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Zeitschrift für
Archäologie und
Kulturgeschichte

Jerusalem
€ 12,90 (D)
€ 14,90 (A) / sFr 25,–
www.antikewelt.de

MITTELMEERRAUM ÄGYPTEN GRIECHENLAND


UND INDIEN Die ältesten Ein Blick
Die Bedeutung Musikinstrumente aus auf Samos unter
künstlicher Fußspuren der Vor- und Frühzeit Polykrates
Verlag, Gemeinschaft,
Wissenschafts-Förderung ...
Über 100 Publikationen aus den Themengebieten Archäologie,
Geschichte, Kunst, Literatur, Philosophie und Theologie er-
scheinen jährlich in unseren Verlagen. Viele dieser bedeutsamen
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EDITORIAL

ARCHÄOLOGIE IN DER
HEILIGEN STADT

J erusalem ist eine der Städte, die zugleich ein Paradies und ein unlösbares Rätsel für Altertums-
wissenschaftler darstellen. Durchgehend besiedelt und eng bebaut, sind systematische For-
schungen kaum möglich. Dennoch gibt es mehr als genug Quellen und archäologische Befunde, um
ein immer genaueres Bild der Stadt zu unterschiedlichen Zeiten der langen Geschichte skizzieren
zu können. Auch in den letzten Jahren haben die internationalen Forschungen neue Erkenntnisse
erbracht, die Ihnen von einem Autorenteam um Dieter Vieweger, der dieses Titelthema für uns
konzipiert hat, nahegebracht werden.
Holger Kieburg
Es lohnt sich auch eine eingehende Beschäftigung mit der Forschungsgeschichte. Seit dem 19. Jh. Chefredaktion
wurden von internationalen Wissenschaftlern, aber auch von abenteuerlustigen Laien unzählige ANTIKE WELT
Spuren der Vergangenheit verfolgt und manch kuriose Geschichte geschrieben. Das ungewöhnliche
Titelbild des Quarterly Statement des Palestine Exploration Fund von Januar 1898 zeigt beispiels-
weise die Tunnel, die man unterhalb des Tempelberges grub – und gibt ein eindrucksvolles Beispiel
der besonderen Forschungssituation.

In eigener Sache
Hinweisen möchte ich Sie noch auf unse-
ren neuen Newsletter, den wir ab
sofort in Zusammenarbeit mit unserer
«Schwesterzeitschrift» Archäologie
in Deutschland monatlich versenden. Hier
halten wir Sie auch zwischen den Heften
auf dem Laufenden und geben Hinweise
und Tipps für Online-Lektüre aus
der Welt der Altertumswissenschaften.

Foto: Bibliothek des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes.
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Eine spannende Lektüre und


eine gute Reise vom Lesesessel aus
wünscht Ihnen

Ihre AW-Redaktion

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ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA JERUSALEM
8 MYSTERIUM JERUSALEM – GEHEIMNISSE DER EWIGEN STADT.
von Joe Uziel, Yuval Baruch und WAS WISSEN WIR WIRKLICH ÜBER DAS FRÜHE JERUSALEM?
Nahshon Szanton Wie groß und bedeutend war diese Stadt, welche die Ägypter zu ihren Feinden
zählten? Ausgrabungen auf dem Südosthügel Jerusalems geben eine Vorstellung von
ihren Ausmaßen.

14 UNTER DER ERLÖSERKIRCHE IM HERZEN DER ALTSTADT – AUF DER


von Dieter Vieweger und SUCHE NACH GOLGOTA UND DER NORDMAUER JERUSALEMS
Katja Soennecken Die lange Forschungsgeschichte an diesem zentralen Ort bedeutet nicht, dass nicht
immer noch wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Hierbei helfen auch die neuen
technischen Möglichkeiten, die der Archäologie zur Verfügung stehen.

19 «SCHÖN RAGT EMPOR DER BERG ZION, DES SICH DAS GANZE
von Jennifer Zimni LAND TRÖSTET» – DER ZIONSBERG IN JERUSALEM
Fragestellung der Ausgrabungen auf dem Zionsberg im letzten Jahr war der Verlauf
der eisenzeitlichen Stadtmauern Jerusalems. Doch dies ist nur eine der großen Fragen,
die zur Faszination beitragen, die dieser Ort ausübt.

25 ARCHÄOLOGISCHE PIONIERE, FORSCHUNGSREISENDE UND SCHATZ-


von Katja Soennecken und GRÄBER – DIE ANFÄNGE DER AUSGRABUNGEN IN JERUSALEM
Dieter Vieweger Die frühen Forschungen in und vor allem auch unter der Stadt gestalteten sich äußerst
abenteuerlich. Sehr unterschiedliche Akteure mit divergierenden Interessen machten
sich im 19. Jh. ans Werk.

28 DIE VIERTE DIMENSION – DIE JERUSALEM-MODELLE CONRAD SCHICKS


von Holger Siegel Conrad Schick arbeitete seit seiner Ankunft in der Heiligen Stadt im Jahr 1846 als
Handwerker, Architekt und Stadtplaner, als Kartograf, Palästinaforscher, Archäologe,
Autor – und vor allem auch als Modellbauer.

Titelbild der vorliegenden Ausgabe Fotos: Blick vom Ölberg auf den Tempelberg mit dem Felsendom und auf die Stadt (Foto: Perekotypole).
Jerusalem auf der Mosaikkarte von Madaba. Steingetreue
Kopie von P. M. Gisler O.S.B. (nach PP. Hugues Vincent / F.-M. Abel rechts: Marmorne vestigia-Weihung aus Maroneia. Komotini, Archäologisches Museum Inv. ΑΓΚ 961 (Foto:
[1914–1926] Pl. XXX). © Hellenic Ministry of Culture and Sports).
THEMENPANORAMA

SPUREN VON GOT THEITEN, HEROEN UND ERLEUCHTETEN – 39


ZU BEDEUTUNG UND VIELFALT ARTIFIZIELLER FUSSSPUREN IM von Julia A. B. Hegewald und
ANTIKEN MIT TELMEERRAUM UND IN INDIEN Ralf Krumeich

Menschen, Heilige, Weise, Gottheiten und mythische Heroen haben in vielen Kulturen
wortwörtlich Fußabdrücke hinterlassen.

DIE ERSTE UNTER DEN HELLENISCHEN UND BARBARISCHEN STÄDTEN – 49


EIN BLICK AUF SAMOS ZUR ZEIT DES POLYKRATES von Jakub Kuciak
Der berühmte Tyrann gehört zu jenen Figuren des klassischen Altertums, die sich
bis zum heutigen Tage großer Aufmerksamkeit erfreuen.

DAS «ILÍOU MÉLATHRON» – HEINRICH SCHLIEMANNS HAUS IN ATHEN 55


Heinrich Schliemann erfüllte sich den Traum eines großen und schönen Hauses, von Umberto Pappalardo
in dem er von den Symbolen umgeben war, die für seine Lebensideale repräsentativ
waren.

DIE «30 SILBERLINGE» DES JUDAS – DER MISSVERSTANDENE JÜNGER 66


Serie «Geld und Münzen im Neuen Testament» TEIL 3 von Kay Ehling
Die Experten diskutieren, ob es sich bei den «30 Silberlingen» um römische Denare
oder Schekel der phönikischen Stadt Tyros gehandelt habe.

DIE «ARTEMIS BUFFALO» IN NEW YORK: ANTIK ODER ANTIKISCH? 68


ZUR SENSATIONSGESCHICHTE EINER BRONZEGRUPPE IM METROPOLITAN von Stefan Lehmann
MUSEUM OF ART
Auffällige ikonographische und stilistische Abweichungen dürften ein Grund
dafür sein, dass die Artemisgruppe in der europäischen Fachdiskussion bislang kaum
vorkommt.

AM ANFANG WAR DIE RASSEL – FRÜHESTE MUSIKINSTRUMENTE 74


IM ALTEN ÄGYPTEN von Heidi Köpp-Junk
Während die prächtigen Musikszenen aus dem Neuen Reich sehr bekannt sind,
gilt dies nicht für die ganz frühen Instrumente. Daher wird es Zeit, dass diese eine
ausführliche Würdigung erfahren.

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Ein bereits restauriertes Säulenkapitell
(Stand: Frühjahr 2019) zeigt die florale
Verzierung in Farbe (Foto: Ahmed Amin).

geleitete Projekt stieß zudem auf neue Nach der Entfernung von Schichten
Inschriften, die unter anderem erstmals aus Ruß und Vogelexkrementen
die Namen altägyptischer Sternbilder zeigt sich der Tempel nun erstmals,
offenbaren. Die Restaurationsarbeiten wie er vor rund 2000 Jahren auf
finden in einer Kooperation des Insti- Betrachter wirkte. Da die Hieroglyphen
tuts für die Kulturen des Alten Orients oft nur sehr grob ausgemeißelt sind,
(IANES) an der Universität Tübingen wurden die Details erst durch die
ÄGYPTEN und des ägyptischen Ministeriums für farbige Bemalung angebracht. D. h.
Tourismus und Altertümer statt. bisher sind oft nur vorläufige Versio-
Von dem Tempel in Esna, 60 km nen der Inschriften erforscht. Erst
TEMPEL VON ESNA WIEDER südlich des ägyptischen Luxor, ist nur jetzt erhalten wir ein Bild der finalen
IN FARBE ZU SEHEN noch die Vorhalle (der sog. Pronaos) Textfassung. Im Bereich der astro-
erhalten, diese aber vollständig: Mit nomischen Decke sind zudem viele
Über 200 Jahre nach der Wiederent- 37 m Länge, 20 m Breite und 15 m Inschriften nicht im Relief ausgeführt
deckung eines ägyptischen Tempels Höhe wurde der Sandsteinbau unter worden, sondern nur in Tinte aufge-
hat ein deutsch-ägyptisches For- dem römischen Kaiser Claudius (41–54 malt. Sie waren bisher unter der Ruß-
schungsteam die Originalfarben rund n. Chr.) vor das eigentliche Tempelge- schicht unerkannt und werden jetzt
2000 Jahre alter Inschriften freige- bäude gesetzt und dürfte dieses in den Stück für Stück freigelegt. Hier wurden
legt: Von dicken Schichten aus Ruß Schatten gestellt haben. Das Dach wird etwa die Namen altägyptischer
und Schmutz befreit, sind Reliefszenen von 24 Säulen getragen, die Abschlüsse Sternbilder gefunden, die bisher noch
und Inschriften nun wieder in bunten der 18 freistehenden Säulen sind mit völlig unbekannt waren.
Farben zu bestaunen. Das von dem unterschiedlichen Pflanzenmotiven Nach einer Pressemeldung der Eberhard Karls
Ägyptologen Professor Christian Leitz gestaltet. Universität Tübingen

1951 bis 1952 bereiste Klaus Parlas- rück nach Frankfurt am Main. Klaus Par-
ca als Reisestipendiat des DAI Griechen- lasca war ordentliches Mitglied des DAI
land, den Vorderen Orient und Ägypten. und korrespondierendes Mitglied des
In dieser Zeit erwachte sein Interesse ÖAI. Er war ein leidenschaftlicher Samm-
für die griechisch-römische Kultur ler. Zum einen erwarb er eine umfang-
Foto: Volker Scheunert.

Ägyptens und des Vorderen Orients, vor reiche private Bibliothek, zum anderen
allem Syriens, das in der Folgezeit einen kannte er keine Berührungsängste mit
Schwerpunkt seiner Forschungen dar- dem Kunsthandel. Dieses Wissen brachte
stellen sollte. Ab 1954 Assistent an der er auch in die Lehre ein. «Würden Sie
Universität Frankfurt am Main, habili- das kaufen?» war eine gefürchtete Prü-
tierte er sich dort 1960, 1966 folgte die fungsfrage.
Ernennung zum apl. Professor. Innerhalb seiner Forschungsschwer-
NACHRUF In Frankfurt lernte er die Archäologin punkte war er sehr produktiv. Die Publi-
Ingemarie Urbanek (1921–2017) ken- kationsliste umfasst ca. 120 Aufsätze und
nen. Die Hochzeit fand 1956 statt, das Beiträge zu Museumskatalogen sowie
KLAUS PARLASCA Paar hatte drei Kinder. 1971 folgte Par- über 80 Rezensionen. Die Monographien
lasca einem Ruf an die Friedrich-Alexan- zu den römischen Mosaiken und Wand-
Am 23. 9. 1925 in Potsdam geboren, der-Universität Erlangen. Er leitete dort malereien in Deutschland und vor allem
ist Klaus Parlasca am 6. April 2020 im das Institut für Klassische Archäologie zu den Mumienporträts sind bis heute
Alter von 94 Jahren in Frankfurt am und die Antikensammlung bis zu seiner Standardwerke. Daneben betrieb Parlas-
Main gestorben. Nach dem Abitur Emeritierung im Jahr 1990. Den Schülern ca die Neu-Edition von Monographien,
nahm er 1943 in Berlin das Studium unvergessen sind die lebendigen Lehr- die er jeweils um einen umfangreichen
der Fächer Klassische Archäologie, Alte veranstaltungen und die Exkursionen Anmerkungsapparat erweiterte.
Geschichte, Kunstgeschichte und Ägyp- zum Golf von Neapel und in Europäische Parlasca gehörte zu einer Genera-
tologie auf. Nach einer Unterbrechung Museen – nicht selten an Orte, an denen tion, für die Wissenschaft ohne Ein-
durch Wehrdienst und anschließende der Opernliebhaber die Exkursion mit schränkung international war. Über Jahre
Kriegsgefangenschaft setzte er das dem Besuch einer Neuinszenierung ver- hinweg hielt er ganz selbstverständlich
Studium an den Universitäten Göttin- binden konnte. Noch zu seiner Amtszeit die Kontakte zu den Kollegen in der
gen und Basel fort. 1950 schloss er wurde die Neugestaltung der Räume DDR aufrecht. Nach der Emeritierung
die Promotion bei Rudolf Horn (1903– der Erlanger Antikensammlung und der verfolgte er seine Forschungsinteressen
1984) in Göttingen ab. Die Dissertation Sammlung von Gipsabgüssen antiker weiter, bis es sein hohes Alter unmög-
Die Mosaiken des römischen Germani- Skulptur in die Wege geleitet. Nach der lich machte.
en erschien 1959. Emeritierung zog das Ehepaar 1990 zu- Dr. Jutta Stroszeck, Athen

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ANTIKE WELT 1/21
Ansicht der Anlage von Barbegal im
Jahr 2018 (Foto: © Robert Fabre, Saint
Etienne du Grès, Frankreich).

FRANKREICH wurden. Die oberen Teile der Anlage


wurden zerstört und von den Holzkon-
struktionen sind keine Spuren erhalten,
EINZIGARTIGE KONSTRUK­ weshalb die Art der Mühlräder und
TION DER WASSERMÜHLEN ihre Funktionsweise lange ein Rätsel
VON BARBEGAL blieben.
Erhalten blieben jedoch Kalkablage-
Die Wassermühlen von Barbegal in Süd- rungen, die sich durch das Wasser förmigen Rinne zeigt, dass sie entgegen
frankreich sind ein einmaliger Kom- auf den Holzbauteilen gebildet hat- der Stromrichtung leicht nach hinten
plex aus dem 2. Jh. n. Chr. Die Konstruk- ten. Sie wurden im archäologischen geneigt war. Dadurch wurde eine maxi-
tion aus 16 Wasserrädern gilt, soweit Museum in Arles eingelagert und erst male Fließrate im ersten, steilen Teil der
bisher bekannt, als der erste Versuch in vor kurzer Zeit im Detail untersucht. Rinne erzeugt und gleichzeitig erhielt
Europa, einen Maschinenkomplex Dabei fanden die Forschenden eine Art der Wasserstrahl auf dem Mühlrad
in industriellem Maßstab zu errichten. Abdruck einer ungewöhnlichen, ellen- den richtigen Winkel und die richtige
Ein Team von Wissenschaftlerinnen bogenförmigen Wasserrinne, die Teil Geschwindigkeit. In der komplizierten
und Wissenschaftlern unter der Leitung der Konstruktion gewesen sein muss. Mühlenanlage mit den kleinen Wasser-
von Prof. Dr. Cees Passchier von der Die Form dieser Wasserrinne war von becken war diese einzigartige Lösung
Johannes Gutenberg-Universität Mainz anderen Wassermühlen nicht bekannt, effizienter als die Benutzung von
(JGU) hat nun neue Erkenntnisse über weder aus römischer noch aus jüngerer traditionellen, geraden Wasserrinnen.
die Konstruktion und das Prinzip Zeit. Auf den ersten Blick erschien Eine weitere Entdeckung war, dass
der Wasserzufuhr der Mühlen von dem Team eine solche Wasserrinne das Holz der Wasserrinne wahrschein-
Barbegal erlangt. Die Forschungsergeb- unnötig und sogar nachteilig, weil da- lich selbst mit einer mechanischen, von
nisse wurden in der Fachzeitschrift durch die Höhe verkürzt wird, aus Wasser angetriebenen Säge gesägt wurde.
Scientific Reports veröffentlicht. der das Wasser auf das Mühlrad fällt. Dies stellt möglicherweise die früheste
Der Mühlenkomplex bestand aus Die Berechnungen zeigen jedoch, Anweisung für eine mechanische Holz-
16 Wasserrädern in einer parallelen dass die seltsam geformte Rinne eine säge dar – wiederum ein Beweis für eine
Anordnung von jeweils acht Rädern, die einzigartige Anpassung für die Mühlen industrielle Tätigkeit in der Antike.
durch zentrale Gebäude getrennt wa- von Barbegal darstellt. Die Verteilung Nach einer Pressemeldung der Johannes Gutenberg-
ren und von einem Aquädukt gespeist der Kalkablagerungen in der ellenbogen- Universität Mainz

GRIECHENLAND Der Badekomplex scheint ursprüng-


lich in der Zeit des Augustus gebaut
worden zu sein und war mit Eingriffen
BADEKULTUR IN TENEA und Renovierungen bis in die späte
römische Zeit in Nutzung.
Im Oktober 2020 wurden die Arbeiten Es wurden auch zwei Inschriften ent-
des Projekts «Archaia Tenea» in deckt, die in die Wände des Baderaums
Chiliomodi, Korinth, unter der Leitung eingelassen waren. Die erste scheint
von Dr. Elena Korka für dieses Jahr Teil einer öffentlichen Inschrift zu
abgeschlossen. Die Ausgrabungen waren sein und wurde zusammen mit einem Luftaufnahme
im Bereich des Badekomplexes fortge- silbernen Obol aus Argos gefunden, der Ausgra-
setzt worden, dessen Freilegung 2019 der auf den Beginn des 5. Jhs. v. Chr. bungsstätte
in Chiliomodi,
begonnen wurde. Im Westen wurde die datiert. Die zweite Inschrift befand Korinth (Foto:
Griechisches
Wasserversorgung für die Bäder ent- sich auf einem Statuensockel aus Kulturmi-
deckt. Im Süden wurde die Ausgrabung dem 4. Jh. v. Chr. Sie trägt den Namen nisterium,
Tenea-Projekt
der «Umkleideräume» mit einer ΠΕΙΣΑΝΔΡΙΔΑΣ (PEISANDRIDAS) und 2020).
Gesamtfläche von 62 m2 abgeschlossen. ist von besonderer Bedeutung, da sie
Das gesamte Areal ist mit Tonplatten ein starker Hinweis auf die Verbindung
auf dem Boden und steinernen Bänken von Tenea mit Tenedos ist, die auch aus in den Bädern zwei kleine Münzhorte
um die Wände ausgestattet. Die Umklei- antiken literarischen Quellen hervor- aus dem 4. und 5. Jh. n. Chr. gefunden.
deräume im Osten stehen in Verbindung geht. Im östlichen Untersuchungsgebiet
mit zwei neuen Räumen, die als Tepida- Die Bäder erstrecken sich auf einer wurden umfangreiche Gebäude-
rium identifiziert werden können. Einer Fläche von 875 m², obwohl das Frigida- fundamente (282 m2) gefunden, die
von ihnen verfügt über ein 20 m2 großes rium noch nicht lokalisiert wurde. mit Bereichen kommerzieller Tätig-
Becken und der zweite hat auf seinem Die Größe des Komplexes ist ein zusätz- keit identifiziert werden.
Boden Strukturen, die ebenfalls auf eine licher Hinweis, der die öffentliche Nut- Nach einer Pressemeldung des Griechischen
Nutzung als Baderaum hindeuten. zung bestätigt. Unter anderem wurden Kulturministeriums

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ANTIKE WELT 1/21
PALAISCH
Eine indogermanische Kleinkorpussprache in Zentralanatolien

n den Ruinen der hethitischen Haupt- vorgänge zur Verehrung der Götter no- [pa­phla­]. Die alte Stadt Palā ist von
I stadt Ḫattuša (modern: Boğazkale,
ca. 150 km östlich von Ankara, Türkei)
tieren (Abb. 1). Dazu wurden Rezita­
tionen URUpalaumnili «auf palaisch»
den Archäologen bislang weder lokali-
siert noch ausgegraben worden.
kamen verschiedene Archive zu Tage, bzw. «in der Art eines Menschen aus Der Erhaltungszustand der meisten
in denen Texte des hethitischen Reiches (der Stadt) Palā» notiert. Dabei wird Urkunden aus den Tontafelarchiven und
aus der Zeit zwischen ca. 1500 und palaisch mit der Stadt bzw. dem Land ­bibliotheken des Vorderen Orients ist
1200 v. Chr. auf Tontafeln archiviert um die Stadt Palā in Verbindung ge- ausgesprochen fragmentarisch. Die we-
wurden. Der Großteil dieser Schrift- bracht, das vereinzelt in hethitischen nigsten Texte, darunter auch die hier
stücke wurde auf Hethitisch geschrie- Quellen genannt wird und dessen Be- präsentierten, können in ihrer Gänze
ben, aber es sind auch Dokumente in zeichnung auf eine Region verweist, vorgestellt werden, und eine große
anderen Sprachen gefunden worden, die nordwestlich von Ḫattuša im Be- Aufgabe altorientalischer Philologen
darunter solche auf palaisch. Bei die- reich des antiken Gebiets von Paphla- besteht weiterhin darin, die zerbro-
sen, im Vergleich zu anderen Spra- gonien gelegen haben dürfte. Der chenen Tafeln so weit wie möglich zu-
chen wie Luwisch, Hurritisch oder Ak- erste Bestandteil dieses überliefer- sammen zu puzzeln (Abb. 2). Dabei ge-
kadisch zahlenmäßig relativ wenigen ten griechischen Namens geht auf die lingt es nur in seltenen Fällen, Tafeln
Texten bzw. Fragmenten handelt es hethitische Bezeichnung der bronze- vollständig zu rekonstruieren. Die uns
sich zumeist um Beschreibungen von zeitlichen Stadt Palā zurück, mit einer überlieferten palaischen Kompositio-
Festritualen, die auf hethitisch Opfer- zusätzlichen Reduplikation versehen nen gehen auf die althethitische Peri-
ode im 16. Jh. v. Chr. zurück, obgleich
es auch mittelhethitische und junghe-
thitische Abschriften bzw. parallele
Versionen gibt. Ein Ritual für den ver-
schwundenen Wettergott enthält pa-
laische mythologische Passagen, in
denen ein Fest für die palaische Göt-
terwelt vorbereitet wird. Diese my-
thologischen Abschnitte, die deutliche
Parallelen mit hethitischen Mythen
aufweisen, sind stark verkürzt darge-
stellt und dürften ohne deren Kennt-
nis kaum verständlich gewesen sein.
Diese Beobachtung ist bislang nicht
ausreichend untersucht und gewür-
digt worden, stellt aber einen wichti-
Abb. 1
Zeremoniel-
gen Beitrag zum Verständnis der alta-
les Trinkgefäß natolischen Geisteswelt dar. Weitere
in Form eines Texte beschreiben ein offizielles Fest
Hirschprotoms
aus der hethi- für den Wettergott Ziparwa und das
tischen Groß- palaische Pantheon. Dabei finden sich
reichszeit mit
Darstellung
die Beschreibungen der Festabläufe
einer Fest- auf einer Tafel in hethitischer Spra-
szene: Wohl che sowie die dazu rezitierten Sprü-
der König führt
eine Trank- che in palaischer Sprache auf einer
spende vor ei- anderen Tafel. Aktuelle Forschungen
nem Gott aus,
der auf einem
an den palaischen Texten erbrach-
Hirsch steht. ten des Weiteren neu zusammen-

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ANTIKE WELT 1/21
SPRACHEN & SCHRIFTEN

gefügte Fragmente eines palaischen


Texts, der eine detaillierte Schilde-
rung der kultischen Handlungen
des Festes (z. B. der Zerlegung eines
Opfertieres) bietet.
Das folgende Beispiel liefert einen
Abschnitt des Festrituals für das palai-
sche Pantheon:

(hethitisch:) [nu namma GAL


DUMUMEŠ.É.GAL 1 NINDA.GUR4.RA
EM-ṢA 1 NINDA.GUR4.RA K]U7 LUGAL­i
pā[i LUGAL­uš] paršiya [n=an=ši]=kan
tamaiš DUMU.É[.GAL arḫ]a dāi n=an=šan
EGIR­pa [Dk]ataḫzipūrin [GIŠGIDRU]ḪI.A
peran katta [ta]gān dāi [šer=m]a NINDA.
GUR4.RA KU7 ḫūinuzi (KUB 41.39 iii 1‘­8‘)

kuitma[n LUGAL­uš] NINDA.GUR4.RAMEŠ
paršiya MUNUSŠU.GI=ma ŠA Dziparwā ŠA
NINDA.GUR4.RAMEŠ uddār URUpalaumnili
memišk[ezzi] (IBoT 2.38 iii 1‘­5‘)
Abb. 2 Tontafel KBo 19.152, auf der hethitische und palaische Textpassagen des Festrituals für das 
(palaisch:) nu=ku Dkataḫzipur[iš] kuliwališ
palaische Pantheon in Keilschrift notiert sind.
kuwaniš k[iya]t wulašinike[š w]āšukineš
šimiyāš kīt[a]r w[āšu wi]štaš šaml[uw]aš
wulašinaš kīt[ar wāšu w]ištaš mali[ta]nnaš
wulašinaš kīt[ar kuiša t]ū wulašinaš [k]ārti
a=ti=apan azzi[kī] (KUB 35.165 Vs. 16–20) erkennbar: Das Wort für «Herz» lau- Vertreter und ist deshalb für die Re-
(hethitisch:) «Der Vorsteher der Palast­ tet auf palaisch kārti-, auf lateinisch konstruktion der urindogermanischen
beamten gibt dem König daraufhin einen cor, cordis, und auf griechisch καρδία, Sprache von Bedeutung. Die geplante
sauren (und) einen süßen Brotlaib. Der Kö- «gehen» ist auf palaisch ī-, auf latei- Neuedition der palaischen Texte aus
nig bricht (sie). Der andere Palastangestellte
nisch ī-re sowie auf griechisch εἶ­μι Ḫattuša wird sowohl in linguistischer
nimmt ihm ihn (i.e. den sauren Brotlaib)
und legt ihn (der Göttin) Kataḫzipuri zurück («ich gehe»). Ferner ist Palaisch Teil als auch kulturhistorischer Hinsicht
auf den Boden vor den Szeptern. Darauf des anatolischen Sprachzweigs der in- wichtige neue Erkenntnisse liefern.
aber lässt er den süßen Brotlaib laufen.» dogermanischen Sprachen, wozu auch

«Während der König die Brotlaibe bricht,
das Hethitische und das Luwische zäh-
spricht die Weise Frau des Ziparwa die len. Ein besonderes phonologisches Adresse der Autoren
Worte der Brotlaibe auf palaisch.» Merkmal der anatolischen Sprachen Dr. Susanne Görke
Dr. David Sasseville
ist die Bewahrung der urindogerma- Universität Marburg
(palaisch:) «Oh Kataḫzipuri, die kuliwali Vergleichende Sprachwissenschaft und Keltologie, FB 10
Herrin! Bitte schön! Es liegt das brotartige, nischen zweiten und dritten Laryngale Wilhelm­Röpke­Str. 6E
D­35032 Marburg
wohltuende šimiyāš: Es liegt schön das als mit ‹ḫ› transliteriertem Konsonan-
dicke Apfelbrot. Es liegt schön das dicke Ho- ten, wie in hethitisch und palaisch Bildnachweis
nigbrot. Welches Brot auch immer dir ge-
ḫāran- «Adler» gegenüber griechisch Abb. 1: akg­images / Werner Forman; 2: 3D­Archiv
fällt, iss es!» des Hethitologie Portals Mainz (Scan von Gerfrid G.W.
ὄρνις «Vogel» und althochdeutsch arn Müller); siehe hethiter.net und cuneiform.de.
«Adler» erkennbar. Bislang kann die
Literatur
Position der palaischen Sprache inner- O. CARRUBA, Das Palaische. Texte, Grammatik, Lexikon.
Studien zu den Boğazköy­Texten 10 (1970).
Hilfreich für das Verständnis des Palai- halb dieses Sprachzweiges nicht präzi-
S. GÖRKE, Ḫatti, Pala und Luwiya: Ausgewählte palaische
schen ist die Tatsache, dass es sich um siert werden, da sie morphologische und luwische Festrituale im Vergleich, in: Studien zu den
eine indogermanische Sprache han- Innovationen sowohl in Übereinstim- Boğazköy­Texten 66 (2020) 291−304.

delt, die also auch mit dem Lateini- mung mit dem Hethitischen als auch S. GÖRKE / D. SASSEVILLE, Die palaischen Texte aus
Ḫattuša (in Vorbereitung).
schen und Griechischen verwandt ist. dem Luwischen aufweist. Auf phono-
D. SASSEVILLE, «To show» in Hittite and Palaic Rituals,
Die gemeinsame Herkunft dieser Spra- logischer Ebene zeigt sich das Pala­ in: Altorientalische Forschungen 46 (2019) 22−32.

chen ist an den folgenden Beispielen ische als der konservativste der drei

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ANTIKE WELT 1/21
MYSTERIUM JERUSALEM – GEHEIMNISSE
DER EWIGEN STADT
Was wissen wir wirklich über das frühe Jerusalem?

Die Geschichte der Stadt Jerusalem beginnt in der Mittleren Bronzezeit um 1800 v. Chr. Die
Heilige Stadt taucht neben nubischen und kanaanäischen Städten in den sog. ägyptischen
Ächtungstexten als Feind Ägyptens auf. Diese aus Nil-Schlamm geformten Figürchen stellten
die Könige der ägyptischen Staatsfeinde als gefesselte Sklaven dar. Auf der Vorderseite
mit dem Namen der Stadt beschriftet, wurden diese Figurinen in Kulthandlungen rituell ver-
flucht und zerschlagen. Aber wie groß und bedeutend war diese Stadt, welche die
Ägypter zu ihren Feinden zählten? Ausgrabungen auf dem Südosthügel Jerusalems geben
eine Vorstellung von ihren Ausmaßen.

von Joe Uziel, Yuval Baruch und el-Amarna aufbewahrt wurden. Von der Erwähnung des Stadtstaates in den Ar-
Nahshon Szanton Zeit der Könige Davids und Salomos chiven von Tell el-Amarna und der wort-
– der frühen Eisenzeit II (10. Jh. v. Chr.) – reichen Darstellung der Hauptstadt des

N eben den ägyptischen Ächtungs-


texten kennen wir aus der Späten
Bronzezeit (14. Jh. v. Chr.) mindestens
gibt es außerdem ausführliche biblische
Berichte über die Stadt. Allerdings blei-
ben im Gegensatz zu diesen literarischen
geeinten Königreichs von Israel und Juda
in den biblischen Berichten lässt sich
in den Ausgrabungen des Südosthü-
sechs Briefe des Jerusalemer Stadtfürs- Überlieferungen die zeitgenössischen ar- gels zwischen Kidron- und Tyropoion-
ten Abdi-Chepa, die im ägyptischen Ar- chäologischen Befunde dieser Epochen tal – der «Davidstadt» – kein adäqua-
chiv der Pharaonenherrscher von Tell in Jerusalem eher bescheiden. Trotz der tes archäologisches Pendant finden.

Abb. 1 Rekonstruktion des östlichen Abhangs der «Davidstadt» mit der Befestigung der Gichon-Quelle.

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ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA

Abb. 2 Blick auf die heutige Situation des Ophel.

Ein Negativbeweis? Textzeugnissen der El-Amarna-Periode unteren Ostabhänge der Davidstadt


Über den biblischen Zeitraum des ge- und den Funden in der «Davidstadt» (Areal E) brachten die bisher vollstän-
einten Königreiches Israel/Juda im wird von I. Finkelstein vielmehr dahin- digsten bronzezeitlichen Befunde ans
10. Jh. v. Chr. wird seit langem ausgie- gehend «gelöst», dass er einen ande- Tageslicht. Trotz sicherer archäologi-
big diskutiert, wobei Archäologen und ren Siedlungsort als die «Davidstadt» scher Funde aus früheren Epochen,
Theologen die Authentizität der alt- für das Jerusalem des 14. Jhs. v. Chr. an- aus der Mittleren Bronzezeit, wurde
testamentlichen Berichte vielfach an- nimmt. Dazu schlug er die Felskuppe von Y. Shilo allerdings nur ein einziger
zweifeln (z. B. I. Finkelstein, I. Koch und unter dem heutigen Haram esch-Scha- unbestreitbarer spätbronzezeitlicher
O. Lipschits). Sie sehen die biblischen rif, dem biblischen Tempelplatz, vor. Kontext entdeckt. Parallel dazu fand
Darstellungen als spätere schriftstel- Diese Lösung kann schon deshalb nicht er – wie seine Vorgänger auch – ver-
lerische Erzeugnisse des 8. bis 6. Jhs. befriedigen, weil dort – im Gegensatz streute spätbronzezeitliche Keramik
v. Chr. an. Auf diese Weise – so die Ar- zur «Davidstadt» – kein Wasser verfüg- in allen jüngeren Ablagerungen.
gumentation der Forscher – würden bar war (vgl. Abb. 3). Oberhalb von Y. Shilohs Grabung er-
die fehlenden archäologischen Be- Lässt der archäologische «Negativ- kundete in den 1960er Jahren Kathleen
funde erklärlich. Im Gegensatz dazu beweis» tatsächlich auf eine Minimie- Kenyon ein gewaltiges Glacis. Unter
wird das spätbronzezeitliche Jerusa- rung des spätbronzezeitlichen wie den getreppten Steinkonstruktionen
lem des 14. Jhs. v. Chr. trotz gleicherma- des früheisenzeitlichen Jerusalems am Ostabhang fand sie Keramik, die
ßen fehlender archäologischer Befund- schließen, wie dies in den letzten Jahr- auf menschliche Aktivitäten an diesem
lage bei den meisten Rekonstruktionen zehnten immer wieder vorgeschlagen Ort gegen Ende der Späten Bronzezeit
der Stadt als Tatsache akzeptiert, da wurde? hindeutet. Dazu gehörte insbesondere
die Schrifttafeln der El-Amarna-Korre- importierte zyprische und mykenische
spondenz aus einem unbestreitbaren Zur Befundlage Keramik. Außerdem wurde weiter west-
zeitgenössischen Hintergrund stam- Die in den 1970er und 1980er Jah- lich, auf dem Gipfel der Stadt Davids,
men. Die Diskrepanz zwischen den ren von Yigael Shiloh ausgegrabenen in einer Füllschicht ein Skarabäus von

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ANTIKE WELT 1/21
MYSTERIUM JERUSALEM – GEHEIMNISSE DER EWIGEN STADT – Was wissen wir wirklich über das frühe Jerusalem?

Amenophis III. (1391–1353 v. Chr.) Denn interessanterweise stammt das nachdrücklich. Ein die Quelle schüt-
entdeckt – einem Pharao der Zeit des Material der Tontafeln nicht aus der zender Turm, die Mauern und ein
El-Amarna-Archivs. Trotz seines un- gleichen Tonquelle wie die Briefe des von der Stadt herkommender Zu-
klaren Fundkontextes und in Anbe- Stadtfürsten Abdi-Chepa. Eines der Tä- gang, sind aus gewaltigem «zyklopi-
tracht der Möglichkeit, dass dieses Ob- felchen («Jerusalem 1»), vermutlich schen» Mauerwerk errichtet worden
jekt auch noch deutlich später, nach die Kopie eines nach Ägypten ver- (vgl. Abb. 6). Diese Bautechnik wurde
dessen Tod, in Gebrauch gewesen sandten Briefes, wurde aus lokalem ganz ähnlich auch in Sichem und Je-
sein könnte, sollte der Skarabäus als Terra-Rossa-Ton hergestellt, während richo aufgefunden und deutet auf die
Zeugnis spätbronzezeitlichen Lebens das andere («Jerusalem 2») aus Nil- Mittlere Bronzezeit hin. Auch die stra-
in Jerusalem interpretiert werden. Im schlamm gefertigt wurde. Jerusalem tigrafische Lage bestätigt dies. Damit
«Ophel» genannten Bereich – der Sporn scheint im internationalen Austausch wird deutlich, dass die «Davidstadt»
oberhalb der «Davidstadt» –wurden mit Ägypten und anderen Städten der zumindest in der Mittleren Bronzezeit
kürzlich noch weitere Skarabäen der Spätbronzezeit gestanden zu haben. befestigt war.
18. Dynastie Ägyptens (1539–1295 Von entscheidender Bedeutung für Fraglich ist nun, ob diese gewal-
v. Chr.) und insbesondere zwei Keil- unsere Vorstellungen vom spätbronze- tige Wasseranlage auch während der
schrifttafeln dieser Epoche aufgefun- zeitlichen Jerusalem sind die Funde Späten Bronzezeit (der El-Amarna-
den. Sie belegen, dass damals gut ringsum die Gihon-Quelle. Ihre lebens- Zeit) weiterbenutzt wurde. Darauf
ausgebildete Schreiber in Jerusalem wichtige Bedeutung für die in Jerusa- deuten allerdings nur Streuscherben
lebten, die fähig waren, am interna- lem zu dieser Zeit lebenden Menschen hin. Es handelt sich vor allem um im-
tionalen Austausch per Keilschrift teil- ist unbestritten. Die massive Sicherung portierte zyprische Keramik der Gat-
zunehmen. des Quellbereiches verdeutlicht dies tungen «White Painted II» und «Base
Ring II» vom Ende der Späten Bron-
zezeit (Abb. 4). Auch ein Skarabäus
in einer eisenzeitlichen Schicht (Stra-
tum VII) – aus der 18. ägyptischen Dy-
nastie – deutet darauf hin (Abb. 5).

Allein archäologische Befunde?


Die Diskrepanz zwischen den bibli-
schen Texten und den weitgehend
fehlenden Funden des 10. Jhs. v. Chr.
wurde in der jüngeren Vergangen-
heit häufig dadurch gelöst, dass man
nur den archäologischen Zeugnissen
eine historische Relevanz zurechnete.
Margreet L. Steiner, die Kathleen Ken-
yons Grabungen aufarbeitete, wei-
tete diesen Gedanken auch auf die
Interpretation der El-Amarna-Briefe
aus: «Als ich feststellte, dass Urusa-
lim in den El-Amarna-Briefen mit Je-
rusalem identifiziert werden muss,
begann ich die Urusalim-Briefe sorg-
fältig zu lesen und entdeckte eine wei-
tere Möglichkeit, die den Mangel an
archäologischen Zeugnissen aus dem
vierzehnten Jahrhundert erklären
Abb. 3 könnte. In keinem dieser Briefe gibt
Das Gebiet der es einen Hinweis auf die Stadt selbst,
«Davidstadt» und
die dortigen noch auf ihre Mauern oder ihre star-
Ausgrabungsareale. ken Tore. Vielleicht war Urusalim aus

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ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA

der El-Amarna-Zeit gar keine große


Stadt. Vielleicht sollten wir die ‹Län-
dereien von Urusalim› als eine kö-
nigliche Domäne des Pharaos inter-
pretieren, mit Abdi-Cheba als seinem
Verwalter, der in einem befestigten
Haus irgendwo in der Nähe der Quelle,
auf dem Gipfel des Hügels oder auf
dem Ölberg lebte. Dies steht (soweit
ich das beurteilen kann) nicht im Wi-
derspruch zum Inhalt der Briefe Abdi-
Chebas.»
Tatsächlich sind im Gegensatz zu
dem florierenden ländlichen Hinterland
um Jerusalem in der Mittleren Bronze-
zeit und in der späteren Eisenzeit II bis
heute praktisch keine spätbronzezeit-
lichen, geschweige El-Amarna-zeitli-
chen Siedlungen bekannt. Die einzige
Ausnahme außerhalb des Ophels sind
verstreute Bestattungen in den umlie-
genden Regionen und spärliche Über-
reste im nahegelegenen Dorf Manahat
(heute Malha). Ohne die Erwähnung
Jerusalems im Tell el-Amarna-Archiv
würde man daher zweifellos heute
schließen, dass Jerusalem während
der Späten Bronzezeit bestenfalls eine
kleine dörfliche Ansiedlung war.

Der Kern des Problems


Dieses Urteil führt nun aber direkt zum
Kern des Problems. Vor allem dann,
wenn man sich, wie von M. L. Steiner
befürwortet, nur auf archäologische
Beweise stützen möchte. Die textliche
Erwähnung im Tell el-Amarna-Archiv
Abb. 4 Die spätbronzezeitliche Keramik aus Areal C.
ist ein Präzedenzfall und fordert die
gegenteilige Schlussfolgerung heraus,
dass selbst minimale Beweise – wie
Streukeramik, Mauern und insbeson-
dere die vorliegenden Schriftfunde – als die Situation allerdings noch kompli- weder in der Eisenzeit errichtet oder
Beleg dafür gelten können, dass die ar- zierter. Gegenwärtig liegen eindeu- zumindest zu dieser Zeit zu einem er-
chäologischen Reste (so gering sie auch tige Hinweise dafür vor, dass einige heblichen Teil repariert wurde. Wenn
sein mögen), als Beweis für die Existenz der ursprünglich der Mittleren Bron- sich letzteres bewahrheiten würde,
einer städtischen Siedlung interpre- zezeit zugeschriebenen Befestigungs- könnte man selbstverständlich an-
tiert werden sollten. Dies gilt für die El- bereiche während der gesamten Ei- nehmen, dass die Wasseranlage durch
Amarna-Zeit ebenso wie für die frühe senzeit in Gebrauch waren (Abb. 6). die späte Bronze- bis in die Eisenzeit
biblische Periode des 10. Jhs. v. Chr. Die unter dem Quellturm gefunde- durchgängig in Gebrauch war. Wenn
Die jüngsten, noch diskutierten Da- nen Radiokarbondaten deuten darauf hingegen der mittelbronzezeitliche
tierungen des Quellturms machen hin, dass die Befestigungsanlage ent- Ursprung belegt werden könnte, ist

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ANTIKE WELT 1/21
MYSTERIUM JERUSALEM – GEHEIMNISSE DER EWIGEN STADT – Was wissen wir wirklich über das frühe Jerusalem?

diese Schlussfolgerung umso stichhal-


tiger, denn während der Eisenzeit IIA
wurde die Quelle in jedem Fall noch
immer benutzt.

Lichtstreifen am Horizont
Von ganz besonderer Bedeutung für
die hier vertretende Argumentation
sind die akkadischen Dokumente, die
auf die Anwesenheit von Schreibern
während der späten Bronzezeit in Jeru-
salem hinweisen. Zusammen mit den
El-Amarna-Briefen, in denen Jerusalem
und sein Herrscher als eine der zeitge-
nössischen gesellschaftlichen Größen
beschrieben werden, die an den in den
Texten dargestellten regionalen Macht-
spielen beteiligt waren, lässt dies dar-
Abb. 5 auf schließen, dass man die verstreu-
Ein Skarabäus
der XVIII. Dynas- ten Funde – keramische, glyptische
tie aus Areal C. oder epigraphische – nicht als unbe-
deutend ansehen darf, sondern als Be-

Abb. 6 Der Turm nahe der Gichon-Quelle.

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TITELTHEMA

weis für die Präsenz menschlicher Ak- Stadt oder Dorf?


tivitäten an diesem Ort. M. L. Steiner wie auch I. Finkelstein, Adresse der Autoren
Dr. Joe Uziel, Dr. Yuval Baruch und Nahshon Szanton
Wie sollte das Jerusalem der Späten I. Koch und O. Lipschits nutzen den Israel Antiquities Authority
Wallach St. 6
Bronzezeit in diesem Licht betrachtet Mangel an archäologischen Überres- P.O.B. 586
werden, und wie groß war die Ausdeh- ten, um die Präsenz einer bedeuten- IL-Jerusalem 91004

nung seiner Siedlung und seines Terri- den Stadt zu bestreiten. Die Fallstricke Bildnachweis
toriums? bei der Verwendung negativer Be- Abb. 1. 3–6: Autoren; 2: Foto Dennis Jarvis, CC BY-SA 2.0.
Wenn man das Vorhandensein von weise sind jedoch ziemlich deutlich.
Literatur
Verwaltung und interregionalen Ver- Angesichts der sowohl in der «David- J. UZIEL / Y. BARUCH / N. SZANTON, Jerusalem in the
Late Bronze Age – The Glass half full, in: A. Maeir /
bindungen in Betracht zieht, scheint stadt» als auch der im Ophel aufgefun- I. Shai (Hrsg.), The Late Bronze and Early Iron Ages of
es, dass Jerusalem anderen südlevan- denen Artefakte gibt es keinen Grund, southern Canaan (2019) 171–184.

tinischen Städten in Stärke und Ent- gegen die Existenz einer spätbronze- M. L. STEINER, Excavations by Kathleen M. Kenyon
in Jerusalem 1961–1967, Volume III: The Settlement in
wicklung nicht unterlegen war. Ob- zeitlichen Siedlung in diesem Gebiet the Bronze and Iron Ages (2002).

wohl Jerusalem im Landesinneren zu argumentieren. I. FINKELSTEIN / I. KOCH / O. LIPSCHITS, The Mound


of the Mount: A possible Solution to the Problem with
lag, war es am internationalen Han- Schwieriger zu beschreiben ist Jerusalem, Journal of Hebrew Scriptures 11, Article 12.

del beteiligt, wie die Anwesenheit zy- die regionale Rolle Jerusalems, da im D. VIEWEGER, Neue Funde – alter Streit. Kontroverse
«Logisch erschließende» gegen «kontrolliert kritische»
prischer und mykenischer Import- Gegensatz zur Mittleren Bronzezeit Forschung, in: Welt und Umwelt der Bibel 1 (2015) 22–29.

keramik bestätigt. oder zur Eisenzeit IIA ein großer Teil K. BIEBERSTEIN, A Brief History of Jerusalem. From the
Earliest Settlement to the Destruction of the City in AD 70,
Jerusalem wurde in gleicher Weise der unmittelbaren Umgebung unbe- ADPV 47 (2017).

von Ägypten beeinflusst. Die Skara- siedelt war. Dieser Mangel an abhän- A. DE GROOT / H. BERNICK-GREENBERG (Hrsg.), Exca-
vations at the City of David 1978–1985 Directed by
bäen der gesamten Späten Bronze- gigen (dörflichen) Nachbarsiedlun- Yigal Shiloh VIIA. Area E. Stratigraphy and Architecture,
Jerusalem (2012).
zeit belegen, dass die ägyptische Kul- gen könnte jedoch einer der Gründe
tur auf die eine oder andere Weise für Jerusalems Konflikte mit Städ-
mit Jerusalem verbunden war. Was ten wie Gat und Gezer gewesen sein.
die Größe der Stadt betrifft, so ist Diese werden in den El-Amarna-Brie- Anzeige
diese angesichts des Mangels an Ar- fen ausgebreitet und könnten darauf
chitekturfunden nur grob an der hindeuten, dass Jerusalem – wenn Ausgewählte Studienreisen
Streuung der Keramik abzuschätzen. auch eine kleine Ansiedlung – zumin- von und mit Dr. Christoph Höllger
In diesem Fall würde sich die Sied- dest versucht hat, sein Territorium
lung von den Gebieten D/E im Süden auf Kosten seiner Nachbarn auszu-
Reisen Frühjahr 2021
bis zum Ophel im Norden erstrecken dehnen, um die politische Kontrolle
(vgl. Abb. 3). über kleinere Orte zu erlangen und
Es ist sehr wahrscheinlich, dass der auf diese Weise sowohl finanzielles
Tempelberg außerhalb des Siedlungs- wie auch politisches Kapital heraus-
kerns lag. Das bestätigen auch die Un- zuschlagen. Da die ägyptische Ober-
tersuchungen auf diesem selbst und herrschaft in der Südlichen Levante © Mariia Golovianko, shutterstock.com

dort durchgeführte Suchschnitte. Im von den lokalen Statthaltern sicher- Sizilien – Insel im Meer des Lichts
Osten hätte sich die Siedlung bis in die lich forderte, Steuern in Form von 06.03. – 17.03.2021 webcode 28255
Nähe der Quelle erstreckt, in nördli- Agrarprodukten wie Wein oder Oli- Stolzes Kastilien
29.04. – 07.05.2021 webcode 6488
cher Richtung wahrscheinlich bis zum venöl zu zahlen, hätte Jerusalem aus
Kunst und Kultur am Gardasee
Gipfel der Stadt Davids. Alles in allem diesen Landgewinnen große Vorteile 10.05. – 17.05.2021 webcode 6249
könnte diese Siedlung bis zu 5 ha groß gezogen. Mitten im Herz des Balkans
gewesen sein. Letztlich ergibt sich aus der umfas- 23.05. – 31.05.2021 webcode 36889
Rechnet man 25 Personen pro Du- senden Betrachtung aller Funde – der Die großen Kathedralen Englands
06.06. – 14.06.2021 webcode 12931
nam (1000 m2), so scheinen ungefähr schriftlichen und der archäologischen –
1250 Personen in Jerusalem gelebt kein Beweis, aber eine zuverlässigere
zu haben. Dies wäre eine geringere und optimistischere Sicht auf das Jeru-
Besiedelung als in der Eisenzeit IIA, salem der El-Amarna-Zeit (Späte Bron-
würde aber mit der Demografie vieler zezeit) wie auch der frühen biblischen Karawane Reisen GmbH & Co. KG · Schorndorfer Str. 149
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spätbronzezeitlicher Siedlungen in der Epoche (Eisenzeit IIA). Die Forschung studienreisen@karawane.de · www.karawane.de
Region übereinstimmen. geht weiter.

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ANTIKE WELT 1/21
UNTER DER ERLÖSERKIRCHE IM HERZEN
DER ALTSTADT
Auf der Suche nach Golgota und der Nordmauer Jerusalems

Ein herrlicher Oktobertag im Jahr 1898. Gespannte Ruhe lag über Jerusalem. Wieder
einmal schrieb die Stadt Geschichte. Denn mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II.
zog eines der erlauchtesten Häupter des Abendlandes in Jerusalem ein. Die osmanischen
Herren ordneten Beflaggung an und der Kaiser ritt unter dem freudigen «Hurra»
vieler Begeisterter dicht neben dem Jaffator in die Stadt.

von Dieter Vieweger und Katja Soennecken Stadt direkt unter seinem Gotteshaus präsident Dr. Alexander von Schneider
lag. Eine neue Wissenschaft – die bib­ an den Kaiser heran und trug den Ge­

A n diesem Tag – es war das Refor­


mationsfest – weihte Wilhelm II.
die neu erbaute evangelische Erlöser­
lische Archäologie – und ein deutscher
Gelehrter – der Ehrendoktor und könig­
liche Baurat Conrad Schick – hatten dies
danken vor, in Jerusalem ein der Erfor­
schung der Altertumswissenschaft ge­
widmetes Institut zu begründen. Und
kirche in Jerusalem ein. Er tat dies in herausgefunden (Abb. 1). tatsächlich, im Juni 1900 wurde die
der frommen Gewissheit, dass die von Mitten im Festrummel trat der da­ Stiftung «Deutsches Evangelisches In­
Herodes d. Gr. erbaute Nordmauer der malige bayerische Oberkonsistorial­ stitut für Altertumswissenschaft des
Heiligen Landes» (DEI) ins Leben ge­
rufen. Ihre Stiftungsurkunde verpflich­
tete das Institut: «… auf dem Gebiet der
Abb. 1 Kaiser Wilhelm II. wird vor der Erlöserkirche empfangen. biblischen und kirchlichen Altertums­
wissenschaft die Beziehungen zwischen
den Stätten der heiligen Geschichte ei­
nerseits und der gelehrten Forschung
und dem Interesse der christlichen
Frömmigkeit in der evangelischen Kir­
che andererseits zu pflegen, zu bele­
ben und zu regeln.»
Anders als von Kaiser Wilhelm II.
geglaubt, befand sich jedoch unter der
Erlöserkirche keine Stadtmauer aus
der Zeit Herodes’ d. Gr. Die späteren
Ausgrabungen der berühmten und für
ihre archäologische Arbeit geadelten
Kathleen Kenyon und des DEI selbst
haben dies erwiesen.
2012 wurde ein archäologischer Park
unter der Erlöserkirche eingeweiht. Die
Besucher laufen dort über Treppen und
Brücken durch die Geschichte der Stadt
seit der Herrschaft Herodes’ d. Gr. (37–4
v. Chr.; Abb. 2) und erhalten einen ein­
maligen Einblick in die Lage von Golgota.

14
ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA

Der Steinbruch
14 m unter dem heutigen Betonfuß­
boden der Kirche – am tiefsten Punkt
der Grabung – stießen die Archäologen
des DEI auf den bearbeiteten Grundfel­
sen. Dieser gehört zu einem gewaltigen
Steinbruch, der für den Bau der alttes­
tamentlichen Stadt Jerusalem genutzt
wurde (vgl. Abb. 2. 4 a). Auch Hero­
des d. Gr. ließ dort Steine brechen, als
er die Stadt vergrößerte. Damals lag
der Steinbruch im Nordwesten vor der
Stadt, unmittelbar vor der Stadtmauer.
Durch den Abbau des Gesteins ent­
stand ein zusätzlicher Trockengraben
zum Schutz der neu errichteten Stadt­
mauer.
Abb. 2
Die von Herodes d. Gr. erbaute Neu­ Der archäologische Park
stadt umschloss ein Gebiet nördlich unter der Erlöserkirche.
der heutigen Davidstraße. Sie reichte
bis zur Nordmauer des Tempelplatzes.
Der Steinbruch enthielt offenbar auch
weiches, für Architektur unbrauchba­ durch entstand der sog. Hügel Golgota Schwemmschichten
res Gestein. Das baute man nicht ab, (Abb. 3). An den Rändern des Steinbru­ Als der Steinbruch nach der Regie­
sondern ließ es einfach stehen: Da­ ches legte man später Felsengräber an. rungszeit Herodes’ d. Gr. nicht mehr

Abb. 3 Der Steinbruch vor der Stadtmauer in herodianischer Zeit.

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ANTIKE WELT 1/21
Unter der erlöSerKircHe im Herzen der AltStAdt – Auf der Suche nach Golgota und der nordmauer Jerusalems

Flavius nannte es auch das Gennath­


Tor, auf Deutsch: das Tor zu den Gärten
oder schlicht das «Gartentor».
Das heutige Gelände der Grabes­
und der Erlöserkirche lag zu Jesu
Lebzeiten noch außerhalb der Stadt.
Der Leidensweg von Jesus – die «Via
Dolorosa» – führte folglich auch nicht
über die heute gezeigte Strecke.
Jesus wurde höchstwahrscheinlich
im ehemaligen Herodes­Palast – in
dem auch Pontius Pilatus an hohen
jüdischen Feiertagen residierte – ver­
urteilt. Danach wurde er durch das
Gartentor bis zum Golgotahügel ge­
Abb. 4 a–d führt.
Der Tiefschnitt
des DEI unter Jerusalem erhielt 41 bis 44 n. Chr.
der Erlöserkirche. noch eine weitere, eine dritte Nord­
mauer, etwa dort, wo auch heute die
nördliche Stadtmauer steht. Diese Stadt
war es, die der Römer Titus – nach anti­
benötigt wurde, schwemmte mit der ren landwirtschaftlicher Nutzung. Sie römischen Aufständen – im Jahr 70
Zeit Erde die Gräben und Löcher zu, es stießen auch auf eine Gartenmauer n. Chr. belagerte, schließlich eroberte
entstanden Gärten (Abb. 4 b; vgl. Abb. 2). (Abb. 4 c; vgl. Abb. 2). Ganz in der Nähe und später weitgehend zerstörte. Da­
Unter der Erlöserkirche entdeckten die lag das Nordtor von Jerusalem. Der jü­ nach lag Jerusalem 60 Jahre lang in
Archäologen drei Erdschichten mit Spu­ dische Geschichtsschreiber Josephus Schutt und Asche.

Abb. 5 Rekonstruktion des hadrianischen Tempels.

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ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA

Abb. 6
Rekonstruk­
tion der
Grabeskir­
che Konstan­
tins d. Gr.

Hadrian halle und daran anschließend einen im christlichen Viertel überzeugend


Kaiser Hadrian (117–138 n. Chr.) ließ Innenhof. Von dort gelangte man zur rekonstruieren, doch eine Frage blieb
um 135 n. Chr. das ehemalige Stein­ Anastasis, wo über dem als Grab Jesu offen: Wo exakt lag die Nordmauer
bruchgelände großflächig aufschütten gedeuteten Ort ein eigener Kuppelbau Jerusalems zur Zeit des Königs Hero­
(Abb. 4 d; vgl. Abb. 2). Hier – inmitten errichtet wurde (Abb. 6). des? Unter der Erlöserkirche wurde
seiner neuen Stadt Aelia Capitolina –
entstanden kleinere Gebäude. Sie la­ Kreuzfahrer
gen in unmittelbarer Nähe eines neuen, Die Grabeskirche wurde im Jahr 1009
imposanten Heiligtums, das möglicher­ auf Befehl des Fatimiden­Kalifen Al­ Abb. 7 Geophysik in Jerusalems Altstadt.
weise der Aphrodite geweiht war und Hakim zerstört. Auch das damals noch
den Hügel Golgota überbaute (Abb. 5). intakte Felsengrab ließ er abbrechen.
Auf der anderen Seite der Stadt – auf Das provozierte den ersten Kreuzzug.
dem ehemaligen Tempelberg – wurde Die siegreichen Kreuzfahrer bauten
nun der römische Gott Zeus verehrt. die Grabeskirche in neuer Form wie­
der auf.
Konstantin der Große Südlich der Grabeskirche errichte­
Kaiser Konstantin (306–337 n. Chr.) ten sie die Kirche St. Maria Latina.
beschloss nach dem ersten ökumeni­ Teile ihres Mosaikfußbodens sind un­
schen Konzil 325 n. Chr. in Nicäa, in ter der Erlöserkirche noch erhalten.
Jerusalem eine gewaltige Kirche – die Die heutige Kirche steht auf Teilen des
Grabeskirche – errichten zu lassen. mittelalterlichen Grundrisses – aller­
Und zwar genau dort, wo er Golgota dings um 2,10 m erhöht.
vermutete, an der Stelle des Aphro­ Auf dem Muristangelände – zwi­
ditetempels. Unter der Erlöserkirche schen Davidstraße und Grabeskirche –
fanden sich noch Pflasterreste und entstanden in der Kreufahrerzeit noch
eine Rückhaltemauer des Forums, das zwei weitere Kirchen. Eine davon ist
damals südlich der Grabeskirche er­ die Johanniskirche, wo der Johanniter­
richtet wurde. Die Grabeskirche besaß orden gegründet wurde.
einen Vorhof am Cardo, der Hauptver­ Durch die Forschungen des DEI ließ
kehrsstraße, eine fünfschiffige Kirch­ sich die Stadtgeschichte Jerusalems

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ANTIKE WELT 1/21
Unter der erlöSerKircHe im Herzen der AltStAdt – Auf der Suche nach Golgota und der nordmauer Jerusalems

serkirche betrugen die Deckschichten Anhaltspunkte für das Vorhandensein


allein 14 m. Dies und die urbanen Ein­ eines Mauerstumpfes (Abb. 8).
schränkungen, wie die engen Gassen Basierend auf diesen Messungen
und der öffentliche Funkverkehr, mach­ mit dem neuen Radar, archäologischen
ten es erforderlich, ein neues Konzept Belegen, topografischen Gegebenhei­
für eine Georadaruntersuchung zu ent­ ten der Jerusalemer Altstadt sowie
wickeln. der Strukturierung eines ehemaligen
Beim Bau des von Dr. Sachs und sei­ römischen Steinbruchs aus herodia­
nen Mitarbeitern entworfenen Radar­ nischer Zeit im archäologischen Park
gerätes wurde mit traditionellen Me­ unterhalb der Erlöserkirche von Je­
thoden des Antennenentwurfs gebro­ rusalem konnte schließlich der hypo­
chen. Im Ergebnis stand schließlich thetische Verlauf der zweiten Mauer
ein Sondierungssignal mit einem ope­ rekonstruiert werden, der vom «Gar­
rativen Frequenzband von 5–250 MHz tentor» nordwärts unter dem Bereich
zur Verfügung, das von einem Strah­ des späteren Cardo verlief und sich
lungselement von nur 10 cm Länge danach zur Norwestecke des Tem­
erzeugt wurde. Durch geometrische pelareals entsprechend der vorge­
Skalierungen ließen sich die Betriebs­ gebenen Höhenlinien Jerusalems er­
Abb. 8 Hinweis auf die herodianische Mauer­ frequenzen in den GHz­Bereich ver­ streckte.
führung, die sog. «Zweite Mauer». lagern, so dass sich damit auch zahl­
reiche weitere Probleme des Mikro­
wellen­Imaging im Bereich des zer­
störungsfreien Testens lösen ließen.
sie nicht gefunden. Das ist auch ver­ In vier Messkampagnen zwischen
ständlich, denn der unmittelbar be­ 2015 und 2019 wurde vom Tiefschnitt Adresse der Autoren
nachbarte Golgotafels lag nach allen unter der Erlöserkirche aus und ebenso Prof. dr. dr. dr. h.c. dieter Vieweger und
Dr. Katja Soennecken
Überlieferungen außerhalb der hero­ in den Gassen der Stadt gemessen. deutsches evangelisches institut für Altertums­
wissenschaft des Heiligen landes, dei
dianischen Stadt. Leider waren die Messungen von der Auguste Victoria compound, PF. 184 63
il­911 8301 Jerusalem
Diese von Josephus Flavius «Zweite Kirche aus unergiebig, da sich die ge­
Mauer» genannte Nordmauer der Stadt, suchte Stadtmauer offensichtlich in zu
Bildnachweis
ist bisher durch Ausgrabungen nicht großem Abstand zum Tiefschnitt be­ Abb. 1: Glasdia der Sammlung Gustaf dalman © dei
nachzuweisen. Die dichte Bebauung findet. Jerusalem; 2: © FH Potsdam, Alexander Schubert,
martin Wierschke, Gregor Steblau und Jürgen zesche/
des arabischen sowie des christlichen Für die Fahrten durch die Altstadt dei; 3. 5. 6: rekonstruktionen © Archimetrix, Holger
Siegel, cornelia Panneck/dei Jerusalem; 7: © dr. Sachs
Viertels und die geltenden UN­Restrik­ wurde ein hölzernes Vehikel für die (tU ilmenau)/dei Jerusalem; 4. 8: © dei Jerusalem.
tionen verbieten solche Überlegungen. Messungen gebaut (Abb. 7). Die geo­
Dank der überragenden Hilfe durch die physikalischen Erkundungen in den Literatur
d. VieWeGer / G. Förder-HOFF, Der archäologische
TU Ilmenau, vertreten durch Dr. Sachs Gassen von Jerusalem konnten aller­ Park unter der erlöserkirche von Jerusalem, «durch die
und sein Team, konnten die archäo­ dings erst nach Mitternacht durchge­ zeiten» (2012).

logischen Fragen dennoch einer Ant­ führt werden, um dem starken Publi­ d. VieWeGer, Geophysikalische Erkundung der Lage
und des Verlaufs der herodianischen Stadtmauer
wort näher gebracht werden. kumsverkehr zu entgehen. Straßenpat­ unter dem heutigen christlichen Viertel der Jerusalemer
Altstadt, in: eJahresbericht des dAi (2017) 78–85.
rouillen von Polizei und Armee verfolg­
mit Geophysik auf der Suche ten die Messungen meist interessiert. derS., die «zweite mauer». eine Suche in Jerusalem,
Archäologie Weltweit 2 (2017) 57–60.
nach der herodianischen Mauer Dank der von israelischen Behörden
d. VieWeGer / SH. GiBSOn (Hrsg.), the Archaeology
Mit zerstörungsfreien geophysikalischen ausgestellten Messerlaubnis gab es and History of the church of the redeemer and
Methoden, mit Georadar, suchten die keine nennenswerten Probleme. the muristan in Jerusalem. A collection of essays from
a Workshop on the church of the redeemer and
Techniker der TU Ilmenau nach Indi­ Die Straßen wurden sechsfach abge­ its Vicinity held on 8th/9th September 2014 in Jerusa­
lem (2016).
zien für einen möglichen Mauerver­ scannt und zwar in jeweils entgegenge­
d. VieWeGer / J. Serr / m. Serr, «Archäologie ist ein
lauf unter der heutigen Altstadt. Dabei setzter Richtung und mit unterschied­ extrem politisches Geschäft». die Palästina­reise
musste von mächtigen Überbauungen lichen Antennenabständen (1 m, 2,80 m Kaiser Wilhelms ii., in: Sabine mangold­Will / thorsten
Beigel (ed.), Wilhelm ii. und die Archäologie (2017)
der restlichen Mauerstümpfe ausge­ und 3,40 m). Traten gleiche Daten­ 39–52.

gangen werden. Im Bereich der Erlö­ muster auf, so ergaben sich mögliche

18
ANTIKE WELT 1/21
«SCHÖN RAGT EMPOR DER BERG ZION,
DES SICH DAS GANZE LAND TRÖSTET»
Der Zionsberg in Jerusalem

Der Südwesthügel Jerusalems ist auch heute noch wie im Zitat aus den Psalmen in der
Überschrift (Psalm 48,3) ein Anziehungspunkt für Pilger der drei monotheistischen Welt­
religionen aus aller Herren Länder. Doch woher kommt diese Faszination?

von Jennifer Zimni pitel 11,5 vor. Hier wird beschrieben, Erst viel später bezeichnete man
dass die Jebusiterfestung, die «Burg den Südwesthügel Jerusalems als Zion.

I m Südwesten der Heiligen Stadt er­


hebt sich einer der geschichtsträch­
tigsten Hügel Jerusalems – der Zions­
Zion», von König David erobert wurde.
Man meinte damit den Südosthügel
Jerusalems, die heutige Davidstadt/
Dabei handelte es sich aber um einen
Irrtum, dem auch der berühmte jüdi­
sche Schriftstellers Flavius Josephus
berg (Abb. 1). Der Ort ist reich an Silwan, wo Jerusalem im 18. Jh. v. Chr. zum Opfer fiel. Er hielt den höchsten
religiösen Traditionen, die Juden, Chris­ gegründet worden war. Nach dem Bau der drei Berge Jerusalems für die ehe­
ten und Muslimen gleichermaßen hei­ des Ersten Tempels durch Salomo malige Festung Davids (Josephus, Bell
lig sind. Der Name «Zion» kommt zum (ca. 950 v. Chr.) ging der Begriff Zion Iud. V4, 137).
ersten Mal in der biblischen Überlie­ auf den nördlich der Wohnstadt gele­ Flankiert von zwei Tälern, liegt der
ferung, im Ersten Chronikbuch in Ka­ genen Tempelberg über. Hügel südwestlich der Stadtmauern

Abb. 1 Der Zionsberg aus der Luft.

19
ANTIKE WELT 1/21
«SCHÖN RAGT EMPOR DER BERG ZION, DES SICH DAS GANZE LAND TRÖSTET» ––Der
DerZionsberg
ZionsbergininJerusalem
Jerusalem

Abb. 2
Areal I (Stand 2019).

der heutigen Altstadt Jerusalems. Die vids inzwischen fast zwei Jahrtausende Der Zionsberg liegt erst seit der
markante Kuppel der Dormitio­Abtei am falschen Ort verehrt worden waren. mamelukischen Zeit außerhalb der
(erbaut zu Beginn des 20. Jhs.) ist aus Stadtmauern. Bisher ging man üblicher­
der Skyline Jerusalems nicht mehr weg­ Die Eisenzeit auf dem Prüfstand weise davon aus, dass der gesamte
zudenken. Am östlichen Abhang be­ Die Ausgrabungen des Deutschen Evan­ Zionsberg bereits seit der Eisenzeit
findet sich heute die Kirche St. Peter gelischen Instituts für Altertumswis­ (dem 8. Jh. v. Chr.) zu dem von König
in Gallicantu, die an den Ort der Ver­ senschaft des Heiligen Landes (DEI) Hiskia ummauerten Stadtgebiet ge­
leugnung Jesu durch Petrus erinnern in Jerusalem geben Einblicke in die hörte. Damals gewährte der judäi­
soll. über Jahrtausende alte Geschichte sche König vielen Menschen aus dem
Die archäologischen Ausgrabungen des antiken und des modernen Zions­ Nordreich Israel Zuflucht, wodurch
zu Beginn des 19. Jhs., die die Davids­ berges. Seit 2015 gräbt das DEI unter die Stadt wuchs. Eindeutige archäo­
stadt, wie wir sie heute kennen, korrekt der Leitung von Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. logische Zeugnisse seiner Stadtmauer
identifizierten, konnten den «Zion» Dieter Vieweger auf dem südlichen kamen bisher nur in der Davidstadt
nicht wieder an seinen angestammten Abhang des Zionsberges und konnte und im jüdischen Viertel ans Licht. Ihr
historischen Ort zurückbringen, da die in drei verschiedenen Arealen dessen südlicher Verlauf blieb bisher unbe­
religiösen Traditionen wie das Grab Da­ antike Besiedlung erforschen. kannt.

20
ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA

In den 1980er Jahren glaubte der Tal leitete. Zu sehen sind Straße und Ka­ den Hausbau wiederverwendet. Da
Benediktinermönch Bargil Pixner, ein nal bis heute im Archäologischen Park die Inschrift nur noch zur Hälfte er­
Teilstück dieser Mauer auf dem Zions­ des DEI (Areal I) auf dem Zionsberg halten ist, lässt sich leider nicht mehr
berg entdeckt zu haben. Die Ausgra­ (Abb. 2). Der typisch römische Straßen­ mit Gewissheit sagen, welcher Sena­
bungen des DEI im Sommer 2020 bau ist erkennbar: Die Straße war an ih­ tor hier geehrt werden sollte.
widmeten sich der genauen Erfor­ ren Seiten von rechteckigen Häusern
schung des von Pixner benannten gesäumt, die entweder Geschäfte oder Der Ruhm von Byzanz…
Mauerstücks. Das Ergebnis war über­ Privathäuser sein können. In der byzantinischen Epoche lockte
raschend: Es gibt keine eindeutig Wohin genau die Straße führt, der Zionsberg viele christliche Pil­
identifizierbare Mauer der Eisenzeit bleibt aufgrund fehlender archäologi­ ger ins Heilige Land (Abb. 4). Auf dem
aus den Tagen des Königs Hiskia auf scher Erkenntnisse unklar. Sehr wahr­ Plateau des Zionsberges thronte die
dem Zionsberg. Die Mauer des 8. Jhs. scheinlich verläuft sie in Richtung der Kirche «Hagia Sion», die zu einer der
v. Chr. muss wahrscheinlich deut­ nordwestlichen Davidsstadt. Zahlrei­ wichtigsten Kirchen im byzantini­
lich weiter nördlich verlaufen sein. che Mikwen auf dem gesamten Zions­ schen Jerusalem zählte. Sie wird auch
Vielmehr wurden hier eine hellenis­ berg zeugen von einem regen religiö­ auf dem Madaba­Mosaik aus dem
tische Stadtmauer mit mächtigen sen Leben der jüdischen Bewohner zu 6. Jh. dargestellt. Die Kirche blieb dem
Quaderblöcken (3.–2. Jh. v. Chr.) und dieser Zeit. Zionsberg bis in die Kreuzfahrerzeit
nahebei eine in den Makkabäerbüchern Zur selben Zeit Hadrians (135 n. Chr.) erhalten. Nachdem sie während des
erwähnte hasmonäische Kasematten­ war Jerusalem (Aelia Capitolina) von ersten Kreuzzuges zerstört wurde, ver­
mauer (2.–1. Jh. n. Chr.) neben den keiner Stadtmauer umgeben. Freiste­ größerte man sie beim Wiederaufbau
längst bekannten byzantinischen Stadt­ hende Tore markierten die Stadtgrenzen. sogar noch, wie archäologische For­
mauern entdeckt. Zahlreiche Streu­ Eines davon ist ebenfalls an der Süd­ schungen des Architekten Theodor
funde von eisenzeitlichen Keramik­ seite des Zionsberges zu finden. Eine Sandel auf dem Gelände der Dormitio­
scherben auf dem gesamten Grabungs­ Torschwelle direkt über dem «Essener­ Abtei zeigten. Erst im Jahr 1219 ließ
gelände zeugen jedoch von mensch­ Tor» ist aufgrund eines Münzfundes der ayyubidische Kalif Al­Mua’zam die
licher Aktivität in alttestamentlicher in diese Zeit zu datieren. Kirche schleifen.
Zeit an dieser Stelle. Zu dieser Zeit war die zehnte Le­ Die Ausgrabungen des DEI konn­
gion (legio X fretensis) in Jerusalem ten in Areal II zudem eine prachtvolle
Die Römer auf dem Zionsberg stationiert. Der genaue Ort ihres La­ Villa aus der byzantinischen Epoche
Nur wenige historische Quellen berich­ gers ist bis heute nicht geklärt. Ein nahe der Kirche freilegen (vgl. Abb. 2).
ten über die frührömische Zeit auf dem Großteil der Archäologen geht jedoch
Zionsberg vor der Zerstörung des Tem­ davon aus, dass es sich auf dem Süd­
pels im Jahr 70 n. Chr. Die archäologi­ westhügel befunden habe oder zumin­
schen Funde hingegen zeugen von ei­ dest seine Ausläufer sich hier erstreck­ Abb. 3 Spätrömisches Inschriftenfragment.
nem belebten Wohnviertel. Auf dem ten. Bisher wurde für den Zionsberg in
Plateau des Zionsberges wurde in den spätrömischer Zeit – zumeist mangels
1970er Jahren durch den israelischen archäologischer Funde – eine Besied­
Archäologen Magen Broschi ein Wohn­ lungslücke angenommen. Münz­ und
viertel ausgegraben. Münzfunde da­ Keramikfunde der DEI­Grabungen deu­
tieren es in die herodianische Periode. ten zumindest auf landwirtschaftliche
Das Areal III im Grabungsgelände des Aktivitäten in kleinerem Maßstab hin.
DEI barg ebenfalls Reste von frührömi­ Für Aufsehen sorgte der Fund eines
schen Wohnhäusern, ausgestattet mit Inschriftenfragments aus dem 2. bis
rotem Wandverputz, Mosaikfußboden 3. Jh. n. Chr. (Abb. 3). Nach Prof. Wer­
und einer Mikwe (jüdisches Ritualbad). ner Eck ist dieses das einzige bisher
Betreten werden konnte dieser Stadt­ bekannte Zeugnis einer römischen se­
teil durch das berühmte «Tor der Esse­ natorischen Laufbahn in Jerusalem.
ner». Von diesem führte eine gepflas­ Ursprünglich diente das Fragment als
terte Straße ostwärts ins Stadtinnere. Basis einer Ehrenstatue; um einen Se­
Unter ihr läuft ein breiter Kanal, der die nator zu ehren. Es wurde in byzantini­
Abwässer der Bewohner in das Hinnom­ scher Zeit jedoch als Baumaterial für

21
ANTIKE WELT 1/21
«SCHÖN RAGT EMPOR DER BERG ZION, DES SICH DAS GANZE LAND TRÖSTET» – Der Zionsberg in Jerusalem

den neu gebauten Häusern vorbei, ins


Stadtinnere führte.
Die dazugehörige Stadtmauer wird
der Kaiserin Eudokia (5. Jh. n. Chr.) zu­
geschrieben. Ihr südlicher Verlauf, um
den Zionsberg, kann im preußisch­an­
glikanischen Zionsfriedhof (DEI) und
in der nahegelegenen Ausgrabung des
israelischen Archäologen Yehiel Zelin­
ger weiterverfolgt werden.
Zur Zeit des Persereinfalls im Jahr
Abb. 4
Byzantinische Gussform für 614 n. Chr. müssen sich in Jerusalem
einen Kreuzanhänger. dramatische Szenen abgespielt haben.
Die Perser massakrierten die Bevöl­
kerung Jerusalems und machten auch
vor dem Zionsberg nicht halt. Einige
Ausgestattet mit prächtigen Marmor­ Schwelle bildet die dritte und jüngste Bewohner der Stadt flohen darauf­
verkleidungen an den Wänden und ei­ Phase der Toranlage, dessen Schwellen hin in die Zionskirche, um dort Unter­
nem dekorativen Mosaikboden, zeugt direkt übereinanderliegen (Abb. 6). schlupf zu suchen. Historische Quel­
sie vom Reichtum ihrer einstigen Be­ Das byzantinische Wohnviertel be­ len beschreiben, wie diese daraufhin
wohner auf dem Zionsberg (Abb. 5). stand aus Häusern mit mehreren Räu­ kurzerhand von den Persern in Brand
Weiter südlich, am Abhang des Ber­ men, von denen einige bereits aus der gesetzt wurde. Vermutlich rissen sie
ges erstreckte sich ein gut situiertes frührömischen Epoche stammen. An­ auch zwischen dem Stadttor und dem
Wohnviertel aus derselben Zeit. Auch dere wurden auf der früheren römi­ südlich davon gelegenen Turm eine
dieses war Teil des ummauerten Stadt­ schen Straße neu errichtet (Abb. 7). Bresche in die Mauer. Der Kirchen­
gebietes, welches ebenfalls durch ein, Die byzantinische Straße lag höher tradition an diesem Ort tat dies jedoch
heute noch gut sichtbares, Stadttor be­ und wurde zusätzlich um einige Meter keinen Abbruch, denn sie wurde ei­
treten werden konnte. Die byzantinische versetzt, so dass sie vom Stadttor an nige Jahre später durch den griechi­
schen Patriarchen Modestus wieder­
aufgebaut. Von der Anwesenheit der
Perser auf dem Berg zeugt ein beson­
Abb. 5 Mosaik aus der byzantinischen Villa in Areal II. deres Fundstück: ein seltener sassani­
discher Silberdinar, der später als Me­
daillon getragen wurde (Abb. 8).

… hält nicht ewig!


Zwei Jahrhunderte später, im 8. Jh., er­
fuhr das Viertel deutliche Verände­
rungen. Es wurde im Laufe der früh­
islamischen Zeit zu einem industriell
genutzten Platz, wo ein Kalkbrennofen
inmitten der einstigen Wohnhäuser er­
richtet wurde. Hier wurden vermut­
lich die Steine der umliegenden Häuser
zu anderswo benötigtem Baumaterial
(zu ungelöschtem Kalk) verbrannt. So
wurde das einst gut situierte byzanti­
nische Wohnviertel verlassen.
Im 11. Jh. schließlich verlegten die
Ayyubiden die Stadtmauer weiter nörd­
lich auf das Plateau des Zionsberges, so

22
ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA

Abb. 6 Toranlage mit drei Schwellen: 1) Frührömisch, 2) Hadrianisch, 3) Byzantinisch.

Abb. 7 Frührömische Straße unter den byzantinischen Häusern.

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ANTIKE WELT 1/21
«SCHÖN RAGT EMPOR DER BERG ZION, DES SICH DAS GANZE LAND TRÖSTET» – Der Zionsberg in Jerusalem

folger. Auch der berühmte Ägyptologe ern und ihre Türme zu bewundern.
Sir Flinders Petrie liegt hier begraben. Bisher einzigartig in Jerusalem ist die
Allerdings nur sein Körper, denn der freie Sicht auf die historischen Stadt­
Kopf wurde auf Petries Wunsch hin ab­ tore aus drei verschiedenen Epochen.
getrennt und für spätere Untersuchun­ Außerdem ist es ebenso möglich, sich
gen nach London gebracht. Dort wird innerhalb der byzantinischen Stadt­
er heute im Sir Flinders Petrie Museum mauern im antiken Wohnviertel um­
aufbewahrt. Auch der Lachisch-Aus­ zuschauen. Die Verbindung mit den
gräber James Leslie Starkey, der Be­ anderen israelischen Ausgrabungen
Abb. 8 Sassanidischer Silberdinar.
gründer des Syrischen Waisenhauses im Bereich des Zionsbergs ist geplant.
Johann Ludwig Schneller sowie der
Architekt Conrad Schick fanden auf
dass sein südlicher Abhang nur noch dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte. Adresse der Autorin
von Terrassierungsmauern überbaut Durch die Allianz des Osmanischen Jennifer Zimni, M.A.
Deutsches Evangelisches Institut für Altertumswissen­
war. Ein Turm und der zugehörige Tro­ mit dem Deutschen Reich im 1. Weltkrieg schaft des Heiligen Landes, DEI
Auguste Victoria Compound; PF. 18463
ckengraben ihrer zusätzlich um die wurden hier ebenso gefallene deutsche IL­9118301 Jerusalem
Spitze des Zionsberges gelegten Ver­ und österreichische Soldaten beigesetzt.
Bildnachweis
teidigungslinie konnte ebenfalls durch Wenige Meter entfernt liegen britische
Abb. 1: Israel Antiquity Authoritiy; 2–8: DEI.
das DEI (Areal III) ausgegraben werden. Polizeiangehörige, die in den arabisch-
jüdischen Aufständen zwischen den Literatur
Von kopflosen Archäologen, Weltkriegen ihr Leben verloren. Weiter https://antikewelt.de/2020/08/11/ausgrabungen­auf­
dem­zionsberg/
Bischöfen und Kriegsgräbern südöstlich, auf dem Katholischen Fried­
D. VIEWEGER / J. ZIMNI / F. SCHÖPF / M. WÜRZ, DEI
Der ayyubidische Turm ist teilweise hof wurde der bekannte Oskar Schind­ excavations on the southwestern slope of Mount Zion
(2015–2019), in: Archäologischer Anzeiger 2020/1, 1–76.
heute noch zu sehen, als Mauer inmit­ ler zur letzten Ruhe gebettet.
W. ECK / D. VIEWEGER / J. ZIMNI, Die Basis einer Ehren­
ten des Protestantischen Friedhofes. Er Der malerisch gelegene Protestan­ statue mit dem cursus hororum eines senatorischen
Amtsträgers in Jerusalem, in: Zeitschrift für Papyrologie
wurde 1848 vom zweiten Bischof des tische Friedhof lädt zu einem Spazier­ und Epigraphik 216 (2020) 273–278.
preußisch­anglikanischen Bistums in gang ein. Dabei soll sich in Zukunft F. SCHÖPF / D. VIEWEGER / M. WÜRZ / J. ZIMNI, Die
Ausgrabungen des Deutschen Evangelischen Instituts
Jerusalem, Samuel Gobat, angelegt und auch die Geschichte erkunden lassen. für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) auf
ist bis heute in Benutzung. Im Laufe der Das große Areal I wird in den nächs­ dem Zionsberg in Jerusalem (2015­2018), in: Zeitschrift
des deutschen Palästina­Vereins 136 (2020) 1–20.
Zeit fanden hier viele Persönlichkeiten, ten Jahren so hergerichtet, dass ein B. PIXNER / D. CHEN / S. MARGALIT, Mount Zion:
die die Jerusalemer Geschichte des 19. archäologischer Park entsteht (vgl. The «Gate of the Essenes» Re­excavated, in: Zeitschrift
des Deutschen Palästina­Vereins 105 (1998) 85–95.
und 20. Jhs. prägten, ihre letzte Ruhe­ Abb. 2). Dieser erlaubt es, zum einen
F. BLISS / A. DICKIE, Excavations at Jerusalem, 1894–
stätte. So findet man hier die Grabstät­ außerhalb der antiken Stadt zu ste­ 1897 (1898).

ten von Bischof Gobat und seiner Nach­ hen und deren mächtigen Stadtmau­

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24
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ANTIKE WELT 1/21
Kleinere Änderungen an den Programmen sind noch möglich.
ARCHÄOLOGISCHE PIONIERE, FORSCHUNGS-
REISENDE UND SCHATZGRÄBER
Die Anfänge der Ausgrabungen in Jerusalem

Der Feldzug Napoleon Bonapartes nach Ägypten im Jahr 1798 führte in Europa zu einer
Begeisterung für die Altertümer des Orients. Eine «wissenschaftliche Sondereinheit»
der französischen Armee dokumentierte während dieser militärischen Expedition die unge­
ahnten Schätze des ägyptischen Altertums und ließ viele davon nach Europa trans­
portieren. So wurden sie im Abendland bekannt und lösten eine regelrechte «Ägypto­
manie» aus. Dort sah man nun erwartungsvoll der Entdeckung weiterer alter Städte
entgegen, die bisher nur aus dem Alten Testament bekannt waren.

von Katja Soennecken und Dieter Vieweger ward Robinson (1794–1863) reiste ten, den Sinai und das Heilige Land. Er
als Erster mit einem ausdrücklich wis­ schloss von den modernen arabischen

D er aus den Vereinigten Staaten


stammende Alttestamentler Ed­
senschaftlichen Interesse zwischen
1837 bis 1838 und 1852 durch Ägyp­
auf die alten semitischen Namen und
identifizierte dabei Hunderte aus dem

Abb. 1
Fundament der west­
lichen Ummauerung des
Jerusalemer Tempels,
signiert «W. Simpson».

25
ANTIKE WELT 1/21
ARCHÄOLOGISCHE PIONIERE, FORSCHUNGSREISENDE UND SCHATZGRÄBER

Alten und Neuen Testament bekannte


Orte.
In Jerusalem gelangen ihm wichtige
Entdeckungen wie das Wiederauffin­
den der einzigen natürlichen Quelle,
der Gihon­Quelle, und deren künstli­
cher Ableitung in den Schiloa­Teich.

Die ersten Forscher in Jerusalem


1864 durchstreifte der britische Offi­
zier Charles William Wilson (1836–
1905) das Gebiet von Beirut bis Je­
rusalem. Er unternahm 1865 Untersu­
chungen an der Klagemauer (Abb. 1).
Dabei entdeckte er u. a. einen Brücken­
bogen, der zu Zeiten von König Hero­
des d. Gr. die Oberstadt mit dem Tem­
pelbereich verband und seither seinen
Namen, «Wilson­Bogen», trägt.
Der 1865 in London gegründete Pa­
lestine Exploration Fund (PEF) ver­
stärkte die Bemühungen, die Alter­
tümer Jerusalems zu erkunden, und
sandte 1867 den Offizier der Royal
Engineers Charles H. Warren (1840–
1927) in die Stadt. Aber ohne eine
gültige Grabungserlaubnis aus Istan­
bul konnte er nur Tunnelgrabungen
durchführen, mit denen er die unmit­
telbare Umgebung des Haram esch­
Abb. 2 Charles Warren bei seiner Tunnelgrabung unter dem «Robinson­Bogen» signiert
«W. Simpson». Scharif untersuchte und sich unter
großer Geheimhaltung bis an den
Abb. 3 Das Grabungsteam von Frederick Bliss (1859–1937) und Archibald Campbell ehemaligen Tempelberg herangrub
Dickie (1859−1937) in Jerusalem. (Abb. 2).
Seit Warren im Herbst 1867 am
östlichen Hang der Davidstadt in Je­
rusalem einen später nach ihm be­
nannten senkrechten Schacht entdeckt
und diesen fälschlicherweise als Teil
der frühen (auch alttestamentlichen)
Wasserversorgung Jerusalems inter­
pretiert hatte, rätselten Archäologen
und Bibelwissenschaftler, ob dieser
der in der Bibel, im 2. Buch Samuel
genannte «Sinnor» sei, durch den Da­
vid Jerusalem erobern ließ. Zu dem
gut 12,20 m hohen, vertikalen Was­
serschacht führen ein von der Stadt
herkommender, 28 m langer unter­
irdischer Gang und eine etwa 8 m
lange Treppenflucht. Durch diese ge­

26
ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA

langten die Jerusalemer während der Tempelberges vordringen müsse, um


Mittleren Bronzezeit (ca. 1850–1550 sich dem «Tempelarchiv» zu nähern.
v. Chr.) zu einem großen Wasserschöpf­ Mit Parker fand der Finne einen finanz­
becken, das Ronny Reich und Eli Shu­ kräftigen Sponsor.
kron mehr als 100 Jahre später, 1995, Im August 1909 legten arabische
freilegten. Sie stellten fest, dass der Arbeiter in Schichtarbeit den «Warren­
vertikale «Warren­Schacht» in Wirk­ Schacht» frei. Um eine echte Grabungs­
lichkeit nur eine natürliche Felsspalte tätigkeit vorzutäuschen, wurde der
war, die erst im 8. Jh. v. Chr. zufällig Archäologe und Dominikaner Louis­
entdeckt wurde, als man den bronze­ Hugues Vincent zum Vermessen und
zeitlichen unterirdischen Tunnel nach Dokumentieren gewonnen. Ab August
unten hin abtiefte. 1910 arbeitete Parker mit Ingenieuren
Die deutsche Forschung in Jerusa­ des Londoner U­Bahn­Baus an sei­
lem begann 1880 mit der zufälligen nem Projekt, um den täglichen «Vor­
Entdeckung der Inschrift am «Hiskia­ schub» in seinen Schächten zu ver­
Tunnel», die Conrad Schick (1822– größern. Doch auch das brachte ihn
Abb. 4 Die New York Times vom 5. Mai 1911.
1901) kurze Zeit später publizierte. dem Schatz nicht näher.
Seine Untersuchungen im Muristan­ Parker bestach deshalb den osma­
Viertel führten zur fälschlichen Über­ nischen Gouverneur angeblich mit
legung, dass die von Herodes d. Gr. 25 000 $, um nach Einbruch der Dun­
(37–4 v. Chr.) errichtete, sog. zweite kelheit auf dem ehemaligen Tem­ und der komplizierten Eigentumsrechte
Stadtmauer im Norden Jerusalems di­ pelgelände selbst graben zu dürfen. besonders schwierig und die damals
rekt unter der evangelischen Erlöser­ Als er am 17. April 1911 sogar unter üblichen Tunnelgrabungen nicht nur
kirche gelegen habe. dem Heiligen Felsen in einer Natur­ zu gefährlich, sondern auch wenig er­
höhle nach dem Schatz suchte und tragreich waren. Daraufhin sah man
Mit Tunneln und Schächten – entdeckt wurde, floh er aus dem Land. nach dem 1. Weltkrieg weitestgehend
tiefer, schneller, weiter Die New York Times vom 5. Mai 1911 von Grabungen in Jerusalem ab und
Der US­Amerikaner Frederick Bliss titelte: «Gone with Treasure that was legte den Schwerpunkt auf Ausgra­
(1859–1937) grub ab 1894 in Ko­ Solomon’s». In Jerusalem brach ein bungen im Heiligen Land.
operation mit dem Architekten Archi­ Aufstand von Juden und Arabern los,
bald Campbell Dickie (1859–1937) weil sie sich um die Schätze ihres Vor­
in Jerusalem, wo sie mit Tunneln und fahren beraubt sahen (Abb. 4).
Schächten u. a. Teile der byzantini­ Schließlich soll noch auf Raymond Adresse der Autoren
schen Stadtmauer auf dem Südost­ Weill (1874–1950) hingewiesen wer­ Dr. Katja Soennecken und
Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Dieter Vieweger
und Südwesthügel akkurat erkunde­ den, der von 1913 bis 1914 Flächen­ Deutsches Evangelisches Institut für Altertums­
wissenschaft des Heiligen Landes, DEI
ten (Abb. 3). untersuchung (Stadtmauerfragmente Auguste Victoria Compound, PF. 184 63
Eine explosive Mischung aus Aben­ und Terrassierungen) vornahm, ei­ IL­911 8301 Jerusalem

teurertum und Schatzgräberei war die nen Steinbruch bei den sog. Königs­
Bildnachweis
Expedition von Montagu Brownlow gräbern und einen weiteren Kanal von Abb. 1: (C) PEF­PI­09, PEF London; 2: (C) PEF­PI­28, PEF
Parker, 5. Earl of Morley (1878–1962), der Gihon­Quelle durch das Kidrontal London; 3: Bliss, F.J./A.C. Dickie, Excavations at Jeru­
salem, 1894−1897, London 1898, 340; 4: The New York
in den Jahren 1909 bis 1911. Der fin­ zu einem Wasserbecken am Südsporn Times 5. 5. 1911.
nische Philologe Valter Juva war zu des Südosthügels freilegte. Ob seine
der Überzeugung gelangt, im hebrä­ Identifikation des Steinbruchgeländes Literatur
D. VIEWEGER / K. SOENNECKEN, Forschungen mit
ischen Text des Buches Ezechiel den mit den Königsgräbern der judäische Spaten und Bibel? 150 Jahre Biblische Archäologie, in:
Ort entdeckt zu haben, an dem der Könige korrekt ist, darüber lässt sich Welt und Umwelt der Bibel 1 (2015) 8−13.
D. VIEWEGER, Geschichte der biblischen Welt, I. Paläo­
judäische Königsschatz mit den un­ bis heute trefflich streiten. lithikum bis Bronzezeit, II. Eisenzeit, III. Persische bis
ermesslichen Reichtümern Salomos römische Zeit (2019).

verborgen liege. Spirituelle Sitzungen Am Ende blieb die Ernüchterung DERS., Der Warrenschacht. Streitobjekte: Ein Erobe­
rungsweg für David?, in: Welt und Umwelt der Bibel 1
mit einem Medium bekräftigten seine Sehr bald stellte sich heraus, dass (2015) 26−27.

Ansicht, wonach man mit Tunneln von eine systematische Erforschung Jeru­ DERS., Archäologie der Biblischen Welt (42012).

außen in den Bereich des ehemaligen salems angesichts der Überbauung

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ANTIKE WELT 1/21
DIE VIERTE DIMENSION
Die Jerusalem-Modelle Conrad Schicks

Hochgeehrt und begleitet von Christen, Juden und Muslimen wurde am Heiligabend des
Jahres 1901 auf dem anglikanisch-preußischen Friedhof im Süden Jerusalems ein Mann
zu seiner letzten Ruhe gebettet, der wie kein anderer die antike Geschichte dieser Stadt er-
forscht und das moderne Jerusalem geprägt hat: Conrad Schick. Seit seiner Ankunft
in der Heiligen Stadt im Jahr 1846 arbeitete er unentwegt als Handwerker, Architekt und
Stadtplaner, Kartograf, Palästinaforscher, Archäologe, Autor und als Modellbauer. Zahl­
reiche Ehrungen und Titel wie der eines königlich­württembergischen Baurats, des Ehren-
doktors der Universität Tübingen sowie hohe Orden der Königs- und Kaiserhäuser
Preußens, Österreichs und Russlands zeichneten diese herausragende Persönlichkeit aus.

von Holger Siegel


unter dessen Aufsicht vergoldet. Die das Drechseln und Tischlern. Im De-

C onrad Schick entstammte einer


bäuerlichen Familie im württem-
bergischen Bitz. Seine eher kränkliche
Begeisterung, mit der Schick die Über-
lieferung des 2. Buchs Mose in eine
visuell und haptisch erfahrbare Minia-
zember 1854 übernahm er die Lei-
tung der Gewerbeschule und wenige
Jahre darauf ernannte man ihn zum
Natur schien einer Tätigkeit auf dem tur umsetzte, ließ ihn sein Leben lang Bauinspektor der anglikanischen Mis-
Feld nicht gewachsen zu sein, und da nicht los. sionsgesellschaft.
seine Talente mehr im Zeichnen und
Handwerken lagen, brachte ihn sein Kuckucksuhren aus dem Umstrittene Besitzverhältnisse
Onkel nach Korntal, um dort die Schlos- Schwarzwald Im März 1862 zeichneten sich in der
serei zu erlernen. Die Atmosphäre der Nachdem Samuel Gobat 1846 zum Heiligen Stadt innerhalb der christli-
pietistischen Brüdergemeinde beein- protestantischen Bischof von Jerusa- chen Gemeinschaften neuerliche Auf-
druckte ihn und förderte sein Inte- lem gewählt wurde, unterstützte er regungen um die Grabeskirche ab.
resse an der biblischen Geschichte. Spittlers Traum, ein Brüderhaus in der Um die Zerstörung eines Klosters in
Dies führte ihn schließlich nach Basel Heiligen Stadt zu errichten. Als erste Damaskus zu kompensieren, sollte
in die von Christian Friedrich Spitt- Brüder entsandte man schließlich der römisch-katholischen Kirche die
ler neu gegründete Pilgermission Conrad Schick und Ferdinand Palmer. «Herberge Saladins» überlassen wer-
St. Chrischona. Das Unterfangen erwies sich als au- den, ein nordwestlich angrenzender
Gleich nach seiner Aufnahme ent- ßerordentlich schwierig. Nur mit ge- Bau. Das passte weder dem amtie-
warf er auf Bitten des Basler Bandfa- ringen Mitteln ausgestattet und ohne renden Gouverneur Jerusalems noch
brikanten und Ratsherrn Adolf Christ nennenswerte geschäftliche Kontakte dem griechischen Patriarchen. Con-
ein Modell der mosaischen Stiftshütte zu den Einheimischen ließ sich selbst rad Schick hatte sich in den vergange-
für den Schulunterricht. Basierend mit Reparatur und Verkauf importier- nen Jahren einen guten Ruf mit seinen
auf den Beschreibungen des 1738 er- ter Kuckucksuhren kein dauerhaftes Modellbauten erarbeitet. Um einen
schienenen Buches Alte jüdische Hei- Einkommen erzielen. Dem wirtschaft- Schlichtungsversuch zu ermöglichen,
ligthümer von Johann Lund konstru- lichen Bankrott nahe, nahmen beide wurde er nun damit beauftragt, «… ein
ierte er ein zusammenlegbares und wenige Jahre später das Angebot an, Modell des Streitobjects an die oberst-
leicht zu transportierendes Modell für die anglikanische Mission zu ar- richterliche Behörde nach Konstan-
(Abb. 1). Die Zeltbahnen wurden nach beiten. Schick unterzeichnete im No- tinopel zu entsenden.» Der Plan fand
seinen Zeichnungen in der Bandfabrik vember 1849 einen Arbeitsvertrag im Zustimmung: «Als der griechische Pa-
Christs mit besonderer Sorgfalt ge- «House of Industry» und lehrte den triarch zu Jerusalem von diesem Mo-
woben, die Säulen und Seitenwände vornehmlich jüdischen Konvertiten dell hörte, stieg in ihm auch ein Mo-

28
ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA

Abb. 1 Ein 1869 fertiggestelltes Modell der Stiftshütte. 

Abb. 2 Modell der Grabeskirche in Stuttgart, 1863.

29
ANTIKE WELT 1/21
DiE ViERTE DiMEnSion – Die Jerusalem-Modelle Conrad Schicks

dellverlangen auf, und er glaubte die Der Tempelberg und der Felsen- schlug Schick vor, das beauftragte Mo-
Gelegenheit wahrnehmen zu sollen dom in Wien dell zum Nutzen der anglikanischen
für sich von demselben deutschen Im Zusammenhang mit seiner Bautä- Mission anzufertigen und es zusam-
Künstler ein Modell der ganzen Grab- tigkeit für die anglikanische Mission men mit einem weiteren Modell des
kirche mit allen anstoßenden Gebäu- entwickelte Schick ein zunehmendes Felsendoms im Maßstab 1:50 in Wien 
lichkeiten verfertigen zu lassen.» Interesse an der Baugeschichte Jeru- zum Verkauf anzubieten. Sowohl der
Somit entstand direkt auf das ur- salems. Von 1864 bis 1865 unter- britische Palestine Exploration Fund
sprüngliche Modell der «Herberge Sa- stützte Schick den englischen Royal als auch das Missionshaus in Basel
ladins» folgend eine Reihe von Model- Engineer Captain Charles Wilson beim interessierten sich für deren Erwerb.
len der Grabeskirche im Maßstab 1 : 96,  Ordnance Survey, der ersten systema- Ein Jahr später wurden beide Modelle
welche die umstrittenen Besitzverhält- tischen Bestandsaufnahme Jerusa- nach Basel verkauft und am 12. Okto-
nisse der einzelnen Konfessionen in lems. Er vermaß Tunnel und Zisternen ber 1875 berichtete die Allgemeine
diesem Gebäudekomplex darstellen und fertigte für die Veröffentlichung Zeitung, dass die Modelle nun «eine
und vor den osmanischen Behörden genaue Zeichnungen und Pläne an. nicht geringe Zierde des großen schö-
klären helfen sollten (Abb. 2). Um die Diese intensive Beschäftigung mit nen Ausstellungssaales des neuen Ba-
baulichen Anlagen detailgetreu nachbil- dem Tempelberg und dem Unter- seler Missionshauses» seien.
den zu können, wurden Schick «… auch  grund Jerusalems prädestinierte ihn
die sonst gänzlich unzugänglichen Be- auch für eines seiner wichtigsten Mo- Zur Topografie der Heiligen Stadt
reiche geöffnet». Die Besitzverhältnisse dellprojekte. Im Juni 1872 erhielt er Conrad Schicks Fähigkeiten machten
markierte er mittels unterschiedlicher von den türkischen Behörden in Is- ihn weithin bekannt und seine Modelle
Farben. Bis 1863 entstanden schließlich tanbul den Auftrag zur Erstellung ei- beliebt. 1878 begann eine langjährige
fünf Modelle der Grabeskirche: für den nes Modells des Haram esch-Scharif Korrespondenz mit dem Rotterdamer
Gouverneur von Jerusalem, den griechi- im  Maßstab  1 : 200  für  die  Weltaus- Pastor Leendert Schouten, welcher
schen Patriarchen, den russischen Za- stellung in Wien 1873 (Abb. 3). Da ebenfalls Interesse an einem detailge-
ren, den König von Württemberg so- die Auftraggeber jedoch die angesetz- treuen Modell des Haram esch-Scharif
wie für die anglikanische Mission. ten Kosten nicht übernehmen wollten, für sein Bibel-Museum zeigte. Schick

Abb. 3 Modell des Haram esch-Sharif von 1873.

30
ANTIKE WELT 1/21
TITELTHEMA

Abb. 4
Modell des Haram esch-
Sharif von 1879.

optimierte die Ausführung dahinge- die  Topografie  sehr  genau  nachbilden  ihm, mehrere Modelle zur Topografie 
hend, dass er den beim ersten Modell und dem Betrachter gleichzeitig einen Jerusalems zu erstellen. Bereits vor
in Zinkblech ausgeführten Felsunter- optischen Maßstab an die Hand geben 1860  entwickelte  er  ein  eigenes  klei-
grund nun in Holz gestaltet «… als daß  (Abb. 4). nes Reliefmodell, 1865 erschien Alt-
Holz auf Zinkblech setzen sich schlecht Schick war bestrebt, seine Erkennt- müllers Relief-Plan of Jerusalem im-
macht, und darum durchgängig Holz nisse laufend zu erweitern und diese proved and corrected by Conrad Schick.
gewählt wurde, ausgenommen einige in seine Modelle einfließen zu lassen.  1873 entwickelte er ein Modell auf
Cisternen». Da sich der Anstieg des 1885 verkündete er, ein neues Mo- Basis von Wilsons Plan und eigenen
Felsens in diesen Dimensionen nur dell entwickelt zu haben, das die Ge- Messungen, welches er im gleichen
schwer in Holz modellieren ließ und schichte des Tempelbergs in vier Bil- Jahr an den Palestine Exploration
er aus Gewichtsgründen auch keinen dern demonstriere. Dieses Modell Fund sandte. 1896 schließlich vollen-
massiven Holzblock schnitzen wollte, zeigte nicht nur den zeitgenössischen dete er seinen umfangreichen Relief-
wendete Schick hier eine neue Technik Haram esch-Scharif, sondern auch die plan von Jerusalem und Umgebung im
an, die alle seine späteren Modelle des ursprünglich  unbebaute  Topografie  Maßstab 1 : 2500 mit den von ihm re-
Tempelbergs zeigen. Er schnitt dünne des Bergs sowie seine Rekonstruktio- konstruierten und vermuteten Mau-
Holzplatten nach den geschwungenen nen des salomonischen und des hero- erverläufen und Bauwerken seit der
Linien einer topografischen Karte Jeru- dianischen Tempels, da die einzelnen Eroberung der Stadt durch König Da-
salems in viele einzelne Schichten, je- Baukörper abgenommen und durch vid, zusammen mit einem 22-seitigen
weils  fünf  englische  Fuß  (ca.  1,50  m)  andere ersetzt werden konnten. Manuskript mit detaillierten Erklä-
in der Realität darstellend, die er dann Die intensiven Forschungen zur Ge- rungen, Bibelverweisen und anderen
übereinander klebte. Somit konnte er schichte der Stadt ermöglichten es Quellenangaben (Abb. 5). Er lieferte

31
ANTIKE WELT 1/21
DiE ViERTE DiMEnSion – Die Jerusalem-Modelle Conrad Schicks

Abb. 5
Modell von Jerusalem
aus dem Jahr 1896.

mit diesem – heute im Deutschen chern war einzigartig. Ihm lag nicht
Evangelischen Instituts für Altertums- nur daran, mit seinen Modellen räum- Die Zitate zu den Modellen der Grabeskirche entstammen
der in Augsburg erschienenen Allgemeinen Zeitung
wissenschaft des Heiligen Landes liche Abbilder zu erstellen, welche vom 6. März 1863, jene zum Wiener Modell des Haram
(DEI) Jerusalem auf dem Ölberg aus- den interessierten Laien beeindru- esch­Scharif der Allgemeinen Zeitung vom 12. okto-
ber 1875 und zum Rotterdamer Modell dem Begleit­
gestellten – Stadtplan die erste stim- cken und informieren sollten, sondern manuskript Schicks.

mige archäologische Geschichte Jerusa- auch den wissenschaftlichen Disput


lems von den mittelbronzezeitlichen durch räumliche und zeitliche Inter- Adresse des Autors
Anfängen bis in die Neuzeit. aktion zu ermöglichen. Holger Siegel
Assistent des Deutschen Evangelischen instituts
In über zwanzig verschiedene Mo- für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes
August­Bebel­Str. 22
Noch ungehobene Schätze delle ließ Conrad Schick seine konti- D-07743 Jena
Conrad Schick befasste sich intensiv nuierlich wachsenden Erkenntnisse
mit der Geschichte des Heiligen Lan- einfließen. Viele der von ihm erforsch- Bildnachweis
des und der Lokalisierung biblischer ten und auch in seinen Modellen do- Abb. 1: Lithografie nach einem Foto des 1869 fertigge-
stellten Modells der Stiftshütte mit spitzem Dach in den
Stätten, begleitete und beriet eine kumentierten historischen Stätten Jewish Records of the London Society for Promoting
Christianity amongst the Jews, oktober 1869; 2: Litho-
Vielzahl von Archäologen und Histori- sind bis heute mitunter nur schwer graphie nach einem Foto vom Modell der Grabeskir-
che in Stuttgart, illustrirte Zeitung nr. 1037 vom 16. Mai
kern. Seine einzigartige Stellung unter zugänglich oder zerstört. Zusammen 1863; 3−5: Fotos: Holger Siegel.
den Bewohnern Jerusalems ermög- mit unzähligen, teils noch in Archiven
lichte ihm den Zugang zu privaten wie schlummernden Skizzen, Zeichnun- Literatur
auch durch religiöse Tabus geschütz- gen und Plänen, mehr als 200 Artikeln  A. CARMEL, Palästina­Chronik. in 2 Bänden (1978/1983).

ten Gebäuden und Anlagen, insbeson- für das Palestine Exploration Quar- H. GoREn / R. RUBin, «Conrad Schick’s Models of
Jerusalem and its Monuments», in: Palestine Exploration
dere dem Haram esch-Scharif, dem terly, für die Zeitschrift des Deutschen Quarterly 128, 2 (1996) 103–124.
früheren Tempelberg. Schicks Kennt- Palästina Vereins und andere, bilden H. GoREn, «Zieht hin und erforscht das Land» (2003).
nis des Jerusalemer Untergrunds mit sie eine unverzichtbare Quelle bei der
H. GoREn / J. EiSLER, Deutschland und Deutsche in
seinen Aquädukten, Kanälen, Zister- weiteren Erforschung Jerusalems und Jerusalem (2011).

nen, verborgenen Kellern und Spei- des Heiligen Landes.

32
ANTIKE WELT 1/21
MUSEUMSINSEL BERLIN

VON DER KULISSE ZUR REKONSTRUKTION


Das Ischtar-Tor aus Baylon in Berlin

ie Rekonstruktion des Ischtar-To-


D res im Pergamonmuseum faszi-
niert die Besucher*innen der Berli-
ner Museumsinsel seit rund 90 Jahren
(Abb. 1). Um die aufwendige Rekon-
struktion im Pergamonmuseum um-
setzen zu können, musste der dama-
lige Direktor der Vorderasiatischen
Abteilung, Walter Andrae, viel Über-
zeugungsarbeit leisten. Der Vorstel-
lungskraft der Geldgeber half er auf
ungewöhnliche Weise nach: Er enga-
gierte die Kulissenmaler der Staats-
oper und ließ so das Ischtar-Tor aus
Holz und Papier entstehen.

Das Ischtar-Tor Nebukadnezars II.


Der babylonische König Nebukadne-
zar II. (604–562 v. Chr.) gilt als Bauherr
Abb. 1 Entwurf zur Rekonstruktion des Ischtar-Tores im Pergamon museum, Walter Andrae, 1927. 
des Ischtar-Tores. Er ließ die Anlage
aus haltbaren gebrannten Ziegeln er-
richten und nicht wie sonst üblich aus
luftgetrockneten Lehmziegeln. Das Tor
zeigt zwei göttliche Symboltiere: Der
Schlangendrache steht für den Stadt-
gott Marduk und der Stier verkörpert
den Wettergott Adad. Tatsächlich ließ
Nebukadnezar II. insgesamt drei Toran- Abb. 2
lagen direkt übereinander bauen. Bei Die heute noch stehenden 
Reste der ältesten Bau-
jedem Neubau wurde die dazugehörige stufe des Ischtar-Tores in 
Straße um mehrere Meter erhöht. Das Babylon (Irak). 
älteste Tor bestand aus plastisch mo-
dellierten, aber unglasierten Ziegeln,
das zweite aus glasierten, aber flachen
Ziegeln. Die älteste Bauphase ist als ste-
Die Rubrik «Museumsinsel Berlin» wird in enger Kooperation mit dem Verein Freunde der
hende Architektur erhalten und noch Antike auf der Museumsinsel Berlin e. V. veröffentlicht.
heute in Babylon zu sehen (Abb. 2).
Erst in der jüngsten Baustufe ver- Der Verein unterstützt die Berliner Die Mitglieder des Fördervereins er-
Antikensammlung sowie das Vor- halten neben kostenfreiem Eintritt
wendete Nebukadnezar II. Ziegel mit derasiatische  Museum  Berlin  u. a.  in alle Häuser der Staatlichen Museen
Relief und Glasur. Von dieser Baustufe bei Neuerwerbungen, Veranstaltun- zu Berlin auch exklusive Einblicke
des Ischtar-Tores, die im Vorderasiati- gen, Restaurierungen und Ausstel- in die Tätigkeiten der Museen – u. a. 
lungen. Für Ihre Unterstützung hier- durch Vorträge, Werkstattgesprä-
schen Museum rekonstruiert ist, fan- bei wären wir sehr dankbar! che und Führungen sowie Tages-
den sich nur kleine Ziegelbruchstücke fahrten.
im Schutt, denn die eigentliche Toran- www.freunde-der-antike-berlin.de | info@freunde-der-antike-berlin.de
lage stand zum Zeitpunkt der Grabung

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ANTIKE WELT 1/21
in Babylon ließ der Grabungsleiter Ro- Die Rekonstruktion des Ischtar-
bert Koldewey den Schutt der Toran- Tores
lage systematisch durchsuchen und Walter Andrae, Assistent von Koldewey
sammelte selbst unscheinbare Glasur- in Babylon, rekonstruierte in mühevoller
ziegelfragmente. Nachdem das British Kleinarbeit die einzelnen Göttertiere
Empire und Frankreich bereits seit des Ischtar-Tores, der Prozessionsstraße
den 1840er Jahren Grabungen im Os- und der Thronsaalfassade aus den klei-
manischen Reich durchführten und nen Ziegelbruchstücken. Schon im ers-
zahlreiche Fundstücke öffentlichkeits- ten Grabungsjahr gelang ihm die zeich-
wirksam in die heimischen Museen nerische Rekonstruktion eines Löwen
brachten, hatte Deutschland bis dato aus der Prozessionsstraße, jedoch hatte
keine große Grabung in Mesopota- er damals keine Möglichkeit die Frag-
mien vorzuweisen, weswegen sich in mente auch zusammenzusetzen. Wenig
der Wissenschaft zunehmend das Ge- später nutzte Andrae, der ab 1928 Di-
fühl breitmachte, ins Hintertreffen zu rektor des Vorderasiatischen Museums
Abb. 3 Nachbau des Ischtar-Tores aus Holz und 
Papier im Pergamonmuseum, 1928/1929.  geraten. Ab den 1890er Jahren baute war, die unglasierten Relieftiere der äl-
das noch junge Deutsche Reich unter teren Baustufen als Vorlage für den Dra-
Wilhelm II. seinen Einfluss in West- chen und den Stier des Ischtar-Tores.
asien aus und hatte mit Babylon ein Das aufwendige Zusammensetzen
schon lange nicht mehr. Die Bewohner prestigeträchtiges Grabungsprojekt der einzelnen Tiere und Ornamente aus
der benachbarten Städte haben die vorzuweisen. Von Anfang an hatten den Glasurziegelfragmenten erfolgte
Ruine im Lauf der Zeit abgetragen und die Ausgräber die Idee, die Bruchstü- anschließend in Berlin. Zuvor muss-
die robusten gebrannten Ziegel aus cke zu farbenprächtigen Ziegelreliefs ten die Ziegelbruchstücke entsalzt, die
dem Inneren der Anlage als Baumate- rekonstruieren zu lassen, ähnlich den Glasuren mit Wachs gefestigt und die
rial benutzt. Für die glasierten Ziegel Reliefs aus Susa (Iran) im Louvre, und Bruchstücke nach Motiven und Farben
hatten sie keine Verwendung und lie- in den Königlichen Museen Berlin sortiert werden. Aufgrund des großen
ßen sie zurück. auszustellen. Die Museen bekamen Arbeitsaufwands und der hohen Kos-
die Ziegelfragmente in zwei Fundtei- ten bekam Walter Andrae zunächst
Wie das Ischtar-Tor nach Berlin  lungen mit den Antikenbehörden in nicht die Rekonstruktion eines ganzen
gelangte Istanbul (1903), damals Konstanti- Tores, sondern von jedem Tier nur ein
Während der Grabungen der Deutschen nopel, und Bagdad (1926) zugespro- Paar bewilligt. Um doch noch ein Tor
Orient-Gesellschaft von 1899 bis 1917 chen. realisieren zu können, mussten der zu-
ständige Baurat Wille und Andrae dann
ganze Überzeugungsarbeit leisten:

Abb. 4 Blick in die Ausstellung «Vom Fragment zum Monument. Das Ischtar-Tor in Berlin». 
«Mit einigen Aquarellen hatte ich versucht,
der geringen Vorstellungskraft der Museums-
architekten perspektivisch und farbig nach-
zuhelfen (vgl. Abb. 1). Auch dem geldbewilli-
genden Ministerium mußte nachgeholfen
werden, und zwar auf die allerverständlichste
Weise: in Naturgröße! Dem Baurat Wille hatte
meine Perspektive vom Ischtar-Tor so sehr
imponiert, daß er dasselbe in Naturgröße in
Holz aufzimmern und mit Papier bespannen
ließ, auf dem die Kulissenmaler der Staatsoper
meine Stiere und Drachen naturgetreu und
mit Schlagschatten aufmalen mußten – es war
eine Lust, das anzuschauen (Abb. 3). Die Mi-
nisterialräte, welche vorher von jedem Tier nur
ein Paar bewilligen wollten, weil sie doch alle
‹gleich› seien, waren von diesem Theater-Mo-
dell so ergriffen, daß sie gleich alles bewilligten.»
(W. Andrae, Lebenserinnerungen eines Ausgräbers, S. 276).

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ANTIKE WELT 1/21
MUSEUMSINSEL BERLIN

Nach der direkt im Anschluss er- ren Rekonstruktion im Museum nach.


folgten Bewilligung arbeitete man mit Archäologisches Forschungsinteresse, Sonderausstellung des Vorderasiatischen Museums
Vom Fragment zum Monument.
Hochdruck an den Ziegelreliefs. Der imperiale Ambitionen des deutschen Das Ischtar-Tor in Berlin
Bildhauer Willy Struck setzte mit ei- Kaiserreichs und die kreative Schaf- bis 30. Mai 2021
Pergamonmuseum
nem Team von bis zu 30 Personen in- fenskraft der Ausgräber und Museums- Di, Mi, Fr 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
nerhalb von nur zwei Jahren 72 Relief- macher wirkten im Wiederaufbau des
tiere zusammen. Ergänzt mit modernen Ischtar-Tores in Berlin zusammen.
Adresse der Autorin
Ziegeln wurden aus diesen Relieftieren Mit diesen Gesichtspunkten er- Dr. Helen Gries
das Ischtar-Tor, die Prozessionsstraße gänzt die Sonderpräsentation die Dau- Staatliche Museen zu Berlin
Vorderasiatisches Museum
und die Thronsaalfassaden im Perga- erausstellung des Vorderasiatischen Geschwister-Scholl-Str. 6
D-10117 Berlin
monmuseum errichtet. Zur Eröffnung Museums und trägt dem vermehrten
des Pergamonmuseums 1930 waren Wissensbedürfnis der Besucher*innen
Bildnachweis
sie erstmals für das Publikum zu se- nach der Herkunft der Ausstellungsstü- Abb. 1: © Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kul-
hen. cke Rechnung. Ausgehend von Frag- turbesitz, Nachlass Walter Andrae 238, Nr. 1; Foto: Ruth
Schacht; 2: © bpk / DeA Picture Library / C. Sappa;
menten glasierter Ziegel wird so die 3: © Staatliche Museen zu Berlin, Vorderasiatisches Mu-
seum; Fotograf unbekannt; Abb. 4: © Staatliche
Die Ausstellung «Vom Fragment  Wiedererschaffung des Ischtar-Tores Museen zu Berlin, Vorderasiatisches Museum; Foto:
zum Monument. Das Ischtar-Tor in  nachvollziehbar, so wie sie durch his- Olaf M. Teßmer.

Berlin» torische Fotos, Rekonstruktionszeich-


Das Vorderasiatische Museum widmet nungen und Archivdokumente über- Literatur
W. ANDRAE, Lebenserinnerungen eines Ausgräbers.
sich aktuell in einer wissenschafts- liefert ist. Hrsg. v. K. Bittel / E. Heinrich (1961).
historischen Studienausstellung der J. MARZAHN, Das Ischtar-Tor von Babylon. Die Prozessi-
Geschichte des Ischtar-Tores in Berlin onsstraße. Das babylonische Neujahrsfest (1995).

(Abb. 3). Die Sonderpräsentation im O. PEDERSÉN, The Glazed Bricks that Ornamented
Danksagung Babylon – A Short Overview, in: A. Fügert / H. Gries
Pergamonmuseum zeichnet den Weg Die Ausstellung «Vom Fragment zum Monument. Das (Hrsg.), Glazed Brick Decoration in the Ancient Near East:
des Ischtar-Tores von der Ausgrabung Ischtar-Tor in Berlin» wird ermöglicht durch den
Förderverein Freunde der Antike auf der Museumsinsel
Proceedings of a Workshop at the 11th International
Congress of the Archaeology of the Ancient Near East
kleinster Glasurziegelfragmente im Berlin e. V. und Museum&Location. (Munich) in April 2018 (2020) 96–122.

Bauschutt von Babylon bis zur visionä-

ACKERBAU  IN  DER ANTIKENSAMMLUNG


Natur und Kultur auf der Berliner Nikosthenes-Schale

as Leben der einfachen, ländlichen ein herausragendes Zeugnis dafür in Mittelitalien exportiert und gelangte
D Bevölkerung gehörte nicht zu den
bevorzugten Bildthemen der antiken
ihrem Bestand zu haben. in das etruskische Vulci. Erzeugnisse
aus Attika waren als Grabbeigaben in
Kunst, die vor allem für den städtisch- Der Töpfer Nikosthenes – Verkaufs- den dortigen Nekropolen besonders
aristokratisch geprägten Markt produ- schlager in Etrurien gefragt, so dass diese zu den bedeu-
ziert wurde. Neben den großen my- Die Trinkschale mit der Inventarnum- tendsten Fundplätzen für attische Ke-
thischen Erzählungen orientierte sich mer F 1806 (Abb. 1. 2) trägt eine Sig- ramik gehören. Die Schale des Töpfers
das griechische Kunstschaffen vor al- natur des Töpfers Nikosthenes, der in Nikosthenes stammt wahrscheinlich
lem an dessen Lebenswelt. In Ausnah- den Jahren um 530 bis 520 v. Chr. einer ebenfalls aus einem dieser oft sehr
mefällen wurden landwirtschaftliche der produktivsten und erfolgreichsten reich ausgestatteten Gräber. Nähere
Themen aber dennoch aufgegriffen, Töpfer Athens war. Vor allem in Etru- Fundumstände sind jedoch nicht be-
insbesondere in dem ikonographisch rien, dem für attische Handwerker kannt. In den 30er Jahren des 19. Jhs.
so reichen Medium der Vasenmale- so wichtigen Markt, fanden sich zahl- wurde die Schale zusammen mit einer
rei. Die Berliner Antikensammlung be- reiche Abnehmer für seine Gefäße. zweiten, sehr ähnlichen Kylix (Inv.
findet sich in der glücklichen Position, Auch die Berliner Schale wurde nach F 1805; Abb. 3) von dem Klassischen

35
ANTIKE WELT 1/21
Neues aus dem Vorderasiatischen Museum und der Antikensammlung

Abb. 1 Trinkschale Berlin F 1806, um 530 v. Chr., Innenbild. Abb. 2 Seitenansicht der Schale Berlin F 1806, mit der Signatur des 
Töpfers Nikosthenes.

Archäologen Eduard Gerhard in Italien rund mit Figuren gefüllt. Im Zentrum, eine lange Rute zum Antreiben der
für die Antikensammlung angekauft. umgeben von einer Schmuckleiste mit Tiere. Im Uhrzeigersinn lenken sie ihre
Während das verwandte Exemplar, rot-schwarzem Zungenmuster, kauert Ackergeräte um das Schalenrund. Bei
das ebenfalls von Nikosthenes gefer- ein nackter Jüngling. In der erhobe- den aus mehreren Bauteilen beste-
tigt wurde, mit den umlaufenden Ath- nen Rechten gibt ihn das Lagobolon, henden Pflügen handelt es sich um ge-
leten- und Tierfriesen eine zwar un- eine Art Wurfholz, das bei der Jagd treue Wiedergaben von bekannten Ex-
gewöhnliche Anordnung, aber doch Verwendung fand, als Jäger zu erken- emplaren aus Holz. Die weitaus größte
ein geläufiges Motivrepertoire zeigt, nen. An der Hüfte hängt sein Schwert. Figur zeigt einen ebenso jungen und
widmet sich das uns interessierende Um das Tondo sind auf verschiede- unbekleideten Mann, der als einziges
Stück einem Nischenthema der Va- nen, teilweise ineinander übergrei- Attribut am linken Unterarm einen ge-
senmalerei: Die Außenseiten weisen fenden Bildebenen mehrere Personen flochtenen Korb hält. Über den Bildzu-
mit der Signatur, den Henkelpalmet- unterschiedlicher Größe und allerlei sammenhang kann die Figur zweifels-
ten und einer Sirene noch eine durch- Getier angeordnet. Darunter befin- frei als Sämann identifiziert werden,
aus übliche Verzierung auf. Anders den sich drei Pflüger mit einem Och- der das Saatgut in die frischen Acker-
das Innenbild: Während in der Regel sengespann. Es sind junge, unbeklei- furchen streut.
nur das Medaillon der Schale verziert dete Männer, die mit einer Hand den Eine deutlich kleinere Figur befin-
wurde, ist hier das gesamte Schalen- Pflugsterz halten und mit der anderen det sich hinter dem Sämann. Dieser
ebenfalls nackte Jüngling bewegt sich
in kauernder Haltung nach rechts. In
den Händen hält er ein langes Ob-
jekt – eine Stange oder Lanze. Von ei-
ner zweiten, in der Haltung vergleich-
baren Figur hat sich auf der schräg
gegenüberliegenden Seite nur ein Teil
des Kopfes und des Rückens erhal-
ten. Obwohl eindeutige Attribute feh-
len, lassen die weiteren Bildelemente
auch in diesen beiden Figuren Jäger
erkennen. Mit ihren Jagdwaffen in
Abb. 3
Trinkschale Berlin  Händen pirschen sie sich an die in der-
F 1805, um 530  selben Bildebene dargestellten Rehe
v. Chr., zusammen mit 
F 1806 im 19. Jh. 
heran. Ungewöhnlich ist die weitere
erworben. Füllung des Bildraums mit Eidechsen,

36
ANTIKE WELT 1/21
MUSEUMSINSEL BERLIN

einer Heuschrecke und einer Schild- Tätigkeiten in der Vorstellung der an-
kröte: Tiere, die in der realen Situa- tiken Griechen ganz unterschiedlichen
tion auf dem Acker eher anzutreffen Bereichen zugeordnet. Während die
sind als auf den bildlichen Darstellun- Landwirtschaft in den Händen der ein-
gen. Hier dienen sie dem Maler nicht fachen Landbevölkerung lag, war die
allein zur Füllung des freien Raumes, Jagd eine Beschäftigung der Ober-
sondern eben auch zur Untermalung schicht und Bestandteil des aristo-
einer natürlichen Szenerie. kratischen Wertekanons. In den sehr
zahlreichen Bildzeugnissen zeigt sich
Ackerszenen in der griechischen  dies dadurch, dass es stets vornehme
Abb. 4 Amphora Berlin F 1707, um 530 v. Chr., 
Vasenmalerei Männer oder Helden des Mythos sind, Schulterfries mit einer Eberjagd.
Die Berliner Nikosthenes-Schale ist die sich auf die Jagd begeben. So etwa
eine von insgesamt nur acht griechi- in der Szene auf einer ebenfalls in der
schen Vasen, die eine Ackerszene zei- Berliner Antikensammlung befindlichen
gen. Prinzipiell sind diese Bilder alle Amphora aus der Zeit um 530 v. Chr. rung dieses natürlichen Raumes steht.
sehr ähnlich gestaltet. Mal sind es (Inv. F 1707; Abb. 4). Tatsächlich lässt Im Vasenbild sind beide Welten har-
– wie im vorliegenden Fall – Ochsen, sich hier nicht mit Sicherheit klären, monisch zusammengeführt.
die den Pflug ziehen, ein anderes Mal ob anonyme aristokratische Jäger ge- Neben der besprochenen Schale be-
Maultiere. Ein Vasenbild zeigt sogar meint sind oder doch die mythische findet sich im Bestand der Berliner An-
Hunde als Zugtiere. Neben Jünglingen Jagdgesellschaft des Meleager. tikensammlung eine Vielzahl weiterer
stehen auch bärtige Männer am Pflug. Auf der Schale des Nikosthenes han- Gefäße, die ähnlich interessante Ge-
Ein Sämann kann, muss aber nicht delt es sich aber keineswegs um adlige schichten erzählen. Aktuelle Forschun-
dargestellt sein. Für das Verständnis Jünglinge, die den Tieren nachstellen. gen lassen uns auch lange bekannte
des Bildes ist er nicht notwendig. An- Ihre Gestaltung und insbesondere ihre Gefäße immer wieder neu entdecken
gaben der Landschaft und der Natur reduzierte Größe schließen dies aus. und mit anderen Augen sehen. So zei-
fehlen in der Regel. Trotz erwartbarer Aufgrund der Ähnlichkeit zu den Pflü- gen sie uns, dass vermeintlich mo-
Unterschiede in den Details zeigen alle gern muss es sich auch bei diesen Fi- derne Fragestellungen so alt sind wie
diese Darstellungen einen Bauern, der guren um einfache Landleute handeln. die Menschheit selbst.
den von kräftigen Tieren gezogenen Die Jagd wird hier also dem vertrauten
Pflug lenkt und damit den wohl ein- aristokratischen Kontext entzogen und
drucksvollsten Arbeitsschritt des Feld- als bäuerliche Alltagsbeschäftigung
baus ausführt. Die Dreizahl der Pflü- geschildert. Die Berliner Nikosthenes-
ger auf der Berliner Schale findet sich Schale liefert das einzige Vasenbild, in
in keinem weiteren Beispiel. Weshalb dem dies der Fall ist.
sie hier erscheint, bleibt rätselhaft. Adresse des Autors
Dr. des. Stefan Distler
Besitzt sie eine tiefere Bedeutung, Grundlegende Ernährungszweige Bayerische Akademie der Wissenschaften
Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin
etwa als Hinweis auf die bei Plutarch Die Jagd wird hier demnach nicht als Geschwister-Scholl-Str.6
D-10117 Berlin
erwähnten drei heiligen Pflügungen Bewährungsmöglichkeit männlicher Tu-
in einem Kult der Athener (Plut. mor. genden inszeniert, sondern als ur-
Bildnachweis
144 a) oder geht es lediglich um die sprünglicher und alltäglicher Nah- Abb. 1. 2: © Staatliche Museen zu Berlin – Antiken-
Füllung des Raumes? Während sich rungserwerb gezeigt. Landwirtschaft sammlung, Foto: J. Kramer; 3: © Staatliche Museen zu
Berlin – Antikensammlung, Foto: I. Geske; 4: © Staat-
diese Frage nicht abschließend klä- und Jagd stellen zwei grundlegende liche Museen zu Berlin – Antikensammlung, Foto:
J. Laurentius.
ren lässt, kommt ein weiterer Aspekt Arten der menschlichen Versorgung
hinzu, der das Berliner Vasenbild ein- dar, denen jedoch unterschiedliche, Literatur
zigartig macht. teils nahezu gegensätzliche Bedeu- S. DISTLER, Bauern und Banausen. Darstellungen des
Handwerks und der Landwirtschaft in der griechischen
tungsebenen zugrunde liegen. Die Vasenmalerei. Diss. Universität Regensburg 2016
Aristokratische Jagd Jagd führt den Menschen in die wilde, (Publ. in Vorbereitung).

Das Vasenbild verknüpft die Thematik unbefleckte Natur – in der Darstel- J. FORNASIER, Jagddarstellungen des 6.–4. Jhs. v. Chr.
Eine ikonographische und ikonologische Analyse (2001).
der Landwirtschaft mit der der Jagd. lung angedeutet durch die vielfältige V. TOSTO, The Black-Figure Pottery Signed NIKOSTHENES
Obgleich diese Verbindung zunächst Fauna –, während der Ackerbau ge- EPOIESEN (1999).

naheliegen mag, wurden die beiden rade für die Kultivierung und Zivilisie-

37
ANTIKE WELT 1/21
PREISRÄTSEL

JERUSALEM
Wie gut kennen Sie die Welt der Antike? Hier können Sie es unter
Beweis stellen … und gewinnen!

J 3

9 E
R 8

6 U
S 2

BEI RICHTIGER 1 A
EINSENDUNG WINKEN 5 L
WERTVOLLE PREISE:
7 E
1. Preis:
Christi Einzug in Jerusalem. Byzanti­ M 4
nisch, um 950 n. Chr. Die Staatlichen
Museen Berlin verwahren dieses
überaus fein gearbeitete Relief, das den
Einzug Christi in Jerusalem thematisiert.
Die Platte ist das Mittelstück eines Die folgenden Begriffe und Namen • Vorisraelitischer Name von Jerusa­
Triptychons, das von einem unbekann­
ten Meister aus Elfenbein geschnitzt aus der Medizingeschichte sind lem;
wurde. Die griechische Titelinschrift jeweils waagerecht und unabhängig • Vom römischen Senat als König von
bedeutet «Palmtragung». Das Replikat von der angegebenen Reihenfolge Judäa eingesetzter Herrscher;
ist verblüffend nahe am Original,
ein exquisites Stück frühmittelalterlicher in die Rätselfigur einzutragen: • Bauwerk auf dem Golgathagelände
Plastik, das vorwegnimmt, was in in Jerusalem;
späteren Jahrhunderten im großen For­
mat sich noch entwickelte. 18 x 14 cm, • Hügel im Südosten der Jerusalemer • Eines der Tore in der Stadtmauer
kunstharzgebundener Marmor. Altstadt; der Jerusalemer Altstadt;
• Römischer Kaiser, eroberte und zer­ • König von Israel und Judäa (965–
2.–5. Preis:
störte 70 n. Chr. Jerusalem; 926 v. Chr.), ließ Jerusalem ausbauen
Vier Bücherpakete aus dem Verlags­
programm der wbg im Wert von je • Ältester monumentaler Sakralbau und befestigen.
€ 50,– (D). des Islam; Bei korrekter Lösung ergibt die
6.–10. Preis:
• Religiöse Stätte des Judentums in Ziffernfolge einen Begriff aus der
Fünf Bücherpakete aus dem Verlags­ der Jerusalemer Altstadt; Geschichte Jerusalems.
programm der wbg im Wert von je
€ 25,– (D).

Einsendeschluss ist der 1. 2. 2021 1 2 3 4 5 6 7 8 9


(Poststempel). Zur Einsendung Ihrer
Antwort senden Sie bitte eine Karte an
wbg (Wissenschaftliche Buchgesell­
AUFLÖSUNG UND GEWINNER DES PREIS­ ES HABEN GEWONNEN:
schaft), Redaktion ANTIKE WELT, RÄTSELS IN ANTIKE WELT HEFT 6/2020
Dolivostraße 17, D­64293 Darmstadt, 1. Preis: Dieter Fritsche (D­56379 Weinähr).
Die Einzellösungen lauten: 2.–5. Preis: Barbara Figl (D­81373 München);
oder eine E­Mail an redaktion@wbg­ 1. Min, 2. Geb, 3. Bes, 4. Nut, 5. Iah, 6. Abi, 7. Sem, Urs Güdel (CH­3423 Ersigen); Pascal Burau (D­40627
wissenverbindet.de. Das Lösungswort 8. Ihi. Düsseldorf); Ursula Kahlenberg (D­65468 Trebur).
wird im nächsten Heft bekanntgegeben. 6.–10. Preis: Marianne Klein (D­50735 Köln); Dr. Wil­
Mitarbeiter des Verlages und deren fried Ernest (D­92331 Parsberg); Anne Schröck
Angehörige können nicht teilnehmen, Gesamtlösung: B A U D E R N A D E L N D E R (D­65239 Hochheim); Alexandra Hutter (CH­8852 Alten­
ebenso ist der Rechtsweg ausgeschlossen. K L E O PAT R A . dorf); 10. Franziska Franke M.A. (D­55131 Mainz).

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ANTIKE WELT 1/21
SPUREN VON GOT THEITEN, HEROEN UND
ERLEUCHTETEN
Zu Bedeutung und Vielfalt artifizieller Fußspuren im antiken
Mittelmeerraum und in Indien

Menschen, Heilige und Weise sowie andere, nach Überzeugung vieler Kulturen ebenfalls
anthropomorphe Wesen wie Gottheiten und mythische Heroen hinterlassen ihre Spuren
auch und nicht zuletzt durch den Kontakt ihrer Füße zur Erde. Auch deswegen sprechen wir
seit Jahren von einem ökologischen Fußabdruck der Menschheit und einzelner Indivi-
duen und haben sich die Stiefelabdrücke von Neil Armstrong und Buzz Aldrin im weichen
Staub der Mondoberfläche tief in das kollektive Gedächtnis eingeprägt als Nachweis
der ersten Anwesenheit von Menschen auf dem Mond am 21. Juli 1969.

von Julia A. B. Hegewald und Ralf Krumeich spricht Lukian in einem fiktiven Dia­ Anwesenheit von Gottheiten und an-
log noch im 2. Jh. n. Chr. von bis zu deren mythischen Gestalten durch der-

I n den felsigen Boden geritzte Fuß-


umrisse (Petroglyphen) erinnerten
in mehreren prähistorischen Kultu-
100 Fuß (etwa 30 m) großen Fußab-
drücken des Dionysos und des Hera-
kles am Rande der Welt (Wahre Ge-
artige Fußabdrücke hat bis heute ein
reiches Nachleben in mehreren Welt-
religionen. Gelegentlich wurden an-
ren und bereits im pharaonischen schichten 1, 7). Die Beglaubigung der tike vestigia­Stiftungen in christlichen
Ägypten an die Präsenz zeitgenössi-
scher Personen – es handelt sich hier
um frühe und global verbreitete Graf- Abb. 1 Marmorquader mit versenkten Fußabdrücken Jesu in der Kapelle Quo Vadis an der Via
fiti. Spätestens seit dem 5. Jh. v. Chr. Appia Antica in Rom.
dienten in Ägypten, später auch in der
griechischen und römischen Kultur
zudem steinerne Quader oder Plat-
ten mit artifiziellen Fußabdrücken
als Weihgeschenke und emblemati-
sche Repräsentation von Gottheiten,
Heroen und anderen übermenschli-
chen Wesen; nach den zugehörigen
Inschriften wurden solche Anatheme
gelegentlich «auf göttliche Weisung»
gestiftet und galten als ichne bzw. ves-
tigia («Spuren»), bemata («Schritte»),
podes («Füße») oder plantae pedum
(«Fußsohlen»).
Mehrfach werden in der griechi-
schen Literatur angebliche Spuren
von Gottheiten und Heroen überlie-
fert. So erwähnt Herodot (4, 82) um
430 v. Chr. einen zwei Ellen langen
Fußabdruck des Herakles im Bereich
der Skythen am Schwarzen Meer und

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ANTIKE WELT 1/21
SpuReN voN Got tHeiteN, HeRoeN uNd eRleucHteteN – Zu Bedeutung und vielfalt artifizieller Fußspuren im antiken Mittelmeerraum und in indien

Abb. 2 Graffiti junger Epheben aus einem kaiserzeitlichen Gymnasium in Kyzikos.

  Abb. 3
Marmorne «vestigia»­Weihung aus dem Sarapeion C
auf Delos (B 32 cm; T 32 cm). Delos, Inv. A 585.

Abb. 4 Drei der vier monumentalen Fußabdrücke auf den Türschwellen


des Tempels von Ain Dara bei Aleppo in Syrien.

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Abb. 5 Marmorne «vestigia»­Weihung aus Maroneia (H 15 cm; B 82 cm; T 48 cm). Komotini, Archäologisches Museum Inv. ΑΓΚ 961.

Kontexten einfach weiterverwendet – in der Münchner Frauenkirche von Vergleichbare Ritzzeichnungen sind
in einem Fall memorierten die glei- einem Aufstampfen des Teufels her- seit dem 6. Jh. v. Chr. auch für einige
chen vestigia zunächst Isis Frugifera rühren, der die Kirche vor ihrer Ein- Regionen der griechischen Welt be-
als Göttin der Fruchtbarkeit und an- weihung besichtigte. Einige Beispiele zeugt. So erinnerten auf Kreta und
schließend einen Erzengel; solche mögen die soziale, religiöse und kul- in Attika einige in den Boden geritzte
Formen des Re-use von Fußformen turgeschichtliche Relevanz solcher und oft mit kurzen Beischriften verse-
sind auch in Südasien verbreitet. In Denkmäler im antiken Mittelmeer- hene Fußumrisse an die Anwesenheit
mehreren Ländern des Mittelmeer- raum und in Asien, hier besonders in einzelner Personen. Ähnliche Graffiti
raums und Asiens dienen artifizielle Indien, beleuchten. sind für einige kaiserzeitliche Gymna-
Fußabdrücke noch heute als Nach- sien überliefert, wo sie junge Epheben
weis für die vorübergehende Präsenz Fußförmige petroglyphen repräsentieren und regelmäßig mit in-
von erleuchteten Lehrmeistern, Got- und Graffiti als Memorierung dividualisierenden Namensbeischrif-
tes Sohn oder des Propheten auf der menschlicher präsenz ten versehen sind (Abb. 2). Bemer-
Erde; dies gilt etwa für Śākyamuni Im pharaonischen Ägypten lassen sich kenswert ist hier, dass auch paarweise
Buddha und die Tīrthaṅkaras der Jai- bereits seit dem Alten Reich (etwa miteinander kombinierte Fußumrisse
nas, für Christus oder Muḥammad. 2700–2170 v. Chr.) geritzte Fußum- zwei unterschiedlichen Epheben zuge-
Berühmt sind die angeblichen Fußab- risse nachweisen, die einer dauerhaf- ordnet sein können – für die Interpre-
drücke Jesu in der Kirche Quo Vadis an ten Memorierung von Menschen dien- tation der vestigia antiker Gottheiten
der Via Appia (Abb. 1) oder die reiche ten. Seit dem mittleren 3. Jt. v. Chr. und anderer übermenschlicher Wesen
Sammlung von Muḥammads Sandalen verewigten sich Soldaten durch Pe­ ist dies ein wichtiger Hinweis.
und Schuhabdruckdarstellungen im troglyphen nahe der Oase Dachla; und
Topkapi­Palast von Istanbul; beson- seit der Epoche des Neuen Reichs Vestigia von Gottheiten und He-
ders schöne steinerne Beispiele me- (1550–1070 v. Chr.), insbesondere roen im antiken Mittelmeerraum
morieren insbesondere seit dem 7. Jh. aber in der griechisch­römischen Zeit Zunächst in Ägypten, seit dem 2. Jh.
die Anwesenheit Buddhas, anderer hinterließen Priester und Angehörige v. Chr. auch in anderen Regionen des
Gelehrter und einer Vielzahl von Göt- des lokalen Klerus zahlreiche, mit In- antiken Mittelmeerraums konnten ar-
tern in Indien und benachbarten Län- schriften versehene Umrisse nackter tifizielle Fußabdrücke auf die Epipha-
dern. Aber auch feenhafte und dämo- oder mit Sandalen versehener Füße nie oder temporäre Anwesenheit von
nische Wesen haben ihre Abdrücke in beispielsweise auf dem ausschließlich Gottheiten und anderen übermensch-
unserer Welt hinterlassen: So soll ein für Kultbeamte zugänglichen Dach des lichen Wesen verweisen und spielten
vertiefter Fußabdruck («Teufelstritt») Chons­Tempels von Karnak. als Weihgeschenke eine wichtige Rolle

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ANTIKE WELT 1/21
SpuReN voN Got tHeiteN, HeRoeN uNdeRleucHteteN – Zu Bedeutung und vielfalt artifizieller Fußspuren im antiken Mittelmeerraum und in indien

in dem jeweiligen Kult. Aufgrund ih- in Fußboden und Türschwellen des Tempel des hellenistischen und kai-
rer Typologie und Ikonographie sind späthethitischen Tempels von Ain Dara serzeitlichen Ägypten, in denen sie
diese Denkmäler ohne weiteres von bei Aleppo eingetieft sind (1250–1100 offenbar horizontal auf den Boden
den weit verbreiteten, dem Asklepios v. Chr.; Abb. 3). Die weit überlebens- der Vorhöfe gelegt waren. Bei diesen
oder anderen Heilgottheiten gestif- großen Dimensionen dieser Male ver- Exemplaren handelt es sich durch-
teten anatomischen Anathemen als weisen hier auf die kultische Vereh- weg um Wiedergaben einzelner Fuß-
Wiedergaben geheilter Beine, Füße rung einer oder mehrerer Gottheiten. abdrücke oder aber aus der Vogel-
und anderer Körperteile zu unter- In der griechischen Kultur ist die perspektive gesehener nackter oder
scheiden. Verwandte emblematische Kenntnis einzelner überlebensgroßer mit Sandalen ausgestatteter Füße in
Repräsentationen von Gottheiten sind vestigia­Weihungen im benachbarten versenktem Relief; die Darstellungen
dagegen Weihreliefs mit der Wieder- Ägypten seit dem 5. Jh. v. Chr. gut be- weisen zumeist ein überlebensgroßes
gabe anthropomorpher Ohren als ein- zeugt. So erwähnt Herodot (2, 91) eine Format auf und sind mehrfach mit reli-
gängiger Verweis auf eine «Erhörende zwei Ellen lange «Sandale des Per- giösen Symbolen wie Uräusschlangen,
Gottheit» (theos epekoos) sowie die seus» im oberägyptischen Chemmis, Kultgefäßen (situlae) oder Zweigen
insbesondere in der römischen Kai- dem heutigen Achmim. Mit großer kombiniert. Alles spricht demnach da-
serzeit in Ägypten und anderen Teilen Wahrscheinlichkeit handelte es sich für, dass es sich hier regelmäßig um
des Römischen Reichs angefertigten hier um ein quaderförmiges Weihge- die Wiedergabe göttlicher vestigia als
kolossalen ‹Sarapisfüße›, die sogar als schenk mit der Darstellung eines ein- Hinweis auf die Epiphanie der jeweili-
autarke Kultbilder des Sarapis, aber zelnen, mit einer Sandale versehenen gen göttlichen Adressaten handelt.
auch anderer (männlicher und weib- Fußes als Indiz für die Epiphanie des Außerhalb Ägyptens sind Stiftun-
licher) Gottheiten fungierten. «Perseus» bzw. des ägyptischen Got- gen artifizieller Fußabdrücke in zahl-
Spektakulär, bisher allerdings ein- tes Min. Archäologisch überliefert reichen Regionen des Mittelmeer-
zigartig sind die vier, jeweils fast ei- sind vergleichbare Kalkstein­ und Sand- raums seit dem mittleren 2. Jh. v. Chr.
nen Meter langen Fußabdrücke, die steinquader als Anatheme für mehrere belegt. In vielen Fällen stammen sie
aus Heiligtümern der ägyptischen
Gottheiten, weisen allerdings – anders
als die in Ägypten selbst gefundenen
Abb. 6  «Vestigia»­Weihungen an der Podiumstreppe des Tempels der Isis Lochia in Dion. Exemplare – fast durchweg jeweils
zwei oder vier paarweise miteinander
verbundene versenkte Fußabdrücke
auf; im Westen des Römischen Rei-
ches begegnen dagegen oft schlichte
Umrisszeichnungen von oben gesehe-
ner Füße. Außer der Tatsache, dass es
sich jeweils um separate marmorne
Anatheme handelt, sprechen das in
vielen Fällen leicht überlebensgroße
Format sowie die zugehörigen Weih­
inschriften auch hier sehr deutlich
für eine Memorierung göttlicher We-
sen. Anders als in Indien und ande-
ren asiatischen Ländern sind zu ritu-
ellen Handlungen in Zusammenhang
mit antiken vestigia­Stiftungen keine
schriftlichen Nachrichten überliefert;
in einigen Fällen liefert der archäo-
logische Befund immerhin Anhalts-
punkte für die Durchführung von Öl­
oder Weinspenden. Die zwei frühes­
ten Beispiele stammen aus dem Sara­
peion C auf Delos und zeigen in beiden

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Abb. 7 Mosaikboden mit «vestigium» als Hinweis auf die Epiphanie des Mithras. Ostia, Mitreo della «planta pedis».

43
ANTIKE WELT 1/21
SpuReN voN Got tHeiteN, HeRoeN uNdeRleucHteteN – Zu Bedeutung und vielfalt artifizieller Fußspuren im antiken Mittelmeerraum und in indien

Fällen ein Paar von Fußabdrücken; unterschiedliche Richtungen weisen große Rolle im sozialen und religiösen
nach Ausweis der zugehörigen Weih­ und auf diese Weise offenbar potenti- Leben der jeweiligen Stadt oder Re-
inschriften dürfte es sich in einem elle Bewegung und Omnipräsenz ei- gion spielten.
Fall um die bemata («Schritte») der ner oder mehrerer Gottheiten visuali-
Isis Dikaiosyne (Isis als Göttin der sieren. Die vestigia­Anatheme wurden Abdrücke erleuchteter und gött-
Gerechtigkeit) handeln, im anderen auch in griechischen und römischen licher Wesen in Asien
um diejenigen der Isis und des Anu- Heiligtümern offensichtlich regelmä- Trotz der enormen geographischen
bis (Abb. 4); ähnlich wie im Falle der ßig in einer ‹natürlichen› horizonta­ Distanz finden sich überraschend viele
Epheben­Graffiti gehören die paar- len Lage positioniert. Gesichert ist Parallelen zwischen dem bisher be-
weise angeordneten Fußabdrücke hier dies für zwei kaiserzeitliche Isistem- sprochenen Material und den Funden
offenbar zu zwei Individuen – es han- pel in Dion (Makedonien) und Baelo in und aus Asien. Prinzipiell scheint
delt sich um ein Phänomen, welches (Andalusien), auf bzw. vor deren Po- dies zunächst mit einer ähnlichen Be-
wir im indischen Raum nicht antref- diumstreppen solche Anatheme noch wertung von Fußabdrücken und einer
fen. Ein schönes Beispiel für die Zuord- in situ gefunden wurden (Abb. 6). Für verwandten Einschätzung von Füßen
nung einzelner Fußspuren zu unter- die Besucher(innen) der entsprechen- als wesentliche und – in engem Kon-
schiedlichen Gottheiten bietet eine den Heiligtümer und Tempel ergab takt zur Erde stehender – Körperteile
vestigia­Weihung aus dem thrakischen sich auf diese Weise der Eindruck ei- anthropomorpher Wesen zu tun zu
Maroneia, die vier paarweise geord- ner dauerhaften Präsenz der hier ver- haben. Fußspuren und nahestehende
nete, leicht überlebensgroße Fuß- ehrten Gottheiten in unmittelbarer Denkmäler waren für viele Kulturen
abdrücke zweier unterschiedlicher Nähe ihres Tempels und des zugehö- und Religionen ‹kompatibel›. Auf-
Formate zeigt (Abb. 5). Aufgrund der rigen Altares sowie der regelmäßigen grund der enormen Erweiterung der
Weihinschrift können diese hier den Opferhandlungen. hellenistischen Welt infolge der Züge
vier Gottheiten Sarapis, Isis, Anubis Auch in anderen Kontexten und Bild- Alexanders d. Gr. (336–323 v. Chr.)
und Harpokrates zugeordnet werden. medien dienten Darstellungen einzel- und der daraus resultierenden inten-
Intensiviert werden konnte der Ein- ner oder mehrerer Füße als Verweise sivierten Handelsbeziehungen mit In-
druck der temporären Anwesenheit auf göttliche Präsenz. Ein schönes Bei- dien dürfte es darüber hinaus auch in
göttlicher Adressaten durch die Kom- spiel hierfür ist die Darstellung eines Bezug auf die vestigia­Stiftungen zu
bination mehrerer Fußpaare, die in etwa lebensgroßen beschuhten Fußes einem direkten Austausch zwischen
auf einem Mosaikfußboden im Mit- den Kulturen des antiken Mittelmeer-
reo della planta pedis («Mithraeum raumes und Indien gekommen sein;
der Fußsohle»; Abb. 7) in Ostia, der notwendig waren solche Kontakte für
Abb. 8 Fußeindrücke des Buddha oder Viṣṇus einen älteren Vorgänger in Form ei- die Anfertigung der im Folgenden be-
zusammen mit anderen Verehrungsobjekten
am heiligen Fluss Bagmati in Pashupatinath, nes in den Boden eingelassenen Ter- sprochenen asiatischen Beispiele al-
Nepal. rakotta­Fußes ersetzt; visualisiert ist lerdings nicht.
hier offensichtlich die Epiphanie des In ganz Asien finden wir seit dem
Gottes Mithras in seinem eigenen Tem- 2. Jt. v. Chr. eine große Anzahl von li-
pel. Eine ähnliche Funktion dürften near eingeritzten und als Negativrelief
vergleichbare, hier allerdings in den aus dem Stein herausgearbeiteten ar-
Mosaikboden eines Tempels einge­ tifiziellen Fußabdrücken. Diese kön-
lassene und vermutlich durch Edel­ nen, wie im griechisch­römischen Be-
metalleinlagen herausgehobene Fuß- reich, aus geschnittenen Quadern oder
spuren im Heiligtum der Demeter Steinplatten geschlagen oder aus der
und der Kore am Nordhang von Akro­ natürlichen Oberfläche von gewach-
korinth oder auf den Schwellen von senem Stein herausgearbeitet worden
Tempeln unterschiedlicher Gottheiten sein. Auch hier befinden sich die Dar-
in Thugga (Tunesien) und anderen stellungen fast ausnahmslos horizon-
Städten des römischen Nordafrika ha- tal präsentiert. Häufig überwiegt der
ben. In allen diesen Fällen handelt es Glaube, dass die Füße von erleuchteten
sich offensichtlich um emblematische und göttlichen Wesen sich durch ihre
Verweise auf die Anwesenheit bzw. Kraft in den Stein eingedrückt haben.
Omnipräsenz von Gottheiten, die eine Beispielhaft hierfür sind die zahlrei-

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

chen Negativausformungen der Füße


des buddhistischen Meisters Guru
Padmasaṃbhava in Tibet. Andere Ab-
drücke sollen sich wundersam selbst
erschaffen haben (svarūpa), als Zei-
chen göttlicher Allmacht; besonders
im Buddhismus und Islam werden sie
als «Reliquien» betrachtet.
Fußabdrücke in Asien sind vorran-
gig mit Sidhhārtha Gautama, dem his-
torischen Buddha (Abb. 8), und den
irdischen Leben der 24 erleuchteten
Lehrmeister der Jainas, den Jinas oder
Tīrthaṅkaras, verbunden. Der Jainis-
mus bildete sich zur gleichen Zeit wie
der Buddhismus im 6./5. Jh. v. Chr. in
Nordindien. Ab dem 8. Jh. finden sich
auch Fußabdrücke des Propheten
Muḥammad an verschiedenen Orten
in Südasien. Die Eindrücke und Fuß-
darstellungen dieser Heiligen stel-
Abb. 9 Gepaarte, linear eingeritzte Fußdarstellung eines Jinas mit symbolischen Verzierungen und
len Spuren vorübergehender Präsenz Inschrift auf Candragiri in Shravanabelgola, Südindien.
historischer oder mythischer Perso-
nen dar. Jedoch sind südasiatische
Beispiele ebenso mit den sich ewig
im Universum aufhaltenden und nur Gah im Industal, aus dem 3. bis 2. Jt. stellungen, die das Erreichen der Er-
temporär auf der Welt der Menschen v. Chr. Hinweise in der vedischen Li- leuchtung auf den beiden heiligen
weilenden Göttern assoziiert. Nennens- teratur Indiens (ca. 1500–500 v. Chr.) Bergen von Shravanabelgola in Kar-
wert sind besonders die hinduistischen beschreiben Verehrungskulte von Fuß- nataka markieren. Diese Praxis findet
Gottheiten Viṣṇu und Śiva, aber auch abbildungen, auch wenn keine aus sich in ganz Südindien. Im Norden des
die Göttin Lakṣmī. In diesem Kontext dieser Zeit erhalten sind. Als Teil von Subkontinents nahm die Schaffung
agieren die Fußabdrücke teils als Mar- narrativen Reliefs tauchen Fußabdrü- von Fußabdrucksteinen ab dem 10. Jh.
kierungen göttlicher Epiphanien und cke im frühen Indien in Steinpanee- deutlich zu und florierte besonders
teils als Emblem oder Symbol der Göt- len aus dem 1. Jh. v. Chr. auf; auch die während des 15. bis 18. Jhs. Wegen ih-
ter. Nicht typisch sind hingegen künst- berühmte Votivplatte (āyāga-paṭa) rer Abstraktion und philosophisch­re-
liche Fußabdrücke oder Konturen, die aus dem Ghoṣitārāma­Kloster in Kau- ligiösen Aussagekraft genießen Fuß-
«normal sterblichen» Menschen wie sambi, Uttar Pradesh, stammt aus der darstellungen bis heute sehr große
Pilgern oder Gläubigen zugeordnet Zeit um 75 v. Chr. Ebenso alt sind die Beliebtheit und eine weite Verbreitung
werden. Ihr irdisches Leben ist be- frühesten erhaltenen hinduistischen im gesamten asiatischen Raum.
grenzt und fügt sich in der Lehre der Fußdarstellungen, die mit Viṣṇu ver-
Wiedergeburten (saṃsāra) ohne Be- bunden sind (viṣṇupāda). Etwas spä- typen und variationen von Fuß-
deutung in eine Reihe von Lebens- ter, datiert auf das 2. Jh. n. Chr., sind darstellungen in Asien
spannen ein. die ersten separat gestalteten bud- Neben den bereits erwähnten linearen
dhistischen Fußabdrucksteine in In- Ritzungen und Abdrücken von Füßen
Beginn und Kontinuität asiatischer dien. Die meisten Fußabdrücke und wurden auch skulpturale Darstellun-
Fußskulpturen ­skulpturen in Asien, nun auch hin- gen ganzer Füße, der Fußoberseite
Unter den frühesten bekannten Fuß- duistisch, jinistisch und islamisch, oder der dreidimensional gestalte-
darstellungen in Asien befindet sich stammen jedoch aus der Zeit nach ten Fußsohlen von Heiligen geschaf-
die Petroglyphe eines beschuhten Fu- dem 5. Jh. n. Chr. Besonders aus dem fen, die besonders bei den Jainas
ßes, herausgearbeitet aus einem Fels- 6. und den Folgejahrhunderten haben große Beliebtheit genießen. Buddhis-
block zwischen Thak­Gah und Buto­ wir viele gepaarte jinistische Fußdar- tische Fußdarstellungen aus Südost-

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ANTIKE WELT 1/21
SpuReN voN Got tHeiteN, HeRoeN uNdeRleucHteteN – Zu Bedeutung und vielfalt artifizieller Fußspuren im antiken Mittelmeerraum und in indien

asien sind häufig überlebensgroß Darstellungen von Fußabdrücken Es können aber auch einfach zwei als
(ca. 1–2 m) und meist als einzelner, werden von unten häufig durch eine Schritt versetzte Füße sein, die beson-
stark verzierter und stilisierter Fuß- aus dem Stein geschlagene große of- ders in der Kunst Thailands und Laos
abdruck gearbeitet. Die Fußsohlen fene Lotusblüte unterstützt. Diese ab dem 13. Jh. das Wandern des Bud-
sind mit Symbolen kosmischer Signifi- bildet eine Art Podest, umrahmt die dha als ein Bild für den Beginn des
kanz geschmückt, die den Buddha als Füße und betont ihre Rein­ und Hei- Weges der Erleuchtung und der Ver-
Weltenherrscher (cakravartin) ehren. ligkeit. Andere Fußpaare werden von breitung der Lehre symbolisieren. Im
Ein beeindruckendes Exemplar dieses Blumenbordüren, Ranken oder Stif- Gegensatz zu dieser suggerierten Be-
Typs findet sich im Rautenstrauch­ tungsinschriften umrandet. Insbeson- wegung stehen Fußdarstellungen der
Joest­Museum in Köln. Im Kontrast dere in der Jaina­Kunst findet man Jainas eher für das meditative Stehen,
hierzu sind Fußdarstellungen der Ji- viele Beispiele von multiplen Fußpaa- die Versenkung und Abkehr vom welt-
nas – aber auch von Göttern und Göt- ren (Abb. 10). Dies rührt daher, dass lichen Leben. Häufig sind jinistische
tinnen des Hinduismus – lebensnaher, es 24 erleuchtete Lehrmeister gibt; Fußsohlenbilder an Stellen der Geburt
meist als Paar und in menschlichen wichtig ist aber auch, dass Orte, an de- und Erlösung ihrer Heiligen platziert,
Dimensionen gearbeitet. Auch hier nen bereits ein Heiliger die Erlösung um deren ersten oder letzten Kontakt
finden sich glücksbringende Symbole (nirvāṇa) erlangt hat, als geweiht gel- mit der menschlichen Welt zu kenn-
und Zeichen (maṅgala) wie das Rad, ten und dort die Erlangung der Erlö- zeichnen. Durch die Epiphanie wird
das Sonnensymbol der Svastika und sung leichter sein soll. der Ort geheiligt; und da die Erleuch-
die Lotusblüte, die in die Fußsohlen In der buddhistischen Kunst Süd­ tung das Ziel aller asiatischer Welt-
eingeritzt wurden (Abb. 9). Bei der und Südostasiens finden sich auch religionen ist, wird dem letzten Tritt
Aufsicht auf den Fußrücken wurden Spuren mehrerer Füße. Diese können der erlösten Lehrmeister besondere
auch Zehennägel im Detail herausge- mit den sieben ersten Schritten des Wichtigkeit zugeschrieben. Sie gel-
arbeitet. historischen Buddha erklärt werden. ten als Beweis, dass die Erleuchtung

Abb. 10
Neun als «Maṇḍala» an-
geordnete jinistische Fuß-
sohlendarstellungen, die
jeweils von einer offenen
Lotosblüte unterstützt
werden. Maṅg� Taṅg�, Zen-
tralindien.

46
ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

aus dem menschlichen Körper heraus


möglich ist.
Besonders Negativeindrücke sind
kraftvolle Bilder der Abwesenheit,
während Darstellungen von ganzen
Füßen oder Fußsohlen mehr an die
Präsenz des Lehrers und seiner Ver-
ehrung – durch das Berühren seiner
Füße – erinnern. Während menschli-
che Füße im gleichen kulturellen Um-
feld als unrein gelten, sind jene von
Göttern und Erleuchteten so rein, dass
man ihre Berührung als eine Segnung
betrachtet.

Die rituelle Verehrung heiliger


Füße in Südasien
Ebenso wie religiöse Statuen wer-
Abb. 11 Sicht auf den Fußrücken eines Jinas mit Zehennägeln, Reisdarreichungen und einem Ab-
den auch hinduistische, buddhisti- fluss in Kuhkopfform vom Berg Paraśnātha in Ostindien.
sche und jinistische Fußdarstellun-
gen täglich gebadet, indem sie mit
einer Mischung aus Wasser und Milch erinnerten fußförmige Graffiti nicht Soldaten – dies ist in Asien dagegen
übergossen werden. Um flüssige Op- selten an «einfache» historische Per- nicht bezeugt. Besonders bemerkens-
fergaben abzuleiten, sind viele Fuß- sonen wie Priester, Kultdiener oder wert waren bereits spätestens seit
steine mit kleinen Ableitungskanälen
(praṇālī) versehen. Während einige
geometrisch abstrakt sind, wurden Abb. 12 Aufsicht auf die mit Symbolen verzierten und mit Sandelholzpaste und Campher einbalsa-
andere in der Form des Kopfes einer mierten Steinfüße Viṣṇus aus Belur in Südindien.
Kuh und damit eines in Südasien als
heilig betrachteten Tieres gestaltet
(Abb. 11). Darüber hinaus werden die
Füße mit kühlenden Substanzen, wie
Sandelholzpaste oder Campher einge-
rieben, die die Skulpturen farblich ge-
stalten (Abb. 12). Opfergaben in der
Form von ungekochtem Reis, Früch-
ten, Blüten, Gewürznelken, Räucher-
stäbchen und Geldstücken werden auf
den Fußplatten dargebracht, während
man nachts kleine Lampen oder Ker-
zen entzündet.

Fußspuren und -darstellungen als


kulturübergreifendes phänomen
In mehreren Kulturen eigneten sich
Fußspuren und Wiedergaben einzel-
ner oder mehrerer Füße in besonderer
Weise, die Anwesenheit menschlicher
oder übermenschlicher Wesen zu me-
morieren. Im pharaonischen Ägyp-
ten und im antiken Mittelmeerraum

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ANTIKE WELT 1/21
SpuReN voN Got tHeiteN, HeRoeN uNdeRleucHteteN – Zu Bedeutung und vielfalt artifizieller Fußspuren im antiken Mittelmeerraum und in indien

dem 5. Jh. v. Chr. weit überlebens- ösen oder philosophischen Weg zu


große Fußspuren, die ähnlich wie in folgen. Ähnlich wie im antiken Mit- Adressen der Autoren
prof. dr. Julia A. B. Hegewald FRAS
Südasien angeblich aus den mächti- telmeerraum markieren sie physisch Rheinische Friedrich-Wilhelms-universität Bonn
gen Schritten von Gottheiten und He- und greifbar durch Epiphanien ge- institut für orient- und Asienwissenschaften (ioA)
Abteilung für Asiatische und islamische Kunstgeschichte
roen resultierten und seither an deren weihte Orte und symbolisieren ver- Adenauerallee 10
d-53113 Bonn
vorübergehende Präsenz erinnerten. gangene und anhaltende Präsenz; dies Prof. Dr. Ralf Krumeich
Inhaltlich eng mit dieser Überzeu- sind Glaubensmuster und Überzeu- Rheinische Friedrich-Wilhelms-universität Bonn
institut für Archäologie und Kulturanthropologie (AiK)
gung verbunden ist die spätestens in gungen, die wir in allen Kulturen der Abteilung für Klassische Archäologie
Am Hofgarten 21
der gleichen Zeit zunächst in Ägyp- Welt finden. Spezifisch für den asia- d-53113 Bonn
ten einsetzende Produktion separater tischen Raum ist jedoch die positive
Bildnachweise
Weihgeschenke in der Form von Stein- Konnotation der Loslösung von der Abb. 1. 8–12: Foto Julia A. B. Hegewald; 2: Nach
quadern oder ­platten mit der Wieder- Erde im Tod, symbolisiert durch den ph. A. dethier / A. d. Mordtmann, epigraphik von Byzan-
tion und constantinopolis von den ältesten Zeiten
gabe einzelner oder mehrerer Fußab- letzten Schritt. In Asien erfreuen sich bis zum Jahre christi 1453. denkschriften der Kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften, philosophisch-Historische
drücke, die Epiphanie, Omnipräsenz die Bilder von Füßen und Fußspuren classe 13 (1864) taf. 7 Abb. 29; 3: Foto Sherihan inalo;
4: Nach inscriptiones Graecae Xi 4, 1263; 5: © Hellenic
und potentielle Hilfsbereitschaft gött- einer noch heute anhaltenden akti- Ministry of culture and Sports; 6: Nach p. christodoulou,
licher Wesen visualisierten und of- ven Verehrung, und so sind hier auch les reliefs votifs du sanctuaire d’isis à dion, Bibliotheca
isiaca 2 (2011) 17 Abb. 7; 7: Foto Ferdinand Wulfmeier.
fenbar – ähnlich wie in Südasien – in die mit ihnen verbundenen rituellen
rituelle Praktiken wie Öl­ und Wein- Praktiken besonders gut dokumen- Literatur
l. cAStiGlioNe, vestigia, in: Acta Archaeologica Acade-
spenden einbezogen waren. Anders als tiert. miae Scientiarum Hungaricae 22 (1970) 95–132.
im asiatischen Bereich handelte es sich In diesem kurzen Beitrag wurden K. duNBABiN, Ipsa deae vestigia … Footprints divine
and human on Graeco-Roman monuments, in: Journal of
allerdings in der Regel um recht ein- sehr frühe Beispiele dieses Phäno- Roman Archaeology 3 (1990) 85–109.
fache und «erschwingliche» Weihge- mens aus Ägypten, Griechenland und J. A. B. HeGeWAld (Hrsg.), in the Footsteps of the Masters:
Footprints, Feet and Shoes as objects of veneration
schenke, die niemals im Zentrum der dem Römischen Reich vorgestellt so- in Asian, Islamic and Mediterranean Art. Studies in Asian
Art and culture, SAAc 7 (2020).
entsprechenden Heiligtümer standen. wie zeitlich spätere Darstellungen
J. A. B. HeGeWAld, Pādukās: Revered Foot Imprints in the
Fußspuren erleuchteter und göttli- aus dem asiatischen Raum. Deutlich Jaina art of india, in: l. R. Greaves / A. Hardy (Hrsg.),
Bridging Heaven and earth: Art and Architecture in South
cher Wesen stellen auch in Asien eine wurden neben mehreren Parallelen Asia, 5th–21st century ce (2020) 163–174.
Brücke zwischen den Normalsterbli- selbstverständlich auch kulturspezifi- R. KRUMEICH, ‹Footprints› and Sculpted Feet: Enduring
Marks of Human presence and divine epiphany in classi-
chen und dem Übernatürlichen her. sche Unterschiede. Zumindest in die- cal Antiquity, in: Hegewald 2020, 143–220.
Die Abdrücke scheinen als Beweise sen Kulturen galten und gelten arti- A. M. QUAGLIOTTI, Buddhapadas: An essay on the
Representations of the Footprints of the Buddha with a
der Existenz höherer Realitäten und fizielle Fußspuren nicht zuletzt als descriptive catalogue of the indian Specimens from
ihrer zumindest temporären Anwe- besonders prägnante Hinweise auf die the 2nd century B.c. to the 4th century A.d., institute of
Silk Road Studies, Memoirs 2 (1998).
senheit in unserer Welt zu gelten und Präsenz und Wirkung der jeweils ver- l. Revell, Footsteps in Stone: variability within a Global
regen Menschen dazu an, dem in den ehrten anthropomorphen Gottheiten culture, in: S. e. Alcock / M. egri / J. F. d. Frakes (Hrsg.),
Beyond Boundaries. connecting visual cultures in the
heiligen Spuren gezeichneten religi- und Heiligen. provinces of Ancient Rome (2016) 206–221.

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Fotografien von
Yvonne von Schweinitz
aus den Jahren 1953
und 1960
SYRIEN
FRAGMENTE EINER REISE
FRAGMENTE EINER ZEIT
18.12.2020
11.04.2021

ARCHÆOLOGISCHES
MUSEUM FRANKFURT archaeologisches-museum-frankfurt.de

48
ANTIKE WELT 1/21
DIE ERSTE UNTER DEN HELLENISCHEN UND
BARBARISCHEN STÄDTEN
Ein Blick auf Samos zur Zeit des Polykrates

«Er stand auf seines Daches Zinnen, er schaute mit vergnügten Sinnen auf das beherrschte
Samos hin». Mit diesen Worten beginnt die bekannte Ballade Der Ring des Polykrates
von Friedrich Schiller. Polykrates, der Protagonist des schillerschen Gedichts, war ein Tyrann,
der in der zweiten Hälfte des 6. Jhs. v. Chr. über Samos regierte und zu jenen Figuren
des klassischen Altertums gehört, die sich bis zum heutigen Tage großer Aufmerksamkeit
der Gelehrten erfreuen.

von Jakub Kuciak gos (plural logoi), der zu den bedeu- setzungen begegnen, geschah erst in
tungsreichsten Begrifflichkeiten im der hellenistischen Epoche. Die sami-

D ie Gestalt von Polykrates ist un-


trennbar mit Samos (Abb. 1) und
den Historien Herodots verbunden,
Griechischen zählt, ist im Hinblick auf
das herodoteische Werk von großer
Bedeutung. Er bezieht sich nämlich
schen logoi setzen sich dementspre-
chend aus drei Erzählungen zusam-
men, in denen Herodot das Schicksal
denn sie stellt eine wesentliche Figur auf die ursprüngliche Einteilung der (und vor allem den Untergang) des
im 3. Buch seines Werkes dar. Der sa- Historien in logoi, d. h. – sehr verein- Polykrates (der erste und zweite lo-
mische Tyrann ist nämlich der Prota- facht – in einzelne Erzählungen. Die gos; 3, 39–60; 120–125) und die Er-
gonist der sog. samischen logoi. Der Einteilung in neun Bücher, der wir in eignisse auf der Insel nach dem Able-
schwierig zu übersetzende Begriff lo- den modernen Ausgaben und Über- ben des Tyrannen (der dritte logos; 3,

Abb. 1 Blick auf das Heraion von Samos.

49
ANTIKE WELT 1/21
Die erSTe unTer Den HelleniSCHen unD bArbAriSCHen STäDTen – Ein Blick auf Samos zur Zeit des Polykrates

nauer zu bestimmenden Zeitpunkt, zu jener Zeit, als die Athener die Herr-
definitiv vor Polykrates, als Aisymnet scher des ägäischen Meeres waren,
betätigte. In archaischer Zeit waren was sie ihrer führenden Stellung im
die Aisymneten, deren Macht Aristo- Attisch-Delischen Seebund zu verdan-
teles in der Politik als «gewählte Ty- ken hatten. Diese politischen Verhält-
rannis» (Pol. 3, 1285a) bezeichnet, nisse bewogen die Zeitgenossen Hero-
eine Art von Schiedsrichtern und Ver- dots dazu, die Seeherrschaft auch auf
söhnern, die im Angesicht eines inne- theoretischer Ebene zu betrachten. So
ren Konfliktes berufen wurden, den schrieb ein als Pseudo-Xenophon be-
die alten Griechen stasis zu nennen zeichneter Autor das Traktat Athena-
pflegten. ion politeia, in dem er die Vorteile der
Wie die Machtergreifung des Poly- Thalassokratie unter die Lupe nahm.
Abb. 2 Tetradrachme, Zankle, 494–489
v. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen krates verlaufen ist, lässt sich anhand Darin heißt es, die athenische Demo-
zu Berlin. der Historien bedauerlicherweise kratie stütze sich auf Seeherrschaft:
nicht genau bestimmen. Gleichwohl «Das Volk es ist, das die Schiffe rudert
kann der im 2. Jh. n. Chr. lebende Au- und dadurch der Stadt ihre Macht ver-
tor Polyainos die damalige Situation schafft» (Ps. Xen. 1,1,2). Auch Polykra-
139–149) schildert. Für die Forscher, etwas erhellen. Er berichtet in sei- tes war ein Teil dieser Debatte. In der
die sich mit dem polykratischen Sa- nem Werk Strategemata, also einer Geschichtsschreibung der klassischen
mos auseinandersetzten, sind die sa- Sammlung von militärischen Listen Zeit – sowohl bei Herodot, als auch bei
mischen logoi als Quelle nicht wegzu- von Feldherren und Herrschern, dass Thukydides – wurde er nämlich ne-
denken, wobei man im Auge behalten Polykrates mit seinen Brüdern Pan- ben Minos als ein Beispiel eines See-
muss, dass der von Herodot darge- tagnotos und Syloson während eines herrschers dargestellt. Seine Flotte
stellte Polykrates sich von der histo- Festes der Göttin Hera die wichtigsten soll laut Herodot aus einhundert Fünf-
rischen Figur unterscheidet. Der Ge- Plätze der Stadt besetzt und die Akro- zigruderern und vierzig Dreiruderern
schichtsschreiber aus Halikarnass ließ polis – die Burg – befestigt hat (Strate- bestanden haben. Zusätzlich schreibt
nämlich dem Tyrannen eine bestimmte gemata 1, 23). Dass er anfänglich mit die außerherodoteische Tradition Po-
Rolle zuteilwerden. In den Historien den genannten Brüdern herrschte, le- lykrates den Bau von Samaina zu, d. h.
wurde Polykrates in erster Linie als sen wir ebenfalls bei Herodot, der je- von einem Schiffstyp, der als Handels-
ein Opfer der Göttereifersucht präsen- doch hinzufügt, Polykrates habe als- und Kriegsschiff gedient haben soll.
tiert, was ihn zu einem wesentlichen bald Pantagnotos töten und Syloson Ein äußeres Kennzeichen von Samaina
Element des herodoteischen Geschichts- vertreiben lassen und sei damit zum war der Rammsporn in Gestalt von
denkens macht. Dies wird später noch Alleinherrscher geworden. Schweineköpfen, welcher auf Münzen
erläutert werden. Lassen wir uns in aus dem frühen 5. Jh. v. Chr. zu sehen
diesem Text von Friedrich Schiller be- «Schwimmt deiner Flotte ist (Abb. 2). Mithilfe einer stattlichen
gleiten – die Überschriften stammen zweifelnd Glück» Flotte gelang es Polykrates, nicht nur
nämlich aus seinen Balladen Der Ring Die Kunde vom Tyrannen und sei- die Unabhängigkeit von den Persern
des Polykrates und Die Kraniche des ner schnell wachsenden Macht ver- zu bewahren (zumal die Phönizier
Ibykus. breitete sich in ganz Hellas, insbe- nicht Untertanen der Perser waren
sondere in Ionien. Nun stellt sich und die Perser selber keine Seefahrer
«Dieß alles ist mir unterthänig» aber die Frage nach den Grundlagen gewesen sind, wie Herodot berichtet),
Die Herrschaft des Polykrates wird zu der polykratischen Gewalt. Eine war sondern auch seine Herrschaft auszu-
Beginn der samischen logoi kurz und ohne Zweifel die Seeherrschaft, die dehnen. Thukydides äußert sich, dass
bündig beschrieben. Der Tyrann soll in der Forschung als Thalassokratie Polykrates «gestützt auf seiner Flotte,
die Macht durch einen Aufstand er- bezeichnet wird (aus dem Griechi- einige andere Inseln unterwarf und
griffen haben. Dass es zu den innen- schen thalassa/thalatta – Meer und auch Rheneia eroberte» (1,12), wäh-
politischen Spannungen in der sami- kratein – herrschen). Die herodote- rend Herodot ergänzt, der Samier
schen Oberschicht (die sog. geomoroi, ischen Überlegungen zur Seeherr- habe auch viele Orte auf dem Festland
übersetzt Landbesitzer) gekommen schaft trafen den Nerv der Zeit, denn gewonnen. Dies scheint allerdings an-
ist, beweist die Tatsache, dass sich ein seine Historien entstanden in der gesichts der persischen Anwesenheit
gewisser Phoibias an einem nicht ge- zweiten Hälfte des 5. Jhs. v. Chr., d. h. in Kleinasien fragwürdig zu sein.

50
ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Abb. 3
Der «Große Kouros»
von Samos.

51
ANTIKE WELT 1/21
Die erSTe unTer Den HelleniSCHen unD bArbAriSCHen STäDTen – Ein Blick auf Samos zur Zeit des Polykrates

«Gestehe, daß ich glücklich bin» hen, wohin er wollte», wie Herodot herodoteische Historiosophie einge-
In den Historien Herodots taucht wie- schreibt, «es glückte ihm alles». Dies fügt ist, sollte nicht als eine rein lite-
derholt das Motiv des menschlichen war der Aufmerksamkeit des Amasis II. rarische Erfindung betrachtet wer-
Glücks und seiner Labilität auf. Be- nicht entgangen, der mit dem Griechen den, denn der Bericht spiegelt, bis zu
reits im Proömium (Einleitung) sei- Gastfreundschaft (gr. xenia) geschlos- einem gewissen Maße, die damaligen
nes Werkes bringt der Historiker sen habe. Der Pharao drückte seine politischen und kulturellen Verhält-
die Überzeugung zum Ausdruck, das Sorgen um seinen Freund in einem nisse wider. Hervorzuheben sind die
menschliche Glück stehe nie still. Briefwechsel aus. In einem Brief legte samischen Beziehungen mit Ägyp-
Diese Aussage wird in aller Ausführ- er Polykrates ans Herz, seinen schein- ten. Herodot erwähnt nicht nur die
lichkeit in einem logos thematisiert, bar teuersten Besitz loszuwerden. Der Freundschaft zweier Herrscher, son-
der ein Gespräch zwischen dem Athe- Tyrann suchte sich einen Ring aus sei- dern auch, dass die Samier in Naukra-
ner Solon und dem lydischen König ner Schatzkammer aus – ein Werk von tis – eine griechische Handelsstadt im
Krösus schildert, das man folgender- Theodoros – und warf ihn ins Meer. Nildelta – ihren eigenen heiligen Be-
maßen resümieren kann: Das Glück Nach ein paar Tagen allerdings kehrte zirk für Hera besessen hätten. Amasis
des Menschen ist auf keinen Fall sta- der Ring im Bauch eines Fisches er- selbst soll ins samische Heraion Weih-
bil, die Götter sind neidisch und wer- staunlicherweise zurück. Dies bewog geschenke für diese Göttin geschickt
den jeden strafen, der hybris (Über- Amasis dazu, seine Freundschaft mit haben. In den Überresten dieses Hei-
mut) zeigt. Auch die samischen logoi Polykrates aufzukündigen. ligtums (vgl. Abb. 1) wurde in den
sind mit diesem Motiv durchwoben. Der Briefwechsel zwischen den 1980er Jahren der sog. große Kouros
«Polykrates konnte in den Krieg zie- beiden Herrschern, obwohl er in die von Samos ausgegraben, d. h. eine ge-
waltige männliche Statue, die ägyp-
tische Einflüsse aufweist – eines der
Kennzeichen der griechischen Kunst
in archaischer Zeit. Der Kouros ist zur-
zeit im Archäologischen Museum von
Samos zu bewundern (Abb. 3).
Die Information, dass Amasis «die
Gastfreundschaft aufkündigte», spie-
gelt aller Wahrscheinlichkeit nach ei-
nen tatsächlichen Bruch wider, des-
sen Wurzeln freilich keineswegs im
scheinbar allzu großen Glück des Poly-
krates liegen müssen. Im ersten Buch
der Historischen Bibliothek des Diodor
(1. Jh. v. Chr.) entzweien sich zwar die
beiden Herrscher, vom Ring ist aber
keine Rede (Diod. 1,95). Der Histori-
ker aus Sizilien liefert dagegen eine
andere Erklärung: Der Tyrann sei so
grausam und rücksichtslos, nicht nur
gegenüber seinen eigenen Bürgern,
sondern auch Fremden gegenüber
gewesen, dass Amasis ihm schriftlich
die Freundschaft und das Gastrecht
aufkündigte. In der Forschung wird
außerdem auch darauf aufmerksam
gemacht, dass nicht der Pharao, son-
Abb. 4
Porträtbüste des Ana- dern Polykrates spiritus movens des
kreon. Römische Bruches gewesen sein dürfte, der
Kopie nach einem grie-
chischen Original. angesichts der Expedition, die Kam-
Neues Museum, Berlin. byses 525 v. Chr. gegen Ägypten un-

52
ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Abb. 5 Papyrus aus Oxyrhynchus mit einem Ibykos-Fragment.

ternommen hatte, dem Großkönig mili- ignorierte die Botschaft der Götter, zu als ein Unternehmen verstanden wer-
tärische Hilfe leistete (Hdt 3,44). denen auch die Träume gehören. Die den, dessen Antrieb hybris war. Poly-
Weissagung erfüllte sich – Polykrates krates könnte darüber hinaus zum
«Die Götter wollen dein wurde gekreuzigt und «gebadet von Opfer einer Verschwörung gewor-
Verderben» Zeus, wenn es regnete, gesalbt von den sein. In seinem Dialog Charon be-
Wie Amasis prophezeite, verschonten der Sonne, indem aus seinem eigenen richtet Lukian von Samosata (2. Jh.
die Götter Polykrates nicht, dessen jähes Leib der Saft austrat». Die Habgier des n. Chr.), dass «sein Sklave (…) Maian-
Ende uns Herodot im zweiten sami- Polykrates wird in der von Herodot drios ihn an den Satrapen Oroites ver-
schen logos vor Augen führt. Polykra- kolportierten Anekdote sichtbar, denn raten werde.»
tes wurde nämlich auf Geheiß des per- Oroites schaffte es den samischen Ty-
sischen Satrapen Oroites ermordet. rannen mit Truhen, die vorgeblich mit Zum Kampf der Wagen und
Im Bericht des Historikers offenbart Gold gefüllt waren, nach Magnesia zu Gesänge – Polykrates und Dichter
sich die hybris (Hochmut), ate (Ver- locken – in Wahrheit befanden sich Samos war in der archaischen Zeit
blendung) und Habgier des Tyrannen. in diesen Kisten unter einer dünnen auch von Bedeutung wegen der lite-
Die Tochter des Polykrates riet ih- Goldschicht nur Steine. rarischen Tätigkeiten von Dichtern,
rem Vater ab, nach Magnesia zu Oroi- Diese Geschichte beinhaltet wahr- die im archaischen und klassischen
tes aufzubrechen. Sie träumte näm- scheinlich ein Körnchen Wahrheit. Sie Griechenland an Herrscherhöfen eine
lich, «der Vater schwebe hoch in der bezieht sich auf die Endphase der po- gängige Erscheinung darstellten. Be-
Luft und werde gebadet von Zeus und lykratischen Regierung. Während die- reits in der Odyssee begegnen wir am
gesalbt von der Sonne» (Hdt 3,124). ser Zeit dürfte Polykrates in ökonomi- Hof des phäakischen Königs Alkinoos
Indem der Tyrann diesen Ratschlag sche Schwierigkeiten geraten sein. Die dem blinden Sänger Demodokos, des-
missachtete, beging er hybris, denn er Reise zu Oroites soll von daher nicht sen Gesang bei einem Gelage den noch

53
ANTIKE WELT 1/21
Die erSTe unTer Den HelleniSCHen unD bArbAriSCHen STäDTen – Ein Blick auf Samos zur Zeit des Polykrates

zwei Quellen nachvollziehen: einem letzte Strophe dar, die den Namen Po-
Fragment (Fr. 347) des Anakreon, in lykrates nennt:
dem der Dichter sich wehmütig einem
Knaben zuwendet, dem die Haare ab-
geschnitten wurden, und den Philoso- «Wie ein dreimal geläutertes Gold glänzt /
neben roherz, so strahlte sein Wesen. / un-
phischen Vorträgen des Maximos von ter solchen, Polykrates, wirst auch / Du un-
Tyros. Der im 2. Jh. n. Chr. lebende sterblichen Ruhm deiner Schönheit genie-
Rhetor berichtet (Vortrag 20): «Der ßen, / Wenn mein Gesang ähnlichen ruhm
gewinnt».
Thraker Smerdies (…) wurde als Ge-
Abb. 6 Nach Polykrates benannte Straße in
Pythagorio. schenk dem ionischen Tyrannen Po-
lykrates, dem Samier gebracht. Die-
ser freute sich des Geschenkes, und «Du hast der Götter Gunst
so liebte Polykrates den Smerdies und erfahren!»
nicht erkannten Odysseus zu Tränen zugleich mit ihm liebte dieser den te- Haben die Götter Polykrates wirklich
rührte. Im Falle des Polykrates han- ischen Dichter Anakreon. Und Smer- vernichtet, wie es den herodoteischen
delt es sich um Anakreon aus Teos, dies erhielt von Polykrates Gold und logoi zu entnehmen ist? Von wegen!
der nicht nur auf Samos, sondern auch Silber und was sich sonst an Geschen- Es scheint ganz im Gegenteil, dass Po-
an Höfen anderer Herrscher, v. a. in ken eines verliebten Tyrannen für ei- lykrates immer lebendig bleibt. Da-
Athen, zur Feder griff (Abb. 4). Es ist nen schönen Jüngling denken lässt. für spricht nicht nur, dass man ihn
nicht auszuschließen, dass Anakreon Von Anakreon aber erhielt er Lieder sowohl in der Antike, als auch in der
auf Einladung von Aiakes, dem Vater und Lob und was sich sonst von einem Neuzeit (z. B. Schiller) besang und dass
des künftigen Tyrannen, kam, um dem liebenden Dichter denken lässt.» Aus in der Forschung über den Tyrannen
jungen Polykrates als Lehrer und Be- diesem Grund dürfte Anakreon in sei- unentwegt etwas Neues geschrieben
treuer zur Seite zu stehen. Das Werk ner Dichtung den samischen Allein- wird, was zu fruchtbaren Diskussio-
des Anakreon war sympotischer Na- herrscher nicht nur gelobt, sondern nen anregt. Bezeichnend ist auch die
tur, d. h. die Lieder wurden beim sym- auch kritisiert oder angegriffen ha- Tatsache, dass die Hauptstraße der
posion (Trinkgelage) vorgespielt, in ben. heutigen Stadt Pythagoreio ausgerech-
denen man hauptsächlich Liebe und Kehren wir an dieser Stelle kurz zu net nach Polykrates benannt wurde
Wein besang. Bedauerlicherweise ver- Friedrich Schiller zurück und einer (Abb. 6). Polykrates ist also eine wich-
fügt man heutzutage über kein Gedicht anderen Ballade: Die Kraniche des Iby- tige Identifikationsfigur auch für die
des Anakreon, das sich auf Polykra- kus, die sich auch auf das archaische modernen Samier geblieben.
tes bezieht. Dass er aber für Polykra- Samos beziehen, wenngleich nicht so
tes Verse verfasst haben muss, kann direkt wie Der Ring des Polykrates. Das
man dem Bericht von Strabon ent- Gedicht besingt den Mord am Poeten
Adresse des Autors
nehmen, der im 14. Buch seiner Geo- Ibykos, den die Kraniche kundgeben Jakub Kuciak
graphie informiert, dass die anakre- sollten. Zwar ist hier von Samos nicht Jagellonen-universität zu Krakau
Sprachzentrum
ontische Dichtung «voller Hinweise» unmittelbar die Rede, Ibykos wurde ul. Ingardena 3
Pl-33-332 Kraków
auf Polykrates gewesen sei und dass auf dem Wege zu den Isthmischen
er mit dem Tyrannen zusammenge- Spielen in Korinth ermordet, aber der Bildnachweis
lebt habe (14.16 [638C]). Die anakre- Dichter ist mit dieser Insel eng ver- Abb. 1. 3: Foto Agnieszka Kuciak; 2: Münzkabinett der
Staatlichen Museen zu berlin, AM-001/82b; 4: akg-images /
ontischen Lieder könnten selbstver- bunden. Obwohl der Aufenthalt und Album / Prisma; 5: The Oxyrhynchus Papyri vol. XV
ständlich Lob an Polykrates enthalten die Tätigkeit des Ibykos auf Samos bei no. 1790; 6: Foto Jakub Kuciak.

haben, was durchaus von einem Hof- den antiken Autoren kaum erwähnt
Literatur
dichter zu erwarten ist. Aus den nur wird, verfügen wir über ein beson- r. biCHler / r. rOllinGer, Herodot (42014).
fragmentarisch erhaltenen Samischen deres Zeugnis – eine zeitgenössische A. CARTY, Polycrates, Tyrant of Samos. New Light on
Chroniken des Alexis von Samos er- Quelle. 1922 wurde nämlich ein aus Archaic Greece (2015).

fährt man allerdings, dass Polykra- dem 2. Jh. v. Chr. stammender Papyrus l. De liberO, Die ältere Tyrannis (1996).

tes und Anakreon miteinander um ei- publiziert, auf dem ein Gedicht erhal- T. HArriSOn, Divinity and History. The religion of Hero-
dotus (2000).
nen Knaben wetteiferten und dass der ten geblieben ist, dessen Autorschaft
e. STein-HÖlKeSKAMP, Das archaische Griechenland.
Tyrann dem Knaben voller Zorn die Ibykos zugeschrieben wurde (Abb. 5). Die Stadt und das Meer (2015).

Haare abschnitt. Dies lässt sich durch Die Krönung des Gedichts stellt die

54
ANTIKE WELT 1/21
DAS «ILÍOU MÉLATHRON»
Heinrich Schliemanns Haus in Athen

Schliemanns Haus in Athen befindet sich noch heute in der Panepistimiou Straße 12, fünf
Gehminuten vom Syntagma-Platz und eine halbe Stunde von der Akropolis entfernt.
Es ist eines der schönsten Gebäude in Athen. Bevor er dort lebte, war er um die ganze Welt
gereist, wobei er in Hotels oder kleinen Wohnungen wohnte, aber nach seinen Fünfzigern,
als er sehr reich wurde, wollte er endlich ein großes und schönes Haus, in dem er von den
Symbolen umgeben war, die für seine Lebensideale repräsentativ waren.

von Umberto Pappalardo suchern Geld lieh. Während des Krim- und Proviant. Nachdem er Milliardär
krieges versorgte er zudem die Sol- geworden war, zog er sich im Alter von
chliemann wurde 1822 in Neubu- daten des Zaren mit Kriegsmaterial 46 Jahren aus dem Geschäft zurück,
S kow, Mecklenburg geboren (Abb. 1).
Schon in jungen Jahren begeisterte er
sich für die alten Zivilisationen, v. a.
für die Heldentaten der Stadt Troja, da Abb. 1 Porträt von Heinrich Schliemann. Moskau, Puškin Museum.
sein Vater ihm abends die Ilias und die
Odyssee vorlas. Zu dieser Zeit wurde
jedoch angenommen, dass die Stadt
nie existiert hatte. Er verlor seine
Mutter im Alter von neun Jahren. Der
Vater lebte weiter und vergnügte sich
mit Frauen und verprasste das Geld.
Also musste der junge Heinrich sein
Studium abbrechen und arbeiten ge-
hen. Er konnte als Autodidakt Rus-
sisch, Italienisch, Französisch und
Englisch sprechen, später auch He-
bräisch, Arabisch, Spanisch und Alt-
griechisch. Wie hatte er das gemacht?
Sehr einfach … Schliemann lernte sie
mit Hilfe einer mehrsprachigen Aus-
gabe der Aventures de Telemaque und
weiteren fremdsprachigen Büchern,
die er auswendig lernte. Er verglich
auch die verschiedenen Versionen der
Bibel, die per Definition wörtlich und
treu sein mussten. Außerdem be-
suchte er an jedem Sonntag die engli-
sche Kirche und wiederholte den Pre-
digttext.
Als Händler und Unternehmer sam-
melte er zunächst in den USA ein gro-
ßes Vermögen, indem er den Gold-

55
ANTIKE WELT 1/21
DAS «ILÍOU MÉLATHRON» – Heinrich Schliemanns Haus in Athen

um sich ausschließlich den Reisen und dieser Zeit in Athen sehr aktiv war. Originalentwürfe befinden sich noch
der Archäologie zu widmen. Als uner- Ziller (1837–1923) war Schüler und heute in der Nationalen Kunstgalerie
müdlicher Reisender ging er bis nach dann Assistent von Theodor Hansen von Athen (Abb. 3). Nach Abschluss
China und Japan. Er heiratete 1869 in in Wien und dann Professor für Archi- der Architekturprojekte trafen sich
zweiter Ehe Sophia Engastroménou tektur an der Akademie der bildenden die beiden Herren jeden Donnerstag,
und ließ sich in Athen nieder. Künste in Athen, wo er die griechische um über die Innenausstattung zu ent-
Er unternahm berühmte archäo- Staatsbürgerschaft annahm. Er war scheiden und die Themen auszuwäh-
logische Expeditionen in die Türkei der Erste, der die antike Polychro- len, die den Künstlern in Auftrag gege-
(Troja) und nach Griechenland (My- mie der griechischen Architektur und ben werden sollen. Schliemann wollte
kene, Tiryns und Orchomenos). Ge- Marmorskulpturen erkannte. In Athen das neue Haus «Ilíou Mélathron» nen-
rade in der Türkei, auf dem Hügel entwarf er teilweise selbst weit über nen, was auf Griechisch «Palast von
von Hissarlik, entdeckte er die Stadt 900 Gebäude. Er grub das Theater des Ilios» bedeutet, der der mythische
Troja, wo er 1873 eine außergewöhn- Dionysos und 1895 das Panathenai- Gründer von Troja war.
liche Entdeckung machte: den «Schatz sche Stadion aus und baute es wie-
des Priamos»: etwa 9000 Objekte, die der auf. Er starb arm, obwohl er sehr Die architektonische Struktur
nach seiner Deutung vor der Zerstörung lang Architekt oder Designer wunder- des Gebäudes
der Stadt verborgen wurden. Schlie- schöner neoklassizistischer Gebäude Das Gebäude, das an drei Seiten von ei-
mann exportierte diese heimlich nach in ganz Griechenland war. So entwarf nem großen Garten umgeben ist, besteht
Griechenland, wurde jedoch von der er u. a. das Gebäude auf dem Omonia- aus vier Ebenen: einem Erdgeschoss,
türkischen Regierung des illegalen Ex- Platz, das des Deutschen Archäologi- zwei darauffolgenden Stockwerken und
ports beschuldigt und zu einer hohen schen Instituts, das Zappion (ehema- einer von einer Mauerwerksbalustrade
Geldstrafe verurteilt. Er beschloss je- liger Hauptsitz des Internationalen gesäumten Dachterrasse. Draußen mar-
doch, das Dreifache der Strafe zu be- Olympischen Komitees; Abb. 2), das kieren isodomische gebosselte Blöcke
zahlen, um der alleinige Besitzer die- Archäologische Nationalmuseum, die das schwere Volumen des Erdgeschos-
ses Schatzes zu werden, den er dann Akademie, die Nationalbibliothek, das ses, aber der Blick des Betrachters
1881 an das Völkerkundemuseum in Haus der Reeder Stathatos (heute Mu- wird sofort von den beiden elegan-
Berlin spendete. Während des Zwei- seum für die kykladische Kunst), das ten Logen mit Arkaden angezogen, die
ten Weltkriegs wurde der Schatz von Haus der Melas, das Nationaltheater, von schlanken ionischen Säulen ge-
den Sowjets geraubt und nach Mos- die Nationalbank, den neuen Königs- tragen werden und dem «Palast» den
kau gebracht, wo er noch heute im palast (heute die Residenz des Präsi- angenehmen Charakter einer «städti-
Puschkin-Museum aufbewahrt wird. denten), die Zentralpost und, außer- schen Villa» verleihen.
Während er auf die Genehmigung halb von Athen, den Stadtmarkt von Das Erdgeschoss war für Dienst-
für die weiteren Ausgrabungen in Eghion (heute Archäologisches Mu- leistungen vorgesehen. Auf der Ebene
Troja wartete, grub er in Griechenland seum), das Apollon-Theater von Pat- des Gartens befanden sich hier die
und in Italien (Albano und Mozia) aus. ras, das Archäologische Museum von Dienstbotenunterkünfte, der Keller,
In Mykene machte er wieder unglaub- Olympia und viele weitere mehr. die Küche und das Bad. Der Keller und
liche Entdeckungen: die Gräber der In dem Ernennungsschreiben schrieb die Küche konnten auch von innen
mykenischen Herrscher mit Werkzeu- ihm Schliemann: «Da ich mein ganzes oder vom Keller des ersten Stocks aus
gen, Waffen, Juwelen, Brustpanzern Leben in kleinen Häusern gelebt habe, betreten werden, wo eine Inschrift an
und goldenen Grabmasken, darunter möchte ich meine letzten Jahre in ei- der Tür eymaría oder «Wohlstand»
die berühmte «Goldmaske des Aga- nem grossen Gebäude verbringen. ankündigt, eine Anspielung auf das
memnon». Er starb am 26. Dezember Ich möchte grosse Räume und nichts körperliche Wohlbefinden und die
1890 in Neapel im Alter von 68 Jahren mehr. Sie können den Stil wählen, den Freuden des Lebens.
an einer schlecht behandelten Otitis, Sie bevorzugen, meine einzige An- Das Erdgeschoss hatte auch die
die zu Meningitis degenerierte. frage ist eine Marmortreppe vom Erd- Funktion vom caveau bzw. «Museum»,
geschoss bis zum ersten Stockwerk wo sich die Schätze aus Troja und My-
Schliemann und Ziller und eine Terrasse ganz oben». kene befanden (Abb. 4). Schliemann
Bei dem Projekt seines athenischen Mit diesen einfachen Angaben be- wollte hier das breite Netz der kom-
Hauses wurde Schliemann von seinem gann Ziller «für das Haus von Dok- merziellen Kontakte zwischen den
Freund Ernst Ziller unterstützt, einem tor Heinrich Schliemann an der Uni- Gebieten rund um die Ägäis zeigen
neoklassizistischen Architekt, der zu versitätsstrasse» zu entwerfen. Die (Abb. 5). Leider ist diese Etage nicht

56
ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Abb. 2 Ernst Ziller, das Zappeion in Athen.

Abb. 3 Ziller, Originalzeichnungen für das Ilίou Mélathron, Parterre.

57
ANTIKE WELT 1/21
DAS «ILÍOU MÉLATHRON» – Heinrich Schliemanns Haus in Athen

mehr zugänglich, da sie von der Di- zeption und einen bedachten Flur, eine führte, von der aus man den Blick auf
rektion des Numismatischen Muse- große Empfangshalle, die sog. Halle Athen vom Lykabettus zur Akropolis
ums besetzt wird. Es ist jedoch na- der Hesperiden, verschiedene Gäste- und zum Piräus bewundern konnte.
heliegend, sich vorzustellen, dass die zimmer und einen Speisesaal. Bis in die 1920er Jahre standen zwölf
Schätze von Priamos und Agamemnon Der zweite Stock hatte eine private Terrakotta-Kopien berühmter über-
hier ausgestellt wurden. Funktion. Es gab einen Flur, das Büro lebensgroßer Skulpturengruppen auf
Der erste Stock war für repräsen- und das Arbeitszimmer, eine Biblio- den Säulen der Balustrade, die Schlie-
tative Funktionen vorgesehen. Der thek und private Unterkünfte. Es ist mann in Wien bestellte. Andere Ton-
Zugang erfolgte durch einen elegan- derzeit wegen eines Brandes im Feb- kopien berühmter Marmorskulpturen
ten weißen Eingangsvorraum, der von ruar 2019 geschlossen. wurden in den Garten gestellt. Heute
zwei schlanken ionischen Säulen un- Das gesamte Gebäude wurde von befinden sich sechs davon immer noch
terbrochen wurde. Hier gab es einen der von Schliemann gewünschten ele- im Garten: die Amazone Mattei, zwei
kleinen Raum, der wahrscheinlich für ganten weißen Treppe durchquert, die Meleager, ein Anadoumenos vom Typ
den Portier vorgesehen war, eine Re- vom ersten Stock zur großen Terrasse Farnese, der Satyr des Praxiteles und
die sog. Große Herkulanerin (Typ Dres-
den).
Eine doppelte elegante Marmor-
Abb. 4 Museumseingang mit der Kopie der hellenistischen Helios-Metope aus Troja. treppe führte direkt zum Eingang des
Hauses, während draußen eine be-
scheidenere Gusseisentreppe den di-
rekten Abstieg vom Haus zum Garten
ermöglichte.

Künstler und Handwerker bei


der Arbeit
Auf Empfehlung von Theophil von
Hansen und Christian Griepenkerl
wurde die Ausführung der Bilder Jurij
Šubic anvertraut, einem in Wien aus-
gebildeten slowenischen Maler, der für
ein ganzes Jahr lang für einen Lohn
von 8500 Drachmen arbeitete. Die
vorbereitenden Zeichnungen werden
noch heute im Nationalmuseum von
Ljubljana aufbewahrt. Für die Fuß-
bodenmosaike wurden Handwerker
aus Livorno engagiert. Die Gitter am
Eingang und die Eisen- und Gussei-
sengeländer der Treppen und Bal-
kone wurden von Werkstätten in Pi-
räus hergestellt.
Schliemann unternahm eine beson-
dere Reise nach Wien, London und in
andere europäische Städte, um Möbel
für sein Studio und seine Empfangs-
bereiche zu kaufen. Siebzehn der Mö-
belstücke, die sich in der Bibliothek
und im Arbeitszimmer befanden, sind
heute in der Sammlung Giorgios Ka-
tsigras in der Stadtgalerie in Larisa
ausgestellt. Der Schreibtisch weist

58
ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Holzfüße mit geflügelten Löwen auf −


ähnlich denen aus Marmor an den
Seiten der Kamine. Die gusseisernen
Verzierungen der Stühle, die von den-
selben Schmieden realisiert wurden,
die am Eingangsgitter tätig waren,
zeigen die Eule, ein Symbol der Stadt
Athen, mit Akanthuszweigen.
Die Zimmer wurden mit prächtigen
Marmorkaminen beheizt. Auch die tech-
nologischen Innovationen fehlten nicht,
wie z. B. eine Gasheizung, die in Rohren
verlief, die von den eleganten Lochrah-
men zwischen Wänden und Decken in
allen Räumen verdeckt wurde.
Die Gesamtkosten von «Ilíou Méla-
thron» betrugen 439 650 Drachmen.

Das dekorative Projekt der


Wandmalereien
Bereits im Eingangsvorraum fällt die
raffinierte Eleganz des gesamten Ge-
bäudes auf. In Weiß gestrichen und
mit ionischen Säulen ausgestattet, zeigt
es im abgesenkten Gewölbe ein Ge-
mälde von Eos, das Šubic nach der
berühmten «Aurora» von Guido Reni
(1613−1614) malte.
Die luxuriösesten und schönsten
Abb. 5 Raum 15, das Museum.
Zimmer befinden sich im ersten Stock
und sind um einen Raum in der Achse
des Eingangs angeordnet, der als Flur
diente. Das gelb gestrichene Zimmer
ist mit einer Apsis ausgestattet, die zu ken, transkribiert. Als der Held wäh- richtet sind: Lesen, Graben, Zeichnen,
den Gästezimmern führt. Hier an der rend des Banketts einen Dichter über Interpretation von Inschriften, Trans-
Wand steht das in griechischen Buch- die Ereignisse des trojanischen Krie- port von Gegenständen (Abb. 7). Der
staben geschriebene Monogramm «ES» ges singen hörte, war er gerührt und Fries auf der der Straße zugewand-
von Schliemann. enthüllte unter Tränen seine Identität ten Seite spielt auf die Ausgrabung
Von hier aus betritt man den Spei- und begann, seine Missgeschicke zu er- von Troja an, während der innere auf
sesaal auf der linken Seite. Dieser ist zählen. Mykene anspielt, wie die «Maske von
in hellblau gehalten. In der Mitte der Auf der anderen Seite befand sich Agamemnon», die von einem Eros ge-
Paneele schweben in der Luft weib- der «Salon der Hesperiden», der für tragen wird, verrät.
liche Figuren nach pompejanischer Empfänge und Tanzabende genutzt Ebenfalls im ersten Stock, rechts
Art. Die Dekorationen an der Decke wurde (Abb. 6). Tatsächlich war es vom Vorraum, betritt man zwei klei-
der Apsis zeigen Stillleben mit Vö- zur Gewohnheit geworden, das Haus nere Räume. Der erste Raum, klein
geln, Früchten, Fischen und Hummern jeden Donnerstag für die athenische und in pompejanischem Rot gestri-
und spielen auf die Funktion des Rau- High Society zu öffnen. Hier ist die chen, zeigt einen einfachen Boden mit
mes an. An den Seiten des Eingangs suggestivste figurative Dekoration er- Mäander und eine elegante Decke, die
sind Textstellen des Symposion zu Eh- halten. In den langen Friesen oben als weiße Leinwand mit geometri-
ren von Odysseus (Ilias, Buch IX) am sind Eroten abgebildet, die auf die ty- schen linearen Motiven und Girlanden
Hofe von Alkinoos, König der Phäa- pische Arbeit der Archäologen ausge- gestaltet ist.

59
ANTIKE WELT 1/21
DAS «ILÍOU MÉLATHRON» – HEINRIcH ScHLIEMANNS HAUS IN ATHEN

Abb. 6 Salon der Hesperiden.

Abb. 7 Salon der Hesperiden, Eroten als Archäologen.

60
ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Der zweite Raum mit hellblauem führt wurden. Es überrascht im Haus


Hintergrund mit goldenen in der Luft «… drei Regale voller Bücher liefen durch den die große Vielfalt an Dekorationen
schwebenden Figuren und Schwänen Raum … auf dem Kamin waren Bilder, und das hohe Niveau des Kunsthand-
archaischer Marmor und Vasen an beiden
zeigt am Fußboden eine geflochtene Seiten einer Uhr mit dem Porträt von werks. Oft spielen die gemalten Mo-
Umrahmung mit anatolischen Vasen. Homer, auf dem eine Olivenkrone ange- tive und die Inschriften an den Wän-
Auch hier ist die Decke als weißes bracht war. Über dem Kamin ein Foto den auf die Funktion der Räume an,
von Frau Schliemann in einem griechischen
Spanntuch konzipiert, das mit geomet- Anzug mit einem goldenen Diadem, wie im Fall des Esszimmers.
rischen linearen Motiven verziert ist. Im von denen, die er in Troja entdeckt hatte …». Große Aufmerksamkeit wurde auch
Raum befindet sich ein Foto von Schlie- auf die Mosaikfußböden gelegt, wo
mann und der Marmorbüste von Sofia. viele Objekte aus Troja und Mykene dar-
Durch die «Halle der Hesperiden» Das einzigartigste Element der Archi- gestellt wurden. Besonders reich sind
gelangt man in andere prächtige Räume. tektur sind zweifellos die florentini- die Mosaiken des «Museums» im Erd-
Das Zimmer Nummer 6 ist in pompeja- schen Logen im ersten und zweiten geschoss, wo 36 reichverzierte Webge-
nischem Rot gemalt und der Fußboden Stock des Gebäudes auf der Straßen- wichte dargestellt sind (Abb. 10).
ist mit Swastiken dekoriert. Interessant seite. Sie sind in pompejanischem Rot In der «Halle der Hesperiden», im
an einer Eckwand: die Nachahmung ei- dekoriert und zeigen acht Kassetten ersten Stock, wurden 74 Medaillons
ner Übermalung, wie sie in Pompeji oft im Gewölbe mit einem weißen Hin- mit Vasen und Goldschmuck aus den
zu sehen sind. Die weiße Decke ist mit tergrund, in den die Musen gemalt Ausgrabungen von Troja und Mykene
Vierecken mit Eroten verziert, wie sie sind. Im ersten Stock sind Urania, reproduziert.
bereits im 18. Jh. aus der Villa der Ari- Erato, Terpsichore und Polyhymnia In seinem Büro im zweiten Stock
adne in Stabiae bekannt waren. Raum 5 und im zweiten Thalia, Klio, Euterpe erscheinen die Reproduktionen der
ist einer der schönsten und reichsten, und Melpomene zu erkennen (Abb. 8. Golddiademe von Mykene und schließ-
selbst wenn der Boden mit Sternmo- 9). lich in den beiden Logen andere be-
tiven einfach wirkt. Es ist in gelbem rühmte Funde aus Troja und Mykene.
Ocker mit architektonischen Ädiku- Die dekorativen Prinzipien des An vielen Wänden sind zahlreiche In-
len bemalt, die in der Mitte die sitzen- Gebäudes schriften mit den Maximen der sie-
den Gottheiten Dionysos und Deme- Da sowohl Schliemann als auch Ziller ben Weisen und mit den Versen von
ter umrahmen. Besonders raffiniert ist Anhänger des Neoklassizismus wa- Homer, Hesiod, Pindar und Lukian
die Dekoration der Decke mit weißem ren, folgten sie Goethes Aufforderung, in Malerei reproduziert. Berühmt ist
Hintergrund. Raum 4 mit einem gelb- aus dem Reichtum pompejanischer derjenige, der ursprünglich im Tem-
ockerfarbenen Hintergrund zeigt eben- Gemälde zu schöpfen. Daher verwen- pel des Apollo in Delphi eingeschrie-
falls ein ziemlich einfaches Mosaik mit deten sie als Vorbild für die Dekora- ben war: «Kenn dich selbst».
Blumen, Sternen und trojanischen Va- tion die drei Bände von Wilhelm Zahn, Ebenso elegant waren die Zimmer
sen. Hingegen besonders raffiniert ist Die schönsten Ornamente und merk- der Familienmitglieder.
die Dekoration der Decke mit weißem würdigsten Gemälde aus Pompeji, Her-
Hintergrund mit eleganten blauen Qua- culanum und Stabiae (1829−1852).
draten, Palmetten, Schwänen, Tritonen Zu dem neoklassizistischen Stil, der «… Die zahlreichen Fresken, Statuen und In-
und Greifen. damals an Popularität verlor, fügte schriften verliehen den Räumen einen
Im zweiten Stock befanden sich Ziller Elemente des aufsteigenden pompejanischen charakter. Von den Logen
aus konnte man die Akropolis sehen …
Schliemanns Arbeitsräume und Fami- Historismus hinzu und wählte den überall spielten Bilder und Ornamente auf
lienwohnungen. Hier gab es eine Bib- toskanischen Renaissance-Stil für das dramatische und ereignisreiche Leben
liothek für sein Studium, aber auch ei- den architektonischen Umriss. Das des Hausherrn an: Gemälde mit Blick auf In-
dianapolis und New York … Eroten mit
nen Raum mit großen Pulten, um die architektonische Modell war Gott- den Merkmalen von Schliemann und seinen
wichtigsten Tageszeitungen auszu- fried Sempers Villa Rosa in Dresden, Söhnen … Das Haus zog einen regelrech-
breiten und die internationalen Finan- die Schliemann 1866 besucht hatte, ten Strom ausländischer Besucher an, die
von zwei Bediensteten empfangen wurden.
zen und den Fortschritt seiner Aktio- wie er in einem Reisebericht erin- Wenn der Gastgeber nicht mit den Gästen
nen auf der ganzen Welt zu verfolgen. nert. in ihrer Muttersprache sprechen konnte,
Ein amerikanischer Journalist, der Die Wände des Hauses waren oft hatte er sie im klassischen Griechisch oder
besser gesagt in jener Version der ‹Sprache
zu einem Interview bei dem berühm- mit modifizierten Repliken pompeja- der Götter› begrüsst, die er selbst im Laufe
ten Archäologen zu Besuch war, be- nischer Gemälde geschmückt, die aus der Jahre geschaffen hatte».
schreibt die Bibliothek wie folgt: Zahn kopiert und von Šubic ausge-

61
ANTIKE WELT 1/21
DAS «ILÍOU MÉLATHRON» – Heinrich Schliemanns Haus in Athen

Abb. 8 Die Logen mit den Musen am 1. Obergeschoss.

Das Leben im Palazzo


Das «llíou Mélathron» wurde am
30. Januar 1881 mit einem fabelhaf-
ten Empfang eingeweiht. In dieser
philhellenischen, nachdrücklich my-
thischen Aura wuchsen ebenfalls die
beiden Kinder, die nicht durch Zufall
Andromache und Agamemnon getauft
wurden, auf. Sogar die Diener wurden
mit homerischen Namen bedacht, wie
z. B. Pelops, und es wird überliefert,
dass ein Diener homerische Passagen
im Original bei den Mahlzeiten lesen
sollte, als wären sie Hintergrundmu-
sik.
Der Palast wurde auch zu einem
Zentrum des kulturellen Lebens der
Hauptstadt, da sich dort jeden Don-
nerstag die edelste und raffinierteste
Abb. 9 athenische Gesellschaft traf. In diesem
Die Muse Erato in
der Loge im 1. Oberge- Palast, der in Übermaß von der ho-
schoss. merischer Kultur durchdrungen war,

62
ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Abb. 10
Raum 15 im Erdge-
schoss, Fußboden
im 2. Museumsraum.

hatte Schliemann nur noch acht Jahre Zivilisation entdeckt und die Schätze Bildnachweis
verbracht, da er 1890 in Neapel an ei- von Troja und Mykene wiedergefunden Abb. 1: akg-images; 2: H. H. RUSSAcK, Deutsche bauen
in Athen, Berlin 1942, S. 151; 3. 5. 7−10: Foto H.S. Ges.
ner schlecht behandelten Otitis starb. zu haben, sondern er hinterließ uns Ankershagen e.V.; 4. 6: Photo: U. Pappalardo.

1890 vermachte Schliemann das auch einen der schönsten Paläste von
Literatur
Gebäude durch testamentarische Dis- Athen. Es wäre daher richtig, wenn ein
L. DEUEL, Heinrich Schliemann. Eine Biographie mit
position seiner Frau Sophia, die spä- «Memorial» hier mit allen Dokumen- Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (1981).
ter auch einige Änderungen vornahm. ten und Objekten – in Originalform, in G. S. KORRES, Heinrich Schliemanns Iliou Mélathron in
Sophia verkaufte es 1926 an den grie- Kopie oder digital − entstehen würde, Athen», in: ANTIKE WELT 19, 3 (1988) 62−64.

chischen Staat. Dieser Verkauf wurde laut einem Appell, den einer der füh- G. S. KORRES / N. KARADIMAS / G. FLOUDA (Hrsg.),
Archaeology and Heinrich Schliemann. A century after
zum Teil durch die Schulden ihres renden Schliemann-Spezialisten, der his Death. Assessments and Prospects. Myth, History,
Sohnes Agamemnon und zum Teil griechische Archäologe Giorgios Kor- Science, in: Α. ΠΟΡΤΕΛΑΝΟΣ, «Ιλίου Μέλαθρον. Η οικία
του Ερρίκου Σλήμαν, ένα έργο του Ερνέστου Τσίλλερ»
durch die Tatsache verursacht, dass res, vor einigen Jahren gestartet hat. (2012) 445−464.

Andromache vorzeitig mit drei Kin- NATIONALE KUNSTGALERIE ATHEN, Ziller-Archiv:


http://www.nationalgallery.gr/en/painting-permanent-
dern verwitwet war. 1950 wurde das exhibition/painter/ziller-ernst.html.
Gebäude von der Regierung als «histo-
U. PAPPALARDO, Heinrich Schliemann auf Motya
risches Denkmal» anerkannt und be- Für Hinweise und Anregungen bin ich Frau Sybille Galka (Sizilien), in: Mitteilungen der Heinrich Schliemann-
von der Heinrich-Schliemann-Gesellschaft Ankershagen Gesellschaft Ankershagen 29 (2018) 47−54.
herbergt heute das Nationale Numis- zum Dank verpflichtet.
matische Museum. DERS. (Hrsg.), Heinrich Schliemann a Napoli (2020,
im Druck).
Adresse des Autors DERS., Heinrich Schliemann in Ägypten und im
Ein «Memorial» für Schliemann Prof. Dr. Umberto Pappalardo Nahen Osten. Biographie, Tagebücher und Briefe (2020,
Direttore del centro Internazionale im Druck).
Zusammenfassend hatte Heinrich Studi Pompeiani – Pompei
Schliemann nicht nur den Verdienst, Rathaus H. H. RUSSAcK, Deutsche bauen in Athen (1942).
I-80045 Pompei
die ältesten Phasen der griechischen umbpappa@gmail.com

63
ANTIKE WELT 1/21
Malta
Insel der Megalithe und der Kreuzritter
LESERerRderEAnIS E
tiken Welt
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 8
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sischen Dghaisa
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Reisetermin: 4. 9. – 11. 9. 2021


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Einblicke in das Kultgeschehen ermöglichen. Mahlzeiten lt. Reiseprogramm (F = Frühstück /


1. Tag: München – Malta (A) A = Abendessen)
Am Mittag Flug mit Lufthansa von München nach 6. Tag: Birgu (Vittoriosa) (F) 1 aktueller Reiseführer Malta pro Zimmer


Valletta. Transfer zum Hotel. 7 Übernachtungen in Ausflug in die gegenüber von Valletta gelegene Stadt Deutschsprechende Reisebegleitung ab / bis Flug-


einem 4-Sterne-Hotel. Vittoriosa, die von den Maltesern meist noch nach hafen Malta
ihrem mittelalterlichen Namen Birgu genannt wird. Studienreiseleitung ab / bis München: Dr. Frauke


2. Tag: Xemxija – Mgarr – Bingemma (F) Hier hatten die Kreuzritter eines ihrer Zentren, bevor sie Sonnabend und Prof. Dr. Holger Sonnabend
Besichtigung der neolithischen Gräber von Xemxija. In in Valletta ein neues Domizil bezogen. Gemeinsamer
Mgarr befindet sich der Tempel von Ta‘Hagrat, der aus Spaziergang durch die Altstadt. Besichtigt wird dabei Nicht eingeschlossen
einer frühen Phase der Jungsteinzeit stammt und durch der «Palast des Inquisitors» aus dem 16. Jh. Abgerundet Persönliche Ausgaben wie weitere Mahlzeiten,
seine Konstruktion, die an zwei Kleeblätter erinnert, wird der Tag durch eine Bootsfahrt in einer typisch Getränke, Reiseversicherungen, optionale Ausflüge und
auffällt. In die Zeit der Phönizier und Karthager führt maltesischen «dghajsa». Trinkgelder.
die Nekropole von Bingemma.
7. Tag: Valletta (F/A) Ihre Studienreiseleiter: Frau Dr. Frauke Sonn-
3. Tag: Gozo (F) Ganztägige Besichtigung der Inselhauptstadt Valletta. abend und Herr Prof. Dr. Holger Sonnabend
Bustransfer zum Hafen und von dort Fahrt mit der Spaziergang durch die oberen Barrakka-Gärten mit Frau Dr. Sonnabend und Herr Prof. Dr. Sonnabend be-
Fähre zur kleinen Nachbarinsel Gozo. Besuch der einem wunderschönen Ausblick auf den Hafen. Weiter gleiten für die ANTIKE WELT und Karawane Reisen
imposanten Tempelanlage von Ggantija, deren älteste zu den Herbergen und Befestigungen aus der Ritterzeit. bereits seit vielen Jahren außergewöhnliche Studien-
Teile auf die Zeit um 3800 v. Chr. zurückgehen. In der Die St. John‘s Co-Kathedrale wurde von den Johannitern reisen weltweit. Unter anderem Italien, Marokko,
Inselhauptstadt Victoria Besichtigung der Zitadelle und gebaut und fungierte neben der Hauptkathedrale in Syrien, Israel, Griechenland und die Türkei wurden
des Archäologischen Museums. Mdina als zweites christliches Zentrum. Weiter stehen der bereits bereist.
Großmeisterpalast und das Archäologische Museum auf
4. Tag: Mdina – Rabat – Mosta (F) dem Programm. Am Abend Abschiedsessen im Hotel. BITTE BEACHTEN
Erster Punkt des Tages sind die Dingli-Klippen mit einer Deutsche Staatsbürger benötigen für die Einreise nach
grandiosen Aussicht. Weiterfahrt nach Mdina. Seit 8. Tag: Slig – München (F/A) Malta einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.
punischer Zeit besiedelt, prägen bis heute Adelspaläste Am Vormittag Abfahrt zum phönizischen Tempel von
aus dem 17./18. Jh. das Bild der Stadt. Besichtigung Tas Silg. In späteren Zeiten diente er als Juno-Tempel Teilnehmer: Bis 12 Wochen vor Reisebeginn zu
der Kathedrale und des Museums. In Rabat besichtigen und als byzantinische Kirche. Danach Besuch im male- erreichende Teilnehmerzahl: min. 20 Personen,
Sie die Katakomben von St. Paul‘s und die «Domus rischen Fischerdorf Marsaxlokk. Transfer zum Flughafen max. 28 Personen.
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tigung der Burg Qalaat Al-Bahr. Danach besuchen Sie 7. Tag: Ausflug Baalbek und Anjar (F/A) gleiten für die ANTIKE WELT und Karawane Reisen
den faszinierenden Basar von Sidon. Auf dem Rückweg Höhepunkt des Tages ist die Weltkulturerbe-Stadt Baal- bereits seit vielen Jahren außergewöhnliche Studien-
nach Beirut machen Sie einen Stopp am Eshmoun- bek. In Baalbek besichtigen Sie die kolossalen Monu- reisen weltweit. Unter anderem Italien, Marokko,
Tempel. mente aus der Römerzeit, den Jupitertempel mit seinen Syrien, Israel, Griechenland und die Türkei wurden
prächtigen Säulen, den reich verzierten Bacchustempel bereits bereist.
3. Tag: Beirut – Harissa – Byblos – Ehden (F/A) und den fünfeckigen Venustempel. Weiterfahrt nach
Sie besichtigen das Nationalmuseum in Beirut und Anjar. Die imposante Festungsstadt ist auch als «Palast BITTE BEACHTEN
machen einen Halt am Märtyrerplatz. Weiter geht es der Wüste» bekannt. Abschiedsabendessen in einem Deutsche Staatsbürger benötigen für die Einreise in den
zum Aquädukt Zubeida und entlang der Küste zum lokalen Restaurant in Beirut. Libanon einen mindestens noch 6 Monate über das
Heiligtum der «Notre Dame du Liban» in Harissa. Bevor Reiseende gültigen Reisepass und ein Visum, welches
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römischen Tempel in Machnaga und die phönizische In der Nacht Transfer zum Flughafen für Ihren Abflug.
Stadt Byblos. Über Gebirgsstraßen geht es weiter in den Ankunft in Frankfurt am Vormittag. Teilnehmer: Bis 12 Wochen vor Reisebeginn zu
Norden des Landes in das berühmte Zedernwaldgebiet. erreichende Teilnehmerzahl: min. 20 Personen,
Übernachtung: Hotel Ehden****. max. 28 Personen.
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4. Tag: Ehden – Wadi Qadisha – Tripolis – Webcode: 34257
Beirut (F/A) Reisepreis pro Person im Doppelzimmer in EUR
Durch das Tal von Qadisha geht es in die Kleinstadt ab 20 Teilnehmern 2.790,– Reiseveranstalter
Bsharri, die Heimat des berühmten Dichters Gebran Einzelzimmerzuschlag 405,– Karawane Reisen GmbH & Co. KG, Ludwigsburg
Khalil. Weiterfahrt nach Tripolis. In der Altstadt finden Reisevereinbarungen: www.karawane.de/agb
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wie enge Gassen, bunte Souks, Hammams, Khans, Mo- 
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sehen Sie auch die Kreuzfahrer-Festung von Raymond  Flughafensteuern, Gebühren und aktuell gültige

de Saint-Gilles. Im Anschluss geht es zurück nach Beirut Treibstoffzuschläge (Stand November 2020)
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Morgens Fahrt zu den Tropfsteinhöhlen von Jeita. Hier  Eintrittsgelder lt. Reiseprogramm
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Ruinen aus der Zeit der Phönizier. Auf dem Rückweg Dusche / WC Klassifizierung der Hotels entspricht der Landeskategorie.

www.karawane.de / antikewelt-libanon
Serie «Geld und Münzen im Neuen Testament» TEIL 3/10

1. Die Münzsorten im Neuen Testament 6. Jesus als König


2. Der Steuerdenar 7. Jesus überbietet Poseidon und Dionysos
3. Die 30 Silberlinge des Judas 8. Pontius Pilatus
4. Lebensstil Jesu. Die Reisekasse 9. Ephesos
5. Jesus besiegt die 10. Legion 10. Apameia

DIE «30 SILBERLINGE» DES JUDAS


Der missverstandene Jünger

Judas, der Erzverräter. Eine der großen Negativfiguren der Weltgeschichte, den die Malerei
des Mittelalters mit roten Haaren, gelbem Gewand und prallgefülltem Geldbeutel dar-
stellt oder, reuig geworden, als Erhängten mit aufgeplatztem Bauch, aus dem die Gedärme
quillen, während ihm gleichzeitig die 30 Silberlinge, der Lohn für seinen Verrat, aus der
rechten Hand gleiten (so am Westportal des Freiburger Münsters).

von Kay Ehling Die Experten diskutieren, ob es sich fel) zum Buch Sacharja 11,12 im Alten
bei den «30 Silberlingen» um römi­ Testament her. 30 Schekel wiederum

A us Geldgier also hat er seinen


Herrn verraten, verraten durch
einen Kuss − so die landläufige Vor­
sche Denare oder Schekel der phöniki­
schen Stadt Tyros (in dieser Währung
hatten die Zahlungen an den Jerusale­
entsprachen exakt dem Wert eines
Sklaven wie es im Buch Exodus 21,32
heißt. Daraus folgt, dass es allein auf­
stellung von Judas. mer Tempelschatz zu erfolgen) gehan­ grund des Ausdrucks bei Markus wohl
delt habe. Die überwiegende Mehrheit kaum eine größere Diskussion um die
hat sich für letzteres, tyrenische Sche­ Geldfrage (Denare oder Schekel?) ge­
«Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke …» kel, ausgesprochen. Auch auf den ein­ geben hätte. Außerdem scheint sehr
Mt 26,15 schlägigen Seiten des Internets fin­ fraglich zu sein, ob überhaupt Geld ge­
den sich zahlreiche Spekulationen zu flossen ist. Bewusst werden an die­
der Frage. Doch handelt es sich dabei ser Stelle deshalb keine Schekel oder
um eine Scheindiskussion und zwar in Denare abgebildet, sondern ein Di­
Abb. 1
Vom Mittelalter doppelter Hinsicht: Zum einen lässt drachmen­Typ aus Rhodos, den man
bis ins 16. Jh. sich nach dem Text der Evangelien gar im Mittelalter mit Judas in Verbindung
hinein hielt
man rhodische
nicht entscheiden, welche Geldsorte brachte (Abb. 1).
Münzen helle­ im Spiel gewesen sein soll, zum ande­ Bei einer kritischen Überprüfung
nistischer Zeit ren ist der «Verrat» für Geld ein billi­ der Überlieferung stößt man zudem
für die «Silber­
linge» des Ju­ ges und durchsichtiges Motiv, um die auf eine weitere Ungereimtheit: Ju­
das. Die griechi­ Tat des Judas psychologisch plausi­ das hat Jesus nicht «verraten», auch
sche Legende
PODION las
bel zu erklären. Während bei Markus wenn Martin Luther die einschlägi­
man als ROMA­ (14,11) neutral nur von «Silber, Silber­ gen Textstellen in diesem Sinne über­
ION («[Münze] münzen» (griech. argyrion) die Rede setzt. Denn genau genommen bedeu­
der Römer»)
und den Helios­ ist, macht Matthäus (26,15. 27,9) da­ tet das griechische Verb paradidonai
kopf mit Strah­ raus «30 Silbermünzen» (griech. tri- zunächst einmal «übergeben, überlie­
len hielt man
für eine Darstel­
akonta argyria) und stellt so einen fern, ausliefern», ist in seiner Bedeu­
lung Christi. «prophetischen Rückbezug» (W. Wie­ tung also neutraler aufzufassen. Ein

66
ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

kritischer Blick auf die neutestament­


liche Überlieferung zu Judas zeigt wie
ungenau, einseitig und vorbelastet un­
ser vermeintliches «Wissen» vom his­
torischen Judas ist. Legende ist, dass
er die Reisekasse der Jünger verwal­ Abb. 2
tete, wie Johannes (12,6) behauptet; Ravenna, Mosaik in
Sant’Apollinare Nuovo,
vielmehr scheint das die Aufgabe des Judaskuss, 1. Viertel
Philippus gewesen zu sein (Joh 6,5.7). des 6. Jhs.
Möglich aber ist, dass Judas der ein­
zige Jünger war, der nicht aus Galiläa
stammte; damit hätte er, landsmann­
schaftlich gesehen, von vornherein standen offenbar auch von seinem massen, die sich zum Passahfest in Je­
eine gewisse Außenseiterrolle einge­ Jünger Judas. Zwar hatte Jesus betont, rusalem versammelt hatten, Soldaten
nommen. Nach G. Schwarz leitet sich er sei nicht gekommen, das Gesetz einer Kohorte mit, um Jesus als Un­
der Beiname des Judas, Iskariot, aus dem aufzulösen (Mt 5,17), aber genau dies ruhestifter zu verhaften (Joh 18,3).
Aramäischen ab und bedeutet so viel schien er jetzt zu tun, nicht zuletzt Dabei diente Judas als ortskundiger
wie «der Mann aus der Stadt (= Jerusa­ auch mit seiner massiven Kritik an der Handlanger (Abb. 2). Karfreitag, den
lem)». Judas war also möglicherweise Je­ jüdischen Geistlichkeit. In den letzten 7. April des Jahres 30 n. Chr., starb Je­
rusalemer. Es könnte sein, dass er sich Jerusalemer Tagen muss Judas den sus den Kreuztod.
bald nach Jesu Tod das Leben nahm. Eindruck gewonnen haben, dass Je­
Die Evangelisten hätten ihn sonst auf sus die traditionelle jüdische Religion
andere, besonders grausame Art ster­ (Gesetz, Tempel, Priesterschaft) in ei­
ben lassen. Aber warum lieferte Judas ner Weise in Frage stellte, die sie in ih­ Auf der Internetseite der Evangelischen Kirche in
Deutschland (https://archiv.ekd.de/bibel/tolle_typen/ju-
seinen Lehrer Jesus aus, wenn er es ren Grundlagen aufzuheben drohte. das.html) heißt es: «Judas hat ein labiles Verhältnis zum
Geld. Veruntreut schon mal die Kasse. Auch wird er als
schon bald danach so bitter bereute? Deshalb machte er die jüdischen Be­ habgierig beschrieben. Vorsorglich erkundigt er sich bei
Die moderne Forschung glaubt da­ hörden auf Jesus aufmerksam: aus den Hohen Priestern, was ihnen ein Verrat wert sei. Da
sind dreißig Silberstücke – ein Betrag, den jemand als
rauf eine Antwort gefunden zu ha­ Sorge um den Erhalt der Tora. Entschädigung erhält, wenn sein Sklave versehentlich ge-
tötet wurde – durchaus eine Versuchung. Oder treibt ihn
ben: Der Jünger soll von Jesus ent­ Im letzten Moment verließ Judas, doch der Frust darüber, dass Jesus sich nicht zum Anfüh-
rer eines Aufstandes macht, wie manche es erhofft hat-
täuscht gewesen sein, weil dieser die dessen Name vielleicht so viel wie ten? Jedenfalls liefert Judas als Agent der Hohen Priester
in ihn gesetzten messianischen Hoff­ «Gott sei siegreich» oder «Gott sei Jesus an jene aus, die ihn für gefährlich halten. Die Bibel
spekuliert, dass auch der Teufel im Spiel sein könnte. Das
nungen nicht erfüllt habe, so etwa gelobt» bedeutet, also der Mut, den Motiv bleibt schließlich im Dunkeln.» Es ist höchste Zeit
derart klischierte und unkritische Kommentare zu über-
J. Blinzler und viele andere. Aber Ju­ Weg seines Lehrers weiter mitzuge­ denken und aus dem Netz zu nehmen.
das’ Verhalten wird plausibler, wenn hen. Seinen Tod hat er aber wohl nicht
man es genau anders herum sieht und gewollt. Vielmehr spricht einiges für
Adresse des Autors
nicht Enttäuschung über Jesus vermu­ die Annahme, dass er eigentlich ein Prof. Dr. Kay Ehling
tet, sondern Besorgnis über dessen Gespräch zwischen Jesus und der Je­ Oberkonservator
Staatliche Münzsammlung München
wachsende Radikalität: Hatte Jesus rusalemer Geistlichkeit, den Saddu­ Residenz
Residenzstr. 1
nicht in einer Aktion die Händler aus zäern, vermitteln wollte. Denn es ist D-80333 München
dem Tempel getrieben und damit eine nicht ausgeschlossen, dass Judas als
nachhaltige Störung des Kultbetrie­ Jerusalemer mit einigen der Priester Bildnachweis
Abb. 1: Nicolai Kästner, Staatliche Münzsammlung
bes verursacht, um so das unmittelbar bekannt, ja vielleicht sogar verwandt München; 2: akg-images / Album.
bevorstehende Ende des alten Jeru­ war. Vermutlich hoffte er, Jesus würde
salemer Tempels anzukündigen? Mit durch ein klärendes Gespräch mit den Literatur

seiner Zeichenhandlung und verschie­ Hohenpriestern «zur Vernunft kom­ J. BLINZLER, Judas Iskarioth, Lexikon für Theologie und
Kirche Bd. 5 (1960) 1152–1154.
denen prophetischen Worten, wollte men». Doch war Judas nur ein klei­ K. EHLING, Warum lieferte Judas Jesus aus?, in: Biblische
Jesus andeuten, dass nichts mehr wie nes Rädchen im Getriebe der Macht: Notizen 139 (2008) 107–110.

früher sein werde, wenn erst die «Kö­ Die Hohenpriester Kajaphas und Han­ G. SCHWARZ, Jesus und Judas. Aramaistische Unter-
suchungen zur Jesus-Judas-Überlieferung der Evangelien
nigsherrschaft Gottes» (griech. basi- nas informierten umgehend den römi­ und der Apostelgeschichte (1988).
leia tou theou) angebrochen sei. Aber schen Statthalter Pontius Pilatus und W. WIEFEL, Das Evangelium nach Matthäus (1998).

das alles konnte und wurde missver­ dieser schickte, angesichts der Pilger­

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ANTIKE WELT 1/21
DIE «ARTEMIS BUFFALO» IN NEW YORK:
ANTIK ODER ANTIKISCH?
Zur Sensationsgeschichte einer Bronzegruppe im Metropolitan
Museum of Art

Als im Jahr 2007 in New York bei Sotheby’s eine ca. 1 m hohe antike Bronzefigur der Göttin
Artemis für den Rekordpreis von 28,6 Millionen Dollar ersteigert wurde, war nicht nur
die amerikanische Kunstwelt erstaunt. Seit dieser Zeit bildet die Bronze den Mittelpunkt
der Antikensammlung des MET, seitdem regen sich auch Zweifel an der Authentizität
der mutmaßlich in Italien entstandenen «Artemis Buffalo».

Abb. 1 «Artemis Buffalo», Abbildung aus dem Aktionskatalog von Sotheby‘s (2007). von Stephan Lehmann

A m 10. Januar 2008 teilte die New


York Times unter der Überschrift
«Artemis and Stag at Met Museum»
in einer kurzen Notiz ihrer Leser-
schaft eine erfreuliche Kulturnach-
richt mit: Die am 1. April 2007 bei ei-
ner Sotheby‘s-Auktion in New York für
28,6 Millionen Dollar verkaufte Bron-
zefigur der Göttin Artemis mit einem
Rehbock hätte eine – wenn auch nur
vorübergehende – neue «Heimat» in
dem größten Museum der USA, dem
Metropolitan Museum of Art, gefun-
den (Abb. 1).
Ein unbekannter privater Samm-
ler habe die antike Bronzegruppe, die
von der renommierten Albright-Knox
Art Gallery in Buffalo auf die Auk-
tion eingeliefert worden war, zu dem
höchsten Preis ersteigert, der jemals
für eine antike Plastik erzielt wurde.
Sie werde nun sechs Monate lang, also
bis Sommer 2008, im New Yorker Mu-
seum in dem im April 2007 eröffneten
Leon Levy & Shelby White Court zu se-
hen sein.
In diesem monumentalen Museums-
bau für Werke der antiken Kunst, be-
nannt nach dem Ehepaar das den
kostspieligen Umbau des Gebäudes
ermöglicht hat, können die Besucher

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Abb. 2 Die Artemis mit dem Rehbock steht auf einem hohen Podium in dem 2007 eingeweihten «Leon Levy & Shelby White Court», Metropolitan
Museum of Art, New York.

die Artemisgruppe, anders als 2008 trisierte. Der Londoner Kunsthänd- oder aber dem Museum bereits gestif-
angekündigt, bis zum heutigen Tag im ler Giuseppe Eskenazi ersteigerte das tet worden ist. Diese Annahme würde
Zentrum der Sammlung des Met Mu- Bronzewerk im Auftrag einer unbe- Spekulationen in der Presse, denen
seums bewundern. Lediglich einmal kannten, offenkundig sehr vermögen- zufolge die «Jagdgöttin mit Rehbock»
war das Stück für kurze Zeit ausge- den Privatperson, die dieses Stück zu- von ihrem anonymen Besitzer ledig-
liehen, und zwar für die von Dezem- nächst für eine gewisse Zeit im MET lich inmitten der Antiken des MET
ber 2015 bis März 2016 in der Nati- dem Publikum präsentieren wollte. «geparkt» worden sei, gegenstandslos
onal Gallery of Art, Washington, D.C., Inzwischen gibt es einen wohl ent- machen, womit wir uns den eigentli-
gezeigte Wanderausstellung «Power scheidenden Hinweis auf die Besitz- chen und zwar archäologischen Pro-
and Pathos». Dort wurde die Bronze- verhältnisse der Statue (Abb. 2), denn blemen zuwenden können, welche
gruppe dekorativ vor einem repro- die Legende, die am Podium, auf dem diese Bronzegruppe bereitet.
duzierten Wandgemälde aus Pompeji die Bronzebasis mit der Artemisfigur
präsentiert, jedoch nicht in den Be- erhöht aufgestellt wurde, teilt dem Jungfräuliche Jagdgöttin Artemis
gleitkatalog der Ausstellung aufge- Betrachter folgendes mit: «Roman sta- mit Rehbock und Hund (?)
nommen. tue of Artemis and a deer. Greek or Ro- Auffällig wirkt die rechteckige Kas-
Die prominente Art der Aufstel- man, Late Hellenistic or Early Imperial, tenbasis aus Bronze mit abschließen-
lung in dem MET wie auch in der Na- ca. 1st century B.C. – 1st century A.D. den Profilleisten (H. ca. 32 cm) auf
tional Gallerie in Washington lässt auf Private Collection (L.2007.63)» der die deutlich unterlebensgroße Ar-
ein bedeutendes Werk der antiken Diese Inventarsignatur weist auf temisstatue (H. ca. 92 cm) steht. Be-
Kunst schließen. Es war zuerst in den die Privatsammlung von Leon Levy gleitet wird sie von einem Rehbock
1950er Jahren von der Albright-Knox (L.) und zeigt, dass die Artemisgruppe (H. ca. 42,5 cm). Die griechische Göt-
Art Gallery in Buffalo erworben wor- im Jahr 2007 unter der Nr. 63 für die tin der Jagd steht im polykletischen
den und dann, wie bereits erwähnt, Leon-Levy-Stiftung inventarisiert wurde. Schema von Standbein und zurückge-
Anfang 2007 auf dem Kunstmarkt Dabei bleibt allerdings unklar, ob das nommenen Spielbein.
zum Verkauf angeboten worden, was dem MET, wo das Kunstwerk ausge- Die Haltung der Arme und Hände
Sammler wie Museen gleichsam elek- stellt ist, derzeit lediglich versprochen führte zu der Vermutung, dass die

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ANTIKE WELT 1/21
DIE «ARTEMIS BUFFALO» IN NEW YORK: ANTIK ODER ANTIKISCH? – Zur Sensationsgeschichte einer Bronze im Metropolitan Museum of Art

Göttin mit dem von der linken Hand Taille hin geführt (Abb. 3). Die Füße formten Brauenbögen und einer glat-
gehaltenen Bogen gerade einen Pfeil tragen kunstvoll geschnürte Sandalen, ten niedrigen Stirn bestimmen die Ge-
abgeschossen hat, wobei aber keiner- die von der kurzgewandeten Jagdgöt- sichtszüge der Göttin. Die Augäpfel
lei Spuren an der Hand konkret auf die tin neben Jagdstiefeln getragen wer- sind mitgegossen, die Iris ist graviert,
Waffe hindeuten; zudem trägt Artemis den können. und die Vertiefungen für die Pupillen
keinen Köcher. Artemis trägt den übli- Der leicht erhobene Kopf mit ei- weisen auf Einlagen hin. Artemis trägt
chen kurzen untergürteten Chiton mit nem idealen Gesicht wirkt jugendlich die übliche Frisur mit Mittelscheitel
Überschlag. Eine faltenreiche Stoff- (Abb. 4). Die leicht geöffneten Lippen, und welligem, nach hinten geführtem
bahn des Himations ist über ihre linke die gerade Nase sowie die markante und zu einem Knoten gewundenem
Schulter und ihrem Rücken bis zur Augenpartie unter scharfgradig ge- Haar, in dem sie eine Stephane trägt,
die mit einem ornamentalen Fries von
Herzblättern mit eingeschriebene Pal-
metten und Punktreihen verziert ist.
Abb. 3 Rückansicht der «Artemis Buffalo». Die Ohrläppchen sind für das Tragen
von separatem Ohrschmuck durch-
bohrt.
Zur Linken der Göttin steht ein Reh-
bock, der zu ihr hochschaut. Das feh-
lende Gehörn war separat angestückt,
worauf die Ansätze zwischen den
lang-ovalen und nach oben hin zuge-
spitzten Ohren hinweisen. Zur Rech-
ten der Göttin soll sich ursprünglich
ein springender Hund befunden ha-
ben, doch sind keine Befestigungsspu-
ren auf der Basis oder an dem Gewand
der Göttin erkennbar (Abb. 5).
Die Bronzeoberfläche der Figuren
ist in einem sehr guten Zustand, wo-
bei das Gesicht der Göttin, insbeson-
dere die Wangenpartien, allerdings
wie mit «Pusteln» übersät wirkt, was
auf eine ungleichmäßige Korrosion
hindeutet.

Ikonographische und stilistische


Beobachtungen
Die mythologische Gruppekomposi-
tion sowie der Statuentyp der «Arte-
mis Buffalo» entsprechen nicht der ge-
läufigen Artemis-Ikonographie. Dieses
Problem wurde bereits in dem Auk-
tionskatalog von Sotheby’s (2007) in
entwaffnender Weise benannt: «This
representation of the goddess Artemis
does not conform to any of the known
statuary types of the goddess and de-
parts from her usual iconography in se-
veral significant ways: …»
Die hier formulierten Zweifel sind
angebracht und werden durch die

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

einschlägigen Artikel im Lexicon Ico- spiegelt ein friedliches Nebeneinander


nographicum Mythologiae Classicae der Tiere eine attributive, moderne
(LIMC, Bd. II, Stichworte Artemis und Erzählweise wider. Die wesentlichen
Diana) bestätigt. Weiter wird im Auk- Attribute der kurzgewandeten Jagd-
tionskatalog zurecht ausgeführt, dass göttin, Bogen, Pfeile sowie der Köcher
bei der Artemis die Stand- und Arm- fehlen, und warum streckt sie ihre
motive unklar sind. Ihr Chiton wölbt Arme nicht handlungsbezogen aus,
sich symmetrisch zu ihren Seiten und sondern weitet sie motivisch unbe-
nach hinten, obwohl sie steht. Die Ge- stimmt zur Seite? Ist Artemis tatsäch-
wandbehandlung des Chitons an den lich dargestellt, dann wäre sie eigent-
Oberschenkeln mit den sich abzeich- lich nur durch das Tier benennbar.
nenden Körperformen erinnert ent- Die kurzgewandte Jagdgöttin steht
fernt an den «Nassen Stil» des späten ruhig im Kontrapost, dabei flattert ihr
5. Jhs. v. Chr. Die geschilderten Abwei- Gewand, als ob sie sich im Lauf be-
chungen lassen sich nach Aussage des fände. Überhaupt wirkt das Gewand
Kataloges aber sämtlich mit dem ek- mit der merkwürdigen Drapierung
lektisch-klassizistischen Stil und der über der Schulter und im Rücken un-
späthellenistisch-römischen Datierung antik. Das gilt auch für die Bildung der
der Bronze erklären. Damit wäre sie Falten, die im Vergleich zu sicher da-
für diese Zeit allerdings ein Unikat. tierbaren Gewandfiguren weder spät-
Spätestens jetzt erhebt sich die Frage, hellenistisch noch in die frühe Kaiser-
ob es sich bei der Gruppe gar nicht um zeit datiert werden können (Abb. 6). Im
Abb. 4 Das Gesicht der Artemis in Unter-
eine antike, sondern vielmehr um eine Übrigen ist der im Katalog vorgeschla- ansicht.
neuzeitliche Schöpfung handelt. Da- gene Datierungszeitraum mit etwa
für sprächen zusätzlich zu den oben 200 Jahren erstaunlich weit gefasst;
erwähnten Ungereimtheiten die an- für ein aus dieser Periode stammen-
geblichen Befestigungsspuren auf der des Originalwerk müsste sich die Die «Artemis Buffalo» in der
Basis. Einem Hund zugewiesen ergän- Datierung weitaus präziser fassen Forschungsdiskussion
zen sie die mythologische Gruppe zu lassen. Allein die sich zeigende Un- In den oben genannten ikonographi-
einem statuarischen Ensemble von sicherheit bei der genaueren zeitli- schen und stilistischen Abweichungen
Jagdgöttin, Rehbock und Hund, das so chen Einordnung des Stückes erweckt dürfte der Grund dafür liegen, dass die
für die Antike unbekannt ist. Typolo- Zweifel an seiner Echtheit, denn ge- Artemisgruppe in der europäischen
gisch auffällig ist auch der zutraulich rade eklektisch-klassizistische Bron- Fachdiskussion bislang nicht bespro-
zur Göttin aufschauende Rehbock, der zewerke können in der Regel auf ei- chen wurde. Das belegt ein Blick in
als solcher zwar eindeutig durch die nen Entstehungszeitraum von 20 bis die Standardwerke: Weder bei Claude
Ansätze seines einstigen Gehörns am 30 Jahren datiert werden. Die Artemis- Rolley, R. R. R. Smith oder Bernhard
Kopf gekennzeichnet ist. Doch sind gruppe erweckt somit zunächst den Andreae noch in Die Geschichte der an-
seine Geschlechtsmerkmale nicht er- Eindruck, dass es sich um ein eklek- tiken Bildhauerkunst, herausgegeben
kennbar, und die Charakterisierung tisch-klassizistisches Kunstwerk aus von Peter C. Bol, taucht sie auf. Schaut
des fein gravierten Fells wird durch dem Späthellenismus oder der frühen man sich allerdings die Nachweise im
summarisch verteilte, grobe Meißel- römischen Kaiserzeit handelt, wobei Versteigerungskatalog von Sotheby’s
hiebe am Körper des Tieres verstärkt. die genannten ikonographischen und an, so fällt auch für die USA ein bemer-
Zweifellos handelt es sich um ein stilistischen Unstimmigkeiten somit kenswert geringes Interesse an der
Tier aus der Gruppe der Geweihträ- Zweifel an der Authentizität der de- Bronzegruppe auf. Hier kann lediglich
ger (Cervidae) und ist näher als Reh- korativen Figurengruppe wecken. Be- auf die Beiträge von Edgar C. Schenk
bock zu bestimmen. Doch in der anti- sonders schwer wiegen dabei die sti- und Patrick J. Kelleher von 1954 und
ken Bildkunst sind Rehböcke nicht mit listische Gestaltung der Göttin, des der von Caroll C. Mattusch von 1996
der jungfräulichen Jagdgöttin verbun- Rehbocks sowie die scheinbar per- verwiesen werden. Das bislang letzte
den. Zudem würden die Tiere in der fekte Erhaltung der Bronzegruppe Wort stellt somit der Text zu Lot 41 im
zu ergänzenden Aufstellung nicht wie wie auch die typologisch ungewöhn- Sotheby’s Auktionskatalog von 2007
im antiken Mythos agieren. Vielmehr liche Statuenbasis aus Bronze. dar, was kaum verwundert. Waren

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ANTIKE WELT 1/21
DIE «ARTEMIS BUFFALO» IN NEW YORK: ANTIK ODER ANTIKISCH? – Zur Sensationsgeschichte einer Bronze im Metropolitan Museum of Art

doch bald nach der Versteigerung Dabkowski sowie auf der Tagung zu Hinweise zur Provenienz
Anfang 2008 durchaus zweifelnde den Bronzefälschungen, die 2014 in Die Bronzegruppe ist angeblich in den
Stimmen laut geworden, so in Der Halle stattfand, wo die Zweifel an der 1920er Jahren in Rom gefunden wor-
Spiegel durch Matthias Schulz oder Authentizität des Stückes erneuert den, blieb dann erstaunlicherweise
in The Buffalo News durch Colin wurden. aber über 30 Jahre unbekannt. Erst
durch den römischen Kunsthändler
Ugo Jandolo gelangte sie über Piero
Tozzi, einen Kunsthändler in Manhat-
Abb. 5 Ansicht des Rehbocks von hinten, mit Ansätzen des Gehörns zwischen den Ohren. tan, der die Gruppe angeblich restau-
riert hat, im Jahre 1953 in die Albright
Art Gallery. Laut Jandolo, dem bereits
erwähnten ersten bekannten Besitzer
der Statue, soll diese vor 1930 zufällig
bei Bauarbeiten in der Nähe des Late-
rans gefunden worden sein. Wie diese
Angaben zeigen, besitzt die «Artemis
Buffalo» keine bestätigte und über-
prüfbare Provenienz, wobei sie sehr
wahrscheinlich aus Italien in die USA
gelangte und erst seit dem Jahr 1953
eindeutig bezeugt ist.
Dazu sei daran erinnert, dass die
Leistungsfähigkeit italienischer Fäl-
scher des 19. und 20. Jhs. gefürchtet
ist, wie etwa die Diskussionen um der-
art prominente Kunstwerke wie den
«Bostoner Thron» oder den «Warren
Cup» exemplarisch zeigen können.

Bisherige technische und natur-


wissenschaftliche Analysen
Erste technische Untersuchungen
legte William J. Young 1954 vor, aller-
dings erfolgte anlässlich der Ausstel-
lung «The Fire of Hephaistos» in Cam-
bridge, Massachusetts, 1996 im Labor
des Fogg-Museums, ebenfalls in Cam-
bridge, erst eine umfassende Untersu-
chung der Guss- und Herstellungs-
techniken der Figuren sowie des
Sockels. Dabei wurde die Bronzezu-
sammensetzung naturwissenschaft-
lich analysiert; die Untersuchungs-
ergebnisse von Carol C. Matusch und
Henry Lie sind im Katalog veröffent-
licht, wobei diese seinerzeit unauffäl-
lig wirkten. Erst 2015 wurde im Zu-
sammenhang mit dem erhobenen
Fälschungsverdacht in dem hallischen
Tagungsband auf nunmehr erweiterte
und neuartige archäometrische Ana-

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

lysemöglichkeiten durch Harald Mül-


ler hingewiesen: Zur Klärung könnten
sowohl die Materialprüfung in Verbin-
dung mit der Untersuchung der Patina
als auch Analysen des Gusskerns und
zur Materialdichte beitragen.

Was zu tun bleibt


Es ist bemerkenswert, dass ein derart
spektakuläres und zudem aus Italien
stammendes Kunstwerk wie die «Arte-
mis Buffalo» vor 2007 keine wissen-
schaftliche Beachtung in Europa ge-
funden hat und auch von keinem
europäischen Antikenmuseun erwor-
ben wurde. Ebenso merkwürdig ist die
Tatsache, dass die Bronzeplastik zu-
nächst aus Rom nach Buffalo gelangt
sein soll, um dann erst ein halbes Jahr-
hundert später über den in New York
erzielten exorbitanten Verkaufspreis
weltberühmt zu werden und sodann in
das MET zu gelangen.
Wenn Carlos A. Picon, damals Leiter
der Antikensammlung des MET, nach
der 2007 erfolgten Versteigerung der
«Artemis Buffalo» über das Stück aus-
führte, es sei «worth every penny» und
«a great sculpture», sollten die inzwi-
schen aufgetauchten Zweifel an seiner
Authentizität sehr ernst genommen Abb. 6
Ansicht
werden und wissenschaftlich transpa- der Arte-
rent überprüft werden. Das haben so- mis mit
Rehbock
wohl die Besucher des MET als auch von schräg
die internationale Forschung zu den rechts.
antiken Bronzen verdient.

J. DAEHNER / K. LAPATIN (Hrsg.), Power and Pathos: (Hrsg.), Authentizität und Originalität antiker Bronzebild-
Bronze Sculpture of the Hellenistic World, Los Ange- nisse (2015) 135–151.
Adresse des Autors les, CA: J. Paul Getty Museum und Fondazione Palazzo
Prof. Dr. Stephan Lehmann Strozzi and Giunti Editore (2015). S. SANDE, The Ludovisi «throne», the Boston «throne»
Leiter des Archäologischen Museums i.R. and the Warren Cup: retrospective works of forgeries?
Archäologisches Museum der MLU Halle-Wittenberg G. FEUCHT / H. MÜLLER / D. STUTZIGER, Alte oder neue In: Acta ad archaeologiam et artium historiam pertinen-
Universitätsplatz 12 Bronze. Materialund Patinauntersuchungen zur tia, Bd. 290 (2018) 23−51.
D-06108 Halle (Saale) Altersbestimmung von Bronzeobjekten, in: Boreas 28/29
(2005/6) 47–66. E. C. SCHENK / P. J. KELLEHER, Diana and the Stag – a Helle-
nistic Bronze, in: Gallery Notes, Bd. 18, 2 (1954) 3−6,
ST. LEHMANN (Hrsg.), Authentizität und Originalität anti- with a technical analysis by William J. Young, 6–7, Abb. 1−13.
Bildnachweis ker Bronzebildnisse: Ein gefälschtes Augustusbildnis,
Abb. 1: Photograph Courtesy of Sotheby‘s, Inc. © 2015; seine Voraussetzungen und sein Umfeld. Beiträge des M. SCHULZ, «False Gods. ‹Ancient› Forgeries Fool Art
2: Ana Carina Lauriano – Flickr: Met Museum (NY CC Wissenschaftlichen Werkstattgesprächs im Archäo- Markets», Spiegel Online, January 23, 2008.[ https://
BY 2.0); 3: Donna Tabbert Long / Alamy Stock Photo/ logischen Museum der Martin-Luther-Universität Halle- www.spiegel.de/international/europe/false-gods-
Image ID: BARA3A; 4: Nevena Tsvetanova/Alamy Stock Wittenberg 2014 (2015) 19–26. ancient-forgeries-fool-art-markets-a-529532.html,
Photo/Image ID: B6FP6F; 5: Foto Lehmann 2016; 6: akg- abgerufen. 23. 9. 2020].
images / Album / Ramon Manent. C. C. MATTUSCH (Hrsg.), The Fire of Hephaistos: Large
Classical Bronzes from North American Collections, Sotheby’s Auktionskatalog, Egyptian, Classical, and Wes-
Ausstellungskatalog, Cambridge, Massachusetts (1996) tern Asiatic Antiquities, including Property of the
Literatur 274–282. Albright-Knox Art Gallery, 07 June 2007, New York, Lot 41
(A bronze figure of Artemis and the Stag).
C. DABKOWSKI, «Artemis» Continues in the Eye of H. MÜLLER, Naturwissenschaftliche Untersuchungen
Storm, The Buffalo News, 25. Januar 2008. am Bronzekopf des Augustus Arete, in: St. Lehmann

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ANTIKE WELT 1/21
AM ANFANG WAR DIE RASSEL
Früheste Musikinstrumente im Alten Ägypten

Musik wurde nicht in Ägypten erfunden, die frühesten Instrumente stammen aus
Europa wie die Flöte vom Fundort Divje Babe 1 in Slowenien, deren Alter bei 60 000–
45 000 Jahren liegt. 10 Flöten kamen auf der Schwäbischen Alb zutage, bei denen
man von einem Alter von 43 000 – 35 000 Jahren ausgeht. In Ägypten hingegen treten die frü­
hesten Instrumente erst im 5. Jt. v. Chr. auf. Während die prächtigen Musikszenen aus
dem Neuen Reich sehr bekannt sind, gilt dies nicht für die ganz frühen bzw. die ältesten
Instrumente. Daher seien diese im Folgenden vorgestellt.

von Heidi Köpp-Junk nicht in der Benutzung von Instru- Rasseln erst wieder im Mittleren Reich
menten, sondern in Gesang und Klat- um 2000 v. Chr. in Form von Instru-

W ährend aus der Prädynastik viele


Objekte bekannt sind wie die
goldenen Figuren aus Tell el-Farka
schen.

Instrumente
menten. Für das Klatschen besteht
eine Beleglücke von der 0. Dynastie bis
einschließlich in die 3. Dynastie. Erst
oder die bemalten Gefäße der Naqada- Im Folgenden werden die Instrumente vom Anfang der 4. Dynastie sind Wie-
Kultur, so gilt dies nicht für die Mu- vom Neolithikum bis in die 4. Dynas- dergaben von Klatschenden überlie-
sik dieser Zeit. Schon aus dem Alten tie vorgestellt. Bei den frühesten han- fert. Allein für den Gesang sind anhand
Reich ist eine Vielzahl von archäo- delt es sich um Rasseln aus dem 5. Jt. von Titeln durchgehende Schriftquel-
logischen, bildlichen wie auch text- v. Chr. sowie Klappern und eine Ton- len belegt.
lichen Belegen für Instrumente, Musi- pfeife aus dem 4. Jt. v. Chr. Um 3100
ker und deren Hierarchie überliefert. v. Chr. ist die früheste Langflöte belegt.  Idiophone
Doch wie sah es in den Phasen davor Chordophone sind für das 4. Jt. v. Chr. Idiophone sind Selbsttöner. Die frü-
aus? Bisher wurde die Periode vom nicht nachzuweisen, der früheste Be- hesten Idiophone bestehen in Ägyp-
Neolithikum bis zum Anfang des Al- leg datiert stattdessen ebenso wie der ten in Rasseln und Klappern, während
ten Reiches in der 4. Dynastie aus mu- für Membranophone in die 4. Dynas- andere Instrumente dieser Gattung
sikarchäologischer Sicht nicht aus- tie. Insgesamt übersteigt die Anzahl wie das Sistrum frühestens seit der
führlich thematisiert. Daher erfolgte der Funde, die aus Gräbern stammen, 4. Dynastie (ca. 2600 v. Chr.), das Me-
eine ausführliche Untersuchung un- die aus Heiligtümern und Siedlungen nit seit der 6. Dynastie (2300 v. Chr.),
ter Neubewertung der Altfunde und bei weitem. nachzuweisen sind.
Einarbeitung der Neufunde durch die Festzuhalten ist ferner, dass äußerst Rasseln sind seit dem 5. Jt. v. Chr. be-
Autorin, deren Ergebnisse im Folgen- selten ein Instrument das andere ab- legt und erscheinen in Gräbern, Sied-
den als kurze Übersicht präsentiert löste: Die Rasseln werden nicht von lungen und Heiligtümern. Sie sind die
werden. den  nachfolgend  aufkommenden Klap- einzigen Instrumente, die in allen drei
Bei den frühesten in Ägypten be- pern ersetzt, gleiches gilt für das Klat- Fundortkategorien vertreten sind. Das
legten Instrumenten handelt es sich schen. Dieses Phänomen ist für alle früheste Zeugnis stammt aus Me-
um Idiophone in Form von Rasseln Instrumente bis zum Ende des Neuen rimde (Ägyptisches Museum Kairo,
und Klappern sowie um Aerophone, Reiches festzustellen, allein die Dop- CG 69721 = JE 57996, 4600–4100
die durch Tonpfeifen und Flöten ver- pelklarinette wird gegen die Doppel- v. Chr.) und war aus Ton gefertigt.
treten sind. Chordophone sind ebenso oboe ausgetauscht. Nach ihrem ersten Auftreten sind Ras-
wie Membranophone erst in der 4. Dy- Bei allen Instrumenten liegt ein Hia- seln bis in die Frühzeit belegt, doch
nastie nachzuweisen (ca. 2600 v. Chr.). tus für die 3. Dynastie vor. Während sind keine aus der 3. und 4. Dynastie
Nichtsdestotrotz bestehen die aller- Klappern und Flöten in der 4. Dynas- bekannt. Rasseln erscheinen nur als
frühesten musikalischen Aktivitäten tie wieder vertreten sind, erscheinen Instrumente, nicht jedoch in Darstel-

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Abb. 1 Naqada II-Gefäß mit männlichen Personen, die Klappern in Händen halten (3650–3300 v. Chr.; Museum 
August Kestner, Hannover, Inv.-Nr.1954.125).

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ANTIKE WELT 1/21
AM ANFANg WAR DIE RASSEl – Früheste Musikinstrumente im Alten Ägypten

Abb. 2 Klappernpaar aus der Frühzeit, heute im National Museums Scotland. Die obere trägt die Inschrift des Namens Ib-Neith (3000–2682 v. Chr.; 
Inv.-Nr. A.1972.235, A.1972.236).

lungen und im Gegensatz zu Klappern köpfe sind hingegen selten (Ägypti- flöten.  Lediglich  ein  Exemplar  einer 
nie im Zusammenhang mit Gottheiten. sches Museum Kairo CG 69457a, b = Tonpfeife ist nachzuweisen, bei der
Klappern sind im 4. Jt. v. Chr. als JE 64771). Nur einige wenige sind in es sich gleichzeitig um eine Rassel
Darstellungen im Moment des Spie- der später so typischen Handform ge- handelt (Petrie Museum London, Inv.-
lens auf Naqada II-Gefäßen wieder- arbeitet und eine Verbindung zu Ha- Nr. UC 45288, 3650–3300 v. Chr.).
gegeben, bevor sie in der 1. Dynastie thor ist noch nicht erkennbar. Ihr ist nur ein einziger Ton zu ent-
in Elitegräbern und solchen von Kö- locken.  Die  früheste  Langflöte  da-
nigen wie dem des Djer und des Djet Aerophone tiert um 3100 v. Chr. und ist auf der
in Abydos als Instrumente erscheinen Bei Aerophonen handelt es sich um sog. Zwei-Hunde-Palette wiederge-
(Abb. 1. 2). verschiedene Flötentypen und Rohr- geben  (Abb.  3).  Kurzflöten  sind  in 
Bei den als Instrumente überlie- blattinstrumente. Bis zur 4. Dynastie der 4. Dynastie wie im Grab der Me-
ferten Klappern sind die meisten bestehen die altägyptischen Aerophone resanch III. oder dem des Chuenre
mit Tierköpfen versehen, Menschen- in Gefäßpfeifen, Langflöten und Kurz- belegt (vgl. Abb. 7), wobei sich deren

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Vorkommen in dieser Zeit auf Giza be- scheinen sie in Form von Bogen- und nachzuweisenden Instrumente aus Ras-
schränkt. Doppelklarinetten sind erst Schaufelharfe in den typischen Musik- seln, Klappern und Flöten.
in der 5. Dynastie vertreten. szenen. Leiern sind erstmals im Mitt-
Die älteste Langflöte auf der «Zwei- leren Reich dokumentiert. Als letz- Musik ohne Instrumente: Gesang
Hunde-Palette» aus Hierakonpolis tes Saiteninstrument ist die Laute am und Klatschen
(Ashmolean Museum Oxford, Inv.-Nr. Übergang von der 2. Zwischenzeit zum Musik wird nicht allein mit Instru-
E 3924) wird von einem Priester mit Neuen Reich nachzuweisen. Dieser Um- menten erzeugt, sondern überdies mit
Maske bzw. einer Tiergestalt oder einer stand ist insofern erstaunlich, da die dem eigenen Körper in Form von Sin-
Gottheit gespielt (vgl. Abb. 3). Das In- Laute das am einfachsten zu spielende gen oder Klatschen. Gesang ist erst-
strument ist mit größerem Durchmes- Instrument dieser Gattung ist, während malig auf der Stele des Merka aus der
ser als in späterer Zeit wiedergegeben, die zuerst auftretende Harfe sowohl 1.  Dynastie  erwähnt  (Mastaba  3505; 
doch wie bei jüngeren Beispielen be- vom Spielen also auch von der Konzep- Ägyptisches Museum Kairo, ohne In-
finden  sich  die  Grifflöcher  im  unteren  tion her sehr komplex ist. ventarnummer). Weitere textliche Nen-
Bereich des Instrumentes. Bei dieser Bereits in der 4. Dynastie sind Har- nungen erscheinen in der 2. und 3. Dy-
Flöte handelt es sich um einen Einzel- fen nicht nur als Einzelinstrument, nastie. In der 4. Dynastie sind Sänger
beleg. Der nachfolgende Nachweis da- sondern mit mehreren Exemplaren in in den Grabreliefs durch Beischriften
tiert erst in die 4. Dynastie unter Chef- den Ensembles vertreten (Abb. 6). gekennzeichnet. Damit ist Gesang die
ren (Mastaba der Meresanch III., Giza, einzige Art von Musik, die ohne Unter-
G 7530, 4. Dynastie), so dass also aus Ägypten ist anders – welche brechung vom Beginn der Frühzeit bis
der Frühzeit und der 3. Dynastie keine Instrumente in Ägypten nicht ver­ zur 4. Dynastie nachzuweisen ist.
Flöten dokumentiert sind. treten sind Der früheste Beleg für das Klat-
Verschiedene Instrumente wie Mu- schen in die Hände erscheint auf der
Membranophone schelflöten, Schnurrasseln, Blashörner  Prunkkeule des Herrschers Skor-
Bei Membranophonen entsteht der und Schwirrhölzer, die andernorts be- pion II. aus dem Tempel von Hierakon-
Klang durch eine meist aus Tierhaut reits sehr früh vertreten sind, wur- polis aus der 0. Dynastie (Ashmolean
bestehende Bespannung um den den von Hickmann und Arroyo auch Museum Oxford, Inv.-Nr. E 3632). Dort
Klangkörper. Wie bei den Idiophonen für Ägypten angenommen. Die vor- zeigt eine Szene mindestens drei klat-
sind bei den Membranophonen ver- liegende Untersuchung ergab jedoch, schende Frauen, die gleichzeitig tan-
schiedene Varianten zu unterschei- dass gemäß den konkreten archäolo- zen. Der nächste Beleg ist erst unter
den. Wie die Untersuchung ergab, gischen, bildlichen und textlichen Be- Chefren in der 4. Dynastie nachzuwei-
sind Trommeln erst seit der 4. Dynas- legen die oben genannten Musikins- sen (Mastaba der Meresanch III., Giza,
tie in Ägypten nachzuweisen, wobei trumente in Ägypten nicht bzw. wie G 7530, 4. Dynastie), hier herrscht
es sich bei der frühesten ggf. um eine im Falle der Schwirrhölzer erst sehr also wieder ein Hiatus.
Art Daraboukah handelt. In der 5. Dy- viel später erscheinen. Einige Instru-
nastie ist eine verhältnismäßig große mente, die in anderen Zusammenhän- Musizierpraxis
runde Rahmentrommel im Sonnen- gen und Kulturkreisen vorkommen, Nach den obigen Ausführungen ergibt
heiligtum des Niuserre belegt. Ferner sind in Ägypten gar nicht bekannt wie sich diese Abfolge:
zeigt die Statuette eines Musikers aus z. B. Gongs oder Glocken aus gebrann-
dem Grab von Nikauinpu in Giza aus tem Ton. Letztere sind aus Metall le- Rassel
4600–4100 v. Chr.
der 5. Dynastie eine Gefäßtrommel diglich in späterer Zeit belegt, Gongs (Siedlung)
(Abb. 4). Diese Instrumente sind also hingegen gar nicht. Möglicherweise Klappern (Grab),
in dieser Zeitstufe lediglich vereinzelt sind diverse Instrumente aus orga- 3650–3300 v. Chr.
Tonpfeife
vertreten, erst ab dem Mittleren Reich nischem Material schlichtweg nicht
langflöte
nimmt ihre Anzahl zu. mehr erhalten. Dies würde implizie- 3100 v. Chr.
(Tempel)
ren, dass ggf. schon von einer weitaus
Klatschen
Chordophone früheren Nutzung von Instrumenten 3100–3000 v. Chr.
(Tempel)
Chordophone sind Saiteninstrumente, auszugehen wäre. Nichtsdestotrotz
Gesang
in Ägypten sind sie als Harfe, Laute gestaltet sich der ägyptische Urbe- 2853–2828 v. Chr.
(Grabstele)
und Leier vertreten (Abb. 5). Harfen stand an Instrumenten offenbar an-
treten als früheste Modelle in der ders als an anderen Orten der Welt, Trommel, Harfe
2620–2580 v. Chr.
(Grab)
4. Dynastie unter Cheops auf, dort er- bestehen doch die frühesten konkret

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ANTIKE WELT 1/21
AM ANFANg WAR DIE RASSEl – Früheste Musikinstrumente im Alten Ägypten

Abb. 3  a.b
Flötenspieler auf der «Zwei-
Hunde-Palette» (3100 v. Chr.,
aus dem Tempel von Hiera-
konpolis; Ashmolean Museum 
Oxford, Inv.-Nr. E 3924). b

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

Wie muss man sich das dann vor- Musik in Rassel, Gesang, Tanz und Geschichte weitaus facettenreicher
stellen: Wurde die ersten 1000 Jahre Klatschen bestand. war, als der früheste Beleg einer Ras-
nur gerasselt, dann mehrere hundert In der 4. Dynastie treten dann die sel im 5. Jt. v. Chr. zunächst vermuten
Jahre nur geklappert sowie die nur typischen Musikszenen auf, in denen lässt.
einen einzigen Ton erzeugende Ton- Harfe, Flöte und Gesang vertreten sind
pfeife gespielt, bis das früheste Me- (Abb. 7). Darstellungen von Personen, Sind die ägyptischen Instrumente
lodieinstrument, die Flöte, um 3100 die eine Rassel spielen, sind hinge- eigene Erfindungen?
v. Chr. dazukam? Hat man tatsächlich gen in der gesamten ägyptischen Ge- Das jeweilige Erscheinen der ersten
geklatscht, noch bevor man gesungen schichte nicht belegt. Instrumente wirft die Frage auf, ob
hat? Archäologisch spiegelt zwar die Zur Musizierpraxis sind in den frü- sie importiert wurden oder ägypti-
obige Aufzählung die frühesten Funde hesten Perioden der ägyptischen Ge- sche  Erfindungen  sind.  Wie  die  Un-
wider, doch heißt dies nicht zwingend, schichte kaum fundierte Aussagen tersuchung zeigte, sind alle in Ägyp-
dass diese nicht schon zuvor existier- möglich. Eine Notation ist erst aus ten belegten Instrumente bis auf eines
ten. Insbesondere in Bezug auf Ge- dem 2. Jh. n. Chr. belegt. Ob oder wann auch in anderen Kulturen belegt. Bei
sang und Klatschen ist davon aus- von einer Art Lied oder Ähnlichem der Ausnahme handelt es sich um
zugehen, dass es sich dabei um die auszugehen ist, ist unklar. Früheste das nur in Ägypten auftretende Me-
allerfrüheste Form von Musik han- längere Beischriften neben Musikern, nit, auch wenn es sich dabei um eine
delt, da sie ohne Hilfsmittel durchzu- die als Liederfragmente zu interpre- ägyptenspezifische Form der andern-
führen war, und Instrumente erst in tieren sein mögen, datieren erst in orts überlieferten Schnurrasseln han-
anschließenden Entwicklungsstufen die 6. Dynastie. Nichtsdestotrotz wird delt. Woher stammen die Instrumente
hinzutraten. Somit wäre davon aus- deutlich, dass die altägyptische Musik also? Seit frühester Zeit ist ein hoher
zugehen, dass die früheste Form von dieser frühen Phase der ägyptischen Grad an Mobilität, Handel und Ver-

Abb. 4 Einige der Statuetten aus dem Grab des Nikauinpu aus der 5. Dynastie, die rechte gibt den Spieler einer Gefäßtrommel wieder (um 2440 v. Chr.; 
Oriental Institute Chicago, Inv.-Nr. E 10636).

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ANTIKE WELT 1/21
AM ANFANg WAR DIE RASSEl – Früheste Musikinstrumente im Alten Ägypten

Abb. 5 Die Harfenspielerin Hekenu und die Sängerin Iti sind das älteste weibliche Musikerduo der Welt. Ihre Namen stehen über ihnen (5. Dynastie, 
ca. 2470 v. Chr.; Ägyptisches Museum Kairo, CG 1414).

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ANTIKE WELT 1/21
THEMENPANORAMA

kehr in Ägypten nachzuweisen. Aus


späteren Perioden sind verschiedene
Musiker und Musikerinnen mit einem
ausnehmend großen Aktionsradius
belegt. Der Transfer von Instrumen-
ten bzw. Spielweisen und Melodien
erfolgte sicher nicht nur in eine Rich-
tung und könnte ebenso durch die
hohe Mobilität ägyptischer Musiker
erfolgt sein wie durch nach Ägypten
einwandernde Musiker, die ihre Inst-
rumente und ihr musikalisches Wis-
sen mitbrachten.

Kontext: Musik nur für den König?


Instrumente und Belege für Musik
sind in Grab, Siedlung und Tempel
überliefert. Keine Darstellung zeigt
Abb. 6 Zwei weibliche Harfenspieler als Teil eines größeren Ensembles, das aus einem Lang-
Musik als private Unterhaltung in all- flötenspieler, einem Sänger, vier Tänzerinnen und zwei Klatschenden besteht (Grab des In-Snefru-
täglichem Zusammenhang oder auch ishtef, 4. Dynastie, ca. 2600 v. Chr., Dahschur; Ägyptisches Museum Kairo, CG 1778).
für den König bzw. den Hof. Dies bedeu-
tet nicht notwendigerweise, dass nicht
privat bzw. als Unterhaltung vor dem
König musiziert wurde, sondern ledig- dieser nicht bestand. So ergibt sich dass nur das wiedergegeben wurde,
lich, dass dies in der zwei- und drei- eine unmittelbare Nähe aus den In- was als absolut unabdingbar galt.
dimensionalen Kunst dieser Zeit kei- strumenten in Königsgräbern und den Wenn Musik in diesen frühen Perio-
nen Niederschlag fand. Grundsätzlich Wiedergaben beim Sedfest, also an den auftritt, dann in sehr exklusiven
ist Musik nicht unmittelbar vor dem den Orten bzw. in den Situationen, die Zusammenhängen wie an den Schnitt-
König wiedergegeben, wenn auch er zugleich Ritual- und Herrscheranteil stellen von Leben und Tod, von Kö-
selbst in späterer Zeit mitunter als des Königs darstellen. nig und Ritual, nicht jedoch im Alltäg-
Musiker  wie  z. B.  mit  Sistrum  in  der  Musik erscheint lediglich vereinzelt. lichen.
Hand auftritt (Abb. 8). Sie ist nicht auf Annalentäfelchen,
Zwar zeigen keine Darstellungen Messergriffen oder Siegeln dargestellt Fazit
bis zur 4. Dynastie eindeutig einen und nur äußerst selten auf Prunk- Bei den frühesten Instrumenten aus
Zusammenhang von Musik und Kö- paletten bzw. -keulen, wo der Raum für Ägypten handelt es sich um die im
nig, doch muss dies nicht heißen, dass Darstellungen sehr begrenzt ist, so 5. Jt. v. Chr. auftretenden Rasseln, da-

Abb. 7 Harfe- und Flötenspieler sowie Sänger bilden das Musikensemble im 
Grab des Chuenre in Giza aus der 4. Dynastie (ca. 2500 v. Chr.).

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ANTIKE WELT 1/21
AM ANFANg WAR DIE RASSEl – Früheste Musikinstrumente im Alten Ägypten

Abb. 8 Domitian beim Sistrumspiel, dargestellt in Kom Ombo (1. Jh. n. Chr.),

nach schließen sich im 4. Jt. v. Chr. die Gräbern vertreten. Welche Funktion php/explore/?instrument=40775 http://minim.ac.uk/
index.php/explore/?instrument=40776; 3 a: akg-ima­
Klappern und Flöten an. Saiteninstru- sie bei Bestattungsritualen oder im ges / Werner Forman; 3 b. 6: Umzeichnung: A. Kireenko,
© H. Köpp-Junk; 4: http://giza.fas.harvard.edu/ob­
mente waren ebenso wie Trommeln Tempelkult erfüllten und wie diese jects/66353/intro/; 5: akg-images / Werner Forman;
bisher in Prädynastischer Zeit, Früh- Zeremonien vollzogen wurden, ist un- 7: © H. Köpp-Junk; 8: akg-images / François guénet.

zeit und 3. Dynastie nicht nachzu- klar. Keine Darstellung zeigt die Ver-
Literatur
weisen. Die ersten Harfen datieren wendung von Klappern, Rasseln oder R. P. ARROYO, Egypt: Music in the Age of the Pyramids
wie die frühesten Trommeln erst in Flöten bei einer Bestattung oder de- (2003).

die 4. Dynastie. Doch bereits weitaus finitiv  während  eines  Tempelrituals.  H. HICKMANN, Ägypten. Musik des Altertums II (1961).

früher als die Verwendung von Instru- Alles in allem erscheint Musik in den H. KÖPP-JUNK, The Artist behind the Ancient Egyptian
love Songs: Performance and Technique, in:
menten ist der Einsatz der Stimme frühen Phasen selten, aber an äußerst R. landgráfová / H. Navrátilová (Hrsg.), The World of the
Ancient Egyptian love Songs (2015) 35–60.
bzw. des Gesangs anzusetzen, ebenso markanten  Stellen  und  in  signifikan-
DIES., Reisen im Alten Ägypten. Reisekultur, Fortbewe-
wie das Klatschen. Diverse in ver- ten Situationen. gungs- und Transportmittel unter besonderer Be-
rücksichtigung des landverkehrs, in: göttinger Orient-
schiedenen Publikationen für die Prä- forschungen (gOF) Band 55 (2015).
dynastische bzw. Frühzeit propagierte DIES., Textual, iconographical and archaeological evidence
Instrumente waren nach eingehen- for the performance of ancient Egypt Music. in:
A. g. Ventura / C. Tavolieri / l. Verderame (Hrsg.), The
den  Untersuchungen  nicht  zu  verifi- Adresse der Autorin
Musical Performance in Antiquity: Archaeology
and Written Sources (2018) 93−120.
zieren, so dass der Urbestand an Ins- Dr. Heidi Köpp-Junk
Am Buchwald 3 DIES., Sound of Silence? Neueste Ergebnisse aus der Musik-
trumenten  ein  anderer  ist  als  z. B.  in  D­54456 Tawern archäologie, in: A. I. Blöbaum / M. Eaton-Krauss /
kontakt@heidikoepp.de A. Wüthrich (Hrsg.), Pérégrinations avec Erhart graefe.
Europa. www.heidikoepp.de Festschrift zu seinem 75. geburtstag. ÄAT 87 (2018)
Kein Instrument ist allein auf eine 267−283.

Region beschränkt, sondern alle sind DIES., Die Anfänge der Musik im Alten Ägypten vom
Bildnachweis
5. Jt. v. Chr. bis zum Ende der 4. Dynastie (in Druckvor­
in ganz Ägypten nachzuweisen. Sie Abb. 1: © Museum August Kestner Hannover, Inv.- bereitung).
Nr. 1954.125, Foto: Christian Tepper, mit freund-
sind in Siedlungen, Heiligtümern und licher genehmigung; 2: http://minim.ac.uk/index.

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ANTIKE WELT 1/21
Für Abonnenten: Mit der Kultur-
Card günstiger ins Museum
Albersdorf, Steinzeitpark Dithmarschen
Blaubeuren: urmu - Urgeschichtliches Museum
Bramsche-Kalkriese, Museum und Park Kalkriese
Bremerhaven, Deutsches Auswandererhaus
Brandenburg, Archäologisches Landesmuseum
NEU
Chemnitz, smac - Staatliches Museum für Archäologie
Darmstadt, Institut Mathildenhöhe – Künstlerkolonie experimenta – Das Science Center
Darmstadt, Schlossmuseum experimenta gGmbH, Experimenta-Platz, 74072 Heilbronn
Düsseldorf, Goethe-Museum Tel.: +49 (0) 7131 88795–0
Essen, Ruhr Museum UNESCO-Welterbe Zollverein E-Mail: info@experimenta.science • www.experimenta.science/de
Frankfurt, Archäologisches Museum Öffnungszeiten
Frankfurt, Historisches Museum Derzeit gelten Sonder-Öffnungszeiten und -Ticketpreise.
Geisa, Gedenkstätte Point Alpha Bitte informieren Sie sich online.
Glauberg, Keltenwelt am Glauberg Ansonsten mit wbg-KulturCard: Ermäßigung
Halle (Saale), Landesmuseum für Vorgeschichte von € 2,– auf das Kombiticket (Erwachsene
Hamburg, Archäologisches Museum € 17,– statt € 19,– / ermäßigt € 8,– statt € 10,–).
Hamburg, Auswanderermuseum BallinStadt
NEU Heilbronn, experimenta
Deutsches Röntgen-Museum
Hitzacker, Freilichtmuseum Archäologisches Zentrum
Schwelmer Str. 41, 42897 Remscheid
Ingolstadt, Bayerisches Armeemuseum
Tel.: +49 (0) 2191 16-3384
Ingolstadt, Museum des Ersten Weltkriegs
E-Mail: info@roentgenmuseum.de • www.roentgenmuseum.de
Ingolstadt, Bayerisches Polizeimuseum
Öffnungszeiten
Kassel, Museum für Sepulkralkultur
Di bis So: 10 bis 17 Uhr / Mo geschlossen
Konstanz, Archäologisches Landesmuseum BaWü
Luckau, Niederlausitz-Museum Mit wbg-KulturCard: ›2 Karten zum Preis von 1‹
Lübeck, Europäisches Hansemuseum
Lüneburg, Ostpreußisches Landesmuseum
Städtische Museen Wetzlar & Viseum
Manching, kelten römer museum
www.museen-wetzlar.de
Manderscheid, Maarmuseum
www.viseum-wetzlar.de
Mannheim, TECHNOSEUM
E-Mail: museum@wetzlar.de • info@viseum-wetzlar.de
Memleben, Kloster und Kaiserpfalz
Mit der wbg-KulturCard: Kombiticket für alle
Mettmann, Neanderthal Museum
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Neustrelitz, Kulturquartier
Neuwied, MONREPOS
Oldenburg, Landesmuseum Natur und Mensch
Perl-Borg, Römische Villa Borg

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Prenzlau, Dominikanerkloster
NEU Remscheid, Deutsches Röntgen-Museum
Rothenburg o.d.T., Mittelalterliches Kriminalmuseum
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Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen Eintritt
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Schöningen, Paläon Museen
Sierre, Rilke-Museum (Fondation Rilke) der wbg

Stuttgart, Linden-Museum
Vreden, kult Westmünsterland Nicht übertragbar und
nur in Kombination mit
Personalausweis gültig.
2021
Weißenburg, RömerMuseum
Weißenburg, Römische Thermen
Weißenburg, ReichsstadtMuseum
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NEU Wetzlar, Lottehaus, Jerusalemhaus, Palais Papius, sowie zu Art und Umfang der jeweiligen
Stadtmuseum, Viseum, Reichskammergerichtsmuseum
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Wittelshofen, Römerpark und Limeseum unter wbg-kulturcard.de
Abb. 1 Im Kulturhistorischen Museum, das ursprünglich als Gymnasium am Rande der Altstadt Mühlhausens errichtet wurde, ist neben den 
Dauerausstellungen zur Mühlhäuser Stadtgeschichte, Thüringer Kunst des 20. Jhs. und archäologischen Funden der Region auch die Sonderausstellung 
«Roms verlorene Provinz – Archäologische Spuren in Thüringen» zu sehen.

DAS KULT URHISTOR I S CHE M US E UM I N


M Ü HLHAU S E N UND DIE MACHT DES KAISERS
ie mittelalterliche Reichsstadt Mühl- des imposanten Neorenaissancebaus auf den günstigen siedlungsgeographi-
D hausen erhebt sich unweit des geo-
grafischen Mittelpunkts Deutschlands.
bereits von 1928 bis 1934 das erste
Heimatmuseum auf (Abb. 1). Nach
schen Gegebenheiten am Nordrand
des Thüringer Beckens, dem über die
Von Kriegen weitgehend verschont, wechselnder Nutzung bietet das Ge- Jahrhunderte hinweg eine überregio­
blieb das historische Antlitz der Stadt bäude seit 1947 dem Mühlhäuser nale Bedeutung als Siedlungs­ und
zum großen Teil bewahrt. Die Jahr- Heimatmuseum, das aus dem 1879 Verkehrsraum zukam. Besonders die
hunderte überdauerten auch umfang- gegründeten Gewerbemuseum hervor- fruchtbaren Lössböden des Gebiets
reiche Abschnitte der romanischen gegangen war, ein dauerhaftes Domi- waren seit Beginn der bäuerlichen Wirt-
Stadtmauer, die zu den ältesten mittel- zil. Seit einer grundlegenden Sanie- schaftsweise im Neolithikum begehrt.
alterlichen Befestigungen in Deutsch- rung von 2010 bis 2013 präsentiert Die Erschließung und Sicherung des
land zählt. Ein Teil der Stadtmauer ist sich das Kulturhistorische Museum aus einer Jahrtausende langen Besied-
heute zugänglich und gehört zusam- mit den drei Ausstellungsbereichen lung resultierenden reichen archäolo-
men mit der Kirche St. Marien, der zu reichsstädtischer Geschichte Mühl- gischen Bestandes Nordwestthüringens
Kornmarktkirche, der Allerheiligenkir- hausens, Thüringer Kunst des 20. Jh. ist maßgeblich einer ab dem Ende des
che und dem Kulturhistorischen Mu- und archäologischen Funden aus Nord- 19. Jhs. intensiv und systematisch be-
seum am Lindenbühl zum Zweckver- westthüringen. triebenen Geländeforschung zu ver-
band der Mühlhäuser Museen. danken, die seit 1952 fest in Mühlhau-
Das museale Rückgrat dieses viel- Die Archäologische Sammlung: sen verankert ist. Das Spektrum der
gestaltigen Zusammenschlusses, das Sammeln, Bewahren und Erforschen seither von den Mühlhäuser Museen
Kulturhistorische Museum, findet sich Das Gebiet am Oberlauf des Flusses durchgeführten Feldarbeiten umfasst
eingelassen in die Mühlhäuser Stadt- Unstrut zählt zu den reichsten archäo- vor allem systematische Flurbegehun-
mauer etwas versteckt am Südrand logischen Fundlandschaften Thürin- gen zur Entdeckung neuer Fundplätze,
der Altstadt. Zwischen 1868 und 1870 gens. Der beachtliche archäologische kontinuierliche Beobachtungen bereits
als Gymnasium errichtet, nahmen Teile Quellenbestand dieser Region basiert bekannter Stellen, Kontrollen von Erd-

84
ANTIKE WELT 1/21
M U S E E N I N A L L E R W E LT

arbeiten in Baugebieten, kleinere Ret- ration und Mobilität keineswegs nur nenswerter, da gerade Thüringen auf-
tungsgrabungen sowie die Betreuung ein Phänomen der heutigen Zeit dar- grund eines ungewöhnlich reichen
und Pflege von oberirdisch sichtba- stellt. Betrachtet werden dabei ver- Spektrums an römischen Bodenfun-
ren Bodendenkmalen. Aufgrund ei- schiedene Möglichkeiten des Güter­ den als Schlüsselregion für die Rekon-
ner bis heute andauernden Sammel- und Ideentransfers wie etwa infolge struktion der römisch­germanischen
tätigkeit, die hauseigene Feldarbeiten von massiver Zuwanderung, weitläu- Beziehungen gilt.
bzw. Forschungen als wesentliche figem Tauschhandel oder Raub­ und Anhand einer Auswahl an entschei-
Stütze einer qualitätvollen Vermitt- Beutezügen, die sich in wirtschaftlichen denden Fundstücken aus ganz Thürin-
lung miteinschließt, zählt die Archäo- Innovationen, Technologietransfer bzw. gen wird nun in der seit September
logische Sammlung der Mühlhäuser davon abhängigen Adaptionen inner- 2020 geöffneten Sonderausstellung
Museen zu den umfangreichsten und halb der regionalen archäologischen «Roms verlorene Provinz – Archäolo-
bedeutendsten ihrer Art in Thürin- Kultur widerspiegeln (vgl. Abb. 5). gische Spuren in Thüringen« die Ge-
gen. Anhand von mehreren tausend schichte dieses wechselvollen Verhält-
gut dokumentierten Komplexen mit Roms verlorene Provinz  nisses basierend auf den neuesten
über 300 000 Einzelobjekten aus al- Die besonders in den letzten 40 Jah- Forschungsergebnissen das erste Mal
len in Nordwestthüringen bekannten ren intensiven Forschungen der Mühl- für Thüringen zusammenhängend er-
archäologischen Kulturen gelingt wie häuser Museen zur kaiserzeitlichen zählt (1. Jh. v. Chr.–5. Jh. n. Chr.; Abb. 3).
in kaum einer anderen Region Thürin- Besiedlung sowie spektakuläre archäo- Im ersten Teil der Ausstellung wer-
gens eine detaillierte Rekonstruktion logische Entdeckungen im Umfeld von den unter dem Titel «Die Macht des
von Besiedlungsabläufen. Mühlhausen boten den Anlass für eine Kaisers« die überregionalen Verbindun­
museale Neubetrachtung und Bewer- gen am Ende der Eisenzeit skizziert,
Mobilität und Migration in den  tung der Kontakte in das römische um davon ausgehend die Gescheh-
Jahrtausenden  Reichsgebiet. Dies schien umso loh- nisse während der Augusteischen Ger-
Der umfangreiche archäologische Fun-
dus der Region bot die Grundlage für
die am 29. Juni 2014 im frisch sanier-
ten Kulturhistorischen Museum eröffne- Abb. 2 Einen Schwerpunkt der archäologischen Dauerausstellung stellt sowohl die massive Zu-
wanderung von frühneolithischen Bevölkerungsgruppen der linienbandkeramischen Kultur aus 
ten archäologischen Dauerausstellung dem mittleren Donaugebiet (um 5400 v. Chr.) als auch die frühe Einbindung der Region in erstaun-
«UNSTRUT­HAINICH tiefgründig – Zeug- lich weitreichende Tausch- und Kommunikationssysteme dar. Eindrucksvolle Zeugnisse dafür 
sind die zu prächtigem Schmuck verarbeiteten Spondylusmuscheln aus dem nordöstlichen Mittel-
nisse zu Migration und Mobilität aus meer als außergewöhnliche Beigaben in Gräbern der linienbandkeramischen Kultur von 
ur­ und frühgeschichtlicher Zeit», die Höngeda und Körner (um 5200 v. Chr.).
für Thüringen zum ersten Mal eine
zeitübergreifende, von der Jungstein-
zeit bis zum Beginn des Mittelalters
reichende Zusammenschau wichtiger
Hinweise auf frühe Mobilität disku-
tiert. Das seit dem Neolithikum konti­
nuierlich besiedelte obere Unstrut-
gebiet bietet zahlreiche Belege für
überregionalen Austausch in Form von
fremden Objekten und Innovationen
aus z. T. weit entfernten Siedlungsregi-
onen und steht stellvertretend für ver-
gleichbare Verhältnisse im gesamten
Thüringer Becken (Abb. 2). In chrono-
logischer Folge werden aus dem etwa
6000 Jahre umfassenden Zeitraum ex-
emplarisch, in 12 jeweils geschlosse-
nen Themen, charakteristische Funde
und Befunde vorgestellt, die den Besu-
chern demonstrieren sollen, dass Mig-

85
ANTIKE WELT 1/21
DAS KULTURHISTORISCHE MUSEUM IN MüHLHAUSEN UND DIE MACHT DES KAISERS

und militärische Ausrüstungsteile ge-


hören, lassen sich nun, dank neues-
ter Untersuchungen mit einer Anwe-
senheit von römischen Truppen ab
8/7 n. Chr., wohl aber kaum länger
als bis zur sog. Schlacht im Teutobur-
ger Wald (9 n. Chr.), in Zusammen-
hang bringen. Die Präsenz römischen
Militärs in Thüringen fällt damit in
eine Phase, während der rechts des
Rheins begonnen wurde, mit den Pro-
vinzen vergleichbare Infrastruktur auf-
zubauen, römisches Recht zu sprechen
und Bodenschätze systematisch aus-
zubeuten.
Auch nach einem Rückzug der rö-
Abb. 3 Die Sonderausstellung begleitet ein umfangreiches museumspädagogisches Programm mit 
abwechslungsreichen Angeboten für Groß und Klein.  mischen Truppen u. a. in Folge ver-
lustreicher Kämpfe besaßen die Be-
wohner des Thüringer Beckens ein
ganz besonderes Verhältnis zum
manenkriege (12 v. Chr.–16 n. Chr.) in tage gekommene provinzialrömische mächtigen Nachbarn. Römische und
den Blick zu nehmen. Weit gestreut und römische Objekte, zu denen ne- provinzialrömische Gegenstände aus
vor allem in Nordwestthüringen zu- ben Gewandspangen auch Waffen der Zeit ab der Mitte des 1. Jhs. n. Chr.

Abb. 4 Im Mühlhäuser Raum kam eine Reihe von eindrucksvollen Schmuckstücken mit Granatbesatz in Frauengräbern der regionalen Elite zutage. 
Ein Großteil dieser Edelsteine erreichte von Indien aus über den Seeweg Byzanz, von wo aus sie – als Granatrosen und geschliffene Plättchen – in be-
achtlichem Umfang an germanische Händler weitergehandelt wurden.

86
ANTIKE WELT 1/21
M U S E E N I N A L L E R W E LT

Abb. 5 Das von den Mühlhäuser Museen 2005 bei Altengottern geborgene Brandgrab einer vornehmen Germanin aus dem späten 2. Jh. n. Chr. weist 
die bislang reichste Grabausstattung dieser Zeit in Mitteldeutschland auf. Die Bestattung in einem römischen Bronzegefäß und die meisten der 
ger manischen Beigaben, insbesondere die prunkvollen Gewandspangen, weisen auf eine Herkunft der vornehmen Frau aus dem traditionellen Stam-
mesgebiet der Langobarden zwischen Altmark und Unterelbe.

läuten die Periode eines nachhaltige- Römischen Reich, die ohne persönli-
ren und vielgestaltigeren römisch­ger- che Mobilität nicht denkbar gewesen Informationen zum Museum 
Kulturhistorisches Museum
manischen Austausches ein, der im wäre. Das umfangreiche Spektrum Kristanplatz 7
D­99974 Mühlhausen/Thüringen
zweiten Teil unserer Sonderausstel- an Bodenfunden hilft unterschiedliche www.mhl­museum.de
lung unter dem Titel «Die Macht der Kontexte eines Austausches zu er-
Öffnungszeiten 
Dinge« beleuchtet wird. Zahllose Spu- schließen, die sich mit Kategorien wie
Di–So 10−17 Uhr
ren belegen besonders für das späte Handel, Bestechung/Stillhaltegelder
2. und 3. Jh. n. Chr. einen kulturellen (Subsidien), Sold, Beute, Mitbringsel Eintritt 
Erwachsene: 5,– €
Ausgleich, aus dem jedoch keine lang- und Nachahmungen grob umreißen Ermäßigte: 4,– €
fristige und umfassende Anpassung lassen und in unserer Ausstellung bei- Kinder (4 bis 14 Jahre): 2,– €
Führungen: 8,– €
der einheimischen Gemeinschaften spielhaft beschrieben werden. Kinder bis 3 Jahre haben freien Eintritt

an provinzialrömische Verhältnisse Informative und eindrucksvoll, lässt


resultierte (Abb. 5). Zwar könnte ein die Ausstellung einen prägenden Aspekt Weitere Ausstellungen der Mühlhäuser Museen
neu entdecktes römisches Lager bei früher mitteldeutscher Geschichte le- Von Einhörnern und Drachenjägern – Mittelalterliche
Kunst in Thüringen
Hachelbich (Kyffhäuserkreis) auf die bendig werden. Seit Herbst 2018 bieten die Seitenschiffe der Kirche
St. Marien einer Ausstellung Raum, die in Kooperation
Anwesenheit von Militär im 1.–3. Jh. mit der Klassik Stiftung Weimar kostbare gotische Altäre,
n. Chr. hinweisen, doch blieb das Skulpturen und Tafelbilder im originalgetreuen Umfeld
zeigt und den Eindruck eines reich ausgestatteten mittel-
Thüringer Becken nach den augustei- alterlichen Kirchenraums erlebbar macht.
schen Okkupationsversuchen dauer­ Adresse des Autors  Museum St. Marien, Müntzergedenkstätte
Thomas Schierl Bei der Marienkirche, 99974 Mühlhausen/Thüringen
haft außerhalb des direkten römischen Kulturhistorisches Museum
Kristanplatz 7
Machtbereiches. In ihrem flächigen D­99974 Mühlhausen/Thüringen
«Luthers ungeliebte Brüder«
Die Ausstellung in der ehemaligen Klosterkirche St. Crucis
Auftreten widerspiegeln die fremden widmet sich der Vor­ und Frühreformation sowie dem
Objekte trotzdem eine weitgehende Bildnachweis thüringischen Bauernkrieg. Die Franziskanerklosterkirche
zählt deutschlandweit zu den bedeutendsten ihrer Art.
Durchdringung des germanischen All- Abb. 1−4: Foto: Tino Sieland, Rechte: Mühlhäuser
Museen; 5: Foto: Alexander Volkmann, Rechte: Mühl- Bauernkriegsmuseum Kornmarktkirche
tags in Mitteldeutschland mit mate- häuser Museen. Kornmarkt, 99974 Mühlhausen/Thüringen

riellen und ideellen Gütern aus dem

87
ANTIKE WELT 1/21
Rezensionen und Empfehlungen

DOKUMENT GRÜND­ von Hartmut Leppin


LICHER GELEHRSAMKEIT
Ein weiterer monumentaler Band aus Die Autoren sind hochkompetent
Jean-Denis Berger / Jacques Fontaine /
dem «Handbuch der lateinischen Litera­ und meistern ihre Aufgabe souverän.
Peter Lebrecht Schmidt (Hrsg.), Die
Literatur im Zeitalter des Theodosius tur der Antike», das seinerseits ein Schlägt man aber das Buch auf, durch­
(374−430 n. Chr.). 2. Teil: Christliche Teil des traditionsreichen «Handbuchs fährt einen ein Schreck: Hinter den
Prosa, in: Reinhart Herzog / Peter Leb­ der Altertumswissenschaft» ist, liegt Namen zweier der drei Herausgeber
recht Schmidt (Hrsg.), Handbuch jetzt vor. Er behandelt die lateinische Lite­ und mehrerer Autoren steht ein Kreuz.
der lateinischen Literatur der Antike
ratur jener Zeit, in der das Christentum Das zeugt von der langen Entste­
Bd. 6. XLII, 1005 S., € 178,00 (D). Verlag
C.H. Beck, München 2020. sich politisch und kulturell im Römischen hungsgeschichte des Bandes, die 1983
Reich durchsetzte, dessen Westteil einsetzte. Nicht alles ist ganz aktuell,
politisch zerfiel. Bedeutende Autoren wie und eine Buchpublikation veraltet, was
Ambrosius, Hieronymus oder Augus- Literaturangaben angeht, schneller
tinus wirkten in dieser Zeit und werden als Online-Produkte. Doch darauf kommt
hier vorgestellt, aber auch – und das es nicht an: Dieses Werk ist ein Do­
ist besonders wichtig – wenig bekannte kument gründlicher Gelehrsamkeit, die
Gestalten wie Latronianus oder Pacianus ein Verlag wie C.H. Beck erfreulicher­
von Barcelona, ebenso Hagiographie weise zu fördern bereit ist. Der Kern
und Alltagstexte wie Gemeindeordnun­ wird nicht veralten und ist weitaus
gen. Die Lektüre vermittelt viel über ausgewogener und durchdachter als
die Autoren, den Inhalt der Texte, die vieles, was allzu rasch gedruckt
Überlieferung, über Editionen und oder online gestellt wird. Dieses Werk
Forschungsliteratur. Gegliedert ist der wird Dauer haben.
Stoff sinnvollerweise nach Regionen.

DEM VERGESSEN von Dr. Josef Fischer, Krakau


ENTRISSEN
Obwohl die Stadt Theben zu den wichti­ rend das historische Theben danach nie
Paul Cartledge, Thebes: The Forgotten
gen politischen Akteuren im klassischen wieder zu größerer Bedeutung aufstieg,
City of Ancient Greece. 336 S.,
£25,00 (GB). Picador, London 2020. Griechenland zählte und für einige war die kulturelle Nachwirkung des
Jahre sogar die politische Vorherrschaft mythischen Theben enorm – diese Re­
in Hellas innehatte, ist ihre Geschichte zeption in Literatur, Theater, Kunst und
wenig bekannt. In seinem neuesten Psychoanalyse behandelt Cartledge
Werk unternimmt Paul Cartledge, einer im Schlusskapitel des Buches. Er bietet
der besten Kenner der griechischen in seiner Darstellung viele Hintergrund­
Geschichte, den Versuch, der Polis, informationen und bettet die Geschichte
die im Schatten von Athen und Sparta Thebens stets in den historischen Zu­
steht, den gebührenden Platz in der sammenhang ein. Das trägt einerseits
Geschichte einzuräumen. Dabei geht er viel zum Verständnis bei, andererseits
zunächst auf das mythische Theben hätte man sich manchmal eine grö­
ein: Die vom Phöniker Kadmos gegründete ßere Konzentration auf das eigentliche
Stadt war nicht nur die Heimat von Di­ Thema gewünscht. Auch scheint die
onysos und Herakles, sondern auch von Gewichtung der einzelnen Kapitel nicht
Ödipus und seinen Kindern Eteokles, immer glücklich. So wird etwa der Pe­
Polyneikes und Antigone. Anschließend loponnesische Krieg recht lang bespro­
schildert Cartledge die Geschichte chen, während die in der Geschichte
der Stadt von der Frühzeit bis zum Zeit­ Thebens so bedeutende mykenische
alter des Epameinondas, der Theben Epoche relativ kurz abgehandelt wird.
zur politisch tonangebenden Polis in Trotz dieser kleinen Kritikpunkte kann
Griechenland machte, und zur totalen dieses gut lesbare Buch jedem Freund
Zerstörung der Stadt durch Alexander der griechischen Geschichte empfohlen
den Großen im Jahr 335 v. Chr. Wäh­ werden.

Zusätzliche Buchbesprechungen 88
finden Sie online auf unserem ANTIKE WELT 1/21
Leserportal. www.antikewelt.de
BÜCHERSPIEGEL

Nicholas Jubber, Von Monstern und Werner Schäfke, Stadt an der Grenze.
Mythen – Eine Reise zu Europas Das erste Jahrtausend in Köln. Köln – Eine
wilden Geschichten. 400 S., € 16,95 (D). Stadtgeschichte in Bildern, Band 1.
DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2020. 189 S. mit 66 farb., Abb. € 29,00 (D). Böhlau
Verlag, Köln 2020.

Auf die Reise zu gehen auf den Spuren der großen Epen Texte von Werner Schäfke, lange Jahre Direktor des Kölni-
Europas hatte sich der Reiseschriftsteller Nicholas Jubber vor­ schen Stadtmuseums, und Fotografien von Wolfgang F.
genommen. Auf der Tour von Troja bis nach Island Meier, Jahrzehnte als Fotograf für das Rheinische Bildarchiv
geht er verschiedenen Fragen nach: Welchen Beitrag haben der Stadt Köln und als freier Fotograf tätig, führen durch
diese Epen zur Schaffung Europas geleistet? Lohnt es sich die ersten tausend Jahre Kölner Geschichte, von der Grün­
nach wie vor, sie zu lesen? Können sie uns helfen, Europa dung an der Grenze des Römischen Reiches bis zur zweiten
heute besser zu verstehen? Nach einer einführenden «Chro­ Blüte als frühmittelalterliche Metropole. Eine Überblicks-
nik der Ereignisse», die diese persönliche Entdeckerfahrt darstellung steht am Beginn des Bandes, daraufhin werden
einleitet, folgen die Kapitel über die Odyssee, den Kosovo- verschiedene Ereignisse und Aspekte der Geschichte und Kultur
Zyklus, das Rolandslied, das Nibelungenlied, Beowulf anhand der kommentierten Bilder anschaulich vorgestellt.
und die Saga von Brennu-Njal. Bestes «armchair travel- Eine Chronologie und Hinweise auf weiterführende Literatur
ling». beschließen das Buch.

von Nico Terhorst, Gießen ÜBER 500 JAHRE


GESCHICHTE
Mit seinem neuesten Werk Gladius. Schriftliche Quellen sind nur von
Thomas Fischer, Gladius. Roms Legio­
Roms Legionen in Germanien römischer und griechischer Seite über-
nen in Germanien. 344 S., 63 Abb.,
stellt Thomas Fischer die schicksals- liefert, was eine allgemeine Betrach­ € 26,00 (D). Verlag C.H.Beck., München
hafte Beziehung der Römer zu tung der Beziehungen ungemein 2020.
den germanischen Stämmen in den erschwert und stets beachtet werden
Vordergrund seiner Untersuchung. Die muss. Da auch die schriftlichen Quellen
andauernden Auseinandersetzungen teilweise lückenhaft sind, sind archäo­
dieser beiden Parteien zogen sich über logische Forschungen und Bodenfunde
500 Jahre und werden in diesem Band unabdingbar, um ein tragfähiges Bild
von der ersten Beschreibung der «Bar­ von der wechselvollen Beziehung
baren» in römische Quellen, bis hin zur zu gewinnen. In kleinen Exkursen be­
Auflösung des Weströmischen Reichs schreibt Thomas Fischer immer wieder
im Jahre 476 n. Chr. genau beschrieben. wichtige Orte und Ereignisse und
Fokussiert wird sich dabei hauptsäch­ ergänzt diese mit zahlreichen Abbil­
lich auf die militärischen Aspekte der dungen und Darstellungen, so dass die
Kontakte. Dabei erhalten die Leserinnen Leserinnen und Leser sich ein gutes
und Leser Einblicke in das strenge und Bild von den damaligen Epochen ma­
disziplinierte Militärwesen der Römer, chen können und die Veränderungen
welches sich, auch durch Einflüsse von der verschiedenen Phasen nachvollzie­
außerhalb des Reiches, stetig veränderte. hen können. Thomas Fischer hat mit
Im Gegensatz dazu setzten die germa­ dieser Publikation ein umfangreiches
nischen Stämme v. a. auf ihren Mut Werk verfasst, welches die aktuel­
und ihre Wildheit im Kampf. Trotzdem len Kenntnisse zu den militärischen
schafften sie es im Jahre 9 n. Chr. in der Konflikten zwischen Römern und
Varusschlacht den Römern eine der größ­ den germanischen Stämmen gut auf-
ten Niederlage des Reiches zuzufügen. arbeitet und darstellt.

89
ANTIKE WELT 1/21
Bitte beachten Sie, dass sich die Ausstellungsdaten und Öffnungszeiten der einzelnen Museen kurzfristig ändern können.

WICHTIGER HINWEIS Ziegelfragmente in Berlin. Zur Eröffnung des Perga­ FREIBURG


Angesichts der aktuellen Lage stimmen die an- monmuseums 1930 war es erstmals dem Publi­ Archäologisches Museum Colombischlössle
gegebenen Daten gegebenenfalls bei Erscheinen kum zugänglich. Der römische Legionär – weit mehr als ein Krieger
des Heftes nicht mehr. Bitte informieren Sie sich Geöffnet: Di, Mi, Fr 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, Sa, verlängert bis 7. Februar 2021
deshalb auch auf den Internetseiten der Museen. So 10–18 Uhr Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr
Besuchen Sie auch unsere digitale Museumsmeile Am Kupfergraben 5 Rotteckring 5
museenonline.org. www.smb.museum.de www.freiburg.de/museen
s. a. den Beitrag auf S. 33 ff.

BELGIEN HAMBURG
Archäologisches Museum Hamburg
Gladiatoren – Helden des Kolosseums
TONGEREN bis 28. Februar 2021
Gallo-Römisches Museum Die Ausbildung der Gladiatoren, ihr Training in der
Auge in Auge mit den Römern Gladiatorenschule, der Ablauf der Gladiatorenspiele
6. Februar bis 1. August 2021 und das Ansehen der siegreichen Kämpfer, aber
Etwa 250 herausragende Objekte aus dem auch die Rolle von Frauen bei diesen Veranstaltun­
Britischen Museum geben einen Überblick über gen werden vorgestellt.
die römische Lebenswelt und Kultur. Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr
Geöffnet: Di–Fr 9–17 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr Museumsplatz 2
Kielenstraat 15 www.amh.de
www.galloromeinsmuseum.be

HANNOVER
Museum August Kestner
DEUTSCHLAND «Das Ischtar­Tor in Berlin»: Die Rekonstruktion des Ischtar­ Guter Dämon Bes. Schutzgott der Ägypter
Tores im Pergamonmuseum (© Staatliche Museen zu bis 11. April 2021
Berlin, Vorderasiatisches Museum; Foto: Olaf M. Teßmer). Im Mittelpunkt steht der ägyptische Gott Bes,
AALEN der als Statue, aber auch auf Amuletten,
Limesmuseum Aalen Möbeln, Säulen, Vasen und Geschirr dargestellt wird.
Der Tod aus dem Nichts – Antike Geschütze BERLIN Geöffnet: Di–So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr
bis 11. April 2021 Kunstbibliothek Trammplatz 3
Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr Das Piranesi-Prinzip www.museum-august-kestner.de
St. Johann-Straße 5 bis 7. Februar 2021 s. a. das Titelthema in AW 6/20, S. 8−37.
www.museen-aalen.de Zum 300. Geburtstag von Giovanni Battista Piranesi
(1720–1778): Seine Ausbildung als Architekt,
Zeichner und Vedutenmaler befähigte ihn zu Zeich­ HILDESHEIM
AUGSBURG nungen antiker und barocker Baudenkmäler Roemer- und Pelizaeus-Museum
Römerlager im Zeughaus und Städteansichten, besonders von Rom und Venedig. Faszination Ägypten – Frühe Grafiken & Aquarelle
Kleopatra zwischen Mythos und Realität Für die heutigen Archäologen sind diese Bilder bis 5. April 2021
verschoben: 4. Februar bis 30. Juni 2021 – im Vergleich mit dem derzeitigen Bestand – von Zu sehen sind Grafiken und Aquarelle aus der ers­
Auf der einen Seite werden das Leben der Kleopatra, unschätzbarem Wert. ten Hälfte des 19. Jhs., besonders die des schottischen
ihre Geschichte und Politik, also die historischen Geöffnet: Di, Mi, Fr 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr Landschaftsmalers David Roberts (1796–1864)
Fakten vorgestellt, ebenso wie die Spuren der ägypti­ Sa+So 11–18 Uhr und die Lithografien von Louis Haghe (1806–1885). Die
schen Kultur bei archäologischen Fundstücken Matthäikirchplatz 6 Zeichnungen, Skizzen und Aquarelle von Roberts
und Bauwerken der Römer. Dem werden auf der www.smb.museum.de wurden nach seinem Tod versteigert und sind heute
anderen Seite die im Laufe der Jahrhunderte s. a. den Beitrag in AW 6/2020, S. 92. in der ganzen Welt verstreut. Das Hildesheimer Mu­
wechselnden Phantasiefiguren der Kleopatra in seum konnte 28 Aquarell-Zeichnungen erwerben und
zahlreichen Gemälden oder Hollywood­Filmen ebenso einige der Lithografien von Louis Haghe.
gegenübergestellt. BERLIN Geöffnet: Di–So 10–18 Uhr
Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr James-Simon-Galerie Am Steine 1–2
Zeugplatz 4 Germanen – Eine archäologische Bestandsaufnahme www.rpmuseum.de
kunstsammlungen-museen.augsburg.de bis 21. März 2021
Geöffnet: Mo–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr
Bodestraße
BAD HOMBURG www.smb.museum
Römerkastell Saalburg s. a. den Beitrag in AW 5/2020, S. 94.
Hammer! Handwerken wie Kelten und Römer Anschließend in Bonn, 6. 5. – 24. 10. 2021.
verlängert bis 7. März 2021
Geöffnet: Mo–So 9–18 Uhr
Saalburg 1 BONN
www.saalburgmuseum.de LVR-LandesMuseum Bonn
High Tech Römer
evtl. ab Dezember 2020 bis 18. Juli 2021
BAD MERGENTHEIM Geöffnet: Di–Fr, So 11–18 Uhr, Sa 13–18 Uhr
Deutschordensmuseum Colmantstraße 14–18
Rom lebt! Mit dem Handy in die Römerzeit www.landesmuseum-bonn.lvr.de
verlängert bis 28. Februar 2021
Geöffnet: März Di–Sa 14–17 Uhr, So 10.30–17 Uhr;
ab April Di–So 10.30–17 Uhr FRANKFURT AM MAIN
Schloß 16 Archäologisches Museum
www.deutschordensmuseum.de Syrien. Fragmente einer Reise, Fragmente einer Zeit
bis 11. April 2021
Die Fotografin Yvonne von Schweinitz reiste 1953
BERLIN und 1960 nach Syrien in die heute weitgehend
Pergamonmuseum zerstörten Städte Damaskus, Homs, Hama und Aleppo.
Vom Fragment zum Monument. Das Ischtar-Tor Eine Auswahl ihrer Arbeiten, über 70 s/w-Foto-
in Berlin grafien und zahlreiche Farbdiapositive, ist erstmals
bis 30. Mai 2021 zu sehen und zeigt den kulturellen Reichtum und
Die Kabinettausstellung widmet sich der Herkunft die historische Bedeutung Syriens.
«Faszination Ägypten»: Das Portal des Bacchus­Tempels,
des Ischtar­Tores aus der Grabung der Deutschen Geöffnet: Di–So 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr Aquarellzeichnung von David Roberts, 1839, Roemer-
Orient­Gesellschaft von 1899 bis 1917 in Babylon so­ Karmelitergasse 1 und Pelizaeus-Museum Hildesheim, Inv. Nr PM 4579
wie der Restaurierung und Rekonstruktion der www.archaeologisches-museum.frankfurt.de (© RPM, Foto: Sh. Shalchi).

90
ANTIKE WELT 1/21
AUSSTELLUNGSKALENDER

LEIPZIG SPEYER GRIECHENLAND


Ägyptisches Museum und Antikenmuseum Historisches Museum der Pfalz
steinreich. Wissens-Schätze aus den Sammlungen Medicus – Die Macht des Wissens
der Universität Leipzig bis 13. Juni 2021 ATHEN
evtl. ab Dezember 2020 bis Juli 2021 Dargestellt wird die Entwicklung der Medizin vom Archäologisches Nationalmuseum
Ausgewählte Objekte aus den eigenen Beständen Altertum bis zur Gegenwart: das medizinische Οι Μεγάλες Νίκες. Στα Όρια του Μύθου και της
der Leipziger Universitätssammlungen sowie Wissen der antiken Völker, die Verbreitung dieser Ιστορίας
Leihgaben aus anderen Sammlungen beleuchten Kenntnisse über Rom und Byzanz in den ara­ bis 21. Februar 2021
die praktische Verwendung und künstlerische bischen Raum und die Rückkehr nach Europa im Die Ausstellung «Die großen Siege. Zwischen Mythos
Bearbeitung von Stein im Laufe der Kulturge­ 11. Jh., wo besonders in den Klöstern die Heil­ und Geschichte» ist Teil des Festprogramms zum
schichte. kunst ausgeübt wurde. 2500­jährigen Jubiläum der Schlacht bei den Thermo­
Geöffnet: Di–Do, Sa+So 12–17 Uhr Geöffnet: Di–So 10–18 Uhr pylen und der Seeschlacht von Salamis. Die über
Alte Nikolaischule Domplatz 100 antiken Werke stammen aus dem Archäologischen
www.uni-leipzig.de/antik www.museum.speyer.de Nationalmuseum und anderen Museen Griechen­
lands, wie den Archäologischen Museen von Astros,
Theben, Olympia, sowie aus dem Konstantinos­
ULM Kotsanas­Museum für antike griechische Technologie.
Museum Ulm / Studio Archäologie Alle Objekte stehen im Zusammenhang mit dem siegrei­
Schwarz auf Weiß. Das Rätsel der Steinzeitscheiben chen Kampf der Griechen gegen die Perser und zeigen
aus dem Blautal die Resonanz der Perserkriege in der antiken Bildkunst.
bis 31. Januar 2021 Geöffnet: Di 13–20 Uhr, Mi–Mo 8–20 Uhr
Eine einzigartige Fundgruppe stellen die ca. 200 fla­ 28. Oktober (Patission) 44
chen, runden Scheiben aus Kalkstein mit einer www.namuseum.gr
doppelten Durchlochung in der Mitte dar, die bislang
nur in einem 6000 Jahre alten Dorf aus der Jung­
steinzeit im Tal der Blau bei Ehrenstein nahe Ulm
gefunden wurden. GROSSBRITANNIEN
Geöffnet: Di–Fr 11–17 Uhr, Sa+So 11–18 Uhr
Marktplatz 9
www.museum.ulm.de CHICHESTER
The Novium Museum
Mystery Warrior: The North Bersted Man
WIT TELSHOFEN verlängert bis 17. April 2021
«steinreich»: Kopf einer Aphrodite­Statuette, LIMESEUM Der ‹Mystery Warrior›, der geheimnisvolle Krieger,
Antikenmuseum der Universität Leipzig, 3. Jh. v. Chr. Spot an! Szenen einer römischen Stadt wurde vor 12 Jahren entdeckt. Es handelt sich
(Foto: P. Franke, PUNCTUM). bis 14. März 2021 dabei um das wohl am besten ausgestattete Krieger­
Die Wanderausstellung aus Trier macht im Limeseum grab aus dem 1. Jh. v. Chr., das je in England ge­
Halt. Die Bedeutung von Augusta Treverorum funden wurde. Nach Jahren der Konservierung und
wird anhand bislang noch nicht gezeigter archäo­ wissenschaftlichen Analyse werden die Artefakte
MORBACH-WEDERATH logischer Funde verdeutlicht. Wandmalereien, nun das erste Mal ausgestellt.
Archäologiepark Belginum Mosaike, Skulpturenfunde, Goldmünzen und andere Geöffnet: Mo–Sa 10–17 Uhr
Die Dame von Schengen – La Princesse de Objekte veranschaulichen sowohl das Luxus­ Tower Street
Schengen wie auch das Alltagsleben. www.thenovium.org
bis 5. September 2021 Geöffnet: Di–Fr 10–16 Uhr, Sa+So 11–17 Uhr
Ausgestellt sind die erst kürzlich untersuchten Römerpark Ruffenhofen 1
Schmuckstücke und weitere Beigaben aus dem vor www.roemerpark-ruffenhofen.de LONDON
25 Jahren gefundenen ca. 2500 Jahre alten Grab www.limeseum.de The British Museum
einer Frau – der sog. Frau von Schengen, benannt Piranesi drawings – visions of antiquity
nach dem Fundort. eventuell ab Januar 2021
Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr Anlässlich des 300. Geburtstages von Piranesi im Jahre
Keltenstraße 2 FRANKREICH 1720 wird die vollständige Sammlung seiner im
www.belginum.de Britischen Museum aufbewahrten Zeichnungen ge-
zeigt. Die qualitätvollen Arbeiten, Darstellungen
AIX-EN-PROVENCE der Ruinen von Rom und Pompeii, und neue Erkennt­
MÜHLHAUSEN / THÜRINGEN Musée Granet nisse seiner Arbeitsweise werfen auch einen Blick
Kulturhistorisches Museum Pharaon, Osiris et la momie: l’Egypte ancienne auf seine noch wenig erforschte Arbeit als Zeichner.
Roms verlorene Provinz – Archäologische Spuren à Aix-en-Provence Geöffnet: Mo–So 10–17.30 Uhr
in Thüringen bis 14. Februar 2021 Great Russell Street
bis 26. September 2021 In der Ausstellung «Pharao, Osiris und die Mumie: www.britishmuseum.org
Zu sehen sind Neufunde, die Einblicke in das Das alte Ägypten in Aix­en­Provence» wird die
Spannungsfeld der römisch­germanischen Bezie­ gesamte altägyptische Sammlung des Musée Granet
hungen in Thüringen geben. gezeigt und damit verdeutlicht, dass Aix­en­
Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr Provence eine Sammlung besitzt, deren Exponate
Kristanplatz 7 mit denen des Louvre oder des British Museum
www.mhl-museen.de gleichbedeutend sind.
Geöffnet: Di–So 12–18 Uhr
Place Saint Jean de Malte
MÜNCHEN www.museegranet-aixenprovence.fr
Glyptothek
Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. Der dänische
Bildhauer in bayerischem Auftrag STRASSBURG
verschoben: 27. Januar bis 25. Juli 2021 Archäologisches Museum
Anlässlich des 250. Geburtstages des berühmten Bedienungsanleitung: Das bewegte Leben der
Bildhauers Bertel Thorvaldsen (1770–1844) archäologischen Sammlung
wird das Leben des dänischen Künstlers vorgestellt verlängert bis 28. Juni 2021
und seine besondere Verbindung zu München Die Schau ermöglicht dem Besucher einen
sowie zum Kronprinzen und späteren König Ludwig I. ungewöhnlichen Blick auf den Weg, den archäo­
als seinem Bewunderer und Auftraggeber her­ logische Fundstücke von der Ausgrabung
ausgestellt. Dieser hatte ihm die Restaurierung der bis in die Vitrine oder das Magazin zurücklegen.
Ägineten (1816–1818) übertragen. Geöffnet: Mo, Mi, Do, Fr 12–18 Uhr, «Piranesi drawings»: Zeichnung von Giovanni Battista
Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr, Do 10–20 Uhr Sa+So 10–18 Uhr Piranesi, Phantastische Fassade eines antiken Gebäu­
Königsplatz 3 Place du Château 2 des, Britisches Museum, ca. 1765–1769 (© The Trustees
www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de www.musees.strasbourg.eu of the British Museum).

91
ANTIKE WELT 1/21
AUSSTELLUNGEN-
EXTRA
ROM
Musei Capitolini / Villa Caffarelli
I Marmi Torlonia. Collezionare Abb. 1 Blick
Capolavori in Raum 1 mit
der einzigen
bis 29. Juni 2021 Bronzestatue
Geöffnet: Mo–So 9.30–19.30 Uhr der Sammlung
und vielen
Piazzale Caffarelli 4 Marmorbüsten
www.torloniamarbles.it (© Fondazione
Torlonia, Foto:
Oliver Astrologo).

MEISTERWERKE AUS DER SAMMLUNG TORLONIA


von Dr. Anemone Zschätzsch Anschließend werden die Skulp- Der Rundgang endet mit einer Auswahl
turen gezeigt, die aus den archäologi­ von Skulpturen, die nachweislich
aus älteren Sammlungen des 15. und
N ach langen und zähen Verhand-
lungen zwischen der Familie Tor-
lonia und dem italienischen Staat
schen Ausgrabungen der Familie
Torlonia stammen. Sowohl Giovanni
Torlonia (1754–1829) als auch sein
16. Jhs. bekannt sind.
Erwähnenswert ist auch der im
wird nun endlich ein Teil der Marmor- Sohn Alessandro (1800–1886) ließen letzten Saal ausgestellte umfangreiche
skulpturen der Sammlung Torlonia auf ihren zahlreichen Besitztümern Katalog, ein Text­ und Bildband der
wieder öffentlich ausgestellt. Eine Grabungen durchführen, bei denen Sammlung von 1884/1885 mit Abbil-
Auswahl von 93 Meisterwerken grie- u. a. das Hafen­Relief zutage kam, dungen aller 620 Skulpturen. Er ist
chischer und römischer Skulptur das in der Antike vollständig bemalt das erste Beispiel eines Katalogs an-
wurde getroffen – nur ein Bruchteil, gewesen war, was bei den kürzlich tiker Skulpturen, die in Lichtdruck re-
wenn man bedenkt, dass im 1875 ge- durchgeführten Restaurierungsarbei- produziert wurden.
gründeten Museo Torlonia 620 Expo- ten entdeckt wurde (Abb. 2). Die Ausstellung bietet einen Blick
nate in 77 Sälen aufgestellt waren. Im 19. Jh. kamen zwei große Samm- nicht nur auf die lange und leiden-
Das Museum wurde 1976 geschlos- lungen hinzu: Zum einen wurde schaftliche Sammlungstätigkeit, son-
sen und die Objekte eingelagert. 1866 die außergewöhnliche Antiken- dern auch auf die stetige Vergrößerung
Die ausgewählten Statuen, Sarko- sammlung des Kardinals Alessandro eines Museums einer einzigen Familie
phage, Büsten und Reliefs sind in fünf Albani gekauft, zum anderen wurden durch Ankäufe bedeutender Sammlun-
Themenbereiche gegliedert, die eine 1800 alle Marmorobjekte ersteigert, gen – sozusagen eine Sammlung von
Reise durch die lange Sammlungs- die der Bildhauer und Restaurator Sammlungen, die bis heute intakt er-
geschichte des Museums ermöglichen. Bartolomeo Cavaceppi (1716–1799) halten geblieben ist. Außerdem ermög-
Der erste Abschnitt widmet sich gesammelt und der Accademia di licht sie einen höchst interessanten
dem Gründungsjahr des Museums S. Luca in Rom vermacht hatte. Vergleich zwischen den historischen
1875 und bietet zunächst eine Über- Weiterhin wurden aus der Samm- Restaurierungen und Ergänzungen, die
sicht: einen Germanicus, die einzige lung des Marquis Vincenzo Giustiniani den Geschmack und das Können der
Bronzestatue der Sammlung, sowie (1564–1637) im 17. Jh. bedeutende verschiedenen Epochen widerspiegeln,
Porträts berühmter Männer und Büs- Stücke erworben, unter diesen und den vorsichtigen modernen Res-
ten der kaiserlichen Familie (Abb. 1). die sog. Hestia Giustiniani (Abb. 3). taurierungen mittels neuer Techniken.

Abb. 3
Abb. 2 Marmorstatue der
Relief aus griechi­ sog. Hestia Giustini­
schem Marmor, aus ani, Inv. 490. Röm.
Porto, Hafenszene mit Kopie (120–140
Schiffen, Leuchtturm n. Chr.) nach einem
und Götterstatuen, gr. Original des 5. Jhs.
Kaiserzeit (© Fonda­ v. Chr. (© Fondazi­
zioneTorlonia, Foto: oneTorlonia, Foto:
Lorenzo De Masi). Lorenzo De Masi).

92
ANTIKE WELT 1/21
AUSSTELLUNGSKALENDER

LONDON Bronze und Terrakotta, Friese und Einrichtungs­


Museum of London Docklands gegenstände aus Bronze und Silber – zeugen vom
Havering Hoard: A Bronze Age Mystery hohen künstlerischen Können, aber auch
bis 18. April 2021 vom Einfluss der etruskischen und griechischen
Der größte bislang in London entdeckte «Havering Kunst.
Hortfund: Ein bronzezeitliches Rätsel» besteht aus Geöffnet: Di–So 9.30–19.30 Uhr
insgesamt 453 Bronzeobjekten aus der Zeit zwischen Piazza del Campidoglio 1
ca. 900 und ca. 800 v. Chr.: Waffen, Axtköpfe, www.museicapitolini.org
Speerspitzen, Fragmente von Schwertern, Dolchen
und Messern.
Geöffnet: Mo–So 10–18 Uhr
No 1 Warehouse / West India Quay NIEDERLANDE
www.museumoflondon.org.uk

LEIDEN
Rijksmuseum van Oudheden
ITALIEN Romeinen langs de Rijn
bis 28. Februar 2021
Die kleine Familienausstellung «Die Römer entlang
NEAPEL des Rheins» zeigt das Alltagsleben der Soldaten,
Museo Archeologico Nazionale di Napoli (MANN) Händler und Handwerker entlang des Rheins, der
Gli Etruschi e il MANN Grenze des Römischen Reiches. Die ausgestell­
bis 31. Mai 2021 ten Funde stammen aus Südholland, Utrecht und
Sechshundert Objekte, davon mindestens zweihundert Gelderland.
restaurierte und noch nie öffentlich gezeigte, Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr
werden in zwei Abteilungen ausgestellt: «Die Etrus­ Rapenburg 28 «Romeinen langs de Rijn»: Grabstele der freigelassenen
ker in Kampanien» und «Die Etrusker im MANN». www.rmo.nl Salvia Fledimella, aus Vechten, 1. Jh. n. Chr. (© Collectie
Dazu kommen als Leihgaben der Villa Giulia in Rom en foto: Rijksmuseum van Oudheden, inv. VF 79).
die gesamten Beigaben aus der Tomba Bernardini Glas
da Palestrina. verlängert bis 28. Februar 2021
Geöffnet: Mo–So 9–19.30 Uhr Das Museum besitzt die reichste Sammlung von römi­
Piazza Museo 19 schem Glas in den Niederlanden. Ein großer Teil SCHWEIZ
www.museoarcheologiconapoli.it ist nicht dauerhaft ausgestellt, nun werden viele dieser
Objekte aber auch Glasgefäße und ­schmuck
aus der ägyptischen und griechischen Periode, sowie BASEL
auch einige merowingische und frühislamische Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig
Gläser ausgestellt. Ägypten. 3000 Jahre Hochkultur am Nil
ab 26. Januar 2021
Das Museum konzipiert seine umfangreiche Samm­
lung ägyptischer Kunst neu.
ÖSTERREICH Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr
St. Alban-Graben 5
www.antikenmuseumbasel.ch
GRAZ
Archäologiemuseum, Schloß Eggenberg
Die Römer auf dem Schöckl BERN
verlängert bis 31. Oktober 2021 Historisches Museum Bern
Das Archäologische Institut der Universität Graz Homo migrans – Zwei Millionen Jahre unterwegs
untersucht seit 2015 das römische Höhenheiligtum verlängert bis 31. Januar 2021
auf dem Schöckl, dem ca. 15 km entfernt liegen­ Die Ausstellung bietet einen Überblick über die
den 1445 m hohen Hausberg von Graz. Zu sehen sind Geschichte und Beweggründe der Ein­ und
erstmals die neuen Funde, wie etwa Münzen, Auswanderer in der Menschheitsgeschichte, von
Bleivotive, Statuetten und Schmuck aus dem 3. und den Anfängen vor zwei Millionen Jahren bis
4. Jh. n. Chr. in die Gegenwart der Schweiz.
Geöffnet: Mi–So 10–17 Uhr Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr
Eggenberger Allee 90 Helvetiaplatz 5
www.museum-joanneum.at www.bhm.ch

MISTELBACH LAUSANNE
MAMUZ Museum Mistelbach Musée cantonal d‘archéologie et d‘histoire
Maya Artémis Amarysia: à la recherche du temple
erneut vom 13. Februar bis 21. November 2021 perdu
Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr bis 4. April 2021
Waldstraße 44–46 «Artemis Amarysia: auf der Suche nach dem verlo­
«Die Etrusker»: Bronzestatuette eines Opfernden, von­ www.mamuz.at renen Tempel» – seit zehn Jahren arbeitet ein Team
der Insel Elba, Ende 6./Anfang 5. Jh. v. Chr., Napoli, s. a. den Beitrag in AW 4/2020, S. 94. griechisch­schweizerischer Archäologen auf der
Museo Archeologico Nazionale (© Ministero per i Beni Insel Euböa daran, eines der letzten großen Heilig­
e le attività Culturali e per il Turismo Museo Archeo­ tümer des antiken Griechenlands zu finden. Die
logico Nazionale, Napoli).
WIEN Bestätigung seiner Entdeckung gelang 2017 mit der
Kunsthistorisches Museum / Münzkabinett Lesung des Namens Artemis in Verbindung mit
Böse Kaiser einem großen Kultraum, der von der Bronzezeit bis
ROM verlängert bis 28. Februar 2021 zur römischen Kaiserzeit genutzt wurde.
Musei Capitolini / Sale espositive Palazzo Eine interessante Gegenüberstellung der literarischen Geöffnet: Di–So 10–17 Uhr
Caffarelli und numismatischen Quellen zeichnet ein unter­ Place de la Riponne 6
La Roma della Repubblica schiedliches Bild der römischen Kaiser: Während die www.mcah.ch
bis 31. Juli 2021 Münzen den Herrschern als wichtiges Mittel
«Rom in der Republikanischen Zeit» ist nach «Rom zur Selbstinszenierung dienten, liefern die antiken
in der Königszeit» die zweite Ausstellung Schriftsteller subjektive Schilderungen, Anek­
der 2018/2019 begonnenen Reihe «Il racconto dell‘ doten und Gerüchte.
Archeologia». Zentrales Thema ist die Entwicklung Geöffnet: Mo–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr Hinweise auf Sonderausstellungen
der römischen Kunst vom 5. bis zum 1. Jh. v. Chr. Maria Theresien-Platz können Sie gerne an diese Adresse schicken:
Zahlreiche Funde aus Rom – Statuen, Werke aus www.khm.at ak@wbg-wissenverbindet.de

93
ANTIKE WELT 1/21

94
ANTIKE WELT 1/21
GRABUNGSALLTAG

DER GRABUNGSALLTAG WÄHREND DES SISSI ARCHAEOLOGICAL PROJECT AUF KRETA


GELEITET VON JAN DRIESSEN – DIREKTOR DER BELGISCHEN SCHULE VON ATHEN

SARPEDON
Das Sissi Archaeological Project

5 : 45 Uhr in der Früh. In den ersten Strahlen der aufgehenden Julisonne zeichnet sich eine lange
Reihe von Schatten ab, die langsam den Hügel neben dem Bouffos-Strand in der Nähe von
Sissi erklimmen (Abb. 1). Der neue Tag an der minoischen Fundstätte, die kürzlich von der Belgischen
von Jan Driessen

Schule in Athen und einem Team der Université catholique de Louvain entdeckt wurde, beginnt
kühl. Schon in ein oder zwei Stunden wird die Temperatur auf über 35 °C steigen, aber hoffentlich
sorgt der Meltemi, der Wind auf Kreta, dafür, dass es bis zum frühen Nachmittag erträglich
bleibt. Dann ruhen die Grabungsarbeiten bis zum nächsten Morgen.
Das bronzezeitliche Kreta, ca. 3000–1200 v. Chr., ist bekannt für seine gewaltigen, mit Fresken
geschmückten Palastgebäude, deren Architektur sich geradezu modern anfühlt. Der britische
Entdecker Arthur Evans trat in die Fußstapfen von Minos Kalokairinos, als er ab 1900 den Palast
von Knossos freilegte, von dem er glaubte, es handele sich um den Palast des mythischen Königs
Minos. Schon bald schickten auch andere Nationen ihre Archäologen nach Kreta, um an Orten
wie Phaistos, Malia, Zakros oder Gournia zu graben. Sie haben unser Wissen über die minoische
Zivilisation erheblich erweitert, auch wenn viele historische Probleme weiterhin ungelöst sind.
Ausgangspunkt des Sissi-Projekts waren Fragen z. B. nach dem Ursprung der minoischen Paläste,
danach, was in ihrem Hinterland geschah, wer das Sagen hatte, inwieweit Frauen und religiöse
Praktiken an den Machtstrukturen beteiligt waren. Wir wollten aber auch herausfinden, welche lo-
kalen Auswirkungen eine große Naturkatastrophe wie der Vulkanausbruch auf Santorini hatte,
wie sich Kreta der mykenischen Kultur zuwandte und was während der Krise am Ende der Bronze-
zeit, die um 1200 v. Chr. das gesamte Mittelmeer betraf, auf der Insel geschah. Im Laufe von zehn
Grabungskampagnen in Sissi wurden große Teile eines Friedhofs aus der frühen und mittleren
Bronzezeit freigelegt; des Weiteren wurden eine frühbronzezeitliche Siedlung, eine an den Beginn
der späten Bronzezeit datierende Siedlung mit einem «Palast», einem um einen Innenhof errichte-
ten Gebäude von ungewöhnlicher Form und Größe, sowie ein großer «mykenischer» Komplex aus
der fortgeschrittenen späten Bronzezeit ausgegraben. Mit einem Team von fast 100 Mitarbeitern, ß  Abb. 1
Luftbild der Aus­
darunter viele lokale Grabungshelfer und Studierende, Doktoranden und Experten aus Belgien, grabungsstätte
Griechenland, Frankreich und vielen anderen Ländern, ist das Projekt eine der größeren Ausgra- bei Sissi, Kreta.

Abb. 2
Das Team des Sissi­
Projekts 2019 .

95
ANTIKE WELT 1/21
SARPEDON – Das Sissi Archaeological Project

Abb. 3 bungen, die derzeit in Griechenland stattfinden (Abb. 2). Darüber hinaus sind in unseren nahe ge-
Frühstückspause am
legenen Lagerräumen zwei Dutzend Keramikexperten, Restauratoren, Zeichner, Fotografen und
Bouffos­Strand.
Spezialisten für tierische, pflanzliche, menschliche und andere Überreste (Textilien, Stein, Verputz)
damit beschäftigt, die Funde weiterzubearbeiten, von der einfachen Reinigung bis zur finalen
Publikation. Die Zeiten, in denen eine Ausgrabung von einem einzelnen Archäologen und einer
kleinen Gruppe von Helfern durchgeführt werden konnte, sind lange vorbei! Expeditionen
wie diese kosten viel Geld, aber wir hatten das Glück, sowohl von belgischen Institutionen (FNRS,
UCLouvain, CFWB) als auch von anderen Quellen (INSTAP, Loeb Classical Library, Rust Foun-
dation) und privaten Spendern finanziert zu werden. Darüber hinaus sind wir in hohem Maße auf
die Kooperation des regionalen archäologischen Dienstes, des griechischen Kultusministeriums
und der örtlichen Gemeinde angewiesen, die allesamt ein großes Interesse an unserer Arbeit
zeigen.
Die Arbeit mit Menschen zwischen 18 und 68 Jahren, die aus mehr als einem Dutzend Ländern
stammen und einen ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergrund haben, erfordert eine
Menge Vorbereitung, zumal die Gemeinschaftsräume noch vor Covid-19 eingerichtet wurden. Wir
hatten das Glück, geeignete Unterkünfte in Sissi zu finden, das bereits touristisch erschlossen
ist und daher auch über genügend Einrichtungen verfügt, wo das internationale Grabungsteam
seine Abende verbringen kann und die dazu beitragen, dass ein hervorragender esprit de groupe
herrscht. Gearbeitet wird von 6 bis 14 Uhr, mit einer halbstündigen Frühstückspause, in der die
Mitarbeiter auf der Ausgrabung mit Brot, Käse, Schinken, Gemüse und Obst versorgt werden
(Abb. 3). Um 14 Uhr wird ein kleiner Lunch serviert, der vom Koch des Grabungshauses der École
Adresse des Autors française d’Athènes im nahe gelegenen Malia zubereitet wird. In der Pause von 14 bis 16 Uhr kann
Prof. Jan Driessen man sich ausruhen oder schwimmen gehen. Um 16 Uhr fährt die Hälfte des Teams dann mit Autos
Université catholique
de Louvain zu den Lagerräumen, um z. B. Keramikscherben zu reinigen und Funde zu inventarisieren, wäh-
Place Mercier, 53
BE-1348 Louvain-la-Neuve rend die andere Hälfte vor Ort Weiterbildungen zu diversen Themen besuchen kann, z. B. zum Ge-
Weitere Informationen brauch topografischer Instrumente oder Drohnen oder zum Zeichnen von Mauern und Aufrissen. Zu-
zum Sissi-Projekt finden Sie
auf www.sarpedon.be.
dem bieten Experten, die die Grabung besuchen, immer wieder Vorträge zu bronzezeitlichen
Themen an. Um 19 Uhr endet der Arbeitstag. Für den Freitagnachmittag werden Ausflüge zu nahe
Übersetzung gelegenen Ausgrabungsstätten wie Malia und Anavlochos organisiert, wo unser Team von den
Dr. Cornelius Hartz,
Hamburg dortigen Grabungsleitern herumgeführt wird. An den Wochenenden haben die Mitarbeiter frei und
können die Insel erkunden. Manche locken die schönen Strände und die Natur, andere zieht es
Bildnachweis
zu den vielen Museen und anderen Sehenswürdigkeiten. Einige der Studierenden setzen hinterher
Abb. 1: © EBSA, N. Kress;
2. 3: © EBSA, G. McGuire. ihre Karriere in der minoischen Archäologie oder einer anderen Fachrichtung fort, doch auch
alle anderen werden sich noch lange an die Sommer in Sissi erinnern.

96
ANTIKE WELT 1/21
VORSCHAU

DAS NÄCHSTE HEFT ERSCHEINT


AM 23. 3. 2021 GRAFFITI
2.21
Zeitschrift für
TITELTHEMA
Archäologie und
Kulturgeschichte

EINFÜHRUNG IN DAS von Polly Lohmann


TITELTHEMA

ALLTAGSGRAFFITI von Markus Scholz

GRAFFITI IN KLEINASIEN von Angelos Chaniotis

GRAFFITI IN DER SYNAGOGE von Nadin Burkhardt


VON PRIENE

DIE GRAFFITI VON DELOS von Mantha Zarmakoupi

Graffiti
€ 12,90 (D)
€ 14,90 (A) / sFr 25,–
www.antikewelt.de

JORDANIEN ÄGYPTEN GRIECHENLAND


Ausgrabungen im Der Eisendolch Auf der Suche nach
jungsteinzeitlichen Tutanchamuns liefert dem ersten
Dorf Ba‘ja neue Erkenntnisse griechischen Roman

IMPRESSUM

Weitere Inhalte und


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und auf Facebook. Verantwortlicher im Sinne des Presserechts und verantwortlich für
den Anzeigenteil: Holger Kieburg
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Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm von Hase, Mannheim (Forschungsge-
schichte, Italische Vor- und Frühgeschichte, Etruskologie), In der Aboauflage finden Sie das Jahresregister der ANTIKEN WELT.
Prof. Dr. Henner von Hesberg, Rom (Klassische Archäologie), WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
Prof. Dr. Thomas O. Höllmann, München (Ferner Osten),
Prof. Dr. Hartmut Leppin, Frankfurt a. M. (Alte Geschichte, Spät- Vertrieb: Tel.: 0 61 51 / 33 08-209; Fax: 0 61 51 / 33 08-6209
antike), Prof. Dr. Joseph Maran, Heidelberg (Ur- und Frühgeschichte), e-mail: swart@wbg-wissenverbindet.de
Dr. Ralf-B. Wartke, Berlin (Archäologie im Vorderen Orient).

Manuskripte senden Sie bitte an die Redaktionsadresse.


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Zulassungsnummer im Postzeitungsdienst: 1 Y 9316 F;
Zurzeit gelten die Mediadaten 2019, gültig seit September 2018. ISSN: 0003-570-X; ISBN: 978-3-8053-5301-4; -5307-6 (PDF)

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einer vernetzten Welt
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Der prächtige Ausstellungs-Begleitband präsentiert


die Ergebnisse der Forschungen rund um die Himmels-
scheibe der letzten 20 Jahre in einer einzigartigen
Verknüpfung von Naturwissenschaft, Archäologie,
Gesellschaftstheorie und Kunst.
150 farb. Abb., 24,5 x 30 cm, geb. € 28,00 [D] • ISBN 978-3-8062-4223-2
Hrsg. von Harald Meller und Michael Schefzik. 2020. 208 S. mit über

Große
Landes-
Austellung in
Halle ab 4.6.2021
bis 9.1.2022

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Leben und Alltag
der Germanen
Der Ausstellungs-Begleitband gibt mit hochrangigen
Objekten Einblicke in das Leben und Wirtschaften, in
die Strukturen der germanischen Gesellschaften in
der »Germania magna« zwischen Rhein, Weichsel und
Donau vom 1.-4. Jh. n. Chr.

»Germanen«
in Berlin
(18.09.2020 bis
21.03.2021)
und Bonn
(Mai 2021 bis
Oktober 2021)

Hrsg. von Gabriele Uelsberg und


Matthias Wemhoff. 2020. 640 S.,
420 farb. Abb. und Karten,
22 x 28 cm, geb. € 50,00 [D]
ISBN 978-3-8062-4261-4

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Zeitschrift für Archäologie
und Kulturgeschichte

Inhaltsverzeichnis und Register


VERLAG PHILIPP VON ZABERN · DARMSTADT des Jahrgangs 51 I 2020 I Hefte 1–6

videbit. Eine sprechende Münze: Gött­ schaft auf dem indischen Subkontinent,
liche Vorsorge …, 4, 97; Der Neid der Götter. 5, 35–38
Inhalt «Der Gott liebt es, …», 5, 97
Baumer, Christoph, In Stein gemeißelt Ebbinghaus, Susanne, Für Lehre und
Die Titelthemen 2020 1 und graviert. Felsbildkunst in Saudi­Ara­ Forschung in der Neuen Welt. 125 Jahre
Inhaltsverzeichnis Hefte 1–6  1 bien, 6, 54–62 Antikensammlung der Harvard­Uni­
Buchbesprechungen 4 Baumer, Lorenz E., Rom in China? versität, 4, 86–89
REGISTER: Archäologisches zu einer antiken Fern­ Ehling, Kay, Vom Denar zum Lepton.
Personen, Gruppen und Völker 4 handelsbeziehung, 4, 41–48 Die Münzsorten im Neuen Testament,
Register: Länder und Orte 8 Becker, Jörg, s. Bachmann, Friederike 5, 52+53; Dem Kaiser geben, was
Register: Sachen 9 Berger, Albrecht, Von heiligen Narren dem Kaiser gehört? Jesus und der Steuer­
und Unterweltsfahrten. Scherz und Satire denar, 6, 50–51
in der byzantinischen Literatur, 4, 31–34 Eisfelder, Holger, Monsieur Thorvaldsen
Bergerot, Livia, Eine fruchtbare Kompli­ und der «rechte Säbelschwung».
zenschaft. Bes und Anubis, 6, 15–18 Zum 250. Geburtstag von Bertel Thorvald­
DIE TITELTHEMEN 2020 Braun, Rebecca, Medizin im Alten sen, 6, 47–49
Klang der Antike, 1, 8–34 Ägypten. Das Wissen der altägyptischen Eule, Juliane, Frauenrecht vor über
Medizin im Altertum, 2, 8–34 Ärzte, 2, 8–12 3000 Jahren. Eine Keilschrifttafel
Rom im Umbruch, 3, 8–32 legt Zeugnis ab von dem Jahrtausende
Humor in der Antike, 4, 8–34 Collins, Rob, «Anführer der Britanni». andauernden Kampf der Frauen um
Jenseits der Seidenstraße, 5, 8–38 Das Kommando des dux Britanniarum im ihre Rechte, 3, 33–35
Bes: Karriere eines Dämons, 6, 8–32 Text und in Wirklichkeit, 3, 27–32
Coulston, Jonathan C. N., Die Bewaffnung Fabian, Lara, Palmyra und Hatra.
der spätrömischen Armee. Die fabricae Mehr als Karawanenstädte in der Wüste,
INHALTSVERZEICHNIS und die Produktion von Rüstungsgütern 5, 19–24
Hefte 1–6 in der Notitia Dignitatum, 3, 19–21 Fischer, Josef, Im nutzlosen Abschnitt
Cristilli, Armando, In der Villa der Volusii. des Lebens? Alte Menschen im klassischen
Amedick, Rita, Schrecken, staunen, Neue Überlegungen zum Porträt Athen, 2, 53–60
lachen machen. Antike Technologie für der Agrippina minor in Lucus Feroniae, Flück, Matthias, Moenia lata vide. Eine
fürstliche Feste, 4, 17–22 1, 68–73 Mauer für die Hauptstadt der Helvetier,
Andrade, Nathanael, Wie gelangte 6, 39–46
das Christentum nach Indien? Regionen Darwill, Timothy, Neue Wege in die Zu­ Föllinger, Sabine, Grenzenloser
und Ausbreitung, 3, 39–46 kunft, Archäologie und kulturelles Humor. Die Komödie des Aristophanes,
Anetshofer, Helga, Altanatolischtür­ Erbe als Beitrag zum psychischen Wohl­ 4, 11–16
kisch – Vorgeschichte und früheste schrift­ befinden, 6, 67–73 Franke, Franziska / Splitter, Rüdiger,
liche Zeugnisse, 1, 6 f. Diederich, Silke, Bilder, die die Welt be­ Augmented Reality in der Kasseler
deuten. Die Notitia Dignitatum und Antikensammlung. Eine App zeigt zusätz­
Bachmann, Friederike / Becker, die Tradition der römischen Kartogra­ liche Exponate und digitale Inhalte,
Jörg / Wickede, Alwo von, Gerettet, ver­ phie, 3, 14–18 1, 41–44
loren und dennoch erhalten. Ein halafzeit­ Dienst, Simon, s. Wastiau, Charles Franken, Norbert, Von Apothekern, Aus­
liches Keramikobjekt aus Shams ed­Din Dietrich, Laura / Dietrich, Oliver / gräbern und Afrikaforschern. Archäolo­
Tannira/Syrien im Museum von ar­Raqqa, Götting, Martin, Eva / Ullmann, Chris- gen auf Fotografien des 19. Jahrhunderts,
6, 33–35 tina / Heeb, Julia, Getreide, Feste, Monu­ 3, 80–84
Bardinet, Thierry, Arzt und Magier. mentalbauten. Neue Forschungen zu
Ein einzigartiger medizinischer Papyrus Reibsteinen vom Göbekli Tepe in der Süd­ Gerhardt, Marius, Paian, o Paian. Musik
aus Ägypten, 2, 13–15 osttürkei, 6, 74–82 in den Papyri, 1, 13–17
Barta, Heinz, Jurisprudenz und griechi­ Dietrich, Martin, Die Schlacht bei Himera Gesemann, Björn, Rez. Stephens, Jenni­
sche Klassik, Beilage Heft 4, 1–20 480 v. Chr. Ein Kampf der Westgrie­ fer F. / Stephens, Arthur E., Pompeii.
Bartels, Klaus, «Manum te tabula». Eine chen gegen die Karthager in der Zeit der A Different Perspective. Via dell’Abbondanza.
Kunstregel wird zur Lebensregel, 1, 97; Perserkriege, 4, 49–55 A long road, well travelled, 2017, 1, 90
Sunt lacrimae rerum. «Es sind Tränen da Dietrich, Oliver, s. Dietrich, Laura Goll, Carolin, Kithara und Klassizis­
für die Dinge», 2, 97; Sparta hast du er­ Dwivedi, Mamta, Seidenstraße oder Baum­ mus. Martin von Wagners Darstellungen
lost – das ordne du!, 3, 97; Dominus pro­ wollstraße. Fernhandel und Gesell­ antiker Musikinstrumente, 1, 31–34

1
ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
INHALTSVERZEICHNIS

Görne, Frank, Rez. Petzold, Konrad, loge zwischen Wilamowitz und George. 3, 90; Ein Monument, zwei Geschichten.
Die großen Taten der kleinen Leute im Reihe Jüdische Miniaturen, 2019, 1, 91 Archäologie im Ersten Weltkrieg und
Alten Rom. Historia 259, 2019, 6, 89 Klein, Konstantin M., Von Helden die Heidelberger Abgüsse des Tropaeum
Götting-Martin, Eva, s. Dietrich, Laura und Heiligen. Die dunklen Anfänge des Traiani, 4, 72–78; Rez. Brodersen, Kai,
Gries, Helen, Erkenntnisse zu Medizin georgischen Alphabets, 2, 6 f. Dacia Felix. Das antike Rumänien im
und Weltverständnis der Assyrer. Kleinert, Ulfrid, Babylon. Wie eine feind­ Brennpunkt der Kulturen, 2020, 5, 91
Das «Haus des Beschwörungspriesters» liche Stadt zur Heimat wurde, 2, 70–76
in Assur, 2, 31–34 Koschel, Klaus, Anhai, Sängerin des Mäder, Michael, Sprache und Schriften in
Grosser, Frederik, Kleinformatige Amun. Die gesellschaftliche Stellung einer Elam, 4, 6 f.
Spektakel. Circusgemmen in der Berliner Frau im späten Neuen Reich Ägyptens, Magness, Jodi et al., Mehr als nur Mosaike.
Antikensammlung, 1, 35–39 1, 45–52; Amor als Befreier aus der Die antike Synagoge in Huqoq im israe­
Grosser, Frederik / Hölzel, Christopher, Sklaverei der Liebe. Eine literarische Me­ lischen Galiläa, 1, 74–83
Status Macht Bewegung. Lust und Last tapher auf einer römischen Öllampe, Manniche, Lise, Viele Bilder von Bes. Iko­
körperlicher Aktivität. Eine Ausstellung der 5, 83+84 nographie und Kontext, 6, 8–14
Volontärinnen und Volontäre der Kracht, Peter, Deutschland: Sensations­ Maul, S. M. / Miglus, P. A., Irak: Neue For­
Stiftung Preußischer Kulturbesitz, fund in Kalkriese: römischer Schienen­ schungen in Ninive, 3, 5
5, 39–43 panzer entdeckt, 6, 5; Rez. Bánffy, Eszter / Mergenthaler, Markus, Die Welt der
Grube, Nikolai, Ausstellungen extra: Hofmann, Kerstin P. / Rummel, Philipp Reliefkunst unter einem Dach. Das Knauf­
Maya, 4, 94 von (Hrsg.), Spuren des Menschen. Museum Iphofen, 3, 86–89
800 000 Jahre Geschichte in Europa, 2019, Miglus, P. A., s. Maul, S. M.
Haymann, Florian, Münzen verschaffen 6, 88 Mohammed, Hussam Zahim, Zwischen
Klarheit. Ein Solidus Constantins des Kurban Özlem, Rez. Müller, Sabine, Alex­ zwei Welten. Bagdad und Berlin, 3, 35–37
Großen mit Kreuzfeldzeichen, 4, 79–84 ander der Große. Eroberungen – Politik – Morandi Bonacossi, Daniele, Wo Alex­
Heeb, Julia, s. Laura Dietrich Rezeption, 2019, 2, 91 ander der Große Dareios besiegte.
Heeßel, Nils P., Schreibtafeln als Wurfge­ Gaugamela, der Ursprung des Hellenis­
schosse. Ein Blick auf den altorientalischen Laflı, Ergün, Krankheitsbilder und körper­ mus, 4, 63–71
Humor, 4, 8–10 liche Defizite. Hellenistische «patholo­ Morard, Thomas, s. Wastiau, Charles
Hellmayr, Leonie, Rez. Villing, Alexandra / gische Terrakotten» aus Smyrna, 2, 26–30 Morris, Lauren, Zentralasien. Mehr
Fitton, Lesley J. / Donnellan, Victoria / Lange, Eva, Rez. Bunbury, Judith, The Nile als nur Drehscheibe im globalen Handels­
Shapland, Andrew, Troia. Mythos und Wirk­ and Ancient Egypt. Changing Land­ and netzwerk, 5, 31–34
lichkeit, 6, 89 Waterscapes, from the Neolithic to the Ro­ Morsellino, Renate, Rez. Kuhoff, Wolf­
Hirayama, Toko, Hirayama Ikuo Silk Road man Era, 2019, 2, 90 gang, Mark Aurel. Kaiser, Denker, Kriegs­
Museum in Japan, 5, 86–89 Leese-Messing, Kathrin, «Wo hast du herr, 2019, 4, 91
Hölzel, Christopher, s. Grosser, Frederik denn die schöne Schale her?» Chinesische
Hunziker-Rodewald, Régine, Blitzlichter Lackwaren und ihre Verbreitung über Nigro, Lorenzo, Jericho. Eine Geschichte
für den Wettergott. Auf den Spuren Eurasien, 5, 14–18 der Innovationen im Angesicht widriger
der Sprache des Stadtstaats von Samʾal, Lehmann, Stephan, Die hellenistische Umstände, 3, 54–63
6, 6 f. Bronzebärin im Münster zu Aachen.
Zu einer aristokratischen Jagdkampfgruppe Ockert, Anna, Rez. Konstantinov, Vitali,
Jelusić, Marko / Kaiser, Anna, «Ver­ des 3. Jhs. v. Chr., 2, 61–67 Es steht geschrieben. Von der Keil­
zeichnis aller Ämter, der zivilen wie auch Leitmeier, Florian, s. Shehata, Dahlia schrift zum Emoji, 2019, 1, 91; Rez. Meier,
der militärischen». Die Notitia Dignitatum Letzner, Wolfram, Antike Zeugnisse in Mischa, Geschichte der Völkerwanderung.
als Quelle für die spätantike Verwaltungs­ einem besonderen Ambiente. Das Europa, Asien und Afrika vom 3. bis
und Militärgeschichte, 3, 8–13 Archäologische Museum in Apollonia, zum 8. Jahrhundert n. Chr., 2019, 1, 91;
1, 86–89 Archäologie im Kloster. Das Musée Unter­
Kaiser, Anna, s. Jelusić, Marko Lindner, Martin, Rez., Schmid, Josef Jo­ linden in Colmar hat die Salle d’Archéologie
Kammerer-Grothaus, Helke, Die frühe hannes, CineStoria. Weltgeschichte wiedereröffnet, 2, 86–89; Museen zu
Fotografie in Rom und ihre Fotografen. im Film 1. Im Schatten Roms (von den An­ Hause erleben. Die Museumsmeile der
Eine Fundgrube für Archäologen, 5, 63–73 fängen bis zu Karl dem Großen), 2019, Zeitschriften, 3, 94
Kaper, Olaf E., Bes und Tutu. Vergleich 3, 90; Rez. Cancik, Hubert / Rebenich, Ste­ Onderka, Pavel, Bes in den Tempeln Nu­
zweier ägyptischer Schutzgottheiten, fan / Schmid, Alfred (Hrsg.), Archäologie biens. Typhonia und der ägyptische
6, 19–22 der Moderne. Antike und Antike­Rezeption Mythos von der Fernen Göttin, 6, 29–32
Kastenmeier, Pia, Pompeji und das Para­ als Paradigma und Impuls. Colloquia
dox der intakten Ruine. Zur Restaurie­ Raurica Band 16, 2020, 5, 90 Pappalardo, Umberto, Eine Frage
rungsgeschichte einer Ausgrabungsstätte, Loeben, Christian E., Bes und die Masken. des Datums. Zum Zeitpunkt des Vesuvaus­
3, 71–79 Vom Hausdämon zum Kopf aller Götter, bruchs im Jahre 79 n. Chr., 1, 58–60
Kattanek, Melanie, Rez. Astrida Wallat, 6, 23–28 Perrot, Sylvain, Künstlerwanderungen
Dolce Vesuvio. Ein Italien­Roman, 2020, Loges, Luise, Babylonische Begegnun­ rund um das Ägäische Meer. Musika­
6, 88 gen am Fuß des Zagros. Aktuelle lische Beziehungen zwischen Delphi und
Katzy, Elisabeth, Erste Nachweise für Forschungen eröffnen eine neue Per­ Kleinasien, 1, 24–30
Brandmarkierung von Pferden. Neueste spektive auf die Dynastie der Kassiten, Pilz, Oliver, Nachruf: Zum Tod von Uta
Funde vom Tell Halaf, 2, 35–39 5, 74–82 Kron, 4, 4
Kerschbaum, Saskia, Rez. Ehling, Kay, Lohmann, Polly, Rez. Beyll, Danica / Pfohl, Ellen, Nachruf auf Klaus Bartels,
Paul Friedländer. Ein klassischer Philo­ Lingg, Christoph, Materia Secunda, 2019, 3, 4

2
ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
INHALTSVERZEICHNIS

Pressemitteilung des griech. Kulturminis­ Reden, Sitta von, Mythos Seidenstraße. Theisen, Ulrike, s. Schwarzmaier, Agnes
teriums, Griechenland: Ergebnisse Afro­Eurasischer Handel und die Globali­ Treydte, Stefanie, Rez. Merkel, Lydia,
der Grabung auf der mykenischen Akro­ sierung der Antike, 5, 8–13 Von der Fabeldeutung mit dem Zauber­
polis von Gla in Böotien, 1, 4 Rózsa, Anett, Gesundheit, Wohlstand stab zum modernen Mythenverständ­
Pressemitteilung Keltenmuseum und Liebe. Das Sonnenkind auf den Magi­ nis. Die Mythentheorie Christian Gottlob
Hallein, Österreich: Spektakulärer Fund schen Gemmen, 3, 66–70 Heynes, 2019, 3, 91; Rez. Junkelmann,
im Museumsdepot, 1, 4 Marcus, Römische Naschkatzen. Prakti­
Pressemitteilung Ministery of Antiquities, Schelbert, Georg, s. Wullen, Moritz sche Anleitung für die altrömische
Ägypten: Römisches Grab entdeckt, Schleburg, Florian, Ein Rätsel aus Küche, 2019, 4, 91; Rez. Vieweger, Dieter,
1, 5; Grabkammer mit Statuen und Mumien dem englischen Mittelalter. Die Sprache Geschichte der biblischen Welt. Die süd­
entdeckt, 1, 5 der Angelsachsen, 3, 6 f. liche Levante vom Beginn der Besiedlung
Pressemitteilung der Ludwig­Maximi­ Schmauder, Michael, Ausstellungen bis zur römischen Zeit, 2019, 4, 91
lian­Universität München, Tunesien: Auf extra: Germanen – Eine archäologische Türk, Mustafa, Hadrianutherai. Eine
den Spuren des Purpurs, 2, 4 Bestandsaufnahme, 5, 94 noch nicht lokalisierte Stadt der römischen
Pressemitteilung der LWL­Archäologie Schmölder-Veit, Andrea / Schröder- Kaiserzeit in Asia Minor, 6, 63–66
für Westfalen, Deutschland: Europaweit Griebel, Nele, Ausstellungen extra:
einzigartige Waffe in Haltern am See ent­ Lebendiger Gips –150 Jahre Museum für Ullmann, Christina, s. Dietrich, Laura
deckt, 2, 4 Abgüsse Klassischer Bildwerke, 1, 94;
Pressemitteilung der Christian­Albrechts­ Münchner Abgüsse im Wandel der Zeiten. Veigel, Maximilian, Die Hand an der
Universität, Kiel, Slowakei: Immer 150 Jahre Museum für Abgüsse Klassi­ Wiege. Metapolitische Rezeptionen
gegen den Uhrzeigersinn: Rätsel frühneo­ scher Bildwerke, 2, 41–46 der griechischen Antike durch die Neue
lithischer Hausausrichtungen endlich Schneider, Michael, Ein Fenster in die Rechte, 1, 61–65
gelöst, 2, 5 Vergangenheit. Das Archäologische
Pressemitteilung der Katholischen Uni­ Landesmuseum Brandenburg, 6, 84–87 Wastiau, Charles / Dienst, Simon /
versität Eichstätt­Ingolstadt, Jordanien: Schröder-Griebel, Nele, s. Schmölder­ Morard, Thomas, Ein neuer spätantiker
Die Forschung der römischen Bronzeguss­ Veit, Andrea Wohnsitz in Ostia Antica. Die späten
technik, 2, 5 Schulz, Raimund, Rez. Will, Wolfgang, Phasen der «Schola del Traiano», 5, 45–51
Pressemitteilung der Universität Bern, Athen oder Sparta. Eine Geschichte Weaverdyck, Eli, Das rote Land.
Amazonas: Landwirtschaft begann im des Peloponnesischen Krieges, 2019, 1, 90 Fischfresser und Händler in der Arabi­
Amazonas, 3, 4 Schulz, Verena, Rez. Schloemann, Johan, schen Wüste Ägyptens, 5, 25–30
Pressemitteilung der Brandeis Univer­ «I have a dream». Die Kunst der freien Whitfield, Susan, Die Schwingen der
sity, Massachusetts, Mexiko: Hauptstadt Rede von Cicero bis Barack Obama, 2019, Turkvölker. Die Pferde der Seidenstraße,
eines Maya­Königreichs entdeckt, 3, 5 4, 90 1, 53–57
Pressemeldung der Österreichischen Schumann, Robert, Rez. Schußmann, Wickede, Alwo von, s. Bachmann,
Akademie der Wissenschaften, Griechen­ Markus, Die Kelten in Bayern. Archäologie Friederike
land: Neue Datierung der griechischen und Geschichte. Archäologie in Bayern, Willems, Constantin, Recht unter­
Antike möglich, 4, 4 2019, 3, 91 haltsam. Horaz, Martial und das römische
Pressemeldung der Universität Cam­ Schwarzmaier, Agnes / Theisen, Ulrike, Recht, 4, 28–30
bridge, Italien: Entdeckung ohne Grabung, Aus der Versenkung. Eine antike Vase Wullen, Moritz / Schelbert, Georg, Aus­
4, 5 erhält ihre Herkunftsgeschichte zurück, stellungen extra: Das Piranesi­Prinzip.
Pressemeldung der Eberhard Karls 4, 35–39 Zum 300. Geburtstag des großen italieni­
Universität Tübingen, Ägypten: Unterir­ Segal, Dror, Erdbeben und Felsstürze schen Meisters, 6, 92
discher Friedhof in Sakkara, 4, 5 verändern archäologische Landschaften.
Pressemeldung des French Center of Ar­ Neue Forschungen aus Israel, 5, 56–62 Zangenberg, Jürgen, Mit dem Sternen­
chaeology and Social Sciences, Jemen/ Shehata, Dahlia / Leitmeier, Florian, banner ans Salzmeer. Die abenteuerli­
Oman: Technologie aus Amerika auch in Mus­ic­on! Klang der Antike. Eine Sonder­ che Reise des Lieutenant William Francis
Vorderasien entdeckt, 5, 4 ausstellung in der Antikenabteilung Lynch, U. S. Navy, zum tiefsten Punkt
Pressemeldung der APA, Ägypten: Die des Martin von Wagner Museums, 1, 8–12 der Erde, 3, 47–53
Hyksos: Einwanderer und Herrscher, 5, 4 Splitter, Rüdiger, s. Franke, Franziska Zeeb-Lanz, Andrea, Rez. Song,
Pressemitteilung des Deutschen Evange­ Standhartinger, Angela, Von perfekten Boaquan / Leidorf, Klaus / Heller, Eck­
lischen Instituts für Altertumswissen­ Gerechten und hilflosen Engeln. Humor hard, Luftbildarchäologie. Spuren
schaft des Heiligen Landes (DEI), Israel: im Neuen Testament und seiner Umwelt, der Vergangenheit aus der Luft, 2019,
Ausgrabungen auf dem Zionsberg, 5, 5 4, 23–27 2, 91; Song, Boaquan / Leidorf, Klaus,
Pressemeldung der WWU Münster, Steger, Florian, Asklepios. Vater einer Faszination Luftbildarchäologie. Die Welt
Deutschland: Hafnium­Isotope als Schlüssel: integrativen Medizin in der Antike, aus der Vogelperspektive, 2020, 2, 91
zur Analyse von römischem Glas, 5, 5 2, 16–25; Ein wertvoller Blick in die Antike Zerjadtke, Michael, Für die Kaiser am
Pressemeldung der Eberhard Karls Uni­ für heute. Von der attischen Seuche in Limes. Das spätantike Grenzheer in der
versität Tübingen, Italien: Sardinien: Zeiten der Pandemie Covid­19, 4, 58–62 Notitia Dignitatum, 3, 22–26
Keramiken zeigen 3000 Jahre altes Handels­ Steingräber, Stephan, Nachruf: Zum Ziegler, Nele, Dreitausend Jahre im
netz, 6, 4 Tode von Mario Torelli, 6, 4 Dienst der Tradition. Musik und Musiker
Pressemeldung der Eberhard Karls Uni­ im Alten Orient, 1, 18–23
versität Tübingen, Libanon: Weinpresse Taschner, Moritz, «Pergamonmuseum. Zimmermann, Angela, Rez. Roeske, Kurt,
gibt Aufschluss über Bautechnik der Phö­ Das Panorama». Eine Zwischenbilanz, Zu Besuch im antiken Rom. Treffpunkt
nizier, 6, 5 6, 35–37 Monumente: Antike Autoren geben sich

3
ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
REGISTER

ein Stelldichein, 2019, 2, 90; Rez. Florian Konstantinov, Vitali, Es steht geschrie­ der Vogelperspektive, 2020, 2, 91 (Andrea
Haymann / Stefan Kötz / Wilhelm Müseler, ben. Von der Keilschrift zum Emoji, 2019, Zeeb­Lanz)
Runde Geschichte. Europa in 99 Münz­ 1, 91 (Anna Ockert) Stephens, Jennifer F. / Stephens, Arthur
Episoden, 2020, 4, 90 Kuhoff, Wolfgang, Mark Aurel. Kaiser, E., Pompeii. A Different Perspective.
Zinko, Michaela, Sidetisch. Eine indo­ Denker, Kriegsherr, 2019, 4, 91 (Renate Via dell’Abbondanza. A long road, well tra­
germanische Kleinkorpussprache in der Morsellino) velled, 2017, 1, 90 (Björn Gesemann)
Türkei, 5, 6 f. Stickler, Timo, s. Schleicher, Frank
Zorn, Olivia, Lieblingsexponat: Edle Leidorf, Klaus, s. Song, Boaquan Sulk, Simon, Das römische Kastell
Bugzier. Ein bronzener Steinbockkopf, Lingg, Christoph, s. Beyll, Danica Biriciana. Weißenburg in Bayern. Ein Füh­
6, 94–96 rer, 2020, 5, 91 (AW)
Zuchtriegel, Gabriel, Ein Modell­Tempel? Meier, Mischa, Geschichte der Völker­
Die jüngste Entdeckung eines dorischen wanderung. Europa, Asien und Afrika vom Vieweger, Dieter, Geschichte der biblischen
Gebäudes in Paestum wirft Fragen auf, 3. bis zum 8. Jahrhundert n. Chr., 2019, Welt. Die südliche Levante vom
2, 47–52 1, 91 (Anna Ockert) Beginn der Besiedlung bis zur römischen
Merkel, Lydia, Von der Fabeldeutung Zeit, 2019, 4, 91 (Stefanie Treydte)
mit dem Zauberstab zum modernen Villing, Alexandra / Fitton, Lesley J. /
BUCHBESPRECHUNGEN Mythenverständnis. Die Mythentheorie Donnellan, Victoria / Shapland,
(Rezensenten in Klammer) Christian Gottlob Heynes, 2019, 3, 91 Andrew, Troia. Mythos und Wirklichkeit,
(Stefanie Treydte) 2020, 6, 89, (Leonie Hellmayr)
Bánffy, Eszter / Hofmann, Kerstin P. / Müller, Sabine, Alexander der Große.
Rummel, Philipp von (Hrsg.), Eroberungen – Politik – Rezeption, 2019, Astrida Wallat, Dolce Vesuvio. Ein Italien­
Spuren des Menschen. 800 000 Jahre 2, 91 (Özlem Kurban) Roman, 2020, 6, 88 (Melanie Kattanek)
Geschichte in Europa, 2019, 6, 88 Müseler, Wilhelm, s. Haymann, Florian
(Peter Kracht) Will, Wolfgang, Athen oder Sparta. Eine
Beyll, Danica / Lingg, Christoph, Materia Petzold, Konrad, Die großen Taten der Geschichte des Peloponnesischen Krieges,
Secunda, 2019, 3, 90 (Polly Lohmann) kleinen Leute im Alten Rom. Historia 259, 2019, 1, 90 (Raimund Schulz)
Brodersen, Kai, Dacia Felix. Das antike 2019, 6, 89 (Frank Görne)
Rumänien im Brennpunkt der Kulturen,
2020, 5, 91 (Polly Lohmann) Rebenich, Stefan, s. Cancik, Hubert Register
Bunbury, Judith, The Nile and Ancient Rieder, Karl Heinz, Kipfenberg. Römer
Egypt. Changing Land­ and Waterscapes, und Bajuwaren im Altmühltal. Museum – PERSONEN, GRUPPEN
from the Neolithic to the Roman Era, Limes – Archäologische Wanderungen, UND VÖLKER
2019, 2, 90 (Eva Lange) 2020, 5, 91 (AW)
Roeske, Kurt, Zu Besuch im antiken Rom. Abraham, 4, 24. 97
Cancik, Hubert / Rebenich, Stefan / Treffpunkt Monumente: Antike Autoren Achaimeniden, 4, 64
Schmid, Alfred (Hrsg.), Archäologie der geben sich ein Stelldichein, 2019, 2, 90 Achates, Begleiter des Aeneas, 2, 97
Moderne. Antike und Antike­Rezeption (Angela Zimmermann) Aeneas, 2, 97
als Paradigma und Impuls. Colloquia Rau­ Rummel, Philipp von, s. Bánffy, Eszter Agamemnon, 3, 97
rica Band 16, 2020, 5, 90 (Martin Lind­ Agatharchides aus Knidos, 5, 27
ner) Schleicher, Frank / Stickler, Timo / Agrippina maior, 1, 68
Hartmann, Udo (Hrsg.), Iberien Agrippina minor, 1, 68 ff.
Donnellan, Victoria, s. Villing, Alexandra zwischen Rom und Iran. Beiträge zur Agum II., Kassitenkönig, 5, 82
Geschichte und Kultur Transkaukasiens Ai, Han­Kaiser, 5, 14
Ehling, Kay, Paul Friedländer. Ein klassi­ (Oriens und Occidens 29), 2019, 5, 90 Aischylos, 2, 54
scher Philologe zwischen Wilamowitz (Jost Gippert) Aitoler, 1, 27
und George. Reihe Jüdische Miniaturen, Schloemann, Johan, «I have a dream». Die Alexander der Große, 2, 6. 70. 91;
2019, 1, 91 (Saskia Kerschbaum) Kunst der freien Rede von Cicero bis 4, 63 ff.; 5, 20
Barack Obama, 2019, 4, 90 (Verena Schulz) Alexander Severus, 5, 46
Fitton, Lesley J., s. Villing, Alexandra Schmid, Alfred, s. Cancik, Hubert Al-Tabari, Historiker, 5, 24
Schmid, Josef Johannes, CineStoria. Welt­ Altaweel, Mark, 5, 24
Hartmann, Udo, s. Schleicher, Frank geschichte im Film 1. Im Schatten Amelung, Walter, 2, 43
Haymann, Florian / Kötz, Stefan / Roms (von den Anfängen bis zu Karl dem Amenhotep, ägyptischer Arzt, 2, 10
Müseler, Wilhelm, Runde Geschichte. Großen), 2019, 3, 90 (Martin Lindner) Amicone, Silvia, 6, 4
Europa in 99 Münz­Episoden, 2020, Schußmann, Markus, Die Kelten in Bay­ Ammianus Marcellinus, 5, 9
4, 90 (Angela Zimmermann) ern. Archäologie und Geschichte. Amor, 5, 83
Heller, Eckhard, s. Song, Boaquan Archäologie in Bayern, 2019, 3, 91 (Robert Amun, ägyptischer Gott, 6, 19
Hofmann, Kerstin P., s. Bánffy, Eszter Schumann) Amun-Re, 6, 22
Shapland, Andrew, s. Villing, Alexandra Anakreon von Teos, 2, 54
Junkelmann, Marcus, Römische Nasch­ Song, Boaquan / Leidorf, Klaus / Anaxilaos, Herrscher von Rhegion
katzen. Praktische Anleitung für die Heller, Eckhard, Luftbildarchäologie. (Reggio Calabria) und Messene, 4, 49
altrömische Küche, 2019, 4, 91 (Stefanie Spuren der Vergangenheit aus der Anderson, Domenico, 5, 70
Treydte) Luft, 2019, 2, 91 (Andrea Zeeb­Lanz) Anderson, James (Isaak Atkinson),
Song, Boaquan / Leidorf, Klaus, Faszina­ 5, 64 ff.
Kötz, Stefan, s. Haymann, Florian tion Luftbildarchäologie. Die Welt aus Anhai, Sängerin des Amun, 1, 45 ff.

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ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
PERSONEN, GRUPPEN UND VÖLKER

Antalkidas, 4, 64 Brutus, 1, 97 Epione, Frau des Asklepios, 2, 17


Antigonos I., Monophthalmos, 2, 26 Budde, Dagmar, 3, 69 Eprius, Marcellus, 5, 90
Antoninus Pius, 2, 24 Budge, Wallis, 1, 45 Erasmus, 3, 97
Anubis, 6, 15. 18 Buschor, Ernst, 2, 45 Eratosthenes, 3, 15
Apelles, 1, 97 Butzer, Karl, 2, 90 Euridike, 1, 33
Apollon, 1, 13; 2, 17 Byvancks, Alexander Willem, 3, 14 Euripides, 2, 53; 3, 97; 4, 14
Apollon Kyparissios, 2, 20 Eusebius von Caesaraea, 4, 79
Apollon Maleatas, 2, 17 Caesar, 1, 97; 5, 94 Euting, Julius, 6, 6. 57
Apollon Pythios, 1, 24 Cailliaud, Frédéric, 6, 29
Araber, 5, 24 Caltabellotta, Tatjana, 5, 69 Fabricius, Ernst, 4, 74
Arcadius, 3, 9 Camerarius, Joachim, 4, 97 Fadius Gallus, M., 1, 97
Archelaos, 6, 50 Carta, Giuseppe, Maler, 4, 51 Ferdinand II. von Neapel und Sizilien,
Argeaden, 4, 67 Casana, Jesse, 5, 74 3, 72; 5, 68
Aristides, Aelius, 6, 63 Catel, Franz Ludwig, 5, 64 Flachéron, Graf Frédéric, 5, 66
Aristophanes, Plutos, 2, 21; Die Acharner, Cass, Lewis, 3, 48 Florus, L. Annaeus, 4, 43
Wolken, 2, 54; 4, 11 ff. Cassius Dio, 1, 59; 6, 63 Fogg, Elizabeth Perkins, 4, 87
Aristoteles, 1, 26; 2, 56; 4, 10. 54; 5, 40 Cato, 1, 97; 4, 97 Fogg, William Hayes, 4, 87
Aristoxenos, 1, 25 Catullus, 5, 84 Forbes, Edith und Edward Waldo, 4, 86
Arrian, 4, 65; 5, 36 Ceaușescu, Nicolae, 4, 76 Fox, Peter, 3, 36
Artabanos, 5, 97 Chaffourier, Gustavo Eugenio, 5, 72 Fracastoro, Girolamo, 4, 61
Artaxerxes II., 4, 64 Chons, ägyptischer Falkengott, 2, 14 Freestone, Ian, 5, 5
Artemis, 1, 26 Christian, David, 5, 11 Freud, Siegmund, 4, 10
Artemis Leukophryene, 1, 26 Claudius, 1, 73 Friedländer, Paul, 1, 91
Asarhaddon, 3, 5 Cicero, 1, 97; 2, 53; 3, 97; 4, 10. 28; 5, 40 Friedrich II., Landgraf von Hessen­Kassel,
Asklepios, 1, 25; 2, 16 ff.; in Rom, 2, 24 Cichorius, Conrad, 4, 74 1, 41
Asaad, Khaled, 5, 19 Clinton, Bill, 5, 76 Frontinus, 3, 15
Ashby, Thomas, 5, 72 Conder, C. R., 3, 54 Furtwängler, Adolf, 1, 37; 2, 41; 4, 73
Asisi, Yadegar, 6, 36 Constantin der Große, 4, 79
Assmann, Jan, 1, 62; 5, 8 Constantius Chlorus, 3, 28 Galater, 1, 27
Assurbanipal, 3, 5 Coponius, praefectus Iudaeae, 6, 50 Gans, Friedrich Ludwig von, 4, 36
Assurnasirpal II., 2, 36; 5, 41 Costigan, Christopher, 3, 48 Garibaldi, Guiseppe, 5, 66 ff.
Assyrer, 2, 72 Crassard, Rémy, 5, 4 Garstang, John, 3, 60
Attaliden, 1, 27 Crassus, Marcus Licinius, 4, 41 Gawlikowski, Michał, 5, 22
Augustus, 6, 14. 50 Cunningham, Alexander, 5, 33 Gehler, Ralf, 1, 11
Curtis, John, 2, 35 Gelon von Syrakus, 4, 50 ff.
Baal, in Ägypten Seth, 2, 14 Curtius Rufus, Quintus, 4, 65 Germanen, 5, 94
Babej, Marc Erwin, 2, 77 Germanicus, 1, 68; 6, 5
Bahram Gur, sassanidischer König, 5, 41 Daguerre, Louis Jacques Mandé, 5, 64 Gesler, Will, 6, 69
Barfod, Gry, 5, 5 Daker, 4, 73; 5, 91 Gilliéron, Émile, 4, 88
Bebon, ägyptischer Dämon, 6, 18 Dareios III., 4, 68; 5, 97 Gimatzidis, Stefanos, 4, 4
Becatti, G., 5, 49 Dasen, Véronique, 3, 67 Glatz, Claudia, 5, 74
Becchetti, Piero, 5, 63 David, König, 5, 5 Goethe, Johann Wolfgang von, 2, 47
Belli, Guiseppe Gioachino, 5, 64 Demokrit, 2, 53 ff. Golden, Charles, 3, 5
Bendemann, Eduard, 2, 75 De Petra, Giulio, 3, 75 Goldhahn, Almut, 5, 72
Ben Tahar, Sami, 2, 4 Dicuil, karolingischer Mönch, 3, 16 Gondophares, indischer König, 3, 41
Bes, 2, 8; 6, 8 ff. Dido, 2, 97 Gorgias, 2, 53
Beset, Frau des Bes, 6, 17 Derchain, Philippe, 6, 16 Gramsci, Antonio, 1, 62
Bessos, Satrap, 4, 64 Diodoros Siculus, 2, 17; 4, 49 ff. 65 Grébaut, Eugène, 1, 45
Bieber, Margarete, 4, 88 Diokletian, 3, 20. 22 Grillet, Gebrüder Claude Victoire und
Bietak, Manfred, 5, 4 Dionysos, 1, 25; 4, 22 Jean-Louis, Fotografen, 5, 68 f.
Bismarck, Otto von, 5, 9 Djakonov, Igor, 4, 6 Grillet, Jeanne (Tochter von Jean­Louis),
Blackman, A. M., 1, 52 Döblin, Alfred, 2, 75 5, 69
Bonacossi Morandi, Daniele, 4, 70 Dohrn, Heinrich, 2, 43 Grimm, Brüder, 3, 97
Bocherens, Chr., 5, 46 Domaszewski, Alfred, 4, 74 Gropengießer, Hermann, 4, 72
Bögli, H., 6, 43 Domitian, 3, 18 Gruben, Gottfried, 2, 51
Borgongino, Michele, 1, 59 Doughty, Charles Montagu, 6, 60 Grünewald, Matthias, 2, 86
Bosset, L., 6, 43 Dubs, Homer Hasenpflug, 4, 41 f.
Bramante, 2, 51 Duhn, Friedrich von, 4, 72 Haass, Wilhelm, 5, 70
Brancaccio, Pia, 5, 35 Hadad, Wettergott, 6, 6
Brassilach, Robert, 1, 65 Emmer, Johannes, 6, 95 Hades, 2, 17
Braun, Emil, 5, 68 Empedokles, 4, 19 Hadrian, 5, 49; 6, 63
Bredekamp, Horst, 2, 61 Encheduanna, Königstochter, Priesterin, Hamilkar, 4, 49 ff.
Brennan, Corey, 5, 69 1, 18 Hammurapi, 2, 72
Brunn, Heinrich, 1, 94; 2, 41 Ephoros von Kyme, 4, 54 Han-Dynastie, 4, 41; 5, 9. 14

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ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
REGISTER

Hanfmann, George M. A., 4, 89 Klio, Muse, 1, 34 Meier, Thomas, 4, 76


Hansen, Valerie, 5, 8 Knauf, Alfons, 3, 86 Menelaos, 3, 97
Harpokrates, 3, 69 Knauf, Ingrid und Nikolaus, 3, 87 Mertens, Dieter, 2, 49
Harris, David, 4, 42 Koldewey, Robert, 2, 72 Mesomedes von Kreta, Kitharöde, 1, 13
Hassall, Mark, 3, 30 Kolumbus, Christoph, 3, 4 Mesrop, 2, 6
Hathor, 6, 11 ff. 19 Konstantin I., 3, 28 Michael, Erzengel, 4, 23
Hauser, Stefan, 5, 24 Konstantin III., Gegenkaiser, 3, 29 Michel, Simone, 3, 70
Hedin, Sven, 5, 10 Konstantinos VII., 4, 32 Mimnermos, 2, 53
Hedylos, 4, 20 Kozlov, Pyotr, 5, 15 Mirjam, Prophetin des AT, 1, 16
Helvetier, 6, 38 Kraton aus Chalkedon, Aulet, 1, 27 Mirian III., georgischer König, 2, 7
Herakles/Hercules, 2, 94 Kratz, Reinhard G., 2, 75 Mithridates, 1, 39
Herrmann, Albert, 5, 10 Krebs, Pierre, 1, 64 Miltsakakis, George, 2, 64
Herodes Agrippa, 3, 18 Kroisos, 5, 97 Mithridates I., 4, 67
Herodot, 1, 53; 4, 51 ff.; 5, 36. 97 Ktesibios aus Alexandria, 1, 11; 4, 20 Mnemon von Side, 5, 7
Heron von Alexandria, 4, 20 Künzl, Ernst, 2, 61 ff. Molins, Pompeo, 5, 72
Herondas, 2, 21 Kuschan, 5, 31 Molyneux, Thomas, 3, 48
Hesiod, 2, 17. 53; 5, 40 Kypros, Königin, 3, 18 Moret, J.-M., 5, 46
Heyne, Christian Gottlob, 3, 91 Kyros, 2, 75 Moscione, Ronaldo, 5, 66
Hieronymus, Kirchenvater, 5, 38 Müller, Mario, 1, 62
Hillel, Rabbi aus Babylon, 2, 75 Lactantius, 4, 79 Müller-Scheeßel, Nils, 2, 5
Hiob, 5, 38 Lehnert, Erik, 1, 62 Mut, Gattin des Amun, 6, 29
Hippokrates, 2, 17 Leonidas, 4, 54 Mykener, 1, 4
Hirayama, Ikuo, 5, 86 Lepsius, Carl Richard, 6, 30
Hiskia, König, 5, 5 Liang, Schriftsteller, 7. Jh., 4, 43 Nabatäer, 6, 58
Hofmann, Harald, 4, 73 Lichtenberger, Achim, 5, 5 Nabu, assyrischer Gott, 2, 33. 75
Homann-Wedeking, Ernst, 2, 46 Licinius, 4, 79 Nagy, Árpád M., 3, 67
Homer, 1, 63; 2, 17 Le Lieure, Henri, 5, 72 Napoleon, 5, 10
Honorius, 3, 29 Livius, 2, 24 Nebukadnezar II., 2, 70 ff.
Hoppin, Joseph C., 4, 87 Lombardo, Umberto, 3, 4 Neith, ägyptische Göttin, 6, 19
Horaz, 4, 28 Lukas, Evangelist, 4, 27; 6, 50 Nero, 1, 39. 68; 3, 18; 5, 53
Horus, 6, 14. 24 Luschan, Felix von, 6, 6 Nestor, 2, 55
Huber, Charles, 6, 57 Lynch, William Francis, 3, 47 ff. Nieuwenhuyse, Oliver, 6, 33
Hugot, Louis, 2, 87 Lysias, 2, 59 Nikias, 2, 20
Hülsen, Christian, 4, 74 Lysistrate, 4, 13 Nickel, Lukas, 4, 43
Hussein, Ramadan Badry, 4, 5 Niut-schies, ägyptische Schlangengöttin,
Hussein, Saddam, 2, 70 MacGregor, John, 3, 53 4, 5
Hygieia, 2, 16 Machaon, Sohn des Asklepios, 2, 16 Norton, Charles Eliot, 4, 86
Hyksos, 5, 4 Maiuri, Amedeo, 3, 75 Norton, Richard, 4, 86
Hyperboreer, 1, 25. 64 Mallowan, Sir Max, 6, 34 North, Frederick = Lord North, 2, 47
Malraux, André, 3, 86
Ihi, Sohn der Hathor und des Horus, 6, 14 Mani, persischer Prophet, 3, 45 Odysseus, 2, 97
Iosephus, Flavius, 6, 18. 50 Mann, Thomas, 4, 97 Olympos, Aulet, 1, 25
Isaak, 4, 23. 97 Mannu-ki-Assur, Statthalter, 2, 36 Orpheus, 1, 26. 33
Isis-Aphrodite, 1, 5 Marc Aurel, 4, 91 Orwell, George, 6, 67
Isokrates, 2, 53 Marciak, Michał, 4, 66 Osanna, Massimo, 1, 59
Marduk, Stadtgott von Babylon, 2, 73 ff. Osiris, 2, 14
Jahwe, 2, 13 Maria Sofia Amalie von Bayern, 5, 66 Ossius, Bischof von Cordoba, 4. Jh., 4, 81
Jeremia, Prophet, 2, 75 Marinescu, Lucia, 2, 61 Ovid, 2, 24
Jesus, 3, 39; 4, 27; 6, 50 ff. Mars Ultor, 4, 73
Johannes, Verfasser der Offenbarung, Marsyas, 1, 26 Pan, Jian-Wei, 4, 48
2, 75 Martial, 4, 28 Pantheos, ägyptischer All­Gott, 6, 28
Jojakin, König von Jerusalem, 2, 72 Mason, John Y., 3, 47 Parker, John Henry, 5, 70
Jona, 4, 27 Massis, Henry, 1, 65 Parnawas, 2, 6
Judäer, 2, 72 ff. Mattanja, (später Zedekia), Vasallenkönig Parther, 5, 20
Judas, auch Thomas, 3, 39 in Jerusalem, 2, 72 Patrizi, Costantino, Kardinal, 5, 66
Judas, jüdischer Gelehrter, 6, 50 Matthäus, 6, 51 Paulus, 4, 27
Mau, August, 3, 76 Pausanias, 1, 25
Karl der Große, 2, 61 Mavia, Tanukhidenkönigin, 1, 55 Perczel, István, 3, 44
Karthager, 4, 50 ff. Max I., König von Bayern, 1, 33 Perikles, 2, 59; 4, 59
Kassiten, 5, 74 ff. Maxentius, 4, 79 Perser, 1, 15. 26; 4, 54; 5, 13
Kawai, Nozomu, 1, 5 Maximilian II., 4, 97 Petraglia, Michael, 5, 4
Kelten, 1, 4; 3, 91; 5, 94 Maya, 4, 94 Petronius, 1, 97
Kenyon, K. M., 3, 62 McC. Adams, Robert, 5, 74 Pfohl, Ellen, 3, 4
Kitchener, H. H., 3, 54 Meder, 2, 31 Pharisäer, 6, 50

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ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
PERSONEN, GRUPPEN UND VÖLKER

Philipp II. von Makedonien, 2, 64 Šamši-Adad I., amoritischer Herrscher, Tiberius, 6, 14. 51
Philippus Arabs, 6, 64 4, 71 Tiglatpileser I., 3, 33
Philon von Byzanz, 4, 20 f. Sandri, Sandra, 3, 69 Timotheos von Milet, 1, 13 f.
Phönizier, 6, 5 Sanherib, assyrischer König, 3, 5; 4, 66; 5, 5 Tocilescu, Grigore G., 4, 73
Photion, 2, 59 Sara, Abrahams Frau, 4, 27 Torelli, Mario, 6, 4
Picard, G.-Ch., 5, 49 Scherer, Andrew, 3, 5 Trimalchio, 1, 36. 97
Pierce, Laurie E., 2, 75 Schiller, Friedrich von, 5, 97 Tucci, Pier Luigi, 1, 60
Pikten, 3, 28 Schmitt, Carl, 1, 62 Türken, 4, 31
Piranesi, Giovanni Battista, 5, 68; Schmitt, Kurt, 3, 87 Turkvölker, 1, 53
6, 92 Schumacher, Karl, 4, 7 Tutu, ägyptischer Gott, 6, 19 ff.
Pixner, Bargil, Mönch, 5, 5 Schulgi, König von Ur, 1, 18
Platon, 1, 25; 2, 53 ff.; 5, 40 Schwarz, G. Th., 6, 43 Uiguren, 1, 55
Plinius maior, 1, 97; 4, 47 Schwertheim, Elmar, 6, 65
Plinius minor, 1, 58 Seeden, H., 6, 34 Valentinian III., 3, 11. 14
Plutarch, 1, 25; 2, 53; 4, 65 Seigne, Jacques, 2, 5 Van Denan, Esther Boise, 5, 72
Pluton = Hades, 1, 33 Seleukiden, 5, 13. 27 Varone, Antonio, 1, 59
Plutos, Personifikation des Reichtums, Sellner, Martin, 1, 61 ff. Vega, Francesco, 3, 71
2, 21 Semper, Gottfried, 3, 76 Vegetius, 3, 15
Podaleiros, Sohn des Asklepios, 2, 17 Septimius Severus, 1, 35 Venner, Dominique, 1, 63
Pohl, Walter, 5, 94 Sethos I., Pharao, 6, 14 Venus, 2, 97
Polignotos aus Thasos, Maler, 1, 26 Shanyu Wuzhuliu, Herrscher der Vergil, 2, 97
Polyainos, 4, 51 Xiongnu, 5, 14 Vespasian, 6, 45
Polykrates, 5, 97 Skythen, 5, 94 Vitruv, 1, 11
Pomponius Porphyrio, 4, 29 Slaven, 4, 31 Volusii Saturnini, 1, 68 ff.
Poros, indischer König, 4, 67 Smith, E., 3, 54 Vonderach, Andreas, 1, 62
Poseidonios, 5, 94 Sogden, 1, 57 Voza, Ottavia, 2, 50
Poulsen, Vagn, 4, 35 Sogliano, Antonio, 3, 75
Priamos, 2, 97 Sokrates, 4, 15. 97 Wagner, Martin von, 1, 31 ff.
Prokop von Caesarea, 4, 58 Sol, Sonnengott, 4, 81 Waziri, Mostafa, 1, 5
Proserpina, 1, 33 Soldovieri, Francesco, 2, 52 Weber, Thomas, 2, 5
Protogenes, Maler und Bildhauer, 1, 97 Solon, 2, 53; 5, 97 Weickert, Carl, 2, 45; 4, 37
Psammetichos I., 1, 5 Sommer, Giorgio, 5, 66 ff. Wei-Dynastie, 4, 43
Ptolemaier, 5, 27 Sophokles, 2, 53 Weißmann, Karlheinz, 1, 62
Ptolemaios, Klaudios, 3, 14; 4, 43 Sorel, Georges, 1, 62 Wendling, Holger, 1, 4
Pythia, 1, 26 Spartaner, 1, 64 Weninger, Bernhard, 4, 4
Spinazzola, Vittorio, 3, 75 Wilamowitz-Moellendorf, Ulrich von,
Qasim, Hasan Ahmed, 4, 70 Spithöver, Josef, 5, 64 ff. 1, 91
Qin-Dynastie, 4, 43 Stefani, Grete, 1, 59 Wildung, Dietrich, 3, 87
Qin Shi Huangdi, chinesischer Kaiser, Stein, Aurel, 5, 11 Wilhelm der Eroberer, 3, 7
4, 43 Steiniger, Daniel, 2, 66 Winckelmann, Johann Joachim, 2, 47;
Stroganoff, Gregor, Graf, 2, 65 6, 48
Raaflaub, Kurt A., 5, 90 Strzygowski, Josef, 2, 65 Wolters, Paul, 2, 43
Raja, Rubina, 5, 5 Sueton, 1, 39 Wrights, Frank Lloyd, 2, 51
Ramses III., 6, 58 Symeon von Emesa, 4, 32 Wunsch, Cornelia, 2, 75
Ramses IV., 6, 19 Wuzhuliu, Herrscher der Xiongnu, 5, 14
Re, ägyptischer Gott, 6, 19 Tacitus, 5, 90; 6, 5. 39
Reade, Julian, 4, 67 Talbot, W. H. Fox, 5, 64 Xerxes, 1, 15; 4, 54. 64; 5, 97
Reisner, George A., 4, 89 Tanrıver, Cumhur, 6, 65 Xia-Dynastie, 5, 8
Rezakhani, Khodadad, 5, 12 Tantalos, 4, 21 Xiongnu, Steppenvolk, 4, 41
Richthofen, Ferdinand von, 5, 9 Tawert, ägyptische Göttin, 1, 5 Xuanzang Sanzang, chinesischer Mönch,
Riecke, Hans-Joachim, 4, 35 Tekmessa, Frau des Aias, 1, 13 5, 86
Ristow, Sebastian, 2, 65 Terillos, Tyrann von Himera, 4, 49
Ritter, Stefan, 2, 4 Thamyras, 1, 26 Yersin, Alexandre, 4, 61
Rizzo, Enzo, 2, 52 Theisen, Ulrike, 4, 35 Yu Huan, Historiker, 4, 43
Robinson, David M., 4, 87 Theodosius I., 1, 24; 3, 9. 14
Robinson, Edward, 3, 47. 54 Theodosius II., 3, 14 ff. Zadukk, jüdischer Gelehrter, 6, 50
Rosini, Carlo Maria, 1, 58 Theophilus Indus, Bischof, 6, 60 Zahn, Robert, 4, 36
Roesler, Franz, Ettore, 5, 64 Thoeris = Taweret, Nilpferdgöttin, 6, 11 Zanker, Paul, 2, 46
Rubel, Alexander, 4, 76 Theron, Tyrann von Agrigent, 4, 49 Zarpanitu, babylonischer Gott, 2, 75
Rufinus von Aquileia, 4, 80 Thiele, Just Mathias, 6, 48 Zenobia, 5, 19
Ruggiero, Michele, 1, 59 Thomas, Ross I., 5, 30 Zeus, 1, 27; 2, 17
Thorvaldsen, Bertel, 6, 47 ff. Zhang Qian, 5, 11
Sachmet, ägyptische Göttin, 2, 11 Thot, ägyptischer Gott, 6, 19 Zimmer, Gerhard, 2, 5
Sader, Hélène, 6, 5 Thukydides, 1, 90; 2, 59; 4, 58 Zoëga, Georg, 6, 49

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ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
REGISTER

LÄNDER UND ORTE Delphi, 1, 24 ff. Israel


Dendera, 6, 12 – Askalon
Aachen, 2, 61 Deutschland – Bet Sche’an / Skytopolis
Abonuteichos, 2, 25 – Aachen – Horvat Huqoq
Adamklissi, 4, 73 – Berlin – Jerusalem
Ad-Dahariz, 5, 4 – Brandenburg an der Havel – Tiberias
Afghanistan – Haltern am See – Totes Meer
– Begram – Iphofen Istanbul, 4, 31. 80
Agrigent, 4, 53 – Kalkriese Italien
Ägypten – Kassel – Agrigent
– Alexandria – Kipfenberg – Capodimonte
– Amarna – Speyer – Falerii Novi
– Auaris/Avaris = Tell el­Dab‘a – Fiano Romano
– Berenike Epidauros, 2, 17 – Herculaneum
– Deir el­Medina Erbil/Arbela, 4, 66 – Himera
– Dendera Fiano Romano, 1, 68 – Lucus Feroniae
– Luxor Faida, 4, 68 – Ostia Antica
– Myos Hormos Falerii Novi, 4, 5 – Paestum
– Patkoua Frankreich – Palermo
– Sakkara – Arles – Pompeii
Akragas, s. Agrigent – Bergheim – Portus
Albanien – Colmar – Rom
– Apollonia – Selinunt
Alexandria, 5, 27 Gaugamela, 4, 63 ff. – Stabiae
Amarna, 6, 10 Georgien – Tavolara (Sardinien, Golf von Olbia)
Arles, 3, 29 – Mzcheta, 2, 6 f. Izmir, 2, 26 ff.
Askalon, 2, 25 Gerasa, 2, 5
Aphrodisias, 1, 29 Gla, 1, 4 Japan
Apollonia, 1, 86 Göbekli Tepe, 6, 74 ff. – Kamakura
Assur, 2, 31 ff.; 3, 33 Griechenland – Koarama / Hokuto
Athen, 1, 4 – Athen Jebel Adda, 6, 29
Auaris/Avaris = Tell el­Dab’a, 5, 4 – Delphi Jebel Barka, 6, 29
Autonome Region Kurdistan (Irak) – Gla Jemen
– Erbil/Arbela – Epidauros – Manayzah
– Faida – Mykene Jerf el Ahmar, 6, 78
– Gaugamela – Salamis Jericho, 3, 54 ff.
– Khani Masi – Sindos (Thessaloniki) Jerusalem, 2, 74; 3, 39
– Ninive/Mosul – Sparta Jordanien
– Tell Gomel – Thermopylen – Gerasa
Avebury, 6, 67 Großbritannien
Avenches, 6, 39 ff. – Avebury Kalkriese (Fundregion), 6, 5
– Bath Kamakura, 5, 86 ff.
Babylon, 2, 70 ff. – Stonehenge Khani Masi, 5, 74 ff.
Bagdad, 3, 35 Guatemala Karthago, 2, 97; 4, 49
Balıkesir, 6, 63 ff. – Guatemala­Stadt, 4, 94 Kassel, 1, 41 ff.
Bath, 6, 69 Kipfenberg, 5, 91
Begram, 5, 33 Hadrianutherai, 6, 63 ff. Konstantinopel, s. Istanbul
Berenike, 5, 24. 38 Hafirat Laqat, 6, 57
Bergheim, 2, 87 Hallein, 1, 4 Libanon
Berlin, 3, 35 Haltern am See, 2, 4 – Tell el­Burak
Bet Sche’an/Skytopolis, 5, 59 Hatra, 5, 19 Li-xian, 4, 41
Brandenburg an der Havel, 6, 84 ff. Herculaneum, 1, 58 Lucus Feroniae, 1, 68 ff.
Himera, 4, 49 Luxor, 1, 45
Cambridge, USA, 4, 86 ff. Hokuto s. Koarama
Capodimonte, 2, 49 Horvat Huqoq, 1, 74 Magnesia am Mäander, 1, 26 ff.
Carrhae, 4, 41 Manayzah, 5, 4
Chang’an, 5, 14 Indien, 3, 39 ff. Meninx (Insel Djerba), 2, 4
China Iphofen, 3, 86 ff. Meroe, 6, 29
– Chang’an Irak Mesopotamien, 1, 18 ff.
– Li­xian – Assur Mossul, s. Ninive
– Xinjiang – Babylon Musawwarat es-Sufra, 6, 29
Colmar, 2, 86 ff. – Bagdad Mykene, 3, 97
– Hatra Myos Hormos, 5, 30
Deir el-Medina, 6, 11

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SACHEN

Ninive, 3, 5; 4, 67 Türkei Antikensammlung


– Abonuteichos – 125 Jahre Antikensammlung der Har­
Oman – Aphrodisias vard­Universität, Cambridge USA, 4, 86 ff.
– Ad­Dahariz – Balıkesir Apokryphen
Österreich – Carrhae – Thomas­Akten, 3, 39
– Hallein – Göbekli Tepe Aquädukt
Ostia Antica, 4, 45 ff. – Hadrianutherai – Kanalbrücke von Jerwan, 4, 66
– Istanbul Archäologenporträt
Paestum, 2, 47 – Izmir – Paul Friedländer, 1, 91
Palästinensisches Autonomiegebiet – Magnesia am Mäander – Portraitfotografien von Archäologen
– Jericho/Tell es­Sultan – Pergamon des 19. Jhs., 3, 80
Palermo, 4, 49 – Samʾal Archäologischer Park
Palmyra, 5, 19 – Sendschirli – Museumsdorf Düppel in Berlin, 6, 77
Panormos, s. Palermo – Side/Selimiye Archäometrie
Patkoua, 5, 25 – Troia – archäometrische Analyse der Aachener
Pergamon, 1, 27; 6, 36 Bärin, 2, 66
Pompeii, 1, 58. 90; 3, 71 ff.; 6, 88 USA – Competence Center Archaeometry –
Portus, antiker Hafen Roms, 5, 45 ff. – Cambridge Baden­Württemberg (CCA BW), Univer­
Providence, Rhode Island, 3, 5 – Providence, Rhode Island sität Tübingen, 6, 4 f.
Architektur
Rom, 2, 24; 5, 63 Wad Ben Naga, 6, 30 – Turm zu Babel, 2, 73
– Tropaeum Traiani in Adamklissi, 4, 72 ff.
Samʾal, 6, 6 Xinjiang = Uigurisches Autonomes Archiv
Sakkara, 1, 5; 4, 5; 6, 15 Gebiet, 5, 9 – Karlsruher Generallandesarchiv, 4, 74
Salamis, 4, 54 Astronomie
Saudi-Arabien – Babylonische Astronomische Tagebücher,
– Hafirat Laqat 4, 68
– Talaat al­Salaby SACHEN Ausgrabung
Schweiz – neue Grabungen auf der Akropolis
– Avenches/Aventicum Abguss/Abguss-Sammlung von Gla, 1, 4
Sendschirli, 6, 6 – Museum für Abgüsse Klassischer Bild­ – syrisch­deutsche Grabungen am Tell
Selinunt, 4, 50 ff. werke in München, 1, 94 Halaf, 2, 35
Side/Selimiye, 5, 6 – Gußformen und Abgüsse von Adam­ – CNR = Consiglio Nazionale delle Ricer­
Sindos, 4, 4 klissi 1918, 4, 73 che (Survey Paestum), 2, 52
Smyrna, s. Izmir Agone – Universität Heidelberg: sog. Militär­
Sparta, 3, 97 – Pythien in Delphi, 1, 24 palast des Sanherib in Ninive/Mossul, 3, 5
Speyer, 3, 9 – isopythische Soteria (Agone) in Magne­ – deutsche Ausgrabung in Meroe seit
Stabiae, 1, 58 sia am Mäander 1, 27 1994, 3, 87
Stonehenge, 6, 67 – Nikephoria in Pergamon, 1, 29 – Archaeological Exploration of Sardis
Sudan – Athenaia Eumenaia, 1, 29 (der Harvard Universität), 4, 89
– Meroe – Pythioniken aus Kleinasien, 1, 29 – Neue Untersuchungen der Schola del
– Jebel Adda Akademie Traiano, Ostia Antica, 5, 45 ff.
– Jebel Barka – Kunstakademie Kopenhagen, 6, 49 Ausstellung
– Musawwarat esSufra – Academia San Luca, Rom, 6, 92 – Sonderausstellung MUS­IC­ON!,
– Wad Ben Naga Alphabet Martin von Wagner Museum Würzburg,
Syrien – das georgische Alphabet, 2, 6 2020, 1, 8
– Jerf el Ahmar Altar – Wanderausstellung Archӕomusica,
– Palmyra – Nachbildung des Altars des Amun­ 1, 8
– Shams ed­Din Tannira Tempels von Meroe, 3, 87 – Ausstellungen extra: Lebendiger Gips –
–Tell Halaf – Pergamon­Altar, 6, 35 ff. 150 Jahre Museum für Abgüsse
Alter klassischer Bildwerke, München, 1, 94;
Talaat al-Salaby, 6, 60 – Alte Menschen im klassischen Athen, 2, 41
Tell el-Burak, 6, 5 2, 53 ff. – Fotoausstellung Yesterday – Tomorrow,
Tell el-Dab’a, s. Auaris Amt 2020, Museum der Weltkulturen Reiss­
Tell es-Sultan, s. Jericho Notitia Dignitatum, 3, 8 ff. Engelhorn­Museen, Mannheim, 2, 77 ff.
Tell Gomel, s. auch Gaugamela, 4, 63 ff. Antikenbehörde – Ausstellungen extra: Herkules – un­
Tell Halaf, 2, 35 ff. – Ministry of Antiqities, Ägypten, 1, 5. sterblicher Held, Heidelberg, 2020, 2, 94
Thermopylen, 4, 54 45 – Ausstellungsprojekt «Archäologie
Tiberias, 3, 47 – Irakischer Antikendienst, 2, 31 und Politik», 2020/2021, an fünf Orten, 4, 76
Totes Meer, 3, 47 ff. – Generaldirektion der Altertümer und – Ausstellungen extra: Maya, Mistelbach,
Troia, 6, 89 Museen, Damaskus, 2, 35 4, 94
Tunesien – Antikenbehörde in Duhok, 4, 70 – Status Macht Bewegung. Lust und
– Karthago Antikenrezeption Last körperlicher Aktivität, ab 4. 9. 2020,
– Meninx (Insel Djerba) – Antike und moderne Rezeption, 5, 90 Berlin, Kulturforum, 5, 39 ff.

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– Stereoscopic images of the Museo – sog. Ichthyophagoi (Fischesser) in Ägyp­ – Geschichte und Archäologie der bibli­
Boncompagni Ludovisi by the Naples firm ten, 5, 27 schen Welt, 4, 91
of Grillet, Rom 2017, 5, 69 – erste Nutzung von Wildgetreiden im – Das antike Rumänien im Brennpunkt
– Ausstellungen extra: Germanen – Eine Vorderen Orient, 6, 73 ff. der Kulturen, 5, 91
archäologische Bestandsaufnahme, 5, 94 – Zubereitung von Brei und Getränken in – Siedlungsgeschichte von Aventicum,
– «Pergamonmuseum. Das Panorama», neolithischen Riesenkochtöpfen, 6, 78 ff. 6, 41 f.
Ausstellungshalle Berlin, 2020, 6, 35 Europäischer Wissenschaftsrat – Archäologische Geschichte Europas,
– «PERGAMON. Meisterwerke der anti­ – Forschung Seidenstraße seit 2017, 5, 13 6, 88
ken Metropole und 360°­Panorama Expedition Gesellschaft
von Yadegar Asisi» (Neubearbeitung), – Mission archéologique française de Pro­ – Athener Archäologische Gesellschaft, 1, 4
Berlin 2020, 6, 36 che Orient, 2, 5 – ehem. Kasseler Altertumsgesellschaft,
– Troy. Myth and Reality, London, British – The United States’ Expedition to 1, 42
Museum, 2020, 6, 89 the River Jordan and the Dead Sea 1848, – Bayerische Gesellschaft für Unterwasser­
– Ausstellungen extra: Das Piranesi­Prin­ 3, 47 ff. archäologie, 2, 4
zip, 2020/2021, Berlin, 6, 92 – Preußische Expedition nach Ägypten – Deutsche Orientgesellschaft von 1903–
unter der Leitung von Carl Richard Lepsius 1914 in Assur, 2, 31 ff.
Bibliothek 1844, 6, 30 – Schongauer­Gesellschaft, 2, 87
– Tontafelbibliothek eines Arztes aus – Society of Antiquaries, 3, 83; 6, 92
Assur, 2, 31 ff. Farbstoffe Gesetze
– Libreria Spithöver in Rom, 1845, 5, 67 – Purpur in Tunesien, 2, 4 – Codex Spirensis, Handschrift der Notitia
Biographie Fels Dignitatum, 3, 9
– Paul Friedländer, 1, 91 – assyrische Felsreliefs in der Nähe von – Rechte der Frauen, Keilschrifttafel
– Alexander der Große, 2, 91 Gaugamela, 4, 66 im Vorderasiatischen Museum in Berlin,
– William Francis Lynch, 3, 47 ff. – Bes­Felsentempel (Hemispeos) im 3, 33 ff.
– Marc Aurel, 4, 91 heutigen Sudan, 6, 29 ff. – Zwölftafelgesetz, 4, 28
– Bertel Thorvaldsen, 6, 47 – Felsbilder mit Inschriften in Saudi­Ara­ Gips
BKM = Bundesministerium für Kultur bien seit dem 7. Jt. v. Chr., 6, 54 ff. – Gipsabgüsse für Kopienkritik von Brunn
und Medien Film und Furtwängler, 2, 41 f.
– Sonderpreis für Projekte, 3, 36 – Weltgeschichte des Films von Rom bis – Gips­Abgüsse im Knauf­Museum in
Bronzekunst Karl dem Großen, 3, 90 Iphofen, 3, 86 ff.
– neu: Fund einer Bronzegießerei in Ge­ – Monty Pythons Life of Brian, 4, 23 f. – Künstlerische Betrachtung von Gipsab­
rasa, 2, 5 – 1896 erster italienischer Film: güssen und ­sammlungen, 3, 90
– neue Datierung der lupa carolina von Umberto und Margherita von Savoyen Glas
Aachen, 2, 61 ff. beim Spaziergang im Park, 5, 73 – römisches geblasenes Glas in China und
– Bronzestatue des Apollon Sauroktonos, Fotografie der Mongolei, 4, 45
2, 61 – Luftbildarchäologie, 2, 91 – Untersuchungen von römischem
– Bildnisse von Archäologen des 19. Jhs., (sog. alexandrinischem) Glas mit Haf­
Christentum 3, 80 nium­Isotopen, 5, 5
– Christentum in Indien, 3, 39 ff. – die frühe Fotografie in Rom und ihre Glyptik
– Thomaschristen, 3, 39 ff. Fotografen, 5, 63 ff. – Acht Circusgemmen in der Berliner
– Humor im Neuen Testament, 4, 23 ff. – die Erfinder Louis Jacques Mandé Da­ Antikensammlung, 1, 35 ff.
– Hagiographien, heilige Narren, 4, 32 guerre und W. H. Fox Talbot, 5, 64 – Circusspiele und ­sieger auf Gemmen,
– Münzen im Neuen Testament, 5, 52 f. – die Malerfotografen des 19. Jhs., 5, 64 1, 35 ff.
Circus – Scuola Fotografica Romana (auch Cir­ – Magische Gemmen mit Sonnenkind
– Circusspiele und ­sieger auf Gemmen, colo fotografico Romano), ab 1850, 5, 65 f. (Harpokratesgemmen), 3, 66 ff.
1, 35 ff. – Mißbrauch von Fotografien im 19. Jh., – The Campbell Bonner Magical Gems
Comic 5, 67 Database, 3, 66
– zur Entwicklung der Schrift, 1, 91 – Rom­Panoramen im 19. Jh., 5, 70 Grabbeigaben
– Fotoarchiv in Florenz seit 1960, 5, 70 – in römischem Grab in Ägypten, 1, 5
Datum, s. Kalender Frauen – neu: Statuen und Mumien von Tieren
Denkmalschutz – Frauenrecht vor über 3000 Jahren, sowie Statuetten von Göttern in ägyptischem
– Brandenburgisches Landesamt für 3, 33 ff. Grab des 7. Jhs. v. Chr., 1, 5
Denkmalpflege, 6, 84 – eine Osiris­, 18 Uschebti­Figuren und
Depot, s. Schatzfund Geschichte Totenbuchpapyrus im Grab der Anhai,
DFG = Deutsche Forschungsgemein- – Geschichte des Archäologischen Muse­ Sängerin des Amun, 1, 45 ff.
schaft ums in Apollonia, Albanien, 1, 86 – Waffen im römischen Gräberfeld von
– Deutsche Forschungsgemeinschaft, – Geschichte des Peloponnesischen Haltern am See, 2, 4
Grabungsprojekt Gerasa, 2, 5 Krieges, 1, 90 Gräber
– Geschichte der Völkerwanderung, 1, 91 – Prunkgrab eines keltischen Streitwagen­
Edelstein, s. auch Glyptik – Geschichte des Knauf­Museums in kriegers auf dem Dürnberg, 1, 4
– für Gemmen, 3, 67 Iphofen, 3, 87 – neu: römisches Grab in Ägypten, 1. Jh.
Ernährung – Geschichte des Harvard Art Museums n. Chr., 1, 5
– Praktische Anleitung für die altrömische (Fogg­, Busch­Reisinger­, Arthur M. Sack­ – neu: römerzeitliche Grabkammer mit
Küche, 4, 91 ler Museum), 4, 86 Statuen und Mumien in Ägypten, 1, 4

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SACHEN

– Grab des Apostels Thomas in Mylapore, – Heidelberg Center for Cultural Heritage, – Schlacht bei Tarras, Kasachstan, 4, 41
3, 42 4, 76 – Schlacht bei Himera, 4, 51
– Neolithischer Turm in Jericho wird – Max­Planck­Institut für Menschheits­ – Schlacht bei Gaugamela, 4, 63
zu Grabstätte mit Altar und Schädeln von geschichte in Jena, 5, 4 – Schlacht an der Milvischen Brücke
Kindern, 3, 58 – Instituto di Corrispondenza Archeolo­ 312 v. Chr., 4, 79
– Gräber der Xiongnu­Aristokratie bei gica, seit 1829, 5, 68 – Aufstand gegen die Steuererhebung in
Ulaanbaatar (Beigabe sog. Shanglin­Schale), – Kunsthistorisches Institut in Florenz, Judäa 6 n. Chr., 6, 50
5, 15 Fototeca, 5, 73 – Troianischer Krieg, 6, 89
– Kammergrab des Kriegers von Kemathen, – Oriental Institute Chicago, 5, 74 Kult
5, 91 – Institute of the Silk Road Studies in – Asklepios­Kult, 2, 17; 4, 60
Grenzmauer Kamakura (seit 1988), 5, 86 – Kultübertragung (Asklepios) von Epidau­
– Hadrianswall, 3, 28 ff. – Biblisch­Archäologisches Institut der ros nach Athen, 2, 20; nach Rom 2, 24
Universität Tübingen, 6, 5 – Ahnenkult im neolithischen Jericho,
Hafen 3, 59
– Meninx (Insel Djerba), 2, 4 Kalender – Kult der ägyptischen Schlangengöttin
– Hafen Zea in Piraeus, 2, 20 – Neue Berechnung des Vesuvausbruches Niut­schies, 4, 5
Handel 79 n. Chr., 1, 58 ff. – Bes­Kult, 6, 8 ff.
– Seide, Weihrauch, Gold auf der Seiden­ – Neue Datierung der Antike, 4, 4 – Inkubation im Bes­Kult, 6, 17
straße, 5, 8 ff. – Tempelkalender von Esna, 6, 21 Kulturen
– Handel zwischen Mittelmeer und Indi­ Kastell – Ghassul­Bheerscheba­Kultur, 3, 62
schem Ozean, 5, 24 – Kastelle am Hadrianswall, 3, 31 – Ursprung des Hellenismus, 4, 65
– Sardinien, Insel Tavolara mit Etrurien – Kastell Böhming, Archäologischer Wander­ – Maya­Kultur, 4, 94
in der Nuragenzeit, 6, 4 führer, 5, 91 – Hassuna­Periode, 5, 77
Handwerk – Kastell Biriciana in Weißenburg, Führer, – Halaf­ und Ubaid­Perioden, 5, 77
– chinesische Lackwaren der Han­Zeit, 5, 17 5, 91 – Villanova­Kultur, 6, 4
Heiligtum Katastrophen
– Asklepios­Heiligtum in Athen, Kos, – Erdbeben und Felsstürze verändern Lampen
Pergamon, 2, 20 archäologische Landschaften, Beispiel Is­ – römische Öllampe aus Ägypten mit
– Anubis­Heiligtum und die sog. Bes­Räume rael, 5, 56 ff. Amor, 5, 83
von Sakkara, 6, 13. 15 Keilschrift Legio/Legionslager/Legionäre
Hortfund, s. Schatzfund – assyrische Königsinschriften und Ver­ – Waffen eines Legionärs im römischen
Humor waltungslisten, 2, 36 Gräberfeld von Haltern am See, 2, 4
– altorientalischer Humor, 4, 8 ff. – Keilschrifttexte von al­Jahudu, 2, 75 – römische Legion in China, 4, 41 ff.
– Humor des Aristophanes, 4, 11 ff. – Tafel mit mittelassyrischem Gesetzes­ – Grabsteine in Avenches nennen
text, 3, 33 die 1. Legion Adiutrix (Standort Mainz),
IB = Identitäre Bewegung, 1, 61 ff. – elamische Keilschriften, 4, 6 6, 46
Ikonographie Kleidung Limes
– des Bes, 6, 8 ff. 15 ff. – Verschleierung der Frauen im antiken – Hadrianswall, 3, 28 ff.
Initiation Assyrien, 3, 33 ff. – geschichtliche Entwicklung, 5, 91
– Hypothese: Fruchtbarkeitsriten im Bes­ Klima Lokalisierung
und Anubis­Kult, 6, 16 – Umwelt und Klimaphänomene im – Hadrianutherai bei Balıkesir, 6, 63 ff.
Inschriften Alten Ägypten, 2, 90
– sog. armasische Bilingue, 2, 7 – (prä­)historische Klimaveränderungen Magie
– griechisch­palmyrenische Inschriften in Saudi­Arabien, 6, 54 ff. – Bes und magische Vorstellungen, 6, 22
aus Palmyra (sog. Karawanen­Inschrif­ Kloster – sog. Horus­Stelen, 6, 24
ten), 5, 20 – Paulikloster in Brandenburg, heute Malerei
– Inschrift auf der Statue des Wettergottes Archäologisches Museum, 6, 84 ff. – Wandmalerei in den Typhonia im
Hadad aus Sendschirli, 6, 6 Kolloquium Sudan, 6, 31
– nabatäische und viele sog. thamudi­ – Iberien zwischen Rom und Iran – Von Masken
sche Inschriften bei Petroglyphen in den Pompeius bis Herakleios, Jena 2016, 5, 90 – Göttermasken (Bes und Anubis) von
arabischen Wüsten, 6, 58 – jährliche Museumsfachtagung FOCUS Tempeldienern getragen, 6, 15. 23 ff.
Interview im Archäologischen Landesmuseum Bran­ – Mumienmasken, 6, 23 ff.
– mit dem Fotografen Marc Erwin Babej, denburg, 6, 87 Medaillon
2, 77 ff. Kopie – römische Silbermedaillons in China,
Institut/Institutionen – Kopienkritik von Brunn und Furtwängler, 4, 47
– Institut National du Patrimoine, 2, 4 2, 41 f. Medizin
– LWL = Landschaftsverband Westfalen­ Kosmos – sog. medizinische Papyri, 3. und 2. Jt.
Lippe, 2, 4 – Kosmologie von Hermopolis, 3, 69 v. Chr. aus Ägypten, 2, 8 ff.
– Smithsonian Institution, gegründet Krankheit – Namen und Titel altägyptischer Ärzte,
1846, 3, 52 – die Attische Seuche 430 v. Chr., 4, 58 2, 10 f.
– Institute für Klassische Archäologie, – die Iustinianische Pest, 4, 58 – Heilungen in den Asklepios­Heiligtümern,
Byzantinische Archäologie und Osteuro­ – theurgische Krankheitsmodelle, 4, 59 2, 22
päische Geschichte, Universität Heidel­ Krieg – Antike Medizinschule in Smyrna/Izmir,
berg, 4, 76 – Peloponnesischer Krieg, 1, 90; 4, 58 2, 26

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– hellenistische, sog. pathologische Terra­ – Mistelbach­Asparn­MUseums­Zentrum – römisches Gräberfeld von Haltern am


kotten aus Smyrna, 2, 26 ff. (MAMUZ), 4, 94 See, 2, 4
Militär – München, Museum für Abgüsse Klassi­ – unterirdische Nekropole in Sakkara, 4, 5
– Notitia Dignitatum, 3, 8 ff. scher Bildwerke, 1, 94 – Grab 20 der Nekropole Noin­Ula,
– fabricae und die Produktion von Rüs­ – München, ehem. Museum von Gips­ Mongolei, mit hellenistischem Medaillon,
tungsgütern in der Notitia Dignitatum, abgüssen, 2, 41 4, 45
3, 19 ff. – New York, Metropolitan Museum, 2, 46
– das spätantike Militär am Limes, 3, 22 ff. – Paris, Musée du Louvre, 2, 26 Orakel
Mosaiken – Potsdam, ehem. Museum für Ur­ und – Orakel des Besa (= Bes) in Abydos,
– in der spätantiken Synagoge in Huqoq Frühgeschichte, 6, 84 6, 14. 17
im israelischen Galiläa, 1, 74 ff. – Prag, Nationalmuseum, 6, 30
– römisches Mosaik aus Bergheim, 3. Jh. – Side, Museum, 5, 7 Palast
n. Chr., 2, 87 – Stuttgart, Landesmuseum Württemberg, – sog. Militärpalast des Sanherib in Ni­
– Nilmosaik von Palestrina, 3, 15 1, 68 nive/Mossul, 3, 5
– Mosaik von Madaba, 3, 15 – Wien, Kunsthistorisches Museum, 2, 17 Papyrus
Moschee – Würzburg, Martin von Wagner Museum, – mit Zeichnungen der Göttin Tawert in
– Moschee des Propheten Jonas in Mossul 1, 8. 31 ägyptischem Grab des 7. Jhs. v. Chr., 1, 5
(Nebi Yunus), 3, 5 Musik – Musik in den Papyri, 1, 13 ff.
Münzen – antike Instrumente, Funde und Nachbil­ – byzantinische Papyri mit Troparia, 1, 15
– spätrömische Münzen in China, 4, 47 dungen, 1, 8 ff. – illustrierte Tempelbuch­Papyri gekauft
– Goldmünze (Solidus) Constantins – Musik in den Papyri, 1, 13 ff. von Wallis Budge, 1, 45
des Großen von 315 mit Kreuz, 4, 79 ff. – antike Notation, 1, 13 ff. – Totenbuch­Papyri des Ani und der Dame
– Münzen – Geschichte, Episoden, – Paian, 1, 13. 25 Anhai (BM 10472) 1100–1050 v. Chr., 1, 45
Adaptionen, 4, 90 – Troparia, liturgische Texte auf Papyri – sog. medizinische Papyri, 3. und 2. Jt.
– Münzen im Neuen Testament, 5, 52 ff. mit Themen aus AT und NT, 1, 15 v. Chr. aus Ägypten, 2, 8 ff.
– Jesus und der Steuerdenar, 6, 50 ff. – antiker Musikunterricht, 1, 19 ff. – Papyrus Louvre E 32847 und Carlsberg
– Münzschatz von Plänitz, 11./12. Jh., 6, 68 – Liedkatalog aus einem Archiv in Aschur, 917, 2, 13 f.
Museum 1, 21 Petroglyphen, s. Fels
– Apollonia (Albanien), Archäologisches – Kultsänger (Kalu) und andere Musikan­ Pflanzen
Museum, 1, 86 ten (Aluzinnu, Chuppu), 1, 21 f. – Domestizierung der Futterpflanze Alfalfa
– Ar­Raqqa (Syrien), Museum, 6, 33 ff. – pythischer Nomos, 1, 26 oder Luzerne im Orient, 1, 53
– Bad Homburg, Saalburgmuseum, 1, 12 – 137. Psalm, 2, 75 – Mönchspfeffer als Heilmittel im Alten
– Basel, Universität, Digital Humanities Musikinstrumente Ägypten, 2, 14
Lab, 6, 7 – Kithara mit sieben, acht und elf Saiten, – antike Kultivierung von Wildpflanzen
– Berlin, SMB, Ägyptisches Museum und 1, 15 im Amazonasgebiet, 3, 4
Papyrussammlung, 6, 95 – Lauten, Leiern, Flöten, Algar­Harfe des Projekte
– Berlin, SMB, Antikensammlung, 1, 35 Königs Schugli von Akkade, 1, 19 – EMAP = European Music Archaeology
– Berlin, SMB, Pergamonmuseum, 6, 35 – Konzerte mit Harfe und Wasserorgel, 1, 29 Project, 1, 8
– Berlin, SMB, Vorderasiatisches Museum, – Darstellungen der Kithara im Klassizis­ – Erforschung der Zeichnungen Martin
2, 35; 3, 33 ff.; 6, 6 mus, 1, 31 von Wagners, 1, 31 ff.
– Boscoreale, Antiquarium, 3 77 Mythen – DFG­Projekt zur Stadtgeschichte von
– Brandenburg, Archäologisches Landes­ – modernes Mythenverständnis insbeson­ Meninx, 2, 4
museum, 84 ff. dere seit Christian Gottlob Heyne (1729– – Sonderforschungsbereich (SFB) «Trans­
– Burg Kipfenberg, Museum, 5, 91 1812), 3, 91 formationsDimensionen» der Christian­
– Cambridge USA, Harvard Art Museums – ägyptische Götter bzw. Dämonen: Bes, Albrechts­Universität, Kiel, 2, 5
(Fogg­, Busch­Reisinger­, Arthur M. Sack­ Anubis, Tutu, 6, 8–32 – Grabungsprojekt der KU Eichstätt­Ingol­
ler Museum), 4, 86 stadt in der antiken Metropole Gerasa
– Cambridge USA, ehem. William Hayes Nachbildungen/Nachbau (Jordanien), 2, 5
Fogg Museum, 4, 86 ff. – antiker Musikinstrumente, 1, 8 ff. – ehem. Forschungsprojekt Römische
– Colmar, Musée Unterlinden, 2, 86 ff. – Tropaeum Traiani von 1977 in Adam­ Ikonologie, 2, 46
– Guatemala­Stadt, Nationalmuseum von klissi, 4, 73 – Swiss Lab for Culture Projects, Lugano,
Guatemala, 4, 94 Nachruf 2, 94
– Hallein, Keltenmuseum, 1, 4 – auf Klaus Bartels, 3, 4 (Ellen Pfohl) – Multaka – Treffpunkt Museum, 3, 35
– Hokuto, Hirayama Ikuo Silk Road Mu­ – auf Uta Kron, 4, 4 (Oliver Pilz) – Projekte zur kulturellen Teilhabe ge­
seum, 5, 89 ff. – auf Mario Torelli (Stephan Steingräber), flüchteter Menschen, 3, 36
– Iphofen, Knauf­Museum, 3, 86 ff. 6, 4 – Amir Project, Florenz, 3, 36
– Kairo, Ägyptisches Museum, 6, 13 Namen – Grande Progetto Pompei, 3, 78
– Kassel, MHK = Museumslandschaft Hessen – Beischriften auf Circusgemmen, 1, 37 – Internationales Forschungsprojekt der
Kassel, 1, 41 ff. – Diverse Deutungen zum Namen der ÖAW zur Datierung der Antike, 4, 4
– Kassel, ehem. Fridericianum, 1, 41 nicht lokalisierten Stadt Hadrianutherai, – Progetto Archeologico Regionale Terra
– Khartoum, Nationalmuseum, 3, 87 6, 64 di Ninive (PARTeN), 4, 66 ff.
– Leipzig, Ägyptisches Museum Georg Nekropole – Ausstellungsprojekt «Archäologie und
Steindorff, 1, 12 – Nekropole der Heiligen Tiere in Sakkara, Politik», ab Herbst 2020, 4, 76
– London, Britisches Museum, 1, 45; 5, 83 1, 5 – Jerash Northwest Quarter Project, 5, 5

12
ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
SACHEN

– Forschungsprojekt «Jenseits der Seiden­ – Gipsabgüsse im Knauf­Museum Iphofen, – Entdeckung der Monumentalbauten am
straße: Wirtschaftswachstum, impe­ 3, 86 ff. Göbekli Tepe u. a. Orten, 6, 74 ff.
riale Grenzregionen und interimperialer – parthische und assyrische Felsreliefs in Sieg/Siegesdenkmal
Austausch vom 3. Jh. v. Chr. bis zum 3. Jh. der Nähe von Gaugamela, 4, 66 – Tempel nach der Schlacht bei Himera,
n. Chr., Freiburg, 5, 13 – Relief von Darband­i­Belula, 5, 77 4, 49 ff.
– Internationales Forschungsprojekt Ostia Religion – Tropaeum Traiani in Adamklissi, 4, 72 ff.
Antica: Schola del Traiano, 5, 45 ff. – Manichäismus, 3, 45 Sklaven
– Sirwan Regional Project, 5, 74 ff. Reise – Freilassung von Sklaven, 5, 84
– libanesischdeutsches Gemeinschafts­ – archäologischer und literarischer Reise­ Skulptur
projekt Tell el­Burak, 6, 5 führer Rom, 2019, 2, 90 – 3D­Scan des Kasseler Apoll, 1, 43
– internationales Forschungsprojekt geför­ – Itinerarium Antonini, 3, 29 – Kopf des Caligula aus der Villa der Volu­
dert von der Arab­German Young – Kosmographie von Ravenna, 3, 29 sii in Lucus Feroniae, 1, 68
Academy of Sciences and Humanities zur – antike Reiseziele in Indien, 3, 41 – Kopf der Agrippina minor aus der Villa
Entzifferung der samʾalischen Inschrift, 6, 6 – Periplus Maris Erythraei, 1. Jh. n. Chr., der Volusii in Lucus Feroniae, 1, 68
– Projekt Human Henge, 6, 67 ff. Alexandria, Bericht zur Küstenseefahrt im – Asklepios «Giustini», 4. Jh., 2, 19
Publikationen Roten Meer und Westindien, 4, 43 – Kopienkritik von Brunn und Furtwäng­
– S. Mollard­Besques, Katalog der im – Finanzierung von Karawanenreisen, ler, 2, 41 f.
Louvre aufbewahrten Terrakotten Smyr­ 5, 22 – neue Datierung der lupa carolina von
nas (1971−1972), 2, 26 Rhetorik Aachen, 2, 61 ff.
– I. Hasselin Rous zu den Terrakotta­Werk­ – Buchtitel: Die Kunst der freien Rede – – Bronzestatue des Apollon Sauroktonos,
stätten von Smyrna, 2, 26 von Cicero bis Barack Obama, 4, 90 2, 61
– Karl Butzer, Early Hydraulic Civilization Restaurierung – unterlebensgroße Statuenfunde im neo­
in Egypt, 1976, 2, 90 – Restaurierungsgeschichte von Pompeii, lithischen Jericho, 3, 60
– Exeter Book, Sammelhandschrift des 3, 71 ff. – Alexander gibt die Statuen von Harmo­
10. Jhs., 3, 6 – sog. Randanböschungen antiker Wand­ dios und Aristogeiton zurück, 4, 64
– Mittelalterliche HS: Notitia dignitatum malerei in situ, 3, 76 – Kolossalstatue des Constantin, 4, 82
omnium tam civilium quam militarium, – sog. Meleager aus Santa Marinella,
3, 8 ff. Sammlungen 4, 86
– Edward Robinson (1794−1863), Biblical – Frau Prof. Hilprecht­Sammlung, Jena, – Statue des Wettergottes Hadad aus
Researches in Palestine and Adjacent 1, 12 Sendschirli, 6, 6
Countries (1841, erweitert 1856), 3, 47 – Uruk/Warka­Sammlung, Heidelberg, – Bronzener Steinbockkopf im Ägyptischen
– W. F. Lynch, Narrative of the Expedi­ 1, 12 Museum in Berlin, 6, 95
tion to the River Jordan and the Dead Sea, – Antikensammlung des Instituts für Klas­ Sport
1849, 3, 49 sische Archäologie Tübingen, 1, 12 – Circusspiele und ­sieger auf Gemmen,
– Edward P. Montague, Narrative of the – Berliner Papyrussammlung, 1, 13 1, 35 ff.
Late Expedition to the Dead Sea. From a – ehem. Sammlung Dohrn, 2, 43 – Sieger mit Namensbeischrift, 1, 36
Diary by One of the Party, 1849, 3, 53 – ehem. Sammlung Riecke, 4, 35 – Polo, Reiten und Wagenrennen der Step­
– Homer Hasenpflug Dubs, A Roman City – ehem. Sammlung Friedrich Ludwig von penbewohner Eurasiens, 1, 55
in Ancient China, 1957, 4, 41 Gans, 4, 36 Sprache
– David Harris, Black Horse Odyssey: – Antikensammlung Ludovisi, 5, 68 – Sprache der Angelsachsen (altenglich),
Search for the Lost City of Rome in China, – Fotosammlung des Engländers Henry 3, 6 f.
1989, 4, 42 Parker, 5, 70 – Sprache und Schriften in Elam, 4, 5 f.
– Thomas von Marga, Liber Superiorum, Schatzfund/Hortfund – Sidetisch, indogermanische Kleinkor­
seu Historia Monastica, 9. Jh., 4, 66 – Schatzfund von Begram, Afghanistan, pussprache in der Türkei, 5, 6 f.
– Lactantius, Von den Todesarten der Ver­ 5, 34 Stadtforschung
folger, um 315, 4, 79 Schmuck – Meninx (Insel Djerba), 2, 4
– Albert Hermann, Commercial and Histo­ – Zaubergemmen als Schmuck bzw. – Assur, Haus des Beschwörungspriesters
rical Atlas of China, 1935, 5, 10 Amulett, 3, 68 mit Tontafelarchiv, 2, 31
– Periplus Maris Erythraei, 1. Jh. n. Chr., Schrift – neu: Fragmente eines dorischen Gebäu­
5, 31. 38 – Altanatolischtürkisch, 1, 6 f. des in Paestum, 2, 47 ff.
– Jataka, Geschichten über die Wiederge­ – Von der Keilschrift zum Emoji, 1, 91 – neu: Entdeckung einer Hauptstadt des
burten des Buddha, 5, 38 – Sprache und Schriften in Elam, 4, 5 f. Maya­Königreiches, 3, 5
– Johan Huizinga, Homo ludens, 1938, – sidetische Vokal­Konsonanten­Schrift, – Hyksos­Hauptstadt Tell el­Dab’a, 5, 4
5, 43 5, 6 f. – Zionsberg in Jerusalem, 5, 5
– Institutspublikationen Annali und Bulle­ – samʾalische Inschrift auf der Statue des – Ostia Antica, Schola del Traiano, 5, 45 ff.
tino, Rom (ab 1854), 5, 68 Wettergottes Hadad aus Sendschirli, 6, 6 – Avenches/Aventicum, 6, 41 ff.
– Robert McC. Adams, Land behind Bagh­ Siedlungsfunde – Hadrianutherai, noch nicht lokalisierte
dad, 5, 74 – Orientierung frühneolithischer Häuser Stadt in der Türkei, 6, 63
– Giovanni Battista Piranesi, Antichità (Pseudoneglect), 2, 5 Stadtmauern
Romane, 1756, 6, 92 – Jericho seit dem Mesolithikum, 3, 56 – von Jericho, 3, 56 f.
– Kelten in Bayern, 3, 91 – eisenzeitliche Stadtmauer von Jerusalem,
Relief – Untersuchungen des Sirwan Regional 5, 5
– Reliefplättchen aus dem Haus des Be­ Project (SRP), 5, 74 ff. – von Aventicum, heute Avenches, Schweiz,
schwörungspriesters in Assur, 2, 31 – Ausgrabungen in Khani Masi, 5, 80 f. 6, 38 ff.

13
ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
REGISTER

Stadtpläne/Weltkarten – Kartierung von Falerii Novi mittels – Thiamat, Meeresungeheuer, 2, 73


– Katasterplan von Orange, 3, 15 Bodenradar (GPR), 4, 5 – Tierskulpturen im neolithischen Jericho,
– Mosaik von Madaba, 3, 15 – Pneumatica, antike Werke zur Hydro­ 3, 60
– forma Urbis, Rom, 3, 15 pneumatik, 4, 20 – Bukephalos, Pferd des Alexander, 4, 67
– Tabula Peutingeriana, 3, 15 – Fotografie im 19. Jh. in Rom, 5, 63 ff. – Jagd und Viehhaltung anhand von Fels­
– Karte Äthiopiens von Nero, 3, 18 – Reflectance Transformation Imaging bildern in Saudi­Arabien, 6, 54 ff.
– gewebte Weltkarte der Königin Kypros, (RTI) Technik, 6, 6 Tod
3, 18 Tempel – ägyptisches Totengericht, 1, 48
– Karten in der Notitia Dignitatum, 3, 18 – Assur­Tempel, Hauptheiligtum des Assy­ – christliche Satiren von der Unterwelt,
– Itinerarium Antonini, 3, 29 rischen Reiches, 2, 33 4, 33
– Kosmographie von Ravenna, 3, 29 – neu: kleinster bislang bekannter grie­ – ägyptischer Totengott Anubis, 6, 15 ff.
Stein chischer Peripteral­Tempel in Paestum, – Bes und Anubis als Götter beim Über­
– Reibsteine zur Getreideverarbeitung in 2, 47 ff. gang zum Tod, 6, 15, ff.
Göbekli Tepe, 6, 74 ff. – Zerstörung des Tempels des Salomo, Ton/Terrakotta/Koroplastik
Stele 2, 72 – hellenistische, sog. pathologische Terra­
– Stele des Hammurapi aus Susa, 2, 72 – neolithischer Tempel (sog. Stein­ kotten aus Smyrna, 2, 26 ff.
– 2020: Fund einer Stele mit sidetischer zeitheiligtum oder Megaron), frühester – ca. 1200 Tontafeln und Tontafelfragmente
Schrift im Tempelbezirk von Side, 5, 7 in Jericho, 3, 60 mit medizinischen Texten, 2, 31
– sog. Naram­Sîn­Stele, 5, 77 – Amun­Tempel von Naga/Naqa im Reich – Reliefplättchen aus ungebranntem
– Stele des König Ramses IV. in Abydos, von Meroe, 3, 87 Ton aus dem Haus des Beschwörungs­
6, 19 – die Tempel in Syrakus, Agrigent und priesters in Assur, 2, 31
Stempel Selinunt nach der Schlacht bei Himera, – Neu, aber verloren: zylindrisches be­
– Eisenstempel (Brandeisen) zum Markie­ 4, 53 maltes Gefäß aus Shams ed­Din Tannira,
ren von Pferden, 2, 35 ff. – das Schatzhaus in Olympia nach dem Syrien, 6, 33 ff.
Stiftungen Sieg von Himera, 4, 53
– Gerda Henkel Stiftung für Projekt Gerasa, – Mammisi, Teil des ägyptischen Tempels, UNESCO-Weltkulturerbeliste
2, 5 6, 12 – Seidenstraße von Chang’an bis zum
– Stiftung Preußischer Kulturbesitz, 5, 40 – Horus­Tempel von Edfu, 6, 13 Tianshan­Korridor, 5, 12. 89
– Gerda Henkel Stiftung für Nutzung von – Isis­Tempel von Philae, 6, 13 Universität
Reibsteinen, 6, 77 – Typhonia, ägyptische Tempel mit monu­ – Kanazawa Universität, 1, 5
Straßen mentalen Bes­Skulpturen im Sudan, 6, 29 – Waseda Universität, 1, 5
– Straßenbild und Fassaden von Pompeii, Textilien – Johns Hopkins University, Baltimore,
1, 90 – Fragment eines Wollstoffs aus der Nekro­ 1, 60
– Prozessionsstraße zum kleinen und pole von Sampula, China, 4, 44 – Christian­Albrechts­Universität, Kiel,
großen Ischtartor (Berlin), 2, 72 – chinesische Seidenstoffe der Han­Zeit in 2, 5
– römische kaiserzeitliche Funde entlang Palmyra, 4, 47 f. – Katholische Universität Eichstätt­Ingol­
der Seidenstraße, 4, 47 – Seide und Baumwolle auf dem indischen stadt, 2, 5
– Mythos Seidenstraße, 5, 8 ff. Subkontinent, 5, 34 f. – Ruprecht­Karls­Universität Heidelberg,
– sog. persische Königsstraßen, 5, 13 Theater 2, 33; 3, 5; 4, 72 ff.
– Seiden­ oder Baumwollstraße, 5, 35 ff. – die Komödien des Aristophanes, 4, 11 ff. – Halle, 2, 35
Symbole Thermen – Tübingen, 2, 35; 4, 5; 6, 5
– Staurogramm, 4, 79 – sog. Agamemnon­Spa in Smyrna/Izmir, – Bern, 2, 35; 3, 4
– Christogramm, 4, 80 2, 26 – Ludwigs­Maximilians­Universität,
Synagoge – Badehaus, 10. Jh., in römischer Bautra­ München, 2, 41
– spätantike Synagoge in Horvat Huqoq dition in Xinjiang, 4, 48 – University of Exeter, 3, 4
mit Fußbodenmosaiken, 1, 74 ff. Tiere/Mischwesen – Universitat Pompeu Fabra, Barcelona,
– Fragmente von Tier­Mumien im ägypti­ 3, 4
Technik schen Grab des 7. Jhs. v. Chr., 1, 5 – Pennsylvania State University, 3, 4
– AR (Augmented Reality)­App MHK Anti­ – Python, 1, 25 – Brandeis University in Massachusetts,
kensammlung Kassel, 1, 42 – seltene Darstellungen von Gespannen 3, 5
– 3D­Scan des Kasseler Apoll, 1, 43 mit bis zu 20 Pferden auf kaiserzeitlichen – Brown University Rhode Island, Provi­
– Augmented­ und Virtual­Reality­An­ Gemmen, 1, 39 dence, 3, 5
wendungen in der Ausstellung «Lebendiger – Kamele und Pferde bei den Turkvölkern, – Albert­Ludwigs­Universität Freiburg im
Gips» in München, 1, 94 1, 53 ff. Breisgau, 3, 14
– Georadar und geomagnetische Messung – Kanthaka, das Pferd des Buddha, 1, 57 – Universität zu Köln, 4, 4
in Paestum, 2, 52 – das weiße Pferd des Dschingis Khan, – Renmin University of China, Peking, 4, 48
– CBd = The Campbell Bonner Magical 1, 57 – Universität Udine, 4, 66
Gems Database, Budapest, 3, 66 – Rachsch, der Hengst des Rostam, 1, 57 – Universität Krakau, 4, 66
– Datenzentrum im Antiquarium von – Helios­Tierkreis­Zyklus in der Synagoge – Harvard­Universität, Cambridge USA,
Boscoreale, 3, 77 von Huqoq, 1, 79 4, 86 ff.
– Abformung per Scan, 3, 89 – Purpurschnecke, 2, 4 – Ohio State University, 5, 4
– virtuelle Museumsbesuche, 3, 94 – Schlange als Attribut des Asklepios, 2, 19 – Macquarie University in Sidney, 5, 11
– C14­Daten von Sindos zur Neudatierung – Brandmarkierung von Pferden in neuas­ – Universität Warschau, 5, 22
der Antike, 4, 4 syrischer Zeit, Tell Halaf, 2, 35 ff. – Universität Lüttich, 5, 45 ff.

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ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
SACHEN

– Universität Lumière Lyon, 5, 46 – Neu, aber verloren: zylindrisches Wasser/Wassertechnik


– Universität Bologna, Fondazione Fe­ bemaltes Keramikgefäß aus Shams ed­Din – Wassermanagement im Alten Ägypten,
derico Zeri, 5, 72 Tannira, Syrien, 6, 33 ff. 2, 90
– Glasgow University in Schottland, 5, 74 – steinzeitliche Riesenkochtöpfe aus – Untersuchungen des Jordans und des
– Dartmouth College, Hanover, New Göbekli Tepe und Jerf el Ahmar, 6, 78 Toten Meeres, 1848, 3, 47 ff.
Hampshire USA, 5, 74 Vereine – Quelle ‘Ain es­Sultan, Jericho, mit Damm
– American University in Beirut, 6, 5 – Vereine der dionysischen technitai, 1, 27 und Kanälen, 3, 58
Unterwasserarchäologie Via – Klepsydra, Gefäß für Wassertransport,
– Bayerische Gesellschaft für Unterwasser­ – Via Egnatia, 1, 86 4, 20
archäologie, 2, 4 Votive – Untersuchung der Wasserstellen in
– Weihegaben für Asklepios, 2, 19; für der arabischen Wüste im Zusammenhang
Vasen Asklepios in Smyrna, 2, 26 mit Petroglyphen, 6, 57
– griechische Importkeramik im 5. Jh. Vulkan Werkzeug
v. Chr. in Österreich, 1, 4 – Vesuvausbruch 79 n. Chr., 1, 58 ff. – neu: Weinpresse aus Tell el­Burak, 7. Jh.
– Gefäße für Spiel und Spaß, Trickgefäße, v. Chr., 6, 5
4, 17 ff. Waffen – neue Forschungen zu den Reibsteinen
– Klepsydra, Gefäß für Wassertransport, – Dolch und Waffengürtel im römischen von Göbekli Tepe, 6, 73
4, 19 Gräberfeld von Haltern am See, 2, 4 Wohltätigkeit
– Lekythen aus der Sammlung Fried­ – Produktionsstätten der verschiedenen – der einfachen römischen Bevölkerung,
rich Ludwig von Gans, Antikensammlung Waffen in der Notitia Dignitatum, 3, 19 6, 89
Berlin, 4, 36 – neolithische Projektilspitzen mit Längs­ Wüsten
– schwarz­rote­Lackschale (Shanglin­ furchen im Jemen und im Oman, 5, 4 – Klimawandel in der Nefud­ und Rubʼ al­
Schale) mit Bronze­Griffen aus der Han­ – neu: fast vollständig erhaltener römi­ Chali­Wüste, Saudi­Arabien, 6, 56
Zeit, China, 5, 15 scher Schienenpanzer, 6, 5

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ANTIKE WELT Hefte 1–6/20
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neu zu entdecken
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