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6/21/2021 Indiens Sorge vor der dritten Corona-Welle | Asien | DW | 19.06.

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Indiens Sorge vor der dritten Corona-Welle


Experten fürchten, dass neue COVID-Varianten in Indien eine massive dritte Welle verursachen könnten. Denn die
Impfkampagne geht nur schleppend voran, während die ersten Schutzmaßnahmen schon wieder gelockert werden.

Indien bereitet sich jetzt schon auf eine mögliche dritte Corona-Welle vor.

Obwohl in Indien die Fallzahlen sinken und Maßnahmen gelockert werden, warnen Experten, dass das Land noch einen langen Weg vor sich
hat, um das Coronavirus unter Kontrolle zu bekommen.

Nachdem die Krise sich im April und Mai zuspitzte, bauten viele Staaten ihre Gesundheitsinfrastruktur aus - mit der notwendigen
medizinischen Ausstattung, mit Medikamenten und einem Ausbau der Intensivbetten. 

Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle im April und Anfang Mai gab es oft mehr als 400.000 Neuinfektionen pro Tag. An diesem Donnerstag
meldete Indien aber nur 62.480 Fälle, ein starker Rückgang im Vergleich zum vorherigen Monat.

Doch viele machen sich Sorgen, dass dem Land eine dritte Welle bevorstehen könnte. Denn die Impfkampagne kommt nur langsam in Gang
und neue Varianten könnten sich entwickeln und verbreiten. Außerdem kämpft Indien weiter mit einem akuten Mangel an Sauerstoff und
Medizin, während viele Patienten vor Krankenhäusern sterben, weil es nicht genug Betten gibt. 

https://www.dw.com/de/indiens-sorge-vor-der-dritten-corona-welle/a-57949259 1/4
6/21/2021 Indiens Sorge vor der dritten Corona-Welle | Asien | DW | 19.06.2021

COVID-19 Spezial vom 17.06.2021

Vor allem Kinder sollen beschützt werden

Arvind Kejriwal, der Regierungschef von Delhi, kündigte die Gründung einer pädiatrischen Task-Force und zweier Laboratorien zur
Genomsequenzierung an. Es soll auch einen Plan geben, um die Sauerstoffkapazitäten in seinem Unionsterritorium zu verstärken. Die Welle
traf diese Region besonders stark.

Sollte es zu einer dritten Welle kommen, werde diese vor allem Kinder treffen. Deswegen will auch der westindische Bundesstaat Maharashtra
die Anzahl an COVID-19-Betten in der Pädiatrie erhöhen, von 600 auf 2.300. Das Finanzzentrum Mumbai versucht jetzt schon, mehr
Beatmungsgeräte, Monitore und anderes medizinisches Equipment zu beschaffen. 

"Wir sind bereit. Wir haben vier COVID-Pflegestationen mit pädiatrischen Einheiten, in denen mehr als tausend Kinder behandelt werden
können", sagte Iqbal Sinhgh Chahal, Mumbais Kommunalbeauftragter, gegenüber der DW. 

Auch der ostindische Bundesstaat Jharkhand hat einen neuen Plan angekündigt: 20 pädiatrische Intensivbetten sollen in jedem Bezirk
eingerichtet werden. Außerdem sollen alle Krankenzentren, die sich eigentlich um die Versorgung Unterernährter kümmern sollen, so
umgewandelt werden, dass sie COVID-Patienten intensiver pflegen können als normale Krankenstationen. Der Plan ermittelt auch, welche
wichtigen Ressourcen und Medikamente die jüngeren Altersgruppen brauchen."Ich glaube, wir sind für eine mögliche dritte Welle besser
vorbereitet. Es könnte zu Engpässen kommen, aber die Krankenhäuser und Behörden haben präventiv gehandelt", so Priscilla Rupali, eine
Spezialistin für Infektionskrankheiten am Christian Medical College in Jharkhands Hauptstadt Ranchi.

Indien: So leiden die Kinder in der Pandemie

Impfen, um eine dritte Welle zu verhindern

Um die dritte Welle zu brechen, wollen Virologen und Wissenschaftler vor allem vulnerable Gruppen impfen und Genome zirkulierender
Varianten sequenzieren. 

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6/21/2021 Indiens Sorge vor der dritten Corona-Welle | Asien | DW | 19.06.2021

"Die langsame Impfkampagne ist ein Problem. So entstehen mehr Varianten, und eine dritte Welle könnte uns vor anderen entwickelten
Ländern treffen, weil es hier noch viele ungeschützte Menschen gibt", erklärte Vineeta Bal, eine Wissenschaftlerin des nationalen
Immunologie-Instituts. "Nicht nur Kinder sind in der nächsten Welle gefährdet, weil sie noch nicht geimpft sein werden, sondern auch
Menschen anderer Altersgruppen und schwangere Frauen", so Bal.

Obwohl Indien sich das ambitionierte Ziel gesetzt hat, bis Dezember mehr als zwei Milliarden COVID-19-Impfdosen herzustellen - genug, um
die Mehrheit der Bevölkerung zu impfen - geht die Impfkampagne nur schleppend voran. Offiziellen Zahlen zufolge sind bislang lediglich elf
Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, nur 3,4 Prozent haben bereits beide Dosen bekommen. 

"Um die ganze Bevölkerung zu impfen, brauchen wir mehr Vorrat und geschultes Personal", sagte Bal. 

In Indien wurde bislang erst elf Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft.

Neue Varianten könnten eine dritte Welle verursachen

Die zweite Welle hat vor allem die Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante vorangetrieben. Die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) hat die Variante bereits als "besorgniserregend" eingestuft. 

"Die zweite Welle hat das System überwältigt. Wir müssten mindestens neun bis zehn Millionen Menschen pro Tag impfen und das Virus
aggressiv zurückdrängen", so der Epidemiologe Giridhar Babu. "Diese Welle war nicht heftig, weil das Virus tödlicher wurde, sondern weil es
infektiöser und leichter zu übertragen war." 

Shally Awathi, ein Kinderpneumologe der King George's Medical University in Lucknow, sieht Indien dennoch für die Zukunft gut gerüstet.
"Die zweite Welle hat uns eine wichtige Lektion erteilt. Wir haben diesmal mehr Sauerstoff in unseren Krankenhäusern und
Gesundheitszentren. Ich glaube, wir müssen nicht in Panik geraten", erklärte er gegenüber der DW.

Indien hat im Mai fast 120.000 Todesfälle und mehr als 9 Millionen Neuinfektionen gemeldet, doch Experten glauben, dass die Dunkelziffer
noch viel höher ist. Seit dem Beginn der Pandemie hat das Land fast 30 Millionen Infektionen und 380.000 Todesfälle gemeldet. 

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