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Geschichte des Dolmetschens

Im 3. Jtd. v. Chr. wurde der Dolmetscher zum ersten Mal im Alten Ägypten
erwähnt. Dies war der bewiesene Beginn dieses großartigen Berufs. Etwa tausend
Jahre lang waren dort spezielle Dolmetschergruppen tätig, die die Kommunikation
zwischen dem Alten Ägypten und dem Reich von Akkad gewährleisteten.

Auch Sumerer brauchten Dolmetscher, um mit dem Reich von Akkad zu


kommunizieren. Dolmetscher mussten aus dem Sumerischen ins Akkadische
dolmetschen und umgekehrt. Es gab auch eine gewisse Dolmetscherhierarchie: von
Königs- über Tempel- bis hin zu Militärdolmetschern.

Auch Ḫatti, das hethitische Reich, kam ohne Dolmetscher nicht zurecht. Als
Kontaktbezeugungen zwischen den drei oben erwähnten Reichen sind uns
Sumerisch-Akkadisch-Hethitische Wörterbücher aus 18.-13. Jh. v. Chr. geblieben.

Im Alten Griechenland zog man es vor, Barbaren mit Griechischkenntnissen als


freiberufliche Dolmetscher bei der internationalen Kommunikation einzusetzen,
denn die Griechen hielten alle anderen Sprachen außer Altgriechisch für unnötig
und wollten sie auch nicht lernen. Viel lieber griffen sie zur Hilfe der Barbaren, die
ihr schönes Altgriechisch konnten.

Im Alten Rom war die Situation etwas anders: Einflussreiche römische Bürger
fungierten als Dolmetscher bei der Kommunikation mit Griechenland, denn auch
die Römer konnten damals Altgriechisch. Im Alten Rom gab es auch einen der
ersten Versuche, die Dolmetscherpraxis mit etwas Theorie zu untermauern. So
meinte Marcus Tullius Cicero, es sei schlecht, alles wortgetreu zu dolmetschen,
und man solle nur den Sinn übertragen, ohne sich an die einzelnen Wörter des
Ausgangstextes zu klammern.

Im Mittelalter empfand man das Dolmetschen als etwas Unreines, denn die
Fähigkeit, mehrere Sprachen gleichzeitig zu sprechen, schien so manchem etwas
seltsam. Jedoch erkannte man schnell, dass man ohne Dolmetscher nicht
zurechtkommen konnte, denn man benötigte sie für die Diplomatie sowie für
missionarische Tätigkeiten bei Kreuzzügen. Und da sich die Dolmetscher als
äußerst nützlich erwiesen hatten, eröffnete man im 13. Jh. die erste
Dolmetscherschule in Paris.

Nach dem Mittelalter entstand im Bereich des Dolmetschens eine interessante


Tradition. Europäische Höfe tauschten Kinder (sogenannte Sprachknaben, oder
enfants de langue) mit orientalischen Höfen aus, die dort aufwuchsen und die
jeweilige Sprache lernten. Dann konnten diese Kinder als Dolmetscher arbeiten.
Was die inneneuropäischen Angelegenheiten betrifft, so brauchte man in der Regel
keine Dolmetscher, denn innerhalb von Europa gab es etablierte internationale
Verkehrssprachen, die einem zur Verfügung standen.