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5.

18
)eitschrit für
Archäologie und
Kulturgeschichte

Georgien
€ 12,80 (D)
€ ,– A / sFr ,–

SIZILIEN ÄGYPTEN VORDERER ORIENT


www.anikewelt.de

Das Landgut Spektakuläre Funde Ludwig Burckhardts


des Philippianus in in Heliopolis Reisen
Gerace
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MONREPOS – Archäologisches
1 Bremerhaven Deutsches Auswandererhaus
Forschungszentrum und Museum
2 Darmstadt, Institut Mathildenhöhe – Künstlerkolonie für menschliche Verhaltensevolution
3 Bramsche-Kalkriese, Museum und Park Kalkriese Schloss Monrepos
D-56567 Neuwied
4 Darmstadt, Schlossmuseum Tel: 02631-9772-0
5 Hamburg, Archäologisches Museum monrepos@rgzm.de
www.monrepos-rgzm.de
6 Geisa, Gedenkstätte Point Alpha Öffnungszeiten: Di – So: 10 – 17 Uhr und nach Absprache.
7 Bad Homburg, Römerkastell Saalburg
8 Glauberg, Keltenwelt am Glauberg
9 Halle (Saale), Landesmuseum für Vorgeschichte
10 Wittelshofen, Römerpark und Limeseum Archäologisches Museum Frankfurt
Karmelitergasse 1
11 Manderscheid, Maarmuseum
D-60311 Frankfurt am Main
12 Schöningen, Paläon Telefon 069 212-35896
13 Chemnitz, smac- Staatl. Museum für Archäologie info.archaeolmus@stadt-frankfurt.de
www.archaeologisches-museum.frankfurt.de
14 Mannheim, TECHNOSEUM Öffnungszeiten: Di bis So: 10 – 18 Uhr,
15 Perl-Borg, Archäologiepark Römische Villa Borg Mi: von 10 - 20 Uhr, Mo: geschlossen

16 Essen, Ruhr-Museum UNESCO-Welterbe Zollverein


17 Nebra, Arche Nebra
18 Manching, kelten römer museum
RömerMuseum
19 Rothenburg o.d.T., Mittelalterl. Kriminalmuseum Öffnungszeiten: 15. März bis 30. Dezember täglich 10 – 17 Uhr
20 Kassel, Museum für Sepulkralkultur ReichsstadtMuseum
21 Neanderthal Museum Mettmann Öffnungszeiten: 15. März bis 15. November täglich 10 – 17 Uhr
16. November bis 30. Dezember täglich 10 – 12:30 Uhr und 14 – 17 Uhr
22 Neustrelitz, Kulturquartier
Martin-Luther-Platz 3-5 • 91781 Weißenburg i. Bay.
23 Blaubeuren, urmu - Urgeschichtliches Museum museum@weissenburg.de
24 Hamburg, Auswanderermuseum BallinStadt Römische Thermen
25 Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen Am Römerbad 17a • 91781 Weißenburg i. Bay.
museum@weissenburg.de
26 Memleben, Kloster und Kaiserpfalz Öffnungszeiten: 15. März bis 15. November täglich 10 – 17 Uhr
27 Brandenburg, Archäologisches Landesmuseum Paulikloster
28 Weißenburg, RömerMuseum, Römische Thermen,
ReichsstadtMuseum
29 Neuwied, MONREPOS NEU
30 Frankfurt, Archäologisches Museum Frankfurt NEU
EDITORIAL

ARCHÄOLOGISCHE FORSCHUNGEN
IM SÜDKAUKASUS

I n diesem Jahr ist Georgien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Zahlreiche Übersetzungen ge-
orgis her Literatur si d i de Bu hha dlu ge zu i de , die Feuilleto s der Zeitu ge stelle
das uns doch recht ferne Land und seine Kultur vor. Damit auch die Archäologie Georgiens und die
spektakuläre Fors hu gserge isse der letzte Jahre i ht zu kurz ko e , ö hte ir u s
zusammen mit dem Kuratorenteam der Ausstellung «Gold & Wein. Georgiens älteste Schätze» im
Ar häologis he Museu Fra kfurt u d eitere E perte auf Fors hu gsreise ege e . Wir
erhalte ei ielfäliges Bild der frühe kulturelle E t i klu ge Georgie s o Begi der La d-
irts hat i Kaukasus a . Chr. is zur Trialei-Kultur der Mitel ro zezeit u – Holger Kieburg
. Chr. Chefredakio
ANTIKE WELT
Brücke der Kulturen – Ei e Ü er li k ü er die Fors hu ge der letzte Jahre ge e u s Lia e
Giemsch vom Archäologischen Museum in Frankfurt und Svend Hansen von der Eurasien-Abtei-
lu g des Deuts he Ar häologis he I situts. Hier egeg e ir au h de golde e Lö e o
Ts ori ieder, der u ser Titel ild ziert.

Harte Fakten aus steinernen Quellen – I der süd estli he Kaukasus-Regio urde ei
Ausgra u ge u d Sur e s zahlrei he Stei geräte et a aus der Zeit o . is . Jt. . Chr.
gefu de . Sie ge e ei e Ei li k i die E t i klu g der aterielle Kultur u d i die Le e s-
eise der Me s he .

Siedlungen, Festungen und Megalithen – Ar häologis he Sur e s der Ca’ Fos ari U i ersität
Ve edig u d der I a e-Ja a his h ili-U i ersität Tilis ha e u. a. das größte isla g e-
ka te O sidia -A auge iet des Kaukasus gefu de . Ne e de Tage au i e e tde kte
die Autore Paolo Biagi u d Re ato Nis et it ihre Tea au h Siedlu gsstrukture .

Gute Beziehungen – Bei de Hügelgra Trialei XV ha delt es si h u ei Fürste gra o Be-


gi des . Jts. . Chr. aus Südkaukasie , das it alle zu dieser Zeit « oder e » Gra eiga e
ausgestatet ar. Was für S hlüsse aus de Gra u gserge isse gezoge erde kö e , er-
fahre ir o Le a T ha ash ili o Georgis he Naio al useu , der au h de ü erregio-
nalen Handelsbeziehungen nachgeht.

Holzwagen und Honig – I Jahr ko te Ar häologe des Georgis he Naio al useu s


de Großkurga i A a auri grü dli h u d it de eueste Methode u tersu he .
Wel he Rü ks hlüsse auf die Le e s elt der Bestatete zu ge i e si d, erläutert Zura Makharadze,
Leiter des Ce tre of Ar haeolog a Museu i Tilis.
«Gold & Wein – Georgiens
älteste Schätze»
Wir si d si her, Ihr I teresse a der georgis he Kultur e ke zu kö e u d sehe u s da 6. Oktober 2018 bis
iellei ht ei der Ausstellu g oder de Gastla dautrit auf der Fra kfurter Bu h esse. 10. Februar 2019
im Archäologischen
Museum Frankfurt

Ihre ANTIKE WELT-Redakio

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ANTIKE WELT 5/18
TITELTHEMA GEORGIEN
8 AUF SCHAT)SUCHE IN GEORGIEN – WAS DER WEIN UND DER GOLDENE
o Lia e Gie s h u d S e d Ha se LÖWE VON TSNORI ÜBER DAS FRÜHE KAUKASIEN VERRATEN
Das Archäologische Museum Frankfurt nimmt uns ab Oktober mit auf eine Reise nach
Georgien. In der Ausstellung dreht sich alles um die frühen Kulturen des Kaukasus
zwischen dem Beginn des Ackerbaus und der Mittelbronzezeit – und seine (kulturel-
len) Schätze. Die Kuratoren machen uns mit den frühen Kulturen im heutigen Georgien
vertraut.

15 STEIN-)EIT – TYPOLOGIE STEINERNER GERÄTE IM NEOLITHISCHEN


o Jo i A ulaze GEORGIEN
Auf eine Besonderheit der kaukasischen Region weisen Fundorte hin, wo für die Zeit ab
dem 6. Jt. v. Chr. zahlreiche verschiedene Steingeräte freigelegt wurden. Mithilfe der
Differenzierung von Geräte-Typen können die Funde zunächst systematisiert werden.

20 EINE FRAGE DER )EIT – VOM WANDEL DER KULTURLANDSCHAFT DES


o Paolo Biagi u d Re ato Nis et KLEINEN KAUKASUS
Breit angelegte Surveys italienisch-georgischer Grabungsteams haben das Jawacheti-
Plateau in der 80 km von Tiflis entfernten Region Samtsche-Jawacheti untersucht
und erstaunliche Veränderungen der Region innerhalb der letzten fünf Jt. festgestellt.
Welche Veränderungen sind nachvollziehbar und worauf lassen sie sich zurückführen?

24 DAS TRIALETI GRAB XV — EIN FÜRSTENGRAB MIT FERNVERBINDUNG


o Le a T ha ash ili Die Kura-Araxes-Kultur auf der Trialeti-Ebene brachte Hügelgräber hervor, die in die frühe
Bronzezeit datieren. Sie sind bekannt für ihren besonderen Reichtum an kunstvollen
Grabbeigaben. Aber nicht nur das: im Trialeti-Grab XV wird die weite kulturelle Vernetzung
der Kaukasus-Region archäologisch fassbar.

28 VERBORGENE LEBENS- WELT – DAS GRABINVENTAR DES GROSSKURGANS


o )ura Makharadze Das im Osten des heutigen Georgiens gelegene Alazani-Tal beherbergt mehrere sog. Groß-
kurgane: Die künstlich angelegten Hügelgräber in der südkaukasischen Region geben
uns nicht nur Hinweis auf frühbronzezeitliche Bestattungsrituale, sondern ermöglichen
Einblicke in die damaligen Gesellschaftsstrukturen und den Alltag der Menschen.

Titelbild der vorliegenden Ausgabe


Golde e Lö e igur aus ei e Hügelgra i Ts ori. T ilissi, Fotos: o e : Steppe la ds hat it Bli k auf de Kaukasus Foto: Sa i e Rei hold, DAI ; re hts:
Georgis hes Naio al useu I . – : Ka heie , Ostgeor- Mosaik aus der Villa «Gera e»
gie ; Foto: Jessi a Meyer / Ar häologis hes Museu Fra kfurt .
THEMENPANORAMA

DER MÜNCHNER OLYMPIA-GIEBEL – JAHRE SPÄTER 39


Im Jahr 1973 sorgte der Abbau des Abgusses vom Zeustempel aus Olympia in München o Ruth Bielfeldt, Ma uel Hu ziker u d
für Aufsehen. 45 Jahre nach ihrem Verschwinden aus der öffentlichen Wahrnehmung Nele S hröder-Grie el
ist er nun in einem Münchner Gymnasium wieder zugänglich. Der Beitrag erzählt von
der Reise des prominenten Giebels.

AUSGE)EICHNET – DIE TROPHÄEN DER WETTSTREITER 43


Sport begeisterte schon die Menschen der Antike. Vor allem in der griechischen Welt o Floria K auß
war angesehen, wer im Wettkampf siegreich war. Zur Auszeichnung durften Tro-
phäen nicht fehlen. Welche kostbaren Preise erfolgreichen Athleten verliehen werden
konnten, zeigt Florian Knauß.

SELBSTDARSTELLUNG IM RÖMISCHEN STIL – PHILIPPIANUS UND 46


SEIN LANDGUT IM SPÄTRÖMISCHEN SI)ILIEN o Roger Wilso
Auf Sizilien lebte im 4. Jh. n. Chr. ein Gutsbesitzer namens Philippianus. So lautet die
aktuelle Vermutung der Wissenschaftler, die das Landgut mit dem Namen «Gerace»
aktuell archäologisch erschließen. Roger Wilsons Beitrag liefert spannende erste Ergeb-
nisse der Rekonstruktion des Geländes und Hinweise darauf, dass tatsächlich ein
Mann namens Philippianus Besitzer der Villa war.

EIN TEMPEL UNTER KAIRO – ÄGYPTISCH-DEUTSCHE FORSCHUNGEN 56


IM SONNENTEMPEL VON MATARIYA / HELIOPOLIS o Dietri h Raue
Es bleibt eine sensationelle Entdeckung: Die ehemals monumentale Tempelanlage –
Urhügel des ägyptischen Schöpfungsmythos unter den Müllbergen des nördlichen
Kairo – wird unter schwierigen Bedingungen weiter ausgegraben. Aus erster Hand
berichtet Dietrich Raue nun von den Spuren großer Dynasten und den Kult im Tempel
von Heliopolis.

DECKNAME «SCHEICH IBRAHIM» − DIE AKTE BURCKHARDT 68


Es klingt wie die wundersame Geschichte eines Abenteurers: Der Basler Archäologe o Tho as Hof eier u d Oskar Kaeli
Ludwig Burckhardt unternahm zu Beginn des 19. Jhs. gewagte Reisen in unbekannte
Welten. In diesem Beitrag erfahren Sie, wohin es ihn verschlug und was er dort Span-
nendes entdeckte. Seine Reisejournale dienen als Quellen.

WEISSE MARMORSKULPTUREN – BEMALT ODER NICHT BEMALT? 75


DAS IST HIER DIE FRAGE! o A alie Sko øller
Das Weiß antiker Skulpturen assoziieren wir gemeinhin mit Reinheit und hoher histori-
scher Authentizität. Warum wir damit die eigentliche Farbigkeit des Marmors über-
sehen und wie unsere Emotionen uns bei der Betrachtung der Skulpturen beeinflussen, RUBRIKEN
erklärt Amalie Skovmøller.

4 Aktuell
6 Spra he u d S hrite
33 Museu si sel Berli
38 Preisrätsel
66 Leserreise Südfra krei h
84 AW-Shop
86 Musee i aller Welt
90 Bü herspiegel
92 Ausstellu gskale der
96 Vors hau / I pressu
97 Gelügelte Worte
)iegel gede kt. Aufg u d de ä hi-
ge Fu da e te ist o ei e hohe ,
halle a ige Bau auszugehe . Ei
T eppe aufga g ist i ht a hge ie-
Das langrecht- se , hölze e Gale ie si d als ögli h
eckige Gebäude
in der Nach-
zu e a hte .
barschaft der I Ge äudei e e a de Fuß-
Antoniterkirche
zeigt mächtige ode it ei e stelle eise e hal-
Fundamente. te e , polie te Est i h ede kt. Die
Der Annex am
linken Rand I e ä de des Ge äudes gliede te
könnte eine Sta-
tue aufgenom-
Nis he i egel äßige A stä de it
men haben. u te s hiedli he B eite , jedo h o
Foto: Rö is h-Ge a is hes Museu de Stadt Köl , Ul i h Ka as. glei he Tiefe .
Bei de Mo u e talge äude
ha delt es si h u öfe tli he G oßa -
DEUTSCHLAND Ag ippi e siu , e i htet die E a ge- hitektu . De G u d iss des Ge äudes
lis he Ge ei de Köl i S hate de it de u laufe de Nis he i det
A to ite ki he ei eues Ge ei - E tsp e hu ge ei de a ike Bi -
DIE KÖLNER STADT­ deze t u . De a ike G oß au hate liotheke , i s eso de e i Ephesus.
ARCHÄOLOGIE ENTDECKT ei e Seite lä ge o . A de I de Nis he des Köl e Bau e ks
DIE ÄLTESTE BIBLIOTHEK süd estli he Lä gsseite efa d si h e de Ei aute fü die Auf ah e
ei e hte kige A e o , o S h it olle e utet, de A -
DEUTSCHLANDS , . Be eits seit de späte . Jh. e gege ü e des Ei ga gs e ei hs
Bei au o g eife de Ausg a u ge a eka t, dass do t ö is he Fu - e s hei t fü die Auf ah e ei e
des Rö is h-Ge a is he Museu s da e te i Bode lage . Das Fu da- Mi e astatue geeig et.
de Stadt Köl auf ei e i a 2
e t ist it fast u ge öh li h De Bau ist i die Mite ode z eite
g oße Flä he i de I e stadt sta d eit, is zu , ief u d esi ht Hälte des . Jhs. . Ch . zu daie e .
ei o u e tales Ge äude i Mit- du h sei e g oße Fesigkeit. Das E i d zu g oße Teile i de Neu au
telpu kt. Hie , i de Süd este ke des aufgehe de Maue e k u de aus i teg ie t.
a ike Fo u de Colo ia Claudia A a Tufstei e i htet, das Da h a it von Dr. Dirk Schmitz, Bodendenkmalpflege Stadt Köln.

ÄGYPTEN die e eits z is he u d Me ge o Ke a ik, da u te Mess-


e tde kt u de . Bei iele äg pi- e he , A pho e fü Nat o u d
s he De k äle ist ei e z eite i po ie te Ölgefäße. Ü e diese
SPANNENDE FUNDE Ru de de Doku e taio it pa - Gefäße e thalte hie ais he u d
BEI NEUBEARBEITUNG ielle Wiede ausg a u g öig, ei de ois he I s h ite it de Na e
SAITISCHER GRÄBER el he ode e Te h ik ie digitale de Balsa ie u gssu sta ze .
Doku e taio it Hilfe o Lase I de We kstat ei det si h ei e
Das DFG-Projekt der Universität zu den S a i g u d Photog a et ie zu Ra pe aus )iegel z is he z ei
saiis he G ä e i Sa a a ega Einsatz kommt. Be ke . Die a häologis he U te -
im März 2016. Ziel war die Konser- Das deuts h-äg pis he Tea hat su hu ge lasse e ute , dass das
ie u g u d Pu likaio d eie G ä e , ei de d ei G a ka e Ko se - ei e fü das Nat o esi t a u d
ie u gs- u d Ve essu gs aß- das a de e fü die Beha dlu g de Lei-
ah e Lase S a s du hgefüh t. e i de . De S ha ht K e thält
Sä tli he eligiöse Te te de G a - eh e e G a ka e i e s hiede-
ka e u de digital faksi ilie t. e Höhe. I Tiefe ei de
Die Na hg a u ge ha e u e - si h se hs G a ka e , i de e
a tete E ge isse ge a ht: Nu ie e siegelte Stei sa kophage
südli h de Ausg a u ge o gefu de u de . ) ei da o ge-
hat das Tü i ge Tea ei e saiis h- hö e P ieste de S hla ge göi
pe se zeitli he Mu iizie u gs e k- Niuts hies. Ei e e goldete sil e e
Die vergol- stat e tde kt. Hie zu gehö e : Maske, die e ste seit , u de auf
dete silberne
Maske ge- . Ei u te i dis he Balsa ie u gs- de Gesi ht ei es P ieste s de Mut
hörte zum au S ha ht M -II ; . ei e Balsa- u d Niuts hies e tde kt.
Grabinven-
tar eines ie u gs e kstat; . ei ge ei sa-
von Ramadan B. Hussein, übersetzt von
Priesters
der Mut und
e G a s ha ht S ha ht K . Prof. Dr. Christian Leitz, Saqqara Saite Tombs
Niutschies. De S ha ht M -II e thielt g oße Project, Universität Tübingen.

Foto: Sa a a Saite To s P oje t


SSTP , U i e sität Tü i ge . 4
ANTIKE WELT 5/18
AKTUELL

SCHWEIZ

PAPYRUS MIT SPIEGEL­


SCHRIFT ENTSCHLÜS­
SELT – BISHER UN­
BEKANNTES WERK DES
.

AR)TES GALEN
Foto: Pa el Od od , La desa t fü De k alplege Hesse , hesse ARCHÄOLOGIE,

S ho seit de . Jh. efa d si h


diese Pap us P.Bas. A i Basle
Ku iositäte ka i et des Ku st-
sa le s u d P ofesso s Basilius
A e a h. De Pap us – i et a
hal so g oß ie ei e Postka te – ist
auf eide Seite i Spiegels h it
ges h ie e , ei ziga ig u te de
ishe eka te hu de tause -
de o Pap i. A ha d de S h it,
o de a ei ige Bu hsta e
e tzife ko te, usste a ,
dass es si h u ei e g ie his he
lite a is he Te t ha delte. I )uge
ei es Ediio sp ojektes de Basle
Pap ussa lu g i )usa e a-
Der lebendig eit it de Digital Hu a iies La
wirkende Pferde-
kopf zeugt von
der Universität Basel konnte er nun
Kunstfertigkeit. e ts hlüsselt e de .
De e ts heide de Hi eis ka
o italie is he Pap ologe
DEUTSCHLAND u d kü stle is he Aufassu gsga e. D . Da io I te ullo, de Pa allele zu
Ve s hiede e )au zeugapplikaio- de e üh te «Ra e a Pap i»
e zeige hal plasis he Büste de sah. Du h Ult a iolet-Auf ah e
SAALBURG )EIGT VER­ Siegesgöi Vi to ia so ie des K iegs- ko te festgestellt e de , dass
GOLDETEN PFERDEKOPF gotes Ma s. De Kopf sta t ohl aus es si h ei diese Doku e t u
AUS WALDGIRMES ei e de )e t e de B o zegieße - eh e e itei a de e lei te
ku st; die Medaillo s u de ah - Pap uss hi hte ha delte. Ve ut-
Seit de . August ist de Pfe dekopf s hei li h e st späte i de P o i z li h a de Pap us i Mitelalte
aus e goldete B o ze, de i e gä zt. Die este Ve glei he iete zu He stellu g ei es Bu hei a ds
hessis he Lah au-Waldgi es Lah - die Pfe deköpfe aus Pe gola di Ca to- iede e e det o de . Jö g G af,
Dill-K eis gefu de u de, de Öfe t- eto i No ditalie a. – . Ch . . Pap us estau ato de Leipzige
li hkeit zugä gli h. Das ALMhesse Der Fundort der Statue wird in die U i e sitäts i liothek, ü e ah
zeigt diese Fu d i de eue Daue - )eit z is he .u d . Ch . daie t. die a sp u hs olle Aufga e, die
ausstellu g des Saal u g useu s zu Ih Aufstellu gso t a das Fo u Lage o ei a de zu t e e u d
ö is he Stadtg ü du g Waldgi es. de Stadt. Fü f do t f eigelegte Statu- de Te t les a zu a he .
I )uge de Ausg a u ge de e posta e te e tsp e he de a i- Du h die T a sk ipio de Basle
Rö is h-Ge a is he Ko issio als et is he Statue ausstatu g Pap ologi D . Isa elle Ma thot
des DAI ka ei öllig u e a tete e glei h a e Platza lage . ) a fehle stellte si h he aus, dass es si h u
Fu d zutage: I ei e Fass a Bode ko k ete Hi eise auf die da gestellte ei e edizi is he S h it ha delt,
ei es B u e s u de de Kopf ei e Pe so e , do h ist a zu eh e , dass die das Phä o e des «h ste i-
Pfe destatue aus e goldete B o ze es si h u Augustus u d Mitgliede des s he Ate sillsta ds» es h ei t.
i auße ge öh li he ildhaue is he Kaise hauses ha delte – als si ht a e Aufg u d ielfälige Pa allele zu
Qualität e tde kt. Ve glei h a e a ike Ma ifestaio des He s hatsa sp u hs. We k des aus Pe ga o sta e -
Pfe deskulptu e si d seh selte . Die Statue f ag e te u de i de de A ztes Gale geht das Basle
De le e sg oße Pfe dekopf esi ht We kstäte de hesse ARCHÄOLOGIE Tea da o aus, dass es si h u ei
du h sei e g oße Le e digkeit u d estau ie t. Da ei gela ge au h i te es- isla g u eka tes We k dieses
Plasizität ei detaillie te Wiede ga e sa te Ei li ke i de He stellu gsp ozess. A ztes ha delt. Gale , de i de
o Muskelst ä ge , Nüste u d von Dr. Carsten Amrhein, Direktor Museum z eite Hälte des . Jh.s i kte, gilt
Auge ildu g. Die Ausfüh u g zeugt Römerkastell Saalburg, Landesamt für Denkmal- e e Hippok ates als de edeu-
o g oße ha d e kli he Ges hi k pflege Hessen. tendste Arzt des Altertums.
von Prof. Dr. Sabine Huebner, Institut für Alte
Geschichte, Universität Basel.

ANTIKE WELT 5/18


NISILI, NASILI, NISUMNILI ODER:
DIE HETHITISCHE SPRACHE

A ls bei Grabungen im Jahre 1887


erste Keils hrittafel i äg pi-
schen Tell el Amarna das Tageslicht er-
Boğazkö heute Boğazkale, ru d Kilo-
eter östli h o A kara urde s s-
te ais h seit Tause de o e-
Fachwelt von der Übersetzung zweier
Sätze ü erzeuge . I Resultat urde
die Annahme Knudtzons, es handle
blickten, begann die Geschichte von s hritete To tafel ge orge . Da die si h ei Hethiis he u ei e i do-
der Wiedere tde ku g der hethii- S hritstü ke u. a. i ereits e tzifer- europäis he Spra he, estäigt. Hroz-
s he Spra he. U ter der Korrespo - te Ba lo is h erfasst are , sta d ýs Erfolg ei der E tziferu g eruhte
de z äg pis her Pharao e efa - rasch einer Benennung des Ortes als i ht u erhe li h auf lautli he Äh -
de si h z ei Briefe, die i ht i der Hauptstadt «Hatusa» i hts i Wege. li hkeite , ie der Verglei h o he-
Diplo ate spra he des . Jts. . Chr., Das dazu gehörige Reich konnte mit thiis h wādar mit englisch water oder
de Ba lo is he , erfasst are dem aus anderen Kontexten bekann- deutsch Wasser erdeutli he ag.
u d die Wisse s hat zu ä hst or ei te a lo is he geographis he Allen methodischen Bedenken zum
Rätsel stellte . Der or egis he Ge- Na e «La d Hai» i Ei kla g ge- Trotz ar der Ers hließu g der hethii-
lehrte J. A. K udtzo agte die ra ht erde . Die eiste der eu- s he Spra he u der Weg gee et.
These, die Spra he der eide Doku- gefu de e Te te iese allerdi gs Vor alle aus de Ar hi e der Kapi-
mente gehöre dem Indogermanischen die spra hli h glei he Merk ale auf tale Hatusa si d S hritstü ke a s Ta-
a , orauf es u erhohle e Kriik ha- ie die z ei Briefe aus Tell el A ar a geslicht gekommen, die so gut wie alle
gelte. )u a egig s hie der Geda ke, u d lie e da it u erstä dli h. Berei he e s hli he Le e s etref-
dass si h i ite ei er se iis hspra- fe : Gesetzeste te, Ver altu gsurku -
hige Kulturla ds hat Vorderasie s Der S hlüssel zu Verstä d is de , Briefe, Kö igsi s hrite , Staats-
ei Vertreter der a so ste i I die des Hethiis he erträge, M the u d Epe so ie – i
u d Europa er reitete Spra hfa i- Erst dem tschechischen Altorientali- eitaus größte U fa g – Ritual- u d
lie fä de. ste B. Hro z ý sollte «Die Lö- Fest es h öru ge . Neuere S hät-
su g des hethiis he Pro le s», so zu ge zufolge eläut si h allei die
Neue Te fu de der Titel sei es Beitrages, geli ge . A zahl der Keils hrittäfel he aus Hat-
Im Rahmen osmanisch-deutscher Gra- Ko i atoris h u d auf Gru d et o- tusa auf et a . Hi zu ko e
u gska pag e i ze trala atolis he logischer Überlegungen konnte er die Fu de aus Gra u ge i ü rige A a-
tolie u d i Nords rie .

Schwarzes Die Stellu g des Hethiis he


Meer Kura
i der Spra hfa ilie
Hattusa
Mit der Ü er ah e der Keils hrit ha-
Ha
lys

Kültepe
e die Hethiter ei Vehikel für ihre
Spra he ge ählt, das ur edi gt de
eige e Lautsta d iederzuge e i
Ninive
N
der Lage ar. Allerdi gs er ies si h das
ASSYRIEN
Zypern
Ugarit
Assur Vorha de sei ei deuiger )ei he
Eu

zur Wiederga e o Lar gale Kehl-


ph

Tigris

S
ra
t

Mittelmeer Sidon laute als ah re he d für die Re-


ko strukio ei er i doeuropäis he
Babylon
Jerusalem Urspra he. Die a hse de Ke t is
BABYLONIEN
des Hethiis he u d sei er zeitglei-
Totes Meer

Memphis historischer he S h esterspra he Lu is h u d


Küstenverlauf
ÄGYPTEN Sinai Abb. 1 Palais h führte s h ell zu u ters hied-
Persischer
li hste Modelle ei er ge ei sa e
l
Ni

Karte mit Hat-


Golf
tusa, Amarna,
Amarna
Rotes 0 100 200 300 km Kültepe, Babylo-
Gru dspra he. Bereits seit de . or-
Meer
nien, Assyrien. christlichen Jahrhundert nachweisbar,

6
ANTIKE WELT 5/18
SPRACHEN & SCHRIFTEN

ist das Hethiis he die älteste s hritli h


iedergelegte i doeuropäis he Spra-
he. A stelle ei es für ei e frühe )eit-
stufe er art are For e rei htu s
zeigt es er lüfe d e ige gra a-
is he Kategorie et a der Dekli a-
io a ht Kasus, z ei Ge era, drei Nu-
eri u d Ko jugaio z ei Te pora,
zwei Diathesen, zwei Genera, zwei
Modi . I sofer lei t es ei Gege -
sta d spra h isse s hatli her Diskus-
sio e , i el her Nähe si h das Hethi-
is he zur Urspra he, für die ese tli h
ehr gra ais he For e reko -
struiert erde , e egt.

Keils hritli he Beso derheite


We si h die hethiis he Te tke t-
nis und damit auch unser Wissen um
Abb. 2  Blick auf Lagerhäuser des Tempels der Sonnengöttin Arinna, Boğazköy / Hattusa, Haupt-
die hethiis he Kultur seit Hroz ýs er- stadt des Hethiterreiches.
folgrei her E tziferu g e or ausge-
dehnt hat, so bleiben insbesondere
i Worts hatz o h e pi dli he Lü- heit. Ledigli h die Bi el e ahrte de
ke , die iederu de S hrits s- Volks a e ü er die )eite hi eg.
te ges huldet si d. Mit ei e Keil- Die he räis he Bezei h u g «฀iî »
s hritzei he ka alter ai ei e lässt si h auf die i z eite or-
Silbe oder ein ganzes Wort zum Aus- hristli he Jahrtause d ge räu hli-
dru k ge ra ht erde . Bis eile e- he i ter aio ale Bezei h u g «La d
orzugte die Hethiter i S hritge- Hai» zurü kführe . Aus dieser Tra-
rau h ofe ar e klusi Wortzei he diio heraus urde da it i . Jt.
oder fre dspra hige Wörter gege - . Chr. die lu is h-ara äis he Ge-
ü er ihrer eige e Spra he, odur h iete ördli h o Israel ezei h et.
hethiis he Lesu ge u klar lei e U d aus dieser Tradiio e tspri gt
üsse . A er die spezielle Ver e - au h u sere heuige Spra h ezei h-
du g der Keils hrit hat au h ei e Be- u g «hethiis h». Origi al a e ge-
so derheit für de oder e Wisse - e d ar i des die Stadt Nesa heute
s hatler it si h ge ra ht. A de Kültepe , der Herku tsort der hethii-
)ei he for e u d der Orthographie, s he D asie. Do h die da o a ge-
Abb. 3 Keilschrifttafel (Vorderseite) über
die lü ke los i de Ka zleie u d leitete Eigenbezeichnung isili, asili die Taten des hethitischen Königs Hattusili I.
S hrei stu e o Hatusa er e det oder auch isu ili « esis h», i der (althethitisch).
urde , lässt si h a lese , i el her Spra he der Stadt Nesa ko te si h
historis he Phase ei Doku e t e t- wider besseren Wissens nicht mehr
sta de ist. dur hsetze . Bildnachweis
A . : Karte Peter Pal , Berli ; : akg-i ages / De
Agosi i Pi ture Li . / G. Dagli Ori; : akg-i ages.
Das E de hethiis her Ü er-
lieferu g Literatur
H. A. HOFFNER / G. C. MELCHERT, A Gra ar of the Hit-
Das ei st als e e Äg pte , Ba - ite La guage .
lo ie u d Ass rie als Welt a ht Adresse der Autorin E. RIEKEN, Ei führu g i die hethiis he Spra he u d
U i .-Prof. Dr. Doris Pre hel S hrit .
agierende Hethiterreich ging unwie- I situt für Altertu s isse s hate IAW S. VANSÉVEREN, Nisili. Ma uel de la gue hiite. Vol. I, II
der ri gli h u . Chr. u ter. Es Altorie talis he Philologie , .
Joha es Gute erg-U i ersität Mai z
geriet ru d Jahre i Vergesse - D- Mai z

7
ANTIKE WELT 5/18
AUF SCHATZSUCHE IN GEORGIEN
Was der Wein und der goldene Löwe von Tsnori über das
frühe Kaukasien verraten

«Gold und Wein. Georgiens älteste Schätze» lautet der Titel der Ausstellung im Archäolo­
gischen Museum Frankfurt, die sich den kulturellen Entwicklungen Georgiens vom Beginn
der La d irts hat i Kaukasus a . Chr. is zur Mitel ro zezeit u –
. Chr. id et – u d die Besu her i die Welt der frühe georgis he Kultur e e führt.

von Liane Giemsch und Svend Hansen Archäologische Forschungen im wirtschaft betrieben und mit ihren
Südkaukasus Tieren und Pflanzen die einheimi-

G eorgien reicht im Westen bis an


das Schwarze Meer und wird im
Norden von den über 5000 m hohen
Der Beginn der archäologischen Unter-
suchungen in Georgien liegt in der
Mitte des 19. Jhs. und wird mit Arbeiten
schen Jäger und Sammler aus ihren
angestammten Gebieten verdrängten.
Diese erste Phase der neolithischen
Gebirgszügen des Großen Kaukasus, in der Höhlenstadt Uplisziche (1852) Kolonisation ist archäologisch bis-
im Süden vom Kleinen Kaukasus be- und dem Gräberfeld von Samtavro lang wenig beleuchtet. Im Frucht-
grenzt. Trotz dieser mächtigen Berge – bei Tiflis verbunden. Der baren Halbmond, der Kernzone der
war der Kaukasus keine Barriere, son- bekannte deutsche Anatom Rudolf Vir- «neolithischen Revolution», waren ab
dern bildet seit alters her auch eine chow führte 1881 im Gräberfeld Koban 9500 v. Chr. die mobilen Camps der Jä-
kulturelle Brücke zwischen Vorder- in Ossetien Grabungen durch. Im Fokus ger den festen Dörfern der Bauern ge-
asien und Europa. Das gilt vor allem der Ausstellung stehen die seit 1991 in wichen. Bis um 7000 v. Chr. war die
für die Kupfer- und Bronzezeit (4000– Georgien stattfindenden gemeinsamen Domestikation der Tiere und die Kulti-
1000 v. Chr.), in denen der Kaukasus archäologischen Forschungen georgi- vierung der Pflanzen sowie die Entwick-
sowohl mit den Kulturen Mesopota- scher und deutscher Institutionen. Zu lung neuer Geräte abgeschlossen. Mit
miens als auch des nordpontischen nennen sind hier die seit vielen Jah- diesem Set neuer Kulturtechniken such-
Steppenraums sowie des Schwarzen ren laufenden Forschungen an der bis- ten Siedler zunächst im Westen, später
Meeres verbunden war. her ältesten bekannten neolithischen auch im Nordosten, neue Weidegründe
Die Ausstellung in Frankfurt beleuch- Siedlung Aruchlo im Südkaukasus. Seit und Ackerflächen. Die ersten Bauern-
tet nun den Zeitabschnitt vom Neolithi- 2005 führt die Eurasien-Abteilung des dörfer im Tal des Kura-Flusses befanden
kum bis zur Bronzezeit und die aus der Deutschen Archäologischen Instituts in sich in enger Nachbarschaft zueinan-
geographisch und klimatisch günstigen Kooperation mit dem Archäologischen der. Charakteristische Eigenheiten wa-
Lage im Kaukasus resultierenden kul- Institut des Georgischen Nationalmuse- ren die runden Bauten aus ungebrann-
turellen Entwicklungen Georgiens mit ums Ausgrabungen in der Tellsiedlung ten Lehmziegeln und die mit Knubben
zahlreichen, größtenteils erstmals in Aruchlo I durch. Das Grabungsprojekt verzierte Keramik. Stabaufsätze aus Ge-
Deutschland gezeigten Originalexpona- wirft ein neues Licht auf den Prozess der weih in phallischer Form finden sich
ten. Mit großformatigen Landschafts- Neolithisierung der Kaukasusregion nur in den neolithischen Dörfern im
aufnahmen wird dem Besucher die und hat bedeutende Erkenntnisse zur Südkaukasus (Abb. 3). Rinder, Schafe
reizvolle Landschaft Georgiens und des Siedlung selbst sowie zur Lebensweise und Ziegen trugen zur Fleischversor-
Kaukasus (Abb. 1) nähergebracht. Die und den Umweltverhältnissen im 6. Jt. gung bei. Emmer und Einkorn waren
Präsentation im Rahmen des Ehrengast- v. Chr. geliefert (Abb. 2). die bevorzugten Getreidearten. Auch
Programms der Frankfurter Buchmesse erste Ansätze der Weinproduktion wur-
2018 entsteht in Kooperation mit dem Die erste Bauer i Kaukasus den unlängst im georgischen Neolithi-
Georgischen Nationalmuseum Tiflis und Etwa um 5800 v. Chr. entstanden im kum nachgewiesen.
der Eurasien-Abteilung des Deutschen Südkaukasus die ersten Ansiedlungen Ein völlig neu entdecktes Phäno-
Archäologischen Instituts Berlin. von Bauern, die Ackerbau und Vieh- men in Aruchlo I sind die unregelmä-

8
ANTIKE WELT 5/18
TITELTHEMA

Abb. 1 Steppenlandschaft vor dem schneebedeckten Kaukasus.

Abb. 2 Die neolithische Siedlung von Aruchlo I mit den charakteristischen Rundbauten.

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ANTIKE WELT 5/18
AUF SCHATZSUCHE IN GEORGIEN – Was der Wein und der goldene Löwe von Tsnori über das frühe Kaukasien verraten

Bereich unbekannter ritueller Hand-


lungen anzusiedeln. Auf anschauliche
Weise verdeutlicht in der Ausstellung
ein großes 3D-Modell der Grabung die
Architektur und den Verlauf der Spitz-
gräben in Aruchlo.
Um 5400 v. Chr. wurden in Geor-
gien die neolithischen Dörfer aufgege-
ben. Die Gründe hierfür sind bislang
ungeklärt.

Die georgische Weinkultur


Der wilde Wein (lateinisch Vitis vinifera
subsp. sylvestris) hat ein weites, von
Portugal bis Tadschikistan reichendes
Verbreitungsgebiet. Auch in den Wald-
gebieten des südlichen Kaukasus ist
er bis heute anzutreffen. Schon lange
wurde darüber spekuliert, ob die Ur-
Abb. 3 Stabaufsatz aus Geweih in phallischer Form aus Aruchlo, 5800–5200 v. Chr.
sprünge der Domestikation des Weins
in Georgien bis in das Neolithikum zu-
rück reichen könnten. Neuere geneti-
ßig quer durch die Siedlung verlaufen- rasch wieder verfüllt wurden. Eine sche Untersuchungen haben gezeigt,
den Spitzgräben, die 2–7 m breit und Funktion als Verteidigungs- oder Be- dass das Domestikationszentrum des
bis zu 4,80 m tief in die bestehenden wässerungsgräben kann ausgeschlos- Weins in Ostanatolien und im Südkau-
Strukturen der Siedlung eingetieft und sen werden. Vermutlich sind sie im kasus zu suchen ist. Tatsächlich konnte

Abb. 4 Schmelztiegel und Gussform aus Dvedzvebi, 5200–3400 v. Chr.

ANTIKE WELT 5/18


TITELTHEMA

ein Forschungsteam der Universität


Pennsylvania unlängst auf Tongefäßen
der neolithischen Siedlungen Shulave-
ris und Gadachrili Gora (5800–5400
v. Chr.) Reste von typischen Weinsäu-
ren nachweisen. Schon seit längerem
sind Hinweise auf Weinkonsum aus
der neolithischen Siedlung Chokh in
Dagestan und der etwas jüngeren Sied-
lung Hajji Firuz im Iran bekannt. Eine
Weinkultur in großem Stil entfaltete
sich seit dem 4. Jt. v. Chr., im Übergang
zur Bronzezeit, was sich auch in Geor-
gien in der entsprechenden Produk-
tion von großen Tongefäßen zur Aufbe-
wahrung des Weins und in kunstvollen
Trinkgefäßen zu seinem Konsum aus-
drückte (Abb. 5).

Das Chalkolithikum
Nach 5400 v. Chr. scheint es – aus bis- Abb. 5
Der über 80 cm hohe
lang unbekannten Gründen – in dem Pithos aus Ton stammt aus
Gebiet der ersten Bauernkulturen zu Ostgeorgien und diente
zur Aufbewahrung von
einem Ende der meisten Siedlungen Wein, Kwazchelebi, 3400–
gekommen zu sein. Für die nachfol- 2500 Jahre v. Chr.
genden mehr als 1500 Jahre sind nur
noch wenige Siedlungen und Grä-
ber bekannt. Es ist eine vergleichs-
weise junge Erkenntnis, dass der Zeit- schungen in Dvedzvebi haben Nach- fällig ist die schwarze und rote polierte
raum zwischen 5000 und 3500 v. Chr. weise für den Guss von Kupferäxten im Keramik. Die vielen Gefäßformen reflek-
in Nordmesopotamien von einer viel frühen 4. Jt. v. Chr. erbracht (Abb. 4). tieren erstmals die Bedeutung von Ban-
dynamischeren Entwicklung geprägt ketten, bei denen zweifellos der Wein-
war und der Südkaukasus daran zu- Die ro zezeitli he Kura- konsum eine wichtige Rolle spielte.
mindest indirekt teilhatte. Gegenüber Ara es-Kultur Die Gräber zeigen eine große Vari-
den neolithischen Bauernkulturen lässt Die älteste bronzezeitliche Kultur zwi- anz unterschiedlicher Konstruktions-
sich eine Ausweitung der Netzwerke schen 3500/3300 und 2600 v. Chr. ist weisen. Anders als im Nordkaukasus
erkennen, durch die Güter und Ideen nach den beiden großen Flusssyste- spielen wertvolle Beigaben, bspw. aus
auch über weitere Gebiete ausge- men der Kura und des Araxes benannt. Gold, keine Rolle und wurden deshalb
tauscht werden konnten. Beile und Ihr Kerngebiet lag im Südkaukasus, auch archäologisch nicht überliefert.
andere Steinwerkzeuge standen noch doch sind vergleichbare kulturelle Hingegen dokumentieren Geschirr-
ganz in der neolithischen Tradition, Elemente bis in die Levante im Süd- sätze in den Gräbern wiederum den
während gleichzeitig bereits erste westen und in das iranische Hochland Aspekt des gemeinsamen Mahls auch
einfache Schmuckgegenstände und im Südosten anzutreffen. im Jenseits.
Geräte aus Kupfer hergestellt wurden. Die Häuser, rechteckige Lehmbauten, Die Zeit der Kura-Araxes-Kultur war
Man spricht deswegen auch von der bestanden aus einem großen Raum und durch zahlreiche technische Innova-
Kupfersteinzeit (Chalkolithikum – gr. einem kleinen Vorraum. Der fest in den tionen geprägt, bspw. durch die Her-
chalkós = Kupfer und líthos = Stein . Boden eingelassene Herd hatte sowohl auszüchtung eines Schafs mit Wollflies
Damit einher ging die verstärkte Nut- praktische als auch symbolische Bedeu- oder die Entwicklung des Weinbaus.
zung der Gebirgsregionen, wo erstmals tung. Die Keramik ist durch eine hohe Die vielleicht wichtigsten Neuerun-
Kupfer- und Goldlagerstätten genutzt Qualität und ein breites Formenspek- gen – das Rad und der Wagen – sind
wurden. Die georgisch-deutschen For- trum gekennzeichnet. Besonders auf- in Georgien bislang durch ein kleines
AUF SCHATZSUCHE IN GEORGIEN – Was der ilde Wei u d der golde e Lö e o Ts ori ü er das frühe Kaukasie errate

Abb. 6
Das Modell eines zwei-
rädrigen Wagens aus
Badaani stellt den bislang
ältesten sicheren Nach-
weis des Wagens in
Georgien dar, 2. Hälfte
des . Jts. v. Chr.

Abb. 7
Gefäß mit schwarzpolier-
ter Oberfläche, die
vermutlich Metall imitie-
ren sollte. Martkopi
Hügelgrab 5 (Ostgeor-
gien), 2. Hälfte des 3. Jts.
v. Chr.

ANTIKE WELT 5/18


TITELTHEMA

Modell nachgewiesen (Abb. 6). Der «At- verlassen. Möglicherweise trat eine
las der Innovationen» – eine attraktive mobilere Lebensweise an die Stelle
Medienstation in der Ausstellung – bie- der festen Siedlungen. Denkbar sind
tet weitere Informationen über die Er- auch andere Hausbautechniken wie
findung von Rad und Wagen und die bspw. Blockhäuser, die archäologisch
Möglichkeit, die Verbreitung derartiger nur geringe Spuren hinterlassen ha-
Funde über die Zeit nachzuvollziehen. ben. Besonders auffällig für diese Zeit
Die Bedeutung des Bergbaus in dieser sind die hoch polierten schwarzen Ton-
Zeit wurde durch die Forschungen ei- gefäße, die mit ihrem silbrigen Glanz
nes deutsch-georgischen Teams in Sak- Gefäße aus Silber imitierten (Abb. 7).
drissi in der Region Kvemo Kartli deut- Anders als bis dahin wurden in der
Abb. 8 Bei dem goldenen Schläfenring aus
lich. Dort wurde ab 3400 v. Chr. Gold auf die Kura-Araxes-Kultur folgende Satschkhere handelt es sich um das älteste
abgebaut. Bedeni-Martkopi-Kultur die höherge- Goldobjekt Georgiens überhaupt. Er datiert in
die Mitte des 3. Jts. v. Chr.
stellten Persönlichkeiten nun unter
Das älteste Gold erg erk der Welt teilweise sehr großen Hügeln (Kur-
)n Sakdrissi befindet sich nach heu- ganen) bestattet. Ein besonders he-
tigem Wissensstand der älteste be- rausragendes Beispiel ist der Grab-
kannte Nachweis für ein prähistori- hügel Ananauri 3, dessen Funde hier ringe. Sie stammen vom Fundort Sat-
sches untertägiges Goldbergwerk. Die erstmals außerhalb Georgiens ge- schkhere in Westgeorgien und datieren
Stätte liegt ca. 50 km südwestlich von zeigt werden. Zu den Beigaben ge- in die Mitte des 3. Jts. v. Chr. (Abb. 8).
Tiflis. Die archäologischen Ausgrabun- hörten auch zwei große hölzerne Wa-
gen des Deutschen Bergbaumuseums gen. In Frankfurt wird der größere Die Trialei-Kultur
und der Ruhr-Universität Bochum in und besser erhaltene Wagen zu se- Die mittelbronzezeitliche Trialeti-Kul-
Verbindung mit dem Zentrum für Ar- hen sein. Das imposante Stück – allein tur ist bislang nur durch wenige Sied-
chäologische Forschungen der Georgi- der Raddurchmesser beträgt mehr lungen mit relativ kleinen Häusern
schen Akademie der Wissenschaften als 1,50 m – wird den Besuchern ein- bekannt. Die Ausgrabung der Grabhü-
Tiflis begannen und wurden über drücklich die Wagenbaukunst des gelnekropole Trialeti auf dem Tsalka-
sowie unter Tage durchgeführt. Dem- 3. Jts. v. Chr. vor Augen führen. Plateau in Zentralgeorgien erregte
nach wurde in Sakdrissi spätestens ab In der Ausstellung verdeutlicht dar- dagegen schon kurz nach ihrer Pub-
3400 v. Chr. für ca. 750 Jahre Gold ab- über hinaus eine Computeranimation likation im Jahr 1941 internationales
gebaut. Im Bergwerk und der zugehö- den Aufbau des mächtigen Grabhügels Aufsehen. Man verglich die Gräber da-
rigen Siedlungslandschaft ließen sich mit seiner hölzernen Grabkammer und mals gar mit den Königsgräbern von
Pingenzüge, zahlreiche Werkzeuge von den zahlreichen Beigaben. Eigens für Mykene.
Abbau- und Aufbereitungsgeräten so- die Ausstellung originalgetreu nachge- In Steinkammern von teilweise be-
wie Werkstattbereiche dokumentie- webte Textilien aus dem einzigartigen trächtlicher Größe (bis zu 150 m2)
ren, die einen umfangreichen Einblick Grab veranschaulichen die bereits aus- fanden sich herrschaftliche Bestat-
in die Arbeitsmethoden und die Orga- geprägten handwerklichen Fertigkei- tungen mit reichen Beigaben. Beson-
nisation vor über 5000 Jahren geben. ten der damaligen Menschen. ders auffällig sind die großen Vorrats-
Mithilfe von frühem technischen Wis- Auch prestigeträchtige Beigaben wie gefäße, die die gehobene Stellung des
sen und komplexen logistischen Fähig- Beile und Dolche aus Kupfer, Bronze Toten auch als großen Gastgeber ver-
keiten konnte das Edelmetall in Stollen und Silber wurden in dieser Zeit mit deutlichen sollten. Die Waffen stellten
abgebaut werden. Mit einer Tiefener- den Toten bestattet. So fanden auch handwerkliche Meisterleistungen und
streckung von ca. 27 m zählt Sakdrissi kleine Ringe aus Silber und Gold den technische Neuerungen dar. Gegos-
zu den tiefsten vorgetriebenen Berg- Weg in die Gräber. Sie wurden an den sene Lanzenspitzen aus dem Trialeti-
werken seiner Zeit. Schläfen getragen und kennzeichne- Grab XV mit Schäftungstülle zählen
ten eine herausgehobene soziale Stel- zu den ältesten Nachweisen für diese
Grä er u ter große Hügel – Die lung ihrer Besitzer. Solche Ringe wa- Waffe. Auch die besonders langen
ro zezeitli he Kurga -Kulture ren weit über den Kaukasus hinaus bis Schwerter erforderten einen erfah-
Um 2600 v. Chr. änderten sich im Süd- nach Mitteleuropa verbreitet. Auch bei renen Gießer, der nur durch ständige
kaukasus wiederum die Verhältnisse. den ältesten Goldobjekten Georgiens Übung entsprechende Fertigkeiten
Die Kura-Araxes-Siedlungen wurden handelt es sich um diese sog. Schläfen- erlangen konnte. Gefäße aus Bronze
Abb. 9
Die goldene Löwenfigur
aus einem Hügelgrab
in Tsnori (Kachetien, Ost-
georgien) wird in die
2. Hälfte des 3. Jts. v. Chr.
datiert und gehört zu
den wichtigsten Funden
Georgiens.

und andere Objekte lassen weitrei- ausgegrabenen Hügelgrab 2 von Tsnori 6. Oktober 2018 bis 10. Februar 2019
chende Handelsverbindungen in die in Ostgeorgien. Obwohl das Grab einer in Frankfurt am Main zu sehen. Zur
städtischen Kulturen Anatoliens und Frau und eines Mannes bereits früh Ausstellung erscheint ein umfangreicher,
Vorderasiens erkennen. Zu den nun geplündert worden war, blieb diese reich bebilderter Katalog im Nünne-
zahlreichen Gegenständen aus Gold kleinformatige Arbeit aus der zwei- rich-Asmus-Verlag.
gehören Nadeln und Perlenketten. ten Hälfte des 3. Jts. v. Chr. im Grab zu-
In den Jahren 1999–2000 entdeckte rück. Der Löwe symbolisiert die herr-
man darüber hinaus bei der Absenkung schaftliche Position der Verstorbenen.
des Stausees von Tsalka, dass auf meh- Öffnungen im Ballenbereich der Pran- Adressen der Autoren
rere Kurgane Straßen zulaufen, die in ken und der weit nach unten reichende Dr. Liane Giemsch
Archäologisches Museum Frankfurt
den ersten Grabungen der Grabhügel Schwanz zeigen, dass die Figur mög- Kar elitergasse
nicht dokumentiert wurden. Sie laufen licherweise als verzierender Aufsatz D- Fra kfurt a. M.

von Osten auf die Hügel zu und waren eines Holzgegenstandes diente. Zwi- Prof. Dr. Dr. h.c. Svend Hansen
Deuts hes Ar häologis hes I situt
aus mehreren Steinlagen konstruiert. schen Kopf- und Rückenbereich wur- Eurasie -A teilu g
I Dol –
Der Prozessionsweg von Kurgan 47 war den flächendeckend Draht und (alb- D- Berli
350 m lang und bis zu 6 m breit. Auf den kugeln angebracht, die die Mähne
letzten Metern wurde der Tote – ver- nachzeichnen. Die Löwenfigur gehört Bildnachweis
A . : Sa i e Rei hold, DAI; . . : S e d Ha ­
mutlich auf einem Wagen liegend – an zu den ältesten im Wachsausschmelz- se / DAI; . . . . : Jessi a Me er / Ar häologis hes
der Trauergemeinde vorbei über eine verfahren gegossenen Goldschmiede- Museum Frankfurt.

besondere, gepflasterte Straße von Ost kunstwerken Georgiens.


Literatur
nach West zur Grabkammer, dem Be- Am Ende der Ausstellung werden I. GAMBASHIDZE / TH. STÖLLNER, The Gold of Sakdrisi.
stattungsplatz, gebracht. Prozessions- den jungen Gästen in einem separaten Ma ’s irst gold i i g e terprise .

straßen an Grabmonumenten sind auch Familien-Mitmachbereich spezielle As- L. GIEMSCH / S. HANSEN, Gold & Wein. Georgiens äl­
teste S hätze. Katalog zur glei h a ige Ausstellu g
in anderen bronze- und eisenzeitlichen pekte der Ausstellung in weiteren Ver- i Ar häologis he Museu Fra kfurt o . Okto er
– . Fe ruar .
Kulturen nachgewiesen. mittlungsangeboten nähergebracht.
B. HELWING / T. ALIYEV / B. LYONNET / F. GULIYEV /
Darüber hinaus können Kinder mit S. HANSEN / G. MIRTSKHULAVA Hrsg. , The Kura Proje ts.
Der golde e Lö e o Ts ori einem Aktionsheft die Sonderausstel- Ne Resear h o the Later Prehistor of the Souther
Cau asus. Ar häologie i Ira u d Tura .
Zweifelsohne gehört die goldene Lö- lung selbstständig erkunden und Rät- ). MAKHARAD)E / N. KALANDAD)E / B. MURVANID)E,
wenfigur zu den bekanntesten Funden sel rund um die Vorgeschichte Georgi- A a auri Big Kurga .

Georgiens (Abb. 9). Sie ist die älteste ens lösen. P. MCGOVERN et al., Earl Neolithi i e of Georgia i
the South Cau asus. PNAS Pu lished o li e No e er ,
bekannte goldene Kleinplastik des Süd- Die Ausstellung «Gold und Wein – ,E –E .

kaukasus und stammt aus dem 1973 Georgiens älteste Schätze» ist vom

ANTIKE WELT 5/18


STEIN-)EIT
Typologie steinerner Geräte im neolithischen Georgien

Archäologisch erschlossene neolithische Siedlungen deuten auf eine reiche Steingeräte­


industrie in der südwestlichen Kaukasus­Region hin. Ab dem 6. Jt. v. Chr. wurden dort
Beile, Meißel, Hä er u. . . geferigt, dere Fu d u d A alyse it heuige Mitel i ht
ur Ausku t ü er die Bes hafe heit der Geräte, so der au h ü er das Herstellu gs-
KnowHow ihrer Benutzer gibt. In der Auswertung ihrer Vielfalt ergibt sich der Versuch
ei er Typologie der georgis he Stei geräte i Neolithiku .

von Joni Abuladze .  Jts.  v. Chr.  datiert.  Der  Prozess  der  onen erklärt werden kann. Das Likhi-
Neolithisierung verlief im Osten und Gebirge bildet nicht nur eine geogra­
er Beginn der frühesten neolithi­ Westen Georgiens unterschiedlich, was fische  Grenze  zwischen  den  ost-  und 
D schen Kultur im Südkaukasus wird
in die letzte Phase des 7./Anfang des
durch die landschaftlichen und klima­
tischen Bedingungen der beiden Regi­
westgeorgischen Regionen, sondern
stellt auch eine klimatische Trennlinie

Abb. 1 Verbreitungskarte der Shulaveri­Shomutepe­Siedlungen in Georgien.

Staatsgrenze
RUSSLAND
Stadt
Kabardino-Balkarien
archäologische
Fundstätte
0 20 40 60 80 100 km
Nordossetien

Inguschetien
Ts c h e t s c h e n i e n
Paluri
Odishi IMERETIE
Melouri Dagestan
E

Nagutni
IR G

Schwarzes Darkveti
EB
-G

Meer KOLCHIS GEORGIEN


HI
LIC

Anaseuli
ra
Kobuleti Ku NIEDERKARTLIEN
Tiflis
N
Paravani-See Chramis didi gora
Aruchlo
Shulaveri gora Imiris gora
S Ku
ra

TÜRKEI ARMENIEN ASER-


BAIDSCHAN

15
ANTIKE WELT 5/18
STEIN-)EIT – Typologie steinerner Geräte im neolithischen Georgien

zwischen dem trockenen Kontinen­ Das Neolithikum in den westlichen  schen Kulturschichten gehören: Tsivi


talklima im Osten und dem subtropi­ südkaukasischen Regionen umfasst fast Mgvime, Atsi, Apiancha, Darkveti, Ana  -
schen Klima der Schwarzmeerküste 3000 Jahre (etwa vom 8. bis zum 6. Jt. seuli ), Melouri, Khorshi u. a. Das (aupt­
und des Mtirala­Berges (Weinender v. Chr. .  Diese  Periode  wird  in  drei charakteristikum der frühneolithischen
Berg) im Westen dar. Hauptstufen unterteilt: Früh­, Mittel­ Denkmäler  liegt  in  den  (erstellungs­
Einige Typen der großen Steinge­ und Spätneolithikum. techniken von Steingeräten. Neben
räte (Handmühlen, Mörser, Hämmer, Das archäologische Material aus früh- Feuerstein und Obsidian wurden Ge­
Ambosse, verschiedene Mahl­ und Reib­ neolithischen  Denkmälern  Westgeor- räte aus Flussgeröll, Basalt und ande­
geräte, geschliffene und polierte Ge­ giens zeigt, dass der Übergang zur Land­ ren Gesteinsarten unter Verwendung
räte) traten zuerst in vorneolithischen wirtschaft ein komplexer und langer von entsprechenden Techniken wie
Siedlungen auf und wurden später Prozess war, dessen Anfang im Me­ Reiben  und  Polieren  hergestellt.  Da­
zum charakteristischen Merkmal der solithikum liegt. Zu den Fundorten mit traten neue Gerätetypen wie Beile,
neolithischen Kulturen. mit spätmesolithischen/frühneolithi­ Meißel, Poliersteine, Hämmer, Hand­
mühlen, Mörser und Hackgeräte in Er­
scheinung, und neue, bis dahin unbe­
kannte Herstellungstechnologien für
Abb. 2 Typologie der Reibplatten aus Aruchlo I. Steingeräte wurden eingeführt.

Neue Geräte u d er esserte


Technik
An den mittel­ und spätneolithischen
Fundorten ist ein gemeinsames Auf­
treten von aneignenden und produzie­
renden Wirtschaftsformen zu beob­
achten. In dieser Periode breitete sich
die Bevölkerung in die hügeligen Vor­
gebirgszonen und Flussterrassen der
Schwarzmeerküste aus. Somit entstan­
den Siedlungen des «offenen Typs».
In dieser Stufe stieg die Anzahl an ge­
schliffenen und polierten Werkzeugen
(Beile, Reib­ und Polierstiele, Häm­
mer .  Dementsprechend  traten  neue 
Formen von Geräten (mit retuschier­
ten  Seitenflächen  und  Kanten   und 
eine verbesserte Technik der Makro­
lithherstellung auf (Hacken, Spitzha­
cken, Makrolithe mit langen Kanten).
Es wurden neue Bearbeitungstechni­
ken von Steingeräten wie Schleifen und
Polieren sowie eine kombinierte Tech­
nik aus Schleifen und Polieren einge­
führt. Die Anzahl der Kratzer ging zu­
rück, was durch die Sesshaftigkeit der
Bevölkerung  zu  erklären  ist.  Durch 
die Entwicklung der Landwirtschaft
kamen zunehmend Spitzhacken aus
Stein, (andmühlen, Mörser u. a. auf.
Zu den neolithischen Makrolithen
aus Westgeorgien gehörten folgende
Gerätetypen: Beile, Hacken und Spitz­

16
TITELTHEMA

Abb. 3 Typologie der Läufer aus Aruchlo I.

17
ANTIKE WELT 5/18
STEIN-)EIT – Typologie steinerner Geräte im neolithischen Georgien

hacken, Handmühlen, Mörser, Mahl­ flache  viereckige  Kanten.  Dabei  sind  die gesamte Kaukasische Region. Diese 
steine und Hämmer. Jeder Gerätetyp Arbeitsspuren hauptsächlich an einer Kultur war hauptsächlich am Mittel­
kann in weitere Subgruppen unter­ Kante, seltener an beiden Kanten vor­ fluss  des  Mtkvari  Kura   zwischen 
teilt werden. So können Beile in drei handen. Ostgeorgien und Südaserbaidschan
Typen unterteilt werden: I. Beile läng­ )n  den  neolithischen  Denkmälern  verbreitet.  Die  Shulaveri-Shomutepe-
licher Form mit gleichmäßig abge­ Westgeorgiens sind nahezu keine Ge­ Kultur hob sich durch anspruchsvolle
flachtem  Körper  und  keilförmiger  treidereste erhalten, was mit den Boden­ Architektur (Rundbauten aus unge­
Schneide; II. Beile länglicher Form mit eigenschaften dieser Region zusam­ brannten Lehmziegeln) und Keramik
leicht verdicktem Körper und keilför­ menhängt.  Dazu  gehören  Bodensäure  sowie durch die Vielfalt an Getreide­
miger Schneide; III. Beile vom makro­ und Bodenfeuchtigkeit, die verhin­ resten, Haus­ und Wildtierknochen
lithischen Typ, ähnlich in der Form dern, dass sich Getreidereste über län­ und  anderem  hervor.  Die  gesamte 
mit «Kolchischen Beilen». Die Steinha­ gere  Zeit  erhalten  können.  Die  einzi­ Wirtschaft dieser neolithischen Kul­
cken können in sechs Typen unterteilt gen verkohlten Getreidereste stammen tur stützte sich auf die Verwendung
werden: «Sochi­Adler Typ», «keilför­ aus den frühneolithischen Schichten von Stein­, Horn­ und Knochengerä­
mig», «mit gerundeter Arbeitsfläche»,  in Tsivi Mgvime: Eine paläobotanische ten. Ihre qualitative Herstellungstech­
«trapezförmig», «mit ausgearbeitetem Analyse ergab, dass es sich dabei um nologie spiegelt die entwickelte Phase
Körper» und «gewölbt mit breiter Ar­ Wildhirse (Panicum) handelt. des Neolithikums im Zentralkaukasus
beitsfläche».  Es  lassen  sich  drei  Ty­ wider.
pen von Hämmern unterscheiden: I. Fu dorte der gesa te kauka- Die Fundorte der Shulaveri-Shomu­
«trapezförmig», II. «mit ausgearbei­ sischen Region tepe­Kultur konzentrieren sich im öst­
teten Körper», III. «mit geradem Kör­ Die  reiche  Steingeräteindustrie  der  lichen Teil Georgiens, in der Kvemo
per». Bei den Handmühlen kommen neolithischen Shulaveri­Shomutepe­Tell­ Kartli-Region. Durch die Alt- und Neu­
hauptsächlich ovale längliche, aber siedlungen zeichnet sich durch ihre grabungen in den Siedlungen Shula­
auch rechteckige Unterlieger mit ent­ Formenvielfalt und Herstellungsqua­ veris  Gora,  )miris  Gora,  Khramis  Didi 
sprechenden  Läufern  vor.  Die  Stößel  lität aus und bleibt einzigartig – nicht Gora und Aruchlo I wurde eine Vielzahl
haben sowohl abgerundete als auch nur für Ostgeorgien, sondern auch für an großen Steingeräten nachgewiesen
(Abb. 1). Während der archäologischen
Ausgrabungen zwischen 2005 und
 in Aruchlo ) wurden z. B. mehr als 
2000 große Steingeräte gefunden.
In den oben genannten vier neoli­
thischen Siedlungen wurden folgende
für die Ackerbaukultur charakteris­
tische große Steingeräte freigelegt:
Handmühlen, Stößel, Beile, Schleifer,
Steinäxte, Hämmer, Ambosse, Polier­
steine, Reib­ und Mahlsteine, Schleif­
steine u. a.

Versu h ei er Typologie
Die Funde aus Aruchlo ) haben es er­
möglicht, anhand ihrer Form und
Oberflächenbehandlung  eine  Typo­
logie von Reibplatten und Läufern zu
erstellen.  Dabei  lassen  sich  bei  den 
Reibplatten vier Haupttypen unter­
scheiden (Abb. 2):
I. Reibplatte mit konkaver Ober­
fläche: Eine Kante ist breit, die 
Abb. 4
Stößel und Mörser aus andere schmal und abgerundet
Aruchlo I. (Abb. 2,1).

18
ANTIKE WELT 5/18
TITELTHEMA

Abb. 5
II. Reibplatte mit rechteckiger Reibstein und Hammer­
Form und konkaver Arbeitsfläche stein mit Spuren von
rotem Ocker.
(Abb. 2,2).
III. Reibplatte mit ovaler Form und
komplett ausgearbeiteter Arbeits­
fläche  Abb.  , .
IV. Reibplatte mit rechteckiger
Form und flacher Arbeitsfläche
(Abb. 2,4).
Bei den Läufern lassen sich fünf Haupt­
typen bestimmen (Abb. 3):
I. Läufer mit ovaler oder rechtecki­
ger Form, beide Oberflächen sind 
flach  Abb.  , – .
II. Läufer mit einer konkaven
und einer konvexen Oberfläche
(Abb. 3,3–5).
))).  Läufer mit flacher Arbeitsfläche 
und konvexem Unterteil (herge­
stellt unter Verwendung der Ab­
schlagtechnik; Abb.  ,  a.b . den  Mörsern  sind  flache  Steine  mit  den Alltag des neolithischen Menschen
)V.  Läufer mit einer flachen,  einer 3–7 cm tiefen zentralen Vertie­ ermöglichen. Weiterhin wird versucht,
aber konvexen Arbeitsfläche  fung von besonderer Bedeutung. Sol­ die Kontakte zwischen dem Südkauka­
Abb.  ,  a.b . che Mörser weisen Stoßspuren im sus und den angrenzenden Regionen
V.  Läufer mit nur einer Arbeitsfläche.  Zentrum und Reibspuren an den Kan­ besser zu verstehen.
Das Unterteil und die Kanten  ten auf. Auffällig ist ein Mörser aus
wurden für ein bequemes Halten Aruchlo  ):  Die  tiefe  Öffnung  ist  bei 
abgeschlagen. diesem Stück so angelegt, dass es für
Diese Typen von (andmühlen waren in  die Menschen leichter war, die zer­
allen genannten Siedlungen der Shula­ kleinerten  pflanzlichen  oder  minera­ Adresse des Autors
veri­Shomutepe vertreten. Ihre Typen­ lischen Substanzen herauszunehmen Joni Abuladze
O.Lordkipa idze )e tru für
vielfalt und ihre Herstellungsqualität (Abb. 4). Ar häologis he Fors hu ge
des Naio al useu s Georgie
weisen auf einen technisch fortgeschrit­ Bei den Stößeln handelt es sich ent­ Purtseladze street 3
0105, Tbilisi
tenen Getreideanbau hin. Dafür spricht  weder um Objekte länglicher Form Georgie
auch die Anzahl an Getreidesorten, mit abgerundeten Kanten aus Fluss­
die in diesen Siedlungen nachgewie­ geröll oder um große und mittelgroße Übersetzung

sen wurden. Stücke aus Basalt mit Benutzungsspu­ Vladimir Ioseliani, Berlin.

Von besonderem Interesse sind die ren an einer oder beiden Kanten.
Bildnachweis
in den Siedlungen der Shulaveri­Sho­ Bei der reichen Steinindustrie der Abb. 1: nach Hamon C. 2008, 86; 2–5: DAI Eurasien­
mutepe­Kultur vertretenen, für Früh­ Shulaveri­Shomutepe­Kultur spielten A teilu g, Aru hlo Fotoar hi .

ackerbaukulturen charakteristischen auch andere Geräte eine wichtige Rolle:


Literatur
Steinbeile. Die meisten Exemplare sind  Hämmer, Ambosse, Reib­ und Schleif­
S. HANSEN u. a., Aruchlo. Bericht über die Ausgrabun­
aus festem Gestein hergestellt. Stein­ steine, Poliersteine, Schleudersteine, gen im neolithischen Siedlungshügel, in: Archäologische
Miteilu ge aus Ira u d Tura – .
beile lassen sich anhand ihrer Form in Multifunktionsgeräte  u. a.  Bemerkens­
B. HELWING u. a., Ne Resear h o the Later Prehistory
folgende Subtypen unterteilen: trapez­ wert ist, dass bei mehreren großen of the Southern Caucasus, Deutsches Archäologisches
I situt, Eurasie -A teilu g, Ar häologie i Ira u d Tura ,
förmige, längliche, nahezu gleichmäßig Steingeräten Spuren von rotem Ocker Ba d .
abgeflachte und ovale Stücke. zu beobachten sind (Abb. 5). L. NEBIERID)E, The Neolithi of Wester Tra s au asus.
Eine äußerst interessante Fundgat­ Die  Untersuchung  der  Steinindus­ The I situte for History, Ar heology a d Eth ography
i Georgia; .
tung stellen die in den Siedlungen der trie der Shulaveri­Shomutepe­Kultur
T. KIGURAD)E, Neolithis he Siedlu ge o K e o-kartli
Shulaveri­Shomutepe­Kultur nachge­ ist noch nicht abgeschlossen. Weitere .

wiesenen Mörser und Stößel dar: Bei Forschungen werden uns Einblick in

19
ANTIKE WELT 5/18
EINE FRAGE DER ZEIT
Vom Wandel der Kulturlandschaft des Kleinen Kaukasus

Die Erkundung der den Kaukasus umgebenden Hochlandzone hat einige neue Aspekte da­
ü e a s Li ht ge a ht, ie si h die Kultu la ds hat it ih e Hu de te G ä e
u d Ku ga e , it ei ziga ige egalithis he Mo u e te u d Siedlu gsstäte i Laufe
de )eit e ä de te. Ge ei sa e a häologis he Su e s de Ca’ Fos a i-U i e sität
Ve edig u d de I a e-Ja a his h ili-U i e sität Tilis z is he u d füh te
zu E tde ku g des g ößte isla g eka te O sidia -A auge iets des Kaukasus.

Abb. Chikiani: Obsidian-Tagebauminen oben und verstreute Obsidianartefakte unten von Paolo Biagi und Renato Nisbet
am nordwestlichen (ang des Berges.

as Jawacheti-Plateau ist eine effu-


D sive neogen-quartäre Struktur in
einer durchschnittlichen Höhe von
mehr als 2000 m in der georgischen Re-
gion Samtsche-Jawacheti, 80 km west-
lich der (auptstadt Tiflis. Auf dem Pla-
teau liegt der größte See des Landes,
der Parawani. Am nordöstlichen Rand
des Sees befindet sich der Vulkanke-
gel Chikiani, dessen Gipfel auf 2417 m
Höhe liegt und dessen Hänge – insbe-
sondere die Nordseite – von oben bis
unten mit großen Obsidian-Strömen be-
deckt sind.
Den verfügbaren Daten zufolge wurde
Chikiani-Obsidian ab dem Ende des
Mittleren Paläolithikums abgebaut, ge-
nauer gesagt ab Beginn des Neolithi-
kums bis zur Eisenzeit. Während der
letzten fünf Jahrtausende hat sich die
dortige Landschaft stark verändert, und
diese Veränderungen hängen zweifellos
mit der prähistorischen Landnutzung
zusammen, nicht zuletzt mit der Suche
nach Bodenschätzen.

Die O sidia -Mi e


Chikiani-Obsidian ist von einer ausge-
zeichneten Textur und kommt in
schwarz, grau gestreift, orange und rot
gefleckt vor. Wegen der geringen Nei-
gung der Hänge sind die großen Obsi-
dian-Vorkommen von jeder Seite des

20
ANTIKE WELT 5/18
TITELTHEMA

Berges aus leicht zugänglich. Wäh-


rend der Surveys im Sommer 2016 und
2017 hat man in unterschiedlichen Hö-
henlagen eindrucksvolle Abbaugebiete
mit Hunderten Obsidian-Minen ent-
deckt Abb. . Diese bestehen aus run-
den bis ovalen flachen Vertiefungen mit
einer Breite zwischen zwei und fünf
Metern und einem umlaufenden Aus-
ziehschacht, aus dem Obsidian-Arte-
fakte, -kerne und -abschläge geborgen
Abb. Typische zeremonielle, flächig retuschierte Pfeilspitzen aus Chikiani-Obsidian aus dem
wurden. Die Forscher entdeckten auch Kurgan Ananauri.
Obsidian-Werkstätten und kartierten
sie; einige liegen ganz in der Nähe der
Abbaugebiete. Die Abschlagstechnik
war durch vom Kern ausgehende in- ßer Felsblöcke, Ringeinfassungen und der vulkanischen Ablagerungen extrem
direkte Schläge mit einer Klinge ge- Steinbrüche Abb. . All diese Merk- fruchtbaren Hochweiden zu kontrol-
kennzeichnet. Die Technik der flächi- male finden sich rund um die Spitze lieren. Man hat von hier aus einen
gen Retusche Abb. wurde auch bei des Andesitkegels von Seyttapa, ober- hervorragenden Blick auf die Tsalka-
der Herstellung von recht anspruchs- halb von m (öhe. Die «Sied- Ebene und die Trialeti-Ebene mit ih-
vollen Objekten wie langen, geschwun- lungen» weisen zwei verschiedene ren berühmten bronzezeitlichen Kur-
genen Pfeilspitzen Abb. verwendet, Grundriss-Typen auf. Der erste be- ganen und Wagengräbern , und ganz
wie man sie in vielen Kurgan-Gräbern steht aus symmetrischen linearen in der Nähe befand sich ein großes
der Tsalka-Hochebene und anderer be- Anordnungen von halb in die Erde Süßwasserreservoir ein Langzeitsee,
nachbarter Gebiete findet Abb. . gebauten, rechteckigen, mit Apsiden an dessen Stelle sich heute das größte
versehenen Räumen, die möglicher- (ochmoor der Region befindet . Al-
Verbreitung und Handel weise Dächer aus (olz besaßen. Den lerdings bleiben noch einige Fragen
Die Herkunft der in prähistorischer Eingang markieren oft zwei große, offen, allen voran die der Chronolo-
Zeit verwendeten Obsidian-Artefakte aufrecht stehende Steinplatten. Ge- gie der verschiedenen Aktivitäten auf
lässt sich durch den Vergleich geoche- genüber der ersten Reihe verläuft dem Plateau.
mischer Analysen der geologischen parallel, getrennt durch einen brei- Siedlungen mit symmetrischem
Aufschlüsse und der vor Ort gefunde- ten «Hof», eine zweite Reihe von Räu- Grundriss verbreiteten sich in den letz-
nen )nstrumente definieren. Anhand men. Die «Symmetrie» ist nicht per- ten vier Jahrhunderten des . Jts. v. Chr.
dessen lässt sich die prähistorische fekt, da einige Räume quadratisch,
Verbreitung dieses Rohmaterials be- größer und ohne Apsis sind, was
stimmen, und das eröffnet neue Per- möglicherweise eine unterschiedliche
Abb. Chikiani: bifaziale, flächig retuschierte
spektiven für das Studium von Wirt- Verwendung nahelegt. lange Pfeilspitze aus einer der Obsidian-Werk-
schaft, Handel und Komplexität der Der zweite Grundriss-Typus weist stätten.
gesellschaftlichen Strukturen. )m Fall eine eher unregelmäßige Anordnung
des Chikiani-Obsidians wissen wir, quadratischer oder ovaler Räume auf,
dass sein Zirkualtionsradius ziemlich deren Wände hauptsächlich aus ein-
groß war. Man findet es in zahlrei- seitig bearbeitetem Mauerwerk, z. T.
chen Regionen zwischen dem Ostufer auch nur aus aufrecht stehenden Stein-
des Schwarzen Meeres im Westen und platten bestehen Abb. .
dem westlichen )ran im Südosten. Auf einer Fläche von etwa ha
wurden drei getrennte Einheiten regis-
Siedlu ge , Festu ge u d triert. Die zahlreichen runden Nutz-
Megalithe tiergehege rund um die Siedlungen
Neben den Tagebauminen entdeckten lassen an friedliche Hirtendörfer den-
wir bei unseren Surveys auch «Sied- ken. Tatsächlich ist die Lage ideal dazu
lungs»-Strukturen, Anordnungen gro- geeignet, den Zugang zu den dank

ANTIKE WELT 5/18


EINE FRAGE DER ZEIT – Vo Wa del de Kultu la ds hat des Klei e Kaukasus

Bäumen in der Landschaft nur schwer


vorstellbar. Der Analyse verschiedener
Pollenkerne zufolge, die aus den zwi-
schen Jawacheti und der Tsalka-Hoch-
ebene gelegenen Seen stammen, gab es
hier allerdings im mittleren und späten
Holozän noch weit oberhalb von 2000
Höhenmetern Nadelwälder, die das für
den Transport und das Versetzen sol-
cher Felsblöcke notwendige (olz gelie-
fert haben könnten.
Abb. Welche Funktion diese Anordnun-
Chikiani: megalithi-
scher Kurgan mit gen hatten, ist schwer zu bestimmen,
Schafgehege darauf. da man Strukturen dieser Art auf den
Hochebenen von Trialeti und Tsalka
nie gefunden hat. Sie befinden sich
nicht auf den Bergkuppen, wie es bei
über ganz Kaukasien vom Schwar- Siedlungsgebiets auf gleicher Höhe den befestigten Standorten der spä-
zen Meer bis nach Ostanatolien und entdeckt. Sie bestehen aus geradlini- ten Bronzezeit in der Region häufig
dem Nordwesten des Iran, insbeson- gen, teilweise mehr als 100 m langen, der Fall war. Stattdessen passt ihre Ar-
dere auf Bergen zwischen 1400 und in Süd-Nord- und Ost-West-Richtung chitektur perfekt zu den sog. zyklo-
m (öhe. Diese «Dörfer» weisen ausgerichteten Anordnungen gewal- pischen Festungen aus der späten
oft enge Verbindungen zu einer Art tiger Felsblöcke. Die bis zu m gro- Bronze- und der frühen Eisenzeit.
«militarisierter» Territorien rund um ßen Blöcke passen überhaupt nicht in Der einzige Menhir, den wir bisher
Gipfelfestungen auf. )n anderen Fällen die sie umgebende flache Landschaft. aus der Gegend kennen, befindet sich
jedoch haben sie nichts mit einer sol- Sie stammen zweifellos von den nicht ganz in der Nähe der Obsidian-Fel-
chen territorialen Anordnung zu tun. allzu weit entfernten Felsgraten, doch der von Chikiani, an ihrem nördlichen
Einige megalithische Strukturen wie genau man sie von A nach B bewegt Rand. Manchmal heißt es, in die Ober-
hat man etwa 2 km nordwestlich des hat, ist heute wegen des Fehlens von fläche des etwa , m hohen Menhirs

Abb.
Chikiani: Verbreitung der unter-
schiedlichen Strukturen, die
bei Surveys 2016/17 in diesem
Gebiet gefunden wurden.

22
ANTIKE WELT 5/18
TITELTHEMA

seien «schlangenartige» Bilder einge-


ritzt gewesen die heute nicht mehr
zu sehen sind . Da es sich um den ein-
zigen «typischen» stehenden Stein
der Gegend handelt, könnte er auf der
Hochebene eine Art territoriales Sym-
bol gewesen sein.

Ofe e F age
Die Steinstrukturen Siedlungen und
Mauern werfen mehrere nicht ganz
einfach zu beantwortende Fragen auf.
Hinsichtlich der funktionalen und chro-
nologischen Beziehungen zwischen den
beiden Siedlungsmustern, die in ähn-
licher Form im Nordkaukasus ent-
deckt wurden, stellt sich die Frage:
Sind die Siedlungen mit den halb in
die Erde gebauten, steingesäumten
Gebäuden zeitgleich mit den «irre-
gulären» Gebäuden entstanden? Ein
zweites Problem betrifft die lokale
Wirtschaft. Die (öhe, das Klima und
die Umweltbedingungen weisen auf
Nutztierhaltung hin. Das würde eine
saisonale und nicht ganzjährige Nut-
zung der Stätten nahelegen. Doch was
lässt sich über die lokale Verfügbar-
keit von Holz für den Bau von Gebäu-
den in der Spätbronzezeit sagen? Ein
dritter Punkt betrifft die Beziehung
Abb. Chikiani: zwei verschiedene Typen von Siedlungsstrukturen in der Nähe von Seyttapa.
zwischen Siedlungen und Obsidian-
Abbau. )nsgesamt lässt sich die Archi-
tektur auf die Spätbronzezeit datieren,
doch das passt nicht zur vorgeschlage- den Siedlungen entfernt. Das Obsi- Literatur
nen spätneolithischen bis mittelbron- dian-Bergbaugebiet des Chikiani liegt P. BIAGI / B. GRATU)E, Ne Data o Sou e Cha a te-
izaio a d E ploitaio of O sidia f o the
zezeitlichen ? (auptverwertungszeit dort quasi um die Ecke. Chikia i A ea Geo gia . Eu asiai a – .
htps://doi.o g/ . / - - /EUR- – .
der Obsidian-Ströme am westlichen
(ang des Chikiani, in ca. km Ent- P. BIAGI / R. NISBET, The Geo gia Cau asus a d its
esou es: the e ploitaio of the Mou t Chikia i up-
fernung von den Dörfern. Waren die la ds du i g the etal ages. A i uit P oje t Gal­
Adresse der Autoren le ,e – htps://doi.o g/ . /
Siedlungen ausschließlich von Hirten P of. D . Paolo Biagi u d D . Re ato Nis et a . .
bewohnt oder dienten sie dazu, den Dipa i e to di Studi sull’Asia e sull’Af i a Medite a ea
Ca’ Fos a i U i e sit of Ve i e, Ca’ Cappello S. REINHOLD, ) klopis he Festu ge u d Siedlu ge it
Zugang zu einer breiteren Palette von Sa Polo s et is he G u d iss. Ü e legu ge zu ei e ü e ­
I- Ve ezia, Italie egio ale Phä o e de kaukasis he Spät o zezeit,
Ressourcen sprich: Mineralien zu er- pa elius@u i e.it; e ato. is et@u i e.it i : J. Apakidze / B. Go eda i a / B. Hä sel H sg. , De
S h a z ee au o Ä eolithiku is i die F üheise ­
möglichen? Ein viertes Problem be- zeit – . Ch . . Ko u ikaio se e e z is he
trifft die eventuellen Beziehungen zwi- Übersetzung Kaukasus u d Ka pate , Rahde – .
D . Co elius Ha tz, Ha u g.
schen den genannten Siedlungen und DERS., Late B o ze Age A hite tu e i Cau asia a d Be ­
o d. Buildi g a Ne Lifest le fo a Ne Epo h,
den spätbronzezeitlichen Festungen i : E. Ro a / M. To ussi M. H sg. , At the No the F o ­
Bildnachweis
der Tsalka-Hochebene, vor allem der ie of Nea Easte A haeolog . Re e t Resea h
A . . . : D oh e fotos o M. Fe a di; : aus Makha­ fo Cau asia a d A atolia i the B o ze Age. Su a tu,
Festung, die auf dem Gipfel des )nyak adze / Kala dadze / Mu a idze ,A . – ; XXXVIII – .
: Fotos o M. Fe a di; : aus Biagi u d Nis et :
Dağ errichtet wurde, nur 8 km von A . .

23
ANTIKE WELT 5/18
DAS TRIALETI GRAB XV
Ein Fürstengrab mit Fernverbindung

Südkaukasien: Drehkreuz zwischen Nord und Süd, Ost und West. Seit der Steinzeit schon
steht der Südkaukasus im Austausch mit den ihn umgebenden Kultursphären:
Be üh tes Beispiel ist die itel o zezeitli he T ialei-Kultu i heuige Südgeo gie
it ih e рügelg a T ialei XV, fü die Ko takte it eit e fe te Regio e a h-
ge iese e de kö e . ) ei f eigelegte Sie s hädel, die a ei a atolis hes Bestatu gs-
itual de Kö igsg ä e o Ala a рö ük e i e , si d u ei рi eis da auf.

Abb. 1 «Standarte» aus Gold. Ein mehrteiliger Gegenstand aus einem figürlich verzierten von Levan Tchabashvili
zylinderförmigen Objekt aus Goldblech, aus länglichen Röhrchen und drei kleinen Anhängern.
L. 6,8, 15,5 und 2,7 cm

D ie mittelbronzezeitliche Trialeti-
Kultur, die aufgrund zahlreicher
Hügelgräber bekannt wurde, erstreckte
sich über einen Zeitraum von ca. 2100
bis 1700 v. Chr. In den 30er und 40er
Jahren des 20. Jhs. wurden die Gräber
in der Trialeti-Ebene erstmals von Boris
Kuftin untersucht. In diesem Gebiet war
geplant, ein Wasserkraftwerk auf dem
Fluss Chrami zu bauen, wofür ein gro-
ßes Gebiet mit Wasser überschwemmt
werden sollte. Für die Untersuchung der
archäologischen Fundorte organisierte
das Georgische Nationalmuseum eine
Expedition unter der Leitung von Boris
Kuftin und schickte das Team nach Tria-
leti. In den Jahren 1936–1940 gruben
die Wissenschaftler zahlreiche archäo-
logische Denkmäler aus verschiedenen
Perioden aus. Doch dies war gar nicht so
unproblematisch, da das Trialeti-Gebiet
auf ca. 1500 m NN. liegt und die klima-
tischen Bedingungen daher sehr hart
sind. So gibt es z. B. nur einen kurzen
Sommer und lange kalte Winter. Doch
trotz der ungünstigen klimatischen Be-
dingungen, dem Mangel an Zeit und
der unzureichenden Finanzierung so-
wie den vielen bürokratischen Hinder-
nissen gelang es B. Kuftin und seinem
Team, sehr wichtige Entdeckungen be-
züglich der prähistorischen Archäolo-
gie Kaukasiens zu machen.

24
T 5/18
TITELTHEMA

Bronzezeit in Südkaukasien Abb. 2


B. Kuftin definierte zum ersten Mal die Bronzener Kessel. Der
Kessel ist aus dünnem
Kura-Araxes-Kultur, die nach heutigen Metallblech gefertigt.
Kenntnissen ein überregionales Phä- Um die Mündung ist
ein schmales Metall-
nomen darstellt. Sie umfasste außer blech mit 22 Nieten an-
Kaukasien auch die Territorien des gebracht. 1,5 cm breite
Nord-West-Irans, Nord-Ost- und Ost- Henkel aus Metallblech
wurden mit Metallnie-
anatoliens und der Levante. Zudem ten an dem Gefäß be-
entdeckte B. Kuftin als erster die früh- festigt. Der Boden ist
abgerundet. Durch-
bronzezeitlichen Hügelgräber auf der messer der Mündung
Trialeti-Ebene und datierte sie in das 48–50 cm.
Ende des 3. Jts. v. Chr. Dies wird heute
als Frühkurgan-Kultur (Martkopi- und
Bedeni-Stufen definiert, die Ostgeor-
gien und Nordarmenien umfasste und ihren Funden – eine große Vielfalt. der Öffnung 17 x 11 m und auf dem Bo-
durch große Hügelgräber sowie ihre Bei dem bereits erwähnten Trialeti- den 11 x 6 m groß. In der Aufschüttung
Fülle an Kunstwerken bekannt ist. Ein Grab XV handelt es sich um ein Hügel- befanden sich Nachbestattungen der
besonderes Ergebnis von Kuftins Gra- grab mit Grabgrube und Steinaufschüt- späteren römischen Zeit. In der Grab-
bungen stellte die Entdeckung der mit- tung (Höhe 1,50–2 m, Durchmesser kammer der Hauptbestattung wur-
telbronzezeitlichen Trialeti-Kultur dar. 35–45 m), das im Jahr 1938 ausgegra- den fünf Keramikgefäße und weitere
Er legte über 30 mittelbronzezeitliche ben wurde. Unter der Aufschüttung Keramikfragmente freigelegt. Es wur-
Hügelgräber frei, von denen vor allem befand sich eine Ost-West orientierte den ebenso drei aus Ton bestehende
das Hügelgrab Trialeti XV Bekannt- ovale Grabgrube mit einem Dromos Ständer für Metallkessel, ein bronze-
heit erlangte. Bei den Ausgrabungen auf der Ostseite. Die Grabgrube war an ner/kupferner Kessel, eine bronzene/
kam eine große Anzahl außergewöhn-
licher – bis dahin unbekannter Kunst-
werke – zu Tage. Die Ergebnisse
Abb. 3 Bronzene Standfußschale. Das Gefäß ist aus Metallblech getrieben. H. 21 cm. Das Gefäß
publizierte B. Kuftin 1941 in einer Mo- hat einen hohlen konischen Fuß mit verzierter Oberfläche. Es hat einen (enkel aus einem Metall-
nographie in russischer Sprache. Die stab, der mit Attaschen auf dem Rand des Gefäßes verbunden ist.
Veröffentlichung dieses Buches stieß
auf große Resonanz, sowohl in der da-
maligen Sowjetunion als auch im Aus-
land. Bei der weiteren Erforschung der
Trialeti-Kultur wurden in verschiede-
nen Gebieten Ostgeorgiens und Arme-
niens Gräber dieser Periode entdeckt.
In den letzten Jahren sind ebenso
Funde aus der Nord-Ost-Türkei, die zu
dieser Kultur gehören, bekannt gewor-
den.

Die T ialei Kultu u d das


Hügelgrab XV
Die Trialeti-Kultur wird hauptsächlich
durch Gräber (vorwiegend Hügelgrä-
ber und deren Funde definiert, wo-
hingegen die Siedlungen dieser Periode
oder andere Quellengattungen nur
schwach erforscht sind.
Die Hügelgräber zeigen – sowohl
nach ihrer Konstruktion als auch nach
DAS TRIALETI GRAB XV – Ein Fürstengrab mit Fernverbindung

kupferne Standfußschale, ein bronzener sich diese Fundorte auf dem Grund trägt an der Mündung 48–50 cm, die
Dolch, eine bronzene Lanzenspitze, eine des Stausees. In den 1990er Jahren, Dicke der Wand entspricht 0,1 cm und
bronzene Ahle, zwei bronzene Ringe, während der wirtschaftlichen Krise die Dicke an der Mündung 0,2–0,3 cm
zwölf Obsidianpfeilspitzen, zwei Sil- in Georgien, wurde für die Gewinnung (Abb. 2).
bernäpfe, Goldblechteile einer «Stan- der Elektroenergie zu viel Wasser aus Die Form des Kessels ist einzigartig.
darte», sechs längliche Röhrchen, drei dem Stausee abgelassen. Dadurch Obwohl aus der Bronzezeit in Südkau-
kleine Anhänger und ein figürlich ver- kam an einigen Stellen der Boden des kasien ein paar Metallkesseln bekannt
ziertes zylindrisches Objekt, 18 Kar- Stausees wieder zum Vorschein. Ge- sind, hat diese Form keine Analogien.
neolperlen und 25 Perlen aus Fayence orgische Archäologen ‒ unter Leitung Dabei ist zu bemerken, dass in Ostge-
(Pasta) gefunden. von Dr. G. Narimanishvili ‒ begannen, orgien eine Imitation dieses Kessels
Mit dem Hügelgrab Trialeti XV ist diese Bereiche zu erforschen. Da das aus Ton erhalten ist. Dieses Keramik-
auch eine interessante Entdeckung aus Wasser die prähistorischen Fundorte gefäß wurde im Hügelgrab von Semo
der letzten Zeit verbunden: Wie oben jahrelang «präpariert» hatte, konnten Bodbe 4 in Ostgeorgien gefunden und
erwähnt, wurde in den 1940er Jahren die Fundorte leichter dokumentiert wiederholt die Form des Metallkes-
ein Stausee für ein Wasserkraftwerk werden. Bei diesen Untersuchungen sels. Das Keramikgefäß aus diesem
im historischen Trialeti-Gebiet errich- wurde festgestellt, dass einige der von Befund hat eine Höhe von 21 cm, ei-
tet und die von B. Kuftin ausgegrabe- B. Kuftin ausgegraben Hügelgräber an nen Mündungsdurchmesser von 31 cm
nen Fundorte (sowie eine Reihe von der Ostseite einen Steinweg besitzen. und zwei senkrechte Henkel. Der Rand
nicht ausgegrabenen Fundorten) mit Diese Konstruktionen hatte B. Kuftin ist mit flachen Knubben verziert, die
Wasser bedeckt. Jahrelang befanden damals nicht entdeckt. Im Falle des wahrscheinlich eine Imitation von
Trialeti-Hügelgrabs XV wurde ein an Nieten auf Metallkesseln darstellen. In
den Dromos anschließender 264 m der Archäologie ist bekannt, dass die
langer und 4,50 m breiter «Steinweg» Formen und Dekormotive wertvoller
festgestellt. Gefäße als Vorbild für Gegenstände
Im Grab wurden zwei Stierschädel aus weniger kostbaren Materialien
freigelegt, die auf ein ähnliches Be- verwendet wurden. Entsprechende
stattungsritual wie in den Königsgrä- Beispiele sind vor allem in der klassi-
bern von Alaca Höyük in Anatolien schen Zeit zu finden. )m antiken Grie-
hinweisen (M. Abramishvili). chenland wurden einige Tonwaren
Die Konstruktion des Trialeti-Hügel- nach Vorbild von Metallgefäßen ge-
grabs XV ist typisch für die Mittelbron- fertigt und für einen wesentlich ge-
zezeit in Südkaukasien. Die meisten ringeren Preis angeboten. Ähnliche
Funde sind außergewöhnlich. Davon Tendenzen können auch in der prähis-
ist das bemerkenswerteste eine mehr- torischen Zeit beobachtet werden.
teilige «Standarte», ein Zeremonialge- Metallkessel mit ähnlicher Form
genstand aus Gold (Abb. 1). Derartige sind auch in weit entfernten Gebieten
Artefakte sind nur selten in Gräbern bekannt. Der Kessel aus Trialeti XV
zu finden. ähnelt sowohl stilistisch als auch tech-
nisch einem Kupferkessel aus dem
Bronzener Kessel Schachtgrab IV von Mykene. Der Kes-
Ein ebenso wichtiger Fund aus diesem sel aus Mykene ist 38 cm hoch mit
Hügelgrab ist ein Bronze-/Kupferkes- einem Durchmesser von 55 cm. Es
sel, der heute fragmentiert erhalten muss angemerkt werden, dass der er-
ist. Der Kessel ist aus einem dünnen wähnte Kessel aus Mykene ebenfalls
Abb. 4 Kupfer- oder Bronzeblech gefertigt. der einzige seiner Art in der Ägäis ist.
Bronzene Lan- Um die Mündung ist ein schmales Me- Noch G. Karo dachte, dass es sich um
zenspitze mit tallblech (Breite 2,2 cm) mit 22 Nieten ein Importstück handelt.
geschlossener
Tülle. L. 26,5 cm. angebracht. 1,5 cm breite Henkel aus Die Form des Kessels ähnelt einem
Am Ende der Bronzeblech wurden mit Metallnie- kleinen Goldgefäß aus dem Libanon,
Tülle befindet
sich ein Band ten an dem Gefäß befestigt. Der Boden wahrscheinlich aus Byblos, welches
aus Silberblech. ist abgerundet. Der Durchmesser be- um 1800 v. Chr. datiert ist.

26
ANTIKE WELT 5/18
TITELTHEMA

Weitere Funde
Ein weiterer erstaunlicher Fund aus
dem Hügelgrab Trialeti XV ist eine
Standfußschale aus einem Bronzeblech.
Sie ist 21 cm groß. Der Fuß und die
Schale sind einzeln hergestellt wor-
den. Der Henkel ist aus einem Metall-
stab gefertigt und mit Attaschen auf
dem Rand des Gefäßes befestigt. Das
Gefäß ist von innen zum Fuß offen. Abb. 5
Der Fuß ist mit reliefierten Darstel- Silberner Becher mit eckigem
Profil und kleinem Standfuß.
lungen verziert (Abb. 3). H. 4,9 cm. Das Gefäß ist aus
Man hat bemerkt (D. Collon), dass Metallblech getrieben.
das Gefäß einem Metallgefäß aus
Schachtgrab V von Mykene ähnelt. Bei
dieser Ähnlichkeit geht es um die
gleichartige Gestaltung und um die Südkaukasien nicht bekannt. B. Kuf- sen werden, dass diese Regionen mit-
gleiche Technik der Henkelanbrin- tin hat das Stück aus Trialeti mit Fun- einander in Kontakt standen, obwohl
gung. Diese Argumente wurden von den aus Ras Shamra in Syrien und nicht in allen Fällen mit Sicherheit ge-
georgischen Wissenschaftlern (M. Pu- dem Schachtgrab IV von Mykene ver- sagt werden kann, von welcher Art
turidze, M. Abramishvili) immer im glichen. K. S. Rubinson nannte weitere dieser Kontakt war. Bei dem Hügel-
Kontext von ägäisch-kaukasischen Be- Parallelen mit Funden aus Grab 4 von grab Trialeti XV handelt es sich um
ziehungen beurteilt. Das Gefäß aus Ialysos auf Rhodos und Prosymna aus ein Fürstengrab vom Beginn des 2. Jts.
Mykene ist aus Silber gefertigt und der Ägäis. Aber einige Wissenschaft- v. Chr. aus Südkaukasien, das mit allen
17,5 cm groß. G. Karo nannte das Gefäß ler (K. Kushnareva und M. Rissin) wei- «modernen» Grabbeigaben seiner Zeit
«Großer Silbernapf». Ähnliche Metall- sen auf die Unterschiede im Herstel- ausgestattet war.
gefäße aus der Bronzezeit sind in Süd- lungsverfahren, bei den Proportionen
kaukasien nicht bekannt. Aber man und der Form zwischen den Lanzen-
kennt diese Form der Keramikgefäße spitzen aus dem Südkaukasus und der
seit der Frühbronzezeit. In der Kura- Ägäis hin. Es muss erwähnt werden, Adresse des Autors
Dr. Levan Tchabashvili
Araxes-Kultur sind in Südkaukasien dass das Exemplar aus Trialeti älter Naio al useu Geo gie s
Keramikgefäße mit solcher Form be- ist als seine Analogien aus der Ägäis. 3/10 Shota Rustaveli Ave, Tbilisi 0105

legt und auch aus der Mittel- und Spät- Aus dem Trialeti-Hügelgrab XV kom- Übersetzung
bronzezeit sind solche Keramikgefäße men noch zwei kleine Silberbecher Vladimir Ioseliani, Berlin.

in Georgien vorhanden. mit eckigem Profil mit einer (öhe von Bildnachweis
Ein weiterer wichtiger Fund aus ca. 5 cm (Abb. 5). Ähnliche Gefäße sind Abb. 1: Foto von J. Meyer / Archäologisches Museum
F a kfu t; : U zei h u g o Gogadse ,A . –
diesem Hügelgrab ist eine bronzene in Mesopotamien (Assur, Ur, Tello, Larsa ; : Foto o J. Me e / A häologis hes Museu
Lanzenspitze. Die Lanzenspitze hat u. a. und dem Westiran Susa, Tepe F a kfu t; : Foto o J. Me e / A häologis hes Mu-
seu F a kfu t; : Foto aus de Fotoa hi des geo gi-
eine Länge von 26,5 cm und eine ma- Giyan u. a. seit der Akkad-Zeit belegt, s he Naio al useu s.

ximale Breite von 3,3 cm. Am Ende der treten aber überwiegend in Zusam- Literatur
Tülle gibt es einen silbernen Blech- menhängen der Ur III bis in die altba- E. GOGAD)E, t ialeis ko ga uli kultu is pe iodizatsia da
ge ezisi Pe iodisie u g u d Ge ese de T ialei Ku -
ring mit zwei Nietlöchern (Abb. 4). bylonische Zeit auf. Vergleichbare Ge- ga kultu . Auf Geo gis h it ussis he )usa e fas-
Für diese Lanzenspitze liegt ein Ver- fäße kommen aus Baktrien und dem su g .

gleichsstück aus dem Hügelgrab Acht- Industal. D. COLLON, So e u ket ha dles. I a – .

schia 3 vor. Das Achtschia-Gräberfeld G. KARO, Die S ha htg ä e o M ke ai. Te t. Tafel .


р. MATTрÄUS, Die B o zegefäße de k eis h- ke i-
befindet sich süd-westlich von Tri- Überregionale Verbindungen s he Kultu . PBF. A teilu g II. Ba d .
aleti und gehört zu der Trialeti-Kul- Die visuellen Ähnlichkeiten, die die G. NARIMANISрVILI, Sia hle i T ialeis kultu ashi.
tur. Das Stück aus dem Achtschia-Hü- Funde aus dem Hügelgrab Trialeti XV Neue u ge i de T ialei-Kultu Auf Geo gis h it
ussis he u d deuts he )usa e fassu g .
gelgrab 3 ist 24,4 cm lang und besitzt mit den Gegenständen aus fernen Re-
. Ку тин. еоло иче кие а копки Т иалети
einen goldenen Blechring am Ende gionen aufweisen, sind kein Zufall. .

der Tülle. Weitere Parallelen sind in Aus diesen Parallelen kann geschlos-

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ANTIKE WELT 5/18
VERBORGENE LEBENS- WELT
Das Grabinventar des Großkurgans 3 von Ananauri

Als ei e – i ahrste Si e des Wortes – Fu dgru e ielfäligster Gra eiga e uss


der sog. Großkurga o A a auri i Südkaukasie ezei h et erde . )u ei e
hohe Hügel aufges hütet, eher ergt er, ie u fasse de ar häologis he Fors hu -
ge gezeigt ha e , e e z ei ierrädrige Holz age , au h s h arz polierte Kera ik
it Or a e te , Tierfelle, Ber stei u d Spure o da als zu Balsa iere der Tote
ge räu hli he Ho ig. Do h el he Rü ks hlüsse auf die Le e s elt der Bestatete
lasse die Fu de zu?

o )ura Makharadze neten. Die Macht und der Reichtum große, mit Eichenstämmen (0,30–0,35 m
der lokalen Elite wurden durch solche im Durchmesser) belegte Plattform

D ie Frühbronzezeit in Georgien wird


in die zweite Hälfte des 4. und ins
3. Jt. v. Chr. datiert. Diese Epoche ist
Kurgane widergespiegelt. Obwohl sol-
che Grabhügel bereits in prähistori-
scher Zeit geplündert wurden, können
nachgewiesen. Die Plattform war mit
einer 0,15–0,20 m dicken Schicht von
Holzsplittern bedeckt. Der Boden der
für die gesamte südkaukasische Re- wir ihre Pracht rekonstruieren. Plattform und ihr Umfeld waren mit ro-
gion äußerst wichtig, denn die reichen Aus diesem Grund ist es wichtig, je- tem Ocker bestrichen.
Rohstoffquellen und die vorhandenen des neu entdeckte archäologische Denk- Es stellte sich heraus, dass die mit
Technologien für die Gewinnung und mal vor allem mit Verwendung der Eichenstämmen belegte Plattform die
Verarbeitung von Kupfer, Gold und an- heute verfügbaren naturwissenschaftli- Abdeckung der Grabkammer bildete.
deren Metallen haben eine rasche Ent- chen Methoden zu erforschen. Dadurch Sie bestand aus zwei Reihen von Ei-
wicklung der Metallurgie in dieser Re- erhalten Archäologen viel mehr Infor- chenstämmen, zwischen denen eine
gion ermöglicht. mationen, als es noch vor 30 bis 40 Jah- Matte lag.
Die Frühbronzezeit ist im Südkau- ren möglich war. Unter der Abdeckung befand sich
kasus durch die archäologische Kura- eine ca. 15 x 10 m große Grube, in die
Araxes-Kultur vertreten. Ihr Verbrei- Großkurga i A a auri eine Holzkonstruktion eingebaut war.
tungsareal erstreckte sich weit über Im Jahr 2012 hat die archäologische Die Innenfläche der Grabkammer be-
diese Region hinaus bis nach Ostana- Expedition des Georgischen National- trug 9 x 6,50 m, mit einer Tiefe von
tolien, Nordwestiran und Syrien/Pa- museums (Leiter Z. Makharadze) im 2,75 m. Die Grabkammer hatte eine
lästina. Diese Kultur zeichnete sich Alazani-Tal, im Bezirk Lagodekhi, den rechteckige Form und war mit einer
durch handgeformte schwarz polierte «Großkurgan 3 von Ananauri» archäo- geringen Abweichung nach Ost-West
Keramik und Arsen-Bronze-Metallur- logisch untersucht, der sich auf der ausgerichtet. Die Grabkammer hatte
gie aus. Die Landwirtschaft befand sich linken Seite des Flusses Alazani befin- eine doppelte Wand: Die äußere Reihe
auf einem hohen Entwicklungsniveau; det (Abb. 1). wurde mit runden Balken, die innere
eine soziale Stratifizierung der Gesell- Der Kurgan ist ein künstlich ange- Reihe mit rechteckigen Balken mit ei-
schaft war jedoch zu dieser Zeit noch legter, 12 m hoher Hügel mit einem ner Größe von 0,20 x 0,20 m gebaut.
nicht vorhanden. Durchmesser von 100 m. Der Fußboden bestand aus Holzbret-
Im 3. Jt. v. Chr. traten im Südkauka- Die Kurganaufschüttung wurde aus tern, die mit einer Matte bedeckt wa-
sus eine Reihe von Innovationen auf, Lehm und einem 0,50–1 m dicken «Pan- ren. Das Dach lag auf drei vertikalen
die auf wichtige Veränderungen hin- zer» aus Bruchsteinen gebaut. In der Pfosten und sieben horizontalen Holz-
deuten: Es wurde mit dem Bau von Aufschüttung wurden außerdem Obsi- balken (Abb. 2).
großen Grabhügeln begonnen, die diansplitter gefunden. Die Abdeckung war in die Grab-
sich durch eine komplexe Konstruk- Im Zentrum des Kurgans wurde auf kammer gestürzt, als der Grabhügel
tion und reiche Ausstattung auszeich- der alten Oberfläche eine 5 x 5 m freigelegt worden war. Der nordöst-

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ANTIKE WELT 5/18
TITELTHEMA

Abb. 1
Großkurgan 3 von
Ananauri im
Alazani-Tal,
im Bezirk Lago-
dekhi.

Abb. 2
Dach auf drei
vertikalen
Pfosten liegend,
mit sieben hori-
zontalen Holz-
balken.

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ANTIKE WELT 5/18
VERBORGENE LEBENS- WELT – Das Grabinventar des Großkurgans 3 von Ananauri

liche 4 x 2 m große Teil der Abdeckung Nr. 1 lag im südwestlichen Teil, der Wa- Beide Wagen waren ursprünglich
wurde beschädigt und zu einem spä- gen Nr. 2 im nordwestlichen Teil der in stehender Position ins Grab ge-
teren Zeitpunkt mit dünneren Balken Grabkammer. Die beiden Wagen waren stellt. Sie waren durch den Einsturz
ausgebessert. Es stellte sich heraus, nach Osten ausgerichtet. Auf dem Fuß- der Wände und der Abdeckung der
dass zu der Hauptbestattung ein wei- boden der Kammer lagen an der Ost- Grabkammer deformiert. Die Räder
terer Verstorbener in die Grabkam- wand zwei verzierte Joche. und der Wagenkasten lagen bei ihrer
mer gelegt worden war. Außerdem Als Folge der Plünderung waren die Entdeckung zerstört auf dem Fußbo-
wurden im östlichen und westlichen menschlichen Überreste vermischt, ei- den. Der vertikale Schacht der Räuber
Teil sowie im Zentrum der Grabkam- nige Skelettteile fehlten. In der Grab- endete direkt über dem Wagenkasten
mer Beschädigungen festgestellt, die kammer wurden Reste von insgesamt des Wagens Nr. 1 und führte zum Wa-
vermutlich durch Grabräuber verur- sieben Menschen nachgewiesen. Bei gen Nr. 2. In diesem Gang wurden nur
sacht worden waren. Wagen Nr. 1 fanden sich folgende Über- 1 m über dem Fußboden drei Goldob-
Der Grabhügel wurde in der An- reste: Ein Individuum befand sich auf jekte gefunden, die die Räuber verlo-
tike zweimal geplündert. Die Plünde- dem Wagenkasten, ein weiteres Indivi- ren hatten.
rung fand erst nach dem Einsturz der duum lag auf dem Fußboden der Kam- Die Konstruktion der beiden Wa-
Kammerabdeckung statt. Aus diesem mer unter dem Wagen. Bei Wagen Nr. 2 gen unterscheidet sich nur in weni-
Grund blieb ein Teil der Grabbeigaben befanden sich zwei Individuen (davon gen Einzelheiten: Ihre Länge beträgt
in der Kammer erhalten. ein Jugendlicher) auf dem Wagenkas- 2,80 m, die Breite 1,10–1,20 m. Die
ten, ein Individuum lag auf dem Boden Wand und der Boden des Wagenkas-
Reko strukio z eier Wage unter dem Wagen. Zwei weitere Indivi- tens bestehen aus Holzbrettern, die
In der Grabkammer wurden zwei vier- duen (davon ein Jugendlicher) lagen im an der Vorder- und Rückseite ver-
rädrige Wagen gefunden. Der Wagen nordöstlichen Teil der Grabkammer. ziert sind. Die Seiten des Wagenkas-

Abb. 4 Während der Grabungen stießen die Forscher auf Bernsteinper-


Abb. 3 Grabinventar bestehend aus verschiedensten organischen len, die zu den frühesten bekannten Exemplaren im gesamten Vorderen
Materialien. Orient zählen.

ANTIKE WELT 5/18


TITELTHEMA

Abb. 5 Weitere im Grab gefundene Gegenstände sind drei Metallscheiben und goldene Objekte, u. a. Perlen.

tens sind aus vertikal stehenden 0,35– scheibenartige Metallobjekte gefun- aus Obsidian, ein Ring aus Chalzedon,
0,40 m hohen schmalen Holzstäben den, die aufgrund ihrer Lage in situ als Objekte aus Wolle, Leinenstoff (Abb. 3)
gebaut. Der Wagenkasten des Wagens Nieten der Radachse zu deuten sind. und Tierfell sowie Perlen aus Karneol,
Nr. 1 ist von innen mit Tierfell aus- Auf beiden Wagen lag je eine über schwarzem Onyx und Bernstein. Die
gekleidet und von außen mit einer 3,50 m lange Deichsel. Ihr Durchmes- Bernsteinperlen aus Ananauri 3 gehö-
rot gefärbten Bastmatte bedeckt. Das ser beträgt 15 cm. Offensichtlich wa- ren zu den frühesten bekannten Bern-
Kasteninnere des Wagens Nr. 2 war ren die Deichseln an der Vorderseite steinfunden nicht nur im Kaukasus,
mit Tierfell bedeckt und mit verzier- der beiden Wagen angebracht. sondern im gesamten Vorderen Orient
ten Holzplatten versehen. Die dreitei- (Abb. 4). Zum Grabinventar gehörten
ligen Räder sind aus einem Holzstück Nüsse, Beere u d die eso dere weiterhin drei Metallscheiben und 23
(Eiche) hergestellt: Die drei Segmente Fu kio o Ho ig Objekte aus Gold (Abb. 5).
sind durch Zapfen miteinander ver- Der Kurgan 3 von Ananauri zeichnet In der Grabkammer wurde zahlrei-
bunden, wobei das mittlere Segment sich durch einen sehr guten Erhaltungs- ches paläobotanisches Material frei-
eine runde, von beiden Seiten offene zustand der Objekte aus organischen gelegt. Zu den einzigartigen Funden
Radnabe hatte. Der Durchmesser der Materialien aus. Trotz der Plünderun- gehören Reste von Haselnüssen (Cory-
Räder von Wagen Nr. 1 beträgt 1,55 m, gen wurde in der Kammer zahlreiches lus avellana), Kastanien (Castanea vul-
von Wagen Nr. 2 1,45 m. An der Au- Grabinventar nachgewiesen: zwei or- garis) und Waldbeeren (Physalis alke-
ßenseite des zweiten und des dritten namentierte Holzwagen, ein Holzsessel, kengi, Prunus spinosa), die innerhalb
Rades von Wagen Nr. 1 sowie am ers- eine Dreifußschale, schwarz polierte von geflochtenen Holzkörben nach-
ten Rad von Wagen Nr. 2 wurden drei Keramik mit Ornamenten, Pfeilspitzen gewiesen wurden. Die Waldbeeren

ANTIKE WELT 5/18


VERBORGENE LEBENS- WELT – Das Grabinventar des Großkurgans 3 von Ananauri

Abb. 6
Dank ihrer Aufbewah-
rung in geflochtenen Holz­
körben, die sich im Grab
befanden, sind Farbe und
Form der gefundenen
Waldbeeren gut erhalten.

waren mit Honig vermischt, weshalb Grundlage ihres Reichtums stellten schenopfer und andere komplexe Ritu-
sowohl ihre Form als auch ihre Farbe vermutlich die Kontrolle über die Ge- ale, die mit dem Sonnenkult zusam-
nach fast 4400 Jahren noch erhalten winnung der lokalen Rohstoffquel- menhängen, festgestellt. Dies bedarf
sind (Abb. 6). len sowie der Austausch bzw. Handel aber weiterer Forschung.
Mittels Laboranalysen wurden Ho- dar. Deswegen konzentrieren sich die Die Verwendung von verschiedenen
nigreste an menschlichen Knochen Funde der «Prachtkurgane» des 3. Jts. naturwissenschaftlichen Methoden hat
und Leinenstoffen festgestellt, was da- v. Chr. vor allem in Ostgeorgien, nahe bereits viele neue Erkenntnisse zum
für spricht, dass Honig für die Balsa- den Übergängen über die Gebirgs- Kurgan 3 von Ananauri erbracht. Da-
mierung der Toten verwendet wurde. kette des Großen Kaukasus. durch ist dieses Denkmal zum Refe-
Anhand des archäologischen Ma- In dieser Periode wurden erstmals renzort für die gesamte Epoche im
terials wurde der Großkurgan 3 von vierrädrige Holzwagen als Grabbei- Südkaukasus geworden.
Ananauri in die Mitte des 3. Jts. v. Chr. gabe verwendet. Diese Grabsitte war
datiert. Die Radiokarbondaten bele- in den «königlichen Gräbern» von Ur
gen, dass der Kurgan zwischen 2350 und in den südkaukasischen Kurga-
und 2300 v. Chr. gebaut wurde. Damit nen, aber auch in verschiedenen ar- Adresse des Autors
Dr. )ura Makharadze
gehört er der archäologischen Bedeni- chäologischen Kulturen vom Nord- Georgis hes Naio al useu
Vz adze Straße
Kultur an. kaukasus und den nordpontischen T ilissi, Georgie
Die Untersuchungen der Martkopi- Steppenregionen bis nach Osteuropa
und Bedeni-Kurgane zeigen ein kom- verbreitet. Außerdem treten in süd- Bildnachweis
plexes Bild der damaligen Gesellschaft kaukasischen Kurganen verschiedene A . –6: Georgia Naio al Museu .

im Südkaukasus. Die in diesen Kurganen Elemente wie Bernstein auf, die auf
Literatur
beigesetzten «Stammesführer» verfüg- weiträumige Beziehungen hinweisen.
). MAKHARAD)E / N. KALANDAD)E / B. MURVA-
ten nicht nur über militärische, son- In den südkaukasischen Prachtkur- NID)E, A a auri Big Kurga N 6.

dern auch über religiöse Macht. Die ganen wurden Nachweise für Men-

ANTIKE WELT 5/18


PERGAMON – ME)STERWERKE  DER 
ANT)KEN METROPOLE  UND  ⁰-PANORAMA 
VON YADEGAR  AS)S)
I ter ie it Mari Mais h erger

te e ke de a ike Met opole u d


S teht man an der Berliner Museums-
insel und blickt auf das Pergamon-
museum, so sieht man auf ein großes
der Museumsinsel, die zuvor die größte
Baustelle war, ist von außen hingegen
s ho fast fe ig u d ka i ko e -
360°-Panorama von Yadegar Asisi» er-
öf et A . . . Ei Gesp ä h it
Lo h ite i de Wa d des Mitel- de Jah e öf et e de . Ni ht ga z D . Ma i Mais h e ge , de stell e -
trakts, und in die Katakomben des sill u d hei li h, a e et as i Wi d- t ete de Di ekto de A ike sa -
Baus. Das Loch war einmal der Ein- s hate diese g oße P ojekte ist u lung der Staatlichen Museen zu Berlin,
ga gs e ei h. No h ei la ge Weg gegenüber der Museumsinsel, direkt über den Bau und die Ausstellung:
liegt hier vor den Staatlichen Museen vis-à-vis des Bode-Museums, das tem-
zu Berlin, bevor dieser Museumsbau poräre Ausstellungsgebäude «Perga- Herr Dr. Maischberger, böse Zungen be-
wieder in altem und zugleich neuem monmuseum. Das Panorama» entstan- haupten, nichts halte so lange wie ein
Glanz erstrahlt. Die James-Simon-Ga- den (Abb. 1. 2). Im Herbst 2018 wird Provisorium – gerade in Berlin. Wis-
lerie, das neue Haupteingangsgebäude dort die Ausstellung «Pergamon. Meis- sen Sie etwas über Verzögerungen bei

Abb.    Das temporäre Ausstellungsgebäude «Pergamonmuseum. Das Panorama» in der Straße Am Kupfergraben gegenüber dem Bode-Museum. 
Der Entwurf stammt vom Berliner Architekturbüro spreeformat architekten Gmb(. )n der vorliegenden Visualisierung ist der Eingang von Südosten 
aus zu sehen, dahinter die in die rechteckige (alle einbindende Panorama-Rotunde.

33
ANTIKE WELT 5/18
Neues aus de A ike sa lu g

der Instandsetzung des Pergamonmu- allem aus konservatorischen Erwägun- Nun ist es ja nur zu begrüßen, wenn
seums, von denen wir nichts wissen, gen. Das bedeutet, dass für die mehr- Glanzstücke der pergamenischen Be-
oder was ist der Grund dafür, dass jäh ige Daue de Baua eite ei e de stände gezeigt werden. Aber die letzte
jetzt die Pergamon-Ausstellung in einer Hauptat akio e de A ike sa - und mit 1,5 Millionen BesucherInnen
neuen temporären Ausstellungshalle lu g u d ga z Be li s de Öfe tli h- ja durchaus sehr erfolgreiche Aus-
gezeigt wird? keit verborgen bleibt. Das haben wir stellung zu Pergamon – auch mit ei-
Verzögerungen gehören zu Berlin, schon Jahre vor Beginn der Bauarbei- nem beeindruckenden Panorama von
gehö e zu g oße Baup ojekte , zu- ten auf uns zukommen sehen und ha- Asisi – ist ja erst wenige Jahre her. Wa-
al de Gege a t, ofe a dazu. ben dann gesagt, das kann dem Pub- rum sollen die Besucherinnen und Be-
Was i alle di gs de ä hst de Öf- likum so nicht zugemutet werden, wir sucher nun wiederkommen?
fentlichkeit übergeben werden, das au he ei e Ko pe saio , ei e Das eue i te i isis he Pe ga o -
i te i isis he Pe ga o useu , ist ollgülige E satz. U d da ka de Ge- museum wird einiges mehr bieten als
ei P ojekt, das i s ho i s Auge ge- danke des Pergamon-Interims auf. Ideal die Ausstellung von 2011/2012, para-
fasst hate , als si h ei e Ve zöge u g wäre es natürlich gewesen, das Inte- doxerweise auch deswegen, weil es
beim Umbau des Pergamonmuseums rimmuseum genau in dem Moment zu ei zahle äßig e ige O jekte
noch nicht abzeichnete. e öf e , als de Alta saal des Pe ga- p äse ie e i d. Wi hate i de
Der Grundgedanke war folgender: monmuseums geschlossen wurde, im alte Ausstellu g i No dlügel des
Der Pergamonaltar ist bekannterma- Septe e . Das sollte i ht sei : Pergamonmuseums alles ausgebrei-
ßen im umgebenden Gebäude geblie- Das Interim seinerseits hat nun leider tet, was unsere Depots hergaben, also
ben. Aus verschiedensten Gründen Ve zöge u ge e lite . A e da i auch sehr viele noch nie gezeigte klei-
haben wir uns seinerzeit dagegen ent- jetzt ja o h ei ige )eit is zu Wiede - e e O jekte, au h e ige spekta-
schieden, den Altar – und damit meinen e öf u g des Sta hauses o u s kuläre Stücke; es sollte die gesamte
wir primär den Großen Fries mit der Gi- ha e , i d si h dieses I te i auf je- Bandbreite der nach Berlin gelangten
gantomachie – herauszunehmen, vor den Fall noch lohnen. Funde gezeigt werden.

Abb.    Visualisierung des städtebaulichen Umfelds des temporären Ausstellungsgebäudes, Ansicht von Westen. )m Vordergrund links das Archäologi-
sche Zentrum, unmittelbar rechts des neuen Gebäudes das Viadukt der Stadtbahntrasse. (inter der Rotunde, jenseits des Kupfergrabens, die Gebäude 
der Museumsinsel, von links nach rechts: Bode-Museum, Pergamonmuseum, James-Simon-Galerie.

ANTIKE WELT 5/18


MUSEUMSINSEL BERLIN

Jetzt konzentrieren wir uns auf eine alisierung des Pergamonaltars im Mu-
exquisite Auswahl von 80 überwiegend seum und in seinem ursprünglichen
stei e e We ke , die i ei e i o- topographischen Kontext (Abb. 5). Für
ai e Ausstellu gsa hitektu u d i Ersteres wird eine der originalen weib-
Ko i aio it eue uli ediale lichen Gewandstatuen von der Altar-
Inszenierungen sicherlich das Publikum terrasse mit mehreren Lichtquellen in
begeistern werden. Die Inszenierung e s hiede e Fa e u d Li hi te si­
der Ausstellung als solche wird um ei- täten angestrahlt, um anzudeuten, wie
iges d a ais he sei als die o die ursprüngliche Farbfassung ausge-
/ , die Ko ze t aio auf die sehen haben könnte. Für Letzteres ent-
Highlights führt zu inhaltlichen Fo- steht ge ade ei e il is he Se ue z,
kussie u ge , u d eue uli edi- die fast die gesamte Rückwand der Aus-
ale e läute de Hilfs itel e de stellungshalle ausfüllen wird. Die Ka-
auch das Ihrige dazu beitragen, dass mera zieht zunächst an der Altarre-
diese neue Schau im Vergleich zur al- ko st ukio i Museu o ei, da
ten sicherlich mindestens genauso löst sich die Saalwand langsam auf,
e folg ei h ode – ie i hofe – u d a ei det si h auf de Stadt-
noch erfolgreicher sein wird. e g o Pe ga o i de A ike. Die
Abb.    Das «Key Visual» der Ausstellung. 
) ei eue Ele e te ö hte i h eko st uie te a ike A hitektu e - Graphisches Grundelement ist der Kreis, der 
besonders hervorheben: Das sog. Pro- schwindet allmählich, bis sich die Si- u. a. auf die Panorama-Rotunde und auf das 
⁰-Panorama anspielt. )n der Mitte der 
je io Mappi g, also die experimen- tuaio de heuige Rui e da ie- Gigant Alkyoneus vom Ostfries des Pergamon-
telle Reko st ukio de a ike Pol ­ tet – und das moderne Bergama mit altars.
h o ie o Ma o statue itels de u ge e de La ds hat i sa f-
variierender Beleuchtung, und die Visu- tes Abendlicht getaucht wird.

Abb.    Blick in die Panorama-Rotunde aus ebenerdiger Perspektive. )m Vordergrund links der mitten im Raum befindliche Treppen- und Aufzugs-
turm zu den Aussichtsplattformen, unmittelbar dahinter Yadegar Asisis künstlerische Rekonstruktion des Nordfrieses des Pergamonaltars. Der 
hier gezeigte Ausschnitt des Panoramas ist aufgrund der ebenerdigen Perspektive verzerrt. Er zeigt den Pergamonaltar und die Altarterrasse mit 
Opferszene.

35
ANTIKE WELT 5/18
Neues aus de A ike sa lu g

Muli ediale Aubereitu ge u d das o de . Ma ka die Sig ale jetzt auf de Tis h. Wi sage ga z deut-
lebensfrohe und -volle Asisi-Panorama, schon spüren, dass das gerade auch lich – in der Ausstellungsbeschrif-
das ja hierfür noch überarbeitet wurde, für die Jüngeren etwas Besonderes tung, im Audioguide –, dass es aus
sind tatsächlich bewährte Methoden, sein wird. Ich glaube aber auch, dass ko se ato is he u d logisis he
die A ike u d da ei au h die Metro- nicht nur die Kinder ihren Spaß daran Gründen nicht zu verantworten war,
pole Pergamon wiederzuentdecken und haben werden, sondern auch alteinge- diesen Fries aus dem Pergamonmu-
auch nochmal anders zu entdecken. sessene Berliner und Berlin-Besucher, seum herauszureißen. Dafür bieten
Welche Besucherinnen und Besucher die vielleicht schon länger nicht mehr wir aber wiederum etwas Neues: Ei-
hate Sie u d Ihre Kollegi e u d Kol- de Weg zu u s auf die Museu si - nerseits werden die 3D-Daten, die das
legen bei der Planung vor Augen? An- sel gefunden haben und von diesem F au hofe ­I situt Da stadt o de
ders gefragt: Mein Patenkind ist frisch neuen Haus angezogen werden. S hließu g des Alta saals e ho-
eingeschult; sollte das Pergamon-In- ben hat und die bislang nur virtuell
terimmuseum auf dem Programm für Was aber sagen Sie Besucherinnen und (also in der Regel nur in Bildschirm-
dessen nächsten Berlin-Besuch stehen? Besuchern, die für den weltberühmten größe) gesehen werden können, zum
Wi gehe s ho da o aus, dass Fries des Altars nach Berlin kommen? e ste Mal : a ei e Wa d p oji-
«Pe ga o . Meiste e ke de a i- Also e st ei al: Wi zeige i e- ziert. Man wird also den Fries kom-
ken Metropole» gerade auch Familien hin den Kleinen Fries, den sog. Tele- plet sehe kö e , au h it e -
mit Kindern ansprechen wird. Und phosfries, in seinen wesentlichen Tei- s hiede e Beleu htu gssituaio e ,
das werden wir auch so anpreisen in len – und zwar im Original, noch dazu mit Heranzoomen von Details, was im
de Öfe tli hkeit, es e de sel st e - in einer ganz speziellen Ausstellungs- Original gar nicht möglich ist. Ande-
ständlich entsprechende Programme architektur, die wir intern die «Tele- rerseits gibt es die genannte Visuali-
für Schulen angeboten. Ich selber bin phos­Bo » e e A . 6 ! Was de sierung zum Altar, die den Nord- und
übrigens auch schon von der Klassen- Großen Fries angeht: Da machen wir Teile des Osf ieses zeigt, u d i Pa-
leh e i ei es Nefe u d Pate - überhaupt kein Geheimnis daraus, norama taucht er selbstverständlich
kindes auf das Interim angesprochen da lege i die Ka te ga z ofe au h auf gl. A . !

Abb.    )n einem Saal der Ausstellungshalle wird neben den originalen Skulpturen vom Dach des Pergamonaltars eine neue Kontextualisierung des be-
rühmten Monumentes geboten: )n einer langsamen filmischen Sequenz sieht man zunächst die rekonstruierte Westfront des Altars im Museum, 
dann peu à peu die rekonstruierte antike Situation auf dem Stadtberg von Pergamon in der umgebenden Landschaft  wie im hier gezeigten Standbild  
und schließlich die Ruine oberhalb des heutigen Bergama in der Gegenwart.

36
ANTIKE WELT 5/18
MUSEUMSINSEL BERLIN

Abb.    )n der sog. Telephos-Box wird ein Großteil der originalen Platten des «Kleinen Frieses»  Telephos-Frieses  des Pergamonaltars präsentiert. 


An der Decke und an der dem Eingang gegenüberliegenden Wand werden verschiedene Beleuchtungssituationen im Wechsel geboten. Sie sollen 
in abstrahierter Form den originalen topographischen Kontext des zum (immel geöffneten Altarhofes und den Blick in die umgebende Landschaft evozieren.

Man merkt, die neue Pergamon-Aus- Pergamonaltar, in dem bislang nur als z ei Säle de a ike A hitektu i
stellung im temporären Ausstellungs- Vo t agssaal ge utzte Theodo ­Wie- Mitel au i d ja de Südlügel it
gebäude hat Energien freigesetzt und ga d­Saal, daue hat ei e i e si e dem Miletsaal und mit dem komplet-
die Freude a der Präse taio der I stallaio gezeigt e de soll. Die te Vo de asiais he Museu i de
isse s hatli he Erge isse ge e kt. Details üsse e st o h ko k eisie t Umbau gehen und seine Ausstellungs-
Wollen Sie überhaupt wieder zurück werden, aber sicherlich werden wir da- lä he e st ei al s hließe üsse .
ins angestammte Pergamonmuseum bei auch aus den Erfahrungen mit dem Das ist dann aber Gegenstand eines In-
oder ist die i o ai e U ge u g des I te i p oiie e . te ie s it je a d a de e !
Interims – irgendwo dazwischen, nicht (Das Gespräch führte Ulfert Oldewurtel,
ganz da – Ihnen schon ans Herz ge- Zum Schluss: Wenn dann voraussicht- Leite de Ges hätsstelle de F eu de de
A ike auf de Museu si sel Be li e. V.
wachsen? li h 2024 die A ike sa lu g ie-
Man kann davon ausgehen, dass der ihre Räumlichkeiten im Pergamon-
die Erfahrungen des Interimmuseums museum beziehen kann, dann wird
schon nachwirken werden, auch über die temporäre Ausstellungshalle nach
die )eit dieses te po ä e Ge äudes ur se hs Jahre ei ge otet oder gar
hi aus. We i ei ige Jah e de einfach wieder abgerissen? Ausstellung
Die E öf u g de Ausstellu g «Pe ga o . Meiste e ke
e ste Baua s h it des Pe ga o u- Nei , es ist jetzt s ho festgelegt, de a ike Met opole u d 6 °­Pa o a a o Yadega
seu s fe iggestellt sei i d, also de dass es eine Nachnutzung geben wird, Asisi» im temporären Ausstellungsgebäude «Perga-
o useu . Das Pa o a a» i d o aussi htli h Mite
No dlügel u d Teile des Mitel aus, die da i ht o u s, de A ike - No e e 8 e öf et e de .

und wir mit unserer griechischen Ar- sammlung, geleistet werden wird, son-
chitektur und dem Pergamonaltar dort dern von anderen Sammlungen auf der )nterviewpartner:
wieder präsent sein werden, dann wird Museumsinsel. D . Ma i Mais h e ge
Stellv. Direktor
das Haus nicht mehr so aussehen wie Es liegt ganz besonders nahe, dass A ike sa lu g
Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
vor Beginn der Generalsanierung. zunächst unsere Kolleginnen und Kol- Geschwister-Scholl-Straße 6
Es ist Bestandteil unserer Planun- lege o Vo de asiais he Museu D-10117 Berlin

ge , dass i Muli edia­A e du - zu )uge ko e . Na h Fe igstel-


Bildnachweis
gen auch ins eigentliche Pergamon- lu g des e ste Baua s h its u d Wie-
Abb. 1: © spreeformat architekten GmbH; Abb. 2–6:
museum integrieren werden. Unter de e öf u g des No dlügels it de © Asisi.

anderem dadurch, dass hinter dem Museum für Islamische Kunst) und den

37
ANTIKE WELT 5/18
PREISRÄTSEL

GEORGIEN
Wie gut ke e Sie die Welt der A ike? Hier kö e Sie es u ter
Be eis stelle … u d ge i e !

6
G

5
E
BEI RICHTIGER O
EINSENDUNG WINKEN
WERTVOLLE PREISE: R 2
. Preis:
Ho h erige Kopie der golde e Lö e -
G 3
figur o Ts ori. Das Origi al gehört
zu de eka teste Fu de Georgie s I
u d ist glei hzeiig die älteste eka te 4
golde e Klei plasik des Südkaukasus.
Es sta t aus de ausgegra e e
1
E
Hügelgra o Ts ori i Ostgeorgie .
Trotz Plü deru g lie diese klei for a-
ige Ar eit aus der z eite Hälte des N 7
. Jts. . Chr. i Gra zurü k. Die Figur
die te ögli her eise als erziere der
Aufsatz ei es Holzgege sta des, orauf
Öff u ge i Balle erei h der Pra ke
so ie der eit a h u te rei he de Die folge de Begriffe si d je eils • A iker georgis her Staat i Kau-
S h a z hi deute ; er sy olisiert die aagere ht u d unabhängig von kasus;
herrs hatli he Posiio der Verstor-
e e . Die Lö e figur gehört zu de der a gege e e Reihe folge i die • Bedeute de eolithis he Erfi du g;
älteste i Wa hsauss h elz erfahre Rätselfigur ei zutrage : • Kegelför iger Gra hügel i Georgie ;
gegosse e Golds h iedeku st er- • Ältestes Gold erg erk der Welt;
ke Georgie s, Größe: , la g u d
, ho h ie Origi al . • Bezei h u g ei er ro zezeitli he • Historis hes Kö igrei h z is he
Kultur i Ostgeorgie ; de Kaukasus u d der Ostküste
.– . Preis:
• Älteste eolithis he Siedlu g i des S h arze Meeres.
Vier Bü herpakete aus de Verlags-
progra Philipp o )a er s i Wert heuige Georgie ;
o je € ,– D . • Helde der grie his he Mytho- Bei ri higer Lösu g ergi t die
logie auf der Su he a h de Ziffer folge ei e Begriff aus der
.– . Preis:
Golde e Vlies; Ges hi hte der Ar hitektur.
Fü f Bü herpakete aus de Verlags-
progra Philipp o )a er s i Wert
o je € ,– D .

1 2 3 4 5 6 7
Ei se des hluss ist der . . 8
Postste pel . )ur Ei se du g Ihrer
A t ort se de Sie ite ei e Karte
a WBG Wisse s hatli he Bu hge- AUFLÖSUNG UND GEWINNER DES PREIS� ES HABEN GEWONNEN:
sells hat , Redakio ANTIKE WELT, RÄTSELS IN ANTIKE WELT HEFT / . Preis: Elke E gelhardt-Fla er D- Gu del-
Hi de urgstr. , D- Dar stadt, Die Ei zellösu ge laute : fi ge /Brsg. .
oder ei e E-Mail a a -redakio @ – . Purpurkodizes, – . Strategos, – . Sta os, .– . Preis: Herr a Fra k D- Ster e fels ;
g- isse er i det.de. Das Lösu gs- – . Straiote , – . Narses, – . Solidus, – . Sassa- Joha Eggert D- Ha urg ; Ire e S h arz-
ort ird i ä hste Het eka t- ide rei h, – . Hagia Sophia, – . Ala astro , fis her D- Göi ge ; Krisi a Radday
– . Nikaaufsta d, . Dia a t. D- Clausthal-)ellerfeld .
gege e . Mitar eiter des Verlages .– . Preis: Klaus Krause D- Berli ; So ja
u d dere A gehörige kö e i ht Güdel CH- Ersige ; Brigite Harperath
teil eh e , e e so ist der Re hts eg Gesa tlösu g: M I L I A R E N S E D- Bad Ho ef ; Wolfga g Möller D-
ausges hlosse . S hles ig ; Chrisia e E eli g D- Berli .

38
ANTIKE WELT 5/18
DER MÜNCHNER OLYMPIA-GIEBEL
45 Jahre später

Vor 45 Jahren, im Mai 1973, wurde im Deutschen Museum in München der monumentale
A guss des Westgie els o )euste pel i Ol pia de o iert. U de A au der
Ke tauro a hie ga es i der Lokalpoliik, i der Mü h er Be ölkeru g u d i der Ar häo-
loge -Welt u zählige Diskussio e . Da urde es ruhig u die Figure , sie geriete
aus de Bli k der Öfe tli hkeit, urde u si ht ar: Ma lagerte sie ei i Depots u d auf
Spei her des Museu s für A güsse Klassis her Bild erke. Nu a er, fast ei hal es
Jahrhu dert später, ist es gelu ge , die A güsse ieder ihre eige tli he ) e k zuzuführe .
Als Dauerleihga e i ei e Mü h er G asiu solle sie era s hauli he u d
sehe lehre , u d dies i doppelter, realer u d irtueller, Präse z.

o Ruth Bielfeldt, Ma uel Hu ziker u d


Nele S hröder-Grie el gips bestehenden Abgüsse wurden per Bereits zum Ende des Jahres war die
Hand, ohne schweres Gerät, in den aus Ausstellung wieder abgebaut worden;
nlässlich der Olympischen Spiele Stahlgerüsten rekonstruierten Giebel über die Zukunft des Giebels aber
A in München wurde am 1. Juli 1972
im Deutschen Museum eine große
hineingehievt (Abb. 2). Der Giebel
war einerseits bahnbrechend, ander-
wurde man sich nicht einig: Während
sich die Öffentlichkeit und auch das
Ausstellung über das antike Olympia seits traditionell: Zum ersten Mal Olympische Komitee für Verbleib und
eröffnet (Abb. 1). Diese Schau feierte zeigte eine Rekonstruktion die Figu- Erhaltung der Rekonstruktion ausspra-
nicht nur die archäologische Stätte ren im Giebelfeld – die Rekonstruk- chen, war die Museumsleitung strikt
und damit die Wurzeln der Olympi- tion und die Anordnung der Figuren dagegen, und dies obwohl der Giebel
schen Spiele, sondern informierte selbst aber war den Arbeiten von Ri- dem Museum als Geschenk überlas-
auch über die Erforschung Olympias, chard Grüttner und Georg Treu aus sen worden wäre. Der Abbruch war
denn genau 100 Jahre zuvor hatten den er Jahren verpflichtet. beschlossene Sache, wurde aber im-
dort die deutschen Grabungen be- Die ästhetische Wirkung des Giebels mer wieder verschoben, da sich keine
gonnen. Eines der Glanzstücke war im Deutschen Museum war enorm: Die neue Heimstatt für die Kentauro-
die maßstabsgetreue Rekonstruktion Standfläche der Figuren lag auf einer machie finden ließ. Viele Vorschläge
des Westgiebels vom Zeustempel in Höhe von rund 6 m, so dass das Mo- wurden gemacht und verworfen: die
Olympia samt Figuren, die der Ar- nument, das sich über 28 m Breite und Allerheiligenhofkirche, in deren Räum-
chäologe Berthold Fellmann mit Pe- in eine Höhe von 10 m erstreckte, zu- lichkeiten das Museum für Abgüsse
ter Grunauer vom Institut für Bauge- nächst von unten aus zu betrachten einziehen sollte, das Marathon-Tor
schichte der Technischen Universität war, wie im antiken Olympia selbst. im Olympiagelände oder «der Be-
München anfertigen ließ. Die Abgüsse Über Treppen und eine Galerie konn- reich der Glyptothek». Zugleich lehnte
der Figuren wurden in der Berliner ten sich die Besucher dann Schritt für man Kaufangebote, etwa von einer
Gipsformerei aus historischen For- Schritt der Kentauromachie nähern. Friedhofsverwaltung in den USA, ab.
men des 19. Jhs. hergestellt. Im Ap- Es entwickelten sich konkrete Pläne,
ril und Mai 1972 erfolgte der Trans- Nach der Ausstellung den Giebel in der ehemaligen Staats-
port der Abgüsse nach München – ein Nach nur zwei Monaten Laufzeit zählte bauschule München unterzubringen:
Kraftakt für die Berliner Kollegen und die Ausstellung bereits 5  Besucher. im Innenhof, in der Aula oder an der
für all jene, die den Giebel im Trep- Und Anfang September 1972, gegen Außenfassade; auch sie scheiterten.
penhaus vor der Bibliothek im Deut- Ende der Spiele, fragte sich die Öffent- Schließlich ließ das Deutsche Museum
schen Museum aufbauen mussten. lichkeit erstmals: «Bleibt der Tempel- den Giebel im Frühjahr 1973 abbauen
Denn die aus armiertem Alabaster- giebel im Museum?» und die Statuen in den eigenen De-

39
DER MÜNCHNER OLYMPIA-GIEBEL – 45 Jahre später

  Abb. 1 Der Westgiebel im Treppenhaus des Deutschen Museums in München (1972).


Holen Sie sich den Giebel virtuell nach Hause! Laden Sie sich im Google Play Store oder Apple App
Store unsere kostenlose App «Museum für Abgüsse München» herunter und los geht’s.

 

Abb. Kontaktabzüge von Ankunft und Aufbau der Gipse im Deutschen Museum .

pots einlagern; der Architekturdekor Trotz der Weitläufigkeit der Ausstel-


wurde dabei unwiederbringlich zer- lungsflächen sollte sich auch im Mu-
stört. Erst 1976 übernahm das Mu- seum für Abgüsse kein Ort für die Auf-
seum für Abgüsse Klassischer Bild- stellung der riesigen Kentauromachie
werke die Giebelfiguren. Das Museum, finden. Allein der Apoll stand in den
das nach dem Zweiten Weltkrieg in öffentlichen Bereichen des Museums:
das ehemalige Parteizentrum der NS- ein einsamer Stellvertreter. Die übri-
DAP, das heutige Haus der Kulturins- gen Kampfgruppen wurden eingela-
titute, am Königsplatz eingezogen war, gert. Neben dem Platzmangel gab es
hatte 1973 bereits nahezu alle ande- ein zweites Problem: Als archäologi-
ren Abgüsse und Kopien aus der Aus- sches Studienobjekt erschien der Gie-
stellung erhalten. bel damals nur bedingt geeignet, da
die Ergänzungen Grüttners und Treus
den Blick auf die antiken Statuen «ver-
fälschten». In den letzten Jahrzehn-
Abb. 3 Schülergruppe des Wilhelmsgymnasi-
ums bei der Reinigung der Giebelfiguren im Ab- ten fand der Giebel seine stille Bleibe
guss-Museum. in dem nicht öffentlich zugänglichen
Speicher des Hauses und war nur für
Seminargruppen der Klassischen Ar-
chäologie und vereinzelte Gäste von
Museum oder Archäologischem Insti-
tut zugänglich.

Gipse a he S hule
Vor wenigen Jahren kam man auf eine
ebenso zündende wie ungewöhnliche
Idee: Das humanistische Wilhelms-
gymnasium in München stand vor ei-
ner grundlegenden Sanierung und bot
sich als neue Heimat für den Giebel an.
Das Projekt, den Kentauromachiegie-
bel als Dauerleihgabe einer Schule zu
überlassen, verfolgt eine besondere
Mission: Abguss-Sammlungen haben

40
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

eine lange Tradition als Ausbildungs- auflösenden Streifenlichtscanner, den Modells abfragbar sind. Die derzeitige
stätten für Schülerinnen und Schüler, SmartScan von AICON 3D Systems, ein- Basisfunktionalität soll in den nächs-
für Lehrerinnen und Lehrer; vor hun- gesetzt, der aus Berufungsmitteln am ten Jahren kontinuierlich in einer Ko-
dert Jahren waren sie Ziel «archäolo- Lehrstuhl (LMU) angeschafft werden operation zwischen Schülerinnen und
gischer Ferienkurse», heute sind sie konnte. Die dreidimensionale Digitali- Schülern, Studierenden und Wissen-
Fokus von Lehrerfortbildungen. Seit sierung ist zunächst nichts anderes als
dem 19. Jh. verteilte man von staatli- eine Form der Dokumentation der Gie-
cher Seite Gipsabgüsse zur Lehre und belfiguren. Für unser Museum und )ns- Abb. 4 Die Abgüsse werden im Juli 2018 in
Ausbildung an Schulen. In diesem Sinn titut bleibt der Giebel so auch nach der das Wilhelmsgymnasium eingebracht.
knüpft das Projekt des «Giebels im Überführung ins Wilhelmsgymnasium
Gymnasium» an die historische Auf- präsent. Das 3D-Modell soll die Studie-
gabe von Abguss-Sammlungen an. Zu- renden und )nteressenten u. a. über
gleich stärkt und vertieft es die breit die neue Museums-App («Museum
angelegten bestehenden Kooperatio- für Abgüsse München») erreichen
nen des Museums mit Schulen aus Mün- (vgl. Abb. 1), es kann in die univer-
chen und Umgebung: Die Schülerin- sitäre Lehre integriert und zur For-
nen und Schüler haben sich in den schung verwendet werden.
letzten zwei Jahren intensiv mit dem Auch für die Wissensvermittlung im
Giebel befasst, sich mit der Geschichte Rahmen der gymnasialen Ausstellung
der Originale und der Abgüsse ausein- bietet das angefertigte 3D-Modell viel-
andergesetzt, Archivrecherchen getä- fältige Möglichkeiten. Auf den einge-
tigt, die Figuren gereinigt und für den richteten Medienstationen finden die
Transport mitvorbereitet (Abb. 3). Im Schülerinnen und Schüler die virtuellen
Juli 2018 brachte ein Kran sie in einer Statuen in der gängigen Anordnung und
aufsehenerregenden Aktion durch ein können mit diesen über Berührungen
Fenster im dritten Obergeschoss in interagieren. Nur auf dem Bildschirm
die Schule ein (Abb. 4). lassen sich Details der bis zu 3,50 m
hohen Abgüsse näher betrachten. Das
Moder e Te h ik u d Ver itlu g 3D-Modell eignet sich zudem hervor-
An ihrem neuen Aufstellungsort ent- ragend als Wissensspeicher. So können
steht nun eine digitale Ausstellung um Hintergrundinformationen zu einzel-
die Abgüsse herum. Noch im Museum nen Statuen eingespeist werden, aber
haben wir hierfür 3D-Scans aller Figu- auch ganze Themenblöcke, die mithilfe
ren angefertigt und dabei einen hoch- von Klicks auf bestimmte Details des

41
ANTIKE WELT 5/18
DER MÜNCHNER OLYMPIA-GIEBEL – Jahre später

und Virtual-Reality-Anwendungen zu-


rück in die Museums- und Institutshal-
len holen. Welcome back!

Adressen der Autoren


Prof. Dr. Ruth Bielfeldt
Lehrstuhl für Klassis he Ar häologie
Lud ig-Ma i ilia s-U i ersität Mü he
Kathari a- o -Bora-Straße
D-80333 München
Tel.: /
ielfeldt@l u.de
Ma uel Hu ziker M.S . M.A.
Projektstelle Digitale Ar häologie
Depart e t für Kultur isse s hate u d
Altertumskunde
I situt für Klassis he Ar häologie
Lud ig-Ma i ilia s-U i ersität Mü he
Kathari a- o -Bora-Str.
D-80333 München
Tel.: /
a uel.hu ziker@l u.de

Abb. 5 Sog. Peirithoos: 3D-Modell (links); Modell mit Visualisierung der originalen (beige) und der er- Dr. Nele S hröder-Grie el
gänzten (bläulich) Partien (mittig); Modell mit möglicher Rekonstruktion antiker Farbigkeit (rechts). Museu für A güsse Klassis her Bild erke
Kathari a- o -Bora-Straße
D-80333 München
Tel.: /
.s hroedergrie el@l u.de
schaftlern der LMU erweitert werden. gen des sog. Peirithoos haben wir be-
Ein zentrales Anliegen unseres 3D- reits umgesetzt (Abb. 5). Außerdem soll Bildnachweis
Projekts aber ist der archäologische das digitalisierte Modell als Marker für A . : Museu für A güsse Klassis her Bild erke Mü -
he , Na hlass Gru auer; : Museu für A güsse
Erkenntnisgewinn und die experimen- Augmented Reality zu nutzen sein, wo- Klassis her Bild erke Mü he , Na hlass Gru auer;
: Foto: Feli itas Augusi o ski; : Museu für A güsse
telle Veranschaulichung des Giebels in durch die Informationen und Visuali- Klassis her Bild erke Mü he , Foto: Ro Hessi g;
: Visualisieru ge o M. Hu ziker.
antiker Wahrnehmung. Geplant ist zu- sierungen direkt auf den Abguss proji-
nächst dreierlei: die interaktive Visuali- ziert werden können, vorausgesetzt er
Literatur
sierung unterschiedlicher Anordnungs- wird durch ein Smartphone oder Tab- Jahre deuts he Ausgra u g i Ol pia. Ausstellu g
szenarien der Kampfgruppen, die ex- let betrachtet. Anlässlich des 2019 an- Mü he .

perimentelle Darstellung der Farbig- stehenden Jubiläums des Museums für P. GRUNAUER, Der Westgiebel des Zeustempels von
Ol pia. Die Mü h er Reko strukio . Aubau u d
keit des Giebels sowie die dreidimensi- Abgüsse in Verbindung mit dem Institut Erg e isse, i : Jahr u h des Deuts he Ar häologis he
I situts –
onale Kartierung des Originalbestandes für Klassische Archäologie werden wir
V. FÄRBER, Ei Ol pia-Gie el auf de Da h ode ,
und der historischen Rekonstruktio- den Giebel schließlich – da real nicht i : A iso f.
nen. Zwei exemplarische Visualisierun- mehr gegenwärtig – mit Augmented-

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42
ANTIKE WELT 5/18
AUSGEZEICHNET
Die Trophäen der Wettstreiter

O i Krieg oder Friede : die grie his he Welt ar faszi iert o Wet e er grie his h:
฀γών . Nahezu jede Täigkeit e fa hte i de Grie he das Stre e , de je eils
A dere zu ü ertrefe . So esaß eso ders der Sport i Hellas ei e u erglei hli he
Stelle ert. Für de Sieger loh e s ert ar das Pri ileg – ie ei de Spiele i
Ol pia oder Delphi – stolz ei e Öl- oder Lor eerkra z auf de Kopf zu trage . Sieges-
trophäe für erfolgrei he Athlete are seit de )eite Ho ers a er ge auso
etalle e Gefäße, dere Material ert allei sie s ho zu kost are Besitz a hte.

o Floria K auß Abb. 1 Gefüllte Hydrien tragen die Frauen senkrecht, während sie die leeren Gefäße waagrerecht
auf den Kopf legen. Attisch-schwarzfigurige (ydria der Leagros-Gruppe, um v. Chr.

m . und . Jh. v. Chr. ist unter den


I Bronzegefäßen die Hydria die belieb­
teste Form als Siegespreis. Im Alltag
brachten Frauen damit Wasser von der
Quelle oder dem Brunnen nach Hause,
wie zahlreiche Vasenbilder aus Athen
bezeugen (Abb. 1). Doch gerade die
metallenen Hydrien – aus Bronze, sel­
tener auch aus Silber – wurden meist
in Gräbern, gelegentlich auch in Hei­
ligtümern gefunden. Auch bei rituel­
len Handlungen wie der Waschung der
Toten oder bei Opferhandlungen so­
wie als Losurne oder Schatztruhe ka­
men sie zum Einsatz. Mit dem engen
Hals und dem weiten Bauch eignen sie
sich schließlich zur Aufnahme des Lei­
chenbrandes. Die großen Metallgefäße
bestanden aus mehreren Teilen, die oft
durch Nieten miteinander verbunden,
seit dem . Jh. v. Chr. dann zunehmend
verlötet waren: Während der Körper
aus Bronzeblech getrieben war, wur­
den Fuß, Henkel und der Mündungs­
rand gegossen.
Um die Wende vom 6. zum 5. Jh.
v. Chr. kam eine Formvariante mit flie­
ßenden Konturen auf, die von den Ar­
chäologen als Kalpis bezeichnet wird.
Sie löste sukzessive die traditionelle
Hydrienform ab, bei der Hals, Schul­
ter und Körper deutlich voneinander

43
ANTIKE WELT 5/18
AUSGEZEICHNET – Die Trophäe der Wetstreiter

abgesetzt sind. An der Stelle, wo die lich einen plastischen Perlstab am äu­ Auf dem Mündungsrand liest man
Henkel ansetzten – zwei waagerechte ßeren Rand der Mündung, und ein die )nschrift Ν Α Α
knapp unterhalb der Schulter zum umlaufender Eierstab verziert die he­ ΑΝ Abb. : «Aus Knidos,
Anheben und ein vertikaler an der rabhängende Lippe. Der Deckel wurde Siegespreise von Poseidon». Die Buch­
Rückseite des Gefäßes zum Ausgie­ offensichtlich zu einem späteren Zeit­ stabenformen sind charakteristisch
ßen und Festhalten –, waren die Hy­ punkt hergestellt, möglicherweise als für die Dorische Hexapolis und ihre
drien in archaischer Zeit in der Regel der letzte Besitzer der Hydria sie für Nachbarstädte und legen eine Datie­
plastisch verziert. Im Laufe des 5. Jhs. eine Verwendung als Graburne vor­ rung in den letzten Jahrzehnten des
v. Chr. wurden die (enkel zunehmend sah. Er besteht aus einem Bronzeblech . Jhs. v. Chr. nahe. Das hier genannte
schlichter gestaltet. mit konisch ausgezogenem Knauf so­ Knidos ist wohl die alte, in der Mitte
wie einem mit der Deckelunterseite der Halbinsel bei dem modernen
Ei e Kalpis gi t Rätsel auf verlöteten zylindrischen Einsatz, der Datça gelegene Stadt. An der Spitze
Eine Bronzekalpis in München (Abb. 2. exakt an das Halsinnere der Kalpis an­ der Halbinsel befand sich ein alter
3) ist nahezu schmucklos, trägt ledig­ gepasst ist. Kultplatz, das Triopion, wo der my­

Abb. 2
Bronzekalpis,
– v. Chr.

44
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

thische Gründer der Stadt, Triopas,


gelandet sein soll. Zu Ehren des He­
ros feierten dort die Knidier ein Fest,
die sog. Triopia. Gegen Ende des
. Jhs. v. Chr. verlegten sie dann auch
ihre Stadt an diesen Platz. Die Op­
ferfeier und die Spiele wurden spä­
ter von den Mitgliedern des Dori­
schen Städtebundes – Kos, Knidos,
Lindos, Kamiros, Ialysos und anfangs
auch noch Halikarnassos – ausgerich­
tet. Geweiht waren die Spiele vor al­
lem Apollon, der neben Aphrodite
Schutzgott der Stadt war. Eine lite­
rarische Quelle belegt für das Trio­
pische Fest von Knidos jedoch auch
die Verehrung des Poseidon. In den
Scholien zu Theokrit XVII, dem Hym­
nus auf Ptolemaios, ist nämlich ange­
merkt, dass die Triopia als Festspiele
zu Ehren des Apollon, des Poseidon
und der Nymphen gefeiert worden
seien. Die Aufschrift der Münchener
Kalpis bestätigt nun die bisweilen an­
gezweifelte Richtigkeit des antiken
Abb. 3 Inschrift auf der Mündung der Münchner Kalpis.
Kommentators. Poseidon galt nach
einer mythischen Tradition als Trio­
pas Vater, und so ist es nicht verwun­
derlich, dass auch seiner bei diesen
Spielen gedacht wurde. er diesen Preis mitgenommen hat. Er
wird die Auszeichnung in seiner Hei­ Adresse des Autors
Des Rätsels Lösu g? matstadt stolz präsentiert haben. Auf Dr. Floria K auß
Staatli he A ike sa lu g u d Gl ptothek Mü he
Interessanterweise erzählt Herodot jeden Fall war das nicht die letzte Kathari a- o -Bora-Straße
D- Mü he
(1,144), dass die Sieger bei den Trio­ Bestimmung des Gefäßes. Vielleicht
pischen Agonen eherne Dreifüße als wurde der Mann schließlich selbst da­ Bildnachweis
Siegespreise erhielten. Sie durften rin bestattet und die Kalpis begleitete A . : Staatli he A ike sa lu ge Mü he ,
SH ; – : Staatli he A ike sa lu ge Mü he ,
diese aber nicht mit nach Hause neh­ ihn gleichzeitig als Verweis auf seinen NI .
men, sondern mussten sie im Hei­ einstigen Erfolg auf die letzte Reise.
ligtum bei der Wettkampfstätte dem Es ist aber auch gut möglich, dass der Literatur
Apollon Triopios weihen. Die Münche­ Siegespreis von Knidos noch durch D. BERGES, K idos. Beiträge zur Ges hi hte der ar hai-
s he Stadt .
ner Kalpis lässt nun darauf schließen, mehrere Hände ging, bevor das kost­
F. KNAUSS, Die Ku st der A ike .
dass die Sieger bei den Triopia den­ bare Bronzegefäß letztendlich in ein
noch einen Preis mitnehmen durften, Grab gelangte. A. SOWDER KOCH, Far fro the Fou tai . I s ripio s
o Bro ze H driai a d the Uses of Water Jars i A ie t
der ihnen zu Hause als Beweis für ih­ Aktuell wird das prächtige Werk ei­ Gree e, i : Ba es h – .

ren Erfolg dienen konnte: eine Bron­ nes griechischen Toreuten am Münch­ E. TRINKL, Sa red a d Profa e Use of Greek H driai,
i : A. Tsi garida Hrsg. , Shapes a d Uses of Greek Vases
zehydria, die ihnen im Namen des Po­ ner Königsplatz im Rahmen der Son­ th – th e turies B.C. . Pro eedi gs Bru elles.
seidon überreicht worden war. derausstellung «Schimmernde Krüge . – . April – .

Für immer unbekannt bleiben wird, von Erz» prominent präsentiert, wo R. WÜNSCHE / F. KNAUSS Hrsg. , Lo ke der Lor eer
.
woher der Sieger stammte, dem diese die Formen und Funktionen antiker
Kalpis einst in Knidos als Sieges­ Metallgefäße sowie deren Entwick­
trophäe überreicht wurde und wohin lung insgesamt beleuchtet werden.

45
ANTIKE WELT 5/18
SELBSTDARSTELLUNG IM RÖMISCHEN STIL
Philippianus und sein Landgut im spätrömischen Sizilien

Sizilie a i de A ike fü sei e la d i ts hatli he P oduki ität e üh t, jedo h u de


u e glei hs eise e ige Ville auf de I sel ausgeg a e . Ei e o ih e ist das
g oße La dgut Ge a e i I la d o Sizilie ahe Piazza A e i a, das a h de a häologi-
s he Ausg a u ge i de letzte Jah e esse eka t i d. Selte isse i it
Si he heit, e diese ö is he La dgüte esaß, es sei de , Fu de o I s h ite hel-
fe u s diese F age zu ea t o te , ie i Falle des La dgutes i Ge a e.

o Roge Wilso der in einer vorherigen Generation auf und diese mit seinem Namensstempel
seinem Landgut errichtet worden war, versehen, so dass er sie für notwendige

K urz nach der Mitte des . Jhs. n. Chr.


schaute ein junger sizilianischer
Gutsbesitzer namens Philippianus auf
und bemerkte, dass kleinere Reparatu­
ren am Dach notwendig waren. Er hatte
schon einen Ziegelofen errichtet, um
Reparaturen benutzen konnte. Bei sei­
nem ersten Brennprozess erzielte Phil­
ippianus nicht das beste Ergebnis – die
seinen großen und soliden Speicher, seine eigenen Dachziegel zu brennen, Ziegel waren aufgrund der zu langen

Abb. 1 Das Gelände von Gerace aus südöstlicher Richtung. Das Grundstück liegt in der Mandelplantage im Vordergrund des Fotos.

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THEMENPANORAMA

Abb. 2
Lageplan der spätrömischen und
frühbyzantinischen Überreste
.– . Jh. n. Chr. , die bis zum Ende
der Ausgrabungen 2017 untersucht
wurden. Area A ist die spätrömische
Villa; Area B der große Speicher,
der der Villa vorausging; Area D
zeigt das spätrömische Badehaus;
die Area E ud F sind Standorte der
Brennöfen (der letzte Ofen in Area E
entstand zur Zeit des Philippianus,
der erste in Area F im . Jh. n. Chr. .
)n Area C finden sich hauptsächlich
Überreste aus dem . Jh. n. Chr.,
die Teil eines Dorfes sind, das sich in
frühbyzantinischer auf den
Überresten des spätrömischen
Landgutes entwickelt hat.

Brennzeit grün geworden – aber er Gerace liegt im gut bewässerten mer detaillierteren Kenntnissen über
verwendete sie trotzdem. Bald darauf Inland von Sizilien, 650 m über dem die Anlage führen. Geophysikalische
ereignete sich ein katastrophaler Ein­ Meeresspiegel Abb. . Die berühmte Untersuchungen ergaben, dass dort
sturz des Speicherdaches, als ein star­ spätrömische Villa von Piazza Arme­ neben dem gedrungenen Villenkom­
kes Erdbeben Sizilien erschütterte, wie rina ist nur 15 km entfernt. Gerace plex mindestens ein halbes Dutzend
uns der Schriftsteller Libanius (314– wurde als römischer Fundplatz be­ weiterer Strukturen vorhanden wa­
n. Chr. berichtet. Dieser schreibt, kannt, als im Winter 1994 ein Was­ ren, die nun durch Ausgrabungen
das Erdbeben habe sich unter oder serrohr das Gelände überflutete und teilweise untersucht werden. Mo­
kurz nach der Herrschaft des Kaisers die Ecke eines Mosaiks freispülte. Da­ mentan geht man davon aus, dass das
)ulianus – n. Chr. ereignet. rauffolgende archäologische Unter­ Anwesen von Gerace eine Fläche von
Philippianus stellte schnell fest, dass suchungen legten die oberen Wand­ , ha umfasste Abb. .
die Schäden nicht mehr repariert wer­ bereiche von einer kleinen Villa,
den konnten, so dass er ein neues Bau­ bestehend aus zehn Räumen, frei und De g oße Spei he
programm anstieß. Aber was geschah zeigten, dass ein Korridor sowie ein Bereits für v. Chr. ist für Gerace
nun auf diesem Landgut im Herzen von Esszimmer mit geometrischen Mo­ ein indirekter Kontakt mit den Grie­
Sizilien, heutzutage unter dem Namen saiken ausgestattet waren. Seit 2012 chen nachgewiesen, der auf dem Fund
«Gerace» bekannt, und was wissen wir führt die UBC systematische Ausgra­ von attischer, schwarzfiguriger Ke­
noch über Philippianus? bungen in Gerace durch, die zu im­ ramik basiert. Auf n. Chr. gehen

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die frühesten Strukturen aus der Rö­ vor dem Einsturz datieren. Die Tat­ Ei e u olle dete Villa?
merzeit zurück, die durch den Bau sache, dass der gepflasterte Fußbo­ Wir wissen nicht, wo Philippianus
des Speichers um n. Chr. zer­ den 1,65 m vor den Außenwänden lebte, als sich das Unglück um 361/363
stört wurden. Der Speicher war ein auf jeder Seite endet, lässt vermuten, n. Chr. ereignete. Sein (aus mag un­
eindrucksvolles Gebäude, fast 50 m dass Holzbeschläge und Getreidebe­ terhalb der kleinen Villa gelegen ha­
lang und 18 m breit, der durch seine hälter die lange Außenmauer säum­ ben, die er bald darauf, um n. Chr.,
mörtelgefüllten Wände und den aus ten. Die tausenden Dachziegel waren neben dem zerstörten Speicher er­
Steinplatten gefertigten Flur perfekt schlicht gehalten, wiesen jedoch die richtete, oder er war bis zu diesem
erhalten geblieben ist. Dem Bau liegt Fingerabdrücke des Dachdeckers auf, Zeitpunkt nicht auf seinem Landgut
der Grundriss einer Basilika mit ei­ die sich in den dicken Rand der Ziegel anwesend. Sein neuer Wohnsitz besaß
nem zentralen Mittelschiff und zwei hineingedrückt haben. Auffällig ist einen kompakten Grundriss mit nicht
Seitenschiffen zu Grunde; er wurde eine Gruppe von sechs Dachziegeln, mehr als zwölf Räumen und zwei,
wahrscheinlich für die Lagerung die mit dem Namen Philippianus ge­ möglicherweise auch drei, Korridoren
der landwirtschaftlichen Erträge ge­ stempelt waren. Diese wurden alle an Abb. . Es gab einen kleinen, abge­
nutzt. Im Inneren haben sich verein­ einer kleinen Stelle gefunden – ein grenzten Badebereich, der auf einem
zelt Funde erhalten, die in die Zeit Hinweis auf seine Dachreparatur. erhöhten Niveau etwas weiter östlich

Abb. Detailplan der spätrömischen Villa Area A von etwa n. Chr. Der Eingang befand sich an der südwestlichen Ecke und führte in den mit Mosaiken
verzierten Südkorridor. Davon gingen die Räume möglicherweise die Küche? , ein Raum mit einfachem weißen Kalkmörtelboden und
ein kleiner, mit Mosaiken verzierter Speiseraum ab. Der Westkorridor hatte einen einfachen Boden aus gestampfter Erde. Der größte Raum, Raum ,
der im Westflügel liegt, hatte einen Boden aus «opus signinum». Raum datiert in die frühbyzantinische Periode und überdeckt damit die Ruinen
des römischen Gebäudes.

Raum 10 Raum 11

Raum
Nordkorridor? 5
Westkorridor

Raum 7 Raum 4 Raum 3

Raum 8 Raum 1 Raum 2 Raum 6

Raum 9 Süd-
korridor

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THEMENPANORAMA

des Hauses lag. Teile dieser Badean­


lage wurden auf den Ruinen des west­
lichen Seitenschiffes des zerstörten
Speichers errichtet, so dass wir wis­
sen, dass der Badebereich später ent­ 1 2
standen ist. In Raum 1 lag die Küche,
deren Boden aus festgetretener Erde
bestand und deren Wände unverputzt
waren. Raum 2 war ein Servierraum
für das benachbarte Speisezimmer
und besaß einen weißen Mörtelfuß­
boden sowie weiß verputzte Wände.
Der Boden von Raum 7, der größte
von allen, war mit opus signinum aus­
gelegt. Die Ausstattung lässt auf keine
hohe Stellung des Besitzers schließen,
da lediglich der Speiseraum Raum
und der südliche Korridor mit Mosaik­ 4
böden ausgestattet waren. Im Gegen­ 3
satz dazu bestand der Fußboden des
westlichen Korridors immer aus ge­
stampfter Erde. Dass Philippianus die
Villa errichtete, überliefern uns über
100 gefundene Dachziegel, die entwe­
der mit seinem Namen versehen sind 6 8
7
oder zum selben Dachziegel-Typus 5

gehören. Aber war nun Philippianus


doch so arm, dass er bei Besuchern
die übrigen Räume verschloss und
seine Gäste über den südlichen Korri­
dor in die mit Mosaiken ausgestatte­
ten Räume führte, um so ein falsches
Bild über seinen Wohlstand zu ver­ 9 10
mitteln? Oder – was viel wahrscheinli­
cher ist – ist der Erdboden des westli­
chen Korridors ein Beweis dafür, dass
die Villa nie vollendet wurde?

Die Da hziegel des Philippia us


Bei den Ausgrabungen des Gelän­
11
des wurden mehr als 250 Dachzie­
gel gefunden, die alle unter Philip­ 0 5
pianus hergestellt wurden und elf cm
verschiedene Stempelmotive aufwei­
sen Abb. . Es finden sich teils meh­ Abb. 4 Die verschiedenen Dachziegelstempel, mit denen Philippianus seine selbst produzierten
rere Stempelmotive auf einem Ziegel. Dachziegel gekennzeichnet hat. Dabei fällt die häufige Darstellung von Pferden auf, die auf den
Daraus ergeben sich Querverbindun­ Stempeltypen und – zu sehen sind sowie auf der Markierung im )nneren des Stempeltyps ,
bei der es sich auch um einen Hinweis auf Pferde handeln kann, wenn man das Zeichen als Hufab­
gen, die belegen, dass die Stempel zeit­ druck interpretiert. Die Stempeltypen und zeigen die Worte SALVS «(eil / Rettung», aber
gleich in Gebrauch waren. Tatsächlich auch «Gesundheit / Wohlbefinden» und TVTELA «Schutz», im Sinne von «gib‘ auf dich acht!»
als )nschriften in der Gestalt eines Delfins. Diese letzten zwei Stempeltypen finden sich normaler­
wurde einer der Ziegelöfen, in denen weise, aber nicht ausnahmslos, an den Rändern von Dachziegeln, die andere Stempel auf der
diese gestempelten Dachziegel herge­ Fläche der Dachziegel überwiegend Typ und ergänzen.

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stellt wurden, im Jahr 2017 entdeckt also ein Züchter und Trainer von Pfer­ onen der Ktisis Personifikation der
und ausgegraben in Area E . den gewesen sein, die auf den Renn­ Gründung werden auf Fußböden im
Im Kontext der ländlichen Pro­ bahnen der römischen Welt, vielleicht östlichen Reich mit einem derartigen
duktion ist es sehr wahrscheinlich, sogar im Circus Maximus in Rom, zum Messgerät abgebildet, und die Ein­
dass sich der Name nicht auf den Zie­ Einsatz kamen? heit ist üblicherweise der römische
gelhersteller bezieht. Kein Gutsherr Das Haus wurde nicht sehr gut ge­ Fuß , cm , das Maß, das offen­
würde es erlaubt haben, den Namen baut: Einige «quadratische» Räume sichtlich auch beim Bau von diesem
des Arbeiters so zahlreich und promi­ haben schiefe Wände. Die Diskre­ Gebäude verwendet wurde. Aber der
nent auf den Dachziegeln seines Land­ panz in der Breite des südlichen Kor­ griechisch­dorische Fuß weist bei­
guts erscheinen zu lassen. Besonders ridors ist besonders eigenwillig und nahe dieselbe Länge , – , cm
auffällig ist die zusätzliche Darstel­ hat dem Gestalter des Mosaikfußbo­ auf, wodurch die Verwendung der rö­
lung von Rennpferden, die auf eini­ dens Probleme bereitet. Er musste mischen Maßeinheit im römischen Si­
gen Ziegeln zu sehen ist Abb. . Dies die zu verwendenden Muster an die zilien nicht sicher ist. Schließlich hatte
mag eine Anspielung auf den Namen Unregelmäßigkeiten anpassen und die Insel einen stark ausgeprägten
von Philippianus sein, da dieser auf in den vorgesehenen Platz einfügen. griechischen Charakter, der bis in die
den griechischen Namen Philippos zu­ Das Muster beinhaltet Lorbeerbän­ byzantinische Zeit bestand. )nteres­
rückgeht und «Pferdeliebhaber» be­ der, eins mit einem sich überkreu­ santerweise wurden die früheren Ge­
deutet. Ist es also möglich, dass Phil­ zenden Meander, das andere mit wel­ treidespeicher noch in einer anderen
ippianus ein Spitzname war, der die lenförmig verlaufenden Bändern, die Maßeinheit errichtet, dem samischen
Pferdeleidenschaft des Besitzers aus­ von runden Medaillons geziert wer­ oder ionischen Fuß , cm . Der Ge­
drücken sollte? Oder war sein Vater so den. Beide Muster sind in Nordaf­ brauch des Zollstocks auf dem «Will­
von Pferden fasziniert gewesen, dass rika und anderswo bekannt, bisher kommensteppich» in Gerace – einzig­
er seinen Sohn bei der Geburt Philip­ aber nicht in Sizilien. Das auffälligste artig als eigenständige Darstellung in
pianus nannte, der nach ihm das Fa­ Mosaikdetail findet sich an der Ein­ einem Mosaik – scheint die Informa­
miliengeschäft übernahm? Wir wis­ gangsschwelle in der südwestlichen tion zu vermitteln, dass der Besucher
sen aus spätrömischen, literarischen Ecke des Korridors. Hier ist ein Zoll­ ein gutgebautes und gutorganisiertes
Quellen, dass Sizilien als einer der ers­ stock dargestellt, der an den Enden Haus betritt. Wahrscheinlich hatte das
ten Orte gilt, über die Pferde nach Ita­ der kurzen «Arme» Punkte für genaue Motiv außerdem eine apotropäische
lien gelangten. Könnte Philippianus Abmessungen besitzt. Personifikati­ Funktion, indem es als allgemeines
Glückssymbol fungierte.

Die z eite )e stö u g


Abb. Beispiel für Stempeltyp , der den Namen P()L)PP)AN) im Genitiv «Eigentum von Philippia­
nus» und dekorative Elemente enthält. )n der Mitte ist ein Pferd dargestellt, vor dem sich ein Nicht lange nach dem Bau der Villa,
Palmzweig ausbreitet. Eine Siegeskrone bildet Anfang und Ende der Namensinschrift. Maßstab: 5 cm. wahrscheinlich noch im selben Jahr­
hundert, wurde die kleine Badeanlage
zerstört und zwei Lagerräume wurden
zwischen Speiseraum und der West­
wand des großen zerstörten Speichers
eingefügt. Für uns mag es seltsam sein,
dass sich Nutzräume so nah an den re­
präsentativen Räumen befinden, doch
solch eine Kombination scheint auch
für andere spätrömische Villen in Ita­
lien charakteristisch gewesen zu sein,
nachdem die klare Abgrenzung solcher
Räume, wie sie in den früheren Jahr­
hunderten vollzogen wurde, in Ver­
gessenheit geriet. Zwei kleine Räume
werden kaum dafür gereicht haben,
die Füllmenge des großen Speichers zu
ersetzen; ob jedoch ein neuer Speicher

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ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

Abb. 6
Das Badehaus von etwa n. Chr. Die
Räume sind in der Reihenfolge ihrer Aus­
grabung 2016/2017 durchnummeriert
(also im Gegensatz zur üblichen Raum­
ordnung im Badeablauf . Raum : «calda­
rium» mit zwei Heißwasserbecken
und ; Raum und : «tepidaria»;
Raum 6: «frigidarium» mit zwei Kalt­
wasserbecken ausgegraben und
noch unausgegraben , mit einem Fenster
in der Rückwand . Die Buchstaben F
zeigen die Positionen, wo sich vermutlich
oder sicher «praefurnia» zur Beheizung der
Bäder befanden.

anderswo auf dem Landgut errichtet sende Samen belegen, gefolgt von Wei­ höchstwahrscheinlich zu einigen Ge­
wurde, wissen wir nicht. Der Einbau zen (triticum aestivum . Aber auch bäudeteilen offen war, wurde eine ge­
der neuen Räume brachte beträchtli­ Spuren von Ackerbohnen, Linsen, Ki­ ringe Menge herangewehter Erde un­
che Erdarbeiten mit sich, da diese tief chererbsen, Erbsen und Weintrauben terhalb der Brandschichten gefunden.
in den Boden eingelassen wurden, um wurden nachgewiesen, wie vorläufige
eine maximale Kühlung zu erreichen Analysen zeigen. Das Vorhandensein Lu us äde u d ih e Ko st ukio
sowie die gelagerten landwirtschaftli­ von Weizen und Gerste ist kaum eine Oben am Hang von Gerace wurde die
chen Produkte zu schützen. In späterer Überraschung im Land der Ceres, de­ Area D Abb. ausgegraben, um An­
Zeit wurde die Dämmung der Räume ren großes Zentrum in Enna, also nur omalien des Geländes zu untersuchen,
verbessert, indem eine zweite Mauer wenige Kilometer entfernt, lag. die bei geophysikalischen Analysen
entlang der östlichen Mauer des Spei­ C -Analysen, bei denen die karbo­ angezeigt wurden. Durch puren Zu­
seraums errichtet wurde. Beide Räume nisierten Überreste aus den Lagerräu­ fall wurden so Teile eines gut erhal­
besaßen einen einfachen Boden aus men untersucht wurden, sowie Arte­ tenen römischen Badehauses freige­
plattgetretener Erde; einer enthielt fer­ fakte wie afrikanische Lampen eines legt, dessen Wände noch eine Höhe
ner Fragmente von großen Vorratsbe­ bestimmten Typs, gefunden in zerstör­ von 2,30 m aufweisen. Bei den geo­
hältern (dolia . ten Bereichen anderswo in der Villa, physikalischen Ergebnissen deutete
Kurze Zeit nach n. Chr. wurde zeigen, dass das Feuer irgendwann in nichts auf diesen Fund hin. Ein Warm­
Gerace erneut von einer Katastrophe der 2. Hälfte des fünften Jhs. das Ge­ bad Raum und Teile von drei wei­
betroffen, als ein Feuer in der Villa aus­ bäude von Area A zerstörte. teren Räumen Raum – wurden
brach. In den Lagerräumen wurde die Die dicken Brandschichten legten 2016 entdeckt. Das Bad, das innen
Ernte des vorherigen Jahres vernich­ sich direkt auf die Böden, was vermu­ 2,35 x 1,37 m maß, war D­förmig ge­
tet, so dass ein großer Zwischenspei­ ten lässt, dass die Villa bis zu diesem schnitten und besaß in der südlichen
cher von karbonisierten Samen er­ Feuer sauber gehalten und gewar­ Mauer eine Fensterscharte. Eine dick­
halten geblieben ist. Gerste (hordeum tet wurde. Lediglich an der südlichen liche, schwarze, teerartige Substanz
war im Überfluss vorhanden, wie Tau­ Mauer des südlichen Korridors, der säumte das Untergeschoss der (ypo­

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ANTIKE WELT 5/18
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Abb. 7
Gewölberöhren, «tubi fit­
tili», mit einem Außen­
durchmesser von 7 cm,
die «in situ» während
der Ausgrabung im Heiß­
wasserbecken 1 gefunden
wurden. Sie haben eine
Halbkuppel über dem
Wasserbecken geformt.
Maßstab: 50 cm.

kausten und weist möglicherweise auf großen quadratischen Ziegel, die über pila nicht für die Wiederverwendung
eine Verwendung von feuchtem Holz die pilae gelegt worden waren und eignete, so dass diese Bodenstütze zu­
als Brennstoff hin. Die Ausstattung den Fußboden stützten, zu gelangen. rückgelassen wurde. Alle Hohlziegel
des Bades wurde flächendeckend ge­ Nur eine pila ist übriggeblieben: Diese wurden systematisch von den Wän­
plündert, nachdem die Bäder stillge­ war ursprünglich ein Hohlziegel (tu- den entfernt; ihr ursprünglicher Ver­
legt wurden. Dazu gehörte, dass der bulus , die als Bodenstütze verwendet lauf kann im Wandputz noch nachvoll­
weiße Betonfußboden zerschlagen wurde und für bessere Stabilität mit zogen werden. Sogar zwei Holzbretter,
wurde, um an die Ziegel der Fußstüt­ Kalkmörtel gefüllt worden war. Der die von den Arbeitern vor den ge­
zen (pilae sowie insbesondere die Mörtel sorgte dafür, dass sich diese mörtelten Schutt gelegt worden wa­
ren, bevor dieser trocknete, haben im
Fundament ihre Spuren hinterlassen.
Die Apsis war von einer Halbkuppel
Abb. Rekonstruktion des Mosaikbodens in «tepidarium» Raum , die Dr. Stephen Cosh auf überdacht, die aus kleinen, terrakotta­
Grundlage von Originalfragmenten angefertigt hat, die bei der Ausgrabung gefunden wurden. gefertigten Gewölberöhren geformt
Der Boden wurde im Zuge der Entfernung von wiederverwertbaren Baustoffen im Badehaus nach
seiner Aufgabe im . Jh. n. Chr. in Fragmente zerbrochen, um an die darunter liegenden wert-
wurde Abb. . von diesen Röh­
vollen Ziegelsteine des (ypokaustums zu gelangen. ren wurden noch intakt aufgefunden.
Die Gewölbekonstruktion, die in Sizi­
lien im . Jh. v. Chr., möglicherweise
von Archimedes, erfunden wurde,
wurde am häufigsten in Nordafrika
seit dem . Jh. n. Chr. verwendet, von
wo sie erneut nach Sizilien gelangte.

Bauele e te u d spät ö is hes


Re li g
Im caldarium haben sich Reste des geo­
metrischen Mosaikfußbodens erhalten
sowie Fragmente der Marmorverblen­
dung, die einst die Wände des Warm­
bades schmückten. Diese Verblendung
enthielt Pavonazzetto aus den Stein­
brüchen von Dokimeion nahe Afyon

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THEMENPANORAMA

und prokonnesischen Marmor vom dass die Wahl des rutschfesten Sand­ in einer vertikalen Lage liegen, die
Marmara­Meer, beide aus der Türkei, steins eine durchdachte Entscheidung ebenfalls auf ein Erdbeben schlie­
Cipollino von der griechischen )nsel Eu­ gewesen zu sein scheint. ßen lässt. Das Unheil ereignete sich in
böa, rosso antico vom Kap Tenaro auf Das Kaltbad gibt uns einen Hin­ der . (älfte des . Jh. n. Chr., was auf­
dem Peloponnes, sowie weißen Mar­ weis darauf, warum die Bäder stillge­ grund des in den Räumen gelagerten
mor. Raum 4, ein rechteckiges Zim­ legt wurden: Ein Riss zieht sich an der Materials bestimmt werden konnte.
mer, das sich im Osten zum caldarium Rückwand des Raumes entlang, durch Ob das Feuer in der Villa als Neben­
hin öffnet, war ein weiteres Warm­ den Flur und durch die Treppen, der effekt des Erdbebens ausbrach, lässt
bad. Raum 3, ebenfalls beheizt, war das Ergebnis eines seismischen Schocks sich unmöglich sagen, jedoch werden
ein quadratischer Raum von 2,37 m gewesen zu sein scheint. Damit hätte Erdbeben häufig von Feuerausbrü­
Breite. Wie in Raum 2 wurde der Mo­ ein weiteres Erdbeben ein Jahrhun­ chen begleitet, insbesondere in der
saikfußboden hier in kleine Fragmente dert nach der Zerstörung des Spei­ Nacht, wenn Lampen angezündet wa­
zerbrochen, um die großen Ziegel der chers das Anwesen erschüttert. In ren. Daher ist es gut möglich, dass die
unteren (ypokausten wiederzuver­ Raum 4 ist die Mauerwerksdecke von Villa und das Badehaus gleichzeitig
wenden, jedoch hat sich genügend oben heruntergefallen und blieb dort zerstört wurden.
Material des Mosaikbodens erhal­
ten, um das Muster von sich überlap­
penden Schuppen zu rekonstruieren.
Ein zweites, schmaleres tepidarium
grenzte im Norden an, ebenfalls mit
einem zerstörten Mosaikboden, der
ein simples Muster aus sich schnei­
denden Kreisen formte, wodurch ein­
zelne Blütenblätter in roter und gel­
ber Farbe gebildet wurden Abb. .
Die Marmore, die die Wände der bei­
den tepidaria zierten, waren neben
Pavonazetto der giallo antico brec-
ciato aus Chemtou in Tunesien, Porta­
santa von der )nsel Chios in Griechen­
land, biagio antico aus Lesbos und
verde antico aus Lárisa in Thessalien.

Ei Kalt ad e e de Wa ­
äde
Ein weit größeres frigidarium von
etwa 6,25 x 5,85 m Fläche lag im Nor­
Abb. 9
den der beheizten Räume. Es bestand Das ausgegra­
aus zwei Kaltwasserbecken (piscinae; bene Kalt­
wasserbecken
Abb. auf der östlichen Seite, wobei Raum mit
das linke noch unausgegraben unter einem Durch­
einem Baum liegt Raum . Das an­ messer von
2 m. Die Risse
dere Raum war auf dem Boden mit an der Rück­
Marmor ausgelegt gewesen, der nach wand sind
möglicherweise
Aufgabe der Bäder zur Wiederverwen­ Beweis für
dung an anderer Stelle entfernt wurde, Schäden durch
jedoch hat sich eine einzelne Sand­ ein Erdbeben
in der 2. Hälfte
steinfliese nahe der Eingangstreppe in des 5. Jhs.
situ gefunden. Eine Kombination aus n. Chr., das die
Stilllegung des
Wasser und Marmor kann eine gefähr­ Badehauses zur
liche, rutschige Angelegenheit sein, so Folge hatte.

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Das Badehaus u d Ge a e nun jedoch das Badehaus zu den an­ haus wurden zunächst keine Dachzie­
Gegenwärtig steht nicht sicher fest, deren, in Gerace gefundenen Struktu­ gel des Philippianus gefunden, jedoch
zu welchem Zeitpunkt die Bäder er­ ren, die weiter abwärts am Hang la­ würden konventionelle Dachziegel auch
richtet wurden. Die Bäder enthielten gen? Man ist versucht zu denken, dass nicht für überwölbte Heizräume ver­
keine Trümmer während der Nut­ das Badehaus den kleinen zerstörten wendet werden. Damit fehlt ein ein­
zung des Gebäudes, da sie aufgrund Badebereich nahe der Villa ersetzen deutiger Beweis.
ihrer Funktion stets sauber gehalten sollte und dass es von Philippianus er­ Schließlich wurde in der letzten
wurden. In welcher Beziehung steht richtet wurde. Bei dem oberen Bade­ Woche der Grabung von 2017 der Bo­
den des Kaltbades (frigidarium er­
reicht. Da ein (ypokaust unter dem
Boden und damit die für die Plünderer
Abb. 10 Der ausgegrabene Teil des «frigidarium» aus westlicher Sicht. Auf der rechten Seite sieht interessanten Ziegel fehlten, blieb der
man den Eingang zum «tepidarium 1». Auf der rechten Seite ist ein Teil einer Inschrift sichtbar:
«Asclepiades, mögest du mit deiner Familie alt werden.» Das Mosaik zeigt außerdem das Mono­ Raum mit seinem Mosaik 2 m unter
gramm des Philippianus, des Besitzers des Landgutes Gerace in der . (älfte des . Jhs. n. Chr. der Oberfläche erhalten. Das Motiv ist
ein komplexes Muster von sich schnei­
denden, hexagonalen Schilde, gerahmt
von Lorbeerbändern in kontrastieren­
den Farben. Während das Muster der
sich überlappenden Schilde aus ande­
ren Mosaiken bekannt ist, üblicher­
weise gesäumt von einem Guilloche­
Muster, wird normalerweise jedes
Paar durch Quadrate und Rauten von­
einander getrennt. In Gerace hingegen
folgen die Sechsecke aufeinander und
berühren sich, möglicherweise ein
einzigartiges Design.
Eine weit größere Überraschung bot
die Mosaikinschrift, die als durchgän­
giges Band alle vier Seiten des Raumes
umgab. Nur zwei Seiten sind bis jetzt
komplett freigelegt worden, jedoch
sind Anfang und Ende der noch fehlen­
den Seiten vorhanden:

...]IVM/ PLVRA FABRICETIS MELLI-


ORA DEDI/CETIS ASCLEPIADES
SENESCAS CVM TVIS/ PHIL[…

...]Mögest du mehr Dinge errichten,


mögest du bessere Dinge weihen.
Asclepiades, mögest du mit deiner
Familie alt werden. Phil[…

Phil steht sicher für Philippianus; As­


clepiades könnte sein Sohn gewesen
sein. Jedoch wissen wir schon, bevor
der noch ausstehende Text der In­
schrift freigelegt wird, dass dies tat­
sächlich die Bäder des Philippianus
sind: Zusätzlich zur Inschrift ist nahe

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THEMENPANORAMA

der Mosaikmitte in einem abgerunde­ zu sein, die nach der Katastrophe


ten Feld das Monogramm von Philip­ von / n. Chr. errichtet wurde. Danksagung
Mei Da k gilt de So ial Studies a d Hu a iies Re­
pianus, wie es auch auf seinen Dach­ Wenn es aber keine zweite Villa gab, sea h Cou il of Ca ada, de die Ausg a u g fi a ­
ziegeln vereinzelt auftritt, abgebildet errichtete Philippianus wirklich sein zie t hat, de Regio e Si ilia a, de Sop i te de za
Be i Cultu ali di E a u d de G u dstü keige tü e
Abb. . großzügiges Badehaus vor der Voll­ A to ella Fo ta azza u d C istofe o Costa zo, die die
G a u ge e lau t ha e . I h ö hte auße de A ­
endung seiner Villa in Area A, die auf­ to ieta Le z, Lesle Du oodie eide MOLA , Da iel
Philippia us: sei Le e u d grund seines vielleicht folgenden To­ Wate fall u d Paolo Gua i o fü ih e ak i is he Auf­
ah e so ie de Spezialiste Je ife Ra sa Sa e ,
sei e )eit des unfertig blieb? Lediglich weitere Mi hael Ma Ki o Tie k o he , To oo Mukai
Ke a ik u d Sall Ca )ei h u ge da ke . Beso ­
Die Analyse der Tierknochen, die aus Untersuchungen können uns auf diese de e Da k geht a D . Ch istoph Ru el, I situt fü
Klassis he A häologie, FU Be li , fü sei e Hilfe ei de
vier verschiedenen Ausgrabungskam­ faszinierenden Fragen Antworten lie­ Ü e setzu g u d de Ko ektu e .
pagnen in Gerace stammen, hat 2017 fern.
gezeigt, dass es dort, einschließlich
Adresse des Autors
Nachweisen für Fohlenknochen und P of. R. J. A. Wilso , MA, DPhil, FSA
auch von Pferdemilchzähnen, viele Di e to , Ce t e fo the Stud of A ie t Si il
Depa t e t of Classi al, Nea Easte a d Religious Studies
Pferde gab. Dies könnte die zuvor ge­ U i e sit of B iish Colu ia
BUCH C 227
äußerte Vermutung belegen, dass es Postscriptum 1866 Main Mall
tatsächlich ein Gestüt auf dem Land­ Das Mosaik des frigidarium u de i Ju i oll­ Va ou e V T )
stä dig f eigelegt. De Te t de e lei e de z ei Sei­ Canada
gut Gerace gegeben hat. Philippianus te ka u ögli he eise ie folgt gelese e de :
PHILIPPIANORVM PRAEDIA FELI(citer) / (Palmzweig)
könnte daher sein Geld nicht nur mit CAPITOLINIS GAVDIVM viz. «Das Gut de Philippiani (er- Übersetzung
seinen landwirtschaftlichen Erträgen, i htete diese Bäde f eudig. F eude a de Capitolini!» Ti a Sie e , Mü ste .
ögli he eise Asklepiades a si he li h de Soh
sondern auch mit der Züchtung und o Philippia us u d die Philippiani eziehe si h dahe
auf ei A ese , das o Vate u d Soh gefüh t u de.
dem Verkauf der Pferde, z. B. an den Vo de eu e tde kte u de Felde i Mosaik ist
Bildnachweis

ei es ze stö t u d die estli he z ei eise Mo o­ A . . . . . : R. J. A. Wilso ; : L. )u la u d A. Wes­


Circus Maximus, verdient haben. Der ga e o As lepiades u d de Capitolini auf. De to ; . : L. )u la; : S. Ca ; : S. Cosh.
Fund der Ställe könnte bei der Beant­ Pal z eig, S ol des Sieges, deutet auf ei e e ge Ve ­
i du g it de Spiele hi . Die Capitolini kö te Ge­
wortung solcher Fragen helfen. Aber s hätspa t e o Philippia us, iellei ht Pfe det ai e Literatur
sei , die Pfe de aus de ut aßli he Gestüt i Ge a e R. J. A. WILSON, Caddeddi o the Tella o. A late Ro a
gibt es eine weitere Villa, eine Luxus­ kaute u d sie e folg ei h t ai ie te , u Re e i illa i Si il a d its osai s � .
lokale )i kusse zu ge i e Re ah e si d fü das
villa des Philippianus, die irgendwo späta ike Cata ia u d S akus elegt . Alte ai u d DERS., Ro a illas i Si il , i : A. Ma za o a d G. Mé­
auf dem Gelände von den geophysi- iellei ht plausi le , ezieht si h Capitolinis auf die t au H sg. , The Ro a illa i the Medite a ea
Capitolia, Spiele i g ie his he Sil, die u . Ch . i asi : late Repu li to late a i uit – .
kalischen Untersuchungen noch un­ Ro ei gefüh t u d o h i späte ie te Jah hu de t
a gehalte u de . Wi isse , dass diese Wet e­ Grabungsberichte Gerace
entdeckt liegt und darauf wartet, die e e ei e Wage e ko po e te hate . A de s als R. J. A. WILSON, UBC E a aio s of the Ro a illa at
i ö is he Spiele , o de Wage le ke de ga ze Ge a e EN , Si il : esults of the seaso , Mouseio .
Geheimnisse des Gutsherrn weiter zu Ruh ge a , a es i g ie his he Spiele de Pfe d­ Jou al of the Classi al Asso iaio of Ca ada3 12
enthüllen? In diesem Fall scheint die esitze , de de Beifall fü de Sieg e hielt. I diese ; pu l. – , e e falls –
Fall ä e die i de I s h it e äh te «F eude» die o fü die Ausg a u gska pag e ;u d –
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55
ANTIKE WELT 5/18
EIN TEMPEL UNTER KAIRO
Ägyptisch-deutsche Forschungen im Sonnentempel von
Matariya / (eliopolis

Schon von Weitem müssen die Mauern von Heliopolis zu sehen gewesen sein. Sie waren
das eithi si ht are )ei he dieser festu gsarige Gotes urg, die die gesa te
Stre ke o , k z is he de «Ka al des Herrs hers» u d de Wüste ra d ie ei
ge aliger Riegel lo kierte. Die Ausgra u ge a diese eso dere Ort ha e i
de erga ge e zeh Ka pag e erstau li he Spure herrs herli her Repräse taio
u d kulis her Verehru g i So e te pel o Heliopolis a s Li ht ge ra ht.

o Dietri h Raue ten Sonnenstrahlen zu erspähen, mit 3000 Jahre später (Abb. 1): Der Weg
ihrem Lichtglanz das Tempelgelände nach (eliopolis führt durch die Mega-
er sich im . Jt. v. Chr. auf den zu fluten, und sicher auch, obwohl hier­ city Kairo. Um die   Menschen
W Weg durch das Ostdelta machte,
konnte, je näher er kam, mehr und
über weniger gesprochen wird, die
letzten Strahlen vor dem Einstieg in
leben hier im Durchschnitt auf einem
Quadratkilometer. Zum Vergleich: in
mehr vergoldete Spitzen von Obelis- die gefährliche Nachtfahrt der Sonne Leipzig wohnen auf der gleichen Flä-
ken sehen, deren Ziel es war, die ers- einzufangen. che 2500 Menschen, in Berlin 5000.

Abb. Das Gelände des zentralen Tempelbezirks von (eliopolis im September .

56
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

Abb. 2
Der Tempel
von (eliopolis
im Nordosten
von Kairo.

Diese Zahlen muss jeder kennen, der Recycling eines Tempels nal überflutet und große Fragmente
die Probleme dieses Fundortes verste- Auf Nachfrage erfährt man, dass der von zerschlagenem Quarzit ragten aus
hen möchte. Denn eine Frage begleitet Platz weitgehend zerstört wurde. Zu dem Schlamm.
unser ägyptisch-deutsches Gemein- nah lagen die nicht mehr besuchten Noch bis in den Winter 2010/2011
schaftsprojekt seit der ersten gemein- Tempelanlagen an den Großprojekten konnte man im unmittelbaren Umfeld
samen Kampagne nach der Revolution ihrer Zeit. Schon in der römischen Zeit des Obelisken Sesostris‘ I., der um
von 2011 (Abb. 2): Wieso wurde hier werden Bauteile zerkleinert und ab- v. Chr. errichtet wurde und seit-
nicht schon viel früher gearbeitet? Wie geschleppt. Im großen Stil wird dann her immer aufrecht stand, eine Vor-
kamen die Archäologen darauf, genau industriell der Steinbruchbetrieb im stellung der ursprünglichen Größe
hier zu arbeiten? Warum hat sich vor- alten Tempel für die neuen Befesti- des Tempels erhalten – und sei es nur
her niemand dafür interessiert? gungen der Fatimiden im 11. Jh. abge- durch die schiere Größe des freien
Die Frage ist recht einfach zu be- baut. Ein Spaziergang auf den Toren Feldes von etwa 550 x 400 m inmit-
antworten: (eliopolis ist in der ägyp- des Badr el-Din el-Gamali im Zentrum ten des Kairener Vorortes Matariya.
tischen Altertumswissenschaft ein von Kairo zeigt eine Vielzahl wieder- Dann jedoch kamen die Revolution,
geradezu mythischer Begriff. Auch je- verwendeter Blöcke aus dem Tempel die Rechtsarmut und eine Phase der
der Studienreisende kennt nach we- von (eliopolis. Als die napoleonische Anarchie. )nformelle Siedlungen ent-
nigen Tagen in Ägypten die Erzählung Expedition um 1799 ihre wissen- standen in großem Tempo, Bau- und
von der Entstehung der Welt – in (e- schaftlichen Beobachtungen in (elio- (ausmüll aus Kairo­Nord wurde hier
liopolis. polis machte, war der Tempel saiso- abgeladen. Innerhalb kürzester Zeit

57
ANTIKE WELT 5/18
EIN TEMPEL UNTER KAIRO – Ägypis h-deuts he Fors hu ge i So e te pel o Matariya / Heliopolis

Abb.  a.b Neubauten im Tempelgelände, / .

58
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

entstanden hier bis zu 13 m hohe Müll- älteste, heute noch erhaltene Kolossal- noch fähig zu sein, dieses «Amt des
halden Abb.  a.b . obelisk Ägyptens mit einer (öhe von Geb», das «Königtum des Atum» im
)n dieser Situation begann auf Anre- 20,50 m (Abb. 4). 350 m westlich hier- Sinne der Weltordnung zusammenzu-
gung des Ägyptischen Antikenministe- von entfernt hat die Unternehmung Re- halten. Strukturell waren den ägypti-
riums im Frühjahr 2012 die ägyptisch- lieffragmente gefunden, die den «klas- schen (errschaftseliten die politischen
deutsche Gemeinschaftsunternehmung sischen Anspruch» unterstreichen Fliehkräfte bewusst – die Landesein-
ihre Arbeit mit dem Ziel, zu retten (Abb. 5), und nochmals 300 m weiter heit entsprach der Einheit des Uni-
was zu retten ist. Dabei herrschte von westlich konnten mehrere, 4 bis 5 m versums, und der Kultort des Kos-
Beginn an der Optimismus, dass es hohe kolossale Sitzbilder Sesostris‘ I.
noch beträchtliche Reste dieses ehe- in hunderten von Rosengranit-Frag-
dem größten Tempels des Alten Ägyp- menten virtuell rekonstruiert werden.
tens mit einer Umfassungsmauer von So fragmentarisch uns dieses «(aupt- Abb. Obelisk Sesostris' )., um v. Chr.
x m geben könnte. Grund für sanktuar» entgegentritt, so sehr erah-
diese Annahme war eine Notgrabung nen wir seine Wirkung über die «Ko-
am westlichen Rand des Tempels, in pie»: Die Landesordnung Sesostris‘ I.
der gut 2 m unterhalb des modernen führte zum gewaltigen Ausbau des bis
Laufniveaus eine dichte Konzentra- dahin provinziellen Regionaltempels
tion von Fragmenten aus Basalt, Ro- in Karnak – und die dortige Bezeich-
sengranit und Quarzit zutage trat. nung «oberägyptisches (eliopolis»
Wäre es also denkbar, dass es vor al- lässt erahnen, welche Pracht das Ori-
lem der Kalkstein gewesen war, der ginal unter dem heutigen Kairo ausge-
der Wiederverwendung zum Opfer macht hat.
gefallen wäre? Und daneben aber noch Der Tempel hat 2400 Jahre kontinu-
beträchtliche Mengen an Reliefs, )n- ierliche Zuwendung erfahren – und den-
schriften und Statuen (inweise auf noch lassen sich anhand unserer Aus-
die ursprüngliche, vollständig verlo- grabungen bestimmte Schwerpunkte
ren geglaubte Topographie des Tem- und Themen erkennen. Grundlegend
pels geben könnten? war das Prinzip, dass man am Ort der
Schöpfung einen Urzustand antref-
«Rete , as zu rete ist» – u d fen konnte, an dem es noch kein Un-
davon unerwartet viel recht gab (und aus dem sich deshalb
Die (offnung hat sich in jeder (insicht auch das Königtum als gerechte Welt-
erfüllt, in mancherlei (insicht wurde ordnung entwickelte). Noch im 2. Jh.
die Erwartung deutlich übertroffen. v. Chr. gibt es religiöse Texte, die da-
Nach nunmehr zehn gemeinsamen von ausgehen, dass die Wägung des
Grabungskampagnen lassen sich erste (erzens, die Prüfung auf die gerechte
übergeordnete Ergebnisse präsentie- Lebensführung und die finale Recht-
ren. So ist (eliopolis ganz offensichtlich fertigung sich in der Unterwelt von
im frühen . Jt. v. Chr. ein monumenta- (eliopolis abspielte und man dort als
les Feld der Repräsentation für die Kö- gerechtfertigter, ewigkeitszugelassener
nige des Mittleren Reiches, und hier Geist wieder hervorkäme.
vor allem: Sesostris I. Die Neuordnung Dieser Gedanke der ewiglich hier
des Landes und die Wiederaufnahme anzutreffenden Gerechtigkeit führt zum
eines zentralistischen (errschaftssys- einen zur Annahme eines Götterge-
tems geht an den Ort zurück, an dem richts, dass in (eliopolis zusammen-
die Welt erschaffen wurde, an dem der kam, zum anderen war für jeden Dy-
Schöpfergott seinen (auptkult besaß, nastiegründer klar, dass er am Ort
und an dem die Weltordnung, altägyp- der Gerechtigkeit nachweisen musste,
tisch «Maat», die Institution des König- legitimer (errscher zu sein. Und er
tums als den Garanten derselben fei- musste in festgelegten Zeitabstän-
erte. Das größte Zeugnis hierfür ist der den nachweisen, auch im hohen Alter

59
ANTIKE WELT 5/18
EIN TEMPEL UNTER KAIRO – Ägypis h-deuts he Fors hu ge i So e te pel o Matariya / Heliopolis

Abb. Sesostris ). beim Kultlauf.

Abb.   
Kralle einer Kolossalsphinx.

Abb. 7 Kolossalstatue Psammetichs I.

mos, altägyptisch «Atum», lag eben in


(eliopolis.
Es ist daher sicher kein Zufall, dass
es einige (errscher gibt, die wieder-
holt in höherem Alter ihre Leistungs-
fähigkeit in (eliopolis nachweisen
mussten. Der berühmteste unter ihnen
ist Ramses II. Allein unsere Notgra-
bungen der vergangenen Jahre konn-
ten seine gewaltigen Bau- und Ausstat-
tungsmaßnahmen an verschiedenen
Orten im (aupttempel nachweisen.
Dabei ist man auch nach langjähriger
Beschäftigung nicht vor Überraschun-
gen sicher: So wurden am westlichen
Tempelzugang Fragmente einer ko-
lossalen Sphinx von ca. 18 m Länge
entdeckt (Abb. 6). Stiche und Skizzen
des mittleren 19. Jhs. hatten derar-
tige Skulpturen bezeugt – und auf ei-
ner auch den Namen Ramses‘ II. über-
liefert.

Spure großer Dy aste


Wohl aus diesem Grund können wir
einige Dynastiegründer sehr promi-
nent fassen. Djoser, Teti, Ramses ).,
Sethnacht, Scheschonk I. waren schon

60
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

Abb. König Psammetich ). Relief vom Rückenpfeiler der Kolossalstatue des Königs.

61
ANTIKE WELT 5/18
EIN TEMPEL UNTER KAIRO – Ägypis h-deuts he Fors hu ge i So e te pel o Matariya / Heliopolis

durch Funde des 19. und 20. Jhs. be- Andere Aspekte sind hingegen deut- Tempel spielte mit vier Farben: Gelb-
zeugt. Spektakulär trat im Frühjahr licher: Psammetich I. besaß ein beträcht- brauner Quarzit vom nahegelegenen
2017 in diese Reihe der Gründer der liches Geschick, die kriegerischen Aus- «Roten Berg» (Abb. 10), schwarzer
26. Dynastie, Psammetich I. (664–610 einandersetzungen des frühen . Jhs. Basalt für die bebilderte und beschrif-
v. Chr. . Eine größere Zahl von Fun- v. Chr. zu seinen Gunsten zu entschei- tete Sockelzone, blendend weißer
damenten kolossaler Königsbildnisse den: Nach Jahrzehnten des Stellver- Kalkstein und dunkelroter Rosengra-
war zwischen 2007 und 2010 identi- treterkrieges auf ägyptischem Boden nit aus Assuan. Die genauen Umstände
fiziert worden. )hre Dokumentation fand der Begründer der . Dynastie sind noch nicht befriedigend geklärt.
sollte nun angegangen werden, da das eine flexible Strategie für jeden Fall: Wie ging er mit den älteren Bauten
Genehmigungsverfahren eines Bau- Die Assyrer waren sicher, dass er wei- des . Jts. v. Chr. um? Sicher ist, dass
projekts am Westrand des Tempels terhin treuer Vasall blieb (was er auch es sich bei Nektanebos I. wieder, und
abgeschlossen war. Zu den verschie- bis zu seinem Tod war), die Kuschiten nun zum letzten Mal, um einen Dyna-
denen Schwierigkeiten des Platzes konnten sich darauf verlassen, dass stiegründer handelte, der seine Legiti-
gehört allerdings auch der rasant an- ihre Einflusssphäre in Oberägypten mation u. a. über eine groß angelegte
steigende Grundwasserspiegel. Eine nicht rabiat geschluckt würde und bo- Präsenz im Bezirk des Schöpfer­ und
Drainage musste angelegt werden, um ten mit einem Adoptionsdeal der Kö- Sonnengottes von (eliopolis verdeut-
das Wasser abfließen und abpumpen nigstochter den höchsten Posten in lichte. Die in den vergangenen Jahren
zu lassen. Gerade dieser Grabungs- der oberägyptischen Priesterschaft entdeckten Texte umschreiben auf
schnitt führte zur Entdeckung der ers- an. Unterägyptens Eliten dürften vielfältige Weise die Abstammung des
ten gewaltigen Fragmente einer Ko- durch die (ochzeit mit der Tochter Königs von heliopolitanischen Gott-
lossalstatue aus Quarzit Abb. . Auf des (ohenpriesters von (eliopolis ge- heiten, vergleichen ihn gar mit dem
ihrer Rückseite befand sich ein Aus- wonnen haben und die verschiedenen, Sonnenkind selbst oder mit Gott Schu,
schnitt aus der Titulatur des Gründers meist ostionischen Söldner unter- der Verkörperung der Luft und Sohn
der 26. Dynastie (Abb. 8). stützten ihn bei der Niederschlagung des Schöpfergottes Atum. Um
Zwei weitere Kampagnen waren eigener ethnisch eher verwandter, li- v. Chr. gelingt es ihm nochmals, gegen
notwendig, um schlussendlich mehr byscher Lokalfürsten. Was folgte, war das Persische Großreich siegreich die
als 6000 Fragmente dieser Skulptur eine der längsten Regierungszeiten Unabhängigkeit Ägyptens aufrecht zu
aus einer Tiefe von bis m unter- des Alten Ägyptens: 64 Jahre, die erste erhalten. Keine drei Jahrzehnte später
halb des Grundwassers zu bergen. Da- unruhigere Dekade miteingerechnet. jedoch nutzten die Perser einen Mo-
bei bestätigte sich das Bild einer ganz Mit der Kolossalstatue von (eliopolis ment ohne interne und externe politi-
ungewöhnlich hohen Qualität der dürfte Psammetich ). den allgemeinen sche Probleme und beendeten die Ge-
künstlerischen Ausführung auf der ei- Ansprüchen an ein großes (errscher- schichte der pharaonisch-ägyptischen
nen Seite und der )nnovationsfreude haus entsprochen haben. Dynastien.
in mehrfacher (insicht auf der ande- Aber noch ein weiterer bedeuten-
ren Seite. Die Gestaltung des Rücken- der (errscher tauchte im Zuge einer Heliopolis nach den Pharaonen
pfeilers, die (andhaltung der Skulp- Notgrabung in der Mitte des Tempel- Was dann passiert, ist im Einzel-
tur, all dies ist im direkten Vergleich bezirks auf: Nektanebos ). – nen noch unklar. Sicher ist, dass un-
zu den großen Vorbildern des 2. Jts. v. Chr. . Mit ihm gelangen wir in die ter den griechisch­stämmigen (err-
v. Chr. neu. Viele Fragen sind noch of- Zeit des wohl letzten, aber auch größ- schern das gewaltige Investment in
fen, so sind die Umstände der Zer- ten Bauprojekts in Ägypten: der äuße- den Tempelkult von (eliopolis nicht
störung noch ungeklärt. Wer machte ren Umfassungsmauer von (eliopo- fortgesetzt wird. Dies überrascht
sich die unendliche Mühe, zunächst lis (Abb. 9). Mehr als 15 m stark, gut schon, denn eigentlich waren die Pto-
mittels Feuer den Quarzit zersprin- x m einfriedend und nach lemäerkönige sehr darauf bedacht,
gen zu lassen und ihn anschließend ihrer Fertigstellung sehr wahrschein- gegenüber der ägyptischen Gesell-
in m tiefen Gruben weit unterhalb lich deutlich mehr als 10 m hoch. Noch schaft als legitime Nachfolger der
des Laufniveaus des Tempels zu ver- einmal wurde die Götterburg initiiert, pharaonischen Dynastien aufzutre-
graben? Könnte hier ein geplantes inszeniert, für jeden auf Kilometer ten. Aber in diese Legitimation gehört
Vorgehen der persischen Sieger vor- sichtbar ausgebaut. Im Inneren wis- (eliopolis spätestens im . Jh. v. Chr.
liegen? Oder eine Aufräumaktion, die sen wir von mindestens einem Ge- nicht mehr. Stattdessen finden wir in
die Schäden vorangegangener Zeiten bäude für den Kult des Schöpfergottes, einem Wohn­ und Wirtschaftsbezirk
quasi bestattete? Atum, den «(errn von (eliopolis». Der des 4. bis 2. Jhs. nun stark zerklei-

62
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

  
Abb. 9
Äußere, südliche Umfas-
sungsmauer des Tem-
pels von (eliopolis.

  
Abb. 10
Schöpfergott Atum.
Relief von einem Portal
Nektanebos' I.

63 63
ANTIKEANTIKE
WELT 5/18
WELT 5/18
EIN TEMPEL UNTER KAIRO – Ägypis h-deuts he Fors hu ge i So e te pel o Matariya / Heliopolis

Abb. Wohn­ und Werkstattbezirk des .– . Jh. v. Chr. und Tempelgelände von (eliopolis.

Abb. Rom, Piazza del Popolo Obelisk Sethos' ). aus (eliopolis.

64
THEMENPANORAMA

York , Fo ds Khéops pour l’Ar héologie Paris , Ägypto-


nerte Reste ursprünglichen Tempel- bewundern. Von daher steht (elio­ logie-Foru U i ersität )üri h. Die Ägypis h-deuts he
inventars – wiederverwendet? Bewusst polis nicht nur am Anfang der ägypti­ Unternehmung ist zudem zahlreichen individuellen
Spe der aus Ägypte , Deuts hla d, Fra krei h u d der
beschädigt Abb. ? schen Vorstellung der Schöpfung, son­ S h eiz i iefe Da k er u de .

Die Folge ist, dass zahlreiche Monu- dern auch am Beginn der Vorstellung
mente zunächst nach Alexandria ver- Europas von dem Land und der Kultur Adresse des Autors
schleppt und dort wieder aufgestellt der Pharaonen. PD Dr. Dietri h Raue
Ägypis hes Museu – Georg Stei dorff –
werden. Andere, wie der Obelisk von Universität Leipzig
D- Leipzig
Sethos’ ). um v. Chr. gelangten
unter Kaiser Augustus aus (eliopolis Bildnachweis
direkt nach Rom (Abb. 12). Wäre dies A . . a. . . . – . : Foto: D. Raue, A . : Gra-
phik: E. Ta hatou; : Foto: M. We zel, A . : Graphik:
möglich gewesen, wenn der Sonnen- Danksagung Chr. Bre i ek; : Foto: K. Dietze.
tempel noch in voller Funktion gewe- Die U tersu hu g der Te pela lage des .– . Jts.
. Chr. ird o der Deuts he Fors hu gsge ei s hat
sen wäre? Wohl kaum. Und dennoch DFG gefördert. Die Erfors hu g der späte Wirts hats- Literatur
a lage des .– . Jh. . Chr. ird dur h die U terstüt- J. P. ALLEN, Ge esis i Egypt: the philosophy of a ie t
erscheint es wie eine Ironie der Ge- zu g der Gerda He kel Situ g er ögli ht. Weitere Egypia reaio a ou ts .
Förderu ge erhielt das Projekt seit o folge de
schichte, dass gerade diese Zerstörung I situio e : Kulturerhalt-Progra des Aus ärige A. ASHMAWY / D. RAUE, Héliopolis e : les fouilles
einen unerwarteten Effekt erzielte: A ts der Bu desrepu lik Deuts hla d Berli , Bertold- égypto-alle a des da s le te ple du soleil à Matariya /
Lei i ger Situ g Ditzi ge , Foru Ägyptologie a Le Caire. Bullei de la So iété Fra çaise d'Égyptologie
Lange bevor die Ausgrabungen seit der U i ersität Ha urg, A eri a Resear h Ce ter i , – .
Egypt Kairo , Bots hat der Bu desrepu lik Deuts hla d
dem früheren . Jh. versuchten, eine Kairo , Oras o De elop e t Kairo , Greiss-Situ g S. QUIRKE,The ult of Ra: su - orship i a ie t Egypt
Köl , Fo daio S hiff Giorgi i Lausa e , Mehe Stu- .
Vorstellung von diesem größten aller die e tru oor het Oude Egypte Leide , Freu des- D. RAUE, Heliopolis u d das Haus des Re: ei e Prosopo-
Tempel zu gewinnen, konnte man he- kreis des Ägypis he Museu s der U i ersität Leipzig, graphie u d ei Topo y i Neue Rei h .
Europäis he Situ g der Rah Ditri h Group für Bil-
liopolitanische Denkmäler in Europa du g u d Kultur Leipzig , Ber ard Selz Fou daio Ne

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65
ANTIKE WELT 5/18
LESERREISE
Frankreich
Entlang der Via Iulia Augusta
tiken Welt
Exklusiv für Leser der An

Datum der Reise:


und der Thermen. Das Museum von Cimiez bietet
Funde aus den lokalen Ausgrabungen sowie Exponate
aus der Bronzezeit und dem frühen Mittelalter. Das
Museum von Terra Amata beherbergt einzigartige prä-
historische Fundstücke wie Knochen und Werkzeuge,
die mit zu den ältesten in Europa zählen. Sie wurden
1873 an Ort und Stelle entdeckt. Wenige Kilometer
östlich von Nizza liegt in dem Küstenort Beaulieu-sur-
Mer direkt am Meer die Villa Kérylos. Der französische
Altertumsforscher Théodore Reinach baute sich hier
Anfang des 20. Jhs. detailgetreu sein antikes Traum-
haus. Der Besuch der Villa bietet Gelegenheit, sich mit
antiker Villenarchitektur und deren Rezeption in der
Neuzeit vertraut zu machen. Rückfahrt nach Menton
und Abendessen.

Foto: © L. Roux.
3. Tag: Menton – La Turbie – Fréjus – Nimes (F)
Weit oberhalb von Monaco thront der Ort La Turbie.
Hier wurde am Ende des 1. Jhs. v. Chr., auf dem
höchsten Punkt der Via Iulia Augusta, ein einst 50 m
hohes Siegesmonument errichtet, das an den Sieg
des Kaisers Augustus über die Alpenvölker erinnerte
und das in seiner rekonstruierten Form ein einzig-
Von Marseille nach Marseille – und dazwischen eine beeindruckende artiges Dokument römischer Triumphal-Architektur
darstellt. Das Monument zierte eine Inschrift mit einer
Reihe von Monumenten und Denkmälern in einer der faszinierendsten Auflistung von 46 Stämmen aus dem Alpenraum, die
Kulturlandschaften Europas. Die Reise nach Südfrankreich bietet in während des Alpenfeldzuges besiegt und unterworfen
wurden. Innerhalb des Monuments befindet sich ein
den Städten, in der Landschaft und in modern gestalteten Museen heraus- kleines Museum, das über die Geschichte des Tro-
paeums Auskunft gibt. Weiterfahrt nach Fréjus. Kein
ragende Zeugnisse aus der Zeit der Kelten, Griechen und Römer. Geringerer als der Feldherr und spätere Diktator Iulius
Die Römer sind es auch gewesen, die mit der Via Iulia Augusta eine wich- Caesar richtete hier direkt an der Küste einen
in der Zeit der römischen Herrschaft stark frequentier-
tige und in der Antike viel genutzte Straßenverbindung herstellten, ten Marktort ein, der sich zu einem überregionalen
Verkehrsknotenpunkt entwickelte. Zum Besichtigungs-
die von Arles bis zur ligurischen Küste führte. Von der Straße selbst gibt programm gehören die Reste des Aquädukts, die
es heute nur noch wenige Reste. Doch ist ihr Verlauf so gut bekannt, Thermen am Hafen und das Amphitheater. Die Stadt
war der Geburtsort des römischen Militärkommandan-
dass sie für einen Teil der Reise Gelegenheit bietet, direkt auf den Spuren ten Agricola, der bei der Eroberung Britanniens eine
der Römer zu wandeln. wichtige Rolle spielte. Weiterfahrt nach Nimes
und Check-In ins Hotel. Der Rest des Abends steht
Ihnen zur freien Verfügung. 3 Übernachtungen:
Ibis Styles Nimes Gare Centre***.

4. Tag: Nimes (F/A)


Ihr Reiseverlauf mauer aus griechischer Zeit. Anschließend Fahrt Nimes ist eine keltische Gründung und trug in der
(Änderungen vorbehalten) nach Menton. Check-In in Ihr Hotel und Abendessen. Antike den keltischen Namen Nemausus. Zahlreiche
2 Übernachtungen: Quality Hotel Méditerranée noch heute erhaltene Bauwerke zeugen von der einst
1. Tag: Frankfurt – Marseille – Menton (A) Menton***. besonderen Stellung unter Kaiser Augustus. La Tour
Von Frankfurt aus fliegen Sie am Vormittag mit Magne ist der moderne Name für ein 33 m hohes Bau-
Lufthansa nach Marseille. Die französische Hafenstadt 2. Tag: Menton – Ventimiglia – Nizza – Beaulieu- werk, das aus der Zeit des Augustus stammt und
wurde am Ende des 7. Jhs. v. Chr. von griechischen sur-Mer – Menton (F/A) über dessen Funktion in der Forschung verschiedene
Siedlern gegründet. Sie entwickelte sich in der Antike Sie unternehmen einen Abstecher in das benach- Optionen diskutiert werden. Die Maison Carrée
zu einer bedeutenden Handels- und Wirtschafts- barte Italien, in die Umgebung der Stadt Ventimiglia. zählt zu den besterhaltenen Tempeln aus der frühen
metropole mit guten Beziehungen nach Rom. Heute In der Römerzeit befand sich bei der heutigen Stadt Kaiserzeit. Das Amphitheater von Nimes wurde
präsentiert sich Marseille als ein kulturell bedeutsames, eine Straßenstation der Via Iulia Augusta. Nicht weit am Ende des 1. Jhs. n. Chr. erbaut. Den krönenden
modernes urbanes Zentrum. Viele Zeugnissedoku- von Ventimiglia entfernt liegt der Botanische Garten Abschluss des Tages bildet der Besuch des neuen, im
mentieren im Stadtbild und in den Museen die große Hanbury. Mit 6000 Pflanzenarten ist die Anlage ein Juni 2018 eröffneten Römermuseums. Es befindet sich
Vergangenheit von Marseille. Das Historische Paradies für Botaniker. Historisch bedeutsam ist, dass in unmittelbarer Nachbarschaft zum Amphitheater
Stadtmuseum bietet einen eindrucksvollen Überblick in die Anlage ein Teilstück der Via Iulia Augusta inte- und integriert in seine Architektur die alte römische
über 2600 Jahre Geschichte der Stadt von den An- griert wurde, die somit direkt durch den Park verläuft. Stadtmauer. Die Exponate decken einen zeitlichen
fängen bis heute. Direkt benachbart ist der Jardin des Zu erkennen ist auch noch die antike Stützmauer. Bogen vom 7. Jh. v. Chr. bis ins Mittelalter ab.
Vestiges, mit imposanten Resten des antiken Hafens Weiter geht es nach Nizza, wo Sie die Archäologischen
von Marseille. Hier wurde auch das Schiffswrack Museen «Site de Cimiez et de Terra Amata» besuchen. 5. Tag: Arles (F)
entdeckt, das zu den Attraktionen des Museums zählt. Die Anlage auf dem Hügel von Cimiez bietet im Auch Arles ist eine keltische Gründung. Wie Nimes
Zu sehen ist weiterhin ein Stück der antiken Stadt- Freiluftbereich Reste des römischen Amphitheaters wurde die Stadt durch Iulius Caesar zu einer römi-

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Das römische Theater, gebaut für 10 000 Besucher, Prof. Dr. Holger Sonnabend lehrt Alte Geschichte
ist der Fundort der berühmten Venus von Arles, die an der Universität Stuttgart. Als Autor veröffentlichte
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Ein wahres Wunderwerk römischer Technik und Logistik geben wir Ihnen hierzu gerne Auskunft. reicht von England über Syrien, Marokko, Rumänien, Israel,
sind die Mühlen von Barbegal. Der im 3. Jh. n. Chr. Äthiopien, Italien und Griechenland bis in die Türkei.
entstandene Komplex umfasste 16 kaskadenartig ange- Flugzeiten (Änderungen vorbehalten)
legte Mühlen. Die Mühlräder erhielten ihr Wasser durch 31. 3. 2019 Frankfurt – Marseille 8.40 – 10.10 Uhr BITTE BEACHTEN:
zwei Aquädukte. Die Anlage, die zur Versorgung des 6. 4. 2019 Marseille – Frankfurt 18.55 – 20.30 Uhr Deutsche Staatsbürger benötigen für die Einreise und
antiken Arles diente, war bis zum 5. Jh. in Betrieb. In den Aufenthalt in Frankreich einen gültigen Personal-
die Welt der Kelten führt der anschließende Besuch von Eingeschlossene Leistungen ausweis oder Reisepass.
Roquepertuse. Dies ist der Name jenes Ortes, bei dem  Linienflüge ab / bis Frankfurt mit Lufthansa
sich in der Antike eine bedeutende keltische Siedlung  Flughafensteuern, Gebühren und aktuell gültige Teilnehmer
befand. Kern der Siedlung war ein zentrales Heiligtum, Treibstoffzuschläge (Stand Juli 2018) Bis 12 Wochen vor Reisebeginn zu erreichende Teilneh-
das im 2. Jh. v. Chr. von den Römern zerstört und 1860  Rundreise im Reisebus merzahl: min. 20, max. 28 Personen.
wiederentdeckt wurde. Die Fundstücke sind im Museum  Transfers, Ausflüge, Besichtigungen lt. Reiseprogramm
der Mittelmeerarchäologie in Marseille ausgestellt.  Eintrittsgelder lt. Reiseprogramm Änderungen im Reiseverlauf oder bei den genannten
Fahrt zurück nach Marseille und damit Rückkehr zum  6 Übernachtungen in den im Reiseprogramm Unterkünften aufgrund von örtlichen Gegebenheiten
Ausgangspunkt der Reise. Check-In und Abendessen im genannten Hotels o. ä. in Zimmern mit Bad oder sowie Preiserhöhungen oder -anpassungen aufgrund
Hotel. Übernachtung: Ibis Marseille Gare Saint Charles Dusche / WC von staatlichen Abgabeänderungen, Zuschlägen (z. B.
Ibis***.  Mahlzeiten lt. Reiseprogramm (F = Früh- Kerosin) müssen wir uns ausdrücklich vorbehalten. Die
stück / M = Mittagessen / A = Abendessen) Klassifizierung der Hotels entspricht der Landeskategorie.
7. Tag: Marseille (F/M)
Vormittags Besuch des 1995 eröffneten Museums der
Mittelmeerarchäologie mit bedeutenden Exponaten aus
dem gesamten Mittelmeerraum. Berühmt ist die ägyp-
tische Sammlung, die auf den in Marseille verstorbenen
Mediziner Antoine Clot zurückgeht. Wichtig sind die www.antikewelt.de – Stichwort: Frankreich
Funde aus der keltischen Siedlung von Roquepertuse.
Ein Türsturz mit ovalen Nischen zur Anbringung von
Köpfen dokumentiert den keltischen Schädelkult. Der
Alte Hafen blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Veranstalter
Hier landeten um 600 v. Chr. die ersten griechischen
Siedler aus Phokaia, die sich von Kleinasien aus auf den
langen Weg gemacht hatten, um eine neue Heimat zu Karawane Reisen GmbH & Co. KG
finden. Zur Sicherung des Hafens wurde im Mittelalter Schorndorfer Str. 149 · D-71638 Ludwigsburg
das Fort Saint-Nicolas errichtet, das im 17. Jh. unter
König Ludwig XIV. seine heutige Gestalt erhielt. Das Ansprechpartner: Nicole Heldmann Tel. + (0) 7141 2848-13
römische Dock-Museum präsentiert Produkte und Tel. +49 (0)7141 2848-13 · Fax. +49 (0)7141 28 48-45
Inventar des kommerziellen Hafenbetriebes aus der E-Mail: nicole.heldmann@karawane.de · Internet: www.karawane.de
Römerzeit. Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden
Gerne senden wir Ihnen unser ausführliches Programm zu.
30 große Tongefäße, in denen Wein und Oliven gelagert
wurden. Einen Mittagssnack nehmen Sie heute in Es gelten die Reisebedingungen des Veranstalters Karawane Reisen GmbH & Co. KG
einem lokalen Restaurant ein. Am Nachmittag Transfer
zum Flughafen von Marseille für Ihren Rückflug nach
Frankfurt. Dort Ankunft gegen 20.30 Uhr und individu-
elle Heimreise.
In Kooperation mit dem Verlag Philipp von Zabern und der Zeitschrift ANTIKE WELT
ENDE DER REISE
DECKNAME «SCHEICH IBRAHIM»
Die Akte Burckhardt

Reise de o S ie a h Nu ie , it Skla e hä dle du h de Suda u d i A a ie


Teil de Hadds h: Joha Lud ig Bu kha dt a stets auf de Su he, Neues zu e t-
de ke . E ollte Wege gehe , die zu o kei Eu opäe gega ge a . U de o e , ot als
a e A a e e kleidet, usste e ege stets isst auis he ei hei is he
Begleite sei e Noize gehetzt u d hei li h a he . Dafü u de e zu Sa le
a a is he Ha ds h ite . Ih e aus Bu kha dts Fede sta e de Ü e setzu g u d
sei e Jou ale u de späte als sei e S h ite edie t. Die «Akte Bu kha dt» e zählt o
spa e de Reise i u eka te Welte – a Begi des . Jhs.

«Er war ein besessener Mensch, aber sehr methodisch besessen.» o Tho as Hof eie u d Oska Kaeli
Alan Moorehead, The Blue Nile (1922) 144.
809 erreichte der Basler Johann
Ludwig Burckhardt (1784–1817;
Abb. 1 Johann Ludwig Burckhardt. Abb. 1) Aleppo. Nach Jugendjahren in
der Schweiz und einem Studium in
Deutschland hatte er nach gut zwei
Jahren Arbeitssuche in London die
Chance des Lebens bekommen. Von
der britischen Association for Promo­
ting the Discovery of the Interior Parts
of Africa, kurz African Association,
hatte er den Auftrag erhalten, mit einer
Karawane von Kairo nach Timbuktu zu
reisen. Frühere Versuche waren tra-
gisch gescheitert. Damit Burckhardt al-
lein und inkognito reisen konnte, sollte
er sich während zwei Jahren das Ara-
bische und die Gebräuche des Orients
aneignen. Doch der Aufbruch zur ei-
gentlichen Expedition verschob sich
immer wieder und der Studienaufent-
halt in Arabien dauerte schließlich gut
neun Jahre. In den langen Wartezeiten
zwischen den Reisen überarbeitete er
seine Reisejournale, reicherte die Be-
richte an seine Auftraggeber mit lokal
gesammelte Informationen an, wofür
er auch arabische Handschriften sam-
melte und übersetzte.
Burckhardt interessierte sich auch
für Altertümer. Sein Name wird immer
mit Petra in Jordanien, den Tempeln

68
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

Abb. 2 Die hieroglyphen-luwische Inschrift aus Hama.

Nubiens und Abu Simbels verbunden ons-Kloster. Die Einheimischen ver- weil er mit einem kleinen Hammer
bleiben. Doch sollte er nicht auf diese dächtigten ihn bald – wie später noch Gesteinsproben nahm. Als er von den
spektakulären Entdeckungen reduziert oft – ein Schatzsucher zu sein, u. a., Einheimischen gebeten wurde, für sie
werden, denn seine wahre Leistung
lag in der geduldigen Beschreibung
der Lebensweisen vor Ort. Eindrück- Abb. 3 Das Schatzhaus von Petra.
lich schilderte er den Sklavenhan-
del im Sudan und die Haddsch von
1814. Ausführlich dokumentierte er
das Leben der Beduinen Syriens und
Nubiens sowie der fundamentalisti-
schen Wahhabiten, die gerade Krieg
mit dem Osmanischen Reich führten.
Dem Leben der Menschen widmete er
Hunderte von Seiten, Petra und Abu
Simbel nur wenige. Es sind Prezio-
sen teilnehmender Beobachtung, die
uns heute Welten erleben lassen, die
schon kurz nach Burckhardts Reisen
verschwanden.

S is he Alte tü e , –
Unterwegs in Syrien beschrieb Burck-
hardt kulturell interessante Orte und
kopierte Inschriften. Von Aleppo aus
besuchte er Beduinen und Altertümer
im Afrin-Gebiet, darunter das Sime-
DECKNAME «SCHEICH IBRAHIM» – Die Akte Bu kha dt

Schätze zu heben, redete er sich damit an, der dachte, Burckhardt wolle sie Tadmor … ist unendlich ergreifender,
heraus, dass der Hammer der Kräu- wegen des darin versteckten Goldes als der von den Ruinen Baalbeks, aber
tersuche diene. an sich nehmen. Burckhardt schlug wiederum ist in den Ruinen von Tad-
Er reiste in die Gegend von Deir el- vor, dass der Scheich selbst die Sta- mor kein einziger Punkt so imposant,
Zawr an den Euphrat und durch Pal- tue zerschlagen solle: Fände er Gold, als der Anblick, den das Innere des
myra (Tadmor), wo ihn Beduinen aus- gehörte es ihm, andernfalls müsste er Tempels von Baalbek gewährt.»
raubten. Einmal wurde er eingesperrt, zwei Piaster für den Schaden bezah- Zwei Mal bereiste er von Damaskus
weil man glaubte, er habe Geld in den len. Da ließ der Scheich von ihm ab. aus den Hauran. Auf der zweiten Reise
Ohren oder dem Bauch versteckt. Ein Später in Baalbek im Libanon verglich nach Damaskus (Februar/März 1812)
anderes Mal, als er eine Statue mit- Burckhardt die archäologischen Stät- besuchte er in Begleitung mehrere
nehmen wollte, hielt ihn ein Scheich ten: «Der Totalanblick der Ruinen von Kreuzritterburgen. In der Umgebung
von Schaizar überkam ihn und seine
Begleiter die archäologische Neugier:
«Wir gruben einen Altar aus, der ohn-
Abb. 4 Karte des Wadi Musa. gefähr fünftehalb Fuß hoch war und an-
derthalb Fuß ins Gevierte hielt». Dann,
in der Stadt Hamah, suchte Burckhardt
vergeblich nach einem Marmorrelief,
das frühere Reisende beschrieben hat-
ten. Doch entdeckte er eine andere Ku-
riosität: «allein an der Ecke eines Hau-
ses im Bazar ist ein Stein mit einer
Menge kleiner Figuren und Zeichen, die
mir eine Art hieroglyphische Schrift zu
sein scheinen; wiewohl sie der ägypti-
schen nicht ähnlich ist». Ganz beiläufig
beschrieb Burckhardt als erster Euro-
päer eine Inschrift in luwischen Hiero-
glyphen (Abb. 2).

Pet a,
Am 22. August 1812 näherte sich Burck-
hardt dem sagenumwobenen Petra, das
frühere Reisende vergebens gesucht
hatten (Abb. 3). «Ich war besonders
begierig, Wady Musa zu besuchen, von
dessen Alterthümern ich die Landleute
in Ausdrücken großer Bewunderung
reden gehört hatte. Von da aus hatte
ich gehofft; queer durch die Wüste in
gerader Linie nach Kairo zu gehen …».
Sein Führer schlug den sichereren Weg
über Akaba vor, das Burckhardt aber
meiden wollte: Denn der Pascha Ägyp-
tens hatte aus Furcht vor Spionen der
Wahhabiten oder seines Rivalen, des
Paschas von Damaskus, Truppen stati-
oniert, die jeden Fremden genau inspi-
zierten. Um den Weg über Petra plau-
sibel zu machen, gab Burckhardt vor
«daß ich das Gelübde gethan, zu Ehren

ANTIKE WELT 5/18


THEMENPANORAMA

Aarons, dessen Grab, wie ich wußte, Assuan


Philae
am Ende des Thals gelegen war, eine
Ziege zu schlachten; und durch diese Debod
List hoffte ich auf meinem Wege nach
dem Grabe hin das Thal sehen zu kön-
Taphis
nen. Mein Führer hatte nichts dagegen
einzuwenden; die Furcht, durch Wi-
Kalabsche
derstand den Zorn Aarons auf sich zu Dandur
laden, brachte ihn völlig zum Schwei-
gen.» In Sichtdistanz des Grabes la- Gyrshe
gen auf einem Berggipfel unzählige
Dakke
Steinhaufen. Da die Araber glaubten,
dass es beim Tieropfer für Aaron rei- Meharraka
che, die Kuppel des Grabes lediglich
zu sehen, verlangte Burckhardts Füh-
rer, dass er seine Ziege hier schlachte.
Sebua
Doch Burckhardt bestand auf den Be-
such des Grabes und heuerte für zwei
alte Hufeisen im nahegelegenen Dorf
einen Führer an, der sogar die Opfer- Hassaya
ziege trug. Aber unter solchen Umstän-
den konnten die wundersamen Ruinen
nicht genauer untersucht werden: «Ich
bedaure, daß ich von denselben keinen Qasr Ibrim
sehr vollständigen Bericht ertheilen
kann. Allein ich kannte den Charakter
der Leute rund umher. Ich war ohne
Schutz mitten in einer Wüste, wo nie
zuvor ein Reisender sich hatte sehen Ebsambal
lassen; und eine sorgfältige Untersu-
chung dieser Werke der Ungläubigen,
wie man sie nennt, würde den Ver-
dacht erweckt haben, daß ich ein Zau-
berer sey, der Schätze sucht … Künftige
Reisende können vielleicht die Gegend
unter dem Schutz einer bewaffneten
Macht besuchen; die Einwohner wer-
Abb. 5 Nubische Tempel mit Burckhardts Grundrissen.
den sich mehr an die Nachsuchungen
der Fremden gewöhnen, und dann
wird sich finden, daß die Alterthümer
von Musa zu den merkwürdigsten Ue- W. J. Bankes, Thomas Legh, Charles Le- A u Si el u d die u is he
berresten alter Kunst gehören.» Das onard Irby und James Mangles. Es wa- Te pel,
sollte auch geschehen. Die aufwendige ren lauter Bekannte Burckhardts, die Während seiner ersten Reise in Nu-
Wiedergabe Petras auf der Übersichts- von ihm bei geselligen Abendessen in bien (1813) gelang Burckhardt sein
karte und eine zusätzlichen Detailkarte Kairo, meist im Haus von Henry Salt, größter ägyptologischer Beitrag: die
des Wadis (Abb. 4) unterstreichen die dem englischen Generalkonsul, Anre- Entdeckung von Abu Simbel und die
Bedeutung der Entdeckung. Die He- gungen für ihre Reisen erhielten. An- Beschreibungen der nubischen Tem-
rausgeber vermerkten in einer Kar- ders als Burckhardt reisten sie aber pel (Abb. 5). Außerhalb der Reich-
tenlegende die Reisenden, die Petra nicht verdeckt, sondern offen als Eng- weite der französischen Invasion waren
zwischen der Entdeckung 1812 und länder in Gruppen, mit Eskorte und Ge- diese Denkmäler in der Description de
der Drucklegung 1822/24 besuchten: folge. l’Egypte unberücksichtigt geblieben.

ANTIKE WELT 5/18


DECKNAME «SCHEICH IBRAHIM» – Die Akte Bu kha dt

Abb. Der Tempel von Kalabscha.

«Der Tempel zu Kalabsche verdient chen Bemerkungen schloss Burckhardt In Abu Simbel sah Burckhardt zu-
nebst jenem zu Dakke unter die köst- viele seiner akribischen Beschreibun- erst den kleinen Tempel mit seinen
lichsten Ueberreste des Aegyptischen gen von Bauwerken und Bildschmuck Monumentalstatuen. Er war beein-
Alterthum gerechnet zu werden. Ich ab, verglich meist zutreffend ähnlich zu druckt, machte eine detaillierte Be-
habe bloß eine flüchtige, aber meiner datierende Tempel miteinander. Selbst schreibung, nahm sogar eine einfache
Meinung nach doch hinreichende Be- zu den seinerzeit noch nicht entziffer- Vermessung vor. Entsprechend den
schreibung davon gegeben, um zu be- ten Hierglyphen und den entsprechend damaligen Vorstellungen interpre-
weisen daß er genauer in allen seinen ungedeuteten altägyptischen Bildern tierte Burckhardt die Figuren als Isis
Einzelheiten untersucht zu werden machte Burckhardt detaillierte Beob- und Osiris, statt als Ramses II. und
verdient. In Hinsicht seiner Lage ist er achtungen. )hm fielen Ähnlichkeiten der seine Gemahlin Nefertari. Auf den
mit den Tempeln zu Tentyra und Ed- in Nubien gebräuchlichen Fähren mit von Sand bedeckten großen Tem-
fou zu vergleichen und gehört in den den Booten pharaonischer Darstellun- pel stieß er eher zufällig. Burck-
schönsten Zeitraum der Aegyptischen gen auf. Oder er bemerkte, dass in der hardt kletterte wohl den Sandberg
Baukunst, ob er schon an verschiede- ägyptischen Bilderwelt Kamele fehlten, hinauf, denn auch hier liefert er Mes-
nen Theilen Spuren keiner so sorg- die in seinem modernen Orient omni- sungen. Später in Kairo muss er bei
fältigen und einer eiligen Ausführung präsent waren. Auch wenn aus heuti- Salt so begeistert geschwärmt haben,
verräth, als die beiden eben erwähn- ger Sicht seine Bemerkungen nicht im- dass Giovanni Battista Belzoni dort-
ten Tempel. Die Mauern sind unge- mer stimmen, so belegen sie die enorm hin entsandt wurde, der im Sommer
wöhnlich gut gebaut und die vorhan- weiten Interessen und Kenntnisse eines 1817 mit einem kleinen Heer von Ar-
denen Säulen haben solche Capitale, Menschen, der erst urteilte, «nachdem beitern den Tempel weitgehend frei-
wie zu Philae, jedoch sind sie nicht so ich die meisten berühmten Ueberreste legte und das Innere betreten konnte
trefflich gearbeitet.» Abb. . Mit sol- im Nilthal besucht hatte». (Abb. 7).

ANTIKE WELT 5/18


THEMENPANORAMA
THEMENPANORAMA

Abb. 7
Ansicht von Abu
Simbel.

Abb. 8
Der Transport
des «jungen
Memnon».

ANTIKE WELT 5/18


DECKNAME «SCHEICH IBRAHIM» – Die Akte Bu kha dt

Die P a ide ei Kai o u d de Die Pyramiden von Giza waren zu zu schaufeln, konnte sich Jabarti nur
ju ge Me o , – Burckhardts Zeit bereits Gegenstand wundern. Sinnvoller schien ihm der
In einer Karawane mit Sklavenhänd- umfangreicher Grabungs- und Ver- Abtransport prächtiger und grosser
lern kam Burckhardt im Sudan (1814) messungsarbeiten. Hinter manchen Statuen, die im Bestimmungsland ein
durch das Ruinenfeld Meroes, wagte methodisch eher bedenklichen Aus- Vielfaches wert waren – selbst wenn
aber keine Untersuchung «und hätten grabungen, die man zu Recht als allein der Transport einer kolossalen
die Wunder von Theben am Wege gele- «Schiesspulver-Archäologie» bezeich- Statue die Engländer   Paras
gen». Nach Monaten in Mekka und Me- net hat, stand als Sponsor Henry Salt. oder Beutel kostete. Die Angabe
dina, nach Absolvierung des Haddsch In Salts Auftrag suchten die Italiener deckt sich mit Burckhardts eigener
und Verzögerungen wegen einer Pest- Belzoni und Giovanni Battista Caviglia Auskunft, wonach er gemeinsam mit
epidemie, verbrachte er seine letz- nach Eingängen zu vermuteten Schatz- Salt ₤ investiert hat, um von Bel-
ten Jahre meist in Kairo. Er wohnte kammern. Doch während andere nach zoni ein tonnenschweres Statuenfrag-
in einem ärmlichen Quartier, arbei- Zugängen gruben und sprengten, ment aus Theben (Luxor) nach Lon-
tete an seinen Berichten, fertigte eine wusste Burckhardt bereits, dass es in don zu schaffen: Der junge Memnon,
Übersetzung «Arabischer Sprichwör- den Pyramiden Innenräume und Sar- eigentlich Ramses II., zählt bis heute
ter» an und machte einen Abstecher kophage gab. Denn er besaß ein ara- zu den Prunkstücken des British Mu-
in den Sinai . )n Kairo und Ale- bisches Buch, in dem diese vom Autor seum (Abb. 8). Es würde Burckhardts
xandria nahm er am gesellschaftli- )drisi um – beschrieben letzter Beitrag zur Archäologie sein.
chen Leben der Europäer teil und gab wurden. Jahrzehnte nach Burckhardts Am .  .  starb er an einer
sein Wissen weiter. Als William Turner Tod sollte Howard Vyse, ein weiterer mehrtägigen Dysenterie, wenige Tage
von Kairo aus die Pyramiden besuchen Pionier der Pyramidenforschung, von bevor er mit der Karawane nach Tim-
wollte .  .  , riet Burckhardt dessen Übersetzung Idrisis Gebrauch buktu aufbrechen wollte.
ihm, dies heimlich zu tun. Denn immer machen und Auszüge in seinem eige-
wenn ein vermögender Europäer mit nen Buch veröffentlichen.
bewaffneter Eskorte zu den Pyramiden Einige Altertümer, wie die Kapelle
von Giza aufbrach, schlossen sich bis zwischen den Pranken des Sphinx von Adressen der Autoren
Tho as Hof eie li . phil.
zu 200 Personen of the lower order of Giza, waren nach ihrer Ausgrabung Histo is hes Museu Basel
Franks, also europäische Habenichtse, bald wieder mit Sand bedeckt, sei es Stei e e g
CH- Basel
an. Burckhardt wollte nicht mit, weil er durch den Wind oder durch abergläu- D . Oska Kaeli
die Pyramiden schon oft besucht hatte bische Anwohner: «Nur sehr Wenigen Altes Testa e t u d Se iis he Sp a h isse s hat
U i e sität Basel
und er es möglichst vermeiden wollte, von ihnen wird die Freude vergönnt Nadel e g
CH- Basel
mit Europäern gesehen zu werden, um seyn, diese herrlichen Zierden des
für seine noch bevorstehende Mission Sphinxes zu bewundern, eines Colos-
Bildnachweis
sein Inkognito zu wahren. Turner pro- ses, welcher für mich mehr Imponie- A . : BURCKHARDT, J. L., T a els i Nu ia, , ;
: HAWKINS, J. D., Co pus of Hie ogl phi Lu ia
fitierte auch für andere Ausflüge von rendes hat, als selbst die Pyramiden, pl. ; : Léo de La o de et Li a t, Vo age de
Burckhardts Tipps, etwa seinen Ka- denn während diese dem Auge nur als l’A a ie pét ée ; : BURCKHARDT, J. L. Reise
i S ie , Wei a ; : © Hof eie /Kaeli ; : GAU,
melsattel mit Säcken zu polstern, um kleine Berge erscheinen, steht jener F. C., A i uités de la Nu ie, …, dessi és et esu és, e
; : BEL)ONI, G., Na ai e of the Ope-
eine bequemere Sitzfläche zu erhal- als ein riesenhaftes Thier da.» aio s a d Re e t Dis o e ies ithi the P a ids,
Te ples, To s, a d E a aio s i Eg pt a d Nu ia …
ten, oder zu Anzahl und Wert von Ge- Die Untersuchungen an den Pyra- ; : BEL)ONI, G., Na ai e of the Ope aio s a d
schenken für Beduinen. Turner be- miden und weitere Unternehmungen Re e t Dis o e ies ithi the P a ids, Te ples, To s,
a d E a aio s, i Eg pt a d Nu ia … .
richtet von einem frühen Versuch, die im ganzen Land weckten 1817 auch
Pyramiden touristisch zu nutzen. Der die Neugier des ägyptischen Histo- Literatur
Pascha Ägyptens hatte die Pyramiden rikers Abd al-Rahman al-Jabarti, der J. L. BURCKHARDT, Joha Lud ig Bu kha dt’s Reise i
Nu ie .
von Giza im Scherz dem zwielichtigen sich an Burckhardt, «meinen Meister
DERS., Joha Lud ig Bu kha dt’s Reise i S ie ,
Abenteurer Madreci geschenkt, der da- Ibrahim den rechtgeleiteten Englän- Paläsi a u d de Gege d des Be ges Si ai. Bä de
/ .
raus Profit schlagen wollte: Er wollte der» wandte, um Zugang zu den An-
T. HOFMEIER / O. KAELIN, I kog ito. J. L. Bu kha dt i
einen Zaun um die größte Pyramide er- tiken in Salts Haus zu erhalten. Über A a ie . I Vo e eitu g.
richten und Eintritt verlangen oder sie die merkwürdige Angewohnheit, mit G. PILLER, et al., S hei h I ahi . De Basle Kauf a s-
in die Luft sprengen, um das Innere zu grossem, besonders finanziellem Auf- soh Joha Lud ig Bu hkha dt – u d sei e
Reise du h de O ie t. Vie te sta k e . Aul. o
erkunden (beide Pläne blieben damals wand tonnenweise Schutt und Fle- Woll a .

unverwirklicht). dermauskot aus alten Steinhaufen

74
ANTIKE WELT 5/18
WEISSE MARMORSKULPTUREN
Bemalt oder nicht bemalt? Das ist hier die Frage!

De eiße Ma o ist ei es de elie teste Mate ialie , das ei de Fe igu g o Skulp-


tu e seit a hais he )eit i g ie his he We kstäte des . Jhs. . Ch . is i sol he
de Mode e Ve e du g i det. Do h de eiste ist i ht eka t, ie die Bildhaue
die Mate ialeige s hate ithilfe o Te tu e ode Fä u ge des Stei s u d Fa -
s hi hte utzte u d el he ) e k sie da it e folgte . Heute i d ielfa h a ge o e ,
dass ei e u e alte Ma o skulptu i Museu « eiß» ode «fa los» sei, au h e
dies selte ei e ko ekte Beo a htu g ist.

o A alie Sko ølle im späten 18. und 19. Jh. – einer Epo- oder die Skulpturen aus dem 19. Jh.,
che, die von dem Gedanken der ästhe- Farbe ist immer präsent. Wir müssen
arum haben die Bildhauer der tischen Skulptur geprägt war und sich lediglich wissen, wie sie wahrzuneh-
W alten Griechen und Römer ihre
Marmorstatuen bemalt? Vor allem diese
stark auf den weißen, makellosen Mar-
mor konzentrierte – ließen meist ihre
men ist.

Frage ist den Museumsbesuchern der geformten Oberflächen frei von jegli- Die Be alu g o a ike ,
heutigen Zeit ein Rätsel. Die Antworten cher farblichen Bearbeitung. Doch die eiße Ma o : Pig e te u d
auf diese Frage zeigen eine allgemeine weißen Marmoroberflächen waren nie Bi de itel
Festlegung auf den weißen Marmor in ganz ohne Farbe; seien es die fragmen- Von der griechischen Archaik bis zum
der modernen, westlichen Kultur. Bild- tierten, antiken Stücke, die ihre origi- Römischen Reich bemalten und färb-
hauer der neoklassizistischen Epoche nale Farbe vor Jahren verloren haben, ten antike Bildhauer ihre Marmorsta-

Abb. 1 Eine Ansicht von Pigmenten, die von römischen Handwerkern in der Antike verwendet wurden. Von rechts nach links: Fritte von Ägyptisch
Blau; Rußschwarz im Rohformat und als Farbpulver; Goldbruchstücke; ein Streifen Blattgold; ein Ei; drei Gehäuse von Stachelschnecken und
Purpurpigmente; pinker Krapplack und getrocknete Krapplack-Wurzeln; Wachs; ein Mörser mit Stößel und zwei Stücken Lapislazuli; mehrere Malpinsel;
oranges Auripigment mit Farbpulver; zwei Stücke Azurit mit Farbpulver; grüner Malachit im Rohformat und Farbpulver in dunklem und hellerem
Grün; braune, rote und gelbe Ockerpigmente und Ockerstücke im Rohformat.

75
ANTIKE WELT 5/18
WEISSE MARMORSKULPTUREN – Bemalt oder nicht bemalt? Das ist hier die Frage!

tuen, indem sie eine breite Palette an der Stachelschnecken, die an den Mit- rend des Römischen Reiches über die
Pigmenten verwendeten (Abb. 1). Am telmeerküsten zu finden sind – gefer- großen Produktionszentren in Italien
häufigsten sind rote, gelbe und braune tigt wird. Zuletzt sei das synthetische eine weitreichende Verbreitung erfuhr.
Ockertöne, Bleiweiß, Kreide (Kalzium- Pigment Ägyptisch Blau genannt, das Bindemittel hingegen sind auf an-
karbonate), Ruß (Verbranntes) und seit dem antiken Ägypten bis zum Ende tiken Marmorskulpturen nur selten
rosa Krapplack (ein in ein Pigment des Römischen Reiches und bis weit nachweisbar. Es handelt sich dabei
verwandelter Farbstoff). Weitere sel- darüber hinaus verwendet worden zu um Stoffe, die verwendet wurden, um
tene Pigmente sind das blaue Lapisla- sein scheint. Das blaue Pigment wurde Pigmente auf der vorhandenen Ober-
zuli, das helle Zinnoberrot, der blaue aus erhitztem Kupfer, Quarz und Kalk- fläche zusammenzuhalten und anzu-
Azurit und grüne Malachit; alle stam- silikat hergestellt und ähnelt Glas in heften. Dies geschah mittels Wachs,
men von Mineralien, die im Mittel- seiner physischen Struktur sowie sei- Gummi, das von speziellen Bäumen ex-
meergebiet abgebaut wurden. Äußerst ner Herstellungsweise. Hauptsächlich trahiert wurde, oder Proteinen, die aus
selten ist das Purpur-Pigment, das aus scheint das Pigment in Ägypten und Eiern, Milch, tierischer Haut oder Kno-
dem teuren Farbstoff – gewonnen aus dem Mittleren Osten hergestellt wor- chen gewonnen wurden. Aufgrund ih-
den Drüsen von verschiedenen Arten den zu sein, bevor es schließlich wäh- rer organischen Natur haben sie sich
im Laufe der Zeit beinahe komplett
zersetzt. Trotzdem haben Bindemittel
Einfluss auf die visuelle Wahrnehmung
Abb. 2 Porträt eines unbekannten Römischen Jungen. Der Kopf stammt aus Rom und datiert um der bemalten Skulpturen: Bindemit-
ca. 235 n. Chr. Der Hochglanz der Haut ist charakteristisch für die römischen Marmorskulpturen,
die in das 2. und 3. Jh. n. Chr. datieren. Untersuchungen haben ergeben, dass das Porträt ursprüng- tel, die aus weißen Eiern oder Casein,
lich mit Farbschichten bedeckt gewesen ist. Ny Carlsberg Glyptotek, InventarNr. IN821. einem Protein in der Milch von Säuge-
tieren, angerührt wurden, trugen zu ei-
nem matten Finish bei; Eigelb und ins-
besondere Wachs hingeben sorgten für
ein glänzendes Finish.

Die Untersuchung der Farbreste am Porträt


des römischen Jungen
Das Po t ät des ö is he Ju ge sta t
aus Ro . De Kopf u de o Rikke Ho e g
The kildse u te su ht. Mitels Mik os­
kopie ko te alle e halte e Pig e te
e o tet u d a ge ildet e de . Die foto-
a al is he Methode , die die Ult aVio-
let Fluo es e e u d die Visi le I du ed
Lu i es e e itei s hlosse , ko te
Spu e o K appla k so ie Äg pis h Blau
a h eise . Ü e das Ve fah e de Rö t-
ge luo esze z XRF ko te s hließli h
he is he Spu e ele e te de e halte-
e Pig e te a h e folgt e de Eise
i d sp . als ei otes Ko ie O ke
ide iizie t . Die E ge isse zeigte , dass
de Kopf u sp ü gli h ollstä dig e alt
a : De ö is he Ju ge hate ei e s hö e
eiße Haut, u d ithilfe o Rotö e
u de gel li hes Haa da gestellt. Äg pis h
Blau u d Rußs h a z u de fü Details
u d S haie u ge ge utzt, gel e Fa -
s hi hte u te St eife o Blatgold fü
Highlights. Die Auge u de du h pi -
ke K appla k fü de T ä e ka al u d die
Auge lide , au fü die I is u d s h a z
fü die Pupille eto t. Die Lippe u de
it pi ke K appla k a hgezei h et.

76
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

A ike O e lä he te tu e menschlichen Teints und dessen ver- ten. Im Falle des Porträts des römischen
u d Be alu g schiedenen Nuancen – von dunkler, ge- Jungen wurde das Fehlen der weißen
Der Mangel der optischen Attraktivi- bräunter bis hin zu hellweißer Haut – Komponente durch die Art der Anwen-
tät bei den meisten physischen Rekon- ging. Manchmal wurde auch helles dung kompensiert: Die Lichtdurchläs-
struktionen ist ein Paradoxon der der- Zinnoberrot oder ein weißes Pigment sigkeit der Schicht erlaubte es, dass der
zeitigen Forschung zur Polychromie hinzugefügt; in anderen Fällen bestand hell glänzende Marmor darunter durch-
von antiken Statuen: Kann die Be- die Hautfarbe lediglich aus einem Pig- scheinen konnte. Zusätzlich wurde Ca-
nutzung von Farbe bei antiken, frag- ment wie z. B. einem roten Ocker oder sein als Bindemittel bei der experimen-
mentierten Marmorformen und ihr Mennige (Abb. 4). Bislang lassen die Er- tellen Rekonstruktion verwendet, die
ursprünglich beabsichtigter Zweck gebnisse der Untersuchungen vermu- von Matthew Simmonds angefertigt
zufriedenstellend erforscht werden? ten, dass antike Bildhauer verschiedene und von Per Kapper bemalt wurde. Dem
Während die Farbe hoch fragmentiert Anwendungstechniken nutzten, die von glänzenden Stein wurde ein mattes Fi-
zurückbleibt, könnten die Statuen ih- durchsichtigen, nahezu vollständig ko- nish hinzugefügt, das den natürlichen
rerseits Hinweise auf ihre ursprüng- lorierten Oberflächen bis hin zu voll- Glanz der jungen, gesunden (aut exzel-
liche Oberflächenbearbeitung geben. ständig dunklen Deckschichten reich- lent imitierte (Abb. 5).
Die antiken Bildhauer in Rom ließen
weißen Marmor aus Carrara im Nor-
den Italiens sowie aus Steinbrüchen
in Griechenland z. B. den berühmten Abb. 3 Rekonstruktion des Porträts eines unbekannten Römischen Jungen (s. Abb. 2). Die Mar-
morkopie wurde von Matthew Simmonds gefertigt und von Per Kapper bemalt, indem
parischen Marmor der Insel Paros), Pigmente übereinstimmend mit denen des Originals verwendet wurden. Ny Carlsberg Glyptotek,
Makedonien und der Türkei impor- InventarNr. IN821A.
tieren. Die Steine unterscheiden sich
hinsichtlich ihrer mineralogischen Zu-
sammensetzung, d. h. ihren materiel-
len Eigenschaften wie Elastizität und
Körnung der Marmorkristalle. Einige
Marmorarten sind elastisch und besit-
zen eine sehr feine Körnung, die beson-
ders empfindlich auf das Werkzeug des
Bildhauers reagiert. Solche Steine kön-
nen leicht die porzellanartige, hoch-
glänzende Politur aufnehmen.
Der Kopf des römischen Jungen (Ro-
man Youth), datiert auf ca. 235 n. Chr.
und ausgestellt in der Ny Carlsberg
Glyptotek Kopenhagen, wurde aus dem
feinkörnigen, aus der Türkei stammen-
den Göktepe-Marmor gefertigt und ist
ursprünglich vollständig mit Farb-
schichten bedeckt gewesen (Abb. 2. 3).
Die Pigmentmischung, die für die Be-
malung der hochglänzenden Oberfläche
verwendet wurde, setzt sich aus gelbem
und rotem Ocker in Kombination mit
Ägyptisch Blau zusammen. Vergleicht
man diese Ergebnisse mit Analysen,
die an anderen antiken Marmorskulp-
turen durchgeführt wurden, so zeigt
sich, dass die Mischung von roten, gel-
ben und blauen Körnern ein Standard
war, wenn es um die Nachahmung des

77
ANTIKE WELT 5/18
WEISSE MARMORSKULPTUREN – Be alt ode i ht e alt? Das ist hie die F age!

Abb. 4 Idealer Kopf des Zeus. Erhaltene Reste von originalen roten Farbschichten sind im Bereich seiner Haut (vorwiegend auf seinen Wangen), sei-
nem Bart und den Haaren sichtbar. Untersuchungen von Peter Fink-Jensen haben ergeben, dass rotes Blei für die Färbung benutzt wurde.

78
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

Weiß ist i ht fa los: Die stätten vom späten 18. Jh. bis in die
O e lä he st uktu e o 1. Hälfte des 19. Jhs. hatte. Die Skulptu-
Be tel Tho aldse ren von Thorvaldsen wurden aus wei-
Mit der Kenntnis, dass antike Mar- ßem Carrara-Marmor gefertigt, der in
morskulpturen bemalt waren, wurde den nördlichen Teilen Italiens abge-
unsere Vorstellung der weißen Mar- baut wurde. Zu seiner Zeit wurde er für
morskulpturen mehr und mehr revi- sein Talent gelobt, die Ideale zu vermit-
diert. Das verstärkte Interesse an der teln (Abb. 7), die in den Worten «edle
Frage, wie in der Antike die Marmor- Einfalt und stille Größe» des deutschen
flächen bemalt und gefärbt wurden, Kunsthistorikers Johann Joachim Win-
leitet unsere Aufmerksamkeit weiter ckelmann zum Ausdruck kommen, und
zu anderen, vielleicht nicht derartig einen schwachen, äußerst kunstvollen
kontroversen Fragen, die die Bearbei- Glanz zu erzeugen.
tung von Marmoroberflächen betref- Allerdings waren auch die weißen
fen, und zu einer Auflösung des allge- Marmorskulpturen von Thorvaldsen
meinen, modernen Mythos‘ des weißen nicht gänzlich farblos. Der weiße Mar-
Abb. 5 Detail der bemalten Haut auf der Re-
Marmors führen. mor aus Carrara wurde von verschie- konstruktion des unbekannten römischen
Seit der Antike scheinen Farbe und denen Standorten in dem großen Jungen (vgl. Abb. 2. 3). Die Farbe wurde in ei-
ner dünnen und lichtdurchlässigen Schicht
weißer Marmor sehr stark miteinan- Steinbruch in Blöcken verschiedener aufgetragen, die die Oberfläche des darunter-
der verbunden zu sein. In der Tat ha- Größen und Formen herbeigeschafft. liegenden Marmors integriert.
ben Bildhauer nie aufgehört, mit Far- Ein Block kann in seinem Ton von hel-
ben – im weitesten Sinne – auf weißen lem zu dunklem Grau oder Blau ge-
Marmorskulpturen zu experimentie- ringfügig variieren und Flecken und/ im Auftrag des porträtierten Modells
ren. Während im Mittelalter, der Re- oder Adern dunklerer Töne in sich tra- keine weiteren Indizien für eine Kul-
naissance und dem Barock die Werke gen (Abb. 8). Solche Verunreinigungen tur oder Volkszugehörigkeit aufweist,
aus bemaltem Holz, Terrakotta und sind die organischen Signaturen des imitiert dieser das Ideal der Schönheit
gefärbtem Wachs unheimliche Ähn- Steines, die auf die Geländestrukturen und Jugend und zeigt, wie die Ober-
lichkeiten mit menschlicher Haut und des Gesteins zurückgehen. Ein Mar- fläche einer makellosen, weichen, hel-
Haaren erreichen konnten, war wei- morblock kann zu Beginn makellos er- len Haut aussehen und sich anfühlen
ßer Marmor idealisierten Skulpturen scheinen, zeigt aber dann während des würde. Diese kreative Umsetzung der
vorbehalten. Für den Bildhauer Gian Meißelns seine unterschiedliche Mate- Farbaufnahme nutzt die natürliche
Lorenzo Bernini ‒ war rialzusammensetzung. Fähigkeit des Betrachters, die Farben
weißer Marmor das Medium, um eine Die Skulpturen von Thorvaldsen synästhetisch zu erzeugen, was bedeu-
zeitlose, idealisierte Präsenz zu vermit- wurden auf verschiedene Weisen tex- tet, dass die Farben mehr als nur über
teln Abb. . Dennoch war es schwie- turiert und geglättet, indem Oberflä- den Blick wahrgenommen werden. In
rig, die Ähnlichkeit zum Porträt ohne chenstrukturen nebeneinandergestellt diesem Fall erinnert die texturierte
die Verwendung von Farbe und ande- wurden, die das Licht unterschiedlich
ren Farbeffekten zu erhalten, wie es reflektieren. Die Oberflächenstruktu­
der Kunstsammler und Künstlerpat- ren wurden so sorgfältig bearbeitet,
Johann Joachim Winckelmann und das
ron Fréart de Chantelou ‒ dass sie, auch wenn kein Farbton
neoklassische Ideal
in seinen Tagebucheinträgen festhält. (grün, rot, blau) verwendet wurde, Joha Joa hi Wi kel a –
In ihnen beschreibt er Berninis Arbeit über andere Farbeigenschaften wie a ei deuts he Ku sthisto ike . E a
e üh t fü sei e g u dlege de S h it u d
an der Marmorbüste von Ludwig XIV. Helligkeit und Glanz beim Betrachter
A eit a a ike Skulptu e Geschichte
während seines fünfmonatigen Aufent- den Eindruck von Farbe erzeugten. Der der Kunst des Altertums i Jah , die
haltes in Paris im Jahr Abb. . glatt geschliffene Marmor der gemei- die e ste zusa e gefasste Studie ü e
Sile t i klu ge u d Ve fall a ike Skulp-
Wie Bernini haben auch andere ßelten Haut auf der Porträtstatue von
tu e a . Das Bu h hate g oße Ei luss
Bildhauer versucht, sich bei der Benut- Maria Fjodorovna Barjatinskaja Thor- auf die i . u d . Jh. ge a hte Wie-
zung jeglicher Farbeffekte zurückzu- valdsen Museum, ‒ konkur- de e tde ku ge de a ike g ie his he
Le e s elt u d u de g u dlege d fü die
halten, so auch der dänische Bildhauer riert stark mit dem Aussehen von ge-
Eta lie u g de eoklassis he Idee o
Bertel Thorvaldsen ‒ , der sunder, menschlicher Haut. Während skulptu ale Ästheik.
in Rom lebte und dort seine Werk- der matte Glanz des weißen Steines

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ANTIKE WELT 5/18
WEISSE MARMORSKULPTUREN – Be alt ode i ht e alt? Das ist hie die F age!

Abb. Büste des französischen Königs Ludwig X)V. von Gian Lorenzo Bernini, . Die Büste ist eines der Meisterwerke der Barockzeit. Bernini vollen-
dete die Büste in Frankreich, und der gesamte Fertigungsprozess wurde von Paul Fréart de Chantelou dokumentiert. Die Büste ist im Salon de Diane im
Schloss von Versailles ausgestellt.

80
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

Marmoroberfläche an eine haptische Zeit gemacht habe, waren innerhalb die über das grelle Licht der neuesten
Wahrnehmung, die in Verbindung mit dieser Regeln, die der Marmor nach Werke eine annehmliche und harmoni-
dem Material und den polychromen Ei- sich zieht. Dies war der Zeitpunkt, an sche Beschichtung ausbreiteten.»
genschaften der imitierten menschli- dem ich herausfand, wie begrenzt die Die Mixtur mit Wasser, mit der
chen Haut steht. Fähigkeiten des Marmors sind.» Canova seine neu gefertigten Mar-
Interessanterweise war Gibson ganz morskulpturen behandelte, wird von
De Wah des eiße Ma os vertieft in Vorstellungen zu bildhau- anderen Berichten über seine Arbeits-
i . Jh. erischer Polychromie. Allerdings be- weise im 19. Jh. als acqua di rota, ro-
Zu Lebzeiten von Thorvaldsen war die gann er trotz seiner Faszination für tes Wasser, bezeichnet. Damit könnte
)dee des fleckenlosen und komplett Farbe und jegliche Vorhaben, die den das rote, rostige, eisenoxidierte Was-
weißen, reinen Marmors allgegenwär- final touch seiner fertigen Skulpturen ser gemeint sein, das durch die für
tig. In einem Brief an seinen Günstling betrafen, wie alle anderen Bildhauer den Meißel genutzte Schleifscheibe lief.
William Cavendish, Herzog von De- mit derselben Idee: Er hoffte auf einen Canova experimentierte sogar in
vonshire, schreibt der Bildhauer John perfekten, makellosen weißen Mar- seinen frühen Jahren mit Wachs, das
Gibson ‒ über einen Mar- morblock, der seine einfallsreichen, er zusammen mit Pigmenten auf seine
morblock, den er für einen Auftrag des bildhauerischen Kompositionen reali- Skulpturen auftrug. Seine Freundschaft
Herzogs im Jahr 1821 erworben hatte: sieren sollte. zu Quatremère de Quincy, der eines der
«Der Marmor ist in meiner Werk- ersten Bücher über die antike Polychro-
statt, mein Gehilfe hat ihn 15 Tage lang Nu ei klei e Hau h o mie der Skulpturen verfasste, Le Jupi-
so bearbeitet, dass wir nun eine Vor- Fa e: die ko t o e se O e lä­ ter Olympien (1817), könnte die Ideen
stellung von seiner Reinheit bekom- he eha dlu g o Ca o a von Canova zu dieser Skulpturästhetik
men können, bisher ist er sehr schön. Einer von Gibsons Mentoren neben so sehr beeinflusst haben, dass er bei
Signore d’Este, Canovas Bauleiter, sagt, Thorvaldsen war Antonio Canova seinen Skulpturen rote und gelbe Pig-
dass nichts vielversprechender sein (1757–1822). Wie Thorvaldsen war mente zur Färbung verwendete. Dies
kann. Thorvaldsen sah ihn vor drei Ta- Canova ein Bildhauer des Neoklassizis- erzeugte manchmal Unmut bei seinen
gen und rief aus: Bello, bello, bello! Er mus in Rom. Doch die Beziehung Cano- Förderern, die die Farbe von ihren Auf-
sagt, dass er alles dafür gegeben hätte, vas zu seinen Marmorblöcken war ein tragsarbeiten abwaschen wollten. Die
solch einen Marmorblock für seine Sta- wenig anders: Gibson berichtet in ei- Praxis, weiße Marmorskulpturen zu
tue «Die drei Grazien» zu haben. Sein nem Brief an den britischen Schriftstel- färben und zu bemalen, erfuhr sehr viel
verwendeter Marmor stellte sich als ler Rose Lawrence im Jahr 1821, dass mehr experimentelle Aufmerksamkeit
sehr schlecht heraus, aber er ist dabei, Canova einen Marmorblock zur Seite von der Künstlergeneration nach Ca-
sein Werk trotzdem zu vollenden. Mein warf und mit seiner Arbeit von neuem nova, insbesondere Canovas Schüler
Marmor ist von bester Qualität und begann, sobald der Stein eine schlechte Gibson.
Farbe. Ich gebe nicht meiner Freude Maserung aufwies. Diese Flecken hät-
nach, obwohl ich beinahe sicher bin, ten Thorvaldsen nicht gestört, merkt Das «Ma o ee »
dass mir einer der herrlichsten Blöcke Gibson an. In seinen «Memoiren von In der frühen römischen Kaiserzeit
zur Verfügung steht.» Antonio Canova» von 1825 beschreibt wurden viele verschiedene weiße Mar-
Marmor verkörpert folglich eine ge- John Smythe Memes die besondere morsorten verwendet, einschließlich
wisse Autonomie und drängt manch- Oberflächenbehandlung, die Canova des Carrara-Marmors, der auch im
mal die Visionen des Bildhauers bei seinen Skulpturen vollzogen habe. 19. Jh. von Canovas und Thorvaldsens
zurück. Über den Bildhauer Michelan- Er betont, wie Canova selbst den letz- Werkstätten importiert wurde. Im 1. Jh.
gelo ‒ war bekannt, dass ten Schliff mit Meißel und Feile gege- v. Chr. wurden importierte Blöcke und
er Skulpturen in seiner Verzweiflung ben habe, um eine «einzigartige Zart- teilweise vorgearbeitete Skulpturen aus
über die widerspenstigen Marmor- heit» zu erhalten. Diese habe er dann den Steinbrüchen von Carrara in die
blöcke zerschlug. John Gibson drückt mit einer «Mischung aus Wasser und Werkstätten von Rom gebracht, um
eine ähnliche Enttäuschung in einem Bimsstein oder einem Schmirgel zu ei- dort von darauf spezialisierten Künst-
Brief folgendermaßen aus: «Die Kom- nem sehr feinen Pulver zerrieben. Die lern vollendet zu werden. Jahre
positionen, die ich in Liverpool ausge- verschiedenen Reaktionen oder Haf- später war die Praxis immer noch an-
führt habe, waren Produkte einer le- tungsprozesse sollten die Auswirkun- nähernd dieselbe.
bendigen Fantasie, die keine Grenzen gen der Zeit auf die vielfältig polierten Doch ein Unterschied hat sich zwi-
kannte. Alle Designs, die ich in dieser Oberflächen der Statuen verhindern, schen der Wahrnehmung von Mar-

ANTIKE WELT 5/18


mor in der Theorie und in der Pra-
xis gezeigt, als die Werkstätten des
19. Jhs. untersucht wurden. Während
die schriftlichen Zeugnisse eine Fest-
legung auf einen makellosen Block, vor
allem im 19. Jh., belegen, unterschieden
sich die Vorstellungen der Bildhauer
bezüglich der Politur und Behand-
lung ihrer Oberfläche von Werkstatt
zu Werkstatt. Es besteht eine paradoxe
Beziehung zwischen dem, was die Bild-
hauer – sowie die Menschen im Allge-
meinen– über den weißen Marmor als
Skulpturmaterial gedacht haben, und
was sie tatsächlich mit Marmorsteinen
im Rahmen von Experimenten inner-
halb ihrer Werkstätten getan haben.
Eine große Hürde für die Frage, inwie-
fern der Marmor wirklich als das ver-
Abb. 7 standen wurde, was er ist, liegt in dem
Porträtstatue von Maria
Fjodorovna Barjatins- rhetorischen Gebrauch des Ausdrucks
kaja von Thorvaldsen, «weiß». Für die alten Römer war der
1819–1825. Die Sta-
tue wurde von ihrem weiße Marmor ein Synonym für Schliff,
Ehemann in Auftrag Glanz und Helligkeit. Der römische Phi-
gegeben, verließ aber losoph und Dichter Lukrez, der im 1. Jh.
nie die Werkstatt von
Thorvaldsen. Angeblich v. Chr. lebte, berichtet in seinem Werk De
war Thorvaldsen so zu- rerum natura über optische Täuschun-
frieden mit seiner Sta-
tue, dass er sie behalten gen durch Farben, wenn sie sich bei un-
wollte, und schlussend- terschiedlichem Lichteinfall verändern.
lich akzeptierte die Fa- Er beschreibt die Oberflächenbewegung
milie von Barjatinskaja
eine Kopie der Statue, des rauen Meeres mit dem Ausdruck
angefertigt von seinem marmoreus: ein «Marmormeer». Für Lu-
Schüler H. W. Bissen.
Thorvaldsen’s Museum, krez bedeutete der weiße Marmor nicht,
InventarNr. A171. dass er eine weiße oder fast farblose
Oberfläche besaß, sondern vielmehr,
dass er durch Reflexion des Lichtes
jede Farbe annehmen konnte.

Weiße Ma o : Ei e t aute
u d do h u st ite e Stei
Skulpturen aus Marmor sind ein ver-
trautes Phänomen in den westlichen
Kulturen, mit denen die Wissenschaft-
ler ebenso wie die breite Öffentlichkeit
auf kulturelle, soziale, intellektuelle
und vor allem emotionale Weise ver-
bunden sind. Paradoxerweise ist der
Abb. 8 Betrachter von Skulpturen – im Gegen-
Detail der Unreinheiten satz zu Malereien – gewöhnlich nicht
der Statue von Maria
Fjodorovna Barjatins- darüber im Bilde, wie Marmorskulptu-
kaja vgl. Abb. . ren gefertigt wurden.

82
ANTIKE WELT 5/18
THEMENPANORAMA

In den Marmorwerkstätten des 18. von antiken, bemalten Marmorskulp-


und 19. Jhs. experimentierten die Bild- turen im Zusammenhang stehen, ge- Adresse der Autorin
D . A alie Sko ølle
hauer mit den unterschiedlichen Qua- nannt werden, berühren diese nicht The SAXO I situte
Depa t e t of A haelog
litäten der Marmorblöcke, indem sie nur schwierige Themen wie die antike U i e sit of Cope hage
unterschiedliche Maserungen, Bema- Vorstellung von Ästhetik, sondern set- Ka e Bli e s Vej
DK­ Cope hage S.
lungen und Behandlungen auf ver- zen sich auch mit dem eigenständigen sko oelle @hu .ku.dk
schiedenen Oberflächen ausprobierten. Leben des Marmorsteines selbst aus-
Wir können annehmen, jedoch wohl einander. Das meint z. B. die Verände­ Übersetzung
Ti a Sie e , Mü ste .
nie wirklich wissen, dass die antiken rung der Steine über die Zeit ohne Be-
Werkstätten die zahlreichen Möglich- achtung der Fragen, was wir tun oder
Bildnachweis
keiten in Form von Auftragen oder was wir davon halten. Indem wir diese A . . : © N Ca ls e g Gl ptotek, Ole Haupt;
: © N Ca ls e g Gl ptotek, Rikke Ho e g The kildse ;
Weglassen polychromer Effekte voll weitgefassten terminologischen Ka- . : © N Ca ls e g Gl ptotek, Ma ia Louise Sa ge t;
ausschöpften. Die Kombinationen von tegorien wie «weiß» verwenden, täu- : AKG I ages ; He é Cha pollio He é
Cha pollio ; : © Tho aldse ’s Museu ; : © A alie
hochglanzpoliertem Marmor mit Farb- schen wir uns selbst, indem wir meinen, Sko ølle .

schichten, wie sie am Beispiel der ex- dass die Steine dieselben sind. Auf-
perimentellen Rekonstruktion des Rö- grund des eigenständigen Lebens des Literatur
The Tho aldse Museu A hi es: htps://a ki et.tho ­
mischen Jungen (Abb. 7) zu sehen sind, weißen Marmors haben frisch bemalte aldse s useu .dk/e
waren sicherlich ein Resultat der Ent- Kopien fragmentierter, antiker Statuen D. BATCHELOR, Ch o opho ia .
wicklungen auf dem Gebiet der Ober- eine provokative Wirkung auf den Mu- D. BINDMAN, Wa Flesh, Cold Ma le. Ca o a, Tho ­
aldse a d thei C ii s .
flächenbehandlung des Marmors im seumsbesucher. Die Erklärung für der-
M. BRADLEY, Colou a d a le i ea l I pe ial Ro e,
2. und 3. Jh. n. Chr., die in früherer Zeit artige emotionale Reaktionen liegt in i : P o eedi gs of the Ca idge Philologi al So iet
– .
noch nicht bekannt waren. der fehlenden Patina, die stark mit den
M. BRADLY, Colou a d Mea i g i A ie t Ro e .
Heute wird der Begriff «weißer Mar- Vorstellungen von historischer Gültig-
ST. GRANDESSO, Be tel Tho aldse –
mor» so häufig und so frei verwendet, keit und Authentizität verbunden ist, .
dass sich eine bestimmte Farbenblind- und nicht in der gewissen Vorliebe für K. EUSTACE H sg. , Ca o a. Ideal Heads .
heit bezüglich der verschiedenen Ver- «weißen» Marmor. Wenn die Museums- J. HALL, The Wo ld as S ulptu e. The Cha gi g Status
of S ulptu e f o the Re aissa e to the P ese t Da
änderungen, die die Steine im Laufe der besucher zu dem Schluss kommen, «Ich .
Zeit erhalten haben, entwickelt hat. So- bevorzuge die weißen Statuen», sehen M. HOLLEIN / V. BRINKMANN / O. PRIMAVESI, Ci u li­
gar antike Skulpturen, die äußerst stark sie nicht die antiken Marmorskulptu- io. The Pol h o of A i ue a d Medie al S ulptu e
.
von ihrer Patina beeinflusst wurden, ren, die nie schlicht weiß gewesen sind. ST. ROLLER H sg. , Die G oße Illusio . Ve isis he Skulp­
werden als «weißer» Marmor kategori- Schließlich ist die Farbigkeit auf Mar- tu e u d ih e Te h ike .

siert, beschattet von dem heutigen Blick morskulpturen stets präsent, sei es im L. SYSON / S. WAGSTAFF / E. BOWER / B. KUMER, Like
Life: S ulptu e, Colo a d the Bod .
auf die visuellen Effekte des Jahre materiellen Sinne oder auf emotionale J. STUBBE ØSTERGAARD / A. M. NIELSEN H sg. , T a s­
alten Schmutzes. Wenn komplexe Sach- Weise, indem sie sich unterbewusst im fo aio s. Classi al S ulptu e i Colou .

verhalte, die mit der Rekonstruktion Geist des Betrachters befindet.

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Aus der Reihe »Zaberns Bildbände zur Archäologie«

Innovationen haben nicht nur einen starken Einfluss auf unser heutiges
Leben, sie formten und beeinflussten bereits den Alltag der Menschen in der
Antike. Ein interdisziplinäres Expertenteam des Exzellenzclusters Topoi stellt
nun erstmals fächerübergreifend und basierend auf neuesten Forschungser-
gebnissen die bedeutendsten Innovationen der Menschheitsgeschichte vor:
von spezialisierter Viehzucht, über die Entwicklung effizienter Bautechniken
bis hin zu Zeit- und Wassermanagement. Spannend und leicht nachvollzieh-
bar zeigen die Autorinnen und Autoren, unter welchen gesellschaftlichen,
politischen und natürlichen Rahmenbedingungen bedeutende Innovationen
auftreten konnten und wie sie die Geschichte der Menschheit seit der Antike
nachhaltig beeinflussten. Eine faszinierende Einführung in ein äußerst aktu-
elles Phänomen.

Gerd Graßhoff / Michael Meyer (Hrsg.)


Innovationen der Antike
2018. 144 S. mit etwa 120 überw. farb. Abb., 24 x 30 cm, Fadenh., geb. mit SU. wbg Zabern, Darmstadt.
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Frank Kolb legt mit diesem Buch die ultimative Geschichte einer bedeutenden antiken Landschaft im Schnittpunkt der Kulturen
vor: Lykien im Südwesten der heutigen Türkei. Er beschreibt den Naturraum und die Kulturlandschaft: Bevölkerung und Gesell-
schaft, Wirtschaft, Siedlungs- und Herrschaftsstruktur, Sprache, Schrift und Kunst, Bräuche und Religion. Auf der Grundlage
seiner reichen archäologisch-historischen Forschungsergebnisse und anschaulich illustriert schildert Kolb, wie diese Lebens-
bereiche unter dem Einfluss der anatolischen, griechischen und vorderorientalischen Kulturen sowie der politisch-militäri-
schen Ereignisse die Landschaft geprägt haben. Wie die Geschichte eines primitiven bronzezeitlichen Hirten- und Piratenvol-
kes in eine glanzvolle Hochkultur mündete, die einige der bedeutendsten Monumente der antiken Welt hervorbrachte, bevor
sie ab der Mitte des 4. Jh.s mit der Integration in die hellenistische Welt ihren eigenständigen Charakter weitgehend verlor.

Frank Kolb
Lykien
Geschichte einer antiken Landschaft
2018. Etwa 720 S. mit etwa 300 s/w Abb. und Kt., 1 Farbbogen,
15,5 x 23 cm, geb. mit SU. wbg Zabern, Darmstadt. Erscheint 8.10.2018
99,95 € | ISBN:978-3-8053-5178-2

Die Mysterienvilla ist eine antike Villenanlage bei Pompeji, die beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 verschüttet wurde.
Aufgrund der dort gefundenen Fresken gilt die Villa als einer der bedeutendsten Fundorte der klassischen Archäologie. Das
Hauptstück im Esszimmer der Villa ist der Mysterienfries: 20 m lang, 2 m hoch, bedecken Fresken alle Wände des Raums.
Die Frage, was die Fresken zeigen, beschäftigt seit der Entdeckung 1911 Generationen von Archäologen und Althistorikern.
Paul Veyne bietet hier seine ganz eigene Auslegung. Demnach geht es um die Vorbereitungen auf eine Hochzeit. Diese
Interpretation belegt Veyne Stück für Stück und Szene für Szene - immer auch durch den Vergleich mit einem römischen
Fresko-gemälde aus augusteischer Zeit, der Aldobrandinischen Hochzeit. Erstmals mit Bildern, die die Fresken nach der 2015
abgeschlossenen Restaurierung zeigen.

Paul Veyne
Das Geheimnis der Fresken | Die Mysterienvilla in Pompeji
2018. Aus dem Franz. von A. und W. H. Leube. Etwa 208 S. mit 40 farb. Abb., Bibliogr.,
16,5 x 24 cm, geb. mit SU. wbg Zabern, Darmstadt. Erscheint 8.10.2018
49,95 € | ISBN: 978-3-8053-5176-8
KLEINES LAND, GROSSE KOSTBARKEITEN – Das Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken

Abb. 1
Das Museum für
Vor- und Früh-
geschichte am Saar-
brücker Schloss-
platz.

KLEINES LAND, GROSSE KOSTBARKEITEN


Das Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken

e , Wa ds hrä ke u d S hau- dass i Ko i aio it de Verlust


I m 19. Jh. wurde das Gebiet des heu-
ige Saarla ds als Teil Preuße s u d
Ba er s ar häologis h o Trier, Bo
is he so ie ers hiede e Glasstürze
u d S haugestelle erforderli h. We
jegli her Fors hu gsdoku e taio et-
li hes als Kriegs erlust zu deklariere
u d Spe er aus it etreut, eshal i so kurzer )eit ei e so u fa grei he ar. Au h die Wartezeit der Na hkriegs-
spektakuläre Fu de au h dorthi ge- Sa lu g ges hafe erde ko te, jahre is , als die E akuieru gskis-
riete . Ei e eige stä dige i situio- so e eist dies, ie rei h u ser Saar- te seit erst alig ieder geöf et
elle Bode de k alplege it Sitz i la d als uraltes Kulturla d a Bode - urde , ar de Sa lu gsgut dur h
Saar rü ke , el he für die Ausgra- urku de ist.» Der ) eite Weltkrieg u sa hge äße Lageru g alles a dere
u ge i der Saarregio zustä dig führte zu ei e her e Ei s h it für als zuträgli h. erfolgte die Wieder-
ar, e isierte a . Das ar häolo- das o h ju ge Museu . Das Ge äude eröf u g. Seit utzt das Museu
gis he Fu dgut sollte i ht ur agazi- urde ollko e zerstört. «Da- sei derzeiiges Do izil a Saar rü ker
iert, so der au h der Öfe tli hkeit als er ra te sä tli he Fu dakte , S hlossplatz A . .
zugä gli h ge a ht erde . / ar häologis he Karte , Photos, I e -
eröf ete die erste S hausa lu g i tare, die ga ze ert olle Bi liothek u d Die Dauerausstellung
se hs Säle – die Ge urtsstu de des alles is auf de letzte Bleisit.» Die Das Museu esitzt is auf e ige
Museu s für Vor- u d Frühges hi hte. ar häologis he O jekte are zu Dauerleihga e kei e aus Ausla ds-
Mit Stolz eri htete Karl Klei , erster Glü k re htzeiig e akuiert orde , je- gra u ge sta e de Artefakte a -
La desko ser ator u d Museu slei- do h au h dort i ht or Plü deru - iker Mitel eerkulture . Die Sa -
ter: «)ur Ei ri htu g are Vitri- ge u d Tra sports häde gefeit, so lu gsdireki e esta d o A fa g a

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ANTIKE WELT 5/18
M USE E N I N A LLER WELT

dari , ur lokale Fu de aus saarlä - Kera ike u d S h u kri ge zu sehe I . Jh. . Chr. ero erte Julius Cae-
dis her Erde zu sa el . Die Dauer- si d. sar die Regio , sie urde Teil der rö-
ausstellu g zeigt de e tspre he d ei- Die ä hste A teilu g führt zu is he Pro i z Gallia Belgi a. Ei e
e hro ologis he Ru dga g dur h gla z olle Herzstü k des Museu s, Vielzahl o Fu de erdeutli ht die
die Vor- u d Frühges hi hte der Saar- de Fürsi e gra o Rei hei , folge de E t i klu g ei er gallo-rö-
Regio , egi e d it der Altstei - das zur kelis he Ku st erste Ra ges is he Mis hkultur. Die Interpreta-
zeit u d sei e älteste E po at, de i Europa zählt A . . Ne e Ber - io Ro a a ist sp . a zulese a Göt-
Faustkeil o Lud eiler u stei kete , Glasperle , Bro zei el , terskulpture , u ter de e ursprü gli h
. Chr. . Li ear a dkera ik, Glo ke - ei e Ha dspiegel u d ei er Tri k- i hige kelis he Gotheite eiter-
e her u d Stei eile zeuge o gar itur it Röhre ka e faszi iere hi ihre Platz i regio ale rö is he
Ü erga g i die Ju gstei zeit. Fu de i s eso dere die golde e Hals- u d Pa theo ehielte , ie Epo a, S hutz-
der Bro zezeit ie Dol he, S h erter, Ar ri ge it ihre iligra e Verzie- göi der Pferde u d der Reiterei,
Beile u d )ier adel sta e or ie- ru ge . Etruskis he S h a elka e u d kelis h-rö is he Paar ildu ge
ge d aus Bestatu gsko te te oder elege ei e Ha delsaustaus h it als götli he Legii aio der Mis h-
Horfu de . Große Gra ur e der Ur- Regio e Mitelitalie s, u d au h Mü z- ehe ei de Irdis he ögli h are .
e felderkultur deute da ei au h auf prägu g u d Eise arre als erha del- Terra Sigillata-Ges hirr u d kost are
ei e We hsel i Bestatu gsritus o ares ) is he erzeug is deute auf ei Gläser stehe für de eue Lu us
der Körper- zur Bra d estatu g hi . reges Wirts hatss ste der Tre erer u d der Rö erzeit. Höhepu kte der rö-
Die Eise zeit ird ei geleitet dur h die der Medio atriker als der eide ortsa - is he A teilu g si d ei e Aus ahl
Hallstatkultur, aus der Eise s h erter, sässige Kelte stä e hi . fei ster Klei ro ze aus de rö-

Abb. 2 Goldschmuck aus dem Grabhügel der sog. Keltenfürstin von Reinheim, um Abb. 3 Statuette des Genius Populi Romani, Mitte 1. Jh. n. Chr.,
480−280 v. Chr. Frühlatène , FO Gersheim Reinheim . Bronze, FO Homburg (Schwarzenacker).

ANTIKE WELT 5/18


KLEINES LAND, GROSSE KOSTBARKEITEN – Das Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken

Gladiatore sze e A . , Speise


auf A ri htplate u d Tiere ie Hirs he,
Rau katze u d ei Posau e spiele -
der Hah .
Das Museu esitzt au h sehe s-
erte Bestä de der Völker a deru gs-
zeit aus ero i gerzeitli he Grä er-
felder , daru ter taus hierte Gürtelgar-
iture , Hie afe Spathae u d Sa e ,
Sturz e her, u te Glasperle kete
u d pru k olle Golds hei e i el it
Edelstei esatz. Aufgru d des hro i-
s he Platz a gels ist diese A teilu g
jedo h derzeit leider a ge aut u d a-
gazi iert.
Abb. 4 Römische Wandmalerei aus Mechern, 2. Hälfte 2. Jh. n. Chr., FO Merzig (Mechern).
Die Außenstelle Römische Villa
Nennig
is he Vi us o S h arze a ker Kir he ei e rö is he Villa e tde kt, Ne e de Sta haus des Museu s
A . u d die Wa d alereie o dere Wa d alereie is a. Höhe a Saar rü ker S hlossplatz uss au h
Me her . Dort urde ei A riss ei er sehr gut erhalte are . )u sehe si d sei e Auße stelle Er äh u g i de ,
die Rö is he Villa Ne ig, eher ergt
sie do h das größte u d edeute dste
E po at der Saarar häologie ü erhaupt.
Es ha delt si h u ei e
große Mosaik ode , i Größe u d
Qualität das edeute dste erhalte e
Beispiel rö is her Mosaiziste ku st
ördli h der Alpe , das i Ne ig o h
in situ a Fu dplatz zu sehe ist u d
ei st als pra ht oller S h u k die Ei -
ga gshalle der giga is he Mosel-
illa zierte A . . Der o geo etri-
s he Bordüre u d lorale Muster
gegliederte Bildteppi h zeigt i Bildfel-
der de Tagesa lauf o )irkusspie-
le , egi e d it der Ve aio, der
Tierhatz. Musiker it Orgel u d Tu a
sorge für die u terhaltsa e U ter-
alu g. Als Höhepu kt der Spiele ste-
he si h i Haupfeld z ei professio-
elle Gladiatore gege ü er, egleitet
o ei e S hiedsri hter.

Heute und in Zukunft


Heutzutage si d De k ala t u d Mu-
seu z ar i situio ell getre t, de -
Abb. 5
Mosaikboden der o h ü t das Museu , seit i
Römischen Villa de Ra g ei es La des useu s er-
Nennig, 1. Hälfte
3. Jh. n. Chr., ho e , a h ie or sei e Ker aufga e
FO Perl (Nennig). als S haufe ster der La desar häolo-

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M USE E N IN A LLER WELT

Abb. 6
Die Dauerausstellung:
Blick in den gallo-römischen
Götterkreis.

gie aus, das sei e E po ate aus de . Jh.» , «Altes u d eues Glas» Bildnachweis
Ausgra u ge i der Regio ko i u- , «Das Fe ster o Burg Siers- Alle A . Bildar hi Museu für Vor- u d Frühges hi hte
Saar rü ke .
ierli h speist. Die jetzige Daueraus- erg – ei u ge öh li her itelal-
Literatur
stellu g urde a h der letzte Ge e- terli her Bode fu d» , «Gra d
M. GLASER / S. MAREK / F.-J. SCHUMACHER, Die Rö i-
ralsa ieru g aufge aut, eshal Tour – Reise zu a ike Stäte » s he Villa Ne ig .

dur h de steige Neuzuga g a Fu - , «Der Berli er Skulpture fu d» K.-P. HEN) / F.-J. SCHUMACHER, Die Rö is he Wa d-
alereie o Me her .
de ei e Ü erar eitu g a steht, die it eige e Teil zu S hi ksal T. MARTIN, Ver ra t i ei er Bo e a ht – Das S hi k-
aktuelle Präse taio a er de o h des Saar rü ker Museu s i ) ei- sal der saarlä dis he Altertu ssa
Weltkrieg, i : Saarges hi hte /
lu g i ) eite
− .
– e au h auf re ht ü ers hau a- te Weltkrieg, «Patara – L kie s Tor T. MARTIN, Die e aio i rö is he Rei h – Tierhatze
rer Flä he – ei zeitge äßes Ausstel- zur rö is he Welt» . I Rah- auf de Gladiatore osaik der rö is he Villa Ne ig,
i : )oofreu d f.
lu gsdesig esitzt A . . Dur h e dieser Neuausri htu g urde R. MELCHER / M. GLASER / F.-J. SCHUMACHER Hrsg. ,
Museu für Vor- u d Frühges hi hte. Alte Sa lu g.
die i jü gerer )eit e tsta de e Ar- zahlrei he eue Ko takte u d Koope- Museu i der S hlosskir he. Führer dur h die Sa -
häologieparks, die deze tral i ih- raio e i I - u d Ausla d gek üpt, lu ge − .
R. MELCHER / F.-J. SCHUMACHER / T. MALTER Hrsg. , Ar-
re Gra u gs usee die Ges hi hte die zukü tig hofe tli h o h i te - häologis he S hätze o der Saar. Jahre Museu für
der Regio präse iere , ist zude si iert u d er eitert erde kö e . Vor- u d Frühges hi hte, Ausstell. Museu für Vor- u d
Frühges hi hte Saar rü ke , . . − . . .
die ursprü gli he Grü du gsidee zu Ei e Vergrößeru g der Dauerausstel- A. MIRON / A. SCHÄFER, er orge /e tde kt. Ei Streifzug
Teil o solet ge orde , de Bli k aus- lu g u die Fra ke zeit u d die zahl- dur h die Vor- u d Frühges hi hte des Saarla des .
R. SCHINDLER Hrsg. , Führer dur h das La des useu
s hließli h auf die Regio alar häolo- rei he i Magazi lager de Kost- für Vor- u d Frühges hi hte Saar rü ke .
gie zu ri hte . Als La des useu ist arkeite äre für die )uku t e e so
au h die Fu kio ei es oder e ei e sehr ü s he s erte Weitere t-
Informationen zum Museum
Kulturdie stleisters it atraki er i klu g. Museu für Vor- u d Frühges hi hte
u d a e hslu gsrei her A ge ots- S hlossplatz
D- Saar rü ke
gestaltu g zu erfülle . Daher urde
Tel. /
ego e , au h erstärkt So - . orges hi hte.de

derausstellu ge zu erar eite u d Adresse des Autors Öffnungszeiten:


zu zeige : «I spiraio A ike – Eu- Tho as Mari Di−So − Uhr u d Mi − Uhr
He s eilerstr.
ge o Bo h u d die Ar häologie i D- Riegels erg

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ANTIKE WELT 5/18
Rezensionen und Empfehlungen

GESICHTER ALS von Dr. Nadine Gräßler, Mainz


IDENTITÄTSSTIFTER
Das Gesicht bietet als Forschungs- u. a. an der Darstellung von fremdlän-
Ludwig D. Morenz, Büma Beryl,
gege sta d e or es Pote ial, Vorstel- dischen Gesichtern in Ägypten deutlich
Gesi hts-Frage − Bilda thropologis he
Bli ke: Europäis hes Paläolithiku , lu ge o Ide ität, Wahr eh u g wird), aber auch die Gesichtslosigkeit
Vorderasiais hes Neolithiku , Bro ze- und Körperkonzepten in alten Kulturen u d die kulturelle Prakike , die
zeitli hes Äg pte , Studia Euphrai a . zu untersuchen. Umso erstaunlicher it de Gesi ht i Ver i du g stehe
187 S. mit zahlreichen Abb., € 45,– (D). ist es, dass es bislang in der Forschung (z. B. die in Ägypten vorkommenden
EB-Verlag Dr. Bra dt, Berli .
nur wenig Beachtung gefunden hat. «Ersatzköpfe» . Vo Bedeutu g ist das
Mit dem Buch Gesichts-Fragen legen Gesicht zudem in Zusammenhang mit
Ludwig D. Morenz und Beryl Büma der Maske u d de Porträt, as zu
nun ein grundlegendes Werk vor, das Ü erlegu ge a h de persö li he /
einen Beitrag zur Gesichtsforschung naturgegebenen Gesicht im Gegensatz
leistet, wobei der Fokus auf bildanthro- zur kulturell konstruierten Darstellung
pologis he Phä o e e des Gesi hts von Gesichtern führt, wie sie in vielen
liegt. I zeh A s h ite erde alte Kulture zu fi de ist.
verschiedene Aspekte des Gesichts im Das Buch bietet eine gute Zusam-
paläolithis he Europa, alte Vorder- menstellung bildlicher Belege und
asien und – schwerpunktmäßig – alten möglicher Deutungsansätze für alle, die
Ägypten beleuchtet. sich mit dem Gesicht als Forschungs-
Dabei gehen Autor und Autorin gege sta d es hätige . Beso ders
eng an ausgewählten Belegen vor, um hervorzuheben sei abschließend auch
gesichtsrelevante Fragen aufzuzeigen: der hier verfolgte interdisziplinäre
Eine große Rolle spielt das Gesicht A satz, der ü ergreife de Phä o e e
als Bildträger u d Ide itätssiter ie deutlich macht.

KULTUR DES BÜRGER� von Mareile große Beilage, Mannheim


KRIEGS
Dominik Maschek gelingt es, die Ge- in Italien Roms Bundesgenossen in
Dominik Maschek, Die römischen Bür-
schichte der vielbeforschten römischen eine Notlage brachten, die eine knapp
gerkriege. Archäologie und Geschichte
einer Krisenzeit. 352 S. mit 28 s/w Bürgerkriege abseits der bekannten 100 Jahre andauernde Spirale der Ge-
Abb., € 49,95 (D). wbg Zabern, Darm- Linien zu erzählen. Mit dem Ziel, die walt auslöste, oder zu dem bemerkens-
stadt 2018. «Kultur des Bürgerkriegs» (19) und werten Schluss kommt, dass «opulente
ihre Aus irku ge auf die Gesells hat Gelage» und «abgeschlagene Köpfe»
aufzuspüren, zeichnet Maschek ein «zwei Seiten derselben Medaille» seien
i o ai es u d detailrei hes Portrait (226), ist dies sicherlich keine Urlaubs-
einer Zeit, das sich aus der Diskussion lektüre: Der di ht it I for aio e
der poliis he Ges hi hte öllig gespi kte Te t, der s h ell o ei e
zurückzieht. Anhand vor allem archäo- Schauplatz zum nächsten springt,
logischer Zeugnisse zeigt Maschek den fordert von den Leser*innen ein hohes
Aufsieg Ro s als «ei di htes Gefle ht Maß an Aufmerksamkeit und stellen-
o a htpoliis he , irts hatli he , weise ein gewisses Durchhaltevermögen.
soziale u d kulturelle Prozesse » Mascheks Buch eignet sich dabei
(57). Hervorzuheben sind insbesondere für alle, die genug von Sulla, Caesar und
die A al se zu La d esitz, Bautäigkeit Co. ha e , gerade au h irts hatsge-
und Konsumkultur der spätrepublikani- schichtlich interessiert sind und sich
s he Gesells hat i z eite Teil des der turbulenten Zeit einmal abseits der
Buches. Wenn Maschek erklärt, wie Geschichten «großer Männer» nähern
die erä derte Wirts hatsstrukture wollen.

Zusätzliche Buchbesprechungen 90
ANTIKE WELT 5/18
Leserportal. www.a ikewelt.de
BÜCHERSPIEGEL

o Lu ia S h erdt, Göi ge EIN ARCHÄOLOGEN�


LEBEN
Mit sei e «Aukläru gs u h» ö hte ner weit verbreiteten Meinung – nicht aus
Hauke Kenzler: Was Sie schon immer
Hauke Ke zler, der als Mitelalter- wie die Welt von Indiana Jones; man
über Archäologen wissen wollten.
archäologe zurzeit an der Universität ist i ht de ga ze Tag auf a e teuer- Indiana Jones von Beruf, 200 S.,
Ba erg lehrt, de öffe tli he Bild lichen Wegen im Dschungel oder den € 14,99 (D), BoD, Norderstedt 2018.
seines Berufsstandes begegnen: Begin- P ra ide o Gizeh u ter egs u d
nend bei der Frage, was Archäologen auch Goldschätze werden höchst selten
tatsächlich tun, über das Studium bis gefu de . Statdesse es hätigt a
zum Berufsleben – Hauke Kenzler er- sich als Universitätsangestellter bspw.
zählt humorvoll, zuweilen ironisch, von it der Fi a zieru g u d Pla u g
seinen eigenen Erfahrungen als Ar- o Projekte , soll e e ei Studie-
chäologe. In einer kurzen Einführung re de Wisse er itel u d die
spri ht er ü er das i der Öffe tli hkeit eige e Fors hu g ögli hst itels
von Indiana Jones geprägte Bild der Pu likaio e ei e reitere Fa h-
Archäologie und darüber, dass es «die Pu liku orstelle . Ei ige Kapitel zu
Archäologie» eigentlich nicht gibt, Berührungspunkten mit Strömungen
da sie si h i iele Teildiszipli e auf- ie LARP Live Acion Role Playing)
teilt sp . Pro i zialrö is he Ar häo- oder Reenactment, zur «Hilfe» durch
logie und Ägyptologie). So erhalten die Hobbyarchäologen, Ehrenamtliche und
Leser ei e Ü er li k, el he Berei he «Sondengänger» sowie zu Fälschungen
die Archäologie umfasst und wie sich u d Fehli terpretaio e der Fors hu g
diese voneinander abgrenzen. Es runden die Darstellung ab. Die Leser
schließen sich Kapitel über das Studium, können auf 200 Seiten einiges über die
die u si here Berufsperspeki e Ar häologie u d ihre Vertreter, a er
und schließlich den Arbeitsalltag auch Fachliches lernen, während sie
der Archäologen an: Der Arbeitsalltag von persönlichen Anekdoten des Autors
eines Archäologen sieht – entgegen ei- unterhalten werden.

o Prof. Dr. Christoph Ulf, I s ru k DAS BEDÜRFNIS )U


WISSEN
Als A lass für die z eite Auflage dieses mulieren ist, so kompliziert sind die
Heinz Warnecke, Homers Wilder Westen.
Bu hes . Aufl. er eist der Wege dorthin. Es gehört zu dieser Art
Die historisch-geographische
Autor auf ei e Terra X-Se du g, die sei- von Methode, Unklarheiten in den Wiedergeburt der Odyssee. 2., überar-
nen Forschungsergebnissen gefolgt sei. Quelle dadur h zu eseiige , dass eitete u d ergä zte Auflage, 44 S.,
Mit diesem Hinweis verrät er schon, man «plausible» Erklärungen anbietet. 10 s/w Abb., 3 farb. Abb., € 39,– (D).
as dieses Bu h ietet: die Sillu g des Ein anderer Weg ist das Heranziehen Fra z Stei er Verlag, Stutgart .
Bedürfnisses, genau zu wissen, was einer Unmenge von Quellen aus ver-
i der Verga ge heit ar, gerade da , schiedensten Zeiten sowie die eigene
e «die Wisse s hat» or ei e Argu e taio dadur h a zusi her ,
«Rätsel» stehen sollte. Das heißt hier, )itate aus isse s hatli he U tersu-
dass die Odyssee (und die Ilias ebenso) chungen vom Beginn des 19. Jhs. bis
in einem klar umrissenen, benenn- heute beinahe willkürlich zu mischen.
baren historisch-geographischen Raum Dennoch wird das Buch seine Liebha-
erortet ird. Auf dieser si plifiziere - er fi de , eil die Behauptu g, dass
den Methodik beruhend verspricht o «S ste Wisse s hat» Wisse
der Autor etwas, was «der Wissen- verschleiert werde, in der Gegenwart
s hat» isher i ht gelu ge sei: die eine überraschende und bedauerliche
Verga ge heit zu e trätsel . Akzeptanz gefunden hat. Da bleiben
Die Hypothese ist einfach: Odysseus isse s hatstheoreis he u d lite-
war auf der ionischen Insel Kephal- ratur isse s hatli he Ü erlegu ge
lenia zu Hause und seine Erlebnisse auf und solche der historischen Methodik,
der Rü kfahrt o Troia lasse si h mit denen auf klaren Wegen zu fun-
ebenfalls ganz konkret auf der Land- dierte , a er i ht i er ei deuige
karte lokalisieren. So klar das Ergebnis Ergebnissen zu gelangen ist, auf der
der Argu e taio i Bu h zu for- Strecke.

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ANTIKE WELT 5/18
Bite ea hte Sie, dass si h die Ausstellu gsdate u d Öff u gszeite der ei zel e Musee kurzfrisig ä der kö e .

BELGIEN allen Bundesländern das Zusammenleben in Europa BONN


von der Frühzeit bis in die jüngere Vergangenheit. LVR-LandesMuseum Bonn
Geöf et: Mi–Mo – Uh Eu opa i Be egu g. Reise i f ühe Mitelalte
BRÜGGE Niede ki h e st aße 15. November 2018 bis 12. Mai 2019
Xpo Center Bruges . e li e festspiele.de Geöf et: Di–F , So – Uh , Sa – Uh
Mumien in Brügge – Geheimnisse des alten Col a tst aße –
Ägypten .la des useu - o .l .de
bis 11. November 2018 BERLIN
Zu sehen sind neun mit modernster Technologie Bode-Museum
untersuchte, über 2000 Jahre alte Menschen- BONN
und Tiermumien sowie mehr als 200 Objekte aus Menschenbilder – Wege zum Porträt von Akade is hes Ku st useu / A ike sa lu g
dem alten Ägypten. de A ike is zu Gege a t der Universität Bonn
Geöf et: Mo–So – Uh bis 7. Oktober 2018 Götli he U ge e higkeit? St afe u d
Ma iast aat Münz- und Medaillenporträts von der Antike bis zur Glau e sp üfu ge als The e a ike u d
htps:// po- e te - uges. e Gegenwart geben einen Überblick über ver- frühchristlicher Kunst
schiedene Darstellungsformen und unterschiedliche bis 28. Oktober 2018
Botschaften für die Betrachter. Ausgestellt sind Mit einer kleinen Sonderausstellung wird das
MORLANWELZ ausschließlich Objekte, die bisher nicht in der Dauer- 200-jährige Bestehen der Rheinischen Friedrich-
Musée royal de Mariemont ausstellung des Münzkabinetts zu sehen sind. Wilhelms-Universität Bonn und ihres Akademischen
Au temps de Galien. Un médecin grec dans Kunstmuseums, der Antikensammlung der
l‘empire romain Z ei Ka ele u d ei Heilige . Das a ike Pilge - Universität, gefeiert. Ausgewählte antike Mythen
bis 2. Dezember 2018 zentrum Abu Mina in Ägypten und Erzählungen aus dem Alten Testament, bei
Die Ausstellung «Aus dem Leben des Galenos. Ein bis 31. Januar 2019 denen es um göttliche Un- Gerechtigkeit geht,
griechischer Mediziner im Römischen Reich» In Abu Mina, in der Nähe von Alexandria, entstand werden sowohl durch Schriftquellen als auch mit
stellt den Arzt und Schriftsteller Galenos von im . Jh. n. Chr. um das Grab des (eiligen Menas Originalfunden, Abgüssen oder Fotos präsentiert.
Pergamon – ca. n. Chr. vor, sein Wirken ein christliches Pilgerzentrum. Bauskulpturen, Pilger- Geöf et: Di–F – Uh , So – Uh
in Pergamon und Rom, seine Beschäftigung mit andenken und Alltagsobjekte aus dem Bestand A Hofga te
Krankheiten und Epidemien sowie das Nachwir- des Museums für Byzantinische Kunst werden vorge- .a ike sa lu g.u i- o .de
ken seines Wissen durch viele Jahrehunderte. stellt.
Zahlreiche Leihgaben, darunter Papyri und seltene
Handschriften und natürlich auch medizinische Geöf et: Di+Mi – Uh , Do – Uh , BRAMSCHE-KALKRIESE
Instrumente sowie Porträts, Statuetten, griechische F –So – Uh Museum und Park Kalkriese
und lateinische Inschriften, Exvotos, Reliefs und A Kupfe g a e Göte , Glau e u d Ge a e
magische Amulette sind zu sehen. .s . useu .de bis 28. Oktober 2018
Geöf et: Di–So – Uh Einen Überblick über den Glauben und die religiöse
Chaussée de Ma ie o t Praxis der Germanen in Norddeutschland und
. usee- a ie o t. e BERLIN Dänemark im . Jt. n. Chr. bieten die Ergebnisse und
Neues Museum Funde der Ausgrabungen der letzten Jahre an
Margiana. Ein Königreich der Bronzezeit den dänischen Fundplätzen Hoby, Gudme und Tissø
TONGEREN i Tu k e ista und vergleichbare Befunde in Feddersen Wierde
Gallo-Römisches Museum bis 7. Oktober 2018 bei Cuxhaven.
Stonehenge – Das Ende des Mysteriums Präsentiert werden die Ergebnisse der archäologi- Geöf et: Mo–So – Uh
13. Oktober 2018 bis 21. April 2019 schen Forschungen, die in der antiken Metropole Ve e St aße
Die Ergebnisse neuer archäologischer Untersuchungen von Gonur Depe unweit von Merw gr. Margiana .kalk iese- a uss hla ht.de
geben Antworten auf die alten Fragen nach der durchgeführt wurden: die von einem gewaltigen
Bedeutung, der Bauweise und den Erbauern dieser Mauerring umschlossene, 28 ha große Stadtanlage
berühmten Anlage. mit Palast, Wohnarealen, (andwerker-vierteln FRANKFURT AM MAIN
Geöf et: Di–F – Uh , Sa+So – Uh und Nekropolen. Ergänzt werden die Funde – Archäologisches Museum
Kiele st aat u. a. Prunkwagen, Schmuck, Waffen und Gefäße Gold & Wein – Georgiens älteste Schätze
.gallo- o ei s useu . e aus Silber und Gold – durch eindrucksvolle 6. Oktober 2018 bis 10. Februar 2019
Aufnahmen von Herlinde Koelbl, die Landschaften Geöf et: Di–So – Uh , Mi – Uh
und archäologische Denkmäler zeigen. Ka elite gasse
Geöf et: Di+Mi – Uh , Do – Uh , .a haeologis hes- useu .f a kfu t.de
DEUTSCHLAND F –So – Uh s. a. die Beiträge S.  ff.
A Lustga te
.s . useu .de
ASCHAFFENBURG FRANKFURT AM MAIN
Pompejanum Liebieghaus Skulpturensammlung
Di i e X Desig . Das Kleid de A ike Medeas Liebe und die Jagd nach dem Goldenen Vlies
bis 31. Oktober 2018 5. Oktober 2018 bis 10. Februar 2019
Geöf et: Di–So – Uh Geöf et: Di, Mi, F –So – Uh , Do – Uh
Po peja u st aße S hau ai kai
.a ike-a -koe igsplatz. .de .lie ieghaus.de

BAD HOMBURG HERBERTINGEN-HUNDERSINGEN


Römerkastell Saalburg Heuneburgmuseum und Freilichtmuseum
Ro le t! … u d i ite d i ! Heuneburg
bis 28. Oktober 2018 De U li ge Reite : Kelte , Pfe de, Wage le ke
Geöf et: Mo–So – Uh bis 31. Oktober 2018
Saal u g Geöf et: Di–So – Uh
.saal u g useu .de Bi z a ge St aße
.heu e u g.de

BERLIN
Mari -Gropius-Bau HILDESHEIM
Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland Roemer- und Pelizaeus-Museum
21. September 2018 bis 6. Januar 2019 Kulturerbe in Gefahr. Afghanistan
Das «Europäische Jahr des Kulturerbes 2018» ist 21. September 2018 bis 17. Februar 2019
der Anlass, archäologische Neufunde zu präsen- «Margiana»: Keramische Sitzfigurine aus Gonur Depe, Dieses neue Ausstellungsformat besteht aus den
tieren und Altfunde neu zu bewerten. In vier großen Detail, Grab , Ende . bis Mitte . Jt. v. Chr. drei Komponenten Objekte, Erfahrungen und
Themen – Mobilität, Konflikt, Austausch und Keramik, Staatliches Museum Turkmenistan, Aschgabat Begegnungen: ausgewählte antike Funde aus Afgha-
Innovation – zeigen hochrangige Exponate aus © (erlinde Koelbl . nistan, Fotos des Hildesheimers Jochen Blume

92
ANTIKE WELT 5/18
AUSSTELLUNGSKALENDER

von seiner Afghanistanreise 1977 und Geschichten Geöf et: Di–F . – Uh , Sa+So – Uh WITTELSHOFEN
von Menschen aus Afghanistan, die in Hildesheim I E let Limeseum
leben. Diese Idee wird in den kommenden . useu - a hi g.de Vo S haf zu Tu ika – Te ilha d e k u d
Jahren fortgesetzt mit den Ländern Jemen Mode in römischer Zeit
und Sudan . bis 14. Oktober 2018
Geöf et: Di–So – Uh MANNHEIM Geöf et: Di–F – Uh , Sa+So – Uh
A Stei e – Reiss-Engelhorn-Museen Rö e pa k Rufe hofe
. p useu .de Mumien – Geheimnisse des Lebens .li eseu .de
bis 31. März 2019
Die große Mannheimer Mumienausstellung von 2007
IPHOFEN ist nach mehrjähriger Reise zurück und wird in XANTEN
Knauf-Museum Iphofen neuer und erweiterter Form präsentiert. Zahlreiche LVR-RömerMuseum
Heinrich Schliemann – Troja neue Forschungsergebnisse und viele in Mann- Wa e ege – Wa e lüsse
bis 4. November 2018 heim bisher nicht gezeigte Mumienfunde werfen bis 18. November 2018
Neben Exponaten aus der Berliner Troja-Sammlung, einen besonderen Blick auf die Mumienforschung. Dargestellt wird, wie Waren aus allen Teilen der
werden Heinrich Schliemann und seine wissen- Geöf et: Di–So – Uh damals bekannten Welt über gefährliche See-
schaftlichen Forschungen vorgestellt sowie das )eughaus C und Landwege an den Niederrhein zur Colonia
Schicksal des Priamos-Schatzes aufgezeigt. . e . a hei .de Ulpia Traiana gelangten.
Geöf et: Di–Sa – Uh , So – Uh Geöf et: Mo–So – Uh
A Ma ktplatz Siegf iedst aße
.k auf- useu .de MORBACH-WEDERATH .ap .l .de
Archäologiepark Belginum
A g if u d Ve teidigu g. Wafe kelis he u d
KOBLENZ römischer Zeit im Treverergebiet ZÜLPICH
Landesmuseum Koblenz / Haus der Archäologie bis 4. November 2018 Römerthermen Zülpich – Museum der
vorZeiten – Archäologische Schätze an Rhein Geöf et: Di–So – Uh Badekultur
und Mosel Kelte st aße I s Li ht ge ü kt
bis 29. Oktober 2018 . elgi u .de bis 4. November 2018
Geöf et: Mo–So . – Uh Zum 10. Geburtstag des Museums wird anhand von
Festu g Eh e eitstei Fotografien, Videoaufnahmen, Ausstellungs-
. o zeite -ausstellu g.de MÜNCHEN objekten und Plakaten die Entstehung und Entwick-
Staatli he A ike sa lu ge lung der Römerthermen Zülpich vorgestellt.
Tod in Triest. Auf den Spuren von Johann Geöf et: Di–F – Uh , Sa+So – Uh
KÖLN Joa hi Wi kel a Ma kt
Römisch-Germanisches Museum bis 9. Dezember 2018 . oe e the e -zuelpi h.de
BodenSchätze: Archäologie in Köln Aus Anlass der 250. Todestages von Johann Joachim
bis 11. November 2018 Winckelmann, der am . Juni in Triest er-
Die lange Kölner Stadtgeschichte wird durch mordet wurde, wird nochmals seine Bedeutung für
alte und neue Funde präsentiert. die Klassische Archäologie und für das Kunstver- FRANKREICH
Geöf et: Di–So – Uh ständnis des Klassizismus herausgestellt – speziell auch
Ro alliplatz unter der Berücksichtigung des Kunststandortes
. usee koel .de München. SENS UND TROYES
Geöf et: Di–So – Uh , Mi – Uh Les Sénons. Archéologie & histoire d‘un peuple
Kö igsplatz gaulois
.a ike-a -koe igsplatz. .de bis 29. Oktober 2018
«Die Senonen. Archäologie und Geschichte eines galli-
schen Stammes» werden an zwei Orten vorge-
NEBRA stellt. Anhand von zahlreichen Objekten, Zeichnungen
Arche Nebra und Rekonstruktionen werden in Troyes die
Roms Legionen unterwegs Themen Wohnen, Landwirtschaft, Kunst und (and-
bis 4. November 2018 werk, in Sens die Themen Religion, Bestattungs-
Geöf et: Mo–So – Uh rituale und Grabausstattung behandelt.
A de Stei klö e Geöf et: Mi–Mo – Uh u d – Uh
.hi elss hei e-e le e .de
Sens, Palais S odal
Pa is de la Cathéd ale
STUTTGART .tou is e-se s. o
La des useu Würte erg
Faszi aio S h e t Troyes, Musée des Beau -A ts et d’A héologie
13. Oktober 2018 bis 28. April 2019 Rue de la Cité
Das Schwert wird seit Jahrtausenden von den Men- . usees-t o es. o
«BodenSchätze»: Kleiner Fischteller mit Darstellung schen als tödliche Waffe, Grabbeigabe oder
eines Knurrhahns aus dem . Jh. n. Chr. von der wertvolles Prestigeobjekt verwendet. 340 Exponate
Kölner Severinstraße. Römisch-Germanisches Museum – Originale aus mehreren Jahrhunderten, Repliken
© Rheinisches Bildarchiv Köln, Anja Wegner . aus Serien und Computerspielen, Kunstwerke, GRIECHENLAND
Handschriften, Hollywood-Plakate – zeigen die bis
KÜNZING heute ungebrochene Faszination.
Museum Quintana Geöf et: Di–So – Uh , Do – Uh ATHEN
O akel. A ike li kt i die Zuku t S hille platz Ar häologis hes Naio al useu
28. September bis 16. Dezember 2018 .la des useu -stutga t.de
Geöf et: Di–So – Uh Α ρια ός αι Αθή α. Σ ο ι ώ ας έ α
Oste hofe e St aße ι α ό όσ ο
. useu - ui ta a.de TRIER bis November 2018
Rheinisches Landesmuseum «(adrian und Athen. )m Gespräch mit einer fiktiven
200 000 Jahre Genussgeschichte(n) Welt» – diese kleine Schau erinnert an den Regie-
MANCHING bis 30. September 2018 rungsantritt von Kaiser (adrianus n. Chr. und
kelten römer museum Eine kleine Präsentation in der Dauerausstellung markiert den Beginn des Europäischen Jahres des
Die Bilderwelt der Kelten ermöglicht Einblicke in   Jahre Ess- und Trink- Kulturerbes im Jahre 2018. Zahlreiche Porträts
bis 27. Januar 2019 kultur in der Trierer Region: von der Eiszeit über des Kaisers stehen neben Figuren von griechischen
Da die Dauerausstellung der Archäologischen Staats- die Kelten und Römer bis zur Zeit der Kurfürsten. Dichtern, Denkern und Politikern.
sammlung in München seit 2016 wegen einer um- Geöf et: Di–So – Uh
fangreichen Generalsanierung geschlossen ist, werden Wei a e Allee Οι α έ ρη ς όψ ις ο Ωραίο
die keltischen Funde zur Zeit in Manching gezeigt. .la des useu -t ie .de bis Mai 2019

93
ANTIKE WELT 5/18
AUSSTELLUNGEN�
EXTRA
SPEYER

Historisches Museum der Pfalz


Vale i ia I. u d die Pfalz i de
Späta ike
Abb. 1
bis 11. August 2019 Frühchristlicher Brotstempel mit Christogramm und
der )nschrift «ad pane m pingere utere felix» auf
Geöf et: Di–So – Uh das Brot zu drücken – gebrauche es glücklich , gefun-
Do platz den 1919 bei Ausgrabungen im Bereich des spätrömi-
schen «burgus» von Eisenberg © Speyer, (istorisches
. useu .spe e .de Museum der Pfalz, Foto: P. (aag-Kirchner .

VALENTINIAN I. UND DIE PFALZ IN


DER SPÄTANTIKE

o Mela ie He get efesigte Siedlu ge u d la d irt-


s hatli he Betrie e . Ei ige dieser

I m Jahr 364 n. Chr. beginnt für die


Pfalz und den Nordwesten des
Imperium Romanum eine besondere
illae usi ae – wie etwa in Wachen-
heim oder Ungstein – wurden in der
Späta ike eu- oder u ge aut, o-
Ära: Fla ius Vale i ia us ird zu bei wahre Prunkvillen entstanden. Die
Kaiser des Römischen Reiches erho- Pfalz erfuhr damit für kurze Zeit eine
ben und wählt Augusta Treverorum irts hatli he u d kulturelle Blüte,
(Trier) zu seiner bevorzugten Residenz. die nach dem Zusammenbruch der rö-
Von dort unternimmt er zahlreiche mischen Verwaltung im 5. Jh. n. Chr.
Reisen durch die Provinzen an Rhein jedoch allmählich ein Ende fand.
und Donau und besucht auch mehr- Die Ausstellung wird dem Besucher
fach die Pfalz. Nach den schweren auf Grundlage originaler Hinterlassen-
Alamanneneinfällen in den Jahren zu- s hate u d i teraki er uli edia-
Abb. 2 Glaspokal aus einer spätantiken or ird dur h Vale i ia I., der als ler Einheiten einen Einblick in diese
Bestattung des Gräberfeldes von Wa-
chenheim Lkr. Bad Dürkheim © GDKE, einer der starken Kaiser seiner Zeit wechselvolle Umbruchszeit des 4. und
Landesarchäologie Speyer, Foto: C. Breckle . gilt, ei u fa grei hes Befesigu gs- . Jhs. . Chr. iete , ergä zt dur h
programm an der Rheingrenze und zahlrei he eu a geferigte Le e s il-
im Hinterland realisiert. Er soll sogar der, die de Besu her ei lade , i
einige der Festungsbaumaßnahmen die Welt der späta ike Pfalz ei zu-
persönlich überwacht haben und ist tauchen.
da it der ei zige rö is he Kaiser, Die Exponate der Ausstellung – ar-
der direkt mit der Regionalgeschichte häologis he Fu de aus Grä er , ili-
verbunden werden kann. Am 19. Juni tärischen und zivilen Siedlungen sowie
3 9 . Chr. et a ü er a ht Vale i- i te io elle Depo ieru ge – sta -
nian in Altrip den Bau eines neuen men vor allem aus regionalen Museen
Kastells, i Jahr darauf erlässt er ei u d Sa lu ge , ei e erhe li he
Gesetz in Alzey. Anteil haben die Bestände des Histori-
Mit dieser Ausstellung wird ein Zeit- schen Museums der Pfalz Speyer.
a s h it i de Fokus des I teresses Ei e Kooperaio it der Ge eral-
gerü kt, der i der Regio iele direkio Kulturelles Er e Rhei -
Spuren hinterlassen hat. Während la d-Pfalz GDKE , Direkio La des-
die Späta ike i Allge ei e – ot ar häologie, Auße stelle Speyer
zu Unrecht – als Zeit des Niedergangs und dem Heidelberg Center for Cul-
Abb. 3 Bronzene Lampe in Form einer
Taube, gefunden in Altrip © Speyer, u d des Verfalls gilt, zei h e die tural Heritage der Ruprecht-Karls-
(istorisches Museum der Pfalz, Foto: C. Breckle . archäologischen Zeugnisse in der Universität Heidelberg (HCCH)
Pfalz ein anderes Bild dieser wechsel- ermöglicht überdies die Einbindung
vollen Zeit. Aktuelle Forschungs- neuester Forschungsresultate und
ergebnisse bezeugen eine dicht be- aktueller Gra u gserge isse, die
siedelte La ds hat it zahlrei he zu Teil erst alig der Öffe tli hkeit
größere u d klei ere Städte , präse iert erde .

94
ANTIKE WELT 5/18
AUSSTELLUNGSKALENDER

«Die unzähligen Aspekte des Schönen» ist die dritte Geöf et: Di–So – Uh Geöf et: Mi–So – Uh
und letzte Ausstellung anlässlich des 150-jährigen Via IV No e e Egge e ge Allee
Jubiläums des Museums. Die archäologischen Funde . e aidit aia o.it . useu -joa eu .at/a haeologie useu -
zeigen Darstellungen antiker Mythen von Aphro- s hloss-egge e g
dite oder Adonis, die Schönheit des menschlichen
Körpers und besondere Objekte zum Schönsein wie ROM
Kleidung, Frisuren, Schmuck, Parfümfläschchen. Musei Capitolini MISTELBACH
La Roma dei Re Museumszentrum
Geöf et: Mo – Uh , Di–So – Uh bis 27. Januar 2019 Faszi aio P a ide
Paissio St aße Die Ausstellung «Das Rom der Könige» wirft einen bis 25. November 2018
. a useu .g Blick auf die älteste Phase der Geschichte Roms: Den Fragen nach Bau, Bauzeit, Finanzierung und
die Stadtentwicklung, die Religion, das Alltagsleben, Bedeutung der Pyramiden wird durch Modelle
die technischen Fertigkeiten, die kulturellen und Zeichnungen nachgegangen. Daneben werden
Kontakte. Köpfe von Pharaonen, Statuen und Reliefs aus
GROSSBRITANNIEN Geöf et: Di–So . – . Uh Altägypten oder Goldringe einer Königin von Nubien
Piazza del Ca pidoglio gezeigt. Dargelegt wird auch die Begeisterung
. usei apitoli i.o g in Europa, welche die Pyramiden und Obelisken in
BIRMINGHAM der Neuzeit hervorriefen.
The Bar er I situte of Fi e Arts / Coi Gallery Geöf et: Di–So – Uh
The Last Roman. Peasant to Emperor SYRAKUS Waldst aße –
bis 14. April 2019 Galleria Civica Montevergini . a uz.at
Die Ausstellung «Der letzte Römer. Vom Bauern zum Archimede a Siracusa
Kaiser» stellt das Leben und Wirken des Kaisers bis 31. Dezember 2019
)ustinianus reg. – vor. Archimedes von Syrakus, einem der größten Wissen- SCHALLABURG
Geöf et: Di–Sa – Uh , So – Uh schaftler der Antike, ist eine große Ausstellung Ausstellungszentrum
U i e sit of Bi i gha gewidmet. Seine genialen Erfindungen von Kriegs- Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre
. a e .o g.uk maschinen und anderen Geräten werden durch bis 11. November 2018
Zeichnungen, Modelle sowie Multimedia-Installa- Erneut bietet das RGZM eine Byzanz-Ausstellung
tionen ausführlich vorgestellt und erklärt. Eine an: der Fokus liegt diesmal auf den wechsel-
OXFORD moderne Bronzestatue des Archimedes von Pietro haften Beziehungen zwischen dem lateinischen
The Ashmolean Museum Marchese am Rivellino del Ponte Umbertino wurde Westen und dem griechisch-byzantinischen
A i ous: o – ade – god im März 2018 am Pi-Tag eingeweiht. Osten.
25. September 2018 bis 24. Februar 2019 Geöf et: Di–So – Uh Mai–Septe e , Geöf et: Mo–F – Uh , Sa+So – Uh
Geöf et: Di–So – Uh Di–So – Uh Okto e is Ap il S halla u g
Beau o t St eet Via Sa ta Lu ia alla Badia .s halla u g.at
.ash olea .o g . ost aa hi ede.it s. a. Titelthema AW / .

LONDON WELS
Museum of London Docklands NIEDERLANDE Stadtmuseum Wels – Minoriten
Roman Dead Lu us i Alltag – Zi iles Le e i ö is he
bis 28. Oktober 2018 Wels
2017 wurde ein weiterer römischer Sarkophag (der LEIDEN bis 4. November 2018
dritte seit in London gefunden. Zusammen Rijksmuseum van Oudheden Geöf et: Di–F – Uh , Sa – Uh ,
mit über 200 Objekten aus Nekropolen des römischen Goden van Egypte So – Uh
Londinium – Grabsteine, Urnen, Schmuck, 12. Oktober 2018 bis 31. März 2019 Mi o ite platz
Skelette – wird so ein Überblick über die Begräbnis- «Die Götter Ägyptens» werden mit ca. 500 Objekten . els.at
arten und den Bestattungskult gegeben. – Statuen von Göttern, Reliefs, Stelen und Papyri –
Geöf et: Mo–So – Uh aus niederländischen und anderen europäischen
No Wa ehouse / West I dia Qua Museen vorgestellt
. useu olo do .o g.uk Geöf et: Di–So – Uh SCHWEIZ
Rape u g
. o. l
BASEL
ITALIEN A ike useu Basel u d Sa lu g Lud ig
Na kt! Die Ku st de Blöße
26. Oktober 2018 bis 28. April 2019
FLORENZ Anhand ausgewählter Beispiele aus der eigenen
Limonaia del Giardino di Boboli Sammlung wird die Nacktheit in der antiken
A cavallo del tempo. L’arte di cavalcare Kunst vorgestellt und ihre Bedeutung und Wirkung
dall’A i hità al Medioe o aufgezeigt.
bis 14. Oktober 2018 Geöf et: Di–So – Uh
Anhand verschiedener Themen – Mythologie, Religion, St. Al a g a e
Alltagsleben, Sport, Krieg und Bestattung – wird .a ike useu asel. h
die jahrtausendealte enge Verbindung zwischen Mensch
und Pferd aufgezeigt. «Goden van
Geöf et: Di–So – . Uh Egypte»: Bronze- VALLON
.uizi.it statuette des Musée Romain Vallon
Bes, Spätzeit Des hif es ou des let es. Co pte , al ule ,
– v. Chr.;
© Museo Egizio, esu es à l’épo ue o ai e
ROM Turin . bis 24. Februar 2019
Mer ai di Traia o / Museo dei Fori I periali In der Ausstellung «Zahlen oder Buchstaben. Zählen,
I o i i dell’I pe o Ro a o. Il Li es Da u ia o: rechnen, messen in römischer Zeit» geht es um
da Traiano a Marco Aurelio Entstehung und Entwicklung der römischen Zahlen-
bis 18. November 2018 symbole: um die Zeitrechnung, um das Messen
Die Ausstellung «Die Grenzen des Römischen Reiches. ÖSTERREICH und Wiegen sowie um das Geldzählen.
Der Donaulimes: von Traianus bis Marcus Aure- Geöf et: Mi–So – Uh
lius» weist auf die geplante Aufnahme des Limes Pan- Ca ig a
nonicus in die Liste der UNESCO-Welterbestätten GRAZ . usee allo . h
hin. Im Vordergrund stehen die jüngsten archäologi- Ar häologie useu , S hloss Egge erg
schen Ausgrabungen in der Slowakei, womit Messerscharf – 6000 Jahre Hornsteinbergbau Hi eise auf So de ausstellu ge
gleichzeitig an den 25. Jahrestag der Gründung der in Rein bei Graz kö e Sie ge e a diese Ad esse s hi ke :
Slowakischen Republik erinnert wird. bis 31. Oktober 2018 ak@ g- isse e i det.de

95
ANTIKE WELT 5/18
VORSCHAU

DAS NÄCHSTE HEFT ERSCHEINT


MYKENE
AM 16.11.2018
6.18
)eits hrit für
TITELTHEMA
Ar häologie u d
Kulturges hi hte

MYKENISCHE BILDERWELT: o Dia a is Pa agiotopoulos


WAS WIR AUS DER MYKENISCHEN
IKONOGRAPHIE ÜBER DIE WELT
UND DIE WERTVORSTELLUNGEN
DER MYKENISCHEN ELITE ERFAH�
REN KÖNNEN

TRANSFORMATION AM BEGINN o Joseph Mara


DER MYKENISCHEN PERIODE

DER MYKENISCHE PALAST � o Ber hard Stei a

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u d Kolleki estatu g Sirkeli Hö ük KULTURGUTSCHUT) WICHTIG SIND

IMPRESSUM

Chefredakio : Holger Kie urg A o- u d

Weitere I halte u d
Redakio : E a Pas h, Ga riele Le ek Titelthe a , Leserser i e: IPS Date ser i e G H
Dr. A e o e )s hätzs h Ausstellu gskale der . Posfa h
D- Me ke hei
Korrespo de i i Ro : Dr. Maria-Aurora . Hase Salto

I fos fi de Sie u ter


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E dlektorat: Walter Wösthei ri h e- ail: a @a otea .de
Vertrie : IPS Presse ertrie G H

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Mela ie Ju gels, La out l Satz l Bild, Ge si ge D- Me ke hei
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Prof. Dr. Wer er E k, Köl Alte Ges hi hte, rö is he Kaiserzeit ,
A o e e tpreis Hete jährli h u d ei zusätzli hes
So derthe e het :
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Prof. Dr. Tho as Fis her, Köl Pro i zialrö is he Ar häologie ,
Prof. Dr. Ha s-Joa hi Gehrke, Frei urg Alte Ges hi hte , Er äßigtes Stude te a o e e t:
Prof. Dr. Friedri h-Wilhel o Hase, Ma hei Italis he Vor- € ,– D / € ,– EU / € ,– Welt i kl. Porto
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Ro Klassis he Ar häologie , Prof. Dr. Tho as O. Höll a , Preis der Ei zel u er: € , D zzgl. Porto. *ggf. zzgl. M St.
Mü he Fer er Oste , Prof. Dr. Hart ut Leppi , Fra kfurt a. M.
Alte Ges hi hte, Späta ike , Prof. Dr. Joseph Mara , Heidel erg Ba k er i du g:
Ur- u d Frühges hi hte , Dr. Ralf-B. Wartke, Berli Ar häologie Sparkasse Dar stadt
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Tel. / der WBG er ögli ht.
Fa /
Lithos: La out l Satz l Bild, Ge si ge
e- ail: hk@ha e-k i k a .de Dru k: Süddeuts he Verlagsgesells hat Ul
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)urzeit gelte die Mediadate , gülig seit Septe er . ISSN: - -X; ISBN: - - - - ;- - PDF

96
ANTIKE WELT 5/18
GEFLÜGELTE WORTE

)I‹A‹E AUS DER AL‹EN WEL‹ – WOHER SIE KOMMEN UND WAS SIE BEDEU‹EN

«EIN MITTLERER WILL ICH SEIN!


Ein Loblied auf den Mitelstand von Klaus Bartels

U die We de o . zu . Jh. . Chr. hate der ilesis he Lyriker Phokylides it ei e k appe


Si spru h de ‹o orgege e : «Vielerlei Bestes ge ieße die Mitlere : Ei Mitlerer
ill i h i der Stadt sei !» I der Folge hate Euripides die «drei ‹eile» i Staat it gro e Stri he
Die Zitate
PHOKYLIDES, Senteniae,
Frag e t Diehl – Eu-
ripides, Hikeiden f.
u risse : «Drei ‹eile si d’s o Bürger . Erst die Rei he : / U ütz si d die u d oller Gier Ü ersetzu g: K. B. –
a h ehr. / Die Ar e da , die i hts zu eiße ha e : / Die si d gefährli h, oller Neid u d ARIS‹O‹ELES, Poliik , .
f.
Hass, / u d kehre ihre Sta hel gege je e, / o ü le Volks erhetzer a geführt. / Der
drite i der Mite s hützt die Staate / u d ahrt die Ord u g, die der Staat si h gi t.» U d i
. Jh. . Chr. hat Aristoteles diese «Mitlere » ei fei gezei h etes Proil erliehe :
«I alle Staate gi t es diese drei ‹eile der Bürgers hat: die sehr Rei he , die ga z Ar e u d
als drite die Mitlere z is he diese . Da u a erka ter aße das Maß olle u d da it
das Mitlere das Beste ist, so ist ofe ku dig au h ei de Glü ksgüter der itlere Besitz
der este o alle . De dieser hat es a lei hteste , der Ver u t zu gehor he ; de ü eraus
S hö e oder Starke , ü eraus Vor eh e oder Rei he dagege oder dere Gege stü ke ,
de gä zli h Ar e oder S h a he oder ga z Geri gges hätzte , fällt es s h er, der Ver u t
zu folge . De die erste erde eher zu Re hts erä hter u d Kri i elle i Große , die
a dere allzu lei ht zu Betrüger u d Kri i elle i Klei e ; zu Re hts erletzu ge ko t es
i ei e Fall aus Sel stü ers hätzu g, i a dere aus iederer Ge i su ht. Au h drü ke
si h diese Mitlere a e igste or poliis he Ä ter oder drä ge si h zu ih e ; eides ist
für de Staat ja glei her eise u zuträgli h.»

Knechte, Herren, freie Bürger


«Dazu ko t: Die i Ü erluss o alle Glü ksgüter le e , o Stärke, Rei htu , Freu de u d
a dere sol he Güter , si d eder ille s o h fähig, si h ei er Herrs hat zu füge , u d das
zeigt si h glei h o Haus aus ei de Ki der : I ihrer Ver öh theit si d sie ja s ho i der S hule
i ht ge oh t, si h ei er Ord u g zu füge . Die dagege i Ü er aß Ma gel leide a allede ,
si d allzu u ter ürig. So si d die ei e i ht fähig, irge dei e Herrs hat auszuü e , so der
alle falls, si h ei er k e hte de Herrs hat zu u ter erfe , die a dere i ht fähig, si h irge dei er
Herrs hat zu füge , so der alle falls, ei e herris he Herrs hat auszuü e . Daraus ka ur Klaus Bartels

ei Staat o K e hte u d Herre erde , i ht ei er o freie Bürger , ur ei Staat, i de die GEFLÜGELTE


WORTE
ei e it Missgu st u d Neid, die a dere it Geri gs hätzu g auf die Gege seite sehe . Ei AUS DER ANTIKE
sol her Staat a er ist eit e fer t o Freu ds hat u d so au h o poliis her Ge ei s hatKlaus … Bartels Woher sie kommen
und was sie bedeuten

Wü s he s ert äre de a h, dass der Staat aus Bürger i glei he oder do h äh li he


Besitz erhält isse esteht; das ist a er a eheste ei de Mitlere gege e . … Jede falls er- ÜGELTE
de diese Mitlere i alle Staate eher als die sehr Rei he ihre Besitzsta d ahre kö e .
De eder egehre sie sel st, si h de Besitz a derer a zueig e , o h egehre a dere, RTE
ihre Besitz a si h zu ri ge – ie ja dur h eg die Ar e i Staat es auf de Besitz der
Rei he a gesehe ha e –, u d so kö e sie frei o derlei eige e u d fre de Begehrli h­
S DER ANTIKE
keite u gefährdet le e u d ihre Ges häte a hgehe . Daru hat si h Phokylides das Klaus Bartels
Geflügelte Worte aus
Ri hige ge ü s ht, e er rut: Vielerlei Bestes ge ieße die Mitlere : Ei Mitlerer ill i h i der Antike
der Stadt sei – Pollá mésoisi árista; mésos thélo en pólei eínai. ». Woher sie kommen und
was sie bedeuten
Aristoteles hat ie zu de S hulautore gezählt, u d so ist dieser Gruß der alt­athe is he S.
De okraie a die gege ärige eithi u estellt ge lie e . Verleihe ir de eise € , D
Philipp o )a er Verlag,
Wu s h des alte Phokylides, i de Aristoteles sei Lo des Mitelsta ds gipfel lässt, dafür hier Dar stadt

die Flügel ehre hal er!

97
ANTIKE WELT 5/18
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VERANSTALTUNGEN UNSERER ZEITSCHRIFTEN
Keyvisual von «Bewegte
Zeiten» (© smithberlin.com).

ANTIKE WELT-Exkursion
«Museumslandschaft Berlin»
.− . November
mit unserem Autor Dr. Peter Kracht

VORLÄUFIGES PROGRAMM
Freitag, . November :
Bis . Uhr: Individuelle Anreise der Exkursions-
Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Berlin, Das temporäre Ausstellungsgebäude «Pergamonmuseum. Das Panorama»
(© spreeformat architekten GmbH).
Motel One Hackescher Markt, Dircksenstraße 36,
10179 Berlin, Telefon: 0 30 | 200 540 80
. Uhr: Führung durch das Pergamonmuseum BITTE
. Uhr: Führung durch das Pergamon-Panorama VORMERKEN
von Yadegar Asisi
. Uhr: Abendessen in der Nähe des Hotels Studientage der Archäologie in Deutschland
Übernachtung im Motel One Hackescher Markt «Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland»
. und . November | Gropius Bau, Berlin |
Samstag, . November : jeweils − 7 Uhr
. Uhr: Führung im Neuen Museum Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 zeigen
das Museum für Vor- und Frühgeschichte und der Verband
. Uhr: Führung im Spionagemuseum der Landesarchäologen im Gropius Bau die Ausstellung
. Uhr: Abendessen in der Nähe des Hotels «Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland». Der Ver-
band der Landesarchäologen lädt im Rahmen der AiD zu
Übernachtung im Motel One Hackescher Markt zahlreichen interessanten Vorträgen ein.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesarchäologie,
Sonntag, . November : Autorinnen und Autoren der AiD sowie die Kuratorinnen und
Kuratoren der Sonderausstellung referieren zu den Schwer-
. Uhr: Führung durch die Sonderausstellung
punktthemen Mobilität, Konlikt, Austausch und Innovation.
«Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland»
im Gropius-Bau Den Höhepunkt an beiden Tagen werden thematische
Führungen zu den Themen des Tages bilden.
Anschließend individuelle Heimreise Interessenten senden wir gern das detaillierte Programm zu.

Die Exkursionsgebühr beträgt € 375,– pro Person im Tag: € 50,– | Abonnenten der Archäologie in
Doppelzimmer und € 425,– im Einzelzimmer mit Früh- Deutschland, ANTIKEN WELT und wbg-Mitglieder:
stück im Motel One Hackescher Markt. Sie beinhaltet € 30,– | Studierende: € 8,–
überdies alle Eintritte und Führungen in den genannten
Beide Tage: € 80,– | Abonnenten der Archäologie in
Ausstellungen, ein Ticket für den Berliner Nahverkehr
Deutschland, ANTIKEN WELT und wbg-Mitglieder:
sowie zweimal Abendessen in der Nähe des Hotels.
€ 40,– | Studierende: € 12,–
Weitere Informationen gibt es direkt bei: Um Anmeldung wird gebeten:
Dr. Peter Kracht WBG − Archäologie in Deutschland
Handwerkstraße 3, 9 7 Unna, Hindenburgstraße 40, D-64295 Darmstadt
Telefon 0 23 03 | 535 03 Telefon 0 61 51 | 33 08 741, Fax 0 61 51 | 33 08 212
E-Mail: pitkracht@t-online.de E-Mail: redaktion@wbg-wissenverbindet.de
Eine lebendige,
moderne Analyse
Simon Price und Peter Thonemann bieten in
ihrem großen Buch zweierlei: Einerseits eine
klassische Gesamtdarstellung der griechisch-
römischen Welt, andererseits eine moderne
Analyse, die die Antike konsequent aus der
damaligen Perspektive zu begreifen sucht.

»Pflichtlektüre für unser geschichtsvergessenes


Zeitalter!« Prof. Michael Sommer, Oldenburg

Simon Price / Peter Thonemann


Die Geburt des klassischen Europa
Eine Geschichte der Antike von Troja bis Augustinus
Aus dem Engl. von Cornelius Hartz.
2018. 464 S. mit 101 s/w Abb., Bibliogr. und Reg.,
14,5 x 21,7 cm, geb. mit SU. wbg Theiss, Darmstadt.
29,95 € • ISBN 978-3-8062-3822-8

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