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Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung Universität Stuttgart

IER

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Perspektiven der .

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Stromerzeugung aus . Solar- und Windener- gienutzung für eine nachhaltige Energie- versorgung in Deutschland

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FKZ A204/04 .

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Endbericht

Christoph Kruck, Ludger Eltrop

I

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

V

Tabellenverzeichnis

XI

1 Einleitung

1

1.1

Arbeitsschritte und Vorgehensweise

4

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

7

2.1 Prinzip der photovoltaischen Stromerzeugung

7

 

2.1.1 Monokristallines und polykristallines Silizium

8

2.1.2 Amorphes Silizium

10

2.1.3 Weitere Halbleitermaterialien und Technologien 11

2.1.4 Wirkungsgrade der vorgestellten Solarzellen 12

2.2 Historisch-technologische Entwicklung der photovoltaischen Stromerzeugung 13

2.2.1 Historische Entwicklung 13

2.2.2 Zusammenfassung der historischen Entwicklung 18

2.3 Technologische Weiterentwicklungen der etablierten Technologien

19

2.3.1 Monokristallines Silizium

20

2.3.2 Polykristallines Silizium 21

2.3.3 Foliensilizium

22

2.3.4 Amorphes Silizium

23

2.3.5 Weitere Dünnschichttechnologien

23

2.3.6 Zusammenfassung der technologischen Entwicklungstendenzen 23

2.4 Auswertung von Studien zur Entwicklung ökologischer Bilanzen 24

2.5 Preisentwicklung von Solarzellen und –modulen 25

2.5.1 Preisentwicklung von Solarmodulen in Deutschland und weltweit26

2.5.2 Preisentwicklung von Balance-of-System (BOS) – Komponenten.31

2.5.3 Kosten- und Preisprognosen für die Zukunft 32

2.5.4 Kostenabschätzung für kristalline Siliziummodule

2.5.5 Kostenabschätzung für Dünnschichtsolarzellen 34

33

2.5.6 Effekte einer Massenfertigung

36

2.5.7 Zusammenfassung

37

2.6 Förderung der Photovoltaik über FuE und Markteinführungs-

programme 38

2.6.1 Zeitliche Entwicklung der Fördermittel und Förderinstrumente .38

42

2.6.2 Einfluss der Förderung auf die Entwicklung der Modulpreise

2.7 Stromgestehungskosten der photovoltaischen Strahlungsenergienutzung44

2.8 Potenziale 45

II

3 Analyse der Entwicklung der Windenergienutzung

49

3.1 Prinzip der Windenergienutzung

49

3.2 Historische Entwicklung der Windenergieerzeugung

51

3.2.1 Historische Entwicklung

51

3.2.2 Zusammenfassung der historischen Entwicklung

56

3.2.3 Aktuelle Offshore-Windenergienutzung

58

3.3 Technologische Entwicklung von Windenergieanlagen

61

3.3.1 Technische Entwicklung der Mulit-Megawatt-Anlagen

64

3.3.2 Zusammenfassung der technologischen Entwicklungstendenzen . 66

3.4 Offshore-Technologie

67

3.4.1 Fundamentierung und Montage

68

3.4.2 Netzanbindung

70

3.5 Auswertung von Studien zur Entwicklung ökologischer Bilanzen

73

3.6 Preisentwicklung von Windenergieanlagen

76

3.6.1 Entwicklung der spezifischen Investitionskosten für Windenergieanlagen

76

3.6.2 Neben- und Betriebskosten

80

3.6.3 Kosten- und Preissituation von Offshore-Windenergieanlagen

83

3.7 Förderung der Windenergienutzung über FuE und Markteinführung

85

3.7.1 Zeitliche Entwicklung der Fördermittel und Förderinstrumente. 85

3.7.2 Einfluss der Förderung auf die Entwicklung der spezifischen

Investitionskosten

89

3.8 Abschätzung der Stromgestehungskosten und der zukünftigen Investitionen

93

3.8.1 Stromgestehungskosten Onshore

93

3.8.2 Stromgestehungskosten Offshore

95

3.9 Potenziale der Windenergienutzung

96

3.10 Zusammenfassung und zukünftige Forschungsschwerpunkte

97

4 Erforderliche Kostenentwicklung von PV- und Windenergieanlagen zur Aufrechterhaltung der Wachstumsdynamik

101

4.1 Photovoltaik

101

4.2 Windenergie – Onshore

107

4.3 Windenergie – Offshore

112

4.4 Abschätzung des Zeitpunktes für das Erreichen der Wirtschaftlich- keitsschwelle der Windstromerzeugung

116

5 Auswirkungen der Förderung auf die Kostenentwicklung von PV- und Windenergieanlagen in weiteren Ländern

5.1 Modelle zur Förderung erneuerbarer Energien in der EU-25

119

119

III

5.3 Entwicklung in Dänemark

125

5.3.1 Entwicklung der installierten Windenergieleistung

126

5.3.2 Entwicklung der Windenergieförderung

126

5.3.3 Entwicklung der spezifischen Investitionskosten

131

5.3.4 Wirkungsanalyse

132

5.4 Entwicklung in Spanien

134

5.4.1 Entwicklung der installierten Leistung

134

5.4.2 Entwicklung der Windenergieförderung

135

5.4.3 Entwicklung der spezifischen Investitionskosten

139

5.4.4 Wirkungsanalyse

140

5.5 Entwicklung in Japan

141

5.5.1 Entwicklung der installierten Leistung

142

5.5.2 Entwicklung der Fördersituation in Japan

143

5.5.3 Entwicklung der spezifischen Modulpreise

145

5.5.4 Wirkungsanalyse

146

5.6 Vergleich der Windenergieförderung in Deutschland, Dänemark und Spanien

148

5.7 Vergleich der Förderung der photovoltaischen Strahlungsenergie- nutzung in Deutschland und Japan

150

5.8 Zusammenfassung

151

6 Integration einer Stromerzeugung aus Windenergie und Speicherkraftwerken

154

6.1 Speichertechnologien für Elektroenergie 157

6.1.1 Pumpspeicherkraftwerke 158

6.1.2 Druckluft-Speicherkraftwerke 160

6.1.3 Batterie- und Brennstoffzellensysteme 163

6.1.4 Vergleich der vorgestellten Speichertechnologien 164

6.2 Erstellung eines Modells zur Integration einer Stromerzeugung aus

Windenergie und Speicherkraftwerken 166

6.3 Methodik und Ergebnisse

170

6.3.1 Anteile der Systemkomponenten an der Gesamtstromein- speisung

173

6.3.2 Spezifische CO 2 -Emissionen in Abhängigkeit der garantierten Leistung

175

6.3.3 Einfluss der energetischen Speicherkapazität

176

6.3.4 Stromgestehungskosten 177

6.4 Methodik und Berechnung von Back-up-Kosten

179

6.5 Zusammenfassung und Ausblick

180

IV

7 Perspektiven der Solar- und Windenergie für eine nachhaltige Energieversorgung in Deutschland

182

7.1 Anforderungen an nachhaltige Energiesysteme

182

7.2 Nachhaltigkeit verschiedener Stromerzeugungssysteme

183

7.2.1 Kumulierter Energieaufwand

184

7.2.2 Materialaufwand

185

7.2.3 Kumulierte Emissionen

186

7.2.4 Gesundheitsrisiken

186

7.2.5 Gesamtwirtschaftliche Kosten

187

7.3 Schlussbetrachtung

191

7.4 Ausblick

194

Literaturverzeichnis

195

V

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1-1

Stromerzeugungspotenziale Wind- und Solarenergie in Deutschland

1

2

1990 – 2006

Abb. 1-2

Bottom-up-Ansatz zur Ermittlung des Einflusses von FuE und

Markteinführungsmaßnahmen auf die Entwicklung der Wind- und Solarenergienutzung

Abb. 1-3:

Top-down-Ansatz zur Gewinnung einer Abschätzung über die zukünftige Entwicklung der Wind- und Solarenergienutzung 3

Abb. 2-1:

Aufbau einer Solarzelle

7

Abb. 2-2:

Tiegelziehanlage nach dem Czochralski-Verfahren 8

Abb. 2-3:

Zonenziehverfahren 9

Abb. 2-4:

Absorptionskoeffizienten von Si, CuInSe2, GaAs und CuGaSe 2

11

12

Abb. 2-5:

Bandstruktur direkter und indirekter Halbleiter

Abb. 2-6:

Überblick über die Entwicklung der Photovoltaik

14

14

Abb. 2-7:

Vier Phasen in der Entwicklung der Photovoltaik, speziell

Solarzellenherstellung

Abb. 2-8:

Produktionsmengen der verschiedenen Solarzellentypen 1996-2005 19

Abb. 2-9:

LGBC-Technologie

20

Abb. 2-10:

PERL-Technologie

20

Abb. 2-11:

POWER-Technologie 21

Abb. 2-12:

RGS-Technologie

22

Abb. 2-13:

Entwicklung der Emissionsbilanzen der photovoltaischen Stromerzeugung 24

Abb. 2-14:

Emissionsbilanzen eines Steinkohle- sowie Erdgas-GuD-Kraftwerks im

Vergleich zu einer photovoltaischen Stromerzeugung

25

27

Abb. 2-15:

Kostenanteile von PV-Anlagen 1991 und 2004

Abb. 2-16:

Preisentwicklung Solarmodule Deutschland 1992 - 2005 27

Abb. 2-17:

Entwicklung der Modulpreise/Welt für große Absatzmengen 1977 - 2005

28

28

Abb. 2-18:

Entwicklung der Weltproduktion an Solarzellen zwischen 1977 und 2005

Abb. 2-19:

Zusammenhang zwischen Kosten und Preisen 29

Abb. 2-20:

Lernkurve Modulpreis Deutschland 1977 - 2005 30

Abb. 2-21:

Entwicklung des durchschnittlichen Preises für Solarsilizium (Schätzung) 31

Abb. 2-22:

Entwicklung der BOS – Preise in Deutschland 1999-2005 32

Abb. 2-23:

Gegenüberstellung der tatsächlichen PV-Modulpreisentwicklung und der

einzelnen Prognosen

33

Abb. 2-24:

Ausgaben für FuE Photovoltaik durch den Bund zwischen 1974 und 2005 38

Abb. 2-25:

Entwicklung der installierten PV-Leistung 1990 - 1999 40

Abb. 2-26:

Entwicklung der Fördersummen 1991 - 2005

41

Abb. 2-27:

Entwicklung der netzgekoppelten PV-Leistung 1999 – 2005 41

Abb. 2-28:

Zusammenhang zwischen spezifischen Modulpreisen und kumulierten

42

43

FuE-Aufwendungen

Abb. 2-29:

Lernkurve zu spezifischen Modulpreisen und kumulierten FuE-

Aufwendungen

Abb. 2-30:

Parametervariation der Stromgestehungskosten 44

Abb. 3-1:

Leistungskennlinie einer Windenergieanlage

50

Abb. 3-2:

Leistungskennlinie einer stall- und einer pitch-geregelten Windenergie-

Abb. 3-3:

anlage ………………………………………………………………………51 Dänisches Konzept 1942 und Gedser-Anlage 1957 52

Abb. 3-4:

Hütter-Anlage StGW-34 53

VI

Abb. 3-5:

GROWIAN I

54

Abb. 3-6:

Anteil der Leistungsklassen an der jeweils neu installierten Windleistung

57

Abb. 3-7:

Durchmesser, Höhe und Leistung der Neuinstallationen im Durchschnitt

57

Abb. 3-8:

Geplante und genehmigte Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee -Wind

60

Abb. 3-9:

Anteile von stall- und pitch-geregelten zugebauter Windenergieanlagen

62

Abb. 3-10:

Anteile der Generatorbauarten von zugebauten Windenergieanlagen

62

Abb. 3-11:

Massenspezifisches Drehmoment in Abhängigkeit vom Rotordurchmesser

63

Abb. 3-12:

Fundamenttypen für Offshore-Windenergieanlagen

68

Abb. 3-13:

Massenvergleich der Fundamenttypen für Offshore-Windenergieanlagen

69

Abb. 3-14:

Verbindung der Windenergieanlagen mit Ringnetz bzw. Stichleitungen

70

Abb. 3-15:

Deutsches Verbundnetz

71

Abb. 3-16:

Spezifische Emissionen einer 2 MW-Windenergieanlage im Vergleich der

Jahre 1997 - 2007

75

Abb. 3-17:

Emissionsbilanzen eines Steinkohle- sowie Erdgas-GuD-Kraftwerks im

Vergleich zu einer Windstromerzeugung Onshore/Offshore

75

Abb. 3-18:

Spezifische Investitionskosten von Windenergieanlagen in Deutschland

1977

- 2005

76

Abb. 3-19:

Lernkurve Windenergie Deutschland 1987 - 2005

78

Abb. 3-20:

Ertragsspezifische Investition Windenergie 1990 - 2004

78

Abb. 3-21:

Preis der Turmkopfmasse pro kg in Abhängigkeit vom Rotordurchmesser

79

Abb. 3-22:

Massenspezifischer jährlicher Energieertrag in Abhängigkeit vom

Rotordurchmesser

79

Abb. 3-23:

Jährliche Betriebskosten in den Jahren 1997 - 2001, aufgeteilt nach dem

Betriebsjahr der Windenergieanlage

81

Abb. 3-24:

Ersatzinvestitionen bzw. Instandhaltungskosten über 20 Jahre Laufzeit

82

Abb. 3-25:

Durchschnittliche jährliche Stillstandszeit einer WEA in Abhängigkeit ihrer

Komponenten

83

Abb. 3-26:

Spezifische Kosten für Dreibeinfundamente in Abhängigkeit der

Anlagengröße und der Wassertiefe

84

Abb. 3-27:

Spezifische Kosten für die gesamte Netzanbindung eines 500-MW-

Beispielwindparks in Abhängigkeit von der Seekabellänge und der Art der Netzanbindung

85

Abb. 3-28:

Ausgeben für FuE Windenergie durch Bund und Länder 1977 - 2005

86

Abb. 3-29:

Entwicklung der jährlich zugebauten und der gesamt installierten

Windenergieleistung 1990 - 97

87

Abb. 3-30:

Durchschnittliche EEG-Vergütung für Windenergiestrom Onshore nach

EEG-Novelle 2004 in Cent/kWh in Abhängigkeit vom Jahr der Inbetriebnahme und vom Ertrag der Windenergieanlage

88

Abb. 3-31:

Durchschnittliche EEG-Vergütung für Windenergiestrom Offshore nach

EEG-Novelle 2004 in Cent/kWh in Abhängigkeit vom Jahr der Inbetriebnahme

88

Abb. 3-32:

Entwicklung der installierten Windenergieleistung 1990-2005

89

Abb. 3-33:

Aufwendungen an Fördermitteln in Deutschland für die Windenergie im

Rahmen von Programmen zu FuE (250 MW-Wind-Programm, FuE Bund, Förderung Bundesländer) sowie Programmen zu indirekten Investitions- kostenzuschüssen (ERP, und DtA-Programm) 1987 - 2005

90

Abb. 3-34:

Aufwendungen an Fördermitteln in Deutschland für die Windenergie

VII

Abb. 3-35:

Entwicklung der kumulierten FuE- und Gesamtförderung der Windenergie und der spezifischen Investitionskosten für Windenergieanlagen in Deutschland von 1987 - 2005

92

Abb. 3-36:

Zusammenhang zwischen spezifischen Investitionskosten und kumulierten FuE-Aufwendungen bzw. kumulierter Gesamtförderung 1987 – 2005 92

Abb. 3-37:

Parametervariation der Stromgestehungskosten Onshore

94

Abb. 3-38:

Parametervariation der Stromgestehungskosten Offshore

95

Abb. 4-1:

Entwicklung der EEG-Vergütungssätze Solarstrom von 2004 - 2020 für

Dach- und Freiflächenanlagen

101

Abb. 4-2:

Erforderliche spezifische Investitionskosten für Dachanlagen < 30 kW P

102

Abb. 4-3:

Erforderliche spezifische Investitionskosten für Freiflächenanlagen

103

Abb. 4-4:

Wachstumsrate als Funktion der Progress Ratio in Abhängigkeit vom

Abb. 4-5:

Zinssatz (Dachflächenanlagen < 30 kW P ) 104 Progress Ratio als Funktion der Wachstumsrate in Abhängigkeit vom

Abb. 4-6:

Zinssatz (Dachflächenanlagen < 30 kW P ) 104 Abschätzung der installierten PV-Leistung und der Stromerzeugung aus

Abb. 4-7:

PV-Anlagen in Deutschland 2006 – 2020 105 Jährlicher Zubau an PV-Leistung in Deutschland 2006 – 2020 106

Abb. 4-8:

Jährliche EEG-Vergütungszahlungen Photovoltaik 2006 – 2020 bei einer

 

Wachstumsrate von 30% und einer Stromerzeugung von 850 kWh/kW P

106

Abb. 4-9:

Durchschnittliche EEG-Einspeisevergütung Windstrom Onshore

2004

– 2020

107

Abb. 4-10:

Erforderliche spez. Investitionskosten WEA Onshore bei 1.750

Volllaststunden

108

Abb. 4-11:

Erforderliche spez. Investitionskosten WEA Onshore bei 3.400

Volllaststunden

109

Abb. 4-12:

Ausbauszenario Windenergie 110

Abb. 4-13:

Ausbauszenario Onshore-Windenergienutzung 2006-2020

111

Abb. 4-14:

Jährliche EEG-Vergütungszahlungen Onshore-Windenergienutzung

2004

– 2020 gemäß DEWI-Ausbauszenario 112

Abb. 4-15:

EEG-Einspeisevergütung Windstrom Offhore 2004 – 2020 113

Abb. 4-16:

Erforderliche spez. Investitionskosten WEA Offhore bei 3.500 Volllaststunden

113

Abb. 4-17:

Progress Ratio als Funktion der Volllaststundenzahl und in Abhängigkeit vom Zinssatz

114

Abb. 4-18:

Ausbauszenario Offhore-Windenergienutzung 2006-2020 115

Abb. 4-19:

Jährliche EEG-Vergütungszahlungen Offhore-Windenergienutzung

 

2006

– 2020 gemäß Ausbauszenario 116

Abb. 4-20:

Entwicklung der EEG-Vergütungssätze Windenergie On-/Offshore 117

Abb. 4-21:

Entwicklung der Stromgestehungskosten des konventionellen

Abb. 5-1:

Kraftwerksparks vs. Entwicklung der EEG-Vergütungssätze Windenergie .118 Fördermodelle in der EU-25 123

Abb. 5-2:

Installierte Windenergieleistung im Jahr 2004 in MW und Marktanteil in

der EU-15 in Prozent

124

Abb. 5-3:

Stromgestehungskosten aus Windenergie im Jahr 2003 in Cent/kWh 125

Abb. 5-4:

Entwicklung der installierten Windenergieleistung in Dänemark

1984

– 2005

126

Abb. 5-5:

Entwicklung der FuE-Förderung in Dänemark 1981 – 2005

127

Abb. 5-6:

Direkte Investitionskostenzuschüsse in Dänemark 1979 – 1988

127

Abb. 5-7:

Bereinigte Einspeisevergütungszahlungen in Dänemark 1984 – 2005

128

VIII

Abb. 5-8:

Aufwendungen an Fördermitteln in Dänemark für die Windenergie

 

1979

– 2005 nach Förderinstrumenten

130

Abb. 5-9:

Lernkurve Windenergie Dänemark

131

Abb. 5-10:

Entwicklung der FuE-Mittel, der direkten Investitionskostenzuschüsse, der

Einspeisevergütungen und der spezifischen Investitionskosten für Windenergieanlagen in Dänemark im Zeitraum 1981 bis 2000

132

Abb. 5-11:

Entwicklung der installierten Windenergieleistung in Spanien 1984 – 2005 134

Abb. 5-12:

Entwicklung der FuE-Förderung in Spanien 1979 – 2005

135

Abb. 5-13:

Direkte Investitionskostenzuschüsse in Spanien 1991 – 1998

136

Abb. 5-14:

Bereinigte Einspeisevergütungszahlungen in Spanien 1994 – 2005

137

Abb. 5-15:

Aufwendungen an Fördermitteln in Spanien für die Windenergie

1979

– 2005 nach Förderinstrumenten

139

Abb. 5-16:

Lernkurve Windenergie Spanien

139

Abb. 5-17:

Entwicklung der FuE-Mittel, der direkten Investitionskostenzuschüsse, der

Einspeisevergütungen und der spezifischen Investitionskosten für Windenergieanlagen in Spanien im Zeitraum 1984 bis 2005

140

Abb. 5-18:

Entwicklung der installierten Photovoltaik-Leistung in Japan 1993 – 2005. 142

Abb. 5-19:

Entwicklung der FuE-Förderung in Japan 1979 – 2005

143

Abb. 5-20:

Direkte Investitionskostenzuschüsse in Japan 1994 – 2005

144

Abb. 5-21:

Aufwendungen an Fördermitteln in Japan für die Photovoltaik

1979

– 2005 nach Förderinstrumenten

145

Abb. 5-22:

Lernkurve Photovoltaik Japan

146

Abb. 5-23:

Entwicklung der FuE-Mittel, der direkten Investitionskostenzuschüsse und

der spezifischen PV-Modulpreise für Japan im Zeitraum 1979 bis 2005

147

Abb. 5-24:

Einflüsse der Förderpolitik auf das Lernsystem

152

Abb. 6-1:

Maximale Tageslast und monatliche durchschnittliche Last in

Deutschland 2004

154

Abb. 6-2:

Tages- und monatsmittlere Leistung eines Windparks im Jahresverlauf (Nennleistung: 10.000 MW; Standort: Borkum/Helgoland/List, Jahr: 1993)155

Abb. 6-3:

Strom- und Reststromnachfrage und photovoltaische Stromerzeugung

156

Abb. 6-4:

Übersicht über Elektroenergiespeicher

157

Abb. 6-5:

Konzept eines Druckluft-Speicherkraftwerkes im Verbund mit einem

Windpark

160

Abb. 6-6:

Prinzip der Energiespeicherung am Beispiel eines Lastverlaufs über

24 Stunden mit integriertem Druckluft-Speicherkraftwerk

161

Abb. 6-7:

Prinzipskizze eines diabaten Druckluft-Speicherkraftwerks

162

Abb. 6-8:

Prinzipskizze eines adiabaten Druckluftspeicherkraftwerks

163

Abb. 6-9:

Schematische Darstellung der prinzipiellen Arbeitsweise

elektrochemischer Stromquellen

163

Abb. 6-10:

Geplante Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee

166

Abb. 6-11:

Vorgehen zur Umrechnung der Windgeschwindigkeit in eine

Windenergieanlagenleistung

168

Abb. 6-12:

Gegenüberstellung Leistung Windpark und eingespeiste Leistung

169

Abb. 6-13:

Einspeisung aus Windpark, Speichersystem und Ausgleichsenergie

170

Abb. 6-14:

Eingabebereich des Modells

171

Abb. 6-15:

Anteile von Windpark, Speichersystem und Ausgleichsenergie an der

Gesamtstromeinspeisung in Abhängigkeit von der garantierten Leistung

174

Abb. 6-16:

Vergleich der Anteile von Windpark, Speicher und Ausgleichsenergie an

der Gesamtstromeinspeisung bei Verwendung eines adiabaten Druckluft- Speicherkraftwerks im Vergleich zum Referenzfall

175

IX

Abb. 6-17:

Spezifische CO 2 -Emissionen in Abhängigkeit der garantierten Leistung

176

Abb. 6-18:

Abhängigkeit der maximal garantierbaren Leistung des Windpark-

Speicher-Systems (ohne erforderlichen Bezug von Ausgleichsenergie) von der Speicherkapazität (diabates CAES-Kraftwerk)

176

Abb. 6-19:

Abhängigkeit der maximal garantierbaren Leistung des Windpark-

Speicher-Systems (ohne erforderlichen Bezug von Ausgleichsenergie) von der Speicherkapazität (adiabates CAES-Kraftwerk)

177

Abb. 6-20:

Abhängigkeit der Stromgestehungskosten der Windpark-Speicher-

Systems von der garantierten Leistung

178

Abb. 6-21:

Intersystemische Differenzkosten eines Windpark-Speicher-Systems

im Vergleich zu einem Windpark ohne Speicher

178

Abb. 6-22:

Geplante Entwicklung der Windenergieleistung in Deutschland bis 2015

181

Abb. 7-1:

Spezifischer kumulierter Energieaufwand der Stromerzeugung

185

Abb. 7-2:

Material- und Rohstoffbedarf der Stromerzeugung

185

Abb. 7-3:

Spezifische kumulierte Emissionen der Stromerzeugung

186

Abb. 7-4:

Spezifische Gesundheitsrisiken der Stromerzeugung

187

Abb. 7-5:

Externe Kosten der Stromerzeugung

189

Abb. 7-6:

Gesamtwirtschaftliche Kosten der Stromerzeugung

190

X

XI

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2-1:

Wirkungsgrade von Solarzellen

13

Tabelle 2-2:

Entwicklung der Technologie der photovoltaischen Stromerzeugung

15

Tabelle 2-3:

Entwicklung der Endkundenkosten inkl. Installation für PV-Anlagen

1999 – 2005 in €/kW P

26

Tabelle 2-4:

In früheren Studien prognostizierte Solarmodulkosten/–preise

32

Tabelle 2-5:

Abschätzung der spezifischen Herstellungskosten für PV-Module ab

Werk mittels technischer Kostenanalyse

34

Tabelle 2-6:

Modulkosten [US-$/W P ] in Abhängigkeit von flächenspezifischen

Herstellungskosten [US-$/m²] und Wirkungsgrad

35

Tabelle 2-7:

Herstellungskosten Solarmodule in Abhängigkeit vom jährlichen

Ausstoß

36

Tabelle 2-8:

Vergütungssätze nach EEG für solare Strahlungsenergie

(Dachanlagen < 30 kW P ) in Cent/kWh

41

Tabelle 2-9:

Potenziale einer photovoltaischen Stromerzeugung in Deutschland

45

Tabelle 3-10:

Abriss der Windenergiehistorie 1990 - 1999

55

Tabelle 3-11:

Hersteller von Offshore-Windenergieanlagen im Leistungsbereich

3-5 MW

58

Tabelle 3-12:

Offshore-Projekte in Europa 1991 - 2006

59

Tabelle 3-13:

Eigenschaften von Synchron- und Asynchrongeneratoren mit direkter

bzw. indirekter Netzkopplung

63

Tabelle 3-14:

Windenergieanlagen im Leistungsbereich 3-5 MW inkl. technischer

Details

64

Tabelle 3-15:

Merkmalseigenschaften verschiedener Windenergieanlagen

unterschiedlicher Leistung und unterschiedlicher Hersteller

67

Tabelle 3-16:

Umwelteffekte von Windenergieanlagen

73

Tabelle 3-17:

Zusammensetzung der Investitionsnebenkosten im Mittel über die

Jahre 1994 – 2001

81

Tabelle 3-18:

Durchschnittliche Investitions-, Neben- und Betriebskosten einer WEA

82

Tabelle 3-19:

EEG-Vergütungssätze nach EEG-Novelle 2004 für eingespeisten

Windenergiestrom in Cent/kWh

87

Tabelle 3-20:

Theoretische und technische Potenziale einer Onshore-Windstrom-

erzeugung in Deutschland

96

Tabelle 5-21:

Förderinstrumente in der EU-25 und Japan einschl. nationaler Ziel-

setzung des Anteils EE an der Bruttostromerzeugung 2010

120

Tabelle 5-22

Aktuelle Einspeisetarife (in Cent/kWh) für privat betriebene WEA in

Dänemark

129

Tabelle 5-23:

Aktuelle Einspeisetarife (in Cent/kWh) für WEA in Spanien

138

Tabelle 5-24

Vergleich Deutschland, Dänemark und Spanien hinsichtlich der

untersuchten Kenngrößen

148

Tabelle 5-25

Vergleich Deutschland und Japan hinsichtlich der untersuchten

Kenngrößen

150

Tabelle 6-26:

Charakteristiken von PV-, Windstrom- und Wasserkraftstromerzeugung 156

Tabelle 6-27:

Vergleich der verschiedenen Speichertechnologien

158

Tabelle 6-28:

Vor- und Nachteile von Pumpspeicherkraftwerken

159

Tabelle 6-29:

Vergleich von Pumpspeicherkraftwerken, Brennstoffzellensystemen

und Druckluft-Speicherkraftwerken

165

XII

Tabelle 6-30:

Entscheidungsmatrix für den Betrieb und die Stromabgabe eines

Systems aus Windpark und Speicherkraftwerk

169

Tabelle 6-31:

Eingabe- und Ergebnisfelder des Modells

172

Tabelle 6-32:

Spezifische CO 2 -Emissionen verschiedener zukünftiger

Stromerzeugungssysteme

173

Tabelle 7-33:

Referenzanlagen zur Stromerzeugung

184

Tabelle 7-34:

Annahmen zur Ermittlung der Stromgestehungskosten

190

1 Einleitung

1

1

Einleitung

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hat sich in den vergangenen Jahren in erhebli- chem Maße entwickelt, angestoßen u.a. durch technische Entwicklungen sowie FuE- Anstrengungen und Markteinführungsprogramme. Ende 2006 waren rund 2,8 GW an Photovoltaik-Leistung in Deutschland installiert mit einem Stromerzeugungspotenzial von rund 2.400 GWh, ferner belief sich die installierte Wind- energieleistung auf rund 20,6 GW mit einem Stromerzeugungspotenzial von rund 35 TWh (vgl. Abb. 1-1). 1 Die tatsächliche Stromerzeugung betrug im Jahr 2006 rund 2.000 GWh aus Solar- energie und rund 30,5 TWh aus Windenergie aufgrund eines unterdurchschnittlichen Windjahres /BMU 2007/. Trotz Ausweitung der installierten Kapazitäten und Kostenreduktionen reichen allerdings die gemachten Fortschritte nicht aus, um die Stromerzeugung aus Sonne und Wind zu konventi- onellen Stromerzeugungssystemen konkurrenzfähig zu machen.

2,500 40,000 PV Strom 2,000 Wind Strom 32,000 1,500 24,000 1,000 16,000 500 8,000 0
2,500
40,000
PV Strom
2,000
Wind Strom
32,000
1,500
24,000
1,000
16,000
500
8,000
0
0
1990
1992
1994
1996
1998 2000
2002
2004
2006
Stromerzeugungspotenzial [GWh]
Photovoltaik
Stromerzeugungspotenzial [GWh]
Windenergie

Abb. 1-1:

Stromerzeugungspotenziale Wind- und Solarenergie in Deutschland 1990 – 2006

Im Zentrum der Arbeit steht daher die Frage, welche Rolle speziell die Solar- und Windener- gie für die Stromerzeugung in Deutschland spielen sowie welche Entwicklungsmöglichkeiten und –potenziale im Hinblick auf die bisher gemachten Fortschritte und gesammelten Erfah- rungen zukünftig erschlossen werden können. Dazu werden die technischen, ökonomischen und ggf. ökologischen Aspekte der Entwicklungsmöglichkeiten einer Stromerzeugung aus Solar- und Windenergie detailliert untersucht, die Rolle von Forschung, Entwicklung und Markteinführungsmaßnahmen ermittelt und die Beiträge dieser Technologien im Hinblick auf eine nachhaltige Energieversorgung in Deutschland analysiert.

1 Im Fall der Photovoltaik wurde zur Ermittlung des Stromerzeugungspotenzials eine Ausbeute von 850 kWh/kW P unterstellt, im Fall der Windenergie eine Volllaststundenzahl von 1.700.

2

1 Einleitung

Die Untersuchung der skizzierten Problemstellungen erfolgt in einem technologiezentrierten Ansatz unter besonderer Berücksichtigung ökonomischer Faktoren. Dabei wird in zwei sich ergänzenden Vorgehensweisen und aus unterschiedlicher Richtung die Entwicklung der Wind- und Solarenergie analysiert. In Form eines Bottom-up-Ansatzes (vgl. Abb. 1-2) erfolgt zunächst eine Analyse der bisherigen Entwicklung der Stromerzeugungstechnologien aus Solar- und Windenergie unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses von FuE sowie Markteinführungsmaßnahmen.

Aussage über die Entwicklung der Wind- und Solarenergienutzung unter dem Einfluss von FuE und M
Aussage über die Entwicklung der Wind- und Solarenergienutzung
unter dem Einfluss von FuE und M arkteinführungsmaßnahmen
FuE, Markteinführung,
FuE, Markteinführung,
-inst. Leistung
-inst. Leistung
-Stromerzeugung
Wind
-Stromerzeugung
PV
-Technologie
-Technologie
-Kosten
Lernkurvenansatz
-Kosten
Lernkurvenansatz

Abb. 1-2:

Bottom-up-Ansatz zur Ermittlung des Einflusses von FuE und Markteinführungs- maßnahmen auf die Entwicklung der Wind- und Solarenergienutzung

Bei diesem Ansatz werden auch Lernkurven analytisch betrachtet und einbezogen. Ziel des Ansatzes ist eine Aussage über die Wirkung der verschiedenen Fördermaßnahmen auf die Entwicklung der jeweiligen Stromerzeugungstechnologie einschließlich ihrer Kosten sowie eine Abschätzung der zukünftigen technischen Entwicklung als auch des Weiteren abzulei- tenden Kostenreduktionspotenzials. In einem zweiten Schritt erfolgt in Form eines Top-down-Ansatzes (vgl. Abb. 1-3) die Betrachtung von Solar- und Windenergie als Elemente des Gesamtsystems der Energie- versorgung. Hier werden die zukünftig möglichen Beiträge der Solar- und Windenergie zur Stromerzeugung in Deutschland abgeschätzt und Aussagen über die mögliche zukünftige Entwicklung von Solar- und Windenergienutzung getroffen. Zudem kann damit eine Ab- schätzung erfolgen, inwieweit die beiden betrachteten regenerativen Energien Sonne und Wind zu den Ausbauzielen für die erneuerbaren Energien insgesamt beizutragen vermögen. Fragen nach der Integration speziell der Windstromerzeugung in das bestehende Energiesystem bzw. Leitungsnetz werden in diesem Zusammenhang ebenfalls diskutiert.

1 Einleitung

3

Energiesystem

 

- konventionelle Energieträger

 

(Kohle, Gas, Kernenergie,

)

- regenerative Energieträger

 

(Wasser, Wind, PV,

)

Energieträger   (Wasser, Wind, PV, ) Energieträger- preise Wind PV Klimaschutz- anforderungen
Energieträger   (Wasser, Wind, PV, ) Energieträger- preise Wind PV Klimaschutz- anforderungen

Energieträger-

preise

Wind
Wind
PV
PV

Klimaschutz-

anforderungen

Aussage über zukünftige Entwicklung der Wind- und Solarenergienutzung

Abb. 1-3:

Top-down-Ansatz zur Gewinnung einer Abschätzung über die zukünftige Entwick- lung der Wind- und Solarenergienutzung

Ergänzend zu diesen Analysen in Bezug auf Deutschland werden in einem weiteren sich an- schließenden Schritt zunächst die Instrumente zur Förderung erneuerbarer Energien in der Europäischen Union kurz vorgestellt, bevor speziell die Fördersysteme von Dänemark und Spanien dem deutschen Fördersystem gegenübergestellt werden. Die beiden Länder weisen nach Deutschland die größten installierten Windenergieleistungen in Europa auf, so dass ein Vergleich der drei Länder in Bezug auf die Frage, wie sich die jeweiligen Fördermechanis- men auf die Entwicklung der spezifischen Investitionskosten ausgewirkt haben, zu interes- santen Schlussfolgerungen führen kann. Der Fokus dieser Untersuchungen liegt jeweils auf der Nutzung der Windenergie. Im Bereich der Photovoltaik weist lediglich Japan eine vergleichbare bzw. noch stär- kere Ausbaudynamik in den vergangenen Jahren als Deutschland auf, während speziell in Europa erst seit wenigen Jahren ein moderater Ausbau der photovoltaischen Stromerzeugung in anderen Ländern zu beobachten ist. Aus diesem Grund bietet sich im PV-Sektor Japan als Vergleichsland an. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass in Japan kein dem EEG vergleichba- res Förderinstrument existiert, sondern die Förderung primär durch direkte Investitionskos- tenzuschüsse realisiert wurde. Gleichwohl kann ein Vergleich beider Ländern aufschlussrei- che Aussagen über die Effizienz der Förderprogramme liefern, zumal in Japan nach Beendi- gung des Residential PV System Dissemination Program (RPVD) im Jahr 2006 mit großer Spannung erwartet wird, wie sich der Markt weiter entwickeln wird (vgl. dazu /Hirshman 2006/, /Rentzing 2006/).

4

1 Einleitung

Sowohl der Vergleich mit Dänemark und Spanien im Bereich der Windenergie als auch der Vergleich mit Japan auf dem Gebiet der Photovoltaik können in Bezug auf eine weitere No- vellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hilfreiche Aussagen liefern, inwieweit das EEG - abgesehen von seinem Beitrag zum Ausbau der installierten Leistung von Wind- und Solarenergie - zugleich als Instrument zur Senkung der Kosten der jeweiligen Technologie geeignet ist.

1.1 Arbeitsschritte und Vorgehensweise

Im Einzelnen werden in der Studie folgende Punkte behandelt:

Systematische Darstellung der gegenwärtigen Techniken und Technologien zu Strom- erzeugungssystemen aus Wind- und Solarenergie (Technologie, Potenziale, installier- te Leistung, Kosten und Vergütungssätze)

Analyse des Einflusses von FuE bzw. Markteinführungsmaßnahmen auf die tech- nisch-ökonomische Entwicklung von Stromerzeugungstechnologien aus Wind- und Solarenergie

Untersuchung der Technologie- und Kostenentwicklungen mittels der Betrachtung bzw. ggf. Fortschreibung von Lernkurven mit dem Ziel einer Analyse der zukünftigen technischen Entwicklung und Kostenreduktionspotenziale

Literaturanalyse zu den Auswirkungen der technisch-ökonomischen Entwicklung auf Größen wie Energieaufwand oder ökologische Belastungen

Analyse zur Abschätzung der möglichen Beiträge der erneuerbaren Energien Sonne und Wind zur Stromerzeugung in Deutschland durch Variation der Rahmenbedingun- gen im konventionellen Energiesystem

Darstellung der Instrumente zur Förderung der erneuerbaren Energien speziell zur Stromerzeugung in der Europäischen Union

Analyse der Förderung der Windenergie und der Entwicklung der spezifischen Inves- titionskosten am Beispiel Dänemark und Spanien

Analyse der Förderung der photovoltaischen Stromerzeugung und der Entwicklung der spezifischen Investitionskosten am Beispiel Japan

Modellgestützte Untersuchung der Frage nach Integration speziell der Windstromer- zeugung in das bestehende Energiesystem

Als Grundlage der Betrachtung dient eine detaillierte Analyse der Entwicklung der Stromer- zeugungstechnologien aus Wind- und Solarenergie in der Vergangenheit unter besonderer Berücksichtigung der erfolgten Fördermaßnahmen (FuE, Markteinführungsprogramme). Welche Entwicklung hat sich vollzogen, wie haben sich möglicherweise Materialien, Bau-

1 Einleitung

5

weise, Technik oder Kosten verändert, welchen Einfluss hatten die diversen Fördermaßnah- men - sind nur einige der Fragen, die betrachtet werden. Nach der Erhebung des derzeitigen Standes werden insbesondere die absehbaren und zukünftigen Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung der verschiedenen Technologien und Techniken ermittelt und analysiert. Dazu dient u.a. die Untersuchung von Lernkurven, Kos- ten- und Preisentwicklungen wie auch die Analyse neuer Konzepte, die aussichtsreich sind und sich möglicherweise in Zukunft durchsetzen oder Markanteile gewinnen. Beispielsweise werden neue Zelltypen im Bereich der Photovoltaik oder auf dem Gebiet der Windenergie die Errichtung von Offshore-Windenergieanlagen untersucht. Weiterhin wird anhand einer Lite- raturauswertung zu Lebenszyklusanalysen betrachtet, wie sich Kenngrößen wie beispielswei- se die kumulierten CO 2 -, SO 2 - oder NO X -Emissionen in der Vergangenheit geändert haben. Als dazu komplementärer Ansatz werden Wind- und Solarenergie im Gesamtenergie- system der Stromerzeugung in Deutschland unter unterschiedlich gesetzten Rahmenbedin- gungen wie variierenden Brennstoffpreisen oder verschieden strengen Klimaschutzanforde- rungen untersucht. Als Ergebnis erfolgt eine Abschätzung, ab welchem Zeitpunkt mit einer Konkurrenzfähigkeit insbesondere der Windstromerzeugung mit konventionellen Systemen gerechnet werden darf. Zur Einordnung der für Deutschland gewonnenen Ergebnisse insbesondere hinsicht- lich des Einflusses der Förderung auf die Kostenentwicklung der jeweiligen Technologie erfolgt ein Vergleich Deutschlands mit anderen Ländern. Im Bereich der Windenergie wer- den die Fördersysteme Dänemark und Spaniens analysiert, bezüglich der photovoltaischen Strahlungsenergienutzung erfolgt eine Analyse des Fördersystems in Japan. Für die drei Länder wird vergleichbar zur Vorgehensweise für Deutschland der Ein- fluss zwischen Förderung und Kostenentwicklung untersucht um auf diese Weise die Ergeb- nisse einander gegenüberzustellen und durch den Vergleich Aussagen über die Wirkung un- terschiedlicher Förderinstrumente zu gewinnen. Als weiterer Punkt erfolgt die Behandlung von Fragen im Zusammenhang mit der Integration der Energieträger Sonne und Wind in das Gesamtsystem. Die Untersuchung wird sich aufgrund der aktuell bereits erreichten Dimension der Windenergienutzung primär auf deren Integration in das bestehende Energiesystem konzentrieren und anhand eines modell- gestützten Ansatzes werden u.a. Stromgestehungskosten wie auch spezifische CO 2 - Emissionen eines Windpark-Speicher-Systems ermittelt. Abschließend erfolgt eine Untersuchung, inwieweit Solar- und Windenergienutzung einen Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung liefern können. Hierzu wird zunächst auf den Begriff der Nachhaltigkeit eingegangen, bevor verschiedene Stromerzeugungstechno- logien auf Basis unterschiedlicher Nachhaltigkeitsindikatoren miteinander verglichen werden und speziell Solar- und Windenergie dadurch eine Einordnung in das Spektrum der einzelnen Technologien zur Stromerzeugung erfahren.

6

1 Einleitung

.

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

7

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

In diesem Kapitel wird nach einer Darstellung des Prinzips der photovoltaischen Stromer- zeugung die historisch-technologische Entwicklung der Photovoltaik seit Mitte der 70er Jah- re dargestellt. Es wird darüber hinaus untersucht, welche Potenziale in Bezug auf die zukünf- tige technische Entwicklung sich abzeichnen und welche Entwicklungen sich in Bezug auf Energieaufwand oder ökologische Belastungen andeuten. Daran schließt sich eine Untersu- chung der Preisentwicklung von Solarmodulen an, bevor unterschiedliche Fördermaßnahmen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die spezifischen Modulpreise analysiert werden. Ab- schließend werden die zukünftigen Stromgestehungskosten aus Photovoltaik-Systemen abge- schätzt ebenso wie die ausstehenden Lerninvestitionen, die erforderlich sind, um die photo- voltaische Stromerzeugung zu konventionellen Systemen konkurrenzfähig zu machen.

2.1 Prinzip der photovoltaischen Stromerzeugung

Unter der photovoltaischen Energiewandlung versteht man die direkte Umwandlung der elektromagnetischen Energie des Sonnenlichtes in elektrische Energie. Trifft ein Photon auf einen Halbleiter, so kann seine Energie auf ein Elektron des Va- lenzbandes übertragen werden und dieses Elektron ins Leitungsband anheben. Man spricht vom sogenannten inneren Photoeffekt, im Gegensatz zum äußeren Photoeffekt, unter dem man das Herausschlagen von Elektronen aus der Oberfläche versteht. Photo- oder Solarzellen bestehen aus p-n-Übergängen mit einer Grenzschicht, in der sich aufgrund eines Diffusionsstromes ein elektrisches Feld ausbildet. Werden nun aufgrund des inneren Photoeffekts Elektron-Loch-Paare in einem solchen Halbleiter erzeugt, werden diese von dem elektrischen Feld in der Raumladungszone getrennt und können über Kontakte zu einem Verbrauchswiderstand abgeleitet werden (vgl. Abb. 2-1).

Licht Licht strahlungsinduzierter Strom Kontaktfinger von Vorderseitenkontakt - n-Schicht + strahlungsinduzierte
Licht
Licht
strahlungsinduzierter
Strom
Kontaktfinger von
Vorderseitenkontakt
-
n-Schicht
+
strahlungsinduzierte
elektrisches
Spannung
Feld
Rückseitenkontakt
p-Schicht
Bewegungsrichtung im el.Feld

Antireflexschicht

8

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

Dabei bewegen sich die Elektronen in Richtung des n-Halbleiters, die Löcher oder Defekt- elektronen in Richtung des p-Halbleiters. Man spricht vom photoelektrischen Effekt. Auf diesem Prinzip basieren u.a. Solarzellen aus den Halbleitern Silizium oder Ger- manium, aber auch Dünnschichtsolarzellen beispielsweise aus CuInSe 2 oder CdTe. Der Markt wird heute überwiegend von monokristallinen und polykristallinen Silizi- umzellen sowie amorphem Silizium beherrscht, aus welchem Grund diese drei Zelltypen im Detail vorgestellt werden.

2.1.1 Monokristallines und polykristallines Silizium

Aus Quarzsand wird mit Hilfe einer Schmelzelektrolyse unter hohem Energieaufwand tech- nisches oder metallurgisches Silizium hergestellt (vgl. Gleichung 1-1). Die Reinigung dieses Rohsiliziums erfolgt durch Reaktion des Siliziums mit Chlorwasserstoff zu Trichlorsilan (vgl. Gleichung 1-2) und anschließende Destillation. Durch Umkehrung der Reaktion (vgl. Gleichung 1-3) erhält man Silizium in polykristalliner Form.

SiO 2 + 2 C Si + 2 CO

(Gleichung 1-1)

Si + 3 HCl SiHCl 3 + H 2

(Gleichung 1-2)

SiHCl 3 + H 2 Si + 3 HCl

(Gleichung 1-3)

Aus diesem kann mit Hilfe des Czochralski-Prozesses monokristallines Silizium gewonnen werden, indem in einem Tiegelziehprozess ein Kristallkeimling in die Siliziumschmelze ein- getaucht wird und langsam unter Drehbewegung des Tiegels herausgezogen wird (vgl. Abb. 2-2). Dadurch erhält man zylinderförmige Siliziumstäbe.

2-2 ). Dadurch erhält man zylinderförmige Siliziumstäbe. Abb. 2-2: Tiegelziehanlage nach dem Czochralski-Verfahren

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

9

Alternativ kann mittels Zonenziehverfahren monokristallines Silizium gewonnen werden. Dabei durchwandert eine bewegliche Induktionsspule, ausgehend von einem Impfkristall, einen Stab polykristallinen Siliziums. Nach Aufschmelzen und Rekristallisation liegt das Silizium in monokristalliner Form vor (vgl. Abb. 2-3). Das mit Hilfe dieser Technologie her- gestellte monokristalline Silizium findet für Solarzellen mit höchsten Wirkungsgraden Ver- wendung.

für Solarzellen mit höchsten Wirkungsgraden Ver- wendung. Abb. 2-3: Zonenziehverfahren /TU München 2007/ Die

Abb. 2-3:

Zonenziehverfahren /TU München 2007/

Die Herstellung von polykristallinen Blöcken erfolgt nach dem Gieß- und Kristallisationsver- fahren (Bayer-Verfahren) derart, dass zunächst das Silizium in einem Tiegel geschmolzen wird, bevor in einem zweiten Tiegel die Kristallisation stattfindet. Alternativ sieht das Bridgman-Verfahren Schmelz- und Kristallisationsvorgang in einem Tiegel vor, allerdings mit dem Nachteil leicht geringerer Ausbeuten (vgl. /Woditsch 2000/). Das Zersägen der Stangen von mono- bzw. polykristallinem Silizium zu ca. 300 µm /BMU 2005b/ dicken Si-Wafern erfolgt mittels Innenlochsäge oder Drahtsägeverfahren. Trennen bei erstgenanntem Verfahren rotierende Stahltrennblätter die Siliziumzylinder bzw. -quader Stück für Stück in einzelne Wafer, so erfolgt die Trennung beim Drahtsägeverfahren über zueinander parallel laufende Drahtreihen in bis zu mehrere Hundert Wafer gleichzeitig. Die Materialverluste belaufen sich beim Innenlochsägeverfahren auf rund 300 µm, entsprechend ca. 50 % des gesamten Rohstoffeinsatzes, während sie beim Drahtsägeverfah- ren mit rund 220 µm (vgl. /Kappler 2002/) deutlich darunter liegen. Es wird abgeschätzt, dass mit den konventionellen Sägeverfahren auch zukünftig bestenfalls 150 µm dicke Wafer bei Sägeverlusten von ebenfalls rund 150 µm hergestellt werden können.

10

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

Neue Sägetechnologien, die statt mit einer Drahtsäge mit einem dünnen Ätz- und Laserstrahl arbeiten, sind in Entwicklung. Ein von Synova entwickeltes Verfahren erreicht bei Silizium- stäben von 2 cm Durchmesser bereits Sägegeschwindigkeiten von rund 6 cm/min und könnte die Sägeverluste auf rund 50 µm begrenzen (vgl. /Kiess 2001/). Ein weiteres Verfahren arbeitet mit einem elektro-chemischen Ätzprozess: Hierbei sorgt eine Gleichspannung zwischen Draht und Siliziumblock für das Einsetzen eines Ätz- prozesses an den mit Ätzflüssigkeit benetzten Siliziumstellen. Ein lediglich 25 µm dicker Germaniumwafer konnte so bereits bei einer Schneidkerbe von rund 175 µm hergestellt wer- den (vgl. /ISE 2003/). Um die Sägeverluste noch stärker zu verringern und damit die gesamte Ausbeute zu erhöhen, hat sich als weiteres Verfahren das EFG-Verfahren („Edge-defined Film-fed Growth“) entwickelt, bei dem achteckige Siliziumrohre hergestellt werden, aus denen Bänder bzw. Platten per Laser herausgeschnitten werden. Diese aus einer Siliziumschmelze gezoge- nen Bänder weisen eine Dicke von rund 300 µm auf, wobei bereits die Herstellung von ge- wölbten Wafern mit lediglich 100 µm Dicke gelungen ist. Allerdings gestaltet sich hierbei die Verarbeitung der gewölbten Scheiben noch als problematisch. An die Herstellung der Wafer schließen sich als weitere Fertigungsschritte die Oberflä- chenbehandlung (Abätzen des Sägeschadens, Texturierung), die Herstellung des p-n-Übergangs bei mono- bzw. polykristallinen Solarzellen sowie die Kontaktherstellung und das abschließende Anbringen einer Antireflex-Beschichtung an.

2.1.2 Amorphes Silizium

Auf einem Substrat, in der Regel Glas, werden durch Aufdampfen verschiedene Silizium- schichten (n-dotiertes, undotiertes und p-dotiertes Silizium) aufgebracht, so dass statt eines p- n-Übergangs eine p-i-n-Struktur entsteht (i: intrinsisch). Das elektrische Feld erstreckt sich über die gesamte i-Schicht und ermöglicht dort die Ladungstrennung. Im Gegensatz zu mono- bzw. polykristallinem Silizium bildet das amorphe Silizium einen direkten Halbleiter, so dass bereits aktive Schichten von rund 1 µm Dicke zur Absorp- tion der Photonenenergie genügen, während mono- bzw. polykristallines Silizium als indirek- te Halbleiter Schichtdicken von mindestens 20-50 µm erfordern. Diese Dicken sind mit Hilfe der derzeitigen Sägetechniken allerdings nicht herstellbar. Amorphe Siliziumzellen weisen den Nachteil der Degradation auf, worunter das Nachlassen des Wirkungsgrades über die ersten rund zwei Betriebsmonate verstanden wird. Dieses auch Staebler-Wronski-Effekt genannte Phänomen hat seine Ursache in ungesättigten Bindungen in der Kristallstruktur des amorphen Siliziums. Die ungesättigten Bindungen wirken als Rekombinationszentren für Ladungsträger, welche damit für die Ladungstrennung verloren gehen. Rund 20 % Wirkungsgradverlust können so auftreten (vgl. /Siemer 2004a/).

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

11

2.1.3 Weitere Halbleitermaterialien und Technologien

Neben Solarzellen aus amorphem Silizium existieren eine Reihe weiterer Dünnschichttech- nologien, insbesondere solche auf Basis von CuInSe 2 (CIS) sowie CdTe. Ähnlich dem amor- phen Silizium genügen auch hier sehr dünne aktive Schichten von rund 1 µm Dicke zur Ab- sorption der Photonenenergie. Die aktuellen Wirkungsgrade auf Produktionsebene liegen bei rund 7-9 % für CdTe-Module und rund 10-11 % für CIS-Module /Kreutzmann 2006/. Insbesondere bei der CIS-Technologie bleibt die Problematik einer möglichst gleich- förmigen und zugleich großflächigen Abscheidung des Absorbermaterials zu lösen. Die dabei auftretenden Schwierigkeiten haben bislang den Durchbruch dieser Technologie erschwert. Die bei der Herstellung von CdTe- bzw. CIS-Zellen Verwendung findenden chemi- schen Elemente Cadmium und Indium begrenzen überdies die mögliche jährliche Produktion dieser beiden Dünnschichtzelltypen. So liegt die Grenze für CdTe-Zellen bei rund 30 GW jährlich (vgl. /Siemer 2004b/), die Produktion von CIS-Zellen wäre auf rund 70 GW pro Jahr begrenzt (vgl. /Hoffmann 2003/). Über die Verwendung von a-Si, CdTe und CIS hinaus versucht die µc-Si Solarzellen- technologie Solarzellen mit Schichten aus mikrokristallinem Silizium im µm-Bereich herzu- stellen. Allerdings stellen sich diesbezüglich erhebliche Fragen nach der Möglichkeit einer Aufskalierung der Technik sowie nach der Realisierung höherer Depositionsraten (vgl. /Rech; Lechner 2000/).

höherer Depositionsraten (vgl. /Rech; Lechner 2000/). Abb. 2-4: Absorptionskoeffizienten von Si, CuInSe2, GaAs und

Abb. 2-4:

Absorptionskoeffizienten von Si, CuInSe2, GaAs und CuGaSe 2 /lexsolar 2005/

Bei in Dünnschichttechnologien verwendeten Halbleitern handelt es sich um direkte Halbleiter – im Gegensatz zum indirekten Halbleiter Silizium. Direkte Halbleiter weisen aufgrund ihrer Bandstruktur wesentlich höhere Absorptionskoeffizienten auf als indirekte Halbleiter (vgl. Abb. 2-4), weshalb eine geringere Dicke für die Absorption der Lichtquanten erforderlich ist.

12

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

Die Ursache für die um bis zu zwei Größenordnungen höheren Absorptionskoeffizienten liegt in der unterschiedlichen Bandstruktur der verschiedenen Halbleiter. Bei direkten Halbleitern liegen das Maximum des Valenzbandes und das Minimum des Leitungsbandes direkt über- einander, während bei indirekten Halbleitern das Maximum des Valenzbandes und das Mi- nimum des Leitungsbandes räumlich gegeneinander versetzt liegen (vgl. Abb. 2-5). Aus die- sem Grund benötigen indirekte Halbleiter neben einem Photon zusätzlich ein Phonon (Gitter- schwingung) zur Absorption des Lichts. Zur weitgehend vollständigen Absorption des Lichts ist deswegen eine wesentliche größere Dicke erforderlich, weil zu jedem Photon das „pas- sende“ Phonon benötigt wird

Abb. 2-5:

Photon das „pas- sende“ Phonon benötigt wird Abb. 2-5: Bandstruktur direkter und indire kter Halbleiter /TU
Photon das „pas- sende“ Phonon benötigt wird Abb. 2-5: Bandstruktur direkter und indire kter Halbleiter /TU

Bandstruktur direkter und indirekter Halbleiter /TU Cottbus 2005/

Auf vollkommen anderem Prinzip basieren hingegen sogenannte Farbstoffsolarzellen. Ihre Funktionsweise kommt den Mechanismen bei der Photosynthese nahe, Kleinmodule weisen aktuell Wirkungsgrade von bis zu 5 % auf (vgl. /Kaltschmitt, Wiese et al. 2003/), im Labor werden Wirkungsgrade bis 10 % erzielt (vgl. /Janzing 2004/). Inwieweit bzw. wann diese zuletzt vorgestellten Typen zukünftig aus dem Labor- ins Pilotstadium gelangen können, lässt sich nur schwer abschätzen. Allerdings erscheinen die aktuellen Probleme zu komplex, als das dies kurz- oder mittelfristig der Fall sein könnte.

2.1.4 Wirkungsgrade der vorgestellten Solarzellen

Ein Vergleich der Wirkungsgrade (vgl. Tabelle 2-1) zeigt, dass monokristallines Silizium – in der Herstellung am teuersten – die höchsten Wirkungsgrade aufweist, amorphes Silizium dagegen die niedrigsten. Zusätzlich bleibt bei Solarzellen aus amorphem Silizium stets der Staebler-Wronski-Effekt zu berücksichtigen, so dass die niedrigeren Herstellungskosten durch geringere Wirkungsgrade als auch den Degradationseffekt aufgehoben werden.

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

13

Tabelle 2-1:

Wirkungsgrade von Solarzellen (Quellen: u.a. /Kaltschmitt, Wiese et al. 2003/, /NCPV 2002/, /Siemer 2004a/, /Siemer 2004b/)

Material

η (Labor)

η (Produktion)

Monokristallines Silizium

24,7 %

14 – 18 %

Polykristallines Silizium

19,8 %

13 – 15,5 %

Amorphes Silizium

13,0 %

< 8 %

CIS

19,2 %

12,0 % (Pilot)

CdTe

16,5 %

10,7 % (Pilot)

Dünnschicht: kristallines Si

16,6 %

-

Farbstoffzelle

7 - 10 %

-

CIS- wie auch CdTe-Zellen weisen bereits beachtliche Wirkungsgrade in der Produktion auf, jedoch bleibt abzuwarten, wie sich die Ausweitung der Produktion von den derzeitigen Pilot- anlagen auf größere Serienfertigungsanlagen auswirkt. Mit Spannung wird u.a. die für 2007 geplante Inbetriebnahme einer vollautomatisier- ten 75-MW-Produktionslinie für CdTe-Module in den USA erwartet.

2.2 Historisch-technologische Entwicklung der photovoltaischen Stromerzeugung

In diesem Kapitel wird die Entwicklung der photovoltaischen Stromerzeugungstechnologien über die vergangenen rund drei Jahrzehnte nachvollzogen. Dazu wird auf Literatur der zu- rückliegenden Jahre zurückgegriffen. Zugleich können aus diesen Studien oder Untersuchun- gen Informationen gewonnen werden, wie vor 10 oder 20 Jahren die Aussichten einzelner Solarzellentypen beurteilt wurden bzw. in welchem Entwicklungszustand sich einzelne Ty- pen befunden haben einschließlich damaliger Wirkungsgrade.

2.2.1 Historische Entwicklung

Eine grobe Übersicht über die Entwicklung der Photovoltaik von der Entdeckung des photo- voltaischen Effekts an zeigen die Abb. 2-6 und Abb. 2-7. Nach Entwicklung der ersten Solarzelle im Jahre 1954 fand die Photovoltaik speziell extraterrestrisch in der Raumfahrt Anwendung, während terrestrisch erst durch die beiden Ölkrisen 1973/74 und 1978/79 das Interesse an solarer Stromerzeugung stark zunahm und sich die Herstellungsraten vervielfachten. Ein weiterer Sprung ist Mitte der 90er-Jahre zu erkennen, als durch das 70.000-Dächer-Programm in Japan (1994) bzw. das 100.000-Dächer- Programm in Deutschland (1999) die netzgekoppelte photovoltaische Stromerzeugung an Bedeutung gewann (vgl. Abb. 2-7).

14

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

Werner von Forschung und Beginn der Start der 1.000 MW Siemens erkennt Entwicklung terrestrischen PV-Leistung
Werner von
Forschung und
Beginn der
Start der
1.000 MW
Siemens erkennt
Entwicklung
terrestrischen
PV-Leistung
Bedeutung der
Serienfertigung
bei Siemens
Anwendungen
installiert
Photovoltaik
wird gestartet
1839
1877
1954
1956
1958
1965
1979
1982
1995
2000 2005
Entdeckung
Solarzellen
1 MW
Erste
des
kommen bei
photovoltaischer
photovoltaischen
Silizium- Raumfahrt zum
Leistung
Solarzelle
500 MW 5.000 MW
PV-Leistung
installiert
Effekts
Einsatz
installiert

Abb. 2-6:

Überblick über die Entwicklung der Photovoltaik /FHBochum 2005/

1000 100 Pioneering 10 terrestial applications 1 0,1 0,01 Oil crises & solar vision Commercial
1000
100
Pioneering
10
terrestial
applications
1
0,1
0,01
Oil crises &
solar vision
Commercial
Roof-top
Space Age
off-grid markets
programmes
0,001
1955
1960
1965
1970
1975
1980
1985
1990
1995
2000
2005
Solar cell sales (MWp/year)

Abb. 2-7:

Vier Phasen in der Entwicklung der Photovoltaik, speziell Solarzellenherstellung /Jacobsson, Andersson et al. 2002/

Die Entwicklung im Einzelnen wird im Folgenden näher dargestellt, wobei die Erwähnung findenden neuen Zelltechnologien zum Teil im Anschluss noch detaillierter vorgestellt wer- den (vgl. Tabelle 2-2).

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

15

Tabelle 2-2:

Entwicklung der Technologie der photovoltaischen Stromerzeugung

Jahr

Entwicklung

1976

1981

Resultierend aus der vorangegangenen ersten Ölkrise untersucht eine Studie (/BMFT 1976/) im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technolo- gie (BMFT) den Stand der verschiedenen Technologien zur Nutzung regenerativer Energien mit Zielrichtung einer langfristigen Sicherung der Energieversorgung. Den damaligen Stand der Solarzellentechnik bilden monokristalline Zellen mit Abmessungen von 2x2 cm² bis maximal 2x6 cm². Bei Wafer-Dicken von rund 300 µm werden die Sägeverluste auf rund 50 % beziffert. Der Wirkungsgrad dieser monokristallinen Solarzellen wird mit 12,5 – 13,5 % angegeben. In drei Schritten soll die Produktion kostenoptimiert werden: Zunächst soll eine vollautomatische Fertigung nach dem etablierten Verfahren realisiert werden, in einem weiteren Schritt ist die Herstellung von polykristallinem Silizium geplant, bevor anschließend mit Hilfe des EFG-Verfahrens eine weitere Kostenreduktion erzielt werden soll. Darüber hinaus ist eine Energieeinsparung bei den einzelnen Produktionsschritten vorgesehen sowie eine Automatisierung bei der Fertigung der

Panels, die 1976 noch handgefertigt werden. Als weitere Zellenmaterialien erscheinen 1976 CdS, GaAs und CdTe wie auch organische Systeme und Mehrschichtzellen aussichtsreich, wobei insbesonde- re dem Halbleiter CdS unter der Voraussetzung einer Wirkungsgraderhöhung (1976: 7,2 %) und einer zu findenden Lösung für das Problem der Degradation eine gute Prognose erstellt wird. Die Zukunft von GaAs dagegen wird wegen der Resis- tenz gegenüber Partikelstrahlung und der Kostenintensivität primär in extraterrest- rischen Anwendungen gesehen, für CdTe fehlen 1976 noch Daten, um eine belast- bare Prognose zu wagen. Als Preis für Solarpanels aus monokristallinem Silizium wird 1976 eine Spanne von 45 – 130 DM/W P bei einem Wirkungsgrad von 10 % angegeben, wobei sich der niedrige Wert auf ein Auftragsvolumen von rund 1.000 W bezieht, der hö- here Wert dagegen auf die Abnahme von Einzelpanels. Bei einer angesetzten Infla- tionsrate von durchschnittlich 2 % entspricht diese Preisspanne einer heutigen Spanne von 41 – 118 € 05 /W P . Für CdS wird die gleiche Spanne angegeben.

Eine Auswertung von Literatur der 80er-Jahre zeigt, dass Ende der 70er-Jahre die monokristalline Siliziumtechnologie bereits als „ausgereift“ beschrieben wird (vgl. /Lehner et al. 1981/), während Technologien auf Basis von CdS/Cu 2 S, GaAs oder anderen II/IV- bzw. III/V-Verbindungen nur im Labormaßstab Bedeutung gewin- nen können. Die Wirkungsgrade der Siliziumzellen werden mit 12,5 % angegeben, die Abmessungen der Zellen betragen bereits 10x10 cm².

16

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

1981

In Hinsicht auf eine wirtschaftliche Nutzung photovoltaischer Anwendungen wer- den die Notwendigkeit zur Senkung der Herstellungskosten für Material wie auch Zellen hervorgehoben, wobei vor allem der Produktion von „solargrade“ Silizium als auch von nicht monokristallinem Silizium sowie u.a. der EFG-Technik eine be- sondere Bedeutung zugeschrieben wird (vgl. /Lehner et al. 1981/). Damit decken sich die Darstellungen der Entwicklungen von 1976 und 1981 weitgehend.

1984

Martin Green und Stuart Wenham (University of NSW) entwickeln die LGBC (laser grooved buried contact)-Technologie, bei der die Kontakte mittels Laser in die Zel- le eingegraben werden, so dass die Abschattungsverluste minimiert werden (vgl. /Mason, Bruton et al. 2002/).

 

Die PESC (passivated emitter solar cell) erreicht einen Laborwirkungsgrad von über

1985

20 %. Dies wird durch eine Passivierung der Oberfläche erreicht, wodurch insbesonde- re Rekombinationsverluste minimiert werden (vgl. /Green 2001/).

1987

Für monokristallines Silizium wird eine Wirkungsgrad-Bandbreite von 12-18 % angegeben (vgl. /Starr; Palz 1987/), ferner werden neue Sägetechniken sowie Band- ziehverfahren entwickelt. Neben der Herstellung von polykristallinem Silizium er- fährt insbesondere die Forschung im Bereich des amorphen Silizium große Unter- stützung, so speziell in Japan (vgl. /Starr; Palz 1987/), aber auch CdS/Cu 2 S- Dünnschichtzellen erscheinen als vielversprechende Entwicklungslinie. Gleichwohl behauptet das monokristalline Silizium weiterhin seine absolute Marktführerschaft. Ein Vergleich mit den vorangegangenen Darstellungen des Stands der Technik zeigt damit, dass - wie 1976 beabsichtigt und geplant - der Einstieg in die Technologie des polykristallinen Silizium wie auch in die EFG-Technologie erfolgt ist, umgekehrt CdS die Hoffnungen nur bedingt erfüllen konnte und die a-Si- Technologie neu aufgekommen ist.

1988

Die Rückseitenkontaktzelle (rear point contact cell) erreicht Wirkungsgrade von 22 %. Der hohe Wirkungsgrad resultiert aus beidseitiger Passivierung sowie dem Anbringen beider Kontakte auf einer Seite der Solarzelle, wodurch keinerlei Abschattungsverluste aufgrund von Kontaktfingern auftreten (vgl. /Green 2001/).

1991

Neben monokristallinem Silizium hat sich die polykristalline Form etabliert (vgl. /Diekmann et al. 1991/), als Höchstwirkungsgrade werden 23,3 % (mono) bzw. 18 % (poly) angegeben, die Herstellung dünnerer Zellen wird als Zielrichtung for- muliert. Auch das amorphe Silizium wird als inzwischen beherrschte Technologie beschrieben mit Maximalwirkungsgraden von 12 % im Labor und typischen Pro- duktionswirkungsgraden von 4-6 % (vgl. /Diekmann et al. 1991/).

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

17

1991

Weitere Dünnschichttechnologien betreffend, findet eine Konzentration auf die Materialien GaAs, CdTe sowie CuInSe 2 statt, die Untersuchung von Cu 2 S/CdS wird nach über 20 Jahren Forschung aufgegeben. Die besten Aussichten werden Zellen auf Basis von CuInSe 2 vorhergesagt.

1992

Mit der Fertigung von MIS (Metall-Isolator-Silizium) - Zellen erhofft man sich eine Kostenreduktion um 30 % aufgrund einer Reduktion von Arbeitsschritten bei dieser Technologie. Weiterhin besteht großes Interesse an CIS, aber auch an CdTe sowie der Titandioxidzelle (vgl. /Meliß 1992/). Zur Reduktion der Gesamtkosten, die zu rund 60 % durch die Kosten der Module bestimmt werden, sollen auch die übrigen System- komponenten auf Kostenreduktionsmöglichkeiten hin untersucht werden.

 

Eine Bestätigung für die Konzentration auf die beiden Dünnschichtmaterialien CdTe und CuInSe 2 findet sich in /Schmid 1994/. Dort werden diese beiden Zellty- pen neben den verschiedenen Siliziumtechnologien im Detail vorgestellt, während andere Materialien nur am Rande Erwähnung finden. /Meliß 1994/ betont, dass die Graetzelzelle das Potenzial zu einer Kostenreduktion um den Faktor 5 habe.

1994

Die an der University of NSW entwickelte PERL (passivated emitter rear lo- cally diffused cell) – Zelle erreicht Wirkungsgrade von 24 % (vgl. /Green 2001/). Neben einer Siliziumdioxidschicht zur Oberflächenpassivierung und Reflexions- minderung weist diese Zelle auf ihrer Rückseite sogenannte local back surface fields auf, Stellen hoher Dotierung, die dafür sorgen, dass Minoritätsladungsträger in Richtung Zellmitte „zurückgespiegelt“ werden.

 

Monokristalline Siliziumzellen machen 48 % des Marktes aus, polykristalline Zel- len über 33 %, amorphes Silizium wird auf dem Rückzug gesehen. An neueren Technologien kommen die LGBC (laser grooved buried contact) - Zelle sowie die

1995

bereits erwähnte MIS - Zelle zum Einsatz. Neben der weiteren Entwicklung der Graetzelzelle, der CIS-Technologie sowie von Band-Silizium-Technologien wird versucht, durch eine Kostenreduktion der Systemkomponenten die Gesamtkosten zu senken (vgl. /Meliß 1995/).

 

Die Produktion in Deutschland kommt aus Kostengründen weitgehend zum Erlie- gen, gegenüber 1993 halbiert sich die Projektförderung. Im 1.000-Dächer-

1996

Programm beträgt die durchschnittliche Anlagengröße 2,6 kW P bei Durchschnitts- preisen von 24,50 DM/W P . Nach wie vor bleibt fraglich, welche Technologie be- sonders hohes Potenzial zur Kostenreduktion besitze, so /Meliß 1996/.

1997

Deutschland wird weiterhin eine führende Position im Bereich der Grundlagenfor- schung bescheinigt, jedoch fehle die Umsetzung.

18

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

 

Während bei Modulen und Wechselrichtern keine Kostendegression zu erkennen ist, sinken zumindest die spezifischen Montagekosten (vgl. /Meliß 1997/).

 

Der Marktanteil von Solarzellen auf Siliziumbasis beläuft sich auf rund 98 %, den- noch ist bislang kein Aufbau einer eigenen Fertigung für Solarsilizium gelungen.

1998

Die Auswertung des 1.000-Dächer-Programms zeigt eine signifikante Anzahl von PV-Anlagen mit lediglich geringen Energieerträgen aufgrund von Leistungsdefizi- ten oder Problemen mit den Wechselrichtern (vgl. /Meliß 1998/).

ab

Bis zum Jahr 2000 haben sich die Technologien des EFG-Siliziums (vgl. /Lauinger, Schmidt et al. 2000/) ebenso wie die des amorphen Siliziums (vgl. /Rech; Lechner 2000/) weitgehend etabliert. Ebenso haben Dünnschichtsolarzellen aus CdTe (vgl. /Bonnet 2000/) und CuInSe 2 (vgl. /Powalla, Dimmler et al. 2000/) mittlerweile ih- ren Weg in Pilotproduktion gefunden, wenngleich aktuell nur zwei bzw. drei deut- sche Hersteller von CdTe- bzw. CIS-Solarmodulen existieren (vgl. /Kreutzmann 2006/). Dennoch wird die Forschung im Bereich der Dünnschichttechnologien fort- gesetzt, ferner werden die Möglichkeiten untersucht, kristallines Silizium in dünnen Schichten auf Trägersubstrate aufzutragen, um durch die Materialersparnis an Sili- zium Kostensenkungen zu erreichen (vgl. /Lips et al. 2003/). Auf dem Gebiet der Dünnschichtsolarzellen verheißt der Halbleiter CuInS 2 möglicherweise Potenzial für die Zukunft (vgl. /Lux-Steiner, Meyer et al. 2000/), da er im Vergleich zu CdTe und CuInSe 2 keine Ökotoxizität aufweist.

2000

2.2.2

Zusammenfassung der historischen Entwicklung

Marktbeherrschende Technologie ist mit großem Abstand Silizium in mono- und polykristal- liner Form. Aufgrund des Degradationseffekts sind die Anteile der Dünnschichttechnologien, deren Hauptvertreter das amorphe Silizium ist, in den letzten Jahren tendenziell rückläufig. Zellen aus CdTe oder CuInSe 2 haben trotz Wirkungsgraden von rund 10 % und ihres Vorteils keinen Wirkungsgradverlust zu erleiden, vernachlässigbare Anteile am derzeitigen Solarzel- lenmarkt. Dies veranschaulicht Abb. 2-8, in der die jährlichen Produktionsmengen der ver- schiedenen Solarzellentechnologien für die Jahre von 1996 – 2005 aufgetragen sind. Es ist klar zu erkennen, dass mono- und polykristallines Silizium den Markt beherr- schen, während die Entwicklung der Produktion von amorphem Silizium weitgehend stag- niert. Ferner ist zu erkennen, dass polykristallines Silizium die monokristalline Form in Be- zug auf die Produktionsmenge 1998 überholt hat, wofür die kostengünstigere Herstellungs- möglichkeit ausschlaggebend war. Im Jahr 2005 liegen polykristalline Siliziumzellen mit 52,3 % weit vor monokristalli- nen Zellen mit 38,3 % Anteil an der Gesamtfertigung (vgl. /Hirshman; Schmela 2006/). Auf den weiteren Plätzen folgen amorphe Siliziumzellen mit 4,7 % und Band-Silizium mit 2,9 %.

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

19

Zellen auf Basis von CdTe bzw. CIS liegen mit 1,6 % bzw. 0,2 % nach wie vor abgeschlagen hinten.

1000 900 monokristallines Si polykristallines Si 800 amorphes Si Band-Si 700 CdTe 600 sonstige Technologien
1000
900
monokristallines Si
polykristallines Si
800
amorphes Si
Band-Si
700
CdTe
600
sonstige Technologien
500
400
300
200
100
0
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Produktion [MW p /a]

Abb. 2-8:

Produktionsmengen der verschiedenen Solarzellentypen 1996-2005 (Quellen: /Butz 2002/, /observer 2005/, /Schmela 2004/, /Schmela; Siemer 2005, /Hirshman; Schmela

2006/)

Seit über zwei Jahrzehnten kann die Silizium-Technologie als im Prinzip ausgereift betrach- tet werden, wenngleich zahlreiche Weiterentwicklungen (LGBC, PESC, etc.) für Wirkungs- gradsteigerungen gesorgt haben. Die Probleme der Dünnschichttechnologien dagegen sich am Markt durchzusetzen bzw. in den Markt einzusteigen, liegen zum einen an der Schwierigkeit des Übergangs vom Labor- zum Produktionsmaßstab, obgleich diese Zelltypen bereits seit über zwei Jahrzehnten erforscht werden. Hinzu kommt, dass der Standard der technologisch mittlerweile sehr gut beherrschten Solarzellentechnologie auf Siliziumbasis ein hohes Beharrungsvermögen hat, das den Markteintritt neuer Konzepte erheblich erschwert. Maßgeblich dafür ist insbesondere die Bedeu- tung von Silizium in der Halbleitertechnologie, wodurch die Eigenschaften dieses Elements sehr detailliert bekannt sind. Ferner spricht insbesondere der Aspekt einer fehlenden Ökotoxizität für die Konzentration auf Silizium. Der ab dem Jahr 2006 jedoch allmählich akut werdende Mangel an hochreinem Silizium für die Solarzellenproduktion kann eine Chance für den Durchbruch der Dünnschichttechnologie darstellen (vgl. /Gabler 2006/).

2.3 Technologische Weiterentwicklungen der etablierten Technologien

Mit den Zielen einer Erhöhung des Wirkungsgrades, einer Reduzierung des Material- verbrauchs oder auch einer Minimierung der optischen und elektrischen Verluste in der So- larzelle erfolgten und erfolgen zahlreiche Weiterentwicklungen der konventionellen Solarzel- lentechnologie, von denen allerdings nur wenige den Sprung in eine Massenfertigung oder – anwendung gefunden haben.

20

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

2.3.1 Monokristallines Silizium

LGBC (laser grooved buried contact)-, PERL (passivated emitter and rear locally diffused cell concept)-, OECO (obliquely evaporated contacts)- oder IBC (interdigitated back contact silicon solar cell)- Zellen sind nur einige der Entwicklungen, die insbesondere auf Minimie- rung der optischen und elektrischen Verluste sowie Erhöhung des Wirkungsgrades abzielen. Dazu dienen u.a. per Laser in die Solarzelle geschnittene Kontaktfinger mit geringe- ren Breiten zur Verminderung der optischen Verluste, wie sie in der LGBC – Zelle (vgl. Abb. 2-9) realisiert sind.

sie in der LGBC – Zelle (vgl. Abb. 2-9 ) realisiert sind. Abb. 2-9: LGBC-Technologie /ATSE

Abb. 2-9:

LGBC-Technologie /ATSE 2005/

Die PERL – Zelle (vgl. Abb. 2-10) dagegen erhöht den Wirkungsgrad durch eine bessere Oberflächenpassivierung in Kombination mit einer pyramidenförmigen Oberflächentexturie- rung zum besseren Lichteinfang sowie back surface fields auf der Zellenrückseite.

zum besseren Lichteinfang sowie back surface fields auf der Zellenrückseite. Abb. 2-10: PERL-Technologie /UNSW 2005/

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

21

OECO– und IBC–Zelle schließlich versuchen die optischen Verluste zu minimieren, indem bei- de Kontakte auf einer Seite angebracht sind, so dass keinerlei Abschattungsverluste auf der dem Licht zugewandten Seite auftreten. Von o.a. Entwicklungen ist die LGBC-Technologie von BP Solar in die industrielle Fertigung überführt worden und die damit produzierten Solarzellen erreichen Wirkungsgrade von bis zu 18 % bei durchschnittlichen Modul-Wirkungsgraden von 15,5 %. Zurückzuführen ist der Erfolg dieser Technologie darauf, dass sie die Anforderungen nach einer Wirkungs- graderhöhung zusammen mit einer kostengünstigen Fertigung verbindet (vgl. /Green 2001/). Andere Entwicklungen in der Zelltechnologie resultieren zwar ebenfalls in hohen Wirkungsgraden, dies allerdings unter Inkaufnahme einer Erhöhung der Arbeitsschritte, so dass in der Summe die spezifischen Kosten nicht gesenkt werden konnten. In der Summe bleibt bei Solarzellen auf Basis monokristallinen Siliziums das Prob- lem eines vergleichsweise hohen Materialverbrauchs bestehen, so dass speziell dadurch die Kostenreduktionspotenziale eine Begrenzung erfahren.

2.3.2 Polykristallines Silizium

Ähnlich wie bei der monokristallinen Technologie wird versucht, über eine Minimierung der Verluste sowie eine Wirkungsgraderhöhung die Güte der Zellen zu verbessern. So erhöht die Honeycomb textured – Zelle mit Hilfe einer besonderen Oberflächentexturieung den Wir- kungsgrad auf Werte bis hin zu 20 %, während die Buried Contact Technology versucht, die Breite der Frontkontakte zu verringern und damit die optischen Verluste zu minimieren. Die POWER (polycrystalline wafer engineering result) – Zelle bietet eine optische Semitransparenz zwischen 0 und 30 %, indem durch das Einbringen von senkrecht zueinander verlaufenden Grä- ben auf der Front- und Rückseite eines Silizium-Wafers Löcher erzeugt werden (vgl. Abb. 2-11).

Silizium-Wafers Löcher erzeugt werden (vgl. Abb. 2-11 ). Abb. 2-11: POWER-Technologie /Glunz 2000/ Zugleich

Abb. 2-11:

POWER-Technologie /Glunz 2000/

Zugleich entspricht diese Zellentwicklung der einzigen in größerem Maßstab hergestellten Technologie. So produziert die Firma Sunways 10x10 cm² große Zellen mit einem Wirkungs- grad von 10,5 %. Generell gilt auch für polykristallines Silizium, dass der Materialverbrauch bzw. die Dicke der Wafer weitgehend unverändert bleiben.

22

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

2.3.3 Foliensilizium

Bei der EFG-Technologie werden im Vergleich zur konventionellen kristallinen Silizium- technologie die Sägeverluste erheblich reduziert bzw. entfallen teilweise komplett. Da sich jedoch die Dicke der Folien dennoch auf rund 300 µm beläuft, also vergleichbar den Dicken mono- bzw. polykristalliner Wafer ist, konzentrieren sich die Bemühungen auf die Herstel- lung dünnerer Wafer. So ist bereits die Herstellung eines nur rund 100 µm dicken Silizium- Wafers mit Hilfe der EFG-Technologie demonstriert worden (vgl. /Lauinger, Schmidt et al. 2000/), allerdings bestehen Probleme bei der Weiterbearbeitung eines so dünnen gewölbten Wafers. Laut /Eberl 2004/ ist die Fertigung solch dünner Wafer jedoch bereits in 5 – 7 Jahren geplant. Vielversprechend erscheint neben der EFG-Technologie die RGS (ribbon growth on substrate) - Technologie, bei der das Kristallwachstum von der Folienproduktion entkoppelt wird, so dass große Ziehgeschwindigkeiten ermöglicht werden. Die Entkopplung des Kris- tallwachstum von der Folienproduktion bei der RGS-Technologie erfolgt, indem die Rich- tung des Folienwachstums senkrecht auf der Richtung der Folienproduktion steht. Abb. 2-12 ist zu entnehmen, dass ein Trägermaterial eine Siliziumschmelze durchläuft. Nach Verlassen des Schmelzbehälters endet das Kristallwachstum, der Wafer kann abschließend vom Trä- germaterial abgelöst werden. Ein schnelleres Durchlaufen des Behälters erhöht die Produkti- onsmenge, während mit der Größe des Schmelzbehälters die Dicke der Siliziumfolien einge- stellt werden kann.

die Dicke der Siliziumfolien einge- stellt werden kann. Abb. 2-12: RGS-Technologie /Uni Erlangen 2005/ Ein

Abb. 2-12:

RGS-Technologie /Uni Erlangen 2005/

Ein Unternehmen in den USA versucht derzeit diese Technologie vom FuE- ins Pilotstadium zu überführen. Sollte die Überführung gelingen, so könnten Produktionsraten von bis zu 600 cm/min erreicht werden. Die größten derzeit noch zu lösenden Probleme liegen im Finden eines Substratmaterials, welches genügend oft wiederverwendet werden kann.

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

23

2.3.4 Amorphes Silizium

Bei amorphen Siliziumzellen wird daran gearbeitet, durch Tandemstrukturen die Wirkungs- grade zu steigern, dies versucht u.a. die Triple-Junction - Solarzelle. Ebenfalls wird mit und an unterschiedlichen Substraten wie zum Beispiel Glas, Metall oder auch Plastik geforscht. Ungeachtet dieser Entwicklungen bleibt das Problem der Degradation bzw. des Staebler- Wronski-Effektes bestehen. Eine weitere Technologierichtung stellt die HIT (heterojunction with intrinsic layer) - Zelle dar, eine von Sanyo entwickelte Kombination aus einem rund 200 µm dicken Cz- Siliziumwafer und beidseitigen dünnen Schichten aus undotiertem a-Si, die zur Passivierung dienen. Industriell hergestellte Zellen erreichen dabei Modulwirkungsgrade von 16,8 % im Jahr 2005.

2.3.5 Weitere Dünnschichttechnologien

Als vielversprechende Technologien erscheinen neben der CIS- sowie CdTe-Zelle insbeson- dere die mikrokristalline Siliziumsolarzelle. Existieren für CIS- und CdTe-Zellen bereits Pi- lotfertigungen, so befindet sich die Kristalline Silizium Dünnschichtsolarzelle (KSD) noch weitgehend in der Entwicklung. Laut /Rech und Lehner 2003/ sind für die Umsetzung in ein industrielles Produkt noch erhebliche Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen erforder- lich. Speziell zu lösen sind u.a. Probleme bei der großflächigen und gleichförmigen Abschei- dung des Siliziums auf einer Trägersubstanz. Als Vorteile werden dagegen die prinzipiell den konventionellen Siliziumsolarzellen vergleichbaren Wirkungsgrade sowie die Verwendung des weitgehend unerschöpflichen Rohstoffs Silizium genannt (vgl. /Rentzing 2004/).

2.3.6 Zusammenfassung der technologischen Entwicklungstendenzen

Von den vorgestellten Entwicklungen haben mit der LGBC-Technologie und der HIT- Technologie lediglich zwei neue Zelltechnologien den Weg in die industrielle Fertigung ge- funden. Ein Grund dafür liegt in der aufwändigen Herstellung vieler neu entwickelter Zellty- pen, wenn beispielsweise Wirkungsgradsteigerungen durch eine größere Zahl von Arbeits- schritten wieder kompensiert werden. Lediglich LGBC- und HIT-Technologie konnten die Vorteile eines höheren Wirkungsgrades mit einer kostengünstigen Herstellung verbinden. Gleichwohl bleibt das Problem eines hohen Materialverbrauchs bestehen. Diese Problematik lässt sich einerseits durch die Fortentwicklung von Technologien zur Herstellung von Foliensilizium lösen: So wurde – wie oben dargestellt – bereits die Mög- lichkeit demonstriert, rund 100 µm dicke EFG-Folien herzustellen. Zusammen mit den gerin- gen Schnittverlusten würde dies einer Materialersparnis gegenüber der heute vorherrschen- den Technologie zur Herstellung kristalliner Solarzellen um etwa den Faktor 5 entsprechen. Alternativ kann auf die Entwicklung von Dünnschichtsolarzellen, wahlweise aus kristallinem Silizium oder CIS bzw. CdTe, gesetzt werden. Durch die geringen erforderlichen Dicken der photoaktiven Schicht ist ebenfalls eine massive Materialersparnis möglich. Allerdings stellen

24

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

sich hier vor allem Fragen nach zugleich großflächigen und gleichförmigen Abscheidetech-

niken für die Halbleitermaterialien.

Weitere, oben nicht genannte, Technologien wie die Farbstoff- oder Plastiksolarzelle

sind derzeit von einer Fertigung im größeren Maßstab noch so weit entfernt, dass belastbare

Aussagen über den Bereich des Spekulativen hinaus nicht möglich sind. Gleichwohl werden

im Bereich der organischen Solarzellen eine große Anzahl unterschiedlichster Materialien

untersucht, von denen eines schließlich den Durchbruch schaffen könnte (/Janzing 2004/).

2.4 Auswertung von Studien zur Entwicklung ökologischer Bilanzen

Mit der photovoltaischen Strahlungsenergienutzung sind Material- und Energieströme bei der

Herstellung, der Nutzung sowie dem Rückbau der Anlagen verbunden. Dieses Kapitel stellt

anhand einer Literaturauswertung zu Lebenszyklusanalysen eine Abschätzung der Entwick-

lungen im Bereich ökologische Belastungen vor. Ausführlicher wird die Solarenergienutzung

in Kapitel 7 unter Nachhaltigkeitsaspekten untersucht. Dort erfolgt auch eine Einordnung des

kumulierten Energieaufwands im Vergleich zu konventionellen Stromerzeugungstechnolo-

gien.

Die geringe Energiedichte der einfallenden Solarstrahlung bedingt einen vergleichs-

weise hohen Aufwand an Anlagentechnik, verbunden mit einem hohen Material- und Res-

sourcenverbrauch. Insbesondere die Solarzellen- und Modulherstellung bilden einen sehr

energie- und materialintensiven Prozess mit entsprechend hohen Stoffströmen und daraus

resultierenden Emissionen (vgl. /Kaltschmitt, Wiese et al. 2003/). 600 Datenbasis 90er-Jahre 500 Datenbasis 2003
resultierenden Emissionen (vgl. /Kaltschmitt, Wiese et al. 2003/).
600
Datenbasis 90er-Jahre
500
Datenbasis 2003
Datenbasis 2007
400
Abschätzung 2010
300
200
100
0
SO 2 [mg/kWh]
SO2 [mg/kWh],
NOX [mg/kWh]
NO
[mg/kWh]
CO2(äqu.) [g/kWh]
CO
[g/kWh]
X
2
2003/2010:SOX
2003/2010: SO
X

Abb. 2-13: Entwicklung der Emissionsbilanzen der photovoltaischen Stromerzeugung (/Kaltschmitt, Wiese et al. 2003/, /Frankl, Corrado et al. 2004/, /Briem, Blesl et al. 2004/, /IER 2007/)

Der Vergleich älterer mit aktuellen /Frankl, Corrado et al. 2004/, /IER 2007/ bzw. für 2010

abgeschätzten Daten /Briem, Blesl et al. 2004/ von Lebenszyklusanalysen zeigt jedoch, dass

sich erhebliche Verbesserungen ergeben haben und auch in Zukunft mit weiteren Verbesse-

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

25

rungen zu rechnen ist. Die Abbildung Abb. 2-13 zeigt diese Entwicklung für polykristalline Siliziummodule anhand der CO 2 -Äquivalente, die einen Maßstab für Treibhausgas- Emissionen darstellen, sowie der NO X - und SO 2 -Emissionen auf. Die Lebensdauer der Sys- teme beträgt 25 Jahre, die Ausbeute beläuft sich auf 880 kWh AC /kW P . Deutlich zu erkennen ist der erhebliche Rückgang sowohl der CO 2 -Äquivalente als auch der NO X - und SO 2 -Emissionen bis heute (2007) bzw. abgeschätzt zum Jahr 2010 hin. Ein Vergleich mit den bei konventionellen Steinkohle- bzw. Erdgaskraftwerken anfal- lenden Emissionen (vgl. Abb. 2-14) zeigt, dass die bei der photovoltaischen Stromerzeugung freigesetzten Abgasmengen und Äquivalente erheblich darunter liegen mit Ausnahme der SO 2 -Emissionen. Der SO 2 -Ausstoß bei der photovoltaischen Stromerzeugung übertrifft jenen von Erdgaskraftwerken, was insbesondere auf die Fertigungsprozesse von Solaranlagen zu- rückzuführen ist. In punkto CO 2 -Äquivalente oder NO X -Emissionen dagegen lassen sich mit photovoltaischen Stromerzeugungssystemen gegenüber konventionellen Stromerzeugungs- systemen auf fossiler Basis beträchtliche Mengen an Emissionen einsparen. Zu berücksichti- gen bleibt hierbei, dass der fluktuierende Charakter der solaren Stromerzeugung an dieser Stelle nicht miteinbezogen wurde, d.h. hierfür wären eine Versorgungsaufgabe und ein ent- sprechendes Back-up-System zu definieren, um auf dieser Basis eine Emissionsbilanz zu erstellen. Jedoch sind die Beiträge der Photovoltaik zum Stromverbrauch in Deutschland mit rund drei Promillepunkten aktuell (2006) noch so marginal, dass aus diesem Grund auf eine solche Berechnung verzichtet wurde.

1.000 800 600 400 200 0 SO SO2 [mg/kWh] [mg/kWh] NO NOX [mg/kWh] [mg/kWh] CO2(äqu.)
1.000
800
600
400
200
0
SO
SO2 [mg/kWh]
[mg/kWh]
NO
NOX [mg/kWh]
[mg/kWh]
CO2(äqu.) [g/kWh]
CO
[g/kWh]
2
X
2
Steinkohle-KW
Erdgas-GuD-KW
Photovoltaik, polykristallin

Abb. 2-14:

Emissionsbilanzen eines Steinkohle- sowie Erdgas-GuD-Kraftwerks im Vergleich zu einer photovoltaischen Stromerzeugung /IER 2007/

2.5 Preisentwicklung von Solarzellen und –modulen

Wie sich in den vergangenen Jahren die Preise für Solarzellen und –module entwickelt ha- ben, wird in diesem Kapitel näher untersucht. Ferner wird mittels einer technischen Kosten-

26

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

analyse versucht zu ermitteln, welche Kostenreduktionspotenziale aufgrund technischer Wei- terentwicklungen in Zukunft realisiert werden können.

2.5.1 Preisentwicklung von Solarmodulen in Deutschland und weltweit

Zur Entwicklung der Preise im Laufe der 90er-Jahre finden sich in der Literatur nur ver- gleichsweise grobe Angaben, denen sich in der Regel nicht genau entnehmen lässt, welche Komponenten in den Preisen eingeschlossen sind. Laut /Hirschl, Hoffmann et al. 2002/ kön- nen für die Jahre 1990-1992 Preise von rund 30.000 DM/kW P angegeben werden, für die Jahre 1997-1999 Preise von rund 15.000 DM/kW P , so dass eine Halbierung der Preise im Verlauf der 90er-Jahre stattgefunden hat. Während der Laufzeit des 1.000-Dächer- Programms musste mit spezifischen Investitionskosten von 24.800 DM/kW P gerechnet wer- den (vgl. /Rindelhardt 2001/). Erst für die Jahre 1999 und 2000 lassen sich aus /Hirschl, Hoffmann et al. 2002/ exakte Preise in Abhängigkeit von der Anlagengröße entnehmen. /Krampitz; Schmela 2003/ liefern Werte für 2001 und 2002 und für die Jahre 2003 - 2005 können mit Hilfe von /Bernreuter 2003/, /Bernreuter 2004/ und /Kreutzmann; Seimer 2005/ aktuelle Preise ermittelt werden (vgl. Tabelle 2-3). Während bis zum Jahr 2004 fallende Preise zu beobachten sind, haben die Preise im Jahr 2005 um über 10 % angezogen, was neben einer sehr hohen Nachfrage auf einen sich abzeichnenden Mangel an hochreinem Silizium für die Zellenproduktion zurückzuführen ist.

Tabelle 2-3: Entwicklung der Endkundenkosten inkl. Installation für PV-Anlagen 1999 – 2005 in €/kW P (/Hirschl, Hoffmann et al. 2002/, /Bernreuter 2003/, /Krampitz; Schmela 2003/, /Bernreuter 2004/, /Kreutzmann; Siemer 2005/)

Jahr

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

Anlagen < 2 kW P

8.177

7.625

-

 

- 7.035

5.788

6.544

Anlagen 2-3 kW P

7.583

6.875

-

 

- 5.887

5.848

6.281

Anlagen 3-5 kW P

7.126

6.609

6.522

5.932

5.823

5.313

Ein Vergleich von /Rindelhardt 2001/, /Hirschl, Hoffmann et al. 2002/, /Krampitz 2003/ und /Bernreuter 2004/ zeigt ferner die Entwicklung der Kostenanteile der einzelnen Komponenten (vgl. Abb. 2-15). Zur Zeit des 1.000-Dächer-Programms (1991) entfielen 64 % der Gesamtkosten auf die Module, 11 % auf den Wechselrichter und die restlichen 25 % zu etwa gleichen Teilen auf Installation und übrige Materialkosten. Im Jahr 2000 betrug der Anteil der Module 72 %, auf den Wechselrichter entfielen 11 % und auf die Installation bzw. sonstige Bauteile 8 bzw. 9 %. Im Jahr 2005 schließlich betrug der Modulanteil für Photovoltaikanlagen im Bereich 2-5 kW P 76 %, der Anteil des Wechselrichters belief sich auf 11 %, Montage und Netzanschluss machten 9 bzw. 4 % der Gesamtkosten aus.

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

27

Kostenanteile 1991

12.5% 12.5% 11.0% 64.0%
12.5%
12.5%
11.0%
64.0%

ModuleWechselrichter Montage Netzanschluss, Sonstiges

WechselrichterModule Montage Netzanschluss, Sonstiges

MontageModule Wechselrichter Netzanschluss, Sonstiges

Netzanschluss,Module Wechselrichter Montage Sonstiges

Sonstiges

Kostenanteile 2005

9.0% 4.0% 11.0% 76.0%
9.0% 4.0%
11.0%
76.0%

Kostenanteile von PV-Anlagen 1991 und 2004 (Quellen: /Rindelhardt 2001/, /Kreutzmann; Siemer 2005/)

Die Modulpreise betreffend, fielen diese seit dem 1.000-Dächer-Programm (1991-1995) von

Abb. 2-15:

rund 8.100 €/kW P auf rund 4.100 €/kW P im Jahr 2004 (vgl. Abb. 2-16), die Wechselrichter-

preise von rund 1.400 €/kW P auf rund 600 €/kW P im Jahr 2004, so dass jeweils – wie oben

bereits für Komplettsysteme angeführt – in etwa eine Halbierung der Preise über rund ein

Jahrzehnt stattgefunden hat.

9 8 7 6 5 4 3 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 Spezifischer
9
8
7
6
5
4
3
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
Spezifischer Modulpreis
Spezifischer Modulpreis
Deutschland [€ 05 /W P ]
Deutschland [€ 05 /kW]

Preisentwicklung Solarmodule Deutschland 1992-2005 (Datenquellen: /Krampitz; Schmela 2003/, /Alsema 2003/, /Bernreuter 2004/, /Kreutzmann; Siemer 2005/)

Abb. 2-16 ist zu entnehmen, dass seit Ende der 90er-Jahre eine Stagnation eingetreten ist.

Abb. 2-16:

Haben sich die Preise während des 1.000-Dächer-Programms erheblich reduziert, so zeigt das

100.000-Dächer-Programm keinen vergleichbaren Effekt, was nicht zuletzt an der vom Preis-

niveau weitgehend unabhängig hohen Nachfrage nach PV-Anlagen liegen mag.

Die Entwicklung der Modulpreise wird durch eine Reihe von Einflussfaktoren be-

stimmt. Neben der in den letzten Jahren stark ansteigenden Nachfrage bei Angebotsknappheit

ist vor allem die nach wie vor hohe Importquote für Module von entscheidender Bedeutung.

Damit wirken sich auch die Wechselkurse des Euro gegenüber dem US-$ oder Yen verstärkt

auf die Preisentwicklung der Module aus. Der deutsche Markt kann nicht vom Weltmarkt

losgelöst betrachtet werden, insbesondere wenn auf Basis der von diversen Einflussfaktoren

28

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

bestimmten Preise eine deutschlandspezifische Lernkurve abgeleitet werden soll. Adäquater erscheint es vielmehr, die Entwicklung der Weltproduktion an Solarzellen zu betrachten, um auf dieser Basis weitere Entwicklungen abzuschätzen. Abb. 2-17 zeigt die Entwicklung der gemittelten Welt-Modulpreise über die zurück liegenden beiden Jahrzehnte. Es fällt ein zunächst starker Rückgang der Preise auf, der je- doch im Laufe der 90er-Jahre deutlich abflacht.

28 24 20 16 12 8 4 0 1976 1980 1984 1988 1992 1996 2000
28
24
20
16
12
8
4
0
1976
1980
1984
1988
1992
1996
2000
2004
Modulpreis [US-$/W ]p

Abb. 2-17: Entwicklung der Modulpreise/Welt für große Absatzmengen in US-$/W P 1977 - 2005 (Datenquellen: /Staiß; Knaupp 2000/, /Meier 2000/, /Rogol; Fisher 2005/, /REW

2005/)

2.100 7.000 jährliche Produktion 1.800 6.000 kumulierte Produktion 1.500 5.000 1.200 4.000 900 3.000 600
2.100
7.000
jährliche Produktion
1.800
6.000
kumulierte Produktion
1.500
5.000
1.200
4.000
900
3.000
600
2.000
300
1.000
0
0
1977
1981
1985
1989
1993
1997
2001
2005
jährliche Produktion Welt [MW]
kumulierte Produktion Welt [MW]

Abb. 2-18:

Entwicklung der Weltproduktion an Solarzellen zwischen 1977 und 2005 (Datenquellen: /Staiß; Knaupp 2000/, /Schmela 2003/, /Schmela 2004/, /Hirshman; Schmela 2006/)

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

29

Abb. 2-18 zeigt über den denselben Zeitraum die zeitliche Entwicklung der Weltproduktion an Solarzellen. Im Jahr 2005 lag die weltweite Produktion an PV-Modulen bei rund 1.800 MW P .

Soll die weitere Entwicklung der Modulkosten in Deutschland abgeschätzt werden, so kann dies auf Basis einer Lernkurve erfolgen. In einer Lernkurve werden Kostenentwicklung und kumulierte Produktion einander gegenübergestellt. Die sogenannte „Progress Ratio (PR)“ gibt an, auf welchen Prozentsatz die Kosten bei einer Verdopplung der kumulierten Produktion sinken. So bedeutet ein Wert von PR = 0,80 beispielsweise, dass sich pro verdop- pelter kumulierter Produktion die Kosten um 20 % reduzieren. Eine Schwierigkeit besteht in der Regel darin, dass Kostendaten nur schwer zugäng- lich oder nicht verfügbar sind, Preisdaten dagegen erheblich einfacher recherchiert werden können. Generell lässt sich der Zusammenhang zwischen Kosten und Preisen wie in Abb. 2-19 dargestellt veranschaulichen.

Preise Kosten Kumulierte Produktion (log. Skala)
Preise
Kosten
Kumulierte Produktion (log. Skala)

Abb. 2-19:

Zusammenhang zwischen Kosten und Preisen /Schaeffer, Alsema et al. 2004/

Zeitspannen mit vergleichsweise stabilen Preisen, in denen die Gewinnspanne wächst, wech- seln sich ab mit Perioden, in denen eine Preisbereinigung stattfindet. Bei der Ermittlung einer Progress Ratio mittels einer Preis-Lernkurve ist darauf zu achten, dass kein Typ dieser beiden unterschiedlichen Perioden (Stabilität, Bereinigung) überwiegt, wobei die Bestimmung dieser Zeitabschnitte nicht immer eindeutig möglich ist (vgl. /Schaeffer, Alsema et al. 2004/). Bei der Anfertigung einer deutschlandspezifischen Lernkurve (vgl. Abb. 2-20) ist ferner zu bedenken, dass die Produktion von PV-Zellen und Modulen ein globales Lernsystem ist (vgl. /Schaeffer, Alsema et al. 2004/). Daher sind die spezifischen Modulkosten für Deutschland der Weltproduktion an Solarzellen gegenüberzustellen. Durch ein Auftragen der Preise gegen die nationale installierte Leistung erhält man Abweichungen, die umso größer sind, je stärker das nationale Wachstum vom Weltwachstum abweicht. Untersucht man den Zeitraum von 1977 bis 2005, so berechnet sich eine Progress Ratio von 0,869 ± 0,006, d.h. seit 1977 reduzierten sich die Modulpreise in Deutschland um jeweils rund 13 % pro Verdopplung der kumulierten Weltproduktion an Solarzellen (vgl. Abb. 2-20).

30

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

100 1977 10 2005 PR = 0,869 ± 0,006 1 1 10 100 1.000 10.000
100
1977
10
2005
PR = 0,869
± 0,006
1
1
10
100
1.000
10.000
Spez. PV-Modulpreis Deutschland
[€ 05 /W P ]

Kumulierte Weltprodukion an Solarzellen [MW P ]

Abb. 2-20: Lernkurve Modulpreis Deutschland 1977 - 2005 (Datenquellen: /Staiß; Knaupp 2000/, /Schmela 2003/, /Schmela 2004/, /Krampitz; Schmela 2003/, /Alsema 2003/, /Bernreuter 2004/, /Schmela; Siemer 2005/, /Kreutzmann; Siemer 2005/, /Hirshman; Schmela 2006/)

Fertigt man eine Lernkurve für die Entwicklung der durchschnittlichen Welt-Modulpreise (vgl. Abb. 2-17) an, so berechnet sich die Progress Ratio zu 0,827 ± 0,006. Weltweit wurde folglich pro Verdopplung der kumulierten Produktion an Solarzellen eine höhere Preisreduk- tion erzielt als in Deutschland. Schreibt man die Preisentwicklung in Deutschland mit der Progress Ratio von 0,869 fort, so könnte bei einer kumulierten Weltproduktion von rund 6.000 GW P Solarzellen mit einem Modulpreis von 1 €/W P gerechnet werden. Eine kumulierte Weltproduktion von 6.000 GW P könnte bei einer sehr ambitionierten jährlichen Wachstumsrate von 30 % frühestens in rund zweieinhalb Jahrzehnten erreicht werden. Diese Abschätzung berücksichtigt keinerlei technologische Fortschritte oder „Entwicklungssprünge“, sondern geht von einer Fortschrei- bung des derzeitigen Trends bzw. Wachstumspfades aus. Zum Vergleich: Der Abschlussbericht zum Photex-Projekt, welches sich mit der Ana- lyse von Lernkurven zum Zweck energiepolitischer Entscheidungsfindung befasst hat, ermit- telte für eine globale Lernkurve für den Zeitraum von 1976 bis 2001 eine Progress Ratio von 0,800 ± 0,004 (vgl. /Schaeffer, Alsema et al. 2004/). Der Wert liegt damit leicht unter dem für den Zeitraum von 1977 bis 2003 ermittelten von 0,827 ± 0,006. Die weitere Kostenentwicklung speziell der Solarzellen auf Si-Basis wird neben der technologischen Entwicklung insbesondere vom Markt für Halbleiter-Silizium abhängen. Konnte bislang die photovoltaische Industrie von den Überschüssen der Halbleiterindustrie profitieren, so wird spätestens 2007 die Nachfrage das Angebot signifikant übersteigen. Der schon Anfang der 80er Jahre geforderte Aufbau einer „solar grade“ – Fertigung von Silizium ist trotz Ansätzen in der jüngsten Zeit noch nicht erfolgt, so dass eine Verknappung von Sili-

2 Analyse der Photovoltaik-Entwicklung

31

zium für die Photovoltaikindustrie die Kosten von Solarzellen in die Höhe treibt (vgl. /Schmela 2005/). Gleichwohl beginnen die großen Siliziumhersteller inzwischen (2007) mit dem Ausbau ihrer Kapazitäten, so dass sich ab dem Jahr 2008 die Lage entspannen könnte (vgl. /Rentzing 2005/).

60 50 40 30 20 10 0 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
60
50
40
30