Sie sind auf Seite 1von 1

wissens.

blitz (16)
Teamentscheidungen verstehen und optimieren
Zahlreiche psychologische Experimente zeigen, dass Teams oftmals suboptimale Entscheidungen treffen. Ein Grund dafür ist, dass Gruppen dazu
tendieren, vor allem diejenigen Informationen zu diskutieren und bei Entscheidungen zu bevorzugen, die bereits allen bekannt sind.

Teams werden vor allem dann eingesetzt, wenn sich das Diskussion selbst sind wir i.A. motiviert, zu unseren
Management verspricht, durch die Verknüpfung der Präferenzen keinen Widerspruch zu erzeugen. Demnach
Expertise Einzelner bessere Entscheidungen treffen zu bevorzugen wir Informationen, die für unsere eigene
können. Eine "gute" Entscheidung berücksichtigt dabei Präferenz sprechen. Präferenz-konsistente Diskussions-
alle im Team verfügbaren Informationen. Das klingt inhalte werden außerdem für wichtiger und
zunächst trivial, jedoch zeigt sich in Forschung und glaubwürdiger gehalten als inkonsistente
Praxis konsistent, dass Teams ihr Potenzial nicht Informationen. Ähnlich erinnern wir uns - angeregt
ausschöpfen und suboptimale Entscheidungen treffen, durch die von den anderen eingebrachten, mit der
weil diese Prämisse der Vollständigkeit der Information eigenen Präferenz übereinstimmenden Informationen -
eben nicht immer gegeben ist. wiederum eher an präferenzkonsistente Informationen.
Tipps:
Problem: Verzerrter Informationsaustausch  Verzerrungen in der Informationsverarbeitung
Neben vielen weiteren ist eine zentrale transparent machen
Herausforderung bei Entscheidungsprozessen in  Kritische Evaluation statt schnelle
Gruppen, dass die den einzelnen Mitgliedern Konsensfindung: z.B. Advocatus diaboli einsetzen
vorliegende Information in der Gruppe ausgetauscht
und diskutiert werden muss. Nur dann kann eine Erklärung 3: Soziale Validierung
optimale Entscheidung unter Berücksichtigung aller
Da geteilte Information den anderen Teammitgliedern
relevanter Informationen getroffen werden. Dieser
ebenfalls bekannt ist, wird sie oft (vor-)schnell als richtig
Austausch ist allerdings verzerrt:
und wertvoll eingeschätzt. Die Unterstützung und
Achtung: Gruppen tendieren dazu, diejenigen Bestätigung von anderen führt dann wiederum zur
Informationen zu diskutieren und zu bevorzugen, Wiederholung von Information, die bereits allen
die alle bereits kennen! bekannt ist. Problematisch wird dies besonders dann,
wenn eine ungeteilte Information von hoher Relevanz
Informationen, die Teammitglieder aufgrund ihrer
für die Entscheidung ist. Hier wäre es wichtig, dass
speziellen Expertise einbringen, werden nicht diskutiert
gerade diese neue Information wertgeschätzt wird.
und bleiben ungenutzt. Fruchtbarer Informations-
austausch wird verhindert. Warum ist das so? Tipps:
 Die Relevanz ungeteilter Information aufzeigen
Erklärung 1: Abrufvorteil geteilter Information  Konstruktive Atmosphäre schaffen, die bestärkt,
"andersartige" Information einzubringen
Zunächst ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine geteilte
Information genannt wird, die mehreren Personen
bekannt ist, rein mathematisch bereits größer als dass Fazit
eine Information genannt wird, die nur einer Person Die psychologische Forschung hat gezeigt, dass sowohl
vorliegt - dieser Abrufvorteil geteilter Information wird das Einbringen von Informationen in eine Diskussion als
umso größer, je größer ein Team ist und je mehr auch die Bewertung von Diskussionsbeiträgen verzerrt
Personen die Information teilen. Es passiert demnach ist. Aus diesem Grund verlaufen Entscheidungen in
seltener, dass geteilte Information von der Gruppe Gruppen oft suboptimal. Man muss deshalb für
vergessen wird - dagegen gehen oftmals solche Bedingungen sorgen, die es Teams ermöglichen, in
Informationen verloren, die nur einzelnen Entscheidungsprozessen von der Expertise ihrer
Gruppenmitgliedern vorliegen. Mitglieder zu profitieren - ich empfehle insbesondere
Tipps: den Einsatz eines Moderators, dem die hier
wissensdialoge.de

 Die Expertise der Teilnehmer transparent machen vorgestellten Verzerrungen bekannt sind!
 Informationssammlungs- und Bewertungsphase Literaturhinweis: Wittenbaum, G. M., Hollingshead, A. B., & Botero, I. C.
trennen (2004). From cooperative to motivated information sharing in groups:
Moving beyond the hidden profile paradigm. Communication
Monographs, 71, 286-310.
Erklärung 2: Diskussionsvorteil präferenzkonsistenter
Informationen Dr. Kristin Knipfer
Jedes Teammitglied hat aufgrund der ihm vorliegenden Schreibt auf wissensblitze.de zu den Themen:
Informationen bereits eine individuelle Präferenz, bevor Organisationales Lernen, CSCL, Informelles Lernen
die Entscheidung in der Gruppe diskutiert wird. In der u.a.

© wissensdialoge.de | Bitte zitieren als: Knipfer, K. (2011). Teamentscheidungen verstehen und optimieren. wissens.blitz (16).
http://www.wissensdialoge.de/teamentscheidungen