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Aufklärung - Sturm und Drang Zwei Etappen für eine literarische Revolution
im Deutschland des 18. Jahrhunderts

Conference Paper · October 2003

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1 author:

Djeneba Traore
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Aufklärung

Sturm und Drang

Zwei Etappen für eine literarische Revolution


im Deutschland des 18. Jahrhunderts

VON :

Prof. Dr. Djénéba TRAORE

Faculté des Lettres, Langues, Arts et Sciences Humaines


FLASH – Université de Bamako - MALI
Deutsche Abteilung

2003
STOFFPLAN

Einleitung --------------------------------------------------------------------------------------------- 3

I. Die Literatur der Aufklärung------------------------------------------------------------------------3


I.1 Die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse im 18. Jahrhundert---------------------3
I.2 Die besondere Situation in Deutschland im 18. Jahrhundert ---------------------------------3
I.3 Die Fabeldichtung in der Aufklärung-------------------------------------------------------------3
I.4 Biographie Gotthold Ephraim Lessings----------------------------------------------------------6
I.5 Lessings Auseinandersetzung mit Gottsched um die Herausbildung des deutschen
Nationaltheaters----------------------------------------------------------------------------------------7
I.6 Lessings „Nathan der Weise“ ---------------------------------------------------------------------8

II. Sturm und Drang------------------------------------------------------------------------------------9


II.1 Herders Einfluß auf Goethe ----------------------------------------------------------------------9
II.2 Biographie Herders ------------------------------------------------------------------------------10
II.3 Biographie und Werke Goethes -----------------------------------------------------------------12
II.4 Goethes „Faust“ -----------------------------------------------------------------------------------14
II.5 Goethes „Mailied“ ---------------------------------------------------------------------------------17
II.6 Goethes „Prometheus“ ---------------------------------------------------------------------------19
II.7 Friedrich Schiller ---------------------------------------------------------------------------------23
II.8 Schiller „Die Kraniche des Ibykus“ ------------------------------------------------------------24
II.9 Die Dramatik des Sturm und Drang -----------------------------------------------------------29
II.10 Das Verhältnis Sturm und Drang- Aufklärung ----------------------------------------------30
II.11 Die Französische Revolution -------------------------------------------------------------------31

Bibliographie ------------------------------------------------------------------------------------------33

2
Einleitung

Das 18. Jahrhundert ist durch den Übergang vom Feudalismus zum
Kapitalismus gekennzeichnet. Die Feudalklasse wurde im 18. Jahrhundert zu
einem ernsthaften Hindernis für die Entwicklung der Produktivkräfte. Dieses
Hindernis zu beseitigen, wird zum Hauptziel des Bürgertums, das sich zu
diesem Zwecke einer eigenen Ideologie bedient, die im 18. Jahrhundert die
Aufklärung genannt wurde.

Die Aufklärung ist eine gesamteuropäische Bewegung, die sich auf alle Gebiete
der menschlichen Tätigkeit erstreckt (Philosophie, Geschichte, Kunst,
Literatur, Bildung und Erziehung, Wissenschaft, Politik, Ökonomie, Religion
u.a.). Sie ist der Kampf um die Durchsetzung des bürgerlichen Gedankengutes
auf den genannten Gebieten.

I. Die Literatur der Aufklärung

I.1 Die besondere Situation in Deutschland im 18. Jahrhundert


Deutschland war bis zum Ende des 17. Jahrhundert territorial zersplittert und
den westeuropäischen Ländern ökonomisch unterlegen. Erst Anfang des 18.
Jahrhunderts ist ein bescheidener Aufschwung der Produktivkräfte nach den
Auswirkungen des dreißigjährigen Krieges zu verspüren. Die Schwäche
(wirtschaftlich und politisch) des deutschen Bürgertums drückt sich in einer
speziellen deutschen Aufgabenstellung aus. Es ging zunächst um eine
Sammlung der bürgerlichen Kräfte auf dem Gebiet der Ideologie,
insbesondere der Philosophie, Kunst und Literatur. Das Ziel dabei war, die
Herausbildung eines einheitlichen Nationalbewusstseins, um darauf
aufbauend, eine einheitliche deutsche Nation zu begründen.

I.2 Die literarische Situation in Deutschland im 18. Jahrhundert

Kunst und Literatur stehen in Deutschland unter französischem Einfluß. Es


werden im Theater fast nur französische Stücke gespielt, die die Ideen des
Feudalabsolutismus (Corneille, Racine, Molière) befestigten. Die
Schauspielergruppen reisten von Hof zu Hof und führten vor den Adligen
ihrer Stücke auf.

Andere Gruppen spielten für das Volk auf den Marktplätzen. Ihre Stücke
waren dem Geschmack des Volkes, das zum überwiegenden Teil keine Schule
besucht hatte, angepasst: es gab viele Prügelszenen, viele Liebeskonflikte,
Show-Effekte und wenig Inhalt nach dem Vorurteil, daß das Volk am besten
lacht

I.3 Die Fabeldichtung in der Aufklärung

Das Ziel der Aufklärung war, die Menschen durch das Wort zu erziehen. Um
dieses Ziel zu erreichen, wurden die Fabeln benutzt.
Was ist eine Fabel?
- Eine Fabel ist eine kurze Geschichte. Es gibt Reimfabeln und
Prosafabeln;

3
- Oft treten Tiere als handelnde Personen auf; damit wird die Kritik an
menschlichen Eigenschaftlichen ausgedrückt;
- Am Ende gibt es meist eine Lehre: die Fabel gehört zur didaktischen
Literatur.

Die Fabel war in der Aufklärung eine sehr beliebte literarische Gattung, die
leicht verständlich für alle Volksschichten war.

Der bedeutendste Fabeldichter der Aufklärung ist Gotthold Ephraim Lessing


(1729-1781). Seine Fabeln zeichnen sich durch sprachliche Klarheit und
Gesellschaftskritik aus. Tiere verkörpern in den Fabeln menschliche
Verhalten. Da die Eigenschaften der Tiere allen bekannt sind, wird durch die
Tiere die direkte Kritik vermieden. Manchmal aber wird durch direkte
Benennung die Kritik präzisiert.

Der Affe und der Fuchs


„Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen könnte!“ so
prahlte der Affe gegen den Fuchs. Der Fuchs aber erwiderte: “Und du, nenne
mir ein so geringschätziges Tier, dem es einfallen könnte, dir nachzuahmen.“

Schriftsteller meiner Nation! – muss ich mich noch deutlich erklären?“

In: Gotthold Ephraim Lessing, Fabeln, 1976, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, Seite 34

Die Pfauen und die Krähe


Eine stolze Krähe schmückte sich mit den ausfallenden Federn der farbigen
Pfauen und mischte sich kühn, als sie genug geschmückt zu sein glaubte,
unter diese glänzenden Vögel.
Sie wurde erkannt, und schnell fielen die Pfauen mit scharfen Schnäbeln auf
sie, ihr den betrügerischen Putz auszureißen.

„Lasset nach!“ schrie sie „endlich, ihr habt nun alle das eurige wieder“.

Doch die Pfauen, welche einige von den eigenen glänzenden Schwingferdern
der Krähe bemerkt hatten, versetzen: „Schweig, armselige Närrin, auch diese
können nicht dein sein!“ und hackten weiter.

In: Gotthold Ephraim Lessing, Fabeln, 1976, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, Seite 48

Lehre:
Eigene Dummheit wird bestraft.
„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit
spricht“.
Versuch nicht, mehr zu sein als du bist.

Die bürgerliche Klasse wird hier kritisiert wegen ihres Versuchs, die Adligen
ausgleichen, denen nachahmen.

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Der Besitzer des Bogens
Ein Mann hatte einen trefflichen Bogen von Ebenholz, mit dem er sehr weit
und sehr sicher schoss und den er ungemein werthielt. Einst aber, als er ihn
aufmerksam betrachtete, sprach er „Ein wenig zu plump bist du doch! Alle
deine Zierde ist die Glätte. Schade! – Doch dem ist abzuhelfen!“ fiel ihm ein.
„Ich will hingehen und den besten Künstler Bilder in den Bogen schnitzen
lassen.“
Er ging hin, und der Künstler schnitzte eine ganze Jagd auf en Bogen; uns was
hätte sich besser auf einen Bogen geschickt als eine Jagd?
Der Mann war voller Freuden. „Du verdienst diese Zierarten, mein lieber
Bogen?“ – Indem will er ihn versuchen; er spannt, und der Bogen – zerbricht.
In: Gothold Ephraim Lessing, Fabeln, 1976, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, Seite 60

Lehre: Die Nützlichkeit eines Gegenstandes ist seine Bedeutung. Die


Schönheit ist keine Beurteilung für einen Menschen oder einen Gegenstand.

Das Muster der Ehen


Ein rares Beispiel will ich singen,
wobei die Welt erstaunen wird.
Daß alle Ehen Zwietracht bringen,
glaubt jeder, aber jeder irrt.

Ich sah das Muster aller Ehen,


still wie die stillste Sommernacht.
Oh, daß sie keiner möge sehen,
der mich zu frecher Lügner macht!

Und gleichwohl war die Frau kein Engel


Und der Gemahl kein Heiliger;
Es hatte jedes seine Mängel;
Denn niemand ist von allen leer.

Doch sollte mich ein Spötter fragen,


wie diese Wunder möglich sind.
Der lasse sich zur Antwort sagen:
Der Mann war taub, die Frau blind.

In: Gotthold Ephraim Lessing, Fabeln, 1976, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, Seite 10

I.4 Biographie Gotthold Ephraim Lessings

Gotthold Ephraim Lessing ist der bekannteste Fabeldichter der Aufklärung. Er


wurde am 22. Januar 1729 in Kamenz bei Sachsen geboren. Sein Vater war
Pfarrer in der protestantischen Kirche. Seine Mutter war Hausfrau.
Mit 6 Jahren besucht der junge Lessing die Kamenzer Elementarschule bis
1741. Er lernte lateinisch, griechisch, französisch und englisch.

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Die Religion spielte eine sehr bedeutende Rolle seit der Kindheit.
1741 wurde er in die Fürstenschule Santa Afra in Meißen delegiert
Das Ziel der Fürstenschule bestand darin, treue Diener der herrschenden
Klasse zu erziehen. Die Bourgeoisie stand unter der Kontrolle der adligen
Klasse. Nur einmal jährlich konnten die Kinder ihre Eltern besuchen. Sie
hatten in der Woche 36 bis 40 Stunden Unterricht.
1741-1746: Fürstenschule Santa Afra in Meißen. Die normale Dauer beträgt
sechs Jahre, aber Lessing blieb dort nur 5 Jahre: er konnte besser Latein,
Griechisch, Französisch und Englisch als seine Lehrer.
Erste schriftstellerische Versuche.
(Lustspiel „Der junge Gelehrte“
1746: Studium der Theologie und Philosophie in Leipzig (Sitz des Handels –
das fortschrittliche Bürgertum hat sich sehr unterscheidend entwickelt,
sowohl auf dem Gebiet der Kultur als auch des Handels).
Lessing besucht die Vorlesungen der Professoren.
In Leipzig lernt er reiten, tanzen, fechten – er lebt!, beschäftigt sich mit
Literatur und Theater (Neuberin bemüht sich um die Verbesserung des
deutschen Theaters).
Zu dieser Zeit dachte man, daß die Schauspieler mit dem Teufel verbunden
seien. Da sie mehreren Gestalten nachahmen konnten, glaubte man, daß sie
ihre eigene Persönlichkeit verloren, um die anderer zu nehmen.
Lessings Vater erfährt von seinem Interesse für das Theater und ruft ihn nach
Hause auf. Lessing bricht sein Studium 1748 in Leipzig ab.
1751 promoviert er als Dr. phil. und theol.
1752 begeht er sich nach Berlin (die Stadt war ein kleines unbedeutendes
Dörfchen), wo er Mitarbeiter wird an verschiedenen Zeitungen.
Lessing hatte keinen Kontakt mehr mit seinen Bekannten. Verschiedentlich in
Leipzig, wo er Bekanntschaft mit Zeitgenossen machen konnte.
1755: Erstes bürgerliches Trauerspiel: “Miss Sara Sampson“.
1759: „Briefe, die neueste Literatur betreffend“.
Lessing möchte frei und unabhängig werden und versuchte, eine freie und
unabhängige Meinung zu entwickeln.
Bis 1761 ist er freischaffender Schriftsteller.
1761-65: Er arbeitet als Schriftsteller und Sekretär des Grafen von Tauentzien
(siebenjähriger Krieg tätig). Er bekommt einen guten Lohn, aber ist kaum frei.
Er lebte finanziell unabhängig, schaffte eine Bibliothek von 5000 Büchern.
Entstehung des Lustspiels „Minna von Barnhelm“.
1765-67: Sitz in Berlin, Arbeit an „Laokoon oder die Grenzen der Malerei“.
1767-69: Hamburg, Kritiker und Theaterdichter am Schauspielhaus.
Entstehung der „Hamburgischen Dramaturgie“.
Lessing findet nicht in Hamburg die erwartete Unterstützung für die
Schaffung eines neuen deutschen Nationaltheaters. Lessings Bemühungen um
das Nationaltheater scheitern an der Interesselosigkeit des Hamburgers
Bürgertums.
1770-1781: Bibliothekar in Wolfenbüttel beim Herzog von Braunschweig, eine
sehr abhängige und schlecht bezahlte Stellung.
1771 erscheint „Emilia Galotti“, ein Trauerspiel, das den Feudalabsolitismus
anklagt und die soziale Veränderung fordert.
1775: Reise durch Europa. Er wird vor allem durch Italien beeindruckt.
1776: Heirat mit Eva König.
1777: Geburt eines Sohnes, der nach 24 Stunden stirbt.

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1778: Tod der Ehefrau.
1779: „Nathan der Weise“, ein Lehrgedicht, das die Gleichheit der Menschelt
besingt.
1780: „Erziehung des Menschengeschlechts“.
Lessing stirbt am 15 Februar 1781.

I.5 Lessings Auseinandersetzung mit Gottsched um die


Herausbildung des deutschen Nationaltheaters.

Wer ist Gottsched?


Johann Christoph Gottsched (1700-1766) war Philosoph,
Dichtungstheoretiker, Lehrer der weltlichen und geistlichen „Redekunst“,
Zeitschriftenherausgeber und Autor, Übersetzer, Propagandist einer
nationalen Literatursprache, Gründer literarischer Gesellschaften und
Theaterreformer. Gottsched übte einen großen Einfluß auf das deutsche
Bürgertum und stellte die Dichtung in den Dienst der Aufklärung. Ab 1745
aber wendet sich die bürgerliche Klasse von Gottsched ab.

Verdienste Gottscheds
- Gottsched forderte und setzte Regeln im Theater durch.
- Er verbesserte das Theater, indem er schlechte Stücke vertrieb.
- Er vergagte vom Theater die Gestalt des „Hanswurst“, die willkürlich
das Theater beherrschte.
- Er schrieb selbst Theaterstücke (nach dem französischen Vorbild).
- Er forderte von Poeten Eigenschaften wie verständlich sein, hohe
Bildung, genaues Arbeiten, erzieherische Wirkungskraft.

LESSING GOTTSCHED
Bürgerliches Drama Höfisch-Gebundenes Theater

 
England Frankreich

Hauptpunkte der Kritik Lessings an Gottsched (im 17. Literaturbrief)


- Ablehnung des französischen Vorbildes.
- Forderung, das englische Theater, u.a. Shakespeare zum Vorbild zu
nehmen (mit der Begründung, der Geschmack des deutschen
entspreche mehr dem englischen).
- Ausdruck der unterschiedlichen Klassenpositionen, Lessing als
Vertreter der bürgerlichen Aufklärung bekämpft die Ideologie des
Feudalabsolutismus, die sich im französischen Geschmack ausdrückt.
- Daraus ergibt sich Lessings Ablehnung des Ständetheaters und der
Anwendung der drei Einheiten für das moderne Theater (Einheit des
Ortes, der Zeit und der Handlung).

Das Ständetheater: Theater, das für die einzelnen Klassen oder Stände
(Adel, Klerus, Volk) geschrieben wird. Die Darstellung des Adels und des
Klerus erfolgt nur in den Trauerspielen, die des Volkes in den Lustspielen. Das

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Ziel des Ständetheaters besteht darin, den Unterschied zwischen herrschender
Klasse deutlich zu machen und zu verewigen. Das Volk war unrecht, niedrig
und unwürdig dargestellt.

Die drei Einheiten: Sie haben ihren Ursprung im griechischen Theater der
Antike (etwa 600 Jahre vor der Zeitrechnung). Der Begründer ist Aristoteles.
Die Regel der drei Einheiten (Einheit der Zeit – Einheit des Ortes – Einheit
der Handlung) wurde in Frankreich im 17. Jahrhundert durch den Abt
d’Aubignac zum ersten Mal verwendet. Die bürgerliche Klasse behauptet: die
Regeln der Vergangenheit können nicht mehr für die Gegenwart gelten.

I.6 Lessings „Nathan der Weise“

Die Figuren
- Sultan Saladin
- Sittah, dessen Schwester
- Nathan, ein reicher Jude in Jerusalem
- Recha, dessen angenommene Tochter
- Daja, eine Christin, aber in dem Hause des Juden als Gesellschafterin
der Recha
- Ein junger Tempelherr
- Ein Derwisch
- Der Patriarch von Jerusalem
- Ein Klosterbruder
- Ein Emir nebst verschiedenen Mamelucken des Saladin.

Die Ringparabel
Dieses Stück spielt im 12. Jahrhundert in Jerusalem. Seit den Kreuzzügen
lebten in Jerusalem Vertreter der drei Konfessionen, des Islams, des
Christentums und des Judentums.

Um Geld von Nathan zu erhalten, fordert der Sultan Saladin von Nathan die
Beantwortung der Frage, welche Religion die beste sei. Im 3. Aufzug, 7.
Auftritt beantwortet Nathan diese Frage. Nathan erzählt dem Sultan die
Ringparabel:

Einst lebte ein Mann in Osten, der einen Ring besaß, welcher den Träger vor
Gott und den Menschen beliebt machte. Dieser wurde von Generation zu
Generation dem Sohne übergeben, den der Vater am meisten liebte.

Endlich bekam ein Mann den Ring, der drei Söhne besaß, die er alle gleich
liebte und denen er den Ring versprach.

Um sein Versprechen zu halten, ließ er vor seinem Tode zwei Ringe


anfertigen, die dem ersten genau glichen. Jeder Sohn erhielt einen Ring und
glaubte, den echten zu besitzen.

Nach dem Tode des Vaters kam es zum Streit und sie wandten sich an einen
Richter. Um den Streit zu lösen, erinnerte der Richter an die wunderbare
Eigenschaft des Rings und fragte die Söhne, wen von ihnen sie am meisten
liebten. Da die Söhne diese Frage nicht beantworten konnten, schlussfolgert

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der Richter, daß der echte Ring verloren gegangen sei und alle drei betrogen
wären.

Er gab den Söhnen folgenden Rat: Es strebe jeder Sohn danach, durch seine
Tat zu beweisen, daß er den echten Ring besitze. Die Entscheidung, wer in
Besitz des echten Ringes ist, wird in tausend Jahren fallen.

Die Ringparabel ist Lessings Auseinandersetzung um den Wert der


Religionen. Nach Lessing sind alle Religionen gleich. Alle Religionen haben
zum Ziel, den Menschen zu verbessern (seine Eigenschaften, seine
Lebensverhältnisse usw.), die Menschen zur Liebe untereinander zu erziehen.
Nicht jene Religion ist die beste, die den Anspruch stellt, sondern die, die es
im historischen Prozess beweist.

Lessings Werke sind Ausdruck der bürgerlichen Gedanken. Sie gipfeln in der
Forderung nach Humanität und Toleranz (Liebe und Annerkennung, Achtung
der Menschen). Diese Gedanken werden an alle Menschen (auch den Adel)
gerichtet, um durch das erzieherische Beispiel diese Forderungen zu erfüllen.
Aufgrund der gesellschaftlichen Situation in Deutschland ist die Kritik am
Feudalabsolutismus zurückhaltend, die deutschen Aufklärer versuchen durch
einen Kompromiss mit der herrschenden Klasse ihre Ziele durchzusetzen.

II. Sturm und Drang

Die literarisch-philosophische Bewegung des Sturm und Drang fängt 1770 an


mit dem Zusammentreffen Herders und Goethes in Strassburg und endet
1785, vier Jahre vor der französischen Revolution vom 14. Juli 1789.

Der Name “Sturm und Drang” war ursprünglich der Titel eines Dramas von
Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831). Nach diesem Werk wurde die ganze
Epoche genannt.

Gesellschaftliche, ökonomische und soziale Ursachen führen zu einer


Verschärfung des Widerspruchs zwischen Feudaladel – Bürgertum – Bauern.
Um 1768 herrschen Hungersnöte durch Missernten. Dazu sind die negativen
Folgen des 7jährigen Krieges noch nicht überwunden. Der Adel versucht
durch verschärfte Ausbeutung sein luxuriöses Leben zu erhalten, nämlich
auch durch den Verkauf von Landeskindern als Söldner nach Amerika.

Zu dieser Zeit kommen die ersten eindeutigen Proteste gegen die Willkür des
Adels durch junge Vertreter der bürgerlichen Intelligenz. Zu ihnen zählen
Christian Daniel Schubart, Gottfried August Bürger. Die Wirkung der
revolutionären Gedanken Rousseaus wird in Deutschland durch Immanuel
Kant und Johann Gottfried Herder verbreitet.

II.1 Herders Einfluß auf Goethe


Johann Wolfgang Goethe, Schriftsteller und Dichter, wurde am 28.08.1749 in
Frankfurt am Main geboren. Er starb 1832 in Weimar.

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Goethe war Student. Er dichtete. Sein Leben war oberflächlich, seine Poesie
ohne tiefen Inhalt; er war von seinen dichterischen Fähigkeiten überzeugt.

Herder kritisierte Goethes Leben dessen Anschauungen und dichterische


Versuche. Herders tiefe und große Kenntnisse, die interessanten Gespräche
entwickeln neue Ansichten und Aufassungen bei Goethe.

Goethe erfährt, daß die Poesie sehr unterschiedlich ist. Es gibt die hebraïsche
Dichtkunst, die Volkspoesie, die ältesten Urkunden als Poesie sind kein
Privatabteil, sondern eine Welt- und Völkergabe.

Herder vermittelt Goethe die Erkenntnis, daß die Kunst nicht die Sache einer
intellektuellen Elite, sondern des Volkes sei. Herder fordert ihn zur
Beschäftigung mit der Volkspoesie auf. Herder und Goethe sammeln
Volkslieder.

II.2 Biographie Herders

Johann Gottfried Herder, Philosoph und Schriftsteller, wurde 1744 in


Mohrungen (Ostpreußen) als Sohn eines Pfarrers geboren und starb 1803 in
Weimar.

Johann Gottfried von Herder ist ein Philosoph von erster Bedeutung. Diese
Behauptung hängt zum größten Teil von der inneren Qualität seiner Ideen ab
(von dem dieser Artikel versuchen wird, einen Eindruck zu geben). Aber noch
ein Aspekt davon ist sein intellektueller Einfluß. Dies ist beide innerhalb
Philosophie riesig gewesen und jenseits (viel größer als wird normalerweise
erkannt). zum Beispiel stellt sich Hegels Philosophie heraus, eine kunstvolle
systematische Entwicklung von Herder an Ideen zu sein (besonders betreffend
Gottes, des Verstandes, und Geschichte); so auch macht Schleiermacher 's
(betreffend Gottes, des Verstandes, Auslegung, Übersetzung, und Kunst);
Nietzsche wird tief von Herder beeinflusst (betreffend des Verstandes,
Geschichte, und Werte); so auch ist Dilthey (in seiner Theorie der
menschlichen Wissenschaften); sogar J.S. Mühle hat wichtige Schulden zu
Herder (in politischer Philosophie); und jenseits Philosophie wurde Goethe
vom Sein bloß zum größten Teil ein kluger, aber konventioneller Dichter in
einen großen Künstler durch die frühe Wirkung auf ihm von den Ideen von
Herder umgestaltet.

Tatsächlich kann Herder behaupten, praktisch ganze Disziplinen, für die wir
jetzt nehmen, geschafft zu haben, die gewährt werden. Zum Beispiel war es
hauptsächlich Herder (nicht, wie oft behauptet wird, Hamann) wer schaffte
wesentliche Ideen über eine vertraute Abhängigkeit von Gedanken auf
Sprache, die moderne Philosophie von Sprache stützt. Es war Herder der,
durch die gleichen Ideen, sein breiter empirischer Ansatz zu Sprachen, seine
Anerkennung tiefer Variationen in Sprache und Gedanken über historischen
Perioden und Kulturen, und auf andere Weisen, inspiriertes W. von
Humboldt, moderne Linguistik zu gründen. Es war Herder, der modernen
Hermeneutik oder Auslegung-Theorie entwickelte, in einer Form, die
infolgedessen von Schleiermacher übernommen werden würde und würde
dann systematischer von Schleiermacher 's Schüler Böckh formuliert werden.

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Es war Herder der, im Machen damit, auch schaffte die methodologischen
Fundamente von 19. Jahrhundert deutsches klassisches Stipendium (welcher
ruhte auf der Schleiermacher-Böckh Methodik aus), und also von modernem
klassischem Stipendium generell. Es war wohl Herder, der mehr machte, als
jeder andere, der die allgemeine Vorstellung und die Interpretations Methodik
von unserer modernen Disziplin von Anthropologie schaffte. Schließlich
machte Herder auch lebenswichtige Beiträge zum Fortschritt modernen
biblischen Stipendiums.

1759: Herder ist Schreiber bei Johann Sebastian Trescho. Herder liest dort die
zeitgenössige Literatur (Lessing, Rousseau). Er nutzt die Zeit um seine
Bildung vervollzukommnen.
1761-64: Studium der Theologie in Königsberg. Lehrer am „Collegium
Friedercianum“. Sie bekommen Logis und Essen. Herder ist ein
ausgezeichneter Lehrer und unterrichtet vor allem die Sprachen. Er macht
Bekanntschaft mit Immanuel Kant (Philosoph) und Johann Georg Hamann
(Schriftsteller).

1765-69: Reise nach Riga in der Sowjetunion. Herder empfindet eine tiefe
Freundschaft zum russischen Volk.

Zurück in Deutschland wird er Lehrer und Prediger an der Domschule. Er ist


sehr beliebt. Beschäftigung mit der Literatur. Ausgabe erster Bücher über die
deutsche Gegenwartsliteratur. „Kritische Wälder“, „Fragmente über die
deutsche neue Literatur“. Herder aber ist unzufrieden. Er glaubt, daß er nicht
verstanden wird. Er möchte das Schulsystem verändern, kann jedoch nur
theoretisch und nicht praktisch arbeiten.

1769: Schiffreise nach Frankreich mit Hilfe eines Freundes. Er besucht Paris,
lernt Diderot kennen und liest Rousseau, Montesquieu und Voltaire.
1770: Rückkehr in Deutschland. Erzieher des Prinzen von Futin.
Herbst 1770-71: Reise nach Strassburg.
Herder hatte Augenschmerzen und wurde mehrmals operiert.
1770: Bekanntschaft mit Goethe.
1771-75: Superintendant in Bückeburg. Er schreibt „Über den Ursprung der
Sprache“, ein Werk, das die historische Betrachtung der Menschheit darstellt
und „Sammlung der Stimmen der Völker“. Es ist die Zeit der Einsamkeit und
der Isolation.
1776-1803: Ruf nach Weimar. Er bleibt dort bis zu seinem Tode.
1784-87: „Geschichte der Philosophie der Menschheit.
1792-97 „Briefe zu Beförderung der Humanität“.

Herders Wirkung auf die Zeitgenossen und auf spätere Generationen war
außerordentlich groß. Seine Hauptwerke sind:
1774: Über den Ursprung der Sprache
1784-91: Gedanken über die Philosophie der Geschichte der Menschheit

II.3 Biographie Goethes

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28.08.1749 in Frankfurt am Main


geboren. Seine Vorfahren waren Patrizier. Er verbrachte eine glückliche

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Kindheit ohne finanzielle Sorgen. Er erhielt eine ausgezeichnete Bildung
durch den Vater.

1765: Studium der Jurisprudenz in Leipzig – erste literarische Versuche


(Liebeslyrik – Anakreontik [Anakreon: griechischer Dichter des 5.
Jahrhunderts vor der Zeitrechnung, der die Liebe und den Wein besang]).
1768: Fahrt nach Frankfurt wegen Krankheit.
1770-72: Fahrt nach Strassburg. Abschluss des Studiums.
Besuch des Pfarrers von Sesenheim – die Tochter Friederike Brion (Goethe
verliebt sich in das Mädchen).
Entstehung der Sesenheimer Lyrik („Willkommen und Abschied“ und
„Mailied“).
1771-72: Frankfurt „Götz von Berlichingen“ (Drama).
1772: Wetzlar – Praktikum am Reichskammergericht – Bekanntschaft mit
Charlotte Buff.
1774: „Die Leiden des jungen Werthers“- Der Roman hatte viel Erfolg.
Werther wurde als Beispiel für die Jugend gefolgt.
1772-75: Frankfurt, Mitarbeit an der Zeitschrift „Frankfurter Gelehrte
Anzeigen“.
1775: Weimar – Hauptstadt des Herzogs Karl August. Die Dichter wurden in
Weimar unterstützt. Goethe wird der Erzieher und Vertrauter des Herzogs
von August.
Goethe übt wichtige Position im Staat aus: er wird Minister und führt
vielfältige Reformen in zahlreichen Gebieten durch: Bildungswesen (mit Hilfe
Herders), Verringerung des Militärs, Schaffung von Industrie,
Wiedereröffnung des Bergwerkes in Ilmenau u.a.), Steuerreformen.

Goethe erreicht aber nur Teilerfolge und diese aufwendige Arbeit lässt seine
künstlerische Entwicklung stagnieren. Viele Werke werden nicht beendet.
Goethe beschäftigt sich mit naturwissenschaftlichen Forschungen
(Entdeckung des Zwischenkieferknochens, Entwicklung einer Farbenlehre,
Metamorphose der Pflanzen, Kunstsammlungen u.a.).

1786: Goethe fliegt nach Italien, wo er bis 1788 bleibt. Goethe hat eine enge
Beziehung mit dem Volk – er vollendet in kurzer Zeit bedeutende dramatische
Werke „Torquato Tasso“ die neue Fassung des „Egmont“, „Iphigenie“. In
Italien gewinnt Goethe sein Künstlertum wieder (durch die Kraft des
italienischen Volkes, die Besichtigung der Kunstwerke, u.a. der antiken
Kunstwerke in Rom).

Wieder in Weimar, verstärkte künstlerische Arbeit neben der weiteren


Ministertätigkeit. Beginn des Romanes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“.
1790-93: Begleiter des Herzogs, der deutsche Truppen gegen die junge
französische Republik führt.
1794: Bekanntschaft und Freundschaft mit Schiller, die bis dessen Tode im
Jahre 1805 dauert.
In Zusammenhang mit Schiller entstehen die bedeutendsten Werke der
klassischen deutschen Literatur.
Theoretische Aufsätze zur Situation der deutschen Literatur; „Xenien“, kurze
Sinngedichte, die sich scharf mit der kulturellen und politischen Situation
auseinandersetzen.

12
1797 ist das Balladenjahr.

Warum wurde Goethe in Weimar zum politisch handelnden Menschen?

Goethe war in Weimar der Minister des Herzogs von August.

1. Die Gesellschaftlich-politische Situation


Man konnte eine Verschärfung des Widerspruches zwischen dem Feudaladel,
dem Bürgertum und den Bauern festlegen. Um 1768-70 gab es Hungersnöte
durch die Missernten. Die negativen Folgen des sieben jährigen Krieges waren
noch nicht überwunden. Der Adel versuchte durch eine verschärfte
Ausbeutung sein luxuriöses Leben zu erhalten – Landeskinder wurden als
Söldner nach Amerika verkauft. Das Volk lebte unter schlechten Lebens-und
Arbeitsbedingungen.

2. Goethes Ziele und Maßnahmen


Goethe wollte die unmenschlichen gesellschaftlichen Verhältnisse verändern,
und zwar durch die Befreiung des Menschen, die Einrichtung eines
menschlichen Staates, einer bürgerlichen Gesellschaft.
Als Stürmer und Dränger bevorzugte Goethe die Durchsetzung der Ziele durch
die Taten des Individuums.
Als Vertreter des Herzogs von August und Minister des Staates führte er viele
Reformen durch: im Bildungswesen mit der Hilfe Herders – Verringerung des
Militärs – Schaffung von Industrie – Wiedereröffnung des Bergwerkes in
Ilmenau u.a. – Steuerreformen.

3. Goethes Erfolge und Misserfolge


Goethe erreicht aber nur Teilerfolge. Diese Arbeit am Ministerium lässt seine
künstlerische Entwicklung stagnieren. Trotz der zahlreichen
wissenschaftlichen Entdeckungen, die er macht, gibt es in Deutschland, keine
Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Der Adel verfügte nach wie
vor über die politische Macht trotz aller der fortschrittlichen Reformen, die
durch Goethe in Weimar durchgeführt wurden.

4. Goethes Hauptwerke
1770: Die Leiden des jungen Werthers
1770: Faust der Tragödie erster Teil
1774: Götz von Berlichingen
1775: Egmont
1789: Torquato Tasso
1797: Wilhelm Meisters Lehrjahre (Roman)
1797: Wilhelm Meisters Wanderjahre (Roman)
1797: Hermann und Dorothea (Epos)
1798: Reinicke Fuchs (Versepos)
1815-16: Selbstbiographie – Dichtung und Wahrheit
1831: Faust der Tragödie zweiter Teil

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II.4 Goethes „Faust“

Der erste Teil der Tragödie entstand bereits in den Jahren um 1770
(„Urfaust“), wurde umgearbeitet und erschien 1790 als Fragment und
schließlich 1808 in der Endfassung „Faust der Tragödie erster Teil“.
Der zweite Teil entstand 1831 kurz vor Goethes Tode im Jahre 1832 und
wurde als sein Lebenswerk gekennzeichnet.

Thematische Grundlage bildet das Volksbuch von Johannes Georg Faust, den
Goethe während seiner Studienjahre kennenlernte.

Inhalt: Das Theaterspiel beginnt mit einem Gespräch zwischen Gott und dem
Teufel (Mephistopheles) über Faust. Beide wetten darum, wem Faust dienen
wird, Gott – also dem Guten oder dem Teufel, also dem Bösen.

Nacht: Faust beklagt seine Unwissenheit. Er strebt nach Wissen der Gesetze
der Welt. Sein Versuch, die Geister zu beschwören, um von ihnen das
erwünschte Wissen zu erhalten, misslingt. Verzweifelt will er Selbstmord
begehen, wird aber das beginnende Osterfest, dem Symbol des erwachenden
Lebens, daran gehindert.

Vor dem Tor: Die Stimmung des Volkes wird geschildert. Alle sind glücklich,
in der Natur zu sein, befreit von der Last des Alltags. Faust schildert in
„Osterspaziergang“ die Schönheit der Natur. Seine Sturm-und-Drang
Gedanken gipfeln in den Worten: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“.
Das Volk begrüßt und feiert ihn als Helfer. Ein schwarzer Hund nähert sich
und begleitet ihn.

Mit der Begegnung mit Menschen aus dem Volke gelingt es Faust, zu diesen
Überlegungen zu kommen.

Bei der Übersetzung der Bibel gelangt Faust zu materialistischen


Gedankengängen („Am Anfang war das Wort“ [Aufklärung] wird ersetzt durch
„Am Anfang war die Tat“ [Sturm und Drang])
Der Hund offenbart sich als Mephisto, der sich als Kraft bezeichnet, die daß
Böse will, aber das Gute schafft. Faust erfährt von den Gesetzen der
Geisterwelt und ist an einem Bündnis interessiert.

Studierzimmer
Bündnis zwischen Faust und Mephisto.
Mephisto will der Diener Fausts auf der Erde sein. Faust soll Mephisto nach
dem Tode dienen. Faust warnt Mephisto, er werde von ihm außergewöhnliche
Dinge fordern, wie sie noch kein Mensch gefordert hat. Mephisto antwortet, er
werde alle Forderungen erfüllen, aber eines Tages werde Faust zufrieden und
„gesättigt“ sein. Da protestiert Faust und bietet folgende Wette zu: das
Bündnis wird in dem Moment enden, da er, Faust, zufrieden sich zur Ruhe
niederlässt und sagt: „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du
bist so schön!“. Er meint damit, er in seinem Erkenntnisdrang befriedigt sein
sollte, ist sein Leben unnütz geworden. Mephisto nimmt die Wette an.

14
In den folgenden Szenen versucht Mephisto, Faust zu Selbstzufriedenheit zu
verführen.

Auerbachs Keller in Leipzig


In Auerbachs Keller soll Faust durch sinnliche Gewisse (Alkohol, Speisen)
verführt werden. Dies misslingt, Mephisto versucht es mit der Liebe. Faust
verliebt sich in Gretchen. Durch komplizierte Situation (Ermordung des
Bruders, Ermordung des eigenen Kindes durch Gretchen) will Mephisto Faust
so eng mit Gretchen verbinden, daß dieser sie nicht mehr verlassen kann.

Im zweiten Teil der Tragödie wird Faust Minister an einem Königtum


(Versuch Mephistos Faust auf dem Gebiet der Politik zu verführen). Faust
versucht hier (wie Goethe) mit Reformen das korrupte Staatswesen zu
verbessern. Aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse misslingt auch dies.
Der nächste Schritt ist die Verbindung von Leben und Ästhetik. Faust verliebt
sich in Helena, das Idealbild der Frau im antiken Griechenland [Ausdruck der
Klassik, die Lösung der Probleme durch das Vorbild der Antike zu erreichen].

Auch dieses Bündnis scheitert. Faust versucht Erfüllung seiner Ziele durch die
Anwendung einer kapitalistischen Entwicklung zu erreichen. Die Erfolge
führen aber zur Vernichtung und Zerstörung menschlicher Existenzen. Faust
findet schließlich doch Erfüllung seines Lebens: in einem imaginären Gebiet
arbeitet er an der Errichtung einer freien und unabhängigen menschlichen
Gesellschaft.

15
Eine Kurze Geschichte des Faust-Stoffes
Georg oder Johann FAUST, geb. 1480
Knittlingen - gest. bzw. vom Teufel
geholt 1540 im Breisgau

Berichte von Aufenthalten und


Wirken in Gelnhausen, Kreuznach,
Erfurt, Bamberg, Ausweisung in
Ingolstadt, Aufenthalt in Nürnberg, in
der Kölner Gegend, dann wieder
Nürnberg und Würzburg.

Tätigkeiten als Alchemist, Verfasser


von 'Nativitäten' (Horoskopen) für
hohe Herren (z.B. Bischoff von
Bamberg), Meister der 'Chiromantik'
(Handlesekunst) und Pyromantik
(Feuerzauber).

1587 erscheint die "Historia von


Doktor Johann Fausten, des
weitbeschreiten Zauberers und
Schwarzkünstlers," Gedruckt in
Frankfurt (Volksbuch) - Sie enthält
eine Sammlung von Geschichten aus
dem Leben des Faust, zur Warnung
für alle Frommen und Rechtgläubigen

1592 Christopher Marlowe (1564-93): The tragical history of Dr Faustus.

17. und 18. Jahrhundert: Englische Puppenspieler reisen durch Deutschland


und machen mit ihren Fassungen von Marlowes Stück den Stoff populär.

1752 Gotthold Ephraim Lessings Schauspiel-Fragment:"Dr. Faust". Hierin


wird der Wissensdrang des Faust gerechtfertigt, entspricht er doch der
eigentlichen Bestimmung des aufgeklärten Menschen, nämlich nach Wahrheit
zu streben.

1778 Maler Müller: Fausts Leben dramatisiert - Im Denken des Sturm und
Drang ist Faust nun der genialische Kraftmensch, dem alles, was die
Gesellschaft ihm bietet, nicht genügen kann.

1791 Maximilian Klinger: "Fausts Leben, Thaten und Höllenfahrt" - Faust als
vergeblicher Rächer der unterdrückten und geknechteten Menschheit

1772-75 Entstehung von Goethes "Urfaust", ausgelöst durch die öffentliche


Hinrichtung der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt 1772 in
Frankfurt - 1808 Veröffentlichung von "Faust. Eine Tragödie" - 1829 Erste
öffentliche Aufführung von "Faust. Erster Theil"

16
1832 Erster Druck von "Faust. Zweiter Theil".

1947 Thomas Mann: Doktor Faustus.

Die Aufklärer waren der Meinung, daß die negativen gesellschaftliche


Verhältnisse durch Kritik und Vernunft verändert werden konnten. Da sie dies
nicht verwirklichen konnten, gingen sie zur Schaffung einer neuen
literarischen Form über: Sturm und Drang.

Sturm und Drang war eine literarische Revolution. Der Dichter ist göttlich: er
erzieht und formt die Menschen.

II.5 Goethes „Mailied“


Mailied
Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

5 Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig,
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch,

Und Freud' und Wonne


10 Aus jeder Brust.
O Erd', o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb', o Liebe,
So golden-schön,
15 Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn;

Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
20 Die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb' ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

17
25
So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe


30 Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud' und Mut

Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst!
35 Sei ewig glücklich
Wie du mich liebst!
(1776) [Späte Fassung]

Das Gedicht drückt die Schönheit der Natur aus. Das enge Verhältnis von
Natur und Mensch drückt der Dichter durch die Sprache aus:“Wie lacht die
Flur; es dringen Blüten...“. Die Schönheit der Natur verstärkt das Liebegefühl
des Menschen. Natur und Liebe bilden eine Einheit. Sie entwickeln die
Schöpferkraft des Menschen:“Die du mir Jugend und Freude und Mut zu
neuen Liedern - und Tänzen gibst“. Das Verhältnis zwischen Menschen und
Natur ist positiv. Es gibt keine Gegensätze.
Der Mensch ist selbst ein Teil der Natur. Er ist davon abhängig. Sturm und
Drang ist in Deutschland eine Renaissance der Natur. Goethe möchte Kontakt
mit natürlichen Menschen haben. Solche Menschen sind auf dem Lande, z.B.
zu finden. Ohne die Natur ist der Mensch fast nichts. Er muss die Kraftquelle
der Natur nutzen.
Die Lyrik: der Dichter schreibt seine Gefühle. Er schreibt über sich selbst
(subjektiv). Er hat diese Erlebnisse erfahren.

Der Theismus: der Theist glaubt an Gott. Nach dem Theismus hat Gott die
Menschen geschaffen. Er bestimmt das Leben der Menschen. Alles, was der
Mensch tut, muss von Gott erlaubt werden. Er muss sich ständig
überlegen:“Was muss ich tun? “Erlaubt Gott das?’’.

Der Atheismus: der Atheist glaubt nicht an die Existenz Gottes.

Der Deismus lehrt, daß Gott die Menschheit geschaffen hat. Gott ist eine
Personifikation. Er lässt aber die Menschen handeln wie sie wollen. Die
Menschen bestimmen ihr Leben selbst. Gott kümmert sich um die Menschen
nicht. Die Menschen sind für ihr Leben verantwortlich. Diese Meinung
vertreten Voltaire und Rousseau. Deshalb ist für sie eine Revolution möglich.

Der Pantheismus: nach dem Pantheismus besteht Gott in der


Personifikation. Gott ist ein Prinzip. Er befindet sich überall in der Natur.

18
Gott = Natur
Mensch = Natur = Gott
Mensch und Gott bilden eine Einheit. Der Mensch bestimmt sein Leben. Er
bekommt seine Kraft von der Natur.

Das „Mailied“ spiegelt Goethes Pantheismus wider. Der Mensch wird durch
die Natur und die Liebe zum Schöpfertum angeregt. Natur und Liebe sind
göttlich; der Mensch ist göttlich, das heißt, seine Schöpferkraft führt zu einer
positiven Veränderung des Lebens.

Idealismus und Materialismus


War die Idee schon da, oder hat der Gegenstand die Idee bestimmt?
Wie ist das zu erklären?

Goethe war kein Atheist. Für ihn ist der Mensch ein Genie. Er ist Schöpfer.
Das Individuum ist ein Genie = Individualismus.

Kriterien für den Sturm und Drang im Gedicht „Mailied.


• Liebes – und Naturgedicht mit starken Gefühlen (trägt zum Teil
hymnischen Charakter. Mailied ist beinah eine Hymne). Die starken
Gefühle, die ausgedrückt werden, sind mit Individualismus verbunden,
der zu einem Kult des Genies führt.
• Hohe Empfindsamkeit im Erlebnis. Volkstümlichkeit (das Mädchen
stammt aus dem einfachen Volk her).

Der Sturm und Drang ist ein Teil der Aufklärung (eine Weiterentwicklung).
Die Aufklärung war der Meinung, die Menschen, vor allem die herrschende
Klasse können erzogen werden.

Sturm und Drang erkennt, daß es nicht möglich ist, Menschen zu erziehen.
Die Fürsten müssen deshalb ermordet werden.

Sturm und Drang = Gewalt.


Sturm und Drang ist eine anarchistische Methode.

II.6 Goethes „Prometheus“


Zur Entstehungsgeschichte

Prometheus wurde zwischen 1772 und 1774 verfasst (wie auch die anderen
Hymnen Mahomets Gesang, Ganymed, An Schwager Kronos). Also entstand
dieses Werk in der Epoche Goethes als Stürmer und Dränger. F.H. Jacobi
druckte die Hymne erstmals in seiner Schrift die Lehre des Spinoza in Briefen
an den Herrn Moses Mendelssohn unautorisiert und anonym ab. Goethe
nahm sie erst 1789 in seine neu edierten Schriften auf und ließ sie zusammen
mit der Ganymed-Ode erscheinen. Die Form der Hymne ist die lyrische
Ausdrucksform, die dem Sturm und Drang am ehesten gerecht wird, denn in
ihr treten mythische Figuren auf, die als Mittlerfiguren der Künstlerfiguren
des Sturm und Drang betrachtet werden können und die somit das Dilemma
von Kunst und Leben verkörpern. Ein Hauptanliegen des Sturm und Drang ist

19
das Aberwinden von überkommenen Autoritäten und damit kann Prometheus
als programmatisch für diese Epoche gelesen werden.

Prometheus

Bedecke deinen Himmel, Zeus,


Mit Wolkendunst,
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
5

An Eichen dich und Bergeshöhn;


Müßt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
10

Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts ärmers
Unter der Sonn' als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
15

Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät,
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
20

Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war,
Nicht wußte wo aus noch ein,
Kehrt' ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär'
25

Ein Ohr zu hören meine Klage,


Ein Herz wie mein's,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir
Wider der Titanen Übermut?
30

Wer rettete vom Tode mich


Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,

20
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
35

Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
40

Hast du die Tränen gestillet


Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
45

Meine Herrn und deine?


Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
50

Blütenträume reiften?
Hier sitz' ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
55

Zu genießen und zu freuen sich,


Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

In der Hymne "Prometheus" schreibt Goethe einen Ruf Prometheus an die


Götter, der von Spott, Hohn und Vorwürfen geprägt ist.

Gleich von der ersten Zeile an redet Prometheus Zeus mit dem
freundschaftlichen, aber im Falle der Götter verachtungsvollen und
rebellischen Du an. In Zeile 3 stellt er ihn gar auf eine kindliche Stufe und
wirft ihm vor, aus Langeweile Zerstörung anzurichten genau wie Jungen aus
demselben Grund Disteln die Köpfe abschlagen. Schon in der ersten Zeile
benutzt Prometheus anmaßend den Imperativ ("Bedecke").

Daraufhin in der zweiten Strophe wirft er nicht nur Zeus, sondern allen
Göttern vor, sich kümmerlich (Zeile 15) von den Opfern gutgläubiger Kinder
und Bettler zu ernähren und bekennt ebenso beleidigend: Ich kenne nichts
Ärmeres / Unter der Sonne als euch Götter (Z. 13-14). Auch er habe sich

21
verirrt und gutgläubig in der Hoffnung auf ein offenes Ohr und Hilfe an die
Götter gewandt jedoch nicht die Götter hätten ihm geholfen, sondern sein
eigenes heilig glühend Herz (Z. 34). Somit stellt sich Prometheus nicht nur
mindestens ebenbürtig zu den Göttern dar, Goethe nimmt auch Bezug zum
Geniebegriff der Sturm und Drang-Epoche, die unter einem Genie einen völlig
im Einklang mit der Natur stehenden Menschen mit fast göttlichen
Fähigkeiten verstand.

In den darauf folgenden Strophen vier wie fünf setzt Goethe viele rhetorische
Fragen ein, um den vorwurfsvollen Ton Prometheus zu verstärken, der nun
den Göttern vorwirft, weder geheilt noch gelindert zu haben und ihnen seine
Ehrfurcht verweigert. Nicht die Götter, sondern die Zeit und das Schicksal
hätten ihn zum Manne geschmiedet (Z.43). Mit der Vorgabe, die Götter nicht
zu achten, formt er in der letzten Strophe gar Menschen nach seinem Bild.
Diese Selbstdarstellung und Hybris wird weiter getragen mit den letzten
Worten wie ich und über das ganze Gedicht hinweg mit unterschiedlich
langen Versen und Strophen unterstützt.

All diese Äußerungen und Taten zeigen deutlich, wie Prometheus die Götter
entthronisiert sie leben untätig und ausnutzend, während er Göttergleiches
leistet.

Dieser Inhalt ist typisch für den Sturm und Drang. Der geniale (wobei der
Begriff des Genies in der Zeit des Sturm und Drang anders definiert wurde als
heute), schöpferische Mensch, sprengt alle Fesseln und Konventionen und
erstarkt an Schicksalsschlägen (weicht ihnen nicht aus).

Form
Das Gedicht ist reimlos in freien Rhythmen geschrieben, die sich bei Goethe
insbesondere in seiner Lyrik der Sturm-und-Drang-Zeit finden.

Inhalt: Monolog Prometheus, indem er sich gegen Zeus empört. Zeus muss
sich üben, indem er Bäume und Berge zerstört. Zeus kann aber die Erde nicht
zerstören. Zeus hat keine Macht; Prometheus vergleicht ihn mit einem
Knaben oder jungen Mann.

1. Strophe: Prometheus vergleicht Zeus mit einem Knaben; Zeus hat


keine Macht; Erde, Hütte und Feuer gehören zu Prometheus.

2. Strophe: Prometheus verachtet die Götter, weil diese abhängig vom


Menschen sind. Ohne Gebete und Steuern mussten die Götter schlecht
leben.

3. Strophe: Als Kind glaubte auch Prometheus an die Hilfe der Götter.

4. Strophe: Götter haben gegen Götter gekämpft. Die Götter haben


Prometheus vor Tod und Sklaverei nicht gerettet. Er selbst hat sich
gerettet. Die Götter schliefen, sie waren untätig.

5. Strophe: Prometheus lehnt ab, Zeus zu verehren, da dieser nie die


Sorgen und Probleme der Menschheit gelöst hat. Die allmächtige Zeit

22
und das ewige Schicksal haben Prometheus zum Manne gemacht. Zeit
und Schicksal sind die Herren über Prometheus und Zeus.

6. Strophe: Prometheus liebt das Leben, auch wenn sich nicht alle
Wünsche erfüllen.

7. Strophe: Prometheus schafft die Menschen. Diese sollen leiden,


weinen, sich freuen und genießen. Die Menscheln sollen wie
Prometheus die Götter missachten.

„Prometheus“ ist Goethes wichtiges Weltanschauungsgedicht des Sturm und


Drang. Kern der Weltanschauung Goethes ist die Rolle des Menschen in der
Gesellschaft. Der Mensch ist unabhängig von Göttern und anderen
(politischen) Mächten. Menschen und Götter sind der Zeit und dem Schicksal
untergeordnet, das heißt, sie verändern sich!

Das lyrische Ich: Goethe vergleicht sich, wie die Stürmer und Dränger, mit
den Göttern, das heißt, sie geben ihrer Tätigkeit eine hohe menschenbildende
Bedeutung. Die Literatur formt die Menschheit und der Schriftsteller ist in der
Lage, die Menschen zu verändern.

Vergleich des Prometheus mit anderen Gedichten Goethes

Die Grenzen der Menschheit (zwischen 1776-1778: die genaue Datierung


ist unbekannt): In diesem Gedicht überwiegen eher die Adjektive (im
Gegensatz zu Prometheus, wo eher Verben zum Tragen kommen. Daraus
ergibt sich eine eher ruhigere Stimmung. Goethe klagt die Götter nicht mehr
an wie in Prometheus, sondern sagt, daß man sich mit den Göttern nicht
messen kann. Der Mensch soll demütig sein und Respekt vor den Göttern
haben. Dieses Gedicht steht somit zeitlich und inhaltlich gesehen an der
Grenze zwischen dem Sturm und Drang und der (Weimarer) Klassik.

Das Göttliche (1783). Dieses Gedicht richtet sich direkt an den (edlen)
Menschen und sagt, daß die Menschen sich ein Beispiel an den Göttern
nehmen sollen. Außerdem spielt die Natur eine Rolle, die den Menschen nicht
wertet ("Ãœber Bös' und Gute, Und dem Verbrecher Glänzen, wie dem Besten,
der Mond und die Sterne). Des Weiteren soll sich der Mensch von anderen
Wesen, die wir kennen, unterscheiden, indem wir richten und entscheiden
können. Dieses Gedicht ist ein Beispiel für die (Weimarer) Klassik ("Edel sei
der Mensch" - Der edle Mensch - ein klassisches Ideal).

Die Literatur des Sturm und Drang ruft die Menschen zum Protest und zur
Ablehnung gegen die Obrigkeit auf (gegen die herrschende Klasse).

Der Sturm und Drang blieb aber eine „literarische“ Revolution, da in


Deutschland die Bedingungen einer politischen Revolution nach vor fehlten.

Sturm und Drang ist die Grundlage der Entwicklung der Literatur in
Deutschland.

23
II.7 Friedrich Schiller

Johann Christoph Friedrich Schiller wurde am 10. November 1759 in dem


schwäbischen Landstädtchen Marbach am Neckar (Würtemberg) geboren.
Sein Vater Johann Kaspar, geboren 1723, verlor sehr früh seine Eltern. Er
lernte bei einem Dorfbarbier die Wundarzneikunst und wurde Arzt in einem
bayrischen Regiment. Später im Sommer 1749 ließ er sich als Chirurg in
Marbach nieder, wo er die siebzehnjährige Wirtstochter Elisabeth Dorothea
Kodweiss heiratete.

Der junge Schiller verbringt Kindheit und Jugend in ärmlichen Verhältnissen.


Er besucht eine Dorfschule und später eine Lateinschule auf Befehl des
Herzogs Karl Eugen.

Im Januar 1773 tritt er in die Karlschule ein, in der er ab 1776 Medizin


studiert. Er schreibt zugleich seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten
„Philosophie der Physiologie“ und „Theosophie des Julius“. Der zum Arzt
ausgebildete Student möchte lieber Schriftsteller werden.

1780 aber wird Schiller Regimentsmedicus in Stuttgart. Arretiert wegen der


Aufführung der "Räuber" in Mannheim steht er unter Schreibverbot. Er flieht
über Mannheim (1783), Leipzig (1785), Dresden nach Weimar (1787). 1789
wird er Professor der Geschichte und Philosophie in Jena ernannt

Schiller heiratet im Februar 1790 Charlotte von Lengefeld. Das


Zusammenleben dauert 15 Jahre. Das Ehepaar zeugt vier Kinder.

Im Juli 1788 kommt es in Jena zur Begegnung zwischen Goethe und Schiller
bei einer Sitzung der „Naturforschenden Gesellschaft“. Schiller und Goethe
halten ein entscheidendes Gespräch über die Natur. Schiller ist Anhänger der
Ideologie Kants. Es entsteht dann eine sehr enge Freundschaft zwischen den
beiden Männern. Ein dritter Mann wird eine bedeutende Rolle spielen: der
Philosoph und Schriftsteller Johann Gottfried Herder.

Freundschaft und Zusammenarbeit wächst mit Schillers Herausgabe der


Zeitschrift „Die Horen“. Goethe arbeitet mit.

Schiller stirbt am 9. Mai 1805 in Weimar an einer Lungenkrankheit. Er ist


neben Goethe der größte Denker, Philosoph und Dichter Deutschlands.

Schillers Hauptwerke

Epische Werke
1782: Die Räuber (Revolutionäre, die die Welt mit Gewaltentwickeln,
verändern wollen).
1784: Kabale und Liebe
1787: Don Carlos
1798-99: Wallenstein
1800: Maria Stuart
1801: Die Jungfer von Orleans
1804: Wilhelm Tell

24
Lyrische Werke
1798: Baladen
1791-93: Geschichte des 30jährigen Krieges

II.8 Schiller „Die Kraniche des Ibykus“


Aufbau und Wesen der Ballade

Aufbau
1. Einleitung – Vorstellung der wichtigsten Figuren und deren
Eigenschaften (1-3).
2. Aufsteigende Handlung. Sie geht bis zu einem ersten Höhepunkt – der
Tod des Ibykus (4-6).
3. Überlegungen über den Mörder. Trauer um Ibykus. Retardierendes
Moment. Fragen nach Ibykus (7-10).
4. Zuspitzung des Konfliktes (11-18).
5. Höhepunkt (Katastrophe). Erscheinung der Kraniche und Ausruf des
Mörders (19-20).
6. Lösung des Konfliktes - abfallende Handlung. Gefangennahme der
Mörder (21-23).

25
26
Die Kraniche des Ibykus

1 Zum Kampf der Wagen und Gesänge, 13 Der streng und ernst, nach alter Sitte,
Der auf Korinthus' Landesenge Mit langsam abgemeßnem Schritte,
Der Griechen Stämme froh vereint, Hervortritt aus dem Hintergrund,
Zog Ibykus, der Götterfreund. Umwandelnd des Theaters Rund.
Ihm schenkte des Gesanges Gabe, So schreiten keine irdschen Weiber,
Der Lieder süßen Mund Apoll, Die zeugete kein sterblich Haus!
So wandert' er, an leichtem Stabe, Es steigt das Riesenmaß der Leiber
Aus Rhegium, des Gottes voll. Hoch über menschliches hinaus.

2 Schon winkt auf hohem Bergesrücken 14 Ein schwarzer Mantel schlägt die
Akrokorinth des Wandrers Blicken, Lenden,
Und in Poseidons Fichtenhain Sie schwingen in entfleischten Händen
Tritt er mit frommem Schauder ein. Der Fackel düsterrote Glut,
Nichts regt sich um ihn her, nur In ihren Wangen fließt kein Blut.
Schwärme Und wo die Haare lieblich flattern,
Von Kranichen begleiten ihn, Um Menschenstirnen freundlich wehn,
Die fernhin nach des Südens Wärme Da sieht man Schlangen hier und
In graulichtem Geschwader ziehn. Nattern
Die giftgeschwollnen Bäuche blähn.
3 »Seid mir gegrüßt, befreundte Scharen!
Die mir zur See Begleiter waren, 15 Und schauerlich gedreht im Kreise
Zum guten Zeichen nehm ich euch, Beginnen sie des Hymnus Weise,
Mein Los, es ist dem euren gleich. Der durch das Herz zerreißend dringt,
Von fernher kommen wir gezogen Die Bande um den Sünder schlingt.
Und flehen um ein wirtlich Dach. Besinnungraubend, herzbetörend
Sei uns der Gastliche gewogen, Schallt der Erinnyen Gesang,
Der von dem Fremdling wehrt die Er schallt, des Hörers Mark verzehrend,
Schmach! Und duldet nicht der Leier Klang:

4 Und munter fördert er die Schritte 16 »Wohl dem, der frei von Schuld und
Und sieht sich in des Waldes Mitte, Fehle
Da sperren, auf gedrangem Steg, Bewahrt die kindlich reine Seele!
Zwei Mörder plötzlich seinen Weg. Ihm dürfen wir nicht rächend nahn,
Zum Kampfe muß er sich bereiten, Er wandelt frei des Lebens Bahn.
Doch bald ermattet sinkt die Hand, Doch wehe, wehe, wer verstohlen
Sie hat der Leier zarte Saiten, Des Mordes schwere Tat vollbracht,
Doch nie des Bogens Kraft gespannt. Wir heften uns an seine Sohlen,
Das furchtbare Geschlecht der Nacht!
5 Er ruft die Menschen an, die Götter,
Sein Flehen dringt zu keinem Retter, 17 Und glaubt er fliehend zu entspringen,
Wie weit er auch die Stimme schickt, Geflügelt sind wir da, die Schlingen
Nichts Lebendes wird hier erblickt. Ihm werfend um den flüchtgen Fuß,
»So muß ich hier verlassen sterben, Daß er zu Boden fallen muß.
Auf fremdem Boden, unbeweint, So jagen wir ihn, ohn Ermatten,
Durch böser Buben Hand verderben, Versöhnen kann uns keine Reu,
Wo auch kein Rächer mir erscheint!« Ihn fort und fort bis zu den Schatten,
Und geben ihn auch dort nicht frei.«
6 Und schwer getroffen sinkt er nieder,
Da rauscht der Kraniche Gefieder, 18 So singend, tanzen sie den Reigen,
Er hört, schon kann er nicht mehr sehn, Und Stille wie des Todes Schweigen
Die nahen Stimmen furchtbar krähn. Liegt überm ganzen Hause schwer,
»Von euch, ihr Kraniche dort oben! Als ob die Gottheit nahe wär.
Wenn keine andre Stimme spricht, Und feierlich, nach alter Sitte
Sei meines Mordes Klag erhoben!« Umwandelnd des Theaters Rund
Er ruft es, und sein Auge bricht. Mit langsam abgemeßnem Schritte,
Verschwinden sie im Hintergrund.
7 Der nackte Leichnam wird gefunden,

27
Und bald, obgleich entstellt von 19 Und zwischen Trug und Wahrheit
Wunden, schwebet
Erkennt der Gastfreund in Korinth Noch zweifelnd jede Brust und bebet
Die Züge, die ihm teuer sind. Und huldiget der furchtbarn Macht,
»Und muß ich so dich wiederfinden, Die richtend im Verborgnen wacht,
Und hoffte mit der Fichte Kranz Die unerforschlich, unergründet
Des Sängers Schläfe zu umwinden, Des Schicksals dunkeln Knäuel flicht,
Bestrahlt von seines Ruhmes Glanz!« Dem tiefen Herzen sich verkündet,
Doch fliehet vor dem Sonnenlicht.
8 Und jammernd hörens alle Gäste,
Versammelt bei Poseidons Feste, 20 Da hört man auf den höchsten Stufen
Ganz Griechenland ergreift der Auf einmal eine Stimme rufen:
Schmerz, »Sieh da! Sieh da, Timotheus,
Verloren hat ihn jedes Herz. Die Kraniche des Ibykus!« -
Und stürmend drängt sich zum Und finster plötzlich wird der Himmel,
Prytanen Und über dem Theater hin
Das Volk, es fodert seine Wut, Sieht man in schwärzlichtem Gewimmel
Zu rächen des Erschlagnen Manen, Ein Kranichheer vorüberziehn.
Zu sühnen mit des Mörders Blut.
21 »Des Ibykus!« - Der teure Name
9 Doch wo die Spur, die aus der Menge, Rührt jede Brust mit neuem Grame,
Der Völker flutendem Gedränge, Und, wie im Meere Well auf Well,
Gelocket von der Spiele Pracht, So läufts von Mund zu Munde schnell:
Den schwarzen Täter kenntlich macht? »Des Ibykus, den wir beweinen,
Sinds Räuber, die ihn feig erschlagen? Den eine Mörderhand erschlug!
Tats neidisch ein verborgner Feind? Was ists mit dem? Was kann er meinen?
Nur Helios vermags zu sagen, Was ists mit diesem Kranichzug?« -
Der alles Irdische bescheint.
22 Und lauter immer wird die Frage,
10 Er geht vielleicht mit frechem Schritte Und ahnend fliegts mit Blitzesschlage
Jetzt eben durch der Griechen Mitte, Durch alle Herzen. »Gebet acht!
Und während ihn die Rache sucht, Das ist der Eumeniden Macht!
Genießt er seines Frevels Frucht. Der fromme Dichter wird gerochen,
Auf ihres eignen Tempels Schwelle Der Mörder bietet selbst sich dar!
Trotzt er vielleicht den Göttern, mengt Ergreift ihn, der das Wort gesprochen,
Sich dreist in jene Menschenwelle, Und ihn, an dens gerichtet war.«
Die dort sich zum Theater drängt.
23 Doch dem war kaum das Wort
11 Denn Bank an Bank gedränget sitzen, entfahren,
Es brechen fast der Bühne Stützen, Möcht ers im Busen gern bewahren;
Herbeigeströmt von fern und nah, Umsonst, der schreckenbleiche Mund
Der Griechen Völker wartend da, Macht schnell die Schuldbewußten
Dumpfbrausend wie des Meeres Wogen; kund.
Von Menschen wimmelnd, wächst der Man reißt und schleppt sie vor den
Bau Richter,
In weiter stets geschweiftem Bogen Die Szene wird zum Tribunal,
Hinauf bis in des Himmels Blau. Und es gestehn die Bösewichter,
Getroffen von der Rache Strahl.
12 Wer zählt die Völker, nennt die Namen,
Die gastlich hier zusammenkamen?
Von Theseus' Stadt, von Aulis Strand,
Von Phokis, vom Spartanerland,
Von Asiens entlegner Küste,
Von allen Inseln kamen sie
Und horchen von dem Schaugerüste
Des Chores grauser Melodie,

28
Über das Wesen der Ballade
Die Ballade ist in der äußeren Form ein Gedicht (relativ kurz, mit Reimen). In
ihr existieren auch Elemente der Epik (das Geschehen wird ausführlich
erzählt) und der Dramatik (die Handlung ist dramatisch, spannend). Die
Handlung ist nach den Prinzipien des Dramas aufgebaut.

Die Ballade entstand ursprünglich im Mittelalter. Das Wort Ballade leitet sich
vom lateinischen Wort „ballata“ (Tanzlied) ab. Dichter des 18. Jahrhunderts
schufen die Kunstballade.

Goethe bezeichnete die Ballade als das „Urei“ (die Urform) der Dichtkunst.

Ursprünglich bestand die Funktion des „ballata“ darin, die Menschen zu


unterhalten, ihnen Informationen über Vergangenes und Gegenwärtiges zu
vermitteln, Taten von Persönlichkeiten und Völkern zu loben und zu
verurteilen; insgesamt damit auch erzieherisch (moralisch, sittlich) auf die
Zuhörer zu wirken.

Die Kunstballade Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland stellt sich als
Aufgabe, bestimmte weltanschauliche moralische und sittliche Probleme der
Gegenwart mit den Mitteln der Ballade zu gestalten.

Warum hat Schiller die Ballade „Die Kraniche des Ibykus geschrieben“?
Friedrich Schiller stellt in seiner Ballade die Ziele der Kunst in seiner Zeit dar.
Kunst, insbesondere das Theater, soll den Menschen im Sinne des
Humanismus erziehen und verändern.
Die Mörder des Ibykus werden durch die Wirkung des Theaters gefunden und
bestraft. Schiller wählt den Stoff bewusst aus der griechischen Antike, da er –
wie auch Goethe und Herder – in der Antike das Beispiel einer
demokratischen Staatsform auch für die Gegenwart erblickte.

In der griechischen Polis-Demokratie hatte der freie Bürger (auf Kosten der
Sklaven) die Möglichkeit einer allseitigen Betätigung: politisch, künstlerisch,
praktisch.

Goethe und Schiller charakterisieren ihre Zeit als Zeit der Arbeitsteilung, in
der der Mensch nur nach einzelnen Gebieten tätig sein, z.B. entweder politisch
oder künstlerisch. Sie streben aber die allseitige Entwicklung des Menschen
an, deshalb bildet die Antike das Vorbild. Ihr Ziel wollen sie durch die
Erziehung des Menschengeschlechts zum Humanismus erreichen. Der
bürgerliche Künstler trägt dabei eine große Verantwortung.

Hatte der Sturm und Drang die Beseitigung der Tyrannei durch individuelle
Taten gefordert, verlangt die Klassik eine Erziehung durch die Kunst.

II.9 Die Dramatik des Sturm und Drang


Die Dramatik des Sturm und Drang war die wichtigste und bevorzugte
literarische Gattung in der deutschen Literatur. Sie stellt die
Handlungsweisen der Menschen, ihre Konflikte untereinander und der
gesellschaftlichen Entwicklung dar am Beispiel der folgenden Werke:

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1770: Goethe: Faust der Tragödie erster Teil
1773: Lenz : Der Hofmeister oder die Vorteile der Privaterziehung
1774: Lenz : Die Soldaten
1774: Wagner : Die Kindesmörderin
1774: Goethe : Götz von Berlichingen
1775: Goethe : Egmont
1776: Klinger Sturm und Drang
1789: Goethe : Torquato Tasso
1797: Goethe : Wilhelm Meisters Lehrjahre
1797: Goethe : Wilhelm Meisters Wanderjahre
1831: Goethe : Faust der tragödie zweiter Teil
1782: Schiller: Die Räuber
1783: Schiller : Fiesco
1784: Schiller : Kabale und Liebe
1787: Schiller : Don Carlos
1798-99: Schiller : Wallenstein
1800: Schiller : Maria Stuart
1801: Schiller : Die Jungfer von Orleans
1804: Schiller : Wilhelm Tell

Die meisten dieser Dramen haben entweder historischen Stoff (Götz, Egmont,
Don Carlos) oder direkte zeitgenossische aktuelle Themen. Alle Dramen
stellen den Widerspruch einer (manchmal auch zweier) Person(en) mit der
Gesellschaft in den Mittelpunkt.

Egmont versucht, das niederländische Volk von der spanischen


Fremdherrschaft zu befreien; er stellt sich dabei gegen den spanischen und
niederländischen Adel. Er wird hingerichtet, aber sein Tod führt zur
Revolution.

Don Carlos ist der Infant von Spanien. Beeinflusst von bürgerlichen Ideen,
wendet er sich gegen die Politik seines Vaters und wird deshalb hingerichtet.

Die Gegenwartsdramen behandeln aktuelle Themen, die die scharfen


gesellschaftlichen Widersprüche der Zeit gestalten: das uneheliche Kind und
die unverheiratete Mutter werden von der Gesellschaft verstoßen. Ausweg für
die Mutter ist nur der Tod des Kindes, um die „Schande“’ zu verbergen
(Wagner: „Die Kindesmörderin“).

Die Liebe zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer Stellung ist nicht zu


verwirklichen. In Schillers „Kabale und Liebe, scheitern Luise, ein
bürgerliches Mädchen und Ferdinand, ein Vertreter des Adels an den
Klassenunterschieden; beide müssen sterben und hoffen auf eine
Verwirklichung ihrer Liebe nach dem Tode.

Der Kampf des Individuums gegen die bestehende gesellschaftliche Ordnung


ist das Thema der „Räuber“. Karl Moor, die Hauptfigur, will die feudale
Gesellschaft mit Gewalt verändern. Er gründet eine Räuberbande, die durch
Mord und Überfall ihre Ziele verwirklichen will. Karl Moor muss am Ende des
Stückes erkennen, daß diese Methode des Kampfes erfolglos bleiben muss. Er
stellt sich selbst dem Gericht.

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Allen Stücken ist einer Grundtendenz gemeinsam. Die Helden versuchen
isoliert, zumeist im Alleingang, ihre Ziele zu erreichen. Dies entspricht die
Theorie des Sturm und Drang, daß der Mensch sich selbst befreien muss. Die
Gesellschaft ist unfähig, dem Menschen die besten Bedingungen zum Leben
(geistig und materiell) zu geben, also muss diese das Einzelwesen sich selbst
erkämpfen. Alle Mittel sind dazu erlaubt. Die Stürmer und Dränger gelangen
aber selbst zu der Erkenntnis, daß dieser Weg falsch ist. Durch den Tod ihrer
Helden wollen sie den Zuschauer zum Nachdenken darüber anregen, daß die
bestehende gesellschaftliche (feudale) Ordnung schlecht ist und beseitigt
werden muss.

Die Aufklärung hatte als Aufgabe, die Menschen aufzuklären, zu verbessern.


Die Aufklärer erkannten, daß sie dieses Ziel nicht verwirklichen können.

In der Dramatik des Sturm und Drang spiegeln sich die sozialen Konflikte in
der Liebe, in dem privaten Leben wider. Die Politik wirkt auf das private
Leben der Menschen. Oft wird das Schicksal des Individuums in der Liebe
ausgedrückt.

II.10 Das Verhältnis zwischen Aufklärung Sturm und Drang


Zielstellung beider literarischer Strömungen sind gleich: Veränderung der
unmenschlichen gesellschaftlichen Verhältnisse (Befreiung des Menschen,
Errichtung eines menschlichen Staates, einer bürgerlichen Gesellschaft).
Beide kämpfen vor allem gegen die reaktionäre Theologie und gegen den
korrupten Feudaladel. In Durchsetzung der Ziele existieren verschiedene
Wege:
• Aufklärung: Erziehung aller Menschen durch die Vermittlung von
Wissen und Morallehren.
• Sturm und Drang: Durch Taten des Individuums (Mord am Tyrannen)
das wird nur theoretisch dargestellt. Sturm und Drang ist eine
literarische Revolution, mit der Erkenntnis, daß man handeln muss.
Das Wort reicht nicht aus.

II.11 Die Französische Revolution


Der Grund für die Entstehung der französischen Revolution war die
Veränderung der feudalen Gesellschaftsordnung durch die kapitalistische
Gesellschaftsordnung:

Grossbourgeoisie → Republikaner (Intelligenz)


Kleinbürgertum → Jakobiner
Grossbourgeoisie → Girondisten

Die Girondisten waren eine Gruppe junger Leute, die aus angesehenen
Buergerkreisen Südfrankreichs entstammten.

Die Jakobiner waren eine radikale Gruppe mit Robespierre, Danton und
Marat an ihrer Spitze. Sie wurden nach ihrem Versammlungsort, dem
ehemaligen Kloster St. Jakob benannt. Sie trugen die Jakobinermütze.

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Der Sieg der Französischen Revolution führte zu einem Machtzuspruch der
kapitalistischen Ordnung über die feudale.

Begeistert wurde dieser Sieg von allen progressiven Vertretern Europas


begrüßt. In Deutschland beklagt man, diese Revolution nicht selbst
durchgeführt zu haben, erkennt aber auch, daß die Bedingungen dazu nicht
existierten.

Mit der Zuspitzung der Machtkämpfe (Girondisten, Jakobiner) wuchs das


Unverständnis für diese Entwicklung und die Enttäuschung über das
Erreichte.

Die Französische Revolution hatte das Idealziel „Freiheit – Gleichheit -


Brüderlichkeit“ nicht erreicht. Die Revolution wurde deshalb in Deutschland
als Mittel der gesellschaftlichen Veränderung abgelehnt; begrüntet wurde dies
mit der Unreife der Menschheit. Die Menschheit muss also erst erzogen
werden, große gesellschaftliche Veränderungen (auf menschliche Art) zu
meistern. Entsprechend sind die Themen der klassischen Literatur Goethes
und Schillers auf die Erziehung der Menschen und auf die Verbesserung ihrer
moralischen und ethischen Eigenschaften gerichtet („Die Kraniche des
Ibykus“). Sturm und Drang bleibt eine literarische Revolution.

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Bibliographie

1. Dahnke, Hans Dietrichnd al. u, Goethe und Schiller, Werk und Wirkung,
Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen
Literatur in Weimar, 1981.

2. Goethe, Johann Wolfgang, Faust, Urfaust – Faust 1 – Faust 2,


kommentiert von Erich Trunz, Einmalige Jubiläumsausgabe zum 175
Todestag, Verlag C.H. Beck oHG, München, 1986.

3. Herder, Goethe, Möser von deutscher Art und Kunst, Verlag Philipp
Reclam jun. Leipzig, 3. Auflage, 1978.

4. Kühnlenz, Fritz, Weimarer Porträts – Männer und Frauen um Goethe und


Schiller, Greifenverlag zu Rudolstadt, 5. Auflage, 1975.

5. Kurze Geschichte der deutschen Literatur. Von einem Autorenkollektiv,


Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1981.

6. Lessing, Gotthold Ephraim, Fabeln, Verlag von Philipp Reclam Jun.


Leipzig, 1976.

7. Lessing, Gotthold Ephraim, Nathan der Weise, Verlag von Philipp Reclam
Jun. Leipzig, Nr. 3271.

8. Richter, Lutz, Die deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts,


Unterrichtsstoff, 1977, Bamako, Mali.

9. Wertheim, Ursula, Friedrich Schiller, VEB Bibliographisches Institut,


Leipzig, 1981.

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