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Philipp

Philipp von
von Zabern
Zabern 1/2010
2/2015 EE 12,80
12,80(D)
(D)//EE14,–
14,–(A)
(A)//sFr 25,– www.
sFr25,– www.zabern.de
zabern.de

Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte

FRAUEN
im Alten Orient
ITALIEN SYRIEN ÄGYPTEN
Ein Heiligtum in Ostia gibt Urkeš und die frühe Stadt- Eine fast vergessene
Geheimnisse preis entwicklung über Pyramidenanlage
»Das kommende Standardwerk
zu Tutanchamun.«
Dr. Paul Collins, Ashmolean Museum Oxford

Der Grabschatz des Tutanchamun zählt zu den


bedeutendsten Entdeckungen der Archäologie.
Seit dem Jahr 1922, als Howard Carter das Grab
im Tal der Könige entdeckte, ist die Faszination,
die von den tausenden Grabbeigaben, den gol-
denen Särgen und Schreinen, den Masken und
dem Schmuck des Königs ausgeht, ungebrochen.
Erstmals seit 2009 ist der Schatz als komplette
Rekonstruktion wieder in München zu sehen.
Der Band, verfasst von dem international renom-
mierten Ägyptologen Zahi Hawass und übersetzt
von Wilfried Seipel, dem ehemaligen Generaldirek-
tor des Kunsthistorischen Museums in Wien, zeigt
opulent und kenntnisreich die Schönheit und
Geschichte des Schatzes. Zahi Hawass spannt in
seinem Buch den Bogen von der Entdeckung des
Grabes bis hin zum neuesten Forschungsstand.
Entstanden ist das wohl vollständigste Buch über
Tutanchamun, ein Band zum Schwelgen, klug und
informativ zugleich.

Begleitband
zur internationalen
Erfolgsausstellung
»Tutanchamun – Sein
Grab und die Schätze«
Zahi Hawass 3. April bis 13. September 2015.
Kleine Olympiahalle
Auf den Spuren Tutanchamuns München
264 S. mit 443 farb. und 40 s/w Abb., geb.
29,95 €
ISBN 978-3-8062-3037-6

Die löwenköpfige Göttin Sachmet


Foto: A.-M. v. Sarosdy © Semmel
Concerts GmbH

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Telefon: 0 61 51 / 33 08-340, Fax: 0 61 51 / 33 08-277
über
Herrscherinnen, Priesterinnen,
Musikerinnen und noch viel mehr …

editorial
Holger Kieburg
Chefredaktion ANTIKE WELT

Bis vor kurzem stand die Erforschung der Rolle der Frau im Alten Orient im Schatten anderer Themen.
Dies erstaunt, da die Quellenlage aufgrund der materiellen Hinterlassenschaften, der Kunst und der
Keilschrifttexte gut ist. In den letzten Jahren hat sich diese Situation stark gewandelt. Daher wollen wir
das Titelthema dieser Ausgabe ganz den Fragen widmen, die die altorientalische Forschung aktuell
aufgeworfen hat und die z. T. heftig diskutiert werden.

«Große Frauen» in Sumer – Im einleitenden Beitrag zeigt uns Helga Vogel vom Institut für Vorder­
asiatische Archäologie an der Freien Universität Berlin die Handlungsspielräume frühdynastischer
Stadtfürstinnen im 3. Jt. v. Chr. Es wird deutlich, dass die Macht der Stadtfürstinnen nicht darin gründete,
andere Personen im engeren Sinn zu regieren oder zu unterwerfen, sondern durchaus andere Wege
und Mittel zur Verfügung standen, um Einluss geltend zu machen.

die erste autorin der Weltgeschichte? – Nicole Brisch, Assyriologin an der Universität Kopenhagen,
folgt den Spuren gelehrter Frauen im frühen Mesopotamien und macht uns u. a. mit der Hohepriesterin
Enheduanna bekannt, die oft als die erste Autorin der Weltgeschichte bezeichnet wird.

Wie ein Krieger in der Schlacht – Am Projekt «BabMed – Babylonian Medicine» zur Heilkunde des
babylonischen Altertums an der FU Berlin forscht Ulrike Steinert. Sie zeigt, dass v. a. der weibliche
Körper die Babylonier zu Metaphern über Fortplanzung und über die Bestandteile des menschlichen
Körpers inspirierte und Geschlechterdiferenzen die keilschriftliche Überlieferung im Bereich der
Heilkunde prägten.

«Mein Herr wird sie hören und er wird erfreut sein» – Regine Pruzsinszky von der Abteilung Vorder­
asiatische Archäologie und Altorientalische Philologie der Albert­Ludwigs­Universität Freiburg führt
uns die künstlerische Bandbreite und das große Spektrum der gesellschaftlichen Stellung von Musiker­
innen im Alten Orient vor. Es erstreckte sich von einfachen Spielleuten bis hin zum hoch angesehenen
Personal königlicher Paläste.

den Skorpion als emblem – Mit königlichen Frauen der neuassyrischen Zeit beschäftigt sich die Assy­
riologin Saana Svärd von der Universität Helsinki. Als ranghöchstes Mitglied des Hofes nach dem
König unterstütze die Königin die Tempel, beteiligte sich an oiziellen Kulthandlungen und nahm regen
Einluss auf politische Entscheidungen.

Wie immer lohnt sich auch ein Blick auf unser Leserportal im Internet (www.antikewelt.de), wo Sie
weitere Berichte und Informationen rund um die Themen Archäologie und Kulturgeschichte inden.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre und spannende neue Einblicke in die antike Welt
Ihre AW­Redaktion

über 2/15 ANTIKE WELT 1


INHALT
Titelthema FRAUEN IM ALTEN ORIENT
8 Frauen in Mesopotamien – Lebenswelten sumerischer
Stadtfürstinnen
von Helga Vogel
Einige Frauengräber aus dem Friedhof von Ur lassen darauf schlie-
ßen, dass Frauen als Stadtfürstinnen agierten und eine bedeutende
gesellschaftliche Rolle in den sumerischen Stadtfürstentümern spiel-
ten – eine unbekannte Geschichte, die es zu entdecken gilt.

14 Gelehrte Frauen im frühen Mesopotamien – Schrift- und


Gelehrtentum als weibliche Domäne
von Nicole Brisch
Auch wenn zu allen Zeiten der mesopotamischen Geschichte Frauen
als Gelehrte eher eine Seltenheit waren, ist festzustellen, dass in den
frühen Phasen der Schriftentwicklung das Schreiben und Rechnen die
Domäne von Göttinnen und Priesterinnen war.

19 Von inneren Räumen und «blühenden» Landschaften – Der


weibliche Körper in der babylonischen Medizin
von Ulrike Steinert
Keilschrifttexte zur Frauenheilkunde eröffnen Einblicke in ein Feld me-
dizinischen Wissens und kultureller Vorstellungen, deren Sichtweisen
auf den weiblichen Körper gerade heute überraschen und provozieren.

26 Vielseitig und kreativ – Musikerinnen im Alten Orient


von Regine Pruzsinszky
Schriftliche Quellen des 3. bis 1. Jts. v. Chr. berichten in einer
besonderen Ausführlichkeit von der gesellschaftlichen Stellung von
Musikerinnen und machen uns damit diese weit zurückliegenden
Lebenswelten ungewöhnlich lebendig.

32 Machtvolle Frauen – Die neuassyrischen Königinnen und


ihre Haushalte
von Saana Svärd
Ambitionierte Frauen der Königsfamilie nahmen nachweislich
Einluss auf Staatsangelegenheiten. Sowohl die Text- als auch die
Ausschnitt aus einem neuassyrischen Relief («Bankettszene»; Bildzeugnisse deuten an, dass die Stellung der Königinnen während
S. 32 f.). der neuassyrischen Zeit gemeinhin bedeutend war.

Weihplatte mit Darstellung in drei Streifen, oben links Topfbestattung aus Tell Fekheriye (S. 19 f.).
eine Stadtfürstin (S. 8 f.).

über
Themenpanorama

Aspendos. Blick von der Akropolis (S. 62 f.).

42 Die antike Stadt Urkeš – Frühe Stadtentwick-


lung im Norden Mesopotamiens
von Anne Wissing
Im Siedlungshügel Tall Mozan in Nordost-Syrien verbirgt
sich eine der größten Städte Nordmesopotamiens. Die
Befunde zeigen eine sehr frühe und eigenständige urbane
Gesellschaftsentwicklung an.

51 Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der


Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi
von Peter Jánosi und Mohamed Megahed
Das Grabmal in Saqqara-Süd gewährt trotz mancher
Zerstörungen Kunsthistorikern und Bauforschern
verblüffende Einblicke.

62 De aquaeductu atque aqua urbium Lycia Pham-


phyliae Pisidia – Das Erbe des Sextus Julius
Frontinus
von Wolfram Letzner
Ein internationales Symposium zur Geschichte der
Wasserversorgung und des Wasserbaus im mediterranen
Raum gab einen vielseitigen Überblick über die aktuellen
Nördliche Sitzstatue am zweiten Pylon des Totentem-
pels Amenophis’ III. im Kom el-Hettân (S. 76 f.).
Forschungen zu diesem spannenden Themenkomplex.

68 Apollo, Aesculap, Hercules – Ein altes Kultareal


in Ostia
von Marion Bolder-Boos
Rubriken
Rubriken Eines der ältesten Heiligtumsareale in Roms Hafen-
stadt ist die sog. Area sacra dei templi repubblicani. Die
Aktuell 4 Interpretation der hier verehrten Göttertrias und des
Museumsinsel Berlin 37 Kultkomplexes ist nun erstmals möglich.
Preisrätsel 61 Die Wiedererrichtung der großen Statuen – Der
Leserreise Neapel 66
76 Tempel der Millionen von Jahren des Amenophis III.
Museen in aller Welt 84 von Hourig Sourouzian, Abdel Hakim Karrar, Nairy Hampikian,
Miguel Angel Lopez Marcos, Christian Perzlmeier und Rainer
AW-Shop 88 Stadelmann
Bücherspiegel / Kleinanzeigen 90 Das Ziel der aktuellen Grabungen und Restaurierungs-
Ausstellungskalender 92 arbeiten war es, die einzigartigen Bildwerke wieder
Vorschau / Impressum 96 aufzurichten und dem Totentempel damit neues Leben
Gelügelte Worte 97 zu verleihen.

83 Kampf den Raubgräbern


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über
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Internationale Nachrichten

TÜRKEI
Bestattungen des frühen 5. Jts. v. Chr. in Smintheion (Gülpınar) entdeckt
aktuell

Foto: photo archive of Smintheion excavation.

Bestattung Nr. 1
und 2: Die beiden
Verstorbenen lie­
gen in Hockstel­
Bestattung Bestattung lung. Unterhalb
Nr. 1 Nr. 2 der Füße wurde
je eine Schale als
Grabbeigabe plat­
ziert (5000–4760
v. Chr.).

Bei archäologischen ausgrabungen ruht auf ihrer rechten Seite zwischen Es scheint, dass ein bestimmter
in der frühgeschichtlichen Überresten von Mauern aus Phase I. Bereich der Siedlung bis hin zur
Siedlung im Heiligtum des apollon Neben mehreren Steinobjekten nördlichen Mauer in verschiedenen
Smintheus (Smintheion) in der und Obsidianklingen stand bei Stadien der Phase IIB als Nekropole
troas (Nord-West-türkei) kamen beiden Bestattungen vor den Füßen genutzt wurde. In Bereichen, in
sieben Bestattungen zu tage. eine Schale (Dm. 20 cm) – Zeichen denen die Gebäude verlassen
alle Bestatteten datieren in die für das Leben nach dem Tod. Die waren, schien es eine Praxis zu sein,
Phase IIB der Siedlung (5000–4760 Bestattung Nr. 3 wurde in der Antike Verstorbene zu bestatten, besonders
v. Chr.) und wurden im Bereich gestört; jedoch lässt die Position in Phase IIB. Für die Phase IIA gibt
von (Gebäude-)Mauern der von vorhandenen Skelettteilen eine es bisher im Smintheion keine
vorangegangenen Phase IIa (5320– Hockbestattung auf der linken Seite Hinweise auf Bestattungen, obwohl
5000 v. Chr.) abgelegt. zu. Die gezielte Platzierung der noch einige menschlichen Knochen
Die Bestattungen Nr. 1, 2 und 3 vorhanden Grabbeigaben (Hälfte in den Überresten der Phase­IIA­
sind am besten erhalten und einer Schale, Teile einer Kanne) Gebäude gefunden wurden. Die
wurden mit den kompletten Grabbei­ auf der Brust lässt vermuten, dass neuen Erkenntnisse ergänzten das
gaben aufgedeckt. Der Verstorbene während der Bestattung die Inhalte Wissen über Bestattungssitten
aus Grab Nr. 1 wurde an den Wänden der verstorbenen Person angeboten dieser Zeit in der Troas. Analysen des
der Phase­IIA­Gebäude platziert wurden. Die übrigen vier Gräber Alters, Geschlechts und möglicher
und in Hockstellung auf die linke enthielten keine Beigaben und wurden Krankheiten stehen noch aus.
Seite positioniert; die Knie sind in Arealen, die rund um die Stadtmauer Prof. Dr. Turan Takaoğlu, Çanakkale
hochgezogen und die Hände ruhen lagen und die nördliche Abgrenzung Onsekizmart University
vor dem Körper. Die Bestattung Nr. 2 der Siedlung bildeten, aufgedeckt.

4 ANTIKE WELT 2/15 über


Foto: Volker Iserhardt.

aktuell
Abb. 1
Von Grabräubern
entwendete
Objekte aus der
Nähe von Laterza
in Apulien.

DEUTSCHLAND / ITALIEN

Römisch-Germanisches Zentralmuseum gibt Raubkunst zurück

Im Januar übergab das Römisch­Ger­ für das gemeinsame archäologische Dr. Michael Müller­Karpe, Archäo­
manische Zentralmuseum (RGZM) Erbe – sinnfällig zum Ausdruck. loge am RGZM, informierte im Zuge
einen 6000 Jahren alten Grabfund an Das RGZM stellt seine wissenschaft­ der Übergabe über die verheerenden
Vertreter der Italienischen Republik. lichen Expertisen zur Verfügung, um Auswirkungen des Handels mit Anti­
Die sieben Objekte – darunter ein kost­ den Kulturgüterschutz zu unterstützen ken zweifelhafter Herkunft und wies
bares Jadeit­Beil – wurden von und dabei zu helfen, den Handel auf die Verantwortung öfentlicher
Grabräubern in der Nähe von Laterza mit provenienzlosen Gegenständen Museen für den Kulturgüterschutz hin.
in Apulien entdeckt und gelangten zu unterbinden. Christina Nitzsche, Römisch­Germanisches
Zentralmuseum Mainz
1986 über den Antikenhandel in den
Besitz des RGZM (Abb. 1). Abb. 2 Übergabe des Jadeit­Beil an Generalkonsul Christiano Cottavi und Francesca Radina
Die Bedeutung des Grabfundes von der Soprintendenza per i Beni Archaeologici della Puglia.
resultiert v. a. aus dem spektakulären
Jadeit­Beil (Abb. 2), mit dem sich
der Grabinhaber als herausragende
Persönlichkeit seiner Zeit zu erkennen
gibt. Zeremonial­ und Ritualwafen
dieser Art charakterisieren eine Elite
im ausgehenden 5. Jt. v. Chr., die, wie
die Verbreitung dieser Beile zeigt,
Kontakte über weite Teile Europas,
von den Britischen Inseln über
Frankreich, Luxemburg, Deutschland
und Süditalien, plegten. Insofern
Foto: Sabine Steidl.

bringt dieser Grabkomplex auch die


weit zurückreichenden Wurzeln des
Europäischen Gedankens – und damit
einhergehend, unsere Verantwortung

über 2/15 ANTIKE WELT 5


Foto: FAlberto Marretta / Parco Archeologico Comunale
Internationale Nachrichten
Foto: FH St. Pölten / Markus Seidl.

di Seradina Bedolina.
aktuell

Abb. 1 Pitoti­Figuren. Abb. 2 Eine Archäologin bei der Arbeit


mit Folien.

ITALIEN / ÖSTERREICH

alte Disziplin mit neuen Mitteln. archäologInnen untersuchen


prähistorische Steiniguren mit dem 3D-Scanner

Jäger, Kämpfer, Häuser, Tiere, Schriften Hand auf Plastikfolien malen (Abb. 2). Learning­Verfahren entwickelt und
in etruskischem Alphabet und Da sich die Folien mit der Temperatur getestet,
abstrakte Symbole: Mehr als 50 000 in verändern, verzerrt das nachträglich mit denen wir jede neue 3D­Auf­
Stein gemeißelte Bilder überziehen die Zeichnungen. Die neue Technik zeichnung eines Petroglyphen analy­
die grauen Felsen des Tales Valcamo­ liefert zudem weitere sieren und klassiizieren können»,
nica in der Lombardei, sog. Pitoti, Details. Wir könnten so Antworten auf sagt Markus Seidl, stellvertretender
was im lokalen Dialekt «kleine Puppen» Fragen inden, wo wir mit den alten Leiter des Instituts für Creative\Media/
bedeutet (Abb. 1). In der Zeit zwischen Methoden an die Grenzen gestoßen Technologies (IC\M/T) und Projektleiter
4000 v. Chr. und dem Mittelalter haben sind», sagt Alberto Marretta, Archäo­ für «3D Pitoti» an der Fachhochschule
Menschen diese Petroglyphen in den loge und Direktor am Parco Archeo­ St. Pölten in Niederösterreich.
Stein geschlagen. Die Gravuren zählen logico Comunale di Seradina­Bedolina Aus der Information wollen die
zum UNESCO­Weltkulturerbe und in Capo di Ponte im Valcamonica­Tal. ForscherInnen Rückschlüsse auf die
zeigen etwa Europas erste Landkarte. Im Rahmen des Projekts untersuchen Produktion der Bilder schließen –
Das EU­Projekt 3D­Pitoti erfasst den ForscherInnen aus Deutschland, etwa ob das Werkzeug aus Metall
Stand der Gravuren mit 3D­Kameras, Italien, Großbritannien und Österreich oder Stein war. Über die Struktur der
Drohnen und neuen Analysemethoden. erstmals die Dreidimensionalität der Schläge könnten sich bestimmte Stile
«Bisher mussten wir die Figuren per Bilder (Abb. 3). «Wir haben Machine­ klassiizieren und eventuell einzelne
KünstlerInnen identiizieren lassen.
Mark Hammer,
Fachhochschule St. Pölten
Karte: FH St. Pölten.

Projekt 3D-Pitoti
Das Projekt «3D Pitoti – 3D acquisi­
tion, processing and presentation
of prehistoric European rock­art»
wird von der Europäischen Union im
Rahmen des 7. Programm inanziert.
Projektpartner sind die Universität
Nottingham (Leitung), die Universität
Cambridge, die Bauhaus Universität
Weimar, die Technische Universität
Graz, die ARCTRON 3D GMBH sowie
ASSOCIAZIONE CENTRO CA­
MUNO DI STUDI PREISTORICI ED
ETNOLOGICI.
Abb. 3
Screenshot­ www.fhstp.ac.at
Analyse der http://3d­pitoti.eu
Pitoti­Figuren.

6 ANTIKE WELT 2/15 über


www.a tike-replike .de/shop
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Telefo 4 / 4 4 Internationale Nachrichten
a tike Na h ildu ge

ITALIEN

agrigent oder: Multi-


kulturalität vor zwei- Ausgrabung unter Mandelbäumen: Das Augsburger Team und die Kooperationspartner bei
einhalbtausend Jahren der Arbeit (Grabung und Vermessung).

aktuell
Augsburger Archäologen begeben sich Bevölkerung andererseits scheint sagtem Hügel freigelegt werden:
auf die Spuren der Koexistenz unter­ über mehrere Generationen hinweg Unter einer Einsturzschicht, die nach
schiedlicher Bevölkerungsgruppen im gut funktioniert zu haben. Erst im ersten Vermutungen dem Über­
antiken Akragas. Das heutige Laufe der Zeit kam es vermehrt zu fall der Karthager zuzurechnen ist,
Agrigent ist als Weltkulturerbestätte kriegerischen Aus­einandersetzungen, fanden sich außerordentlich gut
für alle Sizilienreisenden ein Muss. zunächst ausgelöst durch den von erhaltene Spuren von bisher rund
An der Südküste der Insel gelegen, war den griechischen Städtern erhobenen 40 Opferhandlungen, die während
das Gebiet des antiken Akragas in Führungsanspruch, der 406 v. Chr. der Ausgrabung nachvollzogen
der Jungsteinzeit bereits erste Anlauf­ von den Karthagern durch eine wurden und darauf hindeuten, dass
stelle für Siedler und Händler aus militärische Besetzung von Akragas hier Speise­ und Trankopfer dar­
Afrika auf ihrem Weg nach Europa. beantwortet wurde. gereicht wurden.
Ca. 580 v. Chr. gründeten griechische Die Augsburger Wissenschaftler Prof. Dr. Natascha Sojc, Universität
Augsburg
Siedler dort einen Stadtstaat und haben es sich zum Ziel gesetzt
stellten somit die institutionalisierte zu erforschen, wie sich hier zunächst
Form ihres Zusammenlebens der die Produktion lokaler Gebrauchs­ Fingerspitzengefühl, Erfahrung und Ge­
wohl nur losen Organisation der anderen gegenstände mit eigner Prägung ent­ duld sind erforderlich.
Bevölkerungsgruppen der Region wickelte und allmählich zugunsten
gegenüber. Diese multikulturelle Ko­ einer hellenisierten Kultur aufgegeben
existenz von Siedlern unterschiedlicher wurde.
Herkunft einerseits und der lokalen Im Zuge einer ersten Grabung
haben die Archäologen festgestellt,
dass sich auf einem unmittelbar
Blick vom Heiligtumshügel, auf die an das antike Akragas angrenzenden
Ruinen des antiken Akragas und die Stadt Hügelrücken in der frühen Phase
Agrigent. Augsburger Studierende bei friedlicher multikultureller Koexistenz
der Arbeit mit einem Diferential GPS
(Sammlung von Punkten für ein digitales ein Heiligtum befand.
Geländemodell). Im September 2014 konnten Über­
reste eines Sakralgebäudes auf be­

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über 2/15 ANTIKE WELT 7


Frauen in Mesopotamien
Lebenswelten sumerischer Stadtfürstinnen
TITELTHEMA

In Mesopotamien war die gesellschaftliche Stellung der Frauen des Herr­


scherhauses und anderer begüteter Frauen hoch. Wie wurden diese
Frauen erzogen? Wie gestalteten sie ihr Leben? Welchen gesellschaftlichen
Einluss übten sie aus? Und welche Aufgaben übernahmen sie im Kult?
Abb. 1
Rekonstruktion des Kopf­
schmuckes der Stadtfürstin
Pû­abī. Royal Cemetery
von Helga Vogel schmückt. Prunkvolle Gruft mit Juwelen und
in Ur. Schachtgrab­
anlage RT.800 / Grab­ goldenen Gefäßen».
m 4. Januar 1928 telegraphierte der bri- Shubad – der Name wird heute Pû-abī
A
kammer. Edelmetalle und
farbige Halbedelsteine tische Archäologe Leonhard Woolley gelesen – lag auf einer Bahre auf ihrem Rü-
mussten importiert werden.
Lapislazuli kam beispiels­ aus Basra (Irak) an die University of Penn- cken. Ihre Haare schmückte ein 12 m lan-
weise aus Badahschan sylvania (USA): «Ich habe die intakte Gruft ges und 2 cm breites goldenes Haarband,
im heutigen Afghanistan. der Königin Shubad gefunden, errichtet aus das mehrfach um ihren Kopf gewunden war
University of Pennsylvania
Steinen und mit einem Ziegelgewölbe; [sie (Abb. 1). Darüber waren vier reich verzierte
Museum of Archaeology
and Anthropology, Phila­ ist] mit einem Gewand in das Edelsteine, Haarkränze drapiert. Einer der Haarkränze
delphia. Blütenkronen und Tiere eingewebt sind, ge- war besonders kunstvoll gestaltet: Zwischen
den zu Bündeln zusammengefassten golde-
nen Weidenblättern sitzen kleine goldene
Rosetten, deren einzelne Blätter farbig gestal-
tet sind. Hinzu kamen ein fast 40 cm großer
goldener Schmuckkamm mit sieben Blüten,
goldene Haarringe und große Goldohrringe
in Mondsichelform. Den Hals zierte ein
kostbares Perlenhalsband, der gesamte Ober-
körper war bedeckt von wertvollen Perlen in
den unterschiedlichsten Formen und Farben.
Ein breiter Perlengürtel schmückte die Taille.
Große goldene Kleidernadeln, Amulette und
drei Siegel aus Lapislazuli, eines mit der Na-
mensinschrift und dem sumerischen Titel
NIN «Herrin», vervollständigten ihre präch-
tige Ausstattung (Abb. 2). Neben ihrer Bahre
traf Woolley auf die menschlichen Überreste
von zwei Begleitbestattungen.

«Große Frauen» in Sumer?


Aufgrund der Tatsache, dass im Schacht vor
dem Grab und auf dem Boden einer Rampe
die Reste der Leichen weiterer Begleitbestat-
tungen und weitere kostbare Gegenstände
angetroffen wurden, setzten unmittelbar nach
Bekanntwerden des Fundes Spekulationen
über die Identität der Bestatteten ein. Zwar
hatte Woolley in seinem Telegramm von
Pû-abī als «Königin» gesprochen, andere

8 ANTIKE WELT 2/15 über


Frauen in Mesopotamien – Lebenswelten sumerischer Stadtfürstinnen

TITELTHEMA
Zeitgenossen konnten sich jedoch nur schwer sern ist in der späteren frühdynastischen Zeit Abb. 2
vorstellen, dass in dieser Zeit und Gegend belegt (ab ca. 2500 v. Chr.). Allerdings sind Eines der drei Siegel der
Stadtfürstin Pû­abī mit
Frauen einen solch hohen Rang eingenom- auch Fälle bekannt, in denen der Mann in
Namensinschrift. Im oberen
men hatten. Den allgemeinen Erwartungs- die herrschende Familie einheiratete. Kinder Bildstreifen wurde links
horizont bestimmte nach wie vor das von begannen in Mesopotamien im Alter von fünf die Stadtfürstin, rechts der
Babylon gezeichnete Bild in der Bibel (Sün- oder sechs Jahren zu arbeiten. Auch die Kin- Stadtfürst dargestellt.
Vor der Stadtfürstin steht
denpfuhl) und Herodots Schilderungen der der aus Herrscher- oder Elitefamilien wurden eine Mundschenkin,
seltsamen Bräuche vor Ort (Prostitution, Ver- nun an ihre späteren Aufgaben herangeführt. hinter ihrem Sitz eine andere
kauf der Bräute). Hinzu kam der Einluss der Beispielsweise unternahmen sie mit ihren Bedienstete. Royal Ceme­
tery in Ur. Schachtgrab­
populären europäischen Orientmalerei mit Eltern ofizielle Reisen, wobei auch für die
anlage RT.800 / Grabkammer.
dem beliebten Sujet der «Orientalin im Harem Herrscherkinder Thronsessel und Fußsche- Lapislazuli. H. 4,9 cm.
oder im Bad» und die bekannten literarischen mel mitgeführt wurden. Im frühdynastischen D. 2,5 cm. U.10939. Trustees
Ausgestaltungen des Themas, etwa in den Friedhof in Ur grub Woolley auch das reich of The British Museum,
London BM 121544.
«Geschichten aus Tausend und einer Nacht». ausgestattete Grab eines Mädchens aus, des-
Man war sich gemeinhin sicher, dass «die sen Schmuck exakt dem Schmuck hochran-
Orientalin» in der Geschichte des «alten giger Frauen entsprach. Das Mädchen trug
Orients» keine bedeutende Rolle gespielt hatte. auch ein Siegel aus Lapislazuli bei sich, also
So veriel man auf den Gedanken, dass Pû-abī einen Gegenstand ofiziellen Charakters, ver-
und die anderen Frauen, deren reiche Gräber wendet zum Beglaubigen von Dokumenten
von Woolley im frühdynastischen Friedhof in oder zum Versiegeln von Behältnissen. Über
Ur (ca. 2600–2500 v. Chr.) ausgegraben wur- das genaue Heiratsalter sind wir nicht in-
den, als Bräute des Stadtgottes von Ur, viel- formiert. Dokumente aus dem 1. Jt. v. Chr.
leicht anlässlich einer «Heiligen Hochzeit», lassen jedoch erkennen, dass Mädchen und
bestattet wurden. Dies wissen wir heute besser, junge Frauen zwischen dem 14. und 20. Le-
denn inzwischen belegen zahlreiche archäolo- bensjahr heirateten, oft deutlich ältere Män-
gische Funde die bedeutende gesellschaftliche ner. Die Heiraten wurden von den Eltern ar-
Rolle, die die Stadtfürstinnen in den sumeri- rangiert – Statuetten von Eheleuten, die eng
schen Stadtfürstentümern spielten. umschlungen nebeneinander sitzen, bezeu-
gen im Einzelfall die enge Bindung zwischen
Mädchenerziehung und Ehe den Ehegatten (Abb. 3). Solche Statuetten
Bislang ist unbekannt, wie eine Frau in den standen im 3. vorchristlichen Jahrtausend im
Rang einer Stadtfürstin gelangte. In der Re- Tempel und vertraten die dargestellte Person
gel wohl durch Heirat, denn eine patrilineare zu deren Lebzeiten mit ihren Gebeten vor der
Erbfolge bei den sumerischen Herrscherhäu- Gottheit.

über 2/15 ANTIKE WELT 9


Frauen in Mesopotamien – Lebenswelten sumerischer Stadtfürstinnen

Bildnisse und Stiftungen frau des letzten Herrschers des südmesopo-


Diese «Beteriguren» liefern uns heute neben tamischen Stadtstaates Lagaš, ihre Statue aus
anderen Bildgattungen wie etwa den «Weih- geläutertem Silber und wahrscheinlich Halb-
platten», wichtige Informationen über das edelsteinen wie Lapislazuli hat herstellen las-
Aussehen der damaligen Menschen und über sen und diese mit Opfern versorgt im Tempel
ihr Verhältnis zueinander. Dabei ist davon der Göttin Baba in Girsu aufgestellt hat. Im
TITELTHEMA

auszugehen, dass in den Bildwerken grund- selben Tempel stand schon eine Statuette ih-
sätzlich die bestmögliche Erscheinungsweise rer Vorgängerin Baranamtara. Wir wissen au-
und den gesellschaftlichen Vorstellungen ideal ßerdem, dass eine Statuette des Stadtfürsten
entsprechende Verhaltensweisen dargestellt Entemena und eine Statuette seiner Ehefrau
wurden. Zwar inden wir nirgendwo Frauen- Ninhilisu das Herrscherpaar in einem ande-
˘
darstellungen, die den Schmuck zeigen, den ren Tempel vor der Gottheit vertrat. In der
wir aus den Gräbern des frühdynastischen Opferliste für die beiden zuletzt genannten
Abb. 3 Friedhofes in Ur kennen, sofort ins Auge fal- Statuetten wird die Statuette der Stadtfürstin
Auf einer Bank sitzendes
len aber die aufwändigen und mit Haarband übrigens vor der des Stadtfürsten genannt.
Paar. Die Frau trägt das ge­
wickelte Schultergewand, geschmückten Flechtfrisuren der begüterten Der abgebildete «Goldbart» (Abb. 5), den
ihr Ehegatte ein gewickel­ Frauen (Abb. 4). Wahrscheinlich drückte die die Stadtfürstin Bara’irnum von Umma für
tes Hüfttuch. Die fehlenden Opulenz der Frisur, neben der Qualität und das Kultbild ihres Stadtgottes Shara, dessen
Köpfchen hat man separat
gearbeitet; dies deuten der Farbe des Wickelgewandes, den sozia- Thron sie hatte errichten lassen, stiftete, steht
Bohrlöcher im Rumpf an. len Status der Dargestellten aus. Leider lässt hier beispielhaft für weitere wertvolle Weihga-
Mari, Ištar­Tempel. sich keine der bekannten Statuetten aus Stein ben von Stadtfürstinnen an Tempel.
Alabaster. H. 12,8 cm. FD III
sicher als ein Bildnis einer Stadtfürstin er-
(ca. 2550–2250 v. Chr.).
National Museum Aleppo, weisen. Dies mag kein Zufall sein, denn wir Repräsentative und diplomatische
Syrien 10104. wissen, dass die Stadtfürstin Šaša, die Ehe- Aufgaben
Auch in den «Bankettszenen», die in früh-
dynastischer Zeit oft in Weihplatten oder in
Siegeldekoren dargestellt wurden, erscheint
die Stadtfürstin als dem Stadtfürsten gleich-
rangig (Abb. 6). Es gibt aber auch Beispiele,
die Bankette nur unter Männern respektive
nur unter Frauen vorstellen. Die Stadtfürstin
konnte demnach wie der Stadtfürst repräsen-
tative Zeremonien alleine abhalten, und diese
Ereignisse galten auch als darstellungswert.
Wir wissen, dass zumindest die Stadtfürstin-
nen von Lagaš diplomatische Beziehungen zu
anderen Stadtfürstinnen unterhielten. Dies
geht aus Dokumenten hervor, die den Aus-
tausch wertvoller Produkte wie Kupfer, Zinn,
Gegenstände aus seltenen Hölzern, Gewän-
der und Früchte einer besonderen Dattelsorte
zwischen ihnen und den Stadtfürstinnen von
Adab oder Dilmun verzeichnen.

Der «Haushalt der Frau»


Am überraschendsten ist jedoch, dass zu-
mindest die drei letzten Stadtfürstinnen von
Lagaš einen vom Haushalt des Stadtfürsten
getrennten eigenen Haushalt unterhielten,
zu dem auch Ländereien und eigene Manu-
fakturen gehörten. Die Archive des «Haus-

10 ANTIKE WELT 2/15 über


Frauen in Mesopotamien – Lebenswelten sumerischer Stadtfürstinnen

halts der Frau» (É.MÍ) stellen überhaupt


unsere wichtigste Informationsquelle über die
Organisation der frühdynastischen Stadtfürs-
tentümer dar. Zum Personalbestand zählten
Männer und Frauen, beispielsweise Ammen,
Hebammen, Musikerinnen, Sänger, Schrei-

TITELTHEMA
ber, Mundschenke, Friseusen, Lederwerker,
Zimmermänner, Schmiede, Steinschneider,
Heißwasserbereiter, Köche, Bäcker, Weber-
innen, Spinnerinnen, Mahlmägde und Ziegen-
mägde, daneben aber auch größere Kontin-
gente abhängiger Arbeiter und Arbeiterinnen
sowie gekaufte Männer und Frauen und
zur Zwangsarbeit verplichtete Kriegsgefan-
gene.
Abb. 4
Handlungsspielräume Stehende weibliche
Statuette mit unter der
Zu den Aufgaben einer frühdynastischen Stadt-
Brust ineinander gelegten
fürstin gehörte es demnach, Entscheidungen Händen in Seitenansicht.
für den eigenen Haushalt zu treffen, reprä- Flechtfrisur mit Bändern
sentative Aufgaben im Palast wahrzuneh- geschmückt. Nippur,
Inanna­Tempel. Kalkstein.
men und eigene diplomatische Beziehungen Eingelegte Augen aus
zu anderen Stadtfürstinnen zu unterhalten. Muschel und Lapislazuli.
Wir sind außerdem darüber informiert, dass H. 24,9 cm. FD III (ca.
2550–2250 v. Chr.). The Me­
die Stadtfürstinnen für bestimmte kultische
tropolitan Museum of Art,
Feierlichkeiten Nahrungsmittel oder andere New York. Rogers Fund,
Dinge zur Verfügung stellten, mit denen 1962 62.70.2.
wichtige Amtsträger und deren Ehefrauen be-
schenkt wurden. Darüber hinaus unternahm
die Stadtfürstin an bestimmten religiösen Fei- einer Stele und auf Weihplatten seine Fami-
ertagen Prozessionsfahrten zu unterschiedli- lie darstellen lassen. Das Bild seiner Ehefrau
chen Kultorten des Stadtstaates und brachte Menbara’abzu in einer sehr schlecht erhal-
dort Opfer dar. Diese kultischen Handlungen tenen Stele ist die früheste bekannte Dar-
gliederten die unterschiedlichen Tempel- stellung einer Stadtfürstin. Bei ihr sitzt ihre
haushalte in den Stadtstaat ein, so wie auch Tochter Ninusu. Wahrscheinlich erinnert
das Beschenken wichtiger Amtsträger und die Stele an die Errichtung einer Kultstätte
deren Frauen Verbundenheit zwischen dem für die Göttin Inanna in Lagaš. Verstreuten
Herrscherhaus und der Elite des Stadtstaa- Hinweisen ist zu entnehmen, dass manche
tes stiftete. Soweit unsere Quellen reichen, Stadtfürsten ihre Frauen und Kinder mit
übten Stadtfürstinnen aber keine gesetzge- wertvollen Geschenken bedachten. Manche
bende Funktion aus. Frauen waren in Meso- der erwähnten Beteriguren waren mit einem
potamien auch nicht an Kriegen beteiligt. Im Gebet beschriftet; in einigen Fällen wün-
Falle eines Krieges wurde jedoch auch Per- schen sich besonders die Väter den Segen
sonal der Stadtfürstin für den Kriegsdienst der Gottheit für ihre Töchter. Der Charakter
verplichtet. unserer Quellen – Hausgrundrisse, Nutzge-
genstände und Schmuck, Königsinschriften
Privatleben und Verwaltungsurkunden – leitet uns oft an,
Über das Zusammenleben des Stadtfürsten- die damaligen Menschen rein funktional als
paares oder über die Gestaltung des Fami- «Rollenträger» zu beschreiben. Hinweise auf
lienlebens wissen wir kaum etwas. Als ein- emotionale Äußerungsformen sind deswegen
ziger Herrscher hat Urnanše von Lagaš in besonders wertvoll.

über 2/15 ANTIKE WELT 11


Frauen in Mesopotamien – Lebenswelten sumerischer Stadtfürstinnen

Bestattung und Totenkult der Geburt gehörender Anteil – sumerisch


Die Gräber der Stadtfürstinnen von Lagaš GIDIM – nach dem Tod einer Person in das
kennen wir nicht. Wir wissen aber, dass beim Totenland einging; hierfür mussten von den
Tod der Stadtfürstin Baranamtara über meh- Hinterbliebenen allerdings bestimmte Ritu-
rere Tage aufwendige Trauerfeiern veranstal- ale durchgeführt werden. GIDIM bewahrte
tet wurden, an denen mehrere hundert Kla- das Geschlecht und den sozialen Status der
TITELTHEMA

gesänger sowie Klagefrauen beteiligt waren. verstorbenen Person und blieb auf Nahrungs-
Es ist so gut wie sicher, dass man auch die to- und Trankopfer seiner Angehörigen angewie-
ten Stadtfürstinnen von Lagaš mit wertvollen sen. Eine wichtige Aufgabe der Stadtfürstin-
Gewändern und kostbarem Schmuck schön nen war es deswegen, für den Totenkult der
herrichtete und sie mit Dingen bestattete, die verstorbenen Stadtfürstinnen und den ande-
ihrem Status entsprachen. Die Vorstellung der rer Familienangehöriger Sorge zu tragen. Aus
Zeit war, dass ein zum Menschen schon seit den Opferlisten lässt sich entnehmen, dass

Abb. 5
Goldbart mit Weihinschrift.
Die Durchbohrungen dien­
ten für die Befestigung an
der Kultstatue. H. 10,5 cm.
B. 8,5 cm. Mit sumerischer
Inschrift. FD III (ca. 2550–
2250 v. Chr.). Musée du
Louvre, Département des
Antiquités Orientales, Paris
AO 19225, AO 25027b,c.

12 ANTIKE WELT 2/15 über


Frauen in Mesopotamien – Lebenswelten sumerischer Stadtfürstinnen

keine geschlechtsspeziischen Unterschiede


bei der Zuteilung der Opfermenge gemacht
wurden, wohl aber statusbedingte. Die no-
tierten Nahrungsmittel wie Brot, Mehl, Öl,
Datteln, Feigen, Äpfel, Schaf, Fisch und
Gemüse sowie Bier und Wein, die in unter-

TITELTHEMA
schiedlichen Mengen den von der Stadtfürs-
tin versorgten Toten gespendet wurden, ge-
hörten, bis auf Brot, Mehl und Bier einfacher
Qualität, im 3. vorchristlichen Jahrtausend
ausschließlich zum Speisezettel der Elite.

Gesellschaftliche Stellung und


Bedeutung
Wir haben gesehen, dass die Macht der Stadt-
fürstinnen nicht darin gründete, andere Per-
sonen im engeren Sinn zu regieren oder zu
unterwerfen. Vielmehr hielten sie mit Hilfe
von Geschenken, Stiftungen und regelmäßi-
gen kultischen Handlungen die Bindungen
zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen
Abb. 6 Weihplatte mit Darstellung in drei Streifen. Oben links die Stadtfürstin im
Gruppen im Stadtstaat und zu befreundeten Wickelgewand und mit langen ofenen Haaren, ein Hoheitszeichen in der rechten
anderen Dynastien aufrecht. Nicht zuletzt Hand haltend. Ihre Füße ruhen auf einem Schemel. Sie empfängt zusammen
versorgten sie die Toten und die Gottheiten mit dem Stadtfürsten Männer, die Wein, eine Ziege und andere Güter herbeitragen.
Im unteren Streifen spielt ein Mann eine Harfe. Der vor ihm stehende Mann singt
und wirkten dadurch in der damaligen Per-
oder tanzt. Khafajah, Sin­Tempel. Kalkstein. H. 20 cm. B. 20 cm. FD III (ca. 2550–2250
spektive an der Stabilität und Andauer der von v. Chr.). The Oriental Institute of the University of Chicago A 12417.
den Gottheiten gestifteten gesellschaftlichen
Ordnung mit. Eigenständigkeit und gesell-
schaftliche Verbundenheit beschreiben das
Adresse der Autorin und Sh. Dillon (Hrsg.), Women in the
Leben der sumerischen Stadtfürstinnen wohl ancient World (2012) 11–24.
Dr. Helga Vogel
am besten. Dies gilt in unterschiedlichem FU­Berlin
Institut für Vorderasiatische H. VOGEL, Frauen­ und Gender­
Umfang so auch für andere der sozialen Elite Archäologie forschung in der Altorientalistik und
angehörende Frauen sowie für im Palast oder Hüttenweg 7 Vorderasiatischen Archäologie, in:
D­14195 Berlin H. J. Nissen, Geschichte Alt­Vorderasi­
Tempel beschäftigte Frauen, die in diesem ens (2012) 208–211 mit Bibliographie.
Rahmen auch wichtige Leitungsfunktionen Bildnachweis
DIES., Mädchen in altorientalischen
ausüben konnten oder qualiizierten Berufen Abb. 1: Courtesy of Penn Museum, Quellen, in: S. Moraw / A. Kieburg
image # 152100; 2: bpk / The Trustees
nachgingen. Frauen dieser gesellschaftlichen of the British Museum; 3: National
(Hrsg.), Mädchen im Altertum / Girls in
Antiquity (2014) 79–90.
Schichten waren im vollen Umfang geschäfts- Museum, Aleppo, Syria 10104; 4: bpk /
The Metropolitan Museum of Art;
und rechtsfähig. Ihnen stehen die Frauen der 5: bpk / RMN – Grand Palais / Christian
Larrieu; 6: Courtesy of the Oriental Weitere Informationen:
unteren Gesellschaftsschichten gegenüber, die Institute of the University of Chicago.
zwangsverplichteten Arbeiterinnen und die Zur Erforschung der frühdynastischen
Zeit hat Gebhard Selz (Wien) entschei­
gekauften Frauen (und deren Kinder), die Literatur dende Beiträge geliefert. Dasselbe gilt
eine ähnliche ökonomische Vorteilsposition J. M. ASHER­GREVE, Women and für die Erforschung der Kindheit in
Agency: A Survey from Late Uruk to den alt­vorderasiatischen Gesellschaf­
und eine vergleichbare gesellschaftliche Stel- the end of Ur III, in: H. Crawford (Hrsg.), ten für Konrad Volk (Tübingen). Ein
The Sumerian World (2013) 359–377. Verzeichnis ihrer Publikationen indet
lung nicht erlangten. sich auf den jeweiligen Websites der
Die Geschichte der Frauen der alt-vorder- H. CRAWFORD, An exploration of the Institute. Seine Grabungen im Royal
world of women in third­millennium Cemetery hat Leonhard Woolley 1934
asiatischen Kulturen wurde lange Zeit aus Mesopotamia, in: M. W. Chavalas in zwei Bänden publiziert. Die Website
verschiedenen Gründen übersehen. Es ist dies (Hrsg.), Women in the ancient Near des University of Pennsylvania Mu­
East. A Sourcebook (2014) 10–27. seum of Archaeology & Anthropology
in erster Linie eine Geschichte des alltägli- (PENN Museum) bietet eine vorzüg­
A. R. GANSELL, Women in Ancient liche Einführung in die Ausgrabungen
chen und zivilen Lebens, die es gerade heute Mesopotamia, in: Sh. L. James Woolleys in Ur.
zu entdecken und zu schätzen lernen gilt.

über 2/15 ANTIKE WELT 13


Abb. 1
Die Scheibe der Enhe-
duanna aus Ur (Iraq), ca.
2350–2300 v. Chr. (University
of Pennsylvania Museum of
Archaeology and Anthropo-
logy, Inv.-Nr. B16665).
TITELTHEMA

14 ANTIKE WELT 2/15 über


Gelehrte Frauen im frühen
Mesopotamien
Schrift- und Gelehrtentum als weibliche Domäne

TITELTHEMA
Im frühen Mesopotamien werden das Schrifttum und die Rechenkunst überwiegend mit Frauen
und Göttinnen assoziiert. Und das, obwohl es nur wenige Belege für Frauen, die zu Gelehrten
ausgebildet wurden, gibt. Die wenigen Zeugnisse, die uns heute vorliegen, zeigen jedoch, dass
v. a. Priesterinnen ins Gelehrtentum aufstiegen. So ist es auch eine Hohepriesterin, der die erste
Erwähnung eines Autors in der Weltgeschichte überhaupt zugeschrieben wird.

von Nicole Brisch Literatur weiterentwickelt, aber auch die ers­


ten wissenschaftlichen Werke konnten ent­

M oderne Vorstellungen des Gelehrten­


tums lassen sich aufgrund der großen
geographischen und zeitlichen Distanz nicht
stehen. Die Schöne Literatur bestand u. a. aus
mythologischen und heroischen Erzählungen,
Hymnen, Gebeten, literarischen Briefen und
unkritisch auf die Zivilisation des alten Me­ Beschwörungsliteratur. Zur wissenschaftlichen
sopotamiens übertragen. So wurde die Schrift Literatur im weitesten Sinne zählten lexika­
in Mesopotamien zuerst zu Verwaltungszwe­ lische Listen, mathematische Texte, aber auch
cken erfunden, d. h. v. a. für die staatliche die sog. Omenliteratur, in der systematische
Buchführung. Dennoch wurden von Anfang Beobachtungen von Zeichen aller Art und
an neben Abrechnungen und Kontoführung deren Interpretation für sowohl vergangene
auch sog. lexikalische Listen erstellt. Diese als auch zukünftige Ereignisse festgehalten
dienten wohl hauptsächlich dem Zweck des wurden. Dazu gehörten beispielsweise auch
Unterrichts von Schreiberschülern, entwi­ medizinische und magische Texte.
ckelten sich jedoch später in die sog. Listen­ Das Fachgebiet von Gelehrten waren so­
wissenschaft, eine systematische Aulistung wohl literarische und mythologische als auch
von Begriffen aller Art. wissenschaftliche Texte. Jedoch lassen sich
Gelehrte in den früheren Phasen mesopota­
Die Formierung des Gelehrtentums mischer Geschichte nicht immer einfach von
Die ersten literarischen Texte wurden ca. Schreibern, denen v. a. Verwaltungskorrespon­
2600 v. Chr. niedergeschrieben; auch ent­ denz und Buchhaltung oblag, unterscheiden.
deckten Könige das Medium Schrift und Denn die meisten Textgattungen, die dem
inskribierten ihre Namen auf Gebäuden, die Gelehrtentum zugeordnet werden können,
in ihrem Namen erbaut wurden, wie z. B. auf waren auch Teil der höheren Schulausbil­
Tempeln, Palästen und Stadtmauern. An­ dung. So lässt sich also eine größere Anzahl
dere Votivobjekte wie Statuen oder Vasen aus von Gelehrten erst im 1. Jt. v. Chr. verfolgen;
kostbaren Materialien wurden ebenfalls mit bei diesen handelt es sich wohl allermeist um
Inschriften versehen. Männer.
Die Sprache der ersten literarischen Texte
war das Sumerische, eine Sprache, die keiner Göttliches Schrifttum
anderen Sprachfamilie zugeordnet werden Im frühen Mesopotamien war die Gottheit
kann. Im Laufe des 2. Jts. v. Chr. wurde die der Schrift­ und Rechenkunst weiblich. Die
Schrift dann an das Akkadische adaptiert, Göttin Nidaba / Nissaba war eine der ältes­
die älteste semitische Sprache. Im Laufe der ten Gottheiten im mesopotamischen Pan­
Zeit entwickelten sich immer kompliziertere theon. Sie war nicht nur für das Schreiben
Textgattungen; dadurch wurde die Schöne und Rechnen zuständig, sondern auch für

über 2/15 ANTIKE WELT 15


Gelehrte Frauen im frühen Mesopotamien – Schrift- und Gelehrtentum als weibliche Domäne

Getreide; dies relektiert die bereits erwähn­ tenen Stufen der Schreiberausbildung teilnah­
ten Umstände, unter denen die Schrift erfun­ men. So ist aus der Stadt Sippar eine Gruppe
den wurde, nämlich zu Verwaltungszwecken. von Priesterinnen bekannt, die ebenfalls als
In sumerischen literarischen Texten des frü­ Schreiberinnen ausgebildet wurden und alle
hen 2. Jts. v. Chr. wurden Göttinnen weitaus Ausbildungsstufen durchliefen.
häuiger mit Schrift und Rechnen in Verbin­ Die Priesterinnen, naditum genannt, wa­
TITELTHEMA

dung gebracht als Könige oder männliche ren dem Sonnengott Schamasch geweiht. Oft
Gottheiten. Die meisten Erwähnungen ielen stammten sie aus hochgestellten Familien,
der Göttin Nidaba zu, aber auch die Göttin­ in seltenen Fällen sogar aus der königlichen
nen Inanna und Ninlil wurden zeitweilig als Familie. Obwohl sie nicht heiraten oder eine
schreibkundig beschrieben. Im frühen 2. Jt. Familie gründen durften, konnten sie doch
v. Chr. wurden literarische Kompositionen Kinder adoptieren, Grundeigentum besitzen
in der sumerischen Sprache oft mit den Wor­ und aktiv am wirtschaftlichen Leben teilneh­
ten «Preis der Nidaba» beendet, einer kur­ men. Bislang gibt es keine Hinweise darauf,
zen Huldigung an die Göttin der Schrift. Im dass diese Priesterinnen eine höhere Aus­
Laufe der Zeit verlor Nidaba jedoch stetig an bildung genossen hatten. Es lässt sich doch
Bedeutung und wurde schließlich von dem zeigen, dass sie zumindest eine grundlegende
männlichen Schreibergott Nabû verdrängt. Kenntnis der Schrift hatten, die ihnen zu­
mindest das Lesen und Verstehen der Buch­
Priesterinnen als Gelehrte? führung und von Rechtsdokumenten wie
Die mythologischen und literarischen Werke z. B. Verträgen ermöglichte.
spiegelten nicht unbedingt die damalige Re­
alität wider: Die allermeisten Schreiber und Enheduanna, die erste Autorin der
Gelehrten waren nämlich männlich. So war Weltgeschichte?
es eher die Ausnahme, dass auch Frauen das Die bekannteste Priesterin des frühen Meso­
Schreiben und Rechnen erlernten. Es gibt potamiens ist Enheduanna, die eine Tochter
Beispiele von Schreiberinnen am königli­ des Königs Sargon von Akkad war, der um
chen Hof des Stadtstaates Mari in Nordwest­ etwa 2350 v. Chr. regierte (Abb. 1). Sie wurde
Syrien, aber auch aus anderen Städten wie zur Hohepriesterin des Mondgottes der Stadt
z. B. Sippar sind weibliche Schreiber be­ Ur, der biblischen Heimat Abrahams, er­
kannt. In einigen Fällen zeigen die Belege, nannt. Man hat sich ihrer noch 500 Jahre nach
dass Schreiberinnen die gleiche Ausbildung ihrem Tod erinnert. Sie wird oft als die erste
wie ihre männlichen Kollegen durchliefen. Autorin der Weltgeschichte bezeichnet, auch
Die Schreiberausbildung fand vermutlich wenn dies als umstritten gilt. Mehrere litera­
in kleinen Schulen statt, in denen Väter ihre rische Kompositionen wurden Enheduanna
Söhne und in seltenen Fällen auch Töchter als Autorin bzw. Kompilatorin zugeschrie­
unterrichteten. In den derzeit bekannten Fäl­ ben, u. a. eine Hymne an die Göttin Inanna
len scheint die Ausbildung v. a. in Priester­ und die sog. Sammlung der Tempelhymnen.
familien stattgefunden zu haben. Dabei han­ Verschiedene Anachronismen, insbesondere
delt es sich bei den meisten Frauen ebenfalls in der Sammlung der Tempelhymnen, haben
um Priesterinnen, die wahrscheinlich auf­ dazu geführt, dass die Authentizität der Au­
grund ihres Berufes das Schreiben und Rech­ torenschaft Enheduannas in Zweifel gezogen
nen erlernten. Die Grundausbildung bestand wurde. Auch wenn nicht ausgeschlossen wer­
aus dem Erlernen von Schriftzeichen; dafür den kann, dass Enheduanna möglicherweise
wurden die lexikalischen Listen in Auszügen nicht die Autorin der ihr zugeschriebenen li­
kopiert. Im Anschluss daran gingen Schrei­ terarischen Werke war, so lässt sich doch fest­
berschüler zu kürzeren Texten über, denen halten, dass in einem literarischen Korpus, in
dann längere Kompositionen, insbesondere dem Autoren äußerst selten erwähnt wurden,
von literarischen Texten in der sumerischen die erste Erwähnung eines Autoren überhaupt
Sprache, folgten. Es gibt Hinweise darauf, einer Frau galt. Das lässt sich mit dem oben
dass auch Schreiberinnen an den fortgeschrit­ erwähnten Bild in Übereinstimmung brin­

16 ANTIKE WELT 2/15


über
Gelehrte Frauen im frühen Mesopotamien – Schrift- und Gelehrtentum als weibliche Domäne

gen, in dem die Schriftkunst in der Frühzeit obert hatte. Auch in diesem Fall ist die Echt­
Mesopotamiens zumindest ideologisch die heit der Autorenschaft ungeklärt. Einige der
Domäne von Frauen bzw. Göttinnen war. Manuskripte des Briefes lassen sich dem
Mit anderen Worten, auch wenn Enheduan­ Milieu der Schule zuweisen; dies bedeutet,
nas Autorenschaft nicht authentisch war, so selbst wenn Ninschatapada den Brief so (oder
zeigt doch die Zuschreibung zu einer Auto- in anderer Form) ursprünglich selbst kompo­

TITELTHEMA
rin, dass die Assoziation mit einer weiblichen niert hatte, so wurde er danach Teil des fort­
Priesterin bzw. Gelehrten den Werken mögli­ geschrittenen Schulkurrikulums. Auch hier
cherweise mehr Autorität verleihen sollte. zeigt sich, dass die Schreibkunst und, im Fall
Auch andere Priesterinnen tauchten als des Ninschatapada Briefes, die kunstvolle
Autorinnen auf: Eine von diesen war Ninscha­ Poesie ebenfalls mit einer weiblichen, pries­
tapada, eine Tochter des Königs des Stadtstaates terlichen Umgebung in Verbindung gebracht
von Uruk (dem biblischen Erech). Ninschata­ wurden.
pada tritt als die Autorin eines hochpoetischen,
literarischen Briefes in der sumerischen Spra­ Schrift als Kulturgut
che auf (Abb. 2). In dem Brief richtet sie sich Die Schrift war jedoch nicht nur Göttinnen
bittstellend an den König des expandierenden und Priesterinnen zugeordnet. Eine sumeri­
Stadtstaates von Larsa, der gerade Uruk er­ sche Erzählung berichtet über indigene Vor­

Abb. 2
Tontafel mit Abschrift des
Bittbriefes der Ninscha-
tapada and König Rim-Sin
von Larsa, ca. 1800–1750
v. Chr. (Louvre Museum,
Inv.-Nr. AO 6708).

über 2/15 ANTIKE WELT 17


4. ANTIKE WELT-Kolloquium
im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Anzeige
stellungen der Schrifterindung in Mesopo­
«Antike Städte – Altertumswissenschaftler berichten
tamien. In der Geschichte von Enmerkar
über ihre aktuellen Forschungen» und dem Herrn von Aratta wird erzählt, wie
Enmerkar, ein legendärer König der Stadt
Mittwoch, 03. Juni 2015 Uruk, im Wettstreit mit dem Herrn von Ar­
atta die Schrift erindet, um so seinen Riva­
Wir laden Sie herzlich zu unserem 4. ANTIKE WELT-Kolloquium im Hessi- len auszutricksen. Dies zeigt, dass, zumin­
schen Landesmuseum Darmstadt ein. Im Vortragssaal des Museums prä- dest in Schreiberkreisen, das Schrifttum als
sentieren AltertumswissenschaflerInnen aus Darmstadt ihre neuesten For- eine kulturelle Errungenschaft empfunden
schungen. Diskutieren Sie in angenehmer Atmosphäre mit Archäologen,
wurde und nicht ausschließlich mit Göttin­
Althistorikern, Bauforschern, dem Kurator der Archäologischen Sammlun-
gen des HLMD und Holger Kieburg, dem Chefredakteur der ANTIKEN WELT. nen oder Priesterinnen assoziiert war. Wenn
Eine Führung durch die Sammlungen sowie ein Blick hinter die Kulissen auch zu allen Zeiten der mesopotamischen
runden einen spannenden Tag zum Thema «Antike Stadt» ab. Geschichte Frauen als Gelehrte eher eine
Seltenheit waren, und wenn auch die ideolo­
10:15 Uhr Beginn Begrüßung gische Verbindung der Schrift­ und Rechen­
Prof. Dr. Franziska Lang, Archäologische Städteforschung
kunst mit dem Weiblichen im Laufe der Zeit
Dr. Marion Bolder-Boos, Im Westen viel Neues? − an Bedeutung verlor, so sollte dennoch nicht
Phönizische Siedlungen im zentralen und westlichen Mittelmeerraum in Vergessenheit geraten, dass in den frühen
in der Eisenzeit Phasen der Schriftentwicklung das Schreiben
und Rechnen die ideologische Domäne von
Dr. Dominik Maschek, Städte unter den Wolken – Das städtebauliche
Gefüge der klassischen Polis als Muster von Bedeutung, Norm und Göttinnen und Priesterinnen war.
Überschreitung

12:00–13:30 Uhr Mittagspause zur freien Verfügung

Prof. Dr. Elke Hartmann, (K)ein Bad in der Menge? −


Römische Bäder als Ort der Selbstinszenierung
Adresse der Autorin
Dr.-Ing. Helge Svenshon, Die Hagia Sophia Justinians − Ein Bauwerk
als «Große Synthese» antiker Philosophie und Naturwissenschaft Dr. Nicole Brisch
Associate Professor of Assyriology
Department of Cross-Cultural and
Dr. Bernhard Pinsker, Die Archäologischen Sammlungen im Regional Studies
wiedereröffneten Hessischen Landesmuseum Darmstadt University of Copenhagen
Karen Blixens Vej 4, building 10
DK-2300 Copenhagen S
gegen 15:30 Uhr Kaffeepause
Im Anschluss: Führung durch die Archäologischen Sammlungen Bildnachweis
sowie «Blick hinter die Kulissen».
Abb. 1: Courtesy of Penn Museum, image
#150424; 2: bpk / RMN-Grand-Palais /
Ende der Veranstaltung Mathieu Rabeau.
gegen 18:00 Uhr
Literatur
Preis: € 40,- B. LION, Literacy and Gender, in: K. Radner /
Abonnenten der ANTIKEN WELT, E. Robson (Hrsg.), The Oxford Handbook of
Cuneiform Culture (2011) 90–112.
Archäologie in Deutschland,
Freunde des HLMD und E. ROBSON, Gendered Literacy and Nume-
WBG-Mitglieder: € 25,- racy in the Sumerian Literary Corpus, in:
J. Ebeling / G. Cunningham (Hrsg.), Analysing
Studierende kostenlos Literary Sumerian: Corpus-based Approaches
(2007) 215–249.
Anmeldeschluss:
A. ZGOLL, En-Hedu-Ana. Tochter Sargons –
15.05.2015 Gemahlin des Mondgottes, in: J. Kügler /
Mindestteilnehmerzahl: L. Bormann (Hrsg.), Töchter (Gottes). Studien
zum Verhältnis von Kultur, Religion und
20 Personen Geschlecht (2008) 6–21.
Max. Teilnehmerzahl:
100 Personen Für grundlegende Informationen über die
hier erwähnten Gottheiten siehe die
Webseite: Ancient Mesopotamian Gods and
Anmeldung unter: Goddesses (http://oracc.museum.upenn.
Redaktion ANTIKE WELT edu/amgg).
Hindenburgstraße 40
D-64295 Darmstadt
Telefon 0 61 51/33 08 741
18
Fax 0ANTIKE
61 51/33 08 2/15
WELT 212 über
Foto: Steffen Harms, 2014.
E-Mail aw-redaktion@wbg-wissenverbindet.de
Von inneren Räumen und
«blühenden» landschaften
Der weibliche Körper in der babylonischen Medizin

titelthema
Die Keilschrifttexte zur Frauenheilkunde gehören zu den wichtigsten Quel­
len für die Rekonstruktion einer mesopotamischen Physiologie des weibli­
chen Körpers. Obgleich diese mehrere Jahrtausende alten Texte die moderne
Forschung vor große interpretative Herausforderungen stellen, eröfnen
sie Einblicke in ein Feld medizinischen Wissens und kultureller Vorstellungen,
deren Sichtweisen auf den weiblichen Körper gerade heute überraschen
und provozieren. Denn wir begegnen in ihnen einem Bild des weiblichen
Körpers, das nicht auf einem geschlechtsspeziischen Konzept von Mens­
truation basiert, und einem Rollenbild in der Reproduktion, in dem die Frau
alles andere als das «schwache» Geschlecht ist.

von Ulrike Steinert

D ie mesopotamischen Heilkundigen kann-


ten weder Röntgen, Ultraschall noch
andere Segnungen der modernen Medizin.
Ihre Mittel waren die Sinne, praktische Er-
fahrung und ein umfangreicher Wissensschatz
zur Krankheitsdiagnose und -therapie, der
in schriftlicher Form überliefert wurde. Die
Grundzüge der babylonischen Heilkunde
veränderten sich trotz zunehmender Kom-
plexität des «Gesamtsystems» über zwei Jahr-
tausende hinweg wenig. Sie basierten auf dem
Zusammenspiel von Empirie, common sense
und religiös geprägten Vorstellungen, auf der
Kombination von Medikamenten und «ma-
gischen» Ritualen. Im Zentrum dieses Wis-
senssystems standen der menschliche Körper,
dessen innere Prozesse häuig verborgen blie-
ben, und die Krankheit, die primär als Ak-
teur betrachtet wurde, der den Körper befällt
und in ihm Symptome verursacht. Einen der
faszinierendsten Aspekte der babylonischen
Medizin bilden jedoch Ansätze für physiolo-
Abb. 1
gische Körpermodelle, die uns in Gestalt von
Terrakotta­Figurine einer
Metaphern und anderen sprachlichen Bildern sitzenden schwangeren
in medizinischen Beschwörungen aus dem 2. Frau («Dea Gravida»).
und 1. Jt. v. Chr. gegenübertreten: Vor allem Phönizien, Persische Zeit
(600­450 Jh. v. Chr.;
der weibliche Körper inspirierte die Babylo-
VFig 2002.10 – Sammlung
nier zu Metaphern über Reproduktion und BIBLE ORIENT, Freiburg
Bestandteile der menschlichen Physis. Schweiz).

über 2/15 ANTIKE WELT 19


Von inneren Räumen und «blühenden» Landschaften – Der weibliche Körper in der babylonischen Medizin

Unterschwellige Botschaften:
metaphern, Wissenschaft und Gender-
konstruktionen
Metaphern als diskursive Elemente sind nie
neutral. In ihrem Werk The Woman in the
Body analysiert die Anthropologin Emily
titelthema

Martin jene unterschwelligen Geschlechter-


stereotypen, die wissenschaftlichen Texten
aus dem Bereich der Reproduktionsbiologie
zugrunde liegen. So konnte Martin beobach-
ten, dass in wissenschaftlichen Darstellungen
fast durchgängig Prozessen, die sich im Kör-
per der Frau abspielen, gegenüber entspre-
chenden Vorgängen im männlichen Körper,
ein geringerer Wert beigemessen wird. Bei-
spielsweise ist der wissenschaftliche Diskurs
über Menstruation und Menopause zumeist
von negativen Metaphern geprägt, welche
den weiblichen Körper mit einer «ausgedien-
ten Fabrik», einem «gescheiterten Unterneh-
men» oder einer «untätigen Maschine» ver-
gleichen.
Abb. 2 a
Eine in ihrer Eindeutigkeit Geschlechterdiferenzen in der
seltene Darstellung babylonischen medizin
einer gebärenden Frau.
Geschlechterdifferenzen prägen auch die keil-
Gewandnadel mit
scheibenförmigem Kopf. schriftliche Überlieferung im Bereich der Heil-
Luristan, 8./7. Jh. v. Chr. kunde z. B. durch ein Ungleichgewicht in

Abb. 2 b
Die weibliche Figur auf
einem Stempelsiegel
(5./4. Jt. v. Chr.) weist eine
ähnliche Körperhaltung
wie die Gebärende
in Abb. 2a auf. Der obere,
durch eine horizontale
Linie unterteilte Bereich der
Hütte, die an spätere
«Geburtshütten» aus der
Tierhaltung erinnert (vgl.
Abb. 7), könnte als Darstel­
lung des Uterus mit der
den Fötus umschließenden
Fruchtblase gedeutet
werden.

20 ANTIKE WELT 2/15 über


Von inneren Räumen und «blühenden» Landschaften – Der weibliche Körper in der babylonischen Medizin

der Dokumentation männlichen und weib- verbunden ist. Jedoch scheinen die mesopo-
lichen Expertenwissens. Zwar ist aus Texten tamischen Gelehrten das Menstruieren nicht
verschiedener Epochen bekannt, dass es heil- per se als geschlechtsspeziisches Phänomen
kundige Frauen gab, Ärztinnen (asâtu) und begriffen zu haben.
Hebammen (šà-zu, šabsūtu), die sich speziell Dieser Eindruck ergibt sich aus verstreu-
um die gesundheitlichen Belange von Frauen ten Indizien in den gynäkologischen Texten,

titelthema
kümmerten; jedoch tritt uns keine einzige die keine theoretischen Abhandlungen über
dieser Expertinnen als Autorin oder Kopis- den weiblichen Körper, über Menstruation
tin medizinischer Texte entgegen. Wir sehen oder Menopause bieten, sondern ein vages
die mesopotamische Heilkunde stets durch Bild weiblicher Blutungen zeichnen, in dem
die Brille der schriftlichen Überlieferung die genauen physiologischen Zusammen-
männlicher Ritualexperten (āšipu) und Ärzte hänge, z. B. zwischen Menstruation, Ovula-
(asû) des 2. und 1. Jts. v. Chr. Oral überlie- tion und Empfängnis, unbekannt scheinen
fertes Wissen heilkundiger Frauen bleibt uns (Abb. 4). Beispielsweise kennen wir aus den
verborgen, wenngleich sich mutmaßen lässt, keilschriftlichen Quellen keine Bezeichnung
dass Bruchstücke davon in die medizinischen für die Menstruation, welche auf die Regel-
Keilschrifttexte eingegangen sind. mäßigkeit dieses physiologischen Vorgangs
Das medizinische Textkorpus wurde nicht Bezug nimmt, und die Menarche wird an
Abb. 3
nur von Männern verfasst, sondern zeigt auch keiner Stelle explizit als zentrales Ereignis der
Terrakottaigur einer
eine fundamental androzentrische Perspek- Pubertät angesprochen. Als Zeichen der kör- stillenden Frau. 6. Jh. v. Chr.
tive auf den menschlichen Körper als Ob- perlichen Reife von Mädchen wird stattdes- Aus Babylon.
jekt medizinischen Wissens. Der männliche
Körper bildet das primäre Modell für die Be-
schreibung von Krankheitssymptomen und
Behandlungsmethoden in diagnostischen und
therapeutischen Texten. Erkrankungen des
weiblichen Körpers werden im Kanon der
medizinischen Textserien des 1. Jts. v. Chr.
stets am Ende der betreffenden Wissenskor-
pora platziert – ein Muster, das selbst noch
für das Curriculum im heutigen Medizinstu-
dium gilt. Sowohl der Aufbau des Diagnose-
handbuchs SA.GIG wie auch der Aufbau
eines Katalogs therapeutischer Textserien aus
Assur (ca. 8. Jh. v. Chr.) deuten darauf hin,
dass Frauenkrankheiten ein untergeordnetes
Spezialgebiet darstellten, das sich auf Phäno-
mene konzentrierte, in denen der weibliche
Körper eindeutig vom männlichen abweicht:
auf die Bereiche der Geschlechtsorgane und
der Reproduktion – Empfängnis, Schwan-
gerschaft und Geburt (Abb. 1–3).

«Geschafen um zu bluten»
In vielen Kulturen wird die Menstruation
zur Deinition von Geschlechterunterschie-
den herangezogen. Dies gilt z. B. für die
griechisch-römische Medizin, in der die
Menstruation mit der physischen Konsti-
tution der Frau begründet wird und mit der
Theorie vom Gleichgewicht der Körpersäfte

über 2/15 ANTIKE WELT 21


Von inneren Räumen und «blühenden» Landschaften – Der weibliche Körper in der babylonischen Medizin

sen das Wachsen der Brüste und Schamhaare Frau ließt und nicht gestoppt werden kann»)
betont. oder das Ausbleiben von Blutungen («Wenn
Abb. 4 Die babylonische Medizin unterscheidet das Blut einer Frau abgeschnitten ist und
Eine neubabylonische vorrangig zwischen «normalen» und «krank- nicht sichtbar wird»).
Tafel mit Rezepten gegen haften» Prozessen. Sie richtet ihr Augenmerk Eine akkadische Beschwörung aus dem
weibliche Blutungen.
vordringlich auf Pathologisches, d. h. in un- 1. Jt. v. Chr. gegen weibliche Blutungen und
Ca. erste Hälfte des 1. Jts.
titelthema

v. Chr. Free Library Phila­ serem Fall entweder ungewöhnlich starke Nasenbluten bietet eine ätiologische, mytho-
delphia. bzw. akute Blutungen («Wenn das Blut einer logische Erklärung für diese Körperprozesse:
Blutungen treten bei beiden Geschlechtern
auf, weil die Götter den Menschen als We-
sen aus Fleisch und Blut erschaffen haben.
Der Text illustriert dies anhand entgegensetzt
gelagerter Körperöffnungen: «Alle Men-
schenwesen, welche die Götter erschufen,
versah die «Herrin-der-Götter» (Bēlet-ilī)
mit Blut. Ea sah (das Resultat) und begann
zu weinen, Tränen lossen über Mamis Wan-
gen: ‹Blut tropft und ließt beständig aus der
Nase des Mannes und aus der Vulva der Frau
... wie (bei) einer Flussaue, deren Damm
(dem Wasser) nicht standhält, wie (bei) ei-
nem Gärgefäß, dessen Stöpsel nicht hält …!›»
Das Bluten gehört zur physischen Matrix des
Menschen wie der Tod, es symbolisiert Leben
und Sterblichkeit zugleich. Als Ausgleich für
diesen «Geburtsdefekt» schenkten die Götter
dem Menschen das Wissen über therapeuti-
sche Mittel, um extreme Blutungen zu stop-
pen.
Aus einer sumerischen Beschwörung ge-
gen den Krankheitsdämon Samana erfahren
wir andererseits, dass dieser den Blutluss der
Frauen zum Versiegen bringt, was wiederum
impliziert, dass weibliche Blutungen nicht
generell als «anomales» Phänomen betrachtet
wurden. Die therapeutischen Texte zeigen,
dass die babylonischen Heiler ein situatives
Verständnis dieser Vorgänge besaßen und ins-
besondere Blutungen während der Schwan-
gerschaft und akute Blutungen, z. B. nach der
Geburt, als problematisch betrachteten.
Die medizinischen Beschwörungen kon-
zeptualisieren physiologische Prozesse vor-
nehmlich mit Hilfe von Metaphern und Ana-
logien zu Alltagsobjekten sowie Prozessen aus
der Umwelt. So stehen beispielsweise im Fall
anomaler Blutungen Gewässer-Metaphern
im Vordergrund, die den weiblichen Kör-
per mit einer überluteten Fluss- oder Kan-
allandschaft, gebrochenen Dämmen bzw. mit
einer übersprudelnden Quelle vergleichen. Der

22 ANTIKE WELT 2/15 über


Von inneren Räumen und «blühenden» Landschaften – Der weibliche Körper in der babylonischen Medizin

Körper (Mikrokosmos) wird somit als struk- schützten Innenraum, in dem Dinge (Flüs-
turell analog zur nur teilweise beherrschbaren sigkeiten, Baby) aufbewahrt, in ihn einge-
Umwelt (Makrokosmos) aufgefasst. Sowohl füllt oder aus ihm ausgestoßen werden. In
Mikro- als auch Makrokosmos können aus ihm inden kreative Transformationsprozesse
ihrer normalen Ordnung geraten und müssen (Empfängnis, Schwangerschaft) statt, die
durch göttliche und menschliche Interventio- mit kulturellen Produktionstechniken (vor

titelthema
nen (z. B. Medizin, Ritual) reguliert werden. allem mit Landwirtschaft, Tierhaltung, Bier-
brauen, Lehmziegelherstellung) assoziiert
Der Uterus und die Vorstellungen über werden.
sexuelle Reproduktion Deutlich wird diese Metaphorik z. B. in
Der Uterus, das zentrale Organ in der ba- mehreren sumerisch-akkadischen Bezeich-
bylonischen Frauenheilkunde, ist mit einer nungen für den Mutterleib: šà-tùr / šassūru
Reihe von Metaphern verknüpft. Diese Me- bedeutet wörtlich «Stall des Inneren» und aga-
taphern erzeugen komplexe Bezüge zu ver- rin / agarinnu «fruchtbares Lehmgemisch;
schiedenen Aspekten der mesopotamischen Biermaische-(Gefäß); Schmelztiegel». Der als
Kultur und sind in das kulturelle Symbolsys- Behälter versinnbildlichte Uterus zeigt sich
tem eingebettet. Im therapeutischen Kontext auf folgenden Ebenen: 1. auf der Ebene der
erfüllen Körpermetaphern wichtige kommu- Keilschriftzeichen, die zur Repräsentation
nikative Funktionen: Sie stellen ein macht- der genannten Wörter herangezogen werden,
volles Instrument dar, um über den Körper 2. auf der Ebene von Texten (Narrativen),
zu sprechen und ein Verständnis physiolo- insbesondere in Beschwörungen zur Behand-
gischer Vorgänge zu vermitteln. Metaphern lung gynäkologischer Probleme, 3. auf der
bilden häuig nicht nur die Grundlage für Ebene bildlicher Darstellungen und 4. auf der
Krankheitstheorien, sondern tragen auch Ebene kultureller Praktiken, z. B. in der Topf-
dazu bei, wirkungsvolle Behandlungsstrate- bestattung bei Kleinkindern (Abb. 5).
gien zu entwickeln. Auf der Schriftebene zeigt die Schreibung Abb. 5
Der Uterus und im weiteren Sinne der des sumerischen Wortes agarin mit der Zei- Die Topfbestattung eines
Säuglings aus Tell Fek­
Körper als Ganzes wird vorrangig als Behäl- chenverbindung AMA («Mutter») und TÙN
heriye (12./11. Jh. v. Chr.)
ter konzeptualisiert, sei es als Gefäß oder als («Beutel») den Uterus als Behälter, ebenso erinnert an die Lage des
Gebäude. Der Mutterleib gleicht einem ge- das Zeichen ARHUŠ («Mutterleib»), das Fötus in utero.

über 2/15 ANTIKE WELT 23


Von inneren Räumen und «blühenden» Landschaften – Der weibliche Körper in der babylonischen Medizin

Die im Uterus stattindenden Prozesse wer-


den häuig mit Hilfe kosmologischer Analogien
Abb. 6 a beschrieben, die eng mit mesopotamischen
Das Keilschriftzeichen
ARHUŠ («Mutterleib»),
Schöpfungsmythen korrelieren und den weib-
zusammengesetzt aus lichen Körper als produktive Landschaft, ins-
dem viereckigen Element besondere als fruchtbares Feld verbildlichen.
titelthema

PISAN («Korb») und dem


Die kosmologischen Analogien assoziieren
eingeschriebenen Zeichen
MUNUS («Frau»; (Vulva). den Mutterleib mit der Erde als Gebärerin und
Frühe und neuassyrische a ergänzen sich mit den container-Metaphern in
Form (3. und 1. Jt. v. Chr.). der Konzeptualisierung von Empfängnis und
Schwangerschaft sowie in der Erklärung und
Abb. 6 b Beeinlussung problematischer Phänomene
Die archaische Form der wie Unfruchtbarkeit und Fehlgeburt.
Zeichen TU («Gebären»)
und TÙR («Stall») zeigt eine Das dominante Geschlechtermodell, das
Rohrhütte. Beide Zeichen sich in den mesopotamischen Texten im
werden zur Schreibung des Kontext der Empfängnis indet, schreibt der
sumerischen Wortes šà­tùr
Frau die passive Rolle eines fruchtbaren Auf-
(«Uterus») herangezogen. b
fanggefäßes / Feldes für den männlichen Sa-
men zu, dem Mann die aktive Rolle des Be-
fruchters, Bauers / Plugs. Diese Metaphern
zeichnen ein mechanisches Modell des Mut-
terleibs, der sich gleich einem Gefäß zur rich-
eine Kombination aus PISAN («Korb») und tigen Zeit öffnen und schließen muss, um den
MUNUS («Frau») darstellt. Die Zeichen TU Samen zu empfangen und zurückzubehalten.
Abb. 7 a.b
Zwei Uruk­zeitliche und TÙR, die zur Schreibung von Sumerisch Dagegen schreiben mehrere Beschwörun-
Darstellungen von Geburts­ šà-tùr «Uterus» gebräuchlich sind, stellen in gen dem Mutterleib eine aktive Rolle bei
hütten für Schafe / Kühe der archaischen Form eine Rohrhütte dar, der Bildung des Fötus zu: er bringt den Sa-
(Ende des 4. Jts. v. Chr.) er­
die den Geburtshütten für Rinder und Schafe men gleich dem fruchtbaren Erdboden «zum
innern an die archaischen
Keilschriftzeichen TU und in zeitgleichen künstlerischen Darstellungen Sprießen» (šū ṣû ) oder «formt» (banû) ihn
TÙR (vgl. Abb. 6 b). ähnelt (Abb. 6. 7). durch Beisteuerung von Körpersubstanzen

24 ANTIKE WELT 2/15 über


Von inneren Räumen und «blühenden» Landschaften – Der weibliche Körper in der babylonischen Medizin

(Blut und Muskeln). Diese Anerkennung


weiblicher «Produktivität» indet auf religiös-
mythologischer Ebene ihre Entsprechung in
Gestalt zahlreicher Göttinnen vom Typus der
sog. Muttergöttin bzw. Geburtsgöttinnen,
die neben ihrer Rolle in der Erschaffung und

titelthema
Geburt des Menschen auch mit Handwerken
Abb. 8
wie dem Töpfern oder Zimmern verknüpft Terrakotta­Relief mit
werden (Abb. 8). stillender Geburtsgöttin
lankiert von kauernden
Kūbus (Frühgeburten) und
Die Komplementarität der Geschlechter dem sog. Omega­Symbol,
in der Reproduktion das wahrscheinlich den
Im Licht der gynäkologischen Texte erscheint Mutterleib repräsentiert.
Altbabylonische Zeit
die mesopotamische Sicht geschlechterspezi-
(1. Hälfte des 2. Jts. v. Chr.).
ischer Rollen in der sexuellen Reproduktion Iraq Museum Baghdad.
als nahezu ausgewogen und komplementär. Höhe ca. 10 cm.
Sowohl dem Mann als auch der Frau wird
ein Anteil an diesen Prozessen zugeschrieben.
Während die aktive Rolle des Mannes auf die beteiligt ist. Akkadische Geburtsbeschwörun-
Empfängnis beschränkt ist, werden Schwan- gen und andere literarische Texte vergleichen
gerschaft und Geburt vornehmlich als aktive, die «in ihrem Blut daliegende» Frau in Ge-
produktive Leistungen der Frau betrachtet. burtsnöten mit einem Krieger in der Schlacht
Die in sumerischen und akkadischen Texten (und umgekehrt). Dieser Vergleich sieht gebä-
zu indenden Metaphern und Analogien für rende Frauen und Krieger in einer lebensbe-
die Gebärende untermauern diesen Eindruck. drohlichen Krisensituation, stellt ihre gesell-
Einerseits wird die Frau als «volles Boot» be- schaftlichen Rollen auf eine Ebene. Die Poesie
schrieben, das mit seiner «Ladung» zum «Ha- dieses Sprachbildes vergegenwärtigt auf bewe-
fen des Lebens» steuert – die Geburt ist hier gende Weise die antike Lebenswirklichkeit im
ein dynamischer Prozess, den die Frau zwar Kontext des hohen Sterblichkeitsrisikos von
nicht völlig kontrolliert, an dem sie aber aktiv Frauen während der Geburt.

adresse der autorin proceedings of the conference. November 28–30,


2011 (2013) 97–116.
Dr. Ulrike Steinert
BabMed – Babylonian Medicine
Freie Universität Berlin DIES., She will give birth easily: therapeutic
Habelschwerdter Allee 45 (Rostlaube) approaches to childbirth in 1st millennium BCE
JK 30 / 206 cuneiform sources. Dynamis 34 (2014) 289–315.
D­14195 Berlin
N. P. HEESSEL, Der verschwiegene Unterschied.
Die Geschlechterdiferenz in medizinischen Tex­
Bildnachweis ten aus dem Alten Mesopotamien, in: B. Heinin­
ger / R. Lindner (Hrsg.), Krankheit und Heilung.
Abb. 1: © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg
Gender – Religion – Medizin (2006) 9–24.
Schweiz; 2 a: bpk | RMN – Grand Palais | Franck
Raux; 2 b. 6: Zeichnung Y. Lindner; 3: bpk / Vorder­
asiatisches Museum, SMB / Jürgen Liepe; E. MARTIN, The Woman in the Body. A Cultural
4: © Cuneiform Digital Library Initiative; 5: Zeich­ Analysis of Reproduction (1992).
nung Y. Lindner / Foto: P. V. Bartl (Tell Fekheriye
Project); 7: nach P. P. Delougaz, Animals emerging R. A. SIMKINS, The Embodied World: Creation
from a hut, in: The Journal of Near Eastern Studies Metaphors in the Ancient Near East, in: Biblical
27 (1968) 187 Abb. 4. 5; 8: nach U. Winter, Frau Theology Bulletin 44 (2014) 40–53.
und Gottin (1983) Abb. 390.
U. STEINERT, Fluids, rivers, and vessels: meta­
phors and body concepts in Mesopotamian
literatur gynaecological texts, in: Journal des Médecines
M. E. COUTO­FERREIRA, The river, the oven, the Cunéiformes 22 (2013) 1–23.
garden: the female body and fertility in a Late Ba­
bylonian ritual text, in: C. Ambos / L. Verderame M. STOL, Birth in Babylonia and the Bible. Its
(Hrsg.), Approaching rituals in ancient cultures: Mediterranean Setting (2000).

über 2/15 ANTIKE WELT 25


TITELTHEMA

Abb. 1
Musikerinnen mit ver­ Vielseitig und kreativ
schiedenen Instrumenten
auf einer assyrischen
Elfenbeinpyxis (BM 118179), Musikerinnen im Alten Orient
900−700 v. Chr.

Die künstlerische Bandbreite und gesellschaftliche Stellung von Musiker­


innen im Alten Orient erstreckt sich von einfachen Spielleuten bis
hin zum hoch angesehenen Personal königlicher Paläste. Keilschrifttexte
des 3. bis 1. Jts. v. Chr. berichten hiervon in einer besonderen Ausführ­
lichkeit und machen uns damit diese weit zurückliegenden Lebenswelten
ungewöhnlich lebendig.

von Regine Pruzsinszky Diese Passage aus einem Brief des 18. Jhs.
v. Chr., der in der am Euphrat gelegenen

« Unter diesen und jenen Näherinnen wähle


30 Näherinnen aus …, die vom Fußna-
gel bis zum Haupthaar keinen Fehler haben.
Residenzstadt Mari gefunden wurde, ist ein
anschauliches Beispiel für die Auswahl, Aus-
bildung und Plege von Musikerinnen an den
Überantworte sie Warad-ilišu. Warad-ilišu königlichen Höfen des Alten Orients: König
soll ihnen den subaräischen Gesang beibrin- Zimrī-Līm schreibt an seine Frau Šībtu, dass
gen. Außerdem soll ihre Wohnstätte geändert sie aus der Gruppe von Textilarbeiterinnen
werden. Gib auch auf ihre Nahrung acht, da- 30 schöne Frauen auswählen soll, die im Ha-
mit sich ihre Gesichtszüge nicht verändern!» rem vom königlichen Obermusiker (nargal-

26 ANTIKE WELT 2/15 über


Vielseitig und kreativ − Musikerinnen im Alten Orient

lum) Warad-ilišu zu spezialisierten Sängerin- mit einzelnen Lehrern (mušāhizum), viel-


˘
nen ausgebildet werden sollen. Zu diesen Zeiten leicht gar Eunuchen, und älteren Palastmu-
zählte der Harem mehr als 600 Frauen, wovon sikerinnen für die umfassende und zeitinten-
ein Drittel Musikerinnen waren. Der König ließ sive Ausbildung der potentiellen Konkubinen
aus der Gruppe von Kriegsgefangenen, die als des Herrschers verantwortlich zeigte: «Meine
Sklavinnen in der Textilproduktion tätig waren, ganze Zeit, vom Morgen bis zur (Abend)

TITELTHEMA
Frauen für eine musikalische Ausbildung aus- Mahlzeit verrichten vor mir (Warad-ilišu)
wählen. Diese dienten später als Sängerinnen ihre Arbeit. Für jede Frau ist ein Lehrer zu-
und Spielerinnen von kostbaren Musikinstru- ständig.» Dabei wurde das Augenmerk auf
menten, etwa bei Banketten, dem Ansehen und verschiedene musikalische Spezialisierungen
Prestige des Hofes. Neben einer fundierten Aus- wie den subaräischen Gesang (vielleicht ein
bildung in Vokal- und Instrumentalmusik bzw. bestimmtes Melodienrepertoire?) gelegt. Wei-
einem bestimmten Repertoire lagen dem König tere Bezeichnungen für Sängerinnen zeugen
auch die äußerliche Erscheinung der Frauen von der Vielfalt des künstlerischen Schaffens,
und deren Plege sehr am Herzen. Als Ergeb- an dem die Frauen teilhatten:
nis dessen versicherte der Obermusiker Rīšija 23 weibliche Orchestermitglieder (šitrētum);
seinem König «Mein Herr wird (sie, die aštalū 21 kanšātum Frauen (eine musikalisch
Abb. 2
Sängerinnen) hören und er wird erfreut sein». distinkte Musikerinnengruppe); Die «Gartenlaubenszene»
44 kezrētum Frauen (Trommlerinnen); (BM 124920) mit Assurba­
Die Ausbildung von Musikerinnen 6 Amurriterinnen (Musikerinnen aus der nipal und seiner Frau zeigt
zwei von ursprünglich
am Palast Levante), sechs Frauen mit verschie­
Der Palast fungierte als Förderer der Künste, Summe 94 Frauen gehörig dem (Lehrer) denen Instrumenten, die
indem er für die Ausbildung der Musikerin- Ilšu-ibbīšu; aufgrund ihrer äußerlichen
Eigenschaften (Haartracht,
nen und Musiker sorgte und zugleich Ort des 49 kanšātum Frauen,
Schuhwerk und Schmucks)
kreativen Kunstschaffens war. Der Austausch Summe 49 Frauen gehörig dem (Ober- sowie ihrer unmittelbaren
von besonders begabten Musikern zwischen musiker) Rīšija. Nähe zum Königspaar als
befreundeten Herrscherhäusern bereicherte einheimische, gesellschaft­
lich hochangesehene
das höische Musikleben mit unterschied- Palastmusikerinnen aus der Fremde
Musikerinnen verstanden
lichsten Musiktraditionen. Die Archive aus Von fremden und wohl exotischen Musiker- werden (645–635 v. Chr.,
Mari berichten, dass sich der Obermusiker innen berichten auch administrative Texte Nordpalast, Ninive).

über 2/15 ANTIKE WELT 27


Vielseitig und kreativ − Musikerinnen im Alten Orient

des 8. und 7. Jhs. v. Chr. aus Assyrien. Darin bekannt. Auch Listen des 7. und 8. Jhs. v. Chr.
ist eine Aufstellung vom weiblichen Palast- aus Nimrud dokumentieren hohe Ausgaben
personal des Königs Asarhaddon in Ninive von Wein an Palastpersonal, darunter Mu-
enthalten, in welcher drei aramäische, elf he- sikerinnen unterschiedlicher Herkunft, und
thitische, neun kassitische und 13 Musiker- Armee, die im Zuge von großen Festivitäten
innen aus Tyros genannt werden. Zu den erfolgten. Ob es sich bei den Musikerinnen
TITELTHEMA

insgesamt 61 Musikerinnen (nuārtu) zählen ursprünglich um Gefangene handelte, ist


auch die kurgarrutu, die «Kultstatistinnen» unklar. Neuassyrische Königsinschriften be-
Abb. 3 oder «Tänzerinnen», welche ca. 25 % des Pa- richten von Sängerinnen in den Tributlisten
Reliefplatte (BM 124802) lasthaushaltes ausmachten. Hierarchisch ab- verschiedener besiegter Könige aus Jerusalem
aus dem Südwestpalast
gesetzt von den fremden Musikerinnen sind und Babylon, die aufgrund ihres engen Kon-
aus Ninive mit elamischen
Musikern und Musiker­ die acht Obermusikerinnen (nargallutu). Ein takts mit der Königsfamilie sicherlich einen
innen, darunter Instrumen­ weiterer Text berichtet, dass eine Obermusi- hohen Status innehatten. Neben Asarhaddon
talisten und eine Sängerin kerin als Rezitatorin gemeinsam mit dem Kö- deportierte auch König Assurbanipal Musi-
mit der charakteristischen
Handhaltung an der nig bei einem Ritual auftritt. kerinnen aus Gambulu, das an der östlichen
Kehle, die den siegreichen Die Teilnahme von Musikerinnen an Feier- Grenze zu Elam gelegen war, nach Assyrien:
assyrischen Herrscher lichkeiten am Palast und Tempel ist uns v. a. «Šapībēl, seine Festung, deren Lage sich
Assurbanipal vor der
aus der anschaulichen assyrischen Ikonogra- zwischen Flüssen beindet, eroberte ich (As-
Stadtmauer von Madaktu
am Ulai­Fluss empfangen phie, den Elfenbeinschnitzereien (Abb. 1) surbanipal). Dunanu und seine Brüder holte
(660–650 v. Chr.). und neuassyrischen Palastreliefs (Abb. 2. 3) ich aus selbiger Stadt lebendig heraus. Seine

28 ANTIKE WELT 2/15 über


Vielseitig und kreativ − Musikerinnen im Alten Orient

Frau, seine Söhne, seine Töchter, seine Ha-


remsfrauen, Sänger und Sängerinnen holte
ich heraus und rechnete sie zur Beute. …
Mit Beute aus Elam und Plünderungsgut aus
Gambulu … und mit Sängern, die Musik
machten, zog ich voll Freude in Ninive ein.»

TITELTHEMA
Die ausdrückliche Unterscheidung zwischen
männlichen und weiblichen Sängern, die Aulis-
tung von Musikerinnen im Kontext sehr wert-
voller Gegenstände und mit den Mitgliedern
der königlichen Familie sowie die zahlreichen
ikonographischen Abbildungen von talentierten
Musikerinnen zeugen – auch symbolisch gese-
hen – von ihrer besonders wichtigen Rolle am
Palast und Tempel sowie in der Öffentlichkeit.
Dass Palastmusikerinnen auch im Kult tä-
tig waren, wird etwa anhand des Ištar-Rituals
aus Mari deutlich, wo diese neben Klage-
sängern (kalû) und dem Musikerorchester
(šitrum) auftraten.

Musikerinnen im Kult und am Tempel Abb. 4


Allen wichtigen altorientalischen Tempeln Altbabylonisches Terra­
kottarelief (IM 32062)
waren Musikerinnen und weitere Schaustel- unbekannter Herkunft mit
ler, darunter auch Schlangenbeschwörer und zwei nackten (tanzenden?)
Bärenhalter bzw. -dompteure, zugeordnet. Frauen, zwei krumm­
beinigen Lautenspielern
Dabei variiert die Anzahl der Musiker erheb-
und drei Afen.
lich. Ende des 3. Jts. v. Chr. umfasste z. B. die
Gruppe der Musiker des Tempels des Šara,
dem Hauptgott von Umma in Südmesopo-
tamien, bis zu 140 Personen, darunter v. a.
Frauen und deren Kinder. Dass diese wohl
keine eigene Musikausbildung erhielten und
nicht hauptamtlich musizierten, zeigt ihre
Tätigkeit in der Weberei, wofür sie regelmä-
ßig mit Rationen versorgt wurden. Betrachtet
man Tempelpersonallisten vom 3. bis zum
1. Jt. v. Chr., so wird deutlich, dass die Mu-
siker und Musikerinnen nicht etwa zu den
Priestern, sondern vielmehr zum Hausperso-
nal gehörten, das für die tägliche Versorgung
des Tempels zuständig und an den regelmä-
ßigen kultischen Aktivitäten beteiligt war. Mit
ihrer auch in öffentlich zugänglichen Tem-
pelhöfen stattindenden Performanz trugen
die Musikerinnen aktiv zur Verankerung von
Religiosität im täglichen Leben bei.
Zu den musizierenden Frauengruppen
gehören beispielsweise die harimātum und
˘
kezertum (Trommelspielerinnen?), die in der

über 2/15 ANTIKE WELT 29


Vielseitig und kreativ − Musikerinnen im Alten Orient

Abb. 5
Die kostbar verzierte
«Queen‘s Lyre» aus
dem Grab der Königin
Pû­abī von Ur (ca. 2600–
2400 v. Chr.).
TITELTHEMA

30 ANTIKE WELT 2/15 über


Vielseitig und kreativ − Musikerinnen im Alten Orient

Sekundärliteratur gerne auch mit der Prosti- … bis in den Tod


tution in Zusammenhang gebracht werden. Das wohl bekannteste und eindrücklichste
Beide nehmen an Götterfesten weiblicher Beispiel einer königlichen Bestattung mit
Gottheiten, insbesondere der Liebes- und seinem Hofstaat ist der Königsfriedhof von
Kriegsgöttin Ištar teil und sind im 1. Jt. v. Chr. Ur. In «The Great Death Pit» (PG 1237, ca.
auch als Klagesängerinnen bezeugt. Beson- 2600 v. Chr.) waren Musiker mit ihren kost-

TITELTHEMA
ders (halb)professionelle Klagefrauen, wie bar verzierten Leiern, die heute etwa im Bri-
die «alte Frau» (dam ab-ba) oder «Mütter- tish Museum zu bewundern sind, bestattet.
chen / Mutter der Träne» (um-ma / ama Auch wenn sich um den tatsächlichen Her-
ir2-ra), sind seit Mitte des 3. Jts. v. Chr. ge- gang der Massenbestattung Mythen ranken,
meinsam mit Klagepriestern (gala) bei Be- so wird deutlich, dass Musik einen wichti-
gräbnissen und weiteren Klageriten (z. B. gen Bestandteil von Begräbnisfeierlichkeiten
Städteklagen) bezeugt, bei denen sie in der ausmachte. Im Grab der Königin Pû-abī
«feinen Sprache» (eme-sal), einem Soziolekt, entdeckte man eine Leier mit einem Stier-
ihre Klagelieder vortrugen. kopf (Abb. 5) nebst zehn reich geschmück-
ten Frauen mit zahlreichen Stein- und Me-
Am Rande der Gesellschaft tallgefäßen. Ein literarischer Relex auf die
Die armen oder volkstümlichen Musikerin- Nähe der Musiker zu ihrem Herrscher in-
nen, jene die etwa an der Straßenecke oder det sich auch in der sumerischen Erzählung
in der Taverne aufspielten, sind in unseren Gilgameš und der Tod: Hier wird die Bestat-
Texten nur schwer aufzuspüren. Die Darstel- tung von Gilgameš mit Sängern und ande-
lung von Musikern mit Tieren, Akrobaten, ren Personen des Hofes in Uruk beschrie-
Tänzern, Zwergen oder auch von nackt musi- ben, wobei der Sänger in der Aulistung der
zierenden Frauen auf Terrakotten wird gerne Mitbestatteten gemäß eines hierarchischen
als Hinweis auf einfache und unprofessionelle Reihungsprinzips gleich unmittelbar nach
Musiker bzw. Gaukler gewertet (Abb. 4). Ob- der Königsfamilie folgt. Die reichlich ge-
schon der Kontext dieser Tonobjekte unklar schmückten Musikerinnen aus Ur hatten
bleibt, werden etwa nackt dargestellte Frauen zweifellos einen hohen Status inne, deren
mit einem Ištar-Ritual oder Fruchtbarkeits- Wertschätzung sich die Königsfamilie bis in
riten assoziiert. Auch bringt man altorienta- den Tod sicherte.
lische Musikerinnen aufgrund ihres Auftre-
tens im Bereich der musikalisch-erotischen
Unterhaltung mit Prostitution in Verbindung.
Adresse der Autorin
So schildert ein Lehrgedicht aus Nippur vom
Prof. Dr. Regine Pruzsinszky
Beginn des 2. Jts. v. Chr. den sozialen Fall Institut für Archäologische Wissenschaften
Abt. Vorderasiatische Archäologie und
einer angesehenen Musikerfamilie. In ein Altorientalische Philologie
negatives Licht rückt dabei das auffällige Albert­Ludwigs­Universität Freiburg
Platz der Universität 3
Auftreten eines Mädchens «nach Art einer D­79085 Freiburg i.Br.
kezertum», die eine Laute spielt, dazu süße
Lieder singt und vor einem Mann tanzt. Ein Bildnachweis

neubabylonischer Text aus dem Eanna-Tem- Abb. 1−3. 5: bpk | The Trustees of the British
Museum; 4: akg­images / Erich Lessing.
pel in Uruk beschreibt, wie zwei (Tempel?-)
Sängerinnen aufgrund einer Lärmbelästigung Literatur
aus einer Kneipe geworfen werden, was eine S. EMERIT (Hrsg.), Le Statut du musicien
polizeiliche Untersuchung nach sich zieht. dans la méditerranée ancienne, Égypte,
Mésopotamie, Grèce, Rome, Bibliothèque
Altorientalische magische Texte beschreiben d’étude 159 (2013).
das Gasthaus als einen liminalen Ort, wo sich S. SVÄRD, Power and Women in the Neo­
dubiose Gestalten tummeln. All dies führt Assyrian Palaces (2012).

uns in die Welt der von der Gesellschaft we- N. ZIEGLER, Les Musiciens et la musique
d‘après les archives de Mari, Florilegium
niger angesehenen Musikerinnen, vor denen Marianum IX (2007).
das Lehrgedicht warnt.

über 2/15 ANTIKE WELT 31


Machtvolle Frauen – Die neuassyrischen Königinnen und ihre Haushalte
titelthema

Abb. 1
Goldsiegel der Königin
Hamâ. Gruft Nr. 3 Kalhu /
˘
Nimrud.

32 ANTIKE WELT 2/15 über


machtvolle Frauen
Die neuassyrischen Königinnen und ihre Haushalte

titelthema
Die neuassyrischen Königinnen verfügten über außerordentliche Reich-
tümer. In nicht-kriegerischen Darstellungen treten sie zusammen mit
dem König öfentlich auf. Ambitionierte Frauen der Königsfamilie nah-
men sogar nachweislich Einluss auf Staatsangelegenheiten. Doch wer
waren diese Königinnen?

von Saana Svärd die Einnahmen der Königin zu erhöhen. Die


Urkunden belegen außerdem weitere Ge-
n der Spitze des neuassyrischen Reiches schäftsaktivitäten und Einnahmequellen der
A (934–612 v. Chr.) stand der assyrische
König, der nach den damaligen Vorstellun-
Königinnen, die hier nicht im Einzelnen be-
sprochen werden können. Die neuassyrischen
gen vom Reichsgott Assur eingesetzt wurde Königinnen verfügten in jedem Fall über
und als dessen alleiniger Stellvertreter agierte. enorme Finanzmittel, die sicherlich zum Teil
Tatsächlich aber spielten die höchsten Beam- aus ihren eigenen Finanz- und Geschäftsakti-
ten, die «Magnaten», Schlüsselrollen in der vitäten hervorgingen. Besonders eindrücklich
Verwaltung der Provinzen und in der Armee. zeigen die Königinnengräber in Kalhu/Nim-
˘
Unabhängig von den «Magnaten» unterhiel- rud ihren Reichtum. Ein großartiges Beispiel
ten auch die jeweilige Königin (sumerisch ist das aus Gold hergestellte Stempelsiegel der
MÍ.É.GAL, assyrisch sēgallu, d. h. wörtlich Königin Hamâ (Abb. 1), der Gattin Shalma-
«die Frau des Palastes») und der Kronprinz nesers IV. (784–777 v. Chr.). Es zeigt die Kö-
eigene Haushalte, die einen wichtigen Teil nigin, die vor der sitzenden Göttin Gula steht,
der Verwaltung des Reiches vorstellen. die in ihrer erhobenen Hand ein Skalpell hält.
Hinter dem Thron der Göttin erkennt man
Der haushalt der Königin einen Skorpion, das Emblem neuassyrischer
Zum Haushalt der Königin gehörten umfang- Königinnen.
reiche Ländereien. Sie unterhielt Amtssitze
im ganzen Reichsgebiet, in denen Hunderte Die rechte hand der Königin
von Menschen beschäftigt waren. Der Haus- Die rechte Hand der Königin waren Verwal-
halt in seiner Gesamtheit galt jedoch nicht als terinnen, die im Akkadischen šakintu heißen.
das persönliche Eigentum einer individuellen Sie treten in den Urkunden hauptsächlich
Frau; vielmehr brachte das Amt der Königin als aktive Partei bei unterschiedlichen Fi-
das Anrecht auf den Haushalt mit sich. Als nanzgeschäften in Erscheinung. Ziemlich oft
ranghöchstes Mitglied des Hofes nach dem kauften šakintus Sklaven (Männer, Frauen
König unterstützte die Königin die Tempel, und auch Kinder) und / oder Land. Zu ihren
sie beteiligte sich an ofiziellen Kulthandlun- weiteren Geschäftsaktivitäten gehörten auch
gen und nahm Einluss auf politische Ent- die Vergabe und die Aufnahme von Krediten.
scheidungen. Nach der Herrschaft des Königs Den šakintus stand Personal in größerem
Sanherib (704–681 v. Chr.) unterhielt die Umfang zur Verfügung, einschließlich weite-
Königin auch eigene militärische Einheiten. rer Verwalter und Verwalterinnen, aber auch
In vielen der Haushalte der Königin stellte Dienstboten beiderlei Geschlechts. Obwohl
man Textilien im großen Stil her. Auch wenn die šakintus möglicherweise nicht in allen
ein Teil dieser Textilproduktion sicherlich für Palästen eingesetzt wurden, waren sie in je-
den Eigenbedarf bestimmt war, ist es ebenso dem Fall dort zur Stelle, wo inanzielle Inter-
möglich, dass Textilien verkauft wurden, um essen der Königin auf dem Spiel standen. Al-

über 2/15 ANTIKE WELT 33


Machtvolle Frauen – Die neuassyrischen Königinnen und ihre Haushalte

les in allem gewinnt man den Eindruck, dass sil, vor sich hält, während sie mit ihrem Sohn,
die «Haushalte der Königin» von Frauen mit König Asarhaddon (680–669 v. Chr.), an ei-
dieser Amtsbezeichnung geleitet wurden. ner kultischen Prozession teilnimmt (Abb. 2).
In der bekannten «Bankettszene» sieht man
Darstellungen neuassyrischer Königinnen die Königin Libbali-šarrat, die auf einem
Wir kennen nur wenige Darstellungen neu- kunstvoll gearbeiteten, hohen Stuhl Platz
titelthema

assyrischer Königinnen. Ein Bronzerelief- genommen hat und eine «Mauerkrone», ein
fragment zeigt die Königin Naqi’a, die einen Zeichen der Vorherrschaft Assyriens, trägt
Spiegel, ein sehr wertvolles weibliches Uten- (Abb. 3). Auch in Texten werden die Köni-

Abb. 2
Fragment eines Bronze-
reliefs. H: 33 cm; L: 31 cm;
D: 6,5 cm. Louvre. Ur-
sprünglich wohl vergoldet.

34 ANTIKE WELT 2/15 über


Machtvolle Frauen – Die neuassyrischen Königinnen und ihre Haushalte

Abb. 3
Ausschnitt aus einem neu-

titelthema
assyrischen Relief
(«Bankettszene»). Alabas-
ter, British Museum.
Die Gewänder neuassyri-
scher Königinnen waren
mit Metallfäden und Gold-
plättchen reich bestickt.
Beim Fall Ninves wurde
das Gesicht der Königin
rituell zerstört (vgl. Beitrag
Pruzsinszky Abb. 2).

über 2/15 ANTIKE WELT 35


Machtvolle Frauen – Die neuassyrischen Königinnen und ihre Haushalte

ginnen als thronend beschrieben. Man kann Text- als auch die Bildzeugnisse deuten aber
dies als einen deutlichen Hinweis auf ihre Be- an, dass die Stellung der Königinnen während
deutung und auf die Ehrfurcht, die man vor der neuassyrischen Zeit gemeinhin wichtig
ihnen empfand, werten. war.

Politischer einluss
titelthema

Die sehr gut bezeugte Königin Naqi’a ist


wohl am besten von einem Text her bekannt,
adresse der autorin
den Assyriologen mit der Überschrift «Ver-
Dr. Saana Svärd
trag der Zakûtu» versahen. Er besagt, dass Department of World Cultures/ Assyriology
P.O.Box 59
Naqi’a / Zakûtu die Brüder Assurbanipals, 00014 University of Helsinki
den gesamten Hofstaat und darüber hinaus Finnland
Email: saana.svard@helsinki.i
die gesamte «Nation» zur unerschütterlichen
Treue dem neuen König Assurbanipal gegen- Übersetzung
über verplichtete. Der Vorgang ist einzigar- Dr. Helga Vogel, Berlin
tig, und obwohl uns auch andere Zeugnisse
Bildnachweis
für die wichtige Rolle Naqi’as bei politischen
Abb. 1: Lamia Al-Gailani; 2. 3: Peter Bartl.
Entscheidungen vorliegen, verdeutlicht die-
ses Dokument ihre Entschlossenheit und ihre literatur
Möglichkeiten am besten. Naqi’as außeror- S. L. MACGREGOR, Beyond Hearth and
dentliche Autorität wird manchmal allerdings Home: Women in the Public Sphere in Neo-
Assyrian Society. State Archives of Assyria
auch als Teil eines Planes ihres Sohnes Asar- Studies 21. Helsinki: The Neo-Assyrian Text
Corpus Project (2012).
haddon interpretiert, der ihre Stellung ge-
S. MELVILLE, The Role of Naqia / Zakutu in
stärkt haben könnte, um den Weg für den Re- Sargonid Politics. State Archives of Assyria
gierungsantritt von Assurbanipal zu ebnen. Studies 9. Helsinki: Neo-Assyrian Text Corpus
Project (1999).
Obwohl die Zeugnisse für Naqi’a exzeptionell
K. GRAYSON, Assyrian Rulers of the Early
ausfallen, steht sie trotzdem nicht alleine. Es First Millenium BC II (858–745 BC). The
gibt immer noch die Debatte, ob Sammu-ra- Royal Inscriptions of Mesopotamia: Assyrian
Periods, Vol. III. Toronto: University of Toronto
mat, die Mutter des Königs Adad-Nirari III. Press (1996).
(810–783 v. Chr.), zusammen mit ihrem S. PARPOLA / K. WATANABE, Neo-Assyrian
Sohn regierte. Auf jeden Fall unternahmen Treaties and Loyalty Oaths. State Archives of
Assyria 2. Helsinki: Helsinki University Press
sie gemeinsam eine militärische Kampagne (1988).
und errichten gemeinsam ein Denkmal, um S. SVÄRD, Women and Power in Neo-Assy-
ihres Sieges zu gedenken. Königinnen wie rian Palaces. State Archives of Assyria Studies
23. Helsinki: The Neo-Assyrian Text Corpus
Sammu-rammat oder Naqi’a gelten schnell Project (2015).
als Ausnahmen von der Regel. Sowohl die

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36 ANTIKE WELT 2/15


über
Neues aus der Antikensammlung und dem Vorderasiatischen Museum

Transformationen der Antike


Forschen im Verbund

U nsere Vorstellungen von der Antike


sind einem steten Wandel unterwor-
fen. Jede Generation geht auf ihre jeweils
Das Museum als Forschungsobjekt
Die Antikensammlung SMB ist mit dem
Teilprojekt B04 «Klassiikation und Plura-
jekts ist das Museum des 19. und begin-
nenden 20. Jhs. als Ort der Transformation,
wobei das Museum nicht nur als Begleit-
eigene Art mit der historischen Überliefe- lisierung: Antike(n) im Museum», das un- erscheinung der Ausdiferenzierung der
rung um und konstruiert ein Bild, das in ter der Leitung von Andreas Scholl von altertumskundlichen Disziplinen verstan-
großen Zügen durch die Sehnsüchte, Fra- zwei Wissenschaftlern bearbeitet wird, den wird, sondern als «Labor» zur Klas-
gestellungen und Probleme der eigenen am SFB beteiligt. Gegenstand des Teilpro- siikation und Deutung archäologischer
Zeit geprägt ist.
Der an der Humboldt-Universität zu
Berlin angesiedelte und von der Deutschen Abb. 1 Aufstellung der griechischen Skulpturen des 4. Jhs. v. Chr. im Nordsaal des Alten
Forschungsgemeinschaft inanzierte Son- Museums in Berlin um 1907.
derforschungsbereich 644 «Transformatio-
nen der Antike» widmet sich seit nunmehr
über 10 Jahren fächerübergreifend und in-
terdisziplinär dem Phänomen der Antiken-
rezeption von der Spätantike bis in die Mo-
derne. Dem theoretischen Ansatz des SFB
liegt die Hypothese zugrunde, dass «Die
Antike» keine feststehende Größe ist, son-
dern in einem mittlerweile 2000-jährigen
Prozess ständiger Um- und Ausarbeitung,
der Entdeckung und des Verwerfens, des
Vergessens und der Ignoranz ebenso wie
der Erindung und Neukontextualisierung
immer wieder neu geschafen wird. Dieser
langwierige Gesamtprozess wird als Trans-
formation bezeichnet. Wesentlich ist da-
bei der Gedanke, dass sich durch den Be-
zug auf die Antike als Referenzkultur auch
die jeweilige Aufnahmekultur neu kon-
stituiert und ausrichtet. Für diese wech-
selseitige Beeinlussung hat der SFB aus
dem Griechischen den neuen Begrif der
Allelopoiese  – der wechselseitigen Her-
vorbringung  – geprägt. In seiner dritten
und letzten Förderphase (2013–2016)
vereint der SFB 14 sozial- und geisteswis-
senschaftliche Fächer in 19 Projekten mit
rund 90 Wissenschaftlerinnen und Wissen-
schaftlern, die sechs Fakultäten der Hum-
boldt-Universität zu Berlin, der Freien Uni-
versität Berlin, dem Max-Planck-Institut
für Wissenschaftsgeschichte und der Anti-
kensammlung der Staatlichen Museen zu
Berlin angehören.

über 2/15 ANTIKE WELT 37


MUSEUMSINSEL BERLIN

Neues aus der Antikensammlung und dem Vorderasiatischen Museum

Die Kunsthistorikerin Elisabeth Hof-


mann befasst sich mit dem Prozess der
stetigen Neuordnung der Berliner Anti-
kensammlung und setzt diesen in Bezug
zu den sich wandelnden Konzeptionen
und Ausstattungen anderer europäi-
scher Antikenmuseen wie dem Louvre
und dem British Museum. Mit Hilfe von
Archivmaterial und historischen Fotogra-
ien rekonstruiert sie die Neuordnung der
Berliner Skulpturensammlung und be-
leuchtet im Rahmen einer museumshis-
toriograischen Vergleichsstudie die Stra-
tegien wissenschaftlicher Inszenierung,
Abb. 2 Aufstellung der römischen Skulpturen im Ostsaal des Alten Museums in Berlin
um 1907. insbesondere ihre wechselseitige Aus-
wirkung auf die archäologische Fachwelt
und deren gesellschaftspolitische Instru-
Artefakte und gleichzeitig als Modell der Originale erstmals von den römischen Ko- mentalisierung.
gesellschaftlichen und kulturellen Rück- pien getrennt. Vollständig ergänzte Skulp-
versicherung in der antiken Vergangen- turen wurden entrestauriert und in ihren Provinzialrömische Antiken im
heit. fragmentarischen Zustand zurückgeführt. Museum
In Kompartimenten symmetrisch grup- Die Akademisierung und museale Präsen-
Reinhard Kekulé und die Neu- piert waren die Denkmäler nach einem tation setzten in der provinzialrömischen
aufstellung der antiken Skulpturen kunstarchäologischen Ordnungssystem Forschung erst verhältnismäßig spät ein.
im Alten Museum aufgestellt und in Bezugssysteme einge- In den Jahrzehnten unmittelbar vor dem
Die seit dem letzten Drittel des 19. Jhs. erfor- ordnet, die ein vergleichendes Sehen er- Ausbruch des Ersten Weltkriegs nahm die
derliche Umstrukturierung und räumliche möglichten. Um die antike Kultur in ihrer provinzialrömische Forschung dann aber
Ausweitung der Berliner Antikensamm- Gesamtheit erfahrbar werden zu lassen, einen gewaltigen Aufschwung: Erstmals
lung führte 1906 / 07 zur Neupräsentation wurden neben den Statuen und Büsten wurden ambitionierte Forschungsprojekte
der Skulpturen im Alten Museum unter auch Sarkophage, Altäre und Urnen aus- initiiert und großlächige Ausgrabungen
Reinhard Kekulé von Stradonitz (Abb. 1. 2). gestellt. Die Wahl der Klassiizierungsver- unternommen. Die provinzialrömische Ar-
Die bestehende thematische Ordnung fahren und Präsentationsweisen hatte chäologie etablierte sich als eigene Fach-
wurde zugunsten einer chronologischen demnach unmittelbare erkenntnisorien- richtung an den Universitäten, und damit
Konzeption aufgegeben und griechische tierte Zielsetzungen. einher ging die Errichtung von Museums-

Abb. 3 Das 1906 / 07 in klassizistischem Stil errichtete Abb. 4 Präsentation der frühkaiserzeitlichen Grabungsfunde
Museum im westfälischen Haltern. aus den römischen Militäranlagen im Halterner Museum.

38 ANTIKE WELT 2/15 über


MUSEUMSINSEL BERLIN
Neues aus der Antikensammlung und dem Vorderasiatischen Museum

bauten, die vorwiegend oder ausschließ- sches Archivmaterial, Festreden und Pres- tur- und gesellschaftspolitischen Rele-
lich der Aufbewahrung und Präsentation seberichte. Anhand von gedruckten Füh- vanz früher provinzialrömischer Museen
von römischen Altertümern heimischer rern und historischen Fotograien (Abb. 4) befassen wird. Aus dem Projekt wird
Provenienz gewidmet waren. Im Unter- sollen Ausstellungskonzepte rekonstruiert eine Reihe von Publikationen hervor-
schied zu den Sammlungen mediterra- und herausgearbeitet werden, inwiefern gehen, die interessante Aufschlüsse zur
ner Kunst handelte es sich hierbei um Ge- sich zeitgenössische Vorstellungen und Museums-, Kultur- und Gesellschaftsge-
schichtsmuseen, die den Besuchern mit Geschichtsbilder in der Präsentation der schichte des späten 19. und frühen 20.
Hilfe didaktischer Mittel  – Rekonstrukti- Objekte spiegeln. Jhs. erwarten lassen.
onen, Modelle, Fotograien, Karten und Im Rahmen des Workshops «Archäologie
Pläne – historische und kulturgeschichtli- und Rekonstruktion – Strategien visueller Er-
che Zusammenhänge vermitteln sollten. kenntnisprozesse» (Berlin, 11.–12. 12. 2014)
An Einzelbeispielen – darunter das His- wurde mit externen Wissenschaftlern die Adresse
torische Museum der Pfalz in Speyer, das Frage erörtert, inwiefern Rekonstruktionen Dr. Ralf Grüßinger
Elisabeth Hofmann M.A.
Provinzialmuseum in Trier und das Rö- wissenschaftliche Forschungen maßgeb- Antikensammlung SMB
misch-Germanische Museum in Haltern lich ermöglicht haben und als Verfahren in- Geschwister-Scholl-Str. 6
D-10117 Berlin
(Abb. 3) – untersucht der Archäologe Ralf nerhalb der Archäologie wirksam werden,
Grüßinger die gesellschaftspolitischen und während sich die Tagung «Appropriation Bildnachweis
kulturgeschichtlichen Faktoren, die zur Ent- und Deutung  – Frühe Grabungsmuseen in Abb. 1. 2: © Fotos: Staatliche Mu-
stehung der ersten provinzialrömischen Mitteleuropa und die Stellung Roms im seen zu Berlin, Zentralarchiv;
3. 4: © Postkarten: Archiv des LWL-
Museen im Deutschen Kaiserreich führten. nationalen Geschichtsbewusstsein um Römermuseums, Haltern am See.
Hierbei stützt er sich v. a. auf zeitgenössi- 1900» (Berlin, 26. 3. 2015) mit der kul-

Abb. 1 Julius Euting, «Momentauf-


Julius Euting in Sendschirli nahme» der Arbeiten im Löwengrund:
Sendschirli, 2. März 1890.

auf Extratour
Die epigraphische Expedition im April 1890

D ie zweite Ausgrabungskampagne in
Sendschirli (Süd-Ost-Anatolien, heute
Zincirli / Türkei) fand vom 28. Januar bis
stantinopel gefasste Plan, zusammen mit
Karl Sester eine Reise nach Mossul / Hatra
zu unternehmen, musste wegen der kurz-
14. Juni 1890 unter der Leitung von Felix fristig nicht zu beschafenden Papiere auf-
v. Luschan im Auftrag des 1887 gegründe- gegeben werden.
ten Orient-Comités (OC) statt. Die Lizenz Unmittelbar nach Ankunft in Sendschirli
für die Ausgrabungen war auf Felix v. Lu- am 30. Januar 1890 begann mit «30 Die-
schan ausgestellt; als weitere Teilnehmer nern» – die Ausgrabung. Euting fand zu-
der wissenschaftlichen Unternehmung nächst im Zelt, in dem das Wasser gefror,
gehörten Robert Koldewey als Architekt, Unterkunft. Erst später konnte er in eine
Eduard Stucken (als Volontär) sowie der Baracke umziehen.
Orientalist und Spezialist für orientalische
Sprachen, Julius Euting (1839–1913), dem Auf der Jagd nach Inschriften
Ausgrabungsteam an. Obwohl Euting für die archäologische Auf-
Zunächst war unsicher, ob Euting in- sicht bei den Ausgrabungen ofenbar nicht
folge tagelanger Krankheit während der efektiv einzusetzen war, nahm er unmit-
Anreise überhaupt das Ziel Sendschirli er- telbaren Anteil, als in der sog. Löwengrube
reichen würde. Der Mitte Januar in Kon- die großen Löwenskulpturen Nr.  2 bis 5,

über 2/15 ANTIKE WELT 39


MUSEUMSINSEL BERLIN

Neues aus der Antikensammlung und dem Vorderasiatischen Museum

durchaus in seinem Element. Anfang und tion von Inschriften, für die er um Geneh-
Ende des 34 Zeilen langen Textes konnte migung bat, zu unternehmen. V. Luschan
er bald übersetzen. unterstützte das Vorhaben mit 100 Talern
und mit der Aulage, dass die Hadad-In-
schrift bis zur Abreise vollständig gelesen
«Der Teufel kann bekanntl(ich) das sein müsse.
Abklatschen nicht leiden; in Am 29. März 1890 brach Julius Euting
Museen hat er nur ausnahmsweise mit dem General-Consul Dr. Schröder aus
Zutritt; wenn er aber auf freiem Beirut und einigen einheimischen Beglei-
Feld einen ein Papier & und Bürste tern zur Inschriften-Expedition, die bis
herausziehen sieht, da fangt der zum 21. April dauern sollte, auf. Die wich-
Duckmäuser, der sich vorher schla- tigsten Stationen der kleinen Karawane
fend stellte, plötzlich an, aus allen waren Aintab (heute Gaziantep), Rumka-
Tonarten & und um alle Ecken her- leh, Urfa (heute Şanlıurfa), Membidsch,
umzublasen. Auf mich hat ers glaub el-Bab, Aleppo sowie Kalcat Simcan. In sei-
ich noch besonders abgesehen.»  nem zusammenfassenden Bericht an das
3. Februar 1890 OC bilanzierte Euting, dass seine Erwar-
Abb. 2 Julius Euting, Zeichnung eines
palmyrenischen Grabreliefs einer Frau. Die tungen hinsichtlich der Ausbeute an In-
Namensbeischrift ist weggebrochen, der schriften weit übertrofen wurden. Neben
Rest der Inschrift ist die Datierung «… im Trotz der Mühen um die vollständige Ent- der Revision bereits bekannter Texte ent-
Monat Iyar, Jahr 400+65» (Mai 154 n. Chr.); ziferung der Inschrift, die sich als Königs- deckte und dokumentierte er zahlreiche
Aleppo, 15. April 1890.
inschrift Panamuwas I. (erste Hälfte 8. Jh. neue Inschriften. Vor allem die in Eutings
v. Chr.) erwies, war Julius Euting als Phi- Tagebuch auf der Rundreise gemach-
lologe ofenbar nicht wirklich ausgelas- ten (griechischen, altsyrischen, palmyreni-
von denen drei heute in Raum 2 des Vor- tet. Zwar ein «guter Kerl», der viel und schen, hebräischen, altarabischen, hethi-
derasiatischen Museums ausgestellt sind, lange schlafen konnte, waren Eutings In- tischen) Inschriften-Kopien, Zeichnungen,
entdeckt und geborgen wurden (Abb. 1). teressen an philologischen Aufgaben er- Pläne, Notizen und die angefertigten Ab-
Beim Abklatschen, Kopieren und bei der heblich größer. So informierte er Anfang klatsche sind Belege für den wissenschaft-
Entziferung der umfangreichen Inschrift März 1890 den Vorstand des OC über den lichen Erfolg der Inschriften-Reise.
auf der monumentalen Hadad-Statue aus Wunsch, von Sendschirli ausgehend, eine
dem benachbarten Gerçin war er aber mehrwöchige Rundreise zur Dokumenta-
«Die Buben, welche uns folgten,
machten Witze über die Abklatsch-
bürste, welche hinten aus meiner
Rocktasche herausschaute; ver-
meintl(ich) dachten sie sich, das sei
ein einzigartiges Instrument, um
sich den Hintern zu putzen!»
6. April 1890

Abb. 3
Julius Euting, Aquarell des Fußboden-
mosaiks aus einer Grabhöhle bei
Urfa, Anfang 3. Jh. n. Chr.; freigelegt
und skizziert am 8. April, ausgeführt
am 23. April 1890.
Die Inschrift zwischen zweiter und dritter
Figurenreihe lautet: «Ich, Balay, Sohn
des Gawsi, habe mir erbaut diese Behau-
sung der Ewigkeit für mich und für
meine Kinder und für meine Erben».

40 ANTIKE WELT 2/15 über


MUSEUMSINSEL BERLIN
Neues aus der Antikensammlung und dem Vorderasiatischen Museum

Verwirrung um ein Mosaik


Besonderes Interesse fanden auch archäo-
logische Objekte und Inschriften in Privat-
sammlungen von Aleppo (Andreas & Nicóla
Marcópoli, Franziskaner im Collège de la
Terre Sainte, Gebrüder Poche), darunter
insbesondere Mosaiken und palmyreni-
sche Grabreliefs (Abb. 2). Die 1844 von
Eduard Sachau entdeckte und publizierte
Trilingue von Zebed (griechisch  – sy-
risch  – arabisch) war an ihrem Fundort,
der Sergius-Kirche (datiert 512 n. Chr.),
nicht auindbar. Völlig unerwartet ent-
deckte Euting diese Inschrift aber  – nun
zum besseren Verkauf in vier Stücke zer-
teilt  – im Magazin von Frédéric Poche,
Abb. 4 Julius Euting, Farbkopie eines Fußbodenmosaiks aus Urfa, etwas lüchtigere Version
Consul Belgiens und Vice-Consul der Ver- (vgl. Abb. 3).
einigten Staaten von Amerika. Durch wis-
senschaftliche Veröfentlichungen war der
Besitzer über den Wert gut unterrichtet. tete, er hätte sie vom originalen Mosaik, Humor, in Worte gefassten Beobachtun-
Zur Dokumentation wurde unverzüglich das sich in einer Grotte  2 bis 3  Stunden gen von Land und Leuten berechtigen
nachts zwischen 21 und 24 Uhr ein Ab- von Idlib (bei Aleppo) befände, gemacht. dazu, die eingangs erwähnten Qualiika-
klatsch gemacht. Versuche Eutings, diese Trotz der falsch gelegten Spuren und ei- tionen Julius Eutings als «Orientalist und
bedeutende Steininschrift für die Berliner niger Unstimmigkeiten im Detail war der Spezialist für orientalische Sprachen» um
Königlichen Museen zu sichern, führten tatsächliche Fundort des «Mosaiks von Id- die Qualiikation Eutings als «Forschungs-
zu keinem Erfolg. Heute beindet sie sich lib / Aleppo» mit Urfa gesichert. Die Be- reisender» zu ergänzen und Eutings Talent
in Brüssel, Musée Royaux d’ Art et d’Histoire wertung des Vorfalls klingt im «Original- als Maler zu würdigen.
(Inv. A. 1308). ton Euting»: «Der Hund hat gelogen»; «O
In Urfa erhielt Euting Kenntnis darüber, Hund, elender!»; «Vielleicht hat dieser sau-
dass vor etwa drei Monaten in einer Grab- bere Vogel das Nest selber ausgehoben.»
Adresse des Autors
höhle (Höhle b) vor dem Samsater Tor, un- Eutings Befürchtung hinsichtlich des To-
Dr. Ralf-B. Wartke
weit der neu erbauten türkischen Kaserne talverlustes des Mosaiks wurde kurz nach c/o Vorderasiatisches Museum SMB
ein prachtvoller, intakter Mosaikfußboden seiner Entdeckung real: Trotz unverzügli- Geschwister-Scholl-Str. 6
D-10117 Berlin
in den Abmessungen von ca. 4 x 4 m ent- cher Information nach Konstantinopel mit
deckt worden war. In der kurzen Zeit von dem Ziel der Sicherstellung des extrem ge- Bildnachweis
seiner Auindung bis zur erneuten Freile- fährdeten Mosaiks war es nach kurzer Zeit Abb. 1: © Universitätsbibliothek
gung durch Euting am 8. April 1890 wa- zerstört. Einzig die Tagebuchskizzen vom Tübingen / Md 676-8_128; 2: ebda.
Md676-9_278; 3: ebda. Md676-
ren dem Mosaik bereits schwere Schäden 18. / 19. Januar und vom 8. April sowie zwei 10_321v / 322r; 4: © Staatliche Mu-
beigebracht worden: Einige Köpfe fehl- in Sendschirli angefertigte Farbkopien – seen zu Berlin – Vorderasiatisches
Museum, Archiv Orient Comité
ten. Das Bildfeld, auf drei Reihen verteilt das Aquarell vom 23. April (Abb. 3) und das
II.2.24, Foto: Olaf M. Teßmer.
insgesamt 13  Personen darstellend, wird Bild zur Illustration von Eutings Reisebe-
von mehreren Ornamentrahmen einge- richt an den Vorstand des OC vom 25. April Literatur
fasst. Jede Person ist durch eine syrische (Abb. 4) – stellen die einzigen Dokumente J. ЁUTING, Tagbuch der Reise
Beischrift benannt (Abb. 3). Beim Studium des verlorenen Originals dar. nach Nord-Syrien I–IV, 27. Dez.
1899 –27. Mai 1880.
der Darstellungen und Inschriften erin- Umfang und Details der wissenschaft-
nerte sich Euting an die Skizzen, die er an lichen Bilanz spiegeln die Tagebuchein- DERS., Notulae epigraphicae, in:
Florilegium ou recueil de travaux
Bord während der Schiffahrt Smyrna – träge der dreiwöchigen Rundreise wider. d’érudition: dédiés à Monsieur
Alexandrette (18. / 19. Januar 1890) von In ihnen inden sich neben den eher we- le Marquis Melchior de Vogüé à
l’occasion du quatre-vingtième
Zeichnungen eines Mosaikfußbodens, die nig attraktiven Inschriften-Kopien auch anniversaire de sa naissance (1909)
ihm ein Mitreisender namens Pediani zahlreiche qualitätvolle Aquarelle. Diese 231–240.
zeigte, angefertigt hatte. Dieser behaup- und die im Tagebuch, mitunter nicht ohne

über 2/15 ANTIKE WELT 41


Abb. 1
Blick auf das Tübinger
Grabungsareal mit wieder
Die antike Stadt Urkeš – Tall Mozan
aufgestellten restaurier-
ten Gefäßen. Die hier Frühe Stadtentwicklung im Norden Mesopotamiens
freigelegte Architektur ist
ein Wohnhaus des begin-
nenden 2. Jts. v. Chr. Im
Hintergrund die zentrale
Erhebung der Ober-
Im Siedlungshügel Tall Mozan in Nordost-Syrien verbirgt sich eine der
stadt, die den Tempel- größten Städte Nordmesopotamiens. Schon am Ende des 4. Jts. v. Chr.
komplex birgt. besteht das monumentale Stadtzentrum mit einer großen Tempelanlage
und einem davor liegenden freien Platz. In der Mitte des 3. Jts. v. Chr.,
als die Stadt ihre größte Ausdehnung erreicht, deuten viele Elemente auf
eine ausgeprägte Stadtplanung hin. Die Befunde zeigen eine sehr frühe
und eigenständige urbane Gesellschaftsentwicklung in Nordmesopota-
mien an.

von Anne Wissing tale Gebäudekomplexe in dieser ausgedehnten


Stadtanlage den hohen Entwicklungsstand der

D ie frühen Städte im Süden Mesopota-


miens sind bekannt als Wiege der Zivi-
lisation. Vor allem die große Stadtanlage von
gesellschaftlichen Organisation an (Abb. 1. 2).
Dem Vorreiter Uruk folgen im 3. Jt. v. Chr.
weitere große Stadtzentren wie Ur, Lagaš,
Uruk steht im 4. Jt. v. Chr. namengebend für Nippur und andere.
die Entstehung einer der ersten Kulturen mit Die spektakulären Ergebnisse der oft schon
komplexen Gesellschaftsstrukturen. Neben be- im späten 19. oder in der ersten Hälfte des
eindruckenden Funden zeigen v. a. monumen- 20. Jhs. durchgeführten Ausgrabungen hinter-

42 ANTIKE WELT 2/15 über


Die antike Stadt Urkeš – Tall Mozan – Frühe Stadtentwicklung im Norden Mesopotamiens

lassen bis heute einen nachhaltigen Eindruck


und stellen im Bewusstsein einer archäolo-
gisch interessierten Leserschaft alle anderen
Siedlungen der Zeit in den Schatten.
Jedoch wurden mit Beginn der intensiven
Erforschung des nördlichen Teils Mesopota-
miens seit den 1970er Jahren auch dort große
Stadtzentren entdeckt, die häuig zumindest
in das 3. Jt. v. Chr. datieren. Es stellte sich
die Frage, wie die Stadtentwicklung und da-
mit die Entstehung komplexer Gesellschafts-
strukturen in diesem Gebiet verlief und ob es
sich um eine nachfolgende, von Südmeso-
potamien beeinlusste Entwicklung oder um
parallele Prozesse handelte.
Aus dieser Frage entwickelte sich unter der
Leitung von Peter Pfälzner von der Universität
Tübingen ein Forschungsprojekt zur «Urbani-
sierung Nordmesopotamiens im 3. Jt. v. Chr.».
Abb. 2 Die Lage Tall Mozans im Norden Mesopotamiens.
Inhalt dieses Projektes war, die räumliche und
funktionale Organisation von Stadtsiedlungen
unter besonderer Berücksichtigung von städte- Abb. 3 Der Tall Mozan mit der 35 ha großen Oberstadt, die von einer ausgedehn-
ten Unterstadt umgeben ist (links). Auf dem Plan der Oberstadt (rechts) sind
planerischen Aspekten zu untersuchen.
die Grabungsschnitte eingezeichnet. Die grau markierten Bereiche sind die Ausgra-
Als Forschungsobjekt wurde der Tall Mo- bungen der Universität Tübingen / Deutschen Orient-Gesellschaft (Zeichnungen:
zan nahe der syrischen Grenze zur Türkei, A. Bianchi).
75

80
5700 N
85

F1
95

90

5500 N 99
99
80

Tempel BA
85
90
95

Palast AA B6
C2

91.65
freier
95

Platz Wohnviertel
5300 N
90
90
80

85
75

85
80
95

0 50 100 m
5300 E 5500 E 5700 E

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Die antike Stadt Urkeš – Tall Mozan – Frühe Stadtentwicklung im Norden Mesopotamiens

                              


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TALL MOZAN 1998-2001




Bereiche B6 und C2

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Abb. 4 wenige Kilometer entfernt von der heutigen Die konkrete Zielstellung der Tübinger
Die Durchführung Stadt Qamišli, ausgewählt (vgl. Abb. 2). Er ist Ausgrabungen
einer geomagnetischen
Prospektion (links) und der
mit 135 ha einer der größten Siedlungshügel 1998 begannen die auf vier Jahre angesetzten
Ausgrabungen (rechts) in der Gegend. Die seit 1984 unter der Leitung archäologischen Ausgrabungen des Tübinger
der Oberstadt von Tall von Marilyn Kelly-Buccellati und Giorgio Teams um Peter Pfälzner unter der Schirm-
Mozan führten zur Erfas-
Buccellati vom «International Institute for herrschaft der Deutschen Orient-Gesellschaft.
sung eines monumentalen
Tempelkomplexes im Mesopotamian Area Studies» (Los Angeles) Um sich der Beantwortung der Frage nach
Zentrum der Stadtanlage auf dem Tall Mozan durchgeführten Ausgra- der funktionalen Organisation dieser Stadt-
(rekonstruierter Plan der bungen zeigten, dass die Siedlung mindestens anlage zu nähern, wurden drei Elemente in
Anlage links). Der freie
bis in die 1. Hälfte des 3. Jts. v. Chr., also in den Fokus genommen:
Platz südlich des Tempel-
ovals wurde zu Ehren des die Zeit der Stadtentstehung in Nordmeso- Erstens sollte das Stadtzentrum unter-
ersten Ausgräbers von Tall potamien, zurückreicht. Sie gruben ein Tem- sucht werden. In der Topographie von Tall
Mozan «Max-Mallowan- pelgebäude (BA) an der höchsten Stelle im Mozan ist im zentral-südlichen Bereich der
Platz» genannt (Geomag-
netische Prospektion: GGH
Zentrum der Oberstadt aus und erfassten im Oberstadt deutlich eine Senke zu erkennen.
Freiburg, Zeichnung: westlichen Bereich der Oberstadt einen Palast Es stellte sich die Frage, ob diese Senke einen
A. Bianchi). (AA), dessen Funde ermöglichten, den anti- zentral angelegten, freien Platz mit öffentli-
ken Siedlungshügel mit der alten hurritischen chen Funktionen markiert.
Stadt Urkeš zu identiizieren, die am Ende Zweitens sollte in der Nachbarschaft des
des 3. Jts. v. Chr. hier existierte (Abb. 3). Stadtzentrums untersucht werden, ob es ein

44 ANTIKE WELT 2/15 über


Die antike Stadt Urkeš – Tall Mozan – Frühe Stadtentwicklung im Norden Mesopotamiens

Wohnviertel gibt, das in seiner Anlage evtl.


stadtplanerische Elemente aufweist.
Und drittens sollte erforscht werden, ob
das Wegenetz systematisch angelegt ist.

Die Ergebnisse der Tübinger Ausgra-


bungen auf dem Tall Mozan
Die Ausgrabungen und geomagnetische Pro-
spektionen erbrachten überraschende Ergeb-
nisse:
Der Tempel BA im Zentrum der Oberstadt
ist Teil einer ausgedehnten Anlage (Abb. 4).
Das eigentliche Tempelgebäude steht auf ei-
ner massiven, aus Lehmziegeln errichteten
Hochterrasse. Diese hat ein Ausmaß von
45 x 55 m. Von Süden zieht an diese Lehm-
ziegelterrasse eine 21 m lange, trapezförmige hohen Terrasse, die das Tempelgebäude trug, Abb. 5
Aufgangsrampe mit einer monumentalen, einen überwältigenden Eindruck gemacht Zeichnerische Rekonstruk-
tion der Tempelanlage
ebenfalls trapezförmigen Steintreppe. haben (Abb. 6).
von Tall Mozan (Zeichnung:
Im Zentrum der trapezförmigen Treppe J. Schmid).
ist ein Mauersockel eingesetzt, der von Stu- Die Entwicklung der antiken Stadt vom
fen mit halber Tritthöhe eingefasst ist. Es Ende des 4. Jts. bis ca. 2600 v. Chr.
könnte sich bei diesem Sockel um die Basis Die stratigraphischen Untersuchungen des
einer Statue gehandelt haben (Abb. 5). Die Tübinger Teams konnten das Bestehen des Abb. 6
Hochterrasse mit dem Tempel ist von einer zentralen monumentalen Tempelkomplexes Im Vordergrund die in dem
4,50 m breiten, ovalen Umfassungsmauer um- für die 1. Hälfte des 3. Jts. v. Chr. (ab ca. 2700 Grabungsschnitt der Uni-
versität Tübingen erfasste
geben. Solche ovalen Tempelanlagen waren v. Chr.) nachweisen. Die zwischen 2005 und Begehungsläche des
bisher nur aus Südmesopotamien bekannt. 2011 erfolgten Anschlussuntersuchungen durch freien Platzes. Von ihr aus
Die Größe des Tempelovals beträgt 130 m in das amerikanische Team erbrachten eine blickt man nach Norden
auf die monumentale
O-W- und 70 m in N-S-Richtung. Damit Datierung der gesamten Tempelanlage so-
Steintreppe, die zum ehe-
bleibt die Anlage zwar kleiner als das größte gar an das Ende des 4. Jts. v. Chr. Durch maligen Tempel hinauf-
südmesopotamische Tempeloval in Lagaš, aber diese neue Datierung wäre das Tempeloval führt (Foto: K. Wita).
schon das bisher zweitgrößte Tempeloval in
Khafaghi ist kleiner als der Komplex in Mo-
zan.
Südlich dieser Tempelterrasse wurde im
Bereich der Hügelsenke eine Platzläche er-
fasst. Über eine Länge von 30 m war hier
keine Bebauung vorhanden. Dadurch ist die
These eines zentralen freien Platzes in der
Oberstadt bestätigt worden (vgl. Abb. 3. 4).
Südöstlich des freien Platzes wurde schließ-
lich eine Architektur angetroffen, die in einer
frühen Periode öffentliche Gebäude, später
aber ein Wohnviertel darstellt (vgl. Abb. 1).
Das monumentale Stadtzentrum prägte
die Stadt über den gesamten Zeitraum ih-
res Bestehens. Vom freien Platz aus, muss
der Tempelkomplex mit der 5 m hohen ova-
len Umfassungsmauer, der ebenfalls ca. 5 m
hohen Monumentaltreppe und der ca. 10 m

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Die antike Stadt Urkeš – Tall Mozan – Frühe Stadtentwicklung im Norden Mesopotamiens

in Mozan sogar die älteste bekannte Oval- sozio-politischen Gesellschaftsorganisation zu


anlage Mesopotamiens. Auch der freie Platz verbinden ist. Eine Bevölkerungsagglomera-
südlich des Tempelkomplexes scheint in tion in größerem Maßstab ist aber noch nicht
dieser frühen Periode schon existiert zu ha- zu verzeichnen.
ben. Mit dieser Architektur sind öffentliche
Bauvorhaben größeren Umfangs umgesetzt Die antike Stadt in der Mitte des
worden, die nach Peter Pfälzner «als hinrei- 3. Jts. v. Chr.
chende Kennzeichen für einen Urbanisie- Erst um ca. 2600 v. Chr. erfolgt eine große
rungsprozess gelten können». Komplexe Ge- Ausdehnung der Stadt und eine erhebliche Be-
sellschaftsstrukturen mit gezielter zentraler völkerungszunahme. Es entsteht die mit einer
Ressourcenverwaltung entstanden also auch Stadtmauer versehene Unterstadt. Der ge-
in Nordmesopotamien am Ende des 4. Jts. rade Verlauf der Mauerstränge deutet auf eine
v. Chr. Obwohl in dieser Zeit die gesellschaft- polygonal angelegte Stadtanlage (Abb. 7, D).
liche Komplexität der Stadt Uruk im Süden Am Treffpunkt der Mauerstränge beinden
schon voll ausgeprägt war, lässt die frühe sich die Stadttore (vgl. Abb. 7, A). Straßen und
Datierung und das damit verbundene erst- Gassen sind spinnennetzartig angelegt (vgl.
malige Auftreten der speziellen Baustruktur Abb. 7, E), erschließen so die dicht bebaute
eines Tempelovals in Tall Mozan, die später Unterstadt (vgl. Abb. 7, F) und verbinden die
auch in einigen südmesopotamischen Städ- äußeren Stadttore direkt mit der Oberstadt.
ten Eingang indet, eine rein sekundäre, den Auch letztere wird ausgebaut. Südöstlich des
Entwicklungen Südmesopotamiens folgende Freien Platzes entsteht ein monumentales,
Entwicklung ausscheiden. öffentliches Gebäude (vgl. Abb. 7, C2). Es
Abb. 7 Allerdings ist die Unterstadt von Tall Mo- zeigt, dass der zentrale Stadtbereich in dieser
Das Magnetogramm zan bis ca. 2600 v. Chr. noch nicht besiedelt. Zeit einer öffentlichen Nutzung vorbehalten
der Unterstadt (links) und
die daraus gewonnene Gräber in ihrem nordwestlichen Bereich war. Die in großer Anzahl in den Nutzungs-
zeichnerische Rekonstruk- deuten an, dass sie möglicherweise als extra- phasen dieser Periode aufgefundenen Tür-
tion der Stadtanlage der urbane Nekropole genutzt wurde. und Gefäßsicherungen mit Siegelabrollun-
Mitte des 3. Jts. v. Chr.
In Tall Mozan besteht also am Ende des gen weisen auf umfangreiche administrative
(rechts; Geomagnetische
Prospektion: GGH Freiburg, 4. Jts. v. Chr. eine Monumentalarchitektur im Tätigkeiten in diesem Stadtbereich hin. Es
Zeichnung: A. Bianchi). Siedlungszentrum, die mit einer komplexen muss jedoch offen bleiben, ob diese mit dem

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Die antike Stadt Urkeš – Tall Mozan – Frühe Stadtentwicklung im Norden Mesopotamiens

zentralen Tempel in Verbindung standen und und die kleinteilige Wohnbebauung südöst-
so die zentrale Oberstadt in Urkeš in dieser lich des freien Platzes in der Oberstadt lockert
Zeit ein ausschließlich kultischer Bereich war. sich auf. Dies zeigt einen weiteren Rückgang
Möglich ist auch, dass es sich um separate der Bevölkerung an.
politisch-administrative Strukturen handelte. Dem gegenüber entsteht in unmittelbarer
Festhalten lässt sich, dass in der Mitte des Nachbarschaft der Wohnhäuser ein großes
3. Jts. v. Chr. eine neue Stadtstruktur – die Handelshaus, dessen Ausprägung und Funde
einer Polygonalstadt – entsteht, in der die auf intensive Kontakte nach Südmesopota-
Menschen in der Unterstadt siedeln. Im Zen- mien verweisen. Die Anlage des Gebäudes
trum der Oberstadt konzentrieren sich öffent- mit einem zentralen großen Hof, um den sich
liche Monumentalgebäude. Viele Elemente im Norden und Westen jeweils eine Reihe
deuten auf eine zentrale Planung hin. von Räumen legt, und die vielen in diesen
Räumen gefundenen Siegelabrollungen von
Urkeš im letzten Viertel des 3. Jts. v. Chr. verschiedenen Händlern, von denen einer
Im letzten Viertel des 3. Jts. v. Chr. (ab ca. den Namen Puššam trägt und Diener eines
2300 v. Chr.) beginnt die allmähliche Aus- Fernhandelskaufmannes aus einer bisher un-
dünnung der Unterstadt. In der Oberstadt bekannten Stadt ist, lassen den Vergleich die-
erfolgt allerdings ein repräsentativer Ausbau ses Gebäudes zu mittelalterlichen Karawan-
und eine politische Akzentuierung, indem sereien aufkommen (Abb. 8).
westlich des zentralen Platzes der Palast des Dieses Gebäude weist die Stadt Urkeš als
hurritischen Königs Tupkiš entsteht. Es ist ein ökonomisch aktives urbanes Zentrum in
die Zeit, in der die antike Stadt auf dem Tall dieser Zeit aus. Es ist neben dem weiterhin
Mozan als das alte Urkeš identiizierbar ist. bestehenden monumentalen Stadtzentrum
Daneben entsteht südöstlich des freien Plat- trotz des zu verzeichnenden Bevölkerungs-
zes über den öffentlichen Gebäuden der rückganges Zeuge einer urbanen Kontinuität
vorhergehenden Periode ein Wohnviertel für in Urkeš am Ende des 3. Jts. v. Chr.
eine sozial niedrig stehende Bevölkerung.
Eventuell ist dies in Verbindung zu sehen Urkeš im 2. Jt. v. Chr.
mit der gleichzeitigen Ausdünnung der Un- Am Beginn des 2. Jts. v. Chr. erfolgt wieder
terstadt. Bevölkerungsteile könnten jetzt aus eine Bevölkerungszunahme in der Oberstadt.
der Unterstadt in die Oberstadt umgesiedelt Dies ist durch neue Häuser im Wohnviertel
sein. Die Gründe für ein gewisses Abwandern der Oberstadt angezeigt und auch über dem
der Bevölkerung, so wie es in der Unterstadt ehemaligen Palastareal im Westen der Ober-
von Mozan zu fassen ist, liegen nach den na- stadt entstehen neue, dicht bebaute Wohn-
turwissenschaftlichen Untersuchungen nicht viertel. Die Wohnhäuser des beginnenden
in einer agrarischen Krise. Eine allmähliche 2. Jts. v. Chr. gleichen sich in Anlage und
Bevölkerungsabwanderung muss sozio-poli- Ausrichtung und liegen an einem regelmäßi-
tische Ursachen gehabt haben. Die fehlende gen Gassensystem. Diese Ausprägung weist
zentrale Planung in der engen Agglomera- auf eine zentrale städtische Planung hin, die
tion der Häuser im Wohnviertel der Ober- jetzt am Beginn des 2. Jts. v. Chr. auch in
stadt könnte auf ein Nachlassen der straffen den Wohnvierteln greift. Die Bevölkerung
sozio-politischen Organisation der Stadt ist, nach der Größe und Anlage der Häuser
hinweisen. Dies könnte mit der Etablierung zu urteilen, eine sozial besser gestellte. Auf
der Dynastie des hurritischen Königs Tupkiš Grund der Entstehung neuer Wohnviertel
zusammenhängen. Es ist denkbar, dass die und des dadurch angezeigten Zuzugs neuer
neuen Machthaber andere Herrschafts- und Bevölkerungsteile in die Oberstadt von Tall
Administrationsprinzipien eingeführt haben, Mozan, können wir von einer in dieser Zeit
wodurch sich die sozialen und ökonomischen stattindenden Reurbanisierung sprechen. Es
Bedingungen für die Bevölkerung änderten. handelt sich aber nicht um die Einwanderung
Im letzten Jahrhundert des 3. Jts. v. Chr. einer komplett neuen Bevölkerung, da viele
ist die Unterstadt nur noch spärlich besiedelt Elemente der materiellen Kultur Kontinuität

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Die antike Stadt Urkeš – Tall Mozan – Frühe Stadtentwicklung im Norden Mesopotamiens

                               


      




 

 
 

  


 


 
 


















 
 
 


 
 

 


  
   

  




 
 



 
 

 




 
  






 



 






 
 




 

 


 


 

 

      





Abb. 8

Das Handelshaus östlich der
 Wohnhäuser in der Oberstadt von
Tall Mozan am Ende des 3. Jts.

v. Chr. (Zeichnung: A. Bianchi).



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48 ANTIKE WELT 2/15 über


Die antike Stadt Urkeš – Tall Mozan – Frühe Stadtentwicklung im Norden Mesopotamiens

                            






    







 
 





 







 




 
 
 

 

  
 







 



  






 



 
 

 





 
  

 

 
 


 



  


   


 
  






 










 
 

 

 




 



 


 



 















    
 














 

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Die antike Stadt Urkeš – Tall Mozan – Frühe Stadtentwicklung im Norden Mesopotamiens

zeigen bzw. die Anfänge einiger dieser Ele- wahrscheinlich wegen seines hohen Alters
mente in der vorhergehenden Epoche liegen. und großen Ansehens auch nach Aufgabe der
Im weiteren Verlauf des 2. Jts. v. Chr. eigentlichen Siedlung weiterhin geehrt und
nimmt die Bevölkerung wieder ab, bis in der erhalten.
Zeit zwischen 1550 und 1300 v. Chr. keiner- Die Stadtkultur von Tall Mozan / Urkeš
lei Wohnbebauung mehr vorhanden ist. Nur begann am Ende des 4. Jts. v. Chr. mit dem
der monumentale Tempelkomplex im Zent- zentralen monumentalen Tempelkomplex.
rum der Stadt besteht weiter und es wird so- Mit demselben monumentalen Tempelkom-
gar eine neue Steintreppe als neuer Aufgang plex endet sie ca. 1700 Jahre später in der
zum Tempel errichtet. Das Heiligtum wurde Mitte des 2. Jts. v. Chr.

Adresse der Autorin Nordmesopotamiens, Serie A: Die Ausgrabungen


1998–2001 in der zentralen Oberstadt von Tall
Dr. des. Anne Wissing Mozan / Urkeš. Bd. 3 (2010).
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Institut für die Kulturen des Alten Orients
Burgsteige 11
D-72070 Tübingen M. KELLY-BUCCELLATI, Landscape and Spatial
Organization. An Essay on Early Urban Settle-
ment Patterns in Urkeš, in: D. Bonatz / L. Martin
Bildnachweis (Hrsg.), 100 Jahre archäologische Feldforschun-
gen in Nordost-Syrien – eine Bilanz (2013)
Alle Abb.: © Universität Tübingen, IANES, Projekt 149–166.
Tall Mozan.

Literatur P. PFÄLZNER, Das Tempeloval von Urkeš. Betrach-


tungen zur Typologie und Entwicklungsge-
A. BIANCHI / A. WISSING, Die Kleinfunde. Studien schichte der mesopotamischen Ziqqurrat im 3. Jt.
zur Urbanisierung Nordmesopotamiens, Serie A: v. Chr., in: Zeitschrift für Orient-Archäologie 1
Die Ausgrabungen 1998–2001 in der zentralen (2008) 396–433.
Oberstadt von Tall Mozan / Urkeš, Bd. 2 (2009).

A. BIANCHI u. a., Die Architektur und Stratigra-


phie der zentralen Oberstadt von Tall Mozan / P. PFÄLZNER / A. WISSING, Urbanismus in der
Urkeš. Studien zur Urbanisierung Nordmesopota- Unterstadt von Urkeš. Ergebnisse einer geomag-
miens, Serie A: Die Ausgrabungen 1998–2001 in netischen Prospektion und eines archäologi-
der zentralen Oberstadt von Tall Mozan / Urkeš. schen Surveys in der südöstlichen Unterstadt
Bd. 1 (2014). von Tall Mozan im Sommer 2002, in: Mitteilun-
gen der Deutschen Orient-Gesellschaft 136
G. BUCCELLATI / M. KELLY-BUCCELLATI, Urkesh (2004) 41–86.
as a Hurrian Religious Center. Studi micenei ed egeo-
anatolici 47 (2005) 27–59.
C. SCHMIDT, Die Keramik der Früh-Ğazīra V- bis
K. DECKERS / M. DOLL / P. PFÄLZNER / Alt-Ğazīra II-Zeit, Studien zur Urbanisierung
S. RIEHL, Development of the Environment. Nordmesopotamiens, Serie A: Die Ausgrabungen
Subsistence and Settlement of the City of Urkeš 1998–2001 in der zentralen Oberstadt von Tall
and its Region. Studien zur Urbanisierung Mozan / Urkeš, Bd. 4 (2013).

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Das smac ist eine Einrichtung des Staatsbetriebs Landesamt für Archäologie Sachsen. | www.smac.sachsen.de

50 ANTIKE WELT 2/15 über


Eine fast vergessene Pyramiden- Abb. 1
Die Ostseite der Pyramide
des Königs Djedkare-Isesi

anlage mit den in Trümmern


liegenden Resten seines
einstigen Pyramidentem-
pels. Der Erhaltungszu-
Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi stand der Anlage ist jedoch
weit besser als auf den
ersten Blick erkennbar.

Während seiner über 40 Jahre dauernden Regierung reformierte König


Djedkare-Isesi nicht nur die staatliche Verwaltung nachhaltig. Zahlreiche
Papyri belegen einen intensiv geplegten Totenkult für seine Vorgänger
und starke religiöse Veränderungen. Dennoch weiß man wenig über die-
sen König, der kein Sonnenheiligtum, dafür aber einen prächtig ausge-
statteten Pyramidenkomplex errichten ließ. Sein Grabmal in Saqqara-Süd
gewährt trotz mancher Zerstörungen Kunsthistorikern wie Bauforschern
neuerdings verblüfende Einblicke.

von Peter Jánosi und Mohamed Megahed zu identiizieren (Abb. 1). Die bis 2002 un-
regelmäßig durchgeführten Untersuchungen

S eit mehr als einem halben Jahrhundert


gruben Archäologen im Pyramidenbezirk
des vorletzten Herrschers der 5. Dynastie,
unter der Leitung von Abdel Salam Moha-
med Hussein, Ahmed Fakhry, Mohamed
Abdel Razik, Salah el-Naggar und Bernard
Djedkare-Isesi (um 2390–2347 v. Chr.), doch Mathieu konzentrierten sich lediglich auf
sowohl die oft nur kurz durchgeführten Gra- einzelne Bereiche und wurden bedauerlicher-
bungen als auch die wenigen Dokumentati- weise nie vollständig veröffentlicht. Zudem
onen standen unter keinem günstigen Stern. verstarben zwei Ausgräber kurz hintereinan-
Erst 1945/46 gelang es, den Pyramidenbezirk der (Hussein und sein Mitarbeiter Alexandre

über 2/15 ANTIKE WELT 51


Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi

Varille), ohne brauchbare Dokumentationen mehr als etliche Tausende Fragmente umfas-
zu hinterlassen. Einige Unterlagen werden senden Bildcorpus zeigt die Wichtigkeit der
heute in der Ägyptologischen Bibliothek der Arbeit. Djedkare-Isesis Reliefs stellen die Wei-
Universität Mailand aufbewahrt. Auch der terentwicklung des Bildprogramms der königli-
im Winter 2010/11 von der Ägyptischen Anti- chen Pyramidentempel der 5. Dynastie dar, von
Abb. 2 a.b
kenverwaltung (damals SCA) unternommene dem der Wissenschaft bedauerlicherweise nur
Dieses unscheinbare
Reliefragment stellt die Versuch, ein längerfristiges Grabungsvor- rudimentäre Kenntnisse vorliegen. Zentrum
älteste belegbare Be- haben in Saqqara-Süd zu etablieren, drohte dieser Darstellungen ist immer der König im
schneidungsszene dar. Das an der Jänner-2011-Revolution zu scheitern. Umgang mit den Göttern und beim Ausüben
Besondere daran ist der
königliche Kontext. Leider Doch seit etlichen Jahren bemüht sich einer der wichtiger Rituale. Scharen von Opferträgern,
stammt das Fragment aus Verfasser, Mohamed Megahed, erfolgreich, die Domänenpersoniikationen und Beamten bil-
einem Magazin, so dass in Magazinen in Giza, Saqqara und Atih ver- den die übliche Staffage zu diesen königlichen
eine Zuordnung der Szene
wahrten Relieffragmente der vergangen Gra- Szenen. Darüberhinaus sind aber auch unge-
an einen bestimmten
Raum im Tempel vorerst bungen systematisch zu erfassen, zu dokumen- wöhnliche Szenen belegt, wovon eine bisher in
ofen bleiben muss. tieren und zu publizieren. Das Studium dieses keinem anderen Pyramidentempel bezeugt ist.

52 ANTIKE WELT 2/15 über


Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi

Eine königliche Beschneidungsszene Person zu beiden Seiten. Von den Erwachse- Abb. 3
der 5. Dynastie Das Areal des Pyramiden-
nen sind allerdings nur die Arme und Hände
tempels (Blick nach Osten)
Als ein außergewöhnliches Beispiel mag ein erhalten. Die linke Figur war eine Frau, was ist übersät mit Baublöcken
kleines Relieffragment dienen, das eindeutig anhand der gelben Hautfarbe eindeutig ist. der einstigen Architektur.
als Beschneidungsszene identiiziert werden Sie kniet oder sitzt hinter den Jungen und hat Halb vom Sand verdeckt
und geschützt sind an
kann (Abb. 2 a.b). Nur eine Handvoll Be- ihre Arme schützend zu ihnen ausgestreckt.
vielen Stellen die gut erhal-
schneidungsszenen sind aus dem alten Ägyp- Ihre rechte Hand umfasst die Knie des zwei- tenen Fußbodenplatten
ten späterer Zeit erhalten, und keine bisher aus ten Knaben, während ihr linker Arm hinter aus Kalzit und Kalkstein
funerärem königlichem Kontext. Das in erha- den Kindern verläuft. Die rechte Person war erhalten. Im Bildhinter-
grund ragen die wuch-
benem Relief gearbeitete Stück (11 x 15 cm) vermutlich ein kniender Mann, der soeben tigen Seitenmauern der
wurde in einem Magazin wiederentdeckt und im Begriff ist, den Eingriff am Penis des Kna- Eingangshalle (per-weru)
stammte aus der Grabung von Ahmed Fakhry ben zu vollziehen. In der rechten Hand hält auf. Südlich davon steht
das rätselhafte Steinmas-
(1952). Es zeigt die unvollständigen Körper er einen langen stabartigen Gegenstand, der
siv, dessen Funktion im Ge-
zweier stehender und nach links gewandter sich am unteren Ende zu verdicken scheint. samtkonzept des Tempels
nackter Knaben sowie jeweils eine erwachsene Da für diese Szene aus königlichen Pyrami- bisher unklar ist.

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2/15 ANTIKE WELT 53
Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi

denanlagen bislang keine Parallelen verfügbar Ausstattung zeigen, dass sein Grabmal nach
Abb. 4
sind, bleibt sowohl die Verortung der Szene der Fertigstellung ein eindrucksvoller Grab-
Der schematische Grund-
riss der Pyramidenanlage im Gesamtkonzept des Tempels als auch bezirk gewesen sein muss. Bereits zur Zeit des
des Djedkare-Isesi mit dem eine deinitive Erklärung der Szene (göttliche Neuen Reiches (1539–1077 v. Chr.) diente der
«anonymen» Nebenkom- Geburt und Aufzucht des Königs?) vorerst Komplex als Steinbruch und veriel dann zu-
plex im Nordosten:
offen. sehends. Dies führte dazu, dass er bis heute zu
1) Grabpyramide des den rätselhaftesten wie auch unerforschten kö-
Königs; Ein neuer König, ein neuer Standort niglichen Anlagen jener Zeit zählt und manch
2) Kammersystem der für sein Grabmal ungelöstes Rätsel birgt. Wie in der späten
Pyramide;
3) Nordkapelle; «Schön ist (die Pyramide des) Djedkare-Isesi» 5. Dynastie üblich bestand der Baukomplex aus
4) Totenopferraum; lautete der Name des königlichen Grabkom- einem am Wüstenrand gelegenen Taltempel,
5) Einsäulenraum (anti- plexes, der auf einem vorspringenden Wüs- der heute von der modernen Siedlung völlig
chambre carrée);
tenplateau in beherrschender Lage errichtet überbaut und verloren ist, einem über 200 m
6) 5-Nischen-Raum;
7) Magazine; wurde (Abb. 3). Der König ließ seinen Pyra- langen Aufweg, der zum Pyramidentempel
8) Querkorridor; midenkomplex an einem Ort beim heutigen samt Pyramide führte sowie einer auffällig
9) Säulenhof; Saqqara-Süd errichten, der außer der durch großen Nebenpyramidenanlage (Abb. 4. 5).
10) Eingangshalle (per-
weru); ein Wadi getrennten Position der Grabanlage Letztere im Nordosten des Königsbezirk gele-
11) steinerne Massivbauten; des Königs Schepseskaf (letzter Herrscher der gen ist so gut wie unerforscht, und es ist nicht
12) Kultpyramide; 4. Dynastie, 2441–2436 v. Chr.) im Süden, bekannt, wer dort bestattet wurde.
13) Aufweg;
bislang unbelegt war. Die nach der Plünderung der Verkleidung
14) anonyme Pyramide;
15) Pyramidentempel; Eine erste Bestandsaufnahme sowohl der verfallene Pyramide (einstige Höhe: 52,50 m =
16) Kultpyramide. erhaltenen Tempelarchitektur als auch der 100 Ellen) bietet auf den ersten Blick keine
Besonderheiten. Sie bestand einst aus sechs
etwa 7 m hohen «Stufen» aus grob zuge-
hauenen lokalen Kalksteinblöcken. Die Basis
des Bauwerks maß 150 Ellen (78,50 m). Die
Neigung der Seitenlächen betrug 52°, was
5 Händen und 2 Finger Rücksprung auf
1 Elle Höhe entspricht. Dennoch gibt es bei
genauerem Hinsehen Neuerungen. Der Ein-
gang in die Substruktur liegt ebenerdig, aber
völlig einmalig und bisher unerklärt 2,50 m
westlich der Nord-Südachse der Pyramide.
Aus der Achse versetzte Eingänge sind nichts
Ungewöhnliches im Pyramidenbau. Viele
Pyramiden des Alten Reiches weisen diese
Abweichung auf. Das Besondere bei Djed-
kare ist jedoch, dass der Eingang nach Wes-
ten und nicht wie sonst üblich nach Osten
versetzt wurde.
Am Eingang sind außerdem noch Spu-
ren der ältesten archäologisch nachweisbaren
Nordkapelle vorhanden (vgl. Abb. 4). Nord-
kapellen sind verkleinerte Totenopferräume
und wie diese mit einer Scheintür und Op-
feraltar ausgestattet. Ab Djedkare-Isesi haben
alle Pyramiden diese Kulteinrichtung am
Eingang. Die in etwa 9 m Tiefe liegende Sub-
struktur folgt dem herausgebildeten Gang-
und Kammer-System der 5. Dynastie, weist
jedoch eine merkwürdige Erweiterung auf,

54 ANTIKE WELT 2/15 über


Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi

Abb. 5
Der Eingangsbereich in
den Pyramidentempel aus
der Vogelperspektive. Im
Bildvordergrund erheben
sich die über 4 m starken
Seitenmauern der einst
ca. 7 m hohen Eingangs-
halle (per-weru). Von
dieser ostwärts verlaufend
zeichnen sich die Spuren
des einstigen Aufwegs
ab, dessen östliches Ende
samt dem Taltempel unter
der modernen Ortschaft
Saqqara verschwunden ist.

über 2/15 ANTIKE WELT 55


Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi

Abb. 6 a.b Dieser Reliefblock stammte von der Ostwand der Eingangshalle (per-weru), und zeigt den thronenden Herrscher Djedkare-Isesi,
dem von Hathor, «Herrin der Sykomore», Leben an die Nase gehalten und die Hände gegeben wird. Die künstlerisch hervorragend gearbei-
teten Relieiguren trugen einst eingelegte Augen aus Obsidian und Bergkristall. Diese wurden bereits im Altertum herausgeschlagen.

56 ANTIKE WELT 2/15 über


Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi

Abb. 7 a.b
Die Darstellung von mit
allerlei Opfergaben belade-
nen Fraueniguren, die in
den Tempel marschieren
– personiizierte Domänen –
ist ein seit dem Beginn
der 4. Dynastie nachweis-
barer Bestandteil könig-
licher Tempeldekoration.
Die Opferträgerinnen,
die in der Regel mit der Her-
kunft ihrer Produkte
bezeichnet werden, gewähr-
leisten die ewige Ver-
sorgung des Herrschers im
Jenseits.

die ebenfalls Standard aller nachfolgenden Die 2013 begonnenen Untersuchungen im


Königsgräber wird. Vor- und Sargkammer sind Tempelbereich konzentrierten sich vorerst auf
um eine Raumeinheit mit drei Kammern oder den Eingangsbereich des Pyramidentempels,
Nischen im Osten erweitert. Was in diesen die Eingangshalle (vgl. Abb. 5) und den in-
Kammern (Nischen) einst gelagert oder auf- neren Bereich des Pyramidentempels. Die
gestellt war, ist nicht bekannt. langgestreckte Eingangshalle ist ein charak-
teristisches Raumelement der Pyramiden-
Spurenlesen im Stein tempel seit der 4. Dynastie. Die Raummaße
Auch wenn vom Pyramidentempel kaum auf- betrugen 21,50 x 5,20 m (= 41 x 10 Ellen)
gehendes Mauerwerk mehr erhalten geblieben und wie die starken Kernmassive der Seiten-
ist (vgl. Abb. 3), so lassen sich Raumanzahl, wände zeigen, war dieser von einer gewaltigen
-größe und Anordnung anhand der erhalte- «falschen» Gewölbekonstruktion überdeckt.
nen Bodenplatten weitaus besser nachzeich- Von der einstigen Ausstattung dieses großen
nen, als in so manch anderem Pyramiden- Raumes ist so gut wie nichts erhalten geblie-
tempel jener Epoche. Dies ist erstaunlich, ben. Lediglich ein etwa 2,40 x 1,30 m mes-
denn die Platten bestanden überwiegend aus sender Reliefblock liegt noch im Raum und
feinem weißen Kalkstein, und kultisch be- stammte ursprünglich vom Tympanon der
sonders wichtige Räume, wie die Eingangs- Ostwand des Innenraumes (Abb. 6 a.b). Er
halle (das per-weru), der Säulenhof und die zeigt den thronenden König mit der Doppel-
Innenräume des Totenopferbereichs, hatten krone Ober- und Unterägyptens, der von der
Fußbodenplatten aus Kalzit (ägyptischer Ala- vor ihm stehenden Göttin Hathor, «Herrin
baster). Dennoch blieben sie erhalten und der Sykomore», mit Leben beschenkt wird,
sind wichtige Zeugen für die Rekonstruktion indem sie ihm ein Lebenszeichen an die Nase
des Tempelgrundrisses. Säulen, die einst im hält bzw. drei weitere in die linke Hand gibt.
Hof und in dem sog. Einsäulenraum standen, In der rechten Hand hält der König bereits
waren aus Rosengranit gefertigt und bildeten drei Lebenszeichen und ist damit insgesamt
wie in den Anlagen des Sahure (Abusir) und mit der magischen Zahl Sieben ausgestattet.
Unas (Saqqara) Palmsäulen ab. Hinter dem König steht die Kronengöttin

über 2/15 ANTIKE WELT 57


Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi

(Kobra) Wadjet aus Buto (Stadt im Delta), Viktualien auf ihrem Kopf. Um die Last des
die den Herrscher umfängt. Diese zentrale Korbes besser auf ihrem Kopf zu balancieren,
Szene wird von einem Götterpaar lankiert. beindet sich ein Stück Stoff zwischen Kopf
Links steht Seth aus der «Goldstadt» Nubt und Korb. Die Frau ist festlich geschmückt,
in Oberägypten, rechts Horus von Behedet. trägt das Trägerkleid und eine dreigeteilte
Beide Götter spielen im Königskult eine Perücke. Vor ihr gibt eine unvollständige
wichtige Rolle. Inschrift, die sich anhand von Parallelen re-
konstruieren lässt, bekannt: «Die Herrin [der
Ewige Versorgung für das königliche Delta-Stadt] Pe [wünscht], dass Djedkare
Jenseits lebe». Der Aufmarsch endlos scheinender
Auch wenn vom Aufweg, also dem verbin- Frauenformationen beladen mit Produkten
Abb. 8 denden Bauelement zwischen Taltempel und des Landes war eine «lebensnotwendige»
Der direkt vom Aufweg Pyramidentempel, heute im Gelände fast Darstellung zur Versorgung des verstorbe-
nach Süden auf eine Stein-
nichts mehr zu erkennen ist, kann davon aus- nen Herrschers im Jenseits. Die stereotyp
plattform führende Auf-
gang nach der Freilegung. gegangen werden, dass dieser einst gedeckt wirkenden Figuren transportierten unablässig
Die abgetretenen Stein- mit prächtigen bunt bemalten Reliefwänden Produkte aus den verschiedenen Stiftungen
platten deuten auf eine ausgestattet war (vgl. Abb. 5). Ein von der (Domänen) und Ländereien des Niltales in
intensive Nutzung dieser
Rampe. Die Plattform Relieftechnik her besonders schönes Beispiel den Tempel, und die mit Segenswünschen
ist derzeit mit zahllosen ist eine Szene der sog. Domänenprozession versehenen Beischriften informierten über
großen Verkleidungsblö- mit Resten der ursprünglichen Bemalung die Herkunft des Angelieferten. Dies war eine
cken bedeckt, die von dem
(Abb. 7 a.b). Dargestellt sind zwei nach rechts überaus efiziente Methode der Versorgung,
rätselhaften Steinmassiv
(rechts im Bildhintergrund) schreitende, unvollständige Fraueniguren. denn sollten die Ländereien tatsächlich ein-
stammen. Die eine trägt einen großen Korb gefüllt mit mal nicht genügend Erträge erwirtschaften

58 ANTIKE WELT 2/15 über


Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi

oder zugrunde gehen, garantierten die Dar- erhalten. Ohne begehbare Innenräume wirkt Abb. 9
stellungen auf den Wänden dennoch ewige das südliche Massiv wie ein gigantischer Im Fußboden vor der Tem-
pelfront haben sich etliche
Versorgung und Überluss. Unterbau oder Podest, auf dem einst etwas
Inschriften von Priestern
aufgestellt gewesen sein könnte. Auf eine der 6. Dynastie (2305–2118
Pylone oder gigantische Podeste? spezielle Installation oder kultische Einrich- v. Chr.) erhalten, die im
An der Ostfassade des Tempels standen einst tung deutet auch ein aus Stein errichteter Totenkult des Königs tätig
waren. Es handelt sich da-
zwei gewaltige Steinbauten, die ein Novum Hof an der Ostseite des südlichen Massivs, bei um Totenopferformeln
im Tempelbau des Alten Reiches darstellen der beim nördlichen Pendant nicht existiert. für diesen Personenkreis,
(vgl. Abb. 3. 4). Lediglich das südliche – aus Dieser Hof war mittels einer Rampe direkt um im Zusammenwirken
mit dem königlichen
gigantischen Blöcken errichtete und noch vom Aufweg kommend zugänglich (vgl.
Totenkult Anteil an der
rund 20 x 20 x 5 m messende Steinmassiv ist Abb. 8). ewigen Versorgung
besser erhalten. Es war ursprünglich verklei- Die starken Zerstörungen dieses Vorplatzes zu genießen.
det, wie erhaltene Kalksteinblöcke zeigen gestatteten es bislang nicht, diesen interessan-
(Abb. 8). Bislang nahm man an, dass beide ten Bereich überzeugend zu rekonstruieren,
Massive gleich groß waren und eine massive zumal auch verlässliche Vergleichsbeispiele
Eingangsfront in der Art von Pylon-Bauten aus jener Epoche fehlen. Dass dieser Platz
ägyptischer Tempel gebildet hätten. Der intensiv genutzt worden ist, beweisen die
quadratische Grundriss und die senkrech- starken Abnutzungsspuren des Rampen- und
ten Seiten schließen diese Interpretation Hofplasters. Darüber hinaus sind auf etli-
jedoch aus. Ebensowenig können es Masta- chen Fußbodenplatten dieses vor dem eigent-
bas – also Grabanlagen – gewesen sein, da lichen Tempel beindlichen Areals zahlreiche
Bestattungs- und Kulträume fehlen. Zudem im Steinfußboden eingravierte Inschriften
ergaben erste Untersuchungen, dass die bei- der am Tempel tätigen Totenpriester aus der
den Massive gar nicht identische Ausmaße 6. Dynastie erhalten geblieben (Abb. 9). Diese
besitzen, wie bislang publiziert. Der nördli- Texte bezeugen nicht nur die Fortdauer des
che Bau ist kleiner und bedeutend schlechter königlichen Totenkults bis ans Ende des Al-

über 2/15 ANTIKE WELT 59


Eine fast vergessene Pyramidenanlage – Der Grabbezirk des Königs Djedkare-Isesi

ten Reiches, sondern liefern auch prosopo- Architektur deutlich erkennbar und zeigen
graphisch wichtige Hinweise zum Tempel- die ständige Auseinandersetzung mit dem
personal jener Zeit. Jenseits der ägyptischen Könige. Djedkare-
Isesis Pyramide ist die letzte, die noch keine
Religiöse Konzepte im Wandel religiösen Texte – die sog. Pyramidentexte –
Noch stehen die Untersuchungen im Pyra- in den Innenräumen trägt. Diese tauchen wie
midenbezirk am Anfang, doch das bisher Er- unvermittelt im Grab seines Nachfolgers Kö-
fasste ist vielversprechend und lässt erkennen, nig Unas auf, der die Kammerwände im In-
wie wertvoll eine gründliche Aufnahme und neren der Pyramide mit diesem ältesten reli-
Publikation dieses zu unrecht vergessenen Py- giösen Textcorpus der Menschheit ausstatten
ramidenbezirks ist. Ein Vergleich hinsichtlich lässt. Dass die Sprüche nicht erst unter Unas
des Erhaltungszustandes mit den Anlagen der «erfunden» wurden, sondern weit in die ägyp-
nachfolgenden Pyramidenbauer (Unas, Teti, tische Geschichte zurückreichen, ist bekannt.
Pepi I. Pepi II.) gibt deutlich zu erkennen, Umso dringlicher erscheint es, Djedkare-
wie gut Djedkare-Isesis Pyramidenbezirk Isesis Anlage als Bindeglied der königlichen
trotz all der Zerstörungen erhalten ist. Die Grabarchitektur der späten 5. Dynastie genau
Veränderungen, die die Pyramidenanlagen in zu erfassen, um auch das Nachfolgende bes-
jener Zeit durchlaufen, sind an der erhaltenen ser verstehen zu können.

Sonnenheiligtum

Sonnenheiligtümer sind seit der dynastischen Zeit an verschiedenen Orten Ägyptens für
eine Vielzahl von solaren Gottheiten belegt. Die bedeutendsten Sonnenheiligtümer sind die
aus den schriftlichen Quellen bekannten sechs Sonnenheiligtümer der 5. Dynastie, wovon
zwei (Userkaf und Niuserre) archäologisch nördlich von Abusir erfasst sind. Architektonischer
Mittelpunkt eines Sonnenheiligtums war ein gigantischer gemauerter Obelisk sowie ein
großer Kulthof mit Altar und Götterkapellen. In diesen Sonnenheiligtümern wurde die Trias
Sonnengott Re, Hathor und der König (als Sohn der beiden Gottheiten) verehrt. Neben
dem religiösen Aspekt waren Sonnenheiligtümer wichtige Wirtschaftseinrichtungen für den
Totenkult der Könige.

Adressen der Autoren V. MARAGIOGLIO / C. RINALDI, L‘architettura


delle piramidi menite. Bd. VIII (1977).
Mohamed Megahed, cand. phil.
Institut für Ägyptologie
Karls-Universität Prag M. MEGAHED, Neue Forschungen im Grabbezirk
Celetná 20 des Djedkare-Isesi, in: Sokar 22 (2011) 25–35.
CZ-110 00 Praha
s3_rc@yahoo.com DERS., The Pyramid Complex of «Djedkare’s
Queen» in South Saqqara Preliminary Report 2010,
Ao. Univ.-Prof. Dr. Peter Jánosi in: Miroslav Bárta / Filip Coppens / Jaromir Krejči
Institut für Ägyptologie (Hrsg.), Abusir and Saqqara in the Year 2010
Universität Wien (2011) 616–634.
Franz-Klein-Gasse 1
A-1190 Wien
peter.janosi@univie.ac.at DERS., Die Wiederentdeckung des Pyramiden-
bezirks des Djedkare-Isesi in Saqqara-Süd, in:
Sokar 28 (2014) 6–19.
Bildnachweis
Abb. 1. 3. 8. 9: Peter Janosi; 4: Christine Mende; M. MEGAHED / H. VYMAZALOVÁ, Egyptian
2 a.b. 6 b. 7 a.b: Mohamed Meghed; 5: Vladimír royal circumcision from the pyramid complex of
Brůna; 6 a: Sandro Vannini. Djedkare, in: Anthropologie XLIX/2 (2011)
157–166.
Literatur
R. STADELMANN, Die ägyptischen Pyramiden.
P. JÁNOSI, Die Pyramidenanlage der «anonymen Vom Ziegelbau zum Weltwunder 3(1997).
Königin» des Djedkare-Isesi, in: Mitteilungen des
Deutschen Archäologischen Instituts. Abteilung
Kairo 45 (1989) 187–202. M. VERNER, Die Pyramiden (1998).

60 ANTIKE WELT 2/15 über


Frauen im Alten Orient
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das neben dem Körper der Königin Puabi zusammen
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Vogel Abb. 1) bestattet wurde. Während das Original
– Griechischer Name der in assyrischen Keilschriften aus Lapislazuli – Synonym für Reichtum und Glanz –
bezeugten Königin Schammuramat; gefertigt wurde, besteht die Replik aus Ton. Auf dem
Siegel ist neben einer Bankettszene der Name der
Königin in Sumerisch eingeprägt.
– Urmutter der Menschen in der persischen Mythologie;
2.–5. Preis:
– Frauen–Berufsgruppe im Alten Orient; Vier Bücherpakete aus dem Verlagsprogramm
Philipp von Zaberns im Wert von je € 50,– (D).
– Sumerische Göttin;
6.–10. Preis:
Fünf Bücherpakete aus dem Verlagsprogramm
– Bezeichnung für eine im Kloster lebende Frau im Philipp von Zaberns im Wert von je € 25,– (D).
altbabylonischen Reich.
Einsendeschluss ist der 13. 4. 2015 (Poststempel). Zur
Einsendung Ihrer Antwort senden Sie bitte eine Karte an
WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Redaktion
Lösung: ANTIKE WELT, Hindenburgstr. 40, D-64295 Darmstadt, oder
eine E-Mail an aw-redaktion@wbg-wissenverbindet.de. Das
Lösungswort wird im nächsten Heft bekanntgegeben. Mit-
arbeiter des Verlages und deren Angehörige können nicht
teilnehmen, ebenso ist der Rechtsweg ausgeschlossen.
Bei korrekter Lösung benennt die Ziffernfolge ein
altorientalisches Kulturvolk.

Aulösung und Gewinner des Preisrätsels es haben gewonnen:


in ANtiKe Welt Heft 1/2015 1. Preis: Klaus Jürgen Schulz (D-29549 Bad Bevensen).
Die Einzellösungen lauten: 2.–5. Preis: Elke Engelhardt-Flammer (D-79194 Gundelingen / Breisgau);
1. Statue, 2. Purpur, 3. Azurit, 4. Volute, 5. Fresko, Dr. Raquel López Melero (ES-28040 Madrid); Evelyn Hartig (D-37539 Bad Grund /
6. Smalte, 7. Orange, 8. Lesche. Eisdorf ); Erich Böhm (D-93494 Stamsried).
6.–10. Preis: Kurt Jordan (D-44388 Dortmund); Günter Runge (D-45525 Hattingen);
Lothar Kirchhof (D-79117 Freiburg / Breisgau); Dr. Günter Aumann (D-75015 Bretten);
Gesamtlösung: A K R O L I T H Norbert Ende (D-50677 Köln).

über 2/15 ANTIKE WELT 61


Abb. 1
Die Wasserleitung nach
Side erstreckt sich über
De aquaeductu atque aqua urbium
eine Länge von ca. 30 km
und besitzt mehr als
Lycia Phamphyliae Pisidia
22 Aquäduktbrücken. Die
Aufnahme zeigt die Akçay-
Aquäduktbrücke. Das Erbe des Sextus Julius Frontinus

Unter diesem Thema fand vom 31. Oktober bis 9. November 2014 in Antalya ein internationales Sym-
posium zur Geschichte der Wasserversorgung und des Wasserbaus im mediterranen Raum statt.
Teilnehmer aus 13 Nationen aus den Bereichen der Altertumswissenschaften und Wasserwirtschaft
fanden sich zu einem regen Gedankenaustausch zusammen. Vorbereitet und durchgeführt wurde
die Veranstaltung von DI Gilbert Wiplinger vom Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) in
Verbindung mit der Frontinus-Gesellschaft und Akdeniz-Universität in Antalya. Im Laufe der Tagung
wurden insgesamt 36 Vorträge gehalten, die neue Ausgrabungen sowie daraus resultierende Neu-
bewertungen bekannter Befunde zum Gegenstand hatten. Im Rahmen dieses Beitrags können
leider nicht alle Beiträge in dem Maße gewürdigt werden, den sie verdienen.

von Wolfram Letzner vorgestellten Leitungen wurden auf Exkursi­


onen die Aquädukte und damit verbunde­

E inen Vortragsschwerpunkt bildeten Fern­


wasserleitungen und innerstädtische Lei­
tungssysteme. Dem Titel der Veranstaltung
ne Systeme in Side (Führung: DI G. Wi­
plinger [ÖAI], Prof. Dr. H. Alanyalı und
Dr. F. Soykal­Alanyalı [Anadolu­Universi­
folgend galt ein größerer Teil der Vorträge tät]; Abb. 1), Phaselis (Dr. W. Letzner) und
wasserbaulichen Anlagen im Südwesten der Patara (Prof. Dr. H. İşkanIşık, Dr. F. Işık und
Türkei mit den antiken Landschaften Lykien, Prof. O. Baykan [Akdeniz­Universität]) vor­
Pamphylien und Pisidien. Ergänzend zu den gestellt. Besondere Aufmerksamkeit galt auch

62 ANTIKE WELT 2/15 über


De aquaeductu atque aqua urbium Lycia Phamphyliae Pisidia – Das Erbe des Sextus Julius Frontinus

dem Aquädukt in Aspendos; Drs. P. Kessener zunehmende Klimawandel nach Lösungen


(Nijmegen, NL), der seit vielen Jahren dieses verlangt, die nicht auf Hochtechnologie ba­
Bauwerk untersucht, erläuterte anhand des sieren.
Befundes dessen Besonderheiten (Abb. 2). Für Petra, der Hauptstadt der Nabatäer,
Ein weiterer landesbezogener Schwerpunkt wurden in dem oben genannten Kontext in
bildete Jordanien. Hier war v. a. die schon seit einem Beitrag die neuesten Ergebnisse zweier
längerer Zeit im Raum stehende Frage von Forschungsprojekte – dem North Eastern
Interesse, wie Wasserversorgung in ariden Petra Project (NEPP) und dem International
und semiariden Gebieten erfolgte, weil der Umm al­Biyara Project (IUBP) – vorgestellt,

Abb. 2
Aspendos. Blick von
der Akropolis auf
die Siphonkonstruktion.
Im Hintergrund ist der
nördliche Knickturm sicht-
bar.

über 2/15 ANTIKE WELT 63


De aquaeductu atque aqua urbium Lycia Phamphyliae Pisidia – Das Erbe des Sextus Julius Frontinus

die weitere interessante Resultate verspre­ So bot es sich an, auf einer Exkursion das
chen. Eine kleinteiligere Untersuchung galt nahe Antalya gelegene Perge zu besuchen.
dem Khirbet al­Mudayna, einer ländlichen Dem Verfasser kam die Aufgabe zu, die bis­
Ansiedlung. lang an verschiedenen Plätzen der Stadt aus­
Bei den weiteren Vorträgen wurden thema­ gegrabenen Brunnenanlagen, bezeichnet als
tische Schwerpunkte gesetzt. An Beispielen aus F1 bis F4, vorzustellen und in ihren städte­
Patara, Termessos und Pompeji wurden neue baulichen Kontext einzuordnen. Besonders
Ergebnisse zur Rolle der Zisternen bei der Was­ das Nymphäum F3 belegt das überaus große
serversorgung antiker Siedlungen präsentiert. Dargebot an Wasser; von ihm aus zieht sich
Ein Gefühl für die Bedeutung der Zisternen für ein langer Euripus durch die 490 m lange
die urbane Wasserversorgung konnte man bei Säulenstraße, die die Nord­Südachse bildet
der Exkursion nach Termessos (geführt von M. (Abb. 3).
Kürkçü), inmitten eines Nationalparks auf ei­ Nymphäen fanden aber auch Berücksich­
ner Höhe von etwa 1000 m gelegen, gewinnen. tigung bei dem Besuch von Sagalassos, in
Von den zwölf bislang nachgewiesenen Wasser­ grandioser Landschaft in einer Höhe von
speichern konnten aus Zeitgründen nur einige etwa 1000 bis 1700 m gelegen. Der langjährige
wichtige besichtigt werden. Ausgrabungsleiter Prof. em. Dr. M. Wael­
Ein Themenkomplex beschäftigte sich mit kens (Leuven, B) ließ es sich nicht nehmen,
Fragen der Bauforschung bei Bädern, der von den Tagungsteilnehmern die Höhepunkte der
Italien (Baia) über die Türkei (Patara) bis Is­ Ausgrabungen vorzustellen. Exemplarisch sei
rael (Caesarea Maritima) reichte. In einem auf das hellenistische Brunnenhaus, 50 bis
Beitrag wurden verstärkt historische Frage­ 25 v. Chr. datiert, und das zwischen 160 und
stellungen untersucht, die sich mit Todesfällen 180 n. Chr. errichtete Nymphäum an der obe­
antiker Herrscher in Bädern beschäftigten. ren Agora verwiesen. Das Brunnenhaus weist
Abb. 3
Perge. Nymphäum F3 mit In mehreren Beiträgen wurden Nymphäen immer noch die antike Wasserquelle auf, aus
dem Beginn des Euripus. als dekoratives Element der Stadt behandelt. der auch das Nymphäum wieder versorgt

64 ANTIKE WELT 2/15 über


De aquaeductu atque aqua urbium Lycia Phamphyliae Pisidia – Das Erbe des Sextus Julius Frontinus

wird. Man hat die seltene Gelegenheit, einen (University of California), Matthias Nieberle Abb. 4
römischen Monumentalbrunnen in Funktion (Universität Köln) und Jordan Pickett (Uni­ Sagalassos. Nymphäum an
der oberen Agora.
zu erleben (Abb. 4). versity of Pennsylvania).
Weitere Beiträge führten in eine ganz an­ Abschließend sei dem Verfasser ein per­
dere Richtung, der industriellen Nutzung des sönliches Fazit gestattet. In den wenigen Ta­
Wassers. Exemplarisch zeigten die Referenten gen, die für Vorträge und Exkursionen zur
auf, in welchem Umfang Wasser im Bergbau Verfügung standen, war es möglich, sich ei­
an Beispielen aus Spanien genutzt oder Was­ nen aktuellen Überblick über viele Themen
sermühlen als Beispiel nachhaltiger Techno­ zu verschaffen, die mit antikem Wasserbau
logie im Nahen und Mittleren Osten bis in zu tun haben. Bei der Abschlussdiskussion
das Mittelalter hinein verstanden wurden. im Bouleuterion von Patara zeigte sich hin­
Neben den größeren Themenbereichen bot sichtlich dieser Bewertung ein allgemeiner
sich den Kollegen die Gelegenheit, aktuelle Konsens.
Forschungen – etwa zu wasserführenden
Heiligtümern in Rom oder zu Inschriften auf
römischen Wasserrohren – vorzustellen. Der
Adresse des Autors kei, in: G. Wiplinger (Hrsg.), Historische
letztgenannte Vortrag wurde als Eröffnungs­ Wasserleitungen Gestern – Heute –
Dr. Wolfram Letzner Morgen. Internationales Symposium
vortrag gehalten. Ostenallee 144 mit besonderer Berücksichtigung ihrer
D-59071 Hamm denkmalsicheren und betriebssicheren
Aus der Sicht der Frontinus­Gesellschaft wletzner@web.de Erhaltung, Wien 19.–23. Oktober 2011,
war die Verleihung der Frontinus­Medaille BABesch Suppl. 24 (2013) 93−103.
ein Höhepunkt. Erstmals wurden zwei Aus­ Bildnachweis P. KESSENER, The Triple Siphon at
zeichnungen verliehen, die an Isaak Gallo Alle Abb. vom Verf. Aspendos and its Bridges, in: Bayrische
Gesellschaft für Unterwasserarchäo-
Moreno (Spanien) und Prof. em. Ünal Öziş, logie (Hrsg.), Archäologie der Brücken
Literatur (2011) 77−83.
dem Nestor des Wasserbaus in der Türkei,
K. GREWE, Die römische Wasserleitung
gingen. In den Laudationes wurden ihre wis­ nach Side (Türkei), in: AW 25 (1994) J. SCHÄFER / H. SCHLÄGER / D. J. BLACK-
senschaftlichen Leistungen ausführlich ge­ 192−203. MAN, Phaselis. Beiträge zur Topogra-
phie und Geschichte der Stadt und
würdigt. H. HELLENKEMPER / E. HILD, Lykien ihrer Häfen. IstMitt Beih. 24 (1981).
und Pamphylien. Tabula Imperii Byzan-
Ein weiteres Novum in der Geschichte der tini 8 (2004).
Frontinus­Gesellschaft war die Gewährung M. WAELKENS / J. POBLOME / P. DE
H. İŞKAN / N. O. BAYKAN, Neue Ergeb- RYNCK (HRSG.), Sagalassos. Eine römi-
von drei Stipendien an Nachwuchswissen­ nisse zur Wasserleitung in Patara / Tür- sche Stadt in der Südwesttürkei (2012).
schaftler. Diese gingen an Brianna Bricker

über 2/15 ANTIKE WELT 65


Neapel
Reisedatum:
03. 10.– 10. 10. 2015
von 7000 m². Nächster Besichtigungspunkt ist die Villa
Lysis, auch Villa Fersen genannt. Sie steht isoliert, nur
unweit der Villa Jovis entfernt, umgeben von einem
weitläufigen Garten. Ein Höhepunkt unserer Reise ist
der Besuch der Blauen Grotte (wetterabhängig). Diesem
natürlichen Hohlraum, in dessen Inneren das Meerwas-
ser so intensiv azurblau schimmert, hat Capri den
Großteil seines Weltruhms zu verdanken. Das Kartäuser-
kloster mit seinen ausgedehnten Gebäuden vertritt
die mittelalterliche und klösterliche Zeit auf Capri in ihrer
erhabensten und monumentalsten Form. Nachmittags
Rückfahrt mit dem Schnellboot nach Neapel. (F/A)

4. Tag: Baia – Museo Archeologico dei Campi Flegrei


Nach dem Frühstück fahren wir nach Baia, dem Inbegriff
antiker Badekultur. Hier blühte einst das Kur- und Thermal-
wesen wie heute im nahe gelegenen Ischia. Viele berühmte
Die Gegend um den Golf von Neapel lässt die Herzen nicht nur in kulina- römische Herrscher ließen sich hier ihre Freizeitvillen
bauen. Auf einem Areal von 14 ha sind die Überreste der
rischer Hinsicht höher schlagen. Diese Region ist v. a. berühmt wegen antiken Badekultur erhalten geblieben. Am beeindru-
ihrer Vielfalt an griechischen und römischen Ausgrabungen. Es gibt noch ckendsten sind sicherlich die sog. Tempel von Diana, Venus
viel mehr zu entdecken als Pompeji und Herculaneum: Faszinierende und Merkur – in Wirklichkeit luxuriöse Thermenanlagen.
Caesars Kurvilla befand sich laut Überlieferung auf dem
Höhepunkte warten im Westen der Stadt, die entweder verborgen am Landvorsprung am Ende der Bucht von Baia. Heute befin-
Rande einer üblichen touristischen Route liegen oder für die Touristen- det sich darin das Museo Archeologico dei Campi Flegrei.
Die Dauerausstellung zeigt die archäologischen Funde der
ströme offenbar zu abgelegen sind. Neapel selbst hält sogar unter Campi Flegrei der letzten Jahrzehnte. (F/A)
den Straßen zahlreiche Überraschungen bereit. Erkunden Sie mit der
5. Tag: Pozzuoli und Umgebung
ANTIKEN WELT das «andere» Kampanien und das unterirdische Neapel. Heute fahren wir nach Pozzuoli. Das drittgrößte Amphi-
theater Italiens ist v. a. unterirdisch außergewöhnlich
gut erhalten und vermittelt eine gute Vorstellung
von den ausgeklügelt angelegten Korridoren und der
versteckten Technik. Das Theater, dessen Bau unter
Ihr Reiseverlauf Katakomben von San Gaudioso, welche sich unterhalb Kaiser Nero begann, bot mindestens 20 000 Menschen
der Kirche Santa Maria della Sanita befinden. Die Platz. Im Jahr 305 n. Chr. wurde hier San Gennaro
1. Tag: Frankfurt – Neapel Katakomben sind mit einigen gut erhaltenen frühchrist- zusammen mit einigen Glaubensbrüdern geköpft. Die
Beginn der Reise am Frankfurter Flughafen. Hier werden lichen Fresken geschmückt. Wir erfahren mehr über den Ruinen des Macellum, einem Markt im Bereich des
wir bereits von unserem Reiseleiter Herrn Dr. Alex- einzigartigen Bestattungsritus. Danach besuchen wir antiken Hafen liegen heute 4 m unterhalb des heutigen
ander Mlasowsky erwartet. Gegen 10.10 Uhr Flug mit die Katakomben von San Gennaro, dem Schutzpatron Straßenniveaus und sogar 2 m unterhalb des heutigen
Lufthansa direkt nach Neapel. Nach der Ankunft um von Neapel. Die weitläufigen Katakomben, die auf Meeresniveaus. Bei einem Besuch der Solfatara, dem
12.00 Uhr werden wir von unserem örtlichen Reiseleiter das 2. Jh. n. Chr. zurückgehen, erstrecken sich über einzigen noch aktiven Vulkan der Campi Flegrei wird
in Empfang genommen. Anschließend fahren wir in zwei Ebenen und sind sowohl aus historischer Sicht schnell klar, warum hier in der Antike der Eingang zur
die Innenstadt und unternehmen hier einen ersten Rund- als auch aufgrund der Malereien aus frühchristlicher Unterwelt lokalisiert wurde. Die Piscina mirabilis ist ein
gang. Wir sehen heute u. a. den Dom Santa Maria Zeit von großer Bedeutung. Im Anschluss Besichtigung unterirdisches Trinkwasser-Reservoir aus römischer Zeit
Assunta mit seinem bekannten frühchristlichen Baptis- der Kapelle von San Severo. Die barocke Kapelle ist in in Miseno. Das «wunderbare Becken» diente zur Ver-
terium, der Kapelle Santa Restituta und den archäolo- privatem Besitz und berühmt für die filigrane Skulptur sorgung der römischen Kriegsflotte, deren Stützpunkt
gischen Ausgrabungen. Des Weiteren besuchen wir die des «Verhüllten Christus». Außerdem zu sehen sind die bis 330 n. Chr. Misenum war. Seine Decke wird durch
Kirche San Lorenzo Maggiore. Hier hat nicht nur schaurigen Reste der Experimente, die der Alchemist 48 Säulen gestützt und hat ein Fassungsvermögen von
Boccaccio seine Fiammetta getroffen, im archäologi- Principe Sansevero an einem Mann und einer schwan- 12 600 m³. Beim Sacello degli Augustali handelt es
schen Komplex sind auch unterschiedliche Schichten der geren Frau verübt haben soll. (F/A) sich um ein kleines, ausgegrabenes Heiligtum, wo die
Stadtgeschichte zu erkennen. Am späten Nachmittag regierenden und vergöttlichten Kaiser durch Augusta-
Fahrt zum Hotel. 7 Übernachtungen und Abendessen 3. Tag: Capri les, eine Kultgemeinschaft der Freigelassenen, verehrt
im Hotel Serius****. (A) Mit dem Schnellboot setzen wir morgens auf die wurden. Die Funde befinden sich im Museum von
Sonneninsel Capri über. Die Villa Jovis war eine der Baiae. Das Stadion des Antoninus Pius befindet sich in
2. Tag: Neapel zwölf Villen des römischen Kaisers Tiberius auf Capri. der Nähe von Pozzuoli. Es ist nach dem Tode Hadrians
Nach dem Frühstück setzen wir unseren Spaziergang Übersetzt bedeutet der Name «Landhaus des Jupiter». von seinem Nachfolger für athletische Spiele errichtet
durch Neapel fort. Wir besichtigen zunächst die Insgesamt hat das Gebäude eine überbaute Fläche worden. (F/A)

über
www.karawane.de/antikewelt-neapel
Römische Kostbarkeiten
in und um Neapel

 Flughafengebühren, Steuern, aktuell gültige Kerosin-


6. Tag: Rione Terra zuschläge und Luftverkehrssteuer
Fahrt zum Parco Archeologico Rione Terra. Puteoli war (Stand November 2014: ca. € 155,–)
in republikanischer Zeit der wichtigste Hafen Roms.  7 Übernachtungen im Hotel Serius****
Tief unter der Altstadt Rione Terra sind Gebäude und  Alle Mahlzeiten lt. Reiseverlauf (F = Frühstück /
Straßen der römischen Stadtanlage von 194 v. Chr. A = Abendessen im Hotel)
freigelegt: eine Taverne, eine Bäckerei und die Reste des  Transfer, Ausflüge und Besichtigungen in einem
Capitolium-Tempels. Im Anschluss besichtigen wir die klimatisierten Reisebus
römische Villenanlage Pausilypon. Sie steht typologisch  Deutschsprechende lokale Reiseleitung ab/bis
in einer Reihe mit anderen Anlagen rund um den Golf Neapel
von Neapel und auf den Inseln. Durch archäologische  1 aktueller Reiseführer NEAPEL pro Zimmer
Funde kann sie allerdings eindeutig als Besitz römischer  Studienreiseleitung ab/bis Frankfurt: Herr Dr. Alexan-
Kaiser identifiziert werden. Der sog. Arco Felice ist ein der Mlasowsky
Bestandteil des großen Straßenbauprogramms des
Kaisers Domitian, das Rom mit dem Golf von Neapel Nicht im Reisepreis enthalten
auf schnellem Weg verbinden sollte. Der Bogen stellt Weitere Mahlzeiten und Getränke, persönliche Trink- Bitte beachten Sie, dass wir die Bestätigung für die
einen Durchbruch durch eine Bergfalte aus dem Jahr 95 gelder, Kurtaxe in Neapel (€ 2,50 pro Person/Nacht, Besichtigung des Sacello degli Augustali und des Stadi-
n. Chr. dar. (F/A) zahlbar vor Ort), Eintrittsgelder (ca. € 80,– zahlbar vor ons des Antoninus Pius erst im Frühjahr 2015 erhalten
Ort), fakultative und nicht ausdrücklich aufgeführte und einen Besuch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht
7. Tag: Capua Leistungen sowie Ausgaben persönlicher Art. garantieren können.
Heute besuchen wir Capua. Das Amphitheater von
Capua ist das zweitgrößte seiner Art und wahrschein- Flugzeiten (Änderungen vorbehalten) Die aufgeführten Ziele im Reiseverlauf sollen alle
lich eines der ältesten erhaltenen der römischen 03. 10. 15 Frankfurt – Neapel 10.10 – 12.00 Uhr besichtigt werden, sofern die Denkmalbehörden die
Welt. Zu römischer Zeit befand sich in der Nähe des 10. 10. 15 Neapel – München 12.00 – 13.40 Uhr Stätten aufgrund einer spontan erfolgten Unzugäng-
Gebäudes die Gladiatorenschule Capuas, die durch den 10. 10. 15 München – Frankfurt 15.00 – 16.00 Uhr lichkeit nicht kurzfristig schließen. Ferner ist die Auftei-
Aufstand des Spartacus berühmt wurde. Ein weiterer lung der Besichtigungen auf die jeweiligen Tage bzw.
Besichtigungspunkt liegt in der Innenstadt. Hier wurde Ihr Studienreiseleiter: die Reihenfolge der Tage nicht zwingend! Wir möchten
1924 ein bedeutendes und gut erhaltenes Mithräum Herr Dr. Alexander Mlasowsky hat an den Univer- uns die Option vorbehalten, die Besichtigungen zeitlich
entdeckt. Zum Abschluss besuchen wir das Archäolo- sitäten Heidelberg und Hamburg Klassische Archäo- umzustellen.
gische Museum mit einer einmaligen Sammlung sog. logie, Alte Geschichte und Vor- und Frühgeschichte
Matres-Matutae-Statuen, Kultbilder eines regionalen studiert. Seine Forschungen und Veröffentlichungen Teilnehmer: Bis 8 Wochen vor Abreise zu erreichende
Kultes der vorrömischen Zeit. Abschluss-Abendessen in gelten der politischen und privaten Selbstdarstellung in Mindestteilnehmerzahl: 12, max. 25 Personen.
einem typisch neapolitanischen Restaurant. (F/A) archäologischen und numismatischen Quellen. Er leitet
die Firma «Art & Archaeology Consulting» und betreut Änderungen im Reiseverlauf oder bei den genannten
8. Tag: Neapel – München – Frankfurt Privatsammlungen antiker Kunst. Unterkünften aufgrund von örtl. Gegebenheiten sowie
Der Morgen steht zur freien Verfügung. Transfer zum Preiserhöhungen oder -anpassungen aufgrund von
Flughafen und Flug mit Lufthansa um 12.00 Uhr Bitte beachten staatlichen Abgabenänderungen und Zuschlägen müs-
über München zurück nach Frankfurt. Ankunft gegen Für die Einreise nach Italien benötigen Sie einen gülti- sen wir uns ausdrücklich vorbehalten. Die Klassifizie-
16.00 Uhr. (F) gen Reisepass oder Personalausweis. rung der Hotels entspricht der Landeskategorie.

ENDE DER REISE

Ihre Reiseinformationen
Reisepreis pro Person im Doppelzimmer
ab 12 Teilnehmern EUR 2.195,–
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Einzelzimmer-Zuschlag EUR 245,–
Aufpreis Eintrittskosten ca. EUR 80,–
(zahlbar vor Ort an die Reiseleiter)
Veranstalter
Zusatzangebot Anreise mit der Bahn
Preis pro Person für Hin- und Rückfahrt ab Ihrem
Heimatbahnhof nach Frankfurt und zurück (2. Klasse) Karawane Reisen GmbH & Co. KG · Schorndorfer Str. 149 · D-71638 Ludwigsburg
Ansprechpartnerin: Frau Julia Gerber
bis 400 km ab 401 km ab 601 km
Tel. +49 – (0) 7141-2848-13 · Fax. +49 – (0) 7141-2848-45
ohne BahnCard EUR 84,– EUR 134,– EUR 168,– E-Mail: julia.gerber@karawane.de · Internet: www.karawane.de
mit BahnCard 25/50 EUR 62,– EUR 112,– EUR 146,–
Gerne senden wir Ihnen unser ausführliches Programm zu.
Falls Sie sich bezüglich der Entfernung nicht sicher sind,
geben wir Ihnen hierzu gerne Auskunft. Es gelten die Reisebedingungen des Veranstalters Karawane Reisen GmbH & Co. KG

Eingeschlossene Leistungen
 Linienflüge mit Lufthansa in der Economy-Class:
Frankfurt – Neapel / Neapel – München – Frankfurt In Kooperation mit dem Verlag Philipp von Zabern und der Zeitschrift ANTIKE WELT

über
Abb. 1
Blick von Südosten auf den
Tempio dell’Ara Rotonda.
Apollo, Aesculap, Hercules
Ein altes Kultareal in Ostia

Eines der ältesten Heiligtumsareale in Roms Hafenstadt Ostia ist die


sog. Area sacra dei templi repubblicani (Heiligtumsareal der republikani-
schen Tempel). Das Heiligtum liegt in der Westhälfte der Stadt, knapp
außerhalb der ältesten Stadtmauer, in der Regio I Insula 15. Der Zugang
zum Heiligtum erfolgt über die heute Via della Foce (Straße der Fluss-
mündung) genannte Straße, die vom Decumanus Maximus aus in westli-
cher Richtung abzweigt. Sie ist ein Abschnitt der alten Via Laurentina,
der ältesten Handelsstraße dieser Region, die den Ort mit den Salinen an
der Küste verband.

von Marion Bolder-Boos v. Chr. und ist parallel zur Via della Foce
ausgerichtet (Abb. 1). Aufgrund eines mar-
m östlichen Rand des Kultareals bein- mornen Rundaltars, der bei Grabungsarbei-
A den sich vier Altäre aus Tuffstein, von
welchen mindestens einer bereits im 3. Jh.
ten im Tempel gefunden wurde, wird er als
Tempio dell’Ara Rotonda (Tempel des Rund-
v. Chr. errichtet wurde. Ferner erheben sich altars) bezeichnet. Es handelt sich um einen
in dem Areal drei Tempel. Der älteste ent- kleinen Tempel, dessen Podium aus großen
stand im ausgehenden 3. oder frühen 2. Jh. Tuffblöcken in opus quadratum-Technik er-

68 ANTIKE WELT 2/15 über


Apollo, Aesculap, Hercules – Ein altes Kultareal in Ostia

richtet wurde und in der Grundläche ca. In Rom wurde der Apollokult vermutlich
5,80 x 7,70 m misst. Im 1. Jh. n. Chr. erfuhr bereits von den etruskischen Königen ein-
der Kultbau umfangreiche Umbauten, wobei geführt, da Apollo bei den Etruskern, wohl
man die Vorhalle verlängerte und die Cella- durch Vermittlung der Griechen, ein bedeu-
mauern in Ziegelmauerwerk renovierte. Der tender Gott war. Während er bei den Grie-
Innenraum der Cella wurde mit Marmor- chen eine Vielzahl von Funktionen besaß,
platten verkleidet, von denen ein Großteil bei war Apollo bei den Römern zunächst v. a.
den Ausgrabungen noch vorhanden war, so ein reinigender und heilender Gott. Bis ins
dass der Tempel in den 1960er Jahren restau- 1. Jh. v. Chr. war der einzige ihm geweihte
riert werden konnte. Entlang der Cellawände Tempel in Rom jener für Apollo Medicus, der
beindet sich eine umlaufende, gemauerte 431 v. Chr. anlässlich einer Seuche errichtet
Bank, die sich an der Rückseite zu einem So- wurde. Erst in späterer Zeit und unter Ein-
ckel für das Kultbild verbreitert. Sie ist wie das luss griechischer Göttervorstellungen wurde
aufgehende Mauerwerk mit Ziegeln verschalt Apollo auch bei den Römern zu einem Gott
und mit Marmorplatten geschmückt und der schönen Künste und zum Orakelgott.
gehört ebenfalls in die kaiserzeitliche Um- Da der Tempel in Ostia spätestens im frühen
bauphase. Bei der Renovierung des Tempels 2. Jh. v. Chr. erbaut wurde, dürfte Apollo zu
gelangten die Basen dreier Statuen, die zuvor dieser Zeit auch hier v. a. als heilender Gott
im oder beim Tempel aufgestellt waren, in verehrt worden sein.
die Fundamente der Tempelvorhalle, wo sie
bei den Ausgrabungen wieder zutage kamen. Der Tempio Tetrastilo
Die Basen tragen Inschriften, die erklärten, Ein weiterer Tempel entstand im ausgehen-
welche Statuen ursprünglich auf diesen be- den 2. oder frühen 1. Jh. v. Chr. im Norden
festigt waren. So handelte es sich bei den des Kultareals (Abb. 2). Da die Fassade des
heute verlorenen Bildwerken um Arbeiten Tempels eine Reihe von vier Säulen auf-
griechischer Künstler des 4. Jhs. v. Chr., die wies, wird der Bau heute Tempio Tetrastilo
die delphische Orakelpriesterin Charite, den (Viersäulentempel) genannt. Er besitzt eine
Komödiendichter Platon und den kynischen Grundrissgröße von 8,10 x 14,80 m. Das Po-
Philosophen Antisthenes dargestellt hatten. dium sowie das knapp 1,50 m hoch erhaltene
Die Weihgaben selbst gelangten jedoch erst aufgehende Mauerwerk sind in opus quasi
im 1. Jh. v. Chr. in das Heiligtum, was aus der reticulatum-Technik verschalt. Beim Bau
Datierung der Inschriftenbasen zu schließen wurde ausschließlich lokaler Tuffstein ver-
ist, die erst nachträglich angebracht wurden. wendet. Die Basen der vier Säulen sowie ein
Vermutlich waren die Statuen Beutestücke, Kapitell sind noch heute erhalten. Das Ka-
die in der Folge römischer Feldzüge im hel- pitell ist korinthischer Ordnung; Reste eines
lenistischen Osten nach Ostia gekommen wa- weißen Anstrichs belegen, dass die Säulen
ren. ursprünglich stuckiert waren. An der Rück-
Lange Zeit blieb die Gottheit, die im wand der knapp 5,70 x 6,20 m großen Cella
Tempio dell’Ara Rotonda verehrt wurde, erhebt sich ein 1,20 m hohes Podest aus opus
rätselhaft. Erst in jüngster Zeit konnte der caementicium, auf dem das Kultbild der im
italienische Forscher A. Carini durch eine Tempel verehrten Gottheit gestanden hat. Da
Neuuntersuchung des Rundaltars, der dem vor den Stufen des Tempels die Fragmente
Tempel seinen modernen Namen eingetra- einer knapp überlebensgroßen Marmorsta-
gen hat, darlegen, dass die im Relief um den tue gefunden wurden, wird allgemein davon
Marmoraltar herum dargestellten Wiederga- ausgegangen, dass es sich hierbei um besagtes
ben einer Fackel, eines Köchers mit einem Kultbild handelt. Die Bruchstücke zeigen ei-
Pfeil und eines Bogens als Götterattribute zu nen nackten, muskulösen männlichen Ober-
verstehen sind und damit auf Apollo verwei- körper sowie einen Kopf mit bärtigem Ge-
sen. Auch die Statuen der Orakelpriesterin, sicht und lockigem Haupthaar. Wie F. Zevi
des Dichters und des Philosophen fügen sich und zuletzt H.-G. Martin überzeugend argu-
in diesen Kontext. mentierten, handelt es sich bei diesem in der

über 2/15 ANTIKE WELT 69


Apollo, Aesculap, Hercules – Ein altes Kultareal in Ostia

Tradition des späten Hellenismus stehenden Der Kult des Aesculapius war im Jahr 293
Werk um eine Statue des Aesculapius. Damit v. Chr. auf Anraten der Sibyllinischen Bücher
ist der Tempio Tetrastilo diesem Gott zuzu- in Rom eingeführt worden, als eine Pest in
weisen. Diese Deutung erhält Unterstützung Latium wütete. Übernommen wurde dieser
durch den Fund einer Statue der Lucilla, der Kult aus der griechischen Stadt Epidauros,
Gemahlin des Lucius Verus, der von 161 bis wo sich das berühmteste Heiligtum des Got-
169 n. Chr. Mitkaiser des Marcus Aurelius tes befand. Sein Heiligtum in Rom liegt auf
Abb. 2
Blick von Süden auf den war. Die Statue zeigt die Kaiserin im Stile der der Tiberinsel, wo sich noch heute ein Hospi-
Tempio Tetrastilo. Aesculapiustochter Hygieia / Salus. tal beindet. Die Lage des Heiligtums wurde

70 ANTIKE WELT 2/15 über


Apollo, Aesculap, Hercules – Ein altes Kultareal in Ostia

angeblich durch die bei der Übermittlung des als Sohn des Apollo und der Sterblichen Ko-
Kultes aus Epidauros mitgebrachte Schlange ronis. Während die meisten römischen Gott-
des Gottes bestimmt, die bei der Ankunft heiten eine Vielfalt von Funktionen besaßen,
des Schiffes aus Griechenland in den Tiber war Aesculapius v. a. als heilender Gott be-
tauchte und bis zu dieser Insel schwamm, wo kannt, eine Konnotation, die sich bis heute
sie verschwand. In Wirklichkeit wurde der gehalten hat.
Platz wohl bewusst gewählt, da hier Kranke
geplegt wurden, sodass Abgeschiedenheit Der Herculestempel
erwünscht war. Gemeinhin galt Aesculapius Der Tempio Tetrastilo lag direkt an einer al-
ten geplasterten Straße, die das Heiligtums-
areal von Nordwesten nach Südosten durch-
lief. Sie war möglicherweise die Fortführung
einer nördlich des alten Stadtkerns von Ostia
verlaufenden Straße, die die Siedlung mit der
Tibermündung verband. Der zum Tempio
Tetrastilo gehörende Altar wurde direkt auf
dieser Straße errichtet, wodurch diese in ihrer
Funktion deutlich eingeschränkt wurde. Ein-
deutig aufgegeben wurde die Straße mit dem
Bau des dritten und größten Tempels des
Kultareals, des Herculestempels (Abb. 3).
Dieser Tempel nimmt fast den gesamten
Raum zwischen dem Tempio Tetrastilo im
Nordosten und dem Tempio dell’Ara Rotonda
im Süden ein und stößt mit seiner Rückseite
an die westliche Begrenzung des Areals. Mit
einer Grundläche von 16 x 31,20 m ist er der
größte Tempel der Kultstätte und zugleich ei-
ner der größten in ganz Ostia. Er ist als ein-
ziger Tempel streng Ost-West-orientiert, mit
einem Zugang im Osten bestehend aus einer
breiten neunstuigen Treppe aus weißen Tra-
vertinblöcken. Das Podium besteht aus Tuff-
stein. Die Tempelfassade zierten sechs Säu-
len, von denen heute zwar bis auf zwei kleine
Fragmente nichts mehr erhalten ist, deren
Standspuren zum Zeitpunkt der Freilegung
1938 aber noch erkennbar waren. Die beiden
Fragmente, die zu einem Kapitell des Tem-
pels gehören, zeigen den oberen Abschluss ei-
nes Akanthusblattes, wodurch die Säulenord-
nung des Tempels als korinthisch identiiziert
werden kann.
In der Mitte der knapp 10 m langen Vor-
halle fanden die Grabungsleiter Guido Calza
und Giovanni Becatti einen Blockaltar aus
Marmor, der eine Weihung an Hercules mit
dem Beinamen Invictus (Unbesiegt) trägt
und damit die Zuweisung des Baus an die-
sen Gott wahrscheinlich macht (Abb. 4). Zu
datieren ist der Tempel in das frühe 1. Jh.

über 2/15 ANTIKE WELT 71


Apollo, Aesculap, Hercules – Ein altes Kultareal in Ostia

v. Chr. Dies geht zum einen aus stilistischen schrift trägt, die eine Aqua Salvia in Zusam-
Anhaltspunkten wie der Bauweise und der menhang mit dem Herculesheiligtum nennt.
Art des Podiumsproils hervor, zum ande- Mit dieser Aqua Salvia könnte jener Brunnen
ren aus der relativen Abfolge der drei Tempel gemeint sein, der im Osten des Heiligtums-
insgesamt. So musste etwa die am Südrand
des Herculestempels verlaufende steinerne
Abwasserrinne an einer Stelle leicht besto-
ßen werden, da der Stein sonst nicht in die
schmale Lücke zwischen der Tempelsüdseite
und der Nordecke des angrenzenden Tempio
dell’Ara Rotonda gepasst hätte, was bezeugt,
dass der Tempio dell’Ara Rotonda bereits be-
stand, als der Herculestempel erbaut wurde.
Dass der Herculestempel die Plasterstraße,
an deren Verlauf sich die Fassade des Tempio
Tetrastilo noch orientierte, überbaute, lässt
ferner darauf schließen, dass auch der Tem-
pio Tetrastilo vor dem Herculestempel errich-
tet worden ist. Ferner füllt der Herculestem-
pel den Raum zwischen den beiden anderen
Kultbauten völlig aus.
Allerdings ist zu vermuten, dass schon zu-
vor eine Kultstätte für Hercules hier bestan-
den hat, die dann durch den Bau des Tem-
pels eine monumentale Ausgestaltung erfuhr.
Dies ist vor allem deshalb sehr wahrschein-
lich, da Hercules in ganz Mittelitalien sehr
beliebt war und vielerorts verehrt wurde. So
galt Hercules beispielsweise als Schutzgott der
Viehherden und der Transhumanz, weshalb
er bei den Völkern des italischen Berglandes,
deren Hauptwirtschaftszweig die Viehwirt-
schaft war, besonders unter diesem Aspekt
verehrt wurde. Dabei bezog sich der Schutz
des Gottes nicht nur auf die Sicherheit der
Herden während der Wanderungen von einer
Gebirgsweide zur nächsten, sondern auch auf
deren Gesundheit. Zahlreiche kleine Hercu-
leskultstätten wurden an den auf der Apennin-
halbinsel häuig anzutreffenden Schwefel-
quellen gefunden – zu diesen Schwefelquellen
wurden Viehherden gebracht, um die Tiere
durch Bäder darin von Fußleiden oder Para-
sitenbefall zu kurieren. Ferner wurde Hercu-
les auch oft mit Thermal- oder auch Frisch-
wasserquellen verbunden. Bekannt ist etwa
der Fons Herculis (Quelle des Hercules) bei
Caere, dem heutigen Cerveteri, in Etrurien.
Auch in Ostia besteht eine Verbindung des
Hercules zu Wasser, nachgewiesen durch den
Fund eines kleinen Marmoraltars, der eine In-

72 ANTIKE WELT 2/15 über


Apollo, Aesculap, Hercules – Ein altes Kultareal in Ostia

areals gefunden wurde. Sein Rand befand Eine weitere Funktion des Hercules ist
sich auf gleicher Höhe mit dem Unterbau des seine Rolle als Schutzgott der Reisenden,
Abb. 3
Tempels, was auf ein hohes Alter des Brun- insbesondere der Händler. Das berühmte Blick von Nordosten auf
nens verweist. Herculesheiligtum von Tivoli etwa lag direkt den Herculestempel.

über 2/15 ANTIKE WELT 73


Apollo, Aesculap, Hercules – Ein altes Kultareal in Ostia

oberhalb einer bedeutenden Handelsroute. fänger der Weissagung – weitergibt. An die-


Auch die Via Laurentina, deren innerstäd- ser Stelle ist das Relief jedoch abgebrochen.
tischer Abschnitt als heutige Via della Foce Allerdings ist über der rechten Schulter des
direkt am Heiligtumsareal mit dem Hercu- Priesters noch eine kleine gelügelte Victo-
lestempel vorbeiführt, war eine solche Han- ria mit Siegerkranz zu erkennen, was darauf
delsstraße, die an der Küste ihren Anfang hindeutet, dass der Gott offenbar einen Er-
nahm und bis nach Rom ans Forum Boarium folg verkündet hat. Der Siegesaspekt kommt
(Rindermarkt) führte. Nicht zufällig beinden auch in dem Beinamen des Hercules, Invic-
sich am Forum Boarium in Rom mehrere tus, zum Ausdruck, der auf dem Altar in der
Herculesheiligtümer. Vorhalle des Herculestempels festgehalten
In Ostia hatte Hercules offenbar auch die ist. Besonders im 2. und 1. Jh. v. Chr. wird
Funktion einer Orakelgottheit. Dies geht aus Hercules oftmals von Feldherren bei militä-
dem Fund eines Weihreliefs, das laut Inschrift rischen Auseinandersetzungen um Beistand
von dem Priester Gaius Fulvius Salvis gestif- angerufen, und gerade in Rom werden in
tet worden war, hervor. Das Relief besteht dieser Zeit zahlreiche Herculestempel von er-
aus drei Szenen, wovon die rechte Szene die folgreichen Generälen gestiftet.
Bergung einer Herculesstatue aus dem Meer Eine Verbindung des Hercules zu Feld-
zeigt, die zentrale hingegen den Gott Hercu- herren bestand womöglich auch in Ostia.
les selbst, der ein Losorakel an einen Diener So wurde im Heiligtum eine leicht überle-
weiterreicht. Die linke Szene ist nicht voll- bensgroße Marmorstatue eines muskulösen
ständig erhalten. Zu erkennen ist noch ein nackten Mannes gefunden. Nach Auskunft
Priester, der das Losorakel offenbar an eine der Inschrift, die auf der Wiedergabe eines
andere Person – möglicherweise den Emp- Baumstumpfs, auf dem der linke Fuß der Sta-

Abb. 4
Altar in der Vorhalle des
Herculestempels mit
der Weihung an Hercules
Invictus.

74 ANTIKE WELT 2/15 über


Apollo, Aesculap, Hercules – Ein altes Kultareal in Ostia

tue aufgestützt ist, angebracht war, handelt es ehrt wurde, besteht auch eine Gemeinsam-
sich hierbei um eine Darstellung des Gaius keit in Bezug auf ihre Funktion, waren doch
Cartilius Poplicola, eines bedeutenden Ostien- sowohl Apollo als auch Aesculapius ganz
ser Bürgers, der in der zweiten Hälfte des besonders als heilende Gottheiten bekannt.
1. Jhs. v. Chr. insgesamt achtmal duumvir (in Hercules, als Gott der Viehherden und der
etwa: Bürgermeister) der Stadt gewesen war. Transhumanz, war zunächst für Gesundheit
Sein imposantes Grabmal vor den Toren der und Gedeihen der Weidetiere zuständig. Da-
Stadt ist mit einem Fries verziert, der bewaff- rüber hinaus gibt es aber Hinweise, die ihn
nete Soldaten sowie mehrere Kriegsschiffe auch mit menschlicher Gesundheit in Ver-
zeigt, was darauf hinweist, dass Poplicola bindung bringen. Dies ergibt sich etwa aus
militärischen Ruhm erlangt hatte – mögli- der nach ihm Fons Herculis genannten Heil-
cherweise in der Schlacht von Ostia 39 v. Chr. quelle bei Caere; auch andere Heilquellen in
gegen die Truppen des Sextus Pompeius. Mittelitalien werden mit Hercules assoziiert.
Auch in der Kaiserzeit wurde das Hercu- Auch mit Fruchtbarkeit war Hercules bei den
lesheiligtum mit Weihgaben ausgestattet, und Römern verbunden. So sollen die Tuniken
mehrere Renovierungsmaßnahmen bezeu- römischer Mädchen in der Hochzeitsnacht
gen, dass der Tempel ebenso wie die anderen von einem Gürtel mit «Herculesknoten» ge-
beiden Kultbauten im Kultareal weiterhin halten worden sein, den der Bräutigam lösen
frequentiert wurde. Erst mit der Christiani- musste. Dies sollte dem Paar das Glück des
sierung wurde die Kultstätte schließlich auf- Hercules bringen, der über 70 Kinder gezeugt
gegeben. haben soll.
Heilung von Krankheiten beziehungsweise
Eine ungewöhnliche Göttertrias? Bewahrung der Gesundheit war letztlich ein
Die Interpretation der hier verehrten Götter- Aspekt, mit dem praktisch jede römische
trias scheiterte bislang daran, dass die Gott- Gottheit assoziiert werden konnte – ähnlich
heit des Tempio dell’Ara Rotonda unklar war. wie etwa jeder christliche Heilige um Bei-
Mit der Zuweisung dieses Tempels an Apollo stand in Krankheitsfällen angerufen werden
ergibt sich nun erstmals die Möglichkeit einer kann (und gerade Wunderheilungen sind bis
schlüssigen Deutung des gesamten Kultkom- zum heutigen Tag die Conditio sine qua non
plexes. für die Aufnahme einer Person in den Kreis
Eine Götterverwandtschaft besteht zwi- dieser Heiligen). Dennoch gab es einige
schen Apollo und Aesculapius, die sowohl in Gottheiten, bei denen der Heilungsaspekt
der griechischen als auch in der römischen stärker hervortrat als bei anderen. Zu diesen
Mythologie als Vater und Sohn gelten. Sie in gehörten Apollo, Aesculapius und Hercules.
einem Heiligtum nebeneinander anzutreffen, Dies erklärt, weshalb gerade diese drei Göt-
ist daher nicht ungewöhnlich. Da Apollo bei ter in Ostia in einem gemeinsamen Heiligtum
den Römern zudem als Apollo Medicus ver- verehrt wurden.

Adresse der Autorin M. BOOS, Hercules und die area sacra dei templi
repubblicani in Ostia, in: H. Svenshon / M. Boos /
Dr.  phil. Marion Bolder-Boos F. Lang, Werkraum Antike. Beiträge zur Archäolo-
Technische Universität Darmstadt gie und antiken Baugeschichte (2012) 149–166.
Fachgebiet Klassische Archäologie
El-Lissitzky-Str. 1
D-64287 Darmstadt M. BOOS, Heiligtümer römischer Bürgerkolonien.
Archäologische Untersuchungen zur sakralen
Ausstattung republikanischer coloniae civium
Bildnachweis Romanorum (2011).

Alle Abb. von der Verf. A. CARINI, Osservazioni sul tempio dell’Ara Ro-
tonda, in: E. Marroni (Hrsg.), Sacra Nominis Latini.
I santuari del Lazio arcaico e repubblicano. Bd. 2
Literatur (2012) 565–571.
M. BOLDER-BOOS, Ostia – Der Hafen Roms
(2014). A.-K. RIEGER, Heiligtümer in Ostia (2004).

über 2/15 ANTIKE WELT 75


Abb. 1
Die Memnonkolosse: Am
Sockel des südlichen
Die Wiedererrichtung der großen
Kolosses wurde ein großer,
neu zusammengefügter
Statuen
Block mit einer Inschrift
Amenophis’ III. an die
rechte hintere Ecke des Der Tempel der Millionen von Jahren des Amenophis III.
Podestes angefügt (unten
links im Bild).

Im Totentempel Amenophis’ III. im Kom el-Hettân thronten hinter den


Memnonkolossen jeweils vor den zweiten und dritten Pylonen zwei Paar
kolossaler Sitzstatuen. Vor dem Tor einer Prozessionsstraße, 360 m von
der Axis des Haupttempels im Norden, standen zwei weitere 13 m hohe
Standiguren desselben Königs. Das Ziel der Grabungen und Restaurie-
rungsarbeiten ist es, diese einzigartigen Bildwerke wieder aufzurichten
und dem Totentempel damit neues Leben zu verleihen.

von Hourig Sourouzian, Abdel Hakim Karrar, Nilschlamm unter dem Feldniveau lagen. Diese
Nairy Hampikian, Miguel Ángel López Marcos,
13,50 m hohen Standbilder standen vor ei­
Christian Perzlmeier und Rainer Stadelmann
nem Ziegelpylon am nördlichen Eingang

I m vergangenen Jahr war nach langen Ver­


handlungen mit den Landbesitzern durch
die Antikenbehörde die Genehmigung erteilt
einer Prozessionsstraße, die zu dem Toten­
tempel Amenophis’ III. führte. Leider wa­
ren die Feldbesitzer nach der Bergung der
worden, das Terrain in den Feldern im Nor­ Statuenbruchstücke nicht zu bewegen, einer
den des Tempels Amenophis’ III. auszugra­ Fortsetzung der Grabung zuzustimmen, um
ben, in dem die riesigen, tonnenschweren eventuelle tiefer liegende, kleinere Fragmente
Bruchstücke der Standbilder etwa 2,50 m im zu bergen. Immerhin konnte eine erste zeich­

76 ANTIKE WELT 2/15 über


Die Wiedererrichtung der großen Statuen – Der Tempel der Millionen von Jahren des Amenophis III.

nerische Dokumentation des Fundortes durch­ Der nördliche Koloss des 2. Pylons
geführt werden. Da die Landeigentümer ge­ Als die Holzbalken endlich eintrafen, wurde
gen eine Wiedererrichtung auf ihrem Grund um den nördlichen Koloss des zweiten Pylon
waren, beschloss die Antikenbehörde in das Gerüst auf 16 m Höhe aufgebaut, um den
Abstimmung mit dem Grabungsteam, die 18 t schweren Kopf des Kolosses aufzusetzen.
Statuen vorerst auf einem erhöhten Felsen­ Die Hebung geschah mittels zweier starker
grund, exakt 110 m westlich des originalen Flaschenzüge. Zunächst wurde der Kopf auf Abb. 2
Konzeptionsskizze zur
Standortes und 360 m von der Tempelachse einer leicht gesenkten Rampe westlich des
Zusammensetzung der
entfernt, wieder zu errichten. Die großen, ton­ Balkengerüstes postiert, dann von hinten me­ vorhandenen großen
nenschweren Bruchstücke wurden durch ei­ terweise auf ca. 8 m gehoben und auf einer Fragmente der nördlichen
nen 100 t­Baukran und einen Lastenschlepper Plattform abgestellt. Wenig später wurden Sitzstatue Amenophis’ III.
am zweiten Pylon: Sockel
auf das erhöhte Gelände gehievt, an Ort und die Gurte, mit denen der Kopf hochgeho­ und Thron, rechtes Bein
Stelle gereinigt, mit Steinfestigern konsolidiert ben worden ist, ausgewechselt; sie umfassten und Knie, Oberarm und
und anschließend dokumentiert. Auf dem hö­ jetzt den Kopf in seiner Breite. Danach wurde rechte Hand, Torso mit den
Stahldübeln, die Ober-
her liegenden Felsgrund wurden im Felsboden der Kopf langsam maßgerecht abgesenkt, bis
körper und Thron / Gesäß
Sockel aus armiertem Beton gegossen, die die er genau auf die Bruchstellen der Schulter verbinden, und der Kopf
gleichen Ausmaße und die gleiche Ausrichtung passte. Anschließend waren kleinere Korrek­ (Zeichnung Miguel Lopez).
wie die originalen Sockel haben.

Restaurierung an den Memnonkolossen


Unmittelbar zu Beginn der Arbeiten Anfang
2014 wurde beim Technischen Department
für Restaurierung und Konservierung die Be­
reitstellung großer Balken für den Bau des Ge­
rüstes beantragt. Jedoch dauerte es geraume
Zeit, bis die benötigten bis zu 12 m hohen und
40 cm dicken, von verschiedenen Plätzen aus
Karnak, vom Luxortempel und Akhmim in
Mittelägypten stammenden Balken zusam­
mengestellt und geliefert worden sind. In der
Zwischenzeit wurde die Grabungen am To­
tentempel begonnen: Die kleinen Schnitte an
der Südwestecke des südlichen Memnonko­
losses wurden zu einem tiefen Schnitt erwei­
tert, nachdem dort mehrere große Fragmente
aufgefunden worden sind; zusammengesetzt
bildeten diese Fragmente den originalen
3,85 m hohen Block (Abb. 1). Auf dem oberen
Fragment ist sogar der Schluss der originalen
Inschrift erhalten, die einst auf dem Sockel
eingraviert war, heute aber stark erodiert ist.
Andere Fragmente ergänzen die Darstellung
des Thronreliefs der Nordwestecke mit den
Nilgottheiten; kleinere Fragmente der Perü­
cke und der Kronen der beiden Königinnen
fand man auch in der Ausschachtung. Diese
konnten wieder eingesetzt werden. Am nörd­
lichen Koloss, dem wahren Memnon, konnte
das Grabungsteam an der Südseite des Thro­
nes das Auge des Gottes Hapy mit einem klei­
nen Reliefbruchstück vervollständigen.

über 2/15 ANTIKE WELT 77


Abb. 3
Nördliche Sitzstatue am
zweiten Pylon mit dem
aufgesetzten Kopf. Der
Kopf hält ohne Dübel,
sondern allein durch sein
Gewicht und mit Hilfe von
Klebemittel.

78 ANTIKE WELT 2/15über


Die Wiedererrichtung der großen Statuen – Der Tempel der Millionen von Jahren des Amenophis III.

Abb. 4
Prinzessin Iset, Tochter
Amenophis’ III. und
der Königin Teje. Figur in
Hochrelief zwischen den
Beinen des Kolosses.

turen und Füllungen an der Schulter und am Funde aus dem Peristylhof
Sockel notwendig (Abb. 2. 3). Das Gra­ Ganz im Südwesten des Peristylhofes wurden
bungsteam hofft sehr, dass bei den laufenden im Jahr 2006 Bruchstücke einer Statue aus ro­
Grabungen am ursprünglichen Aufstellungs­ tem Granit mit einem herrlichen Königskopf
ort des Kolosses das Gesicht und weitere ausgegraben. Der Kopf mit der oberägypti­
Fragmente zu Tage kommen. schen Krone ist 1,30 m hoch. Restauratoren
Am dritten Pylon und somit an den noch des Teams haben mittlerweile den Torso und
liegenden Alabasterkolossen begannen wir den die Füße zusammengesetzt; es ist eine Stand­
gewaltigen Block des südlichen Kolosses frei­ igur des Königs und insgesamt 8 m hoch. Sie
zulegen, der den Thron und die Beine des stand mit anderen Granitbildwerken in der
Königs Amenophis III. bildet. Diese Ko­ südlichen Hälfte des Peristyls. Der Kopf und
losse aus Alabaster sind einmalig, aus diesem die Füße wurden vor einem Pfeiler aufgerich­
Steinmaterial gibt es nichts ihresgleichen in tet, die Fragmente des Körpers werden in der
der ägyptischen Königsplastik. Zwischen den nächsten Kampagne angefügt. Es ist die erste
Beinen fand sich überraschend die Figur in Statue des südlichen Peristyls aus rotem Gra­
Hochrelief einer Tochter von Amenophis na­ nit, die die oberägyptische Krone trägt und
mens Iset (vgl. Abb. 3). Diese Prinzessin ist errichtet werden konnte. Ein ähnlicher Kopf,
auch von anderen Bildwerken Amenophis’ gefunden 1957 bei einer ägyptischen Grabung,
bekannt, z. B. auf dem monumentalen Bild­ ist heute im Luxor Museum ausgestellt; ein
werk im Atrium des Ägyptischen Museums weiterer monumentaler Kopf aus rotbrau­
in Kairo, das eigentlich ursprünglich eben­ nem Quarzit, war im Gelände verblieben. Er
falls im Totentempel aufgestellt war. Die Fi­ ist später bei einem der Großbrände in den
gur ist 1,70 m hoch und 52 cm breit und trägt 1970er Jahren in unzählige Bruchstücke zer­
den Titel «königliche Gemahlin, geliebt, sie sprungen. Eines der Augen gelangte in ein Ma­
möge leben!», aber sie wird nicht wie Ihre gazin des Antikendienstes; das andere wurde
Mutter Teje als eine «Große Königsgemah­ gestohlen, wechselte in mehreren Kunstaukti­
lin» bezeichnet. Vier Prinzessinnen Ameno­ onen den Besitzer, bis es durch Hourig Sou­
phis’ III. tragen die Titel «Königsgemahlin», rouzian entdeckt und dank energischer Rück­
aber dies besagt nicht, dass Amenophis mit gabeforderungen Ägyptens schließlich zur
ihnen verheiratet gewesen wäre; es sind Eh­ Grabung am Kom el­Hettân zurückkam. In
rentitel, die allein Prinzessinnen tragen. jahrelanger Arbeit gelang es, die Fragmente zu

über 2/15 ANTIKE WELT 79


Die Wiedererrichtung der großen Statuen – Der Tempel der Millionen von Jahren des Amenophis III.

sammeln und mit den zurückgegebenen Au­ Museum gegeben werden und dort gegenüber
gen einzusetzen (s. AW 4/14). Da er zu fragil seinem Pendant, dem Kopf aus rotem Granit,
ist, um im Peristyl aufgestellt zu werden, soll er ausgestellt werden.
auf Wunsch des Ministers und aller beteiligten Dagegen sollen alle Statuen und Relief­
Restauratoren ausnahmsweise an das Luxor fragmente aus dem Peristyl, nun über viele
Jahre restauriert und in den ofiziellen Maga­
zinen des Antikenministeriums aufbewahrt,
wieder ihren Platz im Peristyl inden. Dieses
soll noch in dieser Kampagne zur Sicherheit
mit einer niedrigen Mauer umgeben werden.
Ein erster Abschnitt der Umfassungsmauer
mit Stamplehm über der östlichen Fassade
des Peristyls wurde schon begonnen.

Wieder zusammengesetzte kolossale


Standiguren
Zwei 13 m hohe Kolosse stehen wieder 375 m
nördlich des Tempels am einstigen Nordtor.
Noch im vergangenen Jahr hatte das Gra­
bungsteam durch den Kran die großen Frag­
mente in das Umfeld der jeweiligen Sockel
heben lassen, so dass, sobald die Balken am
Nordtor eingetroffen waren, mit dem Auf­
bau der Koloss­Fragmente begonnen werden
konnte. Beide Kolosse stellen Amenophis III.
dar. Der östliche Koloss ist besser erhalten,
daher wurden von diesem zunächst größere
Teile zusammengesetzt und die Füße mit dem
verbundenen, eigenen Sockel auf den neuen
Betonsockel gesetzt. An dem linken Bein über
der Ferse musste eine komplizierte Stahlkon­
struktion entworfen und eingesetzt werden,
um das fehlende Stück zu ersetzen und um
damit die Tragfähigkeit abzusichern (Abb. 5).
Durch einen 250 t­Kran von einer Baustelle
aus Mittelägypten wurden die schweren Teile
des Körpers, die Schenkel, der Torso und die
Schulter auf die Beinpartie gehoben und ver­
bunden, kurz darauf folgte der Kopf und die
schwere Rückenplatte. Dieser Rückenpfeiler
hat eher die Form einer oben abgerundeten
Stele und ist mit einem bemerkenswerten,

Abb. 5
Konstruktionsskizze der östlichen 13 m hohen
Standigur Amenophis’ III. mit den Angaben
der Dübelkonstruktionen zu den Ergänzungen
(Zeichnung Miguel Lopez).

80 ANTIKE WELT 2/15 über


Die Wiedererrichtung der großen Statuen – Der Tempel der Millionen von Jahren des Amenophis III.

fünfspaltigen Hieroglyphentext beschrieben, Amun­Re. Im Gürtel steckt ein kurzer Dolch Abb. 6
der die Titulatur des Königs mit einer Eulo­ mit einem Griff in Form eines Falken. In Die beiden wieder-
errichteten Standbilder am
gie seiner Wohltaten für die Götter Amun­Re den Händen halten beide jeweils eine Papy­
Nordtor.
und Sokar verbindet. Beide Statuen stellen rusrolle, beschriftet mit den Königsnamen;
den König nach Norden schreitend dar, denn erhalten sind allerdings nur die der rechten
sie standen ursprünglich vor einem monu­ Hände. Der eigene, monolithe Sockel aus
mentalen Tor (Abb. 6). Die Statuen tragen Quarzit überliefert in einer großen umlaufen­
die hohe Krone Oberägyptens: Die kugeli­ den Inschrift die Namen des Königs; darun­
gen Spitzen der Kronen fehlen heute. Die ter reihen sich Gaben tragende Nilgottheiten,
Spitze der Krone der östlichen Statue war Verkörperungen der Gaue Ägyptens mit ihren
ursprünglich getrennt gearbeitet und wurde speziellen Opfern. Der westliche Koloss war
aufgesetzt; die der westlichen Statue wurde durch den Sturz in mehrere Teile gebrochen
abgeschlagen. Bekleidet sind die Statuen mit und später mutwillig zerstört worden. An­
dem gefältelten Königsschurz, der durch ei­ wohner der nahe liegenden Gehöfte hatten
nen breiten Gürtel mit Zickzack­Muster in letzten Jahrzehnten größere und kleine
gehalten wird. Die rechteckige Schnalle des Fragmente abgeschlagen, um sie unter den
Gürtels, die bei dem Ostkoloss gut erhalten Ziegelmauern als Steinfundament gegen das
ist, trägt die Namen des Königs, geliebt von Grundwasser zu nutzen. Darunter hatte be­

über 2/15 ANTIKE WELT 81


Die Wiedererrichtung der großen Statuen – Der Tempel der Millionen von Jahren des Amenophis III.

sonders der Kopf, aber auch der Torso zu lei­ setzt. Darauffolgend machte man zusätzliche
den. Daher wurde eine eigene Herbstkampa­ Reparaturen und Ergänzungen wie die Anfü­
gne eingeplant, um die großen Bruchstücke gung des fehlenden, mächtigen Königsbartes,
zu ordnen und zusammenzufügen. Die Bein­ der die Halspartie zwischen Kopf und Brust
partie mit ihrem Quarzit­Sockel konnte mit­ verstärkt, wie auch die linke Kniepartie so­
tels des eigens konstruierten Balkengerüstes wie das Ergänzen kleiner, beschrifteter Frag­
auf den modernen Betonsockel gehoben und mente an der Rückenplatte.
verankert werden. Ein 100 t­Kran, bestellt aus In der Zwischenzeit hat der Ingenieur Ah­
Mittelägypten, hob anschließend die zusam­ med Abdel Gawad die 4,47 m dicke Stampf­
mengefügten und gedübelten großen Bruch­ mauer aus dem Lehm und den Nilablage­
stücke vorsichtig auf die Beinpartie, wo sie rungen der Grabung östlich des Peristyls bis
während der Hebearbeiten verdübelt und mit zu einer Höhe von 3 m und einer Länge von
Hilti­Klebern und Araldite verfestigt wurden; 13 m mit einem Innenraum zur Aufbewah­
schließlich wurde auch noch der Kopf aufge­ rung kleiner Bruchstücke der Peristylmauer
weitergeführt. Auf dieser Mauer sollen in den
kommenden Kampagnen außen die großen
Das Team Fragmente des Architravs und innen die ein­
zigartigen Landschaftsszenen mit den Jubi­
Das Projekt läuft unter der Schirmherrschaft des Antikenministeriums
läumsszenen auf der Innenwand ausgestellt
geleitet vom Minister Mahmoud Eldamaty und dem Generalsekretär
Mostafa Amin. Die ägyptischen Partner bei den Grabungen am Tempel werden.
und am Nordtor in Kooperation mit dem Antikenministerium sind Gegen Ende der Herbstkampagne erhielt
Abdel Hakim Karrar, Mohamed Abdelaziz (Frühjahr 2014) und Talaat das Grabungsteam die Genehmigung zur Er­
Abdelaziz (Herbst 2014).
richtung eines äußeren Zauns im Süden des
Hourig Sourouzian, Rainer Stadelmann (Projektleiter); Nairy Hampikian Peristyls, zwischen moderner Straße und der
(Bauforschung / Management); Ali Reda, Tayeb Gharib, Waheed Youssef, äußersten Reihe der Säulen der Südportikus.
Ahmed Tayeb, Mohamed Sayed, Mujahed Abdelmaougoud Mohamed
Die erste Strecke von 75 m im Süden des Pe­
und Azab Gaber (Inspektoren des Ägyptischen Antikendienstes); Gaber
Mohamed Lout, Ahmed Faragalla, Mohamed Taye Salamund und Ashraf ristyls entlang der moderner Straße ist erfolg­
Mahmoud (Restauratoren des Ägyptischen Antikendienstes); Carmen reich durchgeführt und wird in den nächsten
Lopez Roa, Myriam Seco Alvarez und Benjamin Durand (Grabung); Kampagnen fortgesetzt.
Miguel Ángel López Marcos und Mohamed Ali Ahmed gen. Abdel-
ghassab samt seinem Team (Steinspezialisten); Christian Perzelmeier
(Zusammensetzungen und Aufstellen der Koloss-Statuen); Arkadi Karak-
hanyan, Ara Avagyan und Mikayel Gevorkyan (geologischen und archäo-
seismologischen Forschungen); Jürgen Osing (Epigraph), Jola Malatkova
und Pauline Calassou (Zeichnungen); Eriko Kamimura, Somaia Osman Adressen der Autoren
und Etemad Ahmed Hosein (Dokumentation); Elena Mora Ruedas Dr. Hourig Sourouzian
(Zusammensetzungen und feine Restaurierungsarbeiten); Mohamed Prof. Dr. Rainer Stadelmann
El-Sawi (Ingenieur); Mohamed Abdelbaset gen. Baree, Agnès Oboussier, 9 El-Kamel Mohamed
EG-11211 Cairo-Zamalek
Alice Wallon, Mohamed el-AzabAbuhakim, Hassan Demerdash, Tayeb
Hasan, Ali Hassan, Ahmed Mohamed und Ali Abdelrazik (verschiedene Dr. Nairy Hampikian
Arbeitseinsätze). 44 Saleh El-Din street
EG-11341 Heliopolis-Cairo

Das Projekt wurde durch das DAI beantragt und konnte durch die Koope- Dr. Abdel Hakim Karrar
rationen mit dem Geologischen Institut der Armenischen Akademie Head of Antiquities of Luxor
Ministry of Antiquities
der Wissenschaften, dem EES Theban Harbours and Waterscapes Project 3. El Adel Abou Bakr Street,  
unter der Leitung von Angus Graham und der Karls-Universität Prag EG-11211 Cairo-Zamalek
(Epigraphie und Zeichnungen) durchgeführt werden.
Christian Perzlmeier M.A.
Boucher Str. 54
Förderer D-12059 Berlin
Miguel Ángel López Marcos
Association des Amis des Colosses de Memnon, World Monuments Fund, Paseo de las delicias
Memnon Verein, American Research Center in Egypt, Stephanie NO 11.3 A
und Bernhard Buchner, Horus Egyptology Society und Neil Stevenson, ES-28045 Madrid
Chesterield Association for the Study of Ancient Egypt, Sigrid und
Klaus Reuther, Peter Gain, Deutsche Botschaft / Kulturabteilung, Asem Bildnachweis
Allam, Ursula und Erhard Schaub, Robert Bigler, Robin Young. Alle Abb. © Memnon / Amenhotep III Project.

82 ANTIKE WELT 2/15 über


Kampf den Raubgräbern
Im Dezember 2014 trafen sich Experten aus aller Welt in Berlin zu einer
internationalen Tagung, bei der es insbesondere um die Frage ging,
wie illegaler Handel mit Kulturgütern bekämpft und wie Raubgräbern
das Handwerk gelegt werden kann. Mit dabei als Referent:
Prof. Dr. Mamdouh Eldamaty, früherer Kulturrat der ägyptischen
Botschaft (s. AW 3/2013) und seit Juni 2014 neuer ägyptischer Minister
für Altertümer.

«Manchmal geht alles sehr schnell im Leben», berichtet der Minister im Ge-
spräch mit der AW: «Am 10. Juni 2014 rief mich der Premierminister
in Berlin an und fragte mich, ob ich das Amt des Ministers für Altertümer
übernehmen möchte. Wenn ja, möge ich doch am nächsten Tag nach
Kairo kommen. Ich dachte kurz nach – und am 11. Juni war ich schon in
Kairo …»

Prof. Dr. Mamdouh Elda- Seither kümmert sich der 1995 in Trier promovierte Ägyptologe mit be-
maty, ägyptischer Minister sonderem Engagement um das Thema der Berliner Tagung: «Natürlich
für Altertümer, bei seiner haben wir noch zu wenig Wächter», beschreibt Minister Eldamaty die
Rede auf der internationa- aktuelle Situation, «doch in den letzten vier Monaten sind insgesamt 72 Fälle
len Tagung «Kulturgut in
von Raubgrabungen und illegalem Handel aufgeklärt worden.» Mittlerweile
Gefahr. Raubgrabungen und
illegaler Handel» in Berlin ist auch eine eigene Polizeieinheit 24 Stunden am Tag gegen Grabräuber
(Foto: P. Kracht). und illegale Händler im Einsatz.

Der Kampf ist hart. Alle ägyptischen Häfen und Flughäfen werden mittlerweile zwar intensiv über-
wacht, aber das schreckt Antikenräuber nicht ab: Mit rainierten Methoden versuchen sie, auch
weiterhin Funde überwiegend aus der Zeit der Pharaonen außer Landes zu schafen. «Die Grabräuber
sind bandenmäßig organisiert und der Markt ist lukrativ. Neuerdings sind bei der Ausfuhrkontrolle
vermehrt Repliken entdeckt worden, wie etwa die berühmte Goldmaske des Tutanchamun, in deren
Innern jedoch Originale versteckt waren, die so unerkannt außer Landes gebracht werden sollten!»
Die meisten illegal außer Landes transportierten Stücke dürften in die USA und in die arabischen
Staaten gehen.

Der Kampf gegen den illegalen Handel gehört demzufolge zweifellos zu den wichtigsten Aufgaben
von Prof. Eldamaty: «Der Kampf ist aber nur zu gewinnen, wenn sich viele Staaten daran beteiligen»,
machte der Minister in Berlin nachdrücklich deutlich.

Unterdessen gehen die wissenschaftlichen Ausgrabungen an mehreren Orten in Ägypten weiter –


mit großem Erfolg: Tschechische Archäologen haben in Abusir, südwestlich von Kairo, erst jüngst das
Grab einer bislang unbekannten Königin ausgegraben. Dabei soll es sich um eine Frau des wohl
schon jung verstorbenen Pharaos Neferefre mit Namen Khentakawess III. handeln. Sie starb etwa um
das Jahr 2450 v. Chr. Bei den Ausgrabungen wurden auch etwa 30 Alltags-Gegenstände aus Kalkstein
und Kupfer gefunden. Prof. Eldamaty zeigt sich zuversichtlich, dass der Grabfund nun Licht in einige
unbekannte Aspekte der fünften Dynastie (ca. 2500–2350 v. Chr.) bringen wird. Jene Dynastie des Alten
Reiches steht bis heute fast zwangsläuig im Schatten der vorausgehenden 4. Dynastie – was wiede-
rum nicht verwunderlich ist: Cheops, Chephren und Mykerinos haben mit ihren Pyramiden in Gizeh steinerne
Relikte hinterlassen, die an Monumentalität und Ausstrahlung wahrhaftig einmalig sind.

Dr. Peter Kracht


über 2/15 ANTIKE WELT 83
MUSEEN I N ALLER WELT

Abb. 1 Im Eingangsbereich begrüßt eine kolossale Statue Ramses΄ II., das Erkennungszeichen des GEM, die Besucher.

Ausblick auf eine große Ära für Museen


in Ägypten
Das Grand Egyptian Museum (GEM)

D as Grand Egyptian Museum (GEM)


ist eines von Ägyptens großen, na-
tionalen Projekten des 21.  Jhs., das für
und seine Errungenschaften hervorhe-
ben. Gleichzeitig gilt das GEM als ägypti-
scher Vorreiter, denn seit der Revolution
einnehmen wird. Es steht als Symbol für
den kulturellen Wandel; es wird eine Platt-
form für die Verbindungen zwischen der
den Großraum Kairo, sogar für das ge- vom 25.  Januar 2011 mit ihren kulturel- Vergangenheit und der Gegenwart sein,
samte Land steht; es ist zukunftsweisend len und gesellschaftlichen Veränderungen um eine glänzende Zukunft zu bieten.
für die kulturelle und soziale Entwicklung leitet das Land eine neue Ära für seine Gleichzeitig bietet das GEM zum einen
in Ägypten. Das zukünftige Museum, das Museen ein. touristische Attraktionen und Museums-
immer noch im Aufbau ist und bis 2018 Das GEM wurde nach den moderns- dienste, zum anderen steht es für eine
abgeschlossen sein wird, hat neben dem ten Methoden der Präsentation und Mu- neue Generation von Museumsfachkräf-
Ausstellungsraum noch zahlreiche Kom- seumspädagogik entwickelt und stellt ten ofen.
ponenten, von denen die Region, das eine international führende Institution In unmittelbarer Nachbarschaft zu den
Land, die internationale Gemeinschaft, dar. Das Museum soll mit anderen natio- Pyramiden von Gizeh verbindet das Mu-
aber auch die Ägyptologie und Archäo- nalen und internationalen Museen sowie seum eine der berühmtesten archäolo-
logie proitieren werden. Das Programm kulturellen und pädagogischen Einrich- gischen Stätten der Welt mit dem mo-
mit seinen mehr als 100 000  Artefak- tungen vernetzt werden, wobei das GEM dernen Kairo  – ganz nach dem Motto,
ten soll die weltweit größte Ausstellung für die Ägyptologie und Museumswissen- Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
zur Geschichte des alten Ägypten zeigen schaft (Museologie) eine zentrale Stellung zu vereinen (Abb. 1).

84 ANTIKE WELT 2/15 über


MUSEEN IN ALLER WELT
Ausblick auf eine große Ära für Museen in Ägypten – Das Grand Egyptian Museum (GEM)

Gebäude und Außenanlagen umgebende Infrastruktur: Der 45 000  m2 ganzen Breite zeigen und die Ägypter
des GEM Recreational Park, der an zwei Seiten von als Gründer der ersten Hochkultur der
Im Jahr 2003 gewann das irische Architek- einer durchscheinenden Steinmauer um- Welt herausstellen. Dem Verfasser wurde
turbüro Heneghan Peng Architects den fasst wird, soll als öfentlicher Park der die Ehre zuteil, als Kurator das Ausstel-
ersten Preis beim internationalen Wett- Hauptstadt Kairo zur Verfügung stehen. lungskonzept zu entwerfen und narrative
bewerb für den Entwurf und die Planung Der Nile Park wird mit seiner 2,5  km lan- Räume zu schafen, in denen das Leben,
des Museumsgebäudes. Heneghan Peng gen Wasseranlage den Nil repräsentie- die Errungenschaften und das Jenseits der
Architects übernahm die gesamte Pla- ren. In diesem Park beinden sich relektie- Verstorbenen dargestellt werden, wobei
nung und die architektonische Gestal- rende Becken, Springbrunnen, Grünanlagen, die Tutanchamun-Sammlung das außer-
tung des GEM in modernem Design. Das überdachte Bereiche sowie Sitzplätze im gewöhnliche Highlight der Dauerausstel-
Projekt besteht aus mehreren Komponen- Schatten. Der Land of Egypt Park demon- lung bildet. Die gesamte Ausstellung ist
ten: Museumsgebäude, Conservation and striert auf 35 000  m2 die Funktionsweise nach Themen geordnet, die mit ihren ge-
Energy Center (CEC), Gestaltung der Gär- des traditionellen Bewässerungssystems schichtlichen Highlights in den entspre-
ten und Infrastruktur auf dem Gelände. inmitten von altägyptischen Planzen. Die chenden Räumen präsentiert werden.
Das 500 000  m2 große Grundstück um- Esplanade ist eine historische Promenade, In einigen Hauptsälen und auch inner-
fasst 303 678  m2 Grünanlagen und eine die das GEM mit dem Plateau der Pyrami- halb einzelner Themenbereiche wird eine
Bebauungsläche von 167 296 m2, wovon den verbindet. Auf einer Länge von 2,5 km chronologische Abfolge ersichtlich sein
das Hauptgebäude des Museums eine Flä- beinden sich dort im Schatten der Pal- und die Artefakte werden ihre eigene Ge-
che von 133 000  m2 einnimmt. Das Pro- men Cafeterien und kleine Geschäfte mit schichte erzählen.
jekt durchläuft drei Phasen: Phase 1: Frei- Souvenirs und Kunsthandwerk. Im Temple Die Dauerausstellung wird auf einer
gabe des Standortes; Phase  2: Bau des Garden und auf der Piazza sind nachge- Fläche von 45 000  m2 präsentiert und in
CEC (77 460  m2) von 2006 bis 2008  – ein baute Schreine aus ägyptischen Tempeln drei Hauptareale unterteilt, wobei jedes
Gebäudekomplex mit weltweit größtem ausgestellt. Areal für sich als ein Museum innerhalb
Zentrum für Restaurierung und Konser- des Museums betrachtet wird:
vierung (Abb. 2); Phase 3: Bau des Haupt- Museumsinhalte und Ausstel-
gebäudes (Museum und Kongressge- lungsprogramm 1. Die große Treppe – Das Empfangs-
bäude) und Umsetzung des Masterplans. Das GEM widmet sich der Darstellung areal
Diese Phase begann im Januar 2012 und Ägyptens der vordynastischen Zeit und Die große Treppe wird innerhalb des Mu-
läuft bis zum Soft Opening im Jahr 2018. während der Pharaonenzeit bis zur spät- seums eine zentrale Rolle spielen, denn
Das Hauptgebäude des Museums ist so antik-byzantinischen Epoche. Es soll die sie ist für die Museumsbesucher ein wich-
gestaltet, dass es im Erdreich versteckt Geschichte des alten Ägypten in seiner tiger Bestandteil auf ihrer Reise durch die
liegt  – bis auf seine Ausstellungsräume,
die sich im 3.  Obergeschoss und hiermit
auf gleicher Bodenhöhe beinden wie die Abb. 2 Conservation and Energy Center (CEC): Die Mitarbeiter bereiten eine Mumie für
Pyramiden von Gizeh (Abb.  3. 4). In die- die neue Dauerausstellung vor.
sem Gebäude beinden sich das Atrium
und die Große Treppe. Im ersten Oberge-
schoss sind Büroräume, Fundarchive und
eine Bibliothek. Im zweiten Obergeschoss
gibt es neben dem Bereich für die Son-
derausstellungen auch Museumsräume
für Kinder und Menschen mit besonde-
ren Bedürfnissen, während sich im drit-
ten Obergeschoss die Räume der Dauer-
ausstellung beinden. In einem separaten
Anbau des Museums sind ein Kultur- und
Bildungszentrum, Tagungsräume für Ge-
schäftsleute und ein hochmodernes 3D-
Kino untergebracht. Außerdem beindet
sich dort der gewerbliche Trakt mit Gast-
ronomie und Geschäften. Zum Museums-
komplex gehören Grünanlagen und eine

über 2/15 ANTIKE WELT 85


MUSEEN I N ALLER WELT

Ausblick auf eine große Ära für Museen in Ägypten – Das Grand Egyptian Museum (GEM)

Vergangenheit. Als vertikale Verbindungs- wird in Form einer Entdeckungsreise die In den umliegenden Grünanlagen sind
route bringt sie die Besucher in die hö- Lebensgeschichte des Königs Tutanch- Aktivitäten und Workshops für die ägyp-
her gelegenen Ausstellungsräume. Der amun präsentieren. Der thematische Rah- tischen Gemeinden, Familien und Kinder
erste spektakuläre Saal bietet ihnen einen men dieser Ausstellung umfasst drei geplant, u. a. auch Kunst-Workshops so-
unmittelbaren Zugang in die lange Ent- Hauptthemen: Die Geschichte der Ent- wie Kunst- und Kulturwettbewerbe, die
wicklungsgeschichte der altägyptischen deckung des Grabes, das Leben des jun- eine didaktische Funktion haben. Sie sol-
Zivilisation; es soll eine enge Beziehung gen Pharaos sowie sein Leben im Jenseits. len das Publikum begeistern und zur Mit-
zwischen den Besuchern und den ein- Zum Schluss wird die Wiedergeburt des wirkung im Museum einladen. In den Aus-
zelnen Persönlichkeiten des alten Ägyp- Königs Tutanchamun aus einer Lotusblüte stellungräumen werden außerdem weitere
ten hergestellt werden, um die Errungen- gezeigt, die bei den Besuchern einen tie- Workshops sowie Kunst- und Bildungspro-
schaften und die Größe von Ägyptens fen Eindruck hinterlassen soll. gramme von den Museen für Kinder und
Erbauern zu erfahren. Über den gesam- für Menschen mit besonderen Bedürfnis-
ten Ausstellungssaal verteilt gibt es stell- Die Hauptsäle: Das ewige sen, oder auch vom Bildungszentrum für
vertretende Botschafter der alten Ägypter, Ägypten – die Geschichte des Kinder, Studenten, Erwachsene etc. statt-
welche die Besucher empfangen und be- alten Ägypten inden.
grüßen. Sobald sie über die Treppe oben Dieses Areal besteht aus drei einzelnen Ab-
angelangt sind, werden sie von den alt- teilungen: 1. Ägyptens Erbauer. Die Ab- Die nationale und internationale
ägyptischen Botschaftern auf der Aus- schnitte zur Einführung und Zusammen- Rolle des GEM
sichtsplattform verabschiedet, um sich fassung geben einen kurzen Umriss der Ge- Das GEM soll seinen Platz unter den zehn
das Panorama der Pyramiden von Gizeh schichte des alten Ägypten und stellen die besten Museen der Welt einnehmen; als
anzuschauen, bevor sie ihre Reise durch Errungenschaften seiner Erbauer heraus. Fachinstitution soll es in der Zusammen-
die Ausstellung fortsetzen. Die konzeptio- 2. Die chronologische Geschichte des alten arbeit mit internationalen Einrichtungen
nelle Idee entwickelte sich zu einem Meet- Ägypten und 3. Die Fundarchive, in denen einen wichtigen Eckpfeiler für die For-
and-Greet Journey (Begrüßungsreise). die Studiensammlungen ausgestellt werden. schung bilden. Das GEM ist Ägyptens ver-
sprochenes Projekt, das die Verantwor-
2. Die außergewöhnliche Tutanch- Hinter den Kulissen tung für die museale Entwicklung trägt
amun-Ausstellung Das GEM bietet zahlreiche Aktivitäten und und eine neue Generation von Fachkräf-
Der Kerngedanke ist die Geschichte des Programme für die angrenzenden Ge- ten ausbildet, aber auch die besten Ein-
goldenen Pharaos von seiner Geburt bis meinden und Besucher an. Sie inden in richtungen für Bildung, Forschung und
zur Wiedergeburt als Musterbeispiel für den Parkanlagen, Ausstellungssälen und Konservierung bietet. Es wird als nationale
die Lebensgeschichte eines Pharaos und Funktionsräumen statt, z. B. im 3D-Kino, Plattform für kulturelle sowie soziale Inter-
sein Leben im Jenseits. Die Ausstellung Bildungszentrum, Kongresszentrum usw. aktion und Entwicklung agieren.

Abb. 3
Konzeption einer der Galerien der Dauerausstellung
(Architektur: Heneghan / Peng, Irland; Ausstellungskon-
zept: Metaphor, England).

86 ANTIKE WELT 2/15


über
MUSEEN IN ALLER WELT
Ausblick auf eine große Ära für Museen in Ägypten – Das Grand Egyptian Museum (GEM)

Abb. 4 Das GEM bietet einen Panoramablick auf die Pyramiden von Gizeh und die darum liegenden Parks.

Auf internationaler Ebene sind bereits


große Schritte unternommen worden und Adresse des Autors DERS., The GEM & the Multicultural city
es werden in der nahen Zukunft noch wei- of Cairo, in: G. Lord (Hrsg.), Museums,
Dr. Mohamed Gamal Rashed
Cities, and Soft Power (2015).
tere Möglichkeiten erwartet. Darunter fällt The Grand Egyptian Museum (GEM)
Km 4.5 Cairo-Alexandria Desert Road, DERS., The Meet-and-Greet Gallery at
die Zusammenarbeit mit der Japan Inter- EG-Of Al-Remmiya Square, the GEM, in: CIPEG Annual Meeting
national Cooperation Agency (JICA), die Giza Pyramids, Giza 2014, Copenhagen 26–29th August
(2014).
das GEM in technischer und inanzieller
Übersetzung
Hinsicht unterstützt und Ausbildungspro-
Michaela Butler M. A., Nideggen-
gramme für junge Restauratoren in Japan Schmidt Informationen zum
anbietet. Das GEM nimmt auch zusammen Museum
mit ägyptischen und ausländischen Insti- Bildnachweis
Abb. 1. 3. 4: © The Grand Egyptian The Grand Egyptian Museum
tutionen an zahlreichen archäologischen Museum and Metaphor Limited; (GEM)
Projekten teil, u. a. der Bergung des zwei- 2: Mohamed Gamal Rashed. Km 4.5 Cairo-Alexandria Desert
ten Khufu-Schifes, ein gemeinsames Pro- Road,
Literatur EG-Of Al-Remmiya Square,
jekt mit der Waseda-Universität in Japan, Giza Pyramids, Giza
M. G. RASHED, Cairo and The Grand
und der Konservierung des Abu Rawash- Egyptian Museum: From Multicultura-
lism to Leadership in Sustainable Deve- Geplanter Eröfnungstermin
Schifes, das kürzlich vom Institut français voraussichtlich 2018
lopment, in: G. D. Lord / N. Blankenberg,
d’archéologie orientale (IFAO) in Ägypten Cities, Museums and Soft Power (2014).
entdeckt wurde.

über 2/15 ANTIKE WELT 87


Die ersten Neuerscheinungen 2015
„Höchst originell und vor allem mit großer Freude zu lesen - ein exzellenter Überblick
für Spezialisten wie für die Allgemeinheit, der die Kreuzzüge in den größeren Rahmen
der islamischen Geschichte stellt.“ - Konrad Hirschler, SOAS, Universität London
Die Geschichte der Kreuzzüge ist eine durch die christliche Brille bzw. Chronistik gefärbte Ge-
schichte. Der renommierte Historiker Paul M. Cobb unternimmt in diesem Buch einen spannen-
den Perspektivwechsel: Er schreibt diese Geschichte erstmals aus muslimischer Sicht und auf
Basis arabischer Quellen. Dies ist nicht nur eine Geschichte von Kriegern und Königen und ihren
Kämpfen im Heiligen Land. Sie erzählt auch von Grenzgängern und Wendehälsen, Botschaftern
und Händlern, Gelehrten und Spionen. Aus der Perspektive mittelalterlicher Muslime zeigen sich
die Kreuzzüge als höchst verzwicktes diplomatisches Schachspiel, als kommerzielle Chance und
als Zusammenprall der Kulturen, der die muslimische Haltung gegenüber Europa und den Euro-
päern bis zum Ausgang des Mittelalters und darüber hinaus prägte.
Paul M. Cobb
Der Kampf ums Paradies | Eine islamische Geschichte der Kreuzzüge
Aus dem Englischen von Michael Sailer.
Etwa 432 S. mit etwa 15 s/w Abb. und
10 Kt., Bibliogr. und Reg., geb. mit SU.
29,95 € | ISBN: 978-3-8053-4884-3

Garry J. Shaw leitet den Leser in diesem großartigen, illustrierten Überblick durch das Labyrinth der ägyptischen Mythologie. Im
Wirken der Götter erschließt sich für die alten Ägypter die Welt. Wenn jeden Tag die Sonne am blauen Himmel aufgeht, so ist das
beispielsweise Re, der auf seiner Sonnenbarke über den Himmel zieht. Aber nicht nur die Welt, in der wir leben, auch die Vorstel-
lungen vom Jenseits durchweben die Mythen. Die Götter am Nil sind aber auch zutiefst menschlich und durchaus streitsüchtig. Ihre
Abenteuer erzählen Geschichten von Mord und Totschlag, von Machtstreben und mächtiger Liebe. Es sind tolle Geschichten, die ein
ganzes Universum und die Welt zugleich eröffnen.

Riesenkraken, Menschenfresser, Monsterschildkröten: Egal, ob sie Schiffe angrei-


fen, in den Wellen herumtollen oder Seeleute verschlingen, diese Kreaturen sind ein Garry J. Shaw
Blickfang auf den Karten des Mittelalters und der Renaissance. Damals sahen die Götter am Nil
Seeleute in ihnen eine reale Bedrohung aus den unbekannten Tiefen der Weltmeere. Ägyptische Mythologie für Einsteiger
Heute sind die mystischen Wesen nicht nur für die Geschichte der Kartographie von Aus dem Englischen von Jörg Fündling.
großer Bedeutung, sondern auch für die Entwicklung von Kunst und zoologischen 247 S. mit 95 s/w Abb., Bibliogr. und Reg., geb.
Darstellungen interessant. Chet van Duzer interpretiert in diesem üppig bebilderten 24,95 € | ISBN: 978-3-8053-4885-0
Band zum ersten Mal Seeungeheuer auf den wichtigsten europäischen Karten: von
den ersten Mappae mundi aus dem 10. Jh. über die frühen Globen bis hin zu den
Kartendarstellungen des 16. Jh.s wie Mercators Weltkarte von 1569.

Chet van Duzer


Seeungeheuer und Monsterfische
Sagenhafte Kreaturen auf alten Karten
Aus dem Engl. von Hanne Henninger Die Trommel eines Schamanen, die Hand der Fatima oder ein Angelhaken der Maui –
und Jan Beaufort. die Religionen der Welt äußern sich in ganz unterschiedlichen Kultgegenständen.
Etwa 144 S. mit 147 farb. Abb., Claudius Müller stellt in seinem Band einige besonders eindrucksvolle religiöse Objek-
Bibliogr. und Reg., geb. mit SU. te vor und präsentiert sie in ihrem kulturellen Zusammenhang. Sein Buch ist ein Streif-
39,95 € | ISBN: 978-3-8053-4859-1 zug durch die Religionen der Welt, der über alle Kontinente und zu den verschiedens-
ten Völkern führt. Der Band ist reich bebildert und kenntnisreich geschrieben. Claudius
Müller versteht es, überraschende Einsichten zu vermitteln und verblüffende Verbin-
dungslinien zwischen den Religionen dieser Welt zu ziehen. Glaube wird so lebendig und
anschaulich gemacht.
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Die Bestseller 2014
Die Kunst des frühen Christentums entwickelte sich als Teil der allgemeinen materiellen Kultur der Spä-
tantike. Josef Engemann zeigt in diesem Band die Kunst dieser Übergangszeit als Vorstufe der christli-
chen Kunst des Mittelalters. Als ausgewiesener Kenner der Epoche entwirft er ein umfassendes Panora-
ma des Ausklangs der römischen Kunst.

Josef Engemann
Römische Kunst in Spätantike und frühem Christentum bis Justinian
272 S. mit etwa 192 farb. und 38 s/w Abb., geb. mit SU
79,00 € | ISBN 978-3-8053-4389-3

Friederike Bubenheimer-Erhart Thomas Biller Johann Chapoutot Jörg Fündling


Die Etrusker Templerburgen Der Nationalsozialismus Philipp II. von Makedonien
191 S. mit 134 farb. Abb. 172 S. mit 88 farb. und 11 s/w Abb., und die Antike 230 S. mit 19 s/w Abb.
und 5 Kt., geb. mit SU. 12 Kt., geb. mit SU. 500 S. mit 20 s/w Abb., geb. mit SU. u. 2 Kt., geb. mit SU.
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ISBN 978-3-8053-4805-8 ISBN 978-3-8053-4806-5 ISBN 978-3-8053-4768-6 ISBN 978-3-8053-4822-5

Daniel C. Snell Kay Ehling / Gregor Weber (Hg.) Konrad Vössing Christoph Jamme /
Die Religionendes Alten Orients Hellenistische Königreiche Das Königreich der Vandalen Stefan Matuschek
208 S. mit 5 s/w Abb 192 S. mit 54 überw. farb. 208 S. mit 13 s/w Abb. u. Kt., Handbuch der Mythologie
und 3 Ktn., geb. und 8 s/w Abb., geb. geb. mit SU. 368 S. mit 109 s/w Abb., geb.
29,95 € 29,95 € 24,95 € 49,95 €
ISBN 978-3-8053-4807-2 ISBN 978-3-8053-4758-7 ISBN 978-3-8053-4761-7 ISBN 978-3-8053-4753-2

„Es gibt auf dem deutschen Markt kaum ein Werk, das es hinsichtlich der Dichte der Informationen und des
ausgeprägten Verständnisses der Strukturen und der Eigendynamik des Alten Reiches mit diesem opus ma-
gnum des britischen Historikers aufnehmen kann. Die einfühlsame Sicht des Reiches und seiner Institutio-
nen ist aus einer Außenperspektive besonders anregend und fruchtbar. In seiner Verbindung von politischer
und Sozialgeschichte, von Institutionen- und Mentalitätsgeschichte, von Geistes-, Theologie- und Kulturge-
schichte gelingt es Whaley, ein packendes und nuanciertes Bild eines lebendigen Organismus zu zeichnen,
der keineswegs ob seiner vermeintlichen Rückständigkeit zwingend zum Untergang verurteilt war.“
Prof. Dr. Heinz Duchhardt, Präsident Max Weber Stiftung
Joachim Whaley
Das Heilige Römische Reich deutscher Nation und seine Territorien, 1493-1806
1670 S., 2 Karten. 2 Bände, geb.
Vorwort v. A. Gotthard, aus dem Engl. v. M. Haupt u. M. Sailer.
Veröffentlicht mit Unterstützung des Wilhelm-Weischedel-Fonds der WBG.
149,00 € | ISBN 978-3-8053-4825-6

über
Rezensionen und Empfehlungen
BÜCHERSPIEGEL

Lehrer des Abendlandes Fürstensitz. Im Gegensatz zu gängigen


J. Freely, Aristoteles in Oxford. Wie das instere Vorurteilen arbeitet Freely auch die Fort-
Mittelalter die moderne Wissenschaft begründete. schritte heraus, die sich in der Forschung
395 S., € 24,95 (D). Verlag Klett-Cotta, Stuttgart der Scholastik ereigneten, indem sie
2014. sich an den Schriften des Aristoteles
abarbeitete. Kommentare und Traktate
waren geradezu Antwortschreiben an
den Lehrer des Abendlandes, bis dessen
Meinung als überwunden galt.

A ristoteles in Oxford ist das Pendant


und gewissermaßen die Fortset-
zung zu John Freelys zwei Jahre früher
Mit leichter Hand beschreibt er die Wei-
terentwicklungen der Astronomie, der
Optik, der Kinetik und der experimen-
Freelys flüssige, verständliche und
unprätentiöse Sprache meistert schwie-
rige Themen scheinbar mühelos. Dank
erschienenem Werk Platon in Bagdad tellen Methoden im Mittelalter. Statt kurzer Bibliographie, knappen Endno-
und erzählt die Wirkungsgeschichte den Fortgang trocken in einer For- ten und Register kann jeder Leser die
der antiken Naturwissenschaften bis in schungsgeschichte zu referieren, erzählt oft nur angerissenen Themen leicht
die Moderne. Während Platon in Bag- Freely zugleich die Lebensgeschichten vertiefen. Der Band nähert sich einer
dad sich mit der Tradierung antiken der Forscher mit Nennung ihrer wich- Wissenschaftsgeschichte des Mittelal-
Gedankenguts im arabischsprachigen tigsten Werke, beginnend bei Heraklit ters an und leistet insgesamt weniger
Mittelalter auseinandersetzt, beschäf- und endend mit Newton. Dadurch be- als sein Vorgänger, der eine klarere
tigt sich Aristoteles in Oxford mit der kommt der Leser zugleich eine Kulturge- These verfocht. Aber die Materialfülle
Tradierung desselben Stoffes im latei- schichte der verschiedenen Forschungs- macht Aristoteles in Oxford zu einem
nischsprachigen Mittelalter. und Bildungsstätten geboten, sei es nun lesenswerten Werk über die Rezeption
In vierzehn Kapiteln bewältigt John eine antike Akademie, eine mittelalter- und Tradierung antiken Wissens.
Freely eine beeindruckende Stoffmenge. liche Universität, ein Kloster oder ein Emanuel Seitz M. A., Frankfurt am Main

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VATER DER KUNSTGESCHICHTE Erhalt sämtlicher Hefte eines Jahrgangs. Da die Ausga-
ben nach Erscheinen meist vergriffen sind, ist es dem
Verlag nicht immer möglich, der großen Nachfrage
K.-W. Haupt, Johann nach Auslieferung älterer Nummern nachzukommen.
Winckelmann. Begründer Bestandslücken in Ihrer Sammlung der ANTIKEN
WELT können daher nur durch privaten Tausch bzw.
der klassischen Archäologie Nachkauf gefüllt werden. Unsere Leser haben deshalb
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mern erscheinen unter der Rubrik «Biete», Nachfragen
marer Verlagsgesellschaft, nach älteren Ausgaben unter «Suche».
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90 ANTIKE WELT 2/15 über


Zusätzliche Buchbesprechungen inden Sie online auf unserem Leserportal.
Rezensionen und Empfehlungen

BÜCHERSPIEGEL
Der Knabe auf dem Thron Reformen als unbesiegbarer Priester-
M. Icks, Elagabal. Leben und Vermächtnis kaiser, der die göttliche Gunst für Rom
von Roms Priesterkaiser. 231 S., € 24,95 (D). gewann, dargestellt. Nach den Urteilen
Philipp von Zabern, Darmstadt 2014. zeitgenössischer Autoren lehnte ihn
die soziale Elite vor allem wegen sei-
ner religiösen Reformen ab. In Kapitel 4
Der verschmähte Herrscher analysiert
Icks die negativen Bilder, die antike
Autoren nach Elagabals damnatio me-

M artijn Icks widmet sich in dieser


Studie Kaiser Elagabal, der trotz
seiner kurzen Herrschaft (218–222 n. Chr.)
Knabe auf dem Thron) stellt er dessen
Machtergreifung, Herrschaft und Tod
dar (Kapitel 2: Der Junior-Priester aus
moriae in ihren Werken zeichneten. In
der Literatur, Malerei und Musik der
Neuzeit wird Elagabal auf der Grund-
«so viele unterschiedliche und schil- Emesa). In Kapitel 3 Der unbesiegbare lage der Darstellungen in der antiken
lernde Bilder hervorgebracht» hat. Er Priesterkaiser behandelt der Autor die Literatur als böser Tyrann (von ca. 1350
untersucht, wie dieser zum schlech- kaiserliche Selbstdarstellung anhand an), dekadenter Kaiser (ca. 1850–1914)
ten Herrscher stilisiert wurde, welche von Münzen und Herrscherporträts und moderner Fürst (ab ca. 1914) re-
Eigenschaften seiner Persönlichkeit sowie die Reaktionen der Untertanen zipiert (Kapitel 5: Der fiktionale Kaiser).
und Regierung betont, übertrieben darauf. Elagabal wurde zur Legitimie- Die Studie bereichert die Forschung
und verzerrt wurden und wie sich sein rung seines Herrschaftsanspruches als besonders dadurch, dass Icks die anti-
negativer Ruf in der Folgezeit entwi- Sohn Caracallas, als princeps bonus, der ken und modernen Bilder Elagabals in-
ckelte. Nach Informationen über den ein Zeitalter des Friedens und Wohl- terpretiert und dessen Nachleben bis
Gott und Kaiser Elagabal (Kapitel 1: Der standes schuf, und nach den religiösen in die Gegenwart darlegt.
PD Dr. Andrea Scheithauer, Heidelberg

Schattenseite der Antike


schen Kaiserzeit mit einem Ausblick
M. Zimmermann, Gewalt. Die dunkle Seite auf die christliche Spätantike.
der Antike. 412 S., € 24,99 (D). Deutsche Verlags- Das Werk zeigt klar, dass die detail-
Anstalt, München 2013. versessenen Schilderungen von Gewalt
bei den antiken Autoren nicht die histo-
rische Realität widerspiegeln, sondern
dass sie Zwecken dienten. Gewaltbilder
wurden vielfach für bestimmte poli-

I n seinem jüngst erschienenen Werk


widmet sich Martin Zimmermann
der dunklen und schrecklichen Seite
deutlich, dass die Kommunikation über
Gewalt in den literarischen Texten als ge-
sellschaftliches Verständigungsmuster
tische Zwecke instrumentalisiert und
wurden etwa zur Schmähung und Diffa-
mierung von politischen Gegnern her-
der Antike. Dabei geht es ihm um die zu verstehen ist, das u. a. festhält, wel- angezogen.
Darstellung der Entstehung, der Ge- che Art von Gewalt zu einer bestimm- Gerade dieses wichtige Ergebnis
schichte, der Weiterentwicklung und ten Zeit oder in einem bestimmten macht das Buch zu einer äußerst loh-
der Erzählung von Gewaltbildern, nicht Kontext legitim ist und welche nicht. nenswerten Lektüre, die zur kritischen
jedoch um das Vergnügen am Schre- Der zeitliche Rahmen des Buches er- Auseinandersetzung mit Gewaltbe-
cken und um die bloße Wiedergabe streckt sich vom Alten Orient über die richten – weit über die Antike hinaus –
der oft sehr brutalen Gewaltberichte griechischen poleis und die hellenis- anregt.
der antiken Literatur. Der Autor macht tischen Königreiche bis hin zur römi- Mag. Astrid Rupp, Wien

über 2/15 ANTIKE WELT 91


ausstellungskalender
Bitte beachten Sie, dass sich die Ausstellungsdaten und Öfnungszeiten
der einzelnen Museen kurzfristig ändern können.

Bonn Hannover
däneMark
Rheinisches LandesMuseum Museum August Kestner
kopenhagen eiszeitjäger – leben in Mitteleuropa vor gegossene götter: Bronzeguss & Massen-
15 000 Jahren produktion
Ny Carlsberg Glyptotek
bis 28. Juni 2015 26. März bis 26. Juli 2015
taharqa – the black Pharaoh
Die sensationelle Entdeckung einer Doppel- Geöfnet: Di, Do–So 10–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr
9. April bis 28. Juni 2015 bestattung in Bonn-Oberkassel vor 100 Jah- Trammplatz 3
Geöfnet: Di–So 10–17 Uhr ren war Anlass, die Skelette eines Mannes, www.museum-august-kestner.de
Dantes Plads 7 einer Frau und eines Hundes sowie die s. a. den Beitrag in AW 6/2014, S. 58 f.
www.glyptoteket.dk dazugehörigen aus Knochen geschnitzten
Kunstwerke noch einmal mit den neuesten
wissenschaftlichen Methoden zu unter-
suchen. Damit kann dem Publikum das Leben
koblenz
der Eiszeitjäger vor 15 000 Jahren vorge- Landesmuseum Koblenz
deutscHland stellt werden. greifen als grabwächter – die römischen
Geöfnet: Di–Fr, So 11–18 Uhr, Sa 13–18 Uhr grabpfeiler von duppach-Weiermühle
altenburg Colmantstraße 14–18 bis 19. April 2015
Lindenau Museum www.rlmb.lvr.de
Bereits im Mai 1921 stieß man in Duppach-
ägypten in altenburg. ägyptomanie im Weiermühle bei landwirtschaftlichen Arbeiten
19. Jahrhundert – unbekannte schätze aus auf eine lebensgroße Löwe-Eber-Gruppe aus
den sammlungen essen Sandstein (Landesmuseum Trier). Neuere
bis 14. Juni 2015 Ruhr Museum / Zollverein A 14 Untersuchungen – zunächst Prospektionen
und dann Ausgrabungen von 2002 bis 2005 –
Geöfnet: Di–Fr 12–18 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr Werdendes ruhrgebiet. spätantike und haben u. a. zwei große und zwei kleine Grab-
Gabelentzstraße 5 Frühmittelalter an rhein und ruhr mäler, eine Grabkammer, eine Privatstraße, die
www.lindenau-museum.de 27. März bis 23. August 2015 zur nahegelegenen Villa führte, ein Terrakotten-
Die historische Entwicklung des Ruhrgebietes depot und vier Gräber zu Tage gebracht.
vom 3. bis zum 11. Jh. wird anhand von etwa Von den mehr als 1000 Fragmenten werden
aschafenburg 800 Exponaten erläutert: Schmuck, Gefäße aus nun einige erstmals in Koblenz gezeigt.
Pompejanum Glas und Keramik, Textilien, Werkzeuge, Wafen Geöfnet: Mo–So 9.30–17 Uhr
und kostbare Handschriften. Höhepunkte Festung Ehrenbreitstein
die troja-sage in darstellungen der antiken sind die Kleinodien aus den Kirchenschätzen www.landesmuseumkoblenz.de
kleinkunst und Bibliotheken von Werden und Essen,
ab April bis 11. Oktober 2015 zwei weiteren Orten, die in die Ausstellung
einbezogen sind.
Geöfnet: Di–So 9–18 Uhr
Pompejanumstraße Geöfnet: Mo–So 10–19 Uhr
www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de Gelsenkirchener Straße 181
www.ruhrmuseum.de

Berlin
Frankfurt am Main
Bode-Museum
IG-Farben-Haus, Campus Westend
ein gott – abrahams erben am nil.
Juden, christen und Muslime in ägypten Vom Objekt zur kulturgeschichte. Wie
von den römern bis zu den Fatimiden archäologen arbeiten
2. April bis 13. September 2015 bis 31. März 2015
Bauskulpturen, liturgisches Gerät, Schrift- Zwei Jubiläen sind Anlass der Ausstellung:
stücke sowie zahlreiche Gegenstände und 100 Jahre Goethe-Universität und 10 Jahre
Dokumente des alltäglichen Lebens, ins- Institut für Archäologische Wissenschaften.
gesamt etwa 250 Exponate, zeigen das reiche Die fünf archäologischen Fächer dieses
kulturelle Erbe der drei monotheistischen Institutes stellen ihre Forschungsgegenstände
und -methoden vor.
Religionen in Ägypten von der Zeit der Römer
bis zum Ende der Herrschaft der Fatimiden Geöfnet: Di 15–18 Uhr, letzter So im Monat
im 12. Jh. 11–13 Uhr
Grüneburgplatz 1
Geöfnet: Di–Mi 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, http://sammlungen.uni-frankfurt.de/ausstel-
Fr–So 10–18 Uhr «Greifen als Grabwächter»: Kopf eines Reliefs
lungen der Grabpfeiler bei Duppach; Sandstein; 2. / 3. Jh.
Am Kupfergraben
n. Chr. (© Rheinisches Landesmuseum Trier;
www.smb.museum.de Foto: GDKE, Landesmuseum Koblenz, U. Pfeufer).
Frankfurt am Main
Bochum Jüdisches Museum
konstanz
Antikenmuseum in den Kunstsammlungen Im licht der Menora. Jüdisches leben
in der römischen Provinz Archäologisches Landesmuseum Baden-
der Ruhr-Universität Bochum Württemberg
augustus und das römische reich – bis 10. Mai 2015
glasklar – archäologie eines kostbaren
Münzen von cäsar bis tiberius aus west- Geöfnet: Di, Do–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr Werkstofes
fälischen sammlungen Untermainkai 14/15
www.juedischesmuseum.de 24. April bis 20. September 2015
bis 30. April 2015
s. a. den Beitrag in AW 1/2015, S. 94 Ein Überblick über Glas von der Antike bis in
Zahlreiche antike Münzen aus eigenen unsere Zeit – jahrtausendealte Perlen, das
Beständen sowie Leihgaben der Westfälischen älteste Glasgefäß nördlich der Alpen aus
Wilhelms-Universität Münster und zweier einem keltischen Fürstengrab, frühmittelalter-
regionaler Privatsammlungen veranschauli- Hannover liche Gewandspangen mit roten und grünen
chen sowohl die Geschichte Roms von Landesmuseum Hannover Glaseinlagen und leuchtend blaue Trinkgläser
der späten Republik bis zur frühen Kaiserzeit aus dem späten Mittelalter – zeigt die Be-
als auch das Verhältnis der Hauptstadt zu High tech römer deutung dieses wichtigen Werkstofes, seine
ihren Provinzen. bis 12. April 2015 Herstellung, Verwendung und Verbreitung.
Geöfnet: Di–So 11–17 Uhr Geöfnet: Di+Mi, Fr–So 10–17 Uhr, Do 10–19 Uhr Geöfnet: Di–So 10–18 Uhr
Universitätsstraße 150 Willy-Brandt-Allee 5 Benediktinerplatz 5
www.ruhr-uni-bochum.de/kusa www.landesmuseum-hannover.de www.konstanz.alm-bw.de

92 ANTIKE WELT 2/15 über


ausstellungskalender
Termine auf einen Blick

künzing stuttgart Ungewöhnlicher Ort der Ausstellung sind die


Ruinen des Stadions des Domitian unter der
Museum Quintana Landesmuseum Württemberg Piazza Navona. Hier geben die ca. 300 Objekte
Insel der Winde. die maritime kultur der ein traum von rom. römisches stadtleben interessante Einblicke in die Entwicklung der
bronzezeitlichen ägäis in südwestdeutschland Gladiatorenspiele, in die Veränderungen der
bis 20. September 2015 bis 12. April 2015 Ausrüstung der Kämpfer und in die Vielfalt der
Austragungsorte.
Die Wanderausstellung macht nun in Künzing Schillerplatz 6
Station: Darstellungen von Schifen – in Ton ge- Geöfnet: Di+Mi, Fr–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr Geöfnet: Mo–So 10–19 Uhr
ritzt, in Siegelsteine geschnitten oder auf Wände www.landesmuseum-stuttgart.de Piazza Navona 45
gemalt – zeigen die Entwicklung des frühesten www.stadiodomiziano.com
s. a. den Beitrag in AW 4/2014, S. 94
Schifsbaus in der Ägäis der Bronzezeit. Modelle
von Schifen und Hafenanlagen sowie zwei
Landschaftsmodelle verdeutlichen Lebensweise Völklingen rom
und Seehandel zwischen 2800 und 1200 v. Chr. Mercati di Traiano – Museo dei Fori Imperiali
Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Europäisches
Geöfnet: Di–So 10–16 Uhr Zentrum für Kunst und Industriekultur le chiavi di roma. la città di augusto
Osterhofener Straße 2
www.museum-quintana.de ägypten – Menschen. götter. Pharaonen. bis 20. Mai 2015
bis 12. April 2015 Diese einzigartige internationale Ausstellung
Zahlreiche ägyptische Meisterwerke aus dem zum Gedenken an den Tod des Augustus
Mainz Museo Egizio di Torino sind nochmals außer- indet gleichzeitig in Rom sowie in Sarajevo,
Römisch-Germanisches Zentralmuseum halb von Italien zu sehen, bevor sie 2015 im Amsterdam und Alexandria statt, jeweils mit
renovierten Ägyptischen Museum in Turin anderen Schwerpunkten. Antike Kunstobjekte
Joseph déchelette (1862–1914) und werden mit digital restaurierten 3D-Objekten
die geburt der deutsch-französischen wieder ihren Platz inden werden.
kombiniert und durch computeranimierte
archäologie Geöfnet: Mo–So 10–18 Uhr Rekonstruktionen antiker Bauwerke ergänzt.
bis 3. Mai 2015 Rathausstraße 75–79
Geöfnet: Di–So 9–19 Uhr
www.voelklinger-huette.org
Die kleine Ausstellung ist Joseph Déchelette Via IV Novembre 94
gewidmet, der dem Römisch-Germanischen www.mercatiditraiano.it
Zentralmuseum in Mainz eng verbunden www.keys2rome.eu
war und der als einer der Gründerväter der
französischen Archäologie gilt. FrankreIcH
Geöfnet: Di–So 10–18 Uhr rom
Ernst-Ludwig-Platz 2 straßburg Museo Nazionale Romano / Palazzo Massimo
www.rgzm.de I fasti e i calendari nell’antichità
Archäologisches Museum
Brumath-Brocomagus − une capitale de bis 2. Juni 2015
Mannheim cité dans l’alsace romaine Ausgangspunkt sind die Fasti Praenestini, eine
Reiss-Engelhorn-Museen 17. April 2015 bis 31. Dezember 2016 fragmentarisch erhaltene Marmorinschrift mit
Aulistung der Gerichtstage, die bereits mit
ägypten – land der unsterblichkeit Bei den Ausgrabungen in der Umgebung von einem Kalender vergleichbar sind. Diese und
bis 17. Mai 2015 Brumath – Brocomagus war in der Antike weitere Objekte zeigen die Anfänge und Ver-
die Hauptstadt der Triboker – wurden zahlrei- änderungen der Kalender in der Antike auf.
500 außergewöhnliche Exponate aus dem che Funde entdeckt, die neue Erkenntnisse
Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim Geöfnet: Di–So 9–19.45 Uhr
über die Besiedlung und die Geschichte der
und von verschiedenen privaten Sammlern Largo di Villa Peretti 1
Region von der Vorgeschichte bis ins frühe
geben einen umfassenden Überblick  www.beniculturali.it
Mittelalter liefern.
– von der Götterwelt bis zum Alltagsleben –
über die Welt des Alten Ägyptens. Geöfnet: Mi–Fr 12–18 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr
Geöfnet: Di–So 11–18 Uhr Place du Château 2 rom
D5 www.musees.strasbourg.eu
Musei Capitolini
www.rem.mannheim.de
l’età dell’angoscia. da commodo a diocle-
ziano (180–305 d. c.)
München bis 4. Oktober 2015
grIecHenland
Archäologische Staatssammlung / Museum Die vierte Ausstellung der fünfteiligen Serie
für Vor- und Frühgeschichte «I Giorni a Roma» konzentriert sich auf
athen die tiefgreifenden Veränderungen im dritten
kykladen – Frühe kunst in der ägäis Jahrhundert, die traditionell als Krise des
Museum für Kykladische Kunst / Haus
bis 7. Juli 2015 Stathatos Römischen Reiches bezeichnet werden. «Das
Geöfnet: Di–So 9.30–17 Uhr Υγεία, Νόσος, Θεραπεία από τον Όμηρο Zeitalter der Angst. Von Commodus bis
Lerchenfeldstraße 2 στον Γαληνό Diocletianus» zeigt die politischen, sozialen und
www.archaeologie-bayern.de religiösen Probleme und Veränderungen auf:
bis 31. Mai 2015 den Machtzuwachs des Heeres, den Zulauf zu
Die Ausstellung «Gesundheit, Krankheit und den orientalischen Kulten, Bürgerkriege,
München Therapie von Homer bis Galen» bietet mit fast Hungersnöte, Epidemien, Einfälle der Barbaren.
300 Fundobjekten einen interessanten Über- Geöfnet: Di–So 9–20 Uhr
Staatliche Antikensammlungen und
blick über die antike Medizin in Griechenland. Piazza del Campidoglio 1
Glyptothek
Geöfnet: Mo, Mi, Fr, Sa 10–17 Uhr, www.museicapitolini.org
die griechen in Italien
Do 10–20 Uhr, So 11–17 Uhr
bis 7. Juni 2015 Vasilissis Soias und Irodotou 1
www.cycladic.gr
Im glanz des Hephaistos. antike schätze kanada
in den antikensammlungen
verlängert bis 12. April 2015
Montréal, Pointe-à-callière
ItalIen Museum of Archaeology and History
Im Zentrum der Macht. Holzmodelle des
Forum romanum in republikanischer und the greeks – agamemnon to alexander
augusteischer Zeit rom the great
bis 8. November 2015 Stadio di Domiziano bis 26. April 2015
Geöfnet: Di, Do–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr gladiatores e agone sportivo. armi e Das einzige archäologische Museum Kanadas,
Königsplatz 1 und 3 armature dell‘Impero romano das 1992 eröfnet wurde, ist die erste Station
www.antike-am-koenigsplatz.mwn.de bis 30. März 2015 einer umfangreichen Wanderausstellung

über 2/15 ANTIKE WELT 93


ausstellungskalender

Termine auf einen Blick

FlOrenZ ausstellungen eXtra


Palazzo strozzi
Potere e pathos. Bronzi del mondo Bronzewerke der hellenistischen
ellenistico Zeit im Palazzo strozzi
bis 21. Juni 2015
Geöfnet: Mo–So 10–20 Uhr Da Bronze zu allen Zeiten ein wert-
Piazza degli Strozzi volles Material war, immer wieder
palazzostrozzi.org eingeschmolzen, wiederverwendet
und bis in unsere Zeit sogar für
Fälschungen genutzt wurde, ist jedes
einzelne erhaltene antike Bronzeobjekt ein kleines
Wunder. Insgesamt 50 Meisterwerke – Leihgaben
aus den bekanntesten europäischen Museen
und den USA – sind im Palazzo Strozzi in Florenz
versammelt: monumentale Statuen von Göttern,
Heroen und Athleten, Porträts historischer
Personen, aber auch Tierdarstellungen, hauptsächlich Männlicher Bronzekopf, ca.
100 v. Chr., Athen, National-
aus Bronze, einige wenige aber auch aus Marmor. museum (Inv. X 14612).

Das Hauptaugenmerk liegt auf der außerordentlichen Entwicklung der


Künstler in der hellenistischen Zeit, auf den neuen Ausdrucksformen sowie der
neuen Technik bei Guss und Veredelung. Beachtung indet auch die Herkunft
der Bronzen, die überwiegend aus dem Mittelmeer geborgen wurden, aber
auch aus Ausgrabungen stammen und somit den Fundkontext preisgeben:
Votivgaben in einem Heiligtum, Aufstellungen auf einem öfentlichen Platz, in
privaten Räumen oder als Grabschmuck.
Besonders eindrucksvoll ist auch die selten gebotene Möglichkeit, bestimmte
Bildwerke nebeneinander sehen und vergleichen zu können, wie etwa den
bronzenen Apoxyomenos aus Wien und das marmorne Pendent aus Florenz
oder die beiden Bronze-Hermen des Dionysos (Tunis und Malibu), an-
hand derer der unterschiedliche Erhaltungszustand von Bronzestatuen aus
dem Meer und aus der Erde sichtbar wird.
Zu Beginn der Ausstellung wird das lange zurückreichende Interesse am
Sammeln hellenistischer Plastik verdeutlicht, so u. a. mit der Porträtstatue des
Lebensgroße (1,79 m) bronzene Porträt- Aule Meteli, des sog. Arringatore, die bereits im 16. Jh. Teil der Sammlungen
statue des Aule Meteli (sog. Arringatore), des Cosimo I. de’ Medici (1519–1574) gewesen war. Es folgen die Porträts
Ende 2. Jh. v. Chr., Firenze, Museo Archeolo-
gico Nazionale (Inv. 3). historischer Persönlichkeiten – wie die Statuette von Alexander dem Großen
zu Pferd (Neapel), der Kopf der Arsinoe III. Philopator (Mantua) oder die Statue
eines Generals, evtl. Lucius Aemilius Paullus (Brindisi) – aber auch zahlreiche
private Bildnisse und natürlich viele Gottheiten, darunter die sog. Minerva
Arezzo (Florenz) oder das Medaillon mit der Büste der Athena (Thessaloniki).
Ausführliche Erläuterungen gelten den technischen und stilistischen Neue-
rungen in der hellenistischen Bronzekunst: die Entwicklung neuer Themen aus
dem täglichen Leben, die detaillierte Darstellung des menschlichen Körpers,
die Verwendung von Einlagen und Farben, die Unterschiede zwischen Guss- und
Kaltarbeit und die Nachahmung von Bronze in dunklem Stein.
Abschließend wird das Interesse jener Zeit am archaischen und klassischen
Stil sowie die Mischung aus späthellenistischen Stilen anhand des Epheben in
Florenz (Idolino di Pesaro), des Apollo di Piombino (Paris) oder des Spinario,
des Dornausziehers, (Rom) untersucht.
Ergänzend zu dieser großen Ausstellung, die im Anschluss in Los Angeles
und Washington zu sehen sein wird, bietet das Museo Archeologico Nazionale
Bronzener Pferdekopf (sog. Cavallo Medici di Firenze im gleichen Zeitraum eine Ausstellung von Kleinbronzen an.
Riccardi), 2. Hälfte 4. Jh. v. Chr., Firenze,
Museo Archeologico Nazionale (Inv. 1639).
Dr. Anemone Zschätzsch

94 ANTIKE WELT 2/15 über


ausstellungskalender
Termine auf einen Blick

durch Nordamerika über «Die Griechen. Von


ÖsterreIcH Zürich
Agamemnon bis Alexander dem Großen».
22 griechische Museen haben über 500 Ob- Archäologische Sammlung der Universität
jekte auf Reisen geschickt, um 5000 Jahre gips konserviert – beschädigte, verschollene,
griechische Geschichte und Kultur zu präsen- leoben zerstörte Originale im abguss
tieren: von mykenischen Goldmasken Kunsthalle bis 25. Oktober 2015
über Kouroi bis hin zu Porträts von Alexander.
Von alexander dem großen bis kleopatra – Anhand von über 20, meist über 100 Jahre alten
Geöfnet: Di–Fr 10–17 Uhr, Sa+So 11–17 Uhr die letzten Pharaonen Gipsabgüssen der Archäologischen Samm-
350 Place Royale lung der Universität Zürich werden verschie-
www.pacmusee.qc.ca 24. April bis 1. November 2015
dene Aspekte der Gipsabgüsse erläutert:
Über 200 Objekte, darunter Statuen, Reliefs, Diese bieten entweder die Möglichkeit, eine
Inschriften und Papyri, vergegenwärtigen fragmentarisch erhaltene antike Statue zu
Kunst, Kultur und Religion dieser glanzvollen ergänzen oder bedeutende ältere, historische
Zeit des ägyptischen Reiches. Ein Höhepunkt Rekonstruktionen eines Originals im Abguss
nIederlande ist der Papyrus, der Mitte des 19. Jhs. in der zu konservieren, während das Original bereits
ägyptischen Oase Fayum entdeckt wurde und von den Ergänzungen befreit wurde oder
einen Schöpfungsmythos der Alten Ägypter, gar verloren gegangen ist. Desweiteren wird
amsterdam das berühmte «Buch vom Fayum», beinhaltet. die Herstellung eines Gipsabgusses erklärt.
Dazu sollen Modelle, Filme und Animationen
Allard Pierson Museum Geöfnet: Di–Fr 13–18 Uhr, Sa+So 11–17 Uhr
das Leben und Wirken dieser interessanten
nemrud dagi. Beelden op een koninklijk Zeit verdeutlichen. Rämistraße 73
grafheiligdom www.archinst.uzh.ch
Geöfnet: Mo–So 9–18 Uhr
bis 14. Juni 2015 Kirchgasse 6
Anlass dieser Fotoausstellung ist die Präsen- www.leoben.at
tation der Forschungsergebnisse der Universität
Amsterdam, die in den Jahren 2001 bis 2003 am usa
Nemrud Dagi Untersuchungen durchgeführt Mistelbach
hat. Zu sehen ist außerdem ein Abguss von
einem großen Relief, dem «Löwenhoroskop»,
Museumszentrum new York
den die International Nemrud Foundation (s. a. Ötzi. der Mann aus dem eis Metropolitan Museum of Art / Gallery 172
http://nemrud.nl) dem Museum geschenkt hat. 21. März bis 29. November 2015 ennion: Master of roman glass
Geöfnet: Di–Fr 10–17 Uhr, Sa+So 13–17 Uhr Geöfnet: Di–So 10–17 Uhr bis 13. April 2015
Oude Turfmarkt 127 Waldstraße 44–46
www.allardpiersonmuseum.nl Ennion (erste Hälfte 1. Jh. n. Chr.), dem Meister
www.mzmistelbach.at des römischen Glases, ist diese Werkschau ge-
widmet: 24 von ihm signierte Gefäße sind aus
leiden aller Welt zusammengetragen worden und
st. Pölten können mit den Werken von Aristeas, Iason,
Rijksmuseum van Oudheden
Stadtmuseum Neikais und Meges sowie weiteren unsig-
karthago nierten Gefäßen, die den Einluss des Ennion
news from the past – niederösterreich ∙
bis 10. Mai 2015 archäologie ∙ aktuell aufzeigen, verglichen werden.
Geöfnet: Di–Fr 10–17 Uhr, Sa+So 12–17 Uhr bis 5. April 2015 Geöfnet: So–Do 10–17.30 Uhr,
Rapenburg 28 Fr+Sa 10–21 Uhr
www.rmo.nl Vorgestellt werden 40 000 Jahre Menschheits- 1000 Fifth Avenue at 82nd Street
geschichte – von den ersten menschlichen www.metmuseum.org
s. a. den Beitrag in AW 6/2014, S. 94 Artefakten aus dem Weinviertel über römische
Grabfunde aus Schwechat und Carnuntum
nijmegen bis zu mittelalterlichen und neuzeitlichen Fun- Malibu
den aus St. Pölten, Zwettl, Tulln und Mautern.
Museum het Valkhof The J. Paul Getty Museum / Getty Villa
Geöfnet: Mi–So 10–17 Uhr
Van hun voetstuk – romeinse beelden Prandtauerstraße 2 ancient luxury and the roman silver
opnieuw ontdekt www.stadtmuseum-stpoelten.at treasure from Berthouville
21. März bis 21. Juni 2015 bis 17. August 2015
Die zuvor in Bonn und Aalen gezeigte Aus- Der sog. Schatz von Berthouville (Normandie),
stellung über die Römischen Großbronzen ist der zufällig 1830 von einem französischen
nun in Nijmegen zu sehen. Landwirt gefunden wurde, ist nach vierjäh-
scHWeIZ riger sorgfältiger Restaurierung und
Geöfnet: Di–So 11–17 Uhr
Kelfkensbos 59 Er forschung zu sehen: Statuetten sowie
www.museumhetvalkhof.nl Basel Trinkgefäße mit mythischen und historischen
Skulpturhalle Motiven aus getriebenem, vergoldetem und
s. a. den Beitrag in AW 2/2014, S. 95
ziseliertem Silber.
Haube, schleier, krone. accessoire und
symbol
dangerous Perfection: Funerary Vases
bis 31. Januar 2016 from southern Italy
Mit eigenen Sammlungsstücken und Origina- bis 11. Mai 2015
len aus dem Antikenmuseum werden die
Geschichte des Kopftuchs sowie die verschie- 13 apulische Vasen bieten zum einen die
denen Bedeutungen und Funktionen unter- Möglichkeit, die Bestattungssitten in Unter-
schiedlicher Kopfbedeckungen dargelegt. italien kennenzulernen, und zum anderen,
die Eingrife der Restauratoren des 19. Jhs.
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  «Van hun voetstuk»: Bronze-Kopf einer Göttin


(sog. Rosmerta-Kopf von Mainz), 1844 gefunden
in einem Merkur-Heiligtum in Mainz-Finthen, Hinweise auf Sonderausstellungen können
1. / 2. Jh. n. Chr., Landesmuseum Mainz (© Foto: Sie gerne an diese Adresse schicken:
U. Rudi Cher, GDKE, Landesmuseum Mainz). ak@wbg-wissenverbindet.de

über 2/15 ANTIKE WELT 95


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Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte Die Archäologie «Heiliger Reisen» vom
klassischen Griechenland bis in die Spätantike
von Wiebke Friese

Vorchristliches Pilgern in Ephesos und Um- Kerzen von Pilgern in einer Eremitage
gebung in Syrien. Deir Maryhana, Seidnaya
(Foto: Fadia Abou Sekeh).
von Christoph Samitz

Pilgern in den Nordprovinzen des Römischen Reichs


von Jakob Hanke

PILGERN Eulogienhandel im Byzantinischen Reich


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Winckelmann – Ein Garten bei den Das Oppidum von
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Frühgeschichte, Etruskologie), Prof. Dr. Henner von Hesberg, Rom D-53335 Meckenheim in Verantwortung der Autoren und stellen nicht unbedingt die
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Byzantinische Archäologie), Dr. Ralf-B. Wartke, Berlin (Archäologie D-53334 Meckenheim Lithos: scancomp GmbH, Wiesbaden
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ANTIKE WELT erscheint sechsmal jährlich bei der WBG (Wissen-
schaftliche Buchgesellschaft). Preis der Einzelnummer: E 12,80 (D) zzgl. Porto. *ggf. zzgl. MwSt. Syro-hethitisch, 8./7. Jh. v. Chr. (Foto: akg-images / Erich Lessing).

über
Zitate aus der alten Welt – Woher sie kommen und was sie bedeuten

GEFLÜGELTE WORTE
Das Trojanische Pferd
Griechen im Bauch und «Trojaner» auf der Harddisk

« Ich fürchte die Griechen, auch wenn


sie Geschenke bringen»: Mit diesem
Ausruf ist die dramatische Szene um
gibt ein lautes Dröhnen und Stöhnen
zurück.
Da schleppt man einen nahebei
scheiterte Aeneas am Hof der Königin
Dido. Und jetzt, drei Jahrtausende spä­
ter, treiben anstelle dieser tückischen
die Einholung des Trojanischen Pferdes versteckten, von Odysseus instruierten Griechen geradeso tückische «Troja­
in unseren Zitatenschatz eingegangen, Griechen herbei, der die Kriegslist voll­ ner» in unseren Datenspeichern ihr
und mit der schon in der Antike vielbe­ ends ins Werk setzen sollte. Mit ei­ heimliches Wesen: Sie dringen unver­
wunderten, 1506 wiederentdeckten nem ausgeklügelten Lügengebäude sehens durch die Mauern der rainier­
Laokoongruppe ist sie in unserem Bil­ gewinnt er das Mitleid und das Ver­ testen Sicherheitssoftware und nisten
derschatz repräsentiert. Von einem «Da­ trauen der Trojaner, um zu übler Letzt sich in den Schatzkammern unserer
naergeschenk», das dem Beschenkten den Clou auszuspielen: Das hölzerne Harddisks ein; sie spähen im Nano­
nichts als Unglück ins Haus bringt, ist Pferd sei eine Sühnegabe für die Göttin sekundentakt unsere geheimsten Da­
heute nur noch selten die Rede, aber Athene und eigens darum so riesen­ teien aus und machen sich mit ihrer
das «Trojanische Pferd» hat seinen fes­ groß gebaut, dass es nie in die Stadt gigabyte­schweren Beute ungesehen
ten Platz im mythischen Bestiarium be­ gelangen und den Feinden Segen brin­ wieder davon.
halten und hat erst jüngst aus seinem gen könne. Und seine so schlüssige Trojaner? «Traut dem Pferd nicht!»,
Bauch eine Heerschar moderner «Troja­ wie infame Lügenerzählung indet so­ hat Laokoon gerufen. Einst hat es seine
ner» in unsere Alltagssprache entlassen. gleich eine wundersame Bestätigung: Insassen als blinde Passagiere nach
Wir lesen die Szene in der Vergi­ Zwei ungeheure Schlangen kommen Troja eingeschleppt, und jetzt hat es
lischen Aeneis. Im zehnten Jahr des vom hohen Meer auf Laokoon zu und sie mit falschen Pässen in unsere Bil­
Trojanischen Kriegs hatten sich die werfen sich mit tödlicher Umschlin­ dersprache eingeschleust. Schon bei
Griechen zum Schein auf die Insel Te­ gung auf den scheinbaren Frevler und Plautus begegnet einmal eine «Trojani­
nedos zurückgezogen und einzig das seine Söhne. sche List», schon bei Cicero ein «Troja­
von Odysseus erdachte, von dem in­ nisches Pferd»; aber eigentlich ist diese
geniösen Epeios erbaute Riesenpferd Falsche Pässe List doch eine griechische List, dieses
zurückgelassen; diese beiden und sie­ Und nun kommt es, wie es kommen Pferd doch ein griechisches Pferd, sind
ben weitere Griechen waren in seinem muss: Ohne weiteres Bedenken reißt die Heroen in seinem Bauch doch al­
hohlen Bauch verborgen. Während man eine Bresche in die Mauer und lesamt Griechen gewesen. Aber sei’s
die Trojaner jubelnd das verlassene zieht das schicksalsträchtige Pferd un­ drum: Die falschen Pässe und Passwör­
Schifslager durchstreifen und das mons­ ter heiligen Gesängen zur Burg empor. ter gehören hier wohl zum Metier.
tröse hölzerne Pferd bestaunen – einer Während die Trojaner siegestrunken
rät schon, es in die Stadt hineinzuzie­ den Abzug der Feinde und das Ende
hen –, eilt der Apollonpriester Laokoon des Krieges feiern, seilen sich die neun Das Zitat
mit dem Ruf herbei, der seither zum Griechen aus dem Bauch des Pfer­
Vergil, Aeneis 2, 13 f., Quidquid id
Locus classicus eines tief wurzelnden des ab und öfnen den im Schutz der est …: 2, 49; «Überall grausiger Jam­
mer …»: 2, 368 f. – Dolus Troianus:
Misstrauens geworden ist: «Traut dem Nacht von Tenedos zurückgekehrten Plautus, Pseudolus 1244 – Equus
Pferd nicht, Trojaner! Was es auch ist, Kampfgefährten die Tore; was folgt, Troianus: Cicero, Rede für Murena 78.
ich fürchte die Griechen, auch wenn sie ist «überall grausiger Jammer, überall
Adresse des Autors
Geschenke bringen.», Quidquid id est, Schrecken und vielhundertfach das
Prof. Dr.  phil. Klaus Bartels
timeo Danaos et dona ferentes. Laoko­ Bild des Todes». Gottlieb­Binder­Str. 9
ons Lanze bleibt zitternd in der Flanke So erzählt es der aus Troja gelüch­ CH­8802 Kilchberg bei Zürich
des Pferdes stecken, und die Höhlung tete, vor Karthago im Seesturm ge­

über 2/15 ANTIKE WELT 97


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über
Die neuen Sonderbände der ANTIKEN WELT
Aquitanien lag zwischen landschaftlichen Gegensätzen: Wasser im
Norden und Westen, Gebirge im Süden und Osten. Die Bedingungen
hinderten Caesar jedoch nicht daran, die Gegend zu erobern und fast
40 gallische Stämme - so die geschichtliche Überlieferung - zu
unterwerfen. Der Grundstein für die Romanisierung durch Augustus und
dessen Nachfolger war gelegt: neue organisatorische Strukturen, neu
entstehende Städte mit typisch-römischen Zentralbauten (Foren, Heilig-
tümer, Theatern etc.), kleinere Siedlungen, die sich weiter entwickelten,
aber auch Villen, Bauernhöfe und andere Anwesen im ländlichen Bereich.
Dies alles hatte Einfluss auf die Lebensweise der Menschen, positive und
negative. Eine Entwicklung, die sich bis ins 3. Jh. n. Chr. ohne größere
Zwischenfälle fortführte, bis die Goten kamen.
Der Autor Alain Bouet stellt nicht die Kriege der Römer in den Vordergrund,
sondern das alltäglich Leben der Menschen. Die Ergebnisse beruhen auf
anerkannten archäologischen und historischen Methoden (Luftbildar-
chäologie, Quellen, Funde etc.) und werden durch eine reiche Bebilde-
rung unterstrichen.

Alain Bouet
Aquitanien in römischer Zeit
Aus dem Französischen von Ines Kremer. 168 S. mit ca. 134 Abb., geb. mit SU.
34,95 € | ISBN: 978-3-8053-4857-7

Die Geschichte der europäischen Mode reicht bis weit in die An-
tike zurück. Schon in den ältesten figürlichen Darstellungen und in
Homers Ilias und Odyssee erscheinen Textil-Luxus und die Freude
an schöner Kleidung als ein selbstverständlicher Bestandteil der
Lebenswelt: Nachdem Paris Helena geraubt hat, ist es ihm ein wich-
tiges Anliegen, für eine Ausstattung der neuen Braut zu sorgen,
die ihrem Stand und ihrer Schönheit angemessen ist. Textilien
und Kleidung haben über mehrere Jahrhunderte als Mittel der
gesellschaftlichen Unterscheidung und zur markanten Absetzung der
Geschlechter gedient. Von besonderem Interesse ist dabei der Zeitraum
von der früharchaischen Zeit bis in die griechische Klassik. Die Autoren
verbinden erstmals die ästhetikgeschichtliche, die sozialgeschichtliche
und die kunsthistorisch-archäologische Pespektive und heben sich
somit entschieden ab von den bisher vorhandenen Publikationen. Die
präzisen Bildanalysen erfüllen die zahlreichen Abbildungen mit Leben.

Klaus Junker / Sina Tauchert


Helenas Töchter
Frauen und Mode im frühen Griechenland
112 S. mit etwa 100 Abb., geb. mit SU.
Erscheint April 2015
29,95 € | ISBN: 978-3-8053-4858-4

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