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Rundbrief 11 | Winter 2010/2011 | www.ausgestrahlt.

de

50.000 demonstrierten am 6. November gegen den Castor-Transport ins Wendland, Foto: Daniel Rosenthal / www.inamillionyears.com

Den Atomausstieg in die Hand nehmen


Menschenkette am 12. März – Demonstrationen an allen AKW am 25. April
Liebe Freundinnen und Freunde, Bundesländer, die den Stromkonzernen das im Fokus der Demonstrationen zum 25.
nach den bisher größten Protesten und Leben schwer machen kann. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe am
Widerstands-Aktionen gegen einen Castor- Besonders spannend wird das in Baden- Ostermontag, dem 25. April. Unsere Bitte:
Transport nach Gorleben ist die Euphorie in Württemberg, wo die nächste Landesregie- Tragt dazu bei, dass im Jahr 2011 mög-
der Anti-AKW-Bewegung groß: Obwohl die rung gleich doppelt Einfluss nehmen kann lichst viele AKW stillgelegt werden.
Entscheidung gefallen ist, die Laufzeiten – als Atomaufsicht über die AKW Neckar-  Das .ausgestrahlt-Team
der Atomkraftwerke zu verlängern, gehen westheim und Philippsburg und als neuer
immer mehr Menschen auf die Straße. Die Besitzer des Stromkonzerns EnBW. Egal
Auseinandersetzung ist mit dem neuen wie die Landtagswahl Ende März ausgeht:
schwarz-gelben Atomgesetz, das seit 1. Ja- Bewegen wird sich nur etwas, wenn der
nuar in Kraft ist, noch lange nicht beendet. Druck aus der Gesellschaft groß genug ist.
Doch für 2011 brauchen wir Atomkraft- Deshalb mobilisieren wir bundesweit zur
gegnerInnen eine neue Strategie. Nach- Menschenkette Neckarwestheim–Stuttgart
dem die Regierung entschieden hat, zielt am 12. März.
unser Protest jetzt nicht mehr nur nach Aber auch die AKW-Betreiber selbst
Berlin. Stattdessen beginnt das Ringen um können wir unter Druck setzen, wie die
die Stilllegung jedes einzelnen Reaktors. Kampagne „Tschüss Vattenfall“ in Hamburg
Eine ganze Reihe von AKW ist angesichts zeigt. Mit der Macht der VerbraucherInnen
der neuen Brennelementesteuer und nöti- wollen wir die Wiederinbetriebnahme der
ger Nachrüstungen an der Grenze der Ren- AKW Krümmel und Brunsbüttel verhindern.
tabilität. Hier ist es die Atomaufsicht der Alle Reaktorstandorte stehen schließlich

12.3.: Menschenkette Neckarwestheim-Stuttgart Seiten 2-3 Rundbrief kostenlos


25.4.: 15 Demonstrationen zum 25. Tschernobyl-Tag  Seite 5 abonnieren: Seite 12
Mitmachen

Den Atomausstieg in die Hand nehmen!


Das nächste große Ding: Die Menschenkette vom AKW Neckarwestheim nach Stuttgart
am 12. März könnte die größte Anti-Atom-Demo Baden-Württembergs werden
42 Kilometer misst die Strecke vom AKW Neckarwestheim bis nach Stuttgart. Am 12. März, zwei Wochen vor der Landtagswahl
im Ländle, wird dort eine riesige Menschenkette aus Zigtausenden Atomkraftgegnerinnen und -gegnern entstehen.

Nord Süd

Die Idee Die Strecke


Welche Farbe auch immer die neue Lan- Beginnen wird die Kette am Doppel-Atom- Der genaue Streckenverlauf steht noch
desregierung in Stuttgart haben wird – kraftwerk Neckarwestheim, von dort geht nicht fest. Aktuelle Infos unter:
sie wird gleich zwei Hebel in der Hand es immer südwärts über Bietigheim und www.anti-atom-kette.de
haben, um einen echten Atomausstieg zu Ludwigsburg bis in die (Protest-)Haupt-
befördern. Erstens kann sie mit strengen stadt Stuttgart. Damit unterwegs keine Am Kettentag beginnen wir gegen 12.30
Sicherheitsauflagen dafür sorgen, dass Lücken entstehen und sich alle gleichmä- Uhr mit dem Aufbau der Kette, um 13.30
die baden-württembergischen Atomre- ßig entlang der Strecke verteilen, gibt es Uhr soll sie für eine halbe Stunde ge-
aktoren, an erster Stelle der Uralt-Meiler sogenannte „Partnerregionen“, die den schlossen stehen. Ab 15.30 Uhr gibt es
Neckarwestheim-1, abgeschaltet wer- einzelnen Streckenabschnitten zugeord- eine gemeinsame Abschlusskundgebung
den. Und zweitens kann sie als künftige net sind (siehe oben) auf dem Stuttgarter Schlossplatz.
Mehrheitsaktionärin des Energiekonzerns
EnBW dessen Atomkurs beenden (siehe Die Anreise
lautet:
Interview Seite 10). Baden-Württemberg Wie kommt man am besten zur Anti-Atom-Kette hin? Regel Nummer eins
an diesem
könnte so zum Vorreiter einer echten En- Besser nicht mit den Öffentlichen! Nahverkehrszüge und -busse werden
ergiewende werden. Tag heillos überfüllt sein.
Das hätte Folgen weit über den Süd-
aus vie-
westen hinaus. Auch die Bundesregierung Stattdessen ist die erste Wahl: Reisebusse! Die werden wieder in großer Zahl
Einen ei-
in Berlin wird mit großem Interesse auf len Orten bundesweit direkt zur Kette fahren. Ist Deine Stadt schon dabei?
Tipps.
die Atompolitik in Baden-Württemberg genen Bus zu organisieren ist nicht schwer. .ausgestrahlt hilft Dir mit vielen
schauen. Klar ist dabei: Um AKWs abzu-
www.ausgestrahlt.de/bus
schalten und die Energiewende einzulei-
ten, braucht es unabhängig vom Ausgang üge zur
Für alle, die von weiter her anreisen, organisiert .ausgestrahlt drei Sonderz
der Wahl eine gehörige Portion poli- zurück:
Menschenkette. Alle fahren über Nacht nach Süden und wieder
tischen Druck. Der muss und wird von uns

kommen.  Zug 1: Bremen – Osnabrück – Münster – Dortmund – Bochum – Essen
Nehmen wir jetzt den Atomausstieg Duisburg – Düsseldorf – Köln – Bonn – Koblenz – Stuttga rt
selbst in die Hand! Wie ginge das besser er –
 Zug 2: Elmshorn – Pinneberg – Hamburg – Lüneburg – Uelzen – Hannov
als mit einer Menschenkette? Unüberseh-
Marburg – Stuttgart
bar und unmissverständlich macht diese
rt
deutlich, was die große Mehrheit der Be-  Zug 3: Berlin – Magdeburg – Braunschweig – Göttingen – Kassel – Stuttga
völkerung, ja sogar die große Mehrheit Mehr zu den Sonderzügen, die genauen Fahrpläne und Ticketbuchung auf
der CDU-SympatisantInnen will: Schaltet
Atomkraft endlich ab. www.ausgestrahlt.de/sonderzug
Die Sonderzug-Tickets sind knapp – daher so schnell wie möglich buchen!
örse auf
Wer individuell anreist, findet Infos zu Parkplätzen und mehr und eine Mitfahrb

2 www.ausgestrahlt.de/menschenkette
.ausgestrahlt
Foto: Petersen / subkontur Foto: Josh Feitelson /
PubliXviewinG

Das Vorbild Dein Beitrag


Vorbild der „Süd-Kette“ ist natürlich die Damit wir die 42 Kilometer Kettenstre-
Menschenkette „KettenreAktion“ vom 24. cke lückenlos füllen, müssen sich viele
April 2010, die quer durch Norddeutsch- Zehntausend Menschen in die Kette ein-
land die AKW Krümmel und Brunsbüttel reihen. Und das kann nur funktionieren,
miteinander verbunden hat. Damals gab wenn nicht nur wir im .ausgestrahlt-
es im Vorfeld viele Unkenrufe, die eine Büro und im Ketten-Büro in Stuttgart,
solche Riesen-Aktion für unmöglich sondern auch Du mit anpackst:
hielten. Am Ende machten 120.000 Men-
 Organisiere Busse aus Deiner Stadt
schen die Kette zu einem Riesen-Erfolg.
zur Kette.
Wir glauben also daran, dass es auch ein
zweites Mal klappen kann – wenn auch Du  Hilf mit, die Sonderzug-Tickets zu
Dich (wieder) ins Zeug legst. verkaufen und als HelferIn im Zug.
 Mach in den kommenden Wochen
mit Probe-Menschenketten und
anderen Aktionen in Deiner Stadt
Werbung für die große Kette.
 Verteile Plakate, Flugblätter und Das Wichtigste aber ist:
Aufkleber für die Aktion (siehe S. 11). Wir brauchen Dich am 12. März zwischen
 Bring’ unseren Kettenspot ins Kino. Stuttgart und Neckarwestheim! Auch
wenn die Fahrt weit aussieht – ohne Dich
 Spendiere ein Großplakat zur Kette. wird das nichts. Denn am 12. März zählt
Alle Infos und jede Menge Tipps auf jeder Meter und jedeR Einzelne. Nimm
www.ausgestrahlt.de/menschenkette den Atomausstieg in die Hand!

Foto: Josh Feitelson / PubliXviewinG Foto: Jakob Huber

Rundbrief 11 - Winter 2010/2011 3


Mitmachen

Hamburg sagt „Tschüss Vattenfall!“


Atomausstieg konkret: .ausgestrahlt startet Stromwechsel-Kampagne, um die
endgültige Abschaltung des AKW Krümmel zu erzwingen
Wenige Wochen nach ihrem Neustart kann und Brunsbüttel vor ihren Toren besonders
die Kampagne „Tschüss Vattenfall“ be- bedroht. Zweitens beziehen die meisten
reits ihren ersten Erfolg verzeichnen: Der HamburgerInnen ihren Strom direkt
Stromkonzern, dessen marode AKW sowohl von Vattenfall – jedenfalls noch. Mit
in Deutschland als auch in Schweden seit dem Wechsel ihres Stromanbieters
Jahren nicht aus den Schlagzeilen kom- können sie direkt Einfluss auf die Zu-
men, hat die Wiederinbetriebnahme der kunft der beiden Reaktoren nehmen.
Pannenmeiler Krümmel und Brunsbüttel Den massenhaften Wechsel des Strom-
um mindestens weitere sechs Monate ver- anbieters regt „Tschüss Vattenfall“ an mit
schoben. Beide Reaktoren stehen seit über Stromwechselboxen in vielen Hamburger
dreieinhalb Jahren still. Geschäften, Großplakaten, Zeitungsan-
Deshalb: Sag auch Du
Vattenfall wollte das AKW Krümmel zeigen, einem Kinospot, Zehntausenden
„Tschüss Vattenfall!“!
eigentlich im Januar, das AKW Brunsbüt- von Flugblättern, den markanten „Tschüss
tel etwas später wieder ans Netz bringen. Vattenfall“-Aufklebern in Sprechblasenform  Wenn Du in Hamburg wohnst, mach’
Doch daraus wird vorerst nichts. Denn die sowie vielen Aktionen zum Mitmachen wie mit bei „Tschüss Vattenfall!“! Wenn
AKW-Chefin von Krümmel fiel trotz mona- Flashmobs und Montagsspaziergänge. Ziel Du woanders wohnst: Vielleicht hast
telanger Vorbereitung durch eine wichtige ist, Vattenfall so viele KundInnen abspens- Du Bekannte, FreundInnen, Kolle-
Prüfung: Ihr war es in einer Simulation tig zu machen, dass der Konzern auf die gInnen oder Familie in Hamburg, die
zwei Stunden lang nicht gelungen, den Wiederinbetriebnahme der Uralt-Reaktoren Du zum Mitmachen animieren kannst.
Reaktor in einen sicheren Zustand zu brin- endgültig verzichtet. Mit Deiner und ihrer Hilfe könnten
gen. Die Atomaufsicht lehnte eine Wieder- Inzwischen bläst Vattenfall bereits etwa weitere Wechselboxen einen
inbetriebnahme des in den 1960er-Jahren zum Teilrückzug und will die Reaktoren Platz in Geschäften, Restaurants, Bars
konzipierten Siedewasserreaktors unter nicht mehr unter eigener Verantwortung oder beim Bäcker um die Ecke finden.
ihrer Ägide daraufhin ab. anwerfen, sondern die Betriebsführung „Tschüss Vattenfall!“-Aufkleber und
.ausgestrahlt hat in Hamburg aus zwei an den AKW-Miteigentümer Eon abgeben. -Flugblätter gibt es kostenlos im .aus-
Gründen die Kampagne „Tschüss Vatten- Vattenfall will allerdings an beiden Meilern gestrahlt-Shop (siehe Bestellformular
fall!“ neu gestartet. Erstens ist die Han- beteiligt bleiben und weiter wie bisher de- Seite 12) – jede/r kann seine eigene
sestadt durch die Vattenfall-AKW Krümmel ren Hochrisiko-Strom verkaufen. Tschüss-Vattenfall-Aktion starten.
nsh_anz_134x116_ausgestr_rz_1212_Layout 1 21.12.10 17:00 Seite 1
 Im Internet unter www.tschuess-
Anzeige
vattenfall.de findest Du Infos zum
AKW Krümmel und zu Vattenfall sowie
Hinweise auf Aktionen. Der kostenlose
E-Mail-Newsletter von „Tschüss Vatten-
fall“ hält Dich auf dem Laufenden.
 Zu einem echten Ökostromanbieter
können nicht nur HamburgerInnen
wechseln. Ökostrom ist oft sogar gün-
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.ausgestrahlt
Mitmachen

25 Jahre Tschernobyl – Atomkraftwerke endlich abschalten!


Ostermontag, 25.4.: 15 Demonstrationen bundesweit
Am 26.4.1986 explodierte das AKW Tschernobyl in der Ukraine. Konrad in Salzgitter, beim Zwischenlager Lubmin und bei der
Hunderttausende starben oder leiden bis heute an schweren Urananreicherungsanlage in Gronau. Unsere gemeinsame Forde-
Erkrankungen, der radioaktive Fallout des Super-GAUs konta- rung: Atomkraftwerke endlich abschalten!
minierte ganz Europa. Am Ostermontag, dem 25. April 2011, Mehr Informationen gibt es in Kürze unter
einem Tag vor dem 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe, wird  www.tschernobyl25.de
es bundesweit 15 große Demonstrationen geben: an den 12 und natürlich bei
AKW-Standorten sowie beim geplanten Atommülllager Schacht  www.ausgestrahlt.de

Castor-Transport Karlsruhe–Lubmin
12.2.: Demo in Greifswald, 15.-17.2.: Aktionen gegen den Transport
Voraussichtlich vom 15.-17.2. soll erneut hochradioaktiver Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK), in der vor allem ab-
Atommüll ins Zwischenlager Nord in Lubmin rollen. Die fünf gebrannte Brennstäbe aus deutschen AKW verarbeitet wurden.
Castor-Behälter sind mit in Glas eingeschmolzener sogenannter AtomkraftgegnerInnen aus Süddeutschland wollen die Abfahrt
„Atomsuppe“ befüllt – Abfälle aus der inzwischen stillgelegten des Zuges mit einer Nachttanzblockade – „tanzend, feiernd, ste-
hend, sitzend, auf den Schienen, neben den Schienen“ – am
15./16. Februar 2011 in Karlsruhe-Neureut verhindern.
Auftakt für die Proteste ist bereits am am Samstag, 12. Februar,
mit Auftaktdemos in Greifswald (14 Uhr, Marktplatz) und Karls-
ruhe (12 Uhr, Marktplatz). Auch an vielen anderen Orten ent-
lang der Castor-Route sind im Zeitraum 12.-17.2. Protest- und
Blockade-Aktionen geplant.
 www.lubmin-nixda.de
 www.nachttanzblockade.de
 www.ausgestrahlt.de/mitmachen/lubmin2011.html

Montagsspaziergänge
Montags raus gegen Atomkraft – das gilt inzwischen in mehr
als 60 Städten. Es gibt Mahnwachen, Spaziergänge und Atom-
alarme, auf dem Marktplatz, vor den Toren eines AKW oder bei
der örtlichen Parteizentrale von CDU/CSU/FDP. Die Kampagne
läuft mindestens bis zum Tschernobyl-Jahrestag Ende April. Mit-
machen oder selbst eine Aktion in Deiner Stadt ins Leben rufen!
Tipp, Tricks und Materialien dazu findest Du auf
 www.ausgestrahlt.de/mitmachen/montagsspaziergang

Rundbrief 11 - Winter 2010/2011 5


Nachrichten

Anti-Atom-Kurzmeldungen
RWE spart Steuern und Notstrom Die Bundesregierung spricht von „sta- Ahnungsloser Lobbyist
Das hessische Umweltministerium tistischen Zufällen“. Nach Angaben Von einem betriebsbereiten Atommüll-
räumt RWE eine Frist bis 2016 ein, um der Linken gibt es auch rings um die Endlager in Deutschland zumindest für
das AKW Biblis mit einer etwas bes- hauptsächlich von West-Konzernen schwach- und mittelradioaktive Abfälle
seren Notstromversorgung und einer genutzte DDR-Atommüllkippe Mors- fabulierte unlängst der Vize-Chef der
Abschaltautomatik auszustatten. Sie leben auffällig hohe Krebsraten. Ein- CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael
verlange aber, dass RWE zumindest lagerungsbelege deuten darauf hin, Fuchs, im Fernsehen: „Schacht Kon-
einen Teil der Sicherheitsauflagen, dass in der Asse anders als bisher rad geht, funktioniert, wird ja schon
die ihr Vor-vor-vor-vor-vor-vor-vor- behauptet auch hochradioaktiver Müll beschickt.“ Womit der Ober-Lobbyist
vor-vor-Vorgänger Karlheinz Weimar landete. der Atomindustrie, Spitzname „Atom-
1991 erlassen hatte, noch dieses Jahr (Q: n-tv 26.11., dapd 29.11., Braunschweiger Zeitung 4.12.) Fuchs“, einen glänzenden Beleg seiner
umsetze. RWE setzte derweil erst ein- Ahnungslosigkeit lieferte. Denn tat-
mal ein paar Brennelemente um und sächlich verzögern sich die Bauarbeiten
drückte sich so um 280 Millionen Euro Indien sperrt Tausende für das geplante Endlager im ehema-
Brennelementesteuer. Die CDU zeigte Atomkraftgegner ein ligen Eisenerzbergwerk Schacht Konrad
sich erbost über den simplen Trick. Bei Protesten gegen den geplanten um mindestens fünf Jahre. Radioaktiver
(Q: HR 18.1., FR 30.9., dapd 18.11.) Bau des größten indischen AKW Jaita- Müll kann hier frühestens 2019 depo-
pur hat die Polizei nach Angaben von niert werden.  (Q: HAZ 30.10., ZDF 11.11.)
AtomkraftgegnerInnen rund 3.000
Krebshäufung um die Asse DemonstrantInnen in Gewahrsam ge-
Ring um die einsturzgefährdete Atom- nommen. Als mehrere Wochen später
müllkippe Asse bei Wolfenbüttel sind der französische Staatspräsident an-
doppelt so viele Männer an Leukämie reiste – der französische Atomkonzern
und dreimal soviele Frauen an Schild- Areva soll den Atomkomplex bauen –,
drüsenkrebs erkrankt wie anderswo. gingen erneut 5.000 Menschen auf die
Das geht aus den Daten des Epidemi- Straße. Das Gebiet gilt als stark erd-
  Schacht Konrad – Foto: hmboo
ologischen Krebsregisters hervor. Ein bebengefährdet.
Expertengremium soll jetzt nach Ur- (Q: thehindu.com 31.10., rf-news.de 7.12.) Staatsgeheimnis
sachen forschen. ↗ Laufzeitverlängerung
Anzeigen Die „Funktionsfähigkeit der Bundes-
regierung“ in Gefahr sieht Justiz-

Sitz!
Wir arbeiten mit: ministerin Sabine Leutheusser-Schnar-
ive, renberger (FDP) beim Thema Laufzeit-
über 150 Mot
ab 19,95 € verlängerung. Allerdings nicht, weil
Der Photohocker 100 % ein schwerer Atomunfall auch den Zu-
Made in sammenbruch unseres Gemeinwesens
Germany
n: zur Folge hätte, sondern weil sich die
log anforder
GR ATIS Kata · werkhaus.d
e
Deutsche Umwelthilfe (DUH) für ein pi-
24 / 9 55 -0
Tel. 0 58
kantes Detail des Deals mit den Strom-
Innovative Produkte Ökologischer Anspruch Soziale Verantwortung konzernen interessiert: den Grund für
einen merkwürdigen Meinungswandel
des Ministeriums nämlich. Mitte Au-
gust hatte das noch ausgeführt, dass
nur eine Laufzeitverlängerung von ma-
ximal zwei Jahren und vier Monaten
noch „moderat“ und deswegen nicht
zustimmungspflichtig im Bundesrat sei.
Wenig später stimmte es dann ohne
Bedenken einer Laufzeitverlängerung
von bis zu 14 Jahren zu. Eine Einsicht
in die Unterlagen dazu verweigert das
Ministerium. „Was gibt es da zu verber-
gen?“, fragt die DUH.  (Q: DUH 11.11.)

6 .ausgestrahlt
So sicher wie diese Website
Die Webseite des Deutschen Atom- mit dem Spruch „Kernenergie. So sicher
forums, deren Adresse groß auf den wie diese Webseite.“ Das Atomforum
Transporthauben der Castor-Behälter zeigte sich „not amused“, schaltete
prangt, ist Opfer eines Hackerangriffs die Website für mehrere Stunden ab
geworden. Während der Atommüll- und betonte, der Lobbyverein sei kein
Konvoi nach tagelangen Protesten Nuklearunternehmen. Aus dem Vorfall
ins Zwischenlager Gorleben rollte, könnten daher keine Rückschlüsse auf
begrüßte die Startseite von www. die Sicherheits von Atomkraftwerken
kernenergie.de ihre BesucherInnen gezogen werden.  (Q: n-tv 09.11.)   Screenshot am 9.11.2010

Geldstrafe für Castor-Stopp Solar schlägt Atom


mit Beton-Block Weltweit sind im Jahr 2010 Photovol-
Mit Geldstrafen wegen Nötigung ende- taikanlagen mit einer Leistung von 21
ten die Prozesse gegen die Castor-Blo- bis 24 Gigawatt neu ans Netz gegan-
ckiererInnen, die 2009 den Atommüll- gen. Selbst wenn man annimmt, dass
Transport nach Gorleben 12 Stunden Solarzellen witterungsbedingt deutlich
aufhielten. Drei Personen hatten sich weniger Volllaststunden im Jahr auf-
an einem im Gleisbett versteckten weisen als (funktionierende) Atomkraft-  Dammbruch des Uranschlamm-Beckens
 Foto: www.greenpeace.org
Betonblock angekettet. Die Staatsan- werke, schlägt das die installierte AKW-
waltschaft erließ Strafbefehle über je Kapazität von 3,7 Gigawatt deutlich. Uranmine läuft aus,
80 Tagessätze à 10 Euro. Einer davon  (Q: heise.de 04.01., dpa 11.01., Greenpeace 15.10.) Uranschiff im Sturm
wurde ohne Prozess rechtskräftig. Die In einer Areva-Uranmine im Niger
beiden anderen Angeklagten zogen Atomare Leichenfledderer sind am 11. Dezember die Dämme
ihre Einsprüche nach mehreren Prozess- Wissenschaftler der britischen Atom- von drei Rückhaltebecken gebrochen.
tagen zurück. Im Gegenzug wurden die anlage Sellafield, in der auch deut- Seither sind nach Angaben von Green-
Ermittlungen gegen vier weitere der scher Atommüll wiederaufarbeitet peace bereits mehr als 200.000 Liter
Beihilfe Beschuldigte eingestellt. Zwei wird, haben jahrzehntelang Leichen radioaktiver Schlamm in die Umwelt
Beteiligte, die dem Zug mit Leucht- ehemaliger Atom-Arbeiter und an- gelangt. MitarbeiterInnen eines un-
material entgegenliefen, bekamen derer Personen gefleddert. Wie eine abhängigen französischen Labors
Bußgelder wegen Aufenthalts in den Kommission jetzt enthüllte, entnah- hatten schon vor Monaten in der Um-
Gleisen auferlegt. Spenden sind will- men sie zwischen 1962 und 1991 gebung der Uranminen ungewöhnlich
kommen.  (Q: http://bloxberg.blogsport.de) mehr als 6.500 Toten ohne Einwilli- hohe Radioaktivitätswerte gemessen.
gung der Angehörigen Körperteile Der Boden, die Luft und das Wasser
für ihre Untersuchungen. Die Organe sind radioaktiv belastet. Unterdessen
und Knochen entsorgten sie anschlie- musste ein mit Uranoxid beladener
ßend zusammen mit schwach radioak- Frachter, der auf dem weg von Kanada
tivem Müll im Endlager Drigg. Auch in nach China war, wieder umkehren. Bei
Deutschland wurden Leichenteile bei einem Sturm waren zwei Container
einem Unfall im AKW Gundremmingen verrutscht, zwei Uranfässer umgefal-
ums Leben gekommener Arbeiter ent- len und aufgegangen. Nun wird unter-
nommen und schließlich als Atommüll sucht, wie Schiff und Ladung gereinigt
in der Asse entsorgt. und repariert werden können.
(Q: spiegel.de 17.11., stern.de 18.9.2009) (Q: greenpeace.ch 20.12., nationalpost.com 17.01.)

Ackerbau und Tourismus


25 Jahre nach dem Super-GAU im AKW größten Atomkatastrophe aller Zeiten
Tschernobyl will die ukrainische Regie- besichtigen können. Die Regierung, die
rung einen Teil der nach der Katastro- Tschernobyl kürzlich auch in das offizi-
phe wegen zu hoher Strahlenbelastung elle Tourprogramm der Fußball-Europa-
gesperrten Böden für eine erneute meisterschaft 2012 aufgenommen hat,
landwirtschaftliche Nutzung freigeben. hofft auf eine Million BesucherInnen
Auch „Extremtouristen“ sollen auf ihre pro Jahr. ExpertInnen warnten vor
Kosten kommen und das Gelände der schweren Gesundheitsschäden.
 Sperrgebiet Tschernobyl – Foto: mmatting 

Rundbrief 11 - Winter 2010/2011 7


Analyse

Neue Chancen, neue Ansatzpunkte…


Trotz Laufzeitverlängerung kann die Stilllegung von AKW gelingen, wenn genügend
Menschen weiter auf die Straße gehen

Sitzblockade vor dem Zwischenlager Gorleben, 9.11.2010, Foto: Christian Jungeblodt / www.inamillionyears.com Mehr dieser Fotos im .ausgestrahlt-Kalender 2011. Bestellung auf Seite 12

Die Geschichte der Protestbewegungen in bereits entschieden. Was denn die Leute aufschnürt. Gibt es also überhaupt eine
der Bundesrepublik Deutschland ist davon überhaupt noch wollten. Der Protest käme Chance, mit weiterem Protest etwas zu
geprägt, dass vor einer umstrittenen Ent- zu spät. Aber siehe da: Den empörten erreichen?
scheidung zwar große Demonstrationen BürgerInnen in Stuttgart ist das herzlich Dazu ist es sinnvoll, sich einmal an-
stattfinden, viele Menschen aber nicht egal. Sie hatten zwar die Entscheidung zusehen, was die Anti-AKW-Bewegung
mehr auf die Straße gehen, wenn Regie- nicht verhindern können, tun jetzt aber im letzten Jahr erreicht hat, auch wenn
rung und Parlament trotz der Proteste alles dafür, um die Umsetzung dieser Ent- es nicht gelungen ist, die Laufzeitverlän-
hart bleiben. Das war beispielsweise so scheidung zu stoppen. gerungen zu verhindern: Durch die Ein-
bei der Bewegung gegen die Notstands- Ähnliches war in Gorleben zu beobachten: führung der Brennelementesteuer und
gesetze in den 1960er Jahren, bei den Obwohl der Bundestag die Laufzeitverlän- die Verpflichtung der AKW-Betreiber, ihre
Protesten gegen die Stationierung neuer gerung für die Atomkraftwerke beschlos- Alt-Meiler sicherheitstechnisch nachzu-
Atomraketen in den 1980er Jahren, bei sen hatte, kamen so viele Menschen wie rüsten – wenn auch nicht in dem Maße,
den Montagsdemonstrationen gegen die niemals zuvor zu den Protesten und den wie es notwendig wäre – sind eine gan-
Einführung von Hartz IV im Jahr 2004. Widerstands-Aktionen gegen den Castor- ze Reihe von Reaktoren an den Rand der
Doch in den letzten Monaten hat sich Transport im November. Auch hier ist das Wirtschaftlichkeit geraten. Zumindest für
etwas verändert, und für diese ermuti- klare Ziel der Bewegung, die Umsetzung die besonders alten Kraftwerke Isar 1,
genden Veränderungen stehen zwei Orts- des Parlamentsbeschlusses zu verhin- Neckarwestheim 1, Philippsburg 1, Bi-
namen: Stuttgart und Gorleben. dern. blis A und B, Brunsbüttel und Krümmel
Ein beliebtes Argument der baden- Doch wie kann das praktisch ausse- wird in den Konzernzentralen mit spitzem
württembergischen Landesregierung, um hen? Schließlich ist es denkbar unwahr- Bleistift gerechnet, und es ist noch längst
den Protest gegen das Immobilienprojekt scheinlich, dass die Bundesregierung nicht absehbar, dass diese AKW wirklich
„Stuttgart 21“ zu diskreditieren, war die vor der nächsten Wahl im Jahr 2013 das weiterbetrieben werden – Laufzeitverlän-
Feststellung, es sei doch schließlich alles jetzt beschlossene Atomgesetz nochmal gerung hin oder her.

.ausgestrahlt
Foto: Christian Jungeblodt
Entscheidend ist hier das Verhalten der (siehe Seite 4) massiv unter Druck und Ein weiterer Faktor: Weil die durch die
Atomaufsicht in den Bundesländern. Denn verhandeln deshalb mit dem Miteigentü- Laufzeitverlängerungen zu erwartenden
die ist es, die konkrete Sicherheitsaufla- mer Eon, ob dieser die Betriebsführung Gewinne zum größten Teil erst in eini-
gen erteilen kann – oder eben auch nicht. in den beiden umstrittenen AKW über- gen Jahren anfallen, Steuer und Nach-
Je mehr die Unsicherheit der Kraftwerke nehmen kann. Das wird sich aber bis zum rüstungskosten aber bereits kurzfristig,
also öffentliches Thema ist, je mehr Men- Sommer hinziehen. So ist wertvolle Zeit ist das finanzielle Risiko für die AKW-
schen an den AKW-Standorten demons- gewonnen, um weiteren Protest im Nor- Betreiber immens. Kappt eine zukünftige
trieren, umso stärker ist der Druck auf die den zu organisieren. Bundesregierung die Laufzeiten wieder,
entsprechenden Landesregierungen. In Baden-Württemberg sind am 27. ist das Ganze ein Minusgeschäft. Umso
Besonders spannend für Atomkraft- März Landtagswahlen. Der Ausgang ist besser es der Anti-AKW-Bewegung also
gegnerInnen ist die Situation in Schles- denkbar offen. Das Land ist zukünftig gelingt, die Debatte um die Atomkraft
wig-Holstein und Baden-Württemberg: Im Eigentümer des AKW-Betreibers EnBW weiter zu verschärfen, steigt die Unsi-
Norden sind die Reaktoren in Brunsbüttel und kann auch darüber Einfluss nehmen. cherheit bei den Stromkonzernen, ob
und Krümmel seit dreieinhalb Jahren Klar ist aber auch: Selbst wenn es zu ei- sich Nachrüstungen wirklich noch ren-
vom Netz. Betreiber Vattenfall hatte an- ner rot-grünen Landesregierung kommen tieren. Genau diese Problematik hat dazu
gekündigt, Krümmel im Januar wieder in sollte, führt dies nicht automatisch zur geführt, dass die Aktien von Eon und RWE
Betrieb zu nehmen. Die designierte neue Stilllegung von Reaktoren – bestes Bei- im Jahr 2010 trotz Laufzeitverlängerung
Chefin des Kraftwerks fiel aber durch eine spiel sind dafür die elf Jahre Rot-Grün die Schlusslichter im Deutschen Aktien-
wichtige Prüfung. in Hessen, die das AKW Biblis schadlos Index (DAX) waren, mit Kursverlusten bis
Jetzt steht Krümmel ohne Betriebslei- überstanden hat. Auch hier wird sich also zu 20 Prozent.
tung da, die Betreiber sind durch die .aus- nur etwas bewegen, wenn wir uns bewe- Unsere Chancen stehen also gar nicht
gestrahlt-Kampagne „Tschüss Vattenfall“ gen und auf die Straße gehen. schlecht.  Jochen Stay

Schienenblockade bei Harlingen/Wendland, 8.11.2010, Foto: Daniel Rosenthal / www.inamillionyears.com

Rundbrief 11 - Winter 2010/2011 9


Interview

„Atomaufsicht auf die Finger kucken“


Cornelia Ziehm, Juristin, über Reaktorsicherheit in Zeiten knapper Kassen und die
Möglichkeiten der Länder, AKW trotz Laufzeitverlängerung vom Netz zu zwingen
Die Bundesregierung hat die Laufzeiten Sicherheit muss aber stets an erster Stelle Ja, wenn das für die Sicherheit des AKW
verlängert. Kann jetzt jedes AKW stehen. erforderlich ist – meiner Auffassung nach
einfach länger laufen? müsste sie es sogar tun.
Cornelia Ziehm: Vom Gesetz her Die Regierung hat den Aufwand für
grundsätzlich ja. Aber das Ver- Nachrüstungen aber begrenzt, auf 500 Eine strenge Landesatomaufsicht
fassungsgericht wird die Lauf- Millionen Euro pro Reaktor. kann aber aus Berlin mit Weisungen
zeitverlängerung noch prüfen. Das deutet darauf hin, dass der Sicher- zurückgepfiffen werden.
Das Atomgesetz verlangt zudem heitsstandard nicht erhöht werden soll, Im Prinzip ja. Aber es kommt auch darauf
die bestmögliche Vorsorge, um wie es eigentlich der Fall sein müsste. Das an, wie stark die Öffentlichkeit der Atom-
Schäden von Umwelt und An- Bundesumweltministerium selbst geht bei aufsicht auf die Finger kuckt. Je größer der
Cornelia Ziehm, Juristin, wohnern fernzuhalten. Da kann einer Laufzeitverlängerung von 12 Jahren öffentliche Druck, desto schwerer ist es,
ist Leiterin Klimaschutz
& Energiewende bei der man bei einigen Reaktoren ja von einem Nachrüstbedarf pro AKW von solche Weisungen durchzusetzen. Deswe-
Deutschen Umwelthilfe. zweifeln. im Schnitt 1,2 Milliarden Euro aus. gen ist es ganz wichtig, dass die Sicher-
heitsmängel der AKW offengelegt werden.
Für die Sicherheit der AKW sind die Ist eine Landesatomaufsicht bei ihren
Länder zuständig. Was bedeutet das? Nachrüstungsforderungen denn an die Die schleswig-holsteinische
Es kommt jetzt darauf an, welche Nach- 500-Millionen-Euro-Grenze gebunden? Landesregierung gilt nicht als Fan
rüstungsanforderungen sie stellen. Man- Gesetzlich zwingend ist die nicht. Aber von Krümmel und Brunsbüttel.
che gehen da sehr seltsam heran. Beispiel wir leben in Zeiten knapper Kassen. Und Welche Möglichkeiten hat sie, deren
Neckarwestheim I: Von EnBW 2007 selbst wenn diese Grenze überschritten werden Wiederinbetriebnahme zu verhindern?
beantragte umfangreiche Sicherheitsnach- sollte, dann vermindern sich die Beiträge Eine Vorschrift im Atomgesetz verweist auf
rüstungen wurden bislang nicht umgesetzt. der AKW-Betreiber an den sogenannten das Bundesimmissionsschutzgesetz. Dort
Die schwarz-gelbe Landesregierung stört Förderfonds für erneuerbare Energien. Es steht, dass eine Genehmigung erlischt,
sich daran jedoch nicht. Das ist mit den Si- ist wirklichkeitsfremd, anzunehmen, dass wenn eine Anlage mehr als drei Jahre nicht
cherheitsanforderungen des Atomgesetzes eine Atomaufsicht vor diesem Hintergrund betrieben wird. Brunsbüttel liegt seit über
nicht vereinbar. die 500-Millionen-Grenze nicht im Kopf dreieinhalb Jahren still. Krümmel war zwi-
hat, wenn es darum geht, welche Nachrüs- schendurch mal zwei Wochen in Betrieb.
Eine Landesregierung, die es ernst meint tungsanforderungen wann mit welchem Dort stellt sich aber die Frage nach der Zu-
mit Ausstieg – was müsste die tun? Nachdruck durchgesetzt werden. verlässigkeit des Betreibers.
Kein AKW ist gegen den gezielten Absturz
großer Passagiermaschinen geschützt. Da Ist den Konzernen wegen dieser Regel Vattenfall könnte die Leitung der AKW an
muss auf jeden Fall nachgebessert werden. nicht egal, was die Nachrüstung kostet? E.on abgeben.
Andernfalls dürfen die Meiler eigentlich Ganz sicher nicht. Sie wollen die Nachrüst- E.on hat im AKW Grafenrheinfeld einen Riss
nicht weiterbetrieben werden. Anderes kosten insgesamt möglichst niedrig halten. im Material nah am Reaktorkern zunächst
hängt immer von den einzelnen AKW ab: Sonst hätten sie nicht massiv gedrängt, nicht gemeldet. Auch bei diesem Betreiber
In Brunsbüttel ist beispielsweise das Not- Rechtsprechung rückgängig zu machen, könnte man die Zuverlässigkeitsfrage stel-
stromsystem veraltetet, bei Biblis A fehlt die AKW-AnwohnerInnen zugestanden hat, len.
eine externe Notstandswarte, usw. Die AKW auch Schutzmaßnahmen gegen Terroran-
werden immer älter, das Material ermüdet. griffe einklagen zu können. In Baden-Württemberg wird die
Darauf muss man reagieren. Das wird aber Landesregierung Eigentümerin von EnBW.
nicht bei jedem AKW technisch möglich Wie viel Zeit haben die Konzerne für die Sie kann damit Einfluss auf die Unterneh-
sein. Daraus müssen Konsequenzen gezo- Umsetzung von Auflagen? menspolitik und den Betrieb der AKW neh-
gen werden. Bund und Länder haben wichtige Sicherheits- men.
maßnahmen als mittel- bis längerfristigen
Geht es darum, den Weiterbetrieb Bedarf eingeordnet. Das heißt praktisch, da Das Aktienrecht stellt aber das Wohl des
ökonomisch unattraktiv zu machen? wird erst einmal gar nichts passieren. Unternehmens an erste Stelle.
Es geht darum, dass es nicht zu einem EnBW ist sehr gut beraten, ihr Augenmerk
schweren Unfall kommt. Dass Sicherheits- Könnte eine Atomaufsicht denn auf die erneuerbaren Energien zu richten.
anforderungen auch ökonomische Aus- verlangen, dass auch aufwändige Da liegt die Zukunft – nicht bei alten, unsi-
wirkungen haben, ist eine andere Sache. Maßnahmen sofort umgesetzt werden? cheren Meilern.  Interview: Armin Simon

10 .ausgestrahlt
Bestellen

Frühling gegen Atomkraft


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Rundbrief 11 - Winter 2010/2011 11


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oder per Fax an 040/2531 89 44.

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Ich will nur den kostenlosen .ausgestrahlt-Rundbrief und auch den kostenlosen E-Mail-Newsletter abonnieren.

Datum, Unterschrift:

12 .ausgestrahlt
Rückblick

Castor, Castor, Castor und mehr


Proteste gegen Produktion und Transport von Atommüll prägten den Herbst landauf,
landab – auch bei den vielen Aktionen von und mit Beteiligung von .ausgestrahlt
Oktober 2010
Streckenaktionstag gegen Castor .ausgestrahlt versorgt aus einem eigens aufnehmen. 3.600 Menschen kommen am
An 120 Orten entlang aller möglichen Ca- eingerichteten Pressebüro in Dannenberg 11.12. zur Demo nach Greifswald, „Anti-
stor-Transportstrecken demonstrierten am JournalistInnen und DemonstrantInnen Atom-Bewegung hat den Osten erfasst“,
23.10. mehr als 20.000 Menschen gegen rund um die Uhr mit Infos über die Protest- meldet das ZDF. .ausgestrahlt half bei
Atomkraft – von Kleinaktionen bis hin zu aktionen. Der .ausgestrahlt-Wandkalender
einer Demo mit 3.000 TeilnehmerInnen in 2011 hält die Vielfalt des Widerstands
Hannover. Aufgerufen hatte das Bündnis mit 13 eindrucksvollen Bildern fest.
Castor-Strecken-Aktionstag mit Beteili- Bestellung auf SEITE 12
gung von .ausgestrahlt.

November 2010
Großdemo und Protest im Wendland
Der Beschluss der Bundesregierung, die Foto: Timo Vogt/Randbild
AKW Laufzeiten zu verlängern, und ein
weiterer Castor-Transport nach Gorleben der Organisation der Busse. In den Tagen
darauf blockieren Hunderte im dichten
Foto: Andreas Herzau
Schneetreiben die Castor-Gleise.

Dezember 2010 Atommüll zurück zum Absender


„Tschüss Vattenfall!“-Flashmobs 22.500 Atommüll-Dosen landen dem-
Der Opfer eines fiktiven Atomunfalls im nächst vor dem Kanzleramt – eine ge-
AKW Krümmel gedenken am 11.12. und meinsame Aktion vonn .ausgestrahlt und
18.12. mehrere Flashmobs in der Ham-
Foto: Christian Jungeblodt
burger Innenstadt – Teil der von .aus-
gestrahlt neu gestarteten Kampagne
bringen am 6.11. rund 50.000 Menschen „Tschüss Vattenfall!“ (siehe auch Seite 4
nach Dannenberg zur bisher größten An- und 15). Die Weihnachts-EinkäuferInnen
ti-Atom-Demonstration in der Geschichte reagieren sichtlich irritiert.
des Wendlands. Von der Normandie über
Süddeutschland bis zum Zwischenlager
in Gorleben stellen sich Tausende dem
Atommüllzug tagelang mit Sitzblockaden, Foto: Stefan Diefenbach-Trommer
Demos, Schottern, Abseil-, Ankett- und
dem Münchner Tollwood-Festival. Jede/r
zehnte BesucherIn unterschrieb eine Dose.
Dazu kommen 222.000 Unterschriften
unter den Appell „Atomkraft abschalten
– Nein zum Ausstieg aus dem Ausstieg!“,
den .ausgestrahlt zusammen mit Campact
Protest gegen Castor nach Lubmin Mitte 2009 gestartet hatte. Anfang Febru-
Fünf Wochen nach dem Atommüll-Trans- ar werden wir Dosen und Unterschriften an
port nach Gorleben rollen schon wieder Bundeskanzlerin Merkel übergeben. Deren
Castoren durchs Land, diesmal ins Ost- Risikoverlängerung für die AKW führt be-
Foto: Andreas Herzau
seebad Lubmin. Das ursprünglich nur kanntlich zu mindestens 5.000 weiteren
vielen anderen Aktionen in den Weg. für die Hinterlassenschaften der DDR- Tonnen hochradioaktiven Atommülls. Da
Nie zuvor ist ein Castor-Transport auf so Atomtechnik gebaute Zwischenlager dort wird sie wohl auch für die paar Dosen ei-
großen Widerstand gestoßen. soll jetzt auch westdeutschen Atommüll nen guten Lagerplatz wissen.

Rundbrief 11 - Winter 2010/2011 13


Vorbilder

„Zwei haben den Grabstein gebastelt“


Timon Rademacher, 19, FÖJler und aktiv im Attac-Jugendnetzwerk Noya in Hamburg, macht mit
Flashmobs und anderen Aktionen dem Krümmel-Betreiber Vattenfall die Kunden abspenstig
Zum ersten Mal zum Castor gefahren bin ich mit 17, Idee zurück, mit den FÖJlerInnen dazu was machen
aber nur zur Demo. Ungefähr ein Jahr später bin zu wollen. Keiner von uns ist ja Befürworter der
ich zu Noya gestoßen, dem Jugendnetzwerk von Atomenergie. Als erstes haben wir Flashmobs
Attac. Da kümmern wir uns um viele Themen organisiert. Vor dem Vattenfall-Kundenzen-
– eines ist Atompolitik. Im Frühjahr haben trum bauten wir eine Gedenktafel für die
wir einen der Streckenposten bei der Men- Opfer eines fiktiven Atomunfalls im AKW
schenkette organisiert. Da war richtig viel Krümmel auf. Alle hielten Grablichter in die
los! Wir haben Materialien verteilt und dafür Höhe und stellten sie Punkt 15 Uhr da ab.
gesorgt, das sich die Leute auf dem Strecken- Zwei haben den Grabstein gebastelt, ich die
abschnitt verteilen. Flyer entworfen, andere sie verteilt, und ein
Mehrfach haben wir inhaltlich zum Thema Video wurde auch gedreht. Werbung haben wir
vat
gearbeitet. Im Vorfeld eines konsumkritischen o: pri über Mailinglisten und Facebook gemacht. Das
Fot
Workshops etwa haben wir uns mit Energie, Energie- war die ersten beiden Male sehr erfolgreich: jeweils
sparen und den Energiekonzernen beschäftigt. Mit ein paar an- über 50 TeilnehmerInnen. Viele PassantInnen blieben stehen,
deren bin ich dann im November wieder zum Castor gefahren: um die Tafel bildete sich eine Menschentraube, alle waren sehr
Diesmal waren wir an verschiedensten Blockaden beteiligt – irritiert, viele nahmen interessiert den Flyer.
danach waren alle sehr motiviert. Dann kam Weihnachten, da ist die Aktion wohl etwas in Ver-
Seit September mache ich mein FÖJ bei der Infostelle Kli- gessenheit geraten. Beim dritten Mal waren wir jedenfalls nicht
magerechtigkeit im Nordelbischen Missionszentrum. Als .aus- mehr so viele. Aber wir haben fest vor, noch weitere Aktionen
gestrahlt die Kampagne „Tschüss Vattenfall“ wieder gestartet im Rahmen von „Tschüss Vattenfall“ zu machen. 
hat, bin ich zum ersten Treffen gegangen – und kam mit der  www.noyahamburg.blogsport.de

„Wir sind die Zündflamme des Widerstands“


Hans-Günter Werner, 63, Pastor, fährt seit 25 Jahren jeden Monat zur Mahnwache vors AKW
Brokdorf. Die Polizisten, die ihn 1986 nicht durchließen, haben längst aufgegeben
Unser Protest hat 1986 angefangen, nach Tschernobyl Aktuell bereiten wir die Aktion zum Tschernobyl-Jah-
und der Riesendemo gegen die Inbetriebnahme des restag in Brokdorf mit vor. Und alle wissen: An
AKW Brokdorf. Eine Gruppe kirchlicher Mitarbei- jedem 6. um 14 Uhr kann man uns hier treffen.
ter in Hamburg hatte damals die Idee, zu einer Neulich kriegte ich einen Anruf einer neuen
Blockadeaktion am 6. August aufzurufen, dem Anti-Atom-Gruppe aus Pinneberg. Die wollen
Hiroshima-Gedenktag. Bei der Vorbereitung jetzt auch kommen.
entschieden wir, daraus eine regelmäßige Ak- Unsere Mahnwache ist noch nie ausgefallen,
tion zu machen, jeden Monat, bis das AKW seit 1986 nicht. Wir brauchen nichts groß vor-
abgeschaltet ist. Etwa drei, vier Jahre lang bereiten, wir haben alles griffbereit. Die näch-
haben wir immer blockiert, oft beide Tore, me- ste, am 6. Februar, ist Nr. 295. Ich habe extra
diengerecht. Irgendwann hatten fast alle mehre- ein kleines Computerprogramm, damit ich nicht
t
re Verfahren laufen, aber das öffentliche Interesse pr iva durcheinanderkomme. Und die Wachleute führen
:
Foto
wurde immer geringer. Die Hamburger wollten dann in auch Buch, wer von uns wann kommt. Zum 30-Jährigen
Hamburg was machen. Meine Basisgemeinde in Wedel beschloss, will ich das mal ausgedruckt haben …
den Protest aufrecht zu erhalten, ritualisiert, als Mahnwache und Die Beschäftigten sagen ganz klar: „Wir hoffen, dass eure
Teilblockade: Wenn wir viele sind, machen wir das Tor ganz dicht, Gebete helfen.“ Auch die Wachleute sagen das, manchmal sogar
wenn wir wenige sind, zur Hälfte. ziemlich deutlich: „Was meint ihr, wie viele Leute angetrunken
Wir sehen uns als Zündflamme des Widerstands hier. Das reinfahren und angetrunken wieder rausfahren.“ Diese Verantwor-
funktioniert tatsächlich: Immer, wenn größere Sachen sind, wie tung kann niemand tragen. Jeder Ingenieur weiß: Keine Technik
zuletzt die Menschenkette, können wir schnell mobilisieren. Wir ist 100%ig, und der Mensch schon gar nicht.
fahren auch zu Demos nach Gorleben, Krümmel, Brunsbüttel.  www.brokdorf-antiakw.de/mahnwachen

14 .ausgestrahlt
„Psychologin, das kann ich halt am besten“
Jana Trommer, 40, Psychologin, verteilte im November bei der Castor-Blockade in Gorleben
Rettungsdecken und leistete mit den „Gelben“ emotionalen Unterstützung der Blockierenden
Aktionen gewaltfreien Widerstands machen ja großen war sofort klar, dass ich zu X-tausendmal quer wollte,
Spaß. Ich weiß aber, dass es auch zu psychisch weil ich deren Aktionskonsens gut finde und er
sehr belastenden Situationen kommen kann, mir Sicherheit gibt – das war mir wichtig. Zu
wenn die Polizei eingreift. Da finde ich es den „Gelben“ bin gestoßen, weil ich eine Auf-
ein tolles Angebot, wenn es, wie jetzt bei gabe gesucht habe, und dachte: Psychologin,
der Castor-Sitzblockade von X-tausendmal das kann ich halt am besten. Ich wollte auch
quer in Gorleben, eine Gruppe wie die „Gel- nicht gleich so mittenrein.
ben“ gibt. Das ist eine bunte Gruppe aus Als es dann losging aus dem Camp in Rich-
PsychologInnen, PsychotherapeutInnen und tung Straße, war ich in freudiger Aufregung,
PädagogInnen, die sich zur Aufgabe gemacht weil ich toll fand, wie viele Leute gekommen
haben, die BlockiererInnen emotional zu unter- waren, und wie so viele gemeinsam so gut orga-
vat
stützen, während und nach der Blockade. o: pri nisiert sind, mit einem klaren Ziel. Das hatte ich so
Fot
Für mich war es die erste Castor-Blockade über- noch nicht erlebt.
haupt. Im Vorfeld des Transports habe ich in Marburg bei einem Die Räumung selbst verlief ja überwiegend zurückhaltend,
Aktionstraining mitgemacht. Das hat mir ganz gut geholfen, der Bedarf an emotionaler Unterstützung hat sich da in Grenzen
mich vorzubereiten. Ich habe eine Ausbildung zur Trainerin in gehalten. Während der Blockade ist unser Angebot, einschließ-
gewaltfreier Konfliktbearbeitung gemacht.Theoretisch fühle ich lich des Ruhezelts, aber schon genutzt worden. Bei der nächsten
mich solchen Situationen ganz gut gewachsen. Aber das ist ein großen Aktion von X-tausendmal quer bin ich auf jeden Fall wie-
Riesenunterscheid, wirklich bei so einer Aktion dabei zu sein. Mir der dabei. www.x1000malquer.de

„Zurück zum ‚Atomkonsens‘ reicht uns nicht aus“


Elke Brandes, 33, Biologin, kämpft mit der Anti-Atom-Gruppe Freiburg gegen das AKW Fessenheim
und zwang mit der erfolgreichen Castor-Südblockade den Atommüllzug zu Umwegen
Die Anti-Atom-Gruppe Freiburg gibt’s wieder seit April Propaganda. Man trifft da ja immer Leute, die man
2010. Ich habe durch eine Infoveranstaltung davon kennt, und wenn man denen sagt, dass man das
erfahren. Wir sind eine offene Gruppe, die sich jeden Montag macht, dann gucken sie auch mal
wöchentlich trifft. Man kann einfach kommen vorbei. Nur war es jetzt in den letzten Wo-
und mitmachen. chen ziemlich kalt. Dieses Jahr wollen wir es
Um Freiburg herum werden die meisten ein bisschen thematisch machen: mal was
Leute direkt von der EnBW mit Strom belie- zu Fessenheim, mal was zum Uranabbau,
fert. Unsere erste Idee war, ’ne Kampagne usw. Mit unserem Megafon werden wir auch
zu machen, dass die zu Ökostromanbietern akustisch Informationen verteilen.
wechseln. Wir haben uns eine Umlandgemein- Zum Tschernobyl-Jahrestag werden wir auf
de rausgesucht und dort auf den Märkten Strom- jeden Fall was machen, vielleicht sogar mit
wechselflyer verteilt. Auch einen Infoabend haben ivat französischen Gruppen zusammen. Außerdem
: pr werden wir uns sicher auch an der einen oder an-
wir organisiert. Da waren schon einige Interessierte Foto
da. Wer jetzt wirklich gewechselt hat, lässt sich aber schwer deren südwestdeutschen Aktion beteiligen. Etwa an der
nachvollziehen. Auch wenn wir ganz viele Flyer verteilt haben. „Nachttanzblockade“ gegen den geplanten Castor-Transport
Im November haben wir die Castor-Blockade an der fran- von Karlsruhe nach Lubmin Mitte Februar.
zösischen Grenze bei Lauterburg mitorganisiert. Letztenendes Die Landtagswahl spielt für uns keine so zentrale Rolle. Wir
saßen wir da mit über 1.000 Menschen auf den Gleisen, gut 150 wollen Druck außerhalb der Parlamente machen und uns nicht
waren aus Freiburg zur Demo angereist: Das war für mich das von irgendwelchen Parteien benutzen lassen. Der „Atomkon-
Highlight im letzten Jahr! sens“ etwa hat ja bekanntermaßen nicht zur Abschaltung von
Außerdem machen wir Montagsspaziergänge, in der Innen- AKW geführt. Trotzdem sind die rot-grünen Parteien noch im-
stadt. Wir haben Fahnen und Transparente dabei, wollen ein- mer der Meinung, man solle zu diesem zurückkehren. Das reicht
fach sichtbar sein. Das läuft so’n bisschen über Mund-zu-Mund- uns einfach nicht aus.  www.antiatomfreiburg.de

Rundbrief 11 - Winter 2010/2011 15


Impressum
.ausgestrahlt Spendenkonto
Marienthaler Straße 35 (Hinterhaus) .ausgestrahlt e.V.
20535 Hamburg Nr. 2009306400
info@ausgestrahlt.de BLZ 430 609 67 
www.ausgestrahlt.de GLS Gemeinschaftsbank

Redaktion: Jochen Stay, Stefan Diefenbach-Trommer, Luise Neumann-Cosel | Mitarbeit:


Armin Simon, Jürgen Fahrenkrug, Jutta Freybe, Kathrin Petz, Nora Lohmeyer | Layout:
www.holgermmueller.de | Druck: Bayreuth Druck + Media. Gedruckt auf Recyclingpapier |
Auflage: 50.000 | V.i.S.d.P.: Jochen Stay, Jeetzel

Wer ist .ausgestrahlt?


.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-
Mehr Raum für Anti-Atom-Arbeit
Atom-Organisation und Mitmach-Kampa- 50 Quadratmeter für bis zu 14 Personen – das war eindeutig zu eng. Das neue
gne. Wir unterstützen Atomkraftgegne- .ausgestrahlt-Büro eine S-Bahn-Station weiter schafft Platz für die nächsten
rInnen, aus ihrer Haltung öffentlichen großen Aktionen.
Protest zu machen. Wir machen Aktions-
angebote und stellen Materialien und
Hintergrundinformationen zur Verfügung.
Mach mit!

Warum wir Du schreiben


Wir meinen: Wer zusammen arbeitet, duzt
sich. Meistens. Viele Aktive fänden ein
„Sie“ sehr distanziert. Also: Sei willkom-
men in der Anti-AKW-Bewegung!

Wer macht .ausgestrahlt?


Viele Gruppen und Einzelpersonen nut-
Foto: Jytte von Salis

zen die Angebote von .ausgestrahlt und


machen mit. Hinter der Planung von
.ausgestrahlt steckt eine kleine Gruppe
Ehrenamtliche, Angestellte und Prakti-
kantInnen. .ausgestrahlt zieht um der befristeten Stellen machen wir richtige
Im Juni 2009 hat .ausgestrahlt mit drei Anstellungen auf richtigen Arbeitsplätzen
Auf dem Foto hinten von links: Angestellten und drei PraktikantInnen drei in einem größeren Büro. Ab Mitte Febru-
Matthias Weyland, Stefan Karst (Prakti- kleine Büroräume in Hamburg bezogen. ar arbeitet .ausgestrahlt im Hinterhof der
kant), Andreas Göller (Praktikant), Jochen Wie lange unsere Arbeit durch Spenden fi- Marienthaler Straße 35, 20535 Hamburg.
Stay, Rocco Nitzschner; Mitte: Stefan nanziert sein würde, wussten wir damals Die Telefonnummern bleiben gleich.
Diefenbach-Trommer, Kathrin Petz, Nora nicht. Seitdem hat die Arbeit stetig zuge-
Lohmeyer, Jürgen Fahrenkrug, Luise Neu- nommen und auch mit den Spenden hat es Stelle frei bei .ausgestrahlt
mann-Cosel; vorne: Jacob Fricke. Nicht zu bisher geklappt. Nur der Platz – der reicht .ausgestrahlt stellt eine Kampaignerin
sehen: Jutta Freybe, Chris Knoppe, Katja schon lange nicht mehr. Jetzt trauen wir oder einen Kampaigner ein. Mehr Infos:
Dingerkus, Patricia Becher-Ketterer. uns einen großen Schritt: Aus immer wie- www.ausgestrahlt.de/bewerbung

Regionalkontakt gesucht? E-Mail-Newsletter für aktuelle Infos


Auf www.ausgestrahlt.de/regional fin- Unterstützung für Anti-Atom-Initiativen Um auf dem Laufenden zu bleiben und
dest Du Adressen von Gruppen, die gegen Ob zur Aktionsplanung oder für Gruppen- rechtzeitig von neuen Aktionen, Materi-
Atomenergie aktiv sind und die mit .aus- prozesse: .ausgestrahlt vermittelt eurer alien, Terminen und atompolitischen Ent-
gestrahlt zusammenarbeiten. Dort stehen Gruppe erfahrene TrainerInnen und Mo- wicklungen zu erfahren, solltest Du auf
auch Termine regionaler Anti-Atom-Akti- deratorInnen. Willst Du eine neue Gruppe www.ausgestrahlt.de den kostenlosen
onen. Du kannst Eure Termine dort veröf- gründen, bieten wir Dir an, per E-Mail an E-Mail-Newsletter von .ausgestrahlt abon-
fentlichen. Adressen in der Region eine Einladung zu nieren.
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