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Soziale Marktwirtschaft in der Sackgasse?

von Emil Müller, Q1a

Die soziale Marktwirtschaft gilt als das Erfolgskonzept der Bundesrepublik Deutschland, welches
als ihr Grundprinzip Garant für Wohlstand und Leistungsfähigkeit sei. So gilt die soziale
Marktwirtschaft als einer der Hauptgründe dafür, dass die Wirtschaft in Nachkriegsdeutschland
boomte, und gleichzeitig soziale Absicherungen für die Bevölkerung gewährleistet waren.
Doch obwohl Deutschland immer noch an der sozialen Marktwirtschaft festhält, muss man
feststellen, dass diese prosperierenden Zeiten drohen zu Ende zu gehen. So führt unter anderem die
immer größere soziale Ungerechtigkeit dazu, dass immer mehr Menschen das Vertrauen in die
soziale Marktwirtschaft verlieren. Steht die soziale Marktwirtschaft also in der Sackgasse?

Damit die soziale Marktwirtschaft überhaupt existieren kann, müssen zwei Hauptaspekte erfüllt
sein. Einerseits muss ein funktionierender Marktwettbewerb gegeben sein und andererseits muss
eine staatliche Sozialpolitik betrieben werden, welche dafür sorgen, dass einheitliche soziale
Grundbedingungen garantiert sind. Dies wird beispielsweise durch Sozialsysteme und
Tarifvertragssysteme gewährleistet. Außerdem wird das Wirtschaftssystem staatlich reguliert, damit
der Wettbewerb fair bleibt und sich keine Monopole oder Kartelle bilden.
Diese Faktoren führten dazu, dass das Wirtschaftswachstum in der jungen Bundesrepublik von 1949
bis 1966 durchschnittlich 6,85% betrug. Gleichzeitig wurden Sozialleistungen ausgebaut, was sich
in der Einführung des Kindergeldes, einer umfangreichen Rentenversicherung oder der Einführung
der Pflegeversicherung widerspiegelte.
Doch während zu jener Zeit noch jeder vom Wachstum profitieren konnte, führten externe
Probleme und Krisen dazu, dass das Wachstum sich verlangsamte und die Anzahl der Menschen,
welche Gebrauch vom Wachstum machen können, sich verringerte. Seit den 1990ern nimmt das
Pro-Kopf-Einkommen zwar immer noch zu, die Armutsquote allerdings auch und soziale
Absicherungen sind instabiler.
Doch wie kam es dazu, dass die soziale Marktwirtschaft scheinbar immer unsozialer wurde?
In den 1970-1980ern wurde der Einfluss des angelsächsischen Neoliberalismus in Deutschland
immer größer. Während zuvor noch nach ordoliberalen Leitidee das Ziel war,wirtschaftliche
Grundbedingungen vom Staat direkt ordnen zu lassen, wurden nach den 70ern immer mehr auf
Privatisierung, Deregulierungen und Stabilisierung gesetzt und die wirtschaftlichen Gegebenheiten
sollten immer mehr von der „unsichtbaren Hand“ des Marktes beeinflusst werden. Soziale
Absicherungen gibt es zwar an sich immer noch, doch es wird immer schwerer sie in Anspruch zu
nehmen, wodurch die soziale Ungerechtigkeit steigt. Außerdem scheint die Ordnung was junge
Probleme wie der Globalisierung, Digitalisierung und den demographischen Wandel angeht,
komplett zu fehlen. Aufgrund dessen, kann man erkennen, wie sich digitale Monopole in der
Plattformökonomie bilden, Haftungs- und Sicherungsmechanismen im Bankensektor fehlen, und
nachhaltige und konkrete Planungen um das Problem bezüglich des Rentensystems existieren
schlicht nicht. Auch wird vom Staat nicht darauf gesetzt in ein innovatives Deutschland zu
investieren ,was daran erkennbar ist, dass Deutschlands Investitionsquote deutlich unter dem
OECD-Durchschnitt liegt. Ebenso werden keine gerechten Verhältnisse für atypischen Beschäftigte,
Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund geordnet, da der Neoliberalismus stetig an
Einfluss gewinnt.

Die soziale Marktwirtschaft droht also tatsächlich in eine Sackgasse zu gelingen. Dieser Gefahr
kann sie aber entgehen, wenn der Staat sich dazu entscheidet, die soziale Marktwirtschaft wieder
ordoliberaler zu gestalten, damit sie wirklich sozial bleibt. Denn durch eine wirtschaftliche
Gestaltung, in der der Staat wieder eine zentralere Rolle einnimmt, kann sichergestellt werden, dass
gerechte Bedingungen für alle geschaffen werden und eine faire marktwirtschaftliche
Grundordnung existieren kann.