& Ilo:y&b eXiiliPiire €liEd
einer Note hiosD, das ~etzte Docameßt, das er dll\'CHl
hiEb., {ffijEEi gEE}ue 1326. GMEEbw$],hl
lIlan D%trll vEtlich~d, d~ die{ffije& 8gite§ Volt den Si€l1n,1Y&~
verwahdten dfJr BedarideB n Paris IHIeh ßeiuig be-

A t d a ig{ffij S pi I.
die{ffij{ffijm erwl±1mt {ffijrfaEEEE&trr z&§~
erst die bekannte Cölne; Urkunde. Wir halten es für
EEIhsre si&tr UnEEEEEED ,'&'&ie si&tr
in Heldlllanns obenanbeführtem Werke! nDie dEEei äl~
&&trsteg& ges&trbichtlichen Benbmale 41er teutschen Freimau-
&tr&trrbrndera&:vbaft s. ±ldte 308 folg~ abg&trdrucBr
ist, und dann kürzlich das zu berühren, was für und
g&&ge€l die~ lIechtdeit gi'sagt WOEEdEEn Ukbd
gesagt werden kann. Da wir die Anmerkungen mit
d&trEE Br~Beldy,&ann EEie hZiZt,
für wichtig halten, so werden
dEEzeicdnet unter den Text stellen.
g,d,Ser4&EE EhEE€l d&trEE alhxE2%chtngtrin ~±l€ltte,~ Wir
abgeordnete Meister der ehrwürdigen und dem heiligen
df:vhamE&trs g&trwidmden od&tr&tr deEE frei&tr&tr Ma€l~
reror:dens t) Genouen Versteher der 0 oder Hütten

t} ib Urktillde&& der I! u h e Fre0EE4&trore0'bfjjdEEh~~


schaft erscheinen hier zum er8tenmale die Namen: freie
Ma ure rund 0 d e D. Ers4&&&&erh&&zieM alch wati kaU&4&
nzzch EEi~niihllt zu n&&rdeti flrautikEE, azur die O'relbzuitzun P&~~

Uigl oy'- '-"c


- 135
O.6erlftHlll......), welche so Hamburg, LoDdon, EdiiD-
b,r" Wien, A....terdam, , Paria, Autun, Frankfurt,
Antwerpen, Rottertlam, Madrid, Venedig, Gent, Kö-
nigeberg, Brüs_, Oaois, Middelburg, Fabirai t> und
du agrippin...,heQ Stadt, (Cöln} errichtet sind, ,im Ca-
pitel in diele. Staclt Cölo im nnlenver.eichDeten Jahre,
Moaat uad Tag YeI'.I......e1t. uot. dem Vorlitse cler in
hiesiger Stadt errieb,eW. Loge, unsen sehr ehrwürdi-
gen Brwlel'l, ~inea hochgelebrten, llugen und vorsich-
tigen Mannei, der durch einstimmige Wahl erbeten
wurde, diesem Geschäfte vorsostelten, thon weh die-
8e8, allen obenbeDaDDten Ozu überse.deHe Schrei-
bea sowohl den gegenwärtigen all aukünftlgen Genos-
sen kund:

D. wie .uflDerPa. geworden aaf die, in diesen


drangvollen und durch die Miu,erltändDisse nnd Zer-
würfoiaa. der MeDlchea "erwirrten ZeiteD, unsrer ob-
bellleldet9D Gesellschaft und ~l.n in ,-i.eseQl freien
M.urer.. oder Johaonia-Ordentt) eingescbriebenen Brö-
den IIU L. gelegten, Anachl"., Meinungen und so-

vilegien der Bauleute; der Name Orden aber steht hier wohl
nur als gleichbedeutend mit' Brüderschaft, ,weil auch die Or-
densglieder sich uRter ebwuler Brader bie•••••
t) Vielleicht der damalige Name von Faverges, , latein.
FtlfJmfl in Da.pbJue. In der lateini.chen Urkunde .011 dieaer
Ortanllme abgekürzt uud Ichwer, zu lesen slin.
ttl Va w,it,.. unten ge.agt wird, dan die Freimaurer vor
'dem Jahre 1440 Johanui. b r ü der geheissen , .0 Icheint .ich
dadurch die Vermuthunrzu be.tätigen, dus hier Brüderschaft
und OrdeR für gleh:hltedeuteRd genommen werdea.

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- t3G

wohl heimlichen als öffentlich knndge.ordenen Um-


triebe. welche alle sowohl uns, ah der Natur , dem
Zwecke und den Vorschriften dien. Vereins durchaus
fremd sin~; da uns überdiea bekannt, dass "ie Ge- .
nossen dieses Ordens, vorzüglioh weU wir dlU'oh Ge..
heimnisse und unauflösliche V.rtl'lige, die uns verbm-.
den uad von Allen heilig beobachtet werden, vereint sind,
desto sicherer von den Aeu.ern und Profanea geta-
delt, dem öffentlichen Absehen preisgegehen und aa-
geklagt werden, den Tempelherrenorden wiederher-.
atellen zu wollen, wir auch öffentlich also bezeichnet
werden, als ob wir • diesem Zwecke vereint und ver-
schworen wären: gleichsam alai Glieder. dieses Ordeul,
seine Güter und die Herrschaft dessen, welcher der
Jetzte Vorsteher dieses Ordens war, wieder zu erlan-
gen und den Tod des Grossmeister. 8n den Nachkom-
men .der Kö nige und Fürsten, die dieses Verbrechens
schuldig (lnd Urheber der Vernichtubg j~nes Ordens
sind, zn rlichen, zn diesem Zwecke in der Kirehe
Spaltungen, in den weltlichen Reichen' und Herrschaf-
teu aber Verwirrung und Aufruhr ZI1 stiften vorhätten,
von Neid und Hass gegen den Papst, das Oberhaupt
der Kirche, den Kaiser und alle Könige entbrannt
seien, indem wir keine liussere Gewalt, sondern nur
den Obern uad erwählten Meistern unsers über deu
ganzeu ErdkreiS .verbreiteten Bundes gehqrchten. ihre
geheimen Befehle und verborgenen AnlChliige dl1rch
heimlichen Briefwechsel nnd Abgesandte ausführten,
und endlich keinem Andern zu unltern Geheimnissen
Zutritt gestaueten, als wer durch körperliche Pein ge-
prüft und .rforscht, auch durch emen abscheulichen

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- t37
und schrecklichen Eid sich mit uns verbunden und un..
lern Versammlungen geweiht habe t):
Deswegen und in Erwägung aller dieser Umstlinde
wurde für sehr nützlich und nothwendig angesehen,
den wahren Zustantt und Ursprung unsers·Ordens, und
w.elches die Tendenz dieses Instituts der Liebelei I so
darzustellen, wie diess im Einzelnenv~ den vor.tig..
lichsten, in der Kunst 'am meisten erfahrenen und durch
die ächten WissenSClhaften der Anstalt' erleuchteten Mei~
stem anerkannt und bewährt ist, und diese Darstel-
lung. den einzelnen Versammlungen und Log~n unsrer
Gesellschaft als eine von uns unterschriebene und ge-
siegelte f' verfasste und allllgearbeitete Vorschrift zuzu-
stellen; um zum bestiindigen Andenken der Sache die-
sen onsern erneuerten Vertrag und die unverletzliche
Redlichkeit unsers Vorhabens zu gewährleisten; auch
in der Absicht, dass, ~enn bei der täglich mehr über-
handnehmendeli Neigung der Bürger und Völker zu
Neid, Hass, Unduldsamkeit und Krieg, diese unsre
.verbindung dadurch künftig mehr und mehr erschwert
und verhindert würde, ihren Zustand und ihr Wesen
zu retten,' sich in gewisse Gegenden -der Erde auszu-
dehnen und im Laufe der Zeiten sich selbst weder auf~
recht noch unverletzt erhalten könnte; nichts destowe-
niger von dieseln sich für bessere Zeiten und Umstände

t) Was die Bauleute bei ihrer Annahme in die Ordnung


geloben mussten. kf!nnen wir bereits aus den Statuten. Vun
einem abscheulichen und schrecklichen Eide, dessen sie hier
\esehuldigt wel'den. ist dort nicht die Rede. Man vergesse
aber nicht. da.. diess die Vel'läumdungen päpstlicher Mönche
sind.

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138
eigaenden Solar.ben, wenn auch nieht alle, doeh we-
nigsteos da. eine oder andre ,"xempw übrig bleibe,
nach d8llen Vorschrift der Ot488, wenn er enchöt-
tert, wiederbe.ge.telk, wenn.. entartet oder leinea
Zwecken und Ab.ichten eDtfremdet, wieder su denll81-
ben Hl'öckgeführt werdea könnte. Ag. diesen Una-
ebe. beaehwÖHn durch diaea allgemeine Schreiben,
welch. nach 41.... Inhalte de. il~.t8ll Urkunden und
Denkmäler, die von den Ab~hten, GebrAuch... und
Gewohnheiten unaer8uralttn und geheimaten Ord. .
übrigt> sind, abgefasst ist: Wir Abgeerdnete, nar
durch Streben nach wahreM Lichte geleitelen Meia&el'
bei an~rm aIIerheilipen Glaubeo alle diejenigea Mit-
arbeiter, welchen dieae. Schreiben jetzt «MIer in in-
kunft zukommen sollte, du. sie lieh von dieaelll Deak-
mal der Wahrheit nicht absondern; und thun .owohl

t) Diees deutet offenbar auf damals vorhandene Ritual.


hin, die aber den gemeinen Bauleuten schwerlich bekannt wa-
ren, sondern sich wahrscheinlich nur in den Hinden der auf-
gekllrtuten Vorsteher IIefandeD, dunel1 sie i. frühern Zeiten,
als die Baukunst anfing yon Laien geübt zu werdeD. yer-
muthlich yon den geiehrteD römischen BaumeisterD aDvertraut.
und VOll erstern mit yorsichtlger A11 S wa h I der In d iY i-
du e n in der Brüderschalt fort ererht word..~ Hierauf be-
zieht sich ohue Zweifel die weiter unten vorkommende Be-
uennung der "auserwählten Mehter" d. h. solcher, die
sich im Besitz des überlielerten Rltaals befanden. Um aber
auch die übrigen Mitglieder im Geiste desselben zu eniehen
und zu besseren Einsichten heraulzubilden, wurden die hö-
hereD Lehre. des Ritua'" all die Kunstthltigkeit, gesellige
Ordnung und Verfassung der Bauleute angeknüplt, und er-
acheinen in dieser Ver"indung sowohl ha dell P8ichten der al-
teil Yorker ConstitutiuR, als ill dell StatuteIl der alten Steilt-
metzen. Was ich VOR einem Rituale der letztefll in Strasburg
erfahren habe. scheint dies. alles vollkomm8D zu be8tätigen.

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139 -
der erleuchteten all der .erfinsterten Weltt), dete..
beider Wohlfarth Uni am Herzen negt,. und uni M&.
'rig beschlftigt, kund und zu wislen:
.J'I) Die Gelellschaft oder der Ordentt> der den
HeUigthämern des heiligen J 0 ha n n e 11 'Yerlobten Bril-
der Freimau,«:r leite ihren belfODdern Urlprung weder
von den Te~pelherren noch von irgend einem geiltli-
ehen oder weltlichen Ritterorden her, weder ven ein. .
einzelnen, noch aUI mehrern verbubdenen , und stehe
mit denselben weder unmittelbar noch durch ein Zwi-
8chenband aoch nar in der geringsten Verbindungttt);
er sei aber viel liter, all alle dergleichen Rttterorden
und sowohl in Palllstina und Griechenland, als in dean
einen oder lindern Tbeile des riimlschen Reichet vor
den Kreuzzügen und den Zeiten der Auswanderung ob-
benannter Ritter bach Palästina vorhanden geweieutttt).

t) Dieser etwu anmusende Terminus tetbicu. ist also


schon sehr alt, stam..t aber 'zunrlässig Doch .on den Mön-
chen oder päpstlichen Geistlichen, welche die Laienwelt die
pro fa n e und öfters auch die b li n d e zu nennen beliebteD.
Dieser Ausdruck aber widerstrebt aner reinnlenschllcbea Ge-
sinnung, und mau d,aber schlechterdittgs wegfallen. .
tt) "Die Gesellschaft oder der Orden." Man
siebt daraus dflutlich, da.. hier der Name Orden durchaus
hiebt in dem Sinne zu nehmen, in welchem ibn das neueng-
lische Gros.meisterthum bei "Umgestaltung der Maurerei im
labre 11'11 f(enommeu bat.
ttt) Dieses Bekenntniss ist zugleich ein sehr günstiges
Zeugniss für die Urkunde selbst, indem es dieselbe zum Vor-
a.s seren jedea Verdacht eiaes spliter., untergeschobeaen
Machwerks eines gewi.sen Zweiges der Freimaurerei recht-
fertigt, welcher gerade seinen Ursprung \,on den Tempel-
herren ableitet. '
$> Diesel Alles ist, wie wir wissen, geschichtlich, und

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- 140 -
Diesel sei uns durch verschiedene Denkmäler von er-
wiesenem Alterthuin offenkundig geworden, und diese
unsere Verbrüderung sei scbon von der Zeit an, wo
zuerst wegen der venchiedenen Secten der griechischen
,Sittenlehre wenige t mit der wahren moralischen Lehre
uad der reinen Auslegung vertraute, Eingeweibte sich
von der Menge abgesondert haben, entstanden. Deon
za jener Zeit ha~ gelehrte und erleuchtete Männer
jene wabren und von den Irrthümern des Heidenthums
~urebaus nicbt angesteckten Christen, da sie glaubt~n:
durcb die befleckte, entstellte Religion wer-
den Spaltungen, nicbt aber Friede, nicbt
D ul d urig un d Liebe, s ond ern s:ch lin d lich e
Kr i e g e verbreitet, sich durch einen hochheiUgen Eid
.verbunden, die sittliche n G run dslitz e di eser
,Religion, welche den Gemütbero der Men-
schen eingepflanzt sind, beuer und unbe-
fleckt zu erhalten und sich denselben auf-
opfern zu wollen, damit je mehr und mehr
das wahre Licht aos der Finsterniu hervor-
gehe und dazu beitrage, die Verurtheile zu
bekämpfen, und durch Streben nach allen
menschlichen Tugenden, Friede und Wohl-
fah rt un ter den Mensch en 'z u befe stigen.
Unter diesen beglückenden Aussichten seien die Mei-
ster dieser Verbrüderung dem Johllnnes geweihte
Br ü der genannt worden, als welche das Beispiel Jo-
hannes des Täufen,des aufgehenden Lichtei Vorgän-
ger und Erstling unter den lichtverbreitenden Blutzeu-

atimmtauch vollkommen mit den Nachrichten der alten Yur-


ker Constitution überein.
-
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tU
gen t nachahmen wollen. Ferner seien jene Lehrer
und Schreiber, nach der GewohDheit jener Zeiten,
Meister genannt worden. Sie hiltten aus deo kuo~
digsteo und bestenScbülern Mitarbeiter gesammelt und
auserwählt, daher der Name der Ge s eil en entstao-
deo, da die übrigen nicht aUlerwählten, nach Sitte
der hebrliischen, griechischen und römischen Weisen,
nur Dlit dem Namen der Schüler bezeichnet wordent}.

t) Diu es sei - bezei chnet wo r den." Hier weht


durchaus ein höherer Geist,. Ohne diese Urkunde noch zu
kennen, hat Br. Krause in seinen drei Altesten Kunsturkun-.
den Bd. I, S. 468. Bd. 11, S. 354. 367 etc. und a. a. O. zu die:
st'm Abachnltte den trt'fflichsten Commentar geliefert. Wer
erkennt hier in den gottinnigen , der reinen ChristlJslehre treu
gebliebenen gelehrten Meistern oder Johannisbrüdern nicht
sogleich die Cu I d e er! Was wir hier Ton ihnen erfahren,
stimmt mit dem, was Hr. Krause Ton ihrem Geiste und Wlr-..
ken erzählt auf das Vollkommenste überein. Wir kennen 8ie'
bel'eits als die Verfasser der ~orker Con8titutiun durch wei-
che sie ihren reinchristllche.n und menschlichen Geist aueh
den Baucorporationen mitzutheilen und ia denselben auf die
Nachwelt zu vererben gelucht. Dala die zu Cöln t'ersammel- .
ten Vor8teher, dieaelbe gekannt haben, iat um so weniger zu
bezweifeln, da st'lbst auch Engli8che uud Sehottische Abge-
ordnete bei jener Versammlung erschienen, welche nicht nur
die erwlhnte alte Constltutlon, sondern gewis8 auch alle ih-
nen bekannte ältern Urkunden und Naehrichten über die Bau·
corporationen Bowohl, alB au eh über jene um Bie BO hoch
verdiente Lehrer, denn Gesellschaften überdles/l demalB noch
exiBtlrten, mit herübergebracht. D,ass die Culdeer hier als
die Sti fter der Freilll&llrerbrüd~rschart angesehen werden,
gilt inden bl OB von den christlichen, Ballcorporatione.n. Denn
dass diese in HritanrUC!n unmittelbar aus den. römisch - heidni-
schen hervorgegangen lind, beweiset ~C! Yorker Conatitution
selbst. Uebrigenll ist nun auch zugleich sehr leicht erklärbar,
wie der heilige Johannes der Täufer. zum Patronate der Frei·
maurerbriJderachaft gekommen, da er Vorbild und Patronus
der Culdeer war.

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J41

,BJ pnsere VerbültillBg beslaD4l eliemals ..d be-


steht auch jetzt aUI dea drei Graden des Schülers, Ge-
leHen und Meisten; die letztena aber, nehmlich die
Meis'_, beateheB in auserwählten and obera,t-
aUI.rwihlten Meisterat). Alle Verbindungea oder
10genannCe Verbrüdel'unpn aber, welche mebrere B.
andre Unterabtheilungen zulassen, sich eiDen udem,
Unpnmg zuschreiben, sieb in weltliche oder geistliche
Dinge mischen, und irgend lemand H888 und Neid
Ichwören, drohen und bezeigen, unler welchen Titeln
von freien Maurern oder den lohannisbrüdem Zuge-
• seilten, oder wie .. lOHt geschehen ..ag, gehören
nicht zu unserm Orden, und werde. als Schismatiker
von uns ver trieLen und ,ansgesto.lleo.

t) Von einer lolchen Abstufung findet sich weder in der


Yorker Constitutlon von 926, noch in clen Strasburger Statu-
ten ven 1459, noch endlich in der RflYilion derselben von
IMI, auch nur die geringste Erwähnung, woraul zu lehliea-
len, cla.1 dieleIbe unter den eigentlichen Werkleuten weder
bekannt DOch eingeführt war. AUI clem folgenden § scheiot
hervorzugehen, dall uater den au I e r \Vä hit e n Me is t ern,
hauptlächlich willenlchaftliche Brüder (Archit~teD und, wie
aus iJen Unterschriften dieler Urkunde zu erhellen scheint,
auch andre angesehene Pers~.en) zu verstehen sind, welche
durch eingeleitete CorrespondanC8 die dllrch alle Brüder zer-
streute Brüderlchaften unter lieh in steter Verbindung er-
bil,lltetl. Gewillwaren lie auch diejenigen, welche lieh im
Belitz deI ei«entHehen Ilituall 'befaaden, dal, wenigstens in
Teatlchland, den gemeinen Steinmetzen nicht mitgetheilt \Vor·
dea. Letzteres,"wie die Abstufung fiber l1en Meiltergrad
'hinanl, deutet aUerMD«' auf Geh e im I u c ht, von welcher
'auch die Frelmaut'erbTüdHlchBft 4Bmali«erund seibit noch
jetzigoer' 'Zeit' keinelwegs t're.fzusprechen; Dur dasl diesefbe
jetzt weniger all damals zu entschuldigen, 'W.o' bürgerliche
'und GlaubenlZ'",ietracht den' 8chwerbeschuldigtenMaurern die
höchste Vorsicht noth\\'endig machten.

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- 14:3
n u.ter j .... Lehrern _ dielen MeIstern des
ON", _obe madu.atische, 8atrenoahche,
"Bd andre WbuA.'Cltaften trietbeD, habe, nach
iJarerZentreauDg aaf der gaB•• Erde, eiae weehl8l~
-seifige Mittlaeilang .er LehM und des Lichts f~ .
48uert, wodurch gNlMhen, d •• _n ans jeneo zwar
aulerwlhltea Meistena iiber4e.. aoch Ei.en . - 0 "
wählen "lOgefangen , gleichsam als vor den 8Ildera ,'......
-gezeichnet, der als der höehueerwählt" Mei-
&ter oder Patriarch verehrt und eiaziB da.o
auaerwäbl.ten M eiatern be.kannt, fü.r da... o~
wohl lichtbare als unsiebtbare Ob.erb.anp,t
unserer ganzen V81'binduag a..ehalte. wor~
.deli, wie dean an eh heutz,uta,ge .acb di.ese ..
U.bereinku.uft der oberste Mehter und Pa-
t.riareh, obglei eb de n 'W8a.ig ate D b eka,Dnt.,
81eta DoC'h vorhandeat). D.ies.. .so v01'.UUfi....

t) Ich gestehe, dass diese hierarchische EinriehtuD« mir


a ..finglicb dieBe Ut'kunde fut ver4iehtilt hat. Bei e"'.1
schärfern und umfassender. Rückblick auf deR Geist der frü-
hern Jahrhunderte, auf das gewaltsame Streben des Papstes
nach Weltherrscltaft una die 'Mi~l, deren er sieh zu lliesell1
Zwecke bedient\. iiberzeugte ich mich indessen bald von der
Voreiligkeit und de~ Ungrunde meines Verdachts, ja sogar
von deT Z\!'I!cknäMsigbit llieser Eioricbtuag. iAd8lll .ich die
A.ufstellung einer der nur auf A:bef.8lauben uDd ,.llgemeine
'Geiste8\'erfinsterung sich gründenden römillchen Hie,rarchie
gerade entgegengestttzten, die Bewahrung der beiUgsten Inte-
,reSSM der Jle..oIabeit uad VK'breit.lnlg reina1arisClirieher .uftd
sittlicher Lehren und höherer Erkenntniu bezweckenden Ge-
genhierarchie für die wirksamste Maasregel erkannte, der rö-
milchen 'Hier.chie Grenzen zu setz.,.. , das ltiElieh der Fin-
sternislia leiDen Grunbestea zu ersehiiUern und ihm den
gewis8en Sturz zn bereiten u. I. W.

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- Ht
2§chick i i hab%>ii Wii iiBch V ii2§gl2§~fujhang der ält~sten Per-
galDeiiisebrThf~iin der Urkimden
Ordens selbst i unter Bewilligung ansers Patriarchen,
init beiHksten fiir diii Zukiiiiki
seinem Vorsitze und der ßedllchkeit seiner Nachf9}p
iiDve2§i2§But 2§±'fid, mii der 2§kiin
unsers bocherleuchteten Pat...iärchen, beschlossen and
vero2§kvet:
LI) Die Verwaltang unsrer Gesellschaft, die Art
iEDd jsise ide Str44F±1en Liildtv
den eingeweihten Brüdern und der profanen Welt mit-
and iierbiv!ftet iViideo iffiUen ittnd uniiiV
auserwiblteo Meistern. Sie sollen darüber wacl.eo und
VaChijjheo, hlEiSS Grf5i5in t) St4i%>iies
Grades sie seio mögen, nicdts gegeo die wahren Grund-
iätZf5 tEDSrVi' GesvIL2§chaft unternehmen~ Eben diesen
Vors&ikern diS Ofidens Veidteididiz%>g,
haltung und Beschützung seiner Unverletzbarkeit ob.
Dies%> ioller'! rie iml Fvnv mi&: ~~.u.u,,''''''~
rung ihrer Güter und selbst mit Gefahr ihres Lebens
negev alle UDSivr A%4r&.vlt S:4iMrmev so
und wo es ;mmer erforderlich sein mag.
Un2§ is:t kund , trEas:s dias:a
Verbindung von Brüdern vor dem Ja h r e t 440 nach
UKkia?l' eiIkaFkl ands:m , als
der Johannisbrüder, bekannt gewesen sei; erst
dann kiber wi%> uns

t) Wors:"'S:"r wF,En'Bcbeinli"b diiljflDigeil !ftross:nn zu


Btebe ll , wehlie als angeuoUlmene dJaurer sicb dem Ver·a'ila
angeschlossen.

o
- i45
dem Namen der freien Maurer und ~Wftr innerhalb
VBlenciennes in Flandern also benannt zu wer-
den angefangen, zu welcher Zeit sie in einigen
Gegenden des Hennegatt's durch ,Hülfe und aus Ver..
mögen der V ä t er t) derselben Spitäler, um die DürC..
tigen zo heilen, welche an dem heiligen Feuer, auch
"Antonius - Uebel tt) genannt; krank lagen, erbauen
zo lassen angefangen.
Z) Obschon wir im W ohhhun weder auC Reli..

t) wIll Patrum, Väter, Mer so viel als Vorsteher be.


deuteD, oder .iDd Klostergeistliche darunter zu versteben,
welche ebenfalls Pakt. biessen" In letzterl!l Falle gehörtl:D
diese gewiss zur gegenpästlicben Partei.
ttJ Eine bekannte Krankheit, ,velche sich damals allent-
halben verbrl:ltet hatte und auch in der Schweiz graslirte.
In dem schriftlichen" Nachlasse eines ventol'benen Berner Pa-
triziel's fand sich folgender Auszug aus einem ältern franzö-
sischen Werke über das Antoniusfeuer:
"Der Körper des heiligen Antoniul J dieses Patriarchen
du Cönoblten, wurde im X. Jabrhunderte einem Herrn Jaque-
Un übergeben. Einer seiner Nachl..ommen. Namens Didier,
liess ihm im Jahre 1070 auf seinem Gute la Motte in Dau.
plaine ein Grabmal errichten. Bald nachher verbreitete sich
in Europa eine I'pidemiscbe KI'ailkl,eit J , welche die Knoc"en
ailfras. und die Glieder so austrocknete, dass sie ,'on1 Leibe
abfielen. Man nannte sie das heilige Feuer und hatte kein
andre. Mittel dagegen, als die davon ergrilfenen '1'heile ab-
zuschneiden. Die Wunder, die sich um diese Zeit auf den.
Grabe 'des hei.ligen Antonius in Beb'elf dieser Krankbeit zu·
trugen, zogen eine grosse Menge Leute aus alleu Lindern
dahin. Diess 1'eranlasste Gas ton, Herrn de Ia Alotte, da-
selbst ein Hospital zu grunden J welches seine Nebenzweige
in die benachbarten Staattn ausdehnte. Es bildete sich" ein
Orden von Hospitalbrüdern, aber als jene Geissei, auch das
Antonillsfeuer genannt, endlicb aUfgehört hatte zu ",üthen.
wurde der Orden im Jahre 1291 in eine Congregation regulir-
ten Chorherrll unlgewandelt.
IV. to

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- 146 -
giOb noch Vaterland Rücksicht nehmen, hielten ·wir es
~oeh bisher för nothwendig und am ..ich ersten , keine
Rndern Leute ill unsern Orden aufzunehmen, o.
als wel-
-ehe sich in der Gesellschaft der Prefanenfür Christen
bekenneD t). Bei der Untersuchung und Prüfung
4Ierjenigen, welche sich 'Zu' der Einweihung in deo er-
aten oder Lehrlingsgrad tt) anbieten, dürfen keine
körperlichen Qualen, sondern nur Pro~en zur Erfor-
schung des Gemüths, .der Neigungen und Anlagen der
Novizen angewandt werden.'
B) Zu den Pflichten, welche anbefohlen und durch
einen feierlichen Eid bekräftigt werden, gehöreD auch
Treue und Gehorsam gegen die rechtmlissig vorgetetz-
ten weltlichenttt5 Obern.
-@) Die Grundslitze unsrer Verhandlungen und aI.
ler unsrer Unternehmungen, wohin und wie weit sie
immer zielen mögen, werden in folgenden zwei Vor-
schriften ausgedrückt: "Liebe und schätze alle Men-
schen als deine Brüder und deine Nächsten. Gebt Gott,
. was Gotte ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist.
1) Die Absonderung und Geheimnisse, wodurch
unsre Unternehmungen verborgen werden, dienen zu

t) Dass die damaligen Maurer nur Christen unter sich


aufgenommen, ist ebenso leicht erklärbar als' verzeihlich, in-
dem die Juden damals zu allgemein -verachtet waren, al. da..
e. die Maurer auf Gefahr der ötfentlichen Meinung hitten
wagen dürfen, sich mit ihnen durch Aufnahme in ihren Ver-
ein zu verbrüdern.
it) Hieraus erhellet t dass auch die angenommenen Mau-
rer alle Grade durchgehen mussten.
ttt) Von d.. n gei.tlich ..n Obern wird hingegen keine Er-
wiihnung gemacht.

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keinem andern Zwecke, als daas wh- obne Prahlerei
wohl thun und ohneStörllftg unsern Vorsatz bis aufs
iiusserste verfolg.en können..
.K) Alljährlich begeben wir das GedächtDissfeat
.des heilige.n Johannes, des VOl"gängerIS Christi und Be-
schützers unsers V ~reiu ••
A) Diese und andre damit übereinstimmenden Feier-
lichkeiten, welche in det- Versammlung der Brüder dureh
Zeichen o . W6l'to oder auf andre Weise vollbracht
worden, sini von den Gebräuchen der Kirche AhU'ehaus
nrscbieden.
M) Nur derjenige wird als }lruder dllf Jolaanliia..
Gesellschaft und freier Maurer anerkannt, der auf
rethtmässige W.eise miJ Hülfe und uoter dem VOt'SHZ
irgend eines auserwählten Meisters und unter Mitwir-
kung von wenigstens sieben Brüdern in unsre Geheim-
-nisse eingeweihet wo·rden, und im· Stande ist, durch
ein Zeichen und Worte, welche die übrigen Brüder
. gebrauchen, seine Aufnahme _zu beweisen. Unter die-
sen Zeichen und Worten sind auch diejenigen inbe-
griffen, welche in den Logen oder Hütten (Ialierltacu-
li,) zu Edimburg UDd ihren affiliirten, wie auch zu
Hamburg, Rotterdan;, Middelburg und in der
zu Venedig erri!lhteten, im Gebrauche sind, deren
Verrichtungen und Arbeiten obschonnaeh sc ho tt i -
11 ch er Weis e t) angeordnet, doch in dem was Ur ..

+> Da jede «Jer in Brltann!en einander gpgenüberstehenden


beld.", christlichen Parteien ihre Baucorporationen gt:habt, so
mussten sich in denselben auch sehr frnh schon zwei entge-
gengesetzte RituaJsysteme ausbilden, wovon das eine im rein-
cbrislUeben Geiste der Culdeer, das andre im Geiste der spä-
10 •

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148
.prung und Zweek aer Anstalt betrifft, von denen, die
wir gebrauchen, nicht abweichen.
N) Indem diese Gesellschaft unter einem einzigen
und allgemeinen Oberbaupte, die verschiedenen Meister-
logen (Bauhütten, Brüderschaften) aber, worau. sie be-
stebt, durcb verschiedene obere Meister, n ach der Art
und den Bedürfnissen der verschiedenen. Ge-
genden und Königreiche regiert werden sol-
le n t), ist nichts notbwendiger, als eine gewisse Deber-
einstimmung (im Wesentlichen) Aller, die über den gan-
zen Erdkreis zerstreut, gleicbsam Glieder eines zusam-
mengesetzten Körpers sindtt), so wie auch ein Boten-

tern päpstlichen Kirche. Diess erzeugte zunächst und eben


so früh schon zwilchen den Baucorporationen der letztern in
England und jenen der erstern in Schottland und Ir-
la nd eine Verschiedenheit in Verfassung und Gebräuchen,
welche den ersten Grund zu der Verschiedenheit du alteng-
lischen und dn im Jahre 1717 entstandenen neuenglischen Mau-
rereisystems geh'gt hat, Da aber nur die Logen ,·on Edim-
bllrg, Hamhlll'g, Rotterdam, Middelbllrg und Venedig als
nach' dem (alten oder) schottischen Systeme arbeitend, und
z,,·ar, als Allsnabme ,'on du Regel angeführt werden; so geht
zugleich daraus henol', dass in allen übrigen Logen das spi.
tere, päpstlich - katholische Ritual eingeführt, welcheIl indes-
lien, wie die ganze Ul'kunde beweillllt, die nach denselben ar-
beitenden Baucorporationeq, keinellwegs hinderte, das Wahre
vom Falschen zu unterIIcheiden.
t> Eil ist also keinellwt'gll gesagt, dass aUe Logen in al-
len Ländern eine und dieselbe Verfasllllng und Einrichtung
haben sollen. Vielmehr geht aus Obigem gerade das Gegt'n-
theil henor. Das aber iat Zll fordern, dass aUe Vel'fassungen
und Einrichtungen, bei aller nach der besondern I,age einer
jeden Loge etwa noth "endigen V (' l'Schiedenheit, dem Geiste
der ganzen Freimaurel'bl'üderschaft, als eilles reinmenschli-
chen Vereines angemessen.
, tt) Hiermit ist es also \\ tirtlich ausgespl'ochen. was durch

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liD
und Bri"fwechsel der aller Orten mit ihr (der dortigen
Gesellschaft) selbst und ihren Meistern übereinlltimmend
sei; weswegen dieses Schreiben, das die Natur und An-
lage unserer Gesellschaft beurkundet, aUen und jeden
. bis jetzt vorhandenen' Collegiea unsers Ordens zuge-
sandt werden soll.
af Von diesen aus obenan geführten Gründen auf sol-
che Weise abgefassten Schreiben wurden neu n zeh e n
gleichlautende Abschrifteu von durchaus gleichem In-
halte mit unsern Unterschriften bekräftigt und verwahrt.
Gegeben zu Cöln am Rhein, im Jahre Tausend, fünf·
handert, fünf und dreissig, aln vier und zwanzigsten
Tage d,es Juni nach der Zeitrechßußg, welche die christ-
liche gea8llnt wird. .
HarmanDus t. - Carlton. - Jo. Bruce. - Fr.
v. Upna. - Cornelis Banning. - De Colligny.
- Virieux. - Johan Schroeder. - Hofmann
1636. - Jacobus Praepositus. - A Nobel. -
Ignatius deUa Torre. - Doria. - Jacob Utten-
hove. -:- Falk. - Niklaes vu Noot. - Philippus
Melanchton. - Höyssen. ~ Wormer Abe).
Ehe wir uns über die von Einigen bestrittene Aecht-
heit dieser Urkunde erklären, sei es uns erlaubt, einige
vorgängige Bemerkungen im Allgemeinen zu machen.

10. l'iele
unverkennbare !lussere und iRnere Aehnlichkeiten und
Uebereinstimmungen ohnehin schon bis zur Gewissheit darge.
than: dass die' freien Maurer- oder Baucorporationen at I er
Länder nur Glieder eines zusammengesetzten
Körpers, oder, wie es hieneben heisst, in Ur-
sprung und Zweck nicht verschieden, folglich
sämmtlich nur Ströme einer und derselben
Quelle waren•

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- UD -
Aaf eine aufraUende Weise weicht die ABsicht
des Herrn VerfasseTs von der des Br. Heldroann übet
die Cölner Versammlung selb.t ab. Während sie der
Erstere nach Seite "9 uud 100 durchaus für keine Ge.
neralversammlung ansehen will und sich- darauf stützt,
dass derselben in Allen nur sechs Dppotirte für Fraak.
reich, Schottland, SpaRien und Italien beigewolult t.....
ben, sagt Letzterer in teinen "Naeblriislichel! Bemel'.
kungen über diese Urkunde" Folgendes:
"Eine Ver.amrnlung der Vorsteher aUer iiber «an.
Europa zerstreuten Freimaurercorpurationen1 wie solch •.
im Jahre 1535 zu Cöln am Rhein stattgefunden batf
bat die Geschichte der Brüderschaft vor und nachber
keine mehr aufzuweisen." E~ weisst hieraaf nach, da.
sie ganz einzig' in ihrer Art war, und dll8ll weder die
Versammlungen der britischen Bauleute , noch die der
teutschen zu Regerrsbnrg, Speier, Basel nnd Strasburg,
noch die in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jabr~
hunderts 8n vp.rschiedenen Orten in Teutschland und
'Frankreich gehaltenen Freimaurercongresse mit ihr ver-
glichen werden können - -ja selbst nicht die grosse
Versammlung zu York im Jahre 926. Er macht ferner
darauf aufmerksam; dass keine so allgemein besucht
war, und keine eine so allgemeine, die thenersten In-
teressen der ganzen Brüderschaft umfassende Tenden.
batte, wie die zu Cöln. Deswegen erklärt er diese
Urkunde für eins der allerwichtigsten geschichtlichen
Denkmale unsers ganzen Vereins. - ' Und wir gestehen,
dass wir die Ansicht des Br. Heldmann für die richti-
gere halten, zumal da auf die grösscre oder kleinere
Zahl' der l)el,util'ten ein e s La~des wenig anzukomB,lel)

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Uit
%t%th%tini ,md e%t völlig hin"ich,md war 'b%tenn ein sol-
%::be%t m®:r dUl'%tt ei%teili% ehhzigen D&~pLkiirLen seizBe Theil~
aß dewn Gazk"elTk b%ttbL~tigte,
Nun W %trt%t über di%t Azzchih%th z::«k%t Unl%iht~
heh Urk®:md%t. Wir W%tgek% den SilTei~ d%triibe%t
nicht ffillill%th%t%t d%tra"r zmfnnelfksWUR z
das%t d%tr Gegenlftanzd lfzllzzrdhkgiz %tine gzündliche
sucbung mü' ith&Qlf%t dieszz ßkitwe%tig%tr Pah'iei~
lichkeit Qnd iHehr Schkirf%tima g%tfiihIt w%tlfdlf%t, al%t die8%t
iu dl'r En.,yelophdi&h d%tlf FlfeÜilaZkre%tei ?J" %t, 'lI'1 vO%t Lz~zn,,­
Ding, geschehen isk.
1m 1. Bande Seihe 38 r,%tlg. hliLfS da5ß
abgedruekt, was der gelehrLe Hrzzde%t KlEa®:TIlEe hn lEei%tezili
Kunsturkunden Bet.lI. Abth. 1. Seite 26h-268
niedergeacbrieben hat und darauf gründet n!l%t L&ZmTIkng
sein eignes verwerfendes Urtheil. Wir können ein sol~
ehet Verfahren, ein eigt"ntliches iN tJer&tJ iJltJgillri
j.rare . OQr mit Minbilligung wahrnehmen. Es ist al-
lerdings bequem z anstatt die Resultate des eignen Nach-
denkeRs darzulegen, für das, was man zu behaupten
J,ost hat, eine achtbare Autorität aufzustellen. Durch
dieslEs Nachsprechen wird aber wenigstens die Kritik
gefütrd%tlEt, Freilich kano der Herausgeber der
F,ncychbpädie sagewb der Br, Krause habe Alles bereits
gi'ü%tdlilEh da5ßs nichts mebr ZII untersll-
TIihe%t E&ei mzd ma%t E&ich kiib%t 5ßflr ihn berufen
kön%te. AbeE& kTIinff demn dE&lE Hr. Kl'7zuSTIi, - für dessen
GeldlrE&amkeit wiz' übrigenI? %tUe A<~htH%tg haben, und
dTIio wiE& 0sioTIio KrhikTIir TIiChütz0,n ,,- lYLicht szucb
dmit%al inen (Jnd wiet weS:trD wötrdep
DlYLEI1TIilYLtlich in ~ß5ßtr5ßft' delf C, UlTkZLDlb ?:trooh

::Y
t
152
nicht AUes 80 Rusgeltlacht ist, wie es delD Br. Kraus.
scbeint1
Im dritten Bande ferner Seite 550 u. folg. in dera
Artikel Ur k und e (die Cölner), werden zwei Gründ.
tlagegen angeführt, die eben nicht sehr haltbar erschei.
beb und auf welche wir weiter unten wieder Jlurück..
kommen werden.
Zur Beglünduog des bisher Gesagten diene Folgen.
des c Als der Br. Held mann sein . Werk: ,,Die drei
ällesten gel.Chichtlichen Denkmale der teutschen Frei..
plaurerbrüderschafl" herausgegeben batte, hielt es der
Bruder Krause. der zwischen Heldmanos und seinen
eignen Gruodaosicbten einG grosse UebereinstimDlOng
fand, für zweckmässig, die genannte Sehrift in einer
Ilusfüh.'lichen ßecension zu würdigen. Man findet si.
abgedruckt im "Hermes" (Jahrgang t 820, Stück 4.).
Gleichzeitig erschien im "literarisehen Conversa..
tionsblaJte" vom Jahre 1821 No. UO und 112 eine An,.
zeig, von einem Ungenannten, blos P. p. unterzeichnet.
Beide Verfasser t Krause und P. p. weiehen in ibreD
Grundansichten wesentlich von einander ab, und wlib.-
reod Krause den Br. Heldmann da. gebührende Lob
IIIpendet, sieht P. p. die Herausgabe der Heldrnaonschea
Sch,'jft für eine Art Verralh ao, den er tadeln zu mÜs.-
sen glaubt. Man sieht jedoch leicht, dass die Demon.-
strationen des P. p. mehr gegen Krause gerichtet sind,
als gegen HeMmann. Bei dem Allen aber muss man
gestehen, dass er ein sehr unterrichteter und denkender
Maurer ist. Und selbst da', wo er im Tadel der Ver..
öffentlicbung dessen, was an sich kein Gebeimni~s ist
Jlßd keines .sei.o lLann,zu weit geht, jst sein Vorir••

Googl e

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- 153 -
gei.treich uad durchdacht. Wir übergehen jedoch diele
V 45ff00hiedenheit der Ans%fhten 00Dd w45ilden 00%&"0S Z0@ den
gail45 entg45geng4545f0±'zte0"k K45ililses P .. P ••
über· die besprochene Urkunde.
Br. K450$Use 4500gt: 0,Die der mit
chischen grolsen Buchstaben bis N. bezeichneten Sätze,
dih45il anh45hlichewE Auf4545hlüsse 45nd, Kr küwlgfi0hen
Zeiten zu dieße~ bestimmten Vorschriften streiten Hin-
sichS:45 ihrti045 Ioh45lt45seI045kkso, di45 45d d45fE vorh4545ge-
gangenen Seiten aus ihrangeführteo Stelleo, wider die
H2k.0010terg2k.l.tiftiislleh45r , uff0f insbi%&ondf2k. der
masonischeo, Geschichte und siod im Ausdrucke 10 wie
in T450 u2k.h c1e2k. d45i' ang2k.blicbeil Beit
def Ursprungs hes Aufsatzes und her diploma~scben
Sprache jener: Zeit, insbeiondre aber der Sh45acb2k. 2k.Uer
Blf &lcht 00f'0,fies4.0ili'n m2k.i'00nis45hti5n U,bund452k., dU45Bfge-
hends widerartig ; auch haben sie ganz besonders mit
de00 IDafiZtifti"kiscb0kh@ KU00,turk2k.45hen s 2k.S-
burger Hütte io Gehalt und Form nicht nur Nicht.
ge000fiZinsafiZ2k. ti 10000h0fO tiftiiderslfiZfiZiteo denseH000n hfiZfiZade
hin *).
Wihti0rstrdt ist so 452k.tsch45ih45nde45 da
unter der strasburger Corporation auch englische Ma-
.•02k.45f0 Wa'452k.."

geti0Meht dies00 Ur-


"'Uf0 gaf 0ti·lße ; du 0te d0}d0 für er ge-
achtet, und da ihr Vorsteher als allgemeiner, oberster Richter
aHti00· HÜtt0U vom f~aiseti und H0iluh b0tikftigt - fuboR
~i00titi0 Umtikandmfrde flti0Sen if45Kffiatz ma-
.:hen müssen.- Die stra8burger Ordnungen und dieser
4,titit'stititit;t; 1..2itimell zu eie &l0ht wah0 k0titift IHtik45i .
i

iltitimerk. des Kra2k.045.

Diait
- U4 -
"Noeh abgesehen davon, dalll dar ~anze Vorgeben,
als wenD, dllmals, oder je, ""eine dem J 0 h a n n es
88\'Jellte lehr geheime Ge8ellschaft unter eineAl geheim-
regierenden Patriarchen"" gestanden habe, gest:bicht-
lieh uoetwiesen und an sich unwahrscbeidlich ist, und
....reh die einzetnen deneIben in dem Aursatze bt"ige--
legten Eigenschaften und Merkmale mit erwieSftlen
Thatsaehen der Gesehicbte streitet, finden sieh auch
iber die Freirnaurerbriidenchaft erwie8eBermassen fal-
_e Geacbkhts"ogaben darin, die nur in der Unwis-
..nbeit des oder der Ahfasser derselben ihren Grund
haben kÖRoen. So heisst es ubter E. ""Uns"" (t9
~eblichen Meistem ebenso vieler Logen) " "ist kei-
.elWegs kund geworden, dass fliese Verbindung VOR
Bräflern vor dem Jahre t440 unter einem andern Na-
.... , als dem der Joh annesbrüder bekanot ~e­
wesen sei"" u. s. w.; da doch die oach dem Vorgebea
clieses Aufsatzes in der Versammlung zu Cöln anwe--
senden Vorsteher der Logen oder Hütten zu Londoft
und Ecfinburg wenigstens die Geschichte der Masonei in
England hätten kennep, und da wenigstens Diese hätten
wissen müssen, dass in den britischen Inseln der Name
M aso n von jeher' der Name dieser \' erbrüderungeD,
und dan der Name Freemason, schon im XIV. Jabr-
hundert urkundlich vorkommt, so dass schon im Jahre
1410 sogar die Freimaurer in Lpndon unter delR Na-
men tAe Societg 0/ Jt'reema,on, st$atsrechtlich iDcor..
porirt wurden; wie in Dermotts Ahiman Rezan Aus-
gabe von t813. S. ,XXVI. Note erzählt wird und auch
aus aodern Zeugnissen bereits bekannt ist."
"Ferner wird von ""drei Gfaden dei Lehr-
- tGI -
liagl, Gesellen und Meisters.8I Ordenl d.i"
freien Maurer'''' all von einer uralten Einrichtuns
geredet; da doch g.,hichtlich erwielen ist, da.. bei
den feuhehen und britiscben malonischen Vereinen die
Lehrlinge gar nicbt Mitglieder oder Mitbrüder waren,
londern ent -Dach überstandenen fünf oder &iehen Lehr.
jahren die Mitgliedschaft erhalten konnten, und da.
ein Gradwelen weder der Sache, noch dem Nam_
nach in allen jenen Vereinen durchaus nicht .~e­
fanden. ",eitR finden sicb unter deo unterzeich. . . .
Mlgehlieben 19 Logenvorstebern oder Meistern, wo"
mehrere Nicbtbaukünatler, offeabar' aber EiDer, --
MelanebthoR, - da doch diestrasburger Urkunden,,"
dem Gebrawehe, Nicbtbaukünllller all Mitglied. auf. .
nebmen, Niaats erwähnen, uad da auch in England
bi. zam Jahre 1717 den Freimaurerlogen, so viel nör
bekaltnt geworden, allemal ein wirkficher aUllÜbeader
Freimaurermeister, (Maller-lJla,oa) vorstaml und ihaea
nur ein solcher vorstehen konnte i-obgleich allerdi.
in England von uralten Zeiten her angenommene Maurer
(accf'pted .a,on, oder vielmebr accepted 6rotier,) Lei
den Logen lieh nnden.
,,\\'enn ferner bebauptet wird ""der Orden det
Freimaurer Blehe mit keinein geistlichen, noch welt-
lichen Ritterorden, weder unmittelbar ,noch durch ein
Zwiachenband auch nur in der geringsten Verbindung" '"
10 ist auch diess in dieser AUgemeinheit geschichtl-

widrig; -
"AulSel'dem redet dieser Aufsatz aufs Treuate und'
Offens.e die KUDltspraehe der sogmaDDten Eingeweih-
te.. der höbem Grade neuerer and Deuesler Zeit, wovon

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- 156 -
in allen bisher als icht erwiesenen masonischen Ur-
kunden vor dem XVIII. Jahrhunderte keine Spur sich
zeigt. Hierher gehören unter Rndern, die Ausdrücke:
., ,.dieAeusseren oder Profanen; - durch die ächten
Wissenschaften der Anstalt erleuchtete Meister; - Ab-
licbten, Gebräuche und Gewohnheiten unsen uralten
and geheimsten Ordens;:- und thun sowohl der er-
leuchteten als verfinsterten Welt, deren Beider Wohl-
fahrt uns alll Herzen liegt und uns eifrig beschäftigt,
kund und zu wilsen; - ·den Heiligthiimern des heiligen
Johannes verlobte Brüder; - der hocherleuchtete Pa-
triarch j' - die Art und Weise, wie die Strahlen des
verborgenen Lichtes elen" eingeweibeten Brüdern uml
der profanen Welt mitgetheilt und verbreitet werden
sollen; - Novizen, (s~att Candidaten) und dergl. JD.
Dieses sind" die hauptsächlichen Gründe, weshalb ich
diesen vom Br. Heldmann als eine äcbte Kunsturkunde
aufgestellten und angewandten Aufsatz als unficht und
untergeschoben erkenne. ce
Dagegen erklärt sich der Beurtheiler im literari-
schen Conv81'sationsblatt, P. p. freilich ganz anders,"
wenn er sagt: "Sie (diese Urkunde), ist ein offenes
Bekenntniss vom Jahr 1535 ausgestellt" von den zu dem
Ende von 19 Logen deputirten Meistern, um den schon
damals, besonders \'on der Clerisei, verbreiteten Ver-
läumdungen der Freimaurerbrüderschaft zu begegnen,
der ganzen Welt offen zu erklären, welches die Ent-
stehung und der Zweck der Verbindung sei, und eben
dadurch, wenn sie etwa in den vorausgesehenen ..,hwe-
ren Zeiten irgend wo untergehen sollte, für deren Wie-
derherstellung, oder, wenn sie ausartete, und' ihren

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Zwecken entrremdet würde für deren Erhaltung und
~~inbeit sorg"'''', Eine dies"'" in 19
ren ausgefertigten, Urkunden ist im Jahre 1819 in dein
"A1?",bive groSä&:&% Loge Haa9 %"i",der :H:fgeCund::::
BofH"'$; ",lIen h",Uändischf:'" Log"''' beg)",z:hter Ab~
schrift mitgetheilt worden; und das mit Recht; so wie
b",&m 8"",h geg"'&% geren ~:cbannh::::d:ung :h:,ch d"'H
eiH",,,~ende&"k dH Verhgf'''':CJ' da::ln
ausdrücklich erklären, dass sie nicht blos für die Logen,
"'HHdern alle :cIl ge:mh:cieben
Nu:: "'IT",d wi", ",'!.",ar k&:lk":,,,weg'" 9"meint, ::3::S Krä[~
tige der Gründe, welche Br. Krause gegen die Aecht-
delk" :cI",kund", ::uflltelb gera[",,,,,,, zu J

&nanch",,,, der l::€dern ",,,,,,bomm~, ~as z"''''


Prüfung derselben auffordert. Nur so viel behaupten
das", die UnE.:::ife::ichund il",ch zu Ei"kä", gefühlk"€:
und eh:",s maig :l::her die Unächd:eit des Lhufsatzes,
wie Hr. Krause die Urkunde zu nennen beliebt, noch
k:i",ht alä annäEm,en d"'k"[ -
Indem wir hier zu den obenangefiihrten Krause'lIchen
Aeusserungen einige Bemerkungen hinzufügen, wünschen
, wem: der BI'ud",,,,
drauBe diese Bogen zu Gesicht bekommen sollte, er
sich veranlasBt fühlen möchte, die Urkunde sowohl, als
geg"k' die Ae,:hcheit d",,,,,,,,,,lben einmuE
einer PrüCung zu unterwerfen und sich zu überzeugen,
dass sich 8uch für die Aechtheit derselben Einiges S8-
läSSt,
Br. Krause findet zuerst die in der Urkunde mit
griechischen Buchstaben Lh: N. be",,,,ic:hnetecc S3itze
Ton Farb", beB V::HRJeags ",ngeblili1?lili",n Z"ik
- .58
dei Unpranp des Aufsatze~ und der dirl0.......
Sprache jeDer Zeit - widwartig. Dieser Vorw.,C kana
allerdings. die in mehrern Puneten millhlll«ene teulleb.
UeberaetzllDg treffen, nicht aber de,o lateiniseheu Te1:f;.
Man wird von uns nicbt erwarten, da8l' wir Wer eiae
Theorie dei diplomatischen Styls jener Zeiten auf.teDea
!JOllen. Wir können nur versichern, dus wir,_ in deI"
Urkunde ßrkennen und wie in der Kritik bisweilen aueh
Dinge, die an sich Kleinigkeiten lind, Gewieht haben
können, so scheint uus auch hier du geringfügige Um-
stand nicht übersehen werden zu dürfen, dus .ehrere
Liebliogsausdrücke MelanchthoDs häufig in deneIben
wiederkehren, z. B•. mine'., fest verbunden, die Zu..
sammensetzllDg deflle; ferne~ fide, in der Bedeutung
heHiges Venp rech en, die Setzung der P..äpositioD
c. . zwischep Adjectiv und Substantiv und dergl. mehr•
. Ferner sagt Br. Krause, dass jene Stelleu nament-
Uch mit den Urkunden der s tn s burg er Hütte nicht
nur Nichts gemeinBaID hätten, IODderD deRselben ge-
radezu widerstrittea. Dieses Nichtzusammentreffen der
Urkunde mit denstrasburger Ordn ungen Jä8It
sicb aber erklären, wenn man bemerkt,' dass die Frei--
maurerei von den Baukünstlergesellscbaften weit früh..
losgerissen war, als etwa im Jabr 1717, wie viele irr-
tbümlicb annehmen. Dass Freimaurerei in ihrer Ab-
sonderung vOß Baukünstlerthum scboß' ZII Ashmole's
Zeiten neben dem letztern bestand, ballen wir für ge-
schichtlich erwiesen. Aber der Bi.. war schon lange
vor Asbmole geschehen. Die strasburger Hüue war
nichts anders als eine Bauhütte; die Brüder ders.elben
waren eigentliche Baukünstler. Die unter der C.

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- 109 -
UrkQQcle Unterseicbneten dagegen kODdlgen lieh 81s
Freimaurer an, ohncefähr in de.Sinne deI Wortes,
lien man späterhin allgemein damit nrband. Wir mei-
nen daber, da.. sieb daraus die Abweichung v.on den
Itrasburger Ordnungen, oder vielmehr das Ver.
schweigen tIerseiben wohl erkJlren laBIle, und könnell
also die Behauptung des verehrten Br. Krause: ,,Die
suassburger Ordnungen un.d dieser Allfl8tz können nicht
zugleich licht und. wahrhaft sein" liicht 80 obne Wei-
teres unterschreiben.
Beiläufig bemerkt auch Br. Krause, "da88 das gau••
Vorgeben, als wenn damala, ode r j e, eine dem Jo-
hannes geweibte gebeime Gesellschaft unter einem ge.
heißuegierenden Patriarchen gestanden habe, geadticht--
lieh unerwiesen aei u. s. w." Dagegen muss erinnert
werden, dus sieh schon unter Athelstan aus deo ia
York sogenannten Colideil, die Canonid reKfllarc. Se
loa.ne. Bapti.tae Co."entriae in bKlia bildeten; da.
diese, noch Qlehr 'aber ihre Nachfolger' in offeobar.
Verbiodung *) mit den Freimaurern atanden; und ....
endlich der Name Patriarch keinen Anltola geben kana,
weno man an das geistliche Oberhaupt derselben deokt.
Man !ergl. das Altenburger Journal für Freimaurerei,
Jahrgang 1804, Ersten Bandes, Zweites Heft, Seite 111
11. folg. .
n... di~ 19 Meister aagen, es sei ihneo niehtkuod
geworden, dasl vor dem Jahre 1440 die VerbinduRg
unter einem and.rn Nameo als dem der Johannisbrüder

.) Auf eine .~Ite Verbindung scheint auch das iR ckr


Urkuade. gebrallchte Wort: PlItre. hinzudeuten.

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- t60 --
bekannt gewesen llei, hlllt Br. Kraule .für einen B&6
weis der Unwissenheit der Concipienten. Allein der
Name Freemasonl wurde erst im Jabre 1410 officiell
und wie, wenn die Zahl 1440 ein Fehler eines Abscbrei-.
bers, oder von dem ersten Ueberaetscr "erkannt wor-
den wllre! Die Gestalt der Zahl Eins ist in alten Uro;
kunden doppelt und erscheint bald als ein kuner Strich
mit einem Punkte (i,ij iii) bald zusammengesetzt :aul
zwei Strichen mit einem Dacbe;;:r-. Dals eine sorehe
Eins für die Zab14 genonamen werden konnte, ist leicht
eiOZ1Ulehen und es bleibt sebr .unentscbieden, ob nicbt
statt 1440 vielmebr 1410 gelesen werden IRU"; in
welcbeln Falle die Sacbe ibre Ricbtigkeithätte.
Ueber die Abstufung der Lebrlinge, Gesellen und
Meister u. s. w. hat sicb bereits Br. Heldmann in einer
Note zu der Stelle, der Urkunde, in welcber jener ge-
dacht wird, gnügend erklärt.
Für völlig gescbicbtwidrig erklärt ferner Br. Krause
die Bebauptung der 19 Meister, dass der Orden der
Freimaurer mit keinem geistlicben oder weltlichen Rit·
terorden, weder unmittelbar, nocb durch ein Zwischen·
band, 'auch nur in der geringsten Verbindung stebe.-
Es kommt aber nur darauf an, wie man diese Worte
venteht. Die neunsehen Meister sagd sich feierlich
und nachdrücklicb von aller Templerei los. Sie batten
erkannt, dass diese Letztre als ein völlig fremdes Ele-
ment in die Maurerei eingemischt war; sie batten ein.:
geseben, dass zwiscben Templerei und Maurerei nicht
die geringste VerLindung statt finde, die aus dem We-
sen der einen oder der andern hervorgegangen sei, son-
dern, dass die erstere sich in die letztern eingedrängt

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i6t
haue,' obne 1m mindesten durch Idee und Tendenz mit
ihr verwandt zu sein Und diess sprechen sie klar aus;
der Sinn ihrer Worte ist: es glebt 'keine ionere Ver-
bindung zwischen beiden ,und die'liusBere erkennen wit
bicht an. ,
." Endlich bemetken wir noch, dass dle "om Brudet
Krause gerügten einzelnen Worte und Ausdrucksweisen
luehrdem,teutschen Uebersetzer al. dem COhcipienteü
des lateinischen Originals' zum Vorwurf. gereichen,.).
Derfteissige Herausgeber der Encyclopildie füt
Freimaurerei, C. Lenoing, der in ADem nilt dem Bruder
Krause auf das vollkommenste, übereihstimmt, verwitn
etelOnach auch das, was der Verfasser der 'RecensiOri
des HeldmaDnschen Werks im Lit. Convers. Blatte (s.o.)
nnter der Chiffre P. p. zu' Gunsten der Urkunde gesagt
hat, und glaul1t noch ein' Merkmal der Unllchtheit der..
selben' darin gefunden zu haben, dass das I in dellt Na.
men Philippus eine höckerige Gestalt habe. 'Wir
haben sowohl' bei dem in Leipzig verstorbenen Ptlllat,
Ik. Burscher , als auch auf der k5nigl. Bibliothek Zll
Dresden, Juehrere Briefe Melanchtdns gesehen und ver.
glichen, die in Rftcksicht auf die Handschrift von ei-
nander unterschieden sind und wir erinnern uni bestimmt
dei einen, der gegen die andern gehalten, auffallend
stlll'kere Buchstaben enthielt. Es ist wohl Zll viel ver.

,') Gelehrte Recflllenten~ die mit' der Geschichte deI' Frei"


maurerei bekannt und vertraut lind, wü,'den UIII lehr ver.
bißden, wenn sie gefälligst auf die VOJ'stehenden PURcte etwas
näher eingehen ~'ollten. Wir sind wfit elltffl'nt zu glaubl'lI,
mit diesen SitKen die Aechlhelt der Urkunde gprettet lIIu ha-
ben; aber wir halten weni;stens die Unächtheit der.eIbea.
doch nicht für vollständig er"-ielen. "
JV. u

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langt, weQD ~ eiDena. Gelehrten ~...Qtbet, er 80Utp
eine Zeile wie die andre lind einen Buchstaben wie deq
andern schreiben. Da übrigens Me~aochtbon sehr .aaglt
I zu schreiben pflegte, 80 kann alls eine III höckerigeD1
das bei einer Unebenheit des Schreibmaterials oder durch
eine 1N1willkührliehe Bewegun, wobl miaslingen kqonte,
~icht sogleich der Schluss ,eu,en werden, ru. es . .
Mel.anchtons Feder gar nicht gefl.ssen sein könne.
Schlüulich müssen wir noeh einer AeussHung C~
Lennings gedenken, tUe U8S in doppelter BeliehQllg et-
was voreilig und unLeaeheilien vorkOlßmt. EI: sagt ina
IIt~n Bande der Encyclopädie: "Ebe.. so, wle Bruder
P. p., haben sicb die vier Maurer lilusehen lassen, die
in der obenangezogene. Sc~ift (Gegen die Angrifft?
des PrQfessor Stejfe~.. a~ die Freblf!llurerei. Von vi.
Maurern. Leipzig bei &.ookbaus t821. 8.) es unter-
nahmen, die Freimaure~brilderschaft g~gen die leider ~
nur allza ,egründeten Vorwü.,.fe und Beschuldigungen
deI Professors Henrieb St~~D8 ilJ, den "Caricaturen
des Heiligsten u. I. w," zu verthei~ben. (Der Un-
grund, und das. Thöriehte je.e. V OI"wi4"fe ia,t aber v~
den 4 Vertheidigel'n sehr treff.md nae~gewjeHJl worden.
Man sehe hierüber: "Gedanken üb.er die Freimaurerei,
ihren politischen Einfluss und ihre Zuläpigkeit; und
'Freimaurerische Literatur der letzten drei Jahre. ~
Aus dem Literarischen Conversations- Blatte besonden
abgttdtllCkt. Leipzig bei Brockhaus 1823, Seite 57 u.
58, und: Zeitschrift für Freimaurerei, Altenburg 1823,
t Bd. 2 Heft, Seite 267...- 269.) ,,sie haben, CI fährt
C. I,.enning fort, "bes.g.e U.kaade am SchIn... jener
Streitaehrift S. tU - Ha wieder abdrucken Jassen.

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· - 161 -
s. wird 'eni P.blikullt und den ußlQnterriclJ;.
teten Freimaarern durch-eiDs unilchte,. V"Q
M g.terio/u'gpte" erloKene, aogeblieh e U,,-
kunde aufs Neu.eSand in die Augen gestreut!

Dieses wäre vermieden worden, wenn Bt.
Helel.RHn aiuf die iODeu.Stimme, die ihm _
diese Urku ode .. etdich tig mach te t gehe reht
aDd eine ~rändlic"e Kritik gegen dieselbe
aus g e übt h i tt e. " Delll'Zufol,e scheint also C. Len-
Ding der MeiDllng ZII .eid, 4als die vier Maurer. obne
allel eit;ne NlcMenken .nd ohne auch nar eia e Q
kritiscb.n Blick auf "ie Urkunde ZII werfen, bio. dem
Ik. Helchaa. . aacbgebetet and elie letztere bl 01 delS-
wegeb i. illre Sclrrifll aaf«eDolluDe.. llaben, weU . .
HeIdfItfInD in di~ .eiDlge aufgeno....llen bai. Eiae Mei-
nung, für welcbe Ulan die 4 Brüder, cle.... Sarnm1f.r der
Encyel.pidM niGh, ebu sehr verbunden achten. kann.
Wie konnte der..lb. ..bu yollenda .,.,en: d i •
Urkanel. sei vo .. Mys .... iekry'ten. e,I.0len!!
Wb 8e- z., 4888 Br. Heldn.aon ia &ein... aaebrmaJ.
....fiilwten Wuie" Seite 306: und 307, Dieht Alles an-
8emhst ha', wal den V er~t c1e. Uater,eacboMnseilUl
ala ungegrü.det er.weisea kö_te, . deoo er sagt. 4.selbst
blos Be .ieh "G..gen. iJ.,e: Atchaheit möchte sielt wohl
kaum ei~ gct~rÜluletR Z.eifel vbehen: 18ISen.~ iIar.
pa_ Teadenz .priebt für sie, nnll ihre Sprache 1011
nach lIöclast glaul.würdiger Versieherong faDz 4w' Ur-
kundenspraelle jeneIl Zeit lein. Dem Gedanken. einer
blolse. ....diclttllDg aber widerspricht schon der Iobalt
clel Akte ae1Ht, welcher ve~ der Art ist, dus man
durchau keine. Privatz\Veek einer solchen Itik&ien fon
11·

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164 -
Seiten irgend einer maorerische.ß Oberbehatde Blich nur
ahnen könnte. Dals ater die niederländi.rohe Grossloge
dieses Aktenstück treu und unverfälscht und ganz so
wiedergegeben, wie sie es in ihrem Aichhe gefunden,
dafür bürgt, aussel"' der allgemein anerkannten necht-
Jicbkeit dieser obersten tIlehörde, auch der Schluss der
Urkunde selbst, wo gesagt wird, dalls \'on derseIhen
neunzehn durchaus gleichlau'ende Origi-
nal-Exemplare ausgefertigt und an die ver-
aehiedenen Logenvertheilt worden; so dus
sich also die er"ähnte höchst achtbare ':rossloge bei der
Möglichkeit einer friihern oder' spllter" Widerlegung
no'hwendig der Gefahr, sich vor den Augen der ganzen
Maurerwelt zu kompromittiren , hätte aussetzen wüsseR,
welches sich von ihrer Klugheit a ..; allerwenigsten
denken lässt u. I.W.
Wir setzen hinzu, wenn man nicht auf eine ver-
wegene Weise die Grossloge im Haag, - waa wohl
schwerlich Jemanden einfallen dürfte, - des Unter-
schieb"ns verdächtigen will,' so moss man doch anneh-
lIIen I dass die naehrerwähnte Urkunde Bchon vor län-
gerer Zeit abgefasst und sorgfältig aufbewahrt worden
ist. Hierbei dringen. sich· uns aber folgende }'ragen
auf: Stammt sie von Betrügern her, - denn das
Dlüssten doch jene von Lenning als Mysteriokrypten be-
zeichneten Verfasser sein - lässt es sich dann wohl
nrnünftigerweise denken I dass sie nicht zur Zeit der
Abfaasung selbst damit hervorgetreten sein sollten t Wie
konnten sie die neunzehen Original- Exemplare 10 tief
vergraben und es einer spälern Zeit üoorlsssen, die sie
vielleicht selbst nicht t'1·lebten, ihre Fietioß an da.

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165 -
Tl'Igf'slieht ....rvonll.i~hen; einer Zeit, wodurch letztre
vielleicht gar kein Zweck" mf'hr zu erreichen war lind
die Früchte davon für sie völlig verloren gingen' Un.
scheint es, als ob lolche Bedenken nicht sogleich durch
.inen Machtsprnch beseitigt werden kÖDMen.
ner Bruder Tbellung von Courfary, weicher J.
Schoutens holländisch geschriebenes Gedicht: "Die
Freimaurerei" in" das Teutsche übenetzte, sagt über die
Geschichte eier Urkllnde, "dau sie sich In dem Archive
der Amsterdamer Loge "ei Yr~de,.dall befunden habe.
Diese Loge bliitlete vOn bis f601. Zeitunaatiinde
inanDlren Jahre ihre Schlies-
noch ~rig gebliebene Mit-
Verfauer der Freimanrerei
nennt sie im Seite f 06), ihre" Wieder-
herstellung i"m" , wo sie dell Namen /4;".
dwiM Unter den aUI jpner alten
in diese neue "übergegangenen Gegenst"linden be-
fand sich au~ ein mit Melsing beschlagene., mit drpi
Schlölsern und drei noch ganz unverletzten Sip.geh.
verwahrtes Kästchen, worin t) die Einsetzungsacte der
,l.oge; "ei Y"edelldall VOln 8. Män 1519 in englischer
Sprache (denn die Loge war, 10 "die Freimaurerei"
am angef. Orte, von I.ondon eonlthuirt); 2) ein Ver-
zeichniss liimmtlicher Brüder von 16f9 bis 1601 und
3) die gedachte Cölner Urkunde lagen. Diese letztre
war auf Pergament' in plano mit Charakteren in latei-
nileher Sprache, IInversehrt und unterzeichnet mit 19
Handschriften, nicht in Cbarakteren, sondern in ge-
wöhnlicher oder Cursivschrift. Dieu All.. erhellet alll
aem Protocolle der ersten von der Loge P'rede,,;A.

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165 -
2'.
Vudri,,,'.ll ·alll JaHa.. 1637. gehalte. . Venamm-
Jung, welehe., wie obige AeteDlltGcke im Archive der
Grosslos. im Haag twigi•• li/er a.fbewahrt wird. Seine
kinig). Hoheit, 41.1' im Jahre 1816. erwählte National-
grossmeistel' aller niederländischen Logen, der zweite
köniSI: P,inz Willa.ho Friedlich Carl, lieu .al Origi-
nal der U,kuade von gelehrten, laehkandigen MIn-
nern ...ersuchen, Jtac-Si",fI" verfertigen, ins Nieder-
teutsclJe übersetzen, in bei den Sprachen aWrucken und
im Jahre t 818 Rb alle LogeD d. Königreich. nrthei-
leD. Durela diele Erzählnng verliert die in dem Werk:
"Die Frehoaurerei u ••• w. So 107 und t08 befindliche
Ansabe, da. die Urkunde dein Brudv ven V88I8el'
zu·r Aufbewahrung anvertraut geWeBen, nach dem To••
desselben i" die Hände eines Hiner NachkoDlmen über-
geg.n~n, von diesetu de... Uerw Botselaer öHrgeben.
bei deReQ Flucht aß. dem Haag ~ber einem treuen
Bruder lIugestellt, und lIuletzt an "ben Prinzen Fried-
rich der Niederlande aUlgelie'ert worden .ei - viel
IIn '\\'ahrscheinlichkeit, indelo sich weit eher an eine
fortwährende Aufbewaluung der U,kDlld. im Archiv
jener Logen glauben Ihst~
Doch genug hiervon. Wenn demnach Buch die Aecht-
heit derselben noch nicbt völlig klar erwiesen und aUSller
&llIen Zweifel gesetzt is., so in el andrer••its die UD·
liohtheit derselben ebensowenig oder vielleioht DOch we-
niger, da die Grünete, alJf welche sich· die Gegner bil-
her gestützt haben, Icheinbar aber nicht haltbar sind;
da gegen dieselben wieder manches eingewendet wer-
den kann und die Sache folglich immer DOch einer ge-
Dauern Unterluchung bedarf.

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1161

ZTIffi: &ibzk I!. Dan RTIffi:la Del***tirter deI 8it~


ruft Prinseir (htrleht Pirizen), Im Jhtrhre htr58 n<$I~
Ihtrod sein soll, ist Ull. bisher unbekannt ge.
tfu'eteTIffi:; .Wihtr%frilseTIffi: blos dan "Ohtr 768
in Teutschtand herumreiste und nur einmal eiben kor~
trtr{(;n AttAtrtrPOg TIffi:4%cb 1l4trßIStoc6Jotm "";mn;;,

Zag Seit4% UO.. ist kdn blfJir~el V<2ttrgebcTIffi:%. ~!!!


Philipp StllnJope, (]raf von Pheattrtr;;field,
Maur4%4%4%i in Holland Jewesen sei. Er führte allerdings
deJ ctrstetri in b& 11611
den Vorsitz uod nahm deß naohmaligen teutschen Kai-
J4%r Fi'4%4%Z J. 4%ttnm auf, Di4%4%%fr Log4% 4%ehekfAir
aber nur durch elen Zusammentritt der, eine gerechte
hmd '4%4%llko4%%4trß4%oe Loge BJ4trßSlI1a4ttJ4%nde4% Lahl der
setzlich notbwendigen Brüder Meister gebildet gewe-
4%4%n aRt<t;; o04ttb nich~ 4%öllill 4%onstw@;;girt g4%'&4%e88trtr seh'&;
Die Constitution erfolgte wohl erst den 30. September
734. 1IdebrTI6otnS Htm: Vebzk&4'&ser a.
jprthümlich aus dem Herzog Franz "on Lothringen uod
tr:Ezsm tsm@;sch&4&4 Kai&4&4&4 zW&4i Pers;t,tt;n!

Zu 8~ite t ft. Jobann Corn~lius Rademacher war


Lene'&#thzchat&4%nseist&4'& hr. bzktiheit PM'h'h&4en O0'ti-
nlen. AI. es nun durch eine in der amsterdllmer fran-
;g3sisehtiti ;gtiili:&4rm Noti;gmber 1535 &4t0't;hie&44;~
neo Bekanntloachung offenkundig' wurde, dass im Haag
tine h0'Dlllindi##&4he F'&&4imBU0'&4&4log&4 errichtet worden se1,
g;grietrJ der zu ld,,'ltertrElntrtr auf ,fen
dass unter dem Vorwande der Freimaurerei ein dem
befilbslicheJ IhM de&4 Haul<t&4
Oranien geschlossen werden könnte. Es wurden daher

o
" .8
'!lla PI.ured!'!C"~n - ZQlammeDkü~~' bei, .Ir• •r Ahn-
dn~, unteragt. . Gleichwohl fuhr Alnltel'.da...r
,toge fort, sicb I'egfllrullili, zu verlam...... De~ MB..
. Ptrat. lieas :die simmlli~hen Brider v~rb.ften .unel
Toga .,larauf den Mei.t., "0111 Stuhl .,,,bst den beiden
Aqfsebern TOr den ver.ammelte. 8atb führen. Hie~
aber vertheidigten sieh die Angeklagten so nachdrück-
licll, dass .ie wieder ~uf freien Fus. gestellt und der
Stftdtlecretilr abgeordnet wurde, lich in den Orden: auf-
nehmen zu lassen.' Der Berieht, den dieser hierauf
dem Hath erstatt~te, war 80 günstig, d~ss' bald darauf
falt ane Mitglieder des Magistrats In den Orden traten.
Zu Seite 234. Der Herr Verfasser berUhrt hiet'
einen' Gegenstand, der in teutschen Logen Iingst zur
Sprache gekommen ist. Wie sich die Freimaurerei zur
Intelligenz unsres Zeitalters verhält, und ob ans die-
sem Verhältniss die Notbwendigkeit elne~ Reform der
erstern hervorgeht, - darfiber erklArt sich namentlich
ein im Jahre 1834 von der I. e. Loge zum goldenen
Crenz in Merseburg erlassenes Johannisschreiben , wel..
ehes wir deshalb im Auszuge mlttheilen:
"Unter den mancherlei abflilligen AeusseruDgen,
~'elche die Gegner der Freimaurerei über. die ·Ietz.ten
"erlautbart haben, giebt es zwar a))er,Jings nicht we..
nige, die man füglich ullberücksichtigt lassen kaoD,
phne den geringst~n Nacbtheil befürchten zu miissen.
Wenn aber MAnner \'on Geist, MAnner, die nicht ohne
F;inftuss a"f das Zeitalter sind, Behauptungen aufste).
len t welche einigen Schein haben, so ist es UI" so
Plcbr Pflicht, auf Untersuchungl'n einzugehen, ""reit
welehe da!! S~h(>inblJre von dem W~br"n "nu,rllcl1ir..

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- tOt -
den,' und' 4al Uoitatthafte erneuerter Angtilfe erwie~
aea' werde. "
"Nicht unwertb der Beacbtunog aeheint in .Ueur
DeZiehug dal in, der Betlerft Zeit bisweilen!· gebörte
Urtheil zu lein: :dau die',Jo'reimaurerei IU de,r
höh'er .. Intelligeo'l unsur ,Tage im"MilS,ver-
hllt.'iutt atehe und 4eahalb endlich vor cte'~­
,.elben 'verschwinden m6I1e."
,,,Indem wir darauf, eingthen, : dielei UJ'theii zu le,-
glieder.. , die Gülti8keit oder Uogiiltigkeit der Gründe
dafür Zft prüfen, und clal; WBI' aus dieser Untersuchung
als' no.hwendiges Ergebiails folgeo, so klar, ' wie ,,'u-
es 'immer 'Vermögen, ,dar...steltell, - versuchen wir
es, einige Frageo zu' beantworten, welche wir jedes-
maIden einzelnen Tbeilen der kurzeo Ahhandlung vor-
ansfellen wollen;"
" Demnach fragen wir luerst: Was he i 11 t lo-
tell i ge DI! - Ein rieuerer Philosopb bat es gerade-
zu für Sprachmengerei erklllrt, wenn maD darunter da,
verstehen wollte, waa wir g~wöhnlich darunter zu ver-
.teh4!n pflegen, neh.olicb Einsicht u.... Er:keBnlnlsl1.
Nach seiner Meinung soll das Wort, nichts anderllAls
Vetn .. nftwesen oder VerDunft an sieb bedeuten. Nun
lihtgnen wir zwar nicht .da8s dall'llelbe bei d,en altt'ß
röruilcben Clallsikern einigemale in diesem Sinne vor-
komme; aber wir finden ebensorie} und noch mehr
Stellen, in welchen es tbeils Fähigkeit J Einsichten zn
gewinnen, theils aber auch die Summe der gewonnenen
Kenntnisse und Einsichten bezeichnet, und in diesem
Sinne nehmen wir es bier, wenn wir von der höhe rn
Intelligenz unsers Zeitalters reden. Indem wir aber

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- tfO -
dietelbe • efn. lt6here b....... ; leucht.. •• ein,
d8118 eine Vergleicbung mit einem andern Zeitalter rof.6
auagegang..n ..hl IMId die Gtleg.llheit S1l ~eser Be-
"ichllang~8.ben haben _s. Uad dem ist lIIIer.
dings so." Wir frage. a\Jer weiter:
"Ist die St.fe der intellectaelle .. Cultor,
auf ~.,lch.r wir Ubue Zeit erblicken, wirk.-
lich !!ine böbere, ab .ie, auf welaher dh
VorzeSt' u •• d! Es wirde vleRldeht Th...... sein, 't
eiDe 1&lcthe Frage ant.llw...r.. f . . . . . 4Iädurch .. die Hie..
aenfOrtsehrilt8 ........r Zeit in Zweifel gelteDt, Hel' gar
vet-dlichlig gemaeht \\ferneD lollten, um et\\'8 eifte trU.
here Zeit in de.to grÖ8rJenMII Glaaae .trablell 111 I...
len,' wit'! dleu Einige Heb jetSl yenuehen, die dQ
Mittelalter in DicbtGng und Prela all Teutschlandl
goldenes Zeitalter preisen und so gern lutü"ktdhr.
möchten. ~ Nein! Es '011 aM vielmehr jene Frag.e
dell W ~ IU dem Bnweise bahnen., dass die inlelle>.
ctue)le Cultur DOoh lI1l keiner Zeit den hohen Stand-
pnnct erreioht hatte, den ste. jetlt einnimmt. Doch
scheint dieser Beweis nicht einmal nöthig IIn lein, für
den wenigstens nicht nötbig, der das Gebiet der Wis-
senschaften und die VOD demselben amrgehende Volks-
cultur mit hellem Blicke zu überscbauen vermag. Wie
Vieles ist jn den SpracbwiU8nseharten gethan worden!
'Velche glückliche Forschungen .chlles.en nns das Ver-
ständniss der frühesten Zeiten und die SchiI.. eines
Jang für verloren gegangen gebaltenen Wissens anf!
Wie allgemein hat sic~ selbst im Volke die Kelintniss
ansländiseher Sprachen yerbreitet, also, dass die Mög-
lichkeit der Miuheilung die Annäherung der Völker an

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!Tl -
"1I8Dder erleiehtert .... begftnstigt r Welehe Gewin-
htken lehrt anl die MatheMatik 1 Wie 8ehr bahen licb
die GNRHft erweitert, IR welcbe fit .., ,.ie Geaehicb...
kaM fingeschlol" wa" I, Welcher EnedeeknßlSg_
hat dal UnbekanDte in Teutachlau', ja harten, ......
in Indien aOI dem Donkel der Verborgenheit ,hervor-
8810gen ! Welchen Umfaag· h~t die' Aherthumskunde
dadorch gewonnen! Wie, glaDZvoll iat die Wahrheit
aOI . den Kämpfen der Philosophien hervorgegangen!
Welche herrliche Besuhate sind in der Tbeologie I in
der Medicin nnd in der Rechtawiuenschaft gewonnen
worden! "
17Wir würden 8U wenig zugestehen , wenn wir aUe

dieie Scblitze nur in der Gelehrtenrepublik als vorhan-


den anerkennen wollten. \Vie sebr das Ganze durch
alles DieBeS gewonnen hat. ist·Keinem unbekannt, der
unsre Volksschulen ins Ange fasst, der bemerkt, wie
selbst in den niedrigsten Ständen Kenntnisse angetrof-
fen werden, von welchen jene in früherer Zeit mehr
durch Grundsatz als durch Zufall' ausgeschlouen blie-
ben; der es wahrnimmt, wie de~ Geist des Denkena
iiberall hervortritt; überall die gebildete Vernunft ali
Leiterin sicb zeigt. Wenn' daher traurige Erscheinun-
gen der Zeit, Angriffe auf unantastbare Verhilltniue,
hervorgegangen aus falschen Urtbeilen, uns betrüben,
10 ist hier gewiss nicht eine zunehmende Aufklärung,
als vielmehr ein Zurilckbleiben hinter der Zeit zu ver.
Ißuthen, welche im Ganzen aufgefasst, immer als eine
Zeit der Intelligenz betrachtet werden muss. Daher
können wir aUe die Unordnungen, welcbe hier der
Miuverstand eingebildeter oder neulIuerwerbender

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112- -
Rechte., dOrt, tier Missvetstand ewiger' Wahrheiten er-
zeugt, nicht iowohl fiir Zeichen 'unlrer. Zeit,als ,viel-
mehr fIU liTeberWeib.el einer fJlÜhern Uawissenheit lind
Rohheit .halten, die ebeb UDRe Zeit zn verdräog.n
strebt. "Wichtig ist Alaher ferner die Frage: .
'"Ob bei dieser Intelligenz die Freimau.;.
ierei entliehrlich 'seit"
"Die Aufgabe der Freimaurerei ist.: Licht zu ver-
breiten; aber diess ist nicht ihre ei n z i g e Aufgabe, denn
sie will zugleich auch Herz und Gemütb' bilden. Daraus
gehet aber unwidersprechlich hervor; dass sie den gan-
zen Menschen umfasst; dass die durch die Freimaure:"
rei zu bewirkende Intelligenz" durch welche keine po-
sitivem Wissenschaften gewonnen, sondern nur die wich-
tigsten und erhabensten Lehren der Selbsterkenntniss
und der praktischen Lebensweisheit initgetheilt werden,
der Intelligenz eines Zeitalters nachzustehen scheinen
kann; dass aber die Freimaurerei eben dadurch eine Art
von Unentbehrlichkeit behauptet, weil der, welcher
sich an der Intelligenz allein gnügen lässt, immer nur
blosser , Verstandesmensch bleibt, während der ächte
Freimaurer des Lebens Werlh nicht allein Jlach des
Geistes Wissen, sondern zugleich nach des Herzens
Ueinheit und des Geloüthes Seligkeit lIIisst."
"Kann also, fragen wir weiter, die höhere
Intelligenz unsrer Tage die Existenz der
Maurerei bedrohen! 'Vir sagen: ~eiß! •••
"So lange der Maurer den Doppelzweck seiner
Versammlungen nicht verkennt und vergisst, den Vel'-
.tal.d zu erleuchten und das Herz für die Tugend zu

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...... 173

"\\il'"I.aen, so lange wbder aOcbnioht auf den- Ge;.


danken kommen, d'lreh die vonihlo- -seibat errungene
Intelligenz aei ihm die Freimaurerei enthehrlich gewOl"-
den, weil er begreift, dass 'das Lieht des Geistes al-
lein das Herz nicht zo erwärmen- vermag, wenn .der
sBndende Funke, der den Wärmestoft" in Flammea sez-
zen soll, nicltt andera woher kommt, nebmlich von
der allgemeinen Liebe, deren Pflegerin -die Freimao-
errei ist."
"Was kaon demnach die }<'reimaorerei ill
ibo n haben," U Dl sich bei der böhern I ntelli-
genz unsrer Tage zu beha'upten' Gewiss niel....
ande ..., ab aUe Lehren, die sie in dem ihr; eigenthiilll-
lichen Lichte. empf"ängt, pr akt is c h z u übe n. Sie
zeige, wie sie ihre Jünger, zo . wahrer Lebensweiltheit
erzieht; sie o'Dschlinge mit dem Bande der Liebe die .
heterogenen Elemente der Gesellschaft; sie öftRe die
Herzen für würdigen Lebensgenuss und erhöhe diesen
durch die Verallgemeinerung der Humanität - und die
Intelligenz wird, anstatt ihr eine gefährliche Feindin
zu werden, eine feste Slütze und eine treue }'reundin
.
selD u. s. w. "
Diess sind auch unsre Ansichten, und wir· halten
daher die ,"on dem Herrn Verfasser der ,,"'reimaurerei
D. s. w." Seite 134 geforderte- Reform nicht so sehr
nöthig. Denn wenn es aoch nicht in Zweifel gezogen
werden kann, dass Verfolgungen, widrige Zuf"äll ..., Um-
wandlungen einen sehr nachtheiligen Einfluss auf die
FreiJuaorerei geübt haben, so darf man doch aodrer-
seits nicht verkennen, dasi eigentlich nur das Log... n-
wesen hin und wieder ausgeartet ist, nicht aber die

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tf, -
FI.i. . .reni .1Mt, . . in ibnna wehnn Wese.. TOll
vielea Blöelen richtig erkBBDt ud in vieleR Logen treu
geüM wirl.. DM. d er Geilt. der naMentlich die teut-
.eh. FreimRuea: beseelt, der Geist der liehten Maurerei
_, wirl! Nie.aad in Zweüel .tellen, der in leutschea
Log. g....beit.et hat. AWIIlahmea YOn der Regel, wo
v.rsitzende Meilter und Redner' hichsten. ein Stick
der verba.enen Inst~ct.io"'R mittlaeilea, eingegange...
Logenschreiben Torlesen und dann die Loge Ichlieaen,
sind freilich ..hr zu rügen. Noch melar vielleicht sol-
elle Ver~M, deren Hauptsache die Tafela ..in scheiat.
Daraus folgt aber immer aur erst,. claas eiaige Lo-
gen .in.r Reform bedürfen, nicht aber die Frei-
maurerei 8n sieh. Man vergleiche:- "Ueber die Frei-
..aurere. an. Ihr. heMigen Gegner~ VGa Carl Rö......
Leipdg 1822 bel Fr. Chr. Wilh. Vogel. Seite 43.
ner Wunsch den der Herr Verf. Seite 1~6 in den
Worten ausdrückt: "Wir wünschen ferner zum
Vol'theil des Ordens u.s.w.," istbJosaufFrank-
reich un4 etwa einige amerikanische Logen zu beschrän-
ken. Dass man in TelltschJand Ton ane dem frei i.t,
was hier aus der Maurerei hinweg gewünscht wird,
können wir mit gutem Gewissen versichern.
Zu. Seite t42. Gerade hier diirft.- ... aor reebteJt
Orte sein, etwH über Sehwedeoburg za .agn, da wb
ihR in einer Gesellachaf. BOHn, die seiner unwürClig
ist, und die üble Nachrede die .liesea MaDDe Ton
Seiten d_ Heun Verr. widerfährt, offenbar in eiaer
völligen Unbekanntsehaft "esletatern n.iit Schwedea-
burg ihren Grund hat. Enlanuel von Swedenberg wUl'de

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- 176.
llUl U. J_uar 1688 -) .11 StoekWm ·I.~ofen. ~, Va...
ter, Juper Swedberg,. Bilchof von Westgoahland ll de,
selbst in der den Scbwedea eignen 11 streDihuherische_
Ortbodoxie 'und Frömmigkeit erzogen war 11 gab d.....
iln Glauben und im Lieben glaic" uarken Gemütb. de4-
pbantuiereicben Knaben bald eiae reUgihe Richtung.
Er stadilte PhiJoaopbie" Mathematik uael NatlUwisBell..,
ISClhaften, vorzüglicb aber auch Theolopeu'" heurku ....
dete sein pO,etische.. Talent in eine... Binde"'. Gedic~a,.
die. t 710 ZI1 Skara unler de~ Titel: Ctlr.iaa .Ucel-
l",.,ea e..schieDen. Vo. Jabre 17S0 bia tn" b....cbte,
er die Univeraitiiten Eaglancla, Holland., Frankraieb&
und Teotaehlands, babiJitirte sieh dann .~ Up..&a ua.
schrieb üe in ihrer Art immer Iloch tpedcwür4i,en ....
tb..ematischen und pbysikalischen A~taandw.apQ,.1f!elch&
unler deoa Titel Dtledtlhl, A!IP.,.AtwfAew zu....nr.epg...,
druckt herauskamen. Karl XII& emanQt~ iJ!.n i.m Jahr.
17t6 zum Assessor bei dem BergwerkleGUegio. Die Er-
fiDduBg der Rollenmaschine , 'Bit welcber er eine Scba~
luppe, zwei Galeeren Bnd vier gr08ll8 Bö'., • .tehe,
Karl im J. t7S8 zum Transport des Belagel'ualag...
scbützes nacb .'riedl'icbshall bl,auchte, von StrÖlUtach
bis Idefjal, einen fiinf S,tIp\den laalea Weg über Berl,
und Tbal fortscbaJfte, erwarb ihal die Gunst des Hofes.
i .. einem so boh... Grade, . . . dem "nae" der sicb.
8chon dureh seine AbbRadl"ngen über .lie Algebra" cIea
Werlh des Geldea" dea Planelealaur t die Ebbe und
.'Iuth, eiD Recbt auf den Dank .t.r Reglernl .rwo!-

-) Nieht 1.8•• Man aefle Encyclop. der Fl'eimaureTef. Drit.


ter Bd. 8. 444 und 445.

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- 116 -
oon hatte, im Jahre t119 "on der Königin Ulrike der
Adelstand una mit ihm das Ibeht zur Reichsstandsehafi
verliehen wurde. Vom Jahl' f7'20 an bereiste er dio
schwedischen, sichsischen, ästerrcichisebenund ungeri-
sehen Bergwerke und legte seine ~uf diesen Reisen
gemachten 'Erfabrungen in lehrreichen Schrirte!l nieder.
Eine 'Sammlung pbilosophischer' und mineralogischer
Werke erschien 1734 in 3 Foliobänden unter dem Titel:
Oper. pAilo,opAic. et mineralogie. und euegte allge-
meine Bewunderung. Mebrere Universitäten sendeten
ibm Diplome 'zu. I Inden Jahren 1733 bis 1740 bielt
er sich meistens zur Vermehrung sein:cr Ke~n(nisse in
Ftankreieh und Italipn auf, und schrieb nach seiner
Rückkunft Oecollom(a regni a"ima'i, I die Oekonomie
des Thietreiehs, ein' Werk, welches die .~nwendung
des in seinen philosophiscben Werken aufgestellten Na-
torsystems aof die belebte Schöpfung enthielt. ,.Die
Idee eines nothwendigen mechanischen und organischen
Zusammenhanges aller Dinge ist die Gmndlage dieses
mit originellem Scharfsinn dUl'ehgeführten SYliteullf, das
zugleich die ausgebreitete Belesenheit' seines prhebers
beweist. Ein im unendlichen gegebener Punkt, die
Centralkraft der Natur, soll durch die in Spiralbewcgung
von ihm ausgehenden Kraft.tröme 'alle Gestaltuogen des
Lebens und der Tbäligkeit' hervorbringen. " Diese
ordnet Swedenborg' in Elemente, z. 8. Elasticität, Mag-
net, Aether, Luft u. 11. w. und weist liie illl Gebiete
der Organisation nach. Hier sieht er eine 'Folge von
Reihen und Stufen der G.eschöpfe, welche nach delll
Gesetze einer constabilirten Harmonie zusammenhängen
und in steter Wechselwir~ung steben. Diese geniale·

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111 -
AnschaunDg der innern Verbindung aUer Dinge der
sichtbaren Welt leitete seinen Forschungstrit'b auf dein
.Wege der Analogie und Allegorie in die unsichtbare.
Er selbst gab an, zu London im Jahre 1743 eine Vision
gehabt zu baben, durcb welche die Augen seines in-
nern Menschen fähig geworden wilren, Himmel~ Hölle
und Geisterwelt zl sehen, aus welcher ihm nun nicht
allein verstorbene Bekannte, sondern aucb die grossen
Minner der Vorwelt erschienen. Um deni Umgange
mit denselben ganz leben zu können, legte er 1747 sein
Amt beim BcrgwerkscoJlt'gio nieder und hielt sich ab-
wechselnd in Schweden und England auf. Jelzt schrieb
er einen grossen TheU seiner theologischen Schriften, die
er auf eigne Kosten drucken liess und die die verschie-
de~artigsten Eindrücke auf seine Zeitgenossen hervor-
brachten Bekannt als gründlicher Gelehrter, scharfsin-
niger Denker und frommer, tugendhafter Mann, war
er über die Vorwürfe der Unredlichkeit oder der Ver-
standeucbwiche erhaben, und setzte gleichwohl durch
kühne Behauptungen , angebli~he Unterredungen Init
Engeln und Geislern und seine Ekstasen Alles in Ver-
wunderung. Er besass die Feinheit vornehmer Welt-
leute, sein Ulogang . war lehrreich und wohlthuend.
Die achwedische Gt'istlichkeit baute endlich auf seine
seltsamen Lehren eine Anklage wider ihn. Doch blieb
diese ohne Erfolg ~ denn die ersten BischiSfe des Landes
billigten seine Schriften und König Adolph Friedrich
nahm ihn in seinen Schutz. Swedenhorg starb zu Lon-
Gon 1772, in einem Alter von 85 Jahren. Dass er in
Ideen lebte, die für ihn vollkommene Wahrheit hauen,
ist wohl ausgemacht. Bei seiner l~bhaften Einbildungs-
R. 12

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.k,taft~ v8J.'tr.ut .mit den ~hliftttn frübe ..., Mystiker und
ThreollOph~n lag ibm die Bildung; .eines Geilterreichs,
wie ,e,r. ~ wollte, sebl," uahe und es konnte nioht fehlen,
dla.. ,er,·, sjcb . selbst für: ~as Mittelglied zwilchen dei'
unsich~"arlJn .und sichtbar~lD Welt halten musate. Ge-
ll,n wirjedoch ,auf 'dje Zwecke ein ,; die er verfolgte,
"0 a~eht er,vplUg rein und vO,rwurfsfrei vor UD" Denn
sein Hauptzwec\c ;war kein .ndrer,ala durch I.ine re-
ligiösen u~d ef:h~Ji~"en .Sch..iften eine Gemeine der
lleiligen zu sammeln. Der m(tJ1llische. Th.il dieler
Schriften enthält die reinste Sittenlehre, wenn man in
ihm auch m"8"r einen religiösen Dichter, als einen
,.... heologen erkennt. $age~, die Dlan. pach seinem Tode
verbreitet ~at, sind meistens' erdichtet. . Die noch be-
.tehen,de Seete del" S w eden bor gi an e r bildete sich
.aus seinen. Verehrern die ihm in frommem Glauben an.
hingen. Sie gründeten in London und in Stockholau
ex~etisch - philanthropische Gesellschaften und au.die-
se~gi~g die Kitche des neuen Jerusalems her-
;vor. Ueber diese hat sich kürzlich ein Mitarbeiter an:
".t\llgemeines Repertorium für die theologilcbe Literatur
.und kirchJic~e ~tatistilc. In . Verbindung mit mehrern
Gelehrten herausgegeben von Dr. G. F. H. Rheinwald,
ord. Prof. der Theologie zu Bonn. Neunter Band. Ber-
,lin bei Herbi,g 1835" mit ebelr so vieler Wahrheitsliebe
als Scharfsinn ausgesprochen, und wir theilen einige
Stellen daraus im Auszuge mit, da diese Zeitschrift ihrem
Zwecke nach nur von Theologen gelesen wird. Er
sagt: "Nac~ Swedenborgs Meinung iat die. alte Kirche,
als protestantische, wie als katholische, in einer völli-
gen, und ihrer inneren Corruption halber nothwendigen .

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- t79
Auftö_ng begriffen. Die: YerderlHlisl ,hat Dach Ablauf
.der ,erst,en christlichen Jahrhontlerte abgefangen und. in
neuerer Zeit ~enböchlten Grad erreicht, so dass kein
anderes Restaurationsmittel , ala die Annahme der ihm
zn Theil 'gewordenen Offenbarung iJbrig ist. Die Pro-
testanterr kOnn'eD alft wenigsten ,geDei«~ lein, bei Swe-
denborg den Ernst zu bekämpfen, mit ..welchem er der
'FradinoR sicb entgegenstellt: die das ,Mittel war, Irr-
thiimliche•. und AinäevaIIgeliHhea' e\n.ufüh~en und zn
befeatigen. Aber wir fragpn' mit Recht nRch einer ~oli­
den BegrÜDdung des Urtheila, da.. lrrthum ond Ver-
kehrtheit das Wahre Ußd Gute geradeau verdl'lingt hilbe.
Schon das philolOpb'ische Nachilenuo findet sieh in der
Betrachtung befriedigt, dasa .da. Schlechte nur am Gn-
t~11' iU;. vom eigeßtlich. christlichen StandpJlnkte aul
kanß jener vernichtende ,Satz 'noch. viel weniger zuge-
geben werden • . •• UebertreU,ende Anaichten jener
Art· machen sich vorzüglich; d. geltend~ wo el an
gtiindlicher Gelchichtabildung, fehlt • • • • . DalDnach
muSS milD auch .die .chwache:Seite Swedenborgl in sei-
nem, kirchengeschiebtlichen Stucliom suchen . •• M~
sollte wenigitenl einegenauere Keontniss der.prote-
stantisch en Kirche vou ihm erwarten (all derjeni-
gen, in welcher er, der Sohn ein Bi.chofs t erzogen
wurde), allein auch hier ist er nicht auf seinem Felde.
• . • Da er sich· nun in seinen Lehren auf eine höhere
Auctorität stützt, so kann es .ihm nicht zur Entschul-
digung dienen, da.. Verirrungen in seiner Nähe ihm
falsthe Meinungen beigebracht haben, konnten; denn
wenn bei einem· Papste - die Irrthumslosigkeit
über _,hatallchm:he 'VerblUtni8l. nicht allgemeia gefor-
12-

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- 180 -
..:..
dert wird, 80 mu.. man dagegen bei demjenigen, der
auf noch viel direetere Weise mit den höheren Ord-
nungen correspondirt, hinsichtlich der fUGeltio fact;
uner~ittlich strenge sein."
". • • • Was ist der SachgehQlt der v~n Sweden-
borg eingeführten Lehre, durch welche das Christen-
thum aus seinem Roi" wieder erstanden sein soll t Im
Allgemeinen lilast sich das System als eine tbeosophische
Gnosis betrachten:, die im Vergleicb mit den ihr vor-
angegangenen Analogien das voraus hat, dau in ihr
das Praktische nicht a11,in seine gehörige Berücksich-
tigung findet, sondern, was wir ihr besonders ZUIll
Lobe anrechnen, auch eine ziemlich selbstständige von
dem . Theoretischen unabhängige Haltung hat. • • • ••
Die Moral Swedenborgs hat eine reine Tendenz; nur
fIillt es auf, dus sie sich' nicht charakteristisch von der
unter den Protestanten gangbaren Sittenlehre unter--
scheidet. Häufig ist blos die Terminologie neu • • ••
• • Betrachten wir den theoretischen Theil der Lehre
aUI dem Gesichtspunkte der Dogmatik, so erscheint als
das Eigenthümlichste daran die Umgestaltung des kirch-
lichen Begriffes der Trinität und der Erlösung., nebst
demjenigen, was· über den kinftigen Zustand des Men-
schen, über die Beschaffenheit der andern Welt und
über ihre Beziehung zu der menschlichen Sphlire behauptet
wird. Die Trinität betreffend hat ~wedenborg nichts
Neues aufgebracht; seine, von dem strictmonotbeisti-
schen Begriffe ausgehende Vorstellung ist nur eine be-
sondere Modification des alten Sabellianismus, welcher
sich durch das Extrem der Vermenachlichung Gottea
tharakterisirt. Die Erlöaungaleh..e hat in diesem S,-

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~ 18t -_
sterne ihre evangelische Baltung verloren und sich in's
Apocryphische ausgebildet, indem das Werk Christi an-
gesehen wird als eine Befreiung und SichersteIlungdei
durch den Andrang der bösen Mlchte bedrohten Reicbes
höberer Geister. Dass eine unmittelbare Versöbnung
der Menschen durcb Chriitusnicht gelehrt wird, hat .
zunlichst seinen Grund nicht in einer Verleugnung der
menschlicben Schuld (denn diese und im Grund auch
die Erbsünde, wird' anerkannt)., IOndern in der einlei-
tigenVorstellu;g göttlicber :Liebe. Was sonst aUlser
der. Lehre 'Von dem Fall und den Folgendes Falles
zur theölogischen Anthropologie gehört, findet sich zWar
bei Swedeoborg ebenfalla eigenthümlich gestaltet, greift
aber seinem grÖßten" Tbeile "nach in diea~ere' Rubrik
eia ""on den Beziehnngen der Menschen zur Geisterwelt
u. s. w."
Bisher waren die swedenborg'schen" Schriften nur
selten zu haben, neuerdings aber ist die Partei ausJ
nehmend thätig gewesen, sie unter das Volk zu brin:"
gen. Der Bibliothekar J.F. I. Tafel gab von 1823-"
33 t Bände " göttlicher Offenbarungen" heraus, und
der Justizassessor L. Bofacker übersetzte mehrere Schrif-
ten Swedenborg's, oder gab sie teutsch im AUffzuge
heraus•.
Zur Feststellung. einps Urtheils über den merk-:
würdigen Mann können folgende Schriften nachgelesen'
werden:
Dialogue' on tAe Nature, Dl!ftgn and Evide.ce
of tAe tAeological writing, of tAe Hon. E",an. S,ce..
denborg •. Lflnafln 1788..

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- t82 -
Dr. Joh. ;Friedr. Immuuel Täfel' EinleitdDg zum
enten Thei) seiner Verteutichung der eb.rialig~f!ihrten
"göttlichen Offenbarungen u.'s. ,w."
: Sophronizon, Band V, Def't ö; Heidelberg 1823.; ;
Da...ich Swedenborg 'mbit rillt Freimaurerei ab-!
gegebe. habe, läut sich Ichlecht'erdiogi nicht beweisen.
Die Gesellsehaft der I/Iv.iM. TAeollopAe. scheint .ich
aal der grossen Zahl Beiner Verehrer' oh n e sein eig..
n es Zu th UD gebildet zu haben. 'Dal System dar.elben
laaUe folgende Grade:' t) 'Lehtliag'Theoaoph, 2) 'Ge.ell
Theoioph, .3) Meister Theosoph, 4) Erleuchteter Tbeeh-
soph, '5) Blauer Bruder-, G) Rotbert BruBer t 7) ,Erha..
lJener Schotte oller da. himnUifjehe Jerosiahm., Dec
Wundarzt Benedict -Chastanier 'soU: eInSeibe im 'J. ·t:781-
nach Löndoa 'V 81' P fl a ß z t 'haM,; :81 ise abeq IWeait
man aUe historischen Angaben darüber sorgfältig ver-
gleicht, weit wahrscheill"cher, ,dass er ,i~ ,dem .gedach-
ten Jahre es _erst gestiftet und in die obe,na~g..,gebenen
Grade abgeth,ilt habe. Die von ih~ eröffnete Maurer-:
loge hedient~ sich späterbin der maurerisc~en 1\'or~en
nicht mehr, da diese zum Zwecke der Brüder, die nieh~s
weiter als eine theosophische Secte ausmachten, D,icht
nöthig waren.,. AllercUngs aber wendete sich Chasta-
nier vorzüglich an die }'reimaurer, um sie als Freunde
der Wahrheit in sein Interesse, zu, ziehen, und efliess
einen. zweimaligfn Aufruf an dieselben, d;e J~ehren
Swedenborgs anzunehmen' und zu verbrejt~n. \\:,i~ kÖn-
-nen demnach dem Verf. des: 'IEsprit du dogme de la
llr«ncAe-.Mtl{:onnerte" niebtse ohne Weiferes auf sein
Wort glauben, wenn' er Seite 230~232 behaupt~t:
"Swedenborg habe sehr gelelute Untenocblingen über

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t83i

die' Freioiaorerei. :angeltellt un4 geglaullt, daR die:LeI.•.


de'1l81ben im höchsten' Alterthuril: vbn den Aegypte,n,:
Persern, den Magiern, Juden lind Giiechen ausge8ange(l'
sei." la wenn er sogar die EluI, COi!Jj,(Auserwählte
CotWI) vo.. Swedenborg::gestiftet weiden ,lässt; 10, muslI~
di.,.er Angabe um so ••hi wider.prochen 'Iwerllen:, ,da,
ea geschichtlich feBt stebt:, 'das. diese Geaelleehtift _,
lahre 1154 von Marnaeil Puchalis, zu, Paris, geStiftet
wurde. Mati sehe: "De r or.dre dei EI., - Olleu fit de
I. doctrine d., leu'" i."iat;M, ,in den 'J,A.tmal:e,· par'
. Tiorg ~tc. S. :139--'53." ; .
. Aus allem diesen ergiebt sich klar, dass du, Herr,
Verfasser der ,;Freimaarerei'" Swedeaboig, sooft er
ihn etwilhbt, Unrecht thut. ,,!
,.
,Z~ dem. Neun und zw'anzigst,en C.a;pitel.
Wenn wir alle. offenb.., Falsche, Schiefe, ~chle-i
lende und Verdrehte," was der' Herr Verf. in dieseJll:,
Capitel angeMacht hat, a~8zeichnen" widerlegen und:
berichtigen wollten, 80 würden wir Stoff zu ein~ Bu-
che "aben, ~as ,ebeliso .stark werlieli dürfte':{ als' ;,die
Freimaurerei" selb8t., Da wir indessen unsern teutll«lben
Leserlt zutrauen ,können, ,dass sie ihr Vaterland, be8se~.
kennen', als es hier geschildert wird ,dass sie sich
selb.t, ihren Geist und ibre Bestrebuftgen richtiger zu wür-.
digen verstehen, als Herr Reghellini de Schio, .und dal.
eDdlich~ ihre Urtbeile über Zeiterscheinuog,n, SO wie über
die Freimaurerei, .elbst, dio' dlls Hauptthema des BlJchs:
ist, ,geläuterter und' «egründeter sein.werd4!n, als ;die in
df1B' .1etztern vorkommenden, so werden ,wir: URS auf
blosSe ,Ansichten u'nd Räsonnements nicht einlassen,

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- f84 -

sondern blos die I,istorischen Fa"a rügen ond nur du


besprechen, was durchaus nicht mit Stillschweigen
übergangen werden kann.
Wir übergehen demzufolge sogleich die ·zu Anfang~
gemachten schielenden Demerkungen über den National-
rh~rllkter der Teutachen und überlassen es der Zeit,
den Herrn Verfasser vermittel.t seiner fteiaigen Studiea
zu haltbarern Re.ultaten lI:D führen. """-
Da.. die Theologie ·in ,Teutscbland einen höhern
Standpunct einnimmt, als in Frankreich, England, Italien
ut ausgemacbt, und darf hier niebt erst nacbgewie.en
werden.
"Tentachlaod," s.gt der Herr Verf.; "hat noch
heutzutage seine Heiligen, die grosse Wunder thun."
. Aber .. ist ihm gleichwohl nur möglich gewesen, den
einzigen Fürsten von Hohenlohe zu nennen, der seine
Rolle nur sehr kurze Zeit spielte t und die Teufelsban-
ner n. dergi. der tentscbenkatholischen Kircbe dürften
an Zahl denen der französischen scbwerlich gleich-
kommen.
Wo aber stehen die Folioblinde , die über jene
Geistergeschichten von Insbruck bis Hamburg, von
Wien bis Cöln dem geionden Menschenverstand und
der Philo~ophie dei Tage. zum Trotz gedruckt worden
sind' Der Verfasser würde sich alle Bibliographen ver-
bind~n, wenn er einen Katalog darüber fertigte!
Das Wenige, was von Seite 152 übe! die Roien-
kreuzer gesagt wird, scheint su beweisen, das. der
Herr Verfasser den grossen Unterschied, der zwischen
dem neuern hohen Orden des Gold-und RoseDkreo-
zes, - der 1\ I te rn Fraternität ROleae etAweae eru-

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- 185 -
cü - uud den Ilhesten Rosenkreazera Ih»thwendig
gemacht werden mua, gar nicht kennt. Es würde uns
lila weit führen, wenn wir diess weitlilufig auseinander
setzen· wollten. Daher nur 10 viel, dass eine Gesell-
schart, die sich ursprünglich mit Chemie besohlftigte
und jenen Namen führte, unverwerOichen Zeagnlnen .
zafolge schon 1410 ans.rhalb Teatschland gegründet,
spllter aber. in Teutsoblnnd verbreitet warde and mit dem
gedachten Jahre' eine eigne Zeitrechnung begaon. Man
.he Semmlerl Unparteiische Sanimlnngen zur Historie
der. BOlenkreuzer , und Cbristoph Gottlieb von Murr
über den wahren Ursprung der Roienkreuzer und deI
Freimaurerordens , nebst einem Anhange zar Geschichte
deI' Tempelherren, Sulzbach bei Seidel 1803. -Letztre
Schrift hat indess bIo. wegen der reichlich bei-
gebrachten Literatur einigen Werth. Die daria
ausgesprochenen Ansichten, Urtbeile u s. w. sind grond-
falsch und verdienen nicht einmal· eine Widerlegung;
z. B. gleich in der Vorrede: "Ich hatte bereits in der
neuen Ausgabe meiner Merkwürdigkeiten Nürnbergs
S. 618 gellu.sert, daa der wabre Ursprung der Frei-
maurerei in die Zeiten CromweUs geböre, und ich werde
unten zeigen, dass sie auf Rosenkreuzerei ge-
f 0 1g t se i! I " Alter, ehrlicher Murr I wo blieb dein
Scharfsinn, als du Seite 69 dieses auszUführen gedach-
telt. LalSe sich der· Geschichtsforscher durch I.olche
thörichte Angaben ja nicht irre machen! ,
Zu Seite 160. Es ist nicht deutlich gesagt, wer
der Heinrich Wilhelm, Erbmarschall von Thüringen, .
war, der im Jahre 1737 von der Grossloge in England
zum Provinzialgrossmeister von Obersachsen ernannt

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186
wurde.· .;1Ws! war di.... nebmlich d." in: cl... Geachichte
der Frebaallttrt'i berübmte Heinricb. WUbeim von·
M8ucball, Erblit.,scball von Tbürillg~n(Mao aebe
Zacbariä· Lehrbucb . des- säebsilWbeB .Lebntecltrat S. 57.~t
der im 'labte t7i." star~. . !Sein Geburtajabr ist unbe-
kanot. In seiner Jugend :b.,r.ste ~ F.rankreich QQd
l:nglaad untl. wurde in Londoo, ~m Freimaurer.r~
nommee. Die' Wwde eines PtovibaialgrQ8IJßleis&er. des
~Ilclw*be. ~reiMs erhielt wjten d... G~1l0arDle1,
G,...,.stN cler tlhglillCheB GrOll8loge· der Mo d erD
M;aaoDs•. IiIl:'Juni de.Jahre. 1751 land ..ineZllllaJll--
Jllebkuuft mit· dem Freibertn v.• ~und und in Naumburg
st.att, dOQb erklärte .er licb mit dem .Templ.s)'atem un:'
zufrieden, . weil er e. für leine. ErfiQdung h . GUDsteQ,
des engliscben Prillendent.abiell. . Ein Jahr Iplter zog
er· BiebtQn der· Brüdenebaft ganz &Qrü.k.·
Auf' derselben· Seite befinden sicb.w.eifal.che An..
gaben in Betreff der Aufnahme Friedricbs des Einzigen.
Er. hies, Dicht . Friedlich WUhelm, sonder.. Friedrich
und wurde nicht im· Palaat des Grafen Horn ,1IoD~ern
illl Kornischen Gasthofe aufgenomme... "Er war aI.•
Kronprinz im. Jolius t738 mit. seinem Vater $0. LoG,.
bei .dem ~Prinzen von Oranien. An de,' Tafel karn die
&de auf die. Maur$"eiund lein Vater .sprach s~br
nacbtbeilig von ilH. Der anwesende Gllaf yon der Lippe-'
Bid;ebW'g vertheidigte si&' und gestand fre~ülbig,.: er,
selbst sei Freim.or~r. Behn. Aufstehe. zeg ibn d~
Kronp,rinz bei Seite und ebtdeekte. ihm leia VerLaugen,
recht bald eiD ,Glied der. M~rerkette, -.n wetden. &,
setzee hinzu: er wünscbe, daas die Aufnallm.e. in Braun-
Rhweig geschehen IlIQg41. wohin er ~l& dem Könip

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- t81: --
zar M"~e 'reise: Dnd, wo' unter ,den .Mesifremde. lieh,
leicht mehr.ere:Freimaurer, einfiaden kiSnnteD,obne Auf'"'
sehen :zn erregen': ·'Es wurden' nun aus .Uamburg: und
HannoVfJr:. eine An-'ahl Bröd.r nach Braunschweig, be-
rufen. Die Aufnahme ge&ebahe im Komiache.n<Gait-
hON in der -Nacht vom 1.4'. zum 15. 4ugust desaelben·
Jahres. ·:n.r Kronpriaz erschien um· Mitternacht :inBe-
gleitung des HauptmaDos Grafen von. Wedel., .. den er
zugleich als einen neuen CaJididat.en;desOrdeD8 ''Ybr.J
em
st8llie-; 'mit .• Gesueh, das•. dessen ReceptwlJ gleich
DnJi :der' seiDigen, eEfolgen' mödlite~. 'EriJf), des Morgens)
UI8'4. Uhr verlies. 'ftrPrinz. die,Ve1iIam.wung. in .du'
höebäten. Zufriedenheit uall alle Blläder waren 'toll 'vonl
ihm." So ersähh, Br. Reichard in:. "Vel!saob ;einer .Ge...
schichte der g. ,B. v. 'Q·E{Dst·lI.UIR Camp. DIld·.ihre"
iltern Schwestern. 'Anl ihrem Jabelfeilte deb 21." ,O.,t~
ber t824.,Seiae 7. u •. 8. . . , · : r ,':
.a

. 'Vir setsenhinsu, dausich u~terden dabei ge_


genwärtigen Bridern. namentlilJh die Freitierren von
Oberg, :von' BieIefeld und' ven ,Löwen, so wie der re-
gieren4e Graf von Lippe- ßiickeburg' befanden. Ku...
neebseinerThronbesteigung" im Monat Juni :1748, föhrte,
er ,den Hainmer) in. .iael':;Loge: in Charlettenborg, nahm
sein.,n Bruder.;· den-tPrinzen ,liIeioHebl ,WiILelm, den
Ma,kgrafen Klirl'" veln .Brandenlmrg, und den' Hel'zog~
Fi'iedricb Wilbelm ?Oni Holstein - Deck auf; . erhob in
demselben Jahre die. Loge :zuden drei Weltkugeln in
Berlin durch' ein' Patent' zu ,.einer Mutterloge i ertheilte
der grollen Landesloge von Teutschland ebendaselbst
llDterm 16. Juli 1774 ein förmliches 'königl. Prot.o.o.

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- tSS -
rid~ und nahm leit t 717' auch die Loge Royal York
ur Freandach.ft in leinen be80ndem. Sehutz.
Davon (I. Seite t62.), dasl eine der.liltelten Logen
in Drelden schon 1755 dal templerische System bei
trich eingeflibrt, lich lIU einer Grossloge erhoben und
das rectUiclrte Syst~m aufgebracht habe, weiu die be-
gaubigte Geschichte der Freimaurerei in Teatsch-
land nicbtl. Jed.enfalll bedürfen diese Angaben einer
Unterlucbung und ßeltlltigung.
Der Freiherr von Hund (Karl GotthelC Reichsfrei ..
herr' von Hund und Altengrotkau, ~rbherr auf Lipae
u. I. w. in der Oberlausitz) war geboren-den 1.2. Sep.
tember 2722, bek.leidete das Amt eines römisch-kaiserl.
wirklichen Geheimen Raths und ..tarb zu Meiningen
d. 8. NOT. 2776. Er war schon in seinem 20sten Le-
bensjahre, am 20. Mlrz 1742 in der Loge zu Frank-
furt am Main zum Freimaurer' aufgenommen worden, .
hatte bald darauf in Paril die höhern Grade deI Cler-
montschen Hochcapitell erhalten, an welchen er. durch
das darin htsrrschende römisch - katbolische und ritter-
liche Prunk wesen vielen Gefallen fand. Er soll auch
deshalb zur rÖOlisch -liatholischen Confeuion überge-
gangen lein i eine Angabe, die durch den Umstand,
dass er zu. Melrichutadt im Würzburgischeu in der ka-
tholischen Hauptkirche BDI Fune deI Hochaltars begra-
beu worden ist, Wahrscheinlichkeit erhält. Der Haupt-
zweek seinel Strebeol war, den erloschenen Tempel-
herrnorden unter Protection irgend einel Fürsten wieder
herzustellen. Zu diesem Zwecke erfand er die O!J,er-
vatltia <.trlcla, um den Orden. durch die Maurerei fort-
zuptl!tnzen.· Leider fällt ihlll dabei das zu Last, dass

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• - t89. -
er sich fallCher Veniehemngen bediente und .elbstden
berüchtigten JohnlOn gebraucht haben soll, um .eine
Ideen realisiren zu lauen. Weniptens wird dieses letztre
bn Wiener Journal für Freimaurer , Jahrg. 3., Qu. 3,
Seite 147 u. folg. behauptet, wogegen die "Aufklirung
über wichtige Gegenstinde der Freimaurerei" 1787. So 135
u. folg. den Freilteun von Hund in Schutz nimmt.
Unter dem Seite 183 genannten Herzog Friedrich,
ist jedenfalls Friedrich Aoga.t, Herzog von ~raunschweig­
Lüneburg, zU verlteben.
Ia der französischen Originalausgabe i.t der Wil-
helmlbader Convent irrthümlieh in das Jahr 1752 ver-
legt, und die.e Zahl durch einen Druckfehler ia die
teotsehe Bearbeitung, übergegangen. Dieser Convent
begann den U~. Juli 1782 und e. wurden nacb und nach
30 Sitzungen gehalten. Vorher und zwar achon leit
• dem September iIl Jahre. 1780 hatte der Herzog Fer-
dinand von Braunachweig al. damaliger Groumeiater
dei Orden. von der stricten Observanz vier Umlauf.-
schreiben an aUe altscbotuachen Logen erla.sen und
zu einer Zusammenkunft eingeladen. ,Man wollte un-
ter.ucben: 1) Was das We.en und der Zweck der Mau-
rerei sei! und 2) Ob der damalige Tempelorden wirklieb
eine Fortaetzung des alten .ei und ob e. ge.chichtliche
Beweiae dafür gebe! Die.. letztern lieuen sich nun
freilieb nicht auffinden und die Inbaber dei angeblieben
Gebeimni••e. dieses Ordens gaben den Namen, den sie
hi.ber gefübrt batten, auf, und nannten .icb R i t te r
der WobIthlitigkeit.
Eine eigne Bewandniss hat es mit dem Seite 165
genannten Johnson. Dieser Betrüger, ein Jlld. fon

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- \190-

G~bort; :hatt~· si.;htrühe. bald Deoker, bald Le.cht, ge~


nannt, eineZeidang als Seeretlr 'in DieBsten des Her-
zogs von Anbalt-'Beinburg 'geltanden ~ war aber auch
-Kammerdiener bei 1Iem kurllindischen Baron von Firks
und wahrscheinfieb .. Buch bei einem EnglAnder 10hnson
gewesen, 'welchen Deiden er maurerische Papiere ent-
wendet hatte. Namentlich scheint er dem letztem Di~
plome und Certlficlite hinweggenommen zu haben. Er'
trat in den Jahren 1763· und t764 unter dem Namen
Johnson a Fünen auf, begann vermittelst· der Cler..
montschen Grade eine Rolle in der Freimaurerei zu
spielen, und gab sich' für einen Abgesandten und Be-
vollmächtigten der Obern in Schottland a08, der beAf-
tragt wäre, den Tempelorden wieder herzustellen. Vor-
züglich trieb er sein Unwesen in und 001 Jena, wo ·er elen
10. October 1763 eine Versammlllng zU8ammenberief.
Eine zweite Versammlung fand zu Altenberge,. 2Stuo-
den von Jena, im Juni des Jahres t7-64 statt, wo Jobn-
son von dem Freiherrn von Hund entlarvt wurde und
entfloh. Doch wurde man seiner bald wieder habhaft 'und
er auf die Feste Wartburg gesetzt, wo er 1775 starb.'
Das Einzige dabei war auffallend, dass "er Freiberr
von Hund, Johnson erst für einen ächten Commissariu8
erkannte und ihm' 'vor' einer so zahlreichen und ahn-
sehnlichen Versammlung im vollen Glanze seiner eignen
Würde die allerdemüthigste Obedienz leistete. Dieser
Umstand führte mehrere Brüder damals auf die Ver-
muthung, Hund habe sich f,üher Joh~soni bedient, die
sächsischen Logen in Bewegung zu setzen und die
stricte Observanz einzuführen. Manche wollen sogar
wissen, dass der' Plan dazu auf d~m ebemaligen von

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- t91 -
·HDndlCben Rittergute .U:D·W fi r d. zwi.elien. JobMoa,
:Scbobiart, PrilDger1lDd von Hund selbst verabredet
'Worden I.i. Mebr darüber sebe man in der' mehrmals
angeführten "Enc-yclopädie der Freimaurerei, voU; Len-
'Ding." Zweiter Band, Seite 138 'u. folg. unter den\ Arti-
kel: J 0 h n so n a F ü ne D. ' .•

J:ine eben solche Erscheinung" wie Johnlon war


der Baroß von Gugomos,' der friiber Cavalier des Fü~
Bten' von Förstenberg' geweNn", tARnn all Hofra.h' m
badenache Dienste' getreten war, spilter den Prinsen
von Heuen-Dannstadt auf.einen Reiun begleitet hatte
und zuletzt im baieneben Erbfolgekriege, als OffiCiei'
diente. Im Belim cfer böhem G...... der striet. Ob-
servanz, trat er auf dem Convente zu B.ra_cbweig
im Jabre 1775 'hervor, versprach den Brüdern-ErleuCh-
tung, wollte die Kun.t, Gold zu machen und Geister
liu' cltiren, mittheilen. Auch wollte er die nrborgeDell
SchAtze der Tempelherre~ mittheilen und in WiSbaden,
den 15. -August 1776, einen ganz neuen Tempelherrn..
'orden aaatheilen u. derg). mebr. Da er jedoch nicht
den Glauben fand, den er erwartp.te, 10 nahm er die
Flaeht und überBCbickte im Jahre 1781· ein Schreiben
, an den Groumeilter Herzog Ferdinand von BrauDschweig,
worin' er Alle. widerrief und lieh ein gemisabrauehtes
Werkzeug böler Menschen nannte. Dabei ist es ,merk-
wfirdig, dass' er die Jesuiten als seine heiligen Ordens.
vAter angab. Mebr über ihn enthAlt: "Meine Gedan-
ken fiber das System deos R. a C. T. (d. h. des Rit-
. ters a Cygno trillmphante, welchen Ordensnamen G.
in der strieten Observanz führte.) Diese merkwürdige
Sohrift hat den herzogl~ Sachsen - Meiningiseben Geh •.

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- 192
Rath und Bürgermeiater zu Heilbronn, von Rou-
kam p f, zum Verfauer und erachieu 1777. Ferner:
Neue Allgemeine Tentscbe Bibliothek, herausgegeben
vo~ Fr. Nicolai, Ba~d LXVIlI, Vorrede, S. V-IX.
Von Seite 169 bis 182 verbreitet sicb der Herr
Verfauer ~eitläuftig über die Illuminaten. Es ist ge-
IChichJliche Thatsacbe, da. kein Ordenutifter je so
offen zu Werke pgangen ist, als Weishaupt , der
Stifter des IIluminatenordenl. Andreneha wurden bei
der Auflösung deuelben, leine Doctrinen veröffentlicbt
und selbit die ihn betreffenden Verhandlungen sämmt-
lieh bekannt gemacht. EI mUli· demnach allerdingi
befremelen, dasl heute noch 10 ~lel Falsche über den
Uluminatis~us gesagt, g"'glaubt und weiter· verbreitet
. wird. Wir wollen deahalb die Entstebung, Lehren,
Schicksale und Auflö~ung desleIben kürzlicb aUI den
besten Quellen zusammenstellen und dadureb zugleich
einige in der Erzählung des Herrn Verfalsers vorkom-
meode lrrthümer bericbtigen.
Billig fangen wir mit dem StUter leIbst an.
Adam Weisbaupt wurde zu Ingolatadt im Jabre
1748 gebroen, Itudirte daselbst die Rechte, ward 1768
Doctor, bald darauf Repetent der juriltischen Facultit,
1772 'auslerordentlicher,. und 1775 ordentlicher Profe..
IOr und zwar dei kanonischen 10 wie des Naturrechts;
auch erhielt er das Prädikat einel baierischen Hofraths.
Aber gerade diese Stellung war el, die ihm Anfein-
.Iungen und. harte Verfolgungen zuzog. Denn da die
LehrersteIle dea kanonilchen /Rechta auf dieler Univer-
sitit von jeher von Ordensgeiltlicben bekleidet worden
war, so war es natürlicb , dasl diese, die lieb duch

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193 -
ihn verdrltngt glaubten, ibm auf alle Weise Zu IChll-
den trachteten, zumal da fOr, selbst ein Zögling der Je-
suiten, nach der Aufhebung ihres Ordens, der bitterste
'Feind derselben geworden .war. Da er .in heller Kopf
war, 10 fehlle el ihm nicht an Verbindungen mit. andern
aufgeklärten Leuten, die er für das System seines Kos.
mopolitismus zu gewinnen suchte und wirklich gewann.
Dabei ging er. indess, wie wir schon oben gesagt ha-
ben, so offen zu Werke, dass ib,n seine i'einde nichtl
anhaben konnten. Sie suchten ihn daher i,rn Geheimen
verdäcbtig zu machen und besonders arbeiteten die J&o-
luiten daran, ihn zu stürzen. Delto mehr Anseb.. n
batte er bei den Sludenten, die sicb stets in grosser
Anzabl in seibem Hörsaal einfanden und sich Mcht für
den Kosmopolitismus ihres Lehrers gewinnen liesllen.
Dieser stiftete zur weitern Ausbreitung desselbtln den
Dhuninatenorden und beabsichtigte nicht. anders, pi.
eine Regierungskunst zu lehren, bei welcher dal.W4bl
des Ganzen nicht mehr zweifelhaft sein sollte. ( Er
wollte allo ziemlich dasselbe, Will schon PythlJgor!ls
verlucht hatte;' man sehe: "Der pythagoräische Or-
den, die. Obskurantenvereine in der Ch.'istenheit und
die Freimaurerei in g .. geoseitigen Verhältnissen und ao
weiter, U von dem Freiherrn Georg \'on Wedtlkind.
Leipzig 1820, Seite 47.) Dieser Ruhm \\Teishanpts
brachte die Jesui,ten immer mehr gegen ibn auf und so
kam es, dasl er hauptsächlich auf ihren Betrieb leioes
Amtes entselzt ulld 1786 das Todesurtheil tiber ihn
ausgesprochen wurde. Er enlfloh aber, ehe dasselbe
an ihm vollstreckt werden konnte, nach Gothll, lebte
bier als Privatmann mit dem Titet eines herzoglich
IV. 13

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- 194 -
Sachsen. Gothaisehen Legationsrathes und vergr61serte
seinen Ruhm durch die Herausgabe mehrerer Schriftt'~.
Unter Jetztern ist: "Pytbagoras, oder Uetrachtungen über
die geh~in,e R...gi~rungskunst, Frkf. u. Leipz. 1790,"
.nstreitig die, welche den Geist dea IIluminatismuI BOl
deutlichsten daa·stelh. Auslier dieser Ichrieb er eine
"Vollständige Geschichte der Verfolgung der Illumina-
ten in Baiern •• , "System der Illllminaten." Schilde-
rong der Illuminaten." Von einer Zeitscbrift, ,die er
ebenfalls hel' auszugeben begann: "Materialien zur Be-
förderong der Welt- und Menschenkunde" erschienen
nur 2 Hefte 1809. Weisbaupt starb im Jahre '8ft.
Man sehe "Encyclopädie der Freimaurerei u. s. w."
"on C. Lenning. Dritter Band, Seite 691 und 592-
Wenn aber von den 1II1lminaten die Rede ist, 80.
darf man niebt vergessen, dass es vier 'fällig von ein-
aoder verschiedene gebeirne Verbindungen segeben bat,
die diesen Namen trugen; I) die Alombrados in
Spanien zu Ende dea XVI. Jabrhunderts; j) die Gd-
rittet., Schwärmer und Geisterseber in Frankreicb in
tier Mitte dea X VII. :Jabrbllnderts; 3) eine dritte Ver-
einigung von Mystikern in Belgien in der zweiten
8älfte- dea XVIII. Jabrhunderts; endlicb 4) die 1"00.
Weisbaupt gestifteten 1IIllminaten, die mit keinem je--
ner drei erstgenannten Vereine verwechselt werden
dürfen, und welcbe im Jabre t 778 in Baiern entstanden.
Ihr Stifter, mit dem regsten Eifer für MeDlehenwobl
beseelt, haue dabei allein die sittliche -Vervollkommung
seiner Zeitgenossen ZUIII Zweck, den er durch semeia-
samel Wh·ken auf all. Stände zu erreiebeo hoffte.
Dazu IfClhuf er eiuen geh ei auen Bund, den er, eio Zög-

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- 295 -

liog det' Jeluiten, nac:h jelluitiacben Grundliltzen o..ga-


niarirte, weil diese ihm zweekmlnig schienen, die Mit-.
gliedet' genau kennen Z1l lernen. (EHt im Jahre 1776,
wurde et' in der' Loge Theodor zum guten Hathe in
München zom Freimaurer aufgenommen.) Gleich an-
fangs aber wurden bei Ausführung dei Plane. mehrere
Fehler begangen, die dent Ganzen verderblich wurden;
denn nicht nur die schnelle Varmehrung der Mitglie-
derzahl führt. grosse Nachtheile herbei; noch weit
mehr schadete dem Orden der ungeduldige Eifer, mit
'welcbem einige der Verbundenen Einfluss auf die
Staatsgeschäfte zu erhalten suchten and so ihren Fein-
den selbit in die Hände arbeiteten.
Es lei uns vergönnt, hier die Grundzüge der Ge-
achichte des Illuminatenordens zu geben. Weishaupt
selbst erzählt, da~s er '~cbon in den Jahren 1765. und
J766 .den 8chriftlichen Plan. zu einer gebeimen G.seJl-
achaft entworfen habe "dorch welche das Band onter
deo Menacheo ventärkt und ihre zerstreoten Kräfte
lellBJDmelt werden könnten." Da er im Jahre 117~
gleich nach Aufhebung des Jeloiterordens den Lehr-
Huhl des geistlichen Rechts zu Ingolstadt erhalten hatte,
welcb.l' leit 90 Jahren un1lnterbrochen mit Jesuiten boot
let.t gewelen wart 10' machtea diese im folgendeR Jahre
ein schändlichel Complot, um ihn wieder zu verd,öo..
gen, und da ihnen diels nicht gelang, 10 sochten sie
ihn auf jede Weise Z1I verläamden ond zu verfolien.
Er seineraeitl hoffte nUR einen Rückenhalt uad UDler.-
Itütsung in der Fraimaurerl,rüderachaft zu finden. Seine
ibm bereits zugeataadene Aufnahme wurde indess, we-
gen der grolSen Entferftung von einer Loge, auflJe-
u-

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.96 -
durch mancherl1illSi l§jE21@SE2E2~&K1illS und Lectüre,
de'EZ ihm, leibst Bund 2011 ati.f-
te1illS Zwei Umsm'EZd'EZ elieseo Ge-
dand1illS'EZ Die Burghaulen·
trieb bio. Alchemie, erhielt eiften grossen Anhang und
suchte denaelben durch @rmliche Werbungen, nament-
lich in Ingolatadt, zu vergrössern. Das zweckdien -
lichste Mittel, dieser Verirruog kräftig entgegeozllwir-
kem! Mitglieder davo00 .
zu sein, dass
00!!Isfühtte. - Umstand war
deit idwn um. jene Ziiiik bitE2dhmten Abt',
Schrift: " Vom Verdienst" in die Hände kam. Er ge-
IIteht leibst, dass dieses Buch ausserordentlich auf· sei-
Den Charakter und auf seinen Willen .gewirkt habe
und behauptet, dass folgende Stelle den ganzen Geilt
de'EZ lIlumioatismus enthalte. Abt sagt nehmlicb: "Vie-
leit wwwwitli.che und befördern;
ihr Wandel durch 10 einrieh-
te00 immer glückselib1illSww! wwollkommener
W'EZWWrt01il S00 "Veranstaltung ihnen derglei-
chen Regeln eben 110 geläufig, al. beliebt, Beien; solche
Lagen all88innen, darin sie sich aller Widerspenstigkeit
ungeachtet, zn einem gemeinschaftlichen Guten müssen
hinführen laslIen ; dazu denn alle Verwickelungen, die
mrt;&E2ill.1illS00 Fälle mi€; Ausoahmen
an die wenn noch
nur Dlöglicb J,~hrelang arbei-
00R4tlWWwwiE2l§jRR& obne Frucht; , aufrichten,
00R0,'EZ00''EZfuRR'EZn müssen; kebkww keine
Gefahr achten; keine innere Abneigung oder Laulich·

edbyGOOgle
197

kelt überhand nehmen lAssen, und diess Alles blOl,


darum, weil es zu, Nu'un lind Frommen der herzlich
geliebten Nehenmentchen gehört, - ihrer," die nach
einerlei Bilde mit uns geschaffen sind: o! wo ist der
Mensch, der dien thut! Wann er nicht mehr ist, wo
ist seine Bildsliule! Wo ist sein nsarmornes Bruch-
stück' Sagt mir'., da.s ich hingehe, den kalten Stein
in die Arme schliesse, lind, des Urbildes eingedenk,
mit heissen Thrän ...n der' Dankbarkeit das Bild be-
netze!" Diese Stelle, sttzt Weishaupt hinzu, enthalte
ganz die Idee, die er selbst durch alle Grade und Ein-
richtungen, welche ,"on dem lUulOinatenorden bekannt
geworden sind, so wie durch seine Briefe zu realisiren
beabsichtigt habt'. Sogleich nach Lesung derselben
inachte er sich an die Arbeit· und entwarf die Statu-
ten, clie er dalnal" S tat u t end e r Per fe c ti bi li s t e n
nannte. nen 1. Mai 1776 nahm die Gründung ihren
Anfang. Die ersten Mitglieder waren gerade dit'jeDi-
gen, welche Wei.haupt von jenen. alchemistischen Ver-
irrungen retten wollte. Ueber den Zweck des Ordens
spricht er sich also aus: "selbstdenkende Menschen
aus allen W elttheilen , von allen Ständen und Religio-
nen, uDbeschadet ihrer Dt-okfreiheit, trotz aller so ver-
schiedenen Meinungen und Leidenschaften, durch ein
gegebenes ~öheres In'eresse in ein eiQziges Iland dauer-
haft zu vereinigen; sie dafür glühend und anf den Grad
eßlpflinglichzu machen, dass sie in der grössten Ent-
fernung als gegenwärtig, in der Unterordnung als
GMche, dass Viele wie ein Einziger handeln und be-
gehren, und aus eigpnem Antrieb, 80,S wahret Ueber-
zeugung, vC)n selbst Ihnn, was kein öffentlich~r Zwang,

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198 -

.pb Welt und Menschen sind, bewirken konnte. -


Oie Gesellschaft, welche diesel leistet, und diese ganz
allein, ist das Meisterstück der menschHchen Vernunft;
in ihr und durch sie hat die Regierongskunst ihre
höchste Vollkommenheit erreicht."
Dabei Ich eint eI allerdings ein Miugrift' zu sein,
.tass Weishaupt die Verfassung und gesellsehaftlicht"n
Formen der Jesuiten zum Vorbilde der Verfassung sei-
nel neuen Ordenl wählte. Hieraus ging die herrache!,de
Idee hervor, sich derselben Mittel zum Guten zu b..
fliimen, welche der Jesuitenorden zu bösen Zwecken
anwendete, und so entstand jener Despotismus der
Obern gegen die Untergebenen,· der bei dem ginzli-
chen Mangel aller Zwangsmittel (wie si. den Jesuiten
.11 Gebote standen), gar nicht anwendbar war. Selbst
,das Gradweaen hatte mancherlei Unbequemes und
konnte nicht dazu dienen, rechtliche Milnner auf lange
Zeit ia einer solchen Form vereinigt zu halten. Diese
Grade wurden in folgender Ordnung mitgetheilt: Erste
CI ass e. Pftanzschule. t) Vorbereitungsaufsatz und
Noviziat. 2) Minervalis. 3) IIIuminatus minor. 4) Ein-
weihung zu dem Magistratus. Z \V e i t e C I a I I . :
I) Symbolische Freimaurerer in ihren gewöhnlichen Ab-
theilungen. 11) Schottische Maurerei. t) Illuminatul
major oder schottischer Noviz; 2) llluminatul dirigens
oder der schottische Ritter. Ori tte Claue. Myste..
rien. I) Kleine. 1) Presbyter oder Priestergrad ;
2) Princeps oder R..gentengrad. 11) Grosse. t) Ma.
gus; 2) Rex. -
Im Jahre 17iO theilte Weishaupt dem Freiberrn

\,on Knigge die Idee des Bundes mit. Er sollte eine

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- 199 -

Vet:bindung sein, di. duch die leinsten' urtrl lIicherlltpn


Miuel den Zweck erlangt, der 'rugend und Weisbeit
in du Welt den Sieg über Dummbeit und Bosheit s ..
verschaffen, - die wichtigsten Entdeckungen in aUpn
Fichern der Wissenschaften .1. macben, - ihre Mit-
glieder su edeln, 'grollen Menschen su bilden, und
diesen dann den gewissen Preis ibrer. Venollkoßuonung
aucb in dieser Welt sehon susuSicbern, - sie gegen
Verfolgungen, Scbicksale und Unterdräckongen su
schäl"., ,UDd dem 'Despotismus aur alle Art die Hände
su binden. Knigge ecbenkte diesem Alle. seinen un-
getheilten Beilall ; zeigte -viel Eifer für den Orden und
num eine grOBBe Anzahl vornehme" gelehrte 'IOd recbt-
"'affene Minner auf. Diese waren aber nicht im
Stande, den Scbaden wieder gut so machen, welcher
.alemOrden durcb die frühern 80 häufigen Aufnahmen
.junger zum TheU unfahiger und ungebildeteI', sum
TheU selbst unwürdiger Menschen zugefügt worden
war. Da Weiahaupt junge Leute. in de... Geiste des
Ordens er sie h e n wullte, so war eine übereilte Ver-
.mehrung der. Mitglieder desselben fast unvermeidlich •
.Diese Jünglinge aber, die sieh, zum al wen.. sie sebon
einen oder den andern höhern Grad erhalten hatten,
,durch die später Hinzugetretenen verdrängt aahen,
wurden unwillig, -- und diese Entzweiung der Mit-
glieder unter einBnder führte an sich selbst Z'I nichts
Gutem. - oder sie suchten ihre Zwecke nun aul ihre
eigne Hand zu e!reichen, suchten dabei Einftuss auf
die Staatsgeschäfte zu erhalten und trugpn auf diese
Weise wiel dazu bei, dass der Orden den Staat.behör-
den verdächtig wurde. Weishaupt selbst klll8te über

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- 200
,die, welche die wenigen Bessern in ihrer Wirksamkeit
hinderten und den Orden Schande machten. Wlihrend
diese für den letztern höchst bedenklichen Verhilltniss8.
fortdauerten und sich verlchlimmertt'n, trennte sich der
Freiherr von Knigge gänzlich von Weishaupt und sagte
sich von jeder weitern Theilnahme los. Diese Ent-
sweiung soheint durch folgende Umstände berbeigeführt
worden zu soin.
Als Knigge sieh ~uerst mit Weisiiaupt verband,
hatte dieser die oben angeführten Grade seines Systeml,
kaum erst bis zu dem kleinen Illuminatengrad aUlge-
."beitet und Knigge, der in kurzer ~eit viele Männel'
von Bedeutung gewonnen hatte, und, um dlese nicbt
misstrauisch zu machen, elie Darlegung des ganzen
Systems nachdrücklich von Weishaupt verlaogte, er-
fuhr nun, dass von dem ganzen Ol'den eigentlich nicbts
weiter vorhanden war, als die untere Cluse, die
Pftallzschule. Demnach und da zu den höhern Gra-
den bereits die' berrlichsten Materialien gesammelt
wären, sollte Knigge die vollstlindige Ausarbeitung
derselben übernehmen und sie nach einem wohlbespro-
chenen Plane ordnen. Koigge unterzog sich diesem
Geschäft und arbeitete das llIuminatensystem bis zu
dem Priester .. und Regentengrade aus. ADein heide
Männer, Weishaupt und Knigge, hatten über Religion
und Kirchl'nthum, über die Bildung eines Rituals und
über die Regierung des Bundes so verschiedene An-
sichten,
I
das. sie sich - darüber schlechterdings oicht eioi-
gen ~onnteo~ . Weishanpt 'verlinderte die Knigge'schen
Rituale so, dass dieBer seine Arbeit kaum wiederer..
kapn,e J unc! weQD er elie ge~l'ün4et:tteD ~iQweQdun,cn

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201

IR Achte , bestand Weishaupt auf der Vollziebuug seiner


" B e feh le." So kam es, dan sich endlieh beide gonll
von einander trennten und Kmgge sich von dem Bunde
in einer gedtuckt&ß Er~liirung lossagte. Dass diese
Entzweiung zu dem Untergange des Ordens viei bei-
trug, lässt sich leicht begreifen. Denn nun fiel auch
der Nutzen hinweg, den die,- hauptsächlich dureh
Knigge zu Stande gebrachte Vereinigong des DIamina-
tenordens mit der Freimaurerei schaft'en konnte. Damit
hatte es folgende Bewandnills. Als Wei.haupt dle Aus-

führung seines Planes begann, war weder er selbst,
hoch einer von den zuerst Eingeweiheten - Freimaurer.
Erst später that Zwackh, (Franz Xaver von, pfalz.bairi-
scher Regierungsrath in Landshut ) den Vorschlag, dlm
Illuminatenorden mit der Freimaurerei zu vereinigen,
und Knigge erhielt den Auftrag, den Convent zu Wil.
helmsbad zu besuchen und die Vereinigung beider Orden
zu bewirken. Auch gelang ihm dieses wenigstens theil-
weise und namentlich gewann er den berühmten ß 0 d fI,
der sich als Abgeordneter des Herzogs Ernst von Gotha
auf dem Con~ente eingefunden hatte. Dieser versprach,
dem Illuminatenorden in dem neuen Freim8urersysieme
die Oberhand zu verschaffen und war seit der Zeit auue,-
ordentlich thätig, alle Verh'rungen von dem Freimau-
rerbunde entfernt zu· halten und seine moralische Ten-
denz wieder in ihre Rechte einzusetzen. Ja, es wird
sogar behauptet, d~ss fasl alle Conventsdeputirte zu
Kniggegf'kollllllen wären, um sich in den neuen Bund
aufnehmen Zll Jassen. Dass Knigge's Ausscheiden aus
dem 1I1uluinalenorden auch auf die gewonnenen Frei-,
nlllUfel' nachlheil' g wis').,tn mllslile, Iit'gt 3m Tage,

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20!!

So war der Untergang deI. Ordens in seinem In-


niili5m liili5lbst iili5iili5rbe~iili5itet" a11 iili5iili5( ötlf"~idichiili5 An-
.klagen gegen deD8elben erhoben wurden_ D81' Buch-
.bllndler Strigbl, Diili5iili5zer iili5nd «Kiili5r P~ß>fel-
1iili5~ Wi~ieniiiili5der iili5ßareii leilfffiiili5 Ankläge~w Aber sie tra-
ten zugleich aucb gegen die Freimaurer auf, und 10
eEi" dii5§j1 ebg ch~fürldiEibe~ BelEibl l'iili5m 22. Ju-
oius 1784 alle geheimen Verbrüderungen verbot. 11Iu-
.('iategT! uod dreimaurEi~ stDilben b enzi@fffimliili5Digen
~io; Gleichwo'hl erschieneo War nun gen im nruck,
. woburcd beide Orden heftig giili5scd§äht iiod iiDirdä~biigt
wmtden. Difg Anbiili5grib·smen bates:, ssm Diine llEisetdkhe
Untersuchung und erboten sicb, ihre Ordens papiere vor..
liasTIiili5gel21t. Vie .lgDitre~ Frz"%,k mld K~~it­
ma)'r, erliessen unterm 2. März 1785 .im Namen des
LZgiide~iiiili5rrn iiin ii~eit~w~ V iili5ilibot giEner Ver-
brüderunben und trotz dem, dass die Illuminaten nicht
überwiesen werden konnten, den landesberrlichen
se~iili5en geT!iili5~sen iili5U~Urdii,g giiiiide
die rechtschaffensten Männer, verfolgt und bestraft,
uiid iili5iiremt vegbann®.w Niili5iili5 wiili5gden
drei vormalige Illuminaten, Utschneider, Cossandey und
Gfdinbe~ger, fgühea- gez&%·&me d,iä Ord~nl,
V%gä eiz&~ Cotrttrmiss&än deIteIlt. Siä sollten Alles, was
sie von dem Orden wüssten, niederschreiben und de-
sdnäÖräiili5. iili5n wtrtra-de V%ff·folga-mg
Jnein. Zwackh entfloh, nachdem man. ibm seine Pa-
piiili5g'e ~iili5iili5ggegmmm~iili5 biili5@.5.e, die #ru V~ucb er-
·Ichienen. Docb schonte man vornebme und eioftuss-
. r~i~be bei P@.t.?cea~iili5 aul' iili5lle ftkur
lii%biili5 W iili5ise.
- 203 -
Dass Weishaupt leIbst die belteu Ablicbten bei
Stiftung diesel Ordena gehabt· habe, geht aU8 seinen
Schriften unwiderleglich hervor. Eben 10 gewi.. ·ist es
aber auch f d... die Autbebuog· dei letztern voUkOln-
men rechtmäaig war, da er, wiewohl wider 4feD Wil-
len seines Stifteri, die Keime der Ausanong aehoo bei
seiner Gründung in lieh trug. Die.. Ausartung gab
.sich namentlich in einer Menge von Millbrluchen kund, .
die sich nach und nach eingeIChlicb8ll hatteD , in wi-
derrechtlicheD AnmassungeD und in der Verwegenheit,
mit welcher die Illuminaten in die Staataeinrichtuog8n
eingriffen. .Das aUein bleibt demnach so tadeln, dals
Dicht immer rechtliche Mittel angewendet wurden, die
Aufiasung des Ordens herbeizuführen. Wer weitli"r-
tiger über Alles, W81 die llluminateD betrifft, belehrt
su werdeD wünscht, der lese folgende Schriften nach:
Pythagoras oder Betrachtungen über die gehehne
. Welt- und Regierungakunst. Frkf. u. Leips. 1790.
Apologie der Uluminaten. Frkf. u. Leips. USÖ.
Einleitung zu meiner Apologie. In dieser kleineD
Schrift bekennt sich Weishaupt IIU der vorigen•.
Kurze Rechtfertigung meiner Absichten.
Naehtrag zur Rechtfertigung. Silllmtliche drei
'Schriftcben ebendaselbst 1781.
Philo's (Knigge's) Endliche Erkllirung und Ant-
wort auf verschiedene Anforderungen und Fragen, seine
Verbindung mit dem Orden der lIIumh.ate.,,:betreft'end.
Hannover 1788. (Eine Hauptschrift.y~~Öi. ~ .
Vorzüglich zu empfehlen ist auch der vom Bru-
der Krause
. gefertigte Auflatz : "Ueber. den lIIolnina-
tenorden " in C. LfDDiogs Enc,.ciopiidie der "'reilllau.~

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- -204 -

rerei. Zweiter Band, Seite 84 -105, unter dem Arti-


kel: U1uminaten.
Zu Seite 181. Man kann Dicht eigentlich sagen,
MirabeRu sei ein Feind jeder Art von geheimer Ge8en-
ehaft und der Maurer aller Systeme gewesen. Den
Kopf mit einer Menge von Verbesserungsplänen er-
rällt, ,leistete ihm zwar auch dIe Freimaurerei nicbt
völlig Gnüge, und. er wollte daher noch etwas Höheres
,und Besseres ans ihr bilden, aber geradezu gegen sie
hat er sich nicht erklärt. Man sehe seine Mellloire.
lIiograpAifJlle., lilteraire, et poli/ifJ.fIe., Tom. Il, p. 249,
wo er den Vorschlag zu einer: "A"oeiation inhM
u etablir dan, l'Ordre de, .#'r. iJ'1." thut. In diesem
Aufntz gesteht er zu, dass der Zweck der Freimau-
rerei kein andrer sei als: Le bien de tou. le, 10Illme,.
Und auf diesen Zweck soU gleichsam eine erste Classe
- Grad, wenn man will, von Freimaurern hinarbeiten.
Aber er nennt 'Ie ,eeond grand pivot de l'a"oeistion:
"La eorreetion dll 8g'tellle de, gouvernement, et de,
legiBlation•• " (1<'88t sollte man meinen, er sei Illu-
minat gewesen!) Aber er verkannte die Freimaurerei,
und wenn seine Vorschläge befolgt worden wliren, so
würden sie eben so zerstörend auf das MaurerthuID
eingewia'kt haben, als die ähnlichen Grundslitzeder
lIluminaten auf ihren OriJen wirkten.
'Vir haben oben bereits angedeutet, dass die Frei-
maurerei in Baiarn gleiches Schicksal mit dem Illumi-
nalismus hatte. Das Edict vom 22 Juni 1784 traf die
Freimaurer so gut wie die Illuminaten, und hatte zu~
}'olge , dass jene wie diese seit der Zeit heftig \'er-
folgt wurden. Nelle Verordnungen vom 4. November

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20S

1.S594 trmd MÖA'trtrbE0ß1ß±äti5#trtrn fA 55ere


Verbot und als die Fürstenthümer Anspaeh und Bay.
rtrtrtrnlh trtrtrtrn Pß1ßtrtrUSS&:i7b an Haiem kaTtrtrtrtrn, Hess der 993:Dlg
ZW3r di4tr vorhandenen Losen be3teh33; 33A'pfHdltet3
aber alle Staatsbeamte ohne Ausnahme, die Freimaurerei
1I"":"csrl\,r;c,, od::ß1ß auf ihre &Hem~3n' VeE,trtriebß: 3U 13Kß1ßten,

Die wenigen daselbst noch bestehenden Lo.gen sind


q%&iher 33S l&er33nen din
von der Regierung völlig unabhängig sind.
Eb4:n aln tmnhihig es, dasl
dnn Herr V nE'fasn4:n die Freimaur4:ß1ß geh&m dß1ßzn Veß1ßhach~
in Schutz nehmen zu müssen glaubt, als könnten sie
d&trtr& enn[&iß1%ßtß1ßß1ß%;en Hß1ß:theil sso hssn dnich 5sbß1ßchnli;Anei
oder Kloosiaoer vel übteo Greuelo gehabt haben. Tho-
mnsHhß1ßchnl geh, des, h69 Hnk'iz Höh~
meo', erhielt in Lioz die Bildung zum kalholisc:heo
hH eltpHssste9 uo&[ wmhe - (;oope~ator UDtr&
V &trrsleh&&r dssi St;id±schtde ZAg Hramnau. Hie1r1tierSB&t,hetss
er seio Amt auf eine musterhafte Weise bis zu dem
htAhre 1h06& &'&0 deFb 7,'on 41&&r di±mali5&?ß lm4SSZI()ß1ßlllitt4;llless
Zwiogherrschaft verurlheiJteo Buchhändler Palm zum
bI&nde hssreiinie. Uie Hinrichtung hiesen MamAi;S nmtchltrtr
auf Püschel der sich früher schoo zu dem bairischen
Hlysti±tiß1ßmun hingnneigi ha±±e, eioeu so nachtheiligen
EindrHnk, hAgSS in nine 'S!ölliHH ver~
fiel, und Visioneo hatte. Er wurde deshalb nach Am-
.in ObnllitthstenI'Iich neus'4nt pImUgtn ei'nn;
nege Offenbarung. Seine Lehre fand vieleo B~aU. un'd:
wunhe dnher ;) io gehffi'acbr.
Diess erbitzte seine Anhänher noch mehr, welehn MI:
auf #iine böchst gewssltsame hh~ eise· Proselyten

Uigl oy'- '-"c


206 -
su _ben Itrebten unel aelblt den Grundsatz aa.pra-
eben, die Ermordung der Unreinen lei PJlicht. Es
wurden aucb wirklich einige PerIOnen von ihnen ge-
tödtet. Die öaterreichiache Behörde aab..- sich geaö-
tbigt mit MUitirgewalt einzUlchrei~en. Zugleich wen-·
dete m~n geiatliche Belehrung an und die Secte wurde
glücklich unterdrückt. Päschel an dem man Geistes-
abwesenbeiten bemerkte, wurde unter geistliche t\uf..
sicht guteIlt..
Dass aber Kloos einige Dörfer in der Nähe Leip-
zigs in Aufstand gebracht haLe, wie der Herr Verr.
berichtet, ist ein Irrthum. Kloos, ein Heckerlings-
schneider auf einem Dorfe bei Leisnig, hblt anfänglich
Andachtsstunden , in welchen nach und nach der reli-
giöse Fanatismus Lis auf den höchsten Grad gesteigert
wurde. In Folge dessen ermordeten zwei seiner An-
bänger, ein gewisser Fischer und leine Ehefrau einen
alten Bergmann, Namens Flor, und veranlassten da-
durch die Obrigkeit zweckmässige M!lassregel~ Zll er-
greifen, durch welche auch dieser Unfug gedämpft·
wurde. Kein Vernünftiger aber findet hier einen Zn-
sammenhang mit Freimaurerei.

Auf Seite 198 kommt der lIerr Verfasll8f auf den


Dr. Bahrdt zu sprechen. Bahrdt war allerdings Frei-
maurer und hatte in England .3 Grade erhalten. Al-
lein. er kehrte von dort, seinem eignen GestJuuloiu zu-
folge, mit keinen .ehr vortheilbaften Begriffen von
teutscher Maurerei in aein Vateda!lfl zurück, meldete
zieh daher hier bei keiner Loge und nahm keinen
Theil an maarerischen ZUlBlnmenkünften. _ Erst im

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- 207 -
Jabre 1181 wurde e.r dorcb die BekanntlChart mh; ei-
nem würdigen Maurer wieder für die Freimaurerei. er-
w!irrut, erbielt im Jahre 1784 einen anonymen Brief,
welchem der gebehne Plan der tentschen Union beige-
aeblollen, der, 80 'fiel sich Bahtdt erinnern zu kön-,
neo löeint - Plan zn einer engern Verbindung ächter
Maur.er überscbrieben t und r - einige Sie 8ehr nreh-
rende und verbündete Maurer - unterzeichnet war.
Er theilte hierüber seine Gedanken, Vorschläge und
Verbeuerungen unter der 'forgeschriebenen Addrell~
mit, empfing aber lange Zeit keine weitern Zusendun-
gen. Im Sommer 1785 wurde er durch einen Unbe-
kannten, clerihn besuchte, und ihm auf eine unwi-
derstehlich bezauhernde Art das Verspreehen a~nö­
thigte, keine nähere KenntDiu seines Individuqms zu
fordern t ermuntert, selbst eine Loge ZR errichten, für
welche der Fremde eine Constitotion a,.s England ZI1
schicken und die Verbindung derselben mit der engli-
schen zn bewirken versprach. Ueber den Plan der
Union IiOlSelte dvselbe, er seivortremieh und könne
einst daz. dienen, die ganze alte Maurerei zu
zerstörea und.au8 ihren Trümmern ein nelles.
würdiges Ganze ZI1 Bchaffen. Die n."e Loge
wurde auch gegründet i die Arbeiten mUlStea aber aua
begreifliohen Gründen bald wieder eingesteUt ;werd8n.;
liD Jahr. 1787 erhielt :Bahrdt abermals Briefe, die teut-
lChe Union 'betreffend ud beging die Unvorsichtigkeitl
Miuheilungen darüber in seiner Loge zn lß~chen., AI~
Dun· die letatre aufgehoben werden moate, kODDteo
die eratern nicht wieder zarückgeuommen werden. Er
verpftichtete daher die auaeinandergehenden Mitglieder

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- 208 -

zur Verschwiegt>nheit über diesen Punkt, schwieg


s45lbst sie ~md die dt>r
Union von nun an blos auswärts durch Correspondance.
Dabei wurde ihN" ab45if ein~2, n2i"h 4544in,er b:rzäbl45DIJ
ei" M2mtESerib?: Oas Relib±g?nsedit;t, Ein L'ifSISbi45I,"
zugesendet, an dessen Bekanntmachung er Antheil nahm.
V '~'45dachi d454545 eE: 45elb45i Ve[)45sSeE: des45NNlben so-
wie einer zweiten satyrischen Schrift: " Kommentar
n. w, sei zog ihif45 45ine Unt45rSu45b,mg
Z45 nach dtn'en Beendigung er zu Arrest auf der ~ Ci-
tadelle zu lbiagdeburg verurtheilt wurb". S45&45em
F"lle if"beinill, aueb die Unimt utttttrgeb2ingeKt zu if45in,
Fragt man aber nach dem Zweck derselben so giebt
d45E: " Oehetrrrtne tett2sch4545 Utttzm"
der später durch den Druck veröffentlicht wurde, dar-
üb"r fttlbend45 AUifhunft; "Di" Httttbtzi45tt,gke ,g4Nf
sittd: 11 V"fvollkommnung der Wissenschaften, der
Künste, des Kommerzes u. s. Wr unb iosonderbeit
d45if VolbTItrelibion. 2) I ffiie V 45TItbesTItifmob der Orzieb,tng
und Unterstützung guter Erziehungsanstalten~ 3) Her-
v4H'45ieh4545g V45tt a er Ort.
4) Belohnung entschiedener Verdienste. 5) Versorgung
dt?if Wh~weo Rmd Veifif€;Orbt4Kher IJg,j.
o"45ifHitgli45deif, " Im e,Aen CKnpit451 heisst e8 noch be-
londers: Die Union ist eine stille Vel'bindung des
scb45eib""den Rmd l45sen,!N,nl'ggblihZ&ms 'dehZ&n le,NNker
Zweck ein Geheimniss bleibt für die Brüder des drit-
ten Grndns. Oiesnn Gebnimni4545 iS2 ind45m' b"heim452en
Operatiorisplan bei· der Beschreibung des dritten Gra-
d845 dahin 8uigede45hp:: Inknte ber IJniokh Ast
EniibroFAnng des Defitlhf,listtms, Entfesse-
209 -

Jung der Menschheit vom Aberglauben und Erhebung


der 'Vel'nunft auf den Richtel'stuhl aller Wahrheit. .
Demzufolge scheint diese Vereinigung bei weitem
mehr Aehnlicbkeit mit dem Illuminatismus gehabt zu
haben, als mit der Freimaurerei. Dass die ersten Mit-
glieder der Union Maurer waren, beweist noch nicht,
dRils das, was sie schaft'en wollten und trieben,
Maurerei war, und RIß wenigsten darf Haludt für
den Begründer eines 'neuen Maurersystems ausgege·
ben werden.
, In der Note, S. 199, haLen wir bereit~ die falsche
, Angabe, dass das von Zirinendorf gt>gl'ündete Capitel
luit der' grossen NationaUoge in Berlin verbunden sein
soll, kürzlich bel'icbtigt. Hier daher, nur Do~h so 'viel t
Jobann Wilbehn Ellenberger ~ 'durch' Adoption des BI'U-
ders seiner Mutter genannt von' Zinnendorf , Königl.
Preuss. eule,' General. Stabslßediculi und Chef des ge-
summlen Medicinalwesens der Armee, war zu Halle,
alll 10. August 173l geboren und istarbam 6. Juni
178'2 •. F,'über ein eifriges Mitglied des Ordens "on der
stricten Observanz, hatte die Art, wie er eille Ver-
bindung mit dem schwediscben Ol'denscapitel zu bewir-
ken veraiUcbt batte, seine Ausschliessung zu.' Folge,
Nach. derselben trat er als Gegnea' der staicten Obser-
. vanz auf und gl'iindete ein Reuel System. Hat t be-
achuldigt "on einer Seite, hat es v' Z, docb aucb nicht
an Vertbeidigern gefehlt und namentlich ehrt die ga'oise
Landesloge von Teutschlarid, die sein System an ge-
nOlllluen hat, sein Alldenken. Von einem grossen An-
hange, den von Zinnendorf in Frankreicb und England
gefunden haben soll, wie Seite 199 versichert wird,
I~ l~

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- 210 -
sagt die ~eschichte nichts. Man vergleiche EQcyclopä-
die der Freimaurerei von C. Lenning. DritJer Band,
Seite 661 - 677. -
Johann Georg Schröpfer oder Schrepfer, in Nürn-
berg geboren, erst gemeiner Husar, da~n Cafetier in
Leipzig, war nichts als ein unverschälJlter und dabei
plumper, Betrüger, der um sein im Jahre 1768 eröff-
netes Cafeehaus mit Gästen und leinen Beutel mit
Geld zu füllen, im ~. 1772 daselbst eine Loge erri"htet.e.
Da ern i e mals Mau r e r war, so entnahm. er ein
Rit~al aus: "LeI plu$ .eere,. rnyBtere. de. !tau,. grade.
de la Ma~onnerie ete.~' u~~, :e~ ist ei~ gl'o~er IrrtbolD,
ihn für'einen
J .' ,.
Neuerer'i~• de~)ia~~erei~
• • • • . • t...
&-
od~rg~; ~r,dtU1
......

Stifter eines neuen Systems anzusehen. "Eine ~eitl.,ng


täuschte er durch Gaukeleien, und Geistertlitiren das
Publikum, bis er aps Furcht vor Entlarvung und Strafe,
und durch den zerrütteten Zpstand s~ines Ve~mög~s
geängstigt, sich am 8. October 1774 im Rosen~hale b~i
Leipzig erschoss.
Zu dem Artikel: Dänemark, Seite 207, muss be-
merkt werden, dass ,dieses Köni~reich die Frei~aurerei
von Hamburg aus empfing und das~ schon 2743 eine
Loge in Kopenhagen bestQnd~ Unter königlichem ~hutze
gingen von dieser Loge ~chtzehen TÖchterlogen in aUe
dänische Staate'n und Colonien aus. Den Worten des
Herrn Verftlssers zufolge scheint es ~ als glaube er, die
Grossloge von Dänem~rk hänge noch' immer von' der
Grossloge vou Schott.and ab. Diess ist aber nicht der
Fall; sie hat sich vielmehr bald. unabhängig gemacht
und beaufsichtigt seit 1795 alle Logen des Reichs, wel-
che übrigens einer königl. Cabinetsordr~ vom 2. Nov.
,

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.- 21t

t792 zufolge, den Landgraren von Hessen- eUlel für


ihr Oberhaupt anerkennen müssen.
Die Angaben üb.r die Schweiz von Seite 287 an,
sind zuvörqrst dahin zu bericbtig.m, dau zu Genf cler
englische Provinzialgrossmeilt ... I Georg Haqrllton, iQl
Jahre t737 oder t73$ eine Loge gründete, gegeJl wel-
cbe lich sogleich ~er dortige Magistrat, wiewohl mach ••
los und obne Erfolg ,-otlebnte; in Lausanne aber dnleh
den H;rzog v, MODtago eine Loge im Jahre 1139 ,"tü-
tet wurde, lI)it w,lcbe... zugleicb d.s Directoire 1I.atio-
ul /lelvetägffll r...a" verbunden war. Eine Log... iJl
B.... fieg t.766· .. pd die iq Züric;b ia, Jahre· t772 ihr;e
Arbeite. an.· Beide folgten dem System 4er .trieten
Obsenanz iJl d'll 3 Joh....nia.graden bis ZUHl J. 1776,
in welcbem .teutlehe Orclelliobere die biSb"ren Grade
.aflihrten. .~gl.nch t"c; ein schottiBChes Direotoriu81
d.r -Schweiz auf. Iin J, 1786 erbob aich die l!ratule
Loge de Gene.e 110 einem. lUIab~äDgjg,a GrolSo1'ieD~,
welcher 80 lange be&.taDd, bis !'icb Genf lI)it Frankreich
vereiDigte. VOll. dem Jahr~ 17Q3 W. 1803 ruhtlten IiUe
Logen. Am 14. Sept. d.s. let.~_ labre. a~
wurde in Bern .ine neue .. Loge "zur HoffDUDg". von
dam rr8n....ch.n Gl'OsllGlient.e OOllitituirt lind, am 12.
Mirz 1* .die :Lege ZIl Lau.anll' "Alltitie et Pfr,e.-
t1er"alce" durch eine Depqt"tion von Bern eingeweibf•.
Endlieb·jlll Jabte 18\0 wQi"de der, " Grad OnOent ,.,,-
,tw'ltal Ml"titpAe.roffla,," eiDge..gt. Ein Jahr später
erstand in Basel da. im J. 1793 eingegangene Züricber
Directermm . aufs Neue, wnrd. aber im Jabr,. 1818
wieder nach Zürieh verlegt.

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z em re igs n C itet
,
liUS2$2W2Wst k4%2W2$en mnd un2W4&A~eiell2Wnden N%4~
tizen, welche Schmieder €iliher Frnimaurenni in
len seiDen Anotrien, Seite 2524 niedergelegt hat, soll
nie dn%t sei~ hem Jnhre h36 baJnsn~
Lenning sagt üher den Ursprung gar nichts. Der von
ihm der &!!0tgedh&0ilte linfsatz Jes W~%w;~
sehaaer Brudet's J. N. B. geht von der Schliessung der
,Logtrnh im 17J9 a"s~ M"n hat nwsdess0!trh GI'wsw;nd
anzunebruf'n " dass· Polen schon lange· vor delll Jahre
t736 die Ftr~niR&I1\Ur4%w;d k4±%m±.e un%i übtn da die
maligen -Grossen des Reichs sehr günstig wareR. Aucb
±iDdensieb hi· dnn ahnn warn%trdauetr Logen± SPUtrJilitr%
die auf die ExistenZ f..tiberer Vel'eine dieser Art ·hin-
nuw%.·ITE4nn sd'hE4iDen. W E4%hß abn$~ gleitr4h1739 in
der nulle PnpE4i.eS XII. die Angen
.Reichs aufgehoben wurden so lebte die Freimaurerei
doch E44hon .JahE4![% 174h wiedn% auf ,hnd ers&.nn%
durch ihre Tugenden und ihre Vaterlalldsliebe ausge-
neiehilihE4%:sten d0.aatS%hh4nneE4 4.E4aten WiE4niewi4n in
hynien. in eine Loge zu.aIRDlen... Seit der Zeit wurden
ihrer tr4hebtnE4n ged2:hnciet ,md M~ duDi th69
. klärte sich sogar die Loge in Warschau , die früber
den Anmen zu hnn B%4dern
dann aber von dem, Grafen von' Brühl, Behufs der
n&nuer erst tesebE%$E4E4en mhd dE4nn
176'7 unter dem Namen:· "der tugendhafte' Sarmate
wiednn nröffnnn&. wo&~dnn wnE4, lmd bei 'bnnlchelffi 4.kin Ca-
pitel dnr höhem , "hie voUUomm4.klt$
nigten Nationen" existiue - zu einer Grossen Loge,

o
- 213 -
wt'lche die Frehoa~rerei noch Eperi•• in Ungarn ver-
pflanzte und seit 1'7.70 allch in Polen HlebrereLogea
constituirte. Die ente TheiluDg· Polens fiibrte zwar
eine ftug ..nblickliche Stijrnng der Logenarbeiten herbei;
doch wurden dieselben baU wieder fortgesf'tzt. Meh-
rere dieser Werkstätten hauen das System der stricten
Obser~anz angenomloen; einige sich an Royal York
angeschlossen, und eine französische Loge zu War-
schau hing von deRl· Grand Orient dll ~'ranc(J ab.
Den Naehtheilen die aus einer solchen Verscbiedenheit
entspringen musste, luchte der Graf Ignaz Potocki
durch eine voJlko'Hmene Vereinigung in einen allge-
meinen Maurerb"und enlgeg..nzuarbeiten, und sucht.
daher eine Verbind'lng mit den Berliner Grosslogen,
sowie mit der Petersburger einzuleiten. Es wurden
deshalb mehrere Concordafe abgeschlossen und die Hin-
derniss& , welche hauptsächlich von den Brüdern, die
nach dem braunschweigschen Ritual arbeiteten, der
Ausführung jenes Plans in den 'Veg gelegt wurden,
glücklich besiegt. Im Angust 178'7 kam von der Gros-
ien Loge von London das Constitutionspatent fü~ eine
obetste maurerische Behörde über alle in Polen be-
findlichen Logen an, un~ sofort machte man die Er-
öffnung der Grossen Mutterloge von Polen allen frem-
den Grosslogen bekannt. Am 4 März 1'784 wurde der
Grosse Orient von Polen instaUirt. Die Scbicksale des
Königreicbs im Jahre 1792 zogen viele Maurer von
den Logen ab und die abermalige Theilung des Lan-
des 1794 führte auch die Auflösung des Grossen Mall-
rerbundes von Polen herbei, sowie die Deckung des
Grouen Ollenfl.

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- 214: -

Seit dieser Zeit gründeten die Grossen Mutterlo.


p von Berlin mehr.r. Werkstätted •. ' Die.e. Verhält-
nia blieb inden nar bi. ongeflihr in das Jahr 1807,
wo er.t der GrOl•• Oritmt von Frankreich wieder Ein-
flu.. gewann, spliter aber ein neuer Groller Orient
.,.on Polen sich proelamirle. Am 30. Januar 1813 Wur-
deA die Arbeiten' d~sselben, sowie aller Logen des
Reichs, abermals für geschlossen erklärt; gleichwohl
arbeitete die eine oder die andre im Stillen hoch fort.
Den tI. März tSf4 brachte man AUes wieder in das
alte Gleis.
Auf den Befehl des Kaisers Alexanders VOID 12.
August 1822 wurden aUe Logen geschlossen.
In Schweden besteht die Maorerei' seit 1736.
Gleich Anfangs bildeten die Maurer eine sehr ehren-
werthe Körperschaft. Das mystische G.präge, weI-
ches sie später, angeblich unter dem Einfluss der Lehre
Swedenborgs, annahm, und die Einmischung in poli-
tische Verhältnille wirkte nachtheilig auf sie zurück;
Friedrich I. verbot unterm 21. October 1738 die ·Ver.
sammlungen bei Todeastrafe; nahm le~och ,das Edict
baltl wieder zurück und liess sich von den Deputirteaa
der 8ilrDlntliehen Logen seines Reichs holdigen. 'Gu-
stav 111. trat zuerst selbst in den Bond. Sein Nach-
'folger auf dem Throne folgte ihm auch' hier.,
Russland betrelfend , so illt in diessin Reiche .on
Be d r ü e k u n gen der Freimaurerei, wie Seite 223
steht, nicht die Rede. Der Kaiser Alexander forderte
in dem Reseript an den Minister des Innern, Grafen
Kotsehubey, am 12. Aug. 1822 (s. o~) "dass alle ge-

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215

heimen Gesettsebaften olld Freimaurerlugen geschioEis€Sn


mld nicbt wlet1eJE' gef?tfnet werden sollen."
"Dass alle MUglieder derselbet. lOich schriftlich ye,,-
pßic:;bten 13oUeh, nie wieder Freimaurerlogen oder and~e
geheime Gesellschaften. zu stiften. I

"Die Beamten sollen sich erklären ob sie einer


solchen angehören, und hi diesem Fülle sich n,iueht
einc:;s R",ver27e~ lossagen oder den kaiserlichen Dienst
verlassen. "
Da die rUIii'liF:chen Freimaurer diesem Befehle auf
das pünktlichste nachkamen, so war :&u ßttdrUckuttgen
eben so wenig Anlas~ verhanden,' als der menschen-
freundliche Alexaüder sie zugttlassen haLen

Zn dem EUrr und dr'aisdglten (;apitet.·


Bi€'; lTlrflte Lege in I.is",abon soll schon im Jahre
1735 von der Grossen Loge vun England ge"tiftet WGr~
den @teht. DM ~ehe!]sliche Verfahren der Inquisition
liess aber die .Freimaurerei ia Portugal nie rt~cht a,,&f~
llionTIlJItD.en. Schaudererregend Ist 'die Erzählung des Br.
von Born (Man sehe das Wien er JOiU'lllal fü, ,Fr!C!lmau-
fer J1:7hrgzu'Ig 1185) von den Schick~alen der Brüder
Coustos und Mouton. Vln so auffalielider war eg, dasll
in dl5it' Hattptstadt im Jahre 1805 ein Grosser Orient
errichtet würde. Der erwählte Grussmeillte;r hi~lS!! Egaz
l\t1oniz. Johnnn VI, aber erJiess im Jähre 1818 von
Rio de Janeiro aus ein Decret, in welchem jedeli'tl V "r~
hüad43ten die Todes!lb'afe gedroht wurde. Ein späteres
Decret, gegeben zu Lissiibon den 20. Juni 1823, V€lr~
wBnd0!he die Todesstrafe in fünfjährige Verbannung
nach Aftica.
2'16

Noeb V erfoJgungen , alll die in Portu.


I{RI waren, erfuhren die Maurer in Spanien. Im lahi'4'f
1721 sollen die flr;gI4'f4'f Lügzzn üOü Enghmd 8gS bz Ma~
drid zenzl Gibrziltzir er:dehtzzt würd;gn sdn. Im Jahre
151 lie;gs sieh der Pater Torrubia, ein falscher I ver·
nbscheuungswürdiger 8churke i mit EinwiUigüng deü
h eil i g;g" n Vah~r;g zgm }c'r4'fim;";u,e, a;if;;ehm4'fn,
ciaim v;;;, ile4'f I;;q;iisHhzn l\nkläger des Ordens Rllf·
§4'feten zu können!! Diess war das Signal zu aUen
nachherigen Verfolgungei;. DU;iZh d;gn Einif1la;"sch de;g
FT;;;n4'fÜS4'fn in Spaz;ie;;; im J;zhrü 1801 keim di;;; .~rdmall.
z~er;gi wied;;;r a;;f. Zwei Jahre später, im Jahre t S09
wurde sogar in Madrid eine Grosse Nationallügiz g('~
gründet~ Als Fenliüa;zd VII. dezi Tb4'f;g;n b;;;;th;g;;;n hau(',
;getüt4'f e;; die Inejllj;gitio;g lVfeder in fhee frühern Rechte ein
nes;g de;g Unvernunft I der Niederträchtigkeit und
Grausamkl?it dieses Gerichts aufs Neuz; ihr;gn Lüuf~ Diü
I.ogen wurdz;n ge;gchlo;gs;;ü ;;;nd die Uübccrt;ge,er di;r kö-
;;ig1i;;;be;;; J)i~;;r4'fte ruit d;;;n härtesten Strafen bedr.oht.
Di;;; "HiZ;grschaft der Cortes gab im Jahre ! 820 allegf
verhafteten Freimaurem ih;;e Fr;;;ihcit wiede;g~ Die al~
ten Logen wug~de;;; wi;;;d;;;r ;;;röft";get u;gd n4'fU4'f ;irricb.et.
CaZbZin;gri u;gd C;gmffiUneros erheben ihr Haupt. Am"
,. August 1824 aber erliess Ferdinand V'lt ein nel;e;;
J)ecret durch w;;;lcheg ;glh; F;;;eim;guger u;;d Mitgli;gde;;;
~mdri~;;; g;gheim;gn Ges;gllgch;;ft;;;n aufgefordert wurden,
30 Tagen selbst anzugeben und ihre Or.
dens}lapiere auszuliefern ~ widrigenfalls gj;;; b;;;i sp;i/;;;re;;
.ßntdeckung ohn;;; Pro;;;e;gs in 2~i Shznde;;; ;;;ufgeknt%pr~
w;;;rd;:;n soHt;;;o" . AUe F;gehnRUrer wurden rur vogel.rei
ürkJägt,
2t7 -

Zu den Vier un ddreiuigsten C apite I.


Von Seite 29t. an hält der Herr VerfaIRer der
Ad optionsma urerei ein8 Quasi - Lobrede. Den
. Hauptgrund , aus welchem er sie verlheidigen zu mÜI-
len glaubt, nimmt er von der Verwerflichkeit der Jh~­
losigkeit her. Ein etwas· IJOnderbarer Grund. Denn
wenn Herr de S. folgerecht weiter Ichliesllen will, so
dürften keine Ministerien, kein Staafsrath, kein Colle-
gium , von welcher Art es auch lein möge - ohne
weibliche Mitglieder bestehen. Die Adoptionslogen ent-
standen haoptllächlich wohl aOI dem Wunsche galanter
Franzosen, die Frauen über das Leben ~nd Treiben
der Maur... in den Legen zu beruhigen. Mehrere an·
g(>sehene . Männe, redeten dem Inltitute das Wort.
Mit mehr F..rnst, und mit weit mehr Scharfsinn sprach
der Abba Robins gegen dallselbe in: "BecAercAe, ItIr
le. initiatio,,,. Qflcieflfle, et Moderne" a A""terda",
"1779," welche überletzt unter dem Titel: "Veber die
Einweihungen in alten und neuerrr Zeiten; vom Abt
R. Memphis in BrauDlchweig 5782" erschienen. Es ist
bemerkenswerth, dass diese Art dei' - Maurerei nirgends
so viel Beifall gefunden hat als - in Frankreich •


Noch ilt uns übrig, etwas über den Zwec,k
der Freimaurerei zu sagen.
Da ",ir indess keineswegs fordern können, da"
der Leser unsere individuelle Ansicht obne Weiteres
annehme und das verwerfe J was wir für falsch erklä-
ren , so wollen wir hier die Urtheile und AUlspri,iche

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dtif gtiübtesten Denlcer kürzlich zusamm('nstellen und
dasf das Gegdji%:ne ;r:ji;rgfältig
prUfen wollen, das Wahre gewiss bald finden werden.
die SitiIl;rti aus g::diegenf'TI Werk:::::, die hier
affhr:ti"en sh:d Natutiw dinmtil fulche~
die sich bemühen, die Definition (Begriffsbestimmung)
d::f I,'reim:ms:::sei fefin"ftelleti, ruobei natü,lihr: des
dei'frlfen g:::luf:ken ggRifsen. agtif auch
solche, die eigends darauf ausgehen, diesen Zweck aus-
ZfTIul"tichen dauu lieser wah,ti ud, d,snmthun.

I. Begriffsbestimmungen.

1) Begriffs äru g der uim rei


nach dem Inhalte und dem Geiste der ersten
u alte n, v Br. aus bekan ge-
machten unstur unde.
"Die Maurerei, oder mit ihrem ältesten, we-
setidiuhen u0 ne eines dunst,
Gebäude und Wohnungen, und alle- andern äussern Dinge,
Dach dem Bedürtniss und tür das Wobl der Menschen
h,,,-::::utellen nnd eiflflg,ichten und du, lnbe-
griff aller hierzu erforderlichen Wissenschaften, so wie die
Kunst7zu demselben Endzwecke neue Kü liste zu ern&den ;
- 77n7lern abefl umfasst :0Uch nm:h böhe7' rflUfent·
liehe würdevollere Künste und noch ti~fere, ja, urwis-
segs7:haftlichfl7 Weisheit7 wekhfl den Menschen und die
Mummhheit" rulhst U7fd dilden fie Ru,! ion,
d. i. die GoUinnigkeit und das Vereinleben mit -Gott,
dh7 uns hue lfe Fu t un d der
H un ut VOlllr,}mm u wen,
.219 -

und die Regiernngllku nllt, d. 1. die Kunst da. Le-


ben der Menschen und der Menschheit zu letten uild
leIbst zu beleben, woran steh auah die K UbIt schlie••t,
die Zukunft zu beden k en und iie in du Ge-
ganwart werkthätig yorzubereiten. Sie' ist
also die Kunst, den Menschen als Menllchen,
und die Menschheit als Menschheit, reift und
allseitig zu erziehen, d.1. ihr Leben zu weckeii;
;IIU leiten und aUßllbilden, und die ga lize Beitimmung

des Menschen und der Menschheit zu erreiehen und


zug Je ich der Inbegriff aller Erke'lDlQiß8 und Künste!
die hierzu wesefttlich gehören.
2) Nach der zweiten Kunsturkunde. "Die
Fr e i Jß a ure r e 1. ist ein Geheimniss , woau die Sl'lidl!t
und Mitglieder in gesetzlicher }'orm, welche durch die
ganze Handlung der Aufnahme ausgesprochen wird,
aufnehmen nul' freie Minner von gotem Rufe, die zu-
.
vor im Berzen \Torbereitet sind und sich den Gebrtin..
chen der Aufnahme .ortrauensvoll unterziehen • .- Die
Freimaurerbrüderschaft nimmt in jedem Drtutet nor den
Me n s c he n, entkleidet von allem Eigenthiimlichen des
Volkes, der Geburt, des Standes und dei Geschllrf. t..
sich aof. Die geheime Kunst ist friedlich and SohllId ..
los. Der Maurerbruder liebt und unterstiitlilt alle Men-.
schen aus reiner Menschenliebe, besonders aber die Brü-
der, auch arme und geldlose Brüder nach den belten
Kräften."
" Das Wesen dieser KUhst besteht in deI harmo-
nischen Vereinigung eines wahren, \'ernunftgemässen
Glaubens an Gott, in innerer, sittlicher Vollendung und
in gerechter und liebevoller Geselligkeit."

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.. - 220 -

3) Aus einer ~on Willu.m Dodd am 23.


Mai 1776 bei der Einweihung der Freimau-
rerbaUe gehaltenen Rede.
"Aus jenen Vätern, Freunden und WohlthiUern der
M.nllChheit, die, gleieh ihrem' äebtpD Sinnhilde, dl'r
Sonne, Leben, Segen und Wohllhaten unaufhörlich um
lieh her verbreiteten, - die ihr Dalein einzig der Be-
lehrung, der Verbessernng, der Ausbildung der Wett
widmeten, ..:.. aus jl'ner wahrhaft ehrenwerthen Brüder-
schaft bestand Zq allen Zeiten die Masonei, eine Anstalt,
welche die ewige Vernunft und Wahrheit z~m Stütz-
punkt.e hat, deren tiefe Grundlage die· sittliche BiJdung
der Mensehheit ist; und deren unverglinglieher Ruhm
darin besteht, dass sie jene. mächtigen Pfeiler: Wissen-
sebaft und Sittlichkeit, zu unerscbütterlichen Stützen
hat. "
') AuseinerPredigt, gehalten am24.Juni
1777 in der St. Peterskirche zu C oie h ester vor
dem Provi nzialgro SI meister, von William
Martin Leake.
"In früherer Zeit war die Gesellschaft, deren Mit-
,lieder wir sind, ein blosses Hand werk; sie s t r e b t e
Dur lieh zn einer Ku n s t zu erheben, anein mit den
FortllChriuen der Sittenlehre, der Gelehrsamkeit und
der Religioßskenntnisse in der Welt ward die Maurerei
eine 'Vissen.8chaft und liess sich ebensowohl
die Au I b il du ng des Gei stes als die Vervollkonun-
Dung der KUDst angelegen sein."
5) Aus Prestons Aufklärungen über die
Freimaurerei.
,,))el' Hegrilf dei Wortes M uonei ist dOl'P{·lt.

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- 221 -

9ie ist theils aulibend, theils wluenachaftlich.


Uoter der erstern vel'steht man die Anwendung der'Re'-
'geln der Baukunst ••••••• ; durch die letztere lernen
wir unsre Leidenschaften beherrschen, nach dem Win-
kelnlaaue handeln, unseIn guten Ruf behaupten und
allgemeine Menschenliebe üben,"

B) Aus franzüsilchrn Schl'iRen.

t) .Aus einem Vortrage des Grossmeisters


z u Par ist 740 geh a I t.e n.
"Die Menschen sind weder durch die Sprachen,
die sie reden, noch dUl'ch' die Kleider, die sietl"agen,
noch dureh die Länder~' die sie·bewohnen, nocb,dureh
die Würden, 'lI'lit w~lehen siebekleitet iind, wesentlich
verschieden. 'nie Welt ist eine grosse Republik; jede
Nation ist eine Familie und jeder Einzelne ein Kind
derselben. Unsere Gesellschaft wurde gegründet ~ UlIl
diese wesentlich aus der Natur dt"s Menschen entlehn-
ten MaximeD wieder aufleben au lassen und zil verbrei-
ten. Wir wbllen alle Männer von gebildetelll Geiste,
vons8nften Sitten und edler Gemüthsart, nicht aHeia
durch' die Liebe,zn den sohönen Wissenschaften; meI...
noch durch die erhaheaen Principien der Tugend, Wis-
senschaft uodReligion vereinigen ud in dieser Verei-
nigung soll das Interesse der BrUderschaft, das Inter-
esse des ganzen menschlichen Geschlechts werden; alle
Nationen sollen hier gründliche Kenntnisse erlerneo;
die Unterthaneo 'der verschiedeusten Reiche sollen sich
gegenseitig lieben lernen, ~hne de.halb die Liebe Zq ih-
rem Vaterlande und zu ihren Mitbürgern aufzugeben.

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- 222 .,-

2) A.UJI L' Beole d~' l!',.""u .


Maro,u a J(t-
,. • .,,re. 1748.
B Nac;h VoUkolDlDepheit z~ streben, eiDen Weg Zil

~eichnen, der zn diellem:'.I iele rührt, ~ dies ist unser


Zweck. WeQn man DD8 eqt,qeusetzte, da.. die gröss-
ten Philolophen darüber geschrieben habeQ, 10 antwor-
ten wir, d888 ihre Philosophie einerseits zu trocken,
andrerseits zu erhaben ilt, UQl Allen annehmlich zu
sein. Die Maurerknnst lebrt nach dem PriDcipe jener
grouen Männer handeln, aber auf 'eine leichte Art, wie
sie nur dem Maurer bekannt iat. ~
.3} , ~\I.II d emB,eC.",eil de Di,c.o.,., VOln Br.
L e lI:au'ld!' df!-Jv."",. BAJrU,. 1187. .
;'" .iJ' Die. M,psc.ll.ea "uv8l"lIiniJJ~ J. qho,. Uqtelschied
dpr Natwn ~d J:\eligic)ß:, UIIl di.,. I:,inste W.i.beit zu
lernen, die geselligen Tugenden ~u .üben. und wahre
,Bürger zu bil.den, dies ist der .Geist UOfer. Ordens."

C) Aus, teutschen Scbriften.,


. \ .

. t) Au den allge.m einen 6rua:d4"8 geln u..•• w.


" "Der Freim~urerorden ist ein. Gesellscbaft recht-
lehdener, durch das heilige Band::'ller Freoodlcbaft,
Gleichheit und Eiatracht z~ Ausübung.eler Menaehenliebe
oael zn Beförder\lDg ibreig....iUohaftlichen Glüekae-
ligkeit onter gewiuen Ordimsobern .ir.eiwillig vereUrig-
ter Brüder."
2) Aos ·B·od . . gedruokten Manuuript für
die teot8oh en Freimaurerbrüder•.
"Die Fl'eimanr8l'ei ist eine Gelellsoh.ft 'Von Mio-
Dern ao. aIl8l'lei Nationen ODd Stäaden, die sieh hei~
willig -verpflichten, einander zu lieb...ond ihr gegensei-

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tiges Wohl zu befölder.. , dabei lQitgftm,inllamell }{räf-
ten dahin zu strehep, "ass clef$ Gt"'1) in del' Welt immer
meh:r lmd d:r:r Bö:ren imm:r:r w:rnig:r:r W;5l;:rde"
"Um in ihrer gemeinsamen Wirks§Jimk:rh ni:rht
stört, noch, in der WIlbl j~rElr Mitglieder auf .hlos bür-
ge.dichJE V'!:rhäh:rzAsle zu g€':rgölh%gt, JEm in. dJEf
W Hhl d:rr GJEgenHtä..d~z ih~~r wJEblth;itigH;5l; A31h«litzz#"k .kdffit
eingeschränkt zu ~erden, versammeln sie silh' za ~ihl\9ll
GeHHhäfa.JEo hJEi ;5l;JE&"Schlt)S15,ZTIRen BNn4 \b80bacha.:rn
ÜbHH allJE ih€'JE Ge~JEMf%JEaPb€'leK?zphNiii'en :ringHHauHöStK~
schweigen; in weldler jlückaicb'UP4, iJl k.iner. Bilde",
diJE Ö'reiTIk&au€'firei ziinH ge eie filieselliidMft ist.," _ '
" iak JEill~dqriGHHellmkbat\diJE llOn f~JEH
kübrlichen AutOfit~' pbMngt, .oodern blos von aJlgemem..
wirdenöen (;ese~,en, welche ibr~w.Z\V~ok.e artsalliH!luen,
JedJEm, öen €'ie :riad ~.n d~eSHH ..
zen des Landes w9 der freitl)aurer l.bt, JEioht widJEf)o
sprechen dürfen.
" bZibanzK,,1t beinJE deH W'ilt
schaft und Gebeimni,,€', szmht yiHhn"hr,
s,o viel an i~r i~~ allgemein8l' zu ytlrbr4it~D. Ihr G.."
h !E' n s s bestzzht if31'ept Ur:rdTUJEde JEJEd
G€'€'zzhiz~hte. ,.

"Sie lehrt upd lJewjJ:kt die Äusüb'Hlg f$QMUlf ,Pfli.h-


te.JE de€' Mem,ch€'€'z gEigep JEichJ:lel~ .• ~iund 1\nzJ~re, .we11b'le
'dizz Stzmts- ;5l;od bürg€'rJ,i,>hen' (i"".€'&ze ~~€'wiPdm
könne~ und drüc:kt ,dies aus,4u,:cJJ. Cu.tur de.ll prakti-
scd:rn LzzbeiliBsweisheit."
3) In e a b €'h .i[O r fz'z€'ieJE LiliBde
Royal York Z~l Freund.c~af~ in B rJig§ 17~
S. h5 u. folg. sag~ FeIlsIer:
i, Die Freimaurerei ist ein Licbt, welches unsern
Glaaben richtet und leitet; eine Richtschnur, welche IIn-
sere Handlungen regelt, ond ein Band, welches uns im
Bunde mit allen Menschen e..hält."
4) In dem Sendschreiben der ~itglied~r
der am 25. Sept. 5819 guchloasenen Log~ zu
den 3 Hammern im Or. von .Naumburg an der
Saale. 1020 heisst es:
"Die Freimaur.rei ist ein Verein zur Ausbildung,
Erhaltang und praktischen Erweisung reinDlenschlicher
Ansichten and Gesinnungen und des ihnen entsprechen-
den Verhaltens." • ,
Vebrigens sind über diesen Gegellstand nachzuse-
hen: Bürmanns maurerisches Archiv, Mannheim 5809.
Wedekinds (des Freihr.. von) Schriften.· ,Fesslers Schrif-
ten· und das Constitutionsbuch der Loge Archiruedes zu
den 3 Reiasbretern in Altenburg. 1803.-

11. Angaben des Zweck~s der Freimaurerei.


.
Dass es früher so schwer bielt, diesen Zweck klar
and deutlicb auszusprechen, rührte von den schwanken-
den Begriffen ber, die man sicb von der Freimaurerei
zu einer Zeit macbte, die wir ibr Mittelalter nen-
nenmöchten. In der frühesten Zeit wussten die Mau-
rer wobl was sie wollten, aber sie sprachen es nicht
aal; el war Geheimniss. Dann, als die Zeit der Um-
wandlungen gekommen war, ond diele ist es eben, wel-
che wir als ibr Mittelalter bezeichnen, war es schwer,
ihren Begriff fest zu stellen und sicb über die ,'erschie-
aenen Zwecke, die man ihr unterschob, geniigend und
rechte8J'tigend ZII erklilren. In der neuesten Zeit hin-

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- 225
gegen, d. h. in der Humanltltsperiode, all die Maure-
rei in Teutschland wieder von den fremdartigen gerei-
nigt und auf ihre einfachen Principien zurückgeführt
worden war, nöthigte der Sieg der OeWentlichkeit auch
die Maurer JIU Erkllirungen. Von di.sen sonen hier
einige folgen. Das Gemeinsame darin balten' wir für
d88 Wahre.
t) sagt Prich aid in aeinem zergliederten.
Freimaurer:
"Der Hauptzweck und das W esentliehe der Mau-
rerei ist: unsre Leidenschaften zu besiegen, nicht ZR
thun unBern eignen Willen, tägliche Fortschritte ia ei-
ner löblichen Kunst zu machen, und Sittlichkeit, allge--
meine Liebe, Geselligkeit und gefalliges und leutseli-
ges Benehmen zu befördern."
, 2) Fast ebenso drückt sich der Verf. der
Schrift Jachin und Boas aus:
,. Der Hauptzweck der maurerischen Verbindung
ist das Herz zu läutern, den Verstand zu bilden und
soviel als möglich die moranschen und gtselligen Tu-
"r
genden der Leutseligkeit, ohlanständigkeit pnd feinen
Sitten in der Welt zu befördern." .
. 3) In dem altenburger Constitutlonl"
buche wird dieser Zweck BO angegeben:
"auf dem Wege der Humanität das Wohl unsrer
Mitmenschen und dadurch zugleich unser eignes, soviel
"'ir können z" befördern ,e oder wie die Brüder der
Loge Archime4ell in den ersten Heften des Frei-
maurerjournals sich erklärteb: " Der Zweck der Frei-
maurer ist Beförderung ächter Humanität in ..lIen ihren
Zwelgen. u
IV.

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- 226 -
4) Ueber den AolClruek: Humanität eikbirt sieh
eiil Uogenallnter:
"Will man nicht om Worte streiten, .•.• 80 kaoß
man wohl sagen: Der Zweck der Maurerei sei mit ei-
ne m Worte Humanität, d. b. ,ie lehre uns die hohe,
Aufgabe kennen ,und lös.n, in jedem Stande und in
allen Verhältnissen w a h r h a f t Mensch zu sein."
'5) Gleichwohl haben andere Denker an dem Worte
H um a ni t ä t, insofern damit der Zweck der Maurerei
angedeutet werden soU,· Ansto.. genommen bnd finden
es ' ungenügend. Namentlich hat der berühmte Br.
SchuderoW in Bonneburg die vermeintliche Unbestimmt-
heit' des Humanitätaprincips angefochten.. In seinen
"Vorleauogen über den dermaligen Zustand der. taut-
acben Freimaurerei" bebauptet er, diese Rumanit',t sei
ein so weiter Mantel -sei etwas ~ Unendliches und
Unbestimmtes, dass jede Loge, die sieb den Zweck der
Hum'anität letze, eine unauftöubare Aufgabe sieb vor-
nehme und in leeren Bestrebungen lieb verliere i nie
könne da das maurische Wirken in grossen und würdi-
gen EWeeten sich kund thun." Dagegen aber bemerkt
der Becensent in der Jen. lit. Zeit. 1825. Nr. 45. "da.,
wenn man voraussetze, die Humanitat sei Hauptzweck
der Maurerei und der Mittelpunkt des maurerischen
Strebens, dieser überbaupt nur das nocb übrige freie
Feld bezeichne, welches weder von dem Staate, DOCh
von der Kirche, eigenthümlich eingenommen worden
ist, und worauf die Maurerei ihre Tempel ~rrichtet.
Sie bildet also - unabhängig voll,) Staate, wie von der
Kirche" doch beide ehrend, eine pber die Erde verbrei-
tete Gemeine obne Dogmen. Indem nun die Mau-

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- 127 -
rerei lich zum Baue der Humanitlt bekennt, venpricht
lie weder diele noch jene bestimlllte Tugend - sie übt
den Sinn rür Wahrheit und Tugend übtrhaupt und ent-
lisst aus d~m Tempel ihre Söhne, dass sie mit dieaem
Sinne nun wirken, jeder nach Ort, Zeit, Amt,_ Kraft; 10
dw dal Leben im Stillen sich hum~ geltaltet, ohne
da.. man diese oder jene bestimmte Leistung des Budes
sähe, ob er gleich das Gesammtleben v~redelt.
6) Je linger man mit Nechdellken bei diesen An-
sichten und Auuptüchen verweilt, deato mehr wird man
inne, dallS, 10 schön das Licht auch lein mag, in wel~
ehem de.nnach die Freimaurerei erscheint, dem Beweile
für ihre abllolute Nothwendigkeit noch etwas mangelt.
Denn, wenn gleich der Staat noch weniger als dilt Kir-
che d~n humaaen Sinn, den die Maurerei weckt und
nihlt, plagen kann, letztre Ichon darum nicbt, weil
sie in Parteiungen und - Kirchen .erfallen iat, so lieue
-liich gleichwohl eine Anstalt denken, sei es eine eigent-
liche Schulanstalt, oder eilie philosophische Stlhule, der
el gelingen köonte, M e D s ehe n zu bildep" die .on
tolitilflheD~ wie von religiöser Einseitigkeit frei "'liren
,und mithin al~ solche Individuen vor uns ständen, wie
die Maurerei bilden will und soll. Aber, 'Ieid,r I existiren
-Solche Anstalten, laut aller Erfabrung, aUlllethalb der
FreiDianr.erei - nicht. Denn wie vortrefflich auch viele
.Erziehungsantalten sein mögen, so hat jede Bildungs-
,weise, weil sie nothwendig auf Stand ulld Verhältnisse
-Rücksicht nehmen mulIS, gewisse Nachtheile ; jede ist
.mehr oder weniger einseitig, indem sie den Menlchen,
das Individuam zum Regenten, zum Staatsmann, zum
Krieger, zum Gelehrten, zum Künltler, zum GeschäfUl_
15*

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- 2-28

mann, zum Handwerker bildet 8. s. W. obne die ge-


mein mensch liebe Bildung ins Auge zu fassen. J>iess
thut aber die Freimaurerei und deshalb ist sie nicht
nur nothweodig, sondern auch - unentbehrlich und
zwar - für Alle. Damit ist indess nicht gesagt, dass
Alle - Freimaurer werden nlüssten; sondern Dur das
wird damit ausgellprochen, dass Alle sieb unter dem
wohlthätigen Einfluss maurerischer Wirksamkeit wohl
fühlen sollen. Und sie werden dies auch um so mehr,
je treuer und gewissenhafter diejenigen, welche MaiJ-
rer sind, die Grundsätze der Maurerei liben. Am scbari'-
sinnigsten nicbt nur, sondern, was mehr ist, am rich-
tigsten und wahrsten erklärt sieb daher über Zweck
'und Nothwendigkeitder Maurerei, Ficbte in den Eleu-
sinien Seite 32.
" Dieser Zweck kann nur durch Ausgehen von der
grössern . menschlichen Gt'sellschaft und durch Abson-
derung von ihr· erreicht werden, und be!ltebt darin, die
Nachtheile der Bildungaweise in der gl'össern Gesell-
schaft· wiAlder aufauheben, und d1e einseitige BilduDg
für den besondern Stand. in die gemeinmenschliebe Bil-
dung, in die allseitige des ganzen Menschen ab Men-
schen, zu venehmelzen."
7) AuchWieland in den Analecten der Frei-
maurerloge Amalia, Weimar 1820, gesteht der
Freimaurerei einen erhabenen Zweck zu, tadelt aber
verschiedene Audrucksweisen, deren sich die Freunde
derselben bedient baben. Er sagt: "Ein hocbverdien-
ter Bruder (Schröder) äussert: "Sie soll das Band der
Eintracbt und des gegenseitigen Wohlwollens zwischen
Menschen wel'den, welche sonst durch Religionsbegriffe,

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229 -

Erzi~hu"giI\'orurlbeile oder Nationalverbllltnl.e in ei-


niget' Entfernung leben würden." Dies iliebtdenn auch
Wieland für einen du wohlthätigsten Zwecke der Mau-
rerei an, aber er hlUt es nicht für richtig gesprochen,
wenn hi~zugesetzt wird: ., Sie soll bewirken, was we-
de.-der Staat, noch die Kuehe bewirken können; ducb
sie soll die innere Tugend ond Rechtschaffenheit ver-
mehrt und verbreitet werden. " Er meint nehmlich,
wenn man 80 sRge,' nehme man Staat und Kirche wie
sie sind und immer waren~ aber man denke sich die
Mauruei, wie sie in ihrer höchsten Vollkommenheit
sein könne. Er hält es daher ·für Parteilichkeit für. das
Institut, wenn man behaupte: die Freimaurerei, wie
sie bisher war und ist, habe in dieur Beziehung grös-
sere Verdienste um die Menschheit als Staat und Kirche.
Beuer sei es daher, meint er, man sage: die drei durch
die Worte, Staat, Kirche I Freimaurerei bezeichneten
Begriffe sind ehen so viele Ideale, und müuen, als so1.
ehe, in ihrer Moh.teb, möglichen Vollkommenheit ge-
dacht werden. Sobald dies geschieht, zeigt sich's, dass
innere Togend und Veredlung der Menschheit ihr ge-
meinschaftlicher und letzter Zweck ist, welchen jedes
durch die ihm eigentbümlichen Mittel und Wege zu er-
zielen sucht u. s. w.
So wie Wieland hierdurch das Wesen und den
Zweck der Mauruei ganz riehtig angedeutet bat, eben
BO klar ist durch ihn, und BIO besten gerade da, wo er
der Ansicht Schröders widersprechen will, die Noth-
wendigkeit der Maurerei bewiesen. .
8) ·":ndlich erklärt sich der Bruder Wendt ·in der
Schrift: Ueber Zweck und Mittel, Gegenwart und Zu·

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- 130 -
kanrt der Freimaurerei a. s. w." Leipzig bei F. C. W.
Vogel 1828, folgendermaassen:
"Sonach ist der Zweck dieses Vereins, wenn wir
das Geschichtliche und die Idee lIUsammenf8118en, Eini-
gung der durch Stände, Staaten und andere Verhält-
niHe getrennten Menschen zu eiDer Menschheit mit~
telst einer gemeinschaftlichen, an Symbole geknüpften
Betrachtung aller reinmenschlichen Zustände und durch
gesellige Förderung aller wahrhaften und wesentlichen
Zwecke der Menschheit. c,
Fassen wir nun alle einzelnen Merkmale, die in
obigen Begriffsbestimmungen der ·Freimaurerei beigelegt
sind, so wie die in den Angaben ihres Zweckes enthal-
tenen _gemeiDSllmen Andeutungen zusammen, so finden
wir folgendes, wahncbeinlich halt~Bre Ergebniss:
Die FreilDaurerve..brüdenmg ist eine durch frei-
wi11ig eingegangene Verhindlichkeiten .und ange-
nom~ene nothwendige Gesetze zusammengehaltene
Gesellschaft, welche, wie früher zur Errichtung
herrlicher Denkmäler der Baukunst, 10 jetzt zum
geistigen Bau am ionern Menschen berufen, im
Licbte der Religion Dnd Wissenschaft, vornehmlich
der Selbsterkenntniss, eine reinmenschliebe Gesin-
nung .zu erstreben und durch edles freies Handeln
zu bethlitigen sucht, und deren Mitglieder in Aner-
kennung der durch die verschiedenen Biidungswei-
sen gestörten, durch IRtaat und Kirche seIhst aufge-
hobenen, aber im Menschenwesen dennoch vorhan-
denen Gleichheit sich brüderlich lieben und dadurch
die Summe des Erdenglücks (für sich und· Andre)
vermehren. Da aber die Werkstatt einer zu sol-

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23t

cbem .Zwecke v.ereinigten Brüderschaft niebt vor


aller Welt aufgeschlagen werden kann t umgiebt
sie sich mit dem Schleier des Geheimnisses, wel-
ches die Symbole als' Lehr - und Lernmittel und
Antriebe flum Guten ver·birgt, ohne jedoch dieses
Geheimniss zu einem undurchdringlichen machen
zu wollen, denn hier heisHt es:
Porla pale,., ello, nulli claudatur Aone,(o,
das Komma nehmlich da gesetzt, wo es in der In-
schrift auf Carcern nie h t steht.

Vergleicht man nun diese Zusammenstellung mit


dem, was .der Herr Verf. der Freimaurerei über den
Zweck derselben theils mit klaren Worten ausspricht,
theils hin und wieder andeutet, so bemerkt man leicht
den Irrthum, in welchem er befangen ist. Indem er
ihr einen reinreligiösen Zweck unterlegt, macht er sie
selbst zu einel' Religion und bringt sie demnRch folge-
recht mit den Religionen des Erdkreises in Verbindung.
Auf diesem Grundirrthum beruht das ganze Werk. Da-
her ist der erste Theil blos hypothetischen Inhalts, aber
die Hypothesen widerlegen sich selbst und es bedarf
keiner hohen Kritik, um sie unhaltbar zu finden. Desto
grössern Werth haben die folgenden, mehr geschicht-
lichen Theile des Werkes, und selbst wo sie nur die
Geschichte gewisser Verirrungen auf dem Gebiete der
Freimaurerei bischreiben , sind sie interessant, theils

weil sie den gegenwärtigen Zustand der verwandelten
Maurerei im Ausland mit grosser Genauigkeit darslellen ;
theils aber auch weil sie uns lehren, auS welchen Quel-

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- 232 -

len die mancherlei lOoderb.ren Erscheinungen gt'ftolsen


sind, von welchen die Maurer ait geraumer Zeit Zell-
gen waren.
Wir schlieaen hier diese Bem~rkungeo und über-
geben sie den verehrten Lesetb mit de.n W uoscbe, dalill
sie dieselben für keine gans unnütse Zugabe zu dem
Werke des Herrn ß. de S. halten mögen.

~.-

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Während des.Druckes erhielten wir von dem Herm
Verfasser noch folgende beiden Nachträge.in der Hand-
schrift lIlitgetheilt und glauben sie unsern Lesern nicht
vorenthalten zu dürfen.

Er 8 t erN ach t rag.

Aufschlüsse fiber die Freimaurerei in den ö.terrelohlchen Niedlll'-


landeIl.

Die ,"'",ale, Maf0'l""'1ue, d, la Be/gigue behaup-


ten, einer irn J~hre 17$7 ge~hlagenen Denkmünze Z\~­
folge, dass erst damals die, Freimaurerei in ct~em
Lande eingeführt worden sei. Wir haben das; "LitJ,e
dei CO,.,Ut"tion, deI Lo~el de, Pay,-Ba, Autr.cIti-
en" avec lei 110,.,
dei .e..6re" '1'" le, co,apo,e"t,"
vor UDS liegen, Es ist zwar von einem splltern Jahre,
nehmlich vom Jahre 1770, aber aus den alten Consti-
tutionen, die es enthlllt, ersieht. man, dass die Maure- •
rei in den Niederlanden verschiedene Ordenshäupter
nach einander anerkannte, die der Grossloge von Eng-
Illnd völlig frem4 waren. Es wird daher dieser letztern
die Verbreitung der Maurerei in den dortigen Gegenden
mit Unrecht zugeschrieben.
In diesem Buche,· Seite 211, liest laan I dasll die
Loge in Mons, la Parfaite U"'OIl, von dem Herzog
vo.. Montagu schou ,anl 24. Febr. 1721 gestiftet wurd."

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und zwar zu Gunsten des L8rds Warton *), welcher
sie später dem Sir Stanhopeüberliess,. bis sie von dem
Marquis de Gage aufs Neue bestätigt wurde.
Dieaer Mann, welcher in den vielseitigsten Ver-
bindungen stand, suchte mit grossen K6sten der Mau-
rerei Glanz zu verleihen und gründete mehrere Werk-
stätten. Da es damals mehrere von einander ganz un-
abhängige Systeme gab, 10 war sein Wunsch eine
Vereinigung derselben zu Stande zu bringen, und selbst
als Director und Grolsmeister an die Spitze zu treten.
Er bemühte sich allo die Autorisation der Grouloge
von England und die Ernennung zum· Provinzialgross-
meister zu erhalten. Nachdem in dem genannten Buche
diese Thatsache erzählt worden ist, folgt ein General-
Verzeichniss der von dem Generalgrossmeister Bruder
Henri von Sommerset , Herzog von Beaufort , in den
·österreiehschen Niederlanden constituirten und nnter
die Leitung des Sr. Franz Bonaventura JOleph du
Mont, -. Marquis de Gage, gestellten Logen.
Ebendaselbst wird berichtet, dass die Loge de
l' Union zu Brüssel von dem Grillen von Clerrnont,
National. Groumeister von Frankreich im Jahre 1742
gegründet und am 19. Juni t7t3 vom nunmehrigen
Provinzial - Grossmeister de Gage aufs Neue consti-
tuirt.
Auf gleiche Weise constituirte der Baron von Bot-
zollaer die Loge La Bietifai,ance zu Gent und man
weiss, dass dieser Mann es war, welcher die holJändf..

') Soll diess heissen, der Herzog habe sie geBtiftet und
den Lord als Meister vom Stuhl eingesetzt'

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- 235 .-
sebe Freimaurerei von der Grouloge England unab-
hängig gemacht halte.
Die Loge La BOlllle Amille zu Namur wurde von
dem General Ooyton, Gr088meister der Loge von Edin-
burg 1770 gestiftet und jeder unterriohtete Maurer
weiss, dass das System dieser Loge ein ganz andres
war, als das der Loge zu London, und dass die
Trennung di.ser beiden letzten bis zu . der .ben er-
wähnten Convention vom t3. December des Jahre.
t8t3 dauerte.
Demzufolge hatten die Niederlande schon vor de
Gage mehrere Systeme und die Logp.n verschiedene
Oberhäupter und Behörden. Als er aber die von ihm
beabsichtigte Vereinigung begann, constituirte er sie
von Nenem nach dem System der Grossloge von Eng-
land, behielt aber die höhern Grade bei, welche jene
nicht anerkannte.
In den Logenverzeichnissen der damaligen Zeit
findet man die angesehensten Männer des bohen Adels
und des Gelehrtenstandes , die ersten Civilbeamten und
die vornehmsten Geistlichen. So nennt das Verzeich-
niss der Loge L'lteureu.e Rencontre zu Brüsse) von
t770- 1784 unter ihren Mitgliedern den Marquis de
Chatelles (Meister v. St.), den Grafen Duvas van der
Noot (I. Aufs.), den Herzog "on Ursel (Redner), den
Prinzen von Aremberg, den Prinzen von Ligne, den
Grafen von Kaunitz, den Grafen von Ademar (be-
vollmächtigten Minister von Frankreich), den Baron
Doop (Minister Hollands), den Prinzen Car) von Hes-
sen - Rheinfelden, den Grafen d'Outremont und mehrere
Andre.

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- 236 -

SIll_, Granden von Spanien, Malteserritter o. 8. W.


siebt man in solcben Listen.
Die -Loge in Tournay: LeI Frere, re,,"ä, zählle
onter ibre Mitglieder den Gro..vicar "on Tournay, den
Groavicar· der Kathedrale von TOl1rnay und noch fünf
andre Geistliche von hohem Ran~.
Auch andre Logen wurden von angeseh~aen Geilt-
liehen besucht. Jetzt Jst die.. anders, weil der Des-
potismus ond die EiCenocht dei Römischen eleru. die
Brüderschaft 8Dschwärzen ond vedolgen.

...-

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Zweiter Nachtrag.

Chronologischer Abriss der Geschichte der Freimaurerei in Spunlen,


,in Mejiko, in Südamerika und andem .panischen Besihun,en io
Oslindien und auf den kanari.chen Inseln.
(,htBzug aus dem: "Memorandum de, Grand. - Co.mon-
,deur. et Con,eil. Supr/me, deI Grand, - In'peeleur. Gi-
IIeraflz, Chef'. COII.er1Jaleflr. et flrfli. Prolecltlflr. de
fOrdre dll,lI lei B,pII,ne••, dan' le. Inde •• )

Man weiss die. Zeit der Eiaführ....g der 1\1ao-


'ierei in Spaoien nicht genao, ond ebensowenig
kaoD, man 'sagen , woher sie, dahin gekommen
und 'von wem sie eingeführt worden iat.
Aber nach gewiasen Denkmälern in Arago-
nien, Catalonien und Andaluaien, so wie in
Biscaya und Alt - Castilien zo urtheUen, Denk-
Iniler. deren Erbaoung bis in das Jahr t479 zo-
'rückgeht , und wenn man ferner gewiue Pro-
zeasaeten, die in den Archiven des heiligen Of-
ficinua zo Graoada und, in Madrid liegen, zo
8athe zieht, und welche aoa den Jahren 14~3,
1487, 1601, 1559, 1588 ond 1614 herrühren, so
gewinnt mao die Ueberzeugung, dau schon da-
1479. mals in Spanien das Institnt der Freimaurerei
gegründet war. Auf gleielle Weise wird man aber
auch überzeugt, dass nur jene. schreckliche Tri-
bunal der Inquisition und die unbeugsame Strenge
PhUipps 11., so wie die Graos8mkt>it des lIer-

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238
zogs von Lerma, des Günstlings Philipps 111.,
die geheiligte Fackel des maurerischen Lichts
verlöschen machte.
Mehr als ein Jahrhundert verfloss, ebe sie
wieder angezündet wurde, leuchtete aber nur
schwach einige Jahre lang, um von Neuenl ZII
verlöscheu•.
1721. . In. Jahre 1721 kehrte ein Sprössling des
berühmten Hauses d' Altamira von jahrelangen
Reisen in Italien, Frankreich und England nach
Madrid zurüc~. Er war zum Maurer aufgenom-
men worden und hatte besonders die Logen ,in.
England und in Venedig fleiasig besucht.
Mit herrlichen' Eigenschafttm des Herzens
und Gei.te~ begabt, suchte er, voll Enthusias-
m.-s, rür die Maurerei t diese in seinem Vater-
. lande auszllbreiten. Bald fand er unter seinen
Jugendfreunden Theilaehmer an seinen Planen
und gründete die Loge San J"... Sie arbeitete
sehr geh~im bald hi~r, bal4 da, bald in Madrid,
bald auf dem Lande, meistens bei einem ihrer
vornehmsten Mitglieder.' Bei den Aufnahmen
. fand eine sorgfältige AUBwahl .taU.. So wurde
z. B. der Marquis von Santa-Cruz aufgenommen.
Die VOflicht, mit welcher man in allen Stücken
verfuhr, schien dem Unternehmen die glücklich-
Bten Erfolge und eine lange Dauer, zu sichern.
Dai Schicksal aber batte es anders bestimmt.
1724. Ein Mitglied der Loge wurde krank und
starb im Frühling des Jahres 1724. Einem Geist-
lichen I der ihm in leinen letzten Augenblicken

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- 139
beiltand,gelang es, ihm nicht nur du G••tlndniss
seiner Aufaabme in den Orden, IOndem auch
das wichtige Gebeimniss von dem Bestehen ei-
ner Loge, 80 wie die Namen derer, die zu der-
selben gebörten, zl1 entreissen. Glücklicherweise
befand sieb unter denselben der geliebte NetTe
dies.s Geistlichen, der Br. Pedro de Revilla. -
Dieser verwaltete eins der enten drei Logen-
ämter und diesem Umstande .erdankten die
Brüder ihr Heil. Der Geistlicbe beschied seinen
NetTen zu sich und theilte ihm Alles mit, was
er entdeckt hatte; auch liess er einige andre
Brüder zu sicb kommen, drohte ihnen, sie an-
zuzeigen und der Inquisition zu übergeben, wenn
sie· nicht das, was er ihre Ketzerei nunte, ab-
BChwören 'würden. Er liess sich von· ihnen mit-
. telst eines auf das Sacrament geleisteten Eides
ver.prechen, dass Bie ihre Versammlungen ein-
stellen und ihre Papiere nebst Allem was auf
jene Bezug habe, verbrennen wollten. Sie ver-
sprachen AUes, was er von "ihnen forderte' und
hielten dem Anscheine nach, auch ihren Eid,
1726. denn von dieser Zeit an bis in das Jahr 1726
findet man keine Spur einer maureriscben Ver-
einigung in Spanien.
Gegen Ende dieses Jahres a~er bUde te Bic'"
eine neue Loge zu Madrid. Sie hielt ibre Ver-
sammlungen in einem Hause auf der Strasse
Sa" Bernardo. Eine Zeitlang arbeitete sie ohne
Constitution, denn Bie bestand meistens ans Mit-
gliedern derjenigen Loge, von welcher wir oben

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- 210 -
gesprochen haben. Auf ihren Wunseh' ertheUte
ihr ab~r gegen Ende des Jahres t 728 die Gross-
loge von Englaod ein Constitutionspatent.
Seit dieser Zeit hat die Freimaurerei in Spa-
nien nicht aufgeMrt, betrieben ZIl werden, ob
sie gleich nur ganz im Geheimen geübt wurde
und noch wird; eine Masaregel, zu welcher die
Maurer durch harte Verfolgungen von Seiten
der -Inquisition sowohl als der Regierung genö-
thigt sind. '
Die neue Loge tr.ennte sich jedoch bald von
, der Gros.loge Englands, welche sie für alle Theile
der spanischen, I1errschaft, sowohl in Europa
als in Indien be.v oll mächtigt hatte. Die Klug-
heit und die Sicherheit ihrer Mitglieder machten
ihr.: diesen Schritt .or: ,Pßicht. Verhähnissmässig
hat sie nur wenig ,Conlltitotionen, 'ertheUt. In-
desllen entstanden 'unter ihrer Aegide doch nu~h-
rere Werkstätten in Caati1ien, Navarra, Catalo-
, pien" Qil\C8YIl ·und Auagonien. '
t73p. Korz, . nachtle... 'Sie ihre unabhilngige Exi-
.tenz ,erst gewonnen' hatte I war von ihr eine
Loge zu Cadiz gegründet I derselben aber auch
:das Constitution.patent bald wieder abgefordert
worden. (In den ersten Monaten des Jahres 1730.)
,~ Vergebens bot diese ).40ge ihrer Mutter aUe Ge-
nugthuungan, die diese fordern würde, um ihr
die Fortsetzung ihrer Arbeiten zu edauben; ver-
,gebens erboten sich die Brüder, deren Aufnahme
der Grund des Missvergnügens der Mutterloge
war, sich zUlückziehen zu wollen; (die.. waren

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- 141

nehmlich Geistliche, die nach den festltehenden


_Bestimmungen gar nicht hätten aufgenommea
werden sollen ,) die ifutterloge blieb taub gegen
alle Aeuaserungen der Reue. I~des. hätte viel-
leicht die Unterwürfigkeit der Loge 'zu CadiJl:,
die Achtung, die aie del' Muttedoge bezeigte,
diese zu eiDem gröasern Vertrauen uod zu' einem
weniger barten Verfahren .veranlassen lO11en.
t731. Diese Unbeugsamkeit der letztern war zu-
letzt die Ursache, dass sich die Loge zu Cadix
aB die Grossloge von England wendete, UDI
eine Constitution bat, und dieselbe im Jahre
1731 erhielt.
1732. Im 'Laufe des folgenden Jahres. theilte sie
der Grossloge von Spanien Abschrift dieser Con-
StitUtiOD mit uild gründete in' Andalusien zwei
neue Logen.
Die Mu'tterloge von Madrid wollte aber we-
der die englische Loge ,in Cadix noch die von
ibr gestifteten anerkennen und verbot deo unter
. ihr stehenden Logen, die Mitglieder jener Lo-
gen zu ihren Arbeiten zuzulassen, ja, sie unter-
sagte ihnen sogar jenen auf ihre gegebenen Zei-
ehen zu antworten. Die andalusischell BrüdH
liessen sich durch dieile. Beispiel niebt irl"e ma-
eben; sie blieben freundlicb und t,r~derlieh ge-
sinnf und zeigten lIich besßer durchdrungen VOR'
dem Geiste der wahren Maurerei. '
Der Gebrauch der Certificate war clamala ~
Doch nicht bekannt. Die Zeichen reichten hi.,'
sich zu erkennen zu gebeR. Diesen Zeicbea
IV. 16

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- 242

batte die Mutterloge noch eines und zwar eins


iler schrecklichsten und bedeutsamsten beigefügt.
Da dasselbe den andalusiscben Maurern schon
vor der Trennung bekannt worden war, so er-
laubte sie sich eine kleine Abänderung und füg-
ten noch ein besondres Erkennungswort hinzu,
welches vor jeder andern Mittheilung ausgespro-
chen werden und die Maurer ihres Sprengels von
den andalusischen Brüdern zurückhalten sollte.
Diese gegen Brüder derselben Nation gP-
nommenen harten Maassregeln, di~se gBgen sech.
Jahre absichtlich unterhaltene Trennung hätte
dem Orden sehr nachtbeilig werden können.
Zum Glück hob ein herbes Missgeschick diese
Trennung wieder auf und vereinigte aufs Neue
4ie spanischen }'reimaurer mit einander.
1738. .Im Monat August des Jahres t 738 war ein
. Mitglied der Loge' zu Guadalaxara beim späten
Nachhausegehen aus der Versammlung, ermor-
det worden. Bei der darüber angestellten Un-
tersuchung fielen der Behörde einige Papiere in
die Hände und verriethen das Dasein dieser
Loge. Bevor noch die sämmtlichen Brüder Nach-
richt von dem Morde erhalten konnten, wurden
JOehrere von ihnen in das Gefängniss gesetzt.
Wenige entflohen; zwei starben auf der Folter,
eiller vergiftete sich, ohne die Namen der Ue-
brigen zu verrathen.
Diejenigen Flüchtlinge, welche sich nach An-
dalosien begeben hatten, wurden. daselbst von

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243 -

den Brüdern der dortigen Logen aafgenonunen,


"erborg~n und unterstützt.
Man muss bemerken, dass gerade um diese
Zeit der Papst, Clemens XII., eine der drohen"-,
sten Bannbullen gegen' die Maurer geschleudert
baUe und· dass dadurch die Inquisition imßlI!I'
mehr angefeuert wurde.
Die andalusischen Maurer trotzten aHen Ge-
fahren, um ibre Brüder zu nUen. Sie vereinig-
ten ihre Bemöbl1ngenlllit denen der Madrider
Brüder, Ulll der Verfolgung der Flüchtlinge EiQ-
halt zu tbun. Endlich gelang es ihnen. Oie
Ungliicklichen kehrten 18 Monate später in ihre
-Heimath zurück. Ihr~ bis dahin s~uestrirlea
O'.l'ter wurden ihnen lIlurUckgegeben.
Dazu karn noch ein andrer Umstand, der
das Verdienst der andalusisehen Logen erhöhte.
Die Trennung. welche im Jahre 1738 in der
Grossloge von England statt fand, konnte Nach-
ahmer erwecken. Diesem neuen Unglück ""011-
1eft Sie zuvorkommen. Sie setzten daher die
Grossloge von Spani~ davon in Kenntniss und
1Ichlugen ihr vor, gemeinschaftlich mit ihr den
. '
Entschluss zu. {assen, dem alten Ritual ohne
Veränderung zu folgen. Dieser Vorschlag wurde
clenn auch angenommea.
Ein solch wahrhaft briidet'licbes Benehmen
bewirkte, dass alle Mitglieder der Grossloge sich
. anfs Neue mit Vertrauen _ an ihre andaillsisehen
)küder aDschloss~n, welche sich ihrerscits f['eiwil-
lig ihrer ersten G.'ünderin wieder unterw8l'fen.
16 ...

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- 244 -

Um jeden unglücldichen Vorfall im Vorau.


zu verhüten, besehlo8S man~ die Namen der
Brüder in den Listen blos IOit Chiffern einzu-
tragen. Und diess war auch recht gut. Denn
die Feinde des Ordens, welche sich in ihrer
Hoffnung, die Güter der Brüder an sich zu reis-
sen, getiuscht sahen, wurden nlJn immer feind-
seliger gesinnt und homer geneigter, jene zu
verfolgen. Es gelang ihnen, den König, zu be-
1740. stimmen, dass dieser .im Jahre 1710 ein 'Edict
erlies., in welchem er den Frebnaurern die här-
teslen Strafen androhte. Gleich den Tag nach
der Bekanntmachung deuelben wurden einige
Freimaurer, und viele höchst achtungswerthe,
aber fiilschlich angeklagte Personen in Madrid
1Hl~ in andern Gegenden d'es Königreichs verhaf-
tet, in Kerker geworfen und ihrer Güter beraubt.
Nur wenjg~ von ihnen erlangten ibre Freiheit
wieder, nachdem sie die schrecklichsten Leiden
ausgestanden und die grössten Opfer gebracht
hatten. Mehrere starben in den,Gefängnissen; an-
dre. wurden in die Bergwerke geschickt. Unter
den letztern waren mehrere Maurer, welcbe mit
Hülfe ihrer Brüder in, fremde Länder entkamen,
wäbrenll 'ihre Familien durch unbekannte Hände
überflüssige Unterstützung von den Mitgliedern
des Ordens erhielten.

Die portggieaische Regierung war anterdeu


in Verfolgung der Freimaurer nicbt minder tbitig.
Gleichwobl wurden hier die Bemühungen der ge-

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IChickten und liatigea Diener d. fnq,lisition
lange Zeit vereitelt.
1742. Im Jahre 1742 jedooh veruHachte .lie
Un-
vor.ichtigkei~ eines gewislen Juwelin Coustos,
eines Engländers von, Geburt. der sich in Lis-
..bon niedergeiasIen hatte, ein atreDses Verfah-
ren gegen ihn selbst und einen andern Bruder.
Beide worden gefoltert und sor Galeere ver-
dammt, litten aber Itandhaft ~ ohne Jemand wei-
ter 1110 verrathen. Erst ioa Jabre 1744 wurde
Coolto~ auf Requisition des Lord. Ward, welcher
an der Spitllle der GroNloge von England stand,
in Freiheit gesetst. Der Alldre, ein Franzose,
Itarb in der Verbannung.
1743. Johann V. entdeckte im Jahr. 1743 aber-
mals Spuren der }'reimauterei in seinem Lande
und schrieb neue strenge Mas.regeln gegen die-
selben vor. Civil- und geistliche Behörden wü-
theten gegen den Orden. Mehrer. Maurer ver-
liesSf!n ihr Vaterland auf inamer. Andre bega-
. ben sich unter angenommenen Namen in die mit":
täglichen Provinzen Spaniens. Die Maurerei er-
losch in Portugal.
1744. Um einem ähnlichen Schicksale zn entgehen,
sendete die Greasloge Spaniens Deputirte' in alle
• Provinzen, n~ die Brüder zu grüHerer Vorsicht
IIIU ermahnen. Sie rieth zu einer sorgfliltigern
Auswahl bei Aufnahmen und verbot jede Art
von Indiscretion, die den Orden compromittiren
konnte. Auch gaben diese Depotirten jedem vor-
sitzenden Meister eine Chiifenchrift, deren die-

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- 2'46
. r sieb bei. der Correspondante mit der Grosll"-
loge bedienen sollte. Aber diese Geheimschriften
waren von einander verschieden, und keine Loge
hatte den Schlü~el zu denen der übrigen. Al-
len Logen war zugleich angerathen , dieselben
nur höchst selten zu gebrauchen und überhaupt
Rlit der Mutterloge . nur in sehr wichtigeR Fällen
. zu correspondiren. Es war ihnen verboten da.
Geringste in dem Ritual zu ändern. Ein beson-
deres El'kennungs z ei ehen wurde für die spa-
nischen Maurer e,fllnden, welches diese keinem
Andern mittheilen durften. Auch ein neues Er-
kennungs w.tl r t hatte loaB eingeführt. So hatte
man mehrere Vorsicbtsmaassregeln ergrimm, um
sich gegen die Inquisition zu schützen.
1745. Zu Anfange des Jahres 1745 kamen zwei
junge Herren, der Bruder, Herzog de Arco, der
-eine Bedienung am spanischen Hofe hatte, und
. tier Bruder, Marquis de Monte Allegri vom .Hofe
zu Neapel, nach Madrid. Der erste kam ault
tlem ~orden Europas, der Andre aos Italien.
- Beide hatten die höchsten Grade der Ma~."ner"e
d'Orient vom System der Perfeetion. Jener war
Mitglied der Grossloge voo Spanien und bewirkte
die Affiliation des letztero- und nun eröffneten •
I Beide ein CII"pitre lo""erain de BOle· Croü:,
ein hohes Tribunal von -K. '. d.·. S.·. und ein
Gross - Conseil der Kaiser von Orient und Oe-
. eident. Dieses letztre hatte die oberste Gewalt
über die Logen, da. TribuDBl und das Capitel.
Die spanischen Maurer nahmen diese Einrichtons

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an und unterwarfen sich einmüthig dem Conseil.
Letztres war a~fänglich aus den Mitgli"dern der
Mutterlogen von Madrid und Cadix und aus den
drei ersten Würdenträgern der übrigen Logen
zusammengesetzt. Doch mussten sie irn Capitel
Rose-Croix und im T.ribunal von K.·. d.·. S.·.
aUe Grade der Perfectio'llt erhalten haben. Indess
zählle das Conseil (sowie das Tribunal) nur we-
nig Mitglieder. Die Grossloge wurde eine Sec-
tion davon, fuhr fort in die symbolischen Grade
einzuweihen, ü.berliess aber die Regierung des
Ordens dem ConseU, als für dieses allein ge-
hörend.
Die neue Ordnung der Dinge machte eine
Revision der alten Reglements der Grossloge nö-
thig. Eine Commission wurde mit diesem Ge-
schäft beauftragt und legte drei Monate später .
dem nrsammelten Conseil seine Arbeit vor.
Nachdem dieses darüber discutirt 'und einige
kleine Aenderungen gemacht hatte, überga.b sie
die Sache einer andern Commission, welche ih-
ren Bericht darüber und die neue Arbeit erst im
t7S1. Jahre t75J ablie(ern koonte. Diese wurde dann
approbirt und von allen· Anwesenden hn Namen
der slimmtlichen spanischen Mau!:er beschworen.
Diess geschahe am 6ten Tage der 3ten Woche
des Monats September.
Die ErrichtQng dieses Conseils ·gab der Mau-
rerei einen festen Halt ,und die Weisheit der
Brüder, . die überall die zweckmässigsten Maass-
regeln ergriffen, trug viel dazu bei, sie gegen

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- 248 -

Auslen zu Ichütz8n. Das In.-titut war auf die


durch ihre Verdienste, Toleranz' und Rechtlich-
keit ausgezeicbnetsten Personen aller Stlinde be-
Ichränkt. Und diese gute Zusammensetaung war
der Grund der Sicherheit der Brüder.

In demselben Jahre (1751) erHess der König


Ferdinaoo VL Buf den Grund der ein Jahr frü-
her bekannt gemachten Bannbulle des Papstes
Benedict XIV. und einer vom Pater Ferrubi~,
Revisor des heiligen Officiums angebrachten An-
klage, ein Schreiben, in welchem er die Ver-
sammlungen der Freimaurer in seinen Staaten
verbot. nen Ueber.tr~tern war darin gedroht,
dass sie sollten für Staatsverbrecber erklärt und
als lolche gerichtet werden.
Als Trene und Gehorsame, aber über ibre
Pflichten vollkommen aurgeklärt, und im Stillen
lenfzend übel' den M~ssbranch, den Unwissen-
heit, Aberglauben und Intrigue mit der Religion
des besten der Könige trieb, verdoppelten die
Ipanischen Maurer ihre Vorsicht und Wachsam-
keit und ..etzten ibre Arbeiten in der SiiJJe fort.
Das baehste Conseil, dem daran lag alle Mittel,
die zu einer Entdeckung führen konnten, erfolg-
los zn machen, schärfte den Brüdern ein, nur
solche Beichtväter zu wäblen, welehe selbst. ini-
tiirt waren, und denen gab es sehr viele. Jeder
A.ufzunehmende sollte künfti~ seinen Beichtvater
bennen, damit man wille, wer er sei. In dem
Fallet dass dieser ein Mitglied des Ordenl war,

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- 219 -
machte sich der Neophyt mit .einelB Proponen-
ten auf das strengste .erbindlich, denselben nie
zu wechsfIIln. War der Beichtvater kein Mau-
rer, so musste der Aspirant einen andern wäh- .
len, der es war. Irn Augenblick der Anfnahme
selbst wurde die.. nochmals beschworen. Ein
andrer Eid wurde auf die heilige Schrift abge-
legt, niemals auf eine Frage zu antworten, die
ihm von einem Geistlichen oder irgend einem
Nichtmaurer in Bezug auf Freimaurerei vorge-
legt wellien möchte, hauptsächlich in dem }'alle,
wenn er, von seiner gewöhnlichen Wohnung ent-
fernt, genöthigt s..in sollte, bei einem andem,
als' leinem eigentlichen Seellorger zo beichten.
Die Vernachlässigung dieser Vorsichtsmaassregel
worde sehr streng bestraft. (EI war Todesstrafe
darauf gesetzt.)
t756. Im Jahre 1756 kehrten einige Mitglieder spa-
nischer Logen von ihren Reisen aus dem Ausland zo-
rück und brachten Aßiliationspatente mit, welche'
ihnen von den Logen milgetheilt worden waren,
die sie besocht und in welchen sie höhere Grade
erlangt hatten. Einige spanische Logen glaub-
ten diesen Gebrauch der Certificate ebenfalls an-
nehmen zu könoen. Aber das höchste Conseil
fand ihn nicht angemessen und widersetzte sich
der Einführung desselben aus aller ~ilcht. Die
Logen bestanden nicht weiter auf ihrer For-
derung und billigten die Vorsicht, welche der
Opposition von Seiten des Conseils zum Grunde
lag.

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- 250 -
1767. Im Jahre 1757 -aber brachten die grolle
Pro!iDzialIoge von Cadix, die Loge von Barcel-
lou und einige andre Logen in den Seestädten
die Frage bei dem Conseil wieder in Anregung.
Sie stellten vor, dass; da alle auswärtigeR Logen
ihren Mitgliedern Beglaubigungen einbändigten,
um die Qualität der Inhaber daraus zu erken-
nen, die spanischen Maurer der Gefahr ausge-
Ile~zt wllren, sieb den Eintritt in die Logen ver-
sagt zu seben oder nicht anders zugelassen zu
werden, a)s wenn sie die Receptionskosten noch
einmal erlegten.. Auch diess konnte das Conseil
nicht von der Zweckmässigkeit der Certificate
überzeugen. Es a~twortete: "Der Umstand
eben, dass diese ß.eglanbigungen die Aufnahme
ihrer Inhaber bestätigen, bringt diese letztern in
Gefahr, wenn jene durch irgend einen Zufall in
unrechte Hände kommen. Es fügte ~inzu, dass, "'
da der Eid gleiches Inhalts mit den Statuten
wäre, kein Bruder widerstreben dürfe, da er
sich mitte1st jenes diesen in allen Pu~kten un-
terworfen habe." Um aber das System so viel
wie möglich mit den neuerdings in auswärtigen
Logen eingeführten Gebräuchen in Einklang zu
setzen, wurde bewilligt, dass die Mitglieder des
Bundes, welche ausserbalb Spanien JCu reisen ge-
dA_chten, Creditbriefe an irgend einen angesehenen
Maurer des Landes, welches die Reisenden besuchen.
würden, erhalten sollten. Aber es wurde verbo-
ten, etwas in diese Briefe zu setzen, was den
Ausstellern oder den Inhabern gefährlich wer-

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- 251
den könnte. Diess schien den Ne~erern gnügen
zu müssen. Aber sie enthielten sich nicbt aller
Nachahmung. Später werde~ wir sehen, wozu
das Beispiel und dann die Nothwendigkeit sie
verleitete.. ,. Wir werden sehen, wie das Conseil
in- einigen, wiewohl sehr seltenen Fällen von
der Strenge seines BeschloHses in Bezug auf
diesen Punkt nachliess.
Noch im Laufe desselben Jahres verordnete
dasselbe, dass die fremden Maurer, die in Spa-
nien reisten, niemals in die unter ihm arbeiten-
den Logen zugelassen werden sollten, wenig-
stens nicht, wenn sie nicht als voHkommen ver.
schwiegene Brüder bekannt wären , oder sieberr
Monate in der Stadt, deren Loge sie besuchen
wollten, gewobnt. hätten, während welcher Zeit
sie im Geheim aber sorgfäftig beobachtet wor-
den sein müssten. Dabei schrieb es den Logen
vor, so viel sie kÖ!lnten, den Bediirfnissen der
fremden Maurer abzuhelfen, ohne sie ihre Exi.
stenz vermuthen zu lassen,. da die W ohlthätig-
keit eine unsrer ersten Pflichten sei •.
1769. Im Herbst des Jahres 1759 wurden mehrere
Edelleute von grossen Verdiensten zu gleicher
Zeit in Madrid aufgenommen.
1760. Im Jahre 1760 ertheilt das Conseil den Brü-
dern d ~ Roh a n und d e J 0 i n viII e geheime
Vollmachten, 11m als seine Repräsentanten auf
einer grossen Generalversammlung des Ordens,
welcher ausserhalb Spanien gehalten werden
lollte, zu erseheinen.

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2551; -

n63~ Der Mar~luis de Duvas, Gesandter des Kö-


nig5G wwn Fnm51;reich am dew Ilönigs
KarIs 111., wohnt den Arbeiten Ger Grossloge
von Slanien b5Gi, in ,+5Ge]cher der ehrwürdige
Pat5G5G Don L~5G5Genzo d5G meh-
rere Marineofficiere aufgenommen werden.
begi5Gz5Gzi die G5G,+zzhichte
der regelmässilig00n Eh01iliffibrung Freimzmrerei
in den spanischen Besitzungen in Amerika. Der
im 17121 00ufgew~E0zmene 176{"1 den
höhern Graden~ heförc:lene Bru01er Don lose de
Galvez, im Begriff, eine Missionsreise nach
Mejl00i0 anzutr5G00ZW', wntd wum (~5G505GrRl­
ernannt mit der Vollmacht, in Neuspanien und
andern Theilen Westindiens maurerische Gesell-
zu iiil,0zn und
1772. Er gründet eine Loge in Mejico und nimmt
in di5G5050lhe die 00usgez00idmetst5000 zmd aZ0100 0zklär-
test0050 l°ersOg5G00 d'es Mo-
nate später stiftet er eine Grossloge.
Jahr00 b74 er Spa00i0000 zu-
rück. Seine Feinde hatten sich bemüht, die Re-
gierung gegen· ihn - einzunehmen. Aber ohne
selbi4± 0ZZwas Z00 mnssen ,+w00fd'e durch
die mejikanischen Maurer so gut gerechtfertigt,
dass nichts mehr das Vertrauen erschüttern konnte,
der 8Z01 ihn Se0ei00. E00 00,hielt
vielmehr neue Beweille diesel königlichen Ver,
trauens~ Seine Abwesenheit that den Fortschritten
der in A0W±0Wdka Eh±&n0g.
779. Ighk Jahrktr 1779 lässt
Bernardo, in die höltrern Grade aufnehmeo,
ktrktrhoo Frktrokreich mehrere ,derselben erhalten
batte.
d80. diektrktrktr Brudktrktr in dktrr eiktrktrktr
Gouverneurs nach Louisiana abging, wurde er
ICK,it d&:itICelbktr%g Ma::ht bekleidet, welche' frühel"
ICdoem d:rthedi wordktrktr wad Er D'#:§:#Ari"lf:#::
dieselbe: um die Freimaurerei in diesen Gegenden
ktrknzubThltrren imd . in ltr'lktrKida melcbktrktr
er im Jahre 1781 nahm. Die Loge und das
(~apitktrl wel::;bktr e:t dktrm vxm
Louisiana, das an seiner Expedition Theil
ktrktrhm #'rricbEktrTI; ardICitete San :,:,:,,,",u,a:,::
bis 1783, in welchem Jahre sie entschlummert
seiktr scheiZBt:

1784. Der Bruder Bernardo de Galvez erst zum


b~rafeZB, d.anfh ffum VOZB ktrKeJlc:: ::ICnanZBR,
gab dem Institut ein neues Leben. Er hob die
Wiktr:5er un:1 eiktrktr nektrktrf
ein Grosscapitel und ein Con!ileil. Diese wurden
kträmmdif;h Ciif unadhdngig ZBktrn Gr:JJKloge
Spanien erklärt. Neue Masuegelo wurden er-
briffelYDf um hktrs deJ zu
wahren und das Gedeihen der Arheiten zu for-
dktrro. Das bICktrsse C::oseil ktrktrO Sb"oien erkannte
dktrn GrZBIJil dktr GalvktrZB in dDsr Eibktrnschktr(@:
eines Sou ver a i n des Sou ver ai n s für alle Be-
Siffift%iens ktrZBf dJm COktr®:inent [md
den loaeln an.

o
- 254 -
Das Conseil ,'on Neuspanien gründete zwei
Logen; die eine iu Guatemala, die· andere in
Compuella.
1785. per Vicekönig, Brud!r Graf de Galvez, um-
geben von seinem Hofstaat, bei welchem sich
die vornehmsten Mitglieder des Conseils der
Gross10ge befanden, legte im Jahre 1785 den
ersten Grundstein zu dem Tbeater ,von Mejico.
(Niemand hat für die Civilisation und das Wohl
dieser Gegenden mehr gethän, als dieser würdige
Bruder.) Wenig Tage nacJther legte'" er den er-
s~en Stein zu: einem Schlosse, welohes ihm und
seinen Nachfolgern zum Landhaus dienen sollte.
Hier wurden die Versammlungen der Grossloge
und' des Conseil gehalten, dessen Chef ~r war.
Um diese Begebenheiten zu: verewigen, wurde
in Mejiko eine Medaille in reinem Golde und
zwar in 29 Exemplaren (die Zahl der Jahre des
Vicekönigs) ausgeprägt. Sie ist heut zu. Tage
sehr selten.
1186. Das höchste Conseil von Spanien orgftnisirte
sich nach den neuen Constitutionen des Ordens.
Der Baron von Noruna, Mitglied dieser Behörde,
bringt die neue Organisation des Systems in 33
Graden nach dem Rite primitif nach Mejico. Das
grosse Conseil von Mejico erhebt sich zum Gross-
conseil des 33sten Grades. Galvez wird zum
Gros8Commandeur ernannt und erwählt den Bru-
der Noruna zu seinem taten Lieutenant.
1787. . Dieser letztre reist iu die Provinzen von
Südamerika und erhält aUlgedebnteVollmacht,

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- 255

die Grade des Ordens zu verleihen. Nachdem


er mehrere Logen gegründet hat, unter andern
ei~e zu Caracas, wird gegen das Ende des Jah-
res 1787 in dieser Stadt ein Gross-Conseil für den
Triangel von Venezuela und den ganzen Conti-
nent des spanischen Amerikas u. s. w. gegrün-
det. .Das Souverain-Conseil vo.n Mejieo erkennt
es im folgenden Jahre an, erhebt etI zu einem
Supreme-Conseil des 33sten Grades und erklärt
es für unabhängig. Viele Geistliche, Bischöfe
und Erzbischöfe, die Chefs der Civil- und MiIi-
tärbehörden lassen sich in den Orden' aufneh-
men und zeigen vielen Eifer.
t 792. Die Unruhen der französi!lchen Revolution
bedrohen das spanische Amerika und veranlas-
sen die Brüder, ihre Arbeiten einzustellen. Viele
Mitglieder gehen nach Europa.
t 794. Wiederanfang der Arbeiten des höchsten
Conseils von ~üdamerik~. Der Marquis von S.
Rosa empfängt die höhern Grade und tritt im
Orden an die Stelle seines zu Port au Prince
t 792 im Krieg gegen die Republikaner gefallenen
Onkels. Verläumder hatten den Grafen Galvez
delll Hofe verdächtig zu machen gesucht, als
wollte 'er sich zum Herrn der Besitzungen von
Amerika machen. Im Augenblick, wo er zurück-
berufen werden sollte, stirbt er auf eine uner-
warte,te Weise bei einer Jagdpartie. In .demsel-
ben Jahre empfängt der Orden in diesen Gegen-
den einen harten Schlag. Das höchste Conseil
von Mejico Itellt leine Arbeiten ein.

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1796. Der Baron ven Noruna stirbt. Der Marquis
von Rosa "Wird an seine Stelle zum Grosscom-
mandeur erwihlt. Die durch seine Berufspflich-
ten nöthig gemachte Abwesenheit deBlelben, so-
~ie die Abwesenbeit seines 1st~n. Lieutenantll,
Br. von, Saa~edra, und die Nachlä~aigkeit des '
2ten Lieutenanta schaden der Maurerei ausseror-
dentlieb. Dennoch werden mebrere neDe Lo-
gen gegründet. Die Correspondance mit dem
Grosscommandeur leidet in Folge des Seekriegs.
Die Groslofficiere des höchsten Conseils von Me-
jico schicken ibre Acten . an das höchste Conseil
von Süd amerika , welchem sie lich unterwerfen.
Die mejicanischen Maurer setzen der Tochter
dei Brnders Grafen von Galvez eine Pension aos.

1797. Der Grosscommandeur zeigt seine Abreise


nach Eur9pa an und schreibt Erhaltungsmaassre-
geln vor, welche nach und nach vernachlässigt
werden. Seine Correspondance' wird durch den
Krieg unterbrochen. Das höchste Conseil ver-
liert mehrere' seiner eifrigsten Mitglieder dorch
den Tod oder ibre Abreise nach Europa.
1801. Das höchste Conseil erlässt ein Decret, wor-
in el seinen I"ogen die Erlaubniss ertheilt, sich
seIbit zu regieren, behAlt aber den Gr08lOfficie-
ren das Recht der Inlpection vor, sowie das Recht
MaRIsregeln 1111 miBlbUligen, welcbe den Funda-
mentalgeietsen des Ordens oder den Deereten des
böchlten CODseils zuwiderlaufen möchten. Die
,rösste Vorlicht wh:d' nochmala empfohlen, be-

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- 257
sonders bei der Wahl neuer Mitglieder. EI wird
vf'rbolen in den Städten, wo sich schon I.. ogen
befinden, nf'ue zu sliflen, noch in einem Um,'
kreise von sieben Lielles, und ebenlo wird
auch die Correlpondance mit auswärtigen Logen
untersagt, so wie dieleIbe schon von Sei~en der
Grolsloge milt",l.t Reglement von 1744 untersagt
war. Endlich schreibt das höchlte Conleil noch
einige Vorsicbtsmaal.regeln in Bezug pof die Er-
haltung seiner Archive vor und legt leine ganze
Macht in Hinsicht auf Leitung, Erhaltung und
Verbreitung dei Ordenl in die Hände des Groll-
commandeurs und vertagt sicb auf unbestimmte
Zeit, um lich wieder zu \'erlammeln, wo und
wann el das souveräne Grossconseil für gut fin.
den wird ••••

18t6, In dielem Jahre befllnd sich das soov. Gross-


conseil zu Santa Croz auf Teneritl'R und findet
einige Maurer RIIS amerikanischen "·ogen, die
vormals zu leinem Sprengel gehört hatten. Aur
ihre Bitten errichtet el in dieser Stadt eine Gross-
loge und ein Metropolitancapitel nach dem alten
nnd angenoinmenen schottischen System für die
lieben Inleln, mit der Vollmacht; Logen, Capi-
tel und andere Vereinigungen dieser Art in den
. Inseln sowohl all in andern Gegenden, wo es
noch keine Logen von demselben RitDI gäbe,
. zu constituiren, zu regieren, zu· sUlpendiren und
wieder au&ulö.en. Einem durch seine Kenntnisse,
wie charch seine Stellung .höchst achtbaren und
IV. 17

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- 258 -

äusgezeicbneten Bruder wurde der Vorsitz über-


tragen. Gleich nacb der Installation erkliiJ'te
diese Provinzialbebörde sich dem höchsten Con-
seil von Südarnerika unterwerfen BQ wollen.
Eine Commission wurde mit der Redaction der
Reglements beauftragt und diese letztern, nach-
c1em die Arbeit vollendet war, von dem GrollS-
commandenr bestl!tigt.
18t1~ Im Jahre 1817 gründete Letztere eine ähn-
liche Grossloge auf Portorico. Einige Zeit steUte
diese ihre Arbeiten zwar ein, fing sie aber un-
ter günstigen Umständen bald von Neuem an.
1832. Der Grosscommandeur, der sicl;1, so .wie meh-
rere Mitglieder seines höchsten Conseila in den
vereinigten Staaten befand, wünschte Dun, sich
zurückziehen zu können und, erhielt die Erlaub-
niss, eiDe Versammlung halten, derselben Rechen-
schaft über seine Verwaltung ablegen, leine
Macht zurückgeben und, die Wahl ein.. andern
Grosscommandeurs, seines Nachfolgen veranstal-
ten zu .dürfen. Die VenamlllluDg nahm diese
Abdankung nicht an 1lBd verliehe dem Grosscom-
mandeur bei weiteiD ausgedehntere ReChte als
die waren, die er sclton seit t 802 empfangen
hatte. Dieler jedooh überzeugt. ...... es ihm .
künftig unmöglich sein werde, un übrigen Theil
c1er Archive, die ma.· bei ihm niedergelegt hatte,
zu bewahren und dem Orden die Dienlte zu
leilten, die er demselben. vor__ geleiMt hatte,
leitete mit de. ,höch*ten Conaiil, der vereinigten
Staaten VOll Nordamerika U.teth.uIailgen ein,
\ ' , J

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259

um die beiden Behörden zu einer einzigen für


ganz Amerika zu vereinigen. Er theilte diesen
Plan seinem höchsten Conseil mit und dieses wil-
ligte in seine Wünsche. In Folge dessen wurden
.Commisaaire ernannt und den 5ten April 1832
ein Traccat abgeschJossen. Dieser, ia welchem
13 Grundlehren des Ecoosism aufs neue bestä-
tigt sind, wurde in dem.s.lben Jahre noch feier-
liehst ratificirt. Er wurde in englischer, spani-
scher unll fral,lzösischer Sprache abgedruckt und
.8n alle maurerischen Behörden \lnd ~r.osslog~1l
bei der Hemisphären gesendet. DemzufoJg.e bil.
den obengenannte beiden Behö&:~n nur .eine ein-
zige unter dem Titel: Vereinigt.. ,höchstes Con-
seil dei 33sten .Grades für die westliehe Hemi-
sphäre. Diele neue Bebörd.e ist v.on allen euro-
plischen anerkannt worden. Der berühmte J~a­
fayatte war Repräsentant defliJelben b~i dem höch-
sten Conleil von Fraakreich. Auch in andern
Theilen ~merikall, BO wie in Westindien hat sie
ibre Reprlisentanten. Eine solche Vereinigung'
mUlste nothwendiIJ der Maurerei in Amerika ein
neueJ Leben geben.

-...

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Es folgen hier noch einige Anmerku'ngen, sowohl
von dem Herrn Verfasser, als von dem Herausgeber,
die wir, je nachdem das Eine oder das Andere der Fall
ist, mit Y. oder mit H. unterzeichnen werden.

1) Wal die ZII Anfange des zweiten Nachtrages


~rwähnten Monumente betrifft, so verdient hier vorzüg-
lich erwähnt zu werden, dass auf der hintern Seite des
Mauso}ellml Johannis (Sohnes Jacobs 11., Königs von
Arragonien), der als Erzbischof von Toledo, Patriarch von
Alexandrien und Administrator des Bisthums voniSara-
gossa im Jahre 1334 starb, sich eine eingegrabene Schilde-
rei fi~det, welche sich durch sich selbst erklärt. Man sehe
die Figllr A. auf der beigegebenen Lithographie. Hammer
und Kelle, welche allf das Winkelmaass gelegt sind,
lassen es nioht bezweifeln, dass Johanli einel' der Or-
denshäupter, oder Meister einer Loge, oder vielleicht
selbst Grossmeister ,des Ordens war.
2) Aus dem Untersatz des Sarkophags des Her-
zogs von Cotdova, welcher im Jahre 1522 von Jllan
Nolannes gefertigt wurde -), ist in einelll Basrelief ein
D ..nkmal in der Gestalt zu sehen. wie es die Figur B.
aof der Lithographie darstellt. In der untel'irdischen
Kirche, unter dem Chor der Kirche Santa Engracia,

.) Hinter des Kiinstlera NaDlen finden 8it~h die bekannten


Pnnkte ••

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261
welche auf 30 klei~en Slulen von M.rmor ruht, findet
man die Oetrnung einei BrunBens, welche mit Gitterwerk
umgeben ist, das verschiedene Werklellgeder' Bau-
kunst darstellt. Recbts oberhalb dieser Oetrnung ist in
.der Mitte eineIl azurnen mit Sternen durchslieten Phalo'"
der flammende Stern ausgehauen und vergoldet, wie
ibn die l'lgur C. darstellt.
3) Unter dem 7ten Bogen der scbönen Brocke über' '
den Ebro zu Saragossa (erbaut unter Alphonsul V. im
Jahre tt37) siebet man einen Hammer und einen De-
gen übers Kreuz gelegt, von welehen beiden eine. Kelle
herabhängt. Oben drüber ist ein Stemmit 5 Strahlen.
4) In der Capelle nicht weit vom Eseurial findet
sich im Sanctuariuin ein mosaisches PBaster, in dessen
vier Ecken der Compas, das Winkelmaas., das Senk-
blei und die Wasserwage angebracht 'sind. Mitten auf
diesem Pflaster glänzt der flammende Stern mit 5 Strah-
len. Es rohrt die Jahrzahl 1548.
5) Vier Meilen von Valencia ist die Brücke der
Kinder der Wiuwe, aufgebaut im XVI. Jahrhundert. Die
Legende sagt: Verfolgte Manrer, die sich 'durch den
Strom retten wollten, verloren mehrere ' ihrer Brüder.
Einer der Geretteten liess später diese Brücke bauen.
6) Auch im Kloster zu Montserrat sieht man meb-
rere maurerische Embleme.
7) In der Kathedrale zn Saragoua steht eine Säule
auf deren Capital folgende Schilderei befindlich ist. Rat-
ten tragen eine Katze zu Grabe. . Die erste Ratte, an
der Spitze der Prozeuion hat ein Scburzfell und trägt
einen Hammer in Form eine8 Kreuzes, die letzte einen
Degen. Neben der' Leiche geht eine Ratte auf deren

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- ;2il.§J

~~lf% .ne
.,.. wor i50S
;2il.1Ie Eßwh$blf%Eß 'ist.
allf«.Jic.btet~
iilf%fmHk5"~IIl'"lf%baOOtEßnden Reisenden werden sich
ftllll8riR ••diEßIa sokJiiEß5" D5"=lf%mIllEßlf in Th0.:rr
v.

W lf%DIl diEß Eigu0. dem lithogEßEßphirt&:gli


Blatte auf_kum betrachtet, so .wird man eine auf-
,,"' .."",.,."",,'" AehEßEichkEßBtt zwi0.Eßben bEßliselbelf% und
ttlkupfer gewahr, ,das sich bei dem Werke findet:
aEßEi Boa5" er atltjEßntic
JM Door o.f /4"ee-MllIfllW1, Botlt ,.ncient alld mo-
EiEi5"cIIllaZEEßlf% no5" Eß1lIV tAc? ltutr?.et:(wn
everg NftD- .aile M a,e,.; 6111 all6 for tbe Infor- '
~@4tion ofall ~EßA. iNteNd to lJecfI",e BretAreN. -
tI /4hEßti,pkEß of
Regaliag Jewel,: and Etn61e.atical OrnaMent, lJe-
lEßEßEiing .lJlEßEßEß1lrg, gEßEßd tlEß aCClf%Eß%gte. .Plall
tAe DretlJin€ er tke Floar of a L9dge etc. Das
b.PEßst:
Jachin' lind Boaz, oder ein ächter Schlüssel zum
TREßlir. FreZmEßUreffi'EßR sO~Eßhl alteEß 2&1. dEßffi'
JIloderllen; nicht nur fur den Unterricht jedes neu-
%E0einOFZffiffil1ffielleEß Eifaure~EßbereEßbztr.et, EßEßzAdern zmch
die Belehrung Aller, welche vorhaben, Briider zu
WEßmlen. b:rläu$.EßEßt mh EßineZE2 TitEßlbupf%2.e
der Ebrenzeichl,m, Kleinodien und emblenratiBchen
V %lEßEßieruEßEien, die zur MEßureF'ei gehören, und einem
gEßiZtr.Eßuen Ehriss dEßr Z g2iEßbnuEßg auf dEßm FEßEßEßbod"lYg
der Loge u. s. w.

o
- 283
Die eine der 3 bekannten Ausgaben diesetl Werb
erschien zu London 1776; eine zweite New- York 1793.
eine dritte London 1800. Das Titelkupfer der dritten
weicht in einigen Stücken von dem der Ausgabe von
t 776 beigegebenen merklich ab. Doch bestehen dietle
Abweichungen mebr in der Stellung der verachiedenen
Embleme, als im Wesentlichen selbst, ausgenommen
etwa, dass das Kupfer der AUlgabe von 1776 statt eier
auf dem andem sichtbaren Handschuhe, ein Paar in ein-
ander geschlungene Hlinde und unverletzte Siulen zeigt,
während auf dem der Ausgabe von 18~ die eine Siale
des Capitals beraubt ist und hinter dem mosaischen
Pftaster der Eingang zu einem Tempel sichtbar ist, wel-
cher auf jenem glinzlich fehlt. Wir überlassen es den
Lesern diese Titelkupfer, welche der. Bruder Krause
in seine Kunsturkunden Seite 233 und 28.3 detl enten
Bandes aufgenommen hat,- sowohl unter lieh als ~it
der hiet" beifolgenden Zeichnung zu vergleichen:
H•

....

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Leipzig, gedruckt bei W. Daack.

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n e k e

Etwas über die Geschichte der Mauruei. - Die Verdien-


st,~, der ~iff4:rüd4545 ScLTLder F SchFl,~0der ,md lLFl45use l4m rl]Fli4el-
be. - Erklärung über das vorstehende Werk: ~,die !"reimau-
r0:!'t:iTI u. w." Se:ilitte... • ... 4b~21

Anmerkungen zu dem iff4:rstiff4:n B n iff4:.

Zu dem 1. Ca,itel.
Uebi>;r die B% erleiEung ,'TIer, Freimaurerei v~n den alten My-
sterien. Seite............................. .. 2-2 ~24
Zu d~m 2. Capitel.
VerT±±isuFlzs auf zsthneiLtrs ".ILRdefe s. \\\" Seit±! •• 2rl 25

Meinungen über die Zahl der aUII Aegypten ausgezogenen


b±±±±elit\±±, - WTeb\K' die ]Rtass±! rler ±!±m Is±,\\lite±! zur
Speise gesammelten Wachteln. - Ueber Typhon und Python.-
U"b45r diF PrO]RR±ete±!, SeH45 ••• ..2%-15

Uigl oy'- '-"c


JI

Z" dem 5. Capilel.


Halade mystai. - Das eherne Handfass. Seite ....... 36

Z" . dem 7. Capilel. , "

Evangelische Gtschichte. - Die Bleischnur , Amos Cap.


'J., V. 8. -Die bibli,chen Bücher sind nicht zu einer und der·
selben Zeit niedergeschrieben. - Citat aus Volney's Ruinen
Ton Palmira. - Die Schriften Mosis. - Acusserung des Ar-
cnimede!l. -" Sündopfer und Schuldöpfer. - Bücher der Lel"i~
"ten. - Maurerei Salomo's. - Hiram. - Adonhiram. - Aehn-
licbkeit zwischen den alten und neuen Mysterien. - Diese
Aebnlichkeiten sind noch kein Beweis für die Ve rw a n d t-
scbaft der Mysterien unter einander. - Höhere Grade. -
Unterschied, der zwischen den drei blauen' und den höhern
Graden statt findet. - Forderungen an eine Geschichte der
Freimaurerei, wenn sie auf den Namen einer kritischen
Anspruch machen "iII. - Royal Arch. - Melesino. - Stricte
Observanz. - Asiatische Brüder. - Clerikalisches System. -
Aegyptische Maurerei. - Clermontsches 1I0chcapitel. - Kö-
niglicher Orden von Herodom. - Martinfsten. - Misraim oder
Misphraim. - Mysterien der Leviten. Seite ••••••••. 36 u. 31

Z" dem 8. Capilel.


·Zu.sammenhlng der M1ur...ei Dlit dem J~dai.D1U'. - Er-
klärung dl'r Stelle Nebemiä, Cap. 5: V. 11 und 18. - Ober-
ster Grundsatz der Mauferei. ~ Allegorie des Templ"ls Salo-
monis. - Urtheil über die im Werke Seite 1M - 161 einge-
schaltete Abhandlung über die Trinität. - Jesus in Aegypten.
Seite ...•••••.••••.••••••••••••.••••....•••••••• '•••. 51 u. 66

Zu dem 9.' Capilel.


l'erwl'isung auf die neuestt'n Commentatoren der Evan-
If!Jien. Seite .........••..•••.....•.•. , ...•......••...... 66

Zu dem 10. Capitel.


Die.es Capitel wird für überflüssig erklärt. Seite ••••• 66

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111

Zu dem 11. 'Capitel.'


tJeber die Judentaure. Seite •••••••••.•.••••.••.•••••• 61

Zu dem. 12. Capitel.


Erklärung' de~ Stelle Lukas Cup. 8, V. 41-49. Bemer-
kung über die Z\\'eifel einiger Kritikn an der Bildung; dem
Reit'hthum und dem Alter des' Hebräischen Volkes. - Ritus
und Stufen, welche an 'das Ahendmahl .des Hel'rn erinnern sol-
len. - Kritik einer "Von der Londoner Socitly o} the chrirtian
6,idence ausgegangenen Bekanntmachung. Seite .•••• 68-i3

Zu dem 13. Capitel.


Der den Chl'isten im N. 1'. beigelegte Name "Heiligfl"
ist kein l' i tel. - Die Versllchungsgescbichte. die Matthäus
erzählt, soll ein Wunder des Teufels gewf'sen sein. - Ober-
priester. - Seite •••••••••••••••••.••.••••••.••••..••••••. i3

Zu deli. 14. Cizpitel.


tJeber den Talmud. - Der Angabe, dass jüdisch-christli-
che' Sekten die Mysterien des IJalomonischen Tempels beibe-
halten hätten, wird widersprochen. - Adldbert von' Prag. -
Albrec~t der Bär. - Essener. - Die Vorstellung von einem
'l·udtenreicbe. ist bei den lIebriiern uralt. -. Fragen von
B. Constant vorgelf'gt. - Mysterien dl'l' Aegypter und
Griechf'n bekanntn als die der Juden. - Karpokratianer,-
Unterschie-.I zw.ischim der Religion lal'aels und' dem Ch\"i~ten-
thum. Seite •••.••••••• ' •••.••••.••••••••••••.•••••• i4 -.80

Zu dem 15. Cupitel.


Grad des Magiers. - . Seite.; .•.•••.•.•• , ••••••••.•• 81

, Zu demt6. Capitel.
Johannisfest wurde vor dem, fünften Jahrhundert in deI'
thri,tlichen Kirche nicht gefeiert. - Seite .••..••••• 81 u.82

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,IV

Zu dem t 7. Capilel.
Verweisung auf die Tafel der lsis. Seit,e ••.••••••.••• 83

Anmerkunge,n ZU ~em zweiten Bande.

Zu dem 18. Capilel.


8ltlJ ro,.. - Mane •• - Seite ••••• ~ •••••• '•••• ',' •••••.• 83

Zu dem 19. Capilel.


Constantin der G~osse. ,- Seite ••••••••••••.• ~ ••••••• SI

Zu dem 20. Capitel


Haus del' Weisheit zu Cairo. - SeUe •••••••••.••..•• 84
..
Zu' dem 21. Capilel.
Kreuzfahrer. - Ritter vom dreifachen Kreuz. - ..Gott
"il1 es." - Neue Maurerei etwas anders als die alte. -
Beschäftigungen der Kreuzritter im Orient während der Waf·
fenruhe. - Die Kreuzritter haben keine neuen maurerischen.
Mysterien nach Europa gebracht. - Seite ••••••••••• 85 - 88

Zu dem 22. Capilel.


Verwechselung der Hospitalbr~der des .heiligen Johannes
mit den Tempelherren. - Kurze Geschichte des wahren UI"
sprunt!'s dieser beiden Orden. - Die Kreuzzüge thun der Re-
ligion . Roms keinen Eintrag. - ' Baphomet. - Schicksal der
Tempelherren, nicht ganz unverdient, aber jedenfalls zu bart.-
Wie die Verbrechen der Tempelherren an das Licbt gekom-
men sein sollen .. - Höhere Grade. Erfindungen neuerer Zei-
ten, - Die Freimaufnei ist keine Fortsetzung des Tempel-
.herrenordens. - Ueber die Bd, 11. Seite 120 gemachte Ein-
theilung der maurerischen Kenntnisse·, in "ier Classen.-
Praktische und scientifische Maurel'ei. - Seite ••••• 88 - SI

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v

Zu den. 23. Capitel•


.\Dlie~teD' von der Kreuzigung. - Seite •••••••••••••• 99

Zu de,,! ~4. Capitel.


Verbindung der Tempelherren mit den Maurern. - En-
ca,mptmtnt•• - Hlnwf!isung. auf den wahren Urspl'ung • der
Freimaurerei. - Seite ••••••••••••••••••• 99 - 103

7M dem 25.Capitel.
Stelle aus I~awrie Gesehichte der Freimaurerei u. s. w.
Bam.ay. -' Caglio.tro. - Das System Misraim ist, nie in,
England aogenommen wordE'n - Urtheil über Royal Arch.
Seite. '•.••••••••••••••••••••••••• '•• 104-113

Zu dem 26. Capitel.


Freimaurerei in Nordamerika. - Einführung der hühern
Grade durch den Juden Morin daselbst bewirkt. - Ueber die
Zulassung der Juden zu dem Maurel'thulil. - Auszug eini-
ger Stellen aus der Zeitschrift f!ir Freimaurerei u. s. w. -
Seite .. : . . . . . . . . . . . . . . . '••••.••••.••• 113-129

Anmerkungen zu dem dritten Bande.

Zu de". 27. Capatel.


Edwin. - Baron von' Tschoudy. - Ueber das Werk des-
selben: "Der flammende Stern." - Martinez Paschal. - Lob-
rede auf den grossen Orient zu Paris. - Misraim besteht
noch in Frankreich. - Seite.............. 130 - 134 .

Zu dem 28. Capitel.


Die Cölner Urkunde. - Streit über die Aechtheit dersel-
ben. - Meinung des Hr. Kl'ause und df!s Heurtheile1'8 P. p. -
Einige Bemerkungen über die Krause'sehen Ein,:,ürfe. - He-

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'\'1

merkungen ZU dem die Urkunde betreffendl'n Artikel ,in der


Enc'ycJopädi1l der Freimaurerei von C. Lenriing. - Des Bru-
dera Thelluny von Courtary Zusatz zu der Gnchichte der Ur·
kunde. - Rosa. - Philipp Stanhopl',. Graf von Chellterfield. -
Rademacher . .:.-, Ueber das Verhä.ltniss du Maurerei zu der
Intelligenz des Zeitalters. - Job4nnisschreiben der Loge ,zum
goldenen Kreuz in Mersl'burg. - Eine R"form der Mau J' e-
re i ist unnöthig. - Swedenborg. - Seite •••••• 13t .... 183

Z" dem 29. Capilel.


Falsche Ansichten des Verfassers der .. Ma~onnerie" über
Teutschland. - Rosenkreuzer. - Von I Muns: Uebl'r den
wahren Ursprung.der Rosenkreuzer u. s. w. - Heinrich Wil-
helm von Marschall.·- Friedrichs deli Einzigen Aufnahme.zum
Freimaurer. - Freiherr von Hund. - Wihelmsbader Con-
vent. - Johnson. - Gugomos, - Wl'ishaupt. - lIIuminaten-
orden. - Aufhebung desselben. - Mirabeau. - Freimaurerei
in Baiern: - Pöschelianer. - Klosianer. - Dr. Bahrdt. -
Schicksale dl'sselben. - Tc>utsche Union. - Von Zinnendorf.
- Schröpfer. - Freimaurerei in l>äncDlark. - Freimaurerei
in der Schweiz. -- Seite •••.• ~ •••••••••.• 183 - 211

Zu d(!1I' 30. ('apitel


Freimaurerei in Polen. - Freimaurerei in Russland. -
Seite. • ••••••••••••.••..•. 212-21:1

Z" 'dem 31. Capilel.


Freimaurerei in Portugal. ..:.. J4'reimaurerei in Spanien. -
Seite ••••••••• : ••••••.•.•••••••••.• 21:1- 216

Zu delll 34. Capitel.


Adoptionslogen '- Ueberden Zweck der. Ff'eimaurerei.
l. Begriffsbestimmungen du Freimaurerei, a) aus englischen;
b) aus französischen; c) aus teutschen Schriften. 11. An-
gaben des Zweckes der Maurerei. - Schluss - Anmerkung. -
leite. • •••••••••••' ••••••••-••••• 211 - 212

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VII

Erster Nachtrag. - Seite.. • . .••..•' . 233 - 236


Zweiter Nachtrag. - Seite...... .• i • • • • 231' - 259
,Einige Anmerkungen', lowohl von dem Herrn Verfasler
als von den:' Heraulgeber. -- Seite .••••••.•• 260 -,263

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Druck VOll W. Uaack in Leipzig.

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Zu Sritt 7.9.

Zu .fdtr: 80.

Zu .fdt.e ,v'J.

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(
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- 'I 'hdl 1/ Sole 7 tI. cl'.'

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J

.,
.....,
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Zu .Seife :M~.

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COllvention
d@:,f b@:'id@:m gro@:'@:'eil. Logen@ de@:' Ff@:'imaiffif@:'r VOll
London um} lief Grosslogen schottischen und
irländischen Systems~

o alt x
Article, of union hetween tke ttIJO grand'LoiJgelt qf
j'reema,on, o.f Rngland~
IN TRI NAME 0 GO, ME
f _
mosi worshipful his royal highness Prince Ed-
ward, Duke oi Kent and Strathearn, Earl of Dublin,
Knight Companion of the most Nublu Order ur tha
Gartel' and of tbemOi3i iUui3triüui3 Orc1i3r of Suin#: Pz,-
trick Fi~ld MUi'shal oe His Majei3&Y'i3 ff@rcffs, G'@Vfl'Dür
of GibrZRltZRr ~ Cf1flffnelof ,he fifi3t ,jf Ruyal~SZRouZR Regi-
mffn, of Foot, and Grund Master 01 l~ree and Accep-
ted of England , according to the old institu-
tions; the right worshipful Thomas Harper, Deputy
Grand Master; the right worshipful lamei3 Purry, P"st
Deputy Grand Mashfr; a"d [he righ;t wor'fhilfful JZRn';u~
Agai3,. Paut Depury Grz~fnd Mg,s;tur of tbe 'fame Frat;fr-
ni&y ff'fr and zfD behalf oI ibe Gi3and LOGge
of f'fue miEgSOZfS of EiTIglz:md, according to the old insti-
IU_ 23

U IZE oy ,.'
''':- 31S4 _,-
tutions: being tbereto dufy constituted and empowe-
red: - on tbe onepart; - and
Tbe most worsbipful his royal higbness Prince Au-
gustos Frederik, Duke of Sussex, E'arl of Inverness,
Baron Arklow, Knight Companion of the Most Nobl,_
Order of tbe Garter, and Grand Master of tbe Soeiety
of Free and Accepted Masons onder the con8titotion of
England; the riglit worshipfulWaller Rodwell Wrigbt,
, Provi~cial Grand, Master of ma80ns in the Ionian lales;
the right worsbipfol A~thur Tegart, Past Grand War-
, aen; and tbe right wonihipful James Deans, Past Grand.
Warden, of tbe same fraternity: for themselves and on
bebalf oI tbe' Grand Lodge of the ioeiety of free ma-
80n8 onder tbe eonstitotion of England : being tbereto
aoly coastitoted and empowered: -- on tbe otber part,
- Have agreed aa follofIJ': -
I. Tber! ,ball be, f,om and after the day of tbe,
festival of Saint John the Evangelist -next enstUng, a
foll; perfeet, and perpetual union, of and between the
'two fraternitieil of free and aeeepted masons of England
above deseribet; "10 as that in all time hereafter they
shall form and eonstitote but one brotherbood, and tbat
, tbe said commonity s,ball be represented in one Grand
Lodge, to be solemnly formed, eODstitoted, and held,
on tbe said day of tbe festival of Saint Jobn tbe Evan-
gelist next ensuing, and from tbenee forward for ever.
11. It 'js declared and pronouneed, tbat pure an-
clent masonry consists of tbree degrees, and -no more;
viz: tbose of tbe entered apprentice, tbe fellow eraft,
and tbe master mason, ,ineloding tbe sopreme order of
tbe Hol, Royal Arch. Bot this .reiele i8' not intend.d

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- 3ßIS -

to prevent any lodge or chapter from holding a mee·


ting in any of the degrees of the orders of cbivalry,
aecording to tbe eonstitutions of tbe said orders.
111. Tbere .sball be tbe Ibost perfeet unity of ob-
ligation, of discipline, of working the Iodges, of ma·
king, pauing and raising, instructing and elothing bro·
tben; so that but. one pure ~nsullied system, according
to the genuine landmarks, .laws, and traditions of tb.
eraft, shall be maintained, upheld and practiled, throag.
bout tbe ID880nie world, from tbe day ana date of tbe
said union until time sball be no more.
IV. To prevent an controversy or dispute as to
the genuine and pure obligations, forms, rules and an·
clent traditions of masonry; and furlber, to unite aad
bind tbe whole fratemilY of muonsin ooe ~diuoluble
bond I it is agreed, that the obligations and forms that
bave, from .time immemorial, be.en establiahed, und,
and practisetl, in tbe uaft, &hall berecognised and. ta-
kea, by tbe mambers of botb fraternities, 88 tb" pure
and genuine obligations and forma by wbieh the incor-
porated Grand Ledge of England and its dependent
Lodges in eve.,. part of· the worId, sball be bound, and
for tbe purpoa8 of receiviog and communicatiog dU8
light and setdingthis uniformity of regulation and in-
struction, ·(Rod particalarly in matters which ean neit-
ber be exprelsed nor del!lCribed in writjng) it is furtber
agreed J tbat brotlwrly· application be made to the Grand
Lodges of Scotlaod and Irelaad i to authorise~ delegate
an.d appoiat, any two or more of tbeir enlightened
membera, to be preaent at the grand 88s8mbly oJl..the
sol8llln o.ccasion, of unitiog the said fraternities; and
23*

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356
and tbat tberespective grand masters, grand officers,
masters, past masters, wardeni and brotbers, then and
tbere presen~, shall solemnly engage to abide by the
true forms and obligations (particularly in matters whicb
ean neitber he deseribed nor written) in tbe presence of
tbe said members of the grand lodges, of Scotland and
Ireland , that it may be declared , recognised, and
known, tbat they all are bound by the same 80IemB
pledge, and work under the same law.
V. For tbe purp08e of establisbing and seeuring
tbis perfeet uniformity in all tbe warranled lodges, and
also to prepare for tbis grand 888embly, and to place
aU the members of both fraternities on tbe level of
equality on tbe day of reunion, it is agreed tbat as
800n as tbese presents sball have received the sane-
tion of tbe respective grand lodges, the two grand ma-
sters sball appoint eacb nine wortby and expert master
masons or past masters, of their respective fraternities,
witb warrant and instructions to meet together -at some
convenient central. place in London, when each party
baling opeoed, in· a separate apartment, a just aod
.perfect lodge, agretlably to their peculiar regulations,
tbey sball give and recelve mutoally and reciprocally
tbe obligations of both fratemities, de~ding by lot
which sball take priority in giving and receiving the
. same i and being t~us all duly and equaUy enligbtened
in botb (orms, they sball be empowered an direc:ted,
eitber to .bold a lodge under tbe warrant or dispensa-
tioli to be entrusted to them, and to be entitled the
Lodge of Reeonciliation, or to visit the several Lodges
holding under both tbe Grand Lodges, (or the purpose

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of obligating, instructing and perfeeting the master, past
masters, wardens, aod memberl,- ia botb tbe forms,
and to Inake areturn' to tbe grand Hcretaries of botb
tbe grand Lodg~s, .of tbe names 'of tbose wbom tbey
.baU bave thos enligbtened. And tbe said grand se-
.cretaries sbaU be empowered to enrol the names of aU,
tbe members tbus remade in tbe register of, botb tha
.
Grand Lodges, witbout fee or reward,. it being orde-
red that no person shall be thus obligated and registe-
red, wboin tbe master' and wardens of bis Lodge shall
not certify by writing under tbeir hands, tbat be ia
free on tbe Moks of bis particuIar Lodge. Tbus on
the day of tbe as~embIy or botb fraternitie., the grand
offieers, masters, past masters, and warden., wbo are
a10he to be present, shaU aU have taken tbe obligation
by whieb eacb is bound and be prepared, to make
tbeir solemn engagement, tbat tbey will tbereafter abide
by that wbich ,sball be reeognised an declared to b~
tbe tflle and universally aceepted obligation of tbe mas-
ter mason.
VI. As soon as tbe grand master, grand officers
and member. of tbe two present Grand Lodl\e., sbiiU,
on tbe day of tbeir reunion, have made the 101emn de-
claration in tbe presence of the deputation of grand ~r
enlightened masons, frOln ScotIand and Ireland , to-
abide and aet by _tbe universally reeognised obligation
of master mason, tbe members shall forthwith proceed
to tbe election of a grand master for the year ensuing;
and to 'prevent deIay, tbe brother 10 elected, sbaU
fortbwitb be obligllted, p"o tempo,.e, tbatthe Grand
Lodge may be formed. Tbe said grand Master shal\

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- 31S8·

ahen nominate and appoint his depot,. grand Master,


together wiah a senior and jonior grand warden, grand
seeretary: or secretaries, grand üeasorer, grandchap-
lain, grand sward bearer, grand .porsuivant, and grand
tyler, who shall' be dol, obligated and placed; and the
grand i~corporated Lodge shaU then be opened in ample
~orrn, under the stile and tille of the Uni ted Gran d
Lodge of Ancient Free Masons of England.
The grand officers who held the severäl offices be-
fore (unles~ such of thern as naay be re-appointed) shaU
take their pI aces , as past grand offieers in the respec-
, tive degrees which they held before; ..and in case eitber,
or botb of the present grand secretaries, pursuivants,
and t,)'lers, should not he· re-appointed to their former
situations, -the annllities shall be paid to thern during
their respective Jives out of the grand fund.
VII. The United Grand Lodge of Ancient Free
Masons of England , shall be composed, except on days
of festival, in the following manner, as a just and per-
feet representative of the whole masonic fraternity of
England ; that is to' say: of
The grand Master, past grand Masters, deputy
grand Masters, past depoty graqd Masters, grand war-
dens, provincial grand Masters, past grand wardens,
past provincial grand Masters, grand chaplain, grand
treasorer, joint graod secretary, 'or grand secretar,., if
there be only ooe, grand swo'rd bearer, twelve grand
steward., to be delegated by the steward's Lodge, frolD
among their rnernber. existing at the union; it being
llnderstood and agreed that, from and after the union,
an aDnoal allpointment shall be made of the stewards,

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- 31S9 -
it necenary. The actual Master and wardens of .U
warranted Lodges" past Masters of Lodges, whohave
regularly served Rnd pHsed the chair before the' day
of union, and who have continued without seeession
regular contriboting nlemben of a warranted Lodge.
It being understood that of all masten who, from and
after the day of the said union, sball regularly pass
t,he ch.ir of their respective Lodges, but one at a time,
. to be delegated by bis, Lodge, shaU have a right to sit ,
and vote in' tbe said grand Lodge; S& that after the
decease of air the regular past Masters of any regular
l ..odge, who hat attained thai distinclion at the time of
tbe union, the representation of such Lodge shall be by
its actual master, wardens, and one past master 01l11-
And all grand, officers in tbo aaid respective grand
Lodges shall retain and hold their rank aod privi:-
teges in the United- Grand Lodge, as past grand of-
ficen, in eluding tbe present provincial grand Ma-
Iter, the grand treasurers, grande soc'retaries, and'
grand chaplains, in theil' seyeral degrees, aeeording to
tbe seniority of their respective appointments; and wbere
IOOh appointments sltaJl bave been eontempOl'aneou.,
tfle seniority sbaU be determined by lot. 1n all other
..espeets die above shaU be tbe general Ol'de!' of preee-
dence in alt time' te come, with this express' provision,
that no provincial grand Malttel' , hereaC; ter to be ap-
pointed, shaU be entitled to a &eat in the grand Lodge,
after he shall have renred fr9m such situation , unle••
he shan have discharged tbe dutie. thereof for full five
ye8l".
VIII. Tbe' representatin8 of theseveral I ..odges

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- 380 -
mall sit undet tbeir re.pective bannen, according to
leniority. Tbe two fint Lodges under eacb grand
Lodge to draw a lot in tbe first place for pnority i and
to wbich of tbe two tbe I~t No. 1, shall fall, tbe other
to rank BI No. 2; and all tbe otber Lodges sbalJ fall
in alternately, that is, tbe Lodge wbicb is'No. 2, of
tbe . fraternity, wbose lot is shall be to draw No. 1,
shall rank 88 No. 3, in the Uoited Grand Lodge, and
tbeotber No. 2, shall rank as No.4, and so on alter-
aately through aIl tbe numbers res,ectlvely. And tbis
sball for ,ever after be the order and' rank of tbe Lod-
ges in tbe grand Lodge, and in grand processiool, for
wbich a plan and drawing sball be prepared previous
to tbe union. On tbe renewal of any or the Lodges
now dormant) tbey shall take rank after aU tbe Lodges
existing at tbe union, notwitbstanding tbe numbers in
wbicb tbey may now stond on the respective rolls.
IX. Tbe .United Grand Lodge being now consti-
tuted" tbe first proceeding after solemn prayer, shall
be to read and pr~claim tbe aeit of union, os previously
execnted !lnd sealed with the great seals of tbe two
Grand Lodges; after wbich ,the salne sball be solemnly
accepted by the membrespresent. A day shaU tben be '-
appoiBted for the installation of the Grand Master and .
other grand. officers with due solemnity; upon 'which
occasion the grand Masier shall in open Lodge, with
his own hand, affix the new great seal to the said in-
strument, wbieh shal~ be depoaited in tbe arcbives of
the United Grand Lodge, aod be the bond or union
I .
a~ong the masons ~f tbe grand Lodge of England, and
tbe Lod$es· dependebt . tbereon, until time shall Le BO

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- ruH - '
more. The laid new great seal shall be made for tft.
occasion, and ahal1 be compoled out of both the great
aeals now in ule; after which 'the present two great
seals shall be broken and defaced; and the new seal. be
alone uled in al1 warrants,certificates and olher docu~
ments to be issoed thereafter.
X. The regalia of the grand office~1 shall be, in
ad~ition to' the white gloves and apron, and the re-
spective jewels or, emblems of distinction, garter blue
and gold; and tbese ahall alone beloog to the grand
officers present aod paat.
XI. Foor grand Lodges, representing the craft,
ahall be h,eld for quarterly communication in each year,
00 the first Wednesday io the months of March, Jline,

September aod December, on each of wich occasions,


the masters and wardeos of all tbe warraoted Lodges
shall detiver into the hands of .he grand secretary aod
graod treasorer, a faithful list of all their cootributing
members; aod the warranted Lodgf's in, and adjaceot
10 London, shall pay towards the grand fuod ooe' shil-
liJJg per quarter for each member ,over aod above the
sum of half' a guinea' for each new made member, for
the registry of his name, together with the sum of ODe
shilling to the grand secretary, as his fee for the same,
and that this cODtribution of one shilling for each mem-
ber, shall be m~de quaterly, aod ,each quarter" io aU
time to corne.
XII. h shall be jo the power of the grand Master,
or io his abseoce, of _the past grand Masters, or in
their absence, of the deputy grand Master I or in his
absence, of tbe palit deputy graod Masters, or in tbeir

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- 36!
-al'lence, of ,he grand wardenl. to aommon and hold'
grand Lodges of emergency, whenever the good of the-
era(t ahall, -in their jodgment reqoire the aame.
XIII. At the grand I.odge to be held annoany on-
tha firat Wednesday in September, the grand Lodge
Ihall elect a grand Master for the year ensoing (wbo
aball nominate and appoint bis own deputy grand Master,
grand wardena and aecreta:y), and they -ahall also no·
minate three fit aod proper persöns, (or each of the
offices of treasorer, cbaplain and sword bearer, oot or
which the grand Master shaJI, .on tbe first' Wednesday
in the month o( December, OOoose and appoint one for
eaeh or the laid offices; and on the festival of St. John
tbe Evangelist, ,hen next ens.ing, ~r on such other
day as' the said grand Master shall appoint, there shall
be beld a grand -Lodge for the solemn installation of all~
the said grand officer. f according to ancient custom.
XIV. There mayaIso be a masonic festival, an-
nually, on the anniversary of the feast of St. John the-
Baptist, or of St. George, or such otber day as the
grand Master shall appoint, which shatl be dedicatelL
aJone to brotherly love and refreshment, and to whieh.
a11 regular Master Masomf may have aceeSI, 00 provi-
diog themselves with tickets from the grand stewards-
appointed to eonduct the same.
XV. After the day of the reunion, as aforesaid,
aod wheo it shall be ascertained wh at are the obliga-
lions, forms, regulations, working and instruction, to
be universally established, speedy aad etrectoal steps.
ahall be t"ken to obligate aJl the members oe each Lodge
in aU tbe degrees, according to ,be form laken aod

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~83

recognised by .he grand Master, past grand Masters,


grnnd offieers, and representatives of Lodges, on the
day of .reunion; and fQr this purpose the worthy and
expert Master Masons appointed as afore~aid, ..hall visit
and attend the several Lodges within the !fills of mor-
taHty, in rota}ion, dividing thenul'elves into quorums of
not less than three eaeh, for the greater expedition,
and they shall assist the Master and wardens' to pro-
mulgate and enjoin the pure and unsullied system', that
perfeet reconeiliation, unity of obligation, law, working,
language and dres, moy be happily restorj!d to the Eng-
lish 'eraft. ' '
XVI. When the master and wardens of a warran-
ted Lodge, ahall report to the grand Master, to his
satisfaetion, that the members ofsueh Lodge have taken
the proper enjoined obligation, and have conformed to
the uniform working, cloat~ing , etc. then ihe most
worshipful grand Master shall- direct the new great seal
to be affixed to ~heir warrant, and the Lodge shall be
adjudged to be regular, and entitled to all the privile-
ges of the eraft: a certain term shall be allowed (to be
fixed by the gran~ Lodge) for establishing this unüor-
mity; and all constitutional proceedings of any regular
I~odge, which' shall take plaee between the date of the
union, and the term so; appointed, shall'be deemed valid,
on condition, .that such ILodg~ shall conform to the regu-
lations of th~ union within the time appointed; and means -
shall be taken to ascerlain the regularity, and establish
.he uniförmity of the provincial grand -Lodges, military
Lodges, and Lodges hold~ng of the two present grand
Lodges in distant parts; and it shall be in the power

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- 38.. _.

of tbe grand Lodge to take the most eft'eetual measures


for tbe establisbment of tbis unity of doetrine throughout
the wbole eommunity of masons, aod to declare the
warrants to be forfeited, je the measures proposed,
sball be resisted or neglected.
XVII. The property of the said tw.o fraternities,
whether freehold, leasehold , fuoded, real or personal,
shall remain sacredly appropriate to the purposes for
wbich it was created; it sball constitute one grand fund,
by wbich the blessed objeet of masonic benevolenee may
be more extensively obtaiqed. It sball either cootioue
under tbe trusts in wicb, wbether freehold, Jeasehold,
or funded, tbe separate parts thereot nQW stand; or it
sball be in the power of tbe said Uoited Grand Lodge,
at any time hereafter, to add other namens to the said
trusts; or, in case of the death of any one trustee, to
nominate and appoint others for perpetuating the S8CU-
rity of the same; and in 00 event, aod for no -purpose,
shall the said uoited property ~e diverted f,om its ori-
ginal purpose. It being understoöd and declared that,
at any tim,e after the union, it shall be in tbe power
oft the grand Lodge, to incorporate the whole of the
said property aod funds, in one and the same set of
trustees, who shall give bond to hold the same in the
name ane! on the behalf of tbe united fraternity. And
it is further agreed, that' tlie free mason's -hall shall blt
.the plaee in wbich the Uni ted _Grand Lodge shall be
held, with such additions made thereto as the increased
numbers of the fraternity, thus to be united , mal' re-
quire. And it is uodersto~d between tbe parties, that,
8S there are now io tbe hall several whole lenglh por-

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traits of past grand Masters, a portrait oft the mo.t
worshipful, his gr~ce. the duke of Atbol, past grand
Master of Masons, according to the old instructions,
shall be placed th,ere in the same conspieuous manner.

XVIII. The fund· appropriat~ to the objeets of


masonic henevolence, sball not be ilifringed on for lIny
purpose , but ahall be kept strictly and soleI,. devoted .
to charity, and pains ahall be taken to increase the
same.
XIX. Tbe distribution and applieation of tbis cha-
ritable fund, sball be montbly, for whieh purpose , a
commitee of Lodge of benevolence, ahail be held on
the third Wednesday of every month, whieh Lodge
ahal CODsist of twelve Masters of Lodges (within the
bills of mortality) aod three grand offieer~, ooe of whom
ooly, (if ~ore are present) sball aet as president, aod
be entitled to vote. Tbe said twelve Masters to be
aummoned b,. tbe choice aod directi~n of the Grand
Master, or his deputy, not by any role or rotation, but
by discretion; so as that the members who are to judge
of tbe, cases that roay eome before them, &hall not be
subjeet to canvass, or toprevious application, but shall
have tbeir minds free from prejodice, to decide on the
merit. of eacb case witb the impartiality and purity of
masonie fee1ing; to which end it is declared, that no
brotber, being a m,ember, of such committee or Lodge,
shall vote upon the petition of any person to whom he
is in any way related, or who is a member o~ any
Lodge or masonie sociaty, to whicb he himself actuany
belongs; but such ~rotber may ask leave to be heard

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on the' m~rits of s~cb petition, and shall' afterwards,


during the discllSaiOß ud voting thereon, witlidraw.
XX. A plant with rules and regulations, fo~ the
lolemnlty of the union, shall be prepared by the lub-
Bcribers hereto, previons to the festival of St. John,
which sball be tbe form to be observed' on that oc-
calion.

XXI. Arevision shall be made of the rnles and


reg!llations t now established and in force in (hetwo
frateroities, and a code of läws for the holding of the
Grand Lodge, and of private Lodges, aod genenilly,
for the whole cooduct of the eraft, shall be fortwith
prepared, aod a new book of constitutions be compo'sed
Rod"printed, under the 8Uperinte~aoce of the-grand
officers, aod with the IBnclion of the Grad Lodge.

Done at the Palace or Keosington, this 25th day


of November, in the yeu of our Lord, 1813" aod of
Masonry 5813.

EDWARD ,G. M. . L. s.
THOMAS HASPER, D. G. M. L. s.
JAMES PERRY, P. D. G. M. L. s.
JAMES AGAR, P. D. G. M. L. s.
AUGUSTUS FBEDERICK, G. M. L.S.

WALTER RODWEJ..L WRIGHT, P.


G. M. Ionian lales. L. s.
ARTHUR TEGART, P. G. W. L. s.
JAMES DEAN'S, P. G. W. L. s.

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'ln Grand Lodge, tbis 'first day of December, A. D .
. 1813, ratified aod coofirmed, aod the seal of the Grand
-Lodge affixed.
EDWARD, G. M.

&/Jert Lellie, Q. S.

10 Graod Lodge, t~is first day of December, ,A. D.


1813, ratified and confirmed, and the seal of the Grand
Lodge affixed.
AUGUSTUS FREDERICK, G. M.

JYilIialll H. WAUe; G. S.-

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MONACENS IS.
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Leipzig,.gedruckt bei W. Daack.

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