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Reich bebilderter Katalog

AiD
zur Ausstellung
Die mykenische Kultur gilt als erste Hochkultur auf dem europäischen Festland.
| N DEUTSCHLAND 06 2018
Dezember – Januar

aid-magazin.de
Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes und in Mittelgriechenland erlebte
sie ihren Höhepunkt zwischen 1600 und 1200 v. Chr. Die mykenische Zeit, so
glaubte man anfangs, war die Epoche der sagenhaften Helden und Könige
aus den Epen Homers. Aber waren Mykenes Zyklopenmauern mit dem welt-
berühmten Löwentor wirklich die Burg Agamemnons, der die Griechen in den
Krieg gegen Troja führte?
Der Katalog zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum gibt einen neuen
und profunden Überblick über Mythos und Wirklichkeit der mykenischen
Kultur. Reich bebildert: mehr als 350 erstmals der Öffentlichkeit präsentierte
Funde illustrieren anschaulich Entwicklung und Kunst der mykenischen Ägäis.

Bergbau
Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.)
Mykene
in der Steinzeit
Bergbau in der Steinzeit

Die sagenhafte Welt des Agamemnon


2018. Etwa 400 S. mit etwa 500 farb. und s/w Abb. und Kt.,
23 x 27,5 cm, geb. mit SU. wbg Zabern, Darmstadt. € (D) 11,95
€ 39,95. ISBN: 978-3-8053-5179-9
NATURKATASTROPHEN FELSBILDER WIKINGER UND
Erdbeben, Vulkanausbrüche, IN NAMIBIA KÖRPERKULT
06

Hochwasser – Spurensuche Kunst von Jägern und Deformierte Schädel,


511959

im Grabungsbefund
|

Sammlern in der Wüste gefeilte Zähne und


AiD 06 2018

wbg-wissenverbindet.de ➔ Seite 8 ➔ Seite 14 Tattoos ➔ Seite 40


190842
4

1812111638102T-01 am 13.12.2018 über http://www.united-kiosk.de


16_Vorschau_AiD_186__ 15.10.18 14:02 Seite U3

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Ein Opus Magnum VORSCHAU


AiD 1 | 2019 erscheint
Frank Kolb legt mit diesem Buch die ultimative Geschichte einer
bedeutenden antiken Landschaft im Schnittpunkt der Kulturen vor: Lykien am 15. Januar 2019
im Südwesten der heutigen Türkei. Er beschreibt den Naturraum und die
Kulturlandschaft: Bevölkerung und Gesellschaft, Wirtschaft, Siedlungs-
und Herrschaftsstruktur, Sprache, Schrift und Kunst, Bräuche und Neandertaler – Künstler?
Religion. Auf der Grundlage seiner reichen archäologisch-historischen
Forschungsergebnisse und anschaulich illustriert schildert Kolb, wie diese Was ist Kunst? Gewiss etwas zutiefst Humanes.
Lebensbereiche unter dem Einfluss der anatolischen, griechischen und Wer Kunst schafft, ist ein menschliches Wesen
vorderorientalischen Kulturen sowie der politisch-militärischen Ereignisse wie wir. War der Neandertaler ein Mensch in
die Landschaft geprägt haben. diesem Sinne? Die Autoren unseres Themas be-
jahen diese Frage. Eine Fülle neuer Forschungs-
ergebnisse zeigt einen klaren Trend: Neander-
taler und moderner Mensch rücken ganz eng
zusammen. In diesen Trend passen neue Datie-
rungen von künstlerischen Darstellungen, die
bis in die Zeit der Neandertaler zurückreichen.
Unsere Autoren stellen die Fundorte vor und
diskutieren die methodisch außerordentlich
schwierigen Datierungen.

Frühe Eisenhütten Welterbe meerumschlungen


Bergbau und Hüttenwesen prägen Schleswig-Holstein hat seit Juni 2018 ein
das Siegerland. Seit zahlreiche vor- neues Weltkulturerbe – Haithabu und
römische Verhüttungsplätze entdeckt Danewerk. Der wikingerzeitliche Seehan-
wurden, ist die Region ein Hotspot für delsplatz und das Grenzbauwerk liegen
Montanarchäologen. Neue Forschun- an der Landenge zwischen dem Ostsee-
gen zeigen: Handwerker gewannen arm Schlei und den Niederungen der
dort Eisen in den größten Verhüt- Nordsee. Rechtzeitig zum Andrang auf
tungsöfen, die es im vorchristlichen das neue Welterbe konnte das Wikinger
Europa gab. Das Ausmaß der eisen- Museum in Haithabu nach 18 Monaten
zeitlichen Produktion war enorm, Sanierung wiedereröffnet werden –
ebenso der Verbrauch an Ressourcen. Anlass genug, die überaus lohnenswerten
archäologischen Stätten zu besuchen.

Kolb, Frank Unterwasser in Yucatán


Lykien Der verkarstete Norden der mexi-
Geschichte einer antiken Landschaft kanischen Halbinsel Yucatán birgt
2018. Etwa 720 S. mit etwa 300 s/w Abb. und Kt., 1 Farbbogen, die längsten Unterwasserhöhlen der
16,5 x 24 cm, geb. mit SU. wbg Zabern, Darmstadt. Welt. In einem 353 km langen Laby-
€ 99,95. ISBN: 978-3-8053-5178-2 rinth entdeckten Taucher mehr als
100 Fundstellen: überwiegend Zeug-
nisse der Kultur der Maya, aber auch
Spuren der ersten Siedler auf ameri-
kanischem Boden aus der Zeit vor
wbg-wissenverbindet.de etwa 12 000 Jahren.

AiD 6 | 2018
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Editorial

Bergbau »wie in der


Steinzeit« in Brasilien.
➔ Seite 34

»Macht euch die Erde untertan …«


Liebe Leserinnen und Leser,

… dabei stand natürlich zunächst die Nahrungsmittelgewinnung im Vordergrund. Doch schon sehr früh begann
der Mensch auch mit der Ausbeutung von Rohstoffen. Vom Versuch, »Schätze« – Silex – aus dem Boden zu ber-
gen, handelt unser Schwerpunktthema. Aspekte wie Abbautechniken (bald schon unter Tage), Abraumbewälti-
gung, Verteilungssysteme, Qualität und Herkunft der Steine stehen hinter bzw. meist vor den praktischen, oft
auch sehr schönen Objekten aus dem Universalwerkstoff insbesondere der Jungsteinzeit.

Immer wieder jedoch schlägt die Natur zurück. Erdbeben, Starkregen und Hochwasser sind uns zwar aus den täg-
lichen Nachrichten allgegenwärtig und wir müssen davon ausgehen, dass sie auch in früheren Zeiten verschie-
dentlich Einschnitte im menschlichen Leben bewirkten, aber wie lassen sich ihre Folgen archäologisch nachwei-
sen oder gar datieren? Nachdem ich selbst jahrelang in einer wahrscheinlich einem Erdbeben zum Opfer
gefallenen römischen Villa rustica (Oberndorf-Bochingen) ausgegraben habe, finde ich diesen Forschungsbei-
trag natürlich besonders spannend. Meist handelt es sich dabei um plötzliche lokale Ereignisse, eher schleichend
sind die (manchmal auslösenden) Klimaveränderungen, wie sie uns aktuell ins Haus stehen (oder doch plötz-
lich, muss man womöglich nach dem vergangenen Sommer fragen?). Anhand gravierter oder gemalter Bilder,
nun zu Tausenden in einer eng begrenzten Region der Namib-Wüste im südlichen Afrika dokumentiert, wird
deutlich, dass es dort vor langer Zeit deutlich feuchter und in Folge davon extrem tierreich gewesen sein muss.

Hochaktuell ist auch ein Beitrag zum Körperkult, also der »Verzierung« oder »Verschö-
nerung« des menschlichen Körpers durch Tattoos, aber auch Schädelveränderungen und
gefeilte Zähne in der Wikingerzeit. Erhaltungsbedingt lässt sich leider nur das sicher
belegen, was im Boden überlebt.

Weitere Themen runden unser Heft ab: Spannend ist etwa Kloster Wedinghausen mit
besonderer Luftheizung, ein Besuch in Alésia und des dortigen MuséoParc, die neu ge-
staltete Keimzelle Frankfurts mit der Kaiserpfalz franconoford oder eine aktuelle Gotik-
Ausstellung in Paderborn.

Das gibt mir noch ein letztes Stichwort: Völlig unabhängig von unserem Heft möchte
auch ich Sie ganz herzlich einladen, unsere große Archäologie-/Bodendenkmalpflege-
Ausstellung »Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland« im Gropiusbau in Berlin an-
zusehen – schieben Sie es nicht vor sich her, der 6. Januar als letzte Möglichkeit kommt
schneller, als man denkt! Und dann hätten Sie das Highlight des Jahres verpasst.

C. Sebastian Sommer, Landeskonservator


Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

AiD 6 | 2018 1
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INHALT 20
Bei Bergbau denken wir erst einmal an neuzeitliche
AiD 6 | 2018 Industriegesellschaften. Doch tatsächlich spielte der
Abbau von Rohstoffen schon in der Steinzeit eine wichtige
Rolle. Die große Bedeutung des Bergbaus zeigen Abbau-
spuren: Millionen von Tonnen Material müssen von den
steinzeitlichen Hauern bewegt worden sein. Die Autoren
entwerfen ein Bild von Leben und Arbeit, Produktion und
Handel in der Steinzeit.

THEMA
20 Bergbau in der Steinzeit
24 Woher kam der Silex?
Untersuchen, ohne zu zerstören

26 Geweihgezähe, Rillenschlägel, Duckelbau –


Industrie der Jungsteinzeit

30 Werkzeug aus Felsgestein –


schweres Gerät für harte Arbeit

34 Vietnam und Brasilien:


Arbeiten wie in der Vorgeschichte

36 Viele Steine und Big Data:


Wirtschaftsarchäologie 2.0

Tätowierungen und Piercings sind heute Alltag.


Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Das
ist nichts Neues in Europa. Der Körper als
Kunstobjekt, das war bei den nordischen
Wikingern »in«: Turmschädel, zu bedroh- Bei Alesia fiel im Jahr 52 v. Chr.
lichem Grinsen gefeilte Zähne oder eine Entscheidung, die das
Tattoos gehörten zum Schönheitsideal. Schicksal Galliens für Jahrhunder-

40 te besiegelte: Julius Caesars


Legionen schlugen die einheimi-
schen Kämpfer des Vercingetorix.
Am historischen Ort wird die
Erinnerung an das Ereignis auf
innovative Weise wach gehalten.
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2
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AiD 6 | 2018
44
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INHALT
Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Hochwasser –
seit jeher suchen sie die Menschheit heim. Natur-
katastrophen tragen ganz wesentlich zur Gestaltung
der Umwelt bei. Wie äußern sich diese schwerwiegen-
den Ereignisse im Ausgrabungsbefund? AiD 6 | 2018
8 1 Editorial

4 Im Blickpunkt

58
Keinen Sinn für edles Geschirr hatten antike
8 Forschung
Erdbeben und Über-
schwemmungen im
archäologischen Befund
Grabräuber, die neben anderen feinen Stücken
auch diesen seltenen Dellenbecher zurück- 14 Weltweit
ließen. Ein Glücksfall für die Archäologen, Bilder in der Wüste
die im rheinischen Inden-Vilvenich ein Gräber-
feld aus spätrömischer Zeit untersuchen. 20 Thema:
Bergbau in der Steinzeit

46
In der Gruft der Grafen von Arnsberg
40
Europa
Tattoos, Turmschädel und
gefeilte Zähne
im Kloster Wedinghausen entdeckten 44 Caesar vs. Vercingetorix
Mittelalter-Archäologen Wandmale-
reien, die man dort nicht erwartet hätte.
46 Report
Die Befunde zeigen: Das westfälische Altenteil und Grablege der
Kloster war auf der Höhe der Zeit. Grafen von Arnsberg

50 Aktuelles aus der


Rund um die Wasserstellen der Namib- Landesarchäologie
Wüste sind Tausende von Bildern aus der
Welt der Jäger und Sammler erhalten. Ihr
Zweck blieb lange rätselhaft. Was bewegte die 67 Königlicher Palast SEHENS
Künstler? Der Autor untersucht Motive an den Paderquellen WERT
und räumliche Verteilung der künstlerischen
Darstellungen und kommt zu neuen Aussagen.
69 Ein riesiges Puzzle
für Archäologen

14 70 Frankfurts Kaiserpfalz
in neuem Gewand

72 Wissenswert

75 Autoren dieses Heftes


Service für unsere Abonnenten 75 Impressum
Für alle Fragen zum Bezug der »AiD« 76 Bücher und Medien
gibt es folgende Service-Nummern: 78 Ausstellungen
Telefon 02225 7085-361
Fax 02225 7085-399 80 Bildnachweis
Wie immer erreichen Sie Redaktion und 81 Rätsel
Leserservice auch elektronisch unter
redaktion@aid-magazin.de
und service@aid-magazin.de.

AiD 6 | 2018 3
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Im Blickpunkt
Älteste Bronzeplastik Europas Grab bei Prêles in der Mannes. Die Bestattung war massiv ge- »Denisova-Menschen« im Osten. Forscher
Hand mit Goldarmband Schweiz. Die bronzene stört. Es fanden sich eine bronzene Ge- am Max-Planck-Institut für evolutionäre
Hand wiegt beinahe
aus der Schweiz wandnadel, eine bronzene Spirale vom Anthropologie in Leipzig sequenzierten
500 g. Im Bereich des
Der Archäologische Dienst des Kantons Armansatzes Goldblech
Haarschmuck, vor allem aber Reste von nun unter der Leitung von Svante Pääbo
Bern gab im September einen spektaku- verziert mit Kreisaugen. Goldblech und ein abgebrochener Fin- das Genom einer prähistorischen Frau aus
lären Fund bekannt: eine aus Bronze ge- Aus dem gleichen Grab ger; beides dürfte von der Bronzehand Sibirien und entdeckten: Ihre Mutter war
gossene Hand mit goldenem Armband. Dolch, Gewandnadel stammen. Unter dem Grab wurde eine eine Neandertalerin, ihr Vater ein Deniso-
und Spirale aus Bronze.
Der Fund ist rund 3500 Jahre alt – die äl- Steinkonstruktion entdeckt. Anscheinend va-Mensch.
teste Bronzeplastik Europas. hatte man den Mann mit der Bronzehand Beide Formen sind die nächsten aus-
Die Hand wurde schon Anfang Oktober bewusst über dem älteren Bauwerk be- gestorbenen Verwandten der heute leben-
2017 bei Prêles in der Gemeinde Plateau stattet. den Menschen. Viviane Slon, Mitautorin
de Diesse im Berner Jura von zwei Privat- Die Hand aus dem Berner Jura ist die der Studie: »Aus früheren Studien wuss-
leuten geborgen zusammen mit einem weitaus älteste bekannte Bronze in Form ten wir bereits, dass Neandertaler und De-
bronzenen Dolch und einer menschlichen eines menschlichen Körperteils – und da- nisovaner gelegentlich Nachwuchs mitei-
Rippe. Sie lieferten die Funde am Folge- mit eine archäologische Sensation. Das nander gezeugt haben. Doch ich hätte
tag beim Archäologischen Dienst ab. Der Goldblech spricht für ein Symbol der nie gedacht, dass wir so viel Glück haben
pflanzliche Klebstoff, mit dem das Gold- Macht bzw. der gesellschaftlichen Elite, könnten, auf einen direkten Nachkommen
blech an der Hand befestigt ist, konnte womöglich auch einer Gottheit. Der hohl der beiden Gruppen zu stoßen.«
mit der 14C-Methode in die Zeit von 1500 gegossene Armansatz war wohl ursprüng- Es liegt nur ein kleines Fragment von
bis 1400 v.Chr. datiert werden. Die mensch- lich auf etwas montiert: Handelt es sich einem Langknochen vor. Russische Ar-
liche Rippe erbrachte ein hundert Jahre um den Teil eines Zepters oder einer Sta- chäologen hatten es 2012 in der Deniso-
jüngeres Datum. Beide Ergebnisse fallen tue? | AiD va-Höhle im Altai in Sibirien entdeckt.
in die Mittelbronzezeit, was auch zum Der Fund wurde für genetische Analysen
Dolch passt. Erste Analysen der Metalle er- Wo die Liebe hinfällt nach Leipzig gebracht, nachdem er als
gaben für die Bronzezeit übliche Legie- Mutter Neandertalerin, Knochen eines Homininen identifiziert
rungen. Vater »Denisovaner« worden war. Man geht davon aus, dass die
Im Frühsommer 2018 untersuchten Ar- Bis vor 40 000 Jahren lebten zwei Grup- Frau bzw. das Mädchen beim Tod wenigs-
chäologen die Fundstelle und stießen auf pen von Frühmenschen bzw. Homininen tens ein Alter von 13 Jahren hatte. Die Mut-
ein Grab mit Knochen eines erwachsenen in Eurasien: Neandertaler im Westen und ter war genetisch näher mit Neanderta-

4 AiD 6 | 2018
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sche ArchaeoMontan-Team fest, dass die


Welle aus einem massiven Eichenstamm
bestand, den man im Querschnitt vier-
eckig zugerichtet hatte. Bei 8 m Länge und
65 cm Breite beträgt das heutige Gewicht
über 4 t. Es fällt schwer, sich vorzustellen,
wie die Welle vor 500 Jahren unter Tage
gelangte. Vermutlich waren dafür mehre-
re Ochsengespanne notwendig.
Umgekehrt war auch die Bergung sehr
schwierig. Nach monatelanger Vorberei-
tung konnte die technisch-logistisch bei-
spiellose Aktion mit Unterstützung des
Sächsischen Oberbergamtes Freiberg und
der Bergsicherung Schneeberg stattfin-
den. Mithilfe eines Schwerlastkranes wur-
Nur etwa 2 cm lang ist
das Knochenfragment de die Welle in stundenlanger Millimeter-
eines Mädchens aus der arbeit im engen und niedrigen Bergwerk
Denisova-Höhle in Sibi- zunächst zum Schacht gezogen und dann
rien. Genetische Unter- ans Tageslicht gehoben. Sie liegt nun in
suchungen zeigen: Sie
einer speziellen Lagerhalle des Landes-
war die Tochter einer
Neandertaler-Frau und amtes für Archäologie Sachsen, wo die
eines Denisova-Mannes. langwierige Restaurierung begonnen hat.
Anhand der gut erhaltenen Überreste
lern verwandt, die in Westeuropa lebten, Riesenrad unter Tage können erstmals Konstruktion und In-
als mit einem Neandertaler, der zu einem Antriebswelle von stallation der seinerzeit größten im Berg-
früheren Zeitpunkt in der Denisova-Höh- Bad Schlema geborgen bau eingesetzten Maschinen für Wasser-
le gelebt hatte. Dies zeigt, dass Neander- Bereits im Juli 2017 berichtete die AiD über Bad Schlema. Mit viel haltung und Förderung detailliert unter-
taler Zehntausende von Jahren vor ihrem Untersuchungen in der Radstube eines Fingerspitzengefühl sucht werden. | Christiane Hemker
Verschwinden zwischen dem Westen und Bergwerkes im erzgebirgischen Bad Schle- wird die Antriebswelle
des Kehrrads durch den
Osten Eurasiens hin und her wanderten ma (AiD 4/ 2017, S. 50): Dort war ein Kehr- Schön bis in Tod
engen Schacht bugsiert,
Außerdem hatte der Vater des Mädchens rad mit dem gewaltigen Durchmesser von bis sie ans Tageslicht ge- Junge Römerin im Sarkophag
wenigstens einen Neandertaler-Vorfahren 11,4 m aus der Zeit um 1500 entdeckt wor- hoben werden kann. Bei Zülpich im Rheinland wurde ein un-
im Stammbaum. Anhand eines einzigen den. Nach einer ersten kon- gestörter römischer Sarkophag aus dem
servatorischen Siche-
Genoms können also gleich mehrere Ver- Im April 2018 wurde in etwa 20 m Tiefe 3. Jh. n. Chr. geborgen. Im Sarkophag lagen
rung wurde die Welle auf
bindungen zwischen Neandertalern und endlich das Zentrum des Rades erreicht – einem Sattelschlepper
neben dem Skelett einer jungen Frau zahl-
Denisova-Menschen dokumentiert wer- die Antriebswelle. Nach der extrem auf- abgelegt und nach Groß- reiche kunstvoll gearbeitete Beigaben.
den. | AiD wendigen Freilegung stellte das sächsi- stolpen transportiert. Nach Freilegung und Dokumentation der
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Bretagne
Magische Landschaften am Rande des Kontinents
LESERREISE
Exklusiv für Leser der
and
Archäologie in Deutschl

„ 9 Tage Studienreise zu den


archäologischen Höhepunkten
der Bretagne
„Besuch des UNESCO-Weltkulturerbes
Mont St. Michel
„Bootsfahrt auf die Ile de Gavrinis
„Studienreiseleitung
@Atout France_Michel Angot
Frau Dr. Meike Droste

Reisetermin: 13.09. – 21.09.2019


Ihr Reiseprogramm (Änderungen vorbehalten) sche Örtchen und Besuch der Wallfahrtskirche des
St. Ronan. Danach Weiterfahrt nach Douarnenez. Über-
1. Tag: Fr. 13.09.19: Frankfurt – Paris – nachtung: Hotel Le Clos de Vallombreuse***.
Fougères – St. Malo (A)
Am Vormittag fliegen Sie von Frankfurt nach Paris. Von 6. Tag: Mi. 18.09.19: Douarnenez – Pont-Aven
dort Fahrt zur alten Festungsstadt Fougères. Ein Rund- – Carnac – Auray (F/A)
gang führt Sie durch die von einer mächtigen Wehranla- Sie besuchen das neu eröffnete Museum und machen
ge dominierte Stadt. Anschließend fahren Sie weiter in einen Spaziergang zur Kapelle von Trémalo. Am Nach-
Richtung Küste nach St. Malo. 3 Übernachtungen: Hotel mittag erreichen Sie Carnac, mit Steinreihen, Dolmen,
de France et Chateaubriand***. Menhiren und zahlreichen weiteren prähistorischen Kost-
barkeiten. Im Seebad Quiberon erleben Sie anschließend
2. Tag: Sa. 14.09.19: Mont St. Michel & Menhir die unbezähmbare Kraft des Atlantiks. Danach Weiter-
Champ Dolent (F/A) fahrt nach Auray. 2 Übernachtungen: Ibis Auray***.
Reisepreis pro Person in EUR
Sie lernen die berühmte Klosterburg Mont St. Michel Im Doppelzimmer 2.650,--
heute näher kennen. Wie in einem Labyrinth wandeln Sie 7. Tag: Do. 19.09.19: Locmariarquer – Einzelzimmerzuschlag 425,--
über Treppen, Passagen und Mauern von einem Jahrhun- Ile de Gavrinis – Vannes (F/A)
dert zum anderen. Auf der Rückfahrt legen Sie noch Bei Locmariarquer besuchen Sie die Ausgrabungsstätte Eingeschlossene Leistungen
einen Stopp am Menhir Champ Dolent ein. um den „Table des Marchandes“ und den Grand Menhir „Linienflüge mit Lufthansa ab/bis Frankfurt
Brisé. Danach Bootsausflug zur Ile de Gavrinis. Zum „Flughafensteuern, Gebühren und aktuell gültige Treibstoff-
3. Tag: So. 15.09.19: Cancale – Dinan – Abschluss des Tages empfängt sie die malerische Alt- zuschläge (Stand September 2018)
Cap Fréhel (F/A) stadt von Vannes. Umgeben von einem Mauergürtel, „Rundreise im modernen Reisebus
Fahrt entlang der Küste ins Fischerstädtchen Cancale und gruppieren sich die typischen Fachwerkhäuser um die „Transfers, Ausflüge, Besichtigungen lt. Reiseprogramm
Kathedrale St. Pierre. „Eintrittsgelder lt. Reiseprogramm
weiter in das Hafenstädtchen Dinan. Alte Fachwerkhäu- „8 Übernachtungen in den im Reiseprogramm genannten
ser, die mächtige Festungsanlage, der Uhrenturm und die Hotels o.ä. in Zimmern mit Bad oder Dusche/WC
romantischen Gassen laden zum Verweilen ein. Nach der 8. Tag: Fr. 20.09.19: Venus von Quinipily –
„Mahlzeiten lt. Reiseprogramm
Mittagspause Fahrt zum Cap Fréhel, einem der großar- Rennes – Le Mans (F/A)
(F = Frühstück, A = Abendessen)
tigsten Naturschauspiele an der Küste. Sie fahren Richtung Baud zur rätselhaften Venus von „1 aktueller Reiseführer pro Zimmer
Quinipily. Danach erreichen Sie Rennes und unterneh- „Studienreiseleitung ab/bis Frankfurt: Dr. Meike Droste
4. Tag: Mo. 16.09.19: Kermaria – Lanleff – Beau- men einen Rundgang durch die schöne Altstadt, bevor
port – Rosa Granitküste – Perros-Guirec (F/A) es weiter nach Le Mans geht. Übernachtung: Mercure le Nicht eingeschlossen
Das erste Ziel ist die kleine Kapelle von Kermaria an Mans Batignolles****. Persönliche Ausgaben wie weitere Mahlzeiten, Getränke,
Iskuit und der Rundtempel von Lanleff. Danach kommen Reiseversicherung, optionale Ausflüge und Trinkgelder.
Sie zur Ruine der Prämonstratenser-Abtei von Beauport. 9. Tag: Sa. 21.09.19: Le Mans – Paris – Frankfurt (F)
Morgens Spaziergang durch die Altstadt von Le Mans. Teilnehmer
Am späten Mittag erreichen Sie Perros-Guires und unter- Bis 12 Wochen vor Reisebeginn zu erreichende Teilnehmer-
nehmen einen Küstenspaziergang. Übernachtung: Hotel Anschließend Fahrt zum Flughafen Paris und Rückflug.
zahl: min. 20, max. 25 Personen.
Castel beau Site****.
Weitere Informationen unter
Ihre Reiseleitung: Frau Dr. Meike Droste www.karawane.de
5. Tag: Di. 17.09.19: Barnenez – Kalvarienberge
1960 in Darmstadt geboren,
– Locronan – Douarnenez (F/A)
studierte Klassische Archäologie, Webcode: 33557
Rundfahrt zu prähistorischen Monumenten an der Corni- Kunstgeschichte sowie Vor- und
che Bretonne, wie dem „christianisierten“ Menhir von Frühgeschichte in Köln, Bonn, Reiseveranstalter
St. Uzec und dem Fürstenhügel von Barnenez. Weiter- Athen und arbeitet seit 1987 als Karawane Reisen GmbH & Co. KG, Ludwigsburg
fahrt in das Gebiet der Kalvarienberge. Das letzte Ziel des akademische Studienreiseleiterin.
heutigen Tages ist Locronan. Bummel durch das maleri- Reisevereinbarungen: www.karawane.de/agb

Karawane Reisen GmbH & Co. KG in Kooperation mit


Schorndorfer Str. 149 · 71638 Ludwigsburg · Ansprechpartner: Nicole Heldmann
Tel + 49 (0) 7141 2848-13 · nicole.heldmann@karawane.de · www.karawane.de
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Grabgrube konnte die 4 t wiegende Stein- Sarkophag aus Zülpich,


kiste mit schwerem Gerät gehoben und darin eine junge Frau:
reich ausgestattet und
in die Restaurierungswerkstatt des LVR-
dazu auch noch unbe-
LandesMuseums Bonn transportiert wer- raubt.
den.
Der Sarkophag gehörte zu einem klei-
nen Friedhof nahe der antiken Fernstraße
von Köln nach Trier, der »Agrippastraße«.
Darin bestattet war eine junge Frau von
etwa 25 bis 30 Jahren, deren Beigaben of-
fensichtlich der Schönheitspflege dien-
ten. Kostbar ist ein Handspiegel aus Sil-
ber mit einem Griff in Form zweier Finger.
Eine Schminkpalette aus Schiefer und ein ren Glasgefäß ist der Wunsch zu lesen: Einlegearbeiten aus Horn verzierten Holz-
Spatel dienten zum Auftragen von Kos- »Utere Felix« – »Benütze mich glücklich«. kästchen. Ebenfalls zum Schmuck zählen
metik oder Salben. Pflegemittel und Duft- Eine gläserne Griffschale ist so fein gear- mehrere Knochennadeln, von denen zwei
stoffe waren in drei Glasfläschchen mit beitet, dass sie kaum dem alltäglichen Ge- goldverzierte Köpfchen tragen. Künstle-
In den Fläschchen aus
Delfinhenkeln verwahrt. Auf einem weite- brauch dienen konnte. Fingerringe aus Ga- rischer Höhepunkt ist ein Klappmesser:
Glas wurde Parfüm auf-
gat und Silber sowie eine Perlenkette und den Griff bildet ein Figürchen des Herku-
bewahrt. Schminkpalette
aus Schiefer mit Spatel zwei Anhänger aus Gagat lagen zusam- les, der sich auf die Keule stützt.
für das Make-up. men mit Perlmuttanhängern in einem mit | Felix Kunze
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Forschung Naturkatastrophen

Erdbeben und Überschwemmungen die Forschungsrichtung genannt, die geo‐


logisch‐geophysikalisch‐archäologische
Aspekte berücksichtigt, um auf vergange‐

im archäologischen Befund ne Erdbeben zu schließen. Dabei müssen


einige Faktoren bedacht werden, denn
nicht jeder Schaden weist auf vergangene
Erdbeben hin. Im Wesentlichen werden
Bilder von Naturkatastrophen hat jeder vor Augen: kein Jahr ohne alte, große und auch schwere Gebäude be‐
Hochwasser; immer wieder Regionen, die von Erdbeben erschüttert trachtet, um Schäden zu dokumentieren,
also in der Regel repräsentative Bauwer‐
werden. Doch wie lassen sich längst vergangene Katastrophen ke, deren Reparatur lohnt und die lange ge‐
archäologisch nachweisen? nug existieren. Somit kann man Wohn‐
häuser, Stallungen und weitere Wirt‐
schaftsgebäude mit kürzerer Lebensdauer
Von Renate Gerlach, Horst Husmann, Klaus Reicherter und Andreas Schaub ausschließen. Sie unterliegen modischen
Richtungen, werden permanent in Stand

P
lötzliche, heftige Naturereignisse gehalten und renoviert bzw. abgerissen
haben ganz wesentlich zur Gestal‐ oder neu gebaut. Repräsentative Gebäude
tung der Erdoberfläche beigetra‐ hingegen werden häufig aus gut geeigne‐
gen. Dabei wird unterschieden zwischen ten, stabilen und teuren Baustoffen gefer‐
so genannten endogenen, aus dem Erdin‐ tigt, oft werden Teile aus älteren Gebäu‐
neren kommenden Kräften wie Vulkan‐ den wiederverwendet.
ausbrüchen oder Erdbeben sowie von au‐ Bei einem Erdbeben durchlaufen Wel‐
ßen auf die Erdoberfläche wirkenden, exo‐ len den Erdkörper, vergleichbar zur Dü‐
genen Kräften wie Starkregen oder Hoch‐ nung auf dem Meer. Durch die Gravitati‐
wasser. Häufig sind auch Kombinationen onskraft werden Gebäude auf einem Wel‐
oder kaskadenartige Schadensereignisse lenberg leichter und in einem Wellental
möglich, z. B. führt ein Erdbeben zum schwerer. Bei starken Erdbeben wirken
Dammbruch, dieser dann zu einer Flut etc. Beschleunigungen von teils über 1 g, d. h.
Zur Katastrophe werden solche Ereig‐ ein Gebäude wird doppelt so schwer be‐
nisse allerdings erst dann, wenn Menschen lastet und »erdrückt« sich selbst. Bei
und ihre Bauten betroffen sind. Dabei ist Schäden verursachen, sind aus diesem Der Aachener Dom – schwächeren Beben kommt es zu struktu‐
der Mensch nicht nur Opfer, sondern hat Raum seit dem Mittelalter überliefert; das mitten in einem durch rellen Schäden. Zunächst sind gemauerte
Erdbeben gefährdeten
häufig durch die Wahl des Siedlungs‐ letzte größere Beben ereignete sich 1992. Teile betroffen wie Schornsteine und of‐
Gebiet.
platzes sowie durch die Nutzung und Be‐ Dessen Epizentrum lag an der Mündung fenes Mauerwerk, bei höherer Belastung
bauung der Umgebung das katastrophale der Rur in die Maas bei Roermond und er‐ auch tragende Teile. Hinzu kommt ein
Aachener Dom. Spalte im
Ausmaß gefördert oder überhaupt erst er‐ reichte auf der Magnitudenskala nach natürlichen Lehmboden
zweiter ebenfalls durch seismische Wellen
möglicht. Richter den Wert 5,4, was immerhin einem des Doms, hervorgerufen bestimmter Prozess, die Torsion. Dabei
Abgesehen von so markanten Beispie‐ mittelschweren Beben entspricht – es durch ein Erdbeben. werden Gebäude in sich verwunden und
len wie dem Ausbruch des Vesuvs und der sorgte in den Landkreisen Heinsberg und
Zerstörung der römischen Städte Pompeji Aachen für Schäden in Millionenhöhe. Ver‐
und Herculaneum fällt es meist schwer, die ursacht werden die Erdbeben durch die
Spuren der vielen kleinen bis großen seit Millionen von Jahren anhaltende Ab‐
Katastrophen, die es in Mitteleuropa gab, senkung der Niederrheinischen Bucht – an
im archäologischen Befund zu erkennen. Verwerfungen, an denen Schollen relativ
Ohne die Zusammenarbeit von Archäolo‐ zueinander bewegt werden. Dieser Pro‐
gie und Geowissenschaften ist dies kaum zess geschieht nicht permanent, sondern
möglich, wie hier am Beispiel von Ausgra‐ ruckartig – ein Erdbeben.
bungsbefunden aus dem Rheinland gezeigt Die geologischen Voraussetzungen in
werden soll. Form von aktiven Verwerfungen bestan‐
den also schon zu Zeiten, deren Hinterlas‐
Sehr gefährdet: senschaften heute Ziel archäologischer Un‐
die Niederrheinische Bucht tersuchungen sind. Bisweilen lassen sich
Der südliche Bereich der Niederrheini‐ markante Anomalien an Baubefunden fest‐
schen Bucht rund um die Stadt Aachen stellen, deren Entstehung durch tektoni‐
zählt innerhalb Deutschlands zu den sche Ursachen hervorgerufen sein kann,
Haupterdbebengebieten. Erdstöße, die aber nicht muss. Archäoseismologie wird

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In der Nacht auf den 6. März 1651


brach der Diemerdeich bei Houtewael
in der Nähe von Amsterdam. Die
Schrecken der Katastrophe hielt
der Maler Willem Schellinks fest.

verdreht. Auch das führt zu starken struk‐ zerstört werden. Genauso kann ein schlecht Erdstöße treffen die Marienkirche
turellen Schäden. Letztlich gibt es als drit‐ gegründetes Gebäude auf lockerem, was‐ Karls des Großen
ten Faktor die Eigenschwingung eines sergesättigtem Sand durch Liquefaktion, Vor diesem Hintergrund war es nun ein
Gebäudes, denn die Frequenz der Erd‐ d. h. Bodenverflüssigung, in Mitleiden‐ besonderer Glücksfall, Hinweise auf ein
bebenwellen ist ähnlich niedrig zwischen schaft gezogen werden. Die Herausforde‐ Aachener Dom. Mit einem bauzeitliches Erdbeben an der karolingi‐
ca. 1 und 10 Hz wie die Eigenfrequenz der rung besteht also zunächst darin, genü‐ Gemisch aus Steinsplit- schen Marienkirche Aachens – dem heuti‐
tern und Mörtel wurden
Gebäude, wobei Letztere von der Anzahl gend Indizien an einem Gebäude zu iden‐ gen Dom – nachweisen zu können. An zahl‐
Risse vor der nordwest-
der Stockwerke abhängt. tifizieren. Doch selbst wenn sich Erdbe‐ lichen Außenmauer der
reichen Stellen im Fundament wurden
Stehen Bauwerke am Hang, können sie benschäden belegen lassen, sind sie oft nur karolingischen Marien- durchgehende Risse festgestellt. Sie
außerdem durch losgerüttelte Erdrutsche schwer zeitlich einzuordnen. kirche geflickt. durchschlugen nicht nur den weicheren
Mörtel, sondern auch die harten Grauwa‐
ckesteine. Wegen der Richtungen, in der
die Risse verliefen, konnte man ausschlie‐
ßen, dass es sich um Folgen baustatischer
Probleme handelte. Ferner durchschlug ei‐
ner der Risse auch eine Mauer der römi‐
schen Thermen unter der Kirche, die kei‐
nen Kontakt zu den Kirchenmauern auf‐
wies.
Naturwissenschaftlich nachprüfbare
Phänomene, die ein Erdbeben als Zerstö‐
rungsursache belegen, zeigten sich an der
Oberfläche des anstehenden Lehmbodens.
Dort waren Risse und Spalten erkennbar,
die mit dunkelgrauer toniger Substanz,
zum Teil von unten, injektionsartig gefüllt
waren. Der Lehmboden kann nur durch die
impulsartige Deformation während eines
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Forschung Naturkatastrophen

Erdbebens und nicht durch langsame Set‐ dichten Waldgebieten, zugleich entbehren
zungen geöffnet worden sein. Diese Injek‐ die entblößten Ufer des Schutzes durch die
tions‐ und Füllungserscheinungen treten Auwaldvegetation und können leichter
normalerweise bei Erdbeben mit Stärken eingerissen werden. Regen kann umso
von über 5,5 auf der Richterskala auf. besser den fruchtbaren Oberboden ab‐
Baubefund und naturwissenschaftliche schwemmen, wenn er auf die nackte Ober‐
Begutachtung belegen also Erdbeben‐ fläche von Ackerland fällt.
schäden an der Kirche Karls des Großen. Stetes langsames Abfließen von Regen‐
Weiterhin liefert der archäologische Be‐ wasser führt zur allmählichen Erosion des
fund eine Antwort auf die Frage, wann die‐ fruchtbaren Bodens; ein Prozess, der zwar
ses Ereignis stattfand. Ein bauzeitlicher letztlich auch negative Folgen haben kann,
Mörtelboden wurde durch das Beben der‐ der aber nicht als Katastrophe im Sinne
gestalt in Mitleidenschaft gezogen, dass heftiger Einzelereignisse zu werten ist.
er durch die Bewegungen seine Haftung an Wenn jedoch die Wassermassen eines
den Mauerkörper verlor. Die so im Boden Starkregens mit ganzer Gewalt auf einer
und an den Wänden entstandenen Risse vegetationslosen Oberfläche abfließen,
und Fugen wurden daraufhin mit einem kommt es – vor allem bei Lössböden – sehr
steinigen Mörtelgemisch geflickt. Erst da‐ häufig zum »Schluchtenreißen«: Dabei
rüber wurde der eigentliche Fußboden der fräst das Wasser binnen weniger Stunden
Kirche aufgebracht, ein im Mörtelbett ver‐ eine Schlucht mit steilen Wänden in den
setzter Steinplattenbelag. Weitere Befun‐ Löss, bis härtere Gesteine im Untergrund
de wurden bei der Sanierung der Gewöl‐ das weitere Eintiefen stoppen. In der Topo‐
bedecken über dem sechzehneckigen Um‐ grafie erkennbar sind diese Schluchten auf
gang der Kirche durch die Dombauleitung Anhieb nur dann, wenn das beeinträch‐
erhoben. Dort waren die Risse mit Blei ver‐ tigte Ackerland aufgegeben und das Relief
fugt und wieder mit karolingischem Mör‐ unter Wald konserviert wurde. In den
tel versiegelt worden. Gleichzeitig wurde fruchtbaren Lössbörden wurden aber die
der Umgang mit hölzernen Ringankern ge‐ meisten Schluchten durch nachstürzende
Bonn-Muffendorf. Das
sichert. Demnach muss das Erdbeben zu dunkelgraue Material
Wände, Kolluvien und aktives Zuschütten
einer Zeit stattgefunden haben, als der verfüllt die durch Erosion wieder vollständig eingeebnet. Der daraus
Rohbau der Kirche nahezu fertig war, der entstandene Schlucht. resultierende archäologische Befund ist im
Innenausbau aber noch vor dem Abschluss
stand.
Ergänzt werden die Befunde durch die
schriftliche Überlieferung in den »annales
regni francorum«. Diese berichten nämlich
für das Jahr 803 von einem Erdbeben in der
Aachener Region um Pfalz und Marienkir‐
che (»Aquisgrani terrae motus factus est«).
Vor dem Hintergrund dendrochronologi‐
scher Daten aus der Pfahlgründung eines
Oktogonpfeilers, die einen Baubeginn im
Jahr 798 +/‐5 ergeben, liegt es nahe, in den
jetzigen Befunden Spuren dieses Bebens
von 803 zu sehen.

Gewalt des Wassers


Hochwasser und Starkregen zählen bis
heute zu den »normalen« Katastrophen,
die häufig und relativ stetig den mensch‐
lichen Siedlungsraum und seine Infra‐
struktur heimsuchen. Dabei wird ihre
Schadenswirksamkeit und Wucht ganz
wesentlich durch Rodung und landwirt‐
schaftliche Nutzung befördert. In einer of‐
fenen gerodeten Landschaft fließt mehr
Wasser in die nächsten Gewässer als in
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14. Jh. zählen. Die bekannteste und folgen‐


reichste Katastrophe mit Starkregen und
Hochwasser fand im Sommer 1342 statt.
Besonders heftige Niederschläge führten
damals in Mitteleuropa zu enormen Bo‐
denabträgen und außergewöhnlich hohem
Hochwasser längs der Flüsse, das auch als
Magdalenenflut (22. Juli 1342) bekannt ist.
Ob nun das nachgewiesene Schluchtenrei‐
ßen bei Bonn‐Muffendorf genau diesem
Ereignis zuzuordnen ist, lässt sich natür‐
lich archäologisch nicht belegen. Eine ge‐
nerelle Datierung in diese spätmittelal‐
terliche Unwetterphase im 14. Jh. ist jedoch
sehr plausibel.

Hochwasserschäden an der Erft


Aus demselben Zeitraum lässt sich ein zer‐
störerisches Hochwasser an der Erft, ei‐
nem Nebenfluss des Rheins, archäologisch
nachweisen. Die Befunde wurden bei ei‐
ner Ausgrabung vor dem Grevenbroicher
Schloss aufgedeckt, das von einem Was‐
sergraben umgeben war. Dessen Vorgän‐
gerburg ist seit der zweiten Hälfte des
13. Jh. schriftlich belegt. Die Erftaue ga‐
rantierte permanentes Feuchtbodenmilieu
und ermöglichte so eine außergewöhn‐
lich gute Erhaltung organischer Substanz.
Auch hier war die auffallende, chaotische
Verteilung von Funden, Befunden und
Sedimenten anfänglich nur schwer zu ent‐
begrenzten Areal einer Ausgrabung nur einem Schluchtenreißen. Nachdem der Aktuelle Gefahr: wirren.
schwer interpretierbar. Starkregen den Lössboden eingerissen Schluchtenreißen nach Generell repräsentiert der Platz unter‐
Starkregen auf einem
Ein Beispiel bietet der Ordenssitz der hatte, stürzten die zum Teil untergrabenen schiedliche Abschnitte der lokalen Fluss‐
Acker bei Pulheim.
Deutschritter bei Bonn‐Muffendorf. Eine Wände mit großen Schollenabbrüchen und geschichte seit der frühen Nacheiszeit –
größere, dunkle, längliche Verfärbung im partiell mit Fundgut ein. Schlammmassen allein die archäologischen Hinterlassen‐
Planum erwies sich als ein bis zu 4 m tief brachten zusätzlich Funde aus dem Ein‐ schaften umreißen einen Zeitraum vom
reichender, hangabwärts ziehender Be‐ zugsgebiet heran. Daraus resultierte die Neolithikum bis in die Neuzeit. Immer wie‐
fund. In der Füllung fanden sich sterile nicht sortierte Vermischung von verschie‐ der verlagerten sich die Arme der Erft,
schluffige Schichten, weitere Schichten mit denen noch scharfkantigen Artefakten und ablesbar an den vielen ineinander ver‐
Kies sowie Schichten, die zur Verwunde‐ Korngrößenklassen. Die archäobotanische schachtelten Rinnen, gefüllt mit Fluss‐
rung der Ausgräber plötzlich römisches Analyse der unteren Verfüllung zeigte eine bettkiesen, sandigen Uferablagerungen
und vorgeschichtliches Material enthiel‐ nahezu baum‐ und strauchlose, stark land‐ und tonigen Verlandungssedimenten, die
ten. Daneben gab es auch spätrömisch‐ wirtschaftlich genutzte Umgebung, wie sie sich teils archäologisch, teils archäobota‐
frühfränkische und fränkische Keramik typisch ist für das Hoch‐ und Spätmittel‐ nisch datieren ließen.
des 6./ 7. Jh., in den oberen Verfüllschich‐ alter. Eine solche Landschaft war extrem Dieser von Aurinnen und Flussarmen
ten zudem hochmittelalterliche Ware. Alle anfällig für Erosionsschäden nach hefti‐ geprägte Raum wurde vom Menschen ge‐
Scherben waren nicht abgerollt, teils er‐ gem Regen. Archäologisch deutet vieles da‐ nutzt, wie u. a. die Überreste einer knapp
hielten sich sogar große scharfkantige rauf hin, dass dieses Ereignis im Spätmit‐ 12 m langen ehemaligen Spundwand be‐
Bruchstücke. telalter stattfand. legen, ein Verbau in einem der Erft‐Alt‐
Die Tiefe des Befundes, der auf einem Damit könnte das Muffendorfer Schluch‐ arme. Sechs angespitzte und genutete Vier‐
Kiespaket endete, sein starkes Gefälle tenreißen zu der klimahistorisch und geo‐ kanteichenpfähle, in deren Zwischenräu‐
hangabwärts, der Wechsel der verschie‐ archäologisch gut untersuchten sowie men große Eichenbohlen senkrecht ein‐
denen Schichten und das nicht direkt vom durch zahlreiche zeitgenössische Chronis‐ gelassen waren, befanden sich noch in situ,
Ort stammende gemischte Fundmaterial ten belegten Serie mitteleuropäischer Un‐ ebenso eine Reihe rechtwinklig zu ihnen
ist Folge des chaotischen Geschehens bei wetter‐ und Hochwasserkatastrophen des gesetzter Buchenpfähle. Ein weiterer ge‐

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Forschung Naturkatastrophen

nuteter Eichenpfahl fand sich, offensicht‐ Hochwasser sicherlich das Ende. Auch die Grevenbroich-Schloss- resten und Baumstämmen angefüllte »aus‐
lich nicht mehr am ursprünglichen Stand‐ Reste eines aus Escheästen und Hasel‐ bad. Durch die Flutwelle gehobelte« Mulde angetroffen. Die teil‐
weggerissener Spund-
ort, schräg zwischen Baumstämmen un‐ zweigen gefertigten Flechtwerkes, wahr‐ weise beeindruckenden Dimensionen der
pfahl.
terschiedlicher Größe verkeilt, mehr als scheinlich das Fragment einer geflochte‐ abgeknickten Hölzer lassen auf einen
8 m westlich des noch intakten Spund‐ nen Ufersicherung, wurden von der Gewalt plötzlichen und gewaltigen nach Süden ge‐
wandrestes. Er wurde in einer tief in die des Wassers weggeschwemmt. Der ur‐ richteten mechanischen Druck schließen.
umgebenden Erftsedimente eingreifenden sprüngliche Standort ist unbekannt, ein di‐ Da die Zerstörungen exakt mit dem Ver‐
Erosionsrinne angetroffen, die als Relikt rekter funktionaler Zusammenhang mit lauf der genannten Erosionsrinne korres‐
eines schweren Hochwassers gedeutet der Spundwand aber denkbar. pondieren, ist auch hier die aus nördli‐
wird. Das Füllmaterial dieser Rinne un‐ Nördlich von Spundwandrelikten und cher Richtung hereinbrechende Flutwelle
terschied sich deutlich von den übrigen Flechtwerk wurden zwei rechtwinklig der Erft als Ursache belegt. Was immer
Flussablagerungen. Es war gekennzeich‐ zueinander angeordnete Reihen aus tief dort im Weg stand, es wirkte wie ein
net durch eine eher chaotische Schicht‐ eingerammten, großen, massiven Buchen‐ »Wehr«, vor dem sich das Hochwasser auf‐
kombination aus großen Lehm‐ und Mud‐ pfählen angetroffen, begleitet von mehre‐ staute, um dann dahinter mit verstärkter
debrocken sowie unterschiedlichen Höl‐ ren kleineren, deutlich dichter gesetzten Energie hinabzustürzen und so die Mulde
zern, unregelmäßig durchsetzt mit Sanden Eschenpfählen. Die Funktion dieses Be‐ auszukolken.
und Kiesen. Darin fanden sich auch – in fundes ist noch unklar, allerdings deuten Aufgrund dendrochronologischer Da‐
einem Radius von etwa 15 m unregelmä‐ die Pfahlgrößen der Buchenstämme an, tierungen der Spundwand sowie strati‐
ßig verstreut – fünf verlagerte Bohlen der dass es sich vielleicht um ein Gebäude grafischer und funddatierter Einordnung
oben genannten Spundwand. Sie wurden handelte. Die Anordnung dieser »Grün‐ von Rinnenverfüllung und umgebenden
aus ihrer ursprünglichen Position heraus‐ dungspfähle« zeigte im nördlichen Teil Ablagerungen lässt sich das hier beschrie‐
geschwemmt – so wie der abseitige Eichen‐ eine ungeordnete, südlich ausbiegende bene Ereignis mit einer Überschwemmung
pfahl. Für die Spundwandkonstruktion, de‐ Linie. Nach ihrer Freilegung erwiesen sich im 14. Jh. verbinden. Die in diesem fluss‐
ren Errichtung aufgrund dendrochronolo‐ die Pfähle als einheitlich nach Süden ver‐ nahen Auenbereich stehenden Einbauten
gisch datierter Hölzer in der ersten Deka‐ bogen bzw. abgeknickt. Gleichzeitig wur‐ wirkten als Hindernisse und künstliche
de des 14. Jh. anzusetzen ist, bedeutete das de hier eine tiefe, mit Unmengen an Pfahl‐ Verengungen, wodurch die Gewalt des
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Literatur und Links

C. Brand/ R. Gerlach/ J. Meurers-Balke,


Die Frühgeschichte den Hang hinunter:
Schluchtenreißen in Muffendorf. Archäo-
logie im Rheinland 2007, 2008, 132–135.
M. Dotterweich/ H.-R. Bork, Jahrtausend-
flut 1342. AiD 4/ 2007, 38–40.
H. G. Kirchhoff, Mittelalter an Erft und
Gillbach. Aufsätze 1996– 2009. Ge-
schichtsverein für Grevenbroich und
Umgebung (Grevenbroich 2010).
E. Zbinden, Das Magdalenen-Hochwas-
ser von 1342 – der »hydrologische Gau«
in Mitteleuropa. In: Wasser, Energie, Luft,
103. Jahrgang, 2011, Heft 3, 193–203.
www.gfz-potsdam.de / din4149-erd
bebenzonenabfrage – Karte der durch
Erdbeben gefährdeten Zonen Deutsch-
lands.

Wassers noch gebündelt und verstärkt Grevenbroich-Schloss- störung endgültig: Die geschädigten Ein‐ Katastrophale Hochwasserschäden
wurde. Womöglich wurde erst dadurch bad. Verlagertes Flecht- bauten wurden anschließend nicht mehr treten nur längs der Flüsse und Bäche auf,
werk in situ.
aus einem Hochwasser eine zerstörerische genutzt bzw. aufgebaut. Die damals ent‐ während Schluchtenreißen infolge Stark‐
Katastrophe, die vor Ort großen Schaden standene tiefe Erosionsrinne wurde bis in regenereignissen nahezu überall und je‐
anrichtete. die Neuzeit bei Hochwasser wieder aktiv, derzeit vorkommen kann und bei einer
Es ist nicht auszuschließen, dass Eis‐ wenn auch nie wieder so heftig wie da‐ Wiederverfüllung als rätselhafter Befund
gang beteiligt war. Dabei verkeilen sich mals; dies belegen neuzeitliche Sedimen‐ im Untergrund verborgen bleibt. Voraus‐
Eisplatten auf dem Fluss und am Ufer, bis te darüber. setzungen für diese Form der Wasser‐
das Hochwasser die sich auftürmenden erosion sind ein leichtes Gefälle ab 2 %,
Schollen durchbricht. Einen indirekten Altsiedellandschaften potenziell erosionsanfällige Böden wie Löss und
Hinweis auf frostige, winterliche Verhält‐ gefährdet weitgehend gerodete Flächen – ein Sze‐
nisse liefern die chaotisch gelagerten gro‐ Erdbeben, Starkregen und Hochwasser ge‐ nario, das für die meisten Altsiedelland‐
ben Lehm‐ und Muddebrocken. Sie sind hören zu den Naturereignissen, die in Mit‐ schaften zutrifft.
möglicherweise gefroren und damit rela‐ teleuropa am häufigsten zu Katastrophen Essenziell für das Erkennen möglicher
tiv stabil abgerissen und rasch eingebettet führen können. Daher ist in den bekann‐ Katastrophenrelikte bei einer Grabung ist
worden. ten Erdbebengefahrenzonen auch im ar‐ immer eine Zusammenarbeit von Archäo‐
Anhand der archäologischen und sedi‐ chäologischen Kontext mit entsprechen‐ logie und Geowissenschaften, wobei Letz‐
mentologischen Fakten lassen sich also den Spuren zu rechnen, die am ehesten an teren die Aufgabe zukommt, die spezifi‐
durchaus Details des Abflussgeschehens massiven Gebäuden bzw. Fundamenten schen Sedimente und/ oder tektonischen
rekonstruieren. Auf alle Fälle war die Zer‐ nachweisbar sind. Strukturen zu erklären.

DIE
BILDER
museum-manching.de

WELT
DER
KELTEN bis 27.01.19
AiD 6 | 2018 13
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Weltweit Namibia

Bilder in der Wüste oder geschlagenen Darstellungen von Tie‐


ren, Fährten oder geometrischen Mustern
in größerer Dichte und stilistischer Vielfalt
auf. Was nicht mehr ganz stimmt. Twyfel‐
Afrika birgt einen archäologischen Schatz: mehrere hunderttausend auf fontein ist weiterhin ein Glanzlicht, aber
Felsen gravierte oder gemalte Bilder aus vorgeschichtlicher Zeit. Besonders nach den neuen Forschungen erweist sich
die Weltkulturerbe‐Stelle nur als der öst‐
reiche Bestände kennen wir in Namibia. Dort, in der Namib-Wüste, machten liche Teil eines viel größeren Verbrei‐
Frankfurter Archäologen außergewöhnliche Entdeckungen. tungsgebiets.
Die entdeckten archäologischen Hin‐
terlassenschaften erstrecken sich von
Von Peter Breunig Twyfelfontein nicht nach Osten, wo mehr
Quellen und höherer Niederschlag auf den

Z
wischen den großen Trockenflüssen ersten Blick eigentlich günstigere Lebens‐
Huab und Ugab im Nordwesten Na‐ Forschungs- uab Rive
r bedingungen für Jäger und Sammler ge‐
region H
mibias erstreckt sich eine Wüsten‐ boten hätten, sondern in die entgegen‐
Gai-As Twyfelfontein
landschaft mit imposanten Bergen. In der Ugab River
gesetzte Richtung, weit nach Westen in
lokalen Damarasprache heißt die Gegend die Nashornwüste hinein. Hier, in der
Na

Niederschlag/Jahr
mi
b-W

»Doro !nawas«, was übersetzt »Wüste des Windhoek Vollwüste, hatte niemand etwas mit Twy‐
600–700 ml
üs
te

Nashorns« bedeutet. Zeitweise stehen im felfontein Vergleichbares erwartet. Ein


Atla

Osten der Nashornwüste Gewitterwolken 500–600 ml deutschstämmiger ehemaliger Landver‐


ntisc

am Horizont und von Westen ziehen Ne‐ 400–500 ml messer, Joe Walter, hat dennoch danach
her O

belbänke heran. Dazwischen jedoch, in der gesucht. Joe Walter bereist die Nashorn‐
zea

NAMIBIA 300–400 ml
n

Region »Doro !nawas«, fällt oft mehrere wüste seit vielen Jahren und stellt seine
200–300 ml
Jahre kein Tropfen Regen. Die wenigen Entdeckungen der Wissenschaft zur Ver‐
Pflanzen, die auf dem knochentrockenen 100–200 ml fügung. Was er bei seinen oft wochenlan‐
Boden wachsen, sehen meistens wie ab‐ 0–100 ml
gen Reisen fand und was den Ausgangs‐
gestorben aus. Kaum vorstellbar, dass An‐ punkt systematischer wissenschaftlicher
tilopen, Zebras und Strauße – die häufigs‐ Arbeit mit vielen weiteren Entdeckungen
ten Tiere der Nashornwüste – sich davon krieg bis in die 1960er Jahre wirtschafte‐ Niederschläge in Nami- bildet, ist einfach spektakulär. Das Frank‐
ernähren können. Kein Mensch würde hier te. Die Quelle wirkt tatsächlich etwas zwei‐ bia. Das Arbeitsgebiet furter Team hat mittlerweile bei 200 Fund‐
liegt in der Namib-Wüste,
auf Dauer leben wollen und können. felhaft. Sie sprudelt nicht, nur ein Rinnsal stellen an über 900 Felsen mehr als 10 000
350 km nordwestlich der
Das muss früher anders gewesen sein, tritt tröpfchenweise aus dem Sandstein am Hauptstadt Windhoek. einzelne Felsbilder, meistens Darstellun‐
denn im krassen Gegensatz zur heutigen Fuß des Hanges aus. Doch das klare Wasser Dort fällt weniger als gen von Tieren, erfasst – 10 000 mal in
Lebensfeindlichkeit steht eine Fülle ar‐ tropft beständig und bildet eine Lache, die 100 mm Niederschlag Fels gemeißelte Botschaften aus ferner
chäologischer Funde, vor allem eine in Gräser und Büsche säumen – das grünste pro Jahr. Zeit in einer nicht mehr lesbaren Sprache.
Afrika beispiellose Ansammlung von Fels‐ Fleckchen weit und breit. Bei Twyfelfon‐ Etwa 2000 stammen aus Twyfelfontein;
bildern. Wie ist dieser Gegensatz zu erklä‐ tein beginnt die Wüste, denn es fallen nur der Rest war bislang unbekannt. Die wis‐
ren? Mit der Frage beschäftigt sich seit Mit‐ etwas mehr als 100 mm Regen im Jahr. senschaftliche Bedeutung der Wüstenbil‐
te 2017 ein Team von Archäologen der In einer solchen Umgebung bildet eine der liegt in ihrer schieren Menge, dem kon‐
Goethe‐Universität Frankfurt am Main in verlässliche Quelle den Mittelpunkt des zentrierten Vorkommen in einer kleinen
einem Projekt der Deutschen Forschungs‐ Lebens. Für die Menschen, die sich früher
gemeinschaft. in der Region aufhielten, muss Twyfelfon‐
tein deshalb ein besonderer Ort gewesen
Zehntausend Felsbilder – sein. Davon zeugen Gravierungen und ei‐
Leben in der Wüste nige Malereien, die Jäger und Sammler
Eigentlich sind Felsbilder in der Namib vor unbekannter Zeit auf Felsen bei der
nichts Neues. Gemalte oder gravierte Bil‐ Quelle angebracht haben. Dass es Jäger und
der kommen an verschiedenen Stellen vor. Sammler waren, zeigen die dargestellten
Einer der bekanntesten Fundorte ist Twy‐ Tiere, unter denen sich nur wilde Arten be‐
felfontein, seit 2007 UNESCO‐Weltkultur‐ finden. Obwohl die Bilder bis zum Beginn
erbe. Twyfelfontein liegt an einem felsigen des Frankfurter Projektes nie vollständig
Hang in einem heißen, trockenen Tal am dokumentiert und analysiert wurden, gel‐
Ostrand der Wüste und heißt übersetzt ten sie in Fachkreisen schon lange als das
»zweifelhafte Quelle«. So nannte der Bure Glanzlicht prähistorischer Felsbildkunst
David Levin die Quelle im Tal und seine im südlichen Afrika. Nirgendwo, so die Ein‐
Farm, auf der er nach dem Zweiten Welt‐ schätzung, treten die in Stein geritzten

14 AiD 6 | 2018
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überschaubaren, aber extrem trockenen kreisrunden Talkessel. Im Norden und Gravierungen von Nas- ger und Sammler kannten den abgeschie‐
Region sowie dem klar erkennbaren Mus‐ Süden flankieren imposante Bergrücken hörnern am Rand eines denen Ort und haben unübersehbare Spu‐
»Backenzahn« genannten
ter ihrer räumlichen Verteilung. Was die den Kessel, im Westen versperrt ein un‐ ren hinterlassen. 1586 Felsgravierungen
Gebirges inmitten der
Verteilung anbelangt, so fällt als Erstes auf, wegsames Basaltfeld und im Osten ein Nashornwüste. zählte und dokumentierte das Frankfurter
dass sich die Bilder im Allgemeinen an we‐ hoher Gebirgssattel den Zugang. Obwohl Team im Talkessel und seiner unmittel‐
nigen Stellen wie in Twyfelfontein häufen. nur 11 km entfernt von Twyfelfontein und baren Nähe. Und das sind nur die heute
den 50 000 Besuchern, die jährlich zur Das »Amphitheater« noch erkennbaren Bilder. Viele dürften
der Nashornwüste –
Im Amphitheater UNESCO‐Stelle kommen, liegt das Amphi‐ schon vergangen sein, denn die Felsober‐
an den Hängen des Tal-
Eine weitere mit Twyfelfontein vergleich‐ theater einsam und unberührt da, als hät‐ flächen, auf denen sie einst angebracht
kessels sind 1500 Zeich-
bare Stelle ist das »Amphitheater«. So te es noch nie jemand betreten. Aber die nungen in die Felsen wurden, befinden sich samt der Bilder in
nannte Joe Walter einen 2 km großen verborgene Lage täuscht; steinzeitliche Jä‐ graviert. allen Stadien der Zerstörung durch Erosion.
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Weltweit Namibia

Was erhalten blieb, schlägt Rekorde: Ele‐


fanten, bald so groß wie lebende Exem‐
plare, eine 3,5 m große Giraffe, die größte
bekannte Gravierung Namibias, lebens‐
große Zebras, Menschen in rätselhafter
Haltung mit ausgestreckten Armen und ge‐
spreizten Fingern, eine 9 m lange Felswand
mit 330 einzelnen Darstellungen und da‐
zwischen an anderen Felsen Antilopen,
Strauße, Nashörner, Großkatzen und zahl‐
lose Fährten von Tieren und Menschen –
ein Report aus einer Welt voller Leben,
aber kein Paradies, sondern eine Wüste, in
der Gefahren auf die Menschen lauerten,
die in ihr leben wollten oder mussten.
Archäologie beschreibt nicht nur, son‐
dern stellt Fragen und sucht nach Erklä‐
rungen. Die vordringlichste Frage lautet:
Warum haben sich Menschen in der kar‐
gen Landschaft aufgehalten? Vielleicht gibt
eine unscheinbare Pflanze die Antwort.
Dort, wo sich die meisten Bilder finden,
wächst oberhalb am Hang »Salvadora per‐
sica« – das einzige Grün im Amphitheater.
Der Zahnbürstenbaum, wie er mit deut‐
schem Trivialnamen heißt, weil seine
Zweige zerkaut und als Zahnbürste be‐
nutzt werden, wächst in Namibia oft ent‐
lang der Trockenflüsse. Hier erreicht der
Busch mit seinen Wurzeln wasserführen‐
de Schichten und gedeiht üppig. Der un‐
gewöhnliche Standort im Amphitheater
und der ebenso üppige Wuchs lässt ei‐
gentlich nur den einen Schluss zu, dass an
der Stelle Feuchtigkeit im Boden steckt, die
bei leicht höheren Niederschlägen so an‐
steigt, dass Wasser austritt. In der Ver‐
gangenheit muss dies gelegentlich passiert
sein. Wasser als wichtigste Ressource zum
Überleben in der Wüste war vermutlich
der Grund, warum Menschen den Talkes‐
sel aufsuchten. Deutlicher, nämlich so ähn‐
lich wie in Twyfelfontein, zeigt sich der
Zusammenhang zwischen Wasser und ar‐
chäologischen Hinterlassenschaften 11 km
südwestlich vom Amphitheater.

Eine Schlucht als Bilderbuch


Dort, am Rand einer großen Ebene und
Felsplatte in Twyfelfontein, auf der schon tief in der Namib‐Wüste, erstreckt
Nashörner und Giraffen dominieren. sich eine 300 m lange Schlucht. An ihrem
Die Nashörner sind mit ihren Fährten Ende führt ein steiler Abbruch zur Hoch‐
an den Füßen dargestellt. Die Bilder
fläche. Unterhalb davon liegt bei großen
geben sogar anatomische Details von
Spitzmaul- (oben) und Breitmaulnas-
Felsblöcken eine Wasserstelle, die »Rhi‐
hörnern (Mitte, unten) wieder. Aus 61 nospring«, Nashornquelle, genannt wird.
Fotos zusammengesetztes 3-D-Modell. Das Wasser ist nicht mehr als eine Pfütze.
Aber wie in Twyfelfontein kann man sich

16 AiD 6 | 2018
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auf die Pfütze verlassen. 2012 existierte sie Über 1 m große Gravie- thoden. Drohnen fliegen über die Land‐ Wasser. Die Felsbilder selbst werden mit
nachweislich, dann folgten sechs regenlose rung eines Mannes mit schaft und fertigen im Sekundentakt Fotos hochauflösenden Digitalkameras raster‐
ausgestreckten Armen
Jahre, und sie besteht weiterhin, auch an. Sie verhelfen zu komplexen Gelände‐ artig fotografiert. Aus den vielen Einzel‐
und gespreizten Fingern
wenn Nachschub dringend nötig wäre. Als (Amphitheater, Stelle 8-A). modellen, in denen sich jeder Bilder tra‐ fotos, die dabei entstehen, berechnen Com‐
einziges offenes Wasser ringsum bildet die Menschen sind selten dar- gende Stein zentimetergenau lokalisieren puter dreidimensionale Modelle. Die Fund‐
Quelle den Mittelpunkt des Lebens. Auto‐ gestellt, und wenn, dann lässt. Die Genauigkeit ermöglicht die Su‐ stelle wird dadurch zu einem digitalen Ab‐
matisch auslösende Kameras haben die meist in dieser Haltung. che nach Mustern in der räumlichen Ver‐ bild, das sich in der Genauigkeit vom
Vor dem Mann stehen ein
unerwartete Vielfalt an Tieren festgehal‐ teilung der Bildmotive und ihrer Lage zum Original kaum unterscheidet. Oft lassen
Strauß und ein Zebra.
ten – fast identisch mit jener in den Fels‐ Links ist das Hinterteil
bildern: Antilopen, Nashörner, Leoparden, eines Nashorns zu sehen.
Löwen, Schakale, Hyänen, Paviane und
kleinere Tiere wie Honigdachse, Stachel‐
schweine, Schleichkatzen, Hasen, Klipp‐
schliefer und sehr viele Vögel.
Die Tiere müssen das Wasser riechen,
denn zu sehen ist es erst, wenn man davor
steht. Die Schlucht gleicht einem aus Fels‐
blöcken gestalteten Irrgarten. Wie verlo‐
ren wirken darin die Forscher. Ihrer Arbeit
in der Schlucht ist großer Erfolg beschie‐
den, denn auf 162 Blöcken rings um die
Wasserstelle wurden 1436 einzelne Fels‐
gravierungen entdeckt. Bei der Dokumen‐
tation der Befunde spielen Papier und Blei‐
Große Gravierung eines
stift kaum noch eine Rolle; sie geschieht Elefanten (Amphitheater,
vielmehr mit ausgeklügelten digitalen Me‐ Stelle 6-G Nord).

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sich sogar mehr Details erkennen, als mit Südhang des Amphithea- ganz oben. Interessanterweise kommen zeitlichen Jäger zu den beständigen Was‐
dem bloßen Auge im gleißenden Sonnen‐ ters im Jahr 2014. Unter- gerade diese drei Arten nicht zum Trin‐ serstellen in der Nashornwüste.
halb der grünen Sträucher
licht zu sehen sind. Umgewandelt in digi‐ ken an die Nashornquelle; zumindest wur‐ Gelegentlich fällt auch in der Wüste Re‐
befinden sich an Felsen
tale Signale gehen die Felsen nebst Gra‐ 514 einzelne Gravierun- den sie in keinem Fall während der lan‐ gen. Dann verändern die Tiere ihr Verhal‐
vierungen mit den Forschern auf eine vir‐ gen. Die Sträucher deuten gen Beobachtungszeiten von den automa‐ ten. Sie sind nicht mehr auf die dauerhaf‐
tuelle Reise nach Hause ins Labor. Dort auf Feuchtigkeit im Boden tischen Kameras dabei festgehalten. Giraf‐ ten Quellen angewiesen, sondern trinken
wird jedes einzelne Bild erfasst, bestimmt, hin. Der Pfeil zeigt auf fen kämen mit ihrer ungelenken Art beim überall da, wo Wasser steht: in Kolken,
Teilnehmer einer studen-
klassifiziert und in der Beziehung zu den Trinken an der Quelle zwischen den Fel‐ Felsspalten und Vertiefungen im Boden.
tischen Exkursion.
anderen Bildern auf dem Felsen analysiert. sen nicht zurecht, und Strauße und Ze‐ Die Jäger und Sammler kannten ihr Gebiet
Schritt für Schritt erschließt sich auf diese bras scheuen vielleicht mehr als andere und natürlich auch diese temporären Was‐
Weise, was die prähistorischen Bewoh‐ Tiere die gefährliche Situation im engen serstellen, die in der gesamten Region vor‐
ner der Nashornwüste an bildlicher Infor‐ Talabschluss. Manche Felsen sind über und kommen. Solange Wasser vorhanden war
mation hinterlassen haben. über mit Bildern bedeckt. Die Schlucht als und Tiere kamen, hielten sie sich dort auf.
Menschen gehören kaum dazu. Ihre Ganzes wirkt so bebildert, als sei es den Trockneten die Stellen nach einiger Zeit
Darstellung bildet eine seltene Ausnah‐ Menschen, die sie herstellten, darum ge‐ wieder aus, so tranken die Tiere aus den
me, im Gegensatz zu den häufiger vor‐ gangen, unübersehbare Zeichen ihrer An‐ permanenten Quellen. Die Jäger kehrten
kommenden Darstellungen der Fußspuren wesenheit zu hinterlassen. mit ihnen dorthin zurück.
von Menschen. Vereinzelt treten abstrak‐ Diese schlichten Zusammenhänge spie‐
te Muster aus meist rundlichen geometri‐ Wasser, Wild, Wohnstätten, Wege geln sich im archäologischen Fundbild wi‐
schen Formen auf. Aber mit Abstand am Die Jäger und Sammler der Nashornwüs‐ der. In der Nashornwüste existierten drei
häufigsten zu sehen sind Tiere, die in der te lebten damals vom Fleisch der Tiere. Die Orte besonderer Bedeutung: Twyfelfon‐
Nashornwüste leben. Oft finden sich auch wenigen essbaren Pflanzen der Wüste tein, Rhinospring und das Amphitheater.
ihre Fährten. In Jäger‐ und Sammler‐ reichten zur Ernährung nicht aus. Um Von ihrer Bedeutung zeugen ständig vor‐
gemeinschaften spielen Tierfährten und Fleisch zu bekommen, waren Twyfelfon‐ handenes Wasser, weit über tausend Fels‐
die Kunst, in ihnen lesen zu können, eine tein und Rhinospring, vielleicht auch das bilder und, abseits vom Wasser und von
große Rolle bei der Jagd. Vielleicht hängt Amphitheater ideale Orte. Dorthin kamen dort nicht einsehbar, die Wohnstätten der
ihre vielfache Wiedergabe damit zusam‐ die Tiere zum Trinken, denn es gab nicht Menschen mit zahllosen Steinartefakten an
men. Wenn die Häufigkeit der dargestell‐ viele Alternativen; und dort lauerten ihnen der Oberfläche und im Boden. Die Orte
ten Arten etwas bedeutet, dann stehen in die Jäger auf. Die Jagd verlief gezielt und liegen jeweils einen Tagesmarsch vonei‐
der Schlucht am Rhinospring Giraffen, effizient. Deshalb – und wahrscheinlich aus nander entfernt. Sie bildeten sehr wahr‐
Strauß und Zebra mit zusammen fast 30 % keinem anderen Grund – kamen die stein‐ scheinlich zentrale Punkte eines Wege‐

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systems, auf dem sich die Jäger und Samm‐ Sammler standen, die hier gut und viel‐ re Felsmalereien. Darstellungstechnik und
ler bei ihren Aufenthalten in der Nashorn‐ leicht sogar in einem gewissen Überfluss Bildmotive der beiden unterscheiden sich
wüste hauptsächlich bewegten. Gelegent‐ leben konnten. so grundlegend, dass an der Existenz zwei‐
lich gingen sie auch zu anderen Wasser‐ Eine andere Frage betrifft die Felsbil‐ er Gruppen mit unterschiedlicher Identi‐
stellen. Hierzu gehörte Gai‐As, eine im‐ der. Wozu haben die Menschen ausge‐ tät wenig Zweifel besteht. In der Nashorn‐
mer mit Wasser gefüllte Senke inmitten rechnet hier so ungewöhnlich viele Bilder wüste lebte die Gravierungen herstellen‐
der Namib‐Wüste. Nirgendwo steht in der gebraucht? Die meisten Forscher sind da‐ de Gruppe, 60 km südlich im Brandberg
Nashornwüste zwar mehr Wasser, aber von überzeugt, dass die Bilder, gleich ob die Gruppe, deren gemalte Bilder das mit
Gai‐As liegt zu abseits, über 20 km Luftlinie Malereien oder Gravierungen, von Scha‐ Ressourcen ähnlich gut ausgestattete Ge‐
von Rhinospring, der nächsten Quelle, ent‐ manen hergestellt wurden, um deren über‐ birge geradezu übersäen. Die klare räum‐
fernt. Damit fällt die Stelle aus dem Raster natürliche Erfahrungen im Zustand der liche Trennung zeigt, dass die Territorien
der 10‐km‐Tagesmärsche heraus und Trance wiederzugeben. Das mag in man‐ gegenseitig respektiert wurden. Allerdings
spielte nur eine Nebenrolle. Das zeigt sich chen Fällen stimmen. Aber die Felsbilder kam es auch zu Begegnungen. Einige da‐
auch an der geringen Menge von Gravie‐ im südlichen Afrika sind nicht aus einem bei zerstörte Bilder deuten an, dass die
rungen auf den Felsen neben der Quelle. Guss, sondern zeigen regionale Unter‐ Begegnungen nicht freundlich verliefen.
Andere Punkte, jene mit vorüberge‐ Aufnahmen aus den schiede. Bei den Bildern der Nashornwüs‐ In diesem theoretischen Modell aus Grup‐
Jahren 2015 bis 2018
hend auftretendem Wasser nach Regen, te handelt es sich fast nur um die schlich‐ pen verschiedener Tradition und Identität,
von automatisch aus-
bildeten hingegen festere Orte im Wege‐ lösenden Kameras an te, mehr oder weniger naturalistische die in getrennten Naturräumen mit knap‐
system. Auch hier häufen sich Felsbilder; Wasserstellen in der Abbildung der dort lebenden Tiere. Tier‐ pen und daher existenziell wichtigen Res‐
mehrere Hundert können es sein. Wie in Nashornwüste. Stachel- Mensch‐Mischwesen, Phosphene und en‐ sourcen lebten, ergäbe die Markierung des
schweine, Schakale,
Twyfelfontein und Rhinospring befinden toptische Muster – Bilder aus Halluzina‐ eigenen Territoriums einen unmittelbaren
Löwen, Eulen und Anti-
sie sich auf Felsen beim Wasser. Vorhan‐ tionen, die der Mensch im Zustand der Sinn für die Felsbilder. Gemeinschaften,
lopen zeugen vom über-
den sind auch hier die abseits vom Was‐ raschenden Reichtum Trance wahrnahm – kommen extrem sel‐ die in der Region lebten, konnten mit den
ser gelegenen Wohnstätten mit Steinarte‐ an Tieren in der Wüste. ten vor. Bildern deutlich machen, dass sie Anspruch
fakten. Ihre Kartierung und die der großen,
zentralen Orte bei den Quellen ergibt für
die menschlichen Aufenthalte in der Nas‐
hornwüste ein Schema, das aus drei räum‐
lich getrennten, etwa 10 km auseinander
liegenden Mittelpunkten besteht. Dazwi‐
schen, über das gesamte Gebiet von »Do‐
ro !nawas« verteilt, liegen Fundstellen mit
sehr wenigen Bildern und wenigen, oft
auch gar keinen Steinartefakten. Vermut‐
lich handelt es sich um Spuren kurzer Auf‐
enthalte auf dem Weg zwischen den Mit‐
telpunkten. Denkbar sind auch Stopps bei
der Erkundung der Region, beim Sammeln
pflanzlicher Nahrung oder bei der Jagd
auf Tiere, die nicht oder selten zu den Was‐
serstellen kommen. Vermutlich erforder‐
te auch die Beschaffung geeigneten Roh‐
materials für die Steingeräte Touren in Ge‐
genden abseits der Mittelpunkte.

Territoriale Markierungen
in der Wüste?
Die eingangs gestellte Frage, warum sich
Menschen in der lebensfeindlichen Nas‐
hornwüste aufhielten, scheint somit be‐ Weil der Einzelfall nicht das Gros er‐ auf die wenigen Wasserstellen und Nah‐
antwortet. Die Wüste ist gar nicht so le‐ klärt, suchen wir nach alternativen Inter‐ rungsquellen erhoben. Hinter dieser Ver‐
bensfeindlich, wie sie uns zivilisationsge‐ pretationen. Dabei stehen die Ressourcen mutung steht vielleicht eine der elemen‐
wohnten Städtern der westlichen Welt er‐ im Mittelpunkt. Es gab in der Namib‐Wüs‐ taren Verhaltensweisen, mit denen es un‐
scheint. Solange ein bisschen Regen genug te zwei große Gemeinschaften, die beim sere Art geschafft hat, überall auf der Er‐
Gras zum Fressen für Herdentiere wach‐ Zugriff auf lebenswichtige Ressourcen in de Fuß zu fassen, selbst in lebensfeindlich
sen ließ, existierte eine komplexe Nah‐ Konkurrenz geraten sein könnten. Die ei‐ erscheinenden extremen Randzonen wie
rungskette, an deren Spitze Jäger und ne hinterließ Felsgravierungen, die ande‐ der Nashornwüste.

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THEMA
Bergbau in der Steinzeit
Bergbau in der Steinzeit? Bergbau erinnert uns an Kohle, Eisen und
Stahl, die Rohstoffe des Industriezeitalters. Tatsächlich ist er sehr
viel älter: In der Steinzeit war brauchbares Rohmaterial für Stein‐
werkzeuge äußerst begehrt. Trotzdem überrascht die Menge: Abbau‐
spuren zufolge wurden Millionen von Tonnen Feuerstein bergmän‐
nisch gewonnen. Wie lebten und arbeiteten die Bergleute der Stein‐
zeit? Wie waren Abbau, Weiterverarbeitung und Verteilung organi‐
siert? Wie wirtschaftlich handelte der steinzeitliche Mensch?
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Von Tim Kerig

U
rsprünglich hat man die Steine, die
zur Herstellung von Werkzeug ge-
eignet waren, einfach aufgesam-
melt, aber auch schon früh unter Tage
abgebaut. Die Jäger und Sammler der Alt-
und Mittelsteinzeit wussten, wo das Roh-
material zu finden war. Bei ihren Streif-
zügen dürften sie deshalb manchen Um-
weg in Kauf genommen haben. Feuerstein
sollte man sich nicht als zu wertvoll vor-
stellen: Schlechter und guter Feuerstein
unterschied sich – als gewagter Vergleich –
wie heute ein schlechtes und ein gutes
Küchenmesser.
Mit der Jungsteinzeit, die in Deutsch-
land 5500 v. Chr. beginnt, d. h. mit der Ein-
führung von Ackerbau und Viehzucht,
stieg der Bedarf an Werkstoffen für spe-
zielle Zwecke: Die Bevölkerung nahm zu,
neue Arbeiten gewannen an Bedeutung.
Bäume wurden mit Steinäxten gefällt, Bal- bergmännisch abgebauten Rohstoffe Bergbau an entlegener zerrieben, trocken oder mit Fett vermischt
ken und Bohlen zugerichtet, Getreide auf waren Ton und Lehm: Sie wurden im Kuh- Stelle: Dieser Stollen in als Farbstoffe genutzt, z. B. als »Rötel«.
Langdale liegt an einem
Mahlsteinen gemahlen. Feuerstein für lenbau gewonnen (zu bergmännischen Steinzeitlicher Eisenbergbau ist insbe-
der unzugänglichsten
schneidende Werkzeuge, zähe Felsgestei- Fachbegriffen vgl. das Glossar S. 23). Mit Punkte Großbritanniens. sondere aus Polen und dem Schwarzwald
ne für Beil- und Axtklingen, raue Reib-, Lehm wurden die Flechtwerkwände der bekannt. Salz dagegen wurde in der mit-
Mahl- und Farbsteine: Das alles benötig- Häuser beworfen; er war der Rohstoff für teleuropäischen Jungsteinzeit wohl nicht
te man in bis dahin unbekanntem Aus- die Keramikproduktion. bergmännisch gewonnen.
maß. Und ganz außergewöhnliche Steine Felsgesteine dienten als Rohmaterial Dagegen sind Entdeckung, Abbau und
verarbeitete man zu Schmuck und spe- für Mahl- und Reibsteine sowie für Beil- Verarbeitung von Kupfer, später auch Zinn,
ziellen Geräten, die ihres Rohmaterials, ih- klingen und Axtköpfe, seltener als Schmuck. komplexer. Die Gewinnung bedarf metal-
rer Herkunft, ihrer Geschichte oder ihres Aus Feuersteinvarietäten, dem »Silex«, Unser Titelbild zeigt lurgischer Kenntnisse, werden die Eigen-
eine jungsteinzeitliche
Aussehens wegen besonders hohe Wert- waren die schneidenden Kleingeräte und schaften dieser Rohstoffe doch erst nach
Mine in Spiennes. Das
schätzung erfuhren. deren häufig austauschbare Werkzeug- Bergbaugebiet bei Mons chemisch-physikalischen Transformatio-
enden, aber auch Beilklingen. Auch Me- in Belgien umfasst 100 ha nen erkennbar. Die verwendeten Kupfer-
Stein ist nicht gleich Stein talle, Gold und Elektron – eine natürliche mit etwa 20 000 Schäch- mengen unterlagen Schwankungen. Ein
ten. Schon im 4. Jt. v. Chr.
Der Begriff »Bergbau« bezeichnet die Legierung aus Silber und Gold – sowie erster Höhepunkt wurde um 3400 v. Chr.
wurde dort mit einfach-
planmäßige Gewinnung mineralischer Eisenoxide werden in der Jungsteinzeit sten Mitteln Feuerstein
erreicht und erst mit dem Beginn der Früh-
und fossiler Rohstoffe und Energieträger gewonnen. Gold und Elektron findet man gefördert, z. B. mit Ge- bronzezeit ab 2000 v. Chr. übertroffen.
aus der Erdkruste (S. 26 ff). Die häufigsten in Flussablagerungen. Eisenoxide wurden weihhacken. Kohle und Erdöl sind in der Steinzeit
selten und dienten noch nicht der Ener-
gieerzeugung. Man schätzte andere, of-
fensichtliche Eigenschaften: Erdpech als
Einlage in Keramik, Pechkohle als Schmuck-
stein. Abbau von Bernstein und Fossilien
für Schmuck ist bislang aus Nord- und Mit-
teleuropa nicht bekannt.

Rohstoffreich, rohstoffarm
Rohstoffe – und dies gilt in besonderem
Maße für Felsgesteine und Silex – sind
nicht gleichmäßig verteilt. Kein Gestein
ist überall vorhanden und nur oberflä-
In den Minen von Spien-
chennahe Gesteine sind auch zugänglich.
nes, Belgien: Dunkle Silex-
knollen in der weißen Die in der Steinzeit genutzten Felsgestei-
Kreide. ne stammen zum größten Teil aus erdge-

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THEMA Bergbau in der Steinzeit

schichtlich älteren Schichten (älter als


244 Mio. Jahre), in denen sie über lange
Zeit große Minerale in stabilem Gefüge
entwickelten. Aufgrund ihrer körnigen
und zähen Struktur sind sie ideal für Ar-
tefakte, die raue, aber abriebfeste Ober-
flächen benötigen oder eine hohe Schlag-
energie aushalten müssen. Rau sind aber
auch ganz junge blasige Ergussgesteine,
deren Vorkommen das erdgeschichtlich
alter Gesteine ausschließt.
»Feuerstein« und »Flint« sind Bezeich-
nungen für Silex aus Meeresablagerungen
der Kreidezeit (145–66 Mio. Jahre). Lager-
stätten sind in Nord- und Mitteleuropa,
hauptsächlich in den Beneluxländern und
in Dänemark, aber auch im Rheinland auf-
geschlossen – bekannt sind die Kreide-
felsen auf Rügen. Silex aus Kalksteinen
der Trias und Jurazeit (244– 145 Mio. Jah-
re) wurde insbesondere im Bereich von
Schwäbischer und Fränkischer Alb abge- Neolithische Steinindus- lichste Vorkommen dieser kreidezeitli- Konjunkturschwankungen der Steinzeit
baut. trie von Grand-Pressi- chen Feuersteine wird »Feuersteinlinie« Als frühester Beleg für Silexbergbau wird
gny, nachempfunden in
Feuerstein gibt es aber auch in in Eis- genannt. mittelpaläolithische Gräberei in der ägyp-
der Art einer Werkstatt
zeitablagerungen nördlich der Mittelge- des 19. Jh. mit Arbeitern, Aus der ungleichen Verteilung der Roh- tischen Wüste und im südlichen Afrika an-
birge. Skandinavische Gletscher trugen Vorarbeitern und Inge- stoffe ergibt sich die Frage nach dem Aus- geführt. Ältester Bergbau unter Tage be-
kreidezeitliche Schichten in Südschwe- nieuren. tausch zwischen Regionen mit und ohne Si- ginnt in Südeuropa wohl im 6. Jt. v. Chr.:
den, Dänemark oder auch auf Rügen ab Altneolithische Dechsel- lexvorkommen. Gab es Handel? Gab es Aus dem spanischen Casa Montero sind
und verschleppten die Silexknollen über klingen, ca. 5500 bis Bergbau als Handwerk? Wie weit bestritten 3794 senkrechte Schächte bekannt, die bei
5000 v. Chr. Links ein
das gesamte vereiste Gebiet. Dies gilt jungsteinzeitliche Bergleute ihren Lebens- Durchmessern von etwa 1 m eine Teufe
Halbfabrikat, die übrigen
auch für zahlreiche Felsgesteine, die so unterhalt durch den Bergbau – ganzjährig, von bis zu 9 m erreichen. Hier wurden von
überschliffen und poliert.
aus dem skandinavischen Raum nach Verschiedene Fundorte saisonal oder nur während kurzer Zeitab- 5200 bis 5300 v. Chr. rund 700 t Silex ge-
Norddeutschland gelangten. Das süd- in Württemberg. schnitte ihres Lebens (S. 34ff und 36ff)? fördert.
Grundsätzlich ist es schwierig, Abbau-
stellen zu datieren. Bereits die jungstein-
zeitlichen Bergleute haben mit dem Ab-
raum, dem Bergematerial, schon ausge-
beutete Nachbarschächte verfüllt. Die
meist ohnehin spärlichen Funde datieren
also nicht zwingend den Schacht, aus dem
sie stammen. 14C-Daten lassen sich nur aus
organischem Material gewinnen. Datier-
bar sind z. B. Hirschgeweihhacken, Fa-
ckeln, Feuerstellen oder auch Knochen-
reste der Mahlzeiten (S. 36 ff).
Im Alt- und Mittelneolithikum (5500–
4400 v. Chr.) wird Silex verstärkt abgebaut,
bevorzugt für die schneidenden Teile klei-
nerer Werkzeuge. Wichtig waren auch cha-
rakteristische graugrüne Beilklingen, die
aus speziellen Schiefern gefertigt wurden.
Diese hat man in Böhmen über Tage ge-
wonnen (S. 30 ff) und – wo der Rohstoff
nicht zur Hand war – durch ähnliches Ma-
terial lokaler Herkunft ersetzt. Damals
schulterte wohl jeder Mann so ein quer ge-
schäftetes Steinbeil. Es mag als Taschen-
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Glossar bergmännischer
Fachbegriffe

Berge bzw. Bergematerial


messer und Machete im lichten mitteleu-
Abraum, der beim Abbau anfällt
ropäischen Urwald gedient haben, zum
Bergfeste
Bäumefällen und zur Holzbearbeitung
Stützpfeiler, die beim Abbau unter Tage
ebenso geeignet wie als Schlachtbeil und
stehen gelassen wurden
Waffe. Daneben sind ausgesprochen gro-
ße Steinaxtklingen bekannt, die mit meh- Duckelbau
Kleiner Schacht von geringer Tiefe mit
reren Kilo Gewicht kaum praktisch ein-
Weitungen entlang der Sohle
zusetzen waren. Sie mögen Symbole der
Macht gewesen sein. Gezähe
Im anschließenden Jungneolithikum Werkzeug des Bergmanns

(4400–3500 v. Chr.) werden dann verstärkt Gräberei


auch Beilklingen aus Silex produziert. Lan- Knietiefer Abbau an der Erdoberfläche
ge und dünne Beilklingen aus Feuerstein Grubenbau
sind insbesondere in Nordeuropa ver- Planmäßig hergestellter bergmännischer
breitet. Zwar sind in Mitteleuropa die Hohlraum unter Tage
spitznackigen Beilklingen dieser Zeit klei- Haufwerk
ner als im Norden, doch größer als die äl- Beim Vortrieb anfallende Gesteinsstücke
teren oder späteren Beile. Die Herstellung Kuhlenbau
von Feuersteinbeilen in großem Umfang Kleiner, mannstiefer trichterförmiger Abbau
erforderte Bergbau. Schon länger be- an der Erdoberfläche
kannte Lagerstätten plattig ausgebilde- Ortsbrust
ter Silexvarietäten werden nun umfas- Begrenzungsfläche eines Grubenbaus
send ausgebeutet: Die dünnen Platten während des Streckenvortriebs
eignen sich hervorragend zur Fertigung Pingen
flacher Artefakte wie steinerner Sicheln Hohlräume an der Erdoberfläche, die durch
und Dolche. den Abbau unter oder über Tage entstanden
Gegen Ende der Jungsteinzeit (3500–
Pingenbau
2200 v. Chr.) geht der Silexbergbau zurück. Mehr als mannstiefer vertikaler oder horizon-
Neben der Versorgung für Kleinwerk- taler Abbau an der Erdoberfläche
zeuge wird jetzt vor allem Material für die ten; teilweise hat man aber die Knollen an- Steingeräte aus Silex
Stoß
Produktion von Dolchen und, beschränkt scheinend erst während dieses Transports wurden von Hand zu
Hand gereicht und so Seitenwand eines bergmännischen
auf das östliche Mitteleuropa, für Beil- bearbeitet: So konnte man beispielswei- Hohlraums
über weite Strecken
klingen gefördert. Es sieht so aus, als gin- se im westdeutschen Alt- wie im nord- verhandelt. Jede Silex- Strecke
ge die Abbautätigkeit in den Silexberg- französischen Mittelneolithikum anhand varietät hat charakteri-
Horizontaler oder annähernd horizontaler
werken zurück, während gleichzeitig die des unterschiedlich hohen Rindenanteils stische Merkmale, die
Grubenbau
Anzahl der Kupfergegenstände zunimmt. pro Siedlung zeigen, wie das Rohmaterial ihre Herkunft verrät.
Teufe
Und umgekehrt: In der Zeit von 3300 bis von Ort zu Ort in modifizierter Form wei-
Tiefe, z. B. die Tiefe eines Schachtes –
2850 v. Chr., als vorübergehend kaum tergegeben wurde. Im polnischen Cmie-
ein Schacht wird abgeteuft
mehr Metall in Mitteleuropa verwendet low hatten jungneolithische Bergleute das
Tummelbau
wird, baut man wieder verstärkt Silex ab. Rohmaterial aus dem etwa 10 km Luftlinie
Beim Verfolgen von Mineraladern ent-
entfernten Bergbau von Krzemionki her-
standener unregelmäßiger Grubenbau
Geprägt von der Arbeit unter Tage beigeschafft und erst am Dorfrand zuge-
Versatz
Schon in der Jungsteinzeit erreicht der richtet.
Taubes Gestein, das unter Tage in die durch
Bergbau ein Ausmaß, das deutlich sicht- Noch heute arbeitet wohl mehr als die
den Abbau entstandenen Hohlräume verfüllt
bare Folgen hinterließ. Ausgedehnte Si- Hälfte aller Bergleute – nach Angaben der
wird
lexreviere entstanden über Generationen, Bundesanstalt für Geowissenschaften
Weitungsbau
manchmal Jahrhunderte hinweg. Es dürf- und Rohstoffe – unter einfachsten Bedin-
Von der Strecke aus geführter Abbau einer
ten jeweils nur wenige Gruppen am sel- gungen. Etwa 15 bis 20 % der weltweit be-
Lagerstätte
ben Ort gleichzeitig gearbeitet haben. nötigten mineralischen Rohstoffe werden
Zusammengestellt von Daniel Schyle und
Meist geht man von saisonalen Tätig- im Kleinbergbau gewonnen. Dabei kom-
Jürgen Weiner. Quellen, teilweise verkürzt:
keiten in den größeren Bergwerken und men sehr häufig Techniken zum Einsatz,
Das Kleine Bergbaulexikon. 8. Auflage (1998)
entsprechend kurzfristigem Aufenthalt im die sich seit der Jungsteinzeit nicht oder Non plus ultra unter
Verlag: Glückauf Essen.
Umfeld aus. Mitunter wurde die untaug- kaum verändert haben (S. 34 ff). Jenseits den Steingeräten: Fisch-
Bergmännisches Glossar. In: Gurina, N. N., Prä-
technischer Erwägungen lehrt der Ver- schwanzdolch von der
liche Rinde der Silexknollen – eine un- historische Feuersteinbergwerke in der ehe-
Insel Fanø in Dänemark
brauchbare Verwitterungsschicht – noch gleich: Wer auch immer im jungsteinzeit- maligen UdSSR. Der Anschnitt, Beiheft 12 = Ver-
vom Ende der Jungstein-
im Bergbaurevier entfernt, um so hand- lichen Bergbau arbeitete – die Menschen zeit. Das Artefakt ist öffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-
lichere Stücke für den Transport zu erhal- wurden durch diese Arbeit geprägt. weniger als 1 cm dick. Museum Nr. 88 (Bochum 2000).
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THEMA Bergbau in der Steinzeit

Woher kam der Silex?


Untersuchen, ohne zu zerstören
Feuerstein – Silex – ist das Rohmaterial der werden. Daher sind diese Methoden bei Die meisten Silices entstehen durch
Steinzeit schlechthin. Irgendwoher musste jede archäologischen Artefakten ungeeignet, Imprägnierung eines Sediments durch
steinzeitliche Gemeinschaft ihren Feuerstein denn hierbei handelt es sich nicht nur um Kieselsäure (SiO2, nH2O). Dabei bleiben
Steine, sondern um einzigartiges Kultur- Sedimentstruktur und Fossilgehalt weit-
beziehen. Die Autorin stellt eine wegweisende
gut. gehend erhalten, sodass Silices mit den
Methode vor, mit der die Herkunft des Materials Aus diesem Grund hat die Verfasserin gleichen Methoden untersuchen werden
ohne Zerstörungen bestimmt werden kann. zusammen mit Archäologen eine zerstö- wie Sedimente.
rungsfreie Methode zur Herkunftsbe-
stimmung des Rohmaterials entwickelt. Aktualismus: Was heute gilt,
Von Jehanne Affolter Sie macht sich eine besondere Eigen- galt auch früher
schaft der Silices zunutze: Beim Befeuch- Ein Grundprinzip der Sedimentologie –

D
er Begriff Feuerstein bzw. besser Si- ten der Oberfläche werden sie halb durch- und der Geologie allgemein – ist der Ak-
lex umfasst unterschiedliche Stei- sichtig. In diesem halb durchsichtigen tualismus: Man nimmt als gegeben an,
ne, die vor allem aus Kieselsäure Zustand lassen sich archäologische Silex- dass ein natürliches Phänomen stets die
bestehen. Jede dieser Varietäten entsteht funde unter einem Auflicht-Stereomikro- gleiche Ursache hat, zumindest was die
aus der Verkieselung eines Sediments und skop ohne zerstörende Vorbereitung jüngeren Phasen der Erdgeschichte be-
ist damit die Versteinerung eines spezifi- untersuchen. Dabei ist es möglich, grö- trifft, d. h. die letzten 500 Millionen Jahre.
schen Ablagerungsraumes. Aufgrund die- ßere Serien zu analysieren, die Nah- und Diesem Prinzip folgend lassen sich die
ser individuellen Eigenschaften lässt sich Fernbeziehungen anhand der in einer heutigen Bedingungen der Sedimentati-
die Herkunft der Silices bestimmen, und Siedlung verwendeten Silexrohmateria- on beobachten und ihre Ursachen aufklä-
zwar ohne das untersuchte Objekt zu zer- lien zu quantifizieren und wichtige ren. Gleicht ein altes Sediment einem heu-
stören. Aspekte der damaligen ökonomischen tigen, darf man annehmen, dass beide un-
Die Herkunftsbestimmung der Roh- Verhältnisse zu beleuchten. ter ähnlichen Ablagerungsbedingungen
stoffe trägt dazu bei, das einer Men-
schengruppe bekannte bzw. von ihr durch- Lebewesen von einst und
streifte Territorium einzugrenzen. Auch heute am Beispiel von
Muscheln.
lassen sich Nah- und Fernbeziehungen re-
A: fossile Schale
konstruieren und wichtige Aspekte der
B: leicht abgerollte,
damaligen Ökonomie beschreiben. Die
sub-rezente Schale
Rohmaterialien der Steingeräte waren C: durch Algen halb
während der Urgeschichte so lebenswich- zerfressene sub-
tig wie heutzutage das Eisen, das Öl oder rezente Schale
D: frische, rezente Schale.
der Internetzugang – und wie bei allen
Ressourcen ist auch die Verbreitung von Die fossile Schale wurde
weder abgerollt noch zer-
Steinen begrenzt: Sie kommen eben nicht
fressen, sondern rasch im
überall vor. Sediment eingelagert.
A B
Verlustfreie Analysen
Die klassischen Labormethoden der Geo-
logie zur Bestimmung der Gesteinszu-
sammensetzung zerstören häufig die Pro-
ben, etwa indem Dünnschliffe zur Be-
stimmung der Mineralien hergestellt wer-
den, oder man zermahlt eine Probe, um
sie chemisch zu analysieren. Sogar bei der
moderneren Laser-Mikro-Ablation, die
eigentlich kaum das Probenmaterial be-
einträchtigt, können eventuell vorhan-
dene Spuren, die bei der Benutzung der
C D
Steinwerkzeuge entstanden, verwischt

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Zone mit feinem


dolomitischen Sand

Kreide mit Silexlagen

Geröll im Wasser
Mix aus Geröll und
Mix aus Geröll und Feinsand im Wasser
organischen Stoffen

entstanden sind. Man kann also die heu- sem Prinzip folgend untersucht man auch Aktualismus-Prinzip am erlaubt Rückschlüsse auf das Milieu, die
tigen Bildungsbedingungen auf das fos- die Silices. Beispiel Rügen. Hier ist Fazies, in der sich das ursprüngliche Se-
ein Teil der Steilküste
sile Sediment übertragen und den jewei- diment abgesetzt hat.
abgebrochen, feiner Sand
ligen Ablagerungsraum rekonstruieren. Fast wie ein Fingerabdruck vermischt sich mit Geröll
Anhand dieser jeweils einzigartigen
Beispielsweise bestehen die Sedimen- Durch die Verkieselung werden die im Se- oder bleibt als Schüt- Zusammensetzung lassen sich die wich-
te am Fuß der Kreideklippen von Rügen diment erhaltenen Komponenten nur we- tungslage erhalten. Sol- tigsten Silexrohmaterialien in der Ober-
aus Geröllen. Bricht ein Stück der Steil- nig verändert. Es ist fast so, als würden sie che Unterschiede lassen kreide von Norddeutschland, den Nieder-
sich auch in fossilen Sedi-
wand ab, gelangen auch die feinen Krei- in Glas oder Kunstharz eingegossen. Das landen und Belgien differenzieren. Die
menten erkennen.
desedimente zur Ablagerung. Findet man heißt, eine im Schlamm versinkende Mu- Bestimmung von Ablagerungsraum, -be-
nun also in einem aus groben Kompo- schel wird zuerst fossilisiert und dann dingungen und charakteristischen Orga-
nenten bestehenden Gesteinskörper Zo- gleichzeitig mit dem Sediment verkieselt, nismengesellschaften, die Paläoökologie,
nen mit gemischter Korngröße, darf dem sodass sie im resultierenden Silex immer hilft uns also, den geografischen Ursprung
Aktualismus-Prinzip folgend angenom- noch erkennbar ist. Oder sie wird zuerst eines Rohmaterials zu lokalisieren – selbst
men werden, dass sich das Sediment am eine Weile am Meeresboden hin und her wenn die daraus angefertigten Silices weit
Fuß einer Steilküste absetzte. Die Sedi- bewegt oder nur halb im Meeresboden davon entfernt gefunden wurden.
mente etwa der heutigen Nordwestküste eingebettet und von Algen besiedelt, be-
Deutschlands bestehen aus feinem vor sie vollständig im Schlamm versinkt.
Literatur
Schlamm mit Muscheln, der von zahlrei- Da Kieselsäure auch in kleinste Struktu-
chen Flutrinnen durchzogen ist. Findet ren eindringt, bleiben selbst winzige Le- Gerd Weisgerber/ Jürgen Weiner, 5000
man ein feinkörniges kalkreiches Gestein, bewesen wie einzellige Algen oder Strah- Jahre Feuersteinbergbau. Die Suche
das zahlreiche Muscheln und Flutrinnen lentierchen (Radiolarien) erhalten. Die nach dem Stahl der Steinzeit. Veröf-
fentlichungen aus dem Deutschen Berg-
enthält, muss es sich wohl entlang einer einmalige und sehr spezifische Zusam-
bau-Museum (Bochum 1999).
flachen Meeresküste gebildet haben. Die- mensetzung dieser fossilen Überreste

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THEMA Bergbau in der Steinzeit

Geweihgezähe, Rillenschlägel, Duckelbau –


Industrie der Jungsteinzeit
Spätestens am Beginn des mitteleuropäischen in den durch Verwitterung des Kalks ent- Rohmaterial für Feuersteindolche gebor-
Neolithikums in der Mitte des 6. Jt. gab es Bergbau standenen Lehmschichten die herausge- gen wurde. Bei der Ausgrabung konnten
im engeren Sinne. Die Bergleute hatten Erfahrung lösten Silexknollen angereichert haben. zwar »Schlagplätze« freigelegt werden, an
denen die Stücke zugerichtet wurden; Ge-
und benutzten eine umfangreiche Palette an Werk-
Am Anfang stand der Tagebau winnungsgruben wurden jedoch nicht
zeugen. So war die Versorgung der neolithischen Am Anfang der Steingewinnung als Roh- entdeckt. Wahrscheinlich hatte man bei
Bauern und Viehhalter mit den lebensnotwendigen stoff für Werkzeuge steht die »Klauberei«, der Suche den gesamten Strandwall um-
Rohstoffen gesichert. d. h. das Aufsammeln geeigneter Roh- gegraben. In der Residuallagerstätte von
stoffe, die durch Verwitterung des Mut- Rullen bei Aubel in Belgien wurde Feuer-
tergesteins freigelegt wurden, wie z. B. in stein aus einem Kalkverwitterungslehm
Von Jürgen Weiner und Daniel Schyle den Strandwällen von Nord- und Ostsee. in mehr oder weniger tiefen Gruben ab-
Ist an der Oberfläche eines bekannten gebaut; es handelt sich um Gräberei oder

S
chon die allerersten steinzeitlichen Vorkommens nichts Brauchbares mehr Kuhlenbau. Ein großflächiger Tagebau in
Bergleute vor mehreren 10 000 Jah- zu finden, liegt der Gedanke nahe, unter einer Primärlagerstätte befindet sich am
ren sahen sich mit einer Vielzahl an der Erdoberfläche weiter zu suchen. Je Lousberg in Aachen, dessen ursprünglich
technischen und organisatorischen Pro- nach Intensität wird das als »Gräberei« mindestens 6 m mächtige Kalksteindecke
blemen konfrontiert. Das begann bei der (bis knietief), »Kuhlenbau« (bis manns- beim Abbau des darin enthaltenen Feu-
Suche nach dem begehrten Feuerstein tief) oder »Pingenbau« (mehr als manns- ersteins offenbar vollständig aufgearbei-
und sonstigen Arten von Kieselgestein wie tief) bezeichnet. Alle diese Verfahren fasst tet wurde. Pingenbau auf Felsgestein (Ak-
Hornstein, Kieselschiefer, Quarzit oder Ob-
sidian. Spätestens seit den ersten Bauern
im Neolithikum wurde auch Felsgestein re-
gelmäßig und in großen Mengen benötigt:
Sandstein, Basalt, Diabas, Hornfels und
»Amphibolit«. Zudem bestand großer Be-
darf an Roteisenerz (Hämatit), das uner-
lässlich zur Herstellung von roter Farbe war.
Die prominentesten Vertreter berg-
männisch gewonnener Kieselgesteine,
Flint und Hornstein (Sammelbezeich-
nung: »Silex«), treten in primärer Lage-
rung als unregelmäßig geformte Knollen,
flache Fladen oder regelrechte Platten un-
terschiedlicher Dicke in Kalkformationen
aus der Kreidezeit und dem Jura auf. Von
größter Bedeutung bei der Wahl einer ge-
eigneten Abbaumethode sind die geo-
logischen Gegebenheiten der jeweiligen
Lagerstätte. In primären Vorkommen wur-
de Silex direkt aus dem Muttergestein ge-
wonnen, in der Regel Kalkstein. Diese Kalk- Ältester Untertagebau man unter dem Begriff »Tagebau« zu- tinolith-Hornblende-Schiefer) für die Her-
formationen können verschiedene Härten Europas bei Tzines auf sammen. Sie sind vergleichsweise selten stellung von Dechselklingen ist aus Jis-
der griechischen Insel
und Texturen aufweisen, z. B. einheitlich archäologisch nachzuweisen, weil sie häu- tebsko in Böhmen nachgewiesen (S. 33 ff.).
Thasos. Mittels Tummel-
massig-puderig oder blockig, wenn tek- bau wurde dort schon im
fig durch jüngere Abbauspuren überprägt Ein weiteres Beispiel ist der zwar nur in-
tonische Kräfte Spalten bzw. Klüfte im an- Jungpaläolithikum vor oder zerstört wurden. So sind sichere Bei- direkt belegte, aber für das gesamte rhei-
stehenden Gestein verursacht hatten. Von 24 000 Jahren Hämatit spiele für prähistorische »Klauberei« na- nische Neolithikum vorauszusetzende Ab-
sekundären oder Residuallagerstätten abgebaut. hezu unbekannt. Am nächsten kommt ihr bau möglichst großvolumiger Rohstücke
spricht man etwa bei Strandwällen, in vielleicht die oberflächennahe Feuer- aus Eschweiler Kohlensandstein im Aa-
denen der Silex küstennaher Kalkforma- steingewinnung aus Strandwällen in For- chener Land für Schiebemühlen zum Mah-
tionen aufgearbeitet ist oder wenn sich naes auf Jütland, wo im Endneolithikum len von Getreide.

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Vordringen unter Tage Die bekanntesten Beispiele für Wei- Strecke in einer Grube Man geht davon aus, dass ausreichend
Auch im Tiefbau gibt es unterschiedliche tungsbau finden sich in England (Grimes im apulischen Defensola, Tageslicht einfiel und vom weißen Anste-
darin noch ein Tongefäß
Varianten, die sich nach den jeweiligen Graves), Belgien (Spiennes bei Mons) und henden in die Abbauweitungen reflektiert
in situ.
geologischen Gegebenheiten richten. Am den Niederlanden (Rijckholt bei Maas- wurde.
Hang austretende Feuersteinschichten tricht), wo jeweils primäre Kreidefeuer-
können von der Oberfläche aus durch waa- steinvorkommen ausgebeutet wurden. Zu Blick in einen Schacht Wohin mit dem Abraum?
gerecht in das Muttergestein getriebene den ältesten europäischen Nachweisen zum Fördern von Feuer- Schon in der Steinzeit stellte die Entsor-
Stollen aufgeschlossen werden. Dagegen des neolithischen Tiefbaus gehören aber stein in Defensola in gung des Abraums, des Bergematerials,
die Feuersteingruben des Gargano-Mas- Apulien. Die Bergleute
lassen sich bereits aus der Kuhle oder Pin- eine große Herausforderung dar. Bei den
mussten mit dem natür-
ge, bei tieferen Vorkommen aber auch aus sivs in Apulien, wo an Steilhängen die pri- wenigen untersuchten Tagebauen scheint
lichen Licht auskommen,
einem senkrechten Schacht, Weitungen mär gelagerten Feuersteine durch Stollen das in die Mündung des das Bergematerial mehr oder weniger
entlang der Sohle anlegen (»Duckelbau«). erschlossen, aber auch von der Erdober- Schachts fiel. chaotisch versetzt worden zu sein. Dem-
Werden diese gangartig horizontal weiter fläche in Schächten und Strecken abge-
verfolgt, in der Jungsteinzeit meist nur in baut wurden. Eine sekundäre Lagerstätte
Kriechhöhe, entstehen »Strecken« – dann mit senkrechten Schächten in eiszeitli-
wird aus dem Duckel- ein Weitungsbau. chen Moränensedimenten ist kürzlich bei
Grob säulenförmig stehen gelassenes Mut- Artern in Thüringen ausgegraben worden.
tergestein (»Bergfesten«) stützt die Wei- In sehr seltenen Fällen kam »Feuer-
tungen und Strecken gegen das Hangende setzen« zur Anwendung, um Felsen groß-
ab. Im »Tummelbau« schließlich folgt die flächig zu zermürben. Dazu wurden Stö-
Gewinnung dem in unterschiedlich di- ße und Ortsbrüste erhitzt und unmittel-
mensionierten Gängen vorliegenden mi- bar anschließend mit Wasser abgeschreckt.
neralischen Rohstoff, z. B. dem als Farb- Diese Abbaumethode ist nur bei Lager-
stoff genutzten Hämatit. Hämatitgruben stätten mit extrem harten Kalken nach-
der Linienbandkeramik sind aus dem Süd- gewiesen, z. B. am Isteiner Klotz bei Klein-
schwarzwald bei Bad Sulzburg bekannt. kems, höchstwahrscheinlich auch im Re-
Der älteste Untertagebau Europas ist ei- vier von Veaux-Malaucène in der Provence.
ne jungpaläolithische Hämatitgrube; sie Interessanterweise sind aus den Gru-
wurde vor 24 000 Jahren bei Tzines auf der ben keine wirklich überzeugenden Belege
griechischen Insel Thasos betrieben. für eine künstliche Beleuchtung bekannt.

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THEMA Bergbau in der Steinzeit

Entwicklung eines umfangreichen Spek-


trums hoch spezialisierter Gezähetypen.
Nachgewiesen sind Werkzeuge unter-
schiedlichen Gewichts aus harten und zä-
hen Gesteinsarten wie Feuer-/ Hornstein
sowie diversen Felsgesteinen, zumeist
Flussgeröllen. Daraus wurden Köpfe von
Rillen- und Kerbschlägeln angefertigt, die
in bzw. an flexiblen oder starren hölzer-
nen Schäften befestigt waren. Diese Häm-
mer hinterließen bei der »zermalmenden
Gewinnung« typische Arbeitsspuren auf
dem Fels, z. B. am Lousberg in Aachen,
am Isteiner Klotz bei Kleinkems oder in
Defensola bei Vieste in Italien. War der
Kreidekalk indes kleinstückig bis homo-
gen-pudrig wie in Rijckholt oder Spiennes,
dann kamen aus Flint spitz zugeschlage-
ne spindelförmige »Picken« zum Einsatz,
die vermutlich in starre Holzschäfte ein-
gesetzt waren. Sie hinterlassen charakte-

nach wurde es mehrfach umgelagert, was folgend aufgefahrenen Weitungen konn- Wohl kaum zentral orga-
zeigt, dass trotz der teils gewaltigen Aus- te dann unter Tage in die bereits ausge- nisiert: Bergbau auf Feu-
erstein im thüringischen
maße mancher Bergwerke in der Jung- beuteten Hohlräume als »Versatz« verfüllt
Artern. Ein Schacht durch-
steinzeit der Abbau nicht zentral organi- werden, was zusammen mit den Bergfes- schlägt mehrere pingen-
siert war, sondern von kleinen, unabhän- ten die Stabilität des Bergwerks gewähr- förmige Eingrabungen im
gig voneinander operierenden Gruppen leistete. Geschiebemergel, die sich
durchgeführt wurde. wiederum gegenseitig
überlagern.
Besonders große Probleme bereitet Gezähe – zweckmäßiges Werkzeug
der Abraum unter Tage. Im Tiefbau wurde Ohne bergmännische Gezähe ist kein Ab-
nur das Haufwerk vom Bau des Schachts bau denkbar. Und es liegt auf der Hand,
Rechts: Regellos verteil-
und aus der ersten Weitung an die Ober- dass die Werkzeuge bezüglich Material,
te Bergbauschächte im
fläche gebracht und in der Regel rund um Form und Einsatz von den geologischen thüringischen Artern,
den Schacht in so genannten Ringhalden Bedingungen vor Ort abhängen. Praktische die sich teils gegenseitig
verkippt. Das Bergematerial aus den nach- Erfahrungen führten zwangsläufig zur überlagern.

Sogenannter Schlägel
aus Felsgestein mit
Doppelrillen für die
Schäftung. Fundort:
Irring/Bayern, Sammlung
F. Stolper jr., Tiefen-
bach/Bayern (vermut-
lich neolithisch).

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verarbeitungsfreundliche Form und lischen Revieren häufig der Fall ist. Über-
Moderne Nachbildung einer Abwurfstangen waren im jährlichen dies wurden aus Kronenabschnitten des
»Geweihhacke« aus der linken Rhythmus nahezu unbegrenzt verfüg- Geweihs Kratzen zum Bewegen von Ab-
Abwurfstange eines Rothirschs.
bar. Durch Abtrennen von Krone, Mittel- raum bzw. aus Geweihsprossen Keile an-
und fallweise Eisspross entstand eines der gefertigt, die mit Treibhämmern in Kluft-
ristische linear-konkave Arbeitsspuren, Standardwerkzeuge neolithischen Silex- risse im Anstehenden getrieben wurden.
die sich flächendeckend auf Stößen bergbaus, die »Geweihhacke«. Im Umriss Vom Aachener Lousberg ist eine kom-
und Ortsbrüsten finden. Am Rande sei er- erinnert sie stark an die klassische berg- pakte, handliche Brechstange mit einem
wähnt, dass solche Picken stark an männische »Keilhaue« aus Stahl – eine die Kronspross am Ende bekannt. Hochinte-
Schrämmeißel im modernen Steinkoh- Jahrtausende überdauernde Zweckform. ressant sind schließlich schaufelförmige
lebergbau erinnern, die zur »schnei- Tatsächlich wurden Geweihhacken aber Geräte, die aus Schulterblättern von Rind
denden Gewinnung« dienen. Aus Ge- niemals hackend eingesetzt. Vielmehr oder Reh mit einem daran befestigten
stein bestehen zudem Keile (Flint), dienten sie zur Anlage von tiefen und lan- kurzen Griff aus Geweih bestehen und
Schlag- und Klopfsteine (Felsgestein) gen Rillen (Schrämarbeit) im weichen ebenfalls beim Versatz von Bergemateri-
sowie als Treibhämmer für unter- Kalkstein, wie z. B. in der Grube von Krze- al eingesetzt wurden. Daneben sind auch
schiedliche Tätigkeiten benutzte Fluss- mionki in Polen. Hauptsächlich dürften sie Keile aus stärkeren Röhrenknochen er-
gerölle (Felsgestein). jedoch als Hebel verwendet worden sein, halten.
Unverzichtbar für die Anfertigung von um gelockerte Flintknollen und Kalkbro- Das Ensemble der beschriebenen Ge-
Gezähen war Geweih von Rothirsch, Reh cken aus stark geklüftetem, blockigem zähe ist keinesfalls vollständig und muss
oder Elch. Geweih ist sehr zäh und zer- Verband des anstehenden weicheren Krei- um weitere Geräte und Hilfsmittel aus
bricht deshalb nicht so leicht, es hat eine dekalks herauszubrechen, wie es in eng- Holz, vermutlich auch Leder und Pflan-
zenfasern ergänzt werden, die im aggres-
siven Kalkmilieu leider nicht überliefert
sind. Vorauszusetzen sind etwa Hämmer
und Keile, Schäfte für die erwähnten stei-
nernen Schlägelköpfe, Stiele für gelochte
Geweihgeräte und gewiss Brechstangen
aus Hartholz. Unverzichtbar müssen auch
korb- und wannenartige hölzerne, ge-
flochtene oder beutelförmig genähte le-
derne Behältnisse zum Transport und
Versetzen von Abraum und vielleicht zur
Förderung von Flint gewesen sein. Eine
besonders wichtige Rolle dürfte Holz bei
der Konstruktion von Steigbäumen, Lei-
tern oder stabilen Arbeitsbühnen zur
Befahrung vor allem von Schächten mit
größeren Weiten gespielt haben, wie in
englischen und norddänischen Revieren.
Nur in extremen Ausnahmen zeugen un-
scheinbare Hohlräume im Versatz oder
Anstehenden von vollständig zersetzten
Werkzeugstielen oder stärkeren balken-
artigen Schachteinbauten. Schließlich
seien noch Kordeln, Seile und Taue ver-
schiedener Stärken für vielfältige Ein-
satzmöglichkeiten erwähnt, von denen
nur indirekte Belege vorliegen, etwa teils
tief eingeschnittene Schleifspuren im
Kreidekalk.
Letztlich überrascht es immer wieder,
wie wenig sich die steinzeitlichen Abbau-
methoden und Werkzeuge von denen des
vormaschinellen Bergbaus der frühen
Neuzeit unterscheiden. Sie belegen die
erfolgreiche Fortführung einer uralten
Tradition.

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THEMA Bergbau in der Steinzeit

Werkzeug aus Felsgestein –


schweres Gerät für harte Arbeit
Artefakte aus Felsgestein sind in neolithischen man konnte Keulenköpfe daraus machen. geschäfteten Beile bestehen aus steiner-
Siedlungen häufig zu finden. Woher bezogen die Schließlich stellte man aus besonders ge- nen Klingen mit einem typischen, asym-
frühen Bauern das Rohmaterial? Die Abbaustellen eigneten Steinen auch Schmuckstücke metrischen Querschnitt und haben eine
her. So gibt es etwa vom frühjungstein- leicht gewölbte Schneide. Entsprechen-
sind nur schwer nachzuweisen. Einer der wenigen
zeitlichen Fundplatz Köln-Lindenthal ei- de Funde sind in größerer Anzahl aus
erforschten Plätze ist Jistebsko im tschechischen nen durchlochten Hämatit – ein Farbstein, nahezu sämtlichen bandkeramischen
Isergebirge. der gleichzeitig Schmuckperle war. Siedlungsinventaren bekannt, oft schon
Viele der aus dem Neolithikum über- stark abgenutzt, teils in einem bis zur Un-
lieferten Artefakte aus Felsgestein wur- brauchbarkeit beschädigten oder umge-
Von Britta Ramminger und Nicole Kegler-Graiewski den auf die gleiche Weise hergestellt: arbeiteten Zustand.
Zuerst hat man sie durch Schlagtechnik Normalerweise deutlich besser erhal-

Z
u Beginn des europäischen Neolithi- grob in Form gebracht und anschließend ten sind Dechselklingen aus Gräbern. Dort
kums kam mit den Veränderungen in geschliffen bzw. teilweise poliert. Dies wurden sie meist bei männlichen Verstor-
Wirtschaftsweise, Siedlungswesen gilt insbesondere für die forschungsge- benen dieser Zeit entdeckt. Oft waren die-
und Keramikproduktion auch eine neue schichtlich bedeutsamen Beile, Dechsel se Männer nicht nur mit einer einzelnen
Technologie der Steinbearbeitung auf. Ne- und Äxte, für die das Rohmaterial häufig Dechsel versehen, sondern man hatte ih-
ben dem bereits in Alt- und Mittelstein- aus großer Distanz zu den steinzeitlichen nen ein Ensemble aus unterschiedlich ge-
zeit genutzten Feuerstein wurde nun ver- Fundplätzen transportiert worden war. formten Klingen mitgegeben. Die Vermu-
stärkt auf Felsgesteine zurückgegriffen, Hingegen wurden die häufig deutlich tung liegt nahe, dass verschiedene Formen
aus denen sich verschiedene Werkzeuge schwereren Mahl-, Reib- und Schleifsteine für unterschiedliche Tätigkeiten gebraucht
herstellen ließen, die für die neue, auf in der Regel eher aus Sedimentgesteinen wurden. Auch in Horten finden sich Dech-
Landwirtschaft basierende Lebensweise gefertigt, die im näheren Umfeld der Sied- sel. Die Exemplare in den Depots hatte
erforderlich waren. Hierzu zählen Beile, lungen anstanden. man noch nicht fertig bearbeitet: Diese un-
Dechsel und Äxte mit Klingen aus Felsge- geschliffenen Halbfabrikate sind im Durch-
stein, womit diverse Arbeiten vom Roden Allzweckgerät der frühen Bauern: schnitt deutlich größer und schwerer als
bis zur Holzbearbeitung verrichtet werden Dechselklingen der Dechsel die aus Siedlungen geborgenen Stücke.
konnten, sowie insbesondere Mahlsteine, bandkeramischen Sied- Die Bandkeramik ist die älteste neolithi- Die Anzahl der in den ausgegrabenen
mit denen das angebaute Getreide zu Mehl lung Köln-Lindenthal sche Kultur in weiten Teilen Mitteleuropas Siedlungen vorhandenen Klingen variiert
aus Aktinolith-Horn-
gemahlen wurde, schließlich Reib- und und dauerte von 5500 bis 4900 v. Chr. Für erheblich. In vielen Inventaren wurde we-
blendeschiefer. Das
Schleifsteine. Aus pulverisierten erzhalti- die ersten Bauern war der Dechsel das All- niger als eine geschliffene Dechselklinge
Rohmaterial stammt
gen Gesteinen konnte man Farbe gewin- aus dem böhmischen zweckgerät par excellence, das vor allem pro Haus gefunden. Durchschnittlich gab
nen. Felsgesteine dienten als Klopfsteine; Jistebsko. zur Bearbeitung von Holz diente. Die quer es zwei bis drei solcher Artefakte in einem

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Gebäude. Unter Berücksichtigung von er- Hämatitbrocken aus der statt. Mit der portablen energiedispersi- der Regel über 50 % Dechselklingen aus
haltungsbedingten Verlusten, modell- bandkeramischen Sied- ven Röntgenfluoreszensanalyse gibt es in- diesem Material, häufig sogar weit mehr
lung Köln-Lindenthal.
haften Überlegungen zum Abnutzungs- zwischen eine Methode, um die Artefakte als 75 %. Es ließ sich in allen bislang un-
grad und der daraus resultierenden »Le- zerstörungsfrei zu analysieren. Insbeson- tersuchten Siedlungsregionen nachwei-
bensdauer« ist mit ursprünglich sechs dere mithilfe tragbarer Geräte können sen, wogegen andere Gesteine wie Basalt
Dechselklingen pro Haus zu rechnen. Je nun größere Fundmengen in Serie unter- oder Kieselschiefer eher als regionale Er-
nach Versorgungssituation mit dem ent- sucht und verglichen werden. satzrohmaterialen anzusehen sind, die
sprechenden Rohmaterial scheinen diese Demnach findet man sehr viele Arte- vorwiegend in den jüngeren Phasen der
Geräte unterschiedlich lange in Gebrauch fakte aus Aktinolith-Hornblende-Schiefer Bandkeramik Verwendung fanden.
gewesen und dann mehr oder minder die aus dem Isergebirge stammt, über Bei den Lagerstätten im böhmischen
stark umgearbeitet worden zu sein, be- mehrere hundert Kilometer um die La- Isergebirge sind auch Bergbauspuren be-
vor man sie im Siedlungsabfall entsorgte. gerstätte, u. a. auch im fast 600 km ent- kannt: In der Umgebung von Jistebsko
fernten Köln-Lindenthal. Inventare in den am Maršovice-Hügel gibt es auf einer Flä-
Trademark der Bandkeramik: Lössgebieten Deutschlands enthalten in che von ca. 27 ha Relikte neolithischen
Amphibolit
Schon früh fiel den Archäologen auf, dass
der überwiegende Teil der in Deutsch-
land gefundenen Dechselklingen aus
graugrünem metamorphem Amphibolit
besteht. Mineralogisch lässt er sich als Ak-
tinolith-Hornblendeschiefer bestimmen,
der auch als Aktinolith-Hornfels bezeich-
net wird. Lange war die Herkunft dieser
sehr homogenen und in Mitteleuropa nur
selten vorkommenden Gesteinsgruppe
Allzweckgerät der Band-
unklar. Erst 2002 konnten im böhmischen keramik: geschäftete
Isergebirge anstehende Gesteine identi- Dechsel. Das Bild zeigt
fiziert werden, die petrografisch und geo- eine Rekonstruktion des
chemisch dem Material der Dechselklin- Dechsels von Satec, die
Klinge ist aus Aktinolith-
gen entsprechen. Parallel zu dieser Ent-
Hornblendeschiefer
deckung fanden umfangreiche archäo- (Rekonstruktion von
metrische Analysen der Dechselklingen Wulf Hein).
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THEMA Bergbau in der Steinzeit

über einen längeren Zeitraum und nicht


als Ergebnis eines kurzfristigen gezielten
Abbauvorhabens. Wie wenig organisiert
der Abbau war, sieht man an der Tatsache,
dass in bereits ausgebeuteten Abschnit-
ten erneut Kuhlen angelegt wurden – na-
türlich erfolglos. Den Bergleuten waren
die älteren Abbauversuche offenbar un-
bekannt. Einer der Befunde in der Aus-
grabungsfläche war eine große Feuer-
stelle, um die herum sich Produktions-
abfälle der Dechselklingenherstellung
konzentrierten. 14C-Daten belegen die
Existenz dieser Pinge bereits in der ältes-
ten Phase der Bandkeramik.

Massenproduktion am Ort des Abbaus


In einer weiteren Sondage wurde ein gro-
ßer grabenförmiger Befund in Jistebsko III
dokumentiert. Der obertägig sichtbaren
Struktur nach zu urteilen folgt der Graben
einem ertragreichen Band aus Aktinolith-
Hornblende-Schiefer. Ein 6 m langer Gra-
bungsschnitt von der Mitte bis zum Rand-
bereich der Grube zeigte, dass das Roh-
Abbaus auf Aktinolith-Hornblendeschie- Höhenunterschied vom Rand bis zur Mit- Neolithischer Mahlstein: material unmittelbar am Gewinnungsort
fer. Über die Jahrtausende hinweg haben te der Grube beträgt etwa 1 bis 1,2 m. Bei Unterlieger und Läufer weiterverarbeitet wurde. Am Rand, neben
aus der bandkerami-
sich Pingen in heute bewaldeten Gebie- Sondagegrabungen an einer Grube, die der Geländedepression auf anstehendem
schen Siedlung Köln-
ten obertägig sichtbar erhalten. Auf mo- sich als Kuhlenbau herausstellte, kamen Lindenthal. Untergrund, erstreckt sich eine Halde, die
dern landwirtschaftlich genutzten Flä- mit über 4000 geschlagenen Artefakten ausschließlich aus aufgeschütteten Pro-
chen zeigen Lesesteinhaufen am Rand der aus Aktinolith-Hornblende-Schiefer enor-
Felder und Wiesen an, dass die einstma- me Mengen von Abfällen aus der Produk-
lige Gewinnung dieses Rohmaterials auf tion von Dechselrohlingen ans Tageslicht.
einem noch deutlich größeren Areal er- Zudem datieren 14C-Proben den Befund
folgte. Zusammen mit den durch Sied- in die späte bandkeramische Kultur.
lungen und Ackerbau stark überprägten An einem nach Nordosten abfallenden
Bereichen ergibt sich eine Gesamtfläche Teil des steilen terrassiert wirkenden Han-
von etwa 160 ha allein bei Jistebsko. Da- ges Jistebsko I lag eine weitere Grube, die
rüber hinaus sind bisher fünf weitere Ab- einen komplexen Entstehungsprozess
bauplätze in der Umgebung bekannt. hinter sich hat. Die etwa 50 cm tiefe Ge-
Teilflächen wurden inzwischen ver- ländedepression ist quadratisch mit einer
messen und durch kleinere Sondage- Seitenlänge von ca. 7,5 m und wurde ein-
grabungen untersucht. So zeichneten sich schließlich ihrer Randbereiche vollständig
anhand der Oberflächenstrukturen un- freigelegt. Ziel des Abbaus waren verla-
terschiedliche Bereiche ab. In Jistebsko I, gerte Blöcke aus Aktinolith-Hornblende-
am östlichen Abhang des Maršovice-Hü- Schiefer, die im Lockergestein des ober-
gels, fallen etwa 500 bis 650 terrassen- flächennahen Hangschuttes lagen. Die
förmige einzelne oder gelegentlich inei- obertätig als homogene Kuhle erschei-
nander übergehende rundliche Vertie- nende Depression stellte sich als Summe
fungen auf, die hangparallel im steilen verschiedener Eingrabungen und Auf-
Gelände liegen. Sie haben überwiegend schüttungen heraus. Sie entstand also
Durchmesser von 8 bis 14 m. Dagegen wird
Jistebsko III von einer größeren, graben-
förmigen Struktur dominiert, die in Rich-
Sondage Jistebsko III. Hangaufwärts
tung des Gefälles verläuft. An der Ober- eine Abfallhalde, aus der bis zu
fläche ist eine Länge von 60 m und eine 1200 Artefakte auf einem Sechzehntel
Breite von 8 bis 10 m zu erkennen. Der eines Quadratmeters geborgen wurden.

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duktionsabfällen ohne dazwischen lie- lingen zeigen sie, dass die Primärproduk- Halde aus Produktions- Keine der bisherigen Grabungen lie-
gendem Sediment besteht. Obwohl die tion bis hin zur feinen Formgebung so- abfällen von der Dechsel- ferte Hinweise darauf, dass die Rohlinge
klingenherstellung in der
Ausgrabung nur den äußersten Randbe- fort am Abbauort erfolgte. Dabei zerbro- von Dechselklingen am Ort des Abbaus
Sondage in Jistebsko III.
reich dieser bereits obertägig im Gelän- chene oder weniger taugliche Stücke ver- geschliffen worden wären. Dieser auf-
de sichtbaren Halde erfasste, sind dort bis blieben direkt an Ort und Stelle, ebenso wendige Herstellungsschritt scheint also
zu 1100 Artefakte pro ergrabenem Sech- wie einige für die Bearbeitung verwende- nicht im Gebirge auf über 600 m Höhe ab-
zehntelquadratmeter gezählt worden. te Klopfsteine aus gleichem Gestein. Der seits der Siedlungen erfolgt zu sein.
Insgesamt wurden aus dem kleinen Son- beachtlichen Menge von 57 verworfenen Insbesondere aus Hortfunden sind un-
dageschnitt 15 044 Produktionsabfälle ge- Rohlingen aus dem kleinen Sondage- geschliffene Rohlinge überliefert. Ein
borgen! Die Fundstreuung reicht bis in die schnitt muss eine um ein Vielfaches grö- Halbfabrikat aus Aktinolith-Hornblende-
Pinge hinein, wird zur Grubenmitte hin ßere Menge gelungener und abtranspor- Schiefer wurde beispielsweise im südhes-
aber geringer. Offenbar hat dort keine tierter Dechselklingen gegenüberstehen. sischen Lorsch an der Bergstraße gebor-
nachträgliche Verlagerung oder Überprä- Diese umfangreiche Zurichtung deutet gen. Dieser Fund belegt, dass zumindest
gung stattgefunden. auf eine zielgerichtete Überschusspro- ein Teil der böhmischen Dechselklingen
Die Produktionsabfälle reichen von duktion hin. Der Abbau erfolgte vor allem im Rohzustand über Strecken von meh-
größeren Trümmern bis hin zu feinsten Ab- zur Weitergabe und nicht allein zur Selbst- reren hundert Kilometern transportiert
schlägen. Zusammen mit verworfenen Roh- versorgung der hier tätigen Menschen. worden ist.

6.10.2018
10.2.2019 Gold & Wein
Georgiens älteste Schätze

ARCHÆOLOGISCHES
MUSEUM FRANKFURT
Karmelitergasse 1, 60311 Frankfurt am Main
www.archaeologisches-museum-frankfurt.de
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THEMA Bergbau in der Steinzeit

Vietnam und Brasilien:


Arbeiten wie in der Vorgeschichte
Vor ungefähr 40 000 Jahren begann der Mensch, gel übernimmt einer der älteren Männer vorhanden. Das ausgebrachte Material
nach Feuerstein zu graben, dem »Stahl der Stein- die Aufgabe des Vorarbeiters, der die jün- wurde an einem nahen Flüsschen ge-
zeit«. Im Neolithikum dann, ab 5500 v. Chr., prägte geren Bergleute in die Abbautechniken schlämmt und nach Edelsteinen durch-
einführt. Im Oktober 2010 arbeiteten in sucht. Sobald eine Pinge erschöpft war,
der Bergbau ganze europäische Landschaften.
May Ha vier junge Männer ungefähr im wurde daneben eine weitere angefahren
Doch wie war der Abbau organisiert? Ethnoarchäo- Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Anders und die alte Grube mit dem Versatz teil-
logische Untersuchungen aus Nordvietnam und als bei größeren Minen in der Nähe, waren weise wieder zugeschüttet.
Brasilien liefern Hinweise. hier keine Frauen anwesend.
Bedingt durch den landwirtschaftli- Bergkristall aus engen Schächten
chen Zyklus suchten die Bergleute die Anders als im vietnamesischen Beispiel
Von Michael Brandl Mine nur für eine bestimmte Zeit auf, wäh- wird in Minas Gerais Bergkristall in Schäch-
rend der sie in einem einfachen Camp leb- ten abgebaut. Quarz aus Brasilien wurde

E
thnoarchäologie ist der Zweig der ten, einer lediglich mit Plastikplanen und im Zweiten Weltkrieg zu einem wichtigen
Altertumswissenschaft, der archäo- Schilfmatten bedeckten Wohn- und Schlaf- Rohstoff für Oszillatoren militärischer
logisch relevante ethnografische plattform. In unmittelbarer Umgebung Funkgeräte und von da an gezielt berg-
Tatsachen beschafft, sammelt und inter- des Lagers befanden sich einige bis zu 5 m männisch gewonnen. Heute ist Bergkris-
pretiert. Vom Autor selbst zusammenge- tiefe Gruben, von denen jedoch nur eine tall vor allem in der Schmuckindustrie und
tragene Informationen aus zwei geogra- in Betrieb war. Die anderen Pingen waren als Sammlerobjekt von Bedeutung.
fisch weit voneinander entfernten Regio- teilweise verfüllt, sowohl mit Versatz als Cabaçaco liegt im Jequitinhonha-Tal
nen, Vietnam und Brasilien, liefern wert- auch mit dem Abfall der Arbeiter. Gegra- ungefähr 20 km nordöstlich von Diaman-
volle Hinweise zu bergmännischen ben wurde mit einfachsten Werkzeugen, tina, einer alten Diamanten- und Gold-
Verfahren, die auch für den frühen Abbau vor allem Spitzhacken, Schaufeln und Har- bergbaustadt. Das Bergbaugelände bildet
typisch waren: Pingenbau (mannstiefer ken. Die einzigen Grubeneinbaue waren einen ungefähr 2 km langen und 1 km brei-
Abbau an der Oberfläche) und Duckelbau schlichte bühnenartige Holzkonstruktio- ten Gürtel am Fuß des Espinhaçogebirges.
(Abbau in kleinen Schächten). nen, die den Zugang und die Förderung Dort bietet sich ein Bild, das spontan an
Bergbaulandschaft in ermöglichten, da die steilen Grubenwän- neolithische Grubenlandschaften erin-
Cabaçaco, Minas Gerais,
Edle Steine aus flachen Pingen de aus losem, nachrutschendem Sedi- nert: Dicht aneinander gereiht liegt ein
Brasilien. Eine einfache
Die Mine von May Ha in der Luc-Yen-Region Leiter ragt aus einem ment bestanden. Sicherheitsvorkehrun- Schacht neben dem anderen, mit den cha-
der nordvietnamesischen Provinz Yen Bai aufgelassenen Schacht. gen waren in der Pinge generell nicht rakteristischen ringförmig aufgeschütte-
ist ein gutes Beispiel für heutigen Pin-
genbau. Lagerstätten von Rubinen und
Spinellen, die an Marmorvorkommen ge-
bunden sind, stellen die wichtigsten Quel-
len für farbige Edelsteine in Südostasien
dar. 1987 wurden in Luc Yen entsprechen-
de primäre und residuale Vorkommen ent-
deckt, was umfangreiche Bergbauaktivi-
täten und die Entwicklung eines großen
Edelsteinmarkts in der gleichnamigen
Distrikthauptstadt zur Folge hatte.
Steile, von dichtem Dschungel be-
deckte Karstformationen und enge Täler
mit traditionellen Dörfern und Reisfeldern
prägen die Luc-Yen-Region. In der May-Ha-
Mine werden Rubine und Spinelle aus re-
sidualen Lehmen in Pingenbau gewonnen.
Der Bergbau auf primäre und sekundäre
Vorkommen wurde in den Anfangsjahren
von zugewanderten Arbeitern betrieben
und ab 1995 von lokalen Bauern. In der Re-

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ten Halden um den Einstieg herum. Die »garimpeiro« alleine weiter. Obwohl zu- Bergarbeitercamp in Weder straff noch zentral organisiert
meisten Schächte erreichen eine Tiefe von weilen Sprengstoff zum Einsatz kommt, May Ha. Im Vordergrund Was können diese Beispiele zu monta-
einige halbverfüllte auf-
5 bis 10 m, manche sollen sogar bis zu bestehen die üblichen Gezähe aus Ham- narchäologischen Fragestellungen bei-
gelassene Pingen.
30 m tief sein. mer und Meißel, Schaufeln sowie Spitz- tragen? Die wohl wichtigste Erkenntnis:
Einen Duckelbau konnte der Autor per- und Breithacken. Es existiert keine aus- Es müssen keine ausgeklügelte Organi-
sönlich inspizieren. Bei einer Tiefe von un- geprägte soziale Hierarchie in der Berg- sation und auch keine straffe soziale Hie-
gefähr 8 m hat der Schacht einen Umfang arbeitersiedlung, in der ausschließlich rarchie vorhanden sein, um Landschaften
von 1 bis 1,5 m. In ca. 3 m Tiefe bildet er ei- Männer aus armen Bevölkerungsgruppen mit ausgedehnten und beeindruckenden
ne Stufe, wonach der Schacht wieder steil leben, die saisonal in den Minen arbeiten. Bergbauspuren zu hinterlassen. Die Berg-
bis in eine kleine Kammer abfällt. Dort In den Schächten wird nicht zu festgeleg- leute sind in der Regel eine kleine, meist
werden die Bergkristalle aus Taschen, die ten Zeiten gearbeitet, sondern wann zufällig zusammengestellte Truppe. Spe-
sich seitlich in den Wänden befinden, vor- immer der Moment günstig dafür ist, was zialisten sind nicht notwendig. Es genü-
May-Ha-Mine, Luc Yen in
sichtig von Hand geborgen. Es existieren oft von der Intensität der Sonnenein- gen einige erfahrene Vorarbeiter, während
Nordvietnam. Abgebaut
keinerlei Grubeneinbaue oder sonstige Si- strahlung und dem Sauerstoffhaushalt werden Rubine, die im die anderen durchweg ungelernte Arbei-
cherheitsvorkehrungen, Kerzen sind die abhängig ist. Marmor vorkommen. ter oder Bauern sein können. Sicherheits-
einzige Beleuchtung. Der Einstieg erfolgt vorkehrungen spielen bei simplem und
meist ebenfalls ohne Vorrichtung, obwohl über kurze Zeit hinweg betriebenem Pin-
es in einigen Schächten grob gezimmer- gen- oder Schachtabbau keine bedeuten-
te Leitern gibt. de Rolle. Der vom Bedarf gelenkte Umfang
Um einen Claim abzustecken, genügt des Abbaus, die Zeitspanne des Betriebs
es, den »Don« (Landbesitzer) um Erlaub- und die Geologie der Lagerstätte sind die
nis zu fragen. Danach kann ein »garim- Faktoren, die den Charakter des Bergbaus
peiro« (Bergmann) mit dem Abbau be- bestimmen.
ginnen. Am Anfang ist es üblich, dass Aufgrund dieser Überlegungen sollte
mehrere Personen zusammenhelfen, die man Theorien zu prähistorischen Berg-
obersten harten Sandsteinschichten zu bauen, die hohe Organisation und Spe-
durchstoßen. Wird der Schacht bei zu- zialistentum annehmen, überdenken und
nehmender Tiefe enger, arbeitet ein neu bewerten.

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THEMA Bergbau in der Steinzeit

Viele Steine und Big Data:


Wirtschaftsarchäologie 2.0
Nachfrage, Produktion und Konsum sind unmittel- sondern darüber hinaus für den Handel die Zeit leicht ungleichmäßig erfolgt. Auch
bar miteinander verbunden – so lehrt es die Volks- produzierten? Waren sie die ersten Spe- entstehen Schwankungsbreiten bei der
wirtschaft. Eine steigende Produktion sollte auch zialisten, ist Bergmann der älteste Beruf Laboranalyse. Das wahre Alter eines Ra-
und Bergbau das älteste Gewerbe? diokohlenstoffdatums liegt innerhalb ei-
in der Steinzeit mit steigendem Konsum einher-
Um diese Fragestellungen aus wirt- ner Spannweite und kann als Wahr-
gehen. Doch inwieweit gelten volkswirtschaftliche schaftsarchäologischer Sicht beantworten scheinlichkeitskurve dargestellt werden.
Annahmen von heute für die ferne Vergangenheit? zu können, erfolgt die Auswertung gro- 14
C-Daten als Wahrscheinlichkeitskur-
ßer Mengen von Radiokarbondaten aus ven können dann im Weiteren zu so ge-
Bergwerken und bekannten Abbaustellen. nannten summierten Wahrscheinlich-
Von Peter Schauer und Tim Kerig Dafür stehen mehr als 100 000 Radio- keitsdichten addiert werden. Auch die
kohlenstoffdaten zur Verfügung, die mit Radiokohlenstoffdaten aus Bergwerken

I
m wirtschaftsarchäologischen NEOMINE- der Methode des Data-Mining maschinell einer Region lassen sich auf diese Weise
Projekt (s. Kasten) untersuchen wir die aus der online zugänglichen Literatur darstellen, um die Intensität der Abbau-
volkswirtschaftlichen Zusammenhänge zusammengetragen wurden. tätigkeit in einer Region abzuschätzen,
für die Jungsteinzeit in Nord-, Nordwest- Tierknochen aus den Überresten der unter Berücksichtigung der Schwan-
und Mitteleuropa. In der Zeit von 5500 Mahlzeiten, Holzkohlen aus Feuerstellen, kungsbreiten und ganz entsprechend der
bis 2000 v. Chr. wurden viele Millionen von Lampen und Geweihhacken – solche modernen Wirtschaftsstatistik von För-
Steingeräte produziert und verwendet: organischen Hinterlassenschaften der dermengen – die übrigens mit ähnlichen
Beile, Äxte und mit eingesetzten Feuer- Bergleute konnten in den letzten sechs Schwankungsbreiten und Unsicherhei-
steinen versehene Kleinwerkzeuge wie Jahrzehnten tausendfach mit der Radio- ten behaftet ist.
z. B. Sicheln. Ein großer Teil des Rohmate- karbonmethode datiert werden. Häufig
rials kann auf bekannte Gesteinsvorkom- liefert die Methode den einzigen direk- Abbau im Nebenerwerb
Britische Bergwerke
men zurückgeführt werden. Mittlerweile und ihr Hinterland. ten Hinweise auf das Alter der Bergbau- Im NEOMINE-Projekt wurden bislang drei
sind einige hundert Bergwerke und Ab- Untersuchte Abbau- tätigkeit. Die 14C-Datierung beruht auf Regionen näher untersucht: Nordwest-
baustellen aus dem jungsteinzeitlichen stellen (rot) vor dem dem bekannten Prinzip des radioaktiven europa, die Britischen Inseln und Skandi-
Hintergrund der Fund-
Europa bekannt. Die Ausmaße verdeut- Zerfalls: Radioaktive Isotope zerfallen mit navien, wobei Nordwesteuropa Nord-
stellen mit Radiokohlen-
licht das Beispiel des bayerischen Berg- der Zeit in einer fast konstanten Rate – das frankreich, die Niederlande, Belgien und
stoffdaten (grau). Die
werkes von Abensberg-Arnhofen: Aus der Kreise markieren das »fast« bedeutet, dass der Prozess im Rah- Nordwestdeutschland umfasst und Skan-
Zeit von der Mitte des 6. bis ins 5. Jt. v. Chr. Hinterland. men von Schwankungsbreiten und über dinavien hier auf Dänemark und Schwe-
stammen insgesamt nicht weniger als
20 000 lotrecht abgeteufte Schächte – so
lautet eine gut begründete Schätzung.
Entsprechende Dimensionen erreichen
in Europa auch belgische, französische,
britische, spanische und polnische Berg-
werke. Einige dieser Abbauplätze schei-
nen nur kurzfristig genutzt worden zu
sein, an anderen wurden Hunderttausen-
de Tonnen Rohmaterial gewonnen.

Das älteste Gewerbe der Welt –


Bergmann?
Die Fördermengen zeigen eindrucksvoll,
wie groß der Bedarf an bestimmten Ma-
terialien gewesen sein muss. Was aber hat
diese starke Nachfrage angetrieben? Und
wer waren die Bergleute, die die erfor-
derliche Industrie schufen? Waren die
steinzeitlichen Bergleute die ersten Pro-
fis, die nicht nur für den eigenen Bedarf,

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den beschränkt bleibt. Für jeden der drei Steinwerkzeuge) über weite Teile West- Jungsteinzeitlicher Abbau Bergbau scheint zumeist saisonal und
Bereiche wurden die erwähnten sum- oder Mitteleuropas verbreitet waren, ist von Feuerstein in Grimes dementsprechend von »Bergleuten im
Graves, Norfolk. Mündun-
mierten Wahrscheinlichkeitsdichten be- die jährliche Abbaumenge gering. Die Aus- Nebenerwerb« betrieben worden zu sein.
gen von mehr als 400 gro-
rechnet. Neben bereits publizierten 14C- dehnung der Fundstellen und die Menge ßen Schächten prägen die
Daten konnten auch zahlreiche neue Ra- des geborgenen Materials sind durch die Landschaft. Wachsende Bevölkerung und Bedarf
diokarbondaten erstellt werden. jahrhundertelange Dauer des jeweiligen Wir stellen hier unsere ersten Ergebnisse
Ein erstes Ergebnis bestätigt, was Abbaus bedingt. Von ganz wenigen Bei- für die Britischen Inseln vor. Diese Resul-
schon länger vermutet wurde: Auch bei spielen abgesehen, waren wohl kaum je- tate können bereits jetzt mit den wirt-
den ausgesprochen großen Bergwerken, mals mehr als zwei oder drei Schächte ei- schaftsarchäologischen Vermutungen ab-
deren Produkte (d. h. das Rohmaterial der nes Bergwerkes gleichzeitig in Betrieb. geglichen werden.

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THEMA Bergbau in der Steinzeit

Zunächst wurde geprüft, ob die Abbautä-


tigkeit direkt mit schwankenden Bevöl-
kerungsgrößen einherging. Der Anzahl
der Menschen entspräche dann eine An-
zahl an benötigten Steingeräten. Verän-
derte Bevölkerungszahlen einer Gegend
sollten zu veränderten Abbaumengen
führen, wobei mehr Menschen mehr Ab-
bau und weniger Menschen weniger Ab-
bau entspräche. Um diese Hypothese zu
prüfen, untersuchten wir im Umkreis von
100 km um jede Abbaustelle die Verän-
derungen in der Bevölkerungsdichte.
Alle 14C-Daten aus diesen 100-km-Krei-
sen wurden zusammengestellt und sum-
miert, um ein relatives Auf und Ab in der
Bevölkerungsdichte festzustellen. Dahin-
ter steckt folgende Idee: Eine höhere Be-
völkerungszahl führt auch zu vermehrtem
archäologischem Fundaufkommen, oder
anders: Mehr Menschen hinterlassen mehr
Funde, diese werden eher gefunden und
häufiger datiert. Kurz: Mehr Radiokar-
bondaten bedeuten mehr Menschen. Die
Methode hat sich in den letzten Jahren im-
mer dann als zuverlässig erwiesen, wenn
sie auf große Datensätze angewandt und,
wie oben beschrieben, auf »Zufälligkeit«
getestet worden ist. Aus den 100-km-Krei-
sen um die Abbaustellen der Britischen In-
seln gingen für den Zeitraum von 6500 bis
1500 v. Chr. insgesamt über 7000 Radio-
kohlenstoffdaten (»Hinterland-Daten«) in
unsere Untersuchung ein.
Dann erfolgte eine modifizierte Form
des oben beschriebenen Tests, wobei die
Hinterland-Daten zur Erstellung einer Be-
völkerungskurve verwendet wurden. Von
dieser Bevölkerungskurve ist die tatsäch-
liche Kurve der Abbautätigkeit deutlich
(»signifikant«) verschieden, was bedeutet,
Da die 14C-Daten allerdings auch rein Bergbau in Grimes Graves, Gegen diesen riesigen Datensatz, der dass Schwankungen in der Abbautätigkeit
zufällig verteilt sein können und mögli- Norfolk: Am Ende der »den Zufall« simuliert, prüfen wir die tat- nicht einfach auf Schwankungen der Be-
Jungsteinzeit wurden dort
cherweise eben nicht das tatsächliche Ab- sächlichen Daten: Weichen die tatsächli- völkerungsgröße zurückgeführt werden
große Mengen Feuerstein
baugeschehen widerspiegeln, muss die gefördert. Das Bild zeigt chen von den simulierten Kurven sehr können.
Statistik überprüft werden. Der Grundge- einen tiefen Schacht mit stark (»hochsignifikant«) ab, dann sind
danke hinter dem Test ist einfach: Tau- Weitungen auf der Sohle. diese statistisch nicht zufällig. Diese Ab- Urbarmachung als Motor des Bedarfs
sende maschinell rein zufällig ausge- Das Tageslicht genügt zur weichungen können positiv sein – der Ver- Tatsächlich scheint es genau umgekehrt:
Arbeit. Als Gezähe dienen
wählter Daten aus unserer Sammlung und lauf der tatsächlichen Kurve ist deutlich Die Abbautätigkeit erreicht ihren Gipfel,
Geweihhacken, das Mate-
aus dem fraglichen Zeitbereich werden zu rial wird in Körben über höher als der der simulierten – oder ne- noch bevor die Bevölkerungsgröße ihre
Kurven summierter Wahrscheinlichkeits- Leitern zutage gefördert. gativ ausfallen – die tatsächliche Kurve ist erste Spitze erreicht. Eine einfache Erklä-
dichten zusammengefasst und überla- deutlich niedriger als die simulierte. rung für dieses verblüffende Ergebnis
gert. Diese Überlagerungen ergeben ei- Für die Britischen Inseln ließ sich so könnte sein, dass die produzierten Stein-
nen Wertebereich, den wir als zufällig be- zeigen, dass die Verteilung der Radiokoh- beilklingen dazu dienten, jene ackerbau-
zeichnen – wir haben so einen Datensatz lenstoffdaten aus den Bergwerken statis- lichen Flächen erst zu schaffen, die als
erzeugt bzw. »simuliert«, der rein zufällig tisch nicht zufällig ist – was aber hat die- Nutzflächen für die Nahrungsproduktion
und daher archäologisch bedeutungslos ist. se Verteilung, dieses Fundbild verursacht? den Bevölkerungsanstieg in der Folge er-

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Wir können also belegen, dass mit ge-


172 14C-Daten aus 14 Fundorten stiegener Rohmaterialversorgung für
mit 46 Schichten Steinbeilklingen in der Tat auch die offe-
in 1000 Simulationen ermittelter nen, von Gräsern geprägten Landschafts-
95%-Zufallsbereich, 5334 14C-Daten
teile zunahmen und darauf ein Bevölke-
rungsanstieg folgte.
Die hier vorgestellten Untersuchungen
haben gezeigt, dass zumindest auf den
Britischen Inseln die Veränderungen in
der Abbauintensität nicht zufällig sind
und nicht einfach von schwankenden
p = 0,021 Bevölkerungszahlen abhängen. Bergbau
und Rodung hingen zusammen, und die
Rodung ging dem Bevölkerungsanstieg
voran. Die Nachfrage nach Steinbeilklin-
gen entsprach der Nachfrage nach offe-
6000 v. Chr. 5000 v. Chr. 4000 v. Chr. 3000 v. Chr. 2000 v. Chr. nen und ackerbaulich nutzbaren Flächen:
Die frühen britischen Bergwerke waren ein
Mittel, den Landhunger der ersten Bauern
möglichten. Um dies zu testen, wurden Er- Es wurde geprüft, ob Rodungen für die Jungsteinzeitlicher Berg- Großbritanniens zu befriedigen. Einiges
gebnisse und Daten der archäobotani- jungsteinzeitliche Landwirtschaft in Groß- bau in Großbritannien. spricht dafür, dass diese Bauern aus Frank-
Die Kurve zeigt die Sum-
schen Forschung herangezogen. britannien mit verstärktem Abbau von reich einwanderten und von dort die tech-
me der 14C-Daten aus
Pollen sind die männlichen Keimzellen Steinen zur Beilklingenherstellung ein- den Abbaustellen, grau
nische Tradition des Bergbaus mitbrach-
der Blütenpflanzen, die sich in Böden, be- hergingen. Rodung bedeutet letztlich, hinterlegt ist der Be- ten.
sonders aber in Mooren und Seen über dass Bäume gefällt und durch andere reich, in dem 95% aller Die Dinge liegen anders in Frankreich,
Jahrtausende erhalten. Prinzipiell kann Pflanzen, etwa Gräser, ersetzt werden. Wir Datierungen zu erwar- Belgien und Westdeutschland: Hier be-
ten sind. Rot die Zeit-
man aus Pollen die Pflanzenart bestim- plotteten eine Kurve der Gräserpollen und trieb bereits zuvor eine bäuerliche Bevöl-
abschnitte mit mehr
men. In Bohrkernen wird der wechselnde verglichen diese – entsprechend den oben Abbau als erwartet, blau kerung Bergbau auf Grundlage lange be-
Pollengehalt in verschieden tiefen Erd- beschriebenen Methoden – mit den Ver- die mit weniger. kannter und genutzter Vorkommen. Wie
schichten untersucht. Bestimmte Pollen- änderungen bei Bevölkerungsdichte und genau dies geschah, bleibt eine spannen-
zusammensetzungen entsprechen auch Abbautätigkeit. Dabei ließ sich ein sehr de Forschungsfrage.
bestimmten gemeinsam wachsenden deutlicher (»signifikanter«) positiver Zu-
Pflanzen. Pollenzusammensetzungen spie- sammenhang zwischen Ausbreitung der
Info
geln also die schwankenden relativen Gräserpollen und Abbautätigkeit fest-
Häufigkeiten der verschiedenen Pflan- stellen. Signifikant ist auch der positive Mehr zum Projekt NEOMINE unter
zen über Jahrhunderte und Jahrtausende Zusammenhang zwischen Gräsern und www.ucl.ac.uk/ neomine (englisch).
wider, etwa Bäume oder Getreide. Bevölkerungsdichte.

Wir fördern
Schätze zu Tage.
NEBEN ETWA 18 MILLIONEN TONNEN
BRAUNKOHLE PRO JAHR.
Foto: Uwel Winkler

Im Tagebau Profen wurde das bislang reichste Frauengrab der frühen Römischen
Kaiserzeit im freien Germanien gefunden. MIBRAG gründete zur Förderung der www.mibrag.de
Archäologie in der Region in Sachsen-Anhalt und Sachsen jeweils eine Stiftung.

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Europa Körperkult bei den Wikingern

Tattoos, Turmschädel und gefeilte Zähne


Kein Fußballer ohne Tätowierung, kein Punk ohne Piercing – das ist te und häufig angeführte Beleg stammt von
nichts Neues unter der Sonne. Körpermodifikationen sind aus vielen dem arabischen Diplomaten Aḥmad ibn
Faḍlān aus dem ersten Viertel des 10. Jh.,
Kulturen bekannt. Forschungen der letzten Jahre zeigen, dass es der als Gesandter zu den Wolgabulgaren
vergleichbare Praktiken schon bei den Wikingern gab. reiste und dort ostskandinavischen Wi‐
kingern, den Rus, begegnete. Er beschreibt
deutlich beeindruckt die perfekten Körper
Von Matthias S. Toplak der Männer »hoch wie Palmbäume«, die
»von den Spitzen der Zehen bis zum Na‐

Z
u allen Zeiten versuchte der Mensch, cken mit dunkelgrünen Mustern bedeckt
durch sein Aussehen eine bestimm‐ sind«. Allerdings lässt sich diese Passage
te Identität nach außen zu vermit‐ nicht eindeutig übersetzen. Aus dem ara‐
teln. Zum Beispiel konnte eine besondere
Tracht – Kleidung oder Schmuckattribute –
die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv zum
Ausdruck bringen und von anderen Grup‐
pen abgrenzen. Oftmals entwickelten sich
diese konkreten Zeichen zu modischen
Statussymbolen einer sich als überlegen
fühlenden Gruppe und – sukzessive losge‐
löst von ihrer ursprünglichen Bedeutung –
zu einem rein ästhetischen Schönheits‐
ideal. Extreme Fälle stellen permanente
Eingriffe wie Tätowierungen oder Zier‐
Kunstgegenstand der
narben dar. Anders als Schmuck oder Wikingerzeit: Axt aus ei-
Trachtelemente lassen sich derartige Ver‐ nem dänischen Kammer-
änderungen am Körper nur unter be‐ wilden Nordmänner auch ihren Körper mit grab des späten 10. Jh. bischen Original geht nicht klar hervor,
stimmten Umständen im archäologischen aufwendigen Mustern tätowierten. Kon‐ mit kunstvollen Einlege- ob diese Muster tätowiert oder nur aufge‐
arbeiten im Mammen-
Befund fassen; entweder bei ausgezeich‐ krete Belege für diese Annahme sind je‐ malt waren, da dasselbe arabische Wort
Stil.
neter Erhaltung von organischer Substanz, doch kaum zu finden. auch für Wandbemalungen verwendet
wie bei den Tätowierungen skythischer Tätowierungen lassen sich in Europa wird. Ibn Faḍlān wertete diese Körper‐
Mumien, oder wenn Knochen‐ oder Zahn‐ spätestens ab dem Neolithikum vor über verzierung jedoch als »un‐islamisch«, was
Wikingerzeitliche Täto-
struktur verändert wurde. Neueren Be‐ 5000 Jahren nachweisen. Berühmtester wiederum zu echten Tätowierungen pas‐
wiernadel? Eisernes Ob-
funden zufolge sind auch in der skandina‐ und zusammen mit zwei neuen Funden aus sen würde, da diese bei koptischen Chris‐
jekt aus einem Grab des
vischen Wikingerzeit einige Körpermodi‐ Oberägypten ältester Beleg ist die Glet‐ berühmten Bootsgräber- ten heute noch als Abgrenzung zum Islam
fikationen nachzuweisen. schermumie »Ötzi« vom Hauslabjoch in felds von Vendel. üblich sind.
Südtirol. In der klassischen Antike waren Zwei weitere historische Quellen bele‐
Tätowierte Wikinger? Tätowierungen zur Markierung von Skla‐ gen zumindest, dass Tätowierungen bei
Das populäre, medial vermittelte Bild ven oder Kriminellen bei Römern und Grie‐ einigen Völkern in Europa im Frühmittel‐
wie etwa in der Serie Vikings zeigt zumeist chen üblich, freiwillige Tätowierungen als alter bekannt waren. Papst Hadrian verbot
einen wilden Krieger mit langen Haaren, ästhetisch empfundener Körperschmuck – im 8. Jh. in einer Bulle den heidnischen
Bart und oftmals auch kunstvollen Täto‐ wie einige ausgezeichnet erhaltene »Eis‐ Brauch der Tätowierung in Britannien.
wierungen, die wie selbstverständlich als mumien« aus Kammergräbern des 5. Jh. Vermutlich bezog er sich, ebenso wie Isi‐
elementare Aspekte eines wikingischen v. Chr. im Altai‐Gebirge für die skythische dor von Sevilla ein Jahrhundert zuvor, auf
Schönheitsideales wahrgenommen wer‐ Kultur belegen – wurden von Römern und die keltischen Pikten, deren Stammesname
den. Aufgrund der Neigung, selbst Alltags‐ Griechen als barbarisch und unzivilisiert bereits auf Tätowierungen oder Bemalun‐
gegenstände wie Löffel oder Essschalen empfunden. gen des Körpers hinweist.
mit kunstvollen Verzierungen zu schmü‐ Archäologisch lässt sich hingegen nur
cken, und der enormen Bedeutung, welche Bemalte Krieger, wenig als Beleg anführen. Ein kammartiges
die verschiedenen Kunststile der skandi‐ hoch wie Palmbäume Eisenobjekt aus einer wikingerzeitlichen
navischen Wikingerzeit offensichtlich für Mögliche Hinweise für Tätowierungen in Bestattung auf dem Gräberfeld von Vendel
die damalige Gesellschaft hatten, fällt es Skandinavien zwischen dem 8. bis 11. Jh. in Schweden wird unter Vorbehalt als Tä‐
nicht schwer, sich vorzustellen, dass die sind dagegen rar. Der vielversprechends‐ towiernadel interpretiert, eine Deutung,

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Kleine Statuette aus Rällinge, die Betreiber moderner Tattoo‐Studios


mutmaßlich der altnordische nicht unbedingt teilen. Auf der Rückseite
Gott Freyr. Die Muster auf der
einer kleinen Figurine aus dem schwedi‐
Rückseite erinnern an Täto-
wierungen. schen Rällinge, die als Darstellung des alt‐
nordischen Gottes Freyr gedeutet wird,
sind Muster eingeritzt, die als Tätowie‐
rungen gesehen werden, ebenso gut aber
auch nur einfache Verzierungen sein könn‐
ten. Leichen mit Tätowierungen, wie bei
einigen Mumien aus Grönland aus dem
15. Jh., sind aus der skandinavischen Wi‐
kingerzeit nicht bekannt, was aber alleine
schon der schlechten Erhaltung von orga‐
nischem Gewebe im nordischen Klima
geschuldet sein dürfte.

Gefeiltes Grinsen
Eine ebenso permanente, aber weitaus un‐
gewöhnlichere Form der wikingerzeitli‐
chen Körpermodifikation ist erst seit eini‐
gen Jahren bekannt. Bei etwa hundert
Männern, hauptsächlich von der schwedi‐
schen Insel Gotland, waren horizontale
Riefen in die Schneidezähne gefeilt. Das
Feilen der Zähne ist in vielen Kulturkrei‐
sen, z. B. in Afrika oder Südostasien, eine
übliche Form des Initiationsritus, aus der
skandinavischen Wikingerzeit wie gene‐
rell aus Europa waren jedoch lange keine
vergleichbaren Fälle bekannt. Für dieses
Phänomen wurden bisher verschiedene
Deutungsansätze vorgebracht: als Mar‐
kierung von Sklaven, für ein besonders
grimmiges, kriegerisches Aussehen oder
als Erkennungsmerkmal früher Handels‐
gilden. Sicher erscheint zumindest, dass
die gefeilten Stellen, zumeist auf den
Schneidezähnen des Oberkiefers, unter
Oberlippe und Bart nur sehr eingeschränkt
sichtbar waren, selbst wenn man sie mit
einer dunklen Paste beispielsweise aus
Ruß einfärbte. Demnach mussten sie ganz
bewusst von ihrem Träger gezeigt werden,
was es ermöglichte, sie für Initiationsri‐
ten und als konspiratives Identifikations‐
merkmal eines geschlossenen Verbundes
zu nutzen. Eine Funktion als modischer
oder ästhetischer Körperschmuck ist da‐
gegen eher unwahrscheinlich. Da die gro‐
ße Mehrheit der Zahnfeilungen bisher aus
Männergräbern bekannt ist, die keinerlei
Hinweise auf kriegerische Aktivitäten der
Bestatteten liefern, ist beim aktuellen For‐
schungsstand anzunehmen, dass die Fei‐
lungen Schiffsgemeinschaften oder Han‐
delsverbände, ähnlich späterer Gilden,
kennzeichneten.

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Europa Körperkult bei den Wikingern

Hunnischer Einfluss im Horizontal eingefeilte ten. Mit dem Vordringen der Hunnen nach Zudem lassen sich mehrere Fälle künst‐
hohen Norden? Riefen an den Schneide- Europa Ende des 4. Jh. als Auftakt der Völ‐ lich deformierter Schädel aus dem Zeit‐
zähnen eines Mannes
Die vermutlich extremste Form von Kör‐ kerwanderung verbreiteten sich Turm‐ raum um das 10./ 11. Jh. aus Ost‐ und Süd‐
aus Gotland.
permodifikationen in der Wikingerzeit aber schädel – vermutlich assoziiert mit der osteuropa nachweisen; ein deformierter
ist über ein Jahrhundert weitestgehend Vormachtstellung der Hunnen und als mo‐ Frauenschädel wurde auf einem Gräber‐
ignoriert worden. Auf drei weit voneinan‐ disches Statussymbol – auch unter den ger‐ feld des bedeutsamen Handelsplatzes von
der entfernt liegenden Gräberfeldern der manischen Stämmen in Mitteleuropa. So Wolin im heutigen Polen gefunden und
schwedischen Insel Gotland waren drei wurden im 5. und frühen 6. Jh. auf einer kann in die Mitte des 11. Jh. datiert werden,
erwachsene Frauen mit typisch gotländi‐ Reihe von Gräberfeldern Frauen mit de‐ ebenso ein Kinderschädel aus der Slowa‐
Schneidezahn eines
scher Tracht bestattet worden, deren Köp‐ formierten Schädeln bestattet. Mit dem kei. Aus Bulgarien sind eine Reihe defor‐
Mannes mit mehreren
fe zu so genannten Turmschädeln defor‐ Feilungen von der Insel Niedergang des Hunnenreiches im Laufe mierter Frauen‐ und Männerschädel von
miert waren. Dazu wurden die noch elasti‐ Öland. des 6. Jh. endete in Mitteleuropa auch suk‐ protobulgarischen Gräberfeldern des 8./
schen Schädelknochen von kleinen Kindern zessive die Sitte der Schädeldeformierung. 9. Jh. bekannt, vereinzelte Funde datieren
in den ersten ein bis zwei Lebensjahren Trotz der Lage zwischen anderen wi‐ bis in das 11. Jh. Und auch im mittelasiati‐
durch eine zirkulär um den Kopf umlau‐ kingerzeitlichen Bestattungen wurden die schen Raum – Choresmien südlich des
fende Bandage so geformt, dass der Kopf ei‐ drei Frauen von Gotland aufgrund ihrer de‐ Aral‐Sees – kennt man die Sitte der künst‐
ne langgezogene, eiförmige Gestalt annahm. formierten Schädel in das 6. Jh. datiert und lichen Schädeldeformation mittels um‐
Der Brauch, den Kopf zu deformieren, als merowingerzeitliche Langobardinnen laufender Bandagen aus den literarisch‐
breitete sich vom neolithischen Vorder‐ interpretiert – entsprechend der gängigen geografischen Werken mehrerer arabi‐
asien in den Kaukasus und nach Zentral‐ Forschungsmeinung, wonach die Sitte der scher Reisender des 10. und 12. Jh.
asien aus, wo er um Christi Geburt zu ei‐ Turmschädel in Europa mit dem Übergang
nem Charakteristikum der frühen hunni‐ von Spätantike zum Frühmittelalter en‐ Frauen aus dem Osten?
schen Kengol‐Gruppe wurde. In Europa dete. Eine genauere Untersuchung der Be‐ Die neuesten naturwissenschaftlichen Un‐
finden sich Schädeldeformationen bereits stattungen und Trachtbeigaben – bei zwei tersuchungen zur Herkunft der Turm‐
ab dem 2./ 3. Jh. auf Gräberfeldern in Un‐ Frauen reiche Fibel‐ und Schmuckgarni‐ schädel aus bajuwarischen Gräberfeldern
garn und Rumänien, beeinflusst von sar‐ turen – sowie der Kontext der Gräberfel‐ der Völkerwanderungszeit deuten auf eine
matisch‐alanischen Stämmen, welche die der zeigen jedoch eindeutig, dass alle drei fremde Herkunft der Frauen aus dem süd‐
Sitte der Schädeldeformationen vermut‐ in der zweiten Hälfte des 11. Jh. angelegt osteuropäischen Raum hin, obwohl sie
lich von den Hunnen übernommen hat‐ worden sein müssen. nach hiesigen Bestattungssitten und in lo‐

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Populäre Ideen und Wirklichkeit


Veränderungen am Körper zur Inszenie‐
rung oder Präsentation einer bestimmten
kulturellen, sozialen oder auch religiösen
Identität bzw. schlicht als ästhetisch emp‐
fundener Körperschmuck waren somit
vereinzelt auch in der Wikingerzeit üblich.
Jedoch ergeben die sukzessive ans Licht
kommenden archäologischen Befunde ein
ganz anderes Bild, als zu erwarten wäre.
Die medial schon fest mit der populären
Vorstellung des wilden Wikingerkriegers
assoziierten Tätowierungen können zwar
als wahrscheinlich angenommen, aber
nicht zweifelsfrei belegt werden. Statt‐
dessen lassen sich zwei unerwartete For‐
men von Körpermodifikationen nachwei‐
sen. Die Sitte der Schädeldeformation
gelangte durch einzelne Frauen mit Turm‐
schädeln vermutlich aus dem südosteuro‐
päischen Raum nach Norden, wurde dort
aber wohl nicht aktiv betrieben. Gefeilte
Grab einer jungen Frau Zähne hingegen sind bisher ohne Paralle‐
mit deformiertem Schä-
len im restlichen Europa und müssen beim
del aus dem Gräberfeld
von Ire, Kirchspiel Hellvi,
gegenwärtigen Forschungsstand als ei‐
Gotland, während der genständige Entwicklung der skandinavi‐
Ausgrabungen 1941. schen Wikingerzeit gewertet werden.

kaler Tracht beigesetzt worden waren. Da‐ Skandinavien und besonders Gotland in

Alama
von ausgehend erscheint es naheliegend, die osteuropäischen Gebiete und bis hi‐
dass auch die drei Frauen mit Turmschä‐ nunter ans Schwarze und Kaspische Meer
deln von Gotland möglicherweise aus dem sind für die Wikingerzeit durch archäolo‐
Turmschädel einer etwa
südosteuropäischen oder mittelasiati‐ gische Funde wie auch historische Quellen
55 bis 60 Jahre alten
schen Raum nach Norden zugewandert gut belegt.
Frau aus dem Gräberfeld
waren. Enge Handelsverbindungen von von Havor, Kirchspiel
Hablingbo, Gotland.
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Europa Alesia – Ort der Entscheidung

Caesar vs. Vercingetorix


Nahe der Gemeinde Alise-Sainte-Reine in Burgund kam es im Jahr 52 v. Chr. arbeiteten die römischen Truppen an die‐
zur entscheidenden Schlacht: Römische Truppen unter Julius Caesar und sen beiden gewaltigen Belagerungsringen,
die überdies mit weiteren Annäherungs‐
gallische Kämpfer, geführt von Vercingetorix, trafen aufeinander. Ein Museums- hindernissen versehen waren. Direkt ne‐
park lässt die Geschehnisse lebendig werden. ben dem Museum findet sich eine sehens‐
werte Rekonstruktion dieser Anlage.
Die interaktive Dauerausstellung be‐
Von Peter Kracht leuchtet nicht nur die Schlacht von Alesia,
sondern zeichnet mittels Karten, Filmen,

I
m Jahr 2012 wurde der MuséoParc Alé‐ Dioramen und Modellen die gesamte Ge‐
sia eröffnet. Der Schweizer Architekt schichte des Gallischen Krieges der Jahre
Bernard Tschumi schuf das ungewöhn‐ 58 bis 51 v. Chr. nach. So zeigen Nachbil‐
liche Gebäude: Es ist 16 m hoch, hat drei dungen und Originalfunde die Ausrüstung
Stockwerke und einen Durchmesser von der gallischen und römischen Truppen. Die
52 m, eine Fläche von 6650 m2 – und es ist Ausstellung setzt auf Inszenierung und
kreisrund! Diese Form versinnbildlicht die empfängt den Besucher gleich mit einer
Einkreisung der gallischen Truppen im Op‐ martialischen Schlachtszene: Römer gegen
pidum auf dem Mont Auxois. Die verglas‐ Gallier! Zitate aus dem »Gallischen Krieg«
te Fassade sorgt dafür, dass der Besucher bringen das Geschehen jener Jahre nahe –
immer Kontakt zur Landschaft hat. Einge‐ wiewohl, das darf man nicht vergessen,
rahmt wird das Gebäude durch eine zwei‐ lediglich aus Sicht des Siegers …
te Haut aus Lärchenholz: Sie steht gleich‐
sam für das römische Belagerungs‐ und Von der Geschichte zum Mythos
Befestigungswesen. Die Dachterrasse ist Kaiser Napoleon III., Geschichts‐ und Ar‐
mit Eichen und Birken bepflanzt und bie‐ chäologiefreund, initiierte Mitte des 19. Jh.
tet einen weiten Ausblick über das antike die ersten Ausgrabungen auf dem Mont
Schlachtfeld. Die Römer umschlossen Alesia mit einer Der Besucher steht Auxois und sorgte damit für die Wieder‐
etwa 15 km langen Anlage aus Gräben und gleich zu Beginn der entdeckung der Person des Vercingetorix –
Ausstellung mitten
Gewaltige Belagerungsringe einem Wall. Da Caesar mit dem Angriff ei‐ der schließlich zum »Werbeträger« für
im Kampfgetümmel.
Caesar beschreibt in seinem Bericht über nes gallischen Entsatzheeres rechnen muss‐ Schokolade und Zigaretten herhalten
den Gallischen Krieg akribisch die einzel‐ te – und tatsächlich kamen gallische Trup‐ musste, und unbestritten sind ja auch As‐
nen Phasen der Belagerung des vom galli‐ pen Vercingetorix zu Hilfe – befahl er den terix, der pfiffige Gallier, und sein Freund,
schen Stamm der Mandubier bewohnten Bau einer zweiten Wall‐Graben‐Anlage, die der Hinkelsteinträger Obelix, in den My‐
Anschaulich erläutert:
Oppidums Alesia, in das sich Vercingetorix mehr als 20 km lang und mit der Front Ausrüstung und Waffen thos um Vercingetorix eingebunden.
mit seinen Truppen zurückgezogen hatte. nach außen gerichtet war. Tag und Nacht der beteiligten Truppen. Wir wissen nicht, wie lange sich die
Belagerung und die Kämpfe um Alesia hin‐
zogen. Zwei Monate dürften realistisch
sein. Wir wissen auch nicht, wie viele Men‐
schen hier ihr Leben ließen, auf dem
Schlachtfeld oder als Herumirrende im
»Niemandsland«. Vercingetorix hatte, um
die wenigen Lebensmittelvorräte für sei‐
ne Truppe zu schonen, Kinder, Frauen und
Alte im wahrsten Sinne des Wortes vor
die Tür des geschützten Oppidums gesetzt,
wohl in der Hoffnung, die Römer würden
die Zivilisten mit Nahrungsmitteln ver‐
sorgen. Doch das taten die Römer nicht –
viele der Vertriebenen kamen elendig zu
Tode.
Über das Ende der Belagerung von Ale‐
sia berichtet Caesar in dürren Worten (Bel‐
lum Gallicum 7,89): »Caesar befahl ihnen

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(den Eingeschlossenen), die Waffen abzu‐ genen erhielt jeder Soldat im ganzen Heer Außergewöhnlich in
Info zum MuséoParc
liefern, und die Fürsten vorzuführen. Er einen Mann als Kriegsbeute.« jeder Hinsicht: Das
Museum von Alesia. MuséoParc Alésia
selbst nahm seinen Sitz vor dem Lager in‐ Das traurige Ende des gallischen Hel‐
1 route des Trois Ormeaux
nerhalb der Verschanzungslinie, dort wur‐ den ließ noch lange auf sich warten: Er
Rekonstruktion an Ort F-21150 Alise-Sainte-Reine
den ihm die Befehlshaber vorgeführt, Ver‐ wurde in Rom sechs Jahre lang eingeker‐
und Stelle: Caesar hatte www.alesia.com
cingetorix übergeben, die Waffen nieder‐ kert, ehe er 46 v. Chr. in Caesars Triumph‐ contact@alesia.com
das Oppidum ringförmig
gelegt. Die Häduer und Arverner behielt zug mitgeführt und wohl direkt anschlie‐ durch Wall und Graben
Caesar zurück, … von den übrigen Gefan‐ ßend erdrosselt wurde. einschließen lassen.
Mont Auxois
Etwa 2 km vom MuséoParc entfernt liegt auf
dem Mont Auxois das Oppidum Alesia. Ale-
sia war der Hauptort der Mandubier, eines
mit den Häduern verbündeten gallischen
Volksstamms. Der Ort ist nach der Schlacht
des Jahres 52 v. Chr. nicht zerstört worden,
sondern entwickelte sich zu einer gallo-
römischen Stadt. Heute finden sich Reste
steinerner Wohngebäude, befestigte Stra-
ßen, die einst von Säulengängen begleitet
wurden, dazu Tempel, eine Basilika, das
Forum, Werkstätten von Handwerkern und
ein Theater, das ins späte 1. Jh. n. Chr. datiert.
Es bot etwa 5000 Zuschauern Platz, ein
deutliches Indiz für die Größe des Ortes.
Soweit ersichtlich, wurde Alesia bis zum
Ende des 5. Jh. bewohnt, danach verfielen
die Gebäude allmählich. Steinraub wird sei-
nen Teil beigetragen haben.

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Report Kloster Wedinghausen

Altenteil und Grablege der Grafen von Arnsberg


Sanierungsarbeiten am Kloster Wedinghausen führten aktuell zu bemerkens- chen Blütephase ab Mitte des 17. Jh. grund‐
werten Entdeckungen: Für Aufmerksamkeit sorgte die Grafengruft mit selte- legende Umbauten erfolgten. Neben Tei‐
len der Klosterkirche beschränkt sich die
nen Wandmalereien, aber auch eine gut erhaltene Luftheizung, die europaweit alte Bausubstanz auf den östlichen und
zu den ältesten Vertretern ihres Typs zählt. westlichen Kreuzgang. Ein nach der Säku‐
larisation 1803 erstellter Plan zeigt im‐
merhin die barock überprägte Bausituati‐
Von Wolfram Essling-Wintzer on von Klausur und Kirche mit dem im
19. Jh. abgerissenen nördlichen Kreuz‐

G
egründet wurde das Prämonstra‐ hier bestatten. Wedinghausen kann als gangflügel.
tenserkloster Wedinghausen im Hauskloster der Grafen von Arnsberg gel‐ Eine günstige Gelegenheit, Licht in das
sauerländischen Arnsberg 1173 ten. Aufgrund eines Brandes 1210 und des Dunkel der Klostergeschichte zu bringen,
von Graf Heinrich I. von Arnsberg. Im Jah‐ anschließenden Wiederaufbaus, der mut‐ boten die seit einigen Jahren und aktuell
re 1185 dankte der Stifter zugunsten sei‐ maßlich mit der Weihe des Kirchenchores noch laufenden Sanierungsarbeiten am
ner Söhne ab und trat als Laienmönch dem 1254 seinen Abschluss fand, ist nichts über Ostflügel, die dank des großen Engage‐
Konvent bei. Auch Heinrichs Nachfahren Größe und Gestalt der von Heinrich ge‐ ments von Kirchengemeinde, Bistum
bedachten das Kloster mit reichen Schen‐ gründeten Klosteranlage bekannt. Auch Paderborn, Deutscher Stiftung Denkmal‐
kungen und ließen sich wie bereits der von der Bausubstanz des 13. Jh. ist nur we‐ schutz, Landschaftsverband Westfalen‐
Gründer nach seinem Tod im Jahr 1200 nig überliefert, da nach einer wirtschaftli‐ Lippe (LWL) sowie Arnsberger Heimat‐
bund e.V. und privaten Sponsoren be‐
Östliche Stirnwand der werkstelligt werden können. Hand in Hand
Gruft mit Kreuzigungs- arbeiten die unter dem Dach des LWL ver‐
szene: die einzige mit
einten Denkmalpfleger, Archäologen,
Malerei verzierte Grab-
kammer Westfalens.
Kunsthistoriker, Bauforscher und Restau‐
ratoren, um dem hochwertigen Bau‐ und
Bodendenkmal gerecht zu werden.
Oberflächlich zeugen im Kloster kaum
noch Spuren von der Gründerzeit: Der ba‐
rockzeitliche Umbau mit Erneuerung des
Fußbodens und jüngere Eingriffe haben
zum vollständigen Verlust mittelalter‐
licher Oberflächen geführt. Tiefreichende
Fundamente sind nicht anzutreffen, da
überall der Fels ansteht. Umso bemer‐
kenswerter war die Aufdeckung zweier
unerwartet gut erhaltener Befunde im
Inneren des Ostflügels: die gräfliche Grab‐
lege und umfangreiche Überreste einer
Luftheizung.

Bilder für die Ewigkeit


Über die einschneidenden Geschehnisse
nach der Auflösung des Klosters berichten
Zeitgenossen. Zwecks Umnutzung des ehe‐
maligen Kapitelsaals als Schulraum wurde
das Hochgrab Heinrichs II. und seiner Ge‐
mahlin Ermengardis im Frühjahr 1804 ab‐
gebaut. Unter der Tumba, so die Augen‐
zeugen, fand man ein »ausgemauertes
Grab, dessen Wände mit Mahlereien ver‐
ziert waren, in dessen Tiefe ein steinerner,
mit einem Gipsüberguss geschlossener
Sarkophag stand, welcher bloß die Gebei‐

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ne, einen verstümmelten und zwei ganze Noch weitaus folgenschwerer als die Südlich der Arnsberger ebenfalls abgebrochen sind. Vollständig
wohl erhaltene Schädel enthielt (…)«. Plünderung war der Einbau eines Pfeilers, Altstadt thront hoch zerstört hatte man die westliche Stirn‐
über der Ruhr das Kloster
Die Knochen wurden in einer Metall‐ bei dessen Fundamentlegung große Teile wand und den Boden der Grabkammer. Die
Wedinghausen auf einem
kiste gesammelt und gemeinsam mit dem der Gruft abgebrochen wurden. Erhalten Bergrücken in einer Fluss- Verluste sind umso bedauerlicher, als sich
Sarkophag in der Tumba geborgen, die sind neben der östlichen Stirnwand Teile schleife. auf den erhaltenen, vollständig verputzten
man in der Klosterkirche (Probsteikirche) beider Längsseiten, wobei die oberen Wandfragmenten neben Rankenmalerei‐
wieder aufbaute. Steinlagen mit einer Höhe von ca. 0,3 m en auch figürliche Darstellungen finden.
Die östliche Stirnwand zeigt eine Kreuzi‐
gungsszene mit Maria und dem Apostel Jo‐
hannes, auf den beiden Längswänden ver‐
weisen Reste von Gewändern auf Heili‐
gendarstellungen oder Engel. Ritzlinien
deuten auf Vorzeichnungen für die al fres‐
co auf den noch feuchten Putz aufge‐
brachten und teilweise pastösen Malerei‐
en, deren Frische und Leuchtkraft faszi‐
nieren. Stilistisch datieren die Werke zwi‐
schen 1320 und 1340. Für die Liegefiguren

Bis 1804 stand über der Gruft im


Kapitelsaal das Hochgrab mit
den Liegefiguren Heinrichs II. und
seiner Gemahlin Ermengardis.

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Report Kloster Wedinghausen

des ehemals über der Gruft stehenden


Hochgrabs ist eine Entstehung um 1330
anzunehmen. Da die gemauerte Gruft kei‐
nerlei Befunde aufweist, die eine Mehr‐
phasigkeit andeuten könnten, müssen
Grabkammer und Tumba samt Liegefigu‐
ren zeitgleich entstanden sein.

Seltene Malereien
Mit der Arnsberger Grafengruft liegt das
einzige bislang bekannte westfälische
Exemplar einer mit Malerei verzierten
Grabkammer vor. Europaweit sind neben
zwei Bischofsgräbern in Lübeck (Dom,
1334/35– 1341) und Bonn (Münster, 1332)
vor allem flandrische Vertreter aus der
Umgebung von Brügge und Utrecht über‐
liefert. Der kunsthistorischen Forschung
zufolge hat sich dieser Typus eben dort, in
Flandern, herausgebildet; die ältesten Ver‐
treter finden sich ab 1270 in Brügge (No‐
tre Dame). Die Bildprogramme beschrän‐
ken sich auf wenige Motive: An den Schmal‐
seiten finden sich Kreuzigungsszenen oder
Darstellungen der Jungfrau mit Kind, an
den Längswänden Engel mit Kerzen, Weih‐
rauchfässern, Marterwerkzeugen oder Ins‐
trumenten sowie Heilige.
Eine Erklärung für die spätmittelalter‐
lichen Grabmalereien im fernen Arnsberg
bieten die verwandtschaftlichen Verhält‐
nisse des Grafenhauses: Der Vater Hein‐
richs I. war Gottfried von Cuyk, ursprüng‐
lich Burggraf von Utrecht und seit etwa
1130 Graf von Arnsberg. Graf Wilhelm von
Arnsberg (reg. 1313– 1338) war mit Bea‐
trix von Cuyk‐Rietberg verheiratet. So ging Bemalte Gräber im Chor wir, dass auch dessen Eltern Gottfried von schen Stiftung Denkmalschutz geförderter
die Neuanlage des Grafengrabs vermutlich der Kirche Notre-Dame Cuyk und Ida von Arnsberg hier bestattet DNA‐Analysen sollte sich klären lassen, ob
in Brügge. Flandern ist
auf die Initiative eben jener Beatrix zurück, waren. Demnach diente die Klostergrün‐ die drei Schädel verwandtschaftliche Be‐
die Heimat dieser Sitte.
der daran gelegen sein musste, die Stamm‐ dung vornehmlich der Fürsorge um das ei‐ ziehungen untereinander aufweisen und
eltern der Rietberger Grafen durch ein re‐ gene Seelenheil wie auch dessen seiner welchem Geschlecht sie angehören. Han‐
präsentatives Grabmal zu ehren. Vorfahren und gleichzeitig der Bedeutungs‐ delt es sich um zwei männliche Individuen
Grundsätzlich stellt sich Beatrix damit steigerung der dynastischen Grablege. mit gemeinsamem Erbgut und einen weib‐
in eine lange Tradition, deren gemeinsa‐ Heinrich II., der sich durch reiche Schen‐ lichen Schädel, läge eine Identifizierung
mes Bestreben es war, die Grablege auf‐ kungen an das Kloster hervortat und in der Heinrichs I., seines Sohnes sowie dessen
zuwerten. Es ist nämlich allenfalls nur die Folge als »fundator et filius fundatoris« Gemahlin Ermengardis nahe. Bliebe zu klä‐
halbe Wahrheit, wenn Quellen des 13. Jh. galt, ließ sich ebenfalls hier bestatten. Sein ren, ob sich unter der vermutlich kurz vor
die Klostergründung als Sühnestiftung Sohn Konrad I. von Arnsberg‐Rietberg 1328 angelegten Gruft Reste einer älteren
Heinrichs I. für dessen Mitschuld am Tode wiederum stiftete 1275 einen Kapellen‐ Grablege befinden – Indizien dafür gibt es.
seines Bruders beschreiben. Tatsächlich anbau vor dem Kapitelsaal. In der axial
gründet Heinrich I. das Kloster auf dem auf die Grablege bezogenen Kapelle wur‐ Komfort im Kloster
Grund des gräflichen Haupthofes Weding‐ den Gedenkmessen zelebriert. Von ganz anderem Charakter ist ein Be‐
hausen, der einer sicheren Quelle zufolge Die bei der Plünderung des Grabes 1804 fund, dessen häufiges Auftreten in Klöstern
bereits Begräbnisstätte seines Großvaters geborgenen Gebeine, die sich ebenso wie der symptomatisch ist: Luftheizungen wurden
Friedrich d. Streitbaren von Arnsberg oben erwähnte Sarkophag noch im Hoch‐ nach heutigem Kenntnisstand im Umfeld
(gest. 1092) war. Aus gleicher Quelle, einer grab befinden, sollen demnächst näher un‐ der Ordensgemeinschaften entwickelt, die
Bittschrift Heinrichs I. von 1173, wissen tersucht werden. Mittels von der Deut‐ dazu antike Unterflurheizungen rezipier‐

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ten. Den Kern dieser Anlagen bildet der


Ofen, den man unter den zu beheizenden
Räumen einbaute. In Wedinghausen stemm‐
te man dazu in der Südostecke des Ost‐
flügels einen 3,1 m × 2,5 m großen recht‐
eckigen Raum aus dem anstehenden Schie‐
fergestein. Bei der Wahl des Baumaterials
berücksichtigte man die hohen Tempera‐
turen: Die gegen den Fels gesetzten Au‐
ßenmauern wurden aus Bruchsteinen auf‐
geschichtet, für die 0,3 m hohen Bankette
verwendete man Backsteine und Back‐
steinfliesen, die in Lehm versetzt wurden.
Die Sohle des 2,3 m langen und 0,6 m brei‐
ten Feuerungskanals legte man mit Geröl‐
len aus der Ruhr aus. Zentimeterdicke
Rußablagerungen sprechen für eine mehr‐
jährige Nutzung der Anlage. Zahlreiche
durch die Hitze spröde gewordene und
rußgeschwärzte Gerölle, die verstürzt im
Feuerungskanal und auf den Banketten la‐
gen, sind Indiz für die besonders effizien‐ mutlich ins Calefactorium oder wie in Rekonstruktion der luke sowie der Ansatz einer Maueraus‐
te Steinspeicher‐Luftheizung. Dieser Typ Wedinghausen auch ins Scriptorium. Luftheizung. sparung erhalten, die auf einen hier auf‐
wurde nach älterer Forschungsmeinung Über einen Anbau vor der Ostwand des geführten Rauchzug zurückzuführen ist.
erst im späten Mittelalter entwickelt und Ostflügels erfolgte die Beschickung des Der Kanal leitete die Rauchgase aus dem
nutzte Steine als Speichermedium. Sie Ofens. Von Süden her führte eine sechs‐ Ofengewölbe und durch die besagte Luke,
wurden auf Gewölberippen, die den Feue‐ stufig erhaltene Treppe in einen mindes‐ deren sorgfältig aus Werkstein gefügtes
rungskanal überspannten, aufgeschichtet tens 1,8 m tief gelegenen, ca. 2,0 m × 1,3 m Gewände einen Falz für eine Klappe auf‐
und durch die Heizgase erhitzt. Nach Aus‐ großen Vorraum. Durch eine mit Stich‐ weist, zum Kamin. Nach Ausbrennen des
brennen des Feuers und Schließen der kappe überwölbte Türöffnung unter der Feuers konnte die Klappe geschlossen
Rauchgasabzüge wurde Frischluft in den Ostwand des Ostflügels gelangte man in werden, sodass die im Ofengewölbe er‐
Blick auf den Ofen der
Ofen geleitet, die sich im mit Steinen ge‐ den unmittelbar vor der Ofenluke liegen‐ wärmte Frischluft nur in den zu beheizen‐
Luftheizung, nachdem
füllten Ofengewölbe erwärmte und über den Arbeitsraum, der eine Grundfläche den Raum entwich. Dass sich diese Be‐
das verstürzte Geröll
verschließbare Öffnungen im Fußboden in von nur knapp 1 m2 besaß. In dessen Nord‐ des Steinspeichers ent- standteile des Rauchgasabzugs erhalten
den zu beheizenden Raum austrat, ver‐ wand haben sich ein Kanal samt Austritts‐ fernt war. haben, ist als seltener Glücksfall zu werten.
Bei den meisten uns bekannten Lufthei‐
zungen des Mittelalters fehlen entspre‐
chende Befunde.
Aus den Verfüllschichten im Ofen und
Vorraum stammt Fundmaterial, dessen
ungeriefte Kugeltopfwaren mit steilen
Rändern ins 12. Jh. datieren; die jüngsten
Stücke mit Protosteinzeug sind dem 13. Jh.
zuzuweisen. Im Lauf des 13. Jh. wurde die
Anlage vermutlich aufgegeben. Ob dies mit
dem für das Jahr 1210 überlieferten Brand
des Klosters zusammenhing, lässt sich
derzeit nicht sicher sagen.
Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass
die Luftheizung zum Gründungsbau aus
den Jahren um 1170 gehörte. Vielleicht
hatte der Stifter Graf Heinrich I. seinen spä‐
teren Beitritt zum Konvent als Laie schon
von Anfang an geplant. Seine Sorge hätte
demnach nicht nur dem Seelenheil, son‐
dern auch dem Wohlergehen des Körpers
in gut temperiertem Ambiente gegolten.

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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Baden-Württemberg
Regierungspräsidium Stuttgart
Landesamt für Denkmalpflege
Berliner Straße 12
73728 Esslingen
Tel. 0711 90445-151, Fax 0711 90445-444
AiD-Korrespondentin: Dr. Andrea Bräuning
andrea.braeuning@rps.bwl.de

Brot für die Stauferstadt


Im staufischen Kern von Schwäbisch Gmünd
fanden von Februar bis April diesen Jah-
res Rettungsgrabungen auf einer nur
60 m2 großen Fläche statt. Die ältesten
Befunde datieren möglicherweise noch in
das 12. Jh.: Pfostengruben, Stellen zur Lehm-
entnahme und ein Ziehbrunnen. Bereits
bei diesem Horizont überschneiden sich
viele Gruben und zeigen mindestens zwei
Nutzungsphasen an. Die Befunde wur-
den zum Teil später als Abfallgruben ver-
wendet; in die Brunnenverfüllung hat man Backwaren versorgt haben. Er liegt in Schwäbisch Gmünd. Umbauten. Von einer ersten Anlage fand
eine Grube eingetieft, möglicherweise der Schichten, die mittels zweier silberner Ofen des 13. Jh. im sich die Ausbruchsgrube einer halbrunden
Mohrengässle zum
Überrest eines kleinen Ofens. Handheller aus Schwäbisch Hall frühes- Apside. Über diese wurde ein Rechteckbau
Brotbacken.
Darüber wurde ein Lehmestrichboden tens in das 13. Jh. datiert werden können. aus sorgfältig gesetzten Lettenkeuper-
aufgetragen, auf dem neue Bauten ent- Aus Urkunden geht hervor, dass der Er- sandsteinen errichtet mit einem heiz-
standen. Hierzu gehörte ein rundlicher werb einer Backlizenz relativ schwierig baren Warmwasserbecken in einer Nische.
Backofen, dessen Sockel aus Kalksteinen war, sodass die Öfen oftmals lange be- Noch während dieses zweite Bad genutzt
und Kieseln in einen umlaufenden Graben trieben worden sein dürften. Der mögliche wurde, erfolgte eine Auffüllung des Bau-
gesetzt war. Der Sockel bildete das Fun- Ofenrest aus der ersten Siedlungsperiode grundes sowie des umgebenden Geländes
dament für die Kuppel aus mit Hütten- lag genau unter dem jüngeren Backofen: um rund 1 m. Der Estrichboden des Be-
lehm verstrichenem Flechtwerk und dürfte Möglicherweise wurden an derselben Stel- ckens wurde offenbar noch am Ende der
die Arbeit an dem Ofen wesentlich er- le sehr lange Brot gebacken. Nutzung des Komplexes an einer Stelle
leichtert haben. Die leicht versetzte Back- | O. Goldstein, D. Herrmann, B. Rieger Stuttgart. Ruine des durchschlagen. Der Schaden erlaubt einen
fläche bestand aus einem älteren Kiesel- römerzeitlichen Bade- Blick in die Unterkonstruktion. Sie besteht
gebäudes. Im Vorder-
bett auf einer Lehmpackung und einem Bad im Hauptbahnhof teilweise aus den üblichen Säulen aus
grund das Warmwasser-
jüngeren Aufbau aus getemperten Fluss- Auf dem Baufeld für den neuen Haupt- becken mit Hypokaust-
quadratischen Ziegeln, teilweise aber
kieseln. Die Backwaren lagen jedoch nicht bahnhof »Stuttgart 21« wurde 2018 das Unterbau. Darüber der auch aus Steinsäulchen. Der gesamte Hy-
direkt auf den Steinen, sondern auf einem Bad einer Villa rustica ausgegraben, die im jüngere Schürkanal. pokaust, in dem sich Asche der letzten Be-
über den Kieseln verstrichenen Kalk- Bereich der ehemaligen Gleisanlagen an-
estrich. Zeitweise mag auch ein ausge- zunehmen ist. Symptomatisch für alle Be-
dienter Mühlstein als Backunterlage ge- funde in diesem Bereich ist die ausge-
dient haben, wie es andernorts bekannt zeichnete Erhaltung. Hanglage und Ero-
ist und durch ein entsprechendes Frag- sion führten dazu, dass sich das Terrain
ment auch hier nahegelegt wird. Funde seit der Antike stark verändert hat. Meh-
von Hüttenlehm mit Flechtwerkabdrü- rere Meter starke Schwemmschichten aus
cken und Pfostengruben deuten auf eine Lehm überdecken die römerzeitlichen
solide Überdachung der Kuppel hin. Der Strukturen und schützten sie vor Ein-
Backofen inklusive der vorgelagerten griffen. Ursprünglich lag das Bad zwischen
Schichten aus Resten von Estrichen, ver- Kalkfelsen erhöht über dem Talgrund des
ziegeltem Lehm, Holzkohle und Asche war Nesenbachs. Die Ruine zieht über den
dabei durch Gräbchen von der Umgebung Nordrand des Baufeldes hinaus, sodass
abgegrenzt. lediglich der rückwärtige Teil untersucht
Insgesamt dürfte der Ofen aufgrund werden konnte.
seiner Größe von 4 × 3 m mehrere Haus- Es gibt wenigstens drei Bauphasen, je-
halte, evtl. sogar das gesamte Viertel mit weils mit verschiedenen Reparaturen und
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feuerung erhalten hatte, wurde noch in rö- Stelle durch zwei 4 m lange Mauerwangen Bayern
mischer Zeit verfüllt – möglicherweise hindurchgeleitet wurde. Möglicherweise Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
durch eingeschwemmte Erde. Anschlie- handelte es sich um ein Kühlhäuschen, Abt. Bodendenkmalpflege
ßend standen auf dem oberen Estrich des vergleichbar den aus dem Schwarzwald Hofgraben 4
80539 München
Wasserbeckens die Wangen eines jünge- bekannten Milchhäuschen. Über fließen- Tel. 089 2114-358, Fax 089 2114-401
ren Schürkanals, für dessen Bau die süd- de Gewässer errichtet, entfalteten sie ih- AiD-Korrespondentin: Dr. Doris Ebner
liche Außenmauer des Rechteckbaus re Wirkung durch Verdunstungskühle und doris.ebner@blfd.bayern.de

durchbrochen worden war. Ob dieser eher ermöglichten so in den Sommermonaten


nachlässig gesetzte Schürkanal wieder die Kühlung etwa von Milcherzeugnissen. Muschelmann im Meteoritenkrater
zu einem – nun auf »höherem Niveau« Aus einem weiteren Graben der römi- Unten: Bötzingen. Im Die Sanierung der Spitalkirche in Nörd-
betriebenen – Bad gehörte, oder eine schen Siedlung stammt eine für unser Ge- Planum hebt sich ein Ka- lingen wird archäologisch begleitet. Pas-
nal ab. Er führte Wasser
gänzlich neue Nutzung anzeigt, können biet außergewöhnliche Münze: Es handelt send zu einer mittelalterlichen Kirche
unter die Fundamente
hoffentlich die Grabungen zeigen, die vor- sich um einen nach römischem Vorbild ge- eines Häuschens, mög-
konnten die Ausgräber einen Friedhof an
rausichtlich Anfang 2019 fortgesetzt wer- prägten Denar des numidischen Königs licherweise zum Kühlen der Nordseite aufdecken. Bislang wurden
den sollen. | A. Thiel Juba I. Dieser fand in Folge der gegen Cae- z. B. für Milchprodukte. 32 reguläre christliche Bestattungen frei-

Römisches Kühlhaus? sar verlorenen Schlacht von Thapsus im Rechts: Nördlingen. Fünf gelegt, dokumentiert und geborgen. Als
Das Landesamt und die Firma Archbau algerischen Cirta/ Constantine den Tod. Jakobsmuscheln bei einer seltener Glücksfall sei eine Bestattung
Bestattung an der Nord-
GmbH untersuchten bei Bötzingen am Vermutlich gelangte das Exemplar als Pre- hervorgehoben, die mit der Bezeichnung
seite der Spitalkirche.
Kaiserstuhl im Gewann »Steinmatten« tiose oder durch Handel ins Land. In jener Ist der Mann fünfmal
»Muschelmann« versehen wurde: das
erstmalig in Südbaden großflächig eine Zeit, als der Denar geprägt wurde, also im nach Santiago de Com- nahezu vollständige Skelett eines im Alter
»einfache« Villa rustica vom Streuhoftyp. 1. Jh. v. Chr., war das östliche Oberrheinge- postela gepilgert? von etwa 40 bis 50 Jahren verstorbenen
Fundamente von mehreren in Steinsockel- biet noch durch spätlatènezeitliche Groß- Mannes, dem man insgesamt fünf Ja-
bzw. Holzbauweise errichteten Gebäuden siedlungen und Einzelgehöfte geprägt. kobsmuscheln mit ins Grab gegeben hat-
sowie drei nur wenig tief angelegte Brun- Das Ende der Villa vermag ein »Angst- te. Nach erster Einschätzung ruhte hier ein
nen gehören zum Wirtschaftsbereich ei- hort« schlaglichtartig zu beleuchten: In ei- Pilger, der womöglich gleich fünfmal den
nes bislang unbekannten römischen Guts- nen verfüllten Brunnenschacht wurde ein Weg nach Santiago de Compostela in
hofes. Seine Hoffläche wurde durch meh- Eisendepot versteckt, darunter eine Feld- Nordwestspanien auf sich genommen
rere Gräben begrenzt oder unterteilt. hacke und fünf tintinnabula – römische hatte.
Besonders erwähnenswert: Ein fast Viehglocken. Der Hortfund passt zu den So viele Muscheln sind bisher einzig-
100 m langer, die Hoffläche querender, unruhigen Zeiten während der Germa- artig in Bayern. Vier Kammmuscheln (pec-
künstlich angelegter Graben diente als et- neneinfälle im 3. Jh. ten maximus) sind am Wirbel durchlocht
wa 30 cm tiefer Wasserlauf, der an einer | M. El-Kassem, T. Kaszab-Olschewski und als Ganzes erhalten, lediglich das

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Aktuelles aus der Landesarchäologie

fünfte Exemplar ist gebrochen. Alle liegen die Funde datieren die Häuser in die Zeit Berlin
auf der linken Bauchpartie des Mannes, der älteren Linearbandkeramik. Landesdenkmalamt
offenbar in einem Beutel, der sich nicht Völlig unerwartet ist die Lage der etwa »Altes Stadthaus«
erhalten hat. Sicherlich wurden die Mu- 7400 Jahre alten Niederlassung: Gewöhn- Klosterstraße 47
10179 Berlin
scheln ursprünglich sichtbar als Pilger- lich sind Siedlungen der Linearband- Tel. 030 90259-3684, Fax 030 90273-700
abzeichen am Hut oder auf der Tasche keramik in Niederungen auf Lössboden AiD-Korrespondent: Michael Hofmann
getragen. anzutreffen. Diese Siedlung jedoch wurde
Das Heilig-Geist-Spital wird 1233 erst- auf einer Anhöhe im Keuper errichtet.
mals erwähnt und datiert den Beginn des Geologische Untersuchungen ergaben, Am Festungsgraben der Metropole
Friedhofes. Der »Muschelmann« gehört dass stellenweise noch fossiler Boden vor- Das Gelände zwischen der heutigen Ale-
zum zweittiefsten Bestattungshorizont. handen ist. Das lässt auf einen zum Teil xander-, Dircksen- und Voltairestraße in
Entsprechend darf er grob in die zweite erhaltenen Laufhorizont aus der damali- Berlin-Mitte lag im Mittelalter außerhalb
Hälfte des 13. Jh. datiert werden. Die Be- gen Zeit schließen. Hervorzuheben ist ein der Berliner Stadtmauer. Ende des 17. Jh.
stattung auf dem Spitalfriedhof statt in nahezu komplett erfasster Hausgrundriss. wurde nach holländischem Vorbild die ba-
Berlin. Grabungen an
der eigenen Pfarrgemeinde deutet darauf, Das von Nordwesten nach Südosten aus- der Alexanderstraße, au-
rocke Befestigung errichtet, deren Bas-
dass er wahrscheinlich kein Nördlinger gerichtete Gebäude war etwa 45 m lang. ßerhalb der mittelalter- tionen und Vorwerke (Ravelins) durch ein
war, sondern auf dem Heimweg erkrank- Entlang der ursprünglichen Hauswand lichen Stadtmauer. gestaffeltes Wall-Graben-System verbun-
te und im Spital verstarb. Warum trug der erstreckten sich Gräben und Gruben. Die
Mann so viele Muscheln mit sich? Vom Hauswand selbst bestand aus vielen an-
häufigen Buß- oder Ablassgang bis hin zur einandergereihten Pfostensetzungen.
Pilgerreise im Auftrag ist vieles denkbar. Den Nordwestbereich kennzeichnet ein
Naturwissenschaftliche Untersuchungen rechtwinklig umlaufender Graben. Die
werden helfen, die noch offenen Fragen zahlreich erhaltenen Pfostenbefunde rei-
zu klären. | J. Gebauer chen noch bis zu 120 cm tief unter das Aus-
grabungsplanum. Diese bemerkenswerte
Wie aus dem Bilderbuch – Tiefe macht die außergewöhnlich gute
Häuser der frühen Bauern Erhaltung ebenfalls deutlich.
Im Zuge des Straßenbaus zwischen Ickel- Da aus den Gruben nur wenige Funde
heim und Breitenau im Landkreis Neu- geborgen werden konnten, war die Sied-
stadt a. d. Aisch-Bad Windsheim wurden lung an dieser Stelle wohl einphasig. Es
im Frühjahr 2018 überraschend Sied- handelt sich um Reste von Feuerstein-
lungsreste der linearbandkeramischen werkzeugen, Mahl- und Reibsteine zur Ge-
Kultur entdeckt. Bei der folgenden Gra- treideverarbeitung, Tierknochen sowie
bung gelang die Dokumentation der Keramik. Aus dem gut konservierenden
Grundrisse von vier Häusern sowie von Keuperboden wurden auch einige Boden-
weiteren kleineren Gebäuden, die als Spei- proben entnommen, um sie auf organi-
cherbauten interpretiert werden können. sche Überreste z. B. von Nahrungsmitteln
Die Gestaltung der Hausgrundrisse und zu untersuchen. | S. Cichy

den waren. Im untersuchten Grundstück


befand sich ein südöstlich des »Kloster-
bollwerks« vorgelagertes Ravelin. Bereits
im 18. Jh. wurde dort eine Bäckerei der
preußischen Armee errichtet – da war die
fortifikatorische Funktion bereits hinfäl-
lig. Östlich des Ravelins verlief von Nor-
den nach Süden eine Straße an äußerem
Graben und Wall, die spätere Alexander-
straße. Eine lockere Wohnbebauung ist
Ickelheim. Ein beson- spätestens seit der ersten Hälfte des 18. Jh.
ders gut erhaltener, belegt. Da dieser Bereich bebaut werden
großer Hausgrundriss
soll, wurde eine Ausgrabung notwendig.
der älteren Linear-
bandkeramik; oben
Im Westen der Fläche wurde durch klei-
ein weiteres, kleineres ne Sondagen in einer Tiefe zwischen 1,7 m
Gebäude. und 4,6 m eine schwarzbraune humose,
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lehmige Auffüllungsschicht dokumen- Brandenburg Häuserreihe direkt über dem Keller am


tiert, die Funde des 16. bis 18. Jh. enthielt: Brandenburgisches Molkenmarkt 13–16; die Nr. 13 ist heute
Scherben von glasierter Irdenware und Landesamt für Denkmalpflege allerdings nicht mehr vorhanden. Bei die-
Steinzeug, fragmentierte Glasflaschen und Archäologisches Landesmuseum sen barocken Neubauten wurden die Ei-
Wünsdorfer Platz 4–5
und glasierte Ofenkacheln, zerbrochene 15806 Zossen chenhölzer der abgebrochenen Kaufhalle
Pfeifen aus weißem Ton, darunter viele Tel. 033702 2111-400, Fax 033702 2111-401 als Kellerdecke erneut verwendet.
Köpfe mit Marken, sowie ein Wetzstein www.BLDAM-brandenburg.de | J. Müller
poststelle@BLDAM-Brandenburg.de
und ein Mahl- oder Gnidelstein. Eine Son- AiD-Korrespondentin: Petra Woidt
dage erfasste eine hölzerne Pfahlreihe in Heiß umkämpft
der Grabenverfüllung. Hier lag der ehe- Bei Garzin im Landkreis Barnim liegen
malige Festungsgraben südlich eines Ra- Kaufhalle Mitte auf einem verteidigungsgünstigen Sporn
velins. Der Abschnitt verlief etwa diagonal Der älteste bislang nachgewiesene pro- über dem Haussee die Wälle, Gräben und
zur heutigen Baufläche und hatte eine fane Bau aus Holz im Bundesland Bran- Trümmer einer spätmittelalterlichen Burg.
Breite von 30 m. denburg stand in der gleichnamigen Stadt Prospektionen mit dem Metalldetektor
Brandenburg. Rekon-
Der ungestörte Bereich im Osten des struktion des mittel-
an der Havel. Eichenholzreste von dem brachten jüngst mehr als ein Dutzend
Grundstücks wurde flächig aufgedeckt. alterlichen Kaufhauses Gebäude wurden in jüngeren Häusern ver- Armbrustbolzen zutage, die sich um die
Die dort ursprünglich in einem Bogen in der Neustadt am Mol-
nach Südwesten verlaufende ungepflas- kenmarkt 14–18 als ein-
geschossiges Fachwerk-
terte Straße hatte drei Ausbauhorizonte.
gebäude zwischen massi-
Die jüngste Schicht, etwa der zweiten Hälf- ven Backsteingiebeln,
te des 18. Jh., war ein mittel- bis hellgrau- Ansicht von Nordwesten.
brauner, stark verdichteter Begehungs-
horizont. Darunter folgte eine dunklere,
ebenfalls etwa 10 cm starke mittel- bis
dunkelbraune komprimierte Schicht, in
der sich Wagenspuren erhalten hatten.
Darunter lag eine dunkelgraubraune
Schicht, abgegrenzt durch ein Band fein
fragmentierter Ziegel, in der sich vorwie-
gend Keramik des 15. bis 16. Jh. fand. Un-
ter dieser ersten Straße erstreckte sich
eine rotbraune Schicht aus Eisenoxid, ein baut und konnten so überdauern. Sie da- Relikte eines großen turmartigen Bau-
sogenannter Rostabsatzhorizont. Alle drei tieren einheitlich in das Jahr 1306/07, dem werks in der Hauptburg konzentrierten.
Straßenhorizonte überlagerten Pflug- mutmaßlichen Baujahr einer Kaufhalle Weitere verschiedenartige Metallsachen
spuren, darunter erstreckte sich ein hoch- am Neustädtischen Markt. Bei Sanie- bezeugen, dass die Attacke zerstörerisch
mittelalterlicher Spatenhorizont von der Berlin. Funde aus der
rungsarbeiten kamen hier die Umfas- endete, denn bei einer planmäßigen Räu-
frühesten Nutzung als Gartenland. Verfüllung des Festungs- sungsmauern eines 6 m breiten mittelal- mung wären sie kaum an Ort und Stelle
| M. Antkowiak, G. Döhner grabens. terlichen Kellers aus großformatigen verblieben. Geborgen wurden modische
Backsteinen zum Vorschein, der mit 35 m Buntmetallschnallen, verzierte Pressblech-
Länge unterhalb der Häuser der aktuellen beschläge für Kleidung und Gürtel, ein ver-
Bebauung am Molkenmarkt 14–18 verlief. goldeter Buntmetallbeschlag in Wappen-
Die langgestreckte Form charakterisiert form mit Rautenmuster, das Bruchstück
das Bauwerk als Teil ebendieser mittel- eines Steigbügels, Messer, Schlüssel, An-
alterlichen Kaufhalle. Die Kellerdecke be- gelhaken, Fragmente von Bronzegrapen,
stand aus einer pfeilergestützten Balken- Silbermünzen, ein kleiner verzierter Schlüs-
decke. Wie Fensteransätze zeigen, ragte sel zu einem Schmuck- oder »Minnekäst-
der Keller über den Boden hinaus, er trug chen« und vieles mehr. Extra Erwähnung
mindestens ein weiteres Geschoss. Die da- verdienen die Fragmente einer romani-
tierten Eichenhölzer gehörten ursprüng- schen gravierten Messingschale des 12./
lich als Geschossbalken zum Fachwerk- 13. Jh., einer so genannte »Hanseschale«,
aufbau. die zu zeremoniellen Handwaschungen
Das mittelalterliche Kaufhaus bestand vor oder nach Gelagen und sicherlich auch
bis 1680. Dann errichtete man an seinem als Schaustück diente.
Nordende ein kleines Fachwerkhaus, heu- Die Errichtung der Burg fällt in die Zeit
te Molkenmarkt 18, 20 Jahre später eine des deutschen Landesausbaus auf dem

AiD 6 | 2018 53
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Bremen 17. Jh. und ein in das Jahr 1705 datierter


Freie Hansestadt Bremen Stein zeugen von der Vorbebauung der
Landesarchäologie um 1800 erbauten Packhäuser. Die Vor-
An der Weide 50a derfront der Gebäude fußte auf der alten
28195 Bremen
Tel. 0421 361-3267, Fax 0421 361-3168 nach 1530 zur Weser hin errichteten Stadt-
AiD-Korrespondent: Dr. Dieter Bischop mauer. Das später mit Sandsteinplatten
dieter.bischop@landesarchaeologie. und Mauerankern verblendete Bauwerk
bremen.de
aus Klosterformatziegeln konnte nun frei-
gelegt und vorerst gesichert werden. Die
Stadtmauer mit Weserblick konsolidierte und unter Denkmalschutz
Die untere Schlachte, insbesondere im gestellte Mauer wird in Zukunft an die
Bereich der Stephanikirche, wird städte- weserseitige Verteidigungslinie Bremens
planerisch zunehmend attraktiver. Ein erinnern. | D. Bischop
brachliegendes Grundstück, das bis zu
den verheerenden Zerstörungen des Zwei-
ten Weltkriegs drei Packhäuser mit bis
zu neun Stockwerken der Firma Egger &
Franke beherbergte, wird nun als barrie-
refreier Zugang von der Weser hin zur Kir-
che gestaltet. Die Zerstörungen des Krie-
ges reichten hier nicht so tief wie in dem
vor zwei Jahren ausgegrabenen Bereich
weiter westlich.
Die nun betroffenen Packhausfunda-
mente mit ihren mächtigen Ziegelstein-
pfeilern und ehemals tonnenüberwölbten
Bremen. Sandsteingewände des 17. Jh.
Barnim nach 1200/ 1220, als es Auseinan- Garzin. Viele Metall- Kellern und zahlreichen verschmolzenen als Spolien wieder verwendet.
dersetzungen um die Herrschaft in der Re- objekte blieben nach Flaschenresten wurden im Sommer ar-
der Zerstörung der Burg
gion gab. Daran beteiligten sich die schle- chäologisch dokumentiert wie auch grö-
zurück: Gürtelschnallen, Bremen. Blick vom Turm der Stephanikirche
sischen Piasten, die sächsischen Wettiner, Beschläge, Kästchen- ßere Teile eines älteren Feldsteinpflasters auf die Grabungsfläche mit den Packhaus-
die pommerschen Greifen, der Erzbischof schlüssel und Fragment nahe der Weser. Verbaute Spolien, vege- resten und der weserseitigen Stadtmauer, die
von Magdeburg und die – letztlich erfolg- einer »Hanseschale«. tabil verzierte Sandsteingewände des als Frontmauer diente.

reichen – askanischen Markgrafen von Garzin. Armbrustbolzen


Brandenburg. Zerstört wurde die Befesti- von einem Angriff auf
die Burg.
gung im 14., spätestens im frühen 15. Jh.:
Unter schwachen Markgrafen hatten die
niederadeligen Familien an Einfluss ge-
wonnen, fortwährende Kämpfe unterein-
ander waren die Folge.
| F. Biermann, F. Georgi

54 AiD 6 | 2018
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Hessen dessen Funktion unbekannt ist. Ansons-


hessenArchäologie ten fanden sich vereinzelt römische Kera-
Schloss Biebrich/Ostflügel mikfragmente, die den Stücken aus der
65203 Wiesbaden Beckenverfüllung chronologisch entspre-
Tel. 0611 6906-131, Fax 0611 6906-137
AiD-Korrespondentin: Dr. Beate Leinthaler chen. Obwohl in diesem Bereich des Gra-
beate.leinthaler@lfd-hessen.de bungsareals eine intensive Nutzung in der
späten Kaiserzeit sowie im Früh- und
Hochmittelalter belegt ist, fehlt Ver-
Pferd in der Grube gleichbares aus diesem Befund. So spricht
2018 wurden die Untersuchungen in der alles für eine Datierung in die römische
mittelalterlichen Wüstung »villa Arnes- Zeit. Von der archäozoologischen Unter-
burg« bei Lich-Kloster Arnsburg im Land- suchung des Pferdeskeletts werden wei-
kreis Gießen fortgeführt (vgl. AiD 1/ 2018, tere Details erwartet.

Oben: Wiesbaden. Römi- te Anfang 2018 eine Freifläche archäolo-


sche Bruchsteinmauer, gisch untersucht werden. Der im Kern der
auf der Außenseite Qua-
Innenstadt gelegene Grabungsbereich
derputz durch Fugen-
strich. erstreckt sich am Fuß des Abhanges des
Michelsberges, wo spätestens seit dem
dritten Jahrzehnt nach Christi Geburt der
römische Vicus von Aquae Mattiacae exis-
tierte.
Über einer ältesten Kulturschicht, die
neben frührömischen Waren auch hand-
gefertigte Keramik der einheimischen
Links: Lich-Kloster Arns- Mattiaker barg, zeichnete sich hier eine
burg. Gut erhaltenes massive Brandschicht ab. Das Fundmate-
Pferdeskelett in einer rial aus dieser Schicht datiert den Zerstö-
Grube. Aufgrund des
rungshorizont um die Mitte des 1. Jh. n.Chr.,
hohen Grundwasser-
spiegels waren Doku-
mithin die Zeit der Chattenkriege, die in
mentation und Bergung schriftlichen Quellen der Römer belegt
recht aufwendig. sind. Nach Planierung des Geländes er-

S. 45). Dabei konnten Spuren weiterer Gru- Mindestens zwei weitere Strukturen
benhäuser karolingisch-ottonischer Zeit- gehören ebenfalls in das ältere 2. Jh. Da-
stellung entdeckt werden. Aus der Spät- zu zählt eine Grube, aus der unter ande- Wiesbaden. Fragment
phase der Siedlung im 12. Jh. stammt eine rem ein fast vollständiger Trinkbecher und einer Bilderschüssel
Grube mit zahlreichen Keramikfragmen- mehrere Glasfragmente geborgen wur- der Form Dragendorff 37
ten und Tierknochen. Von der latènezeit- den. Vergesellschaftet mit den römischen aus Terra sigillata mit
der seltenen Darstellung
lichen Vorbesiedlung zeugen neben Ke- Funden kam auch immer wieder Keramik
einer Galeere sowie
ramikfunden auch zwei Fibeln. Aus der germanischer Machart zum Vorschein. In verschiedener Meeres-
römischen Kaiserzeit stammt eine be- unmittelbarer Nähe der Grabung ist auf wesen.
ckenartige Befundstruktur, in der sich ne- der anderen Seite des kleinen Flusses folgte ein Ausbau der Siedlung in Stein-
ben römischen auch germanische Scher- Wetter zwischen 90 und 100 n. Chr. das bauweise. Eines der Gebäude wies über
ben aus der ersten Hälfte des 2. Jh. fanden. Limeskastell Arnsburg-»Alteburg« ge- 90 cm tiefen Fundamenten bis zu 60 cm
Eingetieft in die Verfüllung dieses Be- gründet worden. In welchem Verhältnis hoch erhaltene Bruchsteinmauern auf, de-
fundes war eine Grube, auf deren Sohle die aufgedeckten Befunde zu dem Kas- ren Verputz teilweise noch den originalen
ein gut erhaltenes Pferdeskelett lag. Die- tell stehen, ist eine spannende Frage, der Fugenstrich zeigte. Auch die Bauten die-
se Grube entsprach in etwa der Größe des im Rahmen einer Auswertung des um- ser Siedlungsphase wurden in der Mitte
Kadavers und ist offensichtlich rasch wie- fangreichen Materials nachgegangen des 2. Jh. ein Raub der Flammen. Spätan-
der verfüllt worden. Daher liegt die Ver- wird. | M. Gottwald, Ch. Röder tike oder jüngere Schichten waren nicht
mutung nahe, dass sie eigens für die Nie- mehr erhalten, da man das Gelände um
derlegung des Tieres ausgehoben wurde. Römer in Walhalla 1800 terrassierte und die entsprechenden
Unmittelbar vor dem Brustbein lag ein Neben der bekannten Kleinkunst- und Schichten dadurch zerstört wurden.
größeres, stark korrodiertes Eisenobjekt, Filmbühne »Walhalla« in Wiesbaden konn- | F. Lorscheider, D. Neubauer

AiD 6 | 2018 55
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Mecklenburg- Mast zeigt. Möglicherweise handelt es sich Niedersachsen


Vorpommern um die Szene der Rückkehr des Thomas Niedersächsisches Landesamt
Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Becket aus dem Exil und würde damit auf für Denkmalpflege
Mecklenburg-Vorpommern Canterbury in England als Pilgerort ver- Scharnhorststraße 1
Landesarchäologie 30175 Hannover
weisen. Tel. 0511 925-5300 oder 925-5309,
Domhof 4/5
19055 Schwerin In einer um 1250 abgelagerten Gra- Fax 0511 925-5296
Tel. 0385 58879-643, Fax 0385 58879-344 benverfüllung wurde ein spitzovales Ma- archaeologie@nld.niedersachsen.de
AiD-Korrespondent: Dr. Detlef Jantzen AiD-Korrespondent:
rienpilgerzeichen entdeckt. Der Flachguss Friedrich-Wilhelm Wulf M. A.
d.jantzen@kulturerbe-mv.de
zeigt neben der thronenden Maria mit friedhelm.wulf@nld.niedersachsen.de
dem Jesuskind auf ihrem Schoß eine spie-
gelverkehrte Umschrift:
Von Canterbury bis Riga Kanne à la Mallorca im Altar
SIGNVM S MARIE IN LIVONIA
Während der Ausgrabung auf den Grund- Bei der Aufarbeitung des Ortsarchives des
REMISSIONIS PECCATORVM
stücken Mecklenburger Straße 11a/b in Niedersächsischen Instituts für Histori-
Wismar im Landkreis Nordwestmecklen- Für dieses Pilgerzeichen sind bisher nur sche Küstenforschung in Wilhelmshaven
burg kamen 2017 insgesamt zehn Pilger- drei Vergleiche bekannt. Zwei eventuell lenkte eine alte Zeitungsmeldung die
zeichen zu Tage. Dabei handelt es sich modelgleiche Exemplare stammen aus Aufmerksamkeit der Archäologen auf den
um den bislang umfangreichsten Kom- Lübeck und Lödöse in der Provinz Västra bisher völlig unbeachtet gebliebenen
plex von Wallfahrtsdevotionalien aus der Götalands län in Schweden. Ein vergleich- Fund eines frühen italienischen Fayence-
Zeit vor 1300, der in der Wismarer Altstadt bares Stück, jedoch mit seitenrichtig aus- gefäßes.
geborgen wurde. geführter Umschrift, wurde im Wismarer
Hafen geborgen. Varel. Majolikakanne
Die Marienpilgerzeichen beziehen sich vom Ende 14. Jh. aus
der Schlosskirche Sankt
nach Ausweis der Umschrift auf eine Her-
Petri. Das Gefäß diente
kunft aus Livland. Mit der Christianisie- als Behälter für Reli-
rung des Baltikums ab Ende des 12. Jh. quien. Höhe etwa 16 cm.
wurde ganz Livland der Mutter Gottes ge-
weiht. In der Literatur wird Riga, das seit
dem Anfang des 13. Jh. Bischofssitz mit
einem der heiligen Maria geweihten Dom
war, als wahrscheinlicher Pilgerort zur Dis-
kussion gestellt.
Testamentarisch belegt finden sich
mehrere Wismarer Bürger, die im 13. Jh.
an einer Livlandreise teilnahmen. Die frü-
heste Überlieferung stammt aus der Zeit 1961 gab die im Kern romanische
kurz nach 1261, weitere Reisen werden in Schlosskirche Sankt Petri in der friesi-
Wismar. Pilgerzeichen
Testamenten um 1271, um 1272 und ab mit Schiffsdarstellung,
schen Stadt Varel ein spannendes Ge-
dem Ende der 1270er-Jahre bis in die Mit- möglicherweise aus heimnis preis. Schriftliche Quellen zur mit-
te der 1280er-Jahre genannt. | P. Kaute Canterbury. telalterlichen Baugeschichte fehlen. Um-
so bedeutender erscheint der Fund eines
Reliquiengefäßes im Hauptaltar, der nun
identifiziert werden konnte. Starke Sen-
kungen im Fußbodenbereich hatten eine
grundlegende Sanierung des Altarblocks
notwendig gemacht. Dabei wurde auf der
Wismar. Spitzovales Marienpilgerzeichen. Westseite ein 32 cm × 19 cm großes, aus
Backstein gemauertes Reliquienversteck
geöffnet. Ein glasiertes Keramikgefäß mit
Aus Erhöhungsschichten, die zwischen einigen Knochen stand unversehrt darin.
den 1260er und 1280/90er-Jahren abge- Die mit einer weißen Zinnoxidglasur über-
lagert wurden, stammt eine detailreiche zogene, rund 16 cm hohe Kanne mit Wulst-
Schiffsdarstellung mit Rahsegel und henkel und ausgezogener Schneppe trägt
Heckruder, die eine Person am Ruder und einen dunkelviolett gemalten geometri-
eine Person mit Bischofsstab neben dem schen Liniendekor. Zusätzlich wurde eine

56 AiD 6 | 2018
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türkisgrünliche Bemalung unterhalb des Pflugschicht über 2500 Buntmetallfunde


Randes und zur Füllung einiger Orna- von der frühen Bronzezeit bis in die Neu-
mente aufgebracht. Bei der Keramik han- zeit geborgen worden sind. Zu den kleins-
delt es sich um einen frühes Majolikage- ten Funden zählten hier vor allem über
fäß. Diese Bezeichnung leitet sich von der 70 römische und keltische Münzen, von
Insel Mallorca ab, die eine bedeutende denen die keltischen Kleinerze meist nur
Rolle im Keramikhandel spielte. Kannen wenig mehr als 1 cm Durchmesser haben.
mit vergleichbaren Verzierungen wurden Leider konnte der römische Lagergraben
in der südumbrischen Stadt Orvieto her- in diesem Schnitt nicht nachgewiesen
gestellt. Als große Rarität wurde das Ge- werden.
fäß dann zur Verwahrung der Reliquien im Stattdessen fanden sich bei der Anla-
Altar genutzt, wo es auch nach der Bau- ge eines Geoprofils unter dem anstehen-
maßnahme wieder seinen Platz gefunden den Hochflutlehm der Leine Hinweise auf
hat. Vergleichbare Objekte aus gut da- einen bisher hier nicht vermuteten Brand-
tierten Befunden in Budapest gestatten gräberfriedhof der jüngeren Bronzezeit.
eine Datierung in das 13. oder 14. Jh. Damit Im Schnitt waren Reste einer stark korro-
gehört das Gefäß zu den frühesten Majo- dierten Bronzenadel sowie eine kleine
likaobjekten in Norddeutschland und do- Urne erhalten, die offensichtlich von ei-
kumentiert eindrücklich die Beziehun- nem kleinen Nagetier als Bau genutzt
gen Ostfrieslands in den Raum südlich der noch durch geophysikalische Prospektio- Wilkenburg. Kleine Urne worden war. An der Gefäßwandung sind
Alpen. Offen bleiben muss, ob ein Pilger nen erkennbaren Westecke des Lagers der jüngeren Bronzezeit deutliche Bissspuren erkennbar und vom
aus dem Bereich des
oder venezianische Händler die Kanne den genauen Verlauf des Spitzgrabens Leichenbrand konnten nur noch wenige
römischen Marschlagers.
mitbrachten. | St. Krabath nachzuweisen. kleine Stücke geborgen werden. Eine 14C-
Zu diesem Zweck legten die Ausgrä- Analyse der zugehörigen Holzkohle da-
Graben gesucht ber einen Schnitt von 2 m Breite und ins- tiert die Bestattung in das 12. Jh. v. Chr. Ei-
Im Spätsommer 2017 führte die Bezirks- gesamt 20 m Länge an, der von Norden ne bereits während der Sondagegrabung
archäologie Hannover eine weitere Son- nach Süden verlief. Das dabei anfallende im Herbst 2015 aufgedeckte Siedlungs-
dagegrabung im Bereich des römischen Bodenmaterial hat man einschließlich der grube sowie einzelne Oberflächenfunde
Marschlagers von Wilkenburg in der Re- Pflugschicht quadratmeterweise aufge- aus der Prospektion mit Metallsonden
gion Hannover durch (vgl. AiD 3/ 2018, nommen und vor Ort geschlämmt, um deuten auf eine Vornutzung des augus-
S. 74). Das Lager wurde nach den bisher ge- auch kleinste Funde zu erkennen. Diese teischen Lagergeländes als Siedlung mit
Wilkenburg. Ausgra-
fundenen Münzen in den Jahren 4/5 n. Chr. Vorgehensweise wurde gewählt, da durch bungen im römischen
möglicherweise zugehörigem Gräberfeld
gebaut. Ziel der Sondage war vor allem, die seit Herbst 2015 laufenden Prospek- Marschlager sollten den in der jüngeren Bronzezeit hin.
im Bereich der bisher weder im Luftbild tionen mit Metalldetektoren allein aus der Spitzgraben erfassen. | F.-W. Wulf
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Nordrhein-Westfalen nifatius VII. Wir bitten das Versehen zu


LVR-Amt für Bodendenkmal- entschuldigen.
pflege im Rheinland
Endenicher Straße 133 Keramik mit Stil
53115 Bonn
Tel. 0228 9834-0, Fax 0228 9834-119 In einer Kiesgrube in Weeze-Knappheide
AiD-Korrespondentin: Dr. Michaela Aufleger im Kreis Kleve konnten jüngst gleich zwei
Michaela.Aufleger@lvr.de Gräberfelder unterschiedlicher Zeitstel-
LWL-Archäologie für Westfalen lung vollständig untersucht werden. Über
An den Speichern 7
48157 Münster den jüngeren, frühmittelalterlichen Be-
Tel. 0251 591-8921, Fax 0251 591-8805 stattungsplatz wurde an dieser Stelle be-
AiD-Korrespondent: Nils Wolpert M.A.
reits berichtet (vgl. AiD 4/ 2018, S. 50). Im
nils.wolpert@lwl.org
Bereich des frühmittelalterlichen Fried-
Köln: Römisch-Germanisches Museum/
Archäologische Bodendenkmalpflege hofs wurden zudem mindestens 69 Brand-
Roncalliplatz 4 gräber der vorrömischen Eisenzeit ange-
50667 Köln
troffen. Sie reichen von der ersten Hälfte
Tel. 0221 22124-543, Fax 0221 22124-030
AiD-Korrespondent: Dr. Marcus Trier des 5. bis an das Ende des 3. Jh. v. Chr.
Marcus.Trier@Stadt-Koeln.de Das am besten erhaltene und zugleich
reichste Brandgrab enthielt fünf äußerst
qualitätvolle Beigefäße, die dem so ge-
Üppige Tafelfreuden nannten Marnestil entsprechen. Neben
In Inden-Vilvenich, Tagebau Inden, gelang
es, eines der im ländlichen Rheinland sel-
tenen vollständigen Gräberfelder spät-
römischer Zeit zu untersuchen. Die 21
größtenteils antik beraubten Körpergrä-
ber erstreckten sich wohl entlang eines
ehemaligen Weges. Die Verstorbenen hat- Inden-Vilvenich. Ein sel- Kreuzbalken lässt sie sich einer kleinen
te man teils in über 2 m tiefen Gräbern in tener Fund: gläserner Gruppe modelgleicher Kugelabschnitt-
Dellenbecher mit Faden-
Särgen beigesetzt. Die Deponierung der schalen aus dem Umland des Hambacher
zier. Höhe etwa 13 cm.
Beigaben erfolgte in zumeist drei Nischen, Forstes vom Typ Trier 15a zuordnen. Einen
die seitlich in die Grabwände eingetieft wichtigen Hinweis auf das Belegungsen-
waren. In manchen Fällen befanden sich de des Friedhofs liefert der kleine kalot-
weitere Beigaben auf der Grabsohle oder tenförmige Becher vom Typ Helle, der bis
im Sarg. weit in die erste Hälfte des 5. Jh. Verwen-
Die Bestattungen fallen durch opu- dung fand. Der schlichte Becher des Typs
lente Beigaben in Form zahlreicher Kera- Trier 49a trat schon im frühen 4. Jh. auf,
mik- und Glasgefäße auf, die im Jenseits womit die Belegungsdauer des Gräber-
Weeze-Knappheide.
üppigen Tafelfreuden dienen sollten. Un- feldes umschrieben ist. Unter den Gläsern
Gefäße aus einem früh-
mittelbar auf der Brust eines der Toten laténezeitlichen Grab,
stechen mehrere hohe Pokale mit Schliff-
befand sich eine kreuzverzierte Glasscha- die zum Teil im Marne- verzierung hervor und ein seltener Del-
le. Wegen einer Fehlstelle in einem der stil verziert sind. lenbecher mit horizontaler Fadenzier.
Dass weitere wertvolle Beigaben feh-
len, kann an der Beigabensitte, aber auch
an der Beraubung liegen, die sich gezielt
auf die Grabmitte richtete. Die reichen Ge-
schirrsätze in den Nischen waren jedoch
schwieriger zu finden oder uninteressant –
ein Glücksfall für den heutigen Ausgrä-
ber. | U. Geilenbrügge

Papst verwechselt
Inden-Vilvenich. Die
In Heft 5 /2118 hat sich auf S. 60 ein Feh-
reich verzierte Glasscha-
le lag umgedreht auf
ler eingeschlichen: Papst Bonifatius VIII.
dem Oberkörper eines regierte 1294–1303, und nicht 984–985.
Verstorbenen. Letzteres war die Regierungszeit von Bo-

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drei Schalen, von denen eine auf der Schul- Auf dem Grundstück Scharn 2–4 ge-
ter sorgfältig mit zwei horizontalen Rie- hören gut erhaltene Mauerzüge im Ab-
fen und einer Reihe von hängenden, schraf- stand von 15 m zur Straße zu einem Ge-
fierten Dreiecken verziert ist, sind zwei fla- bäude, das durch eine 40 cm schmale
schenartige Gefäße hervorzuheben. Eines Traufgasse von einem benachbarten
der beiden Halsgefäße trägt als Dekor Steinbau getrennt war. Das mehrfach um-
großflächige und umlaufende geometri- gebaute Haus wurde im Zweiten Weltkrieg
sche Muster. Alle Gefäße zeichnen sich zerstört. Seine Mauern bestehen aus
durch eine fein geglättete Oberfläche aus. Portasandstein, der sorgfältig zu Quadern
Die Verzierungen heben sich durch eine von 30 cm Höhe und bis zu 60 cm Seiten-
besonders akkurate Linienführung ab. Das länge zugehauen worden war. Die gut
Grab datiert in die Frühlatènezeit von 450 80 cm breiten Mauern deuten auf ein re-
bis 250 v. Chr. und damit in die Hauptbe- präsentatives giebelständiges Steinge-
legungsphase des Gräberfeldes. bäude hin, das mindestens zwei Geschos-
Eisenzeitliche Grabinventare in der se hatte. Ein nachträglich veränderter Kel-
vorliegenden Reichhaltigkeit, Qualität lerhals führte in den Hinterhof. Anders
und Ausstattung stellen im Rheinland ei- Mit dem Beschlag aus Dünstekoven Swisttal-Dünstekoven. als die frühen Steinwerke mit einem Fach-
ne große Seltenheit dar. Es ist davon aus- fassen wir gleichsam ein »Missing Link« Karolingerzeitlicher werkgebäudeteil an der Straße, die sich
Schwertgurtbeschlag
zugehen, dass hier eine höher gestellte in der Entwicklung der Schwertgurte, das Kaufleute und Handwerker ab etwa 1180
mit merowingerzeitli-
Persönlichkeit bestattet worden ist. Mit ältere merowingerzeitliche Motive mit chem Verzierungsmotiv. in Minden errichteten, handelt es sich
seinem zeitlichen Schwerpunkt in der jüngeren karolingischen Formen verbin- hierbei um ein etwa 15 m langes und min-
Frühlatènezeit bestand das Gräberfeld in det. Eine Verwendung als Fibel, wie im destens 8 m breites straßenseitiges Stein-
exakt demselben Zeitraum wie eine etwa skandinavischen Raum häufig beobach- gebäude. Zudem datiert die Keramik den
250 m weiter östlich aufgedeckte Ansied- tet, ist wohl auszuschließen. Ob das Ob- Bau des Hauses zwischen 1150 und 1180.
lung, die vermutlich als größerer Einzel- jekt, das sicherlich einer hochgestellten Es handelt sich somit um eines der bisher
hof zu interpretieren ist. Persönlichkeit gehörte, mit einer nahe- ältesten Steingebäude außerhalb der
| M. Heinen, M. Brüggler gelegenen Motte im Niederungsbereich Domburg. | T. Evers, S. Spiong
der Swist in Verbindung stand, muss Spe-
Ungewöhnlicher Schwertgurt- kulation bleiben. | K. Frank Prähistorischer Weg durch
beschlag das Hochsauerland?
Das erste Fundstück, das zu Jahresbeginn Frühe Steinarchitektur Der lizensierte Sondengänger Ingo Krull
2018 der Außenstelle Overath des LVR- Mindener Bürger erforscht im Auftrag der LWL-Archäolo-
Amtes für Bodendenkmalpflege im Rhein- Das Areal westlich der Mindener Domburg gie für Westfalen das an vorgeschicht-
land vorgelegt wurde, entpuppte sich bei wurde bereits im 10./ 11. Jh. von Handwer- lichen Fundstellen arme Hochsauerland.
näherer Betrachtung als ein ganz beson- kern aufgesiedelt. Davon zeugen Laufho- Minden. Hinter der Mauer Im Januar 2018 führte er Begehungen im
deres Objekt. Der aus Bronze gegossene rizonte, die Reste einer Kammmacher- aus Portasandsteinen mit Umfeld des Müssenberges bei Arnsberg-
kleeblattförmige Riemenverteiler gehört werkstatt enthielten. Ab der zweiten Hälf- dem zugesetzten Keller- Müschede im Hochsauerlandkreis durch.
zugang vom Innenhof
zur seltenen Gruppe der karolingerzeitli- te des 12. Jh. entstand hier mit Rathaus, Am Osthang des Berges entdeckte er da-
sind ältere Laufhorizonte
chen Schwertgurtbeschläge. Randbeglei- Marktplatz und Verkaufsbuden am Scharn des 10./ 11. Jh. im Profil zu bei ein bemerkenswertes Armringfrag-
tend weist das Stück ein für die Karolin- ein neues städtisches Zentrum. sehen. ment aus der Eisenzeit.
gerzeit typisches plastisch ausgeführtes Für das zur Hälfte erhaltene Stück mit
florales Band mit Resten einer Vergoldung stark korrodierter Oberfläche kann ein
auf. Ganz ungewöhnlich ist jedoch, dass innerer Durchmesser von 6,5 cm rekon-
diese Verzierung neben drei flächig an- struiert werden. Die Fundsituation im
gelegten silberglänzenden antithetischen Humus macht wahrscheinlich, dass das
Masken auftritt, die um eine dreieckige Artefakt aus seiner ursprünglichen Lage
Vertiefung im Zentrum des Beschlags in einem höher liegenden Bereich durch
gruppiert sind. Ganz ähnliche Masken- Erosionskräfte hangabwärts gelangte.
darstellungen finden sich während der Der bronzene Ring zählt zu den plas-
späten Merowingerzeit auf rechteckigen tisch verzierten Vertretern eines Typs, der
Schwertgurtbeschlägen im fränkischen in großer Vielfalt besonders im hessischen
Gebiet links des Rheins. Dagegen zeigen Gebiet entdeckt wurde und in das 3. bis
nur sehr wenige kleeblattförmige Beschlä- 2. Jh. v. Chr. datiert. Die typologische Ein-
ge noch flächige Verzierungen in Form von ordnung bzw. Verbreitung der Funde legt
Silbertauschierung. eine hessische Provenienz nahe. Im Ge-

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Aktuelles aus der Landesarchäologie

gensatz zu bisherigen eisenzeitlichen Rheinland-Pfalz


Fundstellen des Hochsauerlandes, die ei- Generaldirektion Kulturelles Erbe
nen räumlichen Bezug zu agrarisch at- Rheinland-Pfalz
traktiveren Beckenlagen erkennen lassen, Direktion Landesarchäologie
Festung Ehrenbreitstein
befindet sich diese Fundstelle erstmals 56077 Koblenz
zwischen diesen Beckenlagen in einem Tel. 0261 6675-3000, Fax 0261 6675-3010
natürlich vorgegebenen Verbindungskor- AiD-Korrespondent: Dr. Cliff A. Jost
cliff.jost@gdke.rlp.de
ridor. Der Müssenberg nahe der Fundstel-
le überragt mit 427,5 m weithin Tal und
Umland. Möglicherweise verlieh dies dem Vom Ende der Reihengräberzeit
Attendorn. Zylindrische
Berg eine übergeordnete Bedeutung, was Gruben dienten in der
Kehrig liegt nahe des Elzbachtales im
dazu führte, dass man den Ring bewusst Vorgeschichte als Getrei- Kreis Mayen-Koblenz am nordwestlichen
hier deponierte. | M. Zeiler despeicher. Rand des Maifelds. Dort wurde durch eine
Magnetometerprospektion vor der Erwei-
dass die zeitliche Einordnung der Sied- terung eines Neubaugebietes ein bisher
lungsspuren in die vorrömische Eisenzeit unbekanntes Reihengräberfeld aus dem
ermöglichte. Die Erhaltungsbedingungen frühen Mittelalter entdeckt (6.–8. Jh.
für derartige Siedlungsspuren sind im Mit- n. Chr.). Zu erkennen sind 350 bis 400 Grä-
telgebirge oft schwierig – auch bei Atten- ber auf einer Fläche von rund 5500 m2. Die
dorn zeigte sich in den meisten Sondage- zum Friedhof gehörende fränkische Sied-
schnitten, dass es durch das sehr beweg- lung, wohl ein kleiner Weiler, lag vermut-
Arnsberg-Müschede.
te Bodenrelief, verbunden mit einer in- Fragment eines profi-
lich südwestlich 250 m entfernt im mit-
tensiven Landschaftsnutzung, in den lierter Bronzearmrings, telalterlichen Kern des heutigen Ortes,
letzten Jahrhunderten zu starken Erosi- Durchmesser 7 cm. wo sich die alte Kirche und der Kirchhof
onsprozessen gekommen ist. Einige ver- befanden. Die im Quellbereich eines
streute urgeschichtliche Keramikscherben Baches gegründete Ansiedlung lag an
zeigen, dass hier einst weitere Siedlungs- einer für den Warenaustausch wichtigen
Eisenzeitliche Getreidebauern im reste vorhanden waren, die aber mittler- alten Fernstraße, die von Trier an der
westfälischen Mittelgebirge weile der Bodenerosion zum Opfer gefal- Mosel über die Eifel nach Mayen und ins
Im Kreis Olpe gelang bei Attendorn erst- len sind. Somit wurden nur die letzten Res- Neuwieder Becken an den Rhein führte.
mals der eindeutige Nachweis einer groß- te erfasst. Um den Befund der geophysikalischen
flächigen Siedlung der vorrömischen Von der Nutzung des südwestfälischen Prospektion archäologisch abzusichern,
Eisenzeit. In einigen Suchschnitten, mit Mittelgebirgsraums in dieser Zeit zeugen wurde auf dem Gräberfeld zusätzlich ei-
denen ein 20 ha großes zukünftiges Ge- vor allem Funde aus Höhlen und den da- ne kleinflächige Grabungssondage durch-
werbegebiet untersucht wurde, fanden mals befestigten Bergkuppen. Durch die geführt. Genauer untersucht wurde ein
sich Pfostengruben und tiefreichende jüngsten Grabungsergebnisse wird das Kindergrab von annähernd rechteckiger
zylindrische Gruben. Bild nun endlich ergänzt um ein bislang Attendorn. Auf der nach Form mit 1,25 m Länge und 0,72 m Breite.
Süden weisenden Seite
Diese zylindrischen Gruben dienten in weitgehend fehlendes wichtiges Puzzle- Skelettreste hatten sich nicht erhalten.
des Bergrückens hatten
der Vorgeschichte als Getreidespeicher. teil: die dazugehörigen Siedlungen. Als einzige Beigabe fand sich eine so
sich Befunde vor allem
Aus einer der Gruben konnte ein zer- | E. Cichy, P. Motsch im Bereich des Mittel- genannte überlange Riemenzunge. Sie ge-
drücktes Keramikgefäß geborgen werden, hangs erhalten. hörte zum Gürtelbesatz und lag im Be-
ckenbereich, also so, wie sie an der Klei-
dung getragen wurde.
Die Riemenzunge besteht aus Bronze,
ist 18 cm lang, 3 cm breit, 3 mm dick und
unverziert. Ein Ende ist abgerundet. Am
anderen geraden Ende befinden sich drei
kleine Löcher, in denen noch Faserreste
stecken, die darauf hindeuten, dass die
Riemenzunge ursprünglich an einem aus
Leder oder Stoff bestehenden Leibgürtel
angenäht war. Da der Gurt offenbar keine
Schnalle hatte, wurde er vielleicht mit ei-
nem Knoten zugebunden. Zu datieren ist
die überlange Riemenzunge in die spät-
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nacht am 9./ 10. November 1938 wurden Kehrig. Dicht neben-


Saarland
der Innenraum und das Mobiliar beschä- einander die Grab-
Landesdenkmalamt
gruben des frühmittel-
digt bzw. zerstört. Ab 1945 befand sich Bodendenkmalpflege
alterlichen Gräberfeldes,
die Synagoge im Besitz des Jewish Trust, Am Bergwerk Reden 11
vorsichtig freigelegt 66578 Schiffweiler
der das Gebäude 1951 auf Abbruch ver- mit dem Bagger. Tel. 0681 501-2485
kaufte. Danach wurde auf dem Gelände w.adler@denkmal.saarland.de
ein Bauhof errichtet. Da detaillierte Plä- AiD-Korrespondent: Prof. Dr. Wolfgang Adler

ne fehlen, wurde eine archäologische Un-


tersuchung im Vorfeld der Baumaßnahme Römische Gräber im Grumbachtal –
beschlossen. Wegen neuzeitlicher Kanäle aber wo?
war es allerdings nur möglich, etwa die Bei St. Ingbert wird eine neue Brücke für
Hälfte des Gebäudes zu untersuchen. die A 6 über das Grumbachtal gebaut. In
Der Fokus lag auf dem Innenraum. der Nähe liegen zwei ungewöhnliche Fels-
Während die Außenfassade von alten formationen: »großer Stiefel« und »klei-
merowingische oder frühkarolingische Fotos und Postkarten bekannt ist, wusste ner Stiefel«. In der Umgebung sind zahl-
Zeit um 750 n. Chr. Das freigelegte Kin- man über den Ausbau des Inneren bislang reiche römische Befunde bekannt, darun-
dergrab gehört somit in eine sehr späte so gut wie nichts. Unmittelbar unter dem ter in einem Seitental das Felsrelief eines
Phase des Gräberfeldes, kurz bevor der Asphalt traten die massiven Fundamente gallorömischen Götterpaars, das im Volks-
Friedhof aufgegeben bzw. zur wohl mitt- der Synagoge zutage, ein von Nordwes- mund Hänsel und Gretel genannt wird
lerweile in der Siedlung errichteten ers- ten nach Südosten orientiertes Rechteck (AiD 4/ 2018, S. 53).
ten Kirche von Kehrig verlegt wurde. von 13,9 m Länge und 11 m Breite. An der Systematische Suchschnitte direkt öst-
Die gesamte Fläche des am Rand des Südostseite schloss sich ein schmaler An- lich der Autobahn führten nun zur Entde-
heutigen Ortes liegenden frühmittelal- bau an, sodass die Gesamtlänge 16,8 m
terlichen Reihengräberfeldes wurde in- maß. Im Inneren fanden sich nahe der
Kehrig. Überlange Rie-
zwischen von der Überbauung ausgespart Westmauer zwei massive Pfeilerfunda-
menzunge: bronzener
und unter Grabungsschutz gestellt. mente, die offenbar die Frauenempore Endbeschlag vom Riemen
| C. A. Jost trugen. In der Südostwand, also der nach eines Gürtels der späten
Jerusalem orientierten Wand, konnten Merowinger- oder frühen
Synagoge beim Tunnelbau die Fundamente einer halbrunden Tora- Karolingerzeit. Länge
18 cm.
freigelegt Nische festgestellt werden. In dieser be-
In Diez im Rhein-Lahn-Kreis laufen zurzeit fand sich ehedem das Allerheiligste der
Arbeiten für einen großen Tunnel. Be- Synagoge – der Schrein, in dem die Tora-
troffen ist auch das Grundstück »Kanal- rollen aufbewahrt wurden. Außer wenigen
straße 9« nahe der Mündung der Aar in die Fragmenten von weißem und blauem
Lahn, auf dem zwischen 1863 und 1951 Fensterglas fehlen Funde. Inwieweit bau-
die nach Plänen des herzoglich-nassaui- liche Reste der Synagoge im Boden er-
schen Oberbaurates Carl Boos errichtete halten bleiben bzw. welche Form der Er-
Synagoge stand. Das zweistöckige Ge- innerung an die einst lebendige jüdische
bäude im neuromanischen Stil war sicher Gemeinde in Diez an diesem Platz gewählt
eine der stattlichsten Synagogen am Mit- wird, muss noch entschieden werden.
telrhein. Während der Reichspogrom- | C. A. Jost, J. Schamper
Grumbachtal bei St. Ingbert. Skulptiertes
Fragment eines Grabdenkmals, Länge 30 cm,
Breite 17 cm, Tiefe 11 cm.

ckung zugerichteter Blöcke aus rotem


Sandstein; der größte Stein langrecht-
eckiger Form maß bis zu 1,7 m; auf ganzer
Länge waren zwei gegenüberliegende
Nuten eingearbeitet. Andere Blöcke wie-
sen Kantenlängen um 40 cm auf. Ein bau-
Diez. Unmittelbar unter licher Zusammenhang war nicht erhalten.
dem Asphalt liegen die
In situ lagen noch in den Boden ein-
etwa zur Hälfte freige-
legten Grundmauern der getiefte Anlagen wie ein Kanal und ein
Synagoge. Steingeviert. Von Bedeutung für die In-

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Aktuelles aus der Landesarchäologie

terpretation der Fundstelle war vor allem Sachsen reuth im Landkreis Meißen in der Gro-
ein Block, an dessen Oberfläche ein Schup- Landesamt für ßenhainer Pflege eine Fundstelle der
penmuster zu erkennen war: Es dürfte sich Archäologie Sachsen Spätbronzezeit aufgedeckt und ausge-
um den Dachaufsatz eines römischen Zur Wetterwarte 7 graben. Knapp 500 m südlich der Großen
01109 Dresden
Grabdenkmals handeln. Entsprechend Tel. 0351 8926-199, Fax 0351 8926-666 Röder gelegen, reiht sie sich ein in eine
könnten auch die anderen Funde von www.archaeologie.sachsen.de Vielzahl zeitgleicher Plätze entlang des
Grabdenkmalen oder der Umfassungs- info@lfa.sachsen.de Flusslaufes. Auf einer kleinen Kuppe so-
AiD-Korrespondent: Dr. Hans-Peter Hock
mauer eines kleinen Friedhofs stammen. wie dem südlich anschließenden, sanft ge-
Bereits zuvor waren skulptierte Steine neigten Hang wurden in zwei Konzentra-
in diesem Areal gefunden worden, darun- Ragnarök in Sachsen? tionen zahlreiche Siedlungsgruben sowie
ter 2015 ein Fragment aus hellem Sand- Der »Ring der Nibelungen« und die nor- die durch Erosion und Pflug stark gestör-
stein, das wahrscheinlich ebenfalls zu ei- dische Götterwelt erfreuen sich dank des ten Reste von mindestens zwei Urnen-
nem Grabdenkmal gehörte. Unklar bleibt gebürtigen Leipzigers Richard Wagner in gräbern dokumentiert.
vorerst, ob die Grabdenkmale an dieser Sachsen großer Beliebtheit. Völlig über-
Stelle standen oder von einem anderen raschend ist dagegen der Fund eines et-
Ort hierher verschleppt wurden, um das wa 2 cm langen gegossenen bronzenen
Steinmaterial weiter zu verarbeiten oder Gegenstandes aus Markranstädt, dessen
erneut zu verbauen. Die Frage ist inso- vergoldete Vorderseite ein behelmtes Ge-
fern von Bedeutung, als dass das etwa sicht zeigt.
500 m entfernte »Stiefeler Schloss« auf Marktranstädt. Das ver- Die Art der Darstellung und die ange-
der gegenüberliegenden westlichen Tal- goldete Bronzebruch- deutete Helmzier weisen nach Skandina-
stück mit der Darstel-
seite zu einem großen Teil aus römischen vien, wo in jüngster Zeit vor allem durch
lung eines nordischen
Spolien errichtet wurde. Unter den Spo- Gottes war wahrschein-
Detektorfunde aus wikingerzeitlichen Zu-
lien sind ebenfalls verschiedene Teile von lich auf einem Holz- sammenhängen weitere Belege bekannt
Grabdenkmalen. Der ursprüngliche Stand- oder Ledergegenstand geworden sind. Ob das Markranstädter
ort dieser Gräber ist bislang unbekannt. appliziert. Stück den einäugigen Odin darstellen soll
Mit den neuen Funden könnten wir der oder Loki, der durch das Zusammennähen
Antwort auf die Frage näher gekommen seiner Lippen zum Verstummen gebracht
sein. | C. Höpken, D. Wilhelm wurde, wird sich wohl nicht mehr mit letz- Kalkreuth. Die Anordnung der Gefäße war
in beiden Gruben ähnlich: Ein Gefäß zeigte
ter Sicherheit entscheiden lassen. Der
mit der Mündung nach oben, während das
Fundort erstreckt sich heute auf einem andere auf der Seite lag.
Grumbachtal bei St. Ingbert. Die
rund 150 ha großen Feldschlag, der zur
römische Fundstelle aus der Luft.
»Miltitzer Ebene« der Leipziger Tiefland-
bucht gehört. Auf einer Fläche von un- Von den überwiegend fundarmen
gefähr 1 ha sind hier in den vergangenen Siedlungsbefunden heben sich zwei na-
Jahren einige interessante Kleinfunde ge- he beieinanderliegende zylinderförmige
borgen worden, die auf eine wüstgefalle- Gruben ab, die sich durch die Deponierung
ne Siedlung des 10./ 11. Jh. weisen. Vor dem von jeweils zwei vollständigen Keramik-
Hintergrund der Nähe zu Merseburg, ei- gefäßen auszeichnen. Während man in
nem der Zentren Mittedeutschlands im der einen Grube eine Omphalosschale und
Mittelalter, verwundert der Neufund nicht, eine Omphalostasse deponierte, wurden
sind wir doch durch die einzigartige Chro- in der zweiten Grube zwei Trichterhals-
nik des Thietmar von Merseburg über die kannen niedergelegt, eine davon mit Strich-
internationalen Beziehungen der ottoni- bündelverzierung. In einer dritten, mul-
schen Herrscher bestens informiert. Ge- denförmigen Grube befand sich ein klei-
sandtschaften, Kriegszüge und Handel ner Eitopf.
förderten den Austausch von Menschen Ähnliche Gefäßdepots sind sowohl von
und Waren und in diesem Zusammenhang Gräberfeldern wie auch Siedlungen der
wird auch das Marktranstädter Götter- Lausitzer Kultur bekannt. Bei den in Kalk-
bild einzuordnen sein. | Th. Westphalen reuth deponierten Gefäßen handelt es
sich um Formen von Feinkeramik, die sich
Keramikdepots der Spätbronzezeit auch in zeitgleichen Gräbern finden und
Bei den archäologischen Untersuchungen als Trinkgeschirr angesprochen werden.
auf der Trasse der Europäischen Gasan- | N. Döhlert-Albani, F. Kreienbrink,
bindungsleitung wurde westlich von Kalk- I. Martin

62 AiD 6 | 2018
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Sachsen-Anhalt Apollensdorf. Scherben- Fibelmode in der Altmark


packung eines Flach- Vor einiger Zeit entdeckte der ehrenamt-
Landesamt für Denkmalpflege und
grabes.
Archäologie Sachsen-Anhalt – liche Beauftragte Enrico Vierke einen bis-
Landesmuseum für Vorgeschichte lang unbekannten Siedlungsplatz der rö-
Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle (Saale) mischen Kaiserzeit in Rockenthin im Alt-
Tel. 0345 5247-30, Fax 0345 5247-351 markkreis Salzwedel. Im vergangenen Jahr
www.lda-lsa.de stellte er fest, dass mehrere Befunde be-
poststelle@lda.stk.sachsen-anhalt.de
AiD-Korrespondentin: Manuela Schwarz M.A. reits vom Pflug erfasst wurden. Um wei-
tere Verluste zu verhindern, führte das
Landesamt zunächst eine systematische
Auf und aus Sand gebaut Begehung der Fläche im Rahmen der jähr-
Von März bis Juli 2018 fanden archäologi- lichen Schulung für Beauftragte durch, die
sche Untersuchungen in Apollensdorf bei falls aus dem örtlich anstehenden Sand. Metallsonden verwenden. Anschließend
Rockenthin. Provinzial-
Wittenberg statt. Hier sollen neue Ge- In den Hügeln waren ehemals ganze Ge- wurden die besonders gefährdeten Flä-
römische Schachbrett-
wächshäuser in einem Areal entstehen, fäßgruppen niedergelegt worden, dane- emailfibel aus dem 3. Jh.
chen im Rahmen einer Rettungsgrabung
das bereits durch einzelne Grabhügel so- ben waren einzelne Scherben als Beiga- n. Chr., Vorder- und Rück- von den Jungen Archäologen der Altmark
wie Altfunde beim Roden alter Gehölze als ben möglich. Scherben – jedoch dann in seite. e. V. untersucht.
archäologisch relevant bekannt ist. Form von kompakten Scherbenpackun-
Vier Grabhügel sowie Flachgräber der gen – kamen auch in einzelnen Flachgrä-
Jungbronzezeit wurden untersucht. Die bern vor. Diese konnten darüber hinaus
bestattende Bevölkerung gehörte zur sozusagen in klassischer Form mit Urne,
Lausitzer Kultur, die sich durch sehr vari- Abdeckung und Beigefäßen ausgestattet
ierende Grabriten auszeichnet. Erschwert sein. Aus einzelnen Gräbern stammen
werden Aussagen dazu aber durch einen Bronzen wie ein Armring oder Nadeln.
oft hohen Zerstörungsgrad in Kombinati- Den zeitlichen Beginn charakterisieren
on mit meist sehr flachen Befunden. Der Gefäße mit Hofbuckelzier; das Ende der
am besten erhaltene Grabhügel hatte je- Belegung dürfte spätestens am Ende der
doch noch eine Überdeckung von gut 1 m. Stufe Hallstatt A liegen, da waagerecht Neben zahlreichen weiteren Funden
Die Gefäße standen auf dem anstehenden geriefte Keramik noch nicht vorkommt. kam bei der Begehung wenige Zentime-
Apollensdorf. Der am
Sand; der ehemalige Humus ist wohl vor Somit liegt der Belegungszeitraum wohl besten erhaltene Grab-
ter unter der Oberfläche auch das abge-
der Hügelerrichtung abgetragen worden, in einer Spanne zwischen 1200 und hügel mit Zentralbestat- bildete außergewöhnliche Stück zutage,
die Hügelschüttung bestand dann eben- 1000 v. Chr. | T. Montag tung. das zum Fundspektrum des zeitgleichen,
nahe gelegenen Bestattungsplatzes passt.
Die runde Bronzescheibenfibel mit 27,5 bis
28,0 mm Durchmesser hat eine Armbrust-
konstruktion und trägt ein Schachbrett-
emaildekor aus rot-weiß-blauen Millefio-
riplättchen. Diese Fibeln kamen im 3. Jh.
n. Chr. als »provinzialrömische Importe«
nach Innergermanien und erfreuten sich
in der nordwestlichen Altmark und dem
direkt nördlich angrenzenden nieder-
sächsischen Gebiet besonderer Beliebt-
heit. Hier kennen wir neun Exemplare,
zumeist aus Brandgräbern. Eine ähnliche
Häufung mit vier Gewandspangen gibt
es im Süden Sachsen-Anhalts. Ihrem
schmückenden Charakter zufolge waren
sie vorwiegend bei Frauen beliebt, die ih-
re Kleidung damit zusammenhielten. Die
Fibeln unterstreichen zusammen mit dem
Neufund die guten Kontakte der einstigen
Altmärker zu Händlern provinzialrömi-
scher Waren und damit zum Imperium.
| B. Fritsch, R. Leineweber
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Schleswig-Holstein Hang gebaut wurden und durch eine auf- Geräte bezeichnet, die zur Leder-, Holz
Archäologisches Landesamt steigende Backsteintreppe eine Verbin- oder Knochenbearbeitung dienten. Tat-
Schleswig-Holstein dung zum Haupthaus andeuten. Die Zu- sächlich scheinen Gebrauchsspurenana-
Schloss Annettenhöh gehörigkeit zur Domkurie wird durch einen lysen an südskandinavischen Schabern
Brockdorff-Rantzau-Str. 70
24837 Schleswig Fund aus der Verfüllung eines kleineren diese Art der Verwendung zu bestätigen.
Tel. 04621 387-34 Kellerraumes untermauert: Ein Glasfrag- Gehandhabt wurden sie vermutlich ohne
AiD-Korrespondentin: Birte Anspach M.A. ment mit heraldischer Gravur kann dem weitere Schäftungshilfen aus Holz oder
birte.anspach@alsh.landsh.de
Familienwappen Heinrichs von Focke zuge- Horn. Aus der nordischen jungsteinzeitli-
Lübeck: Hansestadt Lübeck
Der Bürgermeister ordnet werden, der 1681 zum Domherren chen Trichterbecherkultur und der Bron-
Bereich Archäologie und Denkmalpflege ernannt wurde und dessen Privatkapelle zezeit gibt es einige Hinweise darauf, dass
Meesenring 8
bis heute im Lübecker Dom erhalten ist. den Schabern eine wichtige Bedeutung
23566 Lübeck
Tel. 0451 122-7154 Der Befundzusammenhang der ein- Lübeck. Glasscherbe zukommt, denn sie wurden in teils hohen
archaeologie@luebeck.de zelnen Gebäudeteile wurde später durch eines Gefäßes des 17. Jh. Stückzahlen in Gruben abseits der ei-
AiD-Korrespondent: Dr. Manfred Schneider mit Wappen der Familie
den Bau einer Stadtvilla mit großem Ge- gentlichen Siedlung gefunden, z. B. in Hei-
des Domherren Heinrich
wölbekeller im 19. Jh. gestört. Die »im por- von Focke. ligenhafen 84, Silkeborg Langsö 84 und
Herrschaftliche Bauten im tugiesischen Stil« gestaltete Villa wurde Skejby Universitetshospital 21 Exemplare.
Lübecker Dombezirk 1888 von Gustav Reimann erworben, der
Anlässlich eines geplanten Neubaus auf auf dem Grundstück eine Privatschule
dem Gelände einer Gewerbeschule an der gründete, die 1907 verstaatlicht wurde. Im
Parade 2 werden seit Mai 2018 Ausgra- Zuge dessen wurde nun auch die Villa
bungen durchgeführt. Das Grundstück schulisch genutzt, brannte jedoch 1942 bei
liegt im Süden der Lübecker Altstadt im der Bombardierung Lübecks aus. Der in
Bereich der ehemaligen Domimmunität, den 1950er-Jahren erneuerte Schulkom-
wo bisher nur sehr begrenzte archäologi- plex wird heute noch als Gewerbeschule
sche Einblicke möglich waren. Das Viertel betrieben und schaut somit auf eine über
war laut schriftlichen Überlieferungen seit 100-jährige Schultradition zurück.
1300 mit den Kurien der Domherren be- | J. Harder, L. Schulten
baut, die kurz nach der Säkularisierung
des Domstifts 1803 zum größten Teil ab- Schaber – gewöhnlich und
gerissen wurden. rätselhaft zugleich
Die bisher aufgedeckten Gebäude- In jungsteinzeitlichen Feuersteininventa- Oldenburg-Dannau. Zwei Funde aus Oldenburg-Dannau im
strukturen aus Backstein zeigen eine kom- ren fristet der Halbrund- oder Rundscha- Grube mit 45 Halbrund- Kreis Ostholstein und Borgdorf-Seedorf
schabern. Die Fund-
plexe Bebauung mit Haupt- und Neben- ber neben den geschliffenen Flintbeilen, im Kreis Rendsburg-Eckernförde weisen
umstände geben Rätsel
gebäuden in westlicher Hanglage, die der Dolchen, Sicheln, Pfeilspitzen und Klingen- auf. ebenfalls in diese Richtung. Der Gruben-
Domkurie zugeordnet werden können und geräten ein eher tristes Dasein. Schaber befund am Rande der neolithischen Sied-
den Zeitraum vom 14. bis zum 18. Jh. abde- sind schnell aus teils derben Abschlägen lung von Oldenburg-Dannau besteht aus
cken. Das repräsentative Haupthaus stand oder Frostsprüngen herzustellen, die Re- insgesamt 45 Schabern, bei der spätbron-
traufständig, leicht zurückversetzt zur tuschierung einer konvexen Arbeitskante zezeitlichen Siedlung von Borgdorf-See-
Straße. An Nebengebäuden haben sich vier dauert nur wenige Augenblicke und er- dorf lagen insgesamt sieben Geräte un-
miteinander verbundene Räume erhalten, fordert kaum flinttechnisches Know-how. mittelbar beieinander. Immer handelt es
die parallel zum Haupthaus westlich in den Diese Werkzeuge werden auch als Ad-hoc- sich um Schaber aus einfachen, hart ge-
schlagenen Abschlägen, die größere An-
teile von Restrinde aufweisen.
Über die Gründe, warum diese Geräte
in Grubenbefunde gelangten, und ob es
sich dabei tatsächlich um abgenutzte, also
nicht mehr funktionstüchtige Abfallpro-
dukte handelt, kann nur spekuliert wer-
den. Hier könnten Gebrauchsspurenana-
lysen weiterhelfen. Offenbar ist bei diesen
einfachen Werkzeugen unter Berücksich-
Lübeck. Im Vordergrund
tigung ihrer ungewöhnlichen Fundum-
Reste der mittelater-
lichen Domkurie, dahin-
stände auch nicht völlig auszuschließen,
ter großer Keller der dass sie aus rituellen Gründen in den Bo-
»Stadtvilla« von 1888. den gelangten. | S. Hartz, V. Klems
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Thüringen basgestein. In die Stadtmauer integrierte


Thüringisches Landesamt für man bereits im 14. Jh. Halbschalentürme,
Denkmalpflege und Archäologie die sonst erst im 15. Jh. in Mode kamen. Die
Humboldtstraße 11 Türme hatten ein lichtes Innenmaß von
99423 Weimar
Tel. 0361 57 3223-327, Fax 0361 57 3223-390 2,95 m bei einer Mauerstärke von 0,8 m.
www.thueringen.de/denkmalpflege Sie wurden, wie auch teilweise die Stadt-
post.weimar@tlda.thueringen.de mauer, im 17. Jh. bis zum Fundament ab-
AiD-Korrespondentin: Julia Raasch-Bertram M.A.
getragen. | I. Spazier, M. Grosch

Saalburg – wie sah die Vorburg aus? Amphoren in Westthüringen


Saalburg ist eine Kleinstadt im Thüringer Bei der Durchsicht von Keramik aus
Schiefergebirge am Oberlauf der Saale. Schwabhausen im Landkreis Gotha fielen
Die Herren von Saalburg gründeten direkt sieben Scherben auf: Die orangetonigen
am Fluss – am heutigen Bleilochstausee – Fragmente stammen von fünf verschie-
Saalburg. Fundament
zu Beginn des 13. Jh. ihre Burg. Das Gelän- mit 8 m Seitenlänge denen Drehscheibengefäßen mit großem
de der Hauptburg wurde vor einigen Jah- wohl eines Turmes. Durchmesser. Im Bruch der Scherben ist
ren untersucht. Die quadratische Innen- eine Schichtung erkennbar; es wurde ne-
fläche mit 33 m Seitenlänge umgab im nach Osten sicherte. Dafür verwendete ben Quarz auch Kalk als Magerungsmit-
Norden, Süden und Westen eine Ring- man Steine in Hausteinqualität. Ein v-för- tel eingesetzt. Dies sind Hinweise darauf,
mauer. Nach Osten riegelte eine Schild- miger Graben führte unmittelbar beim dass es sich um Scherben von Amphoren
mauer die Haupt- zur Vorburg ab. Letztere Turm von der Hangkante nach Südosten. handeln könnte. Eines der Fragmente
war 3 m breit und mehr als 38 m lang. Vor Etwa 15 m östlich verlief ein zweiter un-
der Mauer verlief ein 8 bis 10 m breiter und gefähr 3 m breiter Spitzgraben. Er gehör-
bis zu 4,5 m tiefer Halsgraben. Außerdem te, wie auch der erste Graben, zu einem
standen auf dem höchsten Punkt ein 10 m Wall-Graben-System, das den Burgbezirk
starker Bergfried und ein 11 m breiter und nach Osten und sicher auch Süden abrie-
30 m langer saalartiger Wohnbau, der in gelte. Im Norden sicherten eine Ring-
die Ringmauer integriert war. Ein 10,3 m × mauer und steile Hänge das Areal. Die
7,4 m großes Gebäude schloss an die In- Anlage einschließlich der Vorburg hatte
nenseite der Schildmauer an. somit nach Osten eine Ausdehnung von
Eine Untersuchung in der Tummelgas- 260 m. Schwabhausen. Wand-
se, die nach Osten an das Burggelände an- Die beiden Spitzgräben und der Turm scherbe einer Imitation
südspanischer Ölampho-
schließt, erbrachte nun Näheres zur Vor- wurden im 14. Jh. aufgegeben. Danach
ren.
burg. Schon der Verlauf der abgewinkel- wurden Teile der Burg in die Stadt einbe-
ten Gasse ließ historische Wurzeln ver- zogen und mit einer Stadtmauer umge-
muten. Unmittelbar beim Knick konnte ben. Diese hatte eine Breite von 1,2 m und
ein quadratisches Kellerfundament von reichte im Bereich des Turmfundamentes stammt vom Rand wohl einer Bieram-
8 m Seitenlänge dokumentiert werden, bis zu 2,6 m tief auf den anstehenden Fel- phore. Ein ähnliches Bruchstück ist aus
über dem im frühen 13. Jh. am östlichen sen. Im Bereich des vermuteten Turmes Bielen-Nordhausen bekannt und wird in
Rand der Vorburg vermutlich ein Turm gründete sie in dessen Bauschutt. Sie be- das 4. Jh. n. Chr. datiert. Bei den anderen
errichtet worden war, der das Gelände stand aus in Kalkmörtel gesetztem Dia- Scherben handelt es sich um Wandfrag-
mente, was die Bestimmung erschwert.
Anhand von Vergleichsmaterial stammt
eine handtellergroße Scherbe vermutlich
von einer Amphore der Form Dressel 1, die
im Oppidum von Manching vorkommt.
Weitere drei Gefäßfragmente stammen
eventuell von lokal hergestellten Trans-
portbehältern und imitieren südspani-
sche Ölamphoren des 2. bis 3. Jh. n. Chr.
Produktionszentren für diese Ware sind in
und um Mainz belegt. Für eine genaue
Saalburg. In der
Tummelgasse konnte
Zuordnung sind jedoch chemische Analy-
das Vorburggelände sen erforderlich, die derzeit durchgeführt
erforscht werden. werden. | M. Reichardt

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len und wurden eine wichtige Grundlage


Von Pfalz zu Pfalz der Pfalzen-Forschungen in Deutschland.
Karl der Große führte mit seinen Fran-
Die Könige und Kaiser des Mittelalters waren ständig unterwegs, um ihr ken im letzten Viertel des 8. Jh. einen fast
Reich in Ordnung zu halten. Da ihr Gefolge recht stattlich war, errichteten 30 Jahre langen grausamen Krieg gegen
die Sachsen, in dessen Verlauf Nord-
sie seit Karl dem Großen ein beachtliches Netz an »Absteigemöglichkeiten«, deutschland zwischen Elbe und Ruhr in
die man heute gemeinhin Königspfalzen nennt. Mit unseren Beiträgen das Frankenreich eingegliedert werden
möchten wir Sie, liebe Leser, animieren, es den damaligen Herrschern konnte. Im Jahr 776/ 777 ließ der Franken-
könig einen befestigen Palast, eine Kö-
gleichzutun und zwei Orte zu besuchen, an denen man drei Pfalzen besich- nigspfalz, an den Quellen der Pader er-
tigen kann, um sich ein Bild von den königlichen Unterkünften zu machen. richten. Einige fränkische Annalen gaben
Heute ist das Reisen ja meist bequemer und es gibt im Umkreis unserer Ziele dem neu gegründeten Ort zunächst den
programmatischen Namen »urbs karoli«
noch manches, was man besichtigen sollte oder einfach nur genießen kann.
oder »karlesburg«. Nach der Zerstörung
Wir geben viele Tipps. des Palastes durch aufständische Sachsen
im Jahr 778 setzte sich der Name Pader-
born durch. Auch aus politischen Gründen
Königlicher Palast an den Paderquellen AiD war für Karl Sachsens Christianisierung
äußerst wichtig. So war die Paderborner
Mit seinem 92 m hohen Turm dominiert in Form einer Hallenkirche mit Kuppeln, Pfalz sowohl militärischer Stützpunkt als
der mächtige Dom das Zentrum Pader- soll der Bischof byzantinische Baumeister auch Taufpfalz. Öffentliche Massentaufen
borns. Nur einen Steinwurf entfernt nörd- angeworben haben. von mehr oder weniger freiwillig bekehr-
lich davon liegt etwas erhöht die jüngere ten Bewohnern der Region konnten im
der beiden einst an den Quellen der Pa- Karolingische Pfalz Quellwasser der Pader durchgeführt wer-
der entstandenen Kaiserpfalzen. Sie wur- Für Besucher nicht mehr ganz so spekta- den. Östlich der Aula wurde ein weiteres
de im 11. Jh. für die damals ständig rei- kulär, aber umso geschichtsträchtiger Gebäude aus der Zeit um 777 freigelegt,
senden Regenten (den Ottonen Hein- zeigt sich die ebenfalls direkt am Dom ein Sakralbau. Die Fundamentstrukturen
rich II. und den Salier Konrad II.) errichtet. gelegene Pfalz, die Karl der Große im 8. Jh. sind heute im Pflaster zwischen Dom und
Der heutige Bau ist eine Rekonstruktion, errichten ließ. Die »aula regia«(Königs- Pfalz kenntlich gemacht. Ehemals Pfarr-
bei der man auf die mittelalterlichen Fun- halle) misst für die damalige Zeit sehr kirche für den Paderborner Raum, wurde
damente zurückgreifen konnte, was eine stattliche 31 m × 10 m. Ihre Entdeckung im sie schon vor 799 aufgegeben und durch
schlüssige Wiederherstellung der Gebäu- Jahr 1964 war eine archäologische Sensa- Kaiserpfalz-Museum einen Neubau an der Stätte des heutigen
de ermöglichte. Für den Besucher lässt tion, denn die Existenz eines solchen Baus und Dom erzählen die Doms ersetzt. Dies war ein karolingischer
sich die historische Bausubstanz durch die war unter Historikern lange umstritten. Ih- mittelalterliche Ge- Großbau, 43 m lang und 21 m breit, der we-
deutlich unterschiedliche Steinfärbung re Grundmauern sind heute zwischen Dom schichte Paderborns. nige Jahre später zur ersten Domkirche Pa-
Schloss Neuhaus (unten
gut erkennen. und der Pfalz aus dem 11. Jh. noch zu se- derborns wurde.
links) ist ein hervor-
hen. Die Grabungsbefunde ermöglichten ragendes Beispiel der 799 empfing Karl Papst Leo III. in Pa-
Ottonisch-salische Pfalz eine neue Interpretation der Schriftquel- Weserrenaissance. derborn, präsentierte ihm seine Erobe-
Kern der Anlage war die heute noch be-
eindruckende 44,5 m lange und 16,35 m
breite königliche Halle. Ein großer Torbo- Schloss Neuhaus Lippe

gen, über 7 m hoch erhalten, führte zu ei- ad


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er
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nem Balkon, von dem der Herrscher den


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der
Jubel seines Gefolges entgegennehmen
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konnte. Bauherr des Palastes war der Pa- Fü


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derborner Bischof Meinwerk (1009–1036), ee Ro


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der hier Heinrich und Konrad samt gro-


mol

Heinz Nixdorf
Museums Forum
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ßer Entourage häufig zu teils recht langen


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Computermuseum & Konferenzzentrum


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Aufenthalten begrüßen konnte. Diese Be-


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suche führten auch zu einer prunkvollen 33


materiellen Ausstattung der Gebäude. Ne- PADERBORN
Heinz-Nixd

ben der Königshalle gehörte zum Ge-


Kaiserpfalz
samtensemble eine 1017 geweihte Kapel- und Museum
N Drib
le am Eingang zur Pfalz. Bartholomäus ge- Dom urg
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Alm

Heinz Nixdorf tr.


weiht, ist sie eines der wichtigsten Bau- S Museums Forum Diözesanmuseum
denkmäler Westfalens. Für ihre Errichtung

AiD 6 | 2018 67
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rungen, sein Missionswerk und die neue Dem Herrscher auf der konstruktionen der karolingischen Pfalz der Christianisierung. Es folgen Zeugnis-
Kirche. Dem zweiten Paderborner Bischof Spur im Museum der Kai- und zahlreiche Einzelfunde zeigen die se der gewaltsamen Eroberung und Bele-
serpfalz. Im Quellkeller
Badurad (815–862) gelang es in der Folge Ausmaße und die reiche Ausstattung des ge der frühen Christen in der Region. Ei-
ist einer der Ursprünge
des Papstbesuchs, die Reliquien des hei- der Pader gefasst. High-
Palastes. Eindrucksvoll sind auch die vie- ne weitere Abteilung ist der neuen Blüte
ligen Liborius nach Paderborn zu holen. light der Gotik: Kopf mit len Reste des bemalten Wandputzes. Ei- im 11. Jh. gewidmet. Abschließend wer-
Diese Maßnahme hinterließ bleibende Binde des »Naumburger ne Abteilung zur Geschichte des Frühmit- den Funde und Erkenntnisse der Archäo-
Spuren: Die Pilgerströme erforderten be- Meisters«, um 1240. telalters in Westfalen illustriert anhand logie zur Entwicklung der Stadt Paderborn
reits im 9. Jh. Neubauten. Der Heilige fand reicher Grabfunde des 6.–8. Jh. die Zeit vor vorgestellt.
seinen Platz in der Krypta eines West-
baus im Dom.
Beim weiteren Rundgang um die Pfalz- LWL-Museum in der Kaiserpfalz imbiss oder Mittagessen (mehrere Gerichte
anlage sind zunächst Reste des mittelal- Am Ikenberg 1, 33098 Paderborn, zur Wahl) und Kaffeegedeck sind ebenfalls in-
terlichen Domklosters zu erkennen. Ganz Di bis So 10 bis 18 Uhr begriffen.
www.kaiserpfalz-paderborn.de
im Osten auf dem Weg hinab zur Pader Info, Preise und Buchung bei der Tourist Infor-
sind die hochaufragenden und rekon- Direkt neben dem Dom liegt das Museum mation Paderborn, Tel. 05251 882980, tourist-
in der Kaiserpfalz, errichtet am ursprüng- info@paderborn.de, www.paderborn.de/tou-
struierten Mauern einer kleinen Pfalzkir-
lichen Ort. Hier empfing Karl der Große rismus
che, der Ikenbergkapelle, zu sehen. Im hohe Gäste. Hier residierte sein Nachfol-
Norden an der Pader wird besonders gut ger Heinrich II. Dom-Besichtigung mit
die ursprünglich militärische Funktion der Lettner-Rekonstruktion
Pfalz mit einer steinernen Befestigungs- »GOTIK – Der Paderborner Dom Dom-Führungen: Dombüro Erzbistum Pader-
und die Baukultur des 13. Jahr- born (vormittags), Tel.: 05251 125–1630,
mauer erkennbar. Vor der Pfalz liegt das
hunderts in Europa« dombuero@erzbistum-paderborn.de
beeindruckende Quellbecken der Pader. www.erzbistum-paderborn.de/dom
Die Ausstellung ist bis 13. Januar 2019 zu
Der wasserreiche Fluss entspringt hier aus
sehen. Highlights sind neben dem Lett- Markt 5 Café
über 200 Quellen, um nach nur 5 km in die ner die Reimser Palimpseste – die ältes- Markt 5, Tel. 05251 8738223
Lippe zu münden. Eine der Paderquellen ten erhaltenen Architekturzeichnungen –,
war bereits in den karolingischen Mauer- großartige Bildhauerwerke, etwa der Restaurant Bobberts
ring einbezogen, sodass die Wasserver- Kopf mit der Binde des Naumburger Meis- Neuer Platz 3, Tel. 05251 1844227
ters, sowie das einzigartige Heiliggrabre-
sorgung auch in Kriegszeiten gewährleis-
liquiar aus dem Schatz der Kathedrale Restaurant Ratskeller
tet war. Später wurde die Quelle durch den von Pamplona, das erstmals in Deutsch- Rathausplatz 1, Tel. 05251 201133
Pfalzbau des 11. Jh. überbaut. Ein kleiner land ausgestellt ist. Digitale Animationen
Wasserlauf strömt so bis heute aus dem und 3-D-Modelle gewähren zudem unge- Schloss Neuhaus
wöhnlichen Einblick in die Konstruktions- im gleichnamigen Paderborner Stadt-
Keller dieser Pfalz in das Quellbecken der
techniken gotischer Gebäude. teil ist ein bedeutendes Bauwerk der Weserre-
Pader.
naissance. Das Schloss liegt wie auf einer In-
Diözesanmuseum Paderborn
sel am Zusammenfluss von Lippe, Alme und
Markt 17, 33098 Paderborn,
Museum in der Kaiserpfalz Pader. Unweit davon locken der Lippe- und
Di bis So 10–18 Uhr,
Im wiedererrichteten Bau der ottonisch- der Nesthauser See mit zahlreichen Sport-
www.dioezesanmuseum-paderborn.de
und Freizeitmöglichkeiten.
salischen Kaiserpfalz befindet sich heute
Für Gruppen gibt es Tagesprogramme:
ein Museum. Hier erklärt sich dem Besu- Eintritt in die Ausstellung inkl. Führung Weltkulturerbe Westwerk Corvey
cher Bedeutung und Funktion einer Pfalz (90 Min.) und Stadtrundgang (90 Min.) Das 873 bis 885 entstandene Westwerk
für einen reisenden König und stellt die oder Domführung (75 Min.). Mittags- präsentiert sich in wesentlichen Teilen im
Ergebnisse der Pfalzgrabungen vor. Re-

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on wurde im Rahmen der Gotikausstel-


Ein riesiges Puzzle für Archäologen Von Christiane Ruhmann lung digital in den Dom eingebracht.
Obwohl an vielen Stellen Unsicherheit
Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte nen daran für gut sein wieder zu dem ne- herrscht, ließ sich zumindest die grobe
kamen Überreste jenes gotischen Lettners wen Werck gebrauchen« sollte (Paderborn Gestalt samt Proportionen ermitteln: Die
ans Licht, der einst im Dom von Paderborn Kapselarchiv, Cap s. 66 »structura« Nr. 29a, Lettnerfront bestand aus einem zentralen
stand. Anlässlich der großen Ausstellung zit. nach Tack 1949). Spitzbogen, der links und rechts von je
zur Gotik im Diözesanmuseum konnte das Dass Meister Deger sich an die Anwei- einer durch einen Kleeblattbogen über-
kunstvolle Bauwerk rekonstruiert werden. sungen seines Abrissvertrages gehalten fangenen Öffnung flankiert wurde. An die-
Als das Paderborner Domkapitel 1652 be- hat, wurde offenbar, als man Ende der se schloss sich wiederum jeweils im Nor-
schloss, eine Umgestaltung des Doms im 1970er Jahre im Osten des Doms bei der den wie im Süden – dies legen im Original
Stil des Barock in die Wege zu leiten, da Niederlegung der barocken Chorschran- überlieferte Lettner nahe – ein weiterer
betrafen die zunächst ins Auge zu fas- ken zahlreiche Fragmente gotischer Ar- Durchgang unbekannter Form an. In der
senden Abrissarbeiten auch den goti- chitektur freilegte. Bereits 1924 beim Ab- virtuellen Rekonstruktion sind die äuße-
schen Lettner des Gotteshauses – also je- bau des im Chor des Doms gelegenen ren Bögen der Einfachheit halber als
ne steinerne Schranke, die seit Ende des Grabmals Dietrich Adolfs von der Reck Spitzbogen gestaltet. Zentral in der viel-
13. Jh. den Chor vom Langhaus getrennt (†1661) war eine erste Sitzstatue ohne leicht von einem Giebel überfangenen
hatte und Ort für Lesungen, Chorgesän- Kopf gefunden worden. Sodann barg man Brüstung fand sich ein Blend-Fünfpass,
ge sowie Standort des Kreuzaltars war. Der 1925 Reste von Skulptur und Bauzier, als den rechts und links Apostel bzw. Pro-
gräfliche Maurermeister Hans Deger aus man in der Vierung den Boden um ca. pheten in der Brüstung flankierten. Wei-
Ein Ausstellungs-High-
Rhaden erhielt einen Vertrag, in welchem 30 cm absenkte, um im Langhaus die Sicht tere überlieferte Fragmente, wie etwa der
light: Heiliggrab-Reli-
er das Toxsall (also den Lettner) »sambt auf den Chor zu verbessern. Die Frag- Rest eines Höllensturzes, bestätigen die
quiar um 1280 bis 1300
dreyen altaren vor dem Chor mit besten mente der Bauuntersuchungen 1924/25 in der Kathedrale von Weltgerichtsthematik der Lettnerzier, was
Vortheill abbrechen, waß von hawenstei- wurden unter Hinweis auf überlieferte Pamplona, heute in Paris. nahelegt, dass einst ein thronender oder

Baubestand des 9. Jh. In allen Räumen finden


sich farbige Wandmalereien mit Ornament-
bändern, Zierformen und Mustern. Einzigartig
ist ein Bilderfries mit der ersten nachweisba-
ren Darstellung eines Sujets aus der antiken
Mythologie im Bereich der Wandmalerei nörd-
lich der Alpen. Ab 2019 wird dem Besucher
das Welterbe Westwerk Corvey mithilfe neuer
Technologien multimedial erschlossen.

Für Besichtigungen ist eine Anmeldung erfor-


derlich unter Telefon 05271 68168.
www.schloss-corvey.de
www.welterbewestwerkcorvey.de

Heinz Nixdorf MuseumsForum


Fürstenallee 7, 33102 Paderborn
www.hnf.de

Paderborn ist Heimat des größten Computer- Schriftquellen bereits dem Lettner zuge- Die virtuelle Rekonstruk- wiederkehrender Christus den zentralen
museums der Welt! Das Heinz Nixdorf Muse- wiesen. Die nun 1978/79 aufgefundenen tion vermittelt einen Fünfpass schmückte. Einzig erhaltener
umsForum (HNF) bietet auf 6000 m2 Ge- Eindruck vom ursprüng-
Fragmente, die deutliche Spuren der Ab- Bauteil des Lettners im Dom selbst sind
schichte, Gegenwart und Zukunft der Infor- lichen Aussehen des go-
mationstechnik – von den ersten Schriftzei- brucharbeiten und auch Mörtelreste tra- tischen Lettners.
Zierkonsolen jeweils an den Innenseiten
chen über Schreib- und Rechenmaschinen bis gen, sowie Reste von Befunden wurden der östlichen Vierungspfeiler, bis zu deren
zu frühen Computern und aktuellen Robotern. zeichnerisch dokumentiert und im Rah- Höhe sich die Schranke einst erstreckte.
Ein spannendes Ausflugsziel und ein lebendi- In der Ausstellung sind figürliche Frag-
men einer Dissertation publiziert.
ger Veranstaltungsort für Groß und Klein mit
vielen Möglichkeiten zum Entdecken und Aus-
Für die aktuelle Gotik-Ausstellung wur- mente des Lettners zu sehen, die sich
probieren. de der Versuch unternommen, einen Ein- nicht in die Rekonstruktion einfügen lie-
druck der Ausmaße bzw. die räumliche ßen. Der rekonstruierte Lettner selbst ist
Eggengebirge Wirkung des Paderborner Lettners zu ver- für die Zeit der Gotik-Schau, wenn schon
Im 20 km entfernte Eggegebirge fin-
mitteln. Grundlage der Rekonstruktion nicht am einstigen Standort vor der Vie-
den Wanderer ein ausgedehntes Wegenetz
vor. Es reicht bis an den Teutoburger Wald mit waren die originalen Überreste. Fachleu- rung, so doch im Paderborner Dom im
Hermannsdenkmal und Externsteinen. te der Steinrestaurierung fügten die Frag- südlichen Ostquerhaus zu sehen und ver-
www.teutoburgerwald.de mente wie ein überdimensionales Puzzle mittelt einen Eindruck vom ursprüngli-
zusammen. Diese analoge Rekonstrukti- chen Aussehen in gotischer Zeit.

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Frankfurts Kaiserpfalz in neuem Gewand Von Karen Allihn

Frankfurts historische Keimzelle präsen- richteten sie eine Militärstation. Nach der Die karolingische Pfalz- schen Denkmalamts, Andrea Hampel,
tiert sich seit einigen Jahren im »Archäo- fränkischen Landnahme entstand hier ab anlage um 860 n. Chr. Das nicht müde wird zu betonen: Der Platz
detailreiche Lebensbild
logischen Garten«. Neu ist das »Stadthaus etwa 500 n. Chr. ein merowingischer Kö- wurde nicht bebaut, sondern als archäo-
basiert auf Grabungs-
am Markt«: Es bewahrt auf dem Domhü- nigshof. Im Jahr 794 beschloss Karl der befunden, vergleichbaren
logisches Schaufenster freigehalten.
gel historische Spuren aus rund 2000 Jah- Große in der »villa fraconofurd« eine Ein- archäologischen Plätzen Als 2007 allerdings ein Rahmenplan
ren für den Besucher der Mainmetropole. heitswährung: Das karolingische Silber- und zeitgenössischen für die Neugestaltung des Dom-Römer-
Die Jagdsaison war vorüber, und für pfund (pondus Caroli) zu 20 Schilling bzw. Bilddenkmälern. Da- Areals beschlossen wurde, war zunächst
neben das Archäologische
den kaiserlichen Hof stellte sich wieder 240 Pfennigen wurde zum »Ur-Euro«, der unklar, was mit dem Archäologischen Gar-
Museum mit dem wieder-
einmal die Frage: Wohin nun? Die Wahl fiel für das gesamte damalige Europa von der aufgebauten gotischen ten geschehen solle. Die Diskussion war
auf die »villa franconofurd«, Schnittpunkt Nordsee bis nach Mittelitalien und vom At- Karmeliterkloster. Thema im Brennpunkt der AiD (Heft 1/
uralter Handelswege vor Hochwasser ge- lantik bis zur Elbe galt. 2011, S. 40). Dass der Garten als »archäo-
schützt an einer Furt durch den Main. Man logisches Denkmal allerersten Ranges,
schrieb das Jahr 822. Ludwig der Fromme Neue Pläne für Frankfurts Keimzelle das dem Schutz des Hessischen Denk-
zog mit seinem Gefolge über den Rhein Aus schriftlichen Quellen fiel auf die früh-
gen Osten. Doch dachte er dabei nicht geschichtliche Ära »franconofurds« schon
nur ans Überwintern, sondern, wie es sich lange ziemlich helles Licht. Doch erst nach Kaiserpfalz »franconofurd«
für einen Kaiser gehört, auch an die Poli- der vollständigen Zerstörung der Frank- unter dem Stadthaus am Markt
tik. Dafür hatte er extra, wie in den Reichs- furter Altstadt im Zweiten Weltkrieg war täglich von 8.30–19.30 Uhr, Eintritt frei,
annalen überliefert, in »franconofurd« es möglich, den schriftlichen Überliefe- kostenlose Führungen Mi 18 (bis 28.10.),
Sa 15 und 16.30 Uhr (bis 26.11.)
neue Pfalzgebäude errichten lassen – rungen archäologische Befunde an die
groß genug für zwei Reichsversammlun- Seite zu stellen. Von 1953 an fanden hier Archäologisches Museum
gen, die hier in jenem Winter und im Mai gezielte Ausgrabungen durch das Muse- Karmelitergasse 1
des Folgejahres abgehalten wurden. Ge- um für Vor- und Frühgeschichte (heute Ar- 60311 Frankfurt am Main
www.archaelogisches-museum-frank
sandte aller damals bekannten europäi- chäologisches Museum) statt. Die Ergeb-
furt.de, Di, Do–So 10–18, Mi 10–20 Uhr
schen Völker reisten, sorgfältig mit Ge- nisse – römische Badeanlagen, Mauern
schenken ausgestattet, nach »francono- der Pfalzanlage, darunter die 12,6 × 26,5 m Exponate von der Steinzeit bis zum frü-
hen Mittelalter; Schwerpunkt: die römi-
furd«. Wenig später, am 13. Juni 823, wur- große aula regia sowie spätmittelalterli-
schen Funde aus Nida-Heddernheim, au-
de in der Frankfurter Kaiserpfalz Ludwigs che Keller – wurden ab 1971 in einem Ar- ßerdem Funde der Klassischen Antike
Sohn Karl II. geboren, genannt Karl der chäologischen Garten präsentiert. In den und des Alten Orient.
Kahle, später König von Frankreich und 1980er Jahren suchte man die Baureste
Dommuseum Frankfurt
Italien, ab 875 sogar römischer Kaiser. der drei genannten Zeitebenen kenntlich
Domplatz 3, 60311 Frankfurt
Keine Frage, hier wurde Geschichte ge- zu machen, indem man sie in verschiede- www.dommuseum-frankfurt.de
schrieben. Doch die Karolinger waren nen Höhen aufmauerte. Die Kritik an die- Di–Fr 10–17, Sa/ So 11–17 Uhr
nicht die ersten, die die Vorzüge dieses sem Eingriff sowie an einem Mangel an Funde eines Kindergrabes der Merowin-
Platzes erkannten. Ab dem 8. Jt. v. Chr. wur- Pflege und Didaktik darf jedoch nicht über gerzeit; Ausgangspunkt der Pfalzbasilika,
de er aufgesucht, in augusteischer Zeit ka- eine »Großtat« der Stadt Frankfurt hin- über der später der Dom errichtet wurde.
men die Römer, im späten 1. Jh. n. Chr. er- wegtäuschen, wie die Leiterin des städti-
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malschutzgesetzes unterliegt, keines- grund vorhandener Putzfragmente fest- vermutet direkt an den Thronsaal, son-
wegs zerstört oder zugeschüttet werden gestellte antike Wandmalerei der Ther- dern endete in einiger Entfernung. Der
darf«, hat besonders der Frühmittelalter- me wird originalgetreu angedeutet. bisher als rechteckiger Annex oder Vor-
Spezialist Egon Wamers, 2002 bis 2017 Di- Die Ergebnisse der jüngsten Ausgra- halle angesprochene Anbau im Südwes-
rektor des Archäologischen Museums bungen des Denkmalamts während der ten der Königshalle wird als mächtiger
Frankfurt, immer wieder angemahnt. 2011 Bauphase finden nicht nur hier ihren Nie- Turm dargestellt. Nicht nachgewiesen
endlich entschied sich die Stadt nach ei- derschlag, sondern auch in einem neuen werden konnte dagegen ein bisher im Os-
nem internationalen Wettbewerb für ei- Bronzemodell der karolingischen Pfalz- ten angenommener repräsentativer Ein-
nen Entwurf der Architektengemeinschaft anlage: So grenzte der bereits von Otto gangsbau nach dem Vorbild der Lorscher
Am »Römer« führt der
Meurer, der eine Einhausung des Archäo- Stamm lokalisierte überdachte, 3 m brei- Torhalle. Wie die Pfalz nach den neuesten
Krönungsweg vorbei.
logischen Gartens und seine Präsentation te Verbindungsweg zwischen der aula re- Erkenntnissen innen und außen ausge-
Vor dem Senckenberg-
unter einem neu zu errichtenden Stadt- gia und der östlich der Pfalz im Jahr 855 museum werben Dino- sehen haben mag, zeigt ein Film gleich ne-
haus vorsah. Als »Kaiserpfalz francono- eingeweihten Basilika nicht wie bislang saurier um Besucher. ben dem Modell.
furd« konnte Frankfurts Keimzelle dann
im August 2018 – in neuer musealer, von
Egon Wamers konzipierter Gestalt – der
Öffentlichkeit übergeben werden.

Modernes Fenster in die Vergangenheit


Von unten angestrahlt, werden die Mau-
ern der aula regia optisch hervorgehoben.
Darüber, was an diesem Fundament ori-
ginal und was ergänzt ist, informiert eine
Karte, auf der die einzelnen Zeitepochen
farbig markiert sind. Zwei große Panora-
mabilder führen in die Lebenswelt der
einstigen römischen Straßenstation wie
der karolingischen Pfalzanlage. Die Reste
eines römischen Thermalbades wurden
dem historischen Befund wieder angenä-
hert, indem etwa die früher aus Gussbe-
ton nachempfundenen Hypocaustsäulen
aus Ton neu gebrannt wurden. Die auf-

Senckenbergmuseum hstr.
Historisches Museum Senckenberg Forschungsinstitut Bockenheimer Bleic
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60311 Frankfurt Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt
www.historisches-museum-frankfurt.de www.senckenberg.de
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oder Picasso bis hin zu Kirchner und Beckmann. Gehobene saisonale deutsche Küche
cke

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Wissenswert
Nomaden in Arabiens Wüsten Archäologe aus Leidenschaft –
vor 8000 Jahren zum Tod von Michael Gechter
Die prähistorischen Ursprünge der Oasen Am 18. Juni 2018 verstarb Michael Gechter
rund um Al ‘Ain in den Vereinigten Arabi- in Rheinbach bei Bonn. 1974 promoviert,
schen Emiraten kann man immer weiter nahm er 1975 seine Tätigkeit beim Land-
zurückverfolgen. Seit 2017 wird rund um schaftsverband Rheinland auf. Als man
den Welterbe-Platz wieder ausgegraben, 1987 die Bodendenkmalpflege aus dem
wie die AiD vergangenes Jahr berichtete Rheinischen Landesmuseum Bonn aus-
(AiD 6/ 2017, S. 72). Die aktuellen Untersu- gliederte, übernahm er die kommissari-
chungen konzentrieren sich auf die Peri- sche Leitung der neuen Dienststelle bis
ode noch vor der Entstehung von Oasen zum Amtsantritt des neuen Direktors. Von
mit Ackerbau und Obstkulturen vor etwa 1989 bis zu seinem Ausscheiden 2012 lei-
5000 Jahren. Während dieser frühneoli- tete er die Außenstelle Overath im LVR-Amt
thischen Periode zogen die Wüstenbe- für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
wohner als Nomaden mit Ziegen und Scha- Mit Michael Gechter verliert das Fach
fen von Lager zu Lager. Zum Teil lebten einen leidenschaftlichen Archäologen, der
sie von der Jagd, z. B. auf wilde Gazellen. 300 kg schwerer Stein Wo lag das Bethsaida der viele Jahrzehnte zur römischen Militär-
Peter Magee, Chef der archäologischen aus Basalt mit einge- biblischen Apostel? geschichte der nördlichen Rheinlande
arbeiteten Nischen. Ver-
Abteilung der zuständigen Behörde für Seit 2016 gräbt ein internationales Team forschte, Ausgrabungen in den bedeu-
mutlich Reliquiar aus
Kultur und Tourismus von Abu Dhabi: »Die der byzantinischen Kir- in Khirbet el-Araj (Beit ha-Bek) am nörd- tenden Militärlagern Bonn, Dormagen,
Steinwerkzeuge, die dort gefunden wur- che von Bethsaida über lichen Ufer des Sees Genezareth. Im Au- Haus Bürgel durchführte und die Aufar-
den, können mithilfe von Radiokarbon- den Häusern der Apostel gust 2018 wurde die dritte Kampagne ab- beitung der frühen Militärlager in Neuss
daten von anderen Fundplätzen in den Petrus und Andreas. geschlossen. Die neuen Ergebnisse spre- auch im Ruhestand vorantrieb. Maßstäbe
Vereinigten Arabischen Emiraten in die chen dafür, den Platz mit dem antiken setzten auch seine montanarchäologi-
Zeit vor 8000 Jahren datiert werden. Eini- jüdischen Fischerdorf Bethsaida zu iden- schen Untersuchungen im Bergischen
ge besondere Werkzeugtypen rund um Al tifizieren, der im Neuen Testament als Hei- Land.
Yahar könnten sogar noch älter sein.« Die mat der Apostel Petrus, Andreas und Phi- Michael Gechter war ein streitbarer
Werkzeuge der stein-
Fundstellen um die Oasen von Al ‘Ain ge- lippus genannt wird. Wissenschaftler – bekannt für seine Ecken
zeitlichen Nomaden aus
hören somit zu den ältesten kontinuier- Al ‘Ain, vermutlich über An den Forschungen beteiligt sind das und Kanten im Umgang mit Kollegen und
lich besiedelten Plätzen der Welt. | AiD 8000 Jahre alt. »Institute for Galilean Archeology at Kin- Behörden. In der Öffentlichkeit und bei
neret College«, das «Center for the Study »seinen« ehrenamtlichen Mitarbeitern
of Ancient Judaism« und das Nyack Col- vermochte er die denkmalpflegerischen
lege in New York. In der gerade abge- Anliegen stets populär vorzutragen; dafür
schlossenen Kampagne arbeiteten über wurde er überaus geschätzt. Seine prag-
80 Studenten und Freiwillige aus den Ver- matische Art zu denken, seine kontrover-
einigten Staaten, Hongkong und Brasilien sen Diskussionsbeiträge und seine Em-
zusammen. pathie werden allen, die ihn kannten und
In den vergangenen Jahren wurden mit ihm arbeiteten, in dauerhafter Erin-
Vermutungen laut, dass das biblische nerung bleiben. | Uwe Steinkrüger
Bethsaida der römischen Zeit inzwischen
vom See Genezareth überflutet worden Warum der Homo sapiens?
sei. Doch die diesjährigen Ausgrabungen Die Anthropologie hat eine verwirrende
sprechen gegen dieses These. An dem aus- Vielfalt von Menschformen gefunden, die
gegrabenen Platz am Seeufer wurden Ge- man unter dem Begriff »Homininen« zu-
bäude aufgedeckt und Funde geborgen, sammenfasst: jener Zweig, der sich vor
die sowohl aus römischer wie auch aus by- mehreren Millionen Jahren von der Fami-
zantinischer Zeit stammen. R. Steven Not- lie der Menschenaffen abspaltete und die
ley vom Nyack College: »… wir gehen da- Arten der Gattung Homo umfasst ein-
von aus, dass el-Araj der vielverspre- schließlich des heute lebenden Homo sa-
chendste Kandidat für das Fischerdorf piens sowie die ausgestorbenen Vorfah-
Bethsaida ist.« Unter anderem wurde auch ren dieser Gattung.
die spätbyzantinische Kirche erfasst, von Ende Juli publizierten Wissenschaft-
der man weiß, dass sie über den Häusern lern des Max-Planck-Instituts für Mensch-
der Apostel Petrus und Andreas errichtet heitsgeschichte und der Universität Mi-
worden war. | AiD chigan in der Zeitschrift »Nature Human

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Behaviour« eine Studie, die kritisch die stuhl seines Doktorvaters Gustav Riek in
wachsende Datenbasis zur Verbreitung Tübingen begann er nachhaltig, das Fach
der Homininen im mittleren und späten zu prägen.
Pleistozän vor 300 000 bis 12 000 Jahren 1970 wurde ein eigenes Institut für Ur-
untersuchte. Dabei vertreten sie die Auf- geschichte unter Müller-Becks Leitung an
fassung, die Wissenschaft solle bei der De- der Geowissenschaftlichen Fakultät der
finition dessen, was »Mensch« ist, ihren Universität Tübingen etabliert. Paläolithi-
Fokus von der Suche nach den frühesten sche Forschungen bildeten ebenso einen
materiellen Spuren von »Kunst«, »Spra- Schwerpunkt wie naturwissenschaftliche
che« oder »technologischer Komplexität« Methoden und Ethnoarchäologie. Aus Sor-
hin zu der Frage verschieben, was unsere ge vor der Abschaffung seines Lehrstuhls
Spezies ökologisch einzigartig macht. Im überführte er das Institut für Urgeschich-
Gegensatz zu anderen Homininen kolo- te drei Jahre vor seiner Emeritierung 1995
Ab 1. Januar 2019 die
nisierte der Homo sapiens nicht nur sehr in die Abteilung Ältere Urgeschichte und neue Leiterin des
unterschiedliche und schwierige ökologi- Quartärökologie am neu konzeptionier- Neanderthal Museums:
sche Lebensräume, darunter Wüsten, tro- ten Institut für Ur- und Frühgeschichte. Dr. Bärbel Auffermann.
pische Regenwälder, Höhenlagen und die Die wissenschaftliche Bandbreite von
Paläoarktis, sondern spezialisierte sich Hansjürgen Müller-Beck war enorm. Seine Neanderthal Museum unter
auch auf die Anpassung an einige dieser Grabungen führten ihn von der Schweiz neuer Leitung
Extreme. Diese Fähigkeit unserer Spezies nach Bolivien, ins Euphrat-Tal, zu den Inuit Der Stiftungsrat des Neanderthal Muse-
»extreme« Lebensräume auf der ganzen Kanadas und nach Sibirien. Als 1. Vorsit- ums hat beschlossen, Dr. Bärbel Auffer-
Welt zu besiedeln, stehen in krassem Ge- zender beteiligte er sich an Gestaltung mann zum 1. Januar 2019 als Nachfolge-
gensatz zu den ökologischen Anpassun- und Entwicklung der Deutschen Gesell- rin von Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger
gen anderer Homininen-Arten wie Homo schaft für Ur- und Frühgeschichte, der Al- auf den Posten der Museumsdirektorin
neanderthalensis und Homo erectus. Letzt- fred-Wegener-Stiftung und der Gesell- zu berufen.
lich könnte das erklären, wie Homo sa- schaft für Urgeschichte Blaubeuren. Bis Auffermann war bereits am Aufbau des
piens zum letzten überlebenden Hominin zuletzt inspirierten die große Neugier, Of- Neanderthal Museums beteiligt und ist als
auf dem Planeten wurde. | AiD fenheit und Diskussionsfreude Müller- stellvertretende Museumsdirektorin ver-
Becks seine Weggefährten: Wir werden antwortlich für das Ausstellungsmanage-
Ur- und Weltgeschichtler – zum ihn vermissen. | Miriam Haidle ment. Ihr ist es gelungen, dem Museum
Tod von Hansjürgen Müller-Beck trotz begrenzter Ausstellungsfläche ein
Am 2. August starb in Bern Hansjürgen Hinweis der Redaktion anerkanntes Profil für erfolgreiche, besu-
Müller-Beck im Alter von 90 Jahren. 1927 cherorientierte Ausstellungen zu ver-
Drei Videos zeigen Interviews des Landes-
in Apolda geboren, hatte er nach dem Abi- schaffen.
archäologen Harald Meller mit Hansjürgen
tur 1949 zunächst Soziologie studiert, spä- Weniger schied zum 30. November aus
Müller-Beck – gleichzeitig eine ausführli-
ter Ur-und Frühgeschichte, Ethnologie Altersgründen aus. In den vergangenen
che Würdigung des Lebenswerks, das der
und Geologie. 1955 wurde er in Tübingen verstorbene Archäologe hinterlässt. Jahren hat er zwei wichtige Maßnahmen
promoviert; er habilitierte sich 1965 an der lda-lsa.de/ filme/ harald_meller_trifft/ auf den Weg gebracht: erste Koordinie-
Universität Freiburg/ Breisgau. Mit seiner harald_meller_trifft_iii rungen zur seriellen Nominierung von
Berufung als Nachfolger auf den Lehr- Neanderthaler-Fundstellen als UNESCO-

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Wissenswert
Weltkulturerbe und die Planungen zum Mainz wurde 2017 ein Siegerländer Renn-
Bau des Turms »Höhlenblick« an der Fund- ofen nachgebaut. Bei zwei Experimenten
stelle im Neandertal. Diese Projekte hofft konnte erfolgreich Eisenerz verhüttet wer-
Auffermann in den kommenden Jahren zu den.
einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Die Öfen wurden mit Holz statt Holz-
Die starke Verzahnung von Wissenschaft kohle gefahren. Der Betrieb lief über meh-
und Ausstellungen sieht sie als eine be- rere Tage, wobei keine Blasebälge nötig
sonders wichtige Aufgabe an. Darüber hi- waren: Bei ausreichend Brennstoff und
naus treibt sie die inklusive Öffnung des Zeit pegelten sich von selbst ideale Tem-
Hauses voran. | Kreis Mettmann/AiD peraturen und eine sauerstoffarme At-
mosphäre ein. Über den Schürkanal konn-
Direct Push – Sondierungen im ten Schlackenklötze samt Eisenluppe oh-
Pfahlbau-Welterbe ne Unterbrechung des Betriebs entnom-
Physische Geografen der Universität Leip- men werden: Das Verhüttungsexperiment
zig, Geophysiker des Helmholtz-Zentrums Sondierungen mittels Frühe Eisenverhüttung verschlang über fünf Tage hinweg 4 t Holz.
für Umweltforschung in Leipzig und Ar- Direct Push in Pesten- im Experiment In der kommenden AiD ( 1/2019) wird aus-
acker. Die mit der Sonde
chäologen des Bayerischen Landesamtes Ab 300 v. Chr. bis zur Zeitenwende wur- führlich über die Forschungen im Sieger-
aufgenommenen Daten
für Denkmalpflege testen neue Wege bei werden sofort grafisch den im nordrhein-westfälischen Sieger- land berichtet.
der Prospektion: »Direct Push« heißt die am Monitor umgesetzt. land die größten Verhüttungsöfen Europas | Manuel Zeiler, Jennifer Garner
Methode, mit der aktuell die Feuchtbo- betrieben. Die birnenförmigen Öfen wa-
densiedlung Pestenacker untersucht wird. ren bis zu mannshoch, hatten Düsenlö-
Die Direct Push-Technik wurde ur- cher im oberen Drittel und einen ver- Von Parasiten und Menschen –
sprünglich entwickelt zur Erkundung von schließbaren Schürkanal. Zahlreiche Plät- Forschungsprojekt in Lübeck
oberflächennahen Lagerstätten und Un- ze wurden archäologisch untersucht, teils Während der Ausgrabungen im Lübecker
tersuchung von Altlasten. An einer Sonde mit Batterien mehrerer Öfen. Die Funkti- Gründungsviertel wurden rund 100 Kloa-
aus einem dünnen, hohlen Stahlrohr ist onsweise blieb jedoch ein Rätsel. ken ausgegraben, aus denen neben enor-
eine Spezialkamera angebracht, die in Lo- In einer Kooperation von LWL-Archäo- men Fundmengen noch ganz andere Din-
ckersedimenten Farbbilder aus bis zu logie für Westfalen, Deutschem Bergbau- ge geborgen wurden: Proben menschli-
30 m Tiefe liefert. Die Bilder erlauben hö- Museum Bochum, LWL-Freilichtmuseum cher Ausscheidungen liefern viele Infor-
hengenaue Rückschlüsse auf die Schich- Hagen, Ruhr-Universität Bochum sowie mationen zur damals in der Hansestadt
ten des Untergrunds. Der Vorteil gegen- Römisch-Germanischem Zentralmuseum lebenden Bevölkerung. Ausgewählte Kloa-
über einer herkömmlichen Ausgrabung:
archäologische Befunde werden nicht zer-
stört und es kann mit vergleichsweise ge-
ringem Aufwand ein großes Gebiet un-
tersucht werden – im Fall von Pestenacker
ein großer Teil der Talaue.
Pestenacker ist Teil des UNESCO-Welt-
erbes »Prähistorische Pfahlbauten um die
Alpen«: Vor 5500 Jahren stand hier ein
Dorf. Die Überreste – Hölzer, Fußböden,
Kochstellen – haben sich im feuchten Un-
tergrund gut erhalten. Wie groß das stein-
zeitliche Dorf war, ist jedoch trotz lang-
jähriger Ausgrabungen unklar. Folgende
Fragen werden nun untersucht: Wie groß
war der Platz? Gibt es darunter noch älte-
re Schichten? Wie sah die Landschaft um
die Siedlung aus und wie hat sie sich ent-
wickelt? Man hofft sogar, einzelne Gebäu-
de mit der Direct Push-Methode lokali-
Nachbau eines eisenzeit-
sieren zu können. Das Projekt dauert noch
lichen Siegerländer Ver-
bis November 2020 und wird von der
hüttungsofens. Im Expe-
Deutschen Forschungsgemeinschaft ge- riment konnte er tage-
fördert. | AiD lang betrieben werden.

74 AiD 6 | 2018
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Autoren dieses Heftes Impressum


Herausgeber
Forschung Verband der Landesarchäologen in der Bundes-
republik Deutschland: Prof. Dr. Michael Rind,
Prof. Dr. Renate Gerlach, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege Prof. Dr. Franz Schopper, Dr. Regina Smolnik,
Prof. Dr. C. Sebastian Sommer, Prof. Dr. Claus Wolf
im Rheinland (LVR-ABR), Bonn; und WBG: Dr. Beate Varnhorn, Prof. Dr. Dieter Planck.
Wissenschaftlicher Beirat
Horst Husmann M. A., Fa. Ibeling Grabungen und Sondagen Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, Prof. Dr. Ni-
cholas Conard, Prof. Dr. Heinz Günter Horn, Prof. Dr.
Köln; Matthias Knaut, Prof. Dr. Dirk Krausse, Prof. Dr. Jür-
gen Kunow, Prof. Dr. Harald Meller, Prof. Dr. Carola
Prof. Dr. Klaus Reicherter, RWTH Aachen; Metzner-Nebelsick, Prof. Dr. Matthias Wemhoff.
Redaktion
Andreas Schaub M. A., Stadtarchäologie Aachen, Dezernat 3. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Martin Kempa,
E-Mail: kempa@wais-und-partner.de. Allgemeiner
Teil: Dr. Erwin Keefer, Dr. Martin Kempa, Tina Stein-
hilber M.A., André Wais. Anschrift der Redaktion:
Weltweit Verlagsbüro Wais & Partner, Reinsburgstraße 104,
70197 Stuttgart, Telefon 0711 621803, Fax 0711
Prof. Dr. Peter Breunig, Institut für Archäologische Wissen- 6150340, E-Mail: steinhilber@wais-und-partner.de.
Aktuelles aus der Landesarchäologie: Dr. Martin
schaften, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Kempa für den Verband der Landesarchäologen in
der Bundesrepublik Deutschland c/o Verlagsbüro
Wais & Partner, Stuttgart.
Thema Auslandskorrespondenten
Italien: Dr. Alessandra Giumlia-Mair, Meran; Frank-
Dr. Jehanne Affolter, Ar-Geo-Lab Neuchâtel und Institut für reich: Dr. Gilles Pierrevelcin, Strasbourg; Russland,
Polen, Ungarn, Rumänien, Tschechien, Slowakei,
Archäologische Wissenschaften – Universität Bern, Schweiz; Moldawien, Ukraine, Bulgarien, Albanien, Makedo-
nien: Dr. Alexandru Popa, Frankfurt/M.; Irland, Groß-
Michael Brandl, Institut für Orientalische und Europäische britannien, Niederlande, USA: Dr. David G. Wigg-
Wolf, Frankfurt/M.; Österreich, Schweiz, Liechten-
Archäologie (OREA), Rohmateriallabor (Leiter), Österrei- stein, Slowenien, Kroatien: Dr. Erwin Keefer, Stutt-
gart; Nordeuropa und Baltikum: Dr. Natascha Meh-
chische Akademie der Wissenschaften, Wien; ler, Bremerhaven.
Verlag
Dr. Nicole Kegler-Graiewski, Düren; WBG, Hindenburgstraße 40, 64295 Darmstadt.
Die WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
PD Dr. Tim Kerig, Universität Leipzig, Historisches Seminar; ist ein wirtschaftlicher Verein gem. § 22 BGB durch
staatliche Verleihung des Landes Hessen und wird
im Register der Stadt Darmstadt geführt.
PD Dr. Britta Ramminger, Universität Hamburg; Chefredaktion Zeitschriften: Holger Kieburg, Marke-
ting / Vertrieb Zeitschriften: Alexandra Swart.
Dr. Peter Schauer, Institute of Archaeology, University College Anzeigenverwaltung
London; Agentur Hanne Knickmann, Büro für Branchen-
ken, die zeitlich gut bestimmbar waren, kommunikation, Römerstraße 45, 69115 Heidelberg,
Telefon 06221 67342-50, Fax 06221 67342-51,
sind daher gezielt beprobt worden, um Dr. Daniel Schyle, Neanderthal Museum, Mettmann; hk@hanne-knickmann.de
das Erbgut (aDNS) sowohl der Menschen www.hanne- knickmann.de
Jürgen Weiner M. A., Pulheim. Gestaltung und Herstellung
wie auch der Parasiten zu erforschen.
Tanja Krichel, Verlagsbüro Wais & Partner, Stuttgart
Lübecker Archäologen schlagen nun
Druck
neue Wege ein: Schon seit sieben Jahren Europa 1 Neue Süddeutsche Verlagsdruckerei Ulm
besteht eine enge Zusammenarbeit mit Dr. Matthias S. Toplak, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Reproduktionen
D\D\S Digital Data Service Lenhard, Stuttgart
der University of Oxford (zuletzt AiD 1/ Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des
Bezugspreis und Bezugsbedingungen
2018, S. 75). Dabei wurde ein neues Ver- Mittelalters. Jahresabonnement, sechs Hefte und zwei Sonder-
fahren entwickelt, um aus der aDNS de- hefte 89,95 Euro (D) inkl. Porto. Für Schüler und
Studenten (gegen Nachweis): Jahresabonnement,
tailliertere Informationen zum mittel- sechs Hefte und zwei Sonderhefte 59,95 Euro (D)
Europa 2 inkl. Porto. Preis des Einzelheftes 11,95 Euro, Preis
alterlichen Leben der Menschen und vor des Sonderheftes 14,95 Euro, zuzüglich Versandspe-
Dr. Peter Kracht, Althistoriker und Journalist, Unna.
allem zu den Individuen selbst zu gewin- sen. Preise inklusive Mehrwertsteuer. Abbestellun-
gen auf Abonnements sind schriftlich möglich un-
nen. Diese Zusammenarbeit wird nun aus- ter Einhaltung einer Frist von vier Wochen vor dem
geweitet zu einer systematischen Analy- Report Ende des Jahresabonnements. Bei Lieferausfall in-
folge höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf
se von parasitologischen Proben: Förder- Wolfram Essling-Wintzer M. A., Landschaftsverband West- Nachlieferung oder Rückzahlung.

mittel der Possehl-Stiftung ermöglichen ISSN 0176-8522


falen-Lippe (LWL), LWL-Archäologie für Westfalen, Münster.
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfäl-
das Projekt »Lübecks Archäoparasiten als tigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung
Transmitter zur Erforschung des mittel- des Verlages. Der Verlag haftet nicht für unverlangt
Sehenswert 1 eingesandte Beiträge.
alterlichen Individuums«. Von den Unter-
Dr. Christiane Ruhmann, Erzbischöfliches Diözesanmuseum © WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft),
suchungen erwartet man eine Fülle an Darmstadt
Paderborn.
Informationen und erhofft sich ein völlig Erfüllungsort und Gerichtsstand: Darmstadt.
neues Verständnis des Mittelalters und Abonnenten-Betreuung: Alle Fragen zum Bezug
der Lebenswelt der hansischen Kaufleute. Sehenswert 2 der »Archäologie in Deutschland« beantwortet
der AiD-Abonnementservice, Postfach 1331,
| Dirk Rieger Karen Allihn M. A., freie Journalistin, Frankfurt a. Main. 53335 Meckenheim, aid@aboteam.de

AiD 6 | 2018 75
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Bücher und Medien

Knochenarbeit Die Pracht römischer Mosaiken Gladiatoren BodenSchätze –


Anthropologen auf Tätersuche Die Villa Romana del Casale Leoni Hellmayr Archäologie in Köln
Joachim Wahl bei Piazza Armerina auf Sizilien Ditzingen: Reclam 2018, 100 S., 10 Euro Marcus Trier/Friederike Naumann-
Darmstadt: Theiss Verlag, 2018, Umberto Pappalardo/ Steckner (Hrsg.)
264 S., 50 s/w-Abb., 19,95 Euro Rosaria Ciardiello Kompakt, unterhaltsam und fundiert – Köln: J. P. Bachem Verlag 2018, 143 S.,
Darmstadt: Verlag Ph. von Zabern auch der neue Band aus Reclams »100- zahlr. farb. Abb., 18,95 Euro
Der Autor, Professor an der Universi- 2018, 208 S., 50 farb. Abb., 49,95 Euro Seiten-Reihe« liefert Einsteigern einen
tät Tübingen und Anthropologe am schnellen Überblick über ein spannen- Die Stadt Köln hat eine lange Ge-
Landesamt für Denkmalpflege, hat Die heute als UNESCO-Welterbe ge- des Thema aus Kultur und Geschichte. schichte und weist ein dementspre-
erneut ein faszinierendes Buch ge- schützte Villa von Piazza Armerina ist Anhand des aktuellen Forschungs- chend reiches archäologisches Erbe
schrieben. Dieses Mal geht er, so auch vor wenigen Jahren zu einem archäo- standes bietet die Wissenschaftsauto- auf. Das Römisch-Germanische Muse-
der Untertitel, auf Tätersuche, und das logischen Park aus- und umgestaltet rin Leoni Hellmayr einen knappen, aber um, zuständig für die Erforschung, Be-
fast weltweit. Zeitlich reichen die ge- worden. Während dieser Arbeiten wur- für die meisten Leser sicher vollkom- wahrung und Präsentation eben jenes
schilderten Todesfälle von der Alt- den die umfangreichen, seit ihrer Ent- men ausreichenden Überblick über ein Erbes, zeigt aktuell in einer Sonder-
steinzeit bis in die Gegenwart. Dabei deckung berühmten Mosaikfußböden Phänomen, das vielfach zum Sinnbild ausstellung Neufunde aus der Stadt,
müssen die »Täter« nicht zwangsläufig der Villa nicht nur restauriert, sondern für römisches »Freizeitvergnügen« aber auch Altfunde aus den Depots des
Menschen sein, sondern auch »Nasen- zugleich auch umfassend (nach-)un- wurde. Wie viel mehr jedoch der Kampf Hauses. Begleitend zur Ausstellung ist
zähne« können zum Tode führen. tersucht. Die neuen Ergebnisse liegen der Gladiatoren, die Gladiatur, für Staat der vorliegende Band erschienen. Der
Neben einer Einführung umfasst nun in dem uneingeschränkt zu emp- und Gesellschaft bedeutete, wurde in Begleitband befasst sich (ebenso wie
das Buch sieben thematische Kapitel, fehlenden, reich bebilderten Buch vor. den letzten Jahren in Publikationen die Ausstellung) mit der Geschichte
auf die sich 42 Fallschilderungen ver- Im zweiten Teil werden alle Mosaik- und Ausstellungen wiederholt darge- und Archäologie Kölns von der jung-
teilen. Zielgruppe ist die breite Öf- böden ausführlich beschrieben und fo- legt. Es ist das Verdienst der Autorin, steinzeitlichen Siedlung Köln-Linden-
fentlichkeit, weshalb in dem lebendig tografisch mit hervorragenden Ge- aus der großen Materialfülle zu dem thal bis zur spätmittelalterlichen Stadt,
und gut verständlich geschriebenen samt- sowie Detailaufnahmen doku- Thema eine gekonnte Auswahl getrof- wobei der Großteil der Beiträge sich
Text weitgehend auf Fachchinesisch mentiert. Gerade sie lassen viele Ein- fen und diese mit wenigen klaren Gra- mit der römischen Epoche befasst.
verzichtet wird. zelheiten erkennen und werden in fiken veranschaulicht zu haben. Ihre Eingangs finden sich in dem Buch
Viele Fälle zeigen, zu welchen Grau- Zukunft sicher häufig und gerne zu Ver- Ausführungen umfassen dabei auch darüber hinaus drei Beiträge, die sich
samkeiten Menschen zu allen Zeiten fä- gleichen herangezogen. Hinweise zur die einen Kampftag (munus) beglei- mit dem Römisch-Germanischen Mu-
hig waren, z.B. bei Skalpierungen. Stets technischen Ausführung, erklärende tenden Tierkämpfe und Hinrichtungen, seum selbst bzw. der Geschichte der
begegnet der Autor den Schicksalen Zitate aus der antiken Literatur, Ver- was streng genommen aber von den Kölner Stadtarchäologie auseinander-
und Leidensgeschichten aber mit der gleiche mit anderen Mosaikböden und Darstellungen der Gladiatoren zu tren- setzen. Insgesamt umfasst der Band
gebotenen Sachlichkeit. Ganz neben- vor allem die Interpretation der jewei- nen wäre. Die einzelnen Kapitel be- 18 Aufsätze, welche allesamt von Mit-
bei gewinnt der Leser viel Hinter- ligen Darstellung im Blick auf den Ge- handeln die Entwicklung der Gladia- arbeitern des RGM und somit hervor-
grundwissen über Archäologie und Ge- samtkontext runden die einzelnen Be- torenspiele, die Austragungsstätten, ragenden Kennern der jeweiligen The-
schichte sowie die Arbeitsmethoden schreibungen bestens ab. Ausbildung und Ausrüstung der ver- matik verfasst wurden, was sich sowohl
der Anthropologie. Alle Beispiele sind In der knappen Einführung wird die schiedenen Gladiatorengattungen, im Inhalt als auch in der Lesbarkeit
durch aussagekräftige Abbildungen Geschichte der Villa selbst dargelegt, widmen sich aber auch der Frage, ob des Buches widerspiegelt. Der Text
illustriert. Literaturhinweise ermögli- soweit sie heute durch Grabungen be- man Gladiatorenkämpfe als Sport wird durch zahlreiche gut ausgewähl-
chen eine Vertiefung des Gelesenen. kannt ist. Darüber hinaus finden sich bezeichnen kann, oder beinhalten ein te, meist farbige und oft großformati-
Dass der Autor die Entdeckung des grundlegende Erklärungen zu Technik Interview mit einem heutigen Gladia- ge Abbildungen ergänzt. Den Heraus-
namengebenden Neandertalers im und Bedeutung der Mosaikböden. toren-Ausbilder, der selbst auch in der gebern und Autoren ist hier ein unter-
Jahre 1856 fälschlicherweise auf 1857 Zusammenfassend unterstreichen Arena steht. Der flüssig und leicht les- haltsames und informatives Werk ge-
datiert, sei ihm verziehen. die Autoren noch einmal die hohe so- bar geschriebe Text kommt ohne Fuß- lungen, welches nicht nur für Besucher
Das handliche Buch ist uneinge- ziale Stellung des damaligen Eigentü- noten, Glossar und Literaturverweise der Ausstellung lesenswert ist, sondern
schränkt empfehlenswert und gehört mers sowie die Bedeutung des Villen- aus, was sicherlich die meisten Leser darüber hinaus eine sehr empfehlens-
in die Hand aller, die sich für Anthro- komplexes für unsere Kenntnis von der nicht vermissen werden. Auch als werte Lektüre für jeden ist, der sich
pologie, Archäologie und Geschichte spätantiken Gesellschaft. e-book erhältlich. für die Geschichte und Archäologie der
sowie für Kriminalistik interessieren. | Margot Klee | Andreas Thiel Stadt Köln interessiert.
| Michael Bolus | Martin Dietrich

76 AiD 6 | 2018
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Innovationen der Antike Die Himmelsscheibe von Nebra Erste Bauerndörfer – 300 000 Jahre Spitzentechnik
Gerd Graßhoff und Michael Meyer Der Schlüssel zu einer untergegan- älteste Kultbauten Der altsteinzeitliche Fundplatz
(Hrsg.) genen Kultur im Herzen Europas Die frühe und mittlere Schöningen und die frühesten
Darmstadt: Philipp von Zabern 2018, Harald Meller, Kai Michel Jungsteinzeit in Niederösterreich Speere der Menschheit
144 S., 100 farb. und 24 s/w Abb., 39,95 € Berlin: Propyläen 2018, 384 S., 25 Euro Eva Lenneis (Hrsg.) Thomas Terberger/Utz Böhner/ Felix
Wien: Verlag der Österreichischen Hillgruber und Andreas Kotula (Hrsg.)
Soziale, technische und schließlich auch Pünktlich zur Archäologieschau im Ber- Akademie der Wissenschaft 2018, Darmstadt: Theiss Verlag 2018. 144 S.,
künstlerische Innovationen prägen die liner Gropius-Bau ist eines der erstaun- 479 S., zahlr. Abb., 39 Euro zahlr. farb. Abb. u. Karten, 39,95 €
Menschheitsgeschichte nahezu von lichsten und aufregendsten populär-
Anbeginn. Vorliegendes Buch themati- wissenschaftlichen Bücher der letzten »Niederösterreich ist schlichtweg das Seit 1992 finden im Braunkohlentage-
siert nach einem einführenden Beitrag, Jahre zur Archäologie in Deutschland historische Kernland Österreichs. Dem- bau von Schöningen unweit Braun-
der Grundsätzliches anspricht und ins- und wohl auch weit darüber hinaus er- entsprechend reichhaltig ist auch sein schweig archäologische Ausgrabungen
besondere auf die Bedeutung des eu- schienen. Gemeinsam mit Kai Michel archäologisches Erbe« heißt es im Vor- statt. Spektakulär wird der Fundplatz
rasischen Raums für Wissenstransfer wirft Harald Meller in rasantem Lauf in wort zur neuen Reihe »Archäologie Nie- schon im ersten Jahr durch die Frei-
und Kulturaustausch eingeht, acht ver- der »Himmelsscheibe« unsere etab- derösterreichs«, die in elf Bänden von legung von Verlandungszonen eines
schiedene Neuerungen unterschied- lierte Sicht auf das astronomische Wis- der Altsteinzeit bis zur Neuzeit ein eiszeitlichen Sees - Weltgeltung erhält
lichster Tragweite: Die »textile Revolu- sen und die bislang geltenden Stan- »umfassendes Bild der jeweiligen Epo- er 1994, als in diesen Sedimenthori-
tion« durch Einführung des Wollschafs, dards der frühbronzezeitlichen Aun- che« entwerfen will. Ein derart ehrgei- zonten die exzellent erhaltenen Über-
Mobilitätssteigerung durch Rinder- jetitzer Kultur kongenial über den ziges Projekt gibt es wohl aus keiner reste von organischen Artefakten auf-
zucht und Räderfahrzeuge, Errungen- Haufen. Basierend auf der bislang 15- anderen vergleichbaren Region Europas. tauchen, unter ihnen vollständige
schaften wie Eisenmetallurgie, Was- jährigen, durchweg interdisziplinären Hier wird der großformatige und mit Holzspeere, die mit einem Alter von
serbau und wassertechnische Installa- Erforschung des Jahrhundertfundes, 479 Seiten wahrhaft gewichtige Band 1 mindestens 300 000 Jahren zu den äl-
tionen, die Einführung der Ziegelbau- der eine auf dem Lauf der Gestirne ba- vorgelegt, herausgegeben von Eva testen weltweit gehören.
weise in Rom und intellektuelle Inno- sierende Schaltregel kodiert, schauen Lenneis und geschrieben mit 14 Mit- Im vorliegenden Band der Reihe
vationen wie das Wiegen von Waren wir mit Meller und Michel der vor 4000 autoren – Archäologen und Naturwis- Edition AiD erzählt das Team um He-
und Werten oder die Entwicklung der Jahren erstmaligen Konstitution des senschaftlern –, wobei der Löwenanteil rausgeber Thomas Terberger nun po-
Sonnenuhr. Im Zentrum der Beiträge Königreichs von Nebra zu, einem über des Textes auf sie selbst entfällt. pulärwissenschaftlich die ganze Ge-
steht weniger der Aspekt der epocha- 400 Jahre bestehenden Staat mit Ar- Behandelt werden die bandkera- schichte der Speere in allen ihren As-
len »Erfindung« – die Idee des Tonzie- mee und weit reichenden Kontakten: mische und die lengyel-stichbandke- pekten. Zahlreiche Autoren berichten
gels z. B. ist viel älter als das römische Das Gold der Scheibe stammt aus Eng- ramische Periode des Neolithikums. sachkundig über die Abläufe in einem
Imperium – denn deren Durchsetzung land, das Kupfer aus den Alpen, die Das geschieht in überwältigend reicher Tagebau, den Moment der Entdeckung
und Auswirkung. Die Auswahl der Fall- Herstellungstechnik aus Mykene und Ausstattung mit meist farbigen Karten, der Jagdwaffen, ihre Konservierung
beispiele aus den verschiedenen Epo- das ihr zugrunde liegende Wissen aus Plänen, Rekonstruktionen und archäo- und Ausstellung, ihre Hersteller und
chen und Regionen der Alten Welt er- dem Orient. Als Quelle öffentlicher Zeit logischen sowie naturwissenschaftli- deren Umwelt und Lebensweise. So
gab sich aus der Forschungsarbeit in- war sie Staatsschatz einer über 18 000 chen Fundabbildungen. Das Buch ist entsteht ein facettenreiches Bild der
nerhalb des Exzellenzclusters Topoi an km2 umfassenden Herrschaft mit Grab- kein gefälliger Bildband, sondern schil- Menschen vom Typ »Homo Heidelber-
den Berliner Universitäten, in dessen hügeln, die mit den Pyramiden zu ver- dert fachgerecht mit vielen Tabellen, gensis«, die hier am Seeufer Pferde jag-
Rahmen auch ein »Digitaler Atlas der gleichen sind, mit hierarchisch kodier- Grafiken, Beschreibungen und Listen ten, grafisch ansprechend unterlegt
Innovationen« entstanden ist (www. ten Beigaben und Hortfunden, die ei- der Fundplätze den beeindruckend durch Fotos und Lebensbilder. Dass
atlas-innovations.de). ne Militärhierarchie und exakte Trup- stark verbesserten Forschungsstand bei so vielen Beiträgen Informationen
Wer kein vollständiges Kompendi- penstärken abbilden. Zusammen mit zu Siedlungs- und Bestattungswesen, doppelt vermittelt werden, ist unver-
um der weltweit wichtigsten Erfindun- der Erzählung des Findens und Si- Kult, Religion, Wirtschaft, Handel, Roh- meidlich und tut dem Lesevergnügen
gen und Entdeckungen erwartet, son- cherns der Scheibe wie auch dem ro- stoffen und zur absoluten Chronologie. keinen Abbruch: Im Gegenteil, die Aus-
dern sich für die Mechanismen von Ver- manhaften Schluss einer Reise nach Niederösterreich steht damit der For- grabungen sind noch nicht beendet,
änderung und die Wechselwirkung von Mesopotamien ein ungemein span- schung als neuer, wichtiger Brücken- und der geneigte Leser wartet mit
Technologie und Gesellschaft interes- nendes und bis zur letzten Zeile ra- pfeiler für alle Studien zum Früh- und Spannung auf das, was die Fundstelle
siert, findet in diesem Buch ausge- sant erzähltes, von dichtem und den- Mittelneolithikum in Mitteleuropa zwi- Schöningen noch zu bieten haben wird.
sprochen anregende Lektüre. noch leicht lesbarem Fachwissen ge- schen Ungarn und dem Rhein zur Ver- | Wulf Hein
| Claus Hattler leitetes Buch. | EK fügung. | Jens Lüning

AiD 6 | 2018 77
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Ausstellungen Von Asparn an der Zaya bis Zug

Bollschweil beide: LVR-LandesMuseum Bonn nen entscheidenden Bedeutungs- gegebene Prunkwagen, Schmuck,
Bitte vergewissern Sie sich, wenn Colmantstraße 14–16, 53115 Bonn wechsel und führte zu falschen Waffen, Ritualgeräte sowie pracht-
Sie einen Ausstellungsbesuch pla- Burg und Bergbau am Birken- Di bis So 11–18, Sa 13–18 Uhr und irreführenden Verwendungen volle Gefäße aus Silber und Gold
nen, ob die hier gemachten Anga-
berg bei Bollschweil-St. Ulrich www.landesmuseum-bonn.lvr.de mit teilweise fatalen Auswirkungen stellen einzigartige Meisterwerke
ben noch stimmen. Ausstellungs-
Am Birkenberg haben herausra- in der NS-Zeit. bronzezeitlicher Handwerks- und
daten ändern sich oft sehr kurz-
fristig. Deshalb kann die Redakti- gende Relikte hoch- und spätmit- 27. Oktober 2018 bis 28. April 2019 Goldschmiedekunst dar. Exotische
on leider keine Gewähr telalterlichen Bergbaus die Jahr- Chemnitz Alamannenmuseum Ellwangen Objekte und Materialien belegen
übernehmen. hunderte überstanden: Bergmän- Haller Straße 9 Fernkontakte bis ins Industal im
Als Abonnent erhalten
nische Werkzeuge, Pochsteine und SACHSEN BÖHMEN 7000 73479 Ellwangen heutigen Pakistan, zu den Hoch-
Sie mit der KulturCard Erzmühlen zur Weiterverarbeitung Liebe, Leid und Luftschlösser Di bis Fr 14–17, Sa, So 13–17 Uhr kulturen Mesopotamiens sowie bis
vergünstigten Eintritt von Silbererzen sowie die Ausstat- Als 1459 im Vertrag von Eger die www.alamannenmuseum-ellwan- in das fast 2000 km nördlich gele-
in die Museen unserer Partner! tung der Wohnhäuser und Funde Grenzlinie zwischen dem Kurfürs- gen.de genen Uralgebiet.
Dies kann eine Ermäßigung von aus der Birchiburg sind nach Bad tentum Sachsen und dem König- Die Ausstellung wird anschließend
40–50 % auf den regulären Ein- Krozingen jetzt im Bollschweiler reich Böhmen festgelegt wurde, auch in Mannheim gezeigt.
trittspreis oder zwei Karten zum Rathaus zu sehen. Der historische entstand eine der heute ältesten Frankfurt a. Main 2. November 2018 bis
Preis von einer sein. Bitte achten Lehrpfad wurde in AiD 3/2018, Grenzen Europas. Davon unbe- 17. Februar 2019
Sie auf dieses Symbol! S.70f. ausführlich vorgestellt. nommen blieb das Leben in der Gold & Wein Archäologisches Museum
22. Juli 2018 bis 5. Mai 2019 Grenzregion geprägt von grenz- Georgiens ältestes Schätze Museumsplatz 2
Altes Rathaus Bollschweil überschreitenden Beziehungen, Der Kaukasus gilt seit jeher als 21073 Hamburg
Asparn an der Zaya Leimbachweg 2 Gemeinsamkeiten und Überschnei- Brücke der Kulturen. Vom Beginn Di bis So 10–17 Uhr
79283 Bollschweil dungen. Diese facettenreiche und der Landwirtschaft im Kaukasus amh.de
Konflikten auf der Spur jeden 1. Freitag und dynamische Beziehungsgeschich- ab 6000 v. Chr. bis zur Trialeti-
Von der Steinzeit bis zum Ende 3. So. im Monat, 15–17 Uhr te erzählt Konflikt und Versöh- Kultur der Mittelbronzezeit um
des Ersten Weltkriegs www.birchiburg.de nung, Liebe und Streit, Umarmung 2100–1700 v.Chr. ist Georgien mit Hildesheim
Im Rahmen des Europäischen Kul- und Ausgrenzung. Sie lässt verste- den Kulturen Mesopotamiens, des
turerbejahrs zeigt Österreichs Ar- hen, warum sich Sachsen und Böh- Schwarzmeergebiets sowie der Der Schatz!
chäologie, dass sie auch die jün- Bonn men einerseits so nah, anderer- nördlich gelegenen Steppen ver- 150 Jahre Hildesheimer
gere Geschichte im Blick hat: Sie seits so fern sind. Die Ausstellung bunden. Präsentiert werden neu- Silberfund
forscht in Osttirol, Kärnten und Ita- Ritter und Burgen präsentiert hochrangige Objekte este archäologische Forschungs- Als im Oktober 1868 am Fuße des
lien an der Front des Ersten Welt- Zeitreise ins Mittelalter der Archäologie und Kulturge- ergebnisse und zahlreiche größ- Hildesheimer Galgenbergs bei
kriegs wie auch im Hinterland um Könige und Prinzessinnen, edle schichte aus beiden Regionen und tenteils erstmals gezeigte Origi- Ausschachtungsarbeiten ein Sil-
Tulln und Krems. Dies liefert eben- Kämpfer und Schurken, Burgen mit bietet einen exklusiven Blick auf nalfunde. Neben der Ausgrabung berschatz entdeckt wurde, war die
so neue Erkenntnisse über die Ver- uneinnehmbaren Mauern – in den bedeutende Kunstschätze Böh- in der neolithischen Siedlung von Sensation perfekt. Der Fund ent-
gangenheit wie die Konflikte der Medien ist das Mittelalter allge- mens. Aber auch die Menschen der Aruchlo und dem in Sakdrisi un- puppte sich als wertvolles römi-
Urgeschichte und stellt das vor- genwärtig. Und auch in Städten Geschichte kommen nicht zu kurz. tersuchten ältesten Goldbergwerk sches Tafelgeschirr, das im 1. Jh.
handene kulturelle Erbe in einen und Landschaften gibt es viele Denn es waren und sind Menschen der Welt, zählt der 2012 ausgegra- n.Chr. hergestellt worden war. Doch
größeren Kontext Spuren dieser fernen Zeit. Aber wie aller gesellschaftlichen Schichten, bene bronzezeitlichen Grabhügel wie war es dorthin gelangt und wer
bis 25. November 2018 lebten die Menschen wirklich vor die Beziehungen knüpfen, pflegen, von Ananauri mit seinem impo- war der Besitzer? Zum 150. Jubilä-
Schloss Asparn / Zaya 1000 Jahren? Was verraten uns die besiegeln, brechen oder auch ganz santen Holzwagen zu den High- um der Auffindung werden jetzt
Schlossgasse 1 originalen Objekte aus dem Mit- verwerfen. lights. neue wissenschaftliche Erkennt-
A-2151 Asparn an der Zaya telalter dazu? 35 Mitmachstatio- Begleitpublikation: 34,90 Euro Begleitpublikation: 29,90 € nisse zu den Silbergefäßen selbst
Di bis So 10–17 Uhr nen laden ein zur handfesten Zeit- 28. September 2018 6. Oktober 2018 sowie zu ihrem historischen Kon-
www.mamuz.at reise: Ein Schwert schmieden, sich bis 31. März 2019 bis 10. Februar 2019 text präsentiert. Inszenierungen
im höfischen Reigentanz drehen, in smac – Staatliches Museum für Archäologisches Museum und interaktive Stationen nehmen
Bewegte Zeiten die Kräutermedizin schnuppern Archäologie Chemnitz Karmelitergasse 1 den Besucher mit auf eine span-
Archäologie in Deutschland und vieles mehr kann selbst aus- Stefan-Heym-Platz 1 60311 Frankfurt am Main nende Spurensuche
Mit spektakulären archäologischen probiert und erlebt werden. 09111 Chemnitz Di bis So 10–18, Mi 10–20 Uhr Siehe auch AiD-Sonderheft 1/2018,
Neufunden und neuen Perspekti- 27. September 2018 Di bis So, feiertags 10–18, www.archaeologisches- 14,95 Euro
ven auf bekannte Funde zeigt die bis 25. August 2019 Do 10–20 Uhr museum.frankfurt.de 17. Oktober 2018 bis 31. März 2019
Ausstellung ein einzigartiges Netz- www.smac.sachsen.de Stadtmuseum im
werk kultureller Interaktion in Europa in Bewegung Knochenhauer Amtshaus
Europa seit frühester Zeit bis in die Lebenswelten im Hamburg Markt 7
jüngere Vergangenheit. Mobilität, frühen Mittelalter Ellwangen 31134 Hildesheim
Konflikt, Austausch und Innovat- Im Sturm der Völkerwanderung Margiana Di bis So 10–18 Uhr
tion – ihre Ursache, Wirkung und geht 476 n. Chr. das Weströmische Verehrt, verwendet, vergessen Ein Königreich der Bronzezeit www.stadtmuseum-
Wechselwirkung – prägen seit je- Reich unter und es beginnen die Alamannen im Spannungsfeld in Turkmenistan hildesheim.de
her das Zusammenleben in Europa. »Dark Ages«. Im Spannungsfeld von Politik und Zeitgeschichte Margiana, eine historische Land-
In diesen vier großen Themenfel- zwischen den zersplitterten früh- Warum schreiben sich die Alaman- schaft Turkmenistans, war vor rund Irrtümer & Fälschungen
dern erzählen hochrangige Expo- mittelalterlichen Nachfolgereichen nen in den Fachmuseen mit einem 4000 Jahren Wiege einer bronze- der Archäologie
nate aus allen Bundesländern auf und dem überlebenden antiken Er- »a« anstatt einem »e«? Diese oft zeitlichen Hochkultur. Erstmals au- Irren ist menschlich – davon blei-
persönlicher, wirtschaftlicher und be des Byzantinischen Reichs ent- gestellt Frage veranlasste zu der ßerhalb Turkmenistans werden in ben selbst angesehene Wissen-
religiöser Ebene die Folgen über- stehen Lebenswelten, die von ei- Idee, eine Ausstellung zum Ala- einer groß angelegten Sonderaus- schaftler nicht verschont! Die Son-
regionaler Interaktion. Die AiD hat ner geradezu überbordenden kul- mannenbegriff zu konzipieren. stellung die archäologischen Zeug- derausstellung korrigiert populäre,
diese Themen anlässlich des Eu- turellen Vielfalt geprägt sind. Und Dieser taucht erstmals im Jahr 289 nisse dieser geheimnisvollen Kul- aber überholte Thesen zu vergan-
ropäischen Jahres des Kulturerbes trotz aller Unterschiede bestehen n. Chr. in römischen Quellen auf tur zugänglich gemacht. Originale genen Epochen und deckt spekta-
2018 in den Heften 1–4/2018 be- rege Verbindungen zwischen den und bezeichnete germanische Relikte und die großartigen Foto- kuläre Betrugsfälle der Archäologie
reits vorgestellt. Regionen: Rund 150 kostbare Ob- Stämme, welche sich in dem von grafien Herlinde Koelbls erzählen auf. Dabei erfahren die Besucher
21. September 2018 jekte legen beredtes Zeugnis für den Römern nach dem Fall des Li- von den Stadtanlagen mit ihren nicht nur, warum ein Irrtum oder
bis 6. Januar 2019 den vitalen Austausch von Ideen, mes verlassenen rechten Ober- Wohngebieten, Handwerkervier- eine Fälschung anfangs durchaus
Gropius Bau Glauben, Traditionen und Han- rheingebiet niederließen. Im Lau- teln und dem stark befestigten überzeugen konnte. Interaktive An-
Niederkirchnerstr. 7, 10963 Berlin delsgütern ab. fe der Geschichte erfuhr der ur- Palastareal. Grabhäuser prangen gebote vermitteln auch, welchen
Mi bis Mo 10–19 Uhr 15. November 2018 sprünglich als »Hilfsbezeichnung« in feinsten Mosaiken; reich ver- Erkenntnisgewinn die Forschung
gropiusbau.de bis 12. Mai 2019 entstandene Alamannenbegriff ei- zierte, mitsamt den Zugtieren bei- inzwischen erzielt hat. Wie die Ar-

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Alteburg, das Kastell Divitia-Deutz RÖMISCH WAY OF LIFE ren Kunst bis heute fasziniert.
oder die mittelalterliche Wirt- Archäologie und Playmobil 5. Juli 2018 bis 27. Januar 2019
schaftsmetropole am Rhein. Die bunte Playmobilschau stürzt kelten römer museum manching
20. Juli bis 31. Dezember 2018 sich diesmal in den Alltag der zivi- Im Erlet 2
Römisch-Germanisches Museum len Römer und Römerinnen in der 85077 Manching
Roncalliplatz 450667 Köln Provinz, zu den echten und den Di bis Fr. 9.30–16 Uhr,
Di bis So 10–17 Uhr unechten Bürgern, Landarbeitern, Sa, So und feiertags 10–17 Uhr
www.roemisch-germanisches- Sklaven, Gutsherren, Priestern, www.museum-manching.de
museum.de Kindern und was da sonst noch
kreucht und fleucht. Detaillierte,
nach wissenschaftlichen Erkennt- Mannheim
Konstanz nissen gestaltete Modelle wie
eine Raststätte, Kneipen, Tempel, MUMIEN –
Archäologie kinderleicht Wohn- und Badehäuser, Schiffe Geheimnisse des Lebens
Leben in der römischen Villa und Wagen erschaffen eine über- Die Mumien kehren zurück! Zehn
Neben den beliebten Playmobil- aus bunte und amüsante Minia- Jahre lang reiste die in Mannheim
Ausstellungen zeigt das ALM auch turwelt. Und überall menschelt es konzipierte Mumien-Ausstellung
eine speziell für Kinder konzipier- gewaltig: Wer entdeckt, wo hier mit um die Welt. Nach Stationen auf
te Ausstellung – ebenfalls im Zei- Straßendreck geworfen wird? Und zwei Kontinenten, sieben Län-
chen Roms! In einer nachgebau- was hat der Bautrupp wohl mit der dern und drei Millionen Besuchern
ten römischen Villa spielt sich um Weinamphore vor? Kleine Figuren, kommt sie wieder nach Mannheim
einen zentralen Innenhof der nor- Riesen-Spaß! und überrascht mit zahlreichen in
male Alltag ab – im repräsentati- 26. November 2018 bis Mannheim noch nicht gesehenen
ven Speisezimmer, der zentralen 24. Februar 2019 Funden und neuesten Forschungs-
chäologen der Zukunft über unse- chischen Museen werden in Karls- Eingangshalle, in der Küche, den ergebnissen. Inszenierte Labor-
re Zeit einmal urteilen könnten, ruhe zu sehen sein, darunter zahl- Schlafräumen und im Bad. Alle beide: Archäologisches Landes- bereiche bieten den Besuchern
zeigt eine humoristische Inszenie- reiche, die das geschichtsträchtige Räume sind lebensnah inszeniert museum Baden-Württemberg faszinierende Einblicke in die Me-
rung, die in die Ausstellung ein- Land noch nie verlassen haben. Zu und zeigen in fensterartigen Vitri- Benediktinerplatz 5 thodenwelt der modernen Mu-
führt. den Highlights gehören neben den nen echte Funde! Lebensgroße Fi- 78467 Konstanz mienforschung. An einer Virtual-
24. November 2018 bis bekannten Schliemann-Funden guren der einstigen Bewohner er- Di bis So, feiertags 10–18 Uhr Reality-Station erhalten sie die
26. Mai 2019 aus Mykene und Tiryns die Objek- zählen ihre Geschichte. Angemel- www.konstanz.alm-bw.de Möglichkeit, selbst zum Mumien-
Roemer- und Pelizaeus-Museum te aus dem sogenannten Grab des dete Gruppen können außerdem forscher zu werden.
Am Steine 1–2, , 31134 Hildesheim Greifen-Kriegers. Sie zählt zu den auf vier »Grabungsstellen« selbst 16. September 2018
Di bis So. 10–18 Uhr bedeutendsten archäologischen bis 31. März 2019
www.rpmuseum.de Funden Griechenlands der letzten www.mumien-mannheim.de
Jahre.
Begleitpublikation: 39,95 Euro Konstanz
Karlsruhe 1. Dezember 2018 bis 2. Juni 2019
Badisches Landesmuseum
Eiszeitkunst Schloss Karlsruhe
Diese Wanderausstellung zur eis- 76131 Karlsruhe
zeitlichen Kunst präsentiert Repli- Di bis So, feiertags 10–18 Uhr
ken der ältesten bislang entdeck-
ten figürlichen Kunstwerke und
Musikinstrumente, die in Höhlen Köln
der Schwäbischen Alb gefunden
wurden. Das Musuem stellt in einer BodenSchätze:
kleinen Präsentation ergänzend Archäologie in Köln
Eiszeitkunst aus weiteren Teilen Die Ausstellung zeigt alte und neue
der Welt vor. Funde aus 100000 Jahren Mensch-
27. September 2018 bis heits- und 2000 Jahren Stadtge-
27. Januar 2019 schichte. In beeindruckenden Fun- forschen und freilegen: Die ent- Manching
Naturkundemuseum Karlsruhe den spiegelt sich die reiche Kölner deckten Münzen, Skelettteile oder Stein(h)art
Erbprinzenstraße 13 Historie: die älteste Siedlung in Pflanzenreste können dann im La- Die Bilderwelt der Kelten Gefäße von ewiger Schönheit
76133 Karlsruhe Köln-Lindenthal, das Leben von bor von den kleinen Archäologen Ausgehend von der abstrahieren- Im Fokus dieser kleinen Sonder-
Di bis Fr 9.30–17, Sa, So, feiertags Kelten und Germanen beiderseits fachgerecht untersucht werden. den Kunst der späten Hallstattzeit, schau stehen Steingefäße, die
10–18 Uh des Rheins, die Pracht der Colonia, 8. September 2018 entsteht seit dem 5. Jh. v.Chr. – be- aus besonders wertvollen und in
www.smnk.de das römische Flottenlager auf der bis 27. Juli 2019 einflusst durch Anregungen aus ihrer ästhetischen Qualität heraus-
dem Mittelmeerraum und dem ragenden Materialen gearbeitet
Mykene Köln
Vorderen Orient – ein eigenstän- sind. Sie entstanden um 3000
Die sagenhafte Welt diger keltischer Kunststil: Mensch v. Chr. in Ägypten und faszinieren
des Agamemnon und Tier werden als fantastische bis heute durch die handwerkliche
Die mykenische Kultur ist die ers- Mischwesen dargestellt. Florale Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer, ihre
te Hochkultur auf dem Europäi- Motive auf Schmuck-, Tracht- und zeitlose Ästhetik und ihr modernes
schen Festland – sie erlebte ihre Gebrauchsgegenständen, figürli- Design.
Blüte zwischen 1600 und 1200 che Verzierungen und individuelle 11. November 2018
v.Chr. Als Heinrich Schliemann 1876 Münzbilder entstehen. Sie sind ein- bis 24. Februar 2019
die berühmte Goldmaske des Aga- drückliche Bildwerke der mitteleu-
memnon entdeckte und die zahl- ropäischen Eisenzeit. Die Archäo- beide: Reiss-Engelhorn-Museen
reichen Goldschätze aus den Grä- logische Staatssammlung präsen- Museum Weltkulturen, D5
bern barg, bekam die prähistori- tiert in Manching über 100 ihrer 68159 Mannheim
sche Kultur ein Gesicht und einen Highlights und entführt die Besu- Di bis So 11–18 Uhr
Namen. 400 Leihgaben aus grie- cher in eine vergangene Welt, de- www.rem-mannheim.de

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Ausstellungen Von Asparn an der Zaya bis Zug

München Pfalz erfuhr für kurze Zeit eine wirt- 13. Oktober 2018 bis 21. April 2019 bug aus der Mosel, Rheingott Rhe- Bildnachweis
schaftliche und kulturelle Blüte. Gallo-Römisches Museum nus oder ein Schminkkästchen mit U1, S20 J.-L. Dubois © SRPH (Mine)/ B. Paß-
Tod in Triest 16. September 2018 Kielenstraat 15, BE-3700 Tongern kostbarem Weihrauch, das den mann-Möbis/ www.b-pictured.de (Geweih-
hacke); S1o M. Brandl; S1u Ott; S2–3 vgl.
Anlässlich seines 250. Todestages bis 11. August 2019 Di bis Fr 9–17 Uhr Weg vom Orient nach Xanten ge- entsprechende Beiträge; S4o Arch. Dienst
folgt diese kleine Ausstellung den Historisches Museum der Pfalz www.galloromeinsmuseum.be funden hatte. Nicht zuletzt zeugen Kanton Bern, Ph. Joner; S5o T. Higham, Univ.
Oxford; S5u Landesamt Arch. Sachsen;
Spuren des Archäologen Johann Domplatz 4, 67346 Speyer teure Weihesteine von den Bitten S7 J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn; S8o
Joachim Winkelmann. Di bis So 10–18 Uhr um göttlichen Beistand bei den oft akg-images/ euroluftbild.de; S8u Stadtarch.
Aachen, T. Kohlberger-Schaub; S9o akg-ima-
6. Juni bis 9. Dezember 2018 www.museum.speyer.de Wittelshofen gefährlichen Handelsreisen – und ges; S9u Stadtarch. Aachen, A. Schaub; S10u
zugleich vom dabei erworbenen Fa. Archbau, C. Brand; S10–11 LVR-ABR,
Schimmernde Krüge von Erz Iuppiter und Co Reichtum der Händler und Trans- R. Gerlach; S12–13 H. Husmann, Fa. Ibeling
Grabungen u. Sondagen; S14o J. Behringer/
Bei antiken Gebrauchsgefäßen wie Stuttgart Ein frecher Blick auf porteure. P. Breunig; S14u–119 P. Breunig; S18 O. Breu-
auch beim Tafelluxus der Griechen, römische Götter Begleitpublikation: 29,90 Euro nig; S21o T. Kerig; S21u T. Kerig; S22o akg/
Science Photo Library; S22u akg-images/
Etrusker und Römer denkt man Faszination Schwert Iuppiter, Iuno, Minerva … Die Rö- 27. Juli bis 25. November 2018 Landesmus. Württemberg/H. Zwietasch; S23o
oft zuerst an bemalte Tongefäße. Das Landesmuseum widmet sich mer hatten unzählig viele Gotthei- LVR-Archäologischer Park Xanten T. Kerig; S23u M. Rogozinski/ Alamy Stock
Foto; S24–25 J. Affolter; S26 Deutsches Berg-
Doch wer es sich leisten konnte, der Sach- und Kulturgeschichte ei- ten. Für jede Lebenssituation gab Am Amphitheater bau-Mus. Bochum; S27o A. Galiberti, Siena;
benutzte »schimmernde Krüge von ner legendären Waffe: Auch in Zei- es mindestens eine. Welche Gott- 46509 Xanten S27u M. Tarantini, Florenz; S28o, S28–29
Erz«. Die unterschiedlichen Funk- ten, in denen das Schwert in sei- heit wofür zuständig ist, erläutert März bis Oktober täglich 9–18 Uhr M. Küßner, Weimar; S28u F. Stolper jun., Tie-
fenbach/ R. Peter Gawel, Niederzier; S29o
tionen, die Vielgestaltigkeit anti- ner Funktion als Waffe seit Jahr- diese Sonderausstellung. An Aktiv- November täglich 9–17 Uhr B. Paßmann-Möbis/ www.b-pictured.de; S30,
ker Bronzegefäße und ihr zeitloses hunderten ausgedient hat, ist sein stationen wird die Welt der römi- www.apx.lvr.de 31o, 32o Röm.-Germ. Mus. Köln/ Rheinisches
Bildarchiv Köln, A. Wegner; S31u W. Hein;
Design zeigt diese Ausstellung. Bann ungebrochen. Ob auf Gemäl- schen Götter auf amüsante Art er- S32u–33 B. Ramminger, N. Kegler-Graiewski;
19. September 2018 den des 19. Jh., in Fantasyromanen lebbar. Neulinge und Götterkenner S34–35 M. Brandl; S36, 39 T. Kerig, P. Schau-
er; S37 Arcaid Images/ Alamy Stock Foto,
bis 3. Februar 2019 und Actionfilmen des 20. und 21. Jh. kommen hier auf ihre Kosten! Zug D. Grady/ English Heritage; S38 Heritage-
oder als Holzwaffe in der Spiel- 17. November 2018 bis 5. Mai 2019 Images/ English Heritage/ Historic England/
beide: Staatliche Antiken- zeugkiste – das Schwert hat die LIMESEUM Mammuts akg-images; S40o Alamy, Photo12/ Archives
Snark; S40u Birgit Arrhenius; S41 SHM/
sammlungen Menschen über die Zeiten hinweg Römerpark Ruffenhofen 1 Zuger Riesen zeigen Zähne Christer Åhlin; S42 SHM; S43o ATA/ Riksan-
Königsplatz fasziniert. Den Wurzeln dieser Be- 91749 Wittelshofen Vor drei Jahren kamen bei Bauar- tikvarieämbete; S43u SHM/ Johnny Karlsson;
S44–45 P. Kracht; S46, 47u, 49o LWL-Arch
80333 München geisterung wird nachgegangen Di bis Fr 10– 16, Sa, So, feiertags beiten in Rotkreuz ZG Zähne und Westfalen/ W. Essling-Wintzer; S47, 49u LWL-
Di bis So 10–17, Mi 10–20 Uhr und dabei auch mit Originalobjek- 11–17 Uhr Knochen eines Mammuts zum Vor- Arch. Westfalen/ R. Klostermann; S48 H. de
Witte in: S. Balace/ A. de Poorter (Hrsg.),
www.antike-am- ten aller Epochen nicht gegeizt: www.limeseum.de schein. Konserviert und wissen- Entre Paradis Et Enfer. Mourir au Moyen Age,
koenigsplatz.mwn.de bronzene Vollgriffschwerter, römi- schaftlich bearbeitet bilden sie 600-1600, Ausst.-Kat. Brüssel 2010, S. 165;
sche Kurzschwerter, alamannische nun den Kern einer Sonderaus- S50o D. Herrmann/ B. Rieger, Ostalb-Arch.
GbR; S50u LAD Baden-Württemberg, M. Ling-
Langschwerter mit Goldgriff und Xanten stellung. Diese zeigt Umwelt und nau; S51l Archbau GmbH, Essen, T. Kaszab-
Rottweil Bidenhänder tragen der Faszina- Leben der Menschen am Ende der Olschewski; S51r B. Heiß, ReVe – Büro für
Arch.; S52u S. Cichy; S52o, 53u LDA Berlin;
tion Rechnung. Warenwege – Warenflüsse letzten Eiszeit. Ausgestellt sind S53o J. Müller; S54lo/ lu M. Fenner; S54ro/ ru
Römerzeit trifft Gegenwart Begleitpublikation: 14,95 € Schon zweitausend Jahre vor der verschiedene Mammutfunde aus LAD Bremen; S55l hessenArchäologie;
S55ro/ ru F. Lorscheider, Fa. AAFL; S56l/u
Die Sammlung römischer Funde 13. Oktober 2018 heutigen Globalisierung sorgte der der Zentralschweiz und Werkzeu- LAKD Mecklenburg-Vorpommern, Landes-
beinhaltet herausragende Objekte bis 28. April 2019 Einzug römischer Lebensart für ei- ge, Waffen und Kunstwerke aus alt- arch./ H. Schäfer; S56r Heimatver. Varel e. V.;
S57 NLD Hannover/ W. Köhne-Wulf; S58l/m
dieser Zeit aus Arae Flaviae. Diese Landesmuseum Württemberg ne enorme Nachfrage nach Impor- steinzeitlichen Fundstellen der
LVR-LandesMuseum Bonn/ J. Vogel; S58r
Stücke der antiken Vergangenheit Schillerplatz 6, 70173 Stuttgart ten aus allen Teilen der bekannten Schweiz und Süddeutschlands. Zu R. Nehren/ artemus GmbH, Frechen; S59o
Rottweils begegnen Arbeiten der Di bis So, 10–17 Uhr Welt. Olivenöl aus Spanien, feins- den Attraktionen gehören Mam- LVR-LandesMuseum Bonn/ J. Vogel; S59u
LWL-Archäologie/ S. Spiong; S60l LWL-Ar-
Gegenwartskunst. Im Dialog der www.landesmuseum-stuttgart.de te Kaschmirwolle oder kostbarer muts in Lebensgröße und ein Er- chäologie/ H. Menne; S60u LWL-Archäologie/
Kunstwerke erleben die Besucher Marmor aus Afrika – all das gab es lebnisparcours. Zeiler; S60o LWL-Archäologie/ Baales; S61ol/
om/u GDKE, Landesarch., Außenstelle Kob-
Unterschiede und Gemeinsamkei- lenz/ M. Gensty (ol), D. Bach (om). J. Schamper
ten von 2000 Jahren Geschichte. Tongern Zug (u); S61r LDA Saarland; S62u A. Groß;
S62om/r Landesamt für Archäologie Sach-
22. Juli bis 30. Dezember 2018 sen; S63u/m LDA Sachsen-Anhalt/ S. Meier;
Dominikanermuseum Rottweil STONEHENGE S63r LDA Sachsen-Anhalt/ J. Bergmann;
Kriegsdamm 4 Am Mysterium vorbei S64u/ mo Hansestadt Lübeck, Bereich Arch.
u. Denkmalpfl.; S64r Schleswig-Holstein; S65
78628 Rottweil 2500 v.Chr. entsteht im Süden Eng- LDA Thüringen, H. Künzel (r); S66ol LWL;
Di bis So 10–17 Uhr lands ein imposantes kreisförmi- S66ml LWL/ W. Noltenhans; S66mr LWL/
Pluschke; S66ro Panther Media GmbH/
dominikanermuseum.de ges Bauwerk – Stonehenge. Was ist Alamy Stock Foto, Fotograf SilAnt; S66ul Pre-
diese Stätte eigentlich und warum mium Stock Photography GmbH/ Alamy
Stock Foto, Fotograf M. Marx; S66ur LWL/
liegt sie gerade an dieser Stelle? R. Mahytka; S67 P. Palm, Berlin; S68ol LWL/
Speyer Wer ließ dieses monumentale Bau- R. Mahytka; S68om LWL; S68or Bischöfl.
werk errichten – und wie? Jüngste Dom- u. Diözesanmus. Mainz/ B. Schermuly;
S69o Diözesanmuseum Paderborn; S69u
Valentinian I. und die Pfalz archäologische Studien bieten fas- Diözesanmuseum Paderborn, architectura
in der Spätantike zinierende Fakten und verblüffen- virtualis, Darmstadt; S70l ArchimediX/AMF;
S70r, 71 visitfrankfurt/ H. Ullmann; S71l vi-
Im Jahr 364 beginnt für die Pfalz de Erkenntnisse, werfen zugleich sitfrankfurt/ H. Ullmann; S71r visitfrankfurt/
und den Nordwesten des Imperi- aber auch neue Fragen auf. Das H. Ullmann; S71u P. Palm, Berlin; S72u De-
partment of Culture and Tourism Abu Dhabi;
um Romanum eine besondere Ära: Gallo-Römische Museum bündelt S72o Mordechai Aviam; S73 Neanderthal
Flavius Valentinianus wird zum alle Erkenntnisse in einer großen Museum/ D. Hitzemann; S74o Univ. Leipzig/
Kaiser des Römischen Reiches er- Ausstellung: Interviews mit Ar- Ch. Zielhofer; S74u Ruhr-Univ. Bochum/ J. Gu-
sella; S76o P. Breunig; S76u T. Kerig; U3o
hoben. Während die Spätantike im chäologen, hochwerte 3D Visuali- IceAgeEurope/ C. Rudolph; U3m Deutsches
Allgemeinen oft als Zeit des Nie- sierungen, maßstabsgetreue Mo- Bergbau-Mus. Bochum/ D. Bachmann; U3ul
U. Kunz; U3ur E. Keefer.
dergangs und des Verfalls gilt, delle und vieles mehr. Authenti- in der Colonia Ulpia Traiana, der 13. Januar bis 14. April 2019
zeichnen die archäologischen Zeug- sche Grabfunde zeugen von Fes- größten römischen Stadt am Nie- Museum für Urgeschichte(n) Leider ist es uns nicht immer möglich, den
Rechtsinhaber ausfindig zu machen. Berech-
nisse in der Pfalz ein anderes Bild ten, Zeremonien und Bestattungs- derrhein. Wie kamen die Waren Hofstraße 15, CH-6300 Zug tigte Ansprüche werden selbstverständlich
dieser wechselvollen Zeit. Aktuel- ritualen, die das Leben der Stone- dorthin? Im Archäologischen Park Di bis So 14–17 Uhr im Rahmen der üblichen Vereinbarungen
abgegolten.
le Forschungsergebnisse bezeu- henge-Menschen prägten. Stim- Xanten demonstrieren eindrucks- www.urgeschichte-zug.ch
gen eine dicht besiedelte Land- mungsvolle Filmbilder lüften ein volle Nachbauten das Aussehen Beilagenhinweis
schaft mit zahlreichen Städten, be- wenig den Schleier dieser geheim- von Fuhrwerken und Schiffen. Zu
In dieser Ausgabe finden Sie eine Beilage
festigten Siedlungen und land- nisumwitterten Kultur. Die Aus- sehen gibt es spannende Expona- Informationen zu weiteren des Verlags Friedrich Pustet (Abonnement-
wirtschaftlichen Betrieben, die stellung ist auf Niederländisch und te aus vielen europäischen Museen Ausstellungen finden Sie unter auflage Bayern) und des LVR Landsmuse-
ums Bonn (Gesamtauflage).
wahren Prunkvillen ähnelten. Die Französisch. wie einen antiken Miniatur-Schiffs- www.aid-magazin.de

80 AiD 6 | 2018
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Rätsel

Frage 1: Unwetter, Erdbeben, Vulkanausbrüche Frage 9: »Mainhattan« in einer urkundlichen Er-


und andere Katastrophen wurden in historischer wähnung Karls des Großen aus dem Jahr 794.
Zeit nicht selten auf den Tag genau dokumentiert.
R 10 O R
So auch die hohen Niederschläge im mitteleuro-
päischen Binnenland am 22. Juli 1342, verbunden
mit Starkregen, Überschwemmungen und Bo- Frage 10: Diese außergewöhnliche Wärmezufuhr
denerosionen, die unter diesem Namen in die konnte bei Sanierungsarbeiten im sauerländi-
Geschichte eingingen. schen Kloster Wedinghausen dokumentiert wer-
den. Ähnlich dem Prinzip eines römischen Hypo-
G N 1 T kaustums erwärmte sich nach Ausbrennen des
Ofens eingeleitete Frischluft, die diese Wärme
Frage 2: Seit dem Jungpaläolithikum hat sich die über Kanäle in Wand und Boden an verschiedene
Form des Handwerkzeugs eines Bergmanns nur Räume weitergab.
wenig verändert. Lediglich die Materialien ver-
besserten sich im Lauf der Zeit vom Arbeitsgerät 11 F H 12 Z
aus Stein bis zum gehärteten Stahl. Gesucht wird
der Überbegriff dieser Werkzeuge. Frage 11: Dieser Zweig der Altertumswissen-
schaften befasst sich mit gegenwärtigen Volks-
2 Z E Frage 6: Sie ist eines der in Frage 2 gesuchten gruppen, die in vergleichbaren Lebensumständen
Werkzeuge und kommt sowohl im Bergbau als existieren, wie Menschen in historischer oder prä-
Frage 3: Einige historische Beschreibungen lassen auch bei Zimmerleuten zum Einsatz, ebenso bei historischer Zeit, unter Umständen auch in völlig
zwar darauf schließen, dass Wikingerkrieger so frühen Bauernkulturen. Schon Bandkeramiker anderer Umgebung oder geografischer Lage.
aussahen, wie sie in aktuellen Verfilmungen ger- verwendeten sie. Ihre Klinge bestand häufig aus
graugrünem metamorphem Amphibolit. Das Roh- E H 13 -
ne dargestellt werden. Aber leider existiert bis-
lang kein einziger archäologischer Beleg dafür, ob material des überwiegenden Teils der in Deutsch- H E
14
sie sich tatsächlich mit diesen schmückten. land geborgenen Klingen stammt aus dem böh-
mischen Isergebirge. Frage 12: Ein wirtschaftsarchäologisches Projekt,
T T W 3 G das die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge
E 6 E
der Jungsteinzeit in Skandinavien, Großbritannien
Frage 4: Ein von Erdbeben besonders gefährde- und Mitteleuropa untersucht, mit erstaunlichen
tes Gebiet in Deutschland ist die Niederrheinische Frage 7: Im Laufe der Belagerung von Alésia, des Ergebnissen für die Britischen Inseln.
Bucht um Aachen. Während des Baus von Aachens auf dieser Anhöhe gelegenen Oppidums, ent-
schied sich der Gallische Krieg. Caesar besiegte O I 15
bedeutendstem Bauwerk, dem Dom, muss ein
Vercingetorix, Gallien wurde römisch. Kaiser Na- Fragen von Udo Jansen
Erdbeben stattgefunden haben, wahrscheinlich
poleon III. ließ hier, etwa zwei Kilometer vom
jenes für das Jahr 803 dokumentierte. Es lässt sich
MuséoParc Alésia entfernt, eine sieben Meter ho-
durch verschiedene Befunde und heute noch
he Statue des zum gallischen Helden stilisierten
sichtbare bauliche Vorkehrungen nachweisen. Un-
Stammesführers Vercingetorix errichten.
ter welchem Namen ließ Karl der Große das Got-
teshaus erbauen? O 7 X O
R 4 K H
Frage 8: Ein Paradebeispiel dieser relativ neuen
wissenschaftlichen Disziplin sind die Arbeiten
Frage 5: Mehr als zehntausend Felsbilder wurden
am in Frage 4 gesuchten Monument. Sie berück-
in dieser trockenen Region Namibias bereits do-
sichtigt geologisch-geophysikalische Aspekte im
kumentiert, mehrheitlich Gravierungen, aber auch
Zusammenhang mit Befunden aus Grabungen
Felsmalereien. Drei Fundplätze, zumeist angelegt
oder Untersuchungen kultureller Relikte.
um kleine, aber stetig fließende Quellen, heißen
Twyfelfontein, Amphitheater und Rhinospring. A Ä -
S 5 N S S 8 S O O 9

Auflösung aus AiD 4 | 2018: Mitraten und Mitgewinnen Verlagsbüro Wais & Partner
Lösungswort: Siedlungsterrassen Schreiben Sie die Buchstaben in die Kästchen Redaktion AiD, Kennwort: AiD-Rätsel
und übertragen Sie das Lösungswort auf eine Reinsburgstraße 104, 70197 Stuttgart
Die Gewinner des Rätsels aus Heft 4 | 2018: Postkarte (bitte Absender nicht vergessen).
Unter den richtigen Einsendungen werden
Je ein Exemplar »300 000 Jahre Spitzentechnik« 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 drei Exemplare »Knochenarbeit« aus dem
aus dem Programm der WBG erhalten
Theiss Verlag ausgelost.
Hermann Frank, 75447 Sternenfeld, Richard Heß,
66459 Kirkel-Limbach, Marion Krefting, Senden Sie die Lösung bis spätestens Die Auflösung erscheint in der übernächsten
50733 Köln. Wir gratulieren! 5. Januar 2019 (Poststempel) an: AiD. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnahme am Gewinnspiel beinhaltet im Gewinnfall das Einverständnis zur Nennung des Namens und des Wohnortes. Soweit im Rahmen des Gewinnspiels personenbezogene Daten
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Die dunkle Revolution £ Seite 14


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VORSCHAU
AiD 1 | 2019 erscheint
am 15. Januar 2019

Neandertaler – Künstler?

Was ist Kunst? Gewiss etwas zutiefst Humanes.


Wer Kunst schafft, ist ein menschliches Wesen
wie wir. War der Neandertaler ein Mensch in
diesem Sinne? Die Autoren unseres Themas be-
jahen diese Frage. Eine Fülle neuer Forschungs-
ergebnisse zeigt einen klaren Trend: Neander-
taler und moderner Mensch rücken ganz eng
zusammen. In diesen Trend passen neue Datie-
rungen von künstlerischen Darstellungen, die
bis in die Zeit der Neandertaler zurückreichen.
Unsere Autoren stellen die Fundorte vor und
diskutieren die methodisch außerordentlich
schwierigen Datierungen.

Frühe Eisenhütten Welterbe meerumschlungen


Bergbau und Hüttenwesen prägen Schleswig-Holstein hat seit Juni 2018 ein
das Siegerland. Seit zahlreiche vor- neues Weltkulturerbe – Haithabu und
römische Verhüttungsplätze entdeckt Danewerk. Der wikingerzeitliche Seehan-
wurden, ist die Region ein Hotspot für delsplatz und das Grenzbauwerk liegen
Montanarchäologen. Neue Forschun- an der Landenge zwischen dem Ostsee-
gen zeigen: Handwerker gewannen arm Schlei und den Niederungen der
dort Eisen in den größten Verhüt- Nordsee. Rechtzeitig zum Andrang auf
tungsöfen, die es im vorchristlichen das neue Welterbe konnte das Wikinger
Europa gab. Das Ausmaß der eisen- Museum in Haithabu nach 18 Monaten
zeitlichen Produktion war enorm, Sanierung wiedereröffnet werden –
ebenso der Verbrauch an Ressourcen. Anlass genug, die überaus lohnenswerten
archäologischen Stätten zu besuchen.

Unterwasser in Yucatán
Der verkarstete Norden der mexi-
kanischen Halbinsel Yucatán birgt
die längsten Unterwasserhöhlen der
Welt. In einem 353 km langen Laby-
rinth entdeckten Taucher mehr als
100 Fundstellen: überwiegend Zeug-
nisse der Kultur der Maya, aber auch
Spuren der ersten Siedler auf ameri-
kanischem Boden aus der Zeit vor
etwa 12 000 Jahren.
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Reich bebilderter Katalog

AiD
zur Ausstellung
Die mykenische Kultur gilt als erste Hochkultur auf dem europäischen Festland.
| N DEUTSCHLAND 06 2018
Dezember – Januar

aid-magazin.de
Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes und in Mittelgriechenland erlebte
sie ihren Höhepunkt zwischen 1600 und 1200 v. Chr. Die mykenische Zeit, so
glaubte man anfangs, war die Epoche der sagenhaften Helden und Könige
aus den Epen Homers. Aber waren Mykenes Zyklopenmauern mit dem welt-
berühmten Löwentor wirklich die Burg Agamemnons, der die Griechen in den
Krieg gegen Troja führte?
Der Katalog zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum gibt einen neuen
und profunden Überblick über Mythos und Wirklichkeit der mykenischen
Kultur. Reich bebildert: mehr als 350 erstmals der Öffentlichkeit präsentierte
Funde illustrieren anschaulich Entwicklung und Kunst der mykenischen Ägäis.

Bergbau
Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.)
Mykene
in der Steinzeit
Bergbau in der Steinzeit

Die sagenhafte Welt des Agamemnon


2018. Etwa 400 S. mit etwa 500 farb. und s/w Abb. und Kt.,
23 x 27,5 cm, geb. mit SU. wbg Zabern, Darmstadt. € (D) 11,95
€ 39,95. ISBN: 978-3-8053-5179-9
NATURKATASTROPHEN FELSBILDER WIKINGER UND
Erdbeben, Vulkanausbrüche, IN NAMIBIA KÖRPERKULT
06

Hochwasser – Spurensuche Kunst von Jägern und Deformierte Schädel,


511959

im Grabungsbefund
|

Sammlern in der Wüste gefeilte Zähne und


AiD 06 2018

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