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6.

18
)eits hrit für
Ar häologie u d
Kulturges hi hte

Myke e
€ 12,80 (D)
€ ,– A / sFr ,–
www.anikewelt.de

ÄGYPTEN ROM TÜRKEI


Säkulare I Tode glei h? Besu herze tru u d
Verdie st ögli hkeite Kolu arie grä er Ar häologis her Park i
vo Priester u d Kollekiv estatu g Sirkeli Höyük
Ein Opus Magnum
Frank Kolb legt mit diesem Buch die ultimative Geschichte einer
bedeutenden antiken Landschaft im Schnittpunkt der Kulturen vor: Lykien
im Südwesten der heutigen Türkei. Er beschreibt den Naturraum und die
Kulturlandschaft: Bevölkerung und Gesellschaft, Wirtschaft, Siedlungs-
und Herrschaftsstruktur, Sprache, Schrift und Kunst, Bräuche und
Religion. Auf der Grundlage seiner reichen archäologisch-historischen
Forschungsergebnisse und anschaulich illustriert schildert Kolb, wie diese
Lebensbereiche unter dem Einfluss der anatolischen, griechischen und
vorderorientalischen Kulturen sowie der politisch-militärischen Ereignisse
die Landschaft geprägt haben.

Kolb, Frank
Lykien
Geschichte einer antiken Landschaft
2018. Etwa 720 S. mit etwa 300 s/w Abb. und Kt., 1 Farbbogen,
16,5 x 24 cm, geb. mit SU. wbg Zabern, Darmstadt.
€ 99,95. ISBN: 978-3-8053-5178-2

wbg-wissenverbindet.de
EDITORIAL

DIE SAGENHAFTE WELT DES


AGAMEMNON
ie große So derausstellu g «Myke e – Die sage hate Welt des Aga e o » i Badis he
D La des useu Karlsruhe eh e ir zu A lass, das Titelthe a der ANTIKEN WELT der
ägäis he Bro zezeit zu id e u d eueste Fors hu ge zu präse iere . Für die S hau ko te
zahlrei he O jekte ausgeliehe erde , daru ter iele, die das La d o h ie erlasse ha e .
Zu de Highlights gehöre Fu de aus de sog. Gra des Greife -Kriegers: ei u gestörtes S ha ht-
gra , das i Mai i der Nähe des «Palasts des Nestor» i Pylos gefu de urde. Aus diese
Gra sta t das spektakuläre A hatsiegel it kä pfe de Krieger , das u sere Titel ziert.
Holger Kieburg
Eine mykenische «Macht der Bilder»? – Dia a is Pa agiotopoulos, Professor für Klassis he Chefredakio
Ar häologie a der U i ersität Heidel erg, führt u s i die fre de Bilder elt des . u d ANTIKE WELT
. Jhs. . Chr. ei . Wel he Methode stehe zur Verfügu g, die Bilder zu e ts hlüssel u d o
stoße die Fors her a ihre Gre ze ?

Eine folgenreiche Beziehung – Mit de Wa del a Begi der yke is he Epo he i ./ .


is . Jh. . Chr., der stark o ei er Ausei a dersetzu g it der Palastgesells hat Kretas
geprägt ar, a ht u s Joseph Mara , Professor für Vor- u d Frühges hi hte a der U i ersität
Heidel erg, ertraut.

Orte der Macht – Der Kurator der Ausstellu g Ber hard F. Stei a o Badis he La des useu
i Karlsruhe i t u s it i die erüh te Paläste, a h Myke e, Tiry s, Pylos u d a h
Di i i, Gla, Iklai a u d Agios Vasilios. Dur h die zahlrei he Neufu de u d i te si e Fors hu ge
der letzte Jahre hat das Bild, das ir u s o de Paläste a he kö e , deutli h a Ko tur
ge o e .

Die neue Formel – Katari a Horst, Leiteri des Referats Ar häologie a Badis he La des useu
i Karlsruhe, erläutert or de Hi tergru d der la ge Fors hu gsges hi hte, ie ei e große
So derausstellu g ge ei sa it de Akteure u d I situio e aus Grie he la d gepla t u d
u gesetzt erde ka .

Mit de Bli k i die Ägäis u d Het / eigt si h der . Jahrga g der ANTIKE WELT de E de «Mykene – Die sagenhafte
zu. Wir freue u s s ho sehr auf u ser . Jahr, das u s ge ei sa it Ih e ieder a iele Welt des Agamemnon»
Große Sonderausstellung
Orte der a ike Welt, zu alt eka te u d eue Ufer führe ird. vom . . − . 6.
i Badis he La des-
useu , S hloss Karlsruhe

Die ANTIKE WELT-Redakio ü s ht Ih e ei e a ge eh e Lektüre.

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ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA MYKENE
8 DIE MYKENISCHE BILDERWELT ALS MYKENISCHES BILD DER WELT − )UR
o Dia a is Pa agiotopoulos VISUELLEN SELBSTREPRÄSENTATION EINER BRON)E)EITLICHEN ELITE
Ikonographische Zeugnisse können uns wertvolle Hinweise zur Ideologie und
zu den wichtigsten sozialen Werten der mykenischen Gesellschaft geben.
Lassen sich in den Bildern eventuell die Bedürfnisse verschiedener Klassen
fassen?

16 TRANSFORMATION AM BEGINN DER MYKENISCHEN EPOCHE −


o Joseph Mara HINTERGRÜNDE DES AUFSTIEGS VON MYKENE
Wir begeben uns im archäologischen Material auf die Spurensuche nach einer
einflussreichen Personengruppe, die die gesellschaftlichen Transformations-
prozesse im Frühabschnitt der mykenischen Kultur in ganz entscheidendem
Maße mitgestaltet hat.

22 DER MYKENISCHE PALAST − MACHTORT, VERWALTUNGSSIT) UND


o Ber hard F. Stei a )EREMONIELLES )ENTRUM
Die mykenischen Paläste in Tiryns, Pylos und Mykene, aber auch Anlagen in
Dimini und Gla sowie Neuentdeckungen in Iklaina und Agios Vasilios geben
uns ein vielschichtiges Bild palatialer Architektur und von deren Entwicklung.

28 SHARING HERITAGE UND DER WEG DAHIN. DIE GESCHICHTE DER


o Katari a Horst ANTIKENLIEBE – ER)ÄHLT AUS )WEI PERSPEKTIVEN
Wie ist es gelungen, dass die Karlsruher Ausstellung « Mykene. Die sagenhafte
Welt des Agamemnon» sehr viele Objekte zeigen kann, die normalerweise
unerreichbar sind? Ein Blick in die Forschungsgeschichte der Altertumswissen-
schaften und die heutige internationale Zusammenarbeit.

Titelbild der vorliegenden Ausgabe


A hatsiegel aus de i Pylos freigelegte Gra des Fotos: o e : La ds hat ei Myke e Foto: depositphotos; loodua ; re hts: Berli er Tote u hpapyrus
THEMENPANORAMA

BAGHDAD-BAHN UND HETHITISCHE KÖNIGSBILDER − DIE ERÖFFNUNG 39


DES FORSCHUNGS- UND BESUCHER)ENTRUMS UND DES ARCHÄOLO- o Mirko No ák u d De iz Yaşi -Meier
GISCHEN PARKS IN SIRKELI HÖYÜK
Der Sirkeli Höyük, 0 km östlich der Großstadt Adana gelegen, ist einer der größten
Ruinenhügel in der historischen Landschaft Kilikien im Süden der heutigen Türkei.

«ECHTHEIT )WEIFELHAFT!» − SCHÖNE TANAGRÄERINNEN, ALEXAND- 45


RINERINNEN UND ANDERE FIGÜRLICHE TERRAKOTTEN IN HILDESHEIM o S e Kielau
Derzeit wird die noch unveröffentlichte Sammlung griechisch-römischer
Terrakotten des Roemer- und Pelizaeus-Museum untersucht, die viele Über-
raschungen bereithält.

HUNDERT JAHRE ANTIKE IM DOKUMENTARFILM − DIE SAMMLUNG 52


STERN ERÖFFNET IM JANUAR IN GÖTTINGEN o Mari Li d er
Die Sammlung geht zurück auf eine Stiftung aus dem Nachlass des Archäolo-
gen, Filmforschers und Museumspädagogen Tom Stern.

IM TODE GLEICH? KOLUMBARIENGRÄBER UND KOLLEKTIVBESTATTUNG 57


IM ANTIKEN ROM o Doria Bor o us
Die Grabkammern geben einen faszinierenden Einblick in Teile der römischen Ge-
sellschaft, die in den historischen Quellen bestenfalls am Rande erwähnt werden.

BUCHHALTER, NOTARE, KAMEL)ÜCHTER − SÄKULARE VERDIENSTMÖG- 66


LICHKEITEN ÄGYPTISCHER PRIESTER o Be ja i Sippel
Ein Priester, der sich als bewaffneter Wächter in einer Zollstation verdingte?
Wie es dazu kam und welche anderen «Jobs» Priester übernahmen, erfahren
wir aus Papyrustexten aus den ländlichen Siedlungen des Fayum.

DAS WUNDER VON MONTECASSINO − EINE DRAMATISCHE RETTUNGS- 74


AKTION ARCHÄOLOGISCHER SAMMLUNGSBESTÄNDE IM )WEITEN o Gü ther E. Thüry
WELTKRIEG
Vor 7 Jahren wurde die Abtei Montecassino, zwischen Rom und Neapel gelegen,
vollkommen zerstört. Die dramatische Rettungsaktion der archäologischen
Kulturgüter kann aus den zeitgenössischen Quellen rekonstruiert werden.

DER EWIG JUNGE HERKULES – )WISCHEN MYTHOS, MENSCH UND 78


MARVEL-HELD o E a Pas h
«Herkules und sein Mythos» ist der Titel einer großen Ausstellung in Turin, die
sich dem griechischen Heros widmet. Im Zentrum steht der Wandel in
der Wahrnehmung dieser schillernden Figur in unterschiedlichen Epochen.
RUBRIKEN

4 Aktuell
6 Spra he u d S hrite
33 Museu si sel Berli
38 Preisrätsel
64 Leserreise Ser ie
84 AW-Shop
86 Musee i aller Welt
90 Bü herspiegel
92 Ausstellu gskale der
96 Vors hau / I pressu
Foto: © Cees Pass hie , Mai z.
Spätso e u d He st a gehalte
u de . Da it ist kei e ko i uie ­
li he Ve so gu g ei e Stadt e ölke-
  Abb. 2 Skizze der Wassermühlen u g ögli h.
von Barbegal, wie sie im 2. Jh. n. Chr.
vermutlich in Betrieb waren. We die G oßp odukio o Ba -
egal i ht fü de aldige Ve au h
ei e g öße e Stadt e ölke u g
  Abb. 1
Ansicht der Anlage von Barbegal im
die te, da deutet die Nähe zu de
Foto: © Ro e t Fa e, Sai t Eie e du G s, F a k ei h.
Jahr 2018. Häfe o A les u d Fossae Ma ia ae
iellei ht auf ei e a de e Besi u g
hi . Aus de Mehl u de, so die Ve -
FRANKREICH Ba egal ist ei ga z eso de e utu ge , S hifsz ie a k he gestellt.
Fall: De Ko ple stellt die f üheste ) ei al ge a ke es B ot ko te i
u d so eit ishe eka t die g ößte g oße Me ge p oduzie t, gelage t
DIE WASSERMÜHLEN VON i dust ielle Nutzu g o Wasse k at u d ü e la ge St e ke t a spo ie t
BARBEGAL ER)EUGTEN i de A ike da u d gilt als ei te h- e de u d a auße de i ht so
VERMUTLICH MEHL FÜR ologis hes Meiste e k A . . . lei ht e de li h. Hi zuko t, dass
Ve glei h a es ga es ede zu )eite die Rö e ih e S hiffah t ü li he -
SCHIFFS)WIEBACK Ro s o h i asiais he Kultu e . eise i späte He st ei stellte –
Die Wasse ühle o Ba egal gelte Die Wisse s hatle hate die as si h it de z klis he Bet ie
als ei e de e ste I dust iea lage i Mögli hkeit, Kalka lage u ge aus de Wasse ühle o Ba egal
de Ges hi hte de Me s hheit. De i A les ei gelage te F ag e te de kt.
Ko ple aus Wasse äde sta t zu a al sie e . Diese Ka o ate, die Die Studie u de i Koope aio
aus de . Jh. . Ch . u d u de is si h ehe als auf Mühl äde ode i it Wisse s hatle de U i e sität
zu f ühe . Jh. . Ch . zu Ve ah- Wasse i e a gelage t hate , u - Ai ­Ma seilles u d de U i e sität Re -
lu g o Get eide ge utzt. Ei e eue de ak o­ u d ik oskopis h so ie es i F a k ei h so ie de I situt
Studie zeigt, dass die do t p oduzie te du h Isotope a al se u te su ht. So fü Geologie de U i e sität I s u k
Me ge Mehl ohl zu He stellu g o stellte die Fo s he g uppe fest, dass e stellt.
S hifsz ie a k fü die Häfe i de die Mühle i ht ko i uie li h i nach Pressemeldung der Johannes Gutenberg-
Regio die te . Bet ie a e , so de alljäh li h i Universität Mainz

JORDANIEN F a çaise A ha ologi ue de Je ash o o sdatu de . Mä z . Ch . a .


is Ausg a u ge i de Das Fu d ate ial e thielt fe e ei e
ö is he Osthe e . Diese o u- fast ollstä dig e halte e Statue des
NEUE STATUENFUNDE IM e tale Badea lage u de i de z ei- )eus so ie Figu e des Apollo , des Dio-
RÖMISCHEN GERASA te Hälte des . Jhs. . Ch . e i htet sos, des Asklepios u d de K ele. A
u d gege E de dieses ode zu Begi Statuete e die e se hs auf Felse
In Gerasa unternahm die Deutsch- des a hfolge de Jah hu de ts u. a. sitze de Muse E äh u g, o de e
Jordanische Universität Amman in u ei e Pfeile halle it E ed a e ei- Melpo e e, Klio, Pol h ia u d
Zusammenarbeit mit der jordanischen te t. I de G a u gska pag e galt U a ia ide iizie t e de ko te . Die
A ike e altu g u d de Missio es, de a hitekto is he )usa e - s ho zu o i de The e gefu de e
ha g z is he The e u d Pfeile halle Pli the de Muse Te psi ho e ü e liefe t
zu klä e u d Nähe es ü e ih e igü ­ e e de Sig atu des ale a d i is he
li he S h u k i E fah u g zu i ge . Bildhaue s A to ei os das Jah /
) is he Halle u d Bad legte die . Ch . als Dedikaio szeitpu kt.
A häologe ei e e hte kige Pis i a f ei, Die Neufu de de Ma o skulptu-
die du h he a gefalle e Ge älkstü ke e e ei he u se e Ke t is de
e füllt a . U te diese Ve stu z t at ale a d i is he Plasik. Sie ge e
ei e E dpa ku g zutage, die B u hstü ke Ke t is o ei e ishe u eka -
o Ma o skulptu e e thielt. te Kü stle pe sö li hkeit u d desse
Die Statue stelle ahezu aus- We kstat. )ude ü e liefe sie z ei
s hließli h g ie his h­ ö is he Göte i e h o ologis he Te i i, die es e -
da . E äh e s e t ist die kolossale lau e e de , die ö is he Ma o -
Figu ei e Aph odite. De Pli the i - plasik des östli he Mitel ee au es
Statuenfunde in den s h it zufolge u de sie o ei e ei - silisis h esse zu eu teile .
Ostthermen von Gerasa
unter dem Versturz des
heimischen Priester namens Demetrios von Thomas Lepaon (Tours) und Thomas M.
Erdbebens von 749. gesitet. Die I s h it gi t als Dedikai- Weber-Karyotakis (Amman).

Foto: Tho as M. We e ­Ka otakis.


4
ANTIKE WELT 6/18
ITALIEN

ÄGYPTEN / ISRAEL U ge u gs asse s. )u a de e ka EIN NEUES GRAB


die G öße des K a kzah s zu A - MIT WANDMALEREIEN
s hätzu g de Kö pe lä ge des Fis hes AUS CUMAE
INTENSIVER FISCHHAN� he a gezoge e de . I Jah ega ei Tea des
DEL ZWISCHEN ÄGYPTEN Die A al se zeigte , dass die Gold- Ce t e Jea B a d CNRS – É ole
UND ISRAEL SCHON VOR asse zu Teil aus de südöstli he francaise de Rome zusa e
Mitel ee sta e , et a d ei Vie tel it Jea ­Pie e B u Collège de
JAHREN jedo h u hse i ei e seh salzhal- France G a u gsa eite a Fuß
Be eits o Jah e he s hte i ige Ge ässe auf. Dafü ko t u de Ak opolis de a ike Stadt
südöstli he Mitel ee ei ege die Ba da il­Lagu e i F age. Do ade Cu ae, u die Nek opole diese
Fis hha del. Da auf lässt ei e U te su- a e da als s ho ei elie te Stadt ge aue zu eleu hte .
hu g o Fis hzäh e s hließe , Speiseis h, die a de späte B o ze- Im Juni 2018 trat ein neues
die o Fu dstäte aus de Be ei h zeit geha delte Fis he a e alle - G a al zutage, dass ei e auße -
des heuige Is ael sta e . Die Mee- di gs deutli h klei e als i de )eit ge öh li he igü li he Deko
esis he – Gold asse , au h Do ade da o . De Rü kga g de Kö pe lä ge auf eist: A Ei ga g de G a ka -
ge a t – u de i de Ba da il­ ist ei )ei he dafü , dass die Bestä de e ist ei e a kte ä li he Figu
Lagu e a de Si ai­Küste geis ht u d zu eh e d eis ht u de . da gestellt, die i de e hte Ha d
da o Äg pte a h Is ael t a s- P ofesso Tho as Tütke , Geo is- ei e e sil e te K ug Oi o hoe
po ie t. Diese Fis ht a spo t e folgte se s hatle de JGU, hat ei e u d li ks ei e T i k e he hält. Ne-
u d Jah e la g o de späte ERC Co solidato G a t des Eu opäi- e de Figu si d ei klei e Tis h,
B o zezeit is i die za i is he s he Fo s hu gs ates e halte . Die ei Kel hk ate , g oße Vase , ei e
Pe iode u d is . Ch . jetzige Fo s hu gsstudie e tsta d sil e e Situla so ie ei e A pho e
Do ade si d Speiseis he it ei e i Koope aio it ei e a de e gezeigt. Die Seite ä de de Ka -
K a kge iss it k opfö ige )äh e , ERC­P ojekt de Kollege i Is ael. e eise La ds hatssze e auf.
das sie e e de u S hale ie e Dazu hielt si h D . Gu Sis a­Ve tu a, Die Da stellu g i d o ei e
aufzu e he . I de Studie u de heute a de Fo s hu gsei i htu g Blu e f ies it Vögel ge ah t.
g oße K a kzäh e u te su ht, Is ael O ea og aphi a d Li ologi al Die De ke des Ge öl es a-
die o Fu dstelle i de südli he Resea h IOLR , fü ei e Mo at i e i Gel gehalte , die Wä de
Le a te sta e . Die Wisse s hatle Mai z auf, o de Haupteil de Sau- u te hal des eiß e putzte
ha e zu ei e Saue stoisotope i e stoisotope a al se du hgefüh t Gesi ses so ie i de d ei G a -
)ah s h elz de Do ade a al sie t. u de. lege u de ot e alt. U glü k-
Ih Ve hält is gi t Aufs hluss ü e nach Pressemeldung der Johannes Gutenberg- li he eise u de das G a häuig
Ve du stu gs ate u d Salzgehalt des Universität Mainz aufgesu ht, so dass si h u e ige
Ausstatu gsele e te e halte
ha e , die de o h ei e Daie u g
zulasse . So fa de si h K o he ­
Blick auf die Bankettszene des neu entdeckten Grabes in Cumae. u d B o ze este ei e Holzkiste,
Pa fü gefäße aus Ala aste u d
ei B o zespiegel.
Die G a u gse ge isse lasse
die H pothese zu, dass es si h hie
u de Bestatu gsplatz elitä e Be-
oh e o Cu ae geha delt ha e
dü te. Diese A ah e i d du h
de Fu d o eh e e oskis he
I s h ite gestützt, die auf ei e
de G ä e de u te i dis he Ka -
e e tde kt u d i de e ga ge-
Foto: © E. Lupoli, Ce t e Jea B a d CNRS/EFR .

e Jah e u te su ht u de .
Die da gestellte Bildthe e
s hafe eue Rele io spu kte,
die da ei helfe die kü stle is he
E t i klu g de Wa d ale ei
i Cu ae a hzu ollziehe . Die
Ausg a u ge e de i )usa e -
a eit it de A häologis he
Pa k Ca pi Fleg ei u d it de
i a zielle U te stützu g des
Ministère de l‘Europe et des afaires
t a g es, de É ole française
de Rome so ie de Fondaion du
Collège de France du hgefüh t.
ANTIKE WELT 6/18 von Priscilla Munzi, CNRS
DIE FRÜHESTE RUNENSCHRIFT
u e s hrit aus der früheste Epo- s hrit i Folge de tra sliteriert Bros he Fi el , Speerspitze oder
R he a. – . Chr. hat a
a iele Orte i Nord- u d Mitel-
lautet harja. Da ei ha delt es si h
aller Wahrs hei li hkeit a h u ei-
a dere Wafe teile . Die I s hrite
si d kurz, ot ur ei is z ei Wörter
europa gefu de , hauptsä hli h i heu- e ä li he Na e , Harja. Wer la g, u d eiste s s hei t es si h u
ige Dä e ark, Süds h ede u d Süd- da it ge ei t ar isse ir atür- Na e zu ha del . Lä gere I s hrif-
or ege . Als älteste Ru e i s hrit li h i ht. Viellei ht ar Harja der Be- te i de si h i Ska di a ie et a
gilt ei Ka aus Vi ose auf der dä- sitzer oder der Hersteller des Ka s, a de . Jh. . Chr. auf Stei e . Weil
is he I sel Fü e , der a. u derje ige, der die Ru e ei gra iert die Ru e i s hrite das ei zige li -
. Chr. daiert ird. Als O jekt it hat, der Na e ei er Perso , die de guisis he )eug is si d, das ir aus
Ru e i s hrit ist der Ka o Vi- Besitzer des Ka s i hig ar – dieser Epo he esitze , ist ihre I ter-
ose dur haus repräse tai für sol- oder ei e Ko i aio da o . pretaio itu ter s h ierig.
he frühe Fu de: ei klei es, per- Dies ist ei de eiste frühe Ru- Der Ru e stei aus Möj ro i Mit-
sö li hes O jekt, das it ur ei e e i s hrite der Fall. Sie i de si h tels h ede früheste Daieru g a.
ei zige Wort ersehe ist. Die I - t pis her eise auf Gege stä de ie . Chr. trägt eispiels eise ü er
der Darstellu g ei es Me s he , der
auf ei e Pferd reitet u d er utli h
ei e Wafe s h i gt, die I s hrit fra-
waradaz anahaha islaginaz A . .
Das erste Wort, Frawaradaz, lässt si h
als Na e i No i ai i terpreie-
re , der letzte Teil ka als die Phrase
is slaginaz « ird ers hlage » i sel-
e Kasus gelese erde . Was der
itlere A s h it edeutet ist i des
u klar. Ei ige I terpretatore stelle
ei e Ver i du g zu Bild her u d le-
se ana hāha «auf de Pferd» , äh-
re d a dere ih auf Frawaradaz e-
ziehe , zu Beispiel als ainahāh฀
«der Edelste», «der Hö hste» . Mit
diese geri ge Ko te t ist ei e hie -
u d si hfeste I terpretaio jedo h
ahezu u ögli h.
Der Ru e stei aus K l er auf der
s h edis he I sel Gotla d sta t
i et a aus der glei he )eit ie der
Möj rostei u d ietet ei e der frü-
heste estäigte I s hrite it
de ko plete Futhark, de Ru-
e alpha et A . . Wie das latei-
is he u d das grie his he Alpha et
stellt das Ru e -Futhark die )ei he
des S hrits ste s i ei er festgeleg-
te Reihe folge dar, u d ge au ie
si h das Wort «Alpha et» aus de A -
Abb. 1 fa gs u hsta e des Alpha ets zu-
Der Möjb-
rostein
sa e setzt, si d «Futhark» die ers-
(U 877). te se hs Ru e des Ru e alpha ets

6
ANTIKE WELT 6/18
SPRACHEN & SCHRIFTEN

th steht für þ; A . . Diese Reihe -


folge s hei t allge ei ge räu hli h
ge ese zu sei u d ildet die Gru d-
lage für hifrierte Ru e , die sog. Ge-
hei ru e , ie sie z. B. o Ru e -
stei o Rök aus de . Jh. eka t
si d.
Die Reihe folge der Ru e i Fu-
thark ist ei zigarig, a er die Ru e
a si h si d ei deuig o ei e oder
ehrere editerra e Alpha ete
a geleitet, hö hst ahrs hei li h o
latei is he Alpha et. Erik Moltke hat
gezeigt, dass ehrere Ru e die glei-
he For u d de glei he Kla g ert
ie e tspre he de )ei he des la-
tei is he Alpha ets ha e , as e-
eist, dass sie o dort ü er o e Abb. 2 Der Kylverstein (G 88).
urde . Die Ru e r, u d t ha e
ehr oder e iger die glei he For
ie ihr latei is hes Gege stü k, Ru e
ie f, u u d s si d ei Stü k eit a ge-
a delt. De o h ist kei latei is her
Bu hsta e e akt ei s zu ei s ü er o - Abb. 3 Das ältere Futhark mit Transliteration.
e – ei e Tatsa he, die Fors her zur
A ah e erleitet hat, die I spiraio
für das Futhark ha e ei e a dere
Urspru g. So urde eispiels eise die se , dass diese Ko takte dazu führ- )eitalter der Wiki ger u d des jü ge-
Äh li hkeit der o-Ru e it de Bu h- te , dass die Beteiligte au h a dere re Futharks i de si h A zei he da-
sta e O ega i s Feld geführt, u für S hrits ste e zu sehe eka e oder für, dass Ru e i größere )usa e -
A leihe aus de Grie his he zu plä- zu i dest o ih e usste – u d hä ge er e det urde .
diere ; darü er hi aus hat a das Fu- dass dere Be utzer iederu i Ko -
thark au h it der etruskis he S hrit takt it de Rö is he Rei h sta -
u d a dere orditalie is he S hrif- de . Viellei ht are also i ht alle
te ergli he . Ru e ei e ei zige S hrits ste Adresse der Autorin
De o h löst kei e dieser H pothe- e tleh t, o ohl dies ei de eiste Dr. Maja Bä k all
I situio e för ordiska språk, Uppsala u i ersitet
se das Pro le , dass kei e e akte der Fall ge ese sei ird. Bo
Uppsala
Ü erei si u ge der Ru e it Au h e ir i ht isse ie iele S h ede
Bu hsta e a derer Alpha ete e is- Ru e i s hrite ei st e isiert ha e ,
iere . Das latei is he Alpha et ist u d da i s eso dere sol he auf Holz oder Übersetzung
Dr. Cor elius Hartz, Ha urg
lei t i ht zuletzt deshal die plausi- a dere ergä gli he Materialie er-
elste Quelle, eil ir isse , dass es lore si d, eist die K appheit der er-
Bildnachweis
z is he ger a is hspra hige Völ- halte e I s hrite darauf hi , dass A . : State s Historiska Museer; : Sara Kus i ,
ker u d de Rö is he Rei h zur die frühe Ru e s hrit kei es egs eit State s Historiska Museer; : Maja Bä k all.

)eit der Eri du g der Ru e kulturelle er reitet, so der ei e Art Lu us- u d


Literatur
Ko takte ga . Aufgru d der E tspre- Statuss ol ar. Als die S hrit a M. P. BARNES, Ru es. A Ha d ook .
hu ge i For u d Kla g ert z i- de . Jh. . Chr. für o u e tale I - E. MOLTKE, Ru es a d their Origi . De ark a d Else-
s he Futhark u d latei is he Alpha- s hrite er e det urde fa d sie ei here .

et ko te der oder die S höpfer des größeres Pu liku , o ei da o aus- H. WILLIAMS, Reaso s for Ru es, i : S. D. Housto
Hrsg. , The First Wrii g. S ript I e io as Histor a d
Erstere er utli h au h das Letztere zugehe ist, dass ur e ige Me s he Pro ess – .
lese . Es ist jedo h i ht ausges hlos- lese u d s hrei e ko te . Erst i
DIE MYKENISCHE BILDERWELT ALS
MYKENISCHES BILD DER WELT
Zur visuellen Selbstrepräsentation einer bronzezeitlichen Elite

Ne e de – eher tro ke e – ad i istrai e ‹e te , die u s auf de Li ear B-‹äfel-


he erhalte si d, stelle die ke is he Bilder die i higste Quelle für jede I ter-
pretaio s ersu h dieser ro zezeitli he Kultur dar. Au h e ir diese Bilder a gels
Beis hrite oder erkläre der ‹e te ur a satz eise erstehe , iete sie u s ert olle
Hi eise für die Ideologie u d die i higste soziale Werte der ke is he Gesell-
s hat. Ne e de Palast als do i a te poliis he I sta z lasse si h e e tuell i
dieser ielfälige Bilder elt au h die Bedürf isse a derer Klasse fasse , die itels
s olis her Bilder si h sel st repräse iere ollte .

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ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA

o Dia a is Pa agiotopoulos tion und Reproduktion von Bedeutung nographie der Schachtgräberzeit er­
waren. Man kann es – im Anschluss an heblich unterscheidet.
er moderne Betrachter, der seinen Hans Belting – auch einfacher formu­
D interessierten Blick auf die bildli­
che Kunst vergangener Kulturen rich­
lieren: Was wichtig war, erschien im
Bild, nicht Wichtiges blieb aus dem
Ei e ke is he «Ma ht
der Bilder»?
tet, muss sich dessen bewusst sein, Bild. Bei jeder Betrachtung der myke­ Es mag banal scheinen, wenn wir un­
dass in der Antike keine Kunst um ih­ nischen Bilder ist es daher geboten, seren Streifzug durch die Ikonographie
rer selbst willen existierte. Sog. Kunst­ sie nicht als opake, sondern als trans­ der mykenischen Palastzeit mit dem
werke waren Bilder, die nicht bloß parente Oberflächen zu betrachten, wohl bekanntesten Kunstwerk begin­
einen ästhetischen Wert hatten, son­ die uns einen Einblick in die Mentali­ nen, dem Löwentorrelief aus Mykene,
dern im Mittelpunkt des sozialen oder tät der sozialen Gruppe erlauben, die doch ist es unvermeidlich Abb. .
kommunikativen Handelns standen. sie produzierte. Im Mittelpunkt die­ Denn mit diesem in jeder Hinsicht he­
Sie boten – neben der Sprache – das ses Beitrags steht die Bilderwelt der rausragenden Monument werden zu­
wichtigste Kommunikationsmedium, S( ))) A-B-Zeit . und . Jh. v. Chr. , gleich Möglichkeiten und Grenzen der
mit dem die Elite einer vormodernen der sog. mykenischen Palastzeit, die mykenischen Kunst greifbar. Das Be­
Gesellschaft Botschaften artikulierte, sich in ihren sozialen Voraussetzun­ sondere am Löwentorrelief ist, dass
die für ihr Selbstbild, ihre Legitima­ gen und ihrem Charakter von der )ko­ es – neben den von ihm nur wenige
hundert Meter entfernten Reliefs aus
dem Schatzhaus von Atreus – zu den
verschwindend wenigen Zeugnissen
einer monumentalen Kunst auf dem
mykenischen Festland gehört. Mit mo­
numental meine ich nicht unbedingt
kolossal, sondern eine Kunst, deren
Werke anhand des harten und un­
vergänglichen Materials Stein und
der streng regulierten Bildorganisa­
tion den Wunsch nach Fortdauer, nach
Überwindung von Vergänglichkeit aus­
drücken. Bedenkt man, dass die Re­
liefs aus dem Schatzhaus von Atreus
generell nicht zugänglich waren, stellt
das Löwentorrelief das singuläre Bei­
spiel eines öffentlichen monumentalen
Werks dar, das in einer für alle sicht­
baren Lage aufgestellt wurde. Obwohl
das Potential für derartige Werke vor­
handen war, spiegelt dieses impo­
sante Monument einen Moment und
keine Konstante der mykenischen
Kunstentwicklung wider. Lassen wir
die dringenden Fragen nach dem Wa­
rum noch eine Weile offen und behal­
ten wir zunächst als Fazit, dass wir
im mykenischen Griechenland keines­

Abb. 1
Das Löwentor von Mykene.

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ANTIKE WELT 6/18
DIE MYKENISCHE BILDERWEL‹ ALS MYKENISCHES BILD DER WEL‹ � )ur isuelle Sel strepräse taio ei er ro zezeitli he Elite
TITELTHEMA

wegs von einer «Macht der Bilder»


in der öffentlichen Sphäre sprechen
können, wie man es z. B. in orientali­
schen Staaten, im klassischen Athen
oder im augustäischen Rom tut. Diese
Rolle übernahmen hier offensichtlich
die kyklopischen Mauern, die über
ihre praktische Funktion hinaus als
Sinnbild königlicher Macht und Über­
legenheit den öffentlichen Raum be­
herrschten.

Die Prozessio sfreske u d ihre


s olis he Bedeutu g
Angesichts des Fehlens von monu­
mentalen Kunstwerken erweisen sich
die Palastfresken als wichtigste Gat­
tung der Repräsentationskunst. Sie ge­
winnen in unserem Zusammenhang
eine ganz besondere Bedeutung, da
sie größtenteils die Existenz eines iko­
nographischen Programms erkennen
lassen. In den wichtigsten mykenischen
Palästen (Mykene, Tiryns, Pylos sowie
z. T. auch Theben und Orchomenos be­
gegnet uns die gleiche, enge Auswahl
von Themen (Prozession, Jagd, Krieg,
Tiere . (inter dieser Regelmäßigkeit
kann man ein kohärentes System von
bildlich umgesetzten Werten vermu­
ten, das einem einheitlichen Konzept
unterworfen war. Das Thema, das in­
nerhalb der Ikonographie mykeni­
scher Paläste in vielerlei Hinsicht eine
dominante Stellung einnimmt, sind die
Prozessionsfresken. Sie kommen in al­
len vier großen Palästen vor (Mykene,
Tiryns, Theben und Pylos und zeich­
nen sich durch eine gewisse «Monu­
mentalität» der Ausführung aus, näm­
lich ein wandfüllendes Format mit fast
lebensgroßen Figuren und ein rigides
Darstellungsschema, wonach die Pro­
zessionsteilnehmer gravitätisch und

Abb. 2
Freskofragmente mit Darstellung von Kampf­
szenen aus dem Palast von Pylos, Aquarell und
Ergänzung von Piet de Jong.

11
ANTIKE WELT 6/18
DIE MYKENISCHE BILDERWEL‹ ALS MYKENISCHES BILD DER WEL‹ � )ur isuelle Sel strepräse taio ei er ro zezeitli he Elite

manchmal mit klaren Abständen ne­ vermindert. Dafür sind sie lebendiger, ein vielleicht beabsichtigtes Gleichge­
beneinander aufgereiht sind. Es kann weil sie erzählen und dadurch auch wicht. Tiere, wie Löwen oder Greifen
keinen Zweifel daran geben, dass der belehren. In einigen Fällen handelt haben sicherlich eine religiöse oder
Anlass der dargestellten Handlung es sich eindeutig um Bildsequenzen, magische Bedeutung, wie zahlreiche
eine kultische Hofzeremonie war. Da­ die aus zeitlich aufeinanderfolgenden ikonographische Beispiele belegen,
für spricht u. a. die fast ausschließliche Szenen zusammengesetzt sind. Die wo sie als Trabanten der Gottheit er­
Teilnahme von Frauen. Doch die große meisten der übrigen narrativen Bilder scheinen. Ihre primäre Funktion war
Bedeutung des Themas für die Palast­ werden als Schlachtszenen bezeich­ wohl die Gewährleistung des gött­
dekoration liegt wahrscheinlich we­ net, obwohl nur im Fall der Fresken lichen oder übernatürlichen Schut­
niger in der äußeren religiösen Form aus der Halle 64 des Palastes von Py­ zes durch den Glauben an die magi­
des Geschehens als vielmehr in der los tatsächlich gegeneinander kämp­ sche Potenz des Bildes. Sie sollten den
dahinter steckenden politischen Sym­ fende Krieger zu sehen sind. Bei den Machtinhaber schützen. Man kann al­
bolik. Prozessionszüge haben als In­ meist nur fragmentarisch erhalte­ lerdings nicht verkennen, dass ihre
begriff des feierlichen Staatszeremoni­ nen Stücken aus den anderen Paläs­ emblemhafte Wiedergabe, ihr hoher
ells einen sehr hohen repräsentativen ten ist nicht auszuschließen, dass sie, symbolischer Wert und ihre regelmä­
Wert, wie eine lange Reihe von Bei­ wie das theräische Miniaturfresko, ßige Darstellung auf den Palastwän­
spielen verdeutlicht, angefangen von ein viel breiteres Themenspektrum den sie unvermeidlich zu Wappen des
den Fresken des Palastes von Mari bis umfassten: nicht nur Schlachtszenen, lokalen Herrschers machte und da­
zu den Reliefs des Apadana in Perse­ sondern auch Feste und Zeremonien. durch zum bildlichen Ausdruck der
polis oder sogar dem Parthenonfries Dadurch lassen sich die Friese un­ königlichen Macht.
und der Ara Pacis. In all diesen Fäl­ ter einem übergeordneten genre von An wen waren all diese Bilder ad­
len wird primär der feierlichen Würde szenischen Historienbildern zusam­ ressiert? Ihr Anbringungsort war stets
ein bildlicher Ausdruck verliehen. Den menfassen, zu denen auch die große ein geschlossener Palastraum, was na­
(auptakzent dieser höfischen Kult­ Komposition im Prodomos des pyli­ türlich voraussetzt, dass sie als Bot­
vorgänge stellen die kostbaren Gaben schen Megarons gehört, welche wohl schaften nicht für die breitere Öffent­
dar: Pyxiden, Prunkgefäße, Textilien ein wichtiges festliches Ereignis er­ lichkeit bestimmt waren. Sie wurden
u. a., die nicht bloß getragen, sondern zählt. Man könnte vermuten, dass die dagegen von einem kleineren Segment
zur Schau gestellt werden. Solche Pre­ aufwendige Schilderung von einma­ der Gesellschaft wahrgenommen, also
ziosen im Palastbesitz werden bei Ho­ ligen Krieg oder wiederkehrenden von Personen, die im Rahmen von all­
mer als keimelia bezeichnet, das wört­ Episoden Zeremonien, Jagd eine do­ täglichen oder zeremoniellen Angele­
lich etwas bedeutet, das beiseitegelegt kumentarische oder gar didaktische genheiten Zugang zu den Palasträu­
werden kann. Alles in allem ist es le­ Absicht hatte. Die Bildfriese wollten men hatten: die Herrscherschicht und
gitim anzunehmen, dass bei den my­ wohl nicht imponieren, sondern infor­ damit die Auftraggeber selbst, die Pa­
kenischen Prozessionszügen in erster mieren, da sie eine historische Hand­ lastbeamten sowie auswärtige Gäste
Linie nicht der Kult an sich, sondern lung rekonstruierten und nicht sym­ aus anderen mykenischen oder aus­
der Glanz des Königtums thematisiert bolisierten. Vergangenes Geschehen ländischen Palastzentren. Die Bilder
wurde, der sich in Zeremonien und wurde als Realität vor Augen gestellt. waren zwar Ausdruck des Prestiges
Prunkgegenständen manifestierte. Es waren offensichtlich dieselben Er­ der Machtinhaber und Zeugnis für
eignisse, Feste und Lebensformen im ihre exklusive Lebensform, oder so­
A dere Bildthe e der palaia- Allgemeinen, die als Teil der kulturel­ gar ihr exklusives Wissen, dienten al­
le Iko ographie len Erinnerung des Volkes erzählt, be­ lerdings nicht zur «Einschüchterung»
Zu den festen Bestandteilen des iko­ sungen und dadurch von Generation der abhängigen Bevölkerung durch
nographischen Programms eines Pa­ zu Generation weiter tradiert wurden. die offene Proklamation der königli­
lastes gehören, neben den Prozessi­ Die bewegte, unruhige Komposition chen Macht, da die breite Masse der
onen, meist kleinformatige Bildfriese der kleinen erzählenden Bilder wird in einfachen Leute als Rezipienten aus­
narrativen Charakters, die Jagd, Krieg anderen Wänden oder Räumen von an­ geschlossen war.
oder zeremonielle Episoden schildern tithetischen Tierpaaren oder Frie­
Abb. . Als repräsentative Schlag­ sen sowie achtförmigen Schilden aus­ Die ielfälige Bilder elt der
wortbilder sind sie nicht geeignet, da geglichen, welche Ruhe, Zeitlosigkeit ke is he Siegel
das kleine Format und die komplexe und Dauer ausstrahlen. Zwischen bei­ Wenn die Wandmalerei einen Einblick
Komposition ihre visuelle Wirkung den Themengruppen entsteht dadurch in die Kohärenz und die Systematik
TITELTHEMA

der mykenischen Bildsprache ermög­


licht, dann geben uns die Siegelbilder
einen Eindruck des gesamten Voka­
bulars dieser Sprache und der Leit­
prinzipien ihrer Bildsyntax Abb. .
Fast alle gängigen Themen der myke­
nischen Ikonographie sind in der Sie­
gelglyptik belegt, die meisten von ih­
nen sogar nur in der Siegelglyptik.
Betrachtet man diese Enzyklopädie
der mykenischen Bilderwelt als Gan­
zes, wird man mit dem Paradox kon­
frontiert, dass die Siegelbilder anstatt
sich als individuelle Erkennungszei­
chen einer Person deutlich voneinan­
der zu unterscheiden, eher dazu nei­
gen, sich einander anzugleichen. Die
etwa 200 verschiedenen Siegelmus­
ter, die wir aus festländischen Ton­
plomben kennen, zeigen größtenteils
ein standardisiertes Themenrepertoire, Abb. 3 Siegelstein mit Darstellung eines Rindes nach links, Kuppelgrab von Georgikou­Xinoneriou,
das sich auf wenige markante Schlag­ Karditsa.
bilder beschränkt: Tier, Säugeszene,
Tierkampf, Kampf, Jagd, heraldisches
Tierpaar, Prozession. Die Anpassung
eines großen Kreises von Siegelinha­ tes dienten. Wie in jeder Hochkultur kämpfende Männer und andere Sze­
bern an ein eng gefasstes Spektrum hat es auch hier jenen gesellschaft­ nen, in deren inhaltliche Bedeutung
von Themen weist darauf hin, dass lichen Sektor gegeben, den man ge­ man allerdings kaum eindringen kann.
die Wahl der Motive einer Art von my­ meinhin als «privat» bezeichnet und Obwohl viele dieser Themen auf Vor­
kenischem Siegelkanon unterlag, der der das Bedürfnis hatte, sich selbst bilder aus der Freskomalerei oder
sich im Lauf der Generationen heraus­ zu repräsentieren. Der Anspruch und der minoischen und sogar der orien­
kristallisierte. Wäre das Siegelmotiv die Möglichkeit für eine Selbstreprä­ talischen Ikonographie zurückgehen,
nur von der individuellen Entschei­ sentation lagen natürlich nicht bei der stellt die Gattung als Ganzes ein be­
dung des Siegelinhabers abhängig ge­ einfachen Bevölkerung, sondern nur sonders innovatives Phänomen dar.
wesen, dann müssten wir mit einer bei elitären Schichten, nämlich ho­ Die minoischen Töpfer oder Vasenma­
sehr hohen Anzahl von unterschiedli­ hen Palastbeamten oder auch begü­ ler hatten sich für Jahrhunderte gewei­
chen Bildthemen rechnen. Der Siegel­ terten Familien innerhalb und außer­ gert, die Gefäßoberfläche als Medium
inhaber musste sich daher gewissen halb der Palastzentren. Ein effektives für figürliche Szenen zu nutzen. Wenn
Traditionen, Normen oder sogar einer Medium für eine private Selbstdar­ der Dekor nicht aus linearen, sondern
herrschenden «Mode» fügen. stellung bot wahrscheinlich die Kera­ aus figürlichen Mustern bestand, dann
mik. Obwohl die überwiegende Mehr­ breitete er sich stets wie ein dekora­
Ei e ke is he pop art? heit der mykenischen Tongefäße wie tiver Teppich auf der Gefäßoberflä­
Mit dem Löwentorrelief, den Fresken die minoischen einen rein ornamen­ che aus und nicht als eine kohärente
und den Siegelbildern haben wir drei talen Dekor aufweisen, sind bereits Szene, deren Einzelelemente in einem
wichtige Ausdrucksformen der Staats­ seit dem Beginn der Palastzeit Gefäße organischen Zusammenhang zueinan­
ideologie betrachtet, die eindeutig orts­ vorwiegend große Kratere belegt, der standen. Es liegt nahe zu vermu­
gebunden sind und ihre Funktion nur die mit Szenenbildern verziert sind. ten, dass hinter dieser wichtigen Inno­
innerhalb der Palastsphäre erfüllten. Das dominierende Thema ist hier der vation, welche die Keramik zum ersten
Es versteht sich allerdings von selbst, Wagen Abb. . Mit Regelmäßigkeit Mal im ägäischen Raum zum Träger
dass nicht alle mykenischen Bilder den erscheinen ferner Stiere, Hirsche, an­ einer inhaltsreichen und repräsen­
repräsentativen Zwecken des Palas­ tithetische Tierpaare, bewaffnete oder tativen Ikonographie machte, keine

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ANTIKE WELT 6/18
DIE MYKENISCHE BILDERWEL‹ ALS MYKENISCHES BILD DER WEL‹ � )ur isuelle Sel strepräse taio ei er ro zezeitli he Elite

Abb. 4
Wagenfahrtkrater,
Ephorie Elis.

Abb. 5
Larnax mit der Dar­
stellung klagender
Frauen aus Tanagra.

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ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA

staatlichen, sondern eher private Inte­ Tonlarnakes aus der Nekropole von der mykenischen Kunst. Es ist viel­
ressen steckten. Durch die Beliebtheit Tanagra Böotien , welche vornehm- leicht kein Zufall, dass gerade diese, in
des Wagens als Dekor sowie der Form lich mit Trauerszenen verziert sind einem privaten Kontext entstandene
der Gefäße selbst – es handelt sich aus­ Abb. . Viele Szenen von klagenden Bildtradition den Verfall der mykeni­
nahmslos um Trinkgeschirr – gewinnt Frauen brechen jede Regel des myke­ schen Palastkultur und den ikonoklas­
man zwei einleuchtende Hinweise auf nischen decorum, indem sie Bildmit­ tischen Hiatus der sog. Dunklen Jahr­
den sozialen Kontext der Gattung. Ers­ tel und Konventionen der palatialen hunderte überlebte, um einen neuen
terer deutet möglicherweise darauf Kunst ignorieren und sich manchmal Ausdruck in der Kunst der geometri­
hin, dass hier eine elitäre Schicht, eine einer karikaturhaften Darstellungs­ schen Zeit zu finden.
Art Wagenaristokratie, thematisiert weise bedienen. Doch je weiter sich die
wird, letzterer auf den konkreten ge­ Figuren von etablierten Bildformen
sellschaftlichen Zusammenhang die­ der palatialen Kunst entfernen, desto
ser Gefäße, nämlich festliche Banketts mehr gewinnen sie an Ausdruck. Hier Adresse des Autors
oder Trinkgelage, die nach der Aus­ ist der Stil Bedeutungsträger. Er zeugt Prof. Dr. Dia a is Pa agiotopoulos
U i ersität Heidel erg
sage späterer Quellen eine identitäts­ für einen klaren Bruch mit der Tradi­ I situt für Klassis he Ar häologie
Marstallhof
stiftende Funktion für die Elite hatten. tion, für eine pop art, die sich nicht für D- Heidel erg
Man darf schließlich nicht verkennen, die Form, sondern nur für den Inhalt
dass für die Themen dieser Bildspra­ der Bilder interessierte. Bildnachweis
che auch marktwirtschaftliche Prinzi­ A . : Peter Gaul / Badis hes La des useu Karls-
ruhe; : Depart e t of Classi s, U i ersit of Ci i ai;
pien ausschlaggebend waren, da viele Ei e a dere ‹radiio des Sehe s : Helle i Mi istr of Culture a d Sports / Ar haeolo-
gi al Re eipts Fu d; . : Peter Gaul / Badis hes La -
der Gefäße nachweislich nach Zypern Können wir hoffen, dass wir die myke­ des useu Karlsruhe - Helle i Mi istr of Culture a d
Sports / Ar haeologi al Re eipts Fu d.
und in die Levante exportiert wurden. nischen Bilder je wirklich verstehen
Es ist daher nicht zwingend hinter je­ können? Ich glaube nicht. Diese Bilder
Literatur
der Szene eine tiefere Bedeutung zu setzen eine andere Tradition des Se­ F. BLAKOLMER, Was there a M e aea art ? Or: ‹radi-
suchen, die auch vom Käufer oder Be­ hens voraus, ein unausgedrücktes All­ io ithout i o aio ? So e e a ples of relief art, i :
J. Weilhart er / F. Ruppe stei Hrsg. , ‹radiio a d
trachter richtig verstanden wurde. tagswissen, das uns heute endgültig I o aio i the M e aea Palaial Poliies, Pro eedi gs
of a I ter aio al S posiu held at the Austria
Trotz dieser Störfaktoren, die eine se­ verloren gegangen ist. Man kann ihren A ade of S ie es, – Mar h, , M ke is he
Studie – .
mantische Auswertung erschweren, «Sitz im Leben» nur in sehr groben
H. BREKOULAKI / J. L. Da is / S. R. Sto ker Hrsg. , M -
kann man davon ausgehen, dass die Zügen rekonstruieren. Diese Bildspra­ e aea Wall Pai i g i Co te t. Ne Dis o eries, Old
mykenischen Vasenbilder ein Ventil für che, die von der ungeheueren Last der Fi ds Re o sidered .

die private Selbsthematisierung elitä­ minoischen Tradition befreit war, öff­ S. IMMERWAHR, Aegea Pai i g i the Bro ze Age
.
rer Familien oder Geschlechter boten. net mit ihrem Stil und ihrer Thema­ O. KR)YS)KOWSKA, Aegea Seals. A I trodu io
Die privaten Beweggründe von Bil­ tik völlig neue Wege und ist die ein­ .

dern werden viel deutlicher bei den zige, wirklich authentische Leistung

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der griechischen Mythologie und der
Bann zieht ... Erklärung und
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15
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TRANSFORMATION AM BEGINN DER
MYKENISCHEN EPOCHE
Hintergründe des Aufstiegs von Mykene

I de S ha htg ä e o Myke e t it u s ei e Pe so e g uppe e tgege , die e ts heide -


de A teil a gesells hatli he T a sfo aio sp ozesse a Begi de yke is he
Epo he hate. Sie ollzog e usst ei e B u h it de o ih als ee ge d e pfu de e Be-
statu gst adiio e des Mitelhelladiku s u d s huf eue Fo e elitä e Sel stda stel-
lu g, die sta k o ei e Ausei a de setzu g it de Palastgesells hat K etas gep ägt a e .

o Joseph Ma a welche die gesellschaftlichen Trans­ Erinnerung an die verehrten Vorfah­


formationsprozesse am Beginn dieser ren erbaut worden war Abb. , fünf
ls Heinrich Schliemann im Jahre Epoche in ganz entscheidendem Maße überaus reich mit Beigaben ausgestat­
A 1876 die Schachtgräber von My­
kene entdeckte, war dies die Geburts­
mitgestaltet hatte. tete Schachtgräber zum Vorschein,
welche in den Frühabschnitt der my­
stunde der Archäologie der myke­ Die S ha htg ä e u d de Auf- kenischen Kultur datieren (Späthella­
nischen Epoche Griechenlands, des sieg o Myke e disch ) und ))A; ./ .− . Jh. v. Chr. .
Späthelladikums ca. / − Direkt hinter dem Löwentor kamen Nach der Abreise Schliemanns legte
v. Chr. . Schliemann konnte indes nicht unter einem aus Steinplatten errich­ der griechische Archäologe Panayiotis
wissen, dass er den Bestattungsplatz teten Kreis Gräberrund A , der in der Stamatakis noch ein sechstes Schacht­
einer Personengruppe gefunden hatte, frühen Palastzeit . Jh. v. Chr. zur grab frei. Schliemann hat uns keine

Abb. 1 Der rund zwei Jahrhunderte nach der Schachtgräberzeit errichtete Plattenkreis des Gräberrundes A von Mykene belegt, dass die in den
Schachtgräbern Bestatteten am Beginn der Palastzeit noch fest im sozialen Gedächtnis verankert waren.

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ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA

Zeichnungen oder gar Fotos der Grä­


ber hinterlassen, so dass Skizzen, die
Stamatakis während seiner Besuche
der Ausgrabungen Schliemanns anfer­
tigte, heute die einzige zeichnerische
Dokumentation der Lage von Skelet­
ten und Beigaben darstellen Abb. .
Dies allein erweist Stamatakis als den
besseren Archäologen und bestätigt
seine Bedenken gegenüber der Eig­
nung Schliemanns, solche Ausgrabun­
gen durchzuführen. Da diese Skizzen
jedoch in mehreren Punkten den Be­
schreibungen von Schliemann wider­
sprechen, werden sich die seinerzeit
angetroffenen Befunde leider nie mehr
mit Gewissheit rekonstruieren lassen.
Insofern war es ein Glücksfall für die
Forschung, dass zwischen und
, etwa m westlich des Grä­
berrundes A, eine von einem Steinkreis
Gräberrund B eingefasste Konzentra­
tion weiterer Schachtgräber etwas äl­
terer Zeitstellung (Mittelhelladisch III
und Späthelladisch ); ./ . Jh. v. Chr.
entdeckt wurde. Diese wurde dann un­
ter der Leitung von Ioannis Papadimi­
triou und Georgios E. Mylonas wissen­
schaftlich dokumentiert. Die das Ende
des Mittelhelladikums und den Be­
ginn des Späthelladikums umfassende
Belegungszeit der Schachtgräber von
Mykene wird als Schachtgräberzeit
bezeichnet und bildet die formative
Abb. 2 Im Unterschied zu Schliemann erkannte der griechische Archäologie Stamatakis die Notwen­
Phase der mykenischen Epoche. digkeit zu einer zeichnerischen Dokumentation der Schachtgräber. Die Skizze zeigt den Befund
in Schachtgrab V, in dem zwei der Beigesetzten Goldmasken trugen und sich zahlreiche Waffen und
Metallgefäße fanden.
Ke zei he de S ha htg ä e
In der Zusammenschau der Ergeb­
nisse der alten und neuen Ausgra­
bungen können folgende Merkmale ckenlage niedergelegt wurden. Männ­ gräbern von Mykene bekannt sind,
als typisch für Schachtgräber gelten: liche Tote wurden mit einem ganzen scheinen überwiegend männlichen To­
Es handelt sich um in den Untergrund Set bronzener Waffen aus Lang­ und ten beigegeben worden zu sein und
eingetiefte Grabschächte rechtecki­ Kurzschwertern, Dolchen und Lanzen wurden ebenso eigens für die Bestat­
gen Umrisses, deren Wände mit Stein­ ausgestattet, während weibliche Ver­ tung hergestellt wie die mit deko­
mauern ausgekleidet und nach oben storbene mehrteilige Schmuckgarni­ rierten Goldblechen über und über
durch Holzbalken abgedeckt wurden. turen aus Gold und Halbedelsteinen verzierten Totengewänder. Über den
Die Balkenbedeckung erlaubte es, die erhielten. Gefäße aus Gold, Silber und Schachtgräbern hatte man Stelen aus
Gräber zu öffnen und zu schließen, so Bronze fanden sich bei Toten beiden Kalksandstein aufgestellt, von denen
dass sie zur Bestattung mehrerer Ver­ Geschlechts Abb. . Die berühmten einige Szenen von Krieg und Jagd zei­
storbener genutzt werden konnten, Goldmasken Abb. , die aus der my­ gen, wie überhaupt der Schwerpunkt
die überwiegend in gestreckter Rü­ kenischen Kultur nur aus den Schacht­ auf kriegerischer Gewalt in den Bil­

17
ANTIKE WELT 6/18
TRANSFORMATION AM BEGINN DER MYKENISCHEN EPOCHE – Hi te g ü de des Aufsiegs o Myke e

Abb. 3
In den Schachtgräbern
von Mykene bestehen vor
allem Gefäße für Trinkge­
lage aus Edelmetall. Die
aus Schachtgrab III stam­
mende Goldtasse mit
Spiraldekor ist ein Bei­
spiel für die auf kreti­
schen Vorbildern beru­
hende Produktion von
Metallgefäßen auf dem
griechischen Festland.

Abb. 4
Nur wenige der in den
Schachtgräbern von My­
kene Beigesetzten er­
hielten eine Goldmaske.
Masken wie die aus
Schachtgrab V wurden
eigens für die Bestattung
hergestellt und sind au­
ßerhalb von Mykene bis­
her unbekannt.

18
TITELTHEMA

dern und Gegenständen der Schacht­


gräber unübersehbar ist. Zwar lassen
sich mit den Schachtgräbern Mykenes
vergleichbare Prozesse der Herausbil­
dung neuer Eliten gleichzeitig auch in
anderen Landesteilen Griechenlands
z. B. Messenien nachweisen, doch ist
die Quantität und Qualität der in den
Schachtgräbern Mykenes gefundenen
Objekte bislang ohne Vergleich geblie­
ben. Darin macht sich eine regionale
Vormachtstellung des Ortes bereits zu
Beginn des nach ihm benannten Zeit­
abschnitts bemerkbar.

Neue Ideale o Mä li hkeit


u d Wei li hkeit
Kennzeichnend für die Ausstattungs­
muster der Schachtgräber von My­
kene ist, dass sie in klarem Gegen­
satz zu den Bestattungssitten der
vorangehenden mittelhelladischen Zeit
ca. − / v. Chr. stehen,
bei denen Verstorbenen nur sehr we­
nige Objekte mit ins Grab gegeben
worden waren, darunter fast nie Waf­
fen oder Schmuck aus Metall. Deshalb
ist es in der Regel auch nicht möglich,
anhand mittelhelladischer Beigaben­
ausstattungen Mutmaßungen über das
Geschlecht der Toten anzustellen. An­
Abb. Auf dem Kolonna-(ügel von Ägina, wo sich die mächtigste Siedlung des Mittelhelladikums
gesichts dieser gravierenden Unter­ befand, wurde das bisher älteste Schachtgrab entdeckt. Die Bestattung eines jungen Mannes
schiede zu früheren Bestattungssit­ war in Seitenlage niedergelegt und mit einer umfangreichen Waffenausrüstung ausgestattet worden.
ten vermuteten manche, die in den
Schachtgräbern Beigesetzten seien von
weither zugewandert. Sir Arthur Evans,
der erste Ausgräber von Knossos, wurden lange Zeit als Zeichen «ärm­ zu brechen und bewusst ihren hervor­
hielt die Toten der Schachtgräber für licher» Gemeinschaften missverstan­ gehobenen Status durch Grabbeigaben
eine kretische Führungsschicht, wäh­ den, die sich nicht mehr als ein paar zur Schau zu stellen. Hierdurch wurden
rend andere das Schachtgräberphäno­ bescheidene Objekte als Beigaben leis­ zuvor in Schach gehaltene zentrifugale
men auf eine Fernwanderung aus den ten konnten. Viel wahrscheinlicher ist gesellschaftliche Kräfte entfesselt und
Steppen Eurasiens zurückführten. Es es jedoch, dass sich dahinter ein raffi­ die Herausbildung der mykenischen
gibt indes keine überzeugenden Argu­ niert austariertes System gesellschaft­ Epoche eingeleitet. Diese neuen Ten­
mente einer Zuwanderung oder krie­ licher Normen verbirgt, bei dem real denzen im Umgang mit elitären Ver­
gerischen Übernahme, weshalb der existierende Statusunterschiede zwi­ storbenen lassen sich am frühesten in
Schlüssel zum Verständnis des Um­ schen Sippen nicht im Grabsektor zum der mittelhelladischen Siedlung auf
schwungs am Beginn der Schachtgrä­ Ausdruck gebracht werden durften. Im dem Kolonna­Hügel auf Ägina nach­
berzeit in einer genaueren Betrach­ Laufe des Mittelhelladikums trafen be­ weisen, wo während der Stufe Mittel­
tung der Hintergründe der so anders stimmte soziale Gruppen die Entschei­ helladisch )) ca. ./ . Jh. v. Chr. ein
wirkenden Ausstattungsmuster mittel­ dung, mit diesem von ihnen als ein­ junger Mann mit voller Waffenausrüs­
helladischer Bestattungen liegt. Diese engend empfundenen egalitären Ethos tung in einem Schachtgrab beigesetzt

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ANTIKE WELT 6/18
TRANSFORMATION AM BEGINN DER MYKENISCHEN EPOCHE – Hi te g ü de des Aufsiegs o Myke e

wurde Abb. . . Es scheint die ge­ reich geschmückt im Grab präsentiert den Schluss, es habe einen scharfen
sellschaftliche Führungsschicht die­ wurden? Zwar kann kein Zweifel da­ Gegensatz zwischen «kriegerischen
ser größten und bedeutendsten Sied­ ran bestehen, dass ein Großteil der Mykenern» und «friedliebenden Mi­
lung des Mittelhelladikums gewesen Gegenstände, Bilder und Symbole der noern» gegeben. Es spricht indes vie­
zu sein, welche den Transformations­ Schachtgräber kretisch inspiriert sind, les dafür, dass auch die Betonung von
prozess in Gang brachte. Von Ägina doch ist aus dem mit den Schachtgrä­ Krieg und Gewalt ein Ergebnis der im­
breiteten sich die neuen Merkmale eli­ bern gleichzeitigen Kreta der Neuen mer enger werdenden Verflechtung
tärer Selbstdarstellung in die nahege­ Paläste die Betonung kriegerischer zwischen Eliten des griechischen Fest­
legene Argolis aus. Aktivitäten in Darstellungen ebenso landes und denen Kretas war. Ganz
wenig üblich wie die Beigabe mehrtei­ im Gegensatz zu dem Bild von den
Ei i te kultu elles Miss e stä d is liger Waffenausstattungen in Gräbern. «friedliebenden Minoern» waren die
Wie kam es aber dazu, dass Männer Die auf Schliemann folgenden Genera­ Grundlagen der Paläste Kretas militä­
plötzlich als große Krieger und Frauen tionen von Forschern zogen hieraus rischer Natur, weshalb auch die meis­
ten Waffenformen der Schachtgräber
in Waffenschmieden minoischer Pa­
läste entwickelt wurden. Dass es auf
Abb. 6 Die Rüstung des in dem Schachtgrab von Ägina Beigesetzten umfasst ein frühes Beispiel
eines Langschwerts und eines Eberzahnhelms sowie Lanze, Messer, Pfeile und ein Rasiermesser. Kreta dennoch nicht gebräuchlich
Der Tote erhielt ferner ein schmales goldenes Diadem. war, solche Waffen Toten mitzugeben
oder Bilder von Krieg und Gewalt an­
zufertigen, dürfte nicht an der «fried­
lichen Natur» der Kreter, sondern an
Ideologien gelegen haben, welche eine
scharfe Trennung zwischen Kreta und
seiner Außenwelt vornahmen. Nach
Innen wurde ein friedliches Gesicht
präsentiert, das von der Harmonie
göttlicher Mächte geprägt war. Nach
außen wandte man jedoch ein mili­
tärisches Gesicht, weshalb die Men­
schen des griechischen Festlandes mit
waffenstrotzenden minoischen Dele­
gationen in Berührung kamen und da­
durch das als «typisch kretisch» wahr­
nahmen, was in Wahrheit von den
Kretern selbst nur für die Außenwahr­
nehmung vorgesehen war – ein klassi­
sches interkulturelles Missverständnis
also.
Geleitet von ihrer Wahrnehmung
kretischer Eliten beanspruchten fest­
ländische Gruppen für sich, mit alten
Normen und Werten zu brechen und
neue Formen der Selbstdarstellung in
bewusster Abgrenzung zu diesen zu
konstruieren. Hierzu passt, dass mit
Mykene ein Ort zum wichtigsten Zen­
trum aufstieg, der während des Mit­
telhelladikums verglichen mit dem na­
hegelegenen Argos noch unbedeutend
gewesen zu sein scheint. Vielleicht
stammten die in den Schachtgräbern

20
ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA

beisetzenden Gruppen sogar aus Argos Gebäude, in denen die in den Schacht­ . Jhs. v. Chr. lässt sich in der knossi­
und hatten sich von dessen Gemein­ gräbern Beigesetzten gewohnt hat­ schen Palastadministration nur noch
schaft losgesagt, um Mykene als neues ten, sind durch spätere Baumaßnah­ das mit der Linear B­Schrift geschrie­
Zentrum aufzubauen und dort unge­ men zerstört oder überbaut worden bene Griechisch nachweisen, welches
stört ihren aus Sicht der alten mittel­ und konnten dementsprechend bis­ die zuvor verwendete, mit Linear A ge­
helladischen Eliten wohl häretischen her noch nicht archäologisch nach­ schriebene, noch unentzifferte nicht­
Idealen zu folgen. Bereits in der for­ gewiesen werden. In anderen Orten griechische Sprache abgelöst hat. Was
mativen Phase der mykenischen Zeit Mittel­ und Südgriechenlands kann am Beginn der Schachtgräberzeit als
scheint Mykene enge Kontakte insbe­ jedoch gezeigt werden, dass sich die eine weitgehend von Kreta kontrol­
sondere zu Knossos geknüpft zu haben, sozialen Transformationen am Über­ lierte Kontaktaufnahme zu Orten Süd­
denn besonders in den Schachtgräbern gang zur mykenischen Zeit auch auf griechenlands begonnen hatte, endete
Schliemanns begegnen uns außerge­ die Ausgestaltung der Siedlungen aus­ damit, dass der Palast von Knossos in
wöhnliche Ritualobjekte, die nur als gewirkt haben. Typisch für die Verän­ politische Abhängigkeit von den im­
Geschenke der Eliten des wichtigsten derungen ist, dass Siedlungspläne, die mer mächtiger werdenden mykeni­
Palastes Kretas zu verstehen sind. Das während des Mittelhelladikums z. T. schen Herrschern geriet und wenig
Interesse minoischer Paläste an den über viele Jahrhunderte beibehalten später, im . Jh. v. Chr., endgültig als
aufstrebenden mykenischen Gruppen wurden, während der Schachgräber­ Zentrum ausgeschaltet wurde.
der Argolis dürfte damit in Zusammen­ zeit aufgegeben und durch neue Sied­
hang stehen, dass es Mykene gelang, lungsstrukturen ersetzt wurden, wel­
seine Position an der Kreuzung zwi­ che den Ansprüchen der neuen Eliten
schen kombinierten Land­See­Handels­ genügten.
Adresse des Autors
routen einerseits nach Norden, durch P of. D . Joseph Ma a
den Euböischen Golf und die nördliche Myke e u d K ossos: U i e sität Heidel e g
I situt fü U - u d F ühges hi hte u d Vo de asiais he
Ägäis in Richtung Balkan, sowie an­ Ei e folge ei he Beziehu g Archäologie
Sa dgasse
dererseits in Richtung Westen durch In der langfristigen Perspektive blieb D-69117 Heidelberg
den Korinthischen Golf und das Ioni­ die Anlage von Schachtgräbern eine
sche Meer in Richtung Italien zu seinen Episode, welche die formative Phase Bildnachweis
A . : Pete Gaul / Badis hes La des useu Ka ls-
Gunsten auszunutzen. Durch solche der mykenischen Zeit nicht überdauert uhe; : Helle i Mi ist y of Cultu e a d Spo ts / A -
Systeme des Fernhandels gelangten hat. Dennoch wurden in diesen Jahr­ haeologi al Re eipts Fu d; : Pete Gaul / Badis hes
La des useu Ka ls uhe - Helle i Mi ist y of Cultu e
Bernsteinobjekte und wohl auch Zinn hunderten am Übergang zwischen Mit­ a d Spo ts / A haeologi al Re eipts Fu d; : So ais
Ma o ais / A haeologi al Photog aphy - Helle i
britischen Ursprungs, sowie Gold und tel­ und Späthelladikum nicht nur die Mi ist y of Cultu e a d Spo ts / A haeologi al Re eipts
Fu d; . : I a Kilia -Di l eie /Ägi a-P ojekt, U i e -
früheste Streitwagen balkanischer Grundlagen für die mykenische Epo­ sität Salz u g Ha s Walte .
Herkunft nach Mykene und wurden auf che, sondern auch für neue Allianzen
diese Weise auch für die Paläste Kre­ zwischen Zentren des griechischen Literatur

tas verfügbar gemacht. Insofern wun­ Festlandes und Kretas gelegt. Angetrie­ O.T.P.K. DICKINSON / L. PAPA)OGLOU-MANIOUDAKI /
A. NAFPLIOTI / A. J. N. W. PRAG, My e ae Re isited
dert es nicht, dass die Schachtgräber ben von dem Wunsch, mehr über die Pa t : Assessi g the Ne Data, i : A ual of the B iish
S hool at Athe s − .
Mykenes zahlreiche Fremdobjekte aus fernen Zentren politischer und religi­
I. KILIAN-DIRLMEIER, Beo a htu ge zu de S ha htg ä-
den verschiedensten Gegenden der da­ öser Macht zu erfahren, intensivierten e o Myke ai u d zu de S h u k eiga e yke-
is he Mä e g ä e , i : Jah u h des Rö is h-Ge a-
mals bekannten Welt enthalten. Durch die Eliten Mykenes und anderer fest­ is he )e t al useu s Mai z − .
diese Fremdformen wurden nicht nur landsgriechischer Zentren in der Fol­ DIES., Das itel o zezeitli he S ha htg a o Ägi a.
Alt-Ägi a IV, .
die Fernbeziehungen der mächtigen gezeit die politischen Beziehungen zu
J. MARAN, Lost i T a slaio : The E e ge e of My e-
Sippen zur Schau gestellt, sondern es Kreta. Dass Knossos etwa in der Mitte aea Cultu e as a Phe o e o of Glo alisaio , i :
wurde auch zum Ausdruck gebracht, des . Jhs. v. Chr. als einziger der mi­ J. Be et / S. She at / T. Wilki so H sg. , I te ea-
i g Wo lds: Syste i I te a io s i Eu asia, th to
dass sich diese gewissermaßen im Mit­ noischen Paläste unzerstört blieb und st Mille ia BC. P o eedi gs of the Co fe e e A ie t
Wo ld Syste s, Sheield, st– th Ap il i Me o y
telpunkt der Welt befanden. danach für rund ein Jahrhundert unan­ of A d e She at − .
gefochten zum wichtigsten Palastzent­ S. VOUTSAKI, Mo tua y Display, P esige a d Ide ity i
U u h au h i Siedlu gs ese rum Kretas wurde, ist wahrscheinlich the Shat G a e E a, i : I. Kilia -Di l eie H sg. , Eliten
i de B o zezeit. E ge isse z eie Kollo uie i Mai z
Unser Wissen um die formative Phase diesen Allianzen zu mykenischen Eli­ u d Athe , Mo og aphie des Rö is h-Ge a is he
)e t al useu s – .
der mykenischen Epoche stützt sich ten zu verdanken. Der Preis, den Knos­
H. WHITTAKER, Religio a d So iety i Middle B o ze
an dem eponymen Fundort leider aus­ sos zu zahlen hatte, war jedoch ein ho­ Age G ee e .

schließlich auf Grabfunde, denn die her, denn ab der zweiten Hälfte des

21
ANTIKE WELT 6/18
DER MYKENISCHE PALAST
Machtort, Verwaltungssitz und zeremonielles Zentrum

Der Palast gehört mit zu den faszinierendsten Zeugnissen der mykenischen Kultur. Er prägt
de Höhepu kt diese )i ilisaio i . Jh. . Ch ., do h lasse si h sei e A fä ge i
die Jah hu de te zu o zu ü k e folge . Als )e t u fü Ve altu g, Kulfeie u d Ma ht­
ausü u g ü te e e s hiede e Fu kio e aus, die si h i de Rau auteilu g u d
­ utzu g a h ollziehe lasse .

o Be ha d F. Stei a Paläste in Tiryns (Abb. 1), Pylos und Megaron und Wandmalerei als Punkte
Mykene, aber auch Anlagen in Dimini an, die einen Palast als solchen qua-
er mykenische Palast galt bereits und Gla sowie Neuentdeckungen in Ik- lifizieren. Alles andere wäre dann le-
D bei seiner Entdeckung durch Hein-
rich Schliemann (1822–1890) und Wil-
laina und Agios Vasilios geben uns ein
vielschichtiges Bild palatialer Archi-
diglich ein Herrenhaus, ein Unterzen-
trum oder etwas Ähnliches. Ob die
helm Dörpfeld (1853–1940) als beson- tektur und von deren Entwicklung. Menschen in der mykenischen Zeit
derer Ort. Während ihn diese frühen ebenso dachten, darf bezweifelt wer-
Gelehrten noch stark mit den homeri- Do h as ist ü e haupt ei Palast? den. Für die in einer bestimmten Re-
schen Palästen des Menelaos, Priamos Bei der Definition dieser Anlagen wur- gion ansässigen Bewohner war der
oder Nestor in Verbindung brachten, den verschiedene Kriterien angewen- als Zentrum fungierende Gebäude-
hat mittlerweile durch die zahlreichen det, ab wann man von einem Palast komplex der «Palast», denn von die-
Neufunde und intensiven Forschungen sprechen sollte und was noch kein Pa- sem Bau aus wurde Macht ausgeübt.
der letzten 100 Jahre das Bild deutlich last ist. So sah man die Präsenz exo- Details der Ausstattung oder was sich
an Kontur gewonnen. Die mykenischen tischer Importe, Linear B-Tafeln, ein in den herrschaftlichen Schatzkam-

Abb. 1 Die Oberburg von Tiryns heute mit Blick auf die argolische Ebene.

22
ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA

mern befand, wurde gewiss nicht als


Kriterium angewendet. Und auch die
Schrift in Form der Linear B-Tafeln
ist nur eine besonders effiziente Me-
thode der Verwaltung neben vielen
anderen, zumal sich diese Zeugnisse
nicht unbedingt überall gut erhalten
haben müssen. Dennoch zeugen auf-
wendige Ausstattungen vom Reich-
tum und Repräsentationswillen der
Erbauer, exotische Importe mögli-
cherweise von Kontakten mit Groß-
reichen des Ostens wie Ägypten und
eine Vielzahl von Schriftzeugnissen
davon, dass Kontrolle über viele Wa-
ren und Personen ausgeübt wurde. So
Abb. 2
lässt sich zumindest erahnen, welche Das sog. Mansion 1 im Bereich
Zentren einst von großer Bedeutung des späteren Menelaions bei
Sparta zeigt den Grundriss eines
waren und welche eher einen unter- frühen Herrenhauses aus dem
geordneten Charakter hatten. späten 1 . Jh. v. Chr.

Die Anfänge mykenischer


Palastarchitektur
Mit den durch die Forschung aufge- tur des 1 . Jhs. v. Chr. Der frühmyke- Mit dem ebenfalls vor einigen Jah-
stellten Kriterien kann daher in der nische Ort Kakovatos in Triphylien ren ausgegrabenen palatialen Bau von
Blüte der palatialen mykenischen Kul- besaß ebenfalls einst ein großes Bau- Iklaina in Messenien liegt uns nun auch
tur, im 1 . Jh. v. Chr., ein Hauptzen- werk, doch davon hat sich nur noch ein entsprechendes Bauwerk aus dem
trum von einem Nebenzentrum ge- die es stützende Terrassenmauer zum 1 . Jh. v. Chr. vor. Es stand auf einer
schieden werden. Ob dies für das 16., Teil erhalten. Besser informiert sind von großen Kyklopenmauern gestütz-
1 . und beginnende 1 . Jh. v. Chr. gilt, wir über das Menelaion, ein Herren- ten Terrasse und war wahrscheinlich
darf hinterfragt werden, zumal die haus auf einem in der Nähe von Sparta mehrstöckig. Wandmalereifragmente
Schriftlichkeit zu dieser Zeit auf dem gelegenen Hügel, auf dem in späterer und Linear B-Tafeln belegen die einst
griechischen Festland noch nicht aus- Zeit eine Kultstätte für den mythi- prächtige Ausstattung und seine Rolle
geprägt war und daher die Möglich- schen spartanischen König und Bru- als Verwaltungszentrum.
keit einer komplexen, große Regionen der des Agamemnon, Menelaos, einge-
erfassenden Verwaltung noch nicht richtet wurde. Dieser aus dem späten Das Palast ega o
bestand. Dennoch lassen reich aus- 1 . Jh. v. Chr. stammende Bau verfügt Über Architektur und Gliederung ei-
gestattete Gräber wie die Schachtgrä- über einen großen, zentralen Raum, nes mykenischen Palastes sind wir
ber von Mykene erahnen, dass es eine flankiert von Korridoren und weiteren am besten durch die Anlagen in Py-
Elite gab, deren Repräsentationswille kleinen Räumen (Abb. 2). Die Form er- los, Tiryns und Mykene informiert. Sie
sich gewiss nicht allein auf prächtige innert sehr an die Megara der späte- zeigen uns Palastzentren des fortge-
Grabausstattungen beschränkte. Lei- ren großen Paläste, daher kann man schrittenen 1 . Jhs. v. Chr. und veran-
der ist uns von der Architektur die- hier einen frühen Vertreter dieser Ar- schaulichen die Funktion der einzel-
ser frühen «Paläste» oder Herrensitze chitektur sehen. Der Grundtypus des nen Räume und Höfe.
nur sehr wenig bekannt, da sie schon mykenischen Palastes war also bereits Zentrum eines jeden Palastes ist
in mykenischer Zeit von Nachfolge- früh entwickelt worden, daher darf das Megaron. Dieser aus drei Räu-
bauten überdeckt wurden. Spärliche mit Spannung erwartet werden, was men gebildete Komplex beherbergt
Hinweise kennen wir aus Pylos. Unter die Ergebnisse der Ausgrabung der den Thron des Wanax, des mykeni-
dem großen Palast des 1 . Jhs. v. Chr. 2008 entdeckten und ebenfalls frühen schen Herrschers. Der Thronraum
erhielten sich zumindest die Mauer- Anlage von Agios Vasilios bei Sparta wird durch den zentral platzierten,
züge einer monumentalen Architek- zu dieser Problematik beitragen. runden Herd geprägt, der von vier

ANTIKE WELT 6/18


DER MYKENISCHE PALAST – Machtort, Verwaltungssitz und zeremonielles Zentrum

Säulen umstanden ist. Über dem Herd Der Thronraum war reich mit Fres- mit Prozessionen, Schlachtenbilder
öffnet sich die Decke und gibt dem ken geschmückt, wie Funde aus Py- oder Tieren sowie aus Spiralen oder
Rauch eine Abzugsmöglichkeit. In Py- los, Tiryns und Mykene belegen. Der anderen Ornamenten gebildete Zier-
los fand man große tönerne Röhren Boden bestand aus bemaltem Stuck, bänder. Den Thron des Herrschers
im Schutt über dem Herd, sie dien- der in Pylos und Mykene einen Bo- rahmen in Pylos Greifen und Löwen,
ten als Kamine, um dem Rauch den den aus vielfarbigen, quadratischen mächtige Geleittiere von Göttern,
Abzug zu ermöglichen. Wohl war die Steinplatten imitierte, in Tiryns aber die über die Herrschaft des Wanax
Überdeckung der zentralen Öffnung figürlich mit Delphinen und Oktopo- wachen. Die anderen Paläste dürf-
so gestaltet, dass durch sie nicht nur den verziert war. Die Buntheit setzte ten ähnliche Wanddekorationen be-
der Rauch abziehen konnte, sondern sich an den Wänden fort: Über ei- sessen haben. Zumindest aus Tiryns
gleichzeitig auch Luft und Licht in den nem wieder Buntgestein imitieren- sind Freskofragmente großer Sphin-
Raum kam. den Sockel folgten figürliche Fresken gen bekannt, deren ursprüngliche
Anbringung aber nur allgemein im
Palastbereich zu verorten ist. Über
das Aussehen der Decken wissen wir
Abb. 3 Plan der Oberburg von Tiryns. Zentral das Megaron mit dem runden Herd. wenig, aber wie das prunkvolle De-
ckenrelief des Kuppelgrabes von Or-
chomenos zeigt, könnten sie eben-
falls reich verziert gewesen sein.

Der lange Weg zum Herrscher


Begab man sich außerhalb der Burg
auf den Weg in den Palast zum Thron-
raum, musste man mehrere Tore, Prunk-
portale und Höfe durchqueren. Damit
wurde nicht nur der Zugang geregelt,
die langen Wege ermöglichten auch in
mehreren Stufen die Pracht zu stei-
gern und dem Besucher die Anlage
größer erscheinen zu lassen als sie in
Realität war. Gelangte man schließlich
in den großen Hof vor dem Megaron,
musste man noch zwei Räume passie-
ren, bis man den eigentlichen Thron-
raum betreten konnte. Die Eingangs-
halle, von zwei Säulen gestützt, weist
prunkvoll auf die Bedeutung des Bau-
werkes hin, der schmale Raum zwi-
schen Vorhalle und Thronraum bildet
noch einmal eine Zwischenstufe, die im
Fall von Tiryns auch eine in die Wohn-
quartiere führende Nebentür aufwies
und damit als Verteiler diente. Den Hö-
hepunkt bildete schließlich der Thron-
raum, in dem der Herrscher gottgleich
zwischen mächtigen Tieren thronte,
diffus beleuchtet durch das Oberlicht
und die Herdglut, und eventuell durch
vom Herd ausgehende wabernde Hitze
in eine mystische Sphäre getaucht.
Denn direkt vor dem Thron konnte

24
ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA

man nicht stehen, der runde Herd be-


fand sich zwingend zwischen dem thro- Abb. 4
nenden Herrscher und dem Besucher. Das Kleine Megaron
Der Wanax als oberster Herr und auch von Tiryns mit der
schematischen Dar-
oberster Priester stand im besonderen stellung der einsti-
Kontakt zu der Götterwelt und nahm gen Bodendekoration.
Eingepasst ein Origi-
bei religiösen Festen eine herausra- nalfragment dieses
gende Rolle ein. Seine soziale Stellung Bodens.
und seine gesellschaftlichen Aufgaben
werden durch Architektur und Deko-
ration unterstrichen und erzeugen eine
eindrückliche Fassade, der sich im Rah- ten, um später dann die Informatio- holische Getränke konsumierten. Mit
men des Hofzeremoniells wohl kaum nen auf vergänglichem Material für solchen Festen wurde der gesellschaft-
ein Besucher entziehen konnte. das Archiv festzuhalten. Nur durch liche Zusammenhalt gestärkt, sie ban-
Der Palastkomplex diente jedoch die Brandzerstörung der Paläste ha- den aber auch die Bevölkerung an den
nicht allein als Kulisse für die Machtre- ben sich diese tönernen «Notizzettel» Wanax und das herrschende System.
präsentation eines Herrschers. Lager- überhaupt erhalten, denn nach Ge-
und Archivräume legen Zeugnis von brauch wurden sie normalerweise zu Die Rolle de «klei e Mega a»
der Rolle des Palastes als zentrales neuen Tafeln geformt. So erhalten wir u d a de e i hige Räu e
Umverteilungs- und Registrationszen- einen Einblick in die Waren, die über Neben diesen ganzen offiziellen Räu-
trum ab. Die in den Palastarchiven ge- den Palast umgeschlagen wurden. men und Flächen lohnt auch der Blick
fundenen Linear B-Tafeln zeigen eine Die Lagerflächen innerhalb des Pa- auf andere Räume, deren Funktion
Silbenschrift, die eine frühe Form des lastkomplexes waren auch vergleichs- nicht immer klar ist. In Tiryns sprach
Griechischen abbildet. Fast listenartig weise groß. Es gab Magazine für Öl und man von einem «Doppelpalast», denn
werden verschiedene Vorgänge ver- für Wein sowie Arsenale für Kriegs- dort scheint sich die zentrale An-
zeichnet: die Abgaben von Flachs aus gerät. Aber auch gewaltige Geschirr- lage in zwei Teile zu teilen. Dies ist
den Provinzen, die vorhandenen Be- kammern befanden sich im Palast, zum einen der Westteil mit dem gro-
standteile von Streitwagen, die Be- die Tausende von Trinkschalen, Tellern ßen Megaron, der schon beschrie-
stände an Mobiliar für große Feste, die und Kannen enthielten (Abb. 5). Dieses bene Zielpunkt des langen Weges
Lebensmittelrationen und Arbeits- Geschirr wurde bei den großen Kult- zum Herrscher. Aber auch im Ostteil
stätten der Mägde und deren Kinder feiern im Palast verwendet, wenn sich der Anlage gab es ein megaronartiges
und die an der Küste stationierten Tausende von Menschen in den Palast- Bauwerk mit einem davor liegenden
Abteilungen von Wachsoldaten unter höfen versammelten und gemeinsam Hof. Das Bauwerk ist freistehend und
Führung eines Offiziers. Alles diese mit dem Wanax und der Elite den Göt- verfügt über eine Vorhalle (Abb. 4).
Vorgänge wurden von Schreibern vo- tern Opfer darbrachten, Prozessionen Darin gab es einen rechteckigen Herd
rübergehend auf Tontafeln festgehal- veranstalteten und Fleisch sowie alko- und ein Thronpodest. Die ältere For-

25
ANTIKE WELT 6/18
DER MYKENISCHE PALAST – Machtort, Verwaltungssitz und zeremonielles Zentrum

schung sah hier die Zweiteilung in ei- bronzener Schuh für den Drehzapfen Fries geschmückt, der gelagerte Grei-
nen Bereich für den König und einen noch gefunden wurde. Der Fußboden fen und Löwen zeigte, Machtsymbole
etwas zurücktretenden für die Köni- bestand aus bemaltem Stuck und war der Herrschaft des Wanax (Abb. 6).
gin. Da wir über die Rolle der myke- durch ein aus roten Bändern beste- Ein anderer wichtiger Raum war der
nischen Königin nichts wissen, bleibt hendes Raster in quadratische Felder Raum 65 mit seinem Vorraum, der
diese Deutung, so attraktiv sie auch unterteilt. Die Quadratfelder hatten Halle 64. Auch diese Raumgruppe er-
scheinen mag, Spekulation. die Farbfolge blau, rot, blau, gelb. Ein innert entfernt an ein Megaron, und
Man erreichte jenes kleine Mega- verschiedenfarbiges Schuppenmuster sie war fast ebenso groß wie das Mega-
ron auf zwei Wegen: Einmal zweigte brach die einfarbigen Quadrate zusätz- ron von Pylos. Der Wandschmuck be-
ein Gang vom großen Propylon ab und lich auf. Zentral lag der rechteckige stand im Vorraum aus einem Fries mit
führte über einen langen Korridor an Herd, davor ein von einer Spiralborte Kampfszenen und Schiffen und darun-
verschiedenen Räumlichkeiten vorbei eingefasster Bereich für einen Thron, ter einem Fries gelagerter Hunde. Die
in einen kleinen Hof, dann von dort aus genau wie es im großen Megaron der Bildthemen weisen auf Krieg und Jagd
weiter und schließlich in den Hof des Fall war. hin, Betätigungsfelder der männli-
kleinen Megaron. Der zweite Weg be- Als Zeremonienraum nahm das chen Elite und eng verknüpft mit dem
gann im Vorraum des großen Megaron, kleine Megaron deutlich Bezug auf Statusdenken hochrangiger Männer.
führte dann durch ein Gewirr von Flu- das große Megaron, doch was hier Wahrscheinlich handelt es sich hier
ren und kleinen Räumen westlich daran genau geschah, entzieht sich unserer eher um einen Festsaal für Gelage, der
vorbei, entlang der Mauer der Oberburg Kenntnis. Entweder hatte der Wanax von der Elite von Pylos bei bestimm-
und stieß dann wie durch eine Neben- mehrere Zeremonienräume für ver- ten Anlässen genutzt wurde. Neben
tür ebenfalls auf den Hof. Von prächti- schiedene Anlässe oder im kleinen diesen besonderen Räumen waren
gen Zeremonienwegen kann hier keine Megaron residierte ein anderer ho- in den Palästen auch eher als Wohn-
Rede sein, die Zuwege erscheinen hier her Würdenträger. Aus den Linearta- räume für die königliche Familie zu
eher umständlich, was dafür spricht, feln kennen wir den Lawagetas, der deutende Gemächer vorhanden. Ihre
dass nicht jeder ohne weiteres in die- offensichtlich der zweitwichtigste genaue Benennung fällt uns mangels
sen Bereich vordringen sollte. Wenn Mann im mykenischen Staat war. Er einer erhaltenen Ausstattung schwer.
man hier von einem Hauptweg spre- war der Anführer des Militärs, soviel In Tiryns sind solche Räume sowohl
chen möchte, dann begann dieser ge- verraten die Tafeln. Vielleicht war das im Westen als auch im Osten der Ober-
wiss im großen Propylon. Der zweite kleine Megaron sein Amtssitz. Sekun- burg zu finden. Im Westteil findet sich
Weg war eher dem exklusiven Kreis der däre Zeremonienräume finden sich sogar ein Baderaum, dessen Steinbo-
Palastbewohner vorbehalten. auch im Palast von Pylos. Zum ei- den aus einem monolithen Block be-
Die Ausstattung des kleinen Mega- nen ist es der Raum 46, wie das Me- steht. Ein Abfluss, der in einen Abwas-
rons war dennoch bemerkenswert. garon versehen mit einem zentralen serkanal führt, bestätigt die Nutzung
Der Hauptraum war von einer einflü- Rundherd, der gewiss bedeutend war. des Raumes. Gern wüssten wir mehr
geligen Holztür verschlossen, deren Denn die Wände waren mit einem über die Details des Lebens an einem
mykenischen Hof, doch erlauben uns
die erhaltenen Quellen keinen tieferen
Abb. 5 Vier einfache Kylikes aus dem Palast von Pylos. Solche Trinkschalen gab es zu hunderten in Einblick.
den Geschirrkammern des Palastes. Der mykenische Palast ist eine An-
lage, die verschiedenen Zwecken dient.
Große Höfe für Feierlichkeiten, Zere-
monialräume für die Repräsentation
des Herrschers und der höchsten Wür-
denträger, aber auch Räumlichkeiten
für die alltäglichen Bedürfnisse der
Bewohner. Umgeben waren sie in der
Regel von mächtigen Mauern und rag-
ten als schier unbezwingbare Zitadel-
len über den Ebenen Griechenlands. In
diesen Zitadellen befanden sich nicht
nur der Palast, sondern auch wich-

26
ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA

Abb. 6
Fragmente eines Grei-
fen-Löwen Freskos
aus Raum 46 des Pa-
lastes von Pylos. Der
Raum besaß wie das
Megaron einen run-
den Herd sowie eine
Macht und Herrschaft
ausdrückende Wand-
dekoration.

tige Kultstätten, Palastwerkstätten, La- Fu d; : Pete Gaul / Badis hes La des useu Ka ls­ o theaste Pelopo ese – u e t o epts a d e
uhe – Helle i Mi ist of Cultu e a d Spo ts / A haeo­ di e io s – .
gerräume und der Elite vorbehaltene logi al Re eipts Fu d; : Pete Gaul / Badis hes La des­
useu Ka ls uhe – Helle i Mi ist of Cultu e a d P. DARQUE / F. ROUGEMONT, Pala es a d «Pala es»:
Wohnhäuser. Über die Unterstädte, in Spo ts / A haeologi al Re eipts Fu d. M e aea Te ts a d Co te ts i the A golid a d
eigh ou i g Regio s, i : A.­L. S halli / I. Tou a itou
der die Mehrzahl der städtischen Be- H sg. , M e aea s up to date. The A haeolog of the
Literatur o theaste Pelopo ese – u e t o epts a d e
völkerung lebte, wissen wir leider noch di e io s – .
H. SCHLIEMANN, Ti s. De p ähisto is he Palast de
zu wenig. Kö ige o Ti s. E ge isse de eueste Ausg a u ­
ge . J. FISCHER, M ke is he Paläste. Ku st u d Kultu .

G. RODENWALDT, Ti s. Die E ge isse de Ausg a u ­ C. VONHOFF, Vo de Klei eside z zu ü e egio ale


ge des I situts . Die F eske des Palastes . )e t u . Fo iikaio s aute u d Fü ste sitze
des ausgehe de Mitel­ u d f ühe Späthelladiku s
K. MÜLLER, Ti s. Die E ge isse de Ausg a u ge MH III–SH II als A het pe spät ke is he Bu g­
des I situts . Die A hitektu de Bu g u d des Palas­ u d Palasta hitektu , i : S. Na a ala / R. Na a ala
tes . H sg. , Pol atheia. Fests h it Ha t ut Mathäus a ­
Adresse des Autors
lässli h sei es . Ge u tstages – .
D . Be ha d F. Stei a C. BLEGEN / M. RAWSON, The Pala e of Nesto at P los
Badis hes La des useu Ka ls uhe i Weste Messe ia . The Buildi gs a d thei Co te ts K. KILIAN, L’A hite tu e des R side es M ie es:
S hloss ezi k . O igi es et E te sio d’u e St u tu e du Pou oi
D­ Ka ls uhe Polii ue Pe da t l’Âge du B o ze R e t, i : E. Le
M. L. GALATY / W. A. PARKINSON H sg. , Rethi ki g
M e aea Pala es II. Re ised a d E pa ded Se o d H sg. , Le S st e Palaial e O ie t, e G e et à
Ediio . Ro e – .
Bildnachweis
H. W. CATLING / H. HUGHES­BROCK, Spa ta: Me elaio I. M. C. NELSON, The A hite tu e of the Pala e of Nesto ,
A . : Pete Gaul / Badis hes La des useu Ka ls­ The B o ze Age . i : M. Nelso – F. A. Coope – D. Fo te e H sg. ,
uhe; : Ja es W ight; : a h Mülle , Ti s III; : a h The Mi esota P los P oje t, – , B iish A haeolo­
Rode aldt, Ti s II, ei gepasst i ei Foto o Pete U. THALER, Mo e e t i et ee , i to a d i side M e­ gi al epo ts – I te aio al Se ies – .
Gaul / Badis hes La des useu Ka ls uhe – Helle i aea palaial Mega a, i : A.­L. S halli / I. Tou a itou
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27
ANTIKE WELT 6/18
SHARING HERITAGE UND DER WEG DAHIN
Die Geschichte der Antikenliebe – erzählt aus zwei Perspektiven

Im Badischen Landesmuseum (BLM) in Karlsruhe wird ab 1. Dezember 2018 eine Ausstellung


ü er das yke is he Grie he la d gezeigt − it ei er außerge öh li h rei he Aus-
ahl a O jekte , die hro ologis h u d the ais h «die sage hate Welt des Aga e o »
u d sei e )eit ortreli h repräse iere kö e . Mögli h ist diese erste große Gesa t-
s hau dur h ei e e ge Kooperaio it de Behörde u d Musee Grie he la ds. )iel ist
es, de Besu her das europäis he Er e äher zu ri ge , die ge ei sa e u d er i -
de de Kulturges hi hte zu erzähle u d ge ei s hatli h für ihre Erhalt Sorge zu trage .

von Katarina Horst mann 1876 in Mykene ausgrub und


Abb. 1
Das Löwentor von Mykene. Die monumentale mit der die Entdeckungsgeschichte der
Reliefdarstellung über dem Tor in der ie Ausstellung in Karlsruhe zeigt mykenischen Kultur begann (Abb. 1).
«kyklopischen» Mauer gehört zu den beein­
druckendsten Zeugnissen der spätbronze­
zeitlichen mykenischen Hochkultur.
D eine Auswahl besonders altehr­
würdiger Funde, die Heinrich Schlie­
Daneben treten Leihgaben aus vielen
Museen Griechenlands auf, wie noch nie

28
ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA

gezeigte Artefakte aus den Depots, neu­


este Sensationsfunde Abb. .  a.b und
bisher unpublizierte Objekte. Doch
diese Fakten machen jeden professio­
nellen und erfahrenen Ausstellungs­
macher stutzig. Gewöhnlich ist man
als Kurator dankbar, wenn die ausge­
wählten Objekte, die das Narrativ des
Konzepts visuell unterstützen, von ver­
schiedenen Museen der Welt als Leih­
gaben genehmigt werden. Oft genug
müssen Kompromisse gemacht und
Ersatzobjekte zweiter Wahl angefragt
werden, weil die gewünschten Objekte
nicht zur Verfügung stehen, restaura­
torisch bedenklich oder unpubliziert
Abb. 2 Die gegenwärtigen Ausgräber des «Nestor­Palasts» von Pylos, Jack L. Davis (links) und
sind. Besonders Leihanfragen an die Sharon R. Stocker (rechts außen) von der Universität Cincinnati, erläutern Vertretern des
Ursprungsländer der antiken Welt ent­ deutsch­griechischen Kuratorenteams der Karlsruher Mykene­Ausstellung vor Ort den Fortgang
der Forschungsarbeiten.
wickeln sich mitunter zu eigenen auf­
wendigen und umfangreichen Unter­
nehmungen mit sehr hohen Auflagen,
so dass diese Hürde nicht von allen ter Form hier anwendbar: Wer die Ge­ Das Interesse an der Antike, das
Ausstellungsmachern genommen wer­ schichte der Erwerbungen von An­ Sammeln der Zeugnisse dieser Epo­
den will und kann. Wie ist es dazu ge­ tiken nicht kennt, kann die heutige che und die Einrichtung von Museen
kommen, dass die Karlsruher Ausstel­ Situation der Kulturszene nicht ver­ als Orte der Zurschaustellung sind aufs
lung sehr viele Objekte zeigen kann, stehen und kann wenig bewirken. Der Engste mit den gesellschaftlichen und
die normalerweise unerreichbar sind? erste Schritt zum gegenseitigen Ver­ politischen Ereignissen der Neuzeit
ständnis ist das Wissen über die histo­ verbunden. So standen am Anfang die
Die Wiederge urt der A ike rische Entwicklung vom Interesse an geistigen Veränderungen des 14. Jhs.
«Wer die Vergangenheit nicht kennt, Antiken. Der Blick sollte aber nicht auf in Italien. Dieses Zeitalter der Renais­
kann die Gegenwart nicht verstehen die eigene Sammlungsgeschichte ei­ sance förderte das Studium der alten
und die Zukunft nicht gestalten». Das nes Museums beschränkt bleiben, un­ Schriften und das Sammeln von «Zeu­
sagte Bundeskanzler Helmut Kohl abdingbar ist es auch die Geschichte gen» der Antike, zunächst Gemmen
in seiner Bundestagsrede am 1. Juni aus der Perspektive der Ursprungs­ und Münzen, bald aber von allem, was
. Dieses Zitat ist in modifizier­ länder zu kennen. den Geist der Antike in sich trug. Die

Abb.  a.b Achatsiegel aus dem in Pylos freigelegten Grab des «Greifenkriegers». Dieser einzigartige Siegelstein mit Kampfdarstellung ist zu­
sammen mit weiteren Funden aus dem reich ausgestatteten Grab im Badischen Landesmuseum Karlsruhe erstmals ausgestellt.

a b

29
T 6/18
SHARING HERITAGE UND DER WEG DAHIN. Die Ges hi hte der A ike lie e – erzählt aus z ei Perspeki e

Entdeckung Pompejis um wirkte in Freiheit entstehen, deshalb müssen Unterstützung der griechischen Frei­
wie ein Katalysator in diesem Prozess. die großen Kunstwerke in die Frei­ heitskämpfer, hatte schließlich Erfolg:
Dass sich dieses Antikeninteresse heit gebracht werden, in das «Land Bei der Schlacht in der Bucht von Na­
auch auf die Länder nördlich der Alpen der Freiheit» d. h. in die Französi­ varino 1827 beteiligten sich die Flot­
fortsetzte, ist Johann Joachim Winckel­ sche Republik. Mit dieser Auslegung ten von England, Russland und Frank­
mann mit seinem 1764 veröffentlichen wurde durch die Armeen Frankreichs reich auf griechischer Seite, ohne dass
Buch Geschichte der Kunst des Alter­ im Namen der Freiheit Kunstraub im es eine offizielle Kriegserklärung ge­
thums zuzuschreiben. Es waren vor al­ großen Stil betrieben; in Höchstform gen das Osmanische Reich gab. Die
lem die adeligen Familien, die sich mit durch Napoleons Feldzüge. Seeschlacht endete nach drei Stunden
dem Erbe der Antike befassen konn­ Die Aneignung von Antiken aus mit der völligen Vernichtung der tür­
ten und ihre Räume mit Statuen und Griechenland versuchte man durch kisch­ägyptischen Flotte.
Münzsammlungen schmückten. Mit dem «die Rettung vor dem Barbaren» zu
Ende des 18. Jhs. begann die Epoche rechtfertigen, in einer Zeit als die Ob­ Naio ales, I ter aio ales u d
der ersten öffentlichen Sammlungen. rigkeit im Osmanischen Reich für die Welt-Er e
Zuerst das British Museum 1759 und «alten Steine», die nicht Teil ihrer ei­ Auf griechischer Seite wiederum war
dann im August 1793 das im Zuge der genen Geschichte waren, wenig Inter­ der Freiheitskampf aufs Engste mit
Revolution in Teilen des Stadtpalastes esse zeigte und auch nicht an deren der )dentifikation mit der antiken
eingerichtete Musée du Louvre. Mit Erhalt. Die europäischen Großmächte Vergangenheit und seiner Denkmäler
dem Neuhumanismus bekannte man gedachten zunächst nicht den seit verbunden. Der Kampf wurde in Ge­
sich auch in deutschen Landen zur An­ 1821 in Griechenland begonnenen Frei­ heimbünden organisiert, die antike
tike als Vorbild. )n Berlin folgte heitskampf zu unterstützen; die ver­ Namen trugen wie hetairia philomu­
ein Antikenmuseum (heute Altes Mu­ schiedenen revolutionären Bewegun­ son (Gesellschaft der Musenfreunde).
seum) und in München entstand im gen in Europa waren den Herrschern Mussten sie unter türkischer Herr­
selben Jahr das «Forum» am Königs­ suspekt und wurden ergo nicht ge­ schaft noch tatenlos zusehen, wie ihre
platz mit einem Museum, das sich in duldet, so auch der Aufstand der Grie­ antiken Statuen an die fremden Ade­
seiner Namensgebung an die griechi­ chen. Doch neben den regierenden ligen und Kunstagenten verkauft wur­
sche Antike anlehnte: die Glyptothek. Monarchen hatte sich eine weitere po­ den, waren sie nach der Befreiung
litische Gruppe gebildet, die in die ge­ nicht mehr dazu bereit, die Denkmä­
Das Verhält is o Freiheit u d schichtlichen Geschehnisse eingriff: ler aus dem Land ziehen zu lassen. Mit
Kunst die Allianz der Philhellenen. Diese Einführung der Monarchie unter Kö­
Bereits Winckelmann äußerte sich hatte sich entzündet an den Kunst­ nig Otto als erstem Regenten kamen
zum Erhalt und Erwerb von Antiken werken der griechischen Antike, die viele deutsche Staatsdiener ins Land.
politisch. So war es seiner Vorstellung nun breiteren Kreisen zugänglich wa­ Leo von Klenze wurde eingesetzt, um
nach nur möglich, dass die «höchste ren, durch die Präsentation der Par­ sich dem Erhalt der Altertümer zu
Kultur» in politischer Freiheit, also thenon­Skulpturen und Bassae­Friese widmen. Er ließ die Ruinen bewachen
in einer Demokratie entstand, wie im in London oder der Giebelfiguren und setzte ein verschärftes Denkmal­
Perikleischen Zeitalter der Attischen aus Ägina in der Münchner Glypto­ schutzgesetz durch. Das erste Antiken­
Demokratie. Eine solche Ansicht war thek sowie durch zahlreiche Abgüsse gesetz Griechenlands stammte 1834
im Zeitalter der Monarchie – kurz vor und Stichwerke antiker Objekte. Die aus der Feder des Heidelberger Juris­
der Französischen Revolution – pro­ «Freunde der griechischen Kultur» ten Georg Ludwig von Maurer. Schon
vokant und die Wirkung seiner Äuße­ träumten von der Wiedergeburt des in dieser Zeit reifte der Gedanke, dass
rungen enorm: So erfassten Winckel­ antiken Griechenlands. Prominente Kulturgut allgemeines Eigentum und
manns freiheitliche Gedanken fast das Vertreter waren der bayrische Kron­ «Erbe der ganzen Menschheit» sei,
gesamte gebildete Europa und in die­ prinz Ludwig, sein «Hofarchitekt» Leo entsprechend des erst 1954 festge­
sen schwang auch der Wunsch mit, von Klenze und Friedrich Thiersch, legten Rechtsgedanken des Haager
das alte Griechenland möge sich vom Professor für klassische Sprachen und Abkommens. So Klenze: «… die reli­
«türkischen Joch» befreien. Begründer des humanistischen Gym­ giöse, nationale und lokale Bedeut­
Die Gedanken Winckelmanns wur­ nasiums in Deutschland. Ihre uner­ samkeit der (antiken) Werke ist mit
den von den französischen Revolutio­ müdliche Überzeugungsarbeit durch ihren Schöpfern untergegangen, und
nären mit gravierenden Folgen weiter Vorträge, Geldeinsammlungen und Bil­ mithin wieder allgemeines Eigenthum
interpretiert: Große Kunst kann nur dung einer «deutschen Legion» zur der Welt und Geschichte geworden.»

30
ANTIKE WELT 6/18
TITELTHEMA

Auch für die fremden Archäolo­


gen, die vermehrt ins freie Griechen­
land kamen, um wissenschaftlichen
und gesellschaftlichen Erfolg zu fin­
den, fand sich eine Lösung: Diesen
wurde ein griechischer Kollege beige­
stellt, der die Interessen seines Lan­
des vertrat und die Einhaltung der
Gesetze sicherstellte. Im Fall von My­
kene und seinem Ausgräber Heinrich
Schliemann war es der Eforos Pana­
giotis Stamatakis. Daraus resultierte,
dass die Objekte der Ausgrabungen
in Mykene und Tiryns in Griechen­
land verblieben. Mykenisches findet
sich daher selten in außergriechi­
schen Sammlungen. Folglich würde
Abb. 4 Besiegelung der Kooperationsvereinbarung zwischen dem griechischen Ministerium für
eine Ausstellung über das mykenische Kultur und Sport (Generalsekretärin Maria Vlasaki) und dem Ministerium für Wissenschaft und
Griechenland ohne die Mitwirkung Kunst Baden­Württemberg Staatssekretär Jürgen Walter im Januar in Stuttgart, ganz links
der Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Eckart Köhne.
der griechischen Seite nur eine un­
befriedigende Präsentation zustande
bringen. Das Prinzip der kollegialen
Kooperation hat sich bis heute nicht seit Ende des Ersten Weltkriegs. Die Objekte bei den Raubgrabungen ver­
geändert. Ein gutes Beispiel ist die Demokratie bewirkte, dass die vormals loren hatten. Das UNESCO­Abkom­
deutsch­griechische Zusammenarbeit kleine und elitäre Bevölkerungsschicht men von machte deutlich, dass
in der Erforschung des Burgbergs von von «Bildungsbürgern» – vor allem ein Umdenken notwendig war, doch
Tiryns. nach dem Zweiten Weltkrieg durch das so lange diese Konventionen nicht in
«Wirtschaftswunder» – zu einer be­ die deutschen Gesetze aufgenommen
Die Lie e zu A ike e t i kelt achtlichen Größe anwuchs. Diese ver­ wurden, waren sie nicht verbindlich.
si h i die fals he Ri htu g hielt sich so wie vormals der Adel und Auch das BLM baute seine Sammlung
Neben den offiziellen Unternehmun­ baute private Antikensammlungen auf. in dieser Zeit aus und kaufte im Anti­
gen gab es auch eine andere «private» Um den gesteigerten Bedarf zu decken, kenhandel Objekte aus nicht geklärter
Seite der Antikenbegeisterung. Ade­ wurde im großen Stil die griechische Provenienz. Genau dieses Verhalten
lige, Geisteswissenschaftler und gut be­ Erde durchwühlt und die Objekte wur­ wurde für das BLM in der Zusammen­
tuchte Bürger in Europa, Nordamerika, den illegal ausgeführt. Vor allem die arbeit mit den Ursprungsländern der
aber auch in Griechenland selbst unter­ neu entdeckte prähistorische Kultur antiken Welt zum Problem.
hielten eigene Privatsammlungen von der Kykladen wurde Ziel von Raubgra­
Antiken, die eines Händlers bedurften, bungen. Die geografische Situation der Die eue For el: gege seiiger
der nicht nur traditionell die «Ware» Kykladen – viele kleine Inseln inmitten Respekt
in Italien zusammenbrachte, sondern der Ägäis – machte eine behördliche Nach einer langsamen Annäherung und
auch das Interesse an griechischen flächendeckende Überprüfung unmög­ der Rückgabe von Objekten an Grie­
Originalen zu befriedigen wusste. Auf­ lich, und deshalb gibt es mehr Objekte chenland und )talien war die Zeit
grund der geschilderten Gesetzeslage der Kykladenkultur außerhalb Grie­ bereit für eine vertrauensvolle Koope­
waren diese selten auf legalen Wegen chenlands, als im Land selbst. ration. Als schließlich das Gesetz zum
zu erlangen. Bedingt durch den über­ Auch die deutschen Museen bauten, Schutz von Kulturgut vom . Juli
schaubaren Kreis an «Kunden», hielt bedingt durch das große Angebot und eine offizielle Anerkennung der Kultur­
sich diese Beschaffung noch im kleinen die vollen Staatskassen, ihre Samm­ gutschutzgesetze der Ursprungsländer
Rahmen. Dass Griechenland im . Jh. lungen auf. Die Erfolge wurden in gro­ aufgenommen hatte, wurde dies von
wieder zur ertragreichen Quelle für ßen Sonderausstellungen präsentiert, den Behörden der Mittelmeerländer
Antiken wurde, lag in Deutschland an die meist Kunst­Schauen glichen in sehr positiv angenommen und erleich­
der veränderten politischen Situation Ermangelung des Kontextes, den die tert heute die grenzüberschreitende

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ANTIKE WELT 6/18
SHARING HERITAGE UND DER WEG DAHIN. Die Ges hi hte der A ike lie e – erzählt aus z ei Perspeki e

Abb. 5 Idealtypische Nachbildung der prächtigen Haupthalle eines mykenischen Palastes, in der sich die Besucher und Besucherinnen der Karlsruher
Ausstellung bewegen können.

Zusammenarbeit der Museen. Des Wei­ posium über die mykenische Palast­ nisse erbracht, sondern echte Freund­
teren wurde vom International Coun­ zeit in Kooperation mit dem Zentrum schaften, die dazu animieren neue Pro­
cil of Museums (ICOM) ein Ethikkodex für Altertumswissenschaften in Hei­ jekte in Angriff zu nehmen. Die Zu­
erarbeitet, dem eine besondere Bedeu­ delberg, eine Dokumentations­Wan­ kunft gestalten wir gemeinsam!
tung und Verbindlichkeit für die Mu­ der­Ausstellung über Raubgrabungen
seen Deutschlands zukommt, da es eine und illegalen Handel mit Kulturgut
gesetzliche Regelung der Aufgaben der und schließlich die große Sonderaus­
Museen nicht gibt. Dieser Kodex be­ stellung «MYKENE – die sagenhafte Adresse der Autorin
Dr. Katarina Horst
sagt: «Museen arbeiten sowohl mit den Welt des Agamemnon» (Abb. 5). Das Badisches Landesmuseum
Schloss Karlsruhe
Gemeinschaften, aus denen ihre Samm­ Konzept wurde von einem Team er­ Schlossbezirk 10
lungen stammen, als auch mit denen, arbeitet, das sowohl aus Kuratoren D- Karlsruhe

welchen sie dienen, eng zusammen». des Athener Nationalmuseums als


Bildnachweis
Museen verstehen sich als Orte des Dia­ auch Kuratoren des BLM besteht. So
A . : a h H. S hlie a , Myke ae. Beri ht ü er
logs, als Vermittler zwischen den Kul­ war möglich die Sichtweisen und For­ ei e Fors hu ge u d E tde ku ge i Myke ae u d
Tiry s Leipzig ; : Viktoria Fär er / Badis hes
turen. schungsergebnisse beider Partner­ La des useu Karlsruhe; a. : U i ersity of Ci -
i ai – Helle i Mi istry of Culture a d Sports / Ar-
Die Kulturministerien Griechenlands länder in das Konzept einfließen zu haeologi al Re eipts Fu d; : Katari a Horst / Badi-
und Baden­Württembergs beschlossen lassen. Bei der Auswahl der Objekte s hes La des useu Karlsruhe; : Gestalter üro Res
D / Köl – Badis hes La des useu Karlsruhe.
eine Kooperation, die vier gemeinschaft­ kamen die Archäologen der einzelnen
lich zu erarbeitende Projekte umfasste Museen und Denkmalämter vor Ort Literatur
(Abb. 4): Den Anfang machte eine Aus­ dazu. So wurde es möglich, dass viele K. HORST, Vo Sa el o Kyklade o jekte , i :
KYKLADEN – Le e s elte ei er frühgrie his he
stellung über den Jugendstil, die be­ Kulturschaffende in das Projekt einge­ Kultur, Ausstellungskatalog Badisches Landesmuseum
reits im April im Museum Benaki bunden wurden, «ihre» Objekte ein­ (2011).
R. PETERS, Oh e Ethik i ht ehr zu de ke , i : ICOM
in Athen gezeigt wurde, mit Objek­ bringen konnten, mit dem Ergebnis, Deuts hla d Miteilu ge , Het − .
ten ausschließlich aus den Sammlun­ dass eine umfassende Schau zustande R. WÜNSCHE, A ike aus Grie he la d – Bots hater
gen des BLM. Am . Dezember gekommen ist. Gegenseitiger Respekt der Freiheit, i : Die erträu te Naio – Grie he la ds
Wiedergeburt im 19. Jahrhundert, Ausstellungskatalog
werden die drei weiteren Projekte re­ und Zusammenarbeit auf Augenhöhe Bayris hes Hauptstaatsar hi − .

alisiert: ein wissenschaftliches Sym­ haben nicht nur hervorragende Ergeb­

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ANTIKE WELT 6/18
Abb. 1 West- und Nordfassade des Humbold-Forums im wieder errichteten Berliner Stadtschloss im August 2018.

HUMBOLDT FORUM UND MUSEUMSINSEL


Ein Welkulturerbe verändert sein Gesicht – und geht neue Wege

ko e de Jahr eröf et das der Ber auer Straße, die si h erä - ki o e tsta de : häte ei e rie-
I Hu oldt Foru i ieder erri hte-
te Berli er Stadts hloss sei e Türe .
dert ha e , au h das Gesi ht der al-
te Berli er Mite hat si h ge a delt.
sige Freilä he, eist als Parkplatz ge-
utzt, zusa e it de Palast der
Ni ht ur ird es it de eth ologi- Häte a die letzte Jahre jedes Repu lik das Bild geprägt – dahi ter
s he Sa lu ge so ie de Mu- Jahr ei Bild o der Säule halle des das Staatsratsge äude.
seu für Asiais he Ku st au h z ei Alte Museu s ge Süde ge a ht, Bereits erde hohe edru kte
der herausrage de Sa lu ge der es äre ei erstau li hes Dau e - Ku ststofpla e ü er Gerüste gezoge .
Staatli he Musee zu Berli ehei-
ate , das Hu oldt Foru ird als
euer Part er die Museu si sel au h
i haltli h erei her u d erä der
Die Rubrik «Museumsinsel Berlin» wird in enger Kooperation mit dem Verein Freunde der
A . . Antike auf der Museumsinsel Berlin e. V. veröffentlicht.

Die Geschichte Der Verein unterstützt die Berliner Die Mitglieder des Fördervereins er-
Antikensammlung sowie das Vor- halten neben kostenfreiem Eintritt
Dass Berli ei e si h e tre erä - derasiatische Museum Berlin u. a. in alle Häuser der Staatlichen Museen
der de Stadt ist, äre si herli h ei bei Neuerwerbungen, Veranstaltun- zu Berlin auch exklusive Einblicke
in die Tätigkeiten der Museen – u. a.
sol her Allge ei platz, ehr s ho gen, Restaurierungen und Ausstel-
lungen. Für Ihre Unterstützung hier- durch Vorträge, Werkstattgesprä-
Klis hee, e es i ht ahr äre. bei wären wir sehr dankbar! che und Führungen sowie Tages-
A er es si d i ht ur die ehe alige fahrten.

Bra hlä he ite i der Stadt, ie www.freunde-der-antike-berlin.de | info@freunde-der-antike-berlin.de


et a der Potsda er Platz u d e tla g

33
ANTIKE WELT 6/18
Neues aus der A ike sa lu g u d de Vorderasiais he Museu

Das Berli er Stadts hloss ersteht i re kö e – der ) eifel ei ht, das fergra e u d Spree große E t i klu -
Maßsta : ieder, orerst ur als S hloss ird ieder erri htet. Vo der ge ollzoge – E t i klu ge , die si h
Si ulaio . Die Idee, de Platz ie- Gru dstei legu g ü er das Ri ht- äußerli h eist re ht zurü khalte d
der it ei e größere Bau zu fülle fest hat der Betra hter itler- aus eh e , a er für die hier gelege-
o Viele ge ü s ht: die Reko st- eile i Jahre tatsä hli h ieder e Häuser der Staatli he Musee
rukio des a gerisse e Stadts hlos- de Hohe )oller -Bau or Auge . Viel- riesige Ei s h ite are . I Jahre
ses , i t eiter For a . Für die lei ht o h et as zu eu, zu fris h u d urde der Masterpla Muse-
si h a s hließe de Diskussio sphase – glä ze d, a er die Fassade des S hlos- u si sel es hlosse , der ereits seit
i Berli ie u des eit, gerade au h ses ildet ieder das )e tru Berli s. i der E t i klu g ar. Alle Häu-
i Bu destag – soll ur die Ku si s- U d ird das S hloss si h da ser auf der Museu si sel sollte re-
tallaio o Lars Ra erg stehe , die de Besu heri e u d Besu her öf- o iert u d gru dlege d oder isiert
i hohe Leter «) eifel» e . Ni ht jedo h als S hloss, i ht als erde . Da ei ar es au h das )iel, die
ü er de Palast ers hei e ließ. Vo Hohe )oller -Museu , so der als Präse taio e e tspre he d zu aktua-
is häte u ser Beo a h- Hu oldt Foru . lisiere . A gru dlege dste ar hier
ter o der Treppe das Vers h i de Parallel hierzu hat au h der ördli- die Wiederherstellu g des Neue Mu-
des Palastes der Repu lik doku e ie- he A s h it der I sel z is he Kup- seu s, das o Ar hitekte u d S hi -

Abb. 2 Blick von oben in das Foyer des Humboldt Forums (Simulation).

34
ANTIKE WELT 6/18
MUSEUMSINSEL BERLIN

kel-S hüler Friedri h August Stüler o


is erri htet orde ar
u d seit de . Weltkrieg ur als Rui e
erhalte ar. Vo is urde
dieses Ge äude u ter Leitu g des Bri-
te Da id Chipperield ieder herge-
stellt u d eher ergt heute i s eso -
dere das Äg pis he Museu it der
elt erüh te Nofretete so ie das
Museu für Vor- u d Frühges hi hte
u d Teile der A ike sa lu g.
E e so urde das Bode-Museu
u d die Alte Naio algalerie ieder zu
Perle der deuts he u d i ter aio-
ale Museu sla ds hat ge a ht.
Mit der Ja es-Si o -Galerie erhält
das E se le der Musee , die i Rah-
e des Masterpla s it Aus ah e
der Alte Naio algalerie it ei er u -
Abb. 3 Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum.
terirdis he Pro e ade er u de
urde , ei ze trales – a er kei esfalls
auss hließli hes – )uga gsge äude,
das zude Platz für Ser i e-Ei ri htu -
ge u d au h ei Auditoriu iete Das Hu oldt Foru i Berli er u d Besu her i ei e Dialog it Wis-
ird, die i )eite der ursprü gli he S hloss soll ei Kristallisaio spu kt se s hat, Bildu g u d Fors hu g set-
Pla u g der Baute o h kei e Bedeu- erde , der i ht ur die dort ehei- ze soll.
tu g hate . Dass das Perga o u- atete I situio e itei a der i )u ä hst irkt diese )usa e -
seu o h ite i der Gru dsa ie- Ko takt u d Beziehu g setzt, so der stellu g iellei ht ur illkürli h. De
ru g u d Moder isieru g ste kt, ar au h ü er sei e ph sis he Gre ze as hat ei e Berli -Ausstellu g it der
i der letzte Ausga e der ANTIKEN hi aus – auf die Museu si sel, da asiais he Ku st zu tu , as ei öf-
WELT ereits The a i dieser Ru rik. a er au h auf die Stadt Berli – Wir- fe tli hes Wisse s hatsla or it der
ku g e faltet A . . Bereits die useale Präse taio o ozea i-
Der Ausblick hier ersa elte I situio e las- s he Boote ? Erst der ei e geda k-
Was a er u er i det diese eide se dies erke e : Ne e de Eth o- li he S hrit eiter eröf et hier die
E t i klu ge itei a der außer ihrer logis he Museu u d de Museu Mögli hkeite : De Berli ist ei e i -
räu li he Nähe? Ka ei e A ike - für Asiais he Ku st, also de außer- ter aio ale Metropole, i der Me -
sa lu g, ei Museu für Vorderasia- europäis he Sa lu ge u ter der s he aus aller Welt le e . Berli ist
is he Ku st oder au h die Skulptu- Leitu g o Lars Ko h, die isher i au h ei e Stadt, die ei e kolo iale
re sa lu g i Bode-Museu i ht Dahle zu i de are , ko t die Verga ge heit hat u d ei e i er
ga z u der ar oh e das Hu oldt Ausstellu g zur Metropole Berli , die größer erde de Rolle i der glo a-
Foru , oh e das, as da i S hloss i i Kooperaio it Kulturprojekte Ber- lisierte Welt ei i t. Ni ht erst
E tstehe ist, sei ? Die erste A t ort lin o Direktor des Stadt useu s die u ter a dere o der fra zösi-
uss laute , dass atürli h die u ter- Berli , Paul Spies, kuraiert ird so ie s he u d i Berli so ie Paris leh-
s hiedli he Sa lu ge u d Häuser das Hu oldt-La or, das o Gor h re de Ku sthistorikeri Bé édi te
der Staatli he Musee zu Berli I si- Pieke als leite de Kurator era t- Sa o aufge orfe e Frage zu U -
tuio e si d, die i Ver u d u d für ortet ird, das aktuelle Fors hu ge ga g it O jekte , dere Herku t
si h sel st stehe kö e u d au h je- der Hu oldt-U i ersität zu Berli it Rau , Ü er orteilu g oder au h
eils ereits elt eite Bedeutu g i so ie O jekte aus de rei hhalige ur öllig u klare Herku tsges hi h-
A spru h eh e kö e – u d ei- S hatz der isse s hatli he Lehr- u d te ei hergehe , zeige sehr deutli h,
terhi erde . A er das Hu oldt Fo- Fors hu gssa lu ge präse iere dass u sere Verga ge heit Teil u se-
ru ird et as erä der ! ird, a er au h für die Besu heri e rer useale Gege art u d )u-

ANTIKE WELT 6/18


Neues aus der A ike sa lu g u d de Vorderasiais he Museu

ku t ist. We i Hu oldt-La or Auf dem Weg zum Humboldt Forum Ausstellu g Unvergleichlich. Kunst aus
die Si e aus de er Jahre des U ter dieser Ü ers hrit ird seit Afrika im Bode-Museum A . u d
letzte Jahrhu derts aus de To auf- für die Besu heri e u d Besu her Neue Nachbarn A . . De so ie
ah e des Lautar hi s erkli ge , so der Staatli he Musee das I teresse i erhal des Hu oldt Foru s eue
lasse si h au h heute Frage a diese auf e e dies ge e kt, as it de Beziehu ge gek üpt erde solle ,
Quelle stelle , dere Bea t ortu - Hu oldt Foru zu er arte ist. ) ei so ka dies au h it de «altei ge-
ge so ohl die da alige, a er au h Ausstellu ge i diese Rah e zei- sesse e I sula er » et as auslöse .
e e u sere heuige Welt erhelle . ge dies i u der arer Weise: die Wer derzeit i die Rotu de des Alte
Museu s trit, ist ie isher u fa ge
o ei er grie his h-rö is he Göter-
ersa lu g. I Mar or li ke Sta-
Abb. 4 Adlerschlange Cuauhcoatl trifft König Amenemhet im Neuen Museum. tue der Ol pier u d ihrer Gefährte
i de Rau . Dort o si h ihre Bli ke
trefe steht Vish u, ei e der Reprä-
se taio e der ursprü gli he , kos-
is he Ma ht, des Götli he i
Hi duis us A . . Hier ird die i -
dis he Gotheit zu Ko trapu kt. We-
der )eit, die Statue sta t aus de
. oder . Jh., o h Rau , Südi die ,
olle so re ht i Ei kla g it de
ih u ge e de klassis he Göter
sei . «Wir zeige hier die Vielfalt u d
zuglei h die Pri zipie der Vielgöter-
elt u d aue it der Gege ü er-
stellu g o Historis h- erga ge e
zu Historis h-gege ärige Brü ke
z is he de Idee u d Ko zepte .
Währe d die a ike Statue o er-
ga ge e Kulture Ausku t ge e , ist
die hi duisis he Religio ei Phä o-
e u serer Gege art», erklärt Mar-
i a Sto e, die Kuratori für süd- u d
südostasiais he Ku st des Museu s
für asiais he Ku st. «Vish u ist hier ur
ei e o iele de k are Gege ü er-
stellu ge ie sie i de Neuen Nach-
barn als De ka stöße ei geri htet
urde », ergä zt Sto e.
«Die Dialogsituaio e der O jekte
i de Neuen Nachbarn zeige sehr
s hö , as ir u s o Austaus h
ü s he , de das Hu oldt Foru
it si h ri ge u d förder ird»,
erläutert Dorothee Wag er, die ei
der Situ g Preußis her Kultur esitz
das Projekt Auf dem Weg zum Hum-
boldt Forum etreut. «Wir olle u s
et as o de gefesigte Wege e t-
fer e u d eue Bezüge e tde ke .
Außerde öf e u s als Museu s-

ANTIKE WELT 6/18


MUSEUMSINSEL BERLIN

Abb. 5 Vishnu in der Rotunde des Alten Museums.

itar eiteri e u d Wisse s hatler- i u ters hiedli he Kulture is hi Bildnachweis


i e diese Kooperaio e a h- zu «i s Museu Pilger » gespro- A . : © SHF / Stepha Falk; : © SHF / Ar hitekt:
Fra o Stella it FS HUF PG; − : © Staatli he Musee
al die Auge . Bereits der Versu h ei he . I Ja uar ird da die zu Berli / Da id o Be ker.

der Bes hritu g ei es O jekts die di- Göter ersa lu g o Grie he u d


erse Kategorie zu erei heitli he Hi dus Gege sta d der Diskussio Literatur
zeigt, ie sehr ir a h al i u se- i Alte Museu sei . I uliper- HUMBOLDT-UNIVERSITÄT )U BERLIN Hrsg. , Das
Hu oldt-La or – Wisse s hate i Be egu g. Ü erle-
re Fa hs hule u d isse s hatli- speki is he Podiu sgesprä h solle gu ge u d A sätze .

he Ko strukte gefa ge si d.» Wie Bli k i kel eröf et erde , die si h STIFTUNG PREUSSISCHER KULTURBESIT) Hrsg. ,
Das Hu oldt-Foru i Berli er S hloss. Pla u ge –
erfolgrei h dieses Ko zept ist, zeigt ur i Austaus h it et as Fre de Prozesse – Perspeki e .
si h au h dara , dass e ts hiede zu erke e ge e . STAATLICHE MUSEEN )U BERLIN Hrsg. , Auf de Weg
zu Hu oldt Foru : Neue Na h ar / Ne Neigh-
urde, die Neuen Nachbarn o h als Auf dem Weg zum Humboldt Forum ours. Museu si sel Berli .
it a dere Staio e zu erlä ger . erä dert für die Museu si sel i ht F. VON BOSE, Das Hu oldt-Foru . Ei e Eth ograie
Neue O jekte ersetze u s ho ge- ur de äußere A li k, au h der Bli k sei er Pla u g .

oh te. Was et a ka ei e Kriegs- a h i e ird ei a derer, ei euer, H. BREDEKAMP / P.-K. SCHUSTER Hrsg. , Das Hu -
oldt-Foru . Die Wiederge i u g der Idee .
ase der Ma a it ei er ais he Ke- der die A ike sa lu g u d das Vor-
J. CHAPUS / J. FINE / P. IVANOV Hrsg. , U erglei h-
ra ik ge ei ha e ? derasiais he Museu – ie au h alle li h. Ku st aus Afrika i Bode-Museu .
Begleitet erde die I ter e io- a dere Sa lu ge – i ht u e- T. FLIERL / H. PAR)INGER Hrsg. , Hu oldt-Foru .
Das Projekt / The Proje t .
e zu de Neuen Nachbarn, die i rührt lasse ird.
N. MACGREGOR, Glo ale Sa lu ge für glo alisierte
Alte u d Neue Museu zu e tde- Städte .
ke si d, o ei e u fa grei he F. STELLA, Ausge ählte S hrite u d E t ürfe. Das
Führu gsprogra u d öfe tli he Hu oldt-Foru als oder er Weiter au des Berli er
S hlosses .
Vera staltu ge . I erga ge e Ok-
to er urde – ausgehe d o ei e
Informationen im Internet
seitde or de Ishtar-Tor auf der Adresse des Autors .s . useu / usee -u d-ei ri htu ge /
Ulfert Olde urtel hu oldt-foru /
Prozessio sstraße präse ierte i di- Freu de der A ike auf der Museu si sel Berli e. V. .hu oldforu . o
s he Prozessio ssier – ü er die Per- /o A ike sa lu g . useu si sel- erli .de
Ges h ister-S holl-Straße
for a z i Kult, ü er Prozessio e D- Berli

ANTIKE WELT 6/18


PREISRÄTSEL

MYKENE
Wie gut ke e Sie die Welt der A ike? Hier kö e Sie es u ter
Be eis stelle … u d ge i e !

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Replik i Origi algröße, ha dgefer-
igt u d - e alt. Dieses ke is he
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Pferd he , el hes ie das Origi al auf
Räder steht, gehört zu de ausgefal-
le ere Stü ke ke is her Kera ik. 9
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I Sil ei es Askos, ei es ges hlosse e
Öl- u d Sal gefäßes, eri ert es a das
erüh te Troja is he Pferd. Die M the P 3
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u Troja i spirierte au h s ho i
. Jh. . Chr. die grie his he Ku st u d
Kultur. Das Origi al sta t aus ei e
Gra ko te t. Plasis he Gefäßfor e
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erfreute si h großer Belie theit u d
gela gte si her au h als Spielzeug i
klei ere Hä de, eso ders dur h die
Tatsa he, dass das Pferd roll ar ist –
iellei ht ie sei troja is hes Vor ild. Die folge de Begriffe si d je eils • O erer Teil ei er Säule;
Das E po at ist ausgestellt i Atha asa- aagere ht u d unabhängig von • Ü erda hte Tor aufor i
keio Ar häologis he Museu i Volos, der a gege e e Reihe folge i die ke is her )eit;
Thessalie . Größe: ho h, ,
reit, ief. Rätselfigur ei zutrage : • A ikes Gießgefäß it ei e
• M this her Kö ig o M ke e, Soh He kel;
.– . Preis:
des Pelops u d der Hippoda eia; • Seit de Neolithiku ge utztes
Vier Bü herpakete aus de Verlags-
progra Philipp o )a er s i Wert • A ikes Kult- u d Sal gefäß; Vulka gestei it glasariger
o je € ,– D . • Hauptzuga g zur Burga lage i Struktur.
M ke e;
.– . Preis:
• U terirdis her Behälter aus Bei ri higer Lösu g ergi t die
Fü f Bü herpakete aus de Verlags-
progra Philipp o )a er s i Wert Mauer erk zu Auffa ge u d Ziffer folge ei e Begriff ei e Teil
o je € ,– D . Spei her o Rege asser; yke is her Palasta lage .

1 2 3 4 5 6 7 8 9
Ei se des hluss ist der . . 8
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a WBG Wisse s hatli he Bu hge- AUFLÖSUNG UND GEWINNER DES PREIS� ES HABEN GEWONNEN:
sells hat , Redakio ANTIKE WELT, RÄTSELS IN ANTIKE WELT HEFT /
Hi de urgstr. , D- Dar stadt, Die Ei zellösu ge laute : . Preis: Ralf Hoppe D- Dessau-Roßlau .
oder ei e E-Mail a a -redakio @ )eile : Holz age , )eile : I erie , )eile : Kol his, .– . Preis: Kari Detri g D- Berli ; Ni ole
)eile : Aru hlo, )eile : Kurga , )eile : Sakdrissi, Poppe die k D- St. George ; Hel ut Radda
g- isse er i det.de. Das Lösu gs-
)eile : Trialei, )eile : Argo aute . D- Clausthal-)ellerfeld ; Peter Ko h D-
ort ird i ä hste Het eka t- Idstei .
gege e . Mitar eiter des Verlages .– . Preis: Rei er Sedl aier D- Rege stauf ;
u d dere A gehörige kö e i ht Gerhard Rupp A- Bode sdorf ; Rai er Rauthe
teil eh e , e e so ist der Re hts eg D- La dau ; Ha s-J. S h a dt D- Bad
ausges hlosse . Gesa tlösu g: R U N D B A U Dri urg ; Wilfried Er est D- Pars erg .

38
ANTIKE WELT 6/18
BAGHDAD-BAHN UND HETHITISCHE
KÖNIGSBILDER
Die Eröffnung des Forschungs- und Besucherzentrums und des archäolo-
gischen Parks in Sirkeli Höyük

A . Septe er urde i Sirkeli Höyük Kilikie , Türkei , ei er Ausgra u gsstäte


des I situts für Ar häologis he Wisse s hate der U i ersität Ber i Süde der
Türkei, ei Ar häologis her Park u d das eue Fors hu gs- u d Besu herze tru Sirkeli
oiziell ei ge eiht. Ker stü k ist der sillgelegte u d re o ierte ehe alige Bah hof
a Fuss des Rui e hügels i ite ei es eitläuige Garte s, der zude ier Holz aggo s
der alte «Baghdad-Bah » eher ergt. Diese urde als Teil des Parks i das didakis he
Ko zept ei ezoge , ozu ei Waggo ollstä dig ieder restauriert urde.

o Mirko No ák u d De iz Yaşi -Meier Touristen auch den Ausgangspunkt Der Sirkeli Höyük, 40 km östlich der
zur Besichtigung der Ruine. Als deren Großstadt Adana gelegen, ist einer der
as Forschungs- und Besucherzen- Highlights können zwei Felsreliefs he- größten Ruinenhügel in der historischen
D trum bietet nicht nur dem Gra-
bungsprojekt eine adäquate Heimat
thitischer Könige aus dem . Jh. v. Chr.,
ein mit diesen verbundener Kultbau
Landschaft Kilikien im Süden der heu-
tigen Türkei (Abb. 1; vgl. AW 1/1996,
während der jährlichen Ausgrabungs- aus derselben Periode sowie ein Stadt- AW 6/1997, AW 5/1998, AW 3/2009
kampagnen, sondern Touristinnen und tor aus dem frühen . Jt. v. Chr. gelten. und AW 3/2016). Besonderes Interesse

Abb. 1 Luftbild des Ruinenhügels von Südosten. Zu sehen ist links der ehemalige Bahnhof neben der Trasse der «Baghdad-Bahn» und der alten Straße
von Ceyhan über Misis nach Adana. )m Vordergrund die Unterstadtgrabung mit dem Stadttor, oben rechts der Relieffelsen am Fluss, zu dem der Weg führt.

39
ANTIKE WELT 6/18
BAGHDAD-BAHN UND HETHITISCHE KÖNIGSBILDER – Die Eröf u g des Fors hu gs- u d Besu herze tru s u d des ar häologis he Parks i Sirkeli Höyük

Abb. Felsrelief des Königs Muwattalli )). ca. − v. Chr. mit (olzplattform.

ANTIKE WELT 6/18


THEMENPANORAMA

riefen in der Fachwelt die beiden Reli-


efs hervor, die an dem die Nordostseite
der Zitadelle bildenden Felsen ange-
bracht sind und von denen das besser
erhaltene den hethitischen Großkönig
Muwattalli )). ca. − v. Chr. ,
Gegner von Pharao Ramses II. in der
großen Schlacht von Qadeš in Syrien,
zeigt (Abb. 2). Somit ist es das älteste
bislang sicher datierbare hethitische
Felsrelief. Das zweite wurde bereits in
der Antike ausgemeißelt, vermutlich
als Ausdruck einer damnatio memo-
riae des hier Dargestellten, bei dem es
sich mutmaßlich um Muwattallis Sohn
Abb. 3 Das Forschungs- und Besucherzentrum im ehemaligen Bahnhof Sirkeli.
Mursili ))). − v. Chr. han-
delt.
Archäologische Ausgrabungen fan-
den in Sirkeli 1936 unter John Garstang
Universität Liverpool , bis
unter Barthel (rouda LMU München
und unter (orst Ehringhaus Uni-
versität Innsbruck) statt. 2006 ging die
Grabungslizenz an Mirko Novák da-
mals Universität Tübingen über, zu-
nächst in Kollaboration mit Ekin Kozal
Universität Çanakkale , seit mit
Deniz Yaşin-Meier. Seit ist das
Projekt in Bern beheimatet und wird
vom Schweizerischen National-Fonds
gefördert. Die Forschungen umfassen
Abb. 4 Picknickbereich im Garten des Forschungs- und Besucherzentrums mit restauriertem
Ausgrabungen, Oberflächenbegehun- Waggon der «Baghdad-Bahn» und Didaktiktafel.
gen, geophysikalische Prospektionen
und Satellitenbildauswertungen. Die
Kombination all dieser archäologischen
Methoden und die Zusammenarbeit
mit verschiedenen anderen geistes-
und naturwissenschaftlichen Diszip-
linen helfen, die lange Besiedlungs-
geschichte, die Kultur und die ur-
bane Struktur der antiken Stadt zu
rekonstruieren. So konnte z. B. eines
der Tore der weitläufigen, fortifika-
torisch stark gesicherten Unterstadt
lokalisiert und ausgegraben werden
(vgl. AW 3/2016). Der antike Name
des Ortes ist noch nicht sicher identi-
fiziert, doch könnte es sich um Kum-
manni handeln, eine wichtige Kult-
stadt im . Jt. v. Chr., die im Land Abb. 5 Alter, nicht restaurierter Waggon der «Baghdad-Bahn» im Garten des Forschungs- und
Kizzuwatna (Kilikien) lag. Im 1. Jt. Besucherzentrums.

ANTIKE WELT 6/18


BAGHDAD-BAHN UND HETHITISCHE KÖNIGSBILDER – Die Eröf u g des Fors hu gs- u d Besu herze tru s u d des ar häologis he Parks i Sirkeli Höyük

v. Chr. wurde sie von den Assyrern als Straße zu verbinden (vgl. Abb. 2). Di- rekt daneben standen vier größtenteils
Kisuatni bezeichnet und gehörte zum daktiktafeln sollten zudem die kultur- verrottete Holzwaggons aus der Grün-
späthethitischen Fürstentum Hiyawa/ geschichtliche Bedeutung des Ortes derzeit der «Baghdad-Bahn», wie sie
Que. Die Siedlungsgeschichte des Or- und der Reliefs auf Türkisch und Eng- aus dem Film Lawrence von Arabien
tes beginnt laut archäologischen Be- lisch erläutern. oder den Schilderungen der englischen
funden indessen bereits viel früher Kriminalschriftstellerin Agatha Christie
im Chalkolithikum und dauerte ohne Ei Bah hof als Besu her- bekannt sind.
erkennbaren Hiatus bis in die begin- ze tru 2008 wurden das Gebäude und das
nende römische Zeit hinein an. Als Startpunkt für einen Besuch der umliegende Gelände zunächst dau-
Neben der wissenschaftlichen For- Ruinenstätte sollte ein Forschungs- und erhaft und zu einem günstigen Tarif
schung bestand bereits seit Beginn Besucherzentrum eingerichtet werden, von der Türkischen Eisenbahngesell-
des Projektes der Plan, die Ruine län- das während der Grabungskampag- schaft T.C.D.D. angemietet. Da jedoch
gerfristig touristisch zu erschließen. nen zudem als Domizil für das inter- das Dach undicht, keinerlei funktio-
Handlungsbedarf bestand dabei ins- disziplinäre und internationale For- nierende sanitäre Einrichtungen vor-
besondere bei den für Besucher beson- schungsteam dienen könnte. Es war handen und die meisten Räume völlig
ders interessanten, aber schwer zu- ein besonderes Glück, dass mit dem unbewohnbar waren, mussten große
gänglichen Felsreliefs, zu denen man ehemaligen, seit Jahrzehnten aufge- Anstrengungen geleistet werden, um
sich mühsam einen Weg durch Di- gebenen Bahnhof ein hierfür geeigne- eine langfristige Nutzung zu ermögli-
ckicht bahnen musste und die man tes, großes und ungenutztes Gebäude chen. Das umliegende Gelände galt es
sich zudem aufgrund ihrer Lage di- direkt bei der Ruinenstätte zur Verfü- in einen Garten mit einem Picknick-Be-
rekt am Flussufer nicht aus einer hier- gung stand (Abb. 3). Wildromantisch reich für Touristen zu verwandeln und
für erforderlichen Distanz anschauen lag es als Ruine in der Landschaft ne- einen der Waggons zu restaurieren, um
konnte. Die Lösung bestand darin, ben der immer noch in Benutzung be- das originale Erscheinungsbild wie-
eine hölzerne Plattform direkt vor findlichen Trasse der ehemaligen, im derzugeben und darin Artefakte aus
den Reliefs zu konstruieren und diese ausgehenden 19. Jh. von deutschen In- der Frühzeit der türkischen Eisenbahn
über einen befestigten Weg mit der genieuren errichteten «Baghdad-Bahn». beherbergen zu können (Abb. 4. 5). Di-
südlich am Hügel vorbeiführenden Im verwilderten «Garten»-Bereich di- daktiktafeln sollten auch hier Erläute-

Abb. 6
Eröffnungsfeier des Ar-
chäologischen Parks im
Keramikpavillon. Die Pro-
jektmitarbeiterin Dr. Jo-
hanna Tudeau (vorne) er-
läutert die Keilschrift und
führt das Schreiben auf
Tontafeln vor.

ANTIKE WELT 6/18


THEMENPANORAMA

Abb. 7 Fundbearbeitungsbüro im Forschungs- und Besucherzentrum mit Fundauslage auf dem Zeichnertisch.

rungen zur Kulturgeschichte von der bei insbesondere die in mühevoller Adana, dem Museum von Adana, dem
Bronzezeit bis zum Bau der «Baghdad- Handarbeit erfolgte Restaurierung des Direktorium der 6. Regionalverwal-
Bahn» liefern. Waggons durch zwei Konservatoren der tung der Türkischen Eisenbahngesell-
Die nicht unerhebliche Finanzie- Eisenbahngesellschaft in Adana beson- schaft und ca. 100 weiteren Gästen,
rung für die Realisierung dieser Pläne dere Erwähnung verdient. offiziell eröffnet Abb. . Auch die lo-
wurde nahezu ausschließlich in der kale Dorfbevölkerung, aus der zahlrei-
Türkei eingeworben: Die Türkische Die Eröf u g des ar häologis he che Arbeitskräfte während der Kam-
Eisenbahngesellschaft übernahm die Besu herze tru s pagnen angeworben werden, nahm
Renovierung des Bahnhofsgebäudes fiel im Beisein u. a. eines Vertre- rege an dem Anlass teil.
und die Restaurierung des alten Wag- ters der Schweizer Botschaft sowie Der Archäologische Park umfasst
gons, die Stadt Ceyhan die )nstandset- des Gouverneurs der Provinz sowie nun neben dem Forschungs- und Be-
zung der sanitären Einrichtungen, die der Bürgermeister von Adana und der sucherzentrum (Abb. 7), dem Garten
Anlage des ausgedehnten Gartens mit nahegelegenen Kreisstadt Ceyhan der mit den Waggons und dem Picknick-
Picknickbereich und die Errichtung Startschuss für die Einrichtung des bereich gegenwärtig die Felsreli-
einer Besucherplattform vor den Fels- Parks. 2015 wurde zunächst die Platt- efs (Abb. 8) sowie zwei weit auseinan-
reliefs, zu denen sie auch den befestig- form vor den Reliefs in Betrieb ge- derliegende Grabungsstellen: das aus
ten Weg aufschütten ließ. Die deutsch- nommen und am 9. September 2017 dem frühen . Jt. v. Chr. stammende
türkische Firma İskenderun Enerji schließlich der gesamte Park, eben- Stadttor in der Unterstadt und ein
(isken) schließlich ließ einen Schutz- falls in Anwesenheit prominenter Be- Kultgebäude aus dem . Jt. v. Chr. ober-
zaun um das gesamte Ruinengelände sucher von der Schweizer Botschaft, halb der Felsreliefs auf der Zitadelle.
sowie drei der bislang acht Didaktik- der Stadtverwaltung von Ceyhan, der Die Bereiche sind über befestigte
tafeln aufstellen. Generaldirektion der Antikensamm- Wege miteinander verbunden. Eine
Die gesamten Arbeiten wurden in lung des Kulturministeriums in An- Ausweitung ist in den nächsten Jah-
mehreren Etappen durchgeführt, wo- kara, der Kulturdirektion der Provinz ren geplant. Mehrere Didaktiktafeln

43
ANTIKE WELT 6/18
BAGHDAD-BAHN UND HETHITISCHE KÖNIGSBILDER – Die Eröf u g des Fors hu gs- u d Besu herze tru s u d des ar häologis he Parks i Sirkeli Höyük

Ortsansässigen in die Arbeiten kann


ein breiteres Bewusstsein für die Be-
deutung von Kulturstätten und die lo-
kale Geschichte entwickelt werden,
welches so immens wichtig für den
Erhalt des Kulturerbes ist!

Adresse der Autoren


Prof. Dr. Mirko No ák
Dr. De iz Yaşi -Meier
U i ersität Ber
I situt für Ar häologis he Wisse s hate
Lä ggassstr.
CH- Ber
o ak@ia .u i e. h
de iz.yasi @ia .u i e. h

Bildnachweis
Alle A ildu ge : © U i ersität Ber , I situt für Ar-
häologis he Wisse s hate , Sirkeli-Projekt.

Literatur
M. NOVÁK / E. KO)AL / D. YAŞIN MEIER Hrsg. , Sirkeli
Abb. Erläuterung des Felsreliefs von Muwattalli durch Dr. Deniz Yaşin-Meier während der Eröff- Höyük. Die S h eizeris h-Türkis he Ausgra u ge
nungsfeier. – , S hrite zur Vorderasiais he Ar häologie
Bd. i Dru k, .
E. KO)AL / M. NOVÁK, Sirkeli Höyük. A Bro ze a d Iro
Age Ur a Setle e t i Plai Cili ia, i : Ü. Yalçı
Hrsg. , A atolia Metals VI, Der A s h it Beihet
− .
geben Erläuterungen zur (Kultur-)Ge- wie zu archäologischen Verfallsprozes-
DIES., Fa i g Mu atalli: So e Thoughts o the Visi ility
schichte Kilikiens, zu derjenigen des sen von außer Benutzung geratenen a d Fu io of the Ro k Reliefs at Sirkeli Höyük, Cili ia, i :
E. Kozal / M. Akar / Y. Hefro u. a. Hrsg. , Quesio s, Appro-
Sirkeli Höyük, zu derjenigen der auf und vernachlässigten Bauwerken, ihrer a hes, a d Dialogues i the Easter Mediterra ea
der gegenüberliegenden Seite des am Ausgrabung und ihrer Restaurierung Ar haeology Studies i Ho or of Marie-He riete a d Charles
Gates, Alter Orie t u d Altes Testa e t – .
Ort vorbeifließenden Flusses Ceyhan am Beispiel der im Verfall begriffenen M. NOVÁK / A. L. D’AGATA / I. CANEVA u. a., A Co pa-
(Pyramos) gelegenen mittelalterlichen und des restaurierten Waggons. rai e Straigraphy of Cili ia. Results of the irst
three Cili ia Chro ology Workshops«, i : Altorie ta-
Burg Yılan Kale «Schlangenburg» , zu Mit dem Park soll ein Beitrag nicht lis he Fors hu ge / – .
Funden aus der Ausgrabung, zur Ge- nur zur touristischen Erschließung A. SOLLEE / S. RUTISHAUSER / C. HÜBNER / B. HEMEIER /
M. NOVÁK, Die Wiedere tde ku g des a ike Ku -
schichte der Baghdad-Bahn und der des Ortes, sondern auch zur Informa- a i / Kisuat i: Fer erku du g, geophysikalis he
türkischen Eisenbahngesellschaft, zur tion der lokalen Bevölkerung geliefert prospekio u d ar häologis he Ausgra u ge a Sir-
keli Höyük, Türkei, i : Miteilu ge der Naturfors he -
Arbeitsweise in der Archäologie so- werden. Nur durch Einbeziehung der de Gesells hat i Ber – .

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ANTIKE WELT 6/18
«ECHTHEIT )WEIFELHAFT!»
Schöne Tanagräerinnen, Alexandrinerinnen und andere
figürliche Terrakotten in (ildesheim

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildes-


hei plegt das ielfälige u d u fa g­
ei he Sa lu gse e de Mäze e He a
Roemer und Wilhelm Pelizaeus sowie
eite e edeute de Wisse s hatle u d
Sa le . Fü u te s hiedli hste Diszi­
pli e e ge e si h is heute spa e de
Aufga e , au h fü die Klassis he
A häologie. De zeit i d die o h u e -
öfe tli hte Sa lu g g ie his h­
ö is he Te akote u te su ht. Ei ige
Stü ke sta de i Ve da ht, gefäls ht
zu sei . Fa hke t is stößt da a G e ze ,
ie U te su hu gse ge isse zeige –
p äse ie t i de Ausstellu g «I tü e
u d Fäls hu ge de A häologie».

o S e Kielau

«D iese seltsam gelbliche, so ak-


kurat und detailliert abge-
formte und offenbar abschließend
von (and bearbeitete Figur kann
nur falsch sein. Die vollends ungestal-
tete Rückseite und das sog. Brenn-
loch in (albkreisform – beides unüb-
lich – erhärten diesen Verdacht.» Mit
diesen Gedanken wurde im Mai
eine Tonmehlprobe der schönen und
im Tanagrastil gestalteten, aber eben
auch sehr verdächtigen Figur zur
Überprüfung nach Oxford geschickt
Abb. . Abb. 1
Tanagrafigur
Die Sammlung griechisch-römischer PM des RPM
Terrakotten im Roemer- und Pelizaeus- (ildesheim. Der
Museum (ildesheim RPM , zu der die gelbliche Ton und
die Rückseite der
Tonfigur im Tanagrastil PM gehört, Figur sind bisher
umfasst rund Objekte und ist in der ohne Vergleich
und gaben daher
Öffentlichkeit bis heute weitgehend un- Anlass für Zweifel
bekannt. Die Terrakotten stammen aus ( cm .

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ANTIKE WELT 6/18
«ECHTHEIT )WEIFELHAFT!» – S hö e Ta ag äe i e , Ale a d i e i e u d a de e igü li he Te akote i Hildeshei

Abb.
Wilhelm Pelizaeus in Ägypten, mit einer grie-
chisch-römischen Terrakotte aus seiner Samm-
lung, vor einer Vitrine mit Aegyptiaca. Es zählt
zu den besonderen Reizen kleinformatiger
Skulptur, dass man sie in den (änden «drehen
und bewegen» kann, dass sie mobil ist und mit
dem Auge auf andere Weise erfasst wird als le-
bensgroße Bilder. – Die von Wilhelm Pelizaeus
erworbene Sammlung mit dem Schwerpunkt
auf Objekten der pharaonisch-ägyptischen Kul-
tur bildet heute einen wichtigen Teil des RPM.
Pelizaeus strebte aber danach, antike ägyp-
tische Kultur breit abzubilden. So enthält die
Sammlung auch viele Stücke aus der ptolemä-
isch-hellenistischen und der römischen kai-
serzeitlichen Epoche. Die Terrakotten sind ein
Teil davon.

dem ägyptischen Kunsthandel des spä- der Ausstellung «)rrtümer und Fäl- beschrieb in seinem Gedicht Tanagra
ten . und frühen . Jhs., viele offen- schungen der Archäologie» einschließ- aus dem Jahr das Gefühl, das
sichtlich von ägyptischen Fundplätzen, lich der naturwissenschaftlichen Ana- sich noch heute beim Betrachten ei-
manche sind aber auch aus Griechen- lyseergebnisse gezeigt. ner solchen in den (änden gehaltenen
land und anderen mediterranen Län- Figur einstellen mag:
dern sekundär nach Ägypten gelangt. Die a ike Welt i de eige e
Die Figuren wurden von Wilhelm Peli- Hä de « … Wir heben und wir drehen
zaeus, der in Ägypten als Kaufmann und Wie viele Sammler und Wissenschaft- eine und eine Figur;
Bankier tätig war, erworben und waren ler seiner Generation schätzte Peli- wir können fast verstehen
Teil einer Schenkung von Aegypti- zaeus offenbar kleinformatige antike weshalb sie nicht vergehen … »
aca an die Stadt (ildesheim. wur- Objekte. So ließ er sich mit einer Figur
den die Figuren unter dem Gründungs- in den (änden vor einer seiner Samm- Der Dichter hatte Figuren dieser sog.
direktor Otto Rubensohn in einer ersten lungsvitrinen in Ägypten fotografie- Tanagräerinnen auf der Weltausstel-
Ausstellung in (ildesheim präsentiert. ren Abb. . lung in Paris gesehen.
Die wissenschaftliche Bearbeitung des Damit folgte er vielleicht einem
gut erhaltenen und ikonografisch äu- ähnlichen )mpuls wie die Menschen
ßerst vielseitigen Materials wurde aller- in der Antike, wenn sie diese kleinfor- Ta agraigure
dings erst begonnen. matigen rundplastischen Bilder reli- Bei Rau g a u ge i de e Jah e
Schon seit der Gründung der Samm- giösen, gesellschaftlichen und alltäg- u de i G ä e de g ie his he
Stadt Ta ag a, ahe Athe , helle isis he
lung Wilhelm Pelizaeus stehen einige lichen Lebens in die (and nahmen F aue igu e gefu de . Die Te akote
dieser Figuren im Verdacht, nicht antik und betrachteten. Als neuzeitliche Be- e stau te die Öfe tli hkeit it ih e
zu sein. Archäologen um Otto Ruben- trachter stellen wir heute Fragen an ot elega t­g azile Be egtheit u d de
stof ei he u d u te Bekleidu g. Das
sohn notierten damals in den )nven- diese Objekte, die man in der Antike Musée du Lou e e a e eits
tarlisten Bemerkungen wie «Echtheit wohl zu beantworten gewusst hätte, sog. Ta ag äe i e , u de sie auf
sehr zweifelhaft». Kulturwissenschaft- die aber wahrscheinlich als unerheb- de Pa ise Weltausstellu g p äse ie t.
Heute lasse si h die Ve eitu gs ege
liche Fachkenntnis stößt bei dieser lich angesehen worden wären: Was des i F ühhelle is us «i te aio al»
Frage aber an ihre Grenzen, wie Ergeb- ist warum dargestellt? Was wollten s h ell elie te Figu e t ps o Aika
nisse von Untersuchungen eindrück- (ersteller und Besitzer mit der Figur u d Boioie a h eispiels eise Klei -
asie i s . M i a u d No daf ika i s .
lich zeigen. Die hier präsentierten Fi- ausdrücken? Und was war ihr Ver- Ale a d ia e ht gut a h ollziehe .
guren werden ab dem .  .  in wendungszweck? Rainer Maria Rilke

46
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA
THEMENPANORAMA

Abb. Wilhelm Pelizaeus erwarb auch diese vier Figuren, die vermutlich gefälscht sind. Der Eros ist zwar detailreich und kunstfertig gemacht, geriet
aber auch gänzlich unantik . Er erinnert an wilhelminisch-viktorianischen Zeitstil oben links, PM , ( , cm . Eine (ildesheimer Tanagräerin
ist wegen des gleichen Gesichts als Fälschung aus derselben Werkstatt anzusehen oben rechts, PM , ( , cm . Die nackte Aphroditefigur unten
links, PM ,( cm und die angelehnte Musikerin mit dem Schlagbecken unten rechts, PM , ( , cm werden als Fälschungen eingestuft,
die TL-Analyse ist hier aber noch nicht abgeschlossen. Die beiden verdächtig gut erhaltenen und einander auffällig ähnlichen Figuren wirken wie sehr
geübte Nachahmungen großer Marmorstatuen.

ANTIKE WELT 6/18


«ECHTHEIT )WEIFELHAFT!» – S hö e Ta ag äe i e , Ale a d i e i e u d a de e igü li he Te akote i Hildeshei

Fei ste Idealigu e aus de wurde sicherlich manch Überraschen- Für Berlin ergab sich das folgende
Wu de la de Äg pte des angeboten. Bild: Von rund Terrakotten, die vor
Auf einem Plakat des Pelizaeus-Mu- erworben worden waren, muss-
seums in (ildesheim wurde damals – % des A ike ei kaufs ten ca.  % als falsch ausgewiesen
für «Feinste )dealfiguren aus Tana- gefäls ht werden. )m Musée du Louvre in Paris
gra» geworben. Zu dieser Zeit war )m späten . und frühen . Jh. war wurden rund Terrakotten getes-
in der Wissenschaft schon bekannt, die umfangreiche Bilder- und Themen- tet und ca.  % erwiesen sich als ge-
dass Privatsammler und Ankäufer, vielfalt der Terrakotten für die Fach- fälscht. Derzeit laufen entsprechende
die auch im Auftrag großer Museen – welt und die Museumsbesuchenden Untersuchungen auch in der Eremitage
wie dem Louvre in Paris oder der sehr überraschend – aber auch äußerst von St. Petersburg.
Berliner Antikensammlung – die an- unübersichtlich. (eute kommt es nur
tike Welt bereisten und unwissentlich noch gelegentlich vor, dass eine neu ge- U d die «gel e Ta ag äe i »?
oder sorglos Fälschungen erwarben. fundene Terrakotte ohne Vergleichs- Das TL-Analyseergebnis der eingangs
Adolf Furtwängler, Archäologe und stück ist, vieles ist so oder in ähnlicher erwähnten untersuchten gelblichen
Museumsdirektor in München, der Form bekannt und lässt sich gesichert Tanagräerin vgl. Abb. überraschte
mit Otto Rubensohn in (ildesheim in einordnen. Manche Fälschungen aus sehr. «Echt» war das Ergebnis und das
Kontakt stand, schrieb deshalb dieser «Gründerzeit» sind somit allein macht die Figur zu einem äußerst un-
zornig von den falschen Figuren mit schon durch die ikonografische Kennt- gewöhnlichen Fall. Die ursprünglich
«geschminkten Gesichtern und aus- nis der publizierten Terrakotten leicht bemalte Terrakotte zahlreiche Reste
gestopften Leibern». Auch der Kauf- zu erkennen, eben wenn sie beispiels- weißlicher Grundierung am Gewand
mann und altertumswissenschaftliche weise «ausgestopft» und «geschminkt» und dunkelrote Bemalung am (aar
Autodidakt Wilhelm Pelizaeus scheint wirken. Aber nicht jede Fälscherwerk- wurde aus einer Gipsmatrize abge-
im «Wunderlande Ägypten» eine da- statt verriet sich unbeabsichtigt durch formt, was an den feinen Bläschen an
mals gebräuchliche Bezeichnung für wilhelminisch-viktorianische oder ju- den Seiten der Figur nachweisbar ist.
Ägypten auf (ändler gestoßen zu gendstilhafte (andschrift und Sehge- Sie stammt aus einer sehr detaillier-
sein, die wissentlich oder unwissent- wohnheiten. ten Matrize und gehört damit vermut-
lich mit Fälschungen handelten. Ein Ausstellungen wie «Bürgerwelten» lich zu einer ersten Generation von
pummeliger Eros und eine beklei- in Berlin oder «Echt Antik!» in Abformungen, die von der sog. Pa-
dete Frauenfigur aus der Sammlung Ribnitz-Damgarten / haben trize, d. h. dem Urmodell, selbst abge-
Pelizaeus wirken für das moderne sich diesem Phänomen eingehend ge- formt worden sein dürften. Deutlich
Auge wie wilhelminische Kleinkunst widmet und die Ergebnisse anschau- sichtbar sind zudem die Nachbearbei-
und auch Furtwänglers Beschreibung lich in Katalogen dokumentiert. )n tungen an einer Reihe von Faltengra-
scheint hier zu passen – zwei wei- Berlin wurden rund Figuren einer ten mit (ilfe eines kleinen Spatels.
tere Frauenfiguren, von denen ange- Authentizitätsprüfung durch Thermo- Die «gelbe Dame» hat weltberühmte
nommen wird, dass sie gefälscht sind, lumineszenzanalyse TL-Analyse un- nahe Verwandte, wie die sog. Dames en
wirken hingegen wie sehr gelungene terzogen s. Kasten . Bleu, die zwei größeren über cm
Nachbildungen großer Marmorsta- Tanagrafiguren in Paris und Berlin.
tuen Abb. . Es ist erwähnenswert, Die (ildesheimer Dame gehört kunst-
dass es tatsächlich Werkstätten gab, Ther olu i sze za alyse historisch in diese besondere Gruppe,
Fü die TL­A al se e de klei e P o e
die Neuschöpfungen griechischer Fi- o Boh ehl e öigt, ideale eise o denn die Figuren in Paris und Berlin
guren auch als solche verkauften. Der z ei e s hiede e Stelle ei e Figu , z. B. sind in vielen Details auffallend ähn-
(ildesheimer Eros dürfte aber als Fäl- o So kel u d o ei e höhe gelege- lich, von den Anordnungen der Ge-
e Stelle a de Rü kseite. Das Mehl i d
schung gehandelt worden sein. Als er i La o e hitzt, die da ei f eigesetzte wandfalten bis hin zum Gesicht mit
in (ildesheim ankam, erkannte Ruben- St ahlu g e ät u gefäh , a de letzte dem breiten Nasenrücken. )m Unter-
sohn ihn sogleich als solche. So mag es B e o ga g statgefu de hat. P o O jekt schied zu den Vergleichsstücken ist
kostet ei e sol he U te su hu g je a h
rückblickend kaum nachvollziehbar Auf a d is zu Eu o. Wäh e d o- die (ildesheimerin aber unverhüllt,
erscheinen, dass ein kundiger Samm- de e Fäls he diese Methode i z is he sie trug weder eine Tholia, den vor
ler auf solch einen «ausgestopften» fal- du h Fäls hu ge aus ze ahle e a ike Sonne schützenden Strohhut, noch ei-
To s he e zu ü e liste e su he , las-
schen Eros hereinfallen konnte – aber se si h älte e Fäls hu ge des in de siècle nen Fächer. Die Brennlöcher, die Ton-
die Erforschung der Terrakotten hatte zu e lässig e itel . beschaffenheit und die Gestaltung der
gerade erst begonnen und Pelizaeus Rückseiten der Figuren in Paris und

ANTIKE WELT 6/18


THEMENPANORAMA

Berlin unterscheiden sich – und sind


gattungstypischer.
Neben dem offensichtlich falschen
Eros und seiner erwähnten gefälsch-
ten Schwester im Tanagrastil erwarb
Pelizaeus aber auch eine sehr echt
wirkende, jedoch falsche Figur: die
große Tanagräerin PM Abb. .

Ei e Jah es iete fü Ta a­
g äe i e
Wilhelm Pelizaeus trug seine Samm-
lung antiker Terrakottafiguren in den
Jahren – bei Kunsthändlern
in Ägypten zusammen. Die näheren
Umstände sind ungewiss, Namen der
(ändler und Fundplätze der Figuren
sind bis dato unbekannt. Aus einer er-
haltenen Kladde mit handschriftlichen
buchhalterischen Notizen ist zu er-
fahren, dass Pelizaeus neben vielen
sog. Fayumterrakotten auch Ter-
res cuites Tanagra erwarb. Diese Ta-
nagräerinnen kosteten ihn so viel wie
die Jahresmiete seiner repräsentati-
ven Kairener Stadtwohnung.
Der ca. Stücke umfassende Samm-
lungsbestand in den Archiven in (ildes-
heim präsentiert sich vielfältig. Neben
den sog. Fayumfiguren, d. h. dickwandi-
gen Terrakotten, die bekannte altägyp-
tische Gottheiten wie (arpokrates, )sis
und Bes darstellen, sind es vor allem die
alexandrinischen bzw. städtisch-kunst-
voll wirkenden Stücke, die die (ildes-
heimer Sammlung wertvoll machen.
Dazu gehören u. a. das berühmte und
vielfach abgebildete sog. Bettlerpaar
und eine Reihe weiterer Stücke aus dem
Themenkreis der «Grotesken». Anlass
zur Diskussion gaben schon zur Zeit der
Museumsgründer weibliche Figuren,
die zu der nicht näher beschriebenen
Gruppe der « Tanagräerinnen» ge-
hört haben dürften. Beteiligt daran wa-
ren Otto Rubensohn als junger Direktor
und die kollegialen Berater Robert Zahn
von der Berliner Antikensammlung, Abb. Sowohl der Kopf als auch der Körper der großen «Tanagräerin» sind gefälscht. Die Figur
Paul Wolters, der Direktor der Münch- verrät sich aber höchstens durch ihren guten Erhaltungszustand und evtl. auch durch den
stumpfen «papierartigen» Charakter des Tones. Die Gestaltung folgt ohne Fehler antiken Regeln
ner Sammlungen und der bereits er- und ist augenscheinlich frei von verräterischen Stilelementen der tatsächlichen Entstehungs-
wähnte Adolf Furtwängler. zeit PM ,( cm .

49
ANTIKE WELT 6/18
«ECHTHEIT )WEIFELHAFT!» – S hö e Ta ag äe i e , Ale a d i e i e u d a de e igü li he Te akote i Hildeshei

E ht zau e hate Ale a d i e­


rinnen
Eine besondere Gruppe von zehn Fi-
guren aus dem Konvolut der « Ta-
nagräerinnen» belegt, dass Wilhelm
Pelizaeus anscheinend überwiegend
mit guten und seriösen Verkäufern
bzw. Anbietern von Terrakotten in
Verbindung stand. Die qualitätvolle
und sehr kleinformatige Frau mit «ge-
flügeltem (aarschopf unterscheidet
sich in technischer (insicht von den
typisch mutterlandgriechischen Ta-
nagräerinnen Abb. . Die rötliche
Tonfarbe und eine besondere Art der
Bemalung und Rückseitengestaltung
sind charakteristisch für die Alexan-
drinerinnen. Das Standmotiv und die
Art der Gewanddrapierung sind hin-
gegen eng verwandt mit Exemplaren
aus Griechenland. Vergleiche mit Fi-
guren, die nachweislich aus Alexan-
dria stammen, machen schnell klar:
Es handelt sich um eine frühhellenis-
tische Figur alexandrinischer Mach-
art. )m Griechisch-Römischen Museum
von Alexandria scheint es sogar min-
destens einen ohne Kopf erhalte-
nen modelgleichen Zwilling zu geben
)nv. . Die TL-Analyse ergab,
dass es sich bei der (ildesheimer Fi-
gur um ein Original handelt.
Die nun aufgrund technischer As-
pekte als Alexandrinerinnen identi-
fizierten Figuren im Tanagrastil des
frühptolemäischen Ägyptens wurden
in älteren Katalogen noch als «aus dem
sonstigen Griechenland» stammend
angesehen. Das RPM gehört somit zu
den wenigen Museen außerhalb Ägyp-
tens, die alexandrinische «Tanagräe-
rinnen» besitzen. Welche Wertschät-
zung Terrakotten in der Zeit um
erfuhren, zeigt das Aquarell einer sit-
zenden Frau mit Kind des (ildeshei-
mer Malers (ermann Maier – auch
dies eine alexandrinische Figur aus
Abb. Alexandrinische Terrakottafigur aus der Zeit um v. Chr. Die TL-Analyse weist diese der Sammlung Pelizaeus Abb. . Zu-
Figur als Original aus. Sie dürfte als Grabbeigabe verwendet worden sein; bis hin zum feinen sammen mit hier nicht gezeigten wei-
Ohrschmuck sind alle Details erhalten PM , ( cm . Aus dem alexandrinischen (adra stammt
ein augenscheinlicher Zwilling gleicher Größe Alexandria, Griechisch-Römisches Museum, teren Originalen, die tatsächlich aus
)nv. . dem griechischen Mutterland stam-

ANTIKE WELT 6/18


THEMENPANORAMA

men, erweist sich der « er-Korpus»


somit als äußerst facettenreich. Die Pu-
blikation dieses Teils der Sammlung
Pelizaeus soll in naher Zukunft erfol-
gen. Bereits jetzt sind die Figuren und
die Ergebnisse der TL-Analysen aber
Teil der Ausstellung «)rrtümer und Fäl-
schungen der Archäologie», die nach
ihrer ersten Station in (erne im No-
vember nach (ildesheim kommt.
Ausschnitthaft steht nun fest: Neben
offenbar wenigen gefälschten Terra-
kotten erwarb Wilhelm Pelizaeus über-
wiegend wertvolle und teils herausra-
gende Originale.

Ausstellung
«Irrtü er u d Fälschu ge der Archäologie»
Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim
. No e e is . Mai

De Ve f. eda kt si h ei P of. Do i i ue Kassa


Tezgö fü de hilf ei he kollegiale Austaus h ü e
die ale a d i is he Figu e i Hildeshei u d ei
D . A e­Viola Sie e t u d Ch isia Rose o Museu
August Kest e i Ha o e fü die g oßzügige U te -
stützu g Fotog aie A . u d .

Adresse des Autors


D . S e Kielau
Roe e ­ u d Pelizaeus­Museu Hildeshei G H
A Stei e –
D­ Hildeshei

Bildnachweis
A . . : Ch isia Rose, Museu August Kest e ;
: Stadta hi Hildeshei ; . : Sha ok Shal hi, Roe e ­
u d Pelizaeus­Museu Hildeshei ; : Roe e ­ u d
Pelizaeus­Museu Hildeshei o. I . .

Literatur
A. ATTULA / J. FISCHER H sg. , E ht A ik! Te akote
fü Salo u d Museu aus de Ku stha dlu g
F itz Gu lit Be li – , So de ausstellu g
Deuts hes Be stei useu Ri itz­Da ga te Abb. Aquarell einer weiteren alexandrinischen Terrakottafigur in (ildesheim. )n Anlehnung
. . – . . . an die Figur in Abb. kann diese Mutter mit Kind als Original angesehen werden. Das Bild stammt
K. M. D. DUNBABIN, Theate a d Spe ta le i the A t von (ermann Maier, frühes . Jh. Figur: PM , ( , cm .
of the Ro a E pi e – A . . zu
Betle paa .

J. FISCHER, «Weih a htsges he ke i este Si e»,


Na h ildu ge o «o igi ale » Ta ag aigu e de V. JEAMMET H sg. , Ta ag as, Figu i es fo Life a d B. KREU)ER, G ie his he, ptole äis he u d ö is he
Ku stha dlu g F itz Gu lit, Be li – ,i : Ete it , The Musée du Lou e’s Colle io of G eek Ke a ik i Roe e ­ u d Pelizaeus­Museu Hildeshei ,
K. B. )i e H sg. , Rezepio , )eitgeist, Fäls hu g – Figu i es, Ausstellu gskatalog Vale ia, . .– . . HÄB .
U ga g it A ike , Akte des I te aio ale f. zu de Da e i Blau.
Kollo uiu s a . Ja ua u d . Fe ua i Tü i -
I. KRISELEIT / G. )IMMER H sg. , Bü ge elte , Helle-
ge – .
J. MÜHLENBROCK / T. ESCH H sg. , I tü e & Fäl- isis he To igu e u d Na hs höpfu ge i
A. FURTWAENGLER, Neue e Fäls hu ge o A ike s hu ge de A häologie, Ausstellu gskatalog . Jh., Ausstellu gskatalog Be li . . is . .
. i s . – Beit ag o S. Kielau . Mai z .

R. A. HIGGINS, Ta ag a a d the Figu i es . D. KASSAB TE)GÖR, Ta ag ée es d’Ale a d ie, Figu i es B. SCHMIT), Wilhel Pelizaeus als Sa le , Hildeshei-
de te e uite hellé isi ues des é opoles o ie tales, e Jah u h – .
V. JEAMMET H sg. , Ta ag a, M the et A héologie, Musée g é o­ o ai d’Ale a d ie , fü de a ge-
Ausstellu gskatalog Pa is . . – . . . o e e ) illi g o PM s. S. Kat.­N . .

ANTIKE WELT 6/18


HUNDERT JAHRE ANTIKE IM DOKUMENTARFILM
Die Sammlung Stern eröffnet im Januar 2019 in Göttingen

Doku e taril e si d die elie teste «Ei tritskarte» i die a ike Welt. Sel st Studiere de
der Altertu s isse s hate eurteile das Mediu für si h ot so, o h or Co puter­
spiele , Ro a e , de Besu h o historis he E e ts, Stäte u d Musee u d au h der
s hulis he Ver itlu g. A Althistoris he Se i ar der U i ersität Göi ge eröf et
u das erste Lehr­ u d Ler ar hi , das si h ga z dieser Darstellu gsfor ers hrie e hat.

o Mari Li d er zehnte befasste er sich mit der Ge- chum auf, sondern vor allem in – im
schichte, den Erzählformen und der besten Sinne – populärwissenschaft-
ie Sammlung Stern geht zurück didaktischen Leistungsfähigkeit von licher Vermittlung. Unzählige Vor-
D auf eine Stiftung aus dem Nach-
lass des Archäologen, Filmforschers
Dokumentarfilmen. Diese Bereiche ar-
beitete Tom Stern nicht nur in Publi­
träge, Festivalauftritte und Podiums-
diskussionen, häufig gemeinsam mit
und Museumspädagogen Tom Stern kationen und akademischer Lehre Filmemachern und ­kritikern, brach-
− ; Abb. . . Über Jahr- an den Universitäten Köln und Bo- ten einer breiten Öffentlichkeit den

Abb.  Der «klassische» Schulfilm auf Schmalspurrolle.

52
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

historischen Dokumentarfilm als For-


schungsgegenstand nahe. Gleichzeitig
wirkte Tom Stern selbst als Recher-
cheur oder als auftretender Experte
in derartigen Produktionen mit. Als
Mitarbeiter am Ruhr Museum Essen
brachte er den Dokumentarfilm in
dessen Doppelrolle, als Vermittlungs-
form und als zu untersuchendes Ob-
jekt, in etliche Projekte ein. Ausstel-
lungen wie «Agatha Christie und der
Orient», «Flug in die Vergangenheit»
und «Das große Spiel – Archäologie
und Politik» wurden international mit
großem Erfolg gezeigt.

Vo Sa el zur Sa lu g
Abb.  Der Begründer der Sammlung im fotografischen Selbstporträt.
Die Anfänge der Sammlung Stern un-
terscheiden sich wenig von den Ursprün-
gen eines frühneuzeitlichen (erbari-
ums oder physikalischen Kabinetts.
Die Motivation hinter dem Sammeln
war zuerst das persönliche )nteresse, oder der Indiana-Jones­Reihe. Dazu kam nar garantiert zudem das Weiterleben
dann aber bald der Wunsch, für For- eine Grundausstattung an Projektions­ als forschungsrelevante Sammlung.
schung und vor allem Vermittlung ein technik. )n dieser Zusammensetzung Anlassgerecht renovierte Archiv- und
praxistaugliches Reservoir an Beispie- lag der Bestand seit dem Tod von Benutzerräume erlauben eine unkom-
len zur (and zu haben. Allmählich Tom Stern bei dessen Fami- plizierte Nutzung der Filme.
wurden die ständig ausgeweiteten lie. Mit dem Kontakt zum Althistori- )m August erreichten die Ob-
Kernbestände um ungeplante Neuzu- schen Seminar Göttingen begann dann jekte ihren jetzigen Standort – das
gänge bereichert: Tom Sterns Tätig- die zweite Karriere als universitäre kleinste eine federleichte Mini-DVD,
keit in Festivaljuries brachte ihm eine Sammlung Stern. das größte ein Schmalspurprojektor
Vielzahl von Sichtungsexemplaren ein. Bis zum Frühjahr wurden zwi- von über kg Abb. . So systema-
Befreundete Filmschaffende oder Kol- schen den Sammlungsgebern, dem tisch Tom Stern seine Sammlung ver-
leginnen und Kollegen bedachten ihn aufnehmenden )nstitut sowie der zeichnet hatte, so wenig ließen sich
mit Filmgeschenken. Aus den Ausstel- Zentralen Kustodie der Universität die Verzeichnisse auf die neuen Be-
lungen blieben Belegexemplare und Göttingen die Eckpunkte einer Über- dürfnisse übertragen. Über ein halbes
ungenutzte Schnittfassungen. nahme fixiert: Die Sammlung Stern Jahr benötigten alleine der Abgleich,
Am Ende umfasste die private Samm- soll dauerhaft in ihrem Bestand er- der Aufbau eines neuen Signatur-
lung mehrere Hundert Filmrollen, Ma- halten bleiben und durch Zuspenden systems und die Erfassung in Letzte-
gnetbänder und optische Datenträger. oder Zukäufe weiter wachsen kön- rem. Abgefallene Etiketten oder Zah-
Die Inhalte reichten von der Darstel- nen. Moderne Archivierungsmetho- len- und Namensdreher gehören zu
lung steinzeitlicher Siedlungsweisen den sichern den Erhalt der Filme und den einfacheren Alltagsproblemen.
bis zu der von spätantiken Festungs- machen sie dauerhaft einem breiten Viele Überraschungen stellen sich
anlagen. Filme über Grabungstechnik Nutzerkreis zugänglich. Die Bestände erst beim Einlesen der Datenträger
waren ebenso vertreten wie Doku- werden intensiv für die Lehre einge- ein: So enthielt eine V(S­Kassette mit
dramen und sogar ein kleinerer Teil setzt, sei es durch einschlägige Semi- dem Label « Arten ein Schaf zu nut-
an Spielfilmen mit altertumswissen- nare, in studentischen Projekten oder zen» eine Dokumentation über (ein-
schaftlichen Bezügen. Propaganda- schlicht durch die Zugänglichkeit als rich Schliemann, ein Making Of zum
filme wie Germanen gegen Pharaonen Materialsammlung. Die ungewöhnlich Monumentalfilm Troja von 2004 und
von hatten ihren Platz neben Re- starke Stellung der Antikenrezeption eine Reportage über Experimental­
portagen über Unterwasserarchäologie am Göttinger Althistorischen Semi- archäologie Abb. .
HUNDERT JAHRE ANTIKE IM DOKUMENTARFILM – Die Sammlung Stern eröf et i Ja uar 9 i Göi ge

Ges hi hte u d Ges hi hte rund vier Jahrzehnte nach dem Ende Selbst vermeintlich plakative Fälle
Viele Filme der Sammlung Stern sind der nationalsozialistischen Herrschaft erweisen sich dabei oft als das Ergeb-
geeignet, ein anschaulicheres Bild der noch als heikel empfunden wurde. Die nis sehr aufschlussreicher Verwerfun-
Antike zu vermitteln, als dies mit na- betonte Sachlichkeit und die fast schon gen oder zufälliger Verkettungen von
hezu allen anderen Medien möglich monotonen Einleitungen erinnern an Umständen. So existierten bereits in
wäre. Produktionen wie Colosseum: Schulfilme oder Nachrichtensendun- der Weimarer Republik Maßnahmen
Arena des Todes bieten aufwän- gen. Die )nhalte bewegen sich dabei oft zur Bekämpfung des Rüsselkäfers als
dige Rekonstruktionen antiker Bau- zwischen modernem Forschungsstand Waldschädling, etwa durch das Ein-
werke und Lebenswelten. Grabungs- und naiv übernommenen «Wahrheiten» ziehen von Fanggräben in befallenen
filme erlauben einen Einblick in längst der völkischen Forschung. Dazwischen Landstrichen. )n diesem Zusammen-
wieder verschüttete Stätten und die finden sich Passagen, die durch drama- hang tauchten Bodenfunde auf, die
Geschichte wissenschaftlichen Arbei- tischen Musikeinsatz und schwelgeri- / einen der ersten Grabungs-
tens. Gleichzeitig stecken hinter jedem sche Kameraaufnahmen einen scharfen filme der NSDAP-Reichspropagandalei-
unserer Filme ein historischer Zeit- Kontrast bilden. )mmer wieder baut Die tung – Amtsleitung Film inspirierten.
kontext, eine Vielzahl an Beteiligten Germanen Elemente aus älteren Filmen In Flammen der Vorzeit wird offen-
und Darstellungsabsichten, ein hand- im Stile eines historischen Zeugnis- siv versucht, aus sehr einfachen Sied-
werklicher (intergrund mit techni- ses ein. Viele dieser unkritisch genutz- lungsspuren eine 2500-jährige ger-
schen Einschränkungen oder Neue- ten Versatzstücke stammen allerdings manische Kulturkontinuität bis in die
rungen, ein organisatorischer Rahmen aus Propagandafilmen der er und Gegenwart zu entwerfen. Andererseits
im Sinne von Programmgestaltung und er Jahre, bei denen man nur die wird dieser Anspruch in seiner Wir-
Aufführungspraxis – kurz: Geschichten Erzählerstimme durch Edward Griegs kung unterlaufen, wenn die (aupt­
hinter der erzählten Geschichte. Peer-Gynt­Suiten ersetzt hat. Die Auf- erzählung unterbrochen wird, um
Die fünf Folgen von Die Germanen gabe der Rezeptionsforschung ist es, minutenlang über den Rüsselkäfer als
wurden u. a. im WDR gezeigt. diese Ebenen zu analysieren und auf «Schädling am deutschen Volksver-
Ziel war erkennbar die vorsichtige historische, politische oder ökonomi- mögen» zu informieren.
Neubewertung eines Themas, das auch sche (intergründe zu befragen. Dokumentarfilme helfen ganz un-
mittelbar bei der Vermittlung von Ge­
schichte wie von Geschichtsbewusstsein.
So wurde unlängst eine Lehrerfortbil-
Abb.  ­mm Filmprojektor der amerikanischen Marke Bell & (owell, Modell Filmosound . dung zum Bereich der sog. Völkerwan-
derungszeit mit einer Filmvorführung
aus der Sammlung Stern ergänzt. Die Ge-
fahren entsprechender Narrative von
«Volk» und «Germanen» waren zuvor im
Seminarteil eindringlich diskutiert wor-
den. )n der ungefilterten Konfrontation
mit dem Filmmaterial der 1930er Jahre
wurde für das Publikum nun die Wir-
kungsmacht zumindest ansatzweise
nachvollziehbar. Andere Projekte zie-
len auf einen reflektierteren Umgang
mit dem oft unterschätzten Medium:
Eine neue studentische )nitiative wird
sich u. a. mit den Kriterien beschäf-
tigen, nach denen Dokumentarfilme
für den Unterrichtseinsatz empfohlen
und wissenschaftlich ergänzt werden
können. Werkstattgespräche etwa mit
Museumskuratorinnen und -kurato-
ren halten den Dialog auch über an-
dere Formen des Filmeinsatzes offen.

54
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

Abb.  Bunte Kisten – Die Sammlung im Anlieferungszustand.

Te h ike u d Gesetze Recordern für verschiedene Video- sität überspielt. Die Resultate werden
Die verschiedenen Wege zur Ausein- band­Formate. Selbst mit der besten in einer Datenbank verzeichnet, de-
andersetzung mit dem Phänomen An- Abspieltechnik sind jedoch Medien, ren )nhalte wiederum in den Online­
tike im Dokumentarfilm setzen eine die nie für eine jahrzehntelange Ar- Katalog der Staats- und Universitäts-
verlässliche Verfügbarkeit des Mate- chivierung ausgelegt waren, von uns bibliothek Göttingen eingespeist. Über
rials voraus. Genau hier befinden sich nur mit Einschränkungen und gro- die Jahre hinweg wird so der Bestand
aber die zwei größten (ürden der ßer Vorsicht zu nutzen. Dabei sind Ei- der Sammlung Stern weltweit recher-
weiteren Arbeit der Sammlung Stern: genaufnahmen auf V(S­Bändern aus chierbar; alle Filme sind mit den üb­
die technischen Herausforderungen den er Jahren oft diffizilere Kan- lichen Grundinformationen und the-
der Konservierung und die Tücken didaten als dreimal so alte Filmrollen matischen Schlagworten sichtbar. Tech­
des Urheberrechts. Abb. . Jeder Abspielversuch bedeu- nisch ließe sich ohne grundsätzliche
Für den ersten Punkt scheint die tet eine Risikoabwägung zwischen der Probleme der logische nächste Schritt
Zukunft in der Digitalisierung zu lie- angestrebten Sicherung des )nhalts gehen: die Verlinkung aus dem Kata-
gen. Die Möglichkeit, prinzipiell un- und einer möglichen Schädigung des log zu einer abspielfähigen Dateiver-
endlich oft inhaltsgleiche Kopien zu Materials. sion.
erstellen, verspricht einen theore- Jenseits der individuellen Erforder- Praktisch steht diesem Vorgehen
tisch dauerhaften Schutz vor Verlust. nisse ist der Vorgang jedoch stets der aber der zweite Punkt, die aktuelle Ge-
Die Schwierigkeiten beginnen mit den gleiche: Der analoge Bild­ und Ton­ setzeslage, entgegen. Lediglich die al-
Datenträgern selbst, die nur auf ganz strom wird in ein digitales Signal ge- lerfrühesten unserer Filme sind nach
bestimmten und meist nicht mehr wandelt, in einer möglichst verlust­ geltendem Recht bereits gemeinfrei.
frei verfügbaren Abspielgeräten lau- armen Videodatei gesichert und diese Ein Großteil der Bestände der Samm-
fen. Dank diverser Spenden besitzt die zur Erfassung und weiteren Bearbei- lung Stern stammt jedoch aus den
Sammlung Stern u. a. eine Reihe von tung auf die Medienserver der Univer- letzten bis Jahren. Der Weg hin

55
ANTIKE WELT 6/18
HUNDERT JAHRE ANTIKE IM DOKUMENTARFILM – Die Sammlung Stern eröf et i Ja uar 9 i Göi ge

Umso wichtiger ist es, dass wir in


alle Richtungen Berührungsängste ab-
bauen und mit ebenso interessanten
wie qualitätvollen Aktivitäten Sicht-
barkeit schaffen. )n diesem Sinne ist
auch das Kolloquium zur Eröffnung
des Filmarchivs am . Januar
gestaltet: Vorträge ordnen den histo-
rischen Dokumentarfilm aus Sicht der
Altertumswissenschaften, der schuli-
schen wie der musealen Didaktik und
der professionellen Filmkritik ein.
Dazu treten Vorstellungen von stu-
dentischen Projektinitiativen und von
Filmvereinen sowie die Vorführung
von Tom Sterns eigener Filmarbeit.
Die vollständige Erschließung und
Aufbereitung der Bestände wird noch
Jahre dauern. Die ersten Zuspenden
Abb.  Datenträger aus knapp einem Jahrhundert Filmgeschichte.
von Filmen und Fachliteratur haben
diese Perspektive schon jetzt deutlich
verändert, und wir hoffen, noch viele
dieser erfreulichen Anlässe zu einer
zu einer regelrechten Mediathek ist da- A ike 9 . Chr. Korrektur unserer Zeitplanungen zu
durch mit einer Unzahl an potentiel- Die Sammlung Stern bewegt sich zwi- erhalten. Dabei bleibt das (auptziel,
len Copyright­Konflikten gepflastert. schen mehreren Welten: Angeschlos- die Sammlung Stern im Sinne unseres
Allein die nötigen Recherchen, forma- sen an ein althistorisches Institut nä- Stifters mit Leben zu füllen als eine
len Anfragen und der Aufwand für die hert sie sich einerseits ihren Inhalten Einrichtung, die alle an der Schnitt-
folgende Kommunikation bringen eine vor allem unter den Gesichtspunk- stelle von Antike und Dokumentar-
bescheidene universitäre Sammlung ten der Altertumswissenschaften und film )nteressierten zusammenführt und
rasch an die Grenzen ihrer Leistungs- der Antikenrezeptionsforschung. An- in Austausch bringt.
fähigkeit. Der finanzielle Aspekt – bei dererseits beteiligt sie sich an schuli-
Testanfragen wurden von den Recht- scher wie außerschulischer Wissens­
einhabern bis zu vierstellige Summen vermittlung von antiken wie filmwis-
pro Film als Verhandlungsbasis ge- senschaftlichen Themen. Als univer-
nannt – ist dabei noch gar nicht be- sitäre Einrichtung ist sie institutio-
rücksichtigt. Derzeit wird die Machbar- nell abgesichert und kann sich in viele
keit geschlossener Lösungen erwogen, Großinitiativen einschalten, deren Wir- Adresse des Autors
Dr. Mari Li d er
die den Adressatenkreis und die Ein- kungskraft und Reichweite sie alleine Sa lu g Ster / Althistoris hes Se i ar
Georg­August­U i ersität Göi ge
sehbarkeit stark reglementieren wür- nie erreichen könnte. Das gerade im Hu oldtallee
den. Einstweilen besteht – abseits der Bau befindliche Wissensmuseum Göt- D­ 7 7 Göi ge

wissenschaftlich, qualitativ und juris- tingen s. u. wird so zu einem klei-


Bildnachweis
tisch oft heiklen Angebote diverser Vi- nen Teil auch eine Präsentation der A . . −5: Klara Wag er, Öfe tli hkeitsar eit Georg­
deoplattformen – unsere Alternative Sammlung Stern werden. Umgekehrt August­U i ersität Göi ge ; : To Ster .

in einer lokalen Nutzerregelung. )nter- bringt die universitäre Einbindung et-


essierte Forscherinnen und Forscher liche Auflagen und Pflichten mit sich, Information zu den Einrichtungen

können ab Januar Recherchezei- und ein relativ kleines, sehr speziali- Sammlung Stern
htp:// .u i­goei ge .de/sa lu g­ster
ten in der Sammlung Stern buchen und siertes Filmarchiv wird innerhalb ei- sa lu gster @u i­goei ge .de

vor Ort die angefragten Filme im Rah- ner derart großen Organisation im- Wisse s useu Göi ge – Foru Wisse
htps:// .u i­goei ge .de/foru ­ isse
men einer wissenschaftlichen Betreu- mer eine gewisse «Randständigkeit» htps:// log.foru ­ isse .de/
ung und Beratung sichten. behalten.

56
ANTIKE WELT 6/18
IM TODE GLEICH?
Kolumbariengräber und Kollektivbestattung im antiken Rom

I àfas hisis he àItalie ài spi ie te à i htà u àa ikeàTe pelàa hitekto is heàBaufo e ,à


au hàEle e teàausàde àBe ei hàde à ö is he àBestatu gà u de à iede àaufgeg ife :à
Mo u e te,àdieà ö is heàKolu a ie à a hah te ,àstehe àzuglei hàfü àsozialeàu dà aio­
aleàEi heit,àge e àde àWü digu gàdesàI di iduu sàa e àau hàge üge dàRau à–àau hà
i àde àá ike?àOh eàp o i e te àPlatzài àa ike àQuelle àu dàheuige àE i e u gskultu à
ka àKolleki estatu ge à o àalle ài à .àJh.à .àCh .àalsàI st u e tàsoziale àI teg aio à
ei eàg oßeàBedeutu gàzu.

o àDo ia àBo o us fünf konzentrische Terrassen, in deren teristischsten Bautypen in Rom: den
Stützmauern Nischen mit Namensschil­ Grabkammern, die man gemeinhin als

á ls der norditalienische Militärfried­


hof bei Monte Grappa in den Jah­
ren 1932 bis 1935 nach langen Kontro­
dern für die Bestattung der nament­
lich bekannten Gefallenen eingelassen
sind. Die halbrunde Form der Nischen,
«Kolumbarien» bezeichnet. Die Adap­
tion römischer Bauformen war im fa­
schistischen )talien geläufig und diente
versen und diversen Zwischenlösungen die Namensschilder und die immense dazu, Mussolinis Anspruch auf das his­
monumental ausgebaut wurde, wählte Anzahl der Bestattungsplätze sind al­ torische Erbe des Römischen Reiches
der Architekt Giovanni Greppi ein un­ les Merkmale, die ganz klar aus der visuell zu untermauern. Gewöhnlich
gewöhnliches Motiv (Abb. 1). Am Ende römischen Antike übernommen wur­ waren die Referenzpunkte berühm­
eines Prozessionsweges befinden sich den, und zwar von einem der charak­ tere Bauten der römischen Kaiser, be­

Abb. 1 Denkmal und Ossuarium bei Monte Grappa, Italien, aus dem Jahr 1935.

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ANTIKE WELT 6/18
IM TODE GLEICH?à–àKolu a ie g ä e àu dàKolleki estatu gài àa ike àRo

Abb. 2 Kolumbarium beim Scipionengrab an der Via Appia in Rom, Südwand.

Abb. Satzung des Vereins zu Ehren der Diana und des Antinous aus Lanuvium bei Rom n. Chr. .

58
THEMENPANORAMA

sonders des Augustus, aber das Vorbild ven Grabkammern müssen auch ober­ Kolleki estatu ge àu dà
der wesentlich unbekannteren Kolum­ irdisch sichtbar gewesen sein, aber es sozialeàBedi gu ge
barien war trotzdem bestens geeignet, entsteht dennoch der Eindruck, dass Die detailliertesten Informationen über
um zentrale Botschaften in Monte sie im Gegensatz zu Monte Grappa die Praxis der Kollektivbestattung
Grappa zu vermitteln: Die persönliche nicht auf die Öffentlichkeit, sondern stammen aus den Satzungen beruf­
Aufopferung einzelner Soldaten wird auf die Gruppe der Bestatteten und licher, religiöser, und anderer Vereine
durch die namentliche Nennung aner­ deren Angehörigen ausgerichtet wa­ (Abb. 3), die die Begräbnisse ihrer Mit­
kannt, während durch die unermess­ ren. glieder oft finanzierten und organisier­
liche Anzahl und die Gleichheit der Abgesehen von diesen Gemeinsam­ ten. Abgesehen von finanziellen Be­
Bestattungsplätze das Ideal der natio­ keiten gibt es zwischen verschiede­ stimmungen fallen vor allem die vielen
nalen Einigkeit zum Ausdruck kommt. nen Kolumbariengräbern beträchtli­ Zusammenkünfte der Vereinsgenossen
Wie aber waren die antiken Vorgänger che Schwankungen hinsichtlich ihrer auf. Die Anlässe umfassten verschie­
gestaltet und welche Botschaft ver­ Größe, Kapazität, Bautechnik und Aus­ dene Bereiche wie Geschäftssitzungen,
mittelte die Architektur bei ihnen? stattung. Die Unterschiede zu her­ gemeinsame Mahlzeiten und natürlich
Im Gegensatz zum neuzeitlichen Mi­ kömmlichen römischen Gräbern und Begräbnisse. Das rege Vereinsleben
litärfriedhof waren in der Antike die vor allem die charakteristischen Grab­ macht deutlich, dass Vereine neben
Nischen in unterirdischen Grabkam­ nischen lassen sie jedoch relativ klar anderen Funktionen nicht zuletzt der
mern untergebracht (Abb. 2), deren als einheitliche Gruppe erscheinen. Da­ sozialen Integration ihrer Mitglieder
meterhohe Wände fast vollständig bei stellt sich früher oder später die dienten. Begräbnisse waren für eine
von einem gleichmäßigen Nischenras­ Frage, ob diese Klassifizierung nach solche Integration offenbar grundle­
ter eingenommen waren. Unterhalb archäologischen Kriterien auch histo­ gend. Dies geht z. B. aus einem eigen­
jeder Nische, in die Wand eingemau­ risch bedeutsam ist und nicht nur eine tümlichen Ritual in einem Verein aus
ert, waren eine oder mehrere tönerne Formalität, die in der heutigen Alter­ Lanuvium in der Nähe von Rom hervor.
Aschenurnen, die die eigentliche Be­ tumswissenschaft überbewertet wird. Dieser veranstaltete eine Scheinbestat­
stattung aufnahmen und den späte­ Ein Hinweis darauf, dass auch antike tung (funus imaginarium) für Sklaven,
ren Zugriff auf die Überreste gewähr­ Zeitzeugen diese Kollektivgräber zu­ deren Besitzer sich weigerten, die Kör­
leisteten. Jede Nische war zudem mit mindest als charakteristisch wahrnah­ per herauszugeben. Das Szenario zeigt
einem aufgemalten Täfelchen verse­ men, ist die lateinische Terminologie. zunächst einmal, dass die legale Kon­
hen, auf das die Namen der Verstor­ Während für Grabbauten verschie­ trolle in einer Sklavengesellschaft über
benen aufgemalt oder eingeritzt wer­ dene Bezeichnungen verwendet wur­ den Tod hinausgehen konnte, veran­
den konnten – eine Art Grabstein auf den, die nicht unbedingt von deren ma­ schaulicht aber gleichzeitig die Fähig­
kleinstem Raum. In vielen Fällen wur­ terieller Form abhingen, wissen wir, keit einer Kollektivbestattung, solchen
den die gemalten Täfelchen durch dass eine Grabnische columbarium ge­ Kontrollmechanismen entgegenzuwir­
marmorne Inschriften ersetzt, die an nannt wurde. Dieser Begriff stammt ken. Denn für die Bestattung im Verein
der Wand unterhalb der Nische fest­ ursprünglich aus der Tierhaltung, wo gab es eigentlich keinen pragmatischen
genagelt wurden. Des Weiteren wa­ er die Brutnische für ein Vogelpaar in Anlass mehr, da der Sklavenhalter nun
ren die Grabkammern innen verputzt einem Taubenschlag bezeichnet. Auf dem eigentlichen Begräbnis nachkom­
und bemalt: Dafür bot sich vor allem Grabinschriften wird der Ausdruck je­ men musste. Also diente die Schein­
der Platz zwischen den Nischenreihen doch für Grabnischen verwendet, wohl bestattung wohl dazu, noch einmal im
an, auf dem manchmal lange Friese aufgrund der optischen Ähnlichkeit Namen eines Gefährten zusammenzu­
unterschiedliche Szenen präsentie­ der Nischen und deren Anordnung. kommen und dessen Existenz entge­
ren. Allgemein fällt an der architek­ Abgesehen von der Begrifflichkeit und gen unmenschlichen Bedingungen zu
tonischen Gestaltung der Grabkam­ der architektonischen Form der Ko­ bekräftigen. Es kommt vielleicht nicht
mern die Orientierung nach innen auf, lumbariengräber ist es aber für die von ungefähr, dass Sklavenbestattun­
ein Eindruck der noch einmal dadurch historische Bedeutsamkeit vielleicht gen noch im 19. Jh. von amerikani­
verstärkt wird, dass römische Grab­ wichtiger, dass sie nur die materiel­ schen Sklavenhaltern als potentielle
monumente oft das genaue Gegenteil len Hinterlassenschaften für eine wei­ Anlässe zu Widerstand und Aufstän­
bezweckten: nämlich die publikums­ ter verbreitete Praxis sind, nämlich die den gefürchtet wurden.
wirksame Präsentation der Verstor­ Kollektivbestattung, die sich im Römi­ Die erhaltenen Grabstätten vervoll­
benen entlang der Ausfallstraßen der schen Reich zum Beginn der Kaiserzeit ständigen unser Wissen über die Pra­
Stadt. Zumindest einige der kollekti­ zunehmender Beliebtheit erfreute. xis der Kollektivbestattung, denn sie

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ANTIKE WELT 6/18
IM TODE GLEICH?à–àKolu a ie g ä e àu dàKolleki estatu gài àa ike àRo

verdeutlichen ihre materiellen Bedin­ Kollektivbestattung durch bestimmte Diese enthalten wieder Hinweise auf
gungen, aber sie klären auch den zeitli­ soziale Bedingungen begünstigt wird. die Aktivität von Vereinen, aber die
chen und geographischen Rahmen. Die Kolumbariengräber finden sich näm­ Bestattungsgemeinschaft ist oft auch
frühesten Exemplare wurden offenbar lich nur in Rom und seinen Haupt­ ganz klar anders organisiert. So gibt es
zu Beginn der Herrschaft des Augus­ häfen in Ostia und Pozzuoli, obwohl z. B. Kolumbariengräber, in denen aus­
tes erbaut und die gesamte Gruppe es auch andernorts inschriftliche Hin­ schließlich Sklaven oder Freigelassene
erstreckt sich auf einen Zeitraum von weise auf Kollektivbestattung gibt. Es aus einem der großen aristokratischen
vielleicht 50 Jahren. Die Zeitspanne scheint also, dass die Praxis in stark oder kaiserlichen Haushalte Roms be­
deckt sich also recht genau mit einem vernetzten Großstädten besonders be­ stattet wurden. In anderen Fällen las­
wichtigen historischen Kontext, näm­ liebt war. Die Grabnutzer lassen sich sen sich gar keine offensichtlichen Be­
lich dem politischen Übergang von der genauer durch die Inschriftentäfel­ ziehungen zwischen den Bestatteten
Republik zur Kaiserzeit. Auch die geo­ chen unter jeder Nische untersuchen, erkennen, was bedeuten könnte, dass
graphische Verbreitung legt nahe, dass von denen Tausende erhalten sind. es sich um reine Interessensgemein­
schaften handelte.
In jedem Fall brachte das gemein­
Abb. «Beisetzung im Kolumbarium des Kaiserhauses, Porta Capena, Rom». Gemälde von Louis-
schaftliche Grab eine Bestattungsge­
(ector Leroux, Öl auf Leinwand . Paris, Musée d’Orsay RF . meinschaft zusammen. Selbst wenn
ihre Zusammenkunft eher aus prag­
matischen Gründen erfolgte, gehörten
doch alle Bestatteten zu der gewöhn­
lichen Stadtbevölkerung der Reichs­
hauptstadt und lebten somit unter
grundsätzlich vergleichbaren Bedin­
gungen. Die Grabinschriften enthal­
ten zwar nur undeutliche Hinweise,
aber es ist z. B. klar, dass mindestens
die Hälfte der Bestatteten Sklaven oder
Freigelassene waren. Außerdem muss­
ten sie über hinreichende finanzielle
Mittel verfügen, um sich die Mitglied­
schaft in einem Verein oder einen Be­
stattungsplatz im Kollektivgrab leisten
zu können. Abgesehen von diesen Be­
dingungen müssen geplante oder zu­
fällige Begegnungen an der Grabstätte
häufig gewesen sein Abb. . Diese hy­
pothetischen Überlegungen lassen sich
nicht zweifelsfrei belegen, doch die ma­
teriellen Eigenschaften der Kolumbari­
engräber legen eine gruppenfördernde
Wirkung nahe. So wird jedem Bestat­
teten ein völlig gleichartiger Grab­
platz zugeteilt, was zumindest optisch
ihre Ebenbürtigkeit andeutet. Auch
die einzelnen Grabinschriften geden­
ken der Verstorbenen in ganz formel­
hafter Weise. Besonders in Gräbern,
die von Mitgliedern eines aristokra­
tischen Haushaltes genutzt wurden,
dürfte selbst Analphabeten die endlose
Wiederholung desselben Familienna­

60
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

Abb. Grabkammer mit eingebauten Klinen für gemeinsame Mahlzeiten, Ostia, Via Laurentina Nekropole, Grab VL E Anfang . Jh. n. Chr. .

mens aufgefallen sein. Abgesehen von Abb. Miniatururnen mit eingeritzten )nschriften aus San Cesareo an der Via Appia, Rom
diesen Gemeinsamkeiten gab es aber Mitte . Jh. v. Chr.

auch Einrichtungen für geselliges Mit­


einander. So sind z. B. Triklinien Spei­
seräume) für gemeinsame Mahlzeiten
direkt im Grab in Roms Hafen bei Os­
tia bekannt (Abb. 5) und für Rom in­
schriftlich belegt.

E t i klu gsges hi hte


Obwohl sich Kolumbariengräber merk­
lich von anderen Grabbauten Roms
abheben, lassen sie sich gut mit der
übergreifenden Entwicklungsgeschichte
römischer Grabkultur in Einklang
bringen. Zunächst stellt sich die Frage,
wie die Grundidee dieser Bestattungs­
form in Rom eingeführt wurde. Ge­
meinschaftliche Grabbauten gab es

ANTIKE WELT 6/18


IM TODE GLEICH?à–àKolu a ie g ä e àu dàKolleki estatu gài àa ike àRo

schon in hellenistischen Hafenstäd­ tieren somit das Grab in die Mitte des doch blieb dieser nicht konstant, denn
ten wie Rhodos oder Alexandria. Aber . Jhs. v. Chr., also bevor die ersten Ko­ existierende Gräber wurden regelmä­
ob diese tatsächlich Vorbilder waren, lumbariengräber entstanden. Auffal­ ßig auf die Bedürfnisse der Zeit ange­
ist nicht sicher, u. a. weil eines der frü­ lend ist außerdem der eigentümliche passt. Ein Beispiel ist die Marmorurne
hesten Kollektivgräber in Rom bei der Ritus: Die winzigen Gefäße enthielten der Livineia Sice Abb.  a.b , die nach­
Auffindung im . Jh. nur unzuläng­ nämlich keine Asche sondern einzelne träglich in ein Kolumbariumgrab an
lich dokumentiert wurde. Die einzig Knochen, was auf das enigmatische der Via Salaria im Norden Roms einge­
bekannten Hinterlassenschaften des Ritual des os exceptum hinweist, bei baut wurde. Solche Urnen kamen erst
Baus bei der Kirche San Cesareo am dem ein einzelener Knochen symbo­ ab der Mitte des . Jhs. n. Chr. in Mode,
Beginn der Via Appia sind 300 Minia­ lisch beigesetzt wurde. Zusammenfas­ und da sie für eine Aufstellung in ei­
tururnen, auf denen die Namen und send lässt sich also sagen, dass es auf­ ner Bestattungsnische gänzlich unge­
Todeszeitpunkte der Verstorbenen fällige Gemeinsamkeiten mit späteren eignet waren, musste die bestehende
notiert sind (Abb. 6). Trotz der spär­ Kollektivgräbern gibt, wie die Anzahl Architektur entsprechend angepasst
lichen Materialbasis geben die Ge­ der Bestatteten, die namentliche Iden­ werden. Neubauten aus dieser Zeit
fäße einige wichtige Hinweise: Die In­ tifizierung und die Benutzung dessel­ folgten allerdings einem anderen Kon­
schriften erwähnen nämlich Monate ben Begräbnisrituals. zept, das die neuen Geschmacksrich­
des prä­cäsarischen Kalenders wie Einige Jahrzehnte später kamen tungen bereits vorwegnahm und Platz
z. B. Sextilis August und den später die ersten Kolumbariengräber in ih­ für die Aufstellung von Urnen bot oder
abgeschafften Schaltmonat und da­ rem voll entwickelten Plan auf, je­ gleich kleine Ädikulen für eine Unter­
gruppe der Bestattungsgemeinschaft
bereitstellte. Im Laufe der Zeit ent­
wickelte sich so eine ganz neue Art
von Grabbau, nämlich ein oberirdi­
sches Kolumbarium (Abb. 8): Ein sol­
ches Grab beinhaltet immer noch die
charakteristischen Grabnischen, aber
ist nun viel kleiner, oberirdisch gele­
gen und symmetrisch in seinem inne­
Abb.  a.b ren Aufbau. Diese Änderungen zeugen
Aschenurne der auch von einer neuen Gruppendyna­
Livineia Sice (1. Jh. mik, denn die Inschriften bezeugen,
n. Chr. : a heuti­
ger Zustand und dass es sich um Gräber nicht­aris­
b Auffindung tokratischer Römer und deren Ver­
unter der Kirche
S. Teresa in Corso wandtschaft samt Sklaven und Frei­
d’)talia . gelassenen handelt. Das Modell einer
a Grabgemeinschaft aus mehr oder we­
niger gleichgestellten Mitgliedern wich
also zugunsten neuer Besitzverhält­
nisse, in denen Grabbesitzer für Ange­
hörige und Untergebene sorgten.
Trotz dieser Entwicklung wurde die
Kollektivbestattung in Rom später
wieder relevant, als um n. Chr.
neue unterirdische Gänge für Hun­
derte und Tausende von Bestattungen
errichtet wurden. Ursprünglich han­
delte es sich bei diesen sog. Katakom­
ben um eine neue Methode, unterirdi­
sche Grabbauten anzulegen, die dann
aber bald genutzt wurde, um Bestat­
tungskapazitäten gezielt für größere
b
62
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

Gruppen bereitzustellen. Kollektivbe­


stattungen sind aber auch in der Neu­
zeit noch gefragt, wie das Beispiel in
Monte Grappa und andere Militär­
friedhöfe belegen. Ein weiteres Phä­
nomen, das antiken Kolumbarien und
Vereinsbestattungen nähersteht, sind
die Parzellen der Landsmanschaftn in
New York City in denen Juden aus ost­
europäischen Schtetl bestattet wur­
den. Genau wie die römischen Vereine
boten Landsmanschaftn aber auch
Zusammenkünfte und Sozialdienste.
Bezeichnenderweise sanken die Mit­
gliederzahlen, als sich nachfolgende
Generationen stärker der amerikani­
schen Gesellschaft anpassten. In Rom
allerdings ist die Praxis der Kollek­
tivbestattung im sozialen Gedächtnis
bestenfalls am Rande bewahrt. Im Ge­
gensatz zu den berühmteren Monu­
Abb. Kolumbarium unter der Kirche San Sebastiano an der Via Appia in Rom Ende . Jh. n. Chr. .
menten im Zentrum der Stadt liegen
erhaltene Kolumbariengräber unter
verkehrsreichen Plätzen, auf Privat­
grundstücken oder in der Nähe von Co te t.àStudiesàofàRo a ,àJe ish,àa dàCh isia àBu ialsà Anzeige
abgeschirmten Regierungsgebäuden à − .

und sind daher nicht einfach zu be­ D.àBORBONUS,àColu a iu àTo sàa dàColle i eà

Alaman
Ide it ài àáugusta àRo eà .
sichtigen. Trotzdem bieten die Grab­
F.àD’áNDREá,àMo u e taàColu a io u àI teg aàRe­
kammern einen lehrreichen Einblick pe ta.àá alisiàdiàu à o plessoà o u e taleàp essoà
Po taàMaggio e,ài :àPape sàofàtheàB iishàS hoolàatàRo eà à
in Teile der römischen Gesellschaft, à − .
die in den historischen Quellen nur T.àFRÖHLICHà/àS.àHáPS,àá hitektu àu dàDeko aio àde à
sporadisch erwähnt werden. Colu a ie àa àde àVillaàDo iaàPa philj,àRo ,ài :à
J.àM.àÁl a ezàMa í ezà/àT.àNogalesàBasa ateà/àI.àRod à
deàLla zaà H sg. ,àCe t oà àPe ife iaàe àelà u doà
l si o:àXVIIIàCo g esoàI te a io alàá ueologíaàCl si aà
à − .

C.àR.àGáLVáO-SOBRINHO,àFeasi gàtheàDeadàTogethe .à
HouseholdàBu ialsàa dàtheàSo ialàSt ategiesàofà
Adresse des Autors Sla esàa dàF eedàPe so sài àtheàEa l àP i ipate,ài :à
S.àBellà/àT.àRa s à H sg. ,àF eeàátàLast!àTheàI pa tà
D .àDo ia àBo o us ofàF eedàSla esài àtheàRo a àE pi eà à − .
Histo àDepa t e t
U i e sit àofàDa to M.àHEIN)ELMáNN,àDieàNek opole à o àOsia,àU te ­
àCollegeàPa k su hu ge àzuàde àG ä e st aße à o àde àPo taàRo a aà
Da to ,àOHà u dàde àPo taàLau e i aà .
USá
H.à .àHESBERG,àRö is heàG a aute à .

Bildnachweis H.àKáMMERER-GROTHáUS,àMo u e tu àáugusi.à


Dasàsoge a teàColu a iu àde àF eigelasse e àdesà
á .à :àDiàGa ieleàDallaàPo taàf o àCo uda,àItaliaà–à áugustus,ài :àBa es hà à à − .
MONTEàGRáPPá,àCCàBY­Sáà . ,àhtps:// o o s. ikià edia.
o g/ /i de .php? u id= ;à .à :àFotoàdesàVe fasse s;à P.àLIVERáNIà/àG.àSPINOLá,àDieàNek opole ài àVaika à
:à pkà/àRMNà­àG a dàPalaisà/àHe éàLe a do ski;à .
:àiDáIo je tsàá a h e,àFotog af:àMi haelàHei zel a à
Negai ­N .:àVL­E ­ ;à :àE a­Ja eàG aha ;à àa:à H.àMOURITSEN,àSla e àa dàMa u issio ài àtheàRo a à
J.àB.àSpeedàMuseu ,àLouis ille,àKYà USá ;à à :àB iishàS hoolà E pi e:àáàStud àofàtheàColu a iaàofàtheàVolusiiàa dà
atàRo e,àPhotog aphi àá hi eàTá[PHP] ;à theàStailii,ài :àM.àGeo geà H sg. ,àRo a àSla e àa dàRo­
:àIst.àNeg.à . . a àMate ialàCultu eà à − .

S.àSCHRUMPF,àBestatu gàu dàBestatu gs ese ài à


ö is he àRei h.àá lauf,àsozialeàDi e sio àu dà
Literatur
öko o is heàBedeutu gàde àTote fü so geài àlatei i­
J.àBODEL,àF o àColu a iaàtoàCata o s:àColle i eàBu­ s he àWeste à .
ialài àPaga àa dàCh isia àRo e,ài :àL.àB i kà/àD.àG ee à
H sg. ,àCo e o ai gàtheàDead.àTe tsàa dàá ifa tsài à

63
ANTIKE WELT 6/18
LESERrRderEAnItikSenEWelt Serbien
Exklusiv für Lese

Datum der Reise:


4. Tag: Belgrad – Vinca – Smederevo – Gornjak –
Niš (F/A)
Die erste Station des heutigen Tages ist der Vinca-Kultur
gewidmet. Sie breitete sich vor 7000 Jahren auf
dem Balkan aus und repräsentiert eine hoch entwickelte
Stufe prähistorischer Zivilisationen. Grundlage des
Reichtums war der Abbau von Kupfer. Wichtige Objekte
dieser Zeit werden im Museum von Vinca gezeigt.
Weiter geht es nach Smederevo mit seiner historischen
Festung. Eine Besichtigung vermittelt einen Eindruck
von den gewaltigen Dimensionen der Anlage. Weiter
geht es zu dem am Ende des 13. Jhs. gestifteten
Kloster Vitovnica. Das Kloster Gornjak befindet sich in
landschaftlich atemberaubender Lage, umgeben von
steil aufragenden Felswänden. 2 Übernachtungen:
New City Hotel****.

5. Tag: Niš – Prokuplje – Djavolja Varoš – Justiana


Prima – Niš (F/A)
Dieser Tag führt Sie zunächst nach Prokuplje. Im Teilort
Serbien ist ein Land mit einer reichen Vergangenheit, einer Fülle be- Plocnik entdeckten Archäologen eine prähistorische
Siedlung, deren Bewohner als frühe Experten der Metall-
eindruckender historischer Monumente und einer faszinierenden verarbeitung gelten können. Sie verwendeten Werkzeuge
Landschaft. In den letzten Jahren haben intensive archäologische For- und Geräte aus Kupfer. Nächstes Besichtigungsziel ist
das Naturreservat Djavolja Varos, seit 1995 offiziell
schungen, umfassende Aktivitäten der Denkmalpflege, die moderne Naturdenkmal. Das Nationalmuseum in Leskovac bietet
anschließend Gelegenheit, sich mit historisch und
Ausgestaltung von Museen und die Entwicklung einer touristischen In- kulturell bedeutsamen Artefakten von der Antike bis
frastruktur dafür gesorgt, dass die Kulturschätze des Landes unter in die Gegenwart vertraut zu machen. Den Abschluss
des Tages bildet die Besichtigung von Justiniana Prima
sehr guten Rahmenbedingungen erforscht werden können. Der zeitliche (vgl. AW 4/2018, S. 8–13). Der Name leitet sich vom
oströmischen Kaiser Justinian ab, der hier um 482
Bogen erstreckt sich von den prähistorischen Kulturen über die Römer n. Chr. geboren wurde. Imposant sind die noch heute
und die mittelalterlichen Serben bis hin zu den türkischen Osmanen. sichtbaren Überreste dieser Perle spätantiker Urbanität:
Akropolis, Straßen mit Arkaden, eine Bischofskirche und
Einen Höhepunkt bildet eine Fahrt auf der Donau zum Eisernen Tor, mehrstöckige Häuser vermitteln einen nachhaltigen
direkt entlang der Grenze Serbiens zu Rumänien. Eindruck einstiger Pracht. 631 wurde die Stadt zerstört.
Die Funde sind in den Nationalmuseen von Leskovac
und Belgrad aufbewahrt.

6. Tag: Niš – Mediana – Knjaževac – Timacus


Minus – Zaječar – Borsko Jezero (F/A)
1. Tag: Frankfurt – Belgrad (A) Zeugnisse dokumentieren eindrucksvoll das Leben In Niš wurde um 275 n. Chr. der spätere Kaiser Konstan-
Am Vormittag fliegen Sie mit Lufthansa von Frankfurt in dieser Perle römischer Urbanität. Dazu gehören die tin der Große geboren. Einst von Thrakern gegründet,
nach Belgrad. Dort Ankunft gegen 13 Uhr und Reste des Kaiserpalastes, eine christliche Basilika, diente die Stadt den Römern seit dem 1. Jh. n. Chr. als
Transfer vom Flughafen ins Hotel zum Check-In. Da- ein Getreidespeicher und das Hippodrom. Das Museum Militär- und Handelsstützpunkt. Die Reste der antiken
nach steht die historische Festung Kalemegdan auf dem von Mitrovica präsentiert wunderschöne Fresken und Stadt befinden sich unterhalb der Festung von Niš.
Programm. Daneben befand sich, an der Mündung Mosaike. Am Mittag nehmen Sie das Mittagessen im Dazu gehört die von Konstantin gegründete und luxu-
der Save in die Donau, die römische Stadt Singidunum, Etnodorf Drache von Nocai ein. Anschließend Rückfahrt riös gestaltete Residenz von Mediana. In der Nähe von
als Vorläufer der heutigen serbischen Hauptstadt. nach Belgrad. Knjaževac liegt mit dem antiken Ort Timacum Minus die
Erhalten sind Teile des Lagers und eine Nekropole. Die älteste, von den Römern installierte Militäranlage. Sie
Altstadt von Belgrad ist am Verlauf der Straßen in der 3. Tag: Ausflug Novi Sad und Bac (F/A) ist auf das 1. Jh. n. Chr. zu datieren. Im Museum von
alten römischen Zivilsiedlung orientiert. Auch der Platz, Sie fahren nach Novi Becej. Etwas nördlich der Stadt an Knjaževac sind Teile der Funde wie Geschirr, Ornamente
an dem sich einst das römische Forum befand, lässt der Theiß liegt die Kirche von Araca. Die dreischiffige und Bronzestatuen aufbewahrt. Eine weitere wichtige
sich im Stadtbild noch gut erkennen. 3 Übernachtun- Basilika war Teil eines benediktinischen Klosters. Im Ausgrabungsstätte befindet sich bei Gamzigrad, unweit
gen: Design Hotel Astoria****. 16. Jh. von den Osmanen zerstört, blieb die Kirche bis der Stadt Zaječar. Felix Romuliana ist der Name eines
heute eine gleichwohl imposante Ruine. Weiterfahrt antiken Ortes – heute UNESCO-Weltkulturerbe −, wo
2. Tag: Ausflug Sremska Mitrovica (F/M) nach Novi Sad, der nach Belgrad zweitgrößten Stadt in der römische Kaiser Galerius zu Beginn des 4. Jhs.
Die Stadt Sremska Mitrovica ist die moderne Nachfolge- Serbien. Besuch des Vojvodina-Museums, das eine be- n. Chr. eine Residenz errichtete. Außerdem besuchen
siedlung der römischen Stadt Sirmium. Sie gehörte in eindruckende Sammlung von archäologischen Funden Sie das Museum von Zaječar. Anschließend Fahrt zum
der Antike zu den wichtigsten Metropolen auf dem und historischen Exponaten aus der Region beherbergt. Borsko-See. Übernachtung: Hotel Jezero****.
Balkan. Aus einem Militärstützpunkt entwickelte sich Nach der Besichtigung der Altstadt von Novi Sad geht
eine blühende Handelsstadt. Später wurde die Stadt es weiter nach Bac. Die Festung aus dem 14. Jh. zählt 7. Tag: Borsko Jezero – Rudna Glava – Rajačke
sogar Kaiserresidenz. Der Reichtum Sirmiums fand sei- zu den am besten erhaltenen spätmittelalterlichen pivnica – Kladovo (F/A)
nen Ausdruck in prächtigen Palästen und Wohnhäusern. Bauten in Serbien. Fahrt nach Majdanpek. Die Stadt ist für ihre reichhaltigen
Viele herausragende Monumente und archäologische Kupfervorkommen bekannt. Wie ein Besuch im Ortsteil

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ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region gewesen. Nicht im Reisepreis enthalten
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5. Jt. v. Chr. betrieben. Weiterfahrt über Negotin zum Reiseversicherungen, optionale Ausflüge und Trinkgelder.
pittoresken Weindorf Rajačke pivnica. Der Wein spielte
hier bereits in der Zeit der Römer eine wichtige Rolle. Ihre Studienreiseleiter:
Besichtigung des alten Friedhofes mit Grabsteinen Prof. Dr. Holger Sonnabend lehrt Alte Geschichte
aus dem 17. und 18. Jh. Natürlich wird auch nicht die an der Universität Stuttgart. Als Autor veröffentlichte
Gelegenheit ausgelassen, bei einer kleinen Weinprobe er zahlreiche Bücher zur griechischen und römi-
vom berühmten Negotin-Wein zu kosten. 2 Übernach- Ihre Reiseinformationen schen Geschichte. Er ist Herausgeber der Reihe «Der
tungen: Hotel Aquastar****. Archäologische Führer», die im Verlag Philipp von
Reisepreis pro Person im Doppelzimmer Zabern erscheint. Darüber hinaus leitete er bereits viele
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Sie wurde von den Römern gegründet, von den Slawen Zusatzangebot Anreise mit der Bahn
ausgebaut und später von den Osmanen übernom- Preis pro Person für Hin- und Rückfahrt ab Ihrem Dr. Frauke Sonnabend
men. Die Türken errichteten die Festung Fetislam. In Heimatbahnhof nach Frankfurt und zurück (2. Klasse): Promotion in Alter Geschichte. Ihr Tätigkeitsfeld reicht
die römische Zeit fällt die Festung Diana, die im 2. Jh. Bis 350 km ab 351 km von Führungen auf der Berliner Museumsinsel und in
n. Chr. zum Schutz des Donaulimes errichtet wurde. € 69,– € 119,– Ausstellungen bis hin zur Erwachsenenbildung und der
Weiter flussabwärts ist ein Pfeiler der monumentalen Falls Sie sich bezüglich der Entfernung nicht sicher sind, Leitung von Studienreisen. Das Spektrum ihrer Zielgebiete
Brücke erhalten, die der römische Kaiser Trajan zu geben wir Ihnen hierzu gerne Auskunft. reicht von England über Syrien, Marokko, Rumänien, Israel,
Beginn des 2. Jhs. n. Chr. im Rahmen seines Feldzuges Äthiopien, Italien und Griechenland bis in die Türkei.
gegen die Daker im heutigen Rumänien konstruieren Flugzeiten (Änderungen vorbehalten)
ließ. Eine Bootsfahrt auf der Donau führt durch die 21. 8. 2019 Frankfurt – Belgrad 11.15 – 13.00 Uhr BITTE BEACHTEN:
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Monumente. Auf der rumänischen Seite befindet sich ¢ Linienflüge ab / bis Frankfurt mit Lufthansa
die 55 m hohe, in den Fels gehauene Skulptur des ¢ Flughafensteuern, Gebühren und aktuell gültige Teilnehmer
Dakerkönigs Decebalus. Östlich der Statue, auf serbi- Treibstoffzuschläge (Stand Oktober 2018) Bis 12 Wochen vor Reisebeginn zu erreichende Teilneh-
scher Seite, ist die «Tabula Traiana» zu erkennen. Die ¢ Rundreise im Reisebus merzahl: min. 20, max. 28 Personen.
Inschrift wurde 100 n. Chr. von Kaiser Traian auf einer ¢ Transfers, Ausflüge, Besichtigungen lt. Reiseprogramm
Marmortafel im Fels des Eisernen Tores angebracht. ¢ Eintrittsgelder lt. Reiseprogramm Änderungen im Reiseverlauf oder bei den genannten
Den Abschluss des Tages bildet die Fahrt nach Lepenski ¢ 9 Übernachtungen in den im Reiseprogramm Unterkünften aufgrund von örtlichen Gegebenheiten
Vir. Hier befindet sich eine archäologische Fundstätte genannten Hotels o. ä. in Zimmern mit Bad oder sowie Preiserhöhungen oder -anpassungen aufgrund
aus dem Mesolithikum und Neolithikum. Dusche / WC von staatlichen Abgabeänderungen, Zuschlägen
¢ Mahlzeiten lt. Reiseprogramm (F = Frühstück / (z. B. Kerosin) müssen wir uns ausdrücklich vorbehalten. Die
9. Tag: Ausflug Golubac – Ram – Viminacium – M = Mittagessen / A = Abendessen) Klassifizierung der Hotels entspricht der Landeskategorie.
Belgrad (F/A)
Auf der Fahrt zurück nach Belgrad besichtigen wir die
Festung Golubac. Sie steht auf einem Kamm der
Donau am Eingang zur Djerdap-Schlucht, in einer land-
schaftlich außerordentlich reizvollen Lage. In ihrer
heute noch sichtbaren Form stammt die Festung aus www.antikewelt.de – Stichwort: Serbien
dem 14. Jh. Die nicht weniger beeindruckende Festung
Ram wurde von den Osmanen gebaut. Einen weiteren
Höhepunkt aus der Römerzeit vermittelt die Besichti-
gung der Ausgrabungen von Viminacium. Militärlager Veranstalter
und Zivilstadt prägten das Leben über viele Jahrhun-
derte hinweg. Sehr gut erhalten ist das Amphitheater,
das 12 000 Menschen Platz bot. Dazu kommen öffentli- Karawane Reisen GmbH & Co. KG
che Bäder, Aquädukte und Nekropolen. Die Funde sind Schorndorfer Str. 149 · D-71638 Ludwigsburg
im Museum von Pozarevac ausgestellt. Übernachtung:
Design Hotel Astoria****. Ansprechpartner: Nicole Heldmann Tel. + (0) 7141 2848-13
Tel. +49 (0)7141 2848-13 · Fax. +49 (0)7141 28 48-45
10. Tag: Belgrad – Frankfurt (F) E-Mail: nicole.heldmann@karawane.de · Internet: www.karawane.de
Am Morgen besuchen Sie noch das Nationalmuseum in
Gerne senden wir Ihnen unser ausführliches Programm zu.
Belgrad. Von besonderem Interesse sind hier die Funde
aus den Ausgrabungen von Lepenski Vir und Vinca. An- Es gelten die Reisebedingungen des Veranstalters Karawane Reisen GmbH & Co. KG
schließend Transfer zum Flughafen für Ihren Rückflug
nach Frankfurt. Dort Ankunft gegen 16 Uhr und individu-
elle Heimreise.
In Kooperation mit dem Verlag Philipp von Zabern und der Zeitschrift ANTIKE WELT
ENDE DER REISE
BUCHHALTER, NOTARE, KAMELZÜCHTER
Säkulare Verdienstmöglichkeiten ägyptischer Priester

Sak ale Rituale i Te pel a e fü die eiste äg pis he P ieste u ei e Teilzeit­


es hätigu g: Die lä gste )eit des Jah es e die te sie ih e Le e su te halt
it eltli he Be ufe . I el he E e sz eige sie täig a e u d el he Ve ä de­
u ge ih e Welt seit A u h de ö is he He s hat a . Ch . u te ­
o fe a , illust ie e Pap uste te ie die aus de lä dli he Siedlu ge des Fa u .

o Be ja i Sippel Petition. Aus dem Text erfahren wir, weise war dies dem betrügerischen
dass Pabus in der örtlichen Zollsta- Zöllner zur Kenntnis gekommen, der

I n Soknopaiu Nesos, einem abgele-


genen Dorf im Norden des Fayum
(Abb. 1), spielte sich im Jahr 139 n. Chr.
tion als bewaffneter Wächter arbei-
tete. Bald bemerkte er, dass sein Vor-
gesetzter Zolleinnahmen unterschlug.
seinen Untergebenen daraufhin erst
verprügelte und dann verschleppen
ließ: Unter Peitschenhieben sollte
ein regelrechter Kriminalfall ab. Die Den Behörden habe Pabus darauf- der arme Pabus die Originalakten der
Vorgänge schilderte der Priester Pa- hin Abschriften der fraglichen Akten Zollstation wieder herausgeben. Was
bus in einer auf Papyrus notierten zur Prüfung vorgelegt. Unglücklicher- geschah, nachdem diese Ereignisse

Abb. 1 Beinahe wie ein riesiges, grünes Lindenblatt wächst das Fayum südwestlich von Kairo in die Wüste hinein. An den Rändern des Beckens
finden sich die Ruinen mehrerer antiker Siedlungen. Soknopaiu Nesos befand sich nördlich des großen Qarunsees und wird heute intensiv erforscht,
ebenso die Ruinen der Siedlung von Tebtynis im Süden.

66
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

Abb.   
Ein beliebtes Angebot der Tempel waren Losorakel: Gemeinsam mit einem
Priester formulierte der Klient mehrere Zettel nach dem Muster «Wenn
mir dies geschieht/ich dies tun soll, gib mir dieses [Los] heraus». Die Lose
wurden dann dem Orakelgott übergeben, der als Antwort einen der
Zettel wieder herausgab. Die Texte geben einen guten Einblick in die alltägli-
chen Sorgen und Wünsche der Bevölkerung. Im vorliegenden Los war
z. B. einem Mann die Ehefrau davongelaufen. Nun fragte er, ob sie freiwil-
lig zu ihm zurückkehren werde oder ob er sich dafür erst zu ihr begeben
müsse.

Abb.   
Die Ägypterin Herieus kaufte ihrer Mutter Thases ein zweistöckiges Haus
in Soknopaiu Nesos ab. Am 8. Mai des Jahres n. Chr. fanden sich Mut-
ter und Tochter im dortigen «grapheion» ein, um das Geschäft durch einen
bilinguen Kaufvertrag zu beurkunden. Der obere Part ist in ägyptischer,
genauer in demotischer Schrift verfasst, der untere Teil ist das griechische
Gegenstück. Beide Texte wurden wahrscheinlich von demselben Schreiber,
nämlich dem Notar und Priester Tesenuphis verfasst. Berücksichtigt man
den enormen Platzverbrauch des demotischen Textes, so wird verständ-
lich, warum die ägyptischen Parts später eingespart wurden.

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ANTIKE WELT 6/18
BUCHHALTER, NOTARE, KAMELZÜCHTER – Säkula e Ve die st ögli hkeite äg pis he P ieste

Abb. )m April n. Chr. erstattete Pakysis Anzeige gegen die Nachbarn seiner Schwiegertoch-
ter, weil diese aus einem Lagerraum Getreidevorräte gestohlen hatten. Für die Ausfertigung der den römischen Behörden zu Ohren
Petition griff er offensichtlich auf einen professionellen Schreiber zurück, denn das Schriftbild des gekommen waren, ist durch eine grö-
Textes ist sauber und die Sprache gewählt. Im unteren Drittel ließ der Schreiber einen Freiraum, ßere Lücke im Papyrus verloren ge-
damit Pakysis eigenhändig unterschreiben konnte. Bei seiner Unterschrift unterliefen diesem aber
nicht nur zwei grammatikalische Fehler, sondern seine Handschrift ist, wie auf dem Foto erkenn- gangen. Zuletzt bat Pabus jedenfalls
bar, deutlich ungelenker als die des Schreibers. Trotzdem ist diese Unterschrift von unschätzbarem darum, die zwei Delinquenten einem
Wert, denn nur sie machte es möglich, Pakysis als Buchhalter eines Landgutes zu identifizieren:
Offenbar gelang es, den Streit doch noch formlos zu schlichten, weshalb Pakysis die Petition nie ab- Richter vorzuführen, wo er Beweise
gesendet hatte, sondern ihre Rückseiten für seine Abrechnungen wiederverwendete. gegen sie vorlegen wolle. Ob den Zöll-
ner eine gerechte Strafe ereilte, wis-
sen wir nicht. Doch gehen wir einen
Schritt zurück: Ein Priester, der sich
als bewaffneter Wächter in einer Zoll-
station verdingte?

Das P ieste a t
Um zu verstehen, welche Freihei-
ten die Priester außerhalb der Tem-
pelmauern besaßen, muss man ihren
Dienstplan kennen: Das Kollegium je-
des Tempels war erst in vier, seit dem
Dekret von Kanopus 8 v. Chr. in
fünf «Teams» eingeteilt (ägyptisch:
sâu oder nach dem Griechischen: Phy-
len). Die Priester der diensthaben-
den Phyle blieben für einen Monat im
Tempel, um dort Rituale zu versehen,
Feste auszurichten und den Kultan-
hängern religiöse Dienste und Objekte
wie Orakel, Horoskope und magische
Amulette anzubieten (Abb. 2).
Mit geregelten Schlafenszeiten, Fas-
tenperioden und Priesterzellen auf dem
Tempelbezirk glich ihr Alltag in man-
cherlei Hinsicht dem der Mönche, die
seit dem . Jh. n. Chr. in Ägypten die ers-
ten Klöster gründeten. Im Unterschied
zu den Mönchsgemeinden konnten die
Priester der ägyptischen Kulte jedoch
nach Ablauf ihrer Dienstzeit unbehel-
ligt ihrer Wege gehen, bis ihre Gruppe
wieder an der Reihe war. Wechselten
sich fünf Phylen nacheinander ab, dann
nahm ein Priester aufs Jahr gerechnet
also lediglich 2 bis 3 Monate an den
Opferritualen teil. Nur hohe Amtsträ-
ger wie der Prophet als leitender Kult-
funktionär blieben über längere Zeit
im Amt, sie bezogen dafür aber auch
nennenswerte Pfründen. Die Amtsträ-
ger niederen Ranges mussten dage-
gen außerhalb ihrer Dienstzeit ihren
Lebensunterhalt selbst bestreiten. So

68
THEMENPANORAMA

Abb. 5 Wohin das Wasser des Nils gelangt, da blüht und gedeiht der Boden. Auch wenn der Lauf des Wassers heute berechenbar geworden ist,
arbeiten die Bauern oft noch mit vorindustriellen Methoden. Wo aber Maschinen fehlen, da leisten Arbeitstiere wertvolle Dienste.

Abb. 6 Schon seit Jahrtausenden durchziehen Karawanen die Wüsten Nordafrikas. Für den Transport eignen sich die ausdauernden Kamele und
Dromedare besonders gut. Entlang der Karawanenrouten bot sich die Zucht dieser Tiere daher an.

69
ANTIKE WELT 6/18
BUCHHALTER, NOTARE, KAMELZÜCHTER – Säkula e Ve die st ögli hkeite äg pis he P ieste

stellt sich die Frage, welchen Erwerbs- Nota iatss h ei e eine Sache der Notare. In Tradition zu
tätigkeiten sie nachgingen. Die Antwort Ob Hauskauf, Kredit, Eheschließung vorhergehenden Epochen nahmen in
wird ein Licht auf die ägyptische Gesell- oder letzter Wille: Schon in der Antike ptolemäischer Zeit (332–30 v. Chr.)
schaft in römischer Zeit werfen. war die Beurkundung solcher Anlässe zunächst die ägyptischen Tempel nota-

Abb. 7 Eine mühselige Angelegenheit: Wie an dieser Sitzstatue aus Sakkara zu sehen, aber auch aus literarischen Anmerkungen bekannt ist, schrieb man in
der Antike im Sitzen, das Blatt auf den Knien platziert und ein Tintenfass in Reichweite. Weitaus bequemere Schreibtische kamen erst später in Gebrauch.

ANTIKE WELT 6/18


THEMENPANORAMA

rielle Funktionen wahr. Parallel dazu men. Unter einem grapheion darf man Gegenzug durften die Notare eine Ge-
richteten die Ptolemäer später sog. gra- sich eine Schreibstube vorstellen, die bühr von ihren Klienten erheben, mit
pheia ein, die in römischer Zeit sämt- sich im Haus ihres Leiters befand. Die der sie sich selbst und weitere Schrei-
liche notariellen Aufgaben übernah- Leitungsposition war zu pachten. Im ber finanzierten.
Auch Priester waren in den grapheia
anzutreffen, insbesondere als Schrei-
ber der ägyptischen Parts sog. Bilin-
guen. Gemeint sind damit Verträge,
die sowohl in ägyptischer als auch in
griechischer Sprache verfasst wur-
den. Der eine Teil war allerdings keine
Übersetzung des anderen. Vielmehr
beurkundeten beide Texte, zusammen
auf einem Blatt notiert, dasselbe Ge-
schäft aus Perspektive der jeweiligen
Rechtstradition, das heißt mit den ent-
sprechenden Klauseln und Formulie-
rungen (Abb. 3). Diese Vertragsform
entwickelte sich in ptolemäischer Zeit
aus griechischen Vermerken in ägyp-
tischen Urkunden, die den griechisch
sprechenden Behörden und Richtern
Aufschluss über die Geschäfte der Ein-
heimischen geben sollten. Da in dieser
Zeit nur noch Priester die ägyptischen
Schriftsysteme lehrten und lernten,
waren sie als Schreiber für die ägypti-
schen Parts prädestiniert.
So zahlte der Leiter des grapheion
von Tebtynis im Süden des Fayum
dem Vorlesepriester Onnophris im
frühen . Jh. n. Chr. ein gutes (onorar
für die Ausfertigung ägyptischer Ur-
kunden. Etwa zur selben Zeit pachtete
der Priester Tesenuphis das grapheion
von Soknopaiu Nesos ganz und gar auf
eigene Faust. Neben diesen beiden
hinterließen noch viele andere Pries-
ter ihre Spuren in Notariatsstuben.
Das Pfand, mit dem die Kultspezia-
listen als Notare wuchern konnten –
die ägyptische Schrift – verlor in rö-
mischer Zeit jedoch bald an Wert: War
es unter den Ptolemäern gebräuch-
lich gewesen, entsprechend der Her-
kunft der Parteien Gerichtsprozesse
nach ägyptischem oder griechischem
Recht zu führen, erkannte die römi-
sche Rechtsprechung nur noch grie-
chische Urkunden an. Das ägyptische
Recht war nicht mehr einzubeziehen.

71
ANTIKE WELT 6/18
BUCHHALTER, NOTARE, KAMELZÜCHTER – Säkula e Ve die st ögli hkeite äg pis he P ieste

tat sich der etwa 50-jährige dabei mit


der griechischen Schriftsprache. So
schrieb er in recht ungelenken Lettern
und leistete sich einige grammatikali-
sche Schnitzer. Sparsam war Pakysis
außerdem, denn er notierte seine Ab-
rechnungen auf den leeren Rückseiten
gebrauchter Papyrusblätter. Eines die-
ser «Schmierpapyri» war der Entwurf
einer Petition (Abb. 4).
Entlohnt wurde er als Buchhalter
mit einem Gehalt von 40 Drachmen
pro Monat. Der Vergleich von Gehäl-
tern in der Antike bietet zwar kaum
Aussagekraft, weil die Quellendecke
dünn ist, Löhne zuweilen in Natura-
lien ausgezahlt wurden und Preise,
Abb. 8 Kahlrasierte Häupter, weiße Leinengewänder und Sandalen aus Bast: So traten die ägypti-
schen Priester typischerweise während ihrer Dienstzeit auf. Bei öffentlichen Prozessionen trugen an denen sich die Kaufkraft bemessen
sie dann Götterbildnisse durch die Reihen der Festbesucher, so wie auf diesem Berliner Totenbuch- lässt, kurzfristigen sowie regionalen
papyrus illustriert.
Schwankungen unterlagen. Dennoch
rangierte Pakysis wohl in der oberen
Gehaltskategorie in der Region.
Die Bilinguen, die viel Zeit, Papyrus durch eine unter den ersten römischen Dass sich Amtsträger ägyptischer
und Tinte kosteten, waren somit ob- Kaisern vollzogene Land- und Steuer- Kulte wie Kronion und Pakysis als
solet geworden, denn vor Gericht wa- reform, riesige Privatländereien in Buchhalter und Verwalter von Land-
ren sie im Zweifelsfall unbrauchbar. Ägypten erwarben. Für deren Verwal- gütern betätigten, war jedoch selten.
Notare und Vertragsparteien konnten tung stellten die fernab wohnenden Meist griffen die Großgrundbesitzer
sich diese Urkundenform also sparen. Besitzer eigens Personal ein. auf ihr engeres Umfeld zurück, etwa
Infolgedessen starben Bilinguen im So verwaltete ein gewisser Kronion auf Verwandte, Freunde oder sogar
Laufe des . Jhs. n. Chr. aus. Damit kam im . Jh. n. Chr. die Ländereien der ihre Sklaven. Den meisten Priestern
den Priestern nicht nur eine lukrative Großgrundbesitzerin Diogenis bei Teb- entging somit eine lukrative Einkom-
Einnahmequelle abhanden, sie ver- tynis. Verwalter war Kronion, der im mensmöglichkeit.
schwanden auch zu einem gewissen . Jh. n. Chr. im Dienst einer gewissen
Grad aus der Öffentlichkeit, denn die Diogenis agierte und ihre Ländereien A ke au, Viehzu ht, Klei ge­
meisten Notare, die sich fortan fassen bei Tebtynis verwaltete. Zwei Briefe, werbe und Handwerk
lassen, entstammten der griechischen die sie an ihn schrieb, geben Aufschluss Die Landwirtschaft war das Rückgrat
oder hellenisierten Bevölkerung. über sein Aufgabenspektrum: Er sollte der antiken Gesellschaften und bot ge-
Getreide verkaufen, Schulden eintrei- rade in Ägypten vielen Menschen eine
Ve alte u d Bu hhalte ben, Bauarbeiten beaufsichtigen, Texti- Betätigung (Abb. 5). Priester und an-
Weizen für Opferbrote, Öl für die Be- lien reinigen, Briefe versenden und auf dere Landbewohner bewirtschafteten
leuchtung oder Balsam für die Pflege «die kleine Isidora» aufpassen. oft im Familienverband Parzellen, auf
der Götterstatuen: Die Tempelkolle- Ein anderes Beispiel ist Pakysis aus denen sie auch Kleinvieh wie Ziegen
gien waren auf ein komplexes Zuliefe- Soknopaiu Nesos. Im lokalen Tempel und Schafe hielten.
rungssystem angewiesen. Die Kontakte hielt er das Amt des Stolisten inne. Das Ein Priester, der sein Leben lang
und Erfahrungen, die manche Priester heißt, er war dafür verantwortlich, die Bauer gewesen war, fragte im Alter
hier sammelten, konnten sie ebenso Götterfiguren für Rituale einzukleiden von 70 Jahren an, ob er auf einem kai-
gut als Verwalter privater Landgüter zu (Abb. 8). Neben dieser prestigeträch- serlichen Landgut Binsen schneiden
barer Münze machen. Solche Verwal- tigen Aufgabe verdingte er sich seit und daraus Körbe zum Verkauf flech-
ter spielten eine zunehmend wichtige 212 n. Chr. als Buchhalter eines Land- ten dürfe. Ein anderer baute Kürbis-
Rolle, seitdem römische Aristokraten gutes, wo er Geld- und Warenbewe- gewächse an, die ihm jedoch ein Dieb
und wohlhabende Städter, begünstigt gungen abrechnete. Sichtlich schwer dreist aus seinem Garten stahl. Wie-

72
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

der andere verdingten sich als Dattel- gene Berufssteuer zahlen. Priester
verkäufer, Fährleute, Fischer, Mühlen- verbrachten ihre Kindheit dagegen Adresse des Autors

besitzer oder Vorarbeiter. Prinzipiell beim Unterricht im Tempel und muss- Be ja i Sippel, M. A.
U i e sität E fu t, Ma ­We e ­Kolleg fü kultu ­ u d
unterschieden sie sich damit nicht von ten überdies eine eigene Amtsgebühr sozial isse s hatli he Studie
Stei platz
der übrigen Landbevölkerung, die ir- entrichten. Zweigleisigkeit verbot sich D­ E fu t
gendwie ihr Auskommen suchte und daher vermutlich aus praktischen
sich nicht selten gegen Kriminelle weh- Gründen. Bildnachweis
ren musste. A . : © Pe els CC C eai e Co o s ; : © Staat­
li he Musee zu Be li � Äg pis hes Museu u d
Glücklich schätzen konnte sich hin- I Rü k li k et a htet … Pap ussa lu g, Be li e Pap usdate a k, P. ;
: © Staatli he Musee zu Be li – Äg pis hes Mu­
gegen, wer eine Schlüsselstellung am … konnte niemand anderes als Pabus seu u d Pap ussa lu g, Be li e Pap usdate ­
a k, P. + P. ; : © Staatli he Musee zu
Markt eroberte. So gelang es mehre- in die eingangs geschilderte Situation Be li – Äg pis hes Museu u d Pap ussa lu g,
ren Priesterfamilien aus Soknopaiu geraten: Welcher Wächter hätte die Be li e Pap usdate a k, P. R; : Wiki edia
Co o s CC­BY­ . , Foto: A d e ®; : Pi a a
Nesos, in der Kamelzucht Fuß zu fas- Courage besessen, seinen einflussrei- CC C eai e Co o s ; : Wiki edia Co o s
CC BY­SA . FR , Foto: Ra a; : © Staatli he Musee
sen und Herden von einem Dutzend chen Vorgesetzten anzuzeigen, wenn zu Be li – Äg pis hes Museu u d Pap ussa ­
lu g, P. .
und mehr Tieren zu halten (Abb. 6). nicht der Angehörige einer eben-
Da Soknopaiu Nesos der Ausgangs- falls privilegierten Statusgruppe? Wer
Literatur
punkt einer Karawanenroute nach sonst hätte in einem Dorf am Rande
G. CLAYTOR / N. LITINAS / E. NABNEY, La o Co t a ts
Alexandria und in das Nildelta war, der Wüste über die Fähigkeit verfügt, f o the Ha thotes A hi e, i : Bullei of the A e i a
So iet of Pap ologists – .
bot sich die Zucht der Tiere hier an. lange Rechnungslisten abzuschreiben,
Aus Kaufverträgen und Besitzdeklara- wenn nicht jemand, der das Schreiben K. GEENS, Pak sis so of Tese ouphis, p iest, i : K. Va ­
do pe / W. Cla sse / H. Ve eth Hgg. , G ae o­Ro a
tionen geht hervor, dass die Einheimi- aus der Tempelverwaltung gewohnt A hi es f o the Fa u – .

schen regelrechte Investitionspartner- war (Abb. 7)? In einer Zeit, in der sich A. JÖRDENS, Sozialst uktu e i A eitsie ha del des
kaise zeitli he Äg pte , i : T he – .
schaften mit wohlhabenden Städtern die ägyptischen Priester kaum noch
eingingen: Die einen versahen Zucht, als Notare betätigten und zugleich sel- S. LIPPERT / M. SCHENTULEIT, De ois he Doku e te
aus Di e III. U ku de .
Haltung und Warentransport vor Ort, ten in die lukrative Position als Ver-
F. MITTHOF, Bet üge is he )oll ea te u d de P o u a­
die anderen kamen finanziell für den walter von Großgrundbesitzern ge- to Usia us. Be e ku ge zu P. A h. II , i : )eits h it
fü Pap ologie u d Epig aphik – .
Unterhalt der Tiere auf. rieten, bot der Dienst als Wächter ein
Nur als Handwerker waren Priester gutes Einkommen. Die städtischen Eli- B. MUHS, The G apheio a d the Disappea a e of De­
oi Co t a ts i Ea l Ro a Te t is a d Sok opaiou
nicht tätig. Dies mag zum einen daran ten, die allerorten Schlüsselpositio- Nesos, i : S. Lippe t / M. S he tuleit H sg. , Te t is
u d Sok opaiu Nesos. Le e i ö e zeitli he Faju
liegen, dass ihnen die Ausübung be- nen besetzten, aber auch die Gewalt, – .
stimmter Berufe aus Reinheitsgründen die die Priester zu dieser Zeit erlitten,
M. SCHENTULEIT, Sata us aus Sok opaiu Nesos. Aus
verboten war. Zum anderen wurden zeugen indes davon, dass vor den To- de Le e ei es P ieste s a Begi de ö is he
Kaise zeit, i : Ch o i ue d‘Ég pte – .
Handwerker schon von Kindesbeinen ren der Tempel nunmehr ein rauerer
an ausgebildet und mussten eine ei- Wind wehte.

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ARCHÆOLOGISCHES
MUSEUM FrankFurt
karmelitergasse 1, 60311 Frankfurt am Main
www.archaeologisches-museum-frankfurt.de

ANTIKE WELT 6/18


DAS WUNDER VON MONTECASSINO
Eine dramatische Rettungsaktion archäologischer Sammlungsbestände
im Zweiten Weltkrieg

Vor 75 Jahren diente die Abtei von Montecassino als Bergeort für kriegsbedrohte Kunstge­
genstände und archäologische Sammlungsgüter. Die Behörden vertrauten auf die Un­
erletzli hkeit dieses Muterklosters der Be ediki er u d auf die Stärke sei er festu gs­
arige Mauer . A er sie sollte si h irre . Als die Fro t die Höhe o Cassi o errei ht
hate, zerstörte alliierte A grife au h das Kloster. Dass Mö he, Bergegüter u d a dere
Kulturs hätze aus der A tei geretet urde , erdie t de Na e des «Wu ders o
Montecassino».

Abb.  Gregorio Diamare, Erzabt von Montecassino, mit Oberstleutnant Julius Schlegel vor einer
zum Abtransport bereiten Kiste mit Bergegütern. von Günther E. Thüry

ls Neapel im Zweiten Weltkrieg Ziel


A von Bombenangriffen wird, stellt
sich das Problem, wie dort die ar-
chäologischen Schätze des National-
museums gesichert werden sollen.
Das italienische Bildungsministerium
ordnet 1943 an, die wertvollsten Be-
stände in die Abtei von Montecassino
zu schaffen; und so lässt Museums-
direktor Amedeo Maiuri im Sommer
dieses Jahres 87 Kisten packen. Zu-
sammen mit 100 Kisten aus der Ge-
mäldesammlung in Neapel werden sie
im Kloster eingelagert.
Wie Maiuri in seinem Neapolitani-
schen Notizbuch (Taccuino napoletano)
berichtet, besorgen fünf Armeelast-
wagen am 13. Juni 1943 den ersten
Bergungstransport. Der «heikelste
und bedrohteste Teil der Museums-
bestände» wird in einem Raum un-
terhalb des Kapitelsaals verstaut. Zur
Aufsicht bleiben auch zwei Wachper-
sonen des Museums von Neapel in der
Abtei zurück.
Als das Ministerium im August ei-
nen zweiten Transport auf drei Last-
wagen in die Wege leitet, macht sich
Maiuri «im Gegensatz zur ministeri-
ellen Zuversicht keine allzu großen
Hoffnungen auf die Unverletzlich-

74
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

keit der Abtei». Die Deutschen berei-


ten im Raum von Cassino schon eine
neue Verteidigungsstellung vor; «und
Gott allein weiß, was aus der Abtei
wird».

Gefahr für Montecassino


Am Morgen des . Oktober 9 ba-
ten zwei Offiziere der «Fallschirm-Pan-
zerdivision Hermann Göring» beim
Erzabt von Montecassino um Audienz:
Oberstleutnant Julius Schlegel und der
Truppenarzt der Sturmgeschützabtei-
lung Hauptmann Maximilian J. Becker.
Sie teilten mit, das Klostergelände liege
unmittelbar an der künftigen deut-
Abb.  Entladen der Lastwagen auf der Piazza Venezia am . Januar 9 . Im Hintergrund die
schen Verteidigungslinie, der sog. Gus- Fassade des Palazzo Venezia.
tav-Stellung. Die Mönche und die be-
weglichen Kulturgüter müssten daher
in Sicherheit gebracht werden.
Hauptmann Becker – schon zu- Deutschen nur die Kulturgüter in die wichtigsten beweglichen Kunstschätze,
vor um die Bergung italienischer Bi- Hand bekommen wollten. Aber der Archivalien und Bücher (schließlich
bliotheksbestände verdient – hatte am Abt war der Meinung, man müsse sich auch mit dem Segen des Divisionskom-
. Oktober verschiedene Stabsoffi- den Militärs fügen; und eine Räumung mandanten) bis zum 3. November er-
ziere kontaktiert und angeregt, die des Klosters garantiere eher ein Über- folgreich abgeschlossen wurde, ist sein
beweglichen Kulturgüter der Abtei leben der Objekte. Verdienst. Der Benediktinermönch
zu evakuieren. Einer von ihnen hatte Am . Oktober wurde Becker und und Historiker Don Tommaso Leccis-
sich deshalb an Schlegel gewandt, Schlegel daher mitgeteilt, dass man mit sotti notierte freilich in sein Tagebuch,
der als Kommandeur der Instandset- der Räumung einverstanden sei. Aller- dass Aussagen Schlegels mit Vorsicht
zungsabteilung auf die Fahrzeuge aus dings waren schon seit Wochen Wert- zu betrachten seien und dass er sich
dem Fuhrpark der Division zugrei- gegenstände versteckt und vergraben so gebärde, als sei er der alleinige Ret-
fen konnte. Auch Schlegel war, wie er worden, von deren Existenz die Deut- ter. Tatsächlich dürfen auch Schlegels
später schrieb, seit Anfang Oktober schen nichts erfuhren; und auf die Kis- 1951 veröffentlichte Erinnerungen an
mit dem Gedanken umgegangen, die ten mit dem Bergegut aus Neapel wur- die Bergungsaktion nicht unkritisch
Kulturschätze des Klosters vor mög- den sie nur deshalb aufmerksam, weil gelesen werden. Einige Details erwei-
licher Zerstörung zu retten. sie die beiden neapolitanischen Muse- sen sich im Zusammenhang mit den
Um dieses Ziel zu erreichen, behaup- umsangestellten, die sich im Kloster übrigen Quellen als nicht korrekt; und
tete Schlegel im Gespräch mit dem Abt, aufhielten, darauf hinwiesen. die Verdienste Beckers sind kaum ge-
der Divisionskommandeur habe ihn würdigt.
beauftragt auszurichten, dass die Räu- Ei e te h is h perfekte Retu gs­
mung des Klosters notwendig sei. Das akio Das Depot bei Spoleto
war eine mutige Lüge, die bei den Mön- Ohne Verzug begannen am . Okto- Wie gesagt: In Montecassino befürch-
chen aber eine gewisse Wirkung zeigte. ber 1943 – vier Monate vor der Zer- teten Mönche, dass die Bergungsak-
Damit sie über die Lage beraten konn- störung des Klosters – die Bergungs- tion nur der erste Akt eines Kunstraubs
ten, räumte ihnen Schlegel 48 Stunden arbeiten. Schlegel hatte Holz für war. Die Transporte von Kirchenbesitz,
Bedenkzeit ein. Transportkisten beschafft und stellte die jeweils von Benediktinern begleitet
Die Klostergemeinschaft nutzte diese Soldaten und Fahrzeuge. Die Kisten wurden, erreichten aber unangetastet
Frist für eine hitzige Diskussion. Ein wurden gezimmert, gepackt und auf ihr Ziel: nämlich Rom und den neut-
Teil der Benediktiner glaubte nicht Lastwagen aus der Abtei gebracht. ralen Boden des Vatikan. Bergegüter,
an die Möglichkeit einer Zerstörung Schlegel war ein begabter Organisa- die dem italienischen Staat gehörten,
des Klosters und befürchtete, dass die tor. Dass die Bergung wenigstens der wurden dagegen auf militärisch be-
DAS WUNDER VON MONTECASSINO – Ei e dra ais he Retu gsakio ar häologis her Sa lu gs estä de i ) eite Weltkrieg

wachtes Gelände weit hinter der Front chen der Front notfalls weiter nach Nor- schutz und das Armee-Oberkommando
gebracht: in ein Materiallager der Divi- den transportiert werden müssten. Südwest der Sache angenommen. Der
sion bei Spoleto. Das betraf auch den Die italienischen und deutschen Oberkommandierende Südwest, Ge-
archäologischen Museumsbesitz – ab- Behörden in Rom erfuhren erst Ende neralfeldmarschall Albert Kesselring,
gesehen nur von den Münzen aus Syra- Oktober von der Existenz des Depots gab der Division Befehl, das Lager zu
kus, die von den Mönchen sicherheits- der Division. Aber auch den Medien räumen und den Inhalt nach Rom zu
halber in ihrem persönlichen Gepäck blieb die Sache nicht unbekannt. So bringen – eine Reaktion, an deren Zu-
verborgen und heimlich nach Rom ge- musste Amedeo Maiuri am 7. Novem- standekommen General Frido von
schafft wurden. Diese Möglichkeit gab ber in der Zeitung lesen, die Objekte Senger und Etterlin entscheidenden
es bei den vielen Kisten sperriger Ob- seien von den Deutschen «mit unbe- Anteil hatte. Der Vatikan erklärte sich
jekte aus Neapel nicht. kanntem Bestimmungsort nach Nor- bereit, den Objekten vorläufiges Asyl
Das Misstrauen der Benediktiner den» geschafft worden. Von der Sorge zu gewähren. Da die Militärlastwa-
wurde dadurch genährt, dass die Deut- bedrückt, es handle sich um einen Fall gen den Boden des neutralen Vatikan
schen den Bergeort bei Spoleto zu- von Kunstraub, schlug er seinerseits nicht betreten durften, hatte ein ers-
nächst geheim hielten. Becker und in einem Interview der «New York ter Transport mit Büchern und Archi-
Schlegel hatten über das weitere Schick- Times» Alarm. valien die Engelsburg zum Ziel; und
sal der Objekte nur gesagt, dass sie dem Hinter den Kulissen hatten sich in- ein zweiter entlud am . Januar
italienischen Staat erhalten bleiben soll- zwischen – unter anderem – der Vati- Kisten aus Neapel auf der Piazza Ve-
ten und bei einem weiteren Zurückwei- kan, der deutsche militärische Kunst- nezia.

Abb.  Das Kloster nach der Zerstörung. Britische Luftaufnahme 9 .

76
TIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

«Ges he ke» für de Rei hs­


marschall
Als die Vollständigkeit des Transports
vom 4. Januar überprüft wurde, zeigte
sich allerdings, dass 15 Kisten fehlten.
Was war damit geschehen? Becker be-
richtet, dass man ihn schon während
der Bergeaktion mit der Mitteilung
entsetzt habe: Die «Division Hermann
Göring», die in enger Beziehung zu ih-
rem Namengeber und auch zur Par-
tei stand, habe an den Adjutanten des
Reichsmarschalls Göring geschrie-
ben und angeregt, er solle doch einen
Sachverständigen nach Italien schi-
cken und durch ihn einige der Berge-
güter für Görings private Sammlung
auswählen lassen. Die Division wolle
sie dem Marschall zum 51. Geburts-
tag schenken. Tatsächlich erschien
dann der Leiter der Sammlungen Gö-
rings, Walter Andreas Hofer, im Depot
Abb.  Britischer Soldat in den Trümmern des Klosters. 9 .
bei Spoleto und traf eine Auswahl. Als
das Fehlen der Kisten in Rom bemerkt
wurde, waren sie schon nach Deutsch-
land gebracht worden.
Wie Auswahl und Abtransport der Schutz der Kulturgüter in bewaffneten Literatur
für Göring bestimmten Objekte zeigt, Konflikten lehrt –, können auch Eigen- R. BÖHMLER, Mo te Cassi o ² .

sollte der Kunstraub das übrige Depot initiativen von Armeekommandanten R. M. EDSEL, Sa i g Italy. The Ra e to Res ue a Naio ’s
Treasures fro the Nazis .
wohl nicht betreffen. und von einzelnen kulturbewussten
CHR. FUHRMEISTER, Verlageru gs­ u d Bergu gsakio­
Offizieren Entscheidendes beitragen. e i Italie i ) eite Weltkrieg i Ü er li k, i : P.
S höl erger / S. Loifell er Hrsg. , Bergu g o Kultur­
Hei kehr a h Neapel Wie in der Militärgeschichte allge- gut i Naio alsozialis us − .
Im Juli 1944 hat Maiuri im Vatikan mein, so gilt auch hier: Wer sich auf B. GENTILE / F. BIANCHINI, I isteri dell’A azia. La e­
die dorthin gelangten Bergegüter aus den Standpunkt zurückziehen möchte, rità sul tesoro di Mo te assi o .

Neapel erstmals wieder gesehen. Der die Einzelperson (abgesehen von Mit- Il bombardamento di Montecassino. Miscellanea cassi­
ese .
Rest wird später auf dem Gebiet des gliedern der politischen Führungs-
A. KESSELRING, Soldat is zu letzte Tag .
Deutschen Reiches wiederentdeckt. schicht) könne historisch so gut wie
L. KLINKHAMMER, Die A teilu g «Ku sts hutz» der
Maiuri nennt an solchen «Spätheim- nichts ausrichten, der irrt. deuts he Militär er altu g i Italie − ,i :
Quelle u d Fors hu ge aus italie is he Bi liotheke
kehrern» einen «Behälter mit Gold- u d Ar hi e − .
objekten», den «Apoll mit der Kithara J. LANG, O erstleut a t Julius S hlegel. Reter der Ku st­
aus Pompeji und eine der Tänzerin- s hätze des Klosters Mo te assi o o. J. [a er ].

nen aus Herculaneum.» F. MAJDALANY, Mo te Cassi o. Porträt ei er S hla ht


Adresse des Autors .
Prof. Mag. Dr. Dr. h.c. Günther E. Thüry A. MAIURI, Ta ui o apoleta o .
Schlussgedanken Zum Alten Weinstock 10
A­ Götles ru E. MUNDING, Der U terga g o Mo te assi o a
Gewiss: Für einen Schutz von Kultur- . Fe ruar o. J. [a er ].
gütern im Krieg können und müssen Bildnachweis J. SCHLEGEL, Mei Wag is i Mo te Cassi o, i :
Die österrei his he Fur he , , Nr. − .
völkerrechtliche Vorgaben und staatli- A . : Wiki edia, ge ei frei. Bu desar hi , Bild I­
. .− . . .
­ ­ /Meister/CC­BY­SA . ; : Wiki edia, ge­
che Maßnahmen sorgen. Aber wie die ei frei. Bu desar hi , Bild I­ ­ ­ /Li ke/ DERS., Mo te Cassi o – ei E de u d ei A fa g, i :
CC­BY­SA . ; : By Baker F/O , Royal Air For e oi ial
hier dargestellten Ereignisse zeigen – photographer [Pu li do ai ], ia Wiki edia Co o s,
e d. Nr. . . . .

und wie überhaupt eine Betrachtung I perial War Museu ; : By War Oi e oi ial photo­ F. VON SENGER UND ETTERLIN, Krieg i Europa .
grapher, Ta er Capt [Pu li do ai ], ia Wiki edia
der Geschichte von Zerstörung und Co o s, I perial War Museu .

77
ANTIKE WELT 6/18
DER EWIG JUNGE HERKULES
Zwischen Mythos, Mensch und Marvel-Held

Wer kennt ihn nicht? Als mythische Figur und Comicheld ist Herkules allseits bekannt und in
de ers hiede ste Ge res präse t. Die a . Septe er i Turi eröf ete
Ausstellung «Herkules und sein Mythos» widmet sich eben diesem griechischen Heros
(grie. Herakles), der heute vor allem unter seinem lateinischen Namen Herkules be-
kannt ist. Die Ausstellung nimmt ihn ganzheitlich in den Blick: als Figur und Symbol von
der A ike is i die Gege art.

«Als Herakles im Begriffe stand, aus dem Knaben- in das Jünglingsalter überzutreten, in dem die Jünglinge bereits
selbstständig werden und zeigen, ob sie den Weg der Tugend oder des Lasters zu ihrem Lebenswege machen
wollen, sei er an einen einsamen Ort hinausgegangen, habe sich daselbst niedergesetzt, unschlüssig, welchen von
beiden Wegen er einschlagen solle.»
(Xenophon, Memorabilia 2, 1, 21.)

von Eva Pasch nen, der aktuell restauriert wird. Im texte verstehen und Erklärungen mit-
Zentrum des zwischen 1669 und 1672 nehmen. Im Gegensatz zur digitalen In-
okrates unterhält sich mit dem jun- erbauten Brunnens ragte einst eine ko- formation möchte Swiss Lab for Cultural
S gen Aristippos darüber, weshalb es
nicht ratsam ist, immer den einfach-
lossale Statue des Herkules empor. In
der Mitte des 18. Jhs. verschwand sie
Projects zum persönlichen Austausch
über das Gesehene anregen. Der Präsi-
sten Weg zu wählen und welche Eigen- im Zuge der Neugestaltung des Palast- dent Paolo Carrion fordert bei der Aus-
schaften einem Herrschenden und ei- gartens in den Lagerräumen von Pa- stellungseröffnung in Turin: «Die Men-
nem Beherrschten zuzuschreiben sind. lazzo Madama in Turin. Im Jahr 2015 schen sollen wieder Museen, die Orte
Wer sich selbst kontrolliert und tu- wurde sie jedoch wieder in den Palast der Künste besuchen – und sie sollen sie
gendhaft handelt, sei glücklich und zur gebracht, im März 2019 soll sie wieder über die reiche Straße der Kulturdenk-
Herrschaft bestimmt. an ihren Ursprungsplatz im Garten zu- mäler erreichen, die nach Italien führt.»
In diesem Zusammenhang erzählt rückkehren – nicht zuletzt deshalb prä- Dazu wurden weder Kosten noch Mü-
Sokrates von dem Mythos des «Hera- destiniert als Ausstellungsort (Abb. 1). hen gescheut: die präsentierten Leihga-
kles am Scheideweg». Herakles treten Dieser Gedanke war auch für die AG ben stammen aus ganz Europa. Leihge-
zwei Frauen entgegen: die Glückselig- Swiss Lab for Cultural Projects maß- berorte reichen von Kassel über Basel
keit – von ihren Feinden Lasterhaftig- geblich. Die private Gesellschaft mit Sitz bis Neapel und Rom.
keit genannt – und die Tugend. Beide in Basel hat sich zum Ziel gesetzt, eine
umgarnen den jungen Mann und ver- neue Art der Museumskultur zu initiie- Herakles’ Heimat
suchen, ihn davon zu überzeugen, ih- ren und vorzuleben. Sie versteht sich als Als Sohn des Zeus und der Alkmene
nen zu folgen. Und Herakles wäre über-national und verfolgt das Anliegen, ist Herakles im griechischen Mythos
nicht der heute noch so präsente He- interessante Ausstellungskonzepte mit halb Gott, halb Mensch. Seine lebens-
rakles bzw. Herkules, wenn er sich ansprechenden Titeln, aussagekräftigen lange Widersacherin Hera hatte dafür
nicht schlussendlich für den tugend- Objekten und Objekttexten und span- gesorgt, dass er nicht Erst- sondern
haften Weg entschieden hätte. nenden Themen zu verwirklichen. Be- Zweitgeborener nach seinem Bruders
Im prachtvollen Garten des Palasts sucherinnen und Besucher sollen nicht Eurystheus wurde. Sie ist es auch, die
von Venaria Reale, in dem die Ausstel- mit rein deskriptiven Objektinformatio- ihn später wahnsinnig werden und
lung «Herkules und sein Mythos» prä- nen abgespeist werden, sondern neues seine Frau Megara sowie seine ei-
sentiert wird, befindet sich ein Brun- Wissen erlangen, Überlieferungskon- genen Kinder ermorden lässt. Dem

78
THEMENPANORAMA

Abb. 1 Piazza della Repubblica und Eingang Palazzo della Venaria Reale.

Abb. 2 Herakles trägt das Fell des Löwen von Nemea, nach seinem Sieg über ihn. Er reicht Athene die Hand.

79
ANTIKE WELT 6/18
DER EWIG JUNGE HERKULES – Zwischen Mythos, Mensch und Marvel-Held

Erstgeborenen hatte Zeus die Herr- thologische Monster wie die Hydra von sein Sieg auch ein Triumph der griechi-
schaft über Argos prophezeit. Herak- Lerna zu besiegen. Der Held verfügt, schen Erziehung und Werte (Abb. 2).
les musste, trotz seiner körperlichen mit dem griechischen männlichen Ideal In der griechischen Mythologie ist
Überlegenheit und besseren Abstam- einhergehend, über herausragende Mo- Herakles auch ein Held der Zivilisation.
mung, Eurystheus dienen: die zwölf ral in einem athletischen und harmo- Neben den zwölf Arbeiten werden ihm
scheinbar unlösbaren Aufgaben meis- nischen Körper. viele andere Unternehmungen zuge-
tert er heldenhaft. Sie stehen im Zent- Nicht nur wegen seiner rohen Ge- schrieben, die ihn oft in entlegene Re-
rum seines Mythos’. walt hat der Held die Oberhand über gionen des Mittelmeerraums führen.
Das berühmteste Merkmal von He- das Biest. Seine Absicht wird durch das Darunter viele Orte griechischer Kauf-
rakles ist sicherlich die körperliche Ausbildungssystem und die griechi- leute, besonders aus dem . Jh. v. Chr.
Stärke zusammen mit dem Mut, die schen soziokulturellen Traditionen un- Zum Beispiel besiegt Herakles auf Bit-
es ihm im Laufe seiner Heldentaten terstützt. In ihnen spiegelt sich auch die ten von Apollo Kyknos, einen Brigan-
ermöglicht, Menschen, Tiere und my- sportliche Praxis. Auf diese Weise ist ten, der Pilger auf ihrem Weg nach
Delphi beraubt und tötet. Gemäß einer
Variante des Mythos beabsichtigt Ky-
Abb. 3 Herakles besiegt Kyknos, der auch von seinem ihn verteidigenden Vater Ares nicht ge-
knos, einen seinem Vater Ares gewid-
rettet werden kann. meten Tempel aus ihren Gebeinen zu
errichten. Ares ist auf der rechten Seite
dargestellt, während er in den Kampf
eingreift, um seinen Sohn, bereits auf
dem Boden liegend, zu verteidigen.
Nach der vom Keramikmaler über-
nommenen Version des Mythos neut-
ralisiert der zivilisatorische Held He-
rakles einen gotteslästerlichen Mörder.
Er stellt die Blutsbande vor die morali-
schen Prinzipien der griechischen Kul-
tur (Abb. 3).
Der Gebrauch der Herakles-Figur
für ideologische und politische Zwe-
cke ist für die Antike häufig bezeugt.
Die Abenteuer des Helden, die ihn
dazu führten, die entlegensten Winkel
der antiken Welt zu besuchen, erlaub-
ten den Griechen, diese Territorien in
ihre kollektive Vorstellungswelt zu in-
tegrieren und sie zu einem zivilisier-
ten und zugänglichen Kosmos zu ma-
chen.

Herakles wird Herkules


Der Basler Herkules-Kopf gehört zu
einer der zahlreichen Kopien der Ko-
lossalstatue des Werkes von Lysipp,
die wegen der am besten erhaltenen
Kopie der Farnese-Sammlung, die im
Archäologischen Nationalmuseum Ne-
apel ausgestellt wird, «Herkules Far-
nese» genannt wurde. In der Zeit des
Übergangs von der Klassik zum Helle-
nismus gelingt es Lysipp, mit dieser

80
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

Arbeit ein völlig neues Bild von Hera-


kles zu vermitteln: anders als in der
klassischen Ära zeigt es keinen un-
nahbaren Helden. Zu sehen ist ein
sichtlich gealterter Mann, der nach
den vielen Heldentaten müde er-
scheint. Der Kopf von Basel, der dem
Lysippischen Modell sehr ähnelt,
wurde 1866 in einem Workshop in
Rom vom deutschen Bildhauer Carl
Steinhäuser entdeckt, der ihn kaufte
und drei Jahre später an das Basler
Museum verkaufte (Abb. 4).
In der griechischen Mythologie, aber
auch in der römischen Rezeption haf-
ten Herkules auch einige negative, in
anderer Richtung extreme Eigenschaf-
ten an: Er verliert leicht die Selbstkon- Abb. 4
Einen müden, er-
trolle, neigt zu Trunkenheit, ist streit- schöpften Aus-
süchtig und zügellos. Neben dem Akt druck hat der
der Befreiung von Held und Zivilisator Basler Herku-
les-Kopf und un-
zeigt Herkules auch Eigenschaften ei- terscheidet sich
nes Anti-Helden. Diese Bronzestatue, damit von der
klassischen grie-
die einen Paradewagen schmückte, chischen Wahr-
zeigt einen betrunkenen Herkules, ein nehmung.
sehr typischer Zustand für ihn. Nicht
selten neigt er aus diesem heraus zu
sexueller Gewalt und Brutalität. Die
kleine, aus Kleinasien stammende Sta-
tue zeigt den jungen Herkules auf ei-
nem Felsen sitzend und mit leicht nach
hinten geneigtem Oberkörper. Der
Held trägt nur die Haut des Löwen. Um-
geben von Weinblättern dreht sich der
Kopf nach links. Der linke Arm ist in die
gleiche Richtung verlängert, und die
Hand (verloren) hielt womöglich einen
Krug Wein. Wahrscheinlich befand sich
auf der anderen Seite des Wagens eine
Gestalt die dem Helden den Wein ein-
schenkte, wie es der ausgestreckte
Arm und die erwartungsvolle Haltung
des Herkules nahelegen (Abb. 5).
Die Römer benannten auch Städte
nach Herkules, z. B. Herculaneum am
Golf von Neapel, das n. Chr. vom Ve-
suvausbruch zerstört wurde. Auf dem Abb. 5
Die Bronzestatue
Forum Romanum errichteten sie ihm des auf einem
einen Altar. Eine Vielzahl an Statuen, Felsen sitzenden
Herkules zeigt ihn
Darstellungen auf Mosaiken, Fresken in betrunkenem
und Sarkophagen zeigt, wie präsent Zustand.

81
ANTIKE WELT 6/18
DER EWIG JUNGE HERKULES – Zwischen Mythos, Mensch und Marvel-Held

Herkules – Sinnbild des christ-


lichen Erlösers?
Der Mythos des Herkules, der Halb-
gott mit außerordentlicher Stärke und
meist vorbildlichem Charakter, über-
wand leicht die Grenzen der klassi-
schen Kultur und Kunst, um mit neuen
Abb. 6 Werten in der christlichen Tradition
Diese Gemme, die aus
zwei verschiedenen assoziiert zu werden. Es ist tatsächlich
Achatschichten besteht, möglich, eine, wenn auch vorsichtige,
zeigt Herkules im Pro- Parallele zwischen dem heidnischen
fil, wobei die Löwen-
haut auf dem lockigen Helden und dem christlichen Erlöser
Kopf ruht. Der Kiefer zu schaffen. Vor allem die Sichtweise
des Löwen strafft den
Nacken des Helden, der Stoiker und Kyniker bot hier An-
ohne Bart dargestellt, schlussmöglichkeiten. Herkules erlebte
während der Kiefer auf als Symbol und Figur eine Phase der
dem Ohr ruht und das
Fell des Tieres auf den Christianisierung. Seine Position als
Rücken fällt. Der Halb- Halbgott verbindet ihn natürlich mit
körper hebt sich in sei-
nem Licht vom dunklen der von Jesus. Seine Siege über di-
Steinhintergrund ab. verse Ungeheuer werden dabei mit
dem Sieg Christi über den Teufel und
über das Böse verglichen.
und populär Herkules in der öffentli- n. Chr. als Herkules porträtieren.
chen Wahrnehmung und kollektiven Insgesamt stellte Herkules auch in der A iker Herkules reloaded
Vorstellung der Römer war. Commo- römischen Antike einen Kulturträger Herkules als Figur und Symbol
dus etwa ließ sich nach seinem Tod par excellence dar. schmückte auch zahlreiche frühneu-
zeitliche Gemmen, die gesammelt und
getragen wurden. Herkules war eines
Abb. 7 Der letzte Raum der Ausstellung widmet sich der Herkules-Rezeption im 20 Jh., speziell in der am meisten reproduzierten The-
den italienischen und amerikanischen Filmen der 1950er und 1960er Jahre. men (Abb. 6).
In der Zeit zwischen Renaissance
und Barock wurde Herkules und die
Repräsentation seines Mythos häufig
aufgegriffen und regelrecht zur poli-
tischen Aussage. Im Jahr 1754 war es
gang und gäbe seine Geschichten zu
erzählen: Die Republik Lucca etwa,
genauer Pompeus Batoni, überreichte
ein Gemälde mit dem Titel «Herkules
am Scheideweg» als Geschenk an den
Savoyer Botschafter in Wien als Dank
für seine Hilfe bei der Beilegung eines
Streits mit dem Großherzogtum Tos-
kana. Auch im Gewölbe der Sala del
Mappamondo des Palazzo Farnese in
Caprarola werden Herkules und sein
Mythos dargestellt.
In den zumeist italienischen und
amerikanischen Schwert-und-Sandalen-
bzw. Peplum-Filmen der 1950er und
frühen 1960er Jahre wird Herkules

82
ANTIKE WELT 6/18
THEMENPANORAMA

zum gefeierten Filmhelden, bevor er und konnte er offenbar in jeder Zeit verständlich und anhand von beein-
1964 auch im Spaghetti Western und als Identifikationsfigur dienen. Eine druckenden Objekten durch die Zeiten
in Marvel-Comics seinen Auftritt be- Identifikationsfigur, die zugleich in zugänglich zu machen.
kam (Abb. 7). seinen Extremen verstanden, mal zum
Die diachrone Perspektive der Aus- guten, mal zum schlechten Vorbild er-
stellung zeigt Herkules aus einem hoben wird. Auf diese Weise öffnet die
Adresse der Autorin
neuen Blickwinkel. Der Mythos war Ausstellung «Herkules und sein My- Redakio Zeits hrite
und ist in der europäischen Kultur- thos» die anthropologische Perspek- Wisse s hatli he Bu hgesells hat
Hindenburgstr. 40
sphäre allgegenwärtig. Der zwischen tive. Es zeigen sich menschliche Züge D-64295 Darmstadt

den Extremen hin- und hergerissene des Herkules – menschliche Konflikte


Bildnachweis
Held, der zwischen Tugendhaftigkeit eines Heros. Der historische Kontext
A . : E. Pas h; – : A dreas F. Voegeli , A ike u-
und Unberechenbarkeit schwankt, der Rezeption bestimmt das Herkules- seum Basel und Sammlung Ludwig; 4: Ruedi Habegger,
A ike useu Basel u d Sa lu g Lud ig; : Jea -
entscheidet sich schließlich für die Bild, Assoziationen der Künstler und Pierre Kuh ; : Museu sla ds hat Hesse Kassel;
Tugend – und wird später doch immer Betrachter rücken verschiedene Facet- : ar o. assia o@ idii. h – fotografo.

wieder auf diese Frage zurückgewor- ten der zum Symbol avancierten Figur
Literatur
fen. In der Rezeption wird Herkules des Herkules in den Fokus. Der Aus- Ercole e il suo mito. A cura di Friedrich-Wilhelm von
ewig jung gehalten. In seinen nur allzu stellung gelingt es, die Entstehung ver- Hase (2018).

menschlichen Verunsicherungen kann schiedener Herkules-Wahrnehmungen

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83
ANTIKE WELT 6/18
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platz. Auch historisch gesehen gibt es eine Reihe von Anknüpfungspunkten mit der
griechischen und später der römischen Welt. Diesen Spuren wird nachgespürt und
ein lebendiges Panorama der vielfältigen Kontakte gezeichnet, die die Archäologie
der antiken Kaukasusregion in einem neuen Licht erscheinen lässt: Medeas Heimat
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die Beschreibung der Bild- und Zierseiten, die sämtlich abgebildet werden. Gleichfalls
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ÄGYPTEN ZWISCHEN AFRIKA, ORIENT UND OKZIDENT – Das Naio al useu o Suez

Abb. 1
Außenansicht des Nati-
onalmuseums von Suez
(Ost-Seite) mit Pfeiler-
statue Tuthmosis’ IV.
bzw. Ramses’ II. (links
des Eingangs) und re-
konstruierter trilinguer
«Kanalbaustele» des
Perserkönigs Darius I.
(rechts).

ÄGYPTEN ZWISCHEN AFRIKA, ORIENT


UND OKZIDENT
Das Naio al useu vo Suez

D ie E öf u g des Suez-Ka als i


No e e a hte Äg pte
ei e eue ‘olle als Stop-over auf de
he eise a es de da alige Mu-
seu sku ato , A d el-Ha id Gha i ,
jedo h gelu ge , die E po ate e ht-
stallie t, ei Hi eis auf das ze t ale
The a de de zeiige Ko zepio :
Äg pte s ze t ale ‘olle als Kultu e -
ald iel efah e e S hiffah ts oute zeiig o Aus u h de Ka pha dlu - itle z is he O ie t u d Okzide t
z is he No datla ik u d Mitel ee ge i Si he heit zu i ge u d a h u d sei e Bi defu kio z is he Af-
auf de ei e Seite u d ‘ote Mee Kai o zu t a sfe ie e , o sie de K ieg ika u d de edite a e Welt.
u d I dis he Ozea a de e seits. u es hadet ü e sta de . Es ist diese Be eits o de Ei ga g si d z ei
Äh li h ie s ho die Ka alstadt alte Sa lu g, die a h Suez zu- edeute de Stei o jekte ausge-
Is ailia gl. ANTIKE WELT / , ü kgekeh t ist. Sie i d u jedo h i stellt. Li ks das O e teil ei e the a-
S. – a so it au h das a. k ei e eue Ge äude p äse ie t, e- is he Pfeile statue Kö ig Tuth o-
o döstli h o Kai o gelege e Suez ei he t u eite e edeute de We ke sis IV. . D asie, a. –
p ädesi ie t fü ei Museu . Es ga de Pha ao e zeit, de helle isis h- . Ch . , die u te ‘a ses II. . D as-
i ht u de o O t oh e de Be- ö is he A ike, des Mitelalte s u d ie, a. – . Ch . ü e a eitet
ölke u g, so de o alle au h de Neuzeit. u d eu es h itet u de – ei e de
de hie Staio a he de Passagie- Das futu isis h a ute de, z ei- zahl ei he Fälle a essidis he Sta-
e auf de ‘eise z is he Eu opa u d stö kige Museu sge äude ist i it- tue usu paio . ‘e hts des Ei ga -
Asie die Mögli hkeit, fe a des Nil- te ei es Ga te g u dstü ks e i htet ges ei det si h die aus eh e e ‘o-
tals u d sei e histo is he Stäte ei- A . . Auf desse Südseite ei det se g a it-F ag e te eko st uie te
e Ei d u k o de Ges hi hte u d si h ei Bassi , das ei e Auss h it sog. Ka al au-Stele o Ka it, de e
Kultu des alte Äg pte zu ge i e . des Nil e laufs da stelle soll. Da auf E i htu g zusa e it i deste s
Dieses alte Suez-Museu gi t es i ht ist ei a h ‘eliebilde aus de )eit d ei eite e , glei ha ige Stele
eh . Das Ge äude u de äh e d des ei li he Pha ao Hats hepsut a h de pe sis he E o e u g Äg p-
des äg pis h-is aelis he Se hstage- eg. a. – . Ch . eko st u- te s o Da ius I. eg. – . Ch .
k ieges i Ju i ze stö t. Glü kli- ie tes S hif de «Pu t-Flote» fest i - efohle o de a gl. A . . De

86
ANTIKE WELT 6/18
M USE E N IN A LLER WELT

hohe De kstei t ägt I s h ite Kai o spa t ei e Boge du h ‘au häologis he Stäte u eit o Suez.
i altpe sis he z . ela iis he Keil- u d )eit u d e ögli ht de Besu- Sie u de u d zufällig e t-
s h it u d i äg pis he Hie ogl - he ei e i tuelle ‘u dga g o de kt u d fü das Museu estau ie t.
phe , die o de Ei eihu g des o h de Stäte des u te e Niltals ü e De si h a s hließe de, gel ge-
u te de aio aläg pis he He - das östli he Nildelta is a h Suez sel st. halte e ‘au füh t die Besu he ge-
s he Ne ho II. . D asie, eg. – Auf e ksa keit ea sp u he da ei da kli h eite i ‘i htu g Oste . De
. Ch . ego e e Ka als e- die Kalkstei -‘eliefs de Wa d ei es Ha del it Na h a ölke , a e au h
i hte , el he i de Pe se zeit ei e Te pels des So e gotes ‘e-Ha a hte. ilitä is he Ko f o taio e , e de
s hiba e Ve i du g z is he de Sie sta e aus de ‘egie u gspe i- hie a gesp o he . Ei e ges h u -
Nil u d de ‘ote Mee da stellte. ode des letzte ei hei is he Pha- ge e Vit i e i de Mite des ‘au es
Späte s hei t e jedo h iede u aos, Nekta e os II. eg. – e thält ei e ‘eihe o S hifs odel-
e la det zu sei , de ei e Stele des . Ch . , u d si d i fü diese )eit t pi- le aus G ä e des Mitle e ‘ei hes
helle isis h-äg pis he He s he s s he Weise e e ke s e t fei u d u d s olisie t Äg pte s Wasse -
Ptole aios II., die sog. Pitho -Stele, detaillie t ausgea eitet. Da gestellt st aße A . .
el he e e falls i Suez-Museu ist hie ei e P ozessio o F u ht a - Ei eite e ‘au ist de a häo-
ausgestellt ist, e i htet o de Wie- keitsgotheite it u de Bäu he logis he Stäte Ko el-Qolzu , de
de e öf u g des Wasse eges i u d hä ge de B üste . Sie t age a ike Cl s a, ge id et. Do t g u
. Jh. . Ch . Ta lets it S ole de Üppigkeit: de f a zösis he Äg ptologe B. B u-
Histo is he Be i hte aus g ie hi- Ma e ke t Vase it Lotos lu e , e i de e Jah e u eit o
s he u d ö is he )eit zufolge soll sta fö ige hie ogl phis he S ole Suez ei e Siedlu g aus, die i de ö-
diese Pha ao e -Ka al e eits i alt- des Wohle gehe s u d he a hä ge de is he Kaise zeit, i de za i-
äg pis he Mitle e u d Neue Wasse ögel it Le e szei he aäg. is h-kopis he Pe iode u d o h i
‘ei h, d. h. i . Jt. . Ch ., ei e Vo - anch a de Hälse A . . I a h- f ühe Mitelalte o Bedeutu g a .
läufe esesse ha e , de et as ei- pha ao is he )eit u de diese ‘e- I de Vit i e des U te ges hosses,
te ö dli h e lief. Sei e E tstehu g lieblö ke fü de Bau des Hafe s o die o iege d de altäg pis he
i d it He s he des Na e s Se- A lad A u Musa e e det, ei e a - Tote kult ge id et si d, i de si h
sost is . D asie u d Tuth osis
. D asie e u de . Glei h de
e ste Ausstellu gs au des Museu s
Abb. Erster Ausstellungsraum des Suez-Museums mit Thronfigur Sesostris’ ))). und Schiffs-
g eit diese Ü e liefe u ge auf. Ei e wrackteilen, die u. a. auf die Punt-Expedition unter dem weiblichen Pharao (atschepsut Bezug
i posa te G a it-Statue des th o e - nehmen; rechts: weiblicher Mähnensphinx des Alten Reiches und «Würfelhocker» des Senenmut.
de Kö igs Sesost is III. a. –
. Ch . it i di iduelle , alte s-
gep ägte Gesi htszüge do i ie t
diese Saal. Die du kle Wä de des
‘au es si d zude it G aike de-
ko ie t, die die Pu t-E pediio u -
te Hats hepsut the aisie e , Alt-
äg pte s eka teste Ausg if i
de ‘au des südli he ‘ote Mee-
es A . . Ei ei d u ks olle Sta-
tue kopf de Hats hepsut aus G au-
a ke it a h ih e Tode so gfälig
a ges hlage e U äuss hla ge u d ei e
ku oide Statue z . «Wü felho ke »
ih es Gü stli gs Se e ut, des Ve -
öge s e alte s Tuth osis II. u d
de Hats hepsut, ufe diese ges hi ht-
li he Pe iode i E i e u g.
Die aktuelle Ei i htu g des Museu s
Ko zepio : D . Moha ed Ma ouk,
ÄGYPTEN )WISCHEN AF‘IKA, O‘IENT UND OK)IDENT – Das Naio al useu o Suez

Abb. Reliefs des Re-(arachte-Tempels von Awlad Abu Musa, Zeit Nektanebos’ )). . Jh. v. Chr. .

Abb. Zweiter Ausstellungsraum mit dem Thema Schifffahrt, Transport und (andel. Die geschwungen gestaltete Vitrine in der Mitte deutet den Nil
an. An der Wand ist der Verlauf der für Ägypten wichtigen Kanäle in Richtung des Roten Meeres angegeben.

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M USE E N IN A LLER WELT

ahezu alle ele a te De k äle -


g uppe altäg pis he Fu e ä p a is,
do h si d sie dia h o a geo d et,
eshal du h die Bet a htu g i ht
deutli h i d, dass jede Epo he ih e
eige e Bestatu gssite esaß.
Die Ei eihu g des Suez-Ka als
u d die Bedeutu g de Stadt Suez als
f ühe e Haupt-Hafe fü die Ü e -
fah t a h Mekka, äh e d de t a-
diio elle usli is he Pilge fah t,
e de e e falls the aisie t. Ei
P u kzelt, el hes die i Äg pte ge-
si kte S h it ä de fü de heili-
ge S h ei , die Kaa a o Mekka,
e thielt, gehö t hie zu de spektaku-
lä ste E po ate A . .
)usätzli h zu de kli aisie te ,
fe ste lose Ausstellu gs äu e e -
fügt das Suez-Museu au h ü e ‘e-
stau ie u gs e kstäte , ei e Fa h-
Abb. Transportzelt für die bestickten )nschriftenbänder der Mahmal-Pilgerprozession von Kairo
Bi liothek, ei e Vo t agssaal, ei e nach Mekka aus der Zeit des letzten ägyptischen Königs der Neuzeit, Fuad )). reg. 9 – 9 .
Cafete ia u d ei e eso de e
‘au fü de Aufe thalt o VIP-Gäs-
te . Ei u fa g ei hes useu spä-
dagogis hes A ge ot, das seh gut M.I. BAK‘ / H. B‘ANDL / F. KALLONIATIS H sg. , Eg pia
A i uiies f o the Easte Nile Delta. Museu s i the
a ge o e i d, a ht dieses Mu- Danksagung Nile Delta, Bd. .
seu de zeit zu ei e le e dige O t Die Ve fasse da ke de Hohe Ko itee fü Alte tü e
de ‘epu lik Äg pte fü die E lau is zu Pu likaio B. B‘UYÈ‘E, Fouilles de Cl s a-Qolzou Suez –
des Le e s, i s eso de e fü die ei - de hie eigege e e , i ‘ah e des P ojekts M.i.N. – , Fouilles de L I situt F a çais d A h ologie O ie -
Musee i Nildelta a gefe igte Fotos. Da k ge üh t tale IFAO du Cai e, Bd. .
hei is he Juge d. I de )eite zu- da ü e hi aus P of. D . F a k Ka e zell, AKNOA –
Hu oldt-U i e sität zu Be li , F au Elha Salaheddi , N. EL-A‘EF, Ca al Cit has its o sho ase, i : El-
ü khalte de tou isis he Na hf age Leite i de A teilu g Musee i äg pis he Mi iste- Ah a Weekl , - Fe ua , issue o li e:
stelle ei hei is he Besu he die p i- iu fü Alte tü e , so ie D . Assa ed El-Ba a, ehe . eekl .ah a .o g.eg/a hi e/ / /eg .ht .
Ge e aldi ekto des Suez-Museu s, u d sei e Na h-
ä e )ielg uppe des Suez-Museu s folge , He Ala a A d el-At , fü ih e f eu dli he H. SCHÖ‘NE‘, Kü stli he S hiffah tska äle i de A -
U te stützu g u se e A eite . ike: De soge a te a ike Suez-Ka al, i : Sk llis – )eit-
da . I te aio ale Gäste si d de zeit s h it fü U te asse a häologie, . Jah g. Het
– o li e: htps://de.s i d. o /do u-
dagege selte . Die u d histo- e t/ /SKYLLIS- - -S hoe e .
is h u d kü stle is h edeutsa e Adresse der Autoren
Alle )eita ga e a h E. HO‘NUNG / ‘. K‘AUSS /
D . Hel ut B a dl u d Ga iele We zel, M.A.
O jekte, die hie teils e st alig, teils P ojekt M.i.N. – Musee i Nildelta
D. A. WA‘BU‘TON H sg. , A ie t Eg pia Ch o olog ,
Ha d ook of O ie tal Studies Bd. .
a h la gjäh ige «Do ös he - /o Hu oldt-U i e sität zu Be li ,
Kultu -, Sozial- u d Bildu gs isse s hatli he Fakultät,
s hlaf» p äse ie t e de , dü te I situt fü A häologie – A häologie u d
Kultu ges hi hte No dostaf ikas AKNOA Adresse und Informationen zum Museum
a e i ht u fü ausgesp o he e U te de Li de Suez Naio al Museu , Po t Ta ik, Suez, Eg pt
D- Be li
Äg pte -Fa s eiz oll sei . Diese Fülle .a haeologie.hu- e li .de/de/ak oa/fo s hu g-
htps://
Museu -
.fa e ook. o /Suez-Naio al-
/
eist da auf hi , el he kau e- u d-p ojekte/p ojekte/Sta da dseite Ko takt: Suez useu @g ail. o
Ko takt: edito @p oje t- i .de
ka te S hätze i äg pis he Mu- Öffnungszeiten
seu sdepots u d G a u gs agazi- Bildnachweis Tgl. . is . Uh äh e d des isla is he Faste -
o ats ‘a ada tgl. . is a. . Uh .
e o h lage u d da auf a te , Alle Auf ah e : © Ga iele C. We zel, M.i.N. P oje t,
Be li , u d Mi ist of A i uiies, Cai o. Das Museu ist a ie ef ei. Ei Besu he pa kplatz ist
als )eug isse ei e ei ziga ige Kul- o ha de .
tu ah ge o e zu e de , de- Literatur Eintrittspreise
e g u dlege de Bedeutu g au h N.A. ABD EL-TAWAB BADE‘ / W.K. AL-GHA‘IB, ‘esto a- Pfu d fü E a hse e, Pfu d fü Ki de Ta if fü
io a d P ese aio of E g a ed Li esto e Blo ks Dis- auslä dis he Besu he ; Fotoe lau is i ht ko e ziell,
fü die eu opäis he Geistesges hi hte o e ed i A u Mousa E a aio , Suez- Eg pt, i : I te - oh e Blitz z . Stai Pfu d ku zf isige Ä de u ge
kau ho h ge ug ei ges hätzt e - aio al Jou al of Co se aio S ie e Vol. , Issue , de Ei t itsp eise u d Öf u gszeite si d ögli h .
Ja ua -Ma h , S. – . o li e: htp:// .ij s.
de ka . uai . o/pu li /IJCS- - -Bade .pdf

ANTIKE WELT 6/18


Rezensionen und Empfehlungen

AUCH ABSEITS DER o D . Pet a Wodtke, Be li


BEKANNTEN ROUTEN
Al a ie i d als Reisela d zu eh e d Ges hi hte u d de si ht a e Ü e -
Ch isia )i del / A d eas Lippe t /
populär. Deutsch- und englischspra- este e de o A fah tse klä u -
Bashki Lahi / Ma hiel Kiel, Al a ie .
Ei A häologie- u d Ku sfüh e o chige Reiseführer konzentrierten sich ge u d, o si oll, GPS-Koo di ate
de Stei zeit is i s . Jah hu de t. bislang auf bekanntere archäologi- e gä zt. Das Bu h p ofiie t da ei o
S. it s/ - u d fa . A ., s he Stäte , ie But i t, Apollo ia der disziplinären Bandbreite und der
€ ,– D . Böhlau, Wie u. a. . oder Durrës / Dyrrhachion. Der neue La desku de de ie Auto e .
«A häologie- u d Ku sfüh e » i t Die histo is he Ge i htu g ist is-
u zahl ei he eite e O te hi zu, die eile et as sta k, e sie a häo-
aufg u d ih e a ges hiede e Lage logis he Fo s hu ge u ie ei e
oder vergessenen Bedeutung bislang E gä zu g s h itli he Ü e liefe u ge
i ht i Fokus sta de . Na h ei e Ei - aussehe lässt. Die alpha eis he Rei-
füh u g zu «A häologie i Al a ie » hu g i e hal ei e Regio e s h e t
und einem umfassenden historischen ei Ve stä d is o )usa e hä -
Ü e li k e de die Stäte , aufgeteilt ge de Stäte ei e Epo he ode i
a h Regio e , alpha eis h aufge- Wa del de )eit. I Gege zug e ög-
listet. Be ü ksi higt si d f üheste )eug- li ht dieses Vo gehe si h auf jede
isse e s hli he P äse z i Gajta Sehe s ü digkeit ei zel ei zulasse .
ode Ka e i a, a ike Stäte , die si h Als Fazit: Dieses Bu h ist ei a solute
a seits de eka te Route efi - Ge i fü jede Al a ie i te essie te
de ie Bo sh ode Mela , späta ike u d i )uku t u e t eh li h fü die
Kastelle, za i is he Ki he u d Vorbereitung einer Reise in oder eines
Klöste ode e ezia is he u d os a- Seminars über dieses kleine lohnens-
is he Festu ge . Bes h ei u ge zu e te La d.

DIE GAN)E ANTIKE von Dr. Cordula Bachmann, Erfurt


FARBWELT
Die klassische Archäologin Ingeborg Malsile u d -fo e ei a de gege -
Ingeborg Scheibler, Die Malerei der
Scheibler nimmt in ihrem Buch Die ü e stellt, ie z. B. die u . Ch .
A ike u d ih e Fa e . Aspekte u d
Mate ialie zu Kolo itges hi hte. Malerei der Anike und ihre Far en in lühe de k eis h- ke is he u d
S. it A ., € , D . VDG umfassender und anregender Weise ehe « ealisis he» de äg pis he
Wei a , K o sdo f . die a ike Fa elt i Ga ze i de i hohe Maße auf de S ol e t
Blick. In ihrer Analyse dieses Themen- de Fa e a he e de Male ei.
felds id et sie si h a ike Ke a ik Dabei räumt sie auf mit verbreiteten
und Skulptur, Wandmalerei und Bei- Vo u teile ü e die a ike Ku st – et a
spiele fa ige A hitektu so ie de de Vo stellu g, die A ike ha e kei e
e ige e halte e E e pla e a ike ausgep ägte Fa e si geha t –,
Mumienporträts auf Holztafeln ebenso indem sie nicht nur eindrucksvolle far-
detaillie t u d ke t is ei h ie di h- bige Abbildungen bietet, sondern auch
te is he z. B. Ho e , atu isse - p akis he F age a ike Fa ge u g
s hatli he z. B. Pli ius u d ku sthis- e ö te t. Die A eit geht i des ü e ei e
to is he Te t uelle z. B. Philost at , reine Diskussion der Realien hinaus, da
die Aufschluss über die malerische Aus- die interessanten Erträge der Unter-
d u ks eise de A ike liefe kö e . suchung einzelner Aspekte schließlich
Da ei o d et sie die Kapitel h o olo- zu überzeugenden Einsichten führen
gis h, o ei sie i e hal de ei zel e bezüglich der mentalen Verfasstheit der
Kapitel i e iede die zeitglei h a a ike Gesells hate , die diese Ku st
u te s hiedli he O te aut ete de hervorgebracht haben.

Zusätzliche Buchbesprechungen 90
fi de Sie o li e auf u sere ANTIKE WELT 6/18
Leserportal. www.a ikewelt.de
BÜCHERSPIEGEL

o D . Wolf a Letz e , Ha DAS LEBEN IN


LADENBURG
Die o liege de Pu likaio ist e g e - Ei zel e Be ei he e de eso de s
bunden mit einer gleichnamigen he ausgeg iffe . So fi de et a die Be- Folke Da i ge / U e G oss /
Rola d P ie / Ch isia Wits hel,
Ausstellu g i Lo de gau-Museu statu gskultu , das Le e i de Siedlu -
G oße Welte – Klei e Welte . Lade -
i Lade u g. Vo de I te io he ill ge u d auf de La d Be ü ksi higu g. u g u d de Lo de gau z is he
sie de e I halte e iefe ; es sei o - I ei e Epilog i d ei Aus li k auf A ike u d Mitelalte . LARES .
egge o e , dass dies gelu ge ist. die Ges hi hte Lade u gs o . S. it A ., € , D . Edii-
Den Autoren geht es zunächst darum, is zu f ühe . Jh. gege e . Da it o Ralf Fetze , Edi ge -Ne ka hause
.
Lade u g i sei e histo is he E t- i d o läufig ei K eis ges hlosse .
i klu g o . is zu . Jh. da zu- Die gut les a e Te te, die lokale
stellen. Dabei legen sie Wert darauf, Ges heh isse au h i ei e g öße e
die fü diese )eit au selte e Ko te t ei o d e , e de du h
s h itli he )eug isse it de a häo- e iefe de I fo-Käste e gä zt. Beso -
logischen Befunden zu verknüpfen. de s posii he o zuhe e si d die
Ausgehe d o de K ise zeit des zahl ei he A ildu ge Ka te ,
. Jhs. . Ch . e de das Ve hält- Plä e, Reko st ukio e , die ielfa h
is de Rö e zu de Ala a e , Ve glei hso jekte zeige .
die Völke a de u gszeit so ie die Überaus nutzerfreundlich ist die nach
E tstehu g des F a ke ei hes u d Kapitel geo d ete ko e ie te Bi-
desse gesells hatli he u d poliis he liog afie. Sie ko t so ohl de i te-
Strukturen beleuchtet. Dies geschieht essie te Laie als au h de Fa h-
i e it Bli k auf Lade u g u d die kollegen entgegen, die sich schnell zu
Region. Ei zelf age i fo ie e olle .

von Sylvia Crumbach, Duisburg AUSWEG AUS DER


ELITEN)ENTRIERTHEIT
Mit de ö is he Kapuze a tel du h die U elt. Das ist eh , als
Juta )e es, Kapuze ä tel i Italie
eha delt die Studie o Juta )e es ei ä he hates «Kleide a he
u d de No d estp o i ze des ö i-
ei Kleidu gstü k, das z a i ht als Leute!» u d die Ü e flutu g du h s he Rei hes. Ge au h − Bedeutu g –
te iles A tefakt, ohl a e i ei e Medie ilde i de allgege ä ige Ha itus. S., A ., € , D.
Vielzahl o S h it- u d Bild uelle Dokud a e leiste kö e . Es ist ei Ve lag Deuts he Gesells hat fü U - u d
ü e liefe t ist. G u dlage ih e Fo - A satz fü die Te ilfo s hu g, de gut F ühges hi hte DGUF , Ke pe -Loogh
. E-Book i koste lose Ope
s hu gsa eit zu Be ei h de Kostü - u gesetzt, i de Lage sei kö te,
A ess: DOI: htps://doi.o g/ . /
u d Te ilfo s hu g ist die A e du g z is he Bild u d I halt zu e itel p op laeu . . . CC BY . .
des soziologis he Ha itus-Ko zepts, oh e die Lü ke hatigkeit de Quelle -
asie e d auf de Theo ie o Pie e lage zu negieren.
Bou dieu, zu I te p etaio a häolo- Juta )e es eto t, dass die Ha itus-
gischer Quellen. Theo ie ei e Aus eg aus de Elite -
I Mitelpu kt steht die A al se u d ze t ie theit de Kleidu gs- u d
k iis he Ei o du g des Quelle ate- Te ilfo s hu g eise kö te. Fü
ials, au h i Bezug auf die Fo s hu gs- ei e eige e Ei s hätzu g ö hte i h
ges hi hte. O ohl das Ha itus-Ko - ei ei e isse s hatli he u d
zept zu Ei sieg so ohl e stä dli h ha d e kli he Vo ild, Lisa-Be de
als au h les a e läute t i d, e p- Jø ge se , ei e H pothek auf eh e
fiehlt es si h, das Kapitel zu Di g e- u d aus ei e Si ht e gä ze : Die
deutsamkeit als Abschluss erneut und Ha itus-Theo ie kö te i Bezug auf
mit frischem Blick zu lesen. Der Habitus echtes interdisziplinäres Arbeiten tech-
als kulturelle Selbstgestaltung einer nische Analyse von Realien, Quellen-
Pe so e i det die E s hei u g des k iik a S h it uelle u d pra i al
Menschen mit der Wahrnehmung knowlege e söh e .

ANTIKE WELT 6/18


Bite ea hte Sie, dass si h die Ausstellu gsdate u d Öf u gszeite de ei zel e Musee ku zf isig ä de kö e .

BELGIEN Geöf et: Mi–Mo – Uh FRANKFURT AM MAIN


Niede ki h e st aße Lie ieghaus Skulptu e sa lu g
. e li e festspiele.de Medeas Liebe und die Jagd nach dem
MORLANWELZ Goldenen Vlies
Musée royal de Mariemont bis 10. Februar 2019
Au temps de Galien. Un médecin grec dans Geöf et: Di, F , Sa, So – Uh , Mi, Do – Uh
l‘empire romain S hau ai kai
bis 2. Dezember 2018 .lie ieghaus.de
Die Ausstellung «Aus dem Leben des Galenos. Ein grie-
chischer Mediziner im Römischen Reich» stellt den
Arzt und Schriftsteller Galenos von Pergamon (129– HAMBURG
ca.   n. Chr.  vor, sein Wirken in Pergamon und  Archäologisches Museum Hamburg
Rom, seine Beschäftigung mit Krankheiten und Epi- Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in
demien sowie das Nachwirken seines Wissen durch  Turkmenistan
viele Jahrhunderte. Zahlreiche Leihgaben, darunter  bis 17. Februar 2019
Papyri und seltene (andschriften und natürlich auch  Präsentiert werden die Ergebnisse der archäolo-
medizinische )nstrumente sowie Porträts, Statuet- gischen Forschungen, die in der antiken Metropole 
ten, griechische und lateinische )nschriften, Exvotos,  von  Gonur Depe unweit von Merw  gr. Name: 
Reliefs und magische Amulette sind zu sehen. Margiana  durchgeführt wurden: die von einem 
Geöf et: Di–So – Uh gewaltigen Mauerring umschlossene,   ha große 
Chaussée de Ma ie o t Stadtanlage mit Palast, Wohnarealen, (andwerker-
. usee- a ie o t. e vierteln und Nekropolen. Ergänzt werden die 
Funde – u. a. Prunkwagen, Schmuck, Waffen und 
Gefäße aus Silber und Gold – durch eindrucksvolle 
TONGEREN Aufnahmen von (erlinde Koelbl, die Landschaften 
Gallo-Römisches Museum und archäologische Denkmäler zeigen. 
Stonehenge – Das Ende des Mysteriums Geöf et: Di–So – Uh
bis 21. April 2019 «Bewegte Zeiten»: Sol, eine von acht Götterbüsten, 
Museu splatz
Die Ergebnisse neuer archäologischer Untersuchungen  aus Schildpatt,  . Jh. n. Chr.  © LVR-Landesmuseum  .a h.de
geben Antworten auf die alten Fragen nach der Bonn, Foto: Jürgen Vogel .
Bedeutung, der Bauweise und den Erbauern dieser 
berühmten Anlage. HILDESHEIM
Geöf et: Di–F – Uh , Sa+So – Uh Roemer- und Pelizaeus-Museum
Kiele st aat BONN
.gallo- o ei s useu . e LVR-LandesMuseum Bonn Kulturerbe in Gefahr. Afghanistan
Eu opa i Be egu g. Reise i f ühe Mitelalte bis 17. Februar 2019
bis 12. Mai 2019 Dieses neue Ausstellungsformat besteht aus den
Geöf et: Di–F , So – Uh , Sa – Uh drei Komponenten Objekte, Erfahrungen und 
DEUTSCHLAND Col a tst aße – Begegnungen: ausgewählte antike Funde aus Af-
.la des useu - o .l .de ghanistan, Fotos des (ildesheimers Jochen Blume 
von seiner Afghanistanreise   und Geschichten 
BERLIN von Menschen aus Afghanistan, die in (ildesheim 
Museumsinsel ELLWANGEN leben. Diese )dee wird in den kommenden Jahren 
Pe ga o . Meiste e ke de a ike Met opole Alamannenmuseum Ellwangen fortgesetzt mit den Ländern Jemen   und 
und 360°-Panorama von Yadegar Asisi Verehrt, verwendet, vergessen – Alamannen im Sudan  .
neue Dauerausstellung ab 17. November 2018 Spa u gsfeld o Poliik u d )eitges hi hte
Das monumentale 360°-Panoramabild von Yadegar bis 28. April 2019 Fakes & Facts – Irrwege der Archäologie
Asisi, das Pergamon im Jahr   n. Chr. darstellt,  Alamannen oder Alemannen? Die Ausstellung 24. November 2018 bis 26. Mai 2019
ist wieder aufgebaut worden. Daneben werden auch untersucht nicht nur die unterschiedliche Schreib- s. a. den Beitrag S.   ff. und in AW  / , S.  .
Originalfunde aus Pergamon ausgestellt. weise, sondern auch die wechselnde Bedeutung und 
Geöf et: Mo–So – Uh , Do – Uh historische Entwicklung der beiden Begriffe. Geöf et: Di–So – Uh
A Kupfe g a e Geöf et: Di–F – Uh , Sa+So – Uh A Stei e –
.asisi.de/pa o a a/pe ga o Halle St aße . p useu .de
.ala a e useu -ell a ge .de

BERLIN KARLSRUHE
Bode-Museum FRANKFURT AM MAIN Badisches Landesmuseum
) ei Ka ele u d ei Heilige . Das a ike Pilge - Archäologisches Museum Myke e – Die sage hate Welt des Aga e o
zentrum Abu Mina in Ägypten Gold & Wein – Georgiens älteste Schätze 1. Dezember 2018 bis 2. Juni 2019
bis 31. Januar 2019 bis 10. Februar 2019 Geöf et: Di– So – Uh
)n Abu Mina, in der Nähe von Alexandria, entstand  Neue archäologische Forschungsergebnisse deutsch- S hloß
im  . Jh. n. Chr. um das Grab des (eiligen Menas  georgischer Kooperationsprojekte sowie zahlreiche  .la des useu .de
ein christliches Pilgerzentrum. Bauskulpturen, Pil- Funde beleuchten die kulturelle Entwicklung Geor- s. a. die Beiträge S.   ff.
gerandenken und Alltagsobjekte aus dem Bestand  giens von etwa   v. Chr. bis  –  v. Chr. 
des Museums für Byzantinische Kunst werden  Geöf et: Di–So – Uh , Mi – Uh
vorgestellt. Ka elite gasse KÖLN
Geöf et: Di–Mi – Uh , Do – Uh , www.archaeologisches-museum.frankfurt.de Römisch-Germanisches Museum
F –So – Uh s. a. die Beiträge in AW  / , S.  – . BodenSchätze: Archäologie in Köln
A Kupfe g a e verlängert bis 31. Dezember 2018
.s . useu .de Die lange Kölner Stadtgeschichte wird durch alte 
FRANKFURT AM MAIN und neue Funde präsentiert. 
Museum Giersch der Goethe-Universität Geöf et: Di–So – Uh
BERLIN Faszi aio de Di ge. We te elt eit i A häo- Ro alliplatz
Ma i -G opius-Bau logie und Ethnologie . usee koel .de
Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland 29. November 2018 bis 24. Februar 2019
bis 6. Januar 2019 Nachwuchswissenschaftler untersuchten, wofür und 
Das «Europäische Jahr des Kulturerbes  » ist der auf welche Weise antike Gebrauchs- und Kunstge- KÜNZING
Anlass, archäologische Neufunde zu präsentieren  genstände hergestellt wurden und welche Aussagen  Museum Quintana
und Altfunde neu zu bewerten. In vier großen über die Menschen, ihre Gesellschaft und ihre Zeit  O akel. A ike li kt i die )uku t
Themen – Mobilität, Konflikt, Austausch und )nno- daraus abgeleitet werden können.  bis 16. Dezember 2018
vation – zeigen hochrangige Exponate aus allen  Geöf et: Di–Do – Uh , F –So – Uh Geöf et: Di–So – Uh
Bundesländern das Zusammenleben in Europa von  S hau ai kai Oste hofe e St aße
der Frühzeit bis in die jüngere Vergangenheit. . useu -gie s h.de . useu - ui ta a.de

92
ANTIKE WELT 6/18
AUSSTELLUNGSKALENDER

ständnis des Klassizismus herausgestellt – speziell  Geöf et: Di–So – Uh , Do – Uh


auch unter der Berücksichtigung des Kunststandor- S hille platz
tes München. .la des useu -stutga t.de

Schimmernde Krüge von Erz


bis 3. Februar 2019
Die Gefäße aus Bronze, Silber oder Gold  griechischer, 
etruskischer und römischer Toreuten zeigen mit  FRANKREICH
ihren unterschiedlichen Gefäßformen und figür lichem 
Dekor eine meisterhafte (andwerkskunst der Antike. 
Geöf et: Di–So – Uh , Mi – Uh LYON
Kö igsplatz Musée des Beaux-Arts
.a ike-a -koe igsplatz. .de Claude, u e pe eu au desi si gulie
1. Dezember 2018 bis 4. März 2019
Die Ausstellung «Claudius. Ein Kaiser mit einem 
einzigartigen Schicksal» beabsichtigt, das negative 
Bild dieses römischen Kaisers zu revidieren und ihn 
auch als umsichtigen und fähigen (errscher zu wür-
digen. Als erster römischer Kaiser kam er   v. Chr. 
außerhalb )taliens in Lugdunum  Lyon  zur Welt 
und wurde nach Caligulas Ermordung überraschend 
per Akklamation durch die Präto rianer Kaiser 
«Bilderwelt der Kelten»:  – . n. Chr. . Mit über   Werken – Statuen, 
Gürtelhaken mit  Reliefs, Kameen und Münzen, Objekte des täglichen 
«(errin der Tiere»,  Lebens, (istorienmalerei – werden das Leben und 
. Jh. v. Chr., (ölzelsau, 
Bezirk Kufstein/Tirol  die (errschaft nachgezeichnet.
© Stefanie Friedrich/ Geöf et: Di–So – Uh , F . – Uh
Archäologische Staats- pla e des Te eau
sammlung München . a-l o .f

MANCHING PARIS
kelten römer museum Musée du Louvre
Die Bilderwelt der Kelten U e d’Italie. La olle io du a uis Ca pa a
bis 27. Januar 2019 bis 11. Februar 2019
Da die Dauerausstellung der Archäologischen  «Der Traum von Italien» ist eine gemeinsame Aus-
Staatssammlung in München seit   wegen einer  stellung des Musée du Louvre in Paris und der Staat-
umfangreichen Generalsanierung geschlossen ist,  lichen Eremitage in Sankt Petersburg. Zu sehen 
werden die keltischen Funde zur Zeit in Manching  sind über   Werke aus der ehemaligen Sammlung 
gezeigt. des Giampietro Campana  – , der größten 
Geöf et: Di–F . – Uh , Sa+ So – Uh Privatsammlung des  . Jhs. mit     antiken und 
I E let «Schimmernde Krüge von Erz»: Griechisches Tintenfass  modernen Werken, die nach der Beschlagnahme 
. useu - a hi g.de aus Bronze aus dem Grab der Amanischahete aus  hauptsächlich in diese beiden Museen gelangten.
Meroë,  . Jh. v. Chr.  © Staatliche Antikensammlungen  Geöf et: Mo, Do, Sa, So – Uh ,
und Glyptothek München, Foto: Renate Kühling Mi + F – . Uh
MANNHEIM Rue de Ri oli
Reiss-Engelhorn-Museen .lou e.f
POTSDAM
Mumien – Geheimnisse des Lebens Museum Barberini
bis 31. März 2019 Göte des Oly p. Aus de D esd e Skulptu e -
Die große Mannheimer Mumienausstellung von sammlung GRIECHENLAND
 ist nach mehrjähriger Reise zurück und  17. November 2018 bis 17. Februar 2019
wird in neuer und erweiterter Form präsentiert.  Eine Auswahl antiker Götterstatuen aus der 
Zahlreiche neue Forschungsergebnisse und viele Dresdner Skulpturensammlung veranschaulicht  ATHEN
in Mannheim bisher nicht gezeigte Mumienfunde die Entwicklung der griechischen Bildhauerkunst,  A häologis hes Naio al useu
werfen einen besonderen Blick auf die Mumienfor- die )konographie der Gottheiten und die antike  Οι α έ ες ό εις ο Ω αίο
schung. Mythologie. bis Mai 2019
Geöf et: Mo, Mi–So – Uh «Die unzähligen Aspekte des Schönen» ist die dritte 
Stei h a t – Altägypis he Gefäße o Hu oldtst aße – und letzte Ausstellung anlässlich des  -jährigen 
ewiger Schönheit . useu - a e i i. o Jubiläums des Museums. Die archäologischen Funde 
11. November 2018 bis 10. Februar 2019 zeigen Darstellungen antiker Mythen von Aphro-
Ergänzend zur großen Mumien-Ausstellung sind rund  dite oder Adonis, die Schönheit des menschlichen 
 kostbare Steingefäße aus der prädynastischen  SPEYER Körpers und besondere Objekte zum Schönsein wie 
Zeit bis ins Mittlere Reich  –  v. Chr.   Historisches Museum der Pfalz Kleidung, Frisuren, Schmuck, Parfümfläschchen.
zusammengestellt worden. Sie sind aus gemaserten Vale i ia I. u d die Pfalz i de Späta ike Geöf et: Mo – Uh , Di–So – Uh
und farblich herausragenden Gesteinsarten wie bis 11. August 2019 Paissio St aße
Basalt, Brekzie, Grauwacke oder Diorit hergestellt,  Geöf et: Di–So – Uh . a useu .g
die schwer zu bearbeiten sind. Do platz
. useu .spe e .de
Geöf et: Di–So – Uh s. a. den Beitrag in AW  / , S.  ATHEN
. e . a hei .de Kykladenmuseum
Κ ή . Τ εις α αίες ό εις α εύο :
STUTTGART Α έ α – Ε εύθε α – Κ σός
MÜNCHEN La des useu Wü te eg Dezember 2018 bis April 2019
Staatli he A ike sa lu ge Faszi aio S h e t «Kreta. Drei antike Städte erstehen wieder: Aptera, 
bis 28. April 2019 Eleutherna, Knossos» ist der Titel einer neuen 
Tod in Triest. Auf den Spuren von Johann Joachim Das Schwert wird seit Jahrtausenden von den Menschen großen Ausstellung, die Entstehung, Entwicklung 
Winckelmann als tödliche Waffe, Grabbeigabe oder wertvolles  und Niedergang dieser Orte anhand der neueren
bis 9. Dezember 2018 Prestigeobjekt verwendet.   Exponate – Originale  Ausgrabungen und Forschungen untersucht.
Aus Anlass der  . Todestages von Johann Joachim  aus mehreren Jahrhunderten, Repliken aus Serien  Geöf et: Mo, Mi, F , Sa – Uh , Do – Uh ,
Winckelmann, der am  . Juni   in Triest er- und Computerspielen, Kunstwerke, (andschriften,  So – Uh
mordet wurde, wird nochmals seine Bedeutung für  (ollywood-Plakate – zeigen die bis heute ungebro- Vasilissis Soias u d I odotou
die Klassische Archäologie und für das Kunstver- chene Faszination. . ladi .g
AUSSTELLUNGEN-
EXTRA
BASEL

A ike useu Basel u d


Sammlung Ludwig
a kt! – Die Ku st de Blöße
bis 28. April 2019 Abb. 1
Zecher und (etären 
Geöf et: Di–Mi – Uh , auf einer attischen
Trinkschale des 
Do+F – Uh , Sa+So – Uh Tarquiniamalers
um  /  v. Chr. 
St. Al a -G a e © Antikenmuse-
um Basel, Andreas 
.a ike useu asel. h Voegelin .

NACKT IM MUSEUM?
o D . To as Lo h a da . I a hais he u d klassis he
Griechenland dominiert hingegen der

B ilder von nackten Menschen, Göt-


tern und Helden sind in den an-
ike Kultu e o ip äse t. Au h i
ä li he Akt. De a kte, ohlp o-
po io ie te Mä e kö pe ist das
Sinnbild für den zivilisierten Mann,
der neueren Kunstgeschichte stellt de He os u d de Got. De F aue -
der künstlerische Akt die vielleicht kö pe hi gege lei t i de klassi-
i higste Ko sta te da . Do h ge ade schen Kunst wegen seiner stärkeren
in jüngster Zeit, als Folge der im ver- Se ualisie u g la ge Zeit e hüllt.
gangenen Jahr angestoßenen #MeToo- Nacktdarstellungen von sterblichen
De ate, e de zügellose Da stellu - F aue i de si h dahe u auf e pli-
ge e eh t k iisie t u d ze sie t. zit e ois he Bilde ode sie e de
Selbst historische Kunstwerke werden du h Ko te t u d Ha dlu g «legii-
eu eu teilt. So ges hah es e eits, miert», wie etwa bei den beliebten
Abb.    Der Po des Apollon Sauroktonos,  dass Museumsverantwortliche frei- Da stellu ge o Bade de .
verkleinerte römische Marmorkopie nach dem 
Vorbild des Praxiteles um   v. Chr.  willig Gemälde mit Nacktdarstellun- E t lößte Kö pe i de si h a e
© Antikenmuseum Basel, Ruedi (abegger .
ge a hä gte z . u ekleidete a - auch in völlig anders gelagerten, nega-
ike Statue a de kte . Diese o e st i ko oie te Ko te te : So ohl
o h a e Akio e ha e – ge au i Äg pte u d i Vo de e O ie t,
wie das Zensieren künstlerischer Akte ie au h späte i G ie he la d u d
i de soziale Medie – zu hitzige Ro e de Ra dg uppe de Ge-
Se is us-De ate gefüh t. De ko - sells hat ie Skla e ode A e so-
plizie t ge o de e U ga g it de wie Gefangene und Feinde in Bildern
Na ktheit a hte das Basle A ike - du h Na ktheit loßgestellt. Diese
museum auf die Idee, eine Ausstellung unterstreicht hier die Hilf- und Schutz-
ü e Na ktheit i de a ike Ku st zu losigkeit de Opfe so ie ih u e it-
ko zipie e u d da ei die e e so si - li hes S hi ksal.
ple ie selte gestellte F age zu ea t- Na ktheit hat i de a ike Bild-
o te : Wa u si d die a ike Bild- ku st also ielfälige u d zu Teil o -
e ke de so ot a kt? einander divergierende Gründe, die
Die a ike Kü stle u d Aut ag- al eligiös, al gesells hatspoliis h
geber verbanden mit der Darstel- edi gt si d. Je a h Bildko te t u d
lu g a kte Kö pe u te s hiedli he Zeitstellung deutet die Entblößung mal
Bedeutungsebenen wie Unsterb- U e letzli hkeit al S hutzlosigkeit –
lichkeit, religiöse Unantastbarkeit, al Natü li hkeit, al Site losigkeit
Abb.    Nacktes weibliches )dol der sog.  ode atü li he U sp ü gli hkeit. a . Die Ausstellu g leu htet it u d
(alaf-Kultur, Nordost-Syrien,  . Jt. v. Chr.  Die Nacktdarstellungen der frühen 120 aus den eigenen Beständen aus-
© Antikenmuseum Basel, Ruedi (abegger .
Kulturen des Orients und Griechen- ge ählte O jekte all diese Fa ete
lands stellen überwiegend weibliche aus u d e öf et – it i e s hiede e
Natu - u d F u ht a keitsgöi e Kulturräume übergreifenden Themen-
it e tsp e he d ü e p opo io ie - e ei he – e helle de Ei li ke i die
tem Busen, Bauch und Beckenbereich «Ku st de Blöße».

94
ANTIKE WELT 6/18
AUSSTELLUNGSKALENDER

GROSSBRITANNIEN Geöf et: Di–So . – . Uh Köpfe von Pharaonen, Statuen und Reliefs aus Alt-


Piazza del Ca pidoglio ägypten oder Goldringe einer Königin von Nubien 
. usei apitoli i.o g gezeigt. Dargelegt wird auch die Begeisterung in 
BIRMINGHAM Europa, welche die Pyramiden und Obelisken in der 
The Ba e I situte of Fi e A ts / Coi Galle Neuzeit hervorriefen.
The Last Roman. Peasant to Emperor SYRAKUS Geöf et: Di–So – Uh
bis 14. April 2019 Galleria Civica Montevergini Waldst aße –
Die Ausstellung «Der letzte Römer. Vom Bauern  Archimede a Siracusa . a uz.at
zum Kaiser» stellt das Leben und Wirken des Kai- bis 31. Dezember 2019
sers )ustinianus  reg.  –  vor. Archimedes von Syrakus, einem der größten Wissen-
Geöf et: Di–Sa – Uh , So – Uh schaftler der Antike, ist eine große Ausstellung 
U i e sit of Bi i gha gewidmet. Seine genialen Erfindungen von Kriegs- SCHWEIZ
. a e .o g.uk maschinen und anderen Geräten werden durch 
Zeichnungen, Modelle sowie Multimedia-)nstalla-
tionen ausführlich vorgestellt und erklärt. Eine  VALLON
OXFORD moderne Bronzestatue des Archimedes von Pietro  Musée Romain Vallon
The Ashmolean Museum Marchese am Rivellino del Ponte Umbertino wurde  Des hif es ou des let es. Co pte , al ule ,
A i ous: oy – ade – god im März   am Pi-Tag eingeweiht.  esu es à l’ po ue o ai e
bis 24. Februar 2019 Geöf et: Di–So – Uh Mai–Septe e , Di– bis 24. Februar 2019
Geöf et: Di–So – Uh So – Uh Okto e is Ap il )n der Ausstellung «Zahlen oder Buchstaben. Zäh-
Beau o t St eet Via Sa ta Lu ia alla Badia len, rechnen, messen in römischer Zeit» geht es um 
.ash olea .o g . ost aa hi ede.it Entstehung und Entwicklung der römischen Zahlen-
symbole: um die Zeitrechnung, um das Messen und 
Wiegen sowie um das Geldzählen.
LONDON Geöf et: Mi–So – Uh
The B iish Museu KATAR Ca ig a
I am Ashurbanipal: king of the world, king of Assyria . usee allo . h
bis 24. Februar 2019
Durch die einmalige Sammlung assyrischer Schätze  DOHA
im British Museum – erweitert durch seltene Leih- Museum für Islamische Kunst (Museum of ZÜRICH
gaben – kann das Leben des Assurbanipal  Aššur- Islamic Art) Archäologische Sammlung der Universität
bāni-apli  erzählt werden, der sich selbst als «König  Sy ia ate s Exekias hat mich gemalt und getöpfert
der Welt, König von Assyrien» bezeichnete. ab 23. November 2018 bis 31. März 2019
Geöf et: Mo–So – . Uh Geöf et: Sa–Do – Uh , F . – Uh Geöf et: Di–F – Uh , Sa+So – Uh
G eat Russell St eet Co i he St eet Rä ist aße
. iish useu .o g . ia.o g. a .a hi st.uzh. h

ZÜRICH
NIEDERLANDE KULTURAMA. Museu des Me s he
Wer is(s)t denn da? 80 000 Jahre Essen
und Trinken
ASSEN bis 4. August 2019
Drents Museum Geöf et: Di–So – Uh
Nubië – Land van de Zwarte Farao‘s E glis h ie telst aße
16. Dezember 2018 bis 5. Mai 2019 htp://kultu a a. h
In der Schau «Nubien – Land der Schwarzen Pharao-
nen» werden   Objekte gezeigt, die alle aus 
der Nubischen Sammlung des Museum of Fine Arts
in Boston stammen. Bemerkenswert sind die Funde  SPANIEN
aus der Pyramide des Königs Taharqa aus dem 
Jahr   v. Chr. und prächtiger Goldschmuck aus 
anderen nubischen Pyramiden, wie z. B. die der  MADRID
Gemahlinnen der Könige Pianchi und Schebitko. Museo A ueológi o Na io al
«Ashurbanipal»: Detail von einem Relief, Ashurbani- Geöf et: Di–So – Uh
pal bei der Jagd. Ninive,  –  v. Chr.  © The  Bi k Musas
Trustees of the British Museum . .d e ts useu . l bis 9. Dezember 2018
Drei römische Fresken, die in den vergangenen Jah-
ren bei Ausgrabungen im Parque Arqueológico
ITALIEN LEIDEN del Molinete  Cartagena  gefunden worden sind, 
Rijksmuseum van Oudheden werden jetzt nach ihrer Restaurierung zum ersten 
Goden van Egypte Mal ausgestellt: Apollon und die beiden Musen 
POMPEII bis 31. März 2019 Kalliope und Terpsichore.
A i ua iu «Die Götter Ägyptens» werden mit ca.   Objek- A s hließe d i Museo A ueológi o de Mu ia,
Alla ricerca di Stabia ten – Statuen von Göttern, Reliefs, Stelen und  .  .   –  .  . 
bis 31. Januar 2019 Papyri – aus niederländischen und anderen europä-
«Auf der Suche nach Stabia» ist eine Entdeckungs- ischen Museen vorgestellt Galaicos. Un pueblo entre dos mundos
reise durch die Geschichte des antiken Stabiae:  Geöf et: Di–So – Uh bis 3. Februar 2019
dabei stehen besonders die Funde aus der Nekropo- Rape u g «Die Gallaeker. Ein Volk zwischen zwei Welten» ist 
le von Madonna delle Grazie und dem außerstädti- . o. l eine Ausstellung, die das reiche kulturelle Erbe 
schen (eiligtum von Privati im Mittelpunkt. der Vorgeschichte von Galizien mit einer Auswahl 
Geöf et. Mo–So – Uh repräsentativer archäologischer Objekte präsen-
.po peiisites.o g tiert.
ÖSTERREICH
Geöf et: Di–Sa . – Uh , So .  –  Uh
ROM Calle de Se a o
Musei Capitoli i MISTELBACH . a .es
La Roma dei Re Museumszentrum
bis 27. Januar 2019 Faszi aio Py a ide
Die Ausstellung «Das Rom der Könige» wirft einen  bis 25. November 2018
Blick auf die älteste Phase der Geschichte Roms:  Den Fragen nach Bau, Bauzeit, Finanzierung und  Hi eise auf So de ausstellu ge
die Stadtentwicklung, die Religion, das Alltagsleben,  Bedeutung der Pyramiden wird durch Modelle  kö e Sie ge e a diese Ad esse s hi ke :
die technischen Fertigkeiten, die kulturellen Kontakte. und Zeichnungen nachgegangen. Daneben werden ak@ g- isse e i det.de

95
ANTIKE WELT 6/18
VORSCHAU

DAS NÄCHSTE HEFT ERSCHEINT


WIRTSCHAFT IN DER ANTIKE
AM 11.1.2019
1.19
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TITELTHEMA
Ar häologie u d
Kulturges hi hte

WIE GE)IELTE WERBUNG o A ja Sla is h


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195049
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A o e e tpreis Hete jährli h u d ei zusätzli hes
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Ro Klassis he Ar häologie , Prof. Dr. Tho as O. Höll a , Preis der Ei zel u er: € , D zzgl. Porto. *ggf. zzgl. M St.
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e- ail: hk@ha e-k i k a .de Dru k: Süddeuts he Verlagsgesells hat Ul
.ha e-k i k a .de
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)urzeit gelte die Mediadate , gülig seit Septe er . ISSN: - -X; ISBN: - - - - ;- - PDF

96
ANTIKE WELT 6/18
GEFLÜGELTE WORTE

)I‹A‹E AUS DER AL‹EN WEL‹ – WOHER SIE KOMMEN UND WAS SIE BEDEU‹EN

«LIEBER EIN EINZIGES PHÄNOMEN


ERKLÄREN von Klaus Bartels

Naturwisse schat zwische de Perserthro  …

U die Mite des . Jhs. . Chr. hat Leukipp, der Begrü der des grie his he Ato is us, i sei er
– erlore e – S hrit Ü er die Ver u t als erster ei e dur hgehe de Naturgesetzli hkeit
postuliert: «Ni hts ges hieht aufs Gerate ohl, so der alles aufgru d ei er Verhält is äßigkeit
Die Zitate
Leukipp, Frag e t B
Diels-Kra z – De okrit,
u d u ter ei er Gesetz äßigkeit.» Leukipps Leitsatz eröf ete der ju ge Natur isse s hat Frag e t Diels-Kra z –
A a agoras ei Aristote-
ei eites Fors hu gsfeld. Mite dahi ei gehört das gra diose Beke t is sei es «S hülers» u d les, Protrepikos, Frag e t
B Düri g – Aristoteles,
Fortsetzers De okrit, das ir ei Euse ios lese : «De okrit plegte zu sage , er olle lie er ei De pari us a i aliu ,
. f. – «Alle Me -
ei ziges Natur- Phä o e erkläre – grie his h it ei e jü gere ‹er i us: ía heureí aiio- s he ...»: Aristoteles,
logía , ei e ei zige Ursa he erkläru g i de –, als dass ih das Kö igrei h der Perser zuiele.» Metaphysik , . a f.

Na h de Sturz des L derkö igs Kroisos u d de Aufsieg K ros’ «des Große » ar der persis he
Kö igsthro au h i der grie his he Welt zu I egrif o Glü k, Ma ht u d Rei htu ge or-
de . Höher ko te der ielseiig gelehrte De okrit da als i ht greife , als er de ielgerüh te
l dis he , persis he Herrs herglü k sei it der Wisse s hat sel st eu e tde ktes Fors her-
glü k e tgege setzte. U d für de et as ältere A a agoras, de Erklärer der Mo d- u d So e -
i ster isse, ezeugt Aristoteles i sei e Protrepikos ei äh li h ho hgreife des Wort: «Vo
A a agoras sagt a , er ha e auf die Frage, u esse t ille a ü s he kö e, auf die Welt
zu ko e u d zu le e , die A t ort gege e : U de Hi el zu etra hte u d die Ster e
a Hi el u d de Mo d u d die So e – da alles Ü rige ja i hts ert sei.»

… und Tintenfischgekröse
So die Vorsokraiker De okrit u d A a agoras zu Fors herglü k auf de Felder des Klei ste u d
Größte , der u er üstli he Ato e u d der u ergä gli he Gesir e. Ei Jahrhu dert später
hat Aristoteles, der Begrü der der )oologie, sei e S hüler au h auf de Feld des Le e de «ü er-
älige de Freude » erheiße . Do h hier hate die ju ge Wisse s hat or alle Freude des
Geistes do h o h ei ige A s heu der Si e or ihre eige e Gege sta d zu ü er i de . I ei-
e ei dri gli he Plädo er für «sei e» )oologie appelliert Aristoteles a ei e S hülers hat,
die si h, e s ho für irdis hes Geier, da do h eher für Re pferde u d Jagdhu de als für
‹i te is he egeisterte:
«We ir u ü er die i de ‹iergestalte irke de Ph sis spre he , olle ir a h Mögli hkeit
kei e Gatu g eiseitelasse ... De au h ei de ‹iere , die für u sere Si es ahr eh u g
dur haus i hts A ge eh es a si h ha e , hält de o h die Bau eisteri Natur s hier ü er äl-
ige de Freude – a e há us hedo ás – ereit, jede falls für den Betra hter, der si h je eils
die Grü de zu erkläre er ag u d o Natur isse s hatli he Erke t is su ht. ... Daher darf a
i ht auf ki dis he Weise Wider ille e pi de gege die U tersu hu g der Gatu ge
geri gere Ra ges. De alle Natürli he oh t et as Stau e s ertes i e. ... So uss a
au h a die U tersu hu g jeder ei zel e ‹iergestalt oh e Naserü pfe hera gehe , i Ver-
traue darauf, dass i ih e alle et as Natürli hes u d da it et as S hö es zu i de ist.»
A ders als der Leukippis he u d De okriis he Ato is us u d die A a agoreis he, Plato is he
u d da Ptole äis he Astro o ie hat die Aristotelis he )oologie erst i der Re aissa e ihre
Fortsetzu g gefu de . «Alle Me s he stre e o Natur a h de Wisse », hate e e dieser Aris-
toteles a A fa g sei er Metaphysik erklärt: «Ei )ei he dafür ist, ie i hig u s u sere
Si es ahr eh u ge si d.» Da ha e die ju ge alte Grie he da do h lie er auf die leu hte -
de Gesir e als i s eklige Gekröse ges haut.

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Archäologischer
Kalender 2019
Der ›Archäologische Kalender‹ ist legendär: Ausgewiesene
Kenner wählen die schönsten Motive der antiken Kulturgeschichte
aus und erzählen ihre Geschichte. Stilvoll, facettenreich und
spannend. Statuen, Vasen, Schmuckstücke oder Gemälde: Jedes
einzelne dieser antiken Kunstwerke wird in dem zweiwöchigen
Kalender zu einem Fest für die Augen und - mit seiner genauen
kunstgeschichtlichen Erklärung auf den Rückseiten - zu einer
beeindruckenden Reise in die größten Hochkulturen des
Altertums.

Jetzt
lieferbar!

2018. 28 S. mit 28 farb. Abb.,


22 x 33 cm, Spiralbindung. wbg Zabern, Darmstadt
19,95 €
ISBN 978-3-8053-5151-5

wbg-wissenverbindet.de
Reich bebilderter Katalog
zur Ausstellung
Die mykenische Kultur gilt als erste Hochkultur auf dem europäischen Festland.
Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes und in Mittelgriechenland erlebte
sie ihren Höhepunkt zwischen 1600 und 1200 v. Chr. Die mykenische Zeit, so
glaubte man anfangs, war die Epoche der sagenhaften Helden und Könige
aus den Epen Homers. Aber waren Mykenes Zyklopenmauern mit dem welt-
berühmten Löwentor wirklich die Burg Agamemnons, der die Griechen in den
Krieg gegen Troja führte?
Der Katalog zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum gibt einen neuen
und profunden Überblick über Mythos und Wirklichkeit der mykenischen
Kultur. Reich bebildert: mehr als 350 erstmals der Öffentlichkeit präsentierte
Funde illustrieren anschaulich Entwicklung und Kunst der mykenischen Ägäis.

Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.)


Mykene
Die sagenhafte Welt des Agamemnon
2018. Etwa 400 S. mit etwa 500 farb. und s/w Abb. und Kt.,
23 x 27,5 cm, geb. mit SU. wbg Zabern, Darmstadt.
€ 39,95. ISBN: 978-3-8053-5179-9

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