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VERANSTALTUNGEN UNSERER ZEITSCHRIFTEN

AiD
| N DEUTSCHLAND 05 2018
Oktober – November

aid-magazin.de
9.−11. November 2018

Freitag, 9. November 2018:


Bis 14.00 Uhr:

VORMERKEN
15.00 Uhr:
16.30 Uhr:
Studientage der Archäologie in Deutschland
«Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland»
19.30 Uhr: 9. und 10. November 2018
jeweils 10−17 Uhr

Samstag, 10. November 2018:


10.15 Uhr:
14.00 Uhr:
19.30 Uhr:

Sonntag, 11. November 2018:


punktthemen Mobilität, Konlikt, Austausch und Innovation.
11.00 Uhr:

1 Tag:

Beide Tage:
€ (D) 11,95
RIESENRAD INTERNIERUNGSLAGER MITTELALTER
UNTER TAGE IN DER KARIBIK SELBST ERLEBEN
05

Weitere Informationen gibt es direkt bei: Um Anmeldung wird gebeten:


Neues aus zehn Jahren Relikte der britischen Lebendige Geschichte
WBG − Archäologie in Deutschland
511959

59427 Unna Bergbauforschung im Kolonialmacht in Trinidad im Berliner Museumsdorf


Erzgebirge ➔ Seite 8 und Tobago ➔ Seite 14 Düppel ➔ Seite 68
190842
4
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Alle Partner-Museen im Überblick:


Die KulturCard
1 5 24 22
für Abonnenten!
27
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12 Als Abonnent erhalten Sie mit der KulturCard vergünstig-
ten Eintritt in die Museen unserer Partner! Dies kann eine
16 9 Ermäßigung von 40-50 % auf den regulären
20 17
21
6 26 13 Eintrittspreis oder 2 Karten zum Preis
29
7
8
von einer sein. www.wbg-kulturcard.de
11 4 302
19
15 14 10
28
18
23 Unsere neuen KulturCard-Partner:
25

1 Bremerhaven Deutsches Auswandererhaus


2 Darmstadt, Institut Mathildenhöhe – Künstlerkolonie MONREPOS – Archäologisches
3 Bramsche-Kalkriese, Museum und Park Kalkriese Forschungszentrum und Museum
4 Darmstadt, Schlossmuseum für menschliche Verhaltensevolution
Schloss Monrepos
5 Hamburg, Archäologisches Museum
D-56567 Neuwied
6 Geisa, Gedenkstätte Point Alpha Tel: 02631-9772-0
monrepos@rgzm.de
7 Bad Homburg, Römerkastell Saalburg
www.monrepos-rgzm.de
8 Glauberg, Keltenwelt am Glauberg Öffnungszeiten: Di – So: 10 – 17 Uhr und nach Absprache.
9 Halle (Saale), Landesmuseum für Vorgeschichte
10 Wittelshofen, Römerpark und Limeseum
11 Manderscheid, Maarmuseum
12 Schöningen, Paläon
13 Chemnitz, smac- Staatl. Museum für Archäologie Archäologisches Museum Frankfurt
Karmelitergasse 1
14 Mannheim, TECHNOSEUM D-60311 Frankfurt am Main
15 Perl-Borg, Archäologiepark Römische Villa Borg Telefon 069 212-35896
info.archaeolmus@stadt-frankfurt.de
16 Essen, Ruhr-Museum UNESCO-Welterbe Zollverein www.archaeologisches-museum.frankfurt.de
17 Nebra, Arche Nebra Öffnungszeiten: Di bis So: 10 – 18 Uhr,
Mi: von 10 - 20 Uhr, Mo: geschlossen
18 Manching, kelten römer museum
19 Rothenburg o.d.T., Mittelalterl. Kriminalmuseum
20 Kassel, Museum für Sepulkralkultur
21 Neanderthal Museum Mettmann
22 Neustrelitz, Kulturquartier
23 Blaubeuren, urmu - Urgeschichtliches Museum
24 Hamburg, Auswanderermuseum BallinStadt
25 Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen
26 Memleben, Kloster und Kaiserpfalz
27 Brandenburg, Archäologisches Landesmuseum Paulikloster
28 Weißenburg, RömerMuseum, Römische Thermen,
ReichsstadtMuseum
29 Neuwied, MONREPOS NEU
30 Frankfurt, Archäologisches Museum Frankfurt NEU
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Editorial

Sensation unter Tage:


In Bad Schlema wurde
ein Kehrrad mit 11,4 m
Durchmesser geborgen –
eine der größten Maschi-
nen der Zeit um 1500.
➔ Seite 11

Die AiD im neuen Look


Liebe Leserinnen und Leser,
wie Sie bestimmt sofort bemerkt haben, erscheint die AiD nun in neuem Layout. Verlag und Herausgebern war
es wichtig, der Zeitschrit ein klares und zeitgemäßes Erscheinungsbild zu geben. Die Reihenfolge der Beiträge
hat sich etwas verändert, das Schritbild ist moderner geworden und der Einstieg ins Titelthema prominenter
gestaltet. Selbstverständlich bleibt der Inhalt unverändert, und die Wissenschatler berichten weiterhin in ge-
wohnter Weise »aus erster Hand« über die Neuigkeiten der Archäologie. Wir hofen sehr, dass Ihnen unser neuer
»Look« gefällt und sind auf Ihre Meinung gespannt.
Wie bisher bietet dieses Het wieder zahlreiche interessante Beiträge und viele spannende Informationen.
Im Titelthema, das nun nur noch »Thema« heißt, dreht sich alles um vor- und frühgeschichtliches Gold, dem sich
die Autorinnen und Autoren unter verschiedenen Blickwinkeln nähern. Beleuchtet werden die potenziellen prä-
historischen Goldlagerstätten, der bronzezeitliche Bergbau in Georgien während des 4. Jt. v. Chr., die berühm-
ten Schätze aus Qatna oder aber die herausragende Goldschmiedekunst von Kelten und Wikingern. Der Schatz-
fund von Hiddensee zeigt beispielhat die hohe Qualität des wikingerzeitlichen Goldschmucks, der heidnische
und christliche Symbole vereint.
Nicht nach Gold, sondern nach Silber grub man im Mittelalter im Erzgebirge, einer der bedeutendsten mit-
telalterlichen Bergbauregionen Europas. Unser Beitrag fasst die zehnjährigen Forschungen im Erzgebirgsraum
auf böhmischer und sächsischer Seite zusammen. Das Team des deutsch-tsche-
chischen ArchaeoMontan-Projektes hat in dieser Zeit mit vielfältigen Untersu-
chungsansätzen bemerkenswerte Ergebnisse zum montankulturellen Erbe des 12. bis
16. Jh. erzielt. Enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf allen Ebenen, mo-
dernste Untersuchungs- und Dokumentationsmethoden und die großzügige Unter-
stützung durch EU-Fördermittel haben es ermöglicht, Teile dieses bedeutenden eu-
ropäischen Erbes seit August 2018 auch museal in Dippoldiswalde zu präsentieren.
Nahezu 1000 Objekte harren aber noch ihrer Konservierung, und es bleibt abzuwar-
ten, inwieweit es gelingt, dieses einmalige Erbe für die Nachwelt zu retten.
Auch führen wir Sie nach Schottland zum römischen Militärlager von Ardoch, zu
den spätantiken und frühmittelalterlichen Relikten im ungarischen Keszthely-Fe-
nékpuszta oder sogar bis in die Karibik, wo die »Five Islands« – eine kleine Inselgruppe
vor Port of Spain, der Hauptstadt von Trinidad und Tobago – näher untersucht wurden.
Ziel der Archäologen waren in erster Linie Quarantänestationen für indische Ein-
wanderer sowie Aufanglager für Flüchtlinge aus Europa in den 1930er Jahren.

Ich wünsche Ihnen eine spannende und abwechslungsreiche Lektüre,

Ihre Regina Smolnik, Landesarchäologin von Sachsen

| 2018 1
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INHALT 20
Goethe brachte es auf den Punkt: »Nach Golde drängt,
AiD 5 | 2018 am Golde hängt doch alles!« Um den Besitz des Edelmetalls
wurde gemordet, hat man Kriege geführt und Massaker
verübt. Die Gier nach dem edlen Metall ist nicht neu, sie ist
Jahrtausende alt. Unser Thema beleuchtet den Weg des Goldes
aus den frühen Bergwerken über die kunstvolle, aufwendige
Verarbeitung bis hin zu den prächtigen Prestigeobjekten, die
den Betrachter in Staunen versetzen.

THEMA
20 GOLD
22 Woher kommt das Gold?
Natürliche Lagerstätten und
antiker Abbau

24 Ein Bergwerk im Kaukasus

28 Macht und Pracht bei den Wikingern

32 Tradition und Innovation der


frühen Kelten

36 Ein Luxusgut in Palästen und


Tempeln Altsyriens

Ob Geschichte zum Anfassen im Berliner


Museumsdorf Düppel oder Naturerlebnis auf
der Milseburg, dem höchsten Berg der Rhön –
unsere neu gestaltete Rubrik Sehenswert
begleitet Sie zu den schönsten Ausflugs-
zielen und gibt interessante Tipps zu
weiteren lohnenden Sehenswürdigkeiten.

68
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2 AiD 5 | 2018
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8
Vor 10 Jahren wurden die Silberberg-
INHALT
werke von Dippoldiswalde entdeckt. AiD 5 | 2018
Was damals eine Sensation war, ist heute
immer noch für Überraschungen gut.
Nach wie vor fördern Montanarchäologen
an der sächsisch-böhmischen Grenze 1 Editorial
neue Erkenntnisse zum mittelalterlichen
Bergbau im Erzgebirge zutage. 4 Im Blickpunkt

8 Forschung

48
Bei Skeletten aus mittelalterlichen und neuzeitlichen
14
Silber aus dem Erzgebirge

Weltweit
Karibische Geschichte –
Gräbern findet man gelegentlich Bleiplatten und fern und doch so nah
Bronzeplättchen. Eine aktuelle Untersuchung unserer
Autoren zeigt: Sie dienten medizinischen Zwecken. 20 Thema: GOLD

Europa
40 Ardoch: Militärposten am
Rand des Reichs
44 Festung am Plattensee

Report

40
1842 besuchten Queen Victoria und Prinz Albert
48

50
Bleiplatten und Bronze-
bleche als Medizin
Ländlicher »Kult-Hotspot«
im römischen Rheinland?
Ardoch in Schottland. Während Victoria es vorzog,
in der Kutsche zu bleiben, inspizierte Albert die 52 Aktuelles aus der
Befestigungen: Das wohl am besten erhaltene Landesarchäologie
römische Kastell Großbritanniens ist heute
ein außerordentlich gut erforschter Platz.

68 Museumsdorf SEHENS
Düppel – Mittelalter WERT
Die Villa rustica von Borschemich – noch ein
für alle Sinne
großes römisches Landgut? Das auch, aber 70 Die Milseburg –
darüber hinaus dokumentieren die Ausgräber »Perle der Rhön«
äußerst ungewöhnliche Befunde. Unser Autor
spricht von einem ländlichen »Kult-Hotspot«
im römischen Rheinland. 72 Wissenswert

50 Service für unsere Abonnenten


75
75
76
Autoren dieses Hetes
Impressum
Bücher und Medien
Für alle Fragen zum Bezug der »AiD« 78 Ausstellungen
gibt es folgende Service-Nummern: 80 Bildnachweis
Telefon 02225 7085-361
Fax 02225 7085-399 81 Rätsel
Wie immer erreichen Sie Redaktion und
Leserservice auch elektronisch unter
redaktion@aid-magazin.de
und service@aid-magazin.de.

AiD 5 | 2018 3
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Im Blickpunkt
Neolithisches Massengrab Untersuchungen im Ägyptischen Museum
Hingerichtete Kriegsgefangene? in Kairo besteht die Maske aus Silber und
Mitarbeiter des »OsteoArchaeological Re- ist teilweise vergoldet. Die Augen wurden
search Centre« in Goslar publizierten un- als Einlegearbeit mit einem schwarzen
ter der Leitung des Anthropologen Chris- Edelstein – möglicherweise Onyx – sowie
tian Meyer Ende Juni in »Nature Commu- Calcit und Obsidian ausgeführt.
nications« brandneue Ergebnisse zum Teamleiter Ramadan Badry Hussein:
Skelettmaterial aus dem neolithischen »Der Fund … darf als Sensation gelten.
Massengrab von Halberstadt in Sachsen- Nur sehr wenige Masken aus Edelmetall
Anhalt: In dem Grab lagen bis auf eine haben sich bis heute erhalten, weil die
Ausnahme nur jüngere Männer, die durch Im Massengrab von Hal- den scheinbar ganze Siedlungsgemein-
gezielte Schläge auf den Hinterkopf um- berstadt lagen fast aus- schaten gewaltsam ausgelöscht. Alles
schließlich jüngere Män-
gebracht worden waren. Isotopenanalysen deutet darauf hin, dass in Halberstadt
ner. Spuren an den Schä-
an Knochen und Zahnschmelz konnten zu- deln zeigen: Man hat sie dagegen eine Gruppe von Gefangenen
dem belegen, dass die getöteten Männer durch gezielte Schläge fremder Herkunt getötet wurde. Mögli-
nicht aus der gleichzeitigen Siedlung vom auf den Hinterkopf ge- cherweise bildet Halberstadt somit einen
gleichen Fundplatz stammten. tötet. Die Individuen Gegenpol zu den anderen Nachweisen
werden durch unter-
Das Massengrab wurde 2013 entdeckt kollektiver Gewalt. Vorstellbar ist, dass die
schiedliche Farben her-
und in die Zeit der späten Linearbandkera- vorgehoben. Toten selbst Aggressoren waren, die bei
mik um 7000 v. Chr. datiert. Aus dieser Zeit ihrem Vorhaben scheiterten. | AiD
kennt man ähnliche Befunde: Herxheim,
Talheim, Wiederstedt und Schöneck-Kili- Mumienmaske entdeckt
anstädten in Deutschland sowie Asparn/ Tübinger Ägyptologen in Sakkara
Vergoldete Maske
Schletz in Österreich. Gewöhnlich findet Wissenschatler der Universität Tübingen
eines mumifizierten
man im Unterschied zu Halberstadt zu Priesters in Sakkara,
entdeckten im Juli im ägyptischen Sakka-
etwa gleichen Teilen Erwachsene und Kin- Ägypten, 26. Dynastie ra eine Mumienmaske aus der Zeit der
der beiderlei Geschlechts – mitunter wur- (664– 404 v. Chr.). 26. Dynastie (664–404 v. Chr.). Nach ersten

4 AiD 5 | 2018
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Mehrzahl der Gräber altägyptischer Wür- Linienbandkeramische zwei Skeletten großer ausgestorbener
denträger schon in der Antike geplündert Scherbe aus Droßdorf Damhirsche entdeckt. Neandertaler er-
in Sachsen. Birkenrinde
wurde.« Die wertvolle Maske lag auf dem legten die Tiere vor 120 000 Jahren an ei-
und Birkenpech bilden
Gesicht einer Mumie in einem stark be- ein außergewöhnlich
nem kleinen See, heute der Tagebau Neu-
schädigten Holzsarg. Die Verzierung des ästhetisches Muster. mark-Nord in der Nähe von Halle in Sach-
Sarges lässt darauf schließen, dass es sich Höhe der Scherbe 4,1 cm. sen-Anhalt.
bei dem Toten um einen Priester der Göt- Beide Jagdverletzungen konnten im
tin Mut und der Göttin Niut-schi-es han- Experiment mithilfe modernster Bewe-
delte. gungssensorik exakt reproduziert werden.
Der Grabkomplex besteht aus mehre- Das Ergebnis zeigt: Die Spuren verursach-
ren teils über 30 m tiefen Schachtgräbern. te ein hölzerner Speer, der mit geringer
Über einem der Hauptschächte fanden die Geschwindigkeit aufwärts bewegt worden
Wissenschatler unter anderem die Reste war. Dies deutet darauf hin, dass sich der
eines rechteckigen Gebäudes mit zwei weitaus schlechterem Erhaltungszustand jagende Neandertaler dem Tier bis auf
großen Becken, die vermutlich zur Verar- auch in Siedlungen nachweisbar. Dieser sehr kurze Distanz näherte und mit dem
beitung von Natron zum Trocknen der Lei- Verzierungsstil wird nach Funden in einem Speer zustieß. Der Speer wurde also nicht
chen und zur Vorbereitung der Leinen- Prager Stadtteil »Šarka« genannt und als Wurfwafe verwendet. Diese sicher
binden für die Mumifizierung dienten. scheint viel weiter verbreitet gewesen nicht einfache Art der Jagd erforderte sorg-
Ebenfalls auf den Prozess der Balsamie- zu sein als bisher angenommen. fältige Planung, Tarnung sowie ein enges
rung deuten Gefäße hin, die beschritet | Frank Schell Zusammenspiel der einzelnen Jäger.
sind mit den Namen von Ölen und Sub- Der See, an dem die beiden Damhir-
stanzen, die für die Mumifizierung not- So jagte der Neandertaler sche erbeutet wurden, war von geschlos-
wendig waren. | AiD 120 000 Jahre alte Spuren senen Wäldern umgeben – eine Umwelt,
In der Zeitschrit »Nature Ecology & Evo- die für Jäger und Sammler eine besonde-
lution« berichtet ein internationales For- re Herausforderung darstellt. Allerdings
Neolithisches Kunsthandwerk scherteam über die ältesten unzweifel- brachten die Ausgrabungen der einzigar-
Scherbe mit Intarsien haten Jagdverletzungen der Mensch- tigen Seenlandschat, die sich in Neu-
2014 wurde in Droßdorf im Landkreis Leip- heitsgeschichte. Die Spuren wurden an mark-Nord während der letzten Warmzeit
zig ein linienbandkeramischer Brunnen
entdeckt, der mithilfe der Jahrringe der
Holzeinbauten inzwischen exakt in das
Jahr 5134 v.Chr. datiert werden kann. Der
Befund wurde en bloc geborgen, in eine
Halle gebracht und seitdem Schicht für
Schicht untersucht. Dabei traten immer
wieder spektakuläre Funde zutage, so das
Skelett eines Rehkitzes (AiD 6/ 2016, S. 52)
und ein Beutel aus Rindenbast zum Was-
serschöpfen (AiD 1/ 2018, S. 52).
Jüngst wurde etwa 1 m über der Sohle
die Randscherbe eines außergewöhnlich
verzierten Kumpfes gefunden. Die Ober-
fläche des Gefäßes hatte man mit Bir-
kenpech überzogen und in das Pech Bir-
kenrinde eingelegt – so genannte Intar-
sien. Dabei entstanden filigrane Girlanden
von 2 bis 3 mm Breite. Unter dem Rand
verlaufen sechs Reihen hängender Drei-
ecke, darunter formen weitere drei bis vier
Reihen stehender Dreiecke den Beginn ei-
ner Spirale – ähnlich wie bei einem Gefäß
aus dem Brunnen von Altscherbitz. Der
Kontrast von goldgelb leuchtender Rinde Jagdverletzung am
Halswirbel (links) und
auf schwarzem Pech ist von außerge-
am Becken eines Dam-
wöhnlichem Reiz. Drei ähnliche Scherben
hirsches, von Neander-
kennen wir aus einem Brunnen in Eythra, talern an einem See
darüber hinaus sind derartige Funde in nahe Halle getötet.

AiD 5 | 2018 5
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Auf den Spuren der Wikinger in Jütland


Von Haithabu nach Lindholm Høje
LESfürELesRerRderEISE
Exklusiv
and
Archäologie in Deutschl

8 Tage Studienreise zu den archäo-

© Ostseefjord Schlei GmbH / Pries


„

logischen Höhepunkten Jütlands


„Besuch der neu ernannten
UNESCO-Weltkulturerbe Stätten
Haithabu und Danewerk
„Auf den Spuren des historischen
Ochsen- bzw. Heerweges
„Studienreiseleitung Hery A. Lauer, M.A.

Reisetermin: 05.05. – 12.05.2019


Ihr Reiseprogramm (Änderungen vorbehalten) 5. Tag: Aarhus (F/A)
Der Tag ist Aarhus gewidmet. Zunächst Besuch der Mari-
1. Tag: Göttingen – Hamburg – Schleswig (A) enkirche mit einer Krypta aus dem 11. Jh. und einer
Am Vormittag gegen 10 Uhr Abfahrt am Bahnhof in unter einem Bankgebäude konservierten wikingerzeit-
Göttingen. Von dort fahren Sie über Hamburg (Zustiegs- lichen Ausgrabungsfläche. Im Museum und im Vorge-
möglichkeit) nach Schleswig. Unter dem Namen Slias- schichtspark Moesgård werden Funde und Rekonstruk-
thorp wurde die Stadt 804 das erste Mal erwähnt. Stopp tionen aus der Wikingerzeit und der gesamten Archäo-
im Stadtteil Busdorf mit seinen zwei Grabhügeln und logie Dänemarks ausgestellt. Rückfahrt nach Viborg zum
einem Runenstein. Der Skarthi-Stein wurde 1857 ent- Hotel.
deckt. Anschließend Fahrt zum Hotel und Check-In.
6. Tag: Limfjord (F/A)
3 Übernachtungen: Hotel Waldschlößchen****.
Zwei der „Trelleborgen“, Befestigungen des 10. Jh.
2. Tag: Haithabu (F/A) stehen heute auf dem Programm: die Rundburgen Fyr-
Ausführlicher Besuch des neuen UNESCO-Weltkultur- kat und Aggersborg. Die Anhöhe Lindholm Høje über- Reisepreis pro Person in EUR
erbes Haithabu an der Schlei. Um 800 n. Chr. wurde die rascht mit einem aus hunderten von Steinsetzungen Im Doppelzimmer 1.990,--
Siedlung von den Wikingern gegründet. Schnell wuchs bestehenden eisen- und wikingerzeitlichen Gräberfeld. Einzelzimmerzuschlag 298,--
sie zu einem der bedeutendsten Siedlungsplätze in Nord-
7. Tag: Jelling (F/A) Eingeschlossene Leistungen
europa an. Die zahlreichen Funde, die auf dem Areal
Der kleine Ort Jelling wird dominiert von einer Denkmä- „Anreise im Reisebus ab/bis Göttingen bzw. Hamburg
ausgegraben wurden, werden heute im Wikinger Muse-
lergruppe, die zu den hervorragendsten wikingerzeitli- „Transfers im Reisebus
um Haithabu ausgestellt. Anschließend Besuch weiterer
chen Monumenten Dänemarks zählt: eine mittelalterli- „Fahrten, Ausflüge, Besichtigungen lt. Reiseprogramm
benachbarter Denkmäler, wie der Hochburg, dem Königs- che Steinkirche, flankiert von zwei Großgrabhügeln, vor „Eintrittsgelder lt. Reiseprogramm
hügel und Runensteinen. Nachmittags Besichtigung des ihr zwei Runensteine, die König Harald Blauzahn und „7 Übernachtungen in den im Reiseprogramm genannten
Schleswiger Doms. seine Eltern Grom und Thyra, erwähnen. Weiterfahrt Hotels o.ä. in Zimmern mit Bad oder Dusche/WC
3. Tag: Danewerk (F/A) über Bække mit seinen Grabhügeln, Schiffsetzungen und „Mahlzeiten lt. Reiseprogramm
Zu Fuß und per Bus folgen Sie heute der Befestigungs- Runensteinen nach Schleswig. Übernachtung: Hotel (F = Frühstück, A = Abendessen)
Waldschlösschen****. „1 aktueller Reiseführer pro Zimmer
linie des früh- und hochmittelalterlichen Danewerks
„Studienreiseleitung ab/bis Göttingen Hery A. Lauer, M.A.
zwischen Schlei und Treene. Das größte Denkmal der 8. Tag: Schleswig – Hamburg – Göttingen (F)
Wikingerzeit sicherte einst die Südgrenze des alten däni- Bei Kropp besuchen Sie noch einmal den Heer- und Nicht eingeschlossen
schen Reiches, heute ist es UNESCO-Weltkulturerbe. Sie Ochsenweg. Der historische Landweg auf der kimbri- Anreise nach Göttingen bzw. Hamburg, persönliche Aus-
besuchen das Danewerkmuseum, die Waldemarsmauer schen Halbinsel führt von Viborg in Dänemark nach gaben wie weitere Mahlzeiten, Getränke, Reiseversiche-
und die Hügelgräber Tweebarge. Am Nachmittag Besich- Wedel in Schleswig-Holstein. Der Weg entstand wahr- rungen, optionale Ausflüge und Trinkgelder.
tigung des Haithabumuseums und der Nymadenhalle. scheinlich in der Bronzezeit. Vom 16. bis 18. Jh. wurde
Anschließend Zeit zur freien Verfügung. Unternehmen Sie er als Viehtriebstrecke genutzt. Anschließend Rückfahrt Teilnehmer
einen Stadtrundgang oder besichtigen Sie die Samm- über Hamburg nach Göttingen. Bis 12 Wochen vor Reisebeginn zu erreichende Teilnehmer-
lungen im Schloss Gottorf. zahl: min. 20, max. 25 Personen.
Ihre Reiseleitung: Hery A. Lauer, M.A.
4. Tag: Schleswig – Heerweg – Viborg (F/A) Herr Lauer ist seit seinem Studium Weitere Informationen unter
Fahrt über die dänische Grenze nach Hovslund, wo ein der Ur-, Früh- und Kunstgeschichte www.karawane.de
Runenstein, ein markantes Hügelgrab mit Bautastein und sowie der Geografie als freiberuf-
die Immervad-Brücke unmittelbar an der alten Verbin- licher Archäologe tätig. Neben der Webcode: 33148
dungslinie durch Jütland, dem Heerweg liegen. Weiter- Reiseleitertätigkeit zählen zu seinen
fahrt nach Viborg. Hier Besichtigung der mittelalterlichen Aktivitäten Ausgrabungen im In- Reiseveranstalter
Kirche Tamdrup und der beiden Runensteine in Sonder- und Ausland, die Publikation archäologischer Führer Karawane Reisen GmbH & Co. KG, Ludwigsburg
Vissing. Check-In im Hotel. 3 Übernachtungen: Best sowie intensive Öffentlichkeitsarbeit mit Vorträgen und
Western Golf Hotel****. Exkursionen. Reisevereinbarungen: www.karawane.de/agb

Karawane Reisen GmbH & Co. KG in Kooperation mit


Schorndorfer Str. 149 · 71638 Ludwigsburg · Ansprechpartner: Nicole Heldmann
Tel + 49 (0) 7141 2848-13 · nicole.heldmann@karawane.de · www.karawane.de
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ausbreitete, zehntausende Knochen gro- archäologische Forschung, um die wirt- Der wikingerzeitliche len. Seit Kurzem stehen neue Geräte mit
ßer Säugetiere zutage, darunter Rot- und schatliche, soziale und historische Ent- Handelsplatz Haithabu einer größeren Öfnung für die Patienten
(links) wurde nie über-
Damhirsche, Pferde, Wildrinder, außer- wicklung im wikingerzeitlichen Nordeu- zur Verfügung. So konnte nun auch der
baut. Der Krummwall
dem Tausende Steinartefakte. Diese rei- ropa zu verstehen. (rechts) ist Teil des Dane- Mann aus dem Eis in einem einzigen
chen Funde zeugen von der erfolgreichen Der Welterbeantrag für Haithabu und werks, das im 10. Jh. die Durchgang im Zentralkrankenhaus Bo-
Überlebensstrategie des Neandertalers in das Danewerk wurde seit einem Land- Landenge bei Haithabu zen gescannt werden. Dabei entstanden
einer bewaldeten Umwelt. | AiD tagsbeschluss 2004 vom Archäologischen kontrollierte. zum ersten Mal Bilder von Ötzis gesam-
Landesamt Schleswig-Holstein vorberei- ter Brustregion. Bei der Analyse des Brust-
Neues Welterbe in Deutschland tet: Ein internationaler Antrag zusammen raums fielen gleich drei Verkalkungen im
Haithabu und Danewerk mit Island, Dänemark, Lettland und Nor- Herzbereich auf. Zudem sind auch im
Das Welterbekomitee hat das Grenzbau- wegen war 2015 vom Welterbekomitee zur Bereich der Halsschlagader und an den
werk Danewerk und den wikingerzeitli- weiteren Überarbeitung an die Antrag- Arterien der Schädelbasis Verkalkungen
chen Handelsplatz Haithabu in die Welt- steller zurückverwiesen und nicht weiter- nachweisbar.
erbeliste der UNESCO aufgenommen. verfolgt worden. Stattdessen formulierte 2012 wurde das Genom des Mannes
Haithabu und Danewerk liegen bei Schles- das Archäologische Landesamt kurzfristig aus dem Eis veröfentlicht. Schon damals
wig im Norden Schleswig-Holsteins an der einen neuen Antrag, der nur Haithabu und konnte eine genetische Anlage für kar-
Landenge zwischen dem Ostseearm Danewerk umfasste. Dieser Antrag wurde diovaskuläre Erkrankungen festgestellt
Schlei und den Niederungen der Nord- im Januar 2017 bei der UNESCO einge- werden. Für Pernter steht deshalb fest,
see. Zwischen dem 8. und dem 11. Jh. bil- reicht. Die Experten des Internationalen dass die Mumie Ötzi nicht nur eine der äl-
deten sie das Zentrum eines Handelsnet- Rates für Denkmalpflege schlugen da- testen nachgewiesenen Fälle für Gefäß-
zes, das den Norden und Westen Europas rauhin im Mai vor, den Komplex in die Computertomografi- verkalkungen ist, sondern auch »ein me-
sche Aufnahmen von
erfasste, genau an der Schnittstelle zwi- Liste des UNESCO-Welterbe aufzuneh- dizinisches Beispiel dafür, dass eine ge-
Ötzi auf dem Leucht-
schen dänischem Königreich und fränki- men. Die endgültige Entscheidung fiel am tisch: Litt der Mann aus
netische Disposition der vermutlich wich-
schem Einflussgebiet. 30. Juni in Bahrain. | Birte Anspach dem Eis an einer koro- tigste auslösende Faktor für Arterio- und
Während der gesamten Wikingerzeit naren Herzerkrankung? Koronarsklerose ist.« | AiD
war Haithabu eine der größten und wich- Radiologische Studie zu Ötzi
tigsten Handelsstädte. Der Platz wird seit Jetzt auch noch herzkrank?
über 100 Jahren erforscht. Da er nie über- Der Mann aus dem Eis hatte mit seinen
baut wurde, ist er ein herausragendes Bei- vermutlich 46 Jahren drei Verkalkungen in
spiel für ein frühmittelalterliches, städti- den Koronargefäßen. Zu diesem Befund
sches Handelszentrum. Im 10. Jh. wurde kam ein Team des Bozner Krankenhauses
Haithabu in das großräumige Verteidi- um die Radiologin Patrizia Pernter. Die
gungssystem des Danewerks eingebettet, Ergebnisse der Untersuchung wurden
das das Grenzland und die schmale Land- kürzlich in einer wissenschatlichen Fach-
brücke zwischen Nord- und Ostsee kon- zeitschrit publiziert.
trollierte. Vielfalt und die Qualität der ar- Da die Mumie einen Arm ausgestreckt
chäologischen Zeugnisse und das reiche quer über den Hals hält, war es bisher
und äußerst gut erhaltene Fundmaterial nicht möglich, eine durchgehende com-
bilden eine einzigartige Quelle für die putertomografische Aufnahme zu erstel-

7
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Forschung Mittelalterlicher Bergbau

Silber aus dem Erzgebirge Forschungen unter Tage gehen weiter


Bis heute machen die anhaltenden Siche‐
rungsmaßnahmen montanarchäologische
Untersuchungen in den Dippoldiswalder
Zehn Jahre nach der sensationellen Entdeckung der Silberbergwerke von Bergwerken möglich. Deren georeferen‐
Dippoldiswalde laufen die montanarchäologischen Forschungen an der säch- zierte Verortung und Erfassung erfolgt
mittels tachymetrischer Vermessung und
sisch-böhmischen Grenze immer noch auf Hochtouren. Nach wie vor liefern photogrammetrischer Aufnahme (Struc‐
sie überraschende Erkenntnisse zum mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge. ture‐from‐Motion‐Verfahren) sowie 3D‐
Laserscan. Obwohl bereits zahlreiche Gru‐
bengebäude im gesamten Stadtgebiet er‐
Von Christiane Hemker und Matthias Schubert forscht sind, lässt sich die tatsächliche ver‐
tikale und horizontale Ausdehnung der

R
eiche Zinn‐ und Silbervorkommen Kooperation mit der dafür zuständigen Be‐ Bergwerke während des 12. und 13. Jh.
machten das sächsisch‐böhmische hörde, dem Sächsischen Oberbergamt mittel‐ und langfristig nicht feststellen,
Erzgebirge zu einem der bedeu‐ Freiberg, und mit Unterstützung der Berg‐ denn Sicherungsmaßnahmen erfolgen nur
tendsten mittelalterlichen Bergbaurevie‐ sicherungsfirmen ist es dem Landesamt im Fall von Bergschäden, die ja punktuell
re Europas. In der sozialistischen Ära wa‐ für Archäologie Sachsen seitdem möglich, auftreten.
ren montanarchäologische Untersuchun‐ diese und weitere Bergwerke aus der ers‐ Konkretere Aussagen sind jedoch nur
gen beidseits des Gebirgskammes nur ein‐ ten (12.–14. Jh.) und zweiten (15.–16. Jh.) wenige Kilometer südlich in Niederpöbel
geschränkt möglich. Wegweisend waren Bergbauperiode im sächsischen Erzge‐ bei Schmiedeberg möglich. An den Steil‐
die Arbeiten Wolfgang Schwabenickys ab birgsraum unter Tage zu erforschen. Eine hängen des Pöbelbaches fanden von Sep‐
den 1970er und bis in die 1990er Jahre zu wichtige Basis dafür bildet die Vernetzung tember 2010 bis Dezember 2013 kontinu‐
Bergbausiedlungen im Erzgebirgsvorland. und enge Zusammenarbeit tschechischer ierlich Forschungen statt, denn hier lag die
Auf böhmischer Seite hingegen fehlten ent‐ und deutscher Wissenschaftler aus ver‐ nahezu einmalige Situation von räumlich
sprechende Forschungen. schiedensten Fachrichtungen im Rahmen abgeschlossenen und nicht überprägten
Doch mit der Entdeckung mittelalter‐ der ArchaeoMontan‐Projekte seit 2012 Grubengebäuden aus dem 12./ 13. Jh. vor.
licher Bergwerke in Dippoldiswalde be‐ (siehe Kasten). Zahlreiche Aufsätze, uni‐ Vergleicht man die bisherigen Ergebnisse
gann 2008 ein neues Kapitel in der Mon‐ versitäre Abschlussarbeiten und Mono‐ aus Dippoldiswalde mit denen aus den
tanarchäologie. Bislang unbekannte Hohl‐ grafien sind bereits erschienen und ha‐ vollständig erfassten Gruben von Nieder‐
räume hatten damals gefährliche Tages‐ ben zu einem rasanten Erkenntnisanstieg pöbel und zieht jüngere Bilddarstellun‐
Mittelalterliche Berg-
brüche im Stadtgebiet verursacht und zum mittelalterlichen Bergbau geführt. So baustandorte im säch-
gen wie etwa das Kuttenberger Kanziona‐
machten Sicherungsarbeiten erforderlich. ist es nun, zehn Jahre später, Zeit für einen sisch-böhmischen Erz- le hinzu (vgl. AiD 4/ 2013, 30), so ergibt sich
Dank einer deutschlandweit einmaligen Überblick der wichtigsten Ergebnisse. gebirge, Stand Mai 2018. inzwischen ein recht genaues Bild, wie mit‐
telalterlicher Bergbau vonstatten gegan‐
gen sein muss.

Wasser in der Grube –


eine Gemeinschaftsaufgabe
Was machten die mittelalterlichen Berg‐
leute mit dem eindringenden Wasser?
Schon lange diskutiert die Wissenschaft,
wie dieses Problem wohl gelöst wurde. Da‐
bei standen bislang technische und recht‐
lich‐wirtschaftliche Überlegungen im Vor‐
dergrund. Für das Freiberger Revier ist
erst 1365 ein gemeinschaftlich betriebe‐
ner Stollen und für das Jahr 1379 eine Was‐
serkunst schriftlich belegt. Umso bedeu‐
tender sind daher die archäologischen Hin‐
weise auf gemeinschaftliche Entwässe‐
rungsmaßnahmen durch Grubenbetreiber
und Unternehmensgruppen. Anhand der
Befunde von Dippoldiswalde lässt sich er‐
schließen, dass die Wasserlösung – Vor‐
kehrungen zum Fernhalten oder Ableiten
des Wassers – bereits rund 200 Jahre frü‐

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Da auf der Sohle des her grubenübergreifend finanziert, orga‐


Stollens das Wasser ab- nisiert und technisch bewältigt wurde. So
geführt wurde, hat man
mussten für die Anlage der Wasserlöse‐
darüber einen Bohlen-
steg (Tragwerk) verbaut: stollen die einzelnen Grubengebäude und
So konnte das Bergwerk deren Vortrieb untereinander koordiniert
trockenen Fußes befah- werden, um ein bestimmtes Gefälle für das
ren werden. stetige Abführen der Grubenwasser auf‐
rechtzuerhalten.
Im Areal Glashütter Straße wurde in
einer Teufe von 10 m an mehreren Stellen
eine in die oberste Stollensohle einge‐
schlägelte Wassersaige dokumentiert. Die‐
se Bodenrinne ergibt zusammen mit Quer‐
schlägen zwischen den aufgefahrenen Stol‐
len ein ganzheitliches Entwässerungssys‐
tem. Das Gefälle ließ sich über die gesamte
Länge der Stollensohle mit etwa 2 % nach
Nordwesten in den Kreuzbach rekonstru‐
ieren. Auch in Niederpöbel wird das Gru‐
benwasser über ein nur geringes Gefälle
abgeführt; je nach Streckenabschnitt be‐
trägt es zwischen 1 % und 5,4 %. In Dip‐
poldiswalde konnte der Kreuzbach für grö‐
ßere Teufen von 18 bis 22 m nicht mehr als
Vorfluter zur Aufnahme des abgeführten
Wassers verwendet werden, sodass um
1220 ein weiteres Entwässerungssystem
Hölzerne Haspel in verlegt wurde: Einzelne Grubengebäude
einem Bergwerk von mussten durch das Abteufen neuer Schäch‐
Dippoldiswalde, außer- te oder technische Einbauten im Bereich
gewöhnlich gut erhal-
der Stollenführung überbrückt werden.
ten in 20 m Tiefe. Die
Haspel diente als Seil-
Mitunter wurden enorme bis zu 3 m lange
winde zur Förderung hölzerne Wasserrinnen verbaut, die in‐
von Erz oder Abraum. einander gesteckt werden konnten. Um die

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Forschung Mittelalterlicher Bergbau

Fahrung in den Stollen bei gleichzeitiger


2. Lichtloch
Aufrechterhaltung der Wasserlösung zu
gewährleisten, wurden über der Sohle Stollen mit
häufig Tragwerke eingebaut. Auch die Tragwerk
Bergwerke in den Arealen Obertorplatz
und Brauhofstraße sind spätestens um
1220/30 in einer Teufe von etwa 20 m mit‐ 1. Lichtloch
tels Stollen, Querschlägen, Wasserrinnen, Graben / Kasten
Tragwerken und Wassersaigen miteinan‐
Rösche
der verbunden worden und entwässerten
Anschüttung
vermutlich direkt in die Rote Weißeritz.

In vier Jahren 38 m Vortrieb Verzug


Insbesondere die Bergwerke von Nieder‐
Bühne
pöbel lieferten aufgrund der räumlich ab‐
Wasserkasten
geschlossenen, nicht überprägten mittel‐
Pöbelbach 13. Jh. Bühne
alterlichen Grubengebäude sowie ihrer
vollständigen Dokumentation neue und
teils verblüffende Ergebnisse. In den fünf 1276–77 1279 1280 1283 1290
Bergwerkskomplexen wurden über 1600
hölzerne Funde und technische Einbauten In Niederpöbel gelang es dern vielmehr für die Suche nach neuen pen eindeutig in die Anfangsphase des Nie‐
erfasst und geborgen, u. a. Tragwerke, Büh‐ zu ermitteln, wie schnell Erzgängen angelegt worden; aufgrund des derpöbeler Bergbaus im späten 12. Jh. ein‐
ein Hauer vorankam:
nen, Schachtausbauten, Rinnen, ein Was‐ geringen Ertrages stellten sie sicherlich zuordnen. Wiederkehrende Reihung und
Es wurde ein Vortrieb
serablaufgraben am Stollenmundloch und von etwa 10 m pro Jahr kein gutes Geschäft für die Eigner oder Maße könnten konkrete Hinweise darauf
zahlreiche Reste von Haspeln, den zur För‐ errechnet. Betreiber dar. sein, dass die Erkundungsschächte unmit‐
derung eingesetzten Seilwinden. Dendro‐ Erstmals gelang vermutlich auch der telbar nach Entdeckung der Erzgänge nach
chronologisch ist eine Betriebsdauer vom archäologische Nachweis einer Zutei‐ bestimmten Regeln vermessen worden
letzten Viertel des 12. bis Ende des 13. Jh. lungsregelung von Grubenfeldern anhand sind. Dies wäre der erste sichere archäo‐
mit Unterbrechungen belegt. von mindestens fünf geometrischen Grup‐ logische Beleg einer Grubenvermessung
Erzgänge wurden in Niederpöbel nicht pen. Eine bestand aus jeweils drei Schäch‐ für das Mittelalter.
festgestellt, lediglich in einer einzigen von ten, die sich nebeneinander auf demselben Im Übrigen gilt dies auch für die eben‐
141 Proben ließ sich ein geringer Silber‐ Gang aufreihten und die maximal 8 m ab‐ falls erstmals archäologisch nachgewie‐
Bis zu 3 m große Teile
gehalt von 0,03 % nachweisen. Daher sind geteuft waren. Die horizontale Länge die‐ sene Dauer, die ein Hauer während des
vom doppelten Schau-
diese Gruben, im Gegensatz zu Dippoldis‐ felkranz eines Kehrrades ser Gruppen schwankte zwischen 14 und 12./ 13. Jh. für den Vortrieb einer Abbau‐
walde, wohl nicht für den Erzabbau, son‐ in Bad Schlema. 15 m. Stratigrafisch sind die Schachtgrup‐ strecke benötigte. Diese kann, bezogen auf
die lokalen Verhältnisse in Niederpöbel,
auf Grundlage der dendrochronologischen
Daten von in situ erhaltenen Hölzern eines
Tragwerkes rekonstruiert werden, das
entsprechend des Vortriebes Stück für
Stück weiterverlegt werden musste. Dem‐
nach benötigten die Hauer für eine 38 m
lange Strecke vier Jahre; der jährliche Vor‐
trieb betrug hier also maximal 10 m.

Riesenrad im Bergwerk
Seit 2016 wird in Bad Schlema bei Schnee‐
berg in einem frühneuzeitlichen Bergwerk
ein riesiges Kehrrad erforscht. Dort war
man in rund 10 m Tiefe auf eine gewaltige
verfüllte Radstube und darin auf die Re‐
likte eines aus überwiegend Tannenholz
gebauten Kehrrades gestoßen. Das Was‐
serrad mit doppeltem Schaufelkranz und
entgegengesetzt wirksamer Beschaufe‐
lung hat einen Durchmesser von etwa
11,4 m. Dendrochronologisch datiert es um

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tablen Silber‐ und Eisenerzabbau vermu‐


ten. Man darf davon ausgehen, dass von
dem Bergort Impulse ausgingen, die sich
auf Besiedlung und Wirtschaft der ganzen
Region auswirkten. Bereits im 14. Jh. be‐
gann wohl ihr Niedergang.
Aufgrund von LiDAR‐Daten, Prospek‐
tionen, geophysikalischen Messungen und
Sondagen ließ sich die Struktur annähernd
zerstörungsfrei erfassen. Gut erkennbar ist
das Wegenetz, das die Siedlung mit dem
dort verlaufenden Böhmischen Steig, nicht
jedoch mit den eigentlichen Bergwerken
verband. Deren markante Pingenzüge und
Verhaue heben sich deutlich von recht‐
eckigen flachen Senken ab, die sich den
exemplarisch durchgeführten Sondierun‐
gen zufolge stets als Hausstandorte er‐
wiesen. So sind zwei rechtwinklig zuei‐
nander und damit planmäßig angelegte
Häuserreihen auszumachen. Zudem beob‐
achteten die tschechischen Archäologen
eine regelmäßige Anordnung der Haus‐
stellen, die mit 9,5 m Breite in festgeleg‐
ten Abständen von 19 m errichtet wurden
und auf geplante und zugeteilte Grund‐
stücke hinweisen. Bei den Gebäuden fan‐
den sich Bereiche zur Erzaufbereitung so‐
wie metallurgische Probieröfen für das Sil‐
bererz. Die planmäßige Anordnung der
Häuser durch regelhafte Parzellen lässt ei‐
nen gemeinschaftlichen Bergbau unter der
Leitung von Gewerken oder eines Grund‐
herrn vermuten und ist weniger auf Eigen‐
betrieb der Bergleute zurückführen.
Auch die Forschungen im sächsischen
1500, was zeitlich mit der Erschließung der birge ein. Im Laufe des 13. Jh. entstanden Das Kehrrad in Bad Osterzgebirge haben zu neuen Entde‐
reichen Schneeberger Silbererzfunde ab überall, wo es reiche Erzlagerstätten gab, Schlema war mit 11,4 m ckungen geführt. So stieß man etwa auf
Durchmesser eine der
1470 korrespondiert, die innerhalb kurzer Bergbausiedlungen und Bergstädte. Mit eine Bergbausiedlung des 13./ 14. Jh. in
größten Maschinen der
Zeit die zweite Bergbauperiode im obe‐ dem wirtschaftlichen Niedergang des Edel‐ Zeit um 1500. Vorderer Grünwald bei Schönfeld, nur we‐
ren Erzgebirge auslösten. Es handelt sich metallbergbaus während der zweiten Hälf‐ nige Kilometer von Niederpöbel entfernt.
um den bislang ältesten konkreten Nach‐ te des 14. Jh. in ganz Mitteleuropa wurden Auch hier wurde weitestgehend zerstö‐
weis dieser Technologie im montanen die meisten dieser Standorte wieder auf‐ rungsfrei mittels LiDAR‐Auswertung, Pro‐
Kontext. gegeben und fielen wüst. In den vergan‐ spektion, Mikrosondagen, Geophysik, Boh‐
genen sechs Jahren wurden sowohl auf der rungen und Beprobung gearbeitet. Die
Bergbau prägt eine ganze Region böhmischen als auch auf der sächsischen Fundstelle liegt auf fast 700 m Höhe auf
Im Fokus der Forschungen stehen jedoch Seite des Erzgebirges neue Siedlungen ent‐ einem nach Norden hin abfallenden Ge‐
nicht nur die Bergwerke selbst, sondern deckt und mit modernen Methoden zer‐ länderücken zwischen der Wilden Weiße‐
auch ihr Einfluss auf die Entwicklung von störungsfrei untersucht. So hat sich die An‐ ritz im Westen und dem Pöbelbach im
Kultur‐ und Wirtschaftsgeschichte sowie zahl der nachgewiesenen mittelalterlichen Osten. Ein ausgeprägter Pingenzug mar‐
auf Landschaft und Umwelt während des Bergbaustandorte mehr als verdoppelt. kiert die Bergwerke, die zur Gewinnung
Mittelalters im Erzgebirge. Die Erschlie‐ Bereits 2012 hatten Archäologen vom In‐ von Silbererzen und/ oder silberhaltigen
ßung erfolgte im Zuge der bäuerlichen Ko‐ stitut für archäologische Denkmalpflege Blei‐ und/ oder Kupfererzen betrieben
lonisation seit der zweiten Hälfte des 12. Jh. Most auf der böhmischen Erzgebirgsseite wurden. Im Gelände sind Grubenhäuser als
Nachdem um 1168 bei Freiberg reiche eine mittelalterliche Bergbausiedlung auf flache Hohlformen auszumachen, die mit
Silbererze entdeckt worden waren, setzte dem Kremsiger wiederentdeckt. Die An‐ einem annähernd rechteckigen Grundriss
rege Bergbauaktivität im gesamten Erzge‐ lage auf über 800 m Höhe lässt einen ren‐ von rund 4 m × 5 m sowie einer Tiefe von

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Forschung Mittelalterlicher Bergbau

etwa 1,5 m mit denen anderer Bergbau‐ Das digitale Gelände-


siedlungen dieser Zeit vergleichbar sind. modell der Bergbausied-
lung »Kremsiger« im
Weitere Areale in Vorderer Grünwald wa‐
böhmischen Erzgebirge
ren geomagnetischen Untersuchungen zu‐ weist die typischen
folge den metallurgischen Gewerken vor‐ Pingenzüge, Gruben-
behalten. häuser und Hohlwege
auf.

Infos zum Projekt


ArchaeoMontan 2018 ist ein internationales
Forschungsprojekt. Die Europäische Union
und der Europäische Fonds für regionale
Entwicklung fördern die grenzübergreifen-
de Zusammenarbeit zwischen Sachsen und
der Tschechischen Republik. Näheres unter:
www.archaeomontan.eu

Mit ihren entlang eines Weges aufge‐


reihten Hausstellen unweit der Bergwer‐
ke fügt sich die kleine Siedlung gut in eine
für das Erzgebirge mittlerweile gut beleg‐
te montane Siedlungsform ein. Dennoch ist
ein übergeordnetes regelhaftes Prinzip
hinsichtlich Lage oder Orientierung der
Wohnhäuser für die sächsisch‐böhmischen
Bergbausiedlungen nicht ohne Weiteres
auszumachen. Unter Berücksichtigung ih‐
rer archäologisch meist schwierigen Dif‐
ferenzierung in Siedlungsperioden schei‐
Vermessungen unter
nen sich die Häuser entlang der Wege auf‐
Tage: unerlässlich für
zureihen und weniger am Verlauf der un‐ die Dokumentation, aber
weit gelegenen Bergwerke zu orientieren. meist sehr schwierig
In befestigten Siedlungen gibt die Befesti‐ durchzuführen.

gung Lage und Verlauf vor. Durch die Er‐ Üppiges Leben über Tage
weiterung der Bergbaufelder und regen Aus einer Freiberger Grabung stammt der
Zuzug weiterer Bergleute mitsamt Famili‐ höchst seltene Fund einer vollständig er‐
en dürfte das planerische Konzept nicht haltenen Brakteatendose, deren gleich
einzuhalten gewesen sein, denn dann wur‐ gearbeitete, dünnwandige Messinghälften
de scheinbar jede freie Fläche inner‐ und mit einem Scharnier verbunden sind. Die
außerhalb der Siedlung genutzt. Einprägungen zeigen Heinrich den Erlauch‐
Ein Forschungsfokus für den Zeitraum ten, Markgraf von Meißen (1221–1288) als
des 12. bis 14. Jh. liegt zudem auf den bei‐ klassisches Negativbild Meißner Braktea‐
den sächsischen Bergstädten Freiberg in ten um 1230 bis 1250. In der einstmals
der Markgrafschaft Meißen sowie Dippol‐ reichen Bergstadt wurden allein fünf der
diswalde als Tor zum Osterzgebirge. In insgesamt neun bislang in Sachsen ar‐
beiden wurden inmitten hochmittelalter‐ chäologisch bekannten Brakteatendosen
licher Wohn‐ und Bergbauareale Anlagen gefunden.
für die Erzaufbereitung, Probier‐ und Röst‐ Auch das ungewöhnlich reichhaltige
öfen sowie Bergschmieden entdeckt. Die Nahrungsangebot in Dippoldiswalde und
Funde umfassen Probiergefäße, Werk‐ Freiberg untermauert einen durch Berg‐
oder Unterlegsteine, Bleiglätte und Schla‐ bau erreichten Wohlstand, der in der ers‐
cken aus dem technischen Milieu, aber ten Hälfte des 13. Jh. nur noch für Leipzig
auch Spinnwirtel, Haushaltskeramik, als reiche Handelsmetropole nachzuwei‐
Spielzeugpferdchen und Spielsteine, die sen ist. Kohlenhydratreiche Mehlspeisen
den Alltag der Bergleute und ihrer Famili‐ und proteinhaltige Hülsenfrüchte, fettrei‐
en widerspiegeln. che Ölsaaten und Gemüsepflanzen, tieri‐

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sche Eiweiße sowie ex‐ wand für den Abbau tieferer, jedoch we‐ nisse des deutsch‐tschechischen Archaeo‐
klusive Importwaren wie niger ertragreicher Erzgänge. Aktuelle his‐ Montan‐Teams deutlich besser verstanden
Schwarzer Pfeffer und Fei‐ torische Untersuchungen haben für Frei‐ werden.
ge belegen eine ausgewogene berg zudem Missstände in der landesherr‐
und abwechslungsreiche Ernäh‐ lichen Verwaltung der Münz‐ und Bergämter
Literatur
rung der dort ansässigen Bergbau‐ ab der zweiten Hälfte des 14. Jh. aufgezeigt.
I. Burghardt, Der Edel- und Buntmetall-
unternehmer, Kaufleute und Bergleute. Die Funde aus den mittel- Zusammen mit Münzverschlechterungen
alterlichen Bergwerken bergbau im sächsischen Erzgebirge (1350–
Ganz außergewöhnlich ist der Nachweis hatte dies einen mangelnden Willen zu
sind teils einzigartig. 1450). Verfassung – Betriebsorganisation –
von Reis in Freiberg für das erste Drittel Investitionen und Innovationen zur Folge, Unternehmensstrukturen. ArchaeoMontan
Sie werden im »MiBERZ-
des 13. Jh., der nördlich der Alpen nur noch Museum für mittelalter- was überlieferte Berg‐ und Münzamts‐ Band 1. Veröfentlichungen des Landesam-
in den Hansestädten belegt ist. Er kam als lichen Bergbau im Erzge- abrechnungen anschaulich machen. tes für Archäologie Sachsen 64 (Dresden
Reisbrei bei festlichen Gelegenheiten oder birge« in Dippoldiswalde Mit dem neuen Museum für mittelalter‐ 2018).
Hochzeiten auf den Tisch und wird mit der präsentiert. Darunter lichen Bergbau im Erzgebirge – kurz Mi‐ K. Derner/ P. Hrubý/ M. Schubert, Mittelalter-
auch die Brakteatendose liche Silberproduktion im wettinischen und
luxuriösen Küche einer wohlhabenden BERZ – konnte ein weiterer Meilenstein
mit dem Stempelbild přemyslidischen Regierungsraum: neue ar-
Stadtbevölkerung in Zusammenhang ge‐ Markgraf Heinrich des Er- der montanarchäologischen Forschung im
chäologische Untersuchungen. In: Der An-
bracht. lauchten (1221–1288) aus Erzgebirge abgeschlossen werden. Es wur‐ schnitt 68, 6/ 2016, S. 216–241.
Archäologisch ist ein Rückgang des einer Latrine in Freiberg. de am 23. August 2018 im Schloss Dippol‐ C. Hemker, Das Erzgebirge im Fokus der
Bergbaus mit einem allerorten zu beob‐ diswalde eröffnet und präsentiert mit neu‐ Montanarchäologie. In: R. Smolnik (Hrsg.),
achtenden Wüstungsprozess von Berg‐ esten digitalen Visualisierungstechnolo‐ ArchaeoMontan2018. Das Erzgebirge im Fo-
kus der Montanarchäologie. Tagungsband.
bausiedlungen und ‐städten während der gien die Entwicklung, Ausprägung und
Arbeits- und Forschungsberichte zur säch-
zweiten Hälfte des 14. Jh. in Sachsen und Lebenswirklichkeit mittelalterlichen Berg‐
sischen Bodendenkmalpflege, Beih. 32 (Dres-
Mitteleuropa nachzuweisen. Auslösender baus im sächsisch‐böhmischen Erzgebir‐ den 2018).
Faktor war u. a. der hohe Investitionsauf‐ ge, die heute dank der Forschungsergeb‐
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Weltweit Forschungen zur Neuzeit

Karibische Geschichte – fern und doch so nah


Jenseits von Postkartenidylle und Ferienparadies hat die Karibik So fanden sich jüngst Listen mit den Na‐
eine Geschichte, die uns durchaus angeht. Dazu gehört eine dunkle Seite men der internierten jüdischen Flüchtlin‐
ge, aber auch letzte Zeitzeugen konnten
mit Kriegsgefangenen, Quarantänestationen und Internierungslagern befragt werden, die auf den Inseln gefan‐
für Flüchtlinge und Einwanderer. Archäologen versuchen nun, zu einem gen waren. Postkarten des frühen 20. Jh.
abgerundeten Bild zu kommen. aus dem Michael Goldberg Archiv geben
zusätzliche Hinweise auf die Bebauung.
Eine erste Dokumentation der baulichen
Von Claudia Theune Strukturen fand 2017 statt, die Ausgra‐
bung 2018.

D
ie »Five Islands« liegen im Golf von tanniens am 3. September 1939 als feind‐
Paria, vor Port of Spain, der Haupt‐ liche Ausländer und wurden seit der Be‐ Ohne Wasser
stadt von Trinidad und Tobago. Sie setzung Frankreichs im Frühsommer 1940 Im Golf von Paria gibt es etliche Inseln
bilden den Ausgangspunkt für archäolo‐ inhaftiert. Aber auch der trinidadische und Inselgruppen. Zu den kleinen Forma‐
gisch‐historische Forschungen zur Ge‐ Arbeiterführer Uriah Butler wurde dort ge‐ tionen gehören die Five Islands, die nicht
schichte der Inselgruppe im 19. und 20. Jh. fangen gehalten und erst nach Kriegsende nur aus fünf, sondern eigentlich aus sechs
Eine der Inseln diente in der zweiten wieder freigelassen. Drei der Inseln waren sehr kleinen Eilanden bestehen. Da zwei,
Hälfte des 19. Jh. und im frühen 20. Jh. als während des Zweiten Weltkrieges eine Ba‐ nämlich Craig Island und Caledonia Island,
Quarantänestation für indische Einwan‐ sis der amerikanischen Armee. Ansons‐ durch eine Sandbank bzw. einen künstli‐
derer. Dann rückten die Inseln während ten wurden sie in der zweiten Hälfte des chen Damm miteinander verbunden sind,
des Zweiten Weltkriegs in den Blickpunkt. 20. Jh. nur noch sporadisch aufgesucht, die bürgerte sich seit dem 19. Jh. die Bezeich‐
Auf zwei hatte man zeitweise Internie‐ baulichen Strukturen verfallen seither. nung Five Islands ein.
Caledonia und Nelson Island sind die
größeren. Caledonia mit knapp 21 000 m2
Fläche ist an der längsten Stelle rund 240 m
lang. Nelson Island hat ca. 12 400 m2 Flä‐
che und eine Länge von fast 200 m. Lena‐
gan und Pelican Island messen rund
3500 m2 bzw. 2000 m2. Rock und Craig Is‐
land sind mit 1300 m2 bzw. knapp 800 m2
sehr klein.
Geologisch bestehen die Inseln aus
Kalkstein, den Überresten eines Riffs. Auf‐
grund der zerklüfteten Oberfläche steht
nahezu kein ebenes Bauland zur Verfü‐
gung, lediglich Nelson Island bildet mit
recht flachem und ebenem Gelände eine
Ausnahme. Auf den Inseln wachsen Mata‐
palbäume, die kaum Humus benötigen und
deren Wasserhaushalt durch Regenwas‐
ser geregelt wird. Es gibt keinerlei Süß‐
wasserquellen.

Ferienhäuser, Internierungslager,
Kriegsgefangene, Geschützstellungen
1797 gelangte das kleine Archipel unter
britische Kontrolle, zuvor hatte es zum
rungslager für österreichische und deut‐ Schrift‐ und Bildquellen in den Archi‐ Caledonia Island, Haupt- spanischen Herrschaftsbereich gehört. Die
sche jüdische Flüchtlinge eingerichtet, die ven von Trinidad und Tobago oder auch haus (Site A) in einer unter dem Giebel eines zweistöckigen Hau‐
Ansicht von Norden aus
aufgrund der nationalsozialistischen Be‐ in England bilden eine zusätzliche gute ses angebrachte Jahreszahl 1802 auf Nel‐
dem Jahr 1904. Links
drohung Freiheit in der Karibik oder in den Grundlage für umfassende historisch‐ neben der Haupttreppe
son Island stammt aus dieser frühen Ko‐
Amerikas gesucht hatten. Diese Flüchtlin‐ archäologische Forschungen, zu denen sind zwei Wassertanks lonialzeit; das Gebäude diente wohl briti‐
ge galten ab dem Kriegseintritt Großbri‐ hier ein erster Vorbericht gegeben wird. erkennbar. schen Soldaten als Unterkunft.

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Um 1820 errichteten wohlhabende bri‐ tion. Kranke wurden nach Lenagan Island Craig Island mit Blick auf Nelson und Rock Island.
tische Bürger auf den Inseln Ferienhäuser, gebracht, wo es ein Krankenhaus gab. Terrasse mit Mauereinfassung, auf der Ziegel liegen.

die unterschiedlich intensiv genutzt wur‐ Die Bauten auf Nelson und auch Cale‐ Wassertank Typ 1 am Haupthaus (Site A),
den. In dieser Zeit waren die Inseln auch donia Island wurden im Zweiten Weltkrieg Caledonia Island.
als Brighton von Trinidad bekannt. Laut für einige Monate zu Internierungslagern
schriftlichen Quellen baute man Ende des für rund 500 Flüchtlinge aus dem von den
19. Jh. neue Gebäude auf den alten Funda‐ Nationalsozialisten beherrschten Deut‐
menten. Die verschiedenen Eigentümer schen Reich. Männer wurden auf Nelson
gaben den Inseln unterschiedliche Namen, Island festgehalten, Frauen und Kinder auf
die so ein wenig über die Herkunft der Be‐ Caledonia Island. Nach Fertigstellung des
sitzer oder die Charakteristika der Inseln Camps Rented / St. James in Port of Spain
verraten: Caledonia oder Craig verweisen erfolgte die Verlegung der Inhaftierten auf
auf schottischen Ursprung, Lenagan ist die Hauptinsel. Dieses Lager war Teil eines
irisch. Auf Pelican Island leben bis heute umfangreichen Systems in der Karibik. Ins‐
Pelikane; Rock Island ist tatsächlich ein gesamt sind heute rund 15 Lager und zu‐
Felsen und der Name Nelson bezieht sich gehörige Nebenlager bekannt, die auf ver‐
auf den ersten Besitzer. Die Feriendomi‐ schiedenen Inseln sowie den küstennahen
zile wurden auch vermietet, teilweise ver‐ mittel‐ und südamerikanischen Gebieten
brachten junge Hochzeitspaare dort ihre gebaut wurden. Neben den als feindliche
Flitterwochen. Zuletzt wurden die Bauten Ausländer eingestuften Personen wurden
in den 1930er Jahren aufgesucht. Häuser, auch Kriegsgefangene dort festgehalten.
die nicht mehr gut in Schuss waren, dien‐ Der Zweite Weltkrieg hat deutliche
ten als Lager. Spuren auf den äußeren Inseln hinterlas‐
Nelson Island war zwischen 1866 und sen, weil die US‐amerikanische Armee auf
1917 auch erste Anlaufstation für Schiffe, Pelican, Rock und Nelson Island massive
auf denen Arbeiter und Einwanderer von Geschützstellungen errichtet hatte. Zudem
Indien in die Karibik fuhren. Bevor sie aufs gab es einen Steg zwischen Rock und Nel‐
Festland einreisen durften, stellte man sie son Island. Während die Stellungen aus Be‐
hier unter Quarantäne. Insgesamt durch‐ ton noch vorhanden sind, ist der hölzerne
liefen über 100 000 Einwanderer die Sta‐ Steg verschwunden.

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Weltweit Forschungen zur Neuzeit

Nach dem Krieg wurden die Inseln


kaum mehr aufgesucht. Auf Nelson Island
fanden noch Jugendlager statt sowie auch
meeresbiologische Lehrveranstaltungen
der University of the West Indies. Im Jahr
2000 hat man auf Nelson Island einen Ge‐
denkort eingerichtet, um die bewegte Ge‐
schichte der Inseln und ihrer Bewohner
darzustellen, so etwa auch die des hier in‐
ternierten Arbeiterführers Uriah Butler.
Zahlreiche Funde, insbesondere Rum‐ und
Whiskyflaschen, belegen aber zugleich,
dass die Inseln bisweilen auch Treffpunkt
für Feiern und Partys gewesen sind.

Problem Wasserspeicher
Die ersten Untersuchungen waren als Be‐
standsaufnahme konzipiert und bezogen
sich auf die noch vorhandenen baulichen
Strukturen. Besonderes Augenmerk gilt
Caledonia Island, da die Zeit der Internie‐
rungslager besondere Berücksichtigung
finden sollte und dort nur wenig in der zwei‐
ten Hälfte des 20. Jh. überbaut worden ist.
An der Schmalstelle der erdnussförmi‐
gen Insel gibt es auf beiden Seiten einen
ehemaligen Landesteg für Boote. Die öst‐ Stetes Problem war die Wasserversor‐ wand vor dem Haus zu sehen. Den heute
liche Inselhälfte ist stark zerklüftet, ledig‐ gung, daher finden sich allenthalben zahl‐ auf der anderen Seite der Eingangstreppe
lich auf der westlichen Seite konnten Ge‐ reiche Tanks; fünf sind es im Bereich von stehenden Wassertank gab es 1904 noch
bäude errichtet werden. Treppen aus Be‐ Site A. Auf einer Fotografie von 1904 sind nicht. Die beiden frühen Tanks bestehen
ton – ein häufiges Bauelement – führen von nur zwei kleine Wassertanks mit einem aus Beton und sind mit Metall ummantelt
der Landestelle zu einem höheren Punkt, Volumen von rund 300 l auf der Nordost‐ (Typ 1), die später hinzugekommenen ha‐
Caledonia Island, Site A,
von wo aus man zu Site A gelangt, dem Überblick über die Relikte
höchsten Punkt der Insel. Von dort verläuft und Fundamente des
ein Weg an das Westende der Insel, wo Haupthauses.
ein weiteres kleineres Gebäude stand (Site
Terrasse
B). Auf einer der Treppenstufen unweit der
Haupttreppe
südlichen Anlegestelle ist die Jahreszahl
1907 eingeritzt.
Das Haupthaus an Site A liegt 20 m über
dem Meeresspiegel und hat eine Grund‐
fläche von 11,5 m × 10,9 m. Erhalten haben
sich die rechteckigen und quadratischen
Pfeiler, auf denen das Gebäude stand. Um
Terrasse
ein einheitliches Niveau zu erreichen,
mussten die Säulen unterschiedlich hoch
angelegt werden. Einige sind aus Ziegeln, Nebengebäude Haupthaus
einige aus Beton, was vermutlich auf zwei
Bauphasen hindeutet. Die Räume zwischen
den Säulen sind offen, sodass eine gute
Durchlüftung von unten gewährleistet
Wassertank und -leitung
war. Auf einigen Säulen befinden sich noch
Holz
Holzreste der darüber liegenden Boden‐ Küche
Betonfundamentpfeiler
konstruktion. Erreichbar war diese Ebene Felsen
über eine repräsentative geflieste Treppe Dusche
zerstörte Strukturen
im Norden. Dem inneren Wohnbereich
4m
war wohl eine Veranda vorgelagert.

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Anfahrt mit dem Boot Ein schmaler Weg führt zu Site B am


zu den Five Islands im südwestlichen Rand der Insel. Nur eine
Golf von Paria von Nord-
schmale Plattform ermöglichte dort den
westen. Im Hinter-
grund liegt Port of Bau eines kleinen schmalen Hauses von
Spain. Von links nach 7 m × 3,6 m. Das Fundament besteht wie‐
rechts die fünf Inseln: derum aus rechteckigen Säulen, auf de‐
Lenagan Island, Caledo- nen noch Holzbalken zum Tragen der Fuß‐
nia Island (vorgelagert
bodenkonstruktion liegen. An beiden
und kaum zu unterschei-
den ist Craig Island), Schmalseiten führen einige Stufen ins
Rock Island, Pelican Haus. Aufgrund der Topografie ist es kaum
Island im Hintergrund), möglich, um das Gebäude herum auf die
Nelson Island.
Rückseite zu gelangen. Neben dem Haus
stehen ein Wassertank des Typs 3 und ei‐
ne kleine recht gut erhaltene Küche mit of‐
fener, heute verfallener Herdstelle. Kleine
Pfostenlöcher auf dem Boden der Küche
lassen die Vermutung zu, dass dort zudem
ein Tisch installiert war. Die Wände be‐
stehen aus Beton, der mit Wellblech ver‐
kleidet ist. Auch das Dach ist aus Wellblech;
zwei Rinneisen belegen die Regenwasser‐
ableitung. An den Holzrahmen der Fenster
sind teilweise noch Scharniere erhalten.
Innenwände und Küchendecke sind stark
verrußt.

ben ein deutlich größeres Volumen und von wo aus die leicht erhöhte Küche über Caledonia Island, Craig Bei einer Konstruktion östlich der An‐
lassen sich in zwei Typen unterscheiden. drei Stufen zu erreichen war. Sie lag et‐ Island und Nelson lage mit zwei parallel angeordneten Be‐
Island. Auf allen Inseln
Typ 2 zeichnet sich durch eine gewölbte was abseits und war nicht mit dem Haupt‐ tonbalken und aufliegenden Holzbalken
sind Gebäude zu erken-
Oberseite mit rechteckiger Öffnung aus, haus verbunden. In der Küche stand ein nen, darunter auch Site handelt es sich möglicherweise um die
das Fassungsvermögen beträgt rund 9000 l. Herd, zudem konnte ein Waschbecken A und Site B auf Caledo- Überreste einer über der Steilküste hän‐
Typ 3 hat einen ebenen oberen Abschluss nachgewiesen werden. Wiederum ge‐ nia Island (rechts). Die genden Toilette. Westlich des Hauses ver‐
und im unteren Bereich einen Abfluss, um trennt von Herd und Waschbecken stand mittlere Insel (Craig läuft ein betonierter Weg zu einer ehema‐
Island) ist übrigens
Wasser ausleiten zu können. Es gab un‐ ein überkuppelter Backofen. Die Backstei‐ ligen Anlegestelle hinunter.
leicht verschoben dop-
terschiedliche Größen, die zwischen 4000 ne, mit denen er aufgebaut war, tragen pelt zu sehen, da ver-
und 13 000 l Wasser speichern konnten. Stempel der Firmen THISTLE und BAR‐ mutlich beim Aneinan- Kleines Archipel mit Krankenhaus
Die große Anzahl von Tanks mit hohem LINNIE, die beide in Schottland beheima‐ dersetzen zweier Nega- Die Baustrukturen auf den anderen In‐
tive nicht sauber ge-
Füllvolumen zeigt den immensen Wasser‐ tet sind und schon im 19. Jh. produzierten. seln wurden zunächst lediglich skizzenhaft
arbeitet wurde – ein
bedarf an. Von einem Nebengebäude hinter der erfasst. Craig Island ist mit Caledonia Is‐
historischer Montage-
Küche sind die Säulen erhalten, auf denen fehler. land durch einen Damm verbunden. Eine
Backsteine aus Schottland es stand. Sie entsprechen den rechteckigen massive Treppe führt hinauf zum Gebäu‐
Im Haupthaus war auf der Seite gegenüber Pfeilern des Haupthauses, wohl aus der de, dessen Fundamente aus rechteckigen
dem Eingang ein Bad eingebaut; die Dusch‐ zweiten Phase der Anlage. Von diesem Ge‐ Betonpfeilern bestehen. Es gibt zwei Was‐
wanne mit grünen Fliesen und die Was‐ bäude gelangt man über Stufen zu einem sertanks und eine gut erhaltene Küche mit
serzuleitung sind noch vorhanden. Im Süd‐ Aussichtspunkt an der Steilküste. Weiter Backofen. Eine große Veranda mit Resten
westen befand sich ein rechteckiger Hof, östlich wurde der Müll entsorgt. einer gusseisernen Bank am westlichen

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Weltweit Forschungen zur Neuzeit

lisator, der zwei Räume voneinander geschossige Bauten. Größe und Komfort
trennt. Von einem großen Gebäude mit ins‐ ergaben sich also durch eine entsprechend
gesamt 13,4 m Länge im östlichen Bereich große Grundfläche und nicht durch zu‐
der Insel sind noch hohe rechteckige Säu‐ sätzliche Stockwerke.
len erhalten. Etliche medizinische Geräte
und Betten deuten auf das Krankenhaus Bier aus Großbritannien,
hin. Von einem kleineren Gebäude südlich Selters aus Deutschland
des Krankenhauses blieben nur Funda‐ Schon die Begehungen und Surveys haben
mentsäulen erhalten. Die Küche mit Über‐ gezeigt, dass es auf den Inseln – neben Ob‐
resten eines aus Ziegeln und Steinen ge‐ jekten, die direkt mit den Gebäuden in Ver‐
mauerten Ofens befand sich auf dem west‐ bindung stehen – eine Fülle von Funden
lichen Teil der Insel. gibt, wobei insbesondere die zweite Hälf‐
te des 20. Jh. stark vertreten ist. So auch
Black-Power-Dissidenten im Bereich von Site B auf Caledonia Is‐
auf Nelson Island land. Hier fanden sich Flaschen von Alko‐
Eine Sonderstellung innerhalb der kleinen holika sowie Getränkedosen, Verschluss‐
Inselgruppe nimmt Nelson Island ein. Dies ringe, Plastiklöffel, Edelstahlbesteck, aber
hängt auch mit der flachen Landschaft zu‐ auch Zündkerzen, Angelzubehör oder ty‐
sammen, die Siedlungsbau begünstigte. pisches (Glas‐)Geschirr der Zeit, zudem
Die Gedenkstätte für Uriah Butler und die drei Münzen aus den 1970er und 1980er
Geschichte der Inseln, aber auch die mu‐ Jahren sowie Tierknochen. Es ist anzu‐
seale Nutzung der Gebäude sowie ein neu nehmen, dass die Inseln für Ausflüge und
angelegter Rundgang veränderten die ur‐ geselliges Zusammensein genutzt wurden.
sprünglichen Strukturen. Die noch erhal‐
tenen Häuser befinden sich auf der West‐
seite der Insel. Zwei größere dicht bei‐
einanderstehende große Gebäude haben
Ausmaße von etwa 25 m × 7 m. Dazu ge‐
hört auch jener zweistöckige Bau, der
durch die Jahreszahl 1802 auf die frühe Ge‐
schichte der Inseln verweist und mögli‐
cherweise von britischen Soldaten genutzt
wurde. Ein weiteres ähnlich großes Haus
Ende der Insel bietet einen wunderbaren Caledonia Island, Site B. wurde direkt an der Rückseite im Norden
Ausblick auf das Karibische Meer. Küche mit offenem gebaut, wo die ankommenden indischen
Tischherd.
Das Hauptgebäude auf Rock Island misst Einwanderer registriert wurden. Noch in
20,27 m × 14,9 m und ist von vier Wasser‐ den 1970er Jahren erfolgten Umbauten zu
tanks umgeben. Hauptsächlich stammen Gefängniszellen, in denen Dissidenten der
die Strukturen von technischen Einrich‐ Black‐Power‐Bewegung inhaftiert wur‐
tungen. Am westlichen Ende der Insel be‐ Fragment einer Mineral- den. Weiter östlich befinden sich Über‐
finden sich vier massive quadratische Be‐ wasserflasche aus dem reste und Fundamente eines Krankenhau‐
19. Jh. Der Stempel be-
tonfundamente, vermutlich Überreste aus ses und einer Toilettenanlage, die ähnlich
legt die Herkunft aus
dem Zweiten Weltkrieg, als die US‐Armee Nassau (Selters). wie für Site B auf Caledonia Island be‐
hier Geschützstellungen unterhielt. schrieben über der Steilküste angelegt
Zahlreiche Strukturen im südöstlichen Porzellan aus Stafford- wurde. An der Westspitze der Insel steht
shire in England, mit
Teil von Pelican Island gehören wohl eben‐ ein kleines Haus auf Fundamentpfosten, in
dem Stempel Dresden
falls zu Installationen der US‐amerikani‐ Ironstone China; der
dem Uriah Butler inhaftiert war und in dem
schen Armee. Im Norden gibt es noch Re‐ Teller stammt aus der nun das Aufsichtspersonal wohnt. Die gro‐
likte aus dem 19. Jh., ein Hauptgebäude, da‐ ersten Hälfte des 19. Jh. ßen Gebäude werden als Heritage‐Zen‐
neben eine Küche. Nördlich davon befin‐ trum genutzt. Von Interesse ist Porzellan, Steinzeug
det sich eine Veranda aus Beton. Auf der Insgesamt folgt die Bauweise der meis‐ sowie Trinkgläser, aber auch Parfümfla‐
Insel stehen drei weitere Wassertanks. ten Gebäude lokalen Traditionen. Zunächst kons aus dem 19. Jh. Markenstempel geben
Nicht zuletzt aus schriftlichen Aufzeich‐ wurde der unebene Untergrund durch un‐ einerseits chronologische Anhaltspunkte,
nungen ist bekannt, dass es auf Lenagan Is‐ terschiedlich hohe rechteckige Stein‐ bzw. aber auch Hinweise auf die Bezugsquellen.
land ein Krankenhaus gab. Auffällig ist ei‐ Betonsockel vorbereitet, dann darauf er‐ Ähnlich wie schon für die Ziegel konsta‐
ne Betonkonstruktion am östlichen Ende höht der eigentliche Wohnbereich errich‐ tiert, stammt auch das Porzellan aus Groß‐
der Insel. Dort steht ein verrosteter Steri‐ tet. Abbildungen zeigen in der Regel ein‐ britannien. Als Herstellungsfirmen ließen

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sich z. B. Manufakturen in Staffordshire


(England) identifizieren. Zudem wurden
Bier‐ und Mineralwasserflaschen gebor‐
gen. Das Bier scheint aus Schottland im‐
portiert worden zu sein, wie Machart des
Tons und Formgebung nahelegen. Die
Mineralflaschen tragen teilweise Stempel,
die eine Herkunft aus Selters an der Lahn
belegen.

Graffiti – Botschaften aus


der Vergangenheit
Einen weiteren Zugang zur Geschichte der
Inseln ermöglichen Graffiti. Handläufe von
zentralen Treppen oder Einfassungen der
Terrassen sind mit Ziegeln abgedeckt, die
sich gut für eingeritzte Botschaften an die
Nachwelt eignen. Wie immer sind in ers‐
ter Linie Namen und Daten überliefert, mit
denen die Besucher ihren Aufenthalt auf
den Inseln dokumentieren wollten. Die
Lesbarkeit ist unterschiedlich gut, insbe‐
sondere die Daten sind nicht immer ein‐
deutig zu entziffern. Die meisten Namen
sind wohl britischer Herkunft, es handelt
sich aber nicht um die Inselbesitzer aus
dem 19. und frühen 20. Jh. Auffällig ist der
Namen N. Ibrahim, scheinbar jüdischer
Herkunft, der eventuell mit Flüchtlingen
aus Deutschland und Österreich in den
späten 1930er Jahren in Verbindung zu
bringen ist. Ein Abgleich mit Häftlings‐
listen in Archiven wird gegebenenfalls wei‐
tere Informationen liefern. ßung und Entschlüsselung noch Recher‐ Oben: Caledonia Island,
im Hintergrund sind
Info
Die Untersuchungen auf den Inseln chen und Analysen notwendig sind. Ent‐
links der Wassertank Bei den Untersuchungen kooperieren die
werden fortgeführt und wohl ausgeweitet. scheidend wird sein, die archäologischen
und rechts die Küche zu
Nach zwei Kampagnen offenbart sich das Erkenntnisse mit den schriftlichen und Universität Wien (Institut für Urgeschichte
sehen.
Potenzial der Forschungen, einerseits in bildlichen Quellen zu verknüpfen, um ein und Historische Archäologie), die Universi-
Hinblick auf die Baustrukturen und deren vollständiges und abgerundetes Bild der Unten: Auf Ziegeln ein- ty of the West Indies, Campus St. Augustine
archäologisch‐bauhistorische Einschät‐ karibischen Geschichte zu erhalten und da‐ geritzte Namen, teilwei- (Department for History) und der National
se mit Datumsangabe,
zung, andererseits hinsichtlich von Ein‐ mit auch ein kleines Stück Weltgeschichte Trust of Trinidad and Tobago.
Craig Island.
zelfunden und Graffiti, zu deren Erschlie‐ auf diesen Inseln zu erfassen.

SASKO
SACHSEN ČECHY
BÖHMEN
www.smac.sachsen.de

AiD 5 | 2018 19
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THEMA
GOLD
Gold fasziniert die Menschen seit jeher. Ob als
Schmuck, Waffe, Teil der Tracht, Zeremonial‐
gerät, Prunkgefäß oder reiner Totenschmuck –
wie kaum ein anderes Material bringt Gold Rang,
Prestige und Macht zum Ausdruck. In unserem
Thema nähern wir uns dem kostbaren Material
aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
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Von Barbara Armbruster Hortfunde – sen zeigen recht häufig, dass eben nicht
und Roland Schwab Sternstunden der Archäologie alles wirklich Gold ist, was glänzt. Ot han-
Das sagenumwobene Material spielt in delt es sich um vergoldetes Silber, wie

B
is zur Eisenzeit erfolgte die Gewin- der Mythologie eine herausragende Rolle. bei vielen Goldblechobjekten aus der
nung des kostbaren Materials in Weit verbreitet ist der Traum, einen Gold- Königsgrut von Qatna. Bedingt durch die
Europa vornehmlich durch Wa- schatz zu finden, die Entdeckung von Seltenheit von Gold hat jede Epoche und
schen goldhaltiger Sedimente aus Fluss- Goldhorten zählt zu den Sternstunden der Kultur Verfahren entwickelt, um unedle-
läufen. Diese alluvialen Lagerstätten sind Archäologie. Und tatsächlich sind durch re Metalle zu vergolden, etwa die An-
ungleich verteilt: Die Iberische Halbinsel die Sitte, Gold in Horten oder reichen Grä- reicherung von Gold an der Oberfläche
oder Rumänien sind besonders reich an bern niederzulegen, beachtliche Golden- durch Herauslösen anderer Legierungs-
Vorkommen, während Skandinavien gar sembles aus vielen Epochen überliefert. elemente wie Silber und Kupfer mit Pflan-
keine hat und somit jegliches Gold im- Spektakulär sind die ca. 3000 Goldarte- zensäten.
portieren musste. Seit dem 3. Jt. wurde fakte, Schmuck, Zierrat und Wafen aus Unter den Goldfunden gibt es einer-
Gold vermehrt auch aus primären Lager- dem Gräberfeld von Varna in Bulgarien seits extrem schwere Stücke mit hohem
stätten bergmännisch gewonnen. (Mitte 5. Jt. v. Chr.) oder die überwältigen- Materialverbrauch wie z.B. ein spätbronze-

Gold ist ein extrem seltenes Metall, Hortfund von Gessel in den Goldarbeiten aus den bronzezeitli- zeitliches Schmuckstück aus einem Gold-
dessen besondere Anziehungskrat auf Niedersachsen aus der chen Königsgräbern von Ur in Mesopota- hort aus Nordfrankreich, das allein 2,5 kg
Mitte des 2. Jt. v. Chr.
seiner Farbe und Beständigkeit gegen mien (Mitte 3. Jt. v. Chr.). Doch auch in den wiegt, andererseits aber auch dünnste, ex-
Korrosion beruht. Eigenschaten wie ho- letzten Jahren gab es außergewöhnliche trem leichte Folien, die auf einem festen
her Schmelzpunkt sowie enorme Dehn- Entdeckungen wie den bronzezeitlichen Träger wie z. B. Bronze befestigt wurden.
barkeit und Elastizität machen Gold zu Goldhort von Gessel in Niedersachsen. Das Gesamtgewicht aller heute bekann-
einem außergewöhnlichen Werkstof. Es ten Goldobjekte aus dem Westhallstatt-
ist das wertvollste Material, das in der Vor- Nicht alles ist Gold, was glänzt kreis beträgt gerade einmal knapp 6 kg.
und Frühgeschichte verarbeitet wurde. Unser Titelbild zeigt Die technologische Untersuchung prä- Die Anwendungsformen, Stile, Ver-
Der Beginn der Goldmetallurgie wird in einen Ohrring aus Gold historischer und antiker Goldschmiede- arbeitungstechniken und funktionalen
die Mitte des 5. Jt. v. Chr. datiert, als in Bul- mit Almandineinlagen. arbeiten ist eine besondere Herausfor- Gruppen des prähistorischen Goldes sind
Er wurde in der Martins-
garien und Rumänien erste Goldarbeiten derung. Objekten aus Gold wird grund- außerordentlich variantenreich. Daher
kirche Gruibingen im
in größerer Zahl autreten. Im Rest der al- sätzlich ein höherer ideeller Wert zuge- kann unser Thema zum vor- und frühge-
Kreis Göppingen gefun-
ten Welt beginnt die Verarbeitung jedoch den und datiert um messen als vergleichbaren Gegenständen schichtlichen Gold nur einzelne Beispiele
erst im 3. Jt. v. Chr. 700 n. Chr. aus anderen Materialien, doch die Analy- herausgreifen.

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THEMA GOLD

Woher kommt das Gold?


Natürliche Lagerstätten und antiker Abbau
Gold genießt seit vielen Jahrtausenden hohe als so genannte alluviale Seifen, d. h. als lenstrukturen eignen sich als Waschstel-
Wertschätzung. Das beruht nicht nur auf der angeschwemmtes Gold. Diese entstehen len, um Gold aus Flüssen zu gewinnen. Da
Seltenheit, sondern auch auf den besonderen durch Verwitterung von Berggold, wobei Gold eine hohe Dichte (19,3 g/cm3) besitzt,
flächenhat frei gewordenes goldhalti- basiert das klassische Goldwaschen auf
Eigenschaften des Edelmetalls: Gold bleibt gegen
ges Geröll über Spülrinnen und Bäche in dem gleichen Prinzip wie die natürliche
nahezu jeden chemischen Angriff beständig und Flüsse transportiert wird. Anreicherung in den Flüssen. Goldhaltiger
behält seinen unvergleichlichen Glanz. Die bekanntesten deutschen Vorkom- Sand wird über ein Waschbrett oder eine
men dieser Art gibt es in Rhein, Main und Waschpfanne gespült, wobei der leichte-
Eder. Das sagenhate Rheingold stammt re Sand weggeschwemmt und das Gold
Von Michael Brauns aus den umgebenden Gebirgen wie Alpen, aufgefangen wird.

A
ufgrund der chemischen Bestän-
digkeit kommen die meisten na-
türlichen Ressourcen als gedie-
genes Gold vor mit einer Reinheit von über
85 %. Gediegenes Gold ist dabei immer
eine natürliche Legierung mit einem Sil-
beranteil, der teilweise bis zu 40 % er-
reicht. Zudem findet sich das Edelmetall
im Ozean gelöst. Je nach nach Untersu-
chung und Meer gibt es schwankende An-
gaben zur genauen Menge bzw. Konzen-
tration. Man schätzt, dass mit 0,1 bis 2 μg
Gold pro Kubikmeter Meerwasser zu rech-
nen ist. Derzeit ist die Goldgewinnung aus
Meerwasser jedoch nicht rentabel.

Berggold und Seifen


Abbauwürdige Goldlagerstätten werden
in primäre (Berggold) und sekundäre (im
wesentlichen Seifengold) unterteilt, wo-
bei fossile und rezente Goldseifen etwa
75 % der weltweiten Produktion von ca.
160 t ausmachen. Den verbleibenden Teil
deckt der Abbau von Berggold. Goldhalti-
ge Quarzgänge im Felsengestein stellen Gediegenes Gold und Schwarzwald oder Vogesen, von wo lau- Antike Minen
den bedeutendsten primären Lagerstät- Kupferkieskristalle in fend neues Gold nachgeliefert wird. Im Der sprichwörtliche Goldreichtum von Kö-
einer Gangkluft der
tentypus dar. Primäres Gold tritt weiter- Rhein kommt Gold noch heute als feine nig Krösus soll aus dem Fluss Paktolos in
Ashanti-Mine in Ghana.
hin als Nebenbestandteil in vielen por- »Flitter« vor (ca. 150 μm Durchmesser/ ca. der antiken Landschat Lydien stammen,
phyrischen Kupferlagerstätten, aber auch 15 μm Dicke), die sich ganz klassisch in aber auch einige archäologisch nachge-
in sulfidischen Lagerstätten auf. Zonen mit niedriger Strömungsgeschwin- wiesene römische Bergwerke wie die Do-
Für frühe Goldgewinnung waren ver- digkeit anreichern. Gleithänge oder Hin- laucothi-Goldminen in Wales oder Las Me-
mutlich Goldseifen wichtig, so genannte dernisse wie kleine Inseln oder Flussbie- dulas in Nordspanien lieferten zumindest
residuale/ eluviale Seifen, die in unmit- gungen verlangsamen die Strömungsge- teilweise alluviales Seifengold, das im Ta-
telbarer Nähe zu ausbeißenden und der schwindigkeit, und so können sich dort gebau und durch so genannten hydrau-
Verwitterung ausgesetzten Gängen mit schwerere Bestandteile wie eben Gold ab- lischen Abbau gewonnen wurde.
dem Edelmetall vorkommen. Die meisten setzen. Die bestimmenden Faktoren sind Zahlreiche Untersuchungen haben ge-
Goldseifen jedoch befinden sich in grö- dabei Dichte, Korngröße und Form, Ober- zeigt, dass neben dem klastischen Trans-
ßerer und zum Teil sehr weiter Entfernung flächenmorphologie sowie die Strömungs- port auch chemische, elektrochemische
von bekannten primären Konzentrationen geschwindigkeit des Wassers. Solche Fal- und biogene Vorgänge bei der Entstehung

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von Seifengold eine Rolle spielen kön- mit Uran und Erdöl bzw. Bitumen auf. Lihir Der römische Goldberg- Gold, doch die bekannten Mengen an
nen, da Gold auch bei normalen Tempe- in Papua-Neuguinea ist ebenfalls eine bau von Las Médulas in goldhaltigem Erz sind sehr groß, leicht er-
Nordspanien hinterließ
raturen, wie sie an der Erdoberfläche herr- sehr große Lagerstätte, die sich in einer reichbar und machen so das Risiko be-
eine bizarre Landschaft.
schen, eine chemische Mobilität aufweist. erloschenen Caldera (vulkanischer Krater) rechenbar. Vermutlich galt dieses Prinzip
Diese Bildungsform tritt allerdings ge- großflächig ausgebildet hat. Dort, wo auch für den prähistorischen Bergbau, wo-
genüber der Erstgenannten zurück. Oberflächenwässer in Kontakt kommen bei die Abbauwürdigkeit letztendlich vor-
Neben Seifenlagerstätten wurden in mit noch heißen hydrothermalen Wäs- nehmlich eine Frage der Erreichbarkeit
der Antike jedoch vorwiegend primäre sern, wurde das Gestein durch Gold und war. Manche in der Antike genutzten La-
Goldlagerstätten im aufwendigen Unter- goldhaltige Sulfide imprägniert, was al- gerstätten weisen noch heute durch-
tagebau erschlossen. Erzaubereitung lerdings mit bloßem Auge nicht sichtbar schnittliche Goldgehalte zwischen 10 und
Gediegenes, kristalli-
und Stollenanlagen sind bis heute erhal- ist. Zudem bekannt sind Umlagerungen 20 g je Tonne auf, die jedoch nicht mehr
siertes Gold, herausge-
ten. Zu nennen sind die von Herodot er- von Goldvorkommen, d. h. eine primäre löst aus Laterit (Zentral- gefördert wurden, weil der Aufwand zu
wähnten Minen auf Sifnos und Thasos, die Lagerstätte in der Tiefe wird an- oder auf- brasilien). groß geworden war.
Goldminen der Pharaonen in der ägypti- gelöst und in einem höheren Niveau wie-
schen und sudanesischen Wüste oder die der ausgeschieden, wie etwa in Bodding-
zahlreichen römischen Minen auf der Ibe- ton, Australien.
rischen Halbinsel oder in Dakien.
Primäre Goldlagerstätten können sehr Nicht immer lohnend
vielgestaltig sein. Ot erscheinen sie in Die Abbauwürdigkeit einer Lagerstätte
Form von Adern, als Teil von Massivsul- hängt von Erzinhalt, Erreichbarkeit und
fidvorkommen, in Erzlinsen, oder sie wer- natürlich aktuellem Goldpreis ab. Noch
den an chemischen Barrieren großflächig Ende des 20. Jh. lag der durchschnittliche
ausgeschieden. Hier einige Beispiele: In Goldgehalt bei etwa 3 g je abgebauter
der Obuasi-Mine in Ghana werden Gold- Tonne, wobei manche Seifenlagerstätten
adern (feinverteiltes Freigold in Quarz), schon bei einem Gehalt von 0,5 g pro Ton-
aber auch in Sulfidmineralen enthalte- ne lohnend erschienen. Bei Lagerstätten,
nes Gold (vorwiegend Arsenopyrit) abge- in denen z. B. Arsenopyrit als Goldträger
baut. Carbon Leader Reef (Witwatersrand, vorherrscht, sind die Kosten für die Erz-
Südafrika) ist eine der größten Goldlager- aubereitung sehr hoch. In Lihir etwa ist
stätten überhaupt und tritt in Verbindung das Erz nicht ausgesprochen reich an

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THEMA GOLD

Ein Bergwerk im Kaukasus


Vor 5000 Jahren begann die Jagd nach dem Edel- dern auch das frühe Gold detailliert zu sen möglich. Heute wissen wir, dass der
metall im goldreichen Kaukasus. Überraschend analysieren. Gold und seine Gewinnung Kachagiani-Hügel zwischen etwa 3400/
war, dass sich das bereits länger bekannte Berg- kann so im Kontext mit jenen gesellschat- 3300 bis ca. 2700 v. Chr. und in kleinerem
lichen Veränderungen verstanden werden, Umfang als Nachlesebergbau im 5. und
werk von Sakdrissi auf dem Kachagiani-Hügel
die um 3000 v. Chr. die kaukasischen Ge- 6. Jh. n. Chr. abgebaut worden ist. Wäre der
ersten Datierungen zufolge in die Zeit der Kura- sellschaten erfasst haben: In der Folge Hügel nicht zerstört worden, hätte sich
Araxes-Kultur um 3000 v. Chr. einordnen ließ. führte dies nicht nur zu einer deutlichen auch diese Abbaugeschichte noch weiter
Seit 2004 konnten Forschungen einen ganzen gesellschatlichen Diferenzierung, son- nachvollziehen lassen.
Komplex aus Bergwerk und zugehöriger Sied- dern auch zu Migrationen und Mobilität in Vier größere Pingen bzw. Abbauberei-
andere Teile Westasiens wie Ostanatolien, che wurden dokumentiert (Abbaubereiche
lung nachweisen.
Nordwestiran oder die nördliche Levante. A–D). Im zentralen Teil des Grubengebäu-
Nach etwa zehn Jahren der Feld- und La- des wurden größere Gebirgsbrüche fest-
borforschungen wurde das Bergwerk von gestellt, wahrscheinlich weil sich hier ur-
Von Thomas Stöllner Sakdrissi, obwohl ursprünglich auf der na- sprünglich mehrere Erzgänge zu einem
tionalen Denkmalliste, Opfer des indus- »Gangschwarm« vereinigten und aus die-

S
akdrissi ist der Name einer Ortsflur triellen Goldabbaus. Trotzdem gehen die
nahe der Gemeinde Kazreti (Bezirk Forschungen weiter, auch in der benach-
Bolnissi) im unteren Kartlien in Süd- barten zeitgleichen Siedlung.
ostgeorgien. Geologisch stellte der Ka-
chagiani-Hügel einen reliktischen Härtling Ausgewaschene Gold- Moderner Bergbau erschließt
aus vulkanischen Gesteinen, meist Dazi- flitter aus dem prähis- archäologische Reste
torischen Versatz der
ten und Rhyolithen, dar, in denen stock- Von Anbeginn hatten die Archäologen den
Grube 1/2.
werkartig zahlreiche goldführende Quarz- Vorteil, dass der Altbergbau durch den Ex-
Hämatitgänge eingelagert waren. plorationsbergbau der 1980er Jahre auf-
Prähistorische Grube 1/2:
Dort war es nicht nur möglich, die äl- geschlossen und auch unter Tage zu er-
Grabungs- und Förder-
teste bergmännische Goldgewinnung, die reichen war. Somit waren Bergbauspuren
arbeiten unter Tage in
Techniken, aber auch die sozialen und ri- der Explorationsstrecke über und unter Tage zu beobachten und
tuellen Bedingungen zu beschreiben, son- der 1980er Jahre. ein Zugrif auf verschiedene Abbaupha-

sem durch den Abbau ein größerer un-


tertägiger Hohlraum entstanden war, der
schließlich verstürzte. Die nachfolgen-
den Grabungen haben sich auf die bei-
den Pingen A und B im Nordosten bzw.
Norden der Lagerstätte konzentriert. Da-
bei wurde die Grabung sowohl von der ers-
ten Prospektionssohle wie auch von Über-
tage geführt, letztlich von Beginn an mit
dem Ziel, die beiden Arbeitsbereiche zu
verbinden. Während die übertägigen Pin-
gen noch bis zu einer Tiefe von 8 m mit Ab-
raum und wieder eingeflossenem Sedi-
ment prähistorischer und spätantiker Hal-
den verfüllt waren, ließen sich ungestör-
te prähistorische Verfüllschichten vor
allem in den tieferen Bereichen des Berg-
baues dokumentieren. In der Regel hat der
Kura-Araxes-zeitliche Bergbau Tiefen von
25 bis 30 m erreicht. Die montanarchäo-
logischen Untersuchungen wurden von la-
gerstättenkundlichen archäobotanischen
und experimentalarchäologischen Arbei-
ten begleitet.

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Senkrechtaufnahme der Grabung Sak-


drissi 2008. Deutlich sind die vier Abbau-
bereiche entlang der Hauptvererzungen
erkennbar. Unten rechts: Handstück
aus dem Erzgang der Hämatit-Quarz-
vererzung in Paragenese.

Mühsame Arbeitsschritte zum


reinen Metall
Knapp 10 000 dokumentierte frühbron-
zezeitliche Steingeräte geben eine gute
Vorstellung von der Intensität des Abbaus
am Kachagiani-Hügel. Die hohe Zahl an
verschiedenen Steinhämmern ist nicht
nur der langen Abbaudauer geschuldet,
sondern auch der Härte der goldführen-
den Quarz- und Hämatitgänge samt den
hart silifizierten vulkanischen Gesteinen
ihrer Umgebung. Dies erforderte von den
Bergleuten ein hohes Maß an Können und
Erfahrung. Der Härte des Gesteins war
praktisch nur mit Feuersetzen beizukom-
men. Feuer führte zu einem Bersten vor
allem des Quarzes und ermöglichte da-
nach, das Gestein mit Geweihhacken oder
Steinhämmern abzuschlagen.
Die gewonnenen Gesteine wurden an-
schließend vor allem in den höheren Be-
reichen der Grube zunächst grob sortiert
und »geschieden«, ehe das erzführende,
aber verwachsene Gestein an die Ober-
fläche gebracht wurde. Dort belegen zahl-
reiche Näpfchenambosse aus größeren
Geschiebegesteinen (meist aus Andesit)
und solche Vertiefungen im anstehenden
Fels, dass um die Grube herum die me-
chanische Zerkleinerung und Sortierung
(Trockenaubereitung) erfolgte. Diese Ar-
beit ist weniger anspruchsvoll, dafür aber
zeitaufwendig. Dabei wurde ein etwa
nussgroßes Erzkonzentrat erzeugt, das
nun in einem weiteren Schritt gemahlen
wurde. Bei der Klassierung mussten die
Bergleute genau wissen, in welchen Par-
tien mit größeren Goldgehalten zu rech-
nen war, denn in der Regel sieht man das
Freigold nicht mit bloßem Auge. Es kann
erst nach dem Mahlen und nassmechani-
scher Trennung (etwa in einer Wasch-
pfanne) so konzentriert werden, dass
es erkannt wurde und ein erfolgreiches
Ausschmelzen im Tiegel möglich war.
Diese Arbeiten sind aber in der Regel

AiD 5 | 2018 25
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THEMA GOLD

rück und sind bereits damals mit metal- Zeremonien und Riten
lurgischen Aktivitäten verbunden. Auch In Dzedzwebi war die Gold- und Kupfer-
später, vor allem in der beginnenden Ei- metallurgie meist von einer ganzen Rei-
senzeit, wurde das Plateau erneut auf- he ritueller Aktivitäten begleitet: Sie steht
gesiedelt, vor allem an dessen Nord- und häufig in enger Verbindung mit Grable-
Südende. gen, die nahe der Häuser oder im Umfeld
Die Kura-Araxes-zeitliche Ansiedlung der metallurgischen Tätigkeiten entdeckt
lässt eine deutliche interne Struktur er- wurden. Besonders eng ist der Zusam-
kennen. Auf dem Südplateau etwa ist die menhang im Fall der Gräber 5 und 7, die
Besiedlung vor allem durch agropastora- direkt an die Arbeitsbereiche anschlossen
le und häusliche Tätigkeiten geprägt, da- und wie im Fall von Grab 7 unter einer
von abgetrennt sind die metallurgischen mehrphasigen Mahlinstallation neben
Bereiche hauptsächlich auf den nördli- dem metallurgischen Herd angelegt wur-
chen Abhängen (Dzedzwevi III/II). In die- den. In beiden Fällen handelt es sich um
sem spezialisierten Handwerksareal gibt Schädelbestattungen jugendlicher Perso-
es verschiedene Hausbefunde, an denen nen, die möglicherweise eng mit den Pro-
sich metallurgische Aktivitäten nachwei- duktionspraktiken verbunden waren. Auf-
sen lassen. An Fundstelle III.5 wurden z. B. fällig stark ist auch die Verknüpfung der
Golderze aus Sakdrissi gemahlen und Häuser 4 und 5 mit den damit verbunde-
wohl auch geschmolzen. Weiter nördlich nen Bestattungen. Während Haus 5 eher
lag ein aus mehreren Gebäuden beste- als Plattform anzusprechen ist, dem meh-
hender Handwerkskomplex: Neben einer rere Gräber (8 und 9) angehörten, kön-
auf Kupfer spezialisierten Werkstatt (Haus nen in Haus 4 besonders deutlich die ver-
Nr. 2) wurde unter anderem ein großes schiedenen Rituale während und nach
Haus (Nr. 3) mit zahlreichen Mahlgeräten dem Golderzaubereitungsprozess nach-
und Kleinambossen untersucht, die auf vollzogen werden. So waren gemeinschat-
spezialisierte Golderzaubereitung hin- liches Trinken und Speisen, vielleicht auch

nicht am Bergwerk durchgeführt worden, Links: Feuersetzexperi- weisen. Am deutlichsten sind die auf Gold- andere festartige Zeremonien mit diesem
sondern in der nahegelegenen Siedlung mente in einer Nebenver- erzmahlen und Waschen des Erzkonzen- Prozess verbunden. Ofensichtlich erfor-
erzung mit rekonstruier-
auf dem Plateau Dzedzwebi. Am Bergwerk trats ausgerichteten Arbeitsgänge in Haus derten die metallurgischen und insbe-
ten Gerätschaften. Oben
wurden lediglich die Goldgehalte der ver- Feuersetzen, unten
4 (Dzedzwebi Areal II.8) nachzuvollziehen. sondere die Prozesse um die Goldgewin-
schiedenen Erzgänge geprüt, denn nur Schlägelarbeit. Hier fanden sich neben mehreren Feuer- nung eine rituelle Begleitung und einen
die reichsten hat man abgebaut. stellen auch diverse Goldmahlgeräte und Abschluss durch eine wie auch immer ge-
Rechts: Dzedzwebi, eine beckenförmig hergerichtete Wasch- artete Zeremonie.
Bereich II.2, Haus 2 mit
Aubereitung in der Siedlung installation mit Goldwaschpfanne. Die
Werkstatt: Senkrecht-
Eine gleichzeitige Siedlung wurde bereits aufnahme der Grube mit erhöhten Goldgehalte in den Sedimenten Sozialer Wandel und Goldbeigaben
2007 auf dem etwa 1 km Lutlinie ent- Waschinstallation und belegten erneut die spezifischen Arbeits- Die ältesten Goldartefakte in Transkau-
fernten Plateau von Balitschi-Dzedzwebi Pfanne in situ. gänge der Aubereitung. All dies veran- kasien stammen aus dem 4. Jt. v. Chr. und
entdeckt – mit 60 ha eines der größten schaulicht die sehr zeitintensive Arbeit, damit aus einer Zeit, in der sich beträcht-
Siedlungsplateaus im südlichen Kaukasus. die zum Mahlen und Konzentrieren der liche gesellschatliche und wirtschatliche
Die ältesten Spuren reichen in das 5. Jt. zu- Erzlieferungen aus Sakdrissi notwendig war. Veränderungen im Kura- und Araxes-Tal

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sowie in den zentral dazwischen liegenden ab dem 27./ 25. Jh. v. Chr. findet sich Gold Oben: Hausartige Stein- stellt worden sein könnte, lässt sich an-
Hochebenen, etwa Armeniens, Ostanato- in größerem Umfang auch in opulent aus- setzung mit zentralem hand des späten Kura-Araxes-zeitlichen
Herd und anliegendem
liens und Aserbaidschans, vollzogen. gestatteten Kurganen, was zeigt, wie die Grabes von Hasansu (Kura-Tal, westliches
Grab 8.
Bergwerke wie Sakdrissi spielten für Beigabe von Gold auch einem sozialen Aserbaidschan) mittlerweile eindeutig be-
die Kura-Araxes-Gemeinschaten wohl ei- Wandel unterlag, der sich nach 3000 v.Chr. Unten: Goldene Spiral- legen. Doch bei vielen Goldfunden stehen
ne zunehmend wichtige Rolle. Der Gold- immer stärker bemerkbar machte. ringe des 3. Jt. v. Chr. die archäometallurgischen Provenienz-
abbau in Sakdrissi setzt interessanter- Zu den ältesten Kura-Araxes-Goldfun- studien noch aus. Diese werden nun ver-
weise in einer Zeit ein, als Gold in den Grä- den zählen ab 3000 v. Chr. vor allem Spi- stärkt vorangetrieben, vor allem auch, um
bern nicht nur eine Ausnahme darstellte, ralringe. Dass ein Teil dieser Spiralringe die soziale Bedeutung des Bergwerkes
sondern sogar eher verpönt schien. Erst aus dem Berggold von Sakdrissi herge- von Sakdrissi besser zu verstehen.

6.10.2018
10.2.2019 Gold & Wein
Georgiens älteste Schätze

ARCHÆOLOGISCHES
MUSEUM FRANKFURT
Karmelitergasse 1, 60311 Frankfurt am Main
www.archaeologisches-museum-frankfurt.de

AiD 5 | 2018 27
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THEMA GOLD

Macht und Pracht bei den Wikingern


Überall, wo sich Wikinger (800– 1100 n. Chr.) prägend für die Goldschmiedekunst der als Einlagematerial für Tauschierungen. Es
niederließen, verarbeiteten sie beachtliche Mengen Wikingerzeit. Während Ringe und Reifen diente auch der Vergoldung von Schmuck
sowie vermutlich auch Perlen und Anhän- und Zierrat aus Kupferlegierungen. Unter
an Edelmetall. Offenbar bevorzugten sie Silber,
ger sowohl von Frauen wie Männern ge- dem vergoldeten Schmuck aus Bronze
man kann von einem regelrechten Silberzeitalter
tragen wurden, waren Fibeln wohl vor- oder Messing kommen häufig Stücke vor,
sprechen. Doch sind auch hochwertige Goldobjekte wiegend Frauen vorbehalten. Zu diesen die Goldschmuck imitieren.
überliefert. charakteristischen Schmuckformen ge- Es gibt eine ganze Reihe von Horten
sellt sich noch der Münzschmuck, in den und Gräbern, in denen Gold- und Silber-
Geldstücke fremder Kulturen intergiert schmuck niedergelegt wurden. Doch auch
Von Barbara Armbruster wurden. Aus Haithabu ist beispielsweise Siedlungsfunde sind zu erwähnen, wie
eine Goldfibel überliefert, die aus einer etwa der aus mehreren miteinander ver-

S
ilber war in ungeheuerlichen Men- byzantinischen Münze, einem Solidus des drehten Goldstäben bestehende Halsring
gen im Umlauf, als Schmuck, Zierrat, Theophilus, hergestellt wurde. Die Münze der dänischen Siedlung Tissø, der mit
Tafelsilber und Münzen. Umfang- ziert ein Kranz zweier Perldrähte, und ei- 1,8 kg als eines der schwersten Schmuck-
reiche Hacksilberfunde, Schmuckhorte ne Broschierung auf der Fibelrückseite stücke gilt. Indessen stammt der bislang
und Grabbeigaben zeugen von diesem dient der sicheren Befestigung an einem umfangreichste wikingische Goldhort aus
Reichtum. Doch obwohl der Hauptanteil Kleidungsstück. Münzfibeln sind sowohl dem norwegischen Hoen (Ende 9. Jh.). Er
an edlem Schmuck, Gefäßen und Münzen aus Gold wie auch aus Silber überliefert, umfasst rund 2,5 kg an Goldfunden, da-
aus Silber gefertigt wurde, ist auch eine anderer Münzschmuck wie Ketten oder runter Hals-, Arm- und Fingerringe, Perlen
beachtliche Anzahl goldenen Schmucks Armbänder hingegen ist ausschließlich und Anhänger sowie eine Dreipassfibel,
überliefert, der stilistisch und technisch aus Silber bekannt. Gold wurde auch zur die aus einem karolingischen Zierbeschlag
silbernen Vorlagen entspricht. Die Gold- Verzierung anderer Objektgattungen aus umgeformt wurde. Dieser Hortfund be-
schmiedearbeiten der Wikingerzeit sind Metall wie etwa Wafengrife verwendet. sticht durch die Vielfältigkeit der Schmuck-
in ästhetischer wie auch in handwerklich- Dabei wurde Gold jedoch nur ganz spär- formen. Die massiven Hals- und Armrin-
Goldener Filigran-
technischer Sicht von hoher Qualität. anhänger aus der Wikin- lich eingesetzt, entweder als Vergoldung ge sind aus mehreren krätigen Stäben
Edelmetallschmuck war zweifelsfrei ein gersiedlung Haithabu. von Silber, Bronze oder Messing, oder aber tordiert. Unter dem zahlreichen Hänge-
Zeichen von Wohlstand, Macht und Pres-
tige. Darüber hinaus haben viele Gold-
und Silberobjekte auch eine Funktion als
Talisman und somit religiösen Charakter.
Der Edelmetallreichtum der Wikinger
basiert ofenbar auf ihren weiten Han-
delsbeziehungen und Erkundungsfahrten
nach Westen und Osten, die über die Ost-
see und die Wasserwege Russlands bis
nach Byzanz reichten. Dieser Reichtum
ist bemerkenswert, da weder Südskandi-
navien noch Norddeutschland, abgesehen
von Eisenlagerstätten, über nennens-
werte Metallvorkommen verfügten. Also
mussten Gold und Silber aus anderen Ge-
bieten Europas oder des Vorderen Orients
bezogen werden. Die kostbaren Rohstofe
erreichten den Norden in Form von Staub,
Barren, Fertigprodukten, Altmetall oder
Münzen, als Tauschwaren oder aber als
Kriegsbeute. Goldener kreuzförmiger Anhänger aus dem
Schatz von Hiddensee. Der stilisierte Kopf
Kiloware: Goldhorte und Halsreif eines Greifvogels bildet eine Hängeöse. Der
hohle aus Pressblech gefertigte und reich
Der Hauptanteil des Wikingergoldes liegt
mit Filigran und Granulation verzierte An-
in Form von Schmuckstücken vor. Massi- hänger verknüpft den frühmittelalterlichen
ver Ringschmuck für Arm, Hals und Finger Tierstil und Flechtbandmuster mit einer
sowie Fibeln, Perlen und Anhänger sind dreifachen Kreuzdarstellung.

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schmuck finden sich Anhänger mit Mün- darunter ein Halsring aus tordierten Stä- Der sagenumwobene setzung, was auf die Herstellung in ein
zen römischer, fränkischer, byzantinischer, ben, eine Scheibenfibel sowie zehn kreuz- Goldschatz von Hidden- und der selben Werkstatt hinweist.
see (Ende 10. Jh.) wird
arabischer und angelsächsischer Her- förmige und vier kleine Anhänger mit ei- Aus Norddeutschland gibt es noch wei-
mit Harald Blauzahn,
kunt. Diese geografische Vielfalt deutet nem Gesamtgewicht von etwa 600 g. Die dem ersten getauften
tere bedeutende Stücke wie den fast 400 g
auf einige der möglichen Bezugsquellen Scheibenfibel und die kreuzförmigen An- dänischen König, in Ver- schweren, aus krätigen Stäben tordierten
für den Rohstof der wikingischen Gold- hänger sind eng mit Pressmodeln, spe- bindung gebracht. Die Goldring aus Sörup, oder auch die acht
schmiede hin. zielle Goldschmiedewerkzeuge, aus Hai- 16 Schmuckstücke des massiven Goldringe aus Peenemünde.
Schatzes wurden durch
Edelmetallschmuck hatte, wie schon thabu verwandt. Sie tragen sowohl Ver- Für die Erforschung wikingerzeitlicher
Sturmfluten im 19. Jh. an
erwähnt, nicht nur eine schmückende zierungen im nordischen Tierstil als auch den Strand gespült. Die Goldarbeiten ist die Siedlung Haithabu an
Funktion oder als Zeichen von Rang und verschiedene Kreuzformen, ausgeführt in große Scheibenfibel und der Schlei von herausragendem Interes-
Prestige, sondern auch eine Schutzfunk- den Ziertechniken Filigran und Granula- die Kreuzanhänger ver- se. Die an einer verjüngten Stelle der jü-
tion. Während die Anhänger stilisierte Vo- binden heidnische und tischen Halbinsel und nahe des Franken-
tion. Die wertvollen Materialien selbst,
christliche Symbole.
aber auch die in den Formen und Verzie- gelköpfe und mehrfache Kreuzdarstel- reichs strategisch gut gelegene früh-
rungen der Schmuckstücke integrierten lungen mit Flechtbandmustern kombi- städtische Wikingersiedlung war im 9. und
Symbole wie etwa der Thorshammer, Tier- nieren, befindet sich auf der Fibel eine 10. Jh. ein Zentrum für Handel und Hand-
und Fabelwesen und das christliche Kreuz kreuzförmige Fassung für Glasfluss in- werk zwischen Nord- und Ostsee, Skandi-
weisen auf Zeichen der religiösen und eth- mitten von vier Tierköpfen, deren stili- navien und dem Kontinent. Hier, wo Wi-
nischen Zugehörigkeit hin. sierte Körper miteinander verwoben sind. kinger neben Slawen, Franken und ande-
Obwohl das vermutlich in der zweiten ren Volksgruppen lebten, kreuzten sich
Schätze aus Hiddensee und Haithabu Hälte des 10. Jh. in einer dänischen Gold- Handelswege zu Wasser und zu Land. Lu-
Das Gold der Wikinger zog in Deutschland schmiedewerkstatt gefertigte Ensemble xusgüter aus fremden Regionen oder auch
schon früh das Interesse der Öfentlich- außerhalb wikingischer Siedlungsgebiete solche aus exotischen Materialien bezeu-
keit auf sich. Insbesondere der spektaku- entdeckt wurde, wird es mit Harald Blau- gen die weit reichenden Handelsverbin-
läre Hiddenseeschatz, den Sturmfluten zahn, dem ersten getauten König der Dä- dungen. Ausgrabungen in Haithabu ha-
Ende des 19. Jh. an den Strand der Insel nen, in Bezug gesetzt. Materialanalysen ben etwa 50 Goldobjekte und Fragmente
gespült hatten, spielt dabei eine bedeu- der 16 Goldobjekte aus Hiddensee ofen- zutage gebracht. Einzelstücke aus der
tende Rolle. Er umfasst 16 Schmuckstücke, baren eine sehr homogene Zusammen- Siedlung und Grabfunde der zu Haithabu

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THEMA GOLD

gehörigen Nekropole zeugen von unter-


schiedlichen Stilen und Werkstätten. Ab-
gesehen von einem Anhängerpaar aus
einem der wenigen Grabfunde ist die che-
mische Zusammensetzung der Goldlegie-
rungen der etwa 50 verschiedenen Gold-
artefakte archäometallurgischen Analy-
sen zufolge sehr heterogen. Demnach
wurden die in der Siedlung entdeckten
Objekte nicht als Ensemble, sondern als
Einzelstücke hergestellt und stammen
vermutlich von unterschiedlichen Gold-
schmieden.
Abgesehen vom Goldschmuck, der in
der Wikingersiedlung als Finger- und Arm-
ringe, Anhänger oder Perlen vorliegt, wur-
de Gold auch als dünne Folien in transpa-
rente Glasperlen integriert sowie in Form
von schmalen Goldfäden, als so genann-
ter Goldlahn, in hochwertige Textilien ein-
gearbeitet.

Die Werkstatt des Goldschmieds


Bislang ist keine konkrete Goldschmie-
dewerkstatt der Wikinger bekannt. Ver-
einzelte Werkzeugfunde im Norden be-
zeugen derweil gut ausgestattete Ateliers.
Darunter sind vor allem drei Werkzeug-
ensembles wie das aus dem Handwerker-
grab aus Bygland (Norwegen), der Werk- Hiddensee. Detail vom entdeckt, darunter nahezu alles, was eine den Kupferlegierungen Bronze und Mes-
zeugkasten aus Mästermyr (Schweden) Zentrum der Fibel mit wikingische Feinschmiedewerkstatt er- sing. Die Werkzeuge, aber auch Goldfrag-
Pressblech, Granulation,
sowie ein umfangreicher Hortfund aus der fordert: Gusstiegel aus lokalem Ton, Guss- mente und unfertige Stücke belegen dort
Filgran und kreuzförmi-
Siedlung von Staraja Ladoga (Russland) ger Fassung für eine far-
formen aus Speckstein, Zangen, Hämmer, eindeutig, dass Goldschmiede innerhalb
hervorzuheben. Auch auf dem Siedlungs- bige Glaseinlage. Ambosse und Zieheisen aus Eisen wie der Siedlung arbeiteten.
gelände von Haithabu wurde Werkzeug auch zahlreiche Pressmodel aus den bei- Der sensationelle Fund eines Ensem-
bles von 41 Pressmodeln und eines eiser-
nen Zieheisens im Haithabuer Hafen legt
nahe, dass dieser Ort ein bedeutender
Umschlagplatz für Metall verarbeitende
Werkstätten war. Unter diesen Pressmo-
deln finden sich mehrere Exemplare, die
unzweifelhat einen direkten stilkundli-
chen und technischen Bezug zu der Schei-
benfibel und den Kreuzanhängern aus
dem Hiddenseeschatz aufweisen. Jedoch
sind die kreuzförmigen Anhänger und die
Scheibenfibel aus Hiddensee größer als
die vergleichbaren Pressmodel aus Hai-
thabu. Die Ausstellung »Magischer Glanz«
zeigte in Schleswig eindrucksvoll beide
Fundkomplexe nebeneinander.
Besonders bemerkenswert in der Gold-
schmiedekunst der Wikinger ist die ver-
stärkte Verwendung von Pressmodeln,
um Reliebleche zu kreieren. Es sind über
Pressmodel aus der Wi-
kingersiedlung Haithabu, 70 Exemplare bekannt. Diese Werkzeug-
Schleswig-Holstein. gattung ermöglicht die serienmäßige Fer-

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völkerwanderungszeitlichen Vorbildern. Nicht nur durch ihr technisches Know-


Der frühmittelalterliche Tierstil und Flecht- how, ihre Kunstfertigkeit und den Um-
bandmuster wurden neu interpretiert, gang mit wertvollen Materialien sind die
und ab dem 10. Jh. hat man heidnische mit Goldschmiede der Wikingerzeit als spe-
christlichen Symbolen verknüpt. Somit zialisierte Kunsthandwerker zu betrach-
entwickelten die Wikinger eine ganz ei- ten, sondern auch das geheime Wissen um
gene Formensprache der Schmuckgestal- die Zeichen und Symbole, die den Edel-
tung, insbesondere bei der Verwendung metallarbeiten innewohnten, war ihnen
von Pressmodeln zur Fertigung von Press- wohl vertraut. Die von den Kunsthand-
blechen für Fibeln und Anhänger, die reich werkern geschafenen Schmuckstücke
mit Filigran und Granulation verziert und Zierelemente können zweifelsfrei als
wurden. Dabei werden Zierdrähte (Fili- Meisterwerke der frühmittelalterlichen
gran) oder kleine Granalien (Granulation) Goldschmiedekunst in Nordeuropa be-
auf ein Relieblech gelötet. Dagegen sind zeichnet werden. Die Verknüpfung von
massivere Hals-, Arm- und Fingerringe, die Symbolsprache und feinstem Kunsthand-
meist aus mehreren miteinander gedreh- werk macht den geheimnisvollen Reiz des
ten Stäben gebildet sind, nicht auf Wikin- Wikingergoldes aus.
gergebiete beschränkt, sondern kommen
tigung von Pressblechschmuck, der sonst Die Rückseite der Schei- auch in slawischen Regionen vor.
benfibel aus Hiddensee
Literatur
einzeln durch zeitaufwendiges Ziselieren Über die Goldschmiede als Kunsthand-
wurde als Brosche gear- K. Andersson, Gold des Nordens. Skandina-
gearbeitet wurde. Diese Vorgehensweise werker gibt es keine direkten Schrit- oder
beitet. An der Öse konn- vische Schätze – von der Bronzezeit bis zu
hat gleich mehrere Vorteile: Der Press- te eine herabhängende Bildquellen aus der Wikingerzeit. Die hoch-
den Wikingern. Archäologie in Deutschland.
blechschmuck ist hohl und leicht, womit Kette befestigt werden. wertigen Erzeugnisse und speziellen Werk-
Sonderhet (Stuttgart 2008).
er wenig Edelmetall benötigt. Darüber zeuge, die an zentralen Plätzen, Königs-
B. Armbruster / H. Eilbracht, Wikingergold
Goldfibel von Hiddensee
hinaus dient ein Pressmodel dazu, gleich sitzen und frühstädtischen Siedlungen auf Hiddensee. Kulturhistorisches Museum
unter dem Rasterelek-
mehrere identische Pressbleche herzu- tronenmikroskop. Zier-
gefunden wurden, lassen darauf schlie- Stralsund, Landesamt für Kultur und Denk-
stellen. Das bedeutet also dreierlei: Eine elemente wurden auf ßen, dass Goldschmiede eine bedeuten- malpflege Mecklenburg-Vorpommern, Ost-
wirtschatliche Verwendung der sehr wert- das Pressblech gelötet. de gesellschatliche Rolle einnahmen. deutsche Sparkassenstitung. Archäologie
vollen Materialien Gold oder Silber, einen in Mecklenburg-Vorpommern 6 (Schwerin
sparsamen Umgang mit der Arbeitszeit 2010).
und schließlich die Wiederholbarkeit ein B. Armbruster, Goldschmiede in Haithabu –
Ein Beitrag zum frühmittelalterlichen Me-
und derselben Schmuckform. Damit ein-
tallhandwerk. Berichte über die Ausgra-
her geht eine gewisse Standardisierung in
bungen in Haithabu 34 (Neumünster 2002)
der Schmuckgestaltung. Vermutlich dien- 85–205.
te diese Weise des Schmuckschafens da- R. Bleile (Ed.), Magischer Glanz. Gold aus ar-
zu, eine breitere Bevölkerungsschicht zu chäologischen Sammlungen Norddeutsch-
erreichen. lands (Schleswig 2006).
Die Goldarbeiten der Wikinger zeugen S. Fuglesang / D. M. Wilson, The Hoen hoard.
von einer außerordentlichen Kunstfer- A viking gold treasure of the ninth century.
tigkeit der Handwerker. Sowohl gestalte- Acta ad. archaeologiam et artium histori-
am pertinentia XIV. Norske Oldfunn XX.
risch als auch herstellungstechnisch ba-
(Oslo 2006).
sieren viele Edelmetallgegenstände auf

Schimmernde
Krüge von Erz
Staatliche Antikensammlungen München
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AiD 5 | 2018 31
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THEMA GOLD

Tradition und Innovation der frühen Kelten


Das Gold der Kelten lockt bis heute Archäologen kroskopie begutachtet, vermessen und gangenen Bronzezeit war diese Technik
und Laien an. Insbesondere die prunkvollen dokumentiert. Postulierte Herstellungs- durchaus geläufig. Doch im Fundmaterial
abläufe wurden mit experimentellen Stu- der späten Hallstattzeit gibt es keine sol-
Bestattungen der frühen Eisenzeit erregen großes
dien überprüt. Zur Charakterisierung des chen Punzwerkzeuge aus Metall, wie sie
Aufsehen in der Öffentlichkeit. Gräber mit Import-
Rohmaterials kamen die energiedispersi- im modernen Handwerk und vergleichbar
gütern, reichem Ess- und Trinkgeschirr sowie ve Röntgenfluoreszenzanalyse (ED-RFA) auch aus bronze- und späteisenzeitlichen
vierrädrigen Wagen und nicht zuletzt mit Gold und die induktiv gekoppelte Plasma-Mas- Kontexten bekannt sind. Denkbar wären
lassen an keltische Fürsten denken. senspektrometrie einer mit Laserablation allerdings auch Punzen aus vergängli-
gewonnenen Materialprobe (LA-ICP-MS) chem Material wie Knochen oder Geweih.
zum Einsatz. Darüber hinaus wurden tech- Entsprechende Funde stammen etwa aus
Von Birgit Schorer nologische Details auch im Rasterelektro- Siedlungskontexten der Heuneburg bei
Herbertingen-Hundersingen. Wie experi-

B
ezeichnend für keltische Goldaus- mentelle Studien im Rahmen des Projekts
stattungen sind reich mit Punz- zeigten, sind solche Werkzeuge durchaus
mustern verzierte zylinderförmige zum Punzieren von Metallblechen geeig-
Hals- und Armringe, Nadeln und kleine net. Im Experiment konnten etwa 300 Ab-
Ringe als Bestandteile des Kopfschmucks, drücke mit entsprechenden Knochen-
Anhänger des Halsschmucks sowie Fibeln, punzen in ein Kupferblech eingeschlagen
aber auch andere Objekte wie Zierbe- werden, ohne dass sich nennenswerte Ab-
schläge, Krampen, Niete und Schalen. Das nutzungserscheinungen an der Punze er-
Material Gold ist selten, behält seinen Glanz kennen ließen. Da sich die Materialeigen-
auch über lange Zeiträume hinweg und schaten von Kupfer und den Gold-Sil-
gilt als Symbol für Reichtum und Macht. ber-Kupferlegierungen der frühkeltischen
Gewiss werden wir es mit hochgestellten Objekte mit etwa 5 bis 25 % Silber und zu-
Persönlichkeiten zu tun haben, die sich mit meist weniger als 1 % Kupfer ähneln, sind
solchen Gegenständen schmückten oder Musterpunzen aus Knochen oder Geweih
ihren Status demonstrieren wollten. zweifellos in Betracht zu ziehen.
Die Punzmuster entstammen sowohl
Modernste Technologie bringt Gold dem traditionellen Repertoire, wie sie
zum Sprechen auch bei der Verzierung von Keramik,
Doch woher kam das Gold und wie wurde Bronzeobjekten und Textilien genutzt
es bearbeitet? Wer hatte die Fähigkeit, wurden, lassen aber ebenso fremde Ein-
diese Objekte anzufertigen und woher flüsse und eigenständige Entwicklungen
stammte das technologische Know-how? erkennen.
Welche Funktion hatten die Stücke aus Ging die einschlägige Forschung bis-
Gold ursprünglich? Diesen Fragestellun- Drei für die LA-ICP-MS nenmikroskop (REM) mit energiedispersi- lang davon aus, die Punzierungen seien
gen ging man im Rahmen eines durch die präparierte Ringe und ver Röntgenspektroskopie (EDX) unter- zumeist von innen bzw. von der Rücksei-
ein Goldstandard als
Deutsche Forschungsgemeinschat und sucht. te aus eingedrückt worden, finden sich
Referenz.
die Agence Nationale de la Recherche ge- an vielen Objekten nun doch Hinweise auf
förderten deutsch-französischen Projek- Geschmiedetes Edelmetall, direkt in die Schauseite eingestempelte
tes »Rethinking earliest Celtic gold – Eco- fein verziert Muster. Kennzeichen hierfür sind unter an-
nomic, social and technological per- Die meisten späthallstattzeitlichen Gold- derem scharkantige Konturen der Punz-
spectives in the West Hallstatt Culture« objekte sind aus Blech gefertigt, das tra- verzierungen auf der Außenseite, Über-
in den Jahren 2012 bis 2015 nach. 320 der ditionell durch einen langwierigen Schmie- schneidungen in den Punzmustern sowie
etwa 400 bekannten späthallstattzeitli- deprozess hergestellt, anschließend um- treppenartige Absätze am Rand der Mus-
chen Goldfunde aus dem südwestdeut- geformt und verziert wurde. Eine der wich- ter, die vom Abrutschen des Werkzeuges
schen Raum wurden hierbei eingehend tigsten Ziertechniken im frühkeltischen bzw. einem schrägen Einschlagwinkel her-
unter die Lupe genommen, wobei der Goldschmiedehandwerk war dabei das rühren.
Schwerpunkt vor allem auf technologi- Punzieren von Mustern, die mit einem Abgesehen von Objekten, die aus ein-
schen und materialanalytischen Unter- Schlagwerkzeug (Hammer oder Geweih- und demselben Grabkontext stammen,
suchungen lag. schlegel) sowie einer Punze (eine Art gibt es keine Stücke mit identischen Punz-
Hierfür wurden die Objekte zunächst Stempel) in die Metalloberfläche einge- abdrücken. Ofensichtlich sind alle indi-
mithilfe konventioneller und digitaler Mi- bracht wurden. Bereits in der vorausge- viduelle Einzelanfertigungen, zu deren

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Prunkvoll mit Punzmustern


verzierte Nadeln des Kopf-
schmucks aus dem Frauengrab
von Ditzingen-Schöckingen
(Landkreis Göppingen, Baden-
Württemberg).
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THEMA GOLD

Verzierung jeweils eigene Punzen herge- Stempelartige Werk-


stellt wurden. Weiterhin konnten die neu- zeuge aus Geweih von
der Heuneburg bei
en Studien zur Ornamentik das bislang
Herbertingen-Hunder-
zeitlich nicht näher bestimmbare Sieb- singen (Baden-Württem-
löfelchen von der Heuneburg nun sicher berg), die durchaus zum
in die Hallstattzeit einordnen. Die Kreis- Punzieren von Metall-
ornamente in der Löfelschale sowie die oberflächen verwendet
worden sein können.
sich gegenüberstehenden Dreiecke am
Grifende finden sich auch auf anderen
frühkeltischen Objekten, wie etwa an ei-
nem der Halsringe von Stuttgart-Bad Cann-
statt und dem Dolch von Hochdorf. Neben
dieser stilistischen Zuordnung spricht die Punzierte Muster auf
charakteristische Zusammensetzung der späthallstattzeitlichen
verwendeten Goldlegierung klar für eine Goldobjekten. Einige
Datierung in die späte Hallstattzeit. einfache Ornamente
sind noch ganz in bron-
zezeitlicher Tradition
Neuheiten: und entsprechen dem
Löten und Difusionsvergoldung geometrischen Stil der dorf, die bislang lediglich als zusammen- rial und damit auf das so genannte Reak-
Zur Anfertigung des Sieblöfelchens kam Hallstattzeit. Wellenför- gesteckt bzw. gegossen galten. tionslöten hin. Folglich scheint es sich
darüber hinaus mit dem Löten eine der mige Motive oder zinnen- Detaillierte materialwissenschatliche um eine Technik zu handeln, wie sie in die-
förmige Mäander haben
Techniken zur Anwendung, die in der frü- Analysen an einzelnen Lötstellen sowie sem Zeitraum bislang vor allem an etrus-
sich offensichtlich aus
hen Eisenzeit Mitteleuropas neu über- älteren Elementen ur- die Untersuchung experimentell angefer- kischen Filigranarbeiten nachgewiesen ist.
nommen wurden und im frühkeltischen nenfelderzeitlicher Kera- tigter Vergleichsstücke erbrachten neue Zu den weiteren technischen Neue-
Goldschmiedehandwerk äußerst selten mik weiterentwickelt. Erkenntnisse zu den Löttechniken. Zusam- rungen des früheisenzeitlichen Gold-
Neue Einflüsse wie ge-
sind. Weitere Beispiele hierfür sind ein men mit dem optischen Erscheinungs- schmiedehandwerks gehört die Difusi-
kerbte Ringmuster oder
kleiner Hohlblechring aus Stuttgart-Bad S-Ornamente und Swas-
bild der punktuellen Lötstellen deuten die onsvergoldung von Silberobjekten. Ge-
Cannstatt sowie die Fibeln und Ringe der tika kamen aus Regio- Analysen auf die Verwendung minerali- genüber den traditionell zur Veredelung
Gürtelzier aus dem Prunkgrab von Hoch- nen südlich der Alpen. scher Kupferverbindungen als Lötmate- von Metalloberflächen angewandten Me-

1 mm
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thoden des mechanischen Plattierens Aufgrund typologischer, technologi- trägt die Distanz zwischen den Fundorten
werden nun Goldfolie und Träger mithil- scher und analytischer Vergleiche ergaben etwa 90 km, und auch zwischen der De-
fe von Druck und Temperatur verbunden. sich inzwischen indirekte Hinweise auf ponierung liegen rund 100 Jahre. Bemer-
Die noch unterhalb der Schmelztempera- Werkstätten. Dabei zeigten sich überra- kenswert ist dabei die Tatsache, dass die
turen stattfindende Difusion von Silber schende Übereinstimmungen an mehre- Stücke und damit die ursprünglich vor-
in Gold bewirkt eine feste Bindung der ren Objekten, die weit voneinander ent- handenen Prunktextilien im »Grafenbühl«
beiden Schichten. Charakteristisch für die fernt entdeckt wurden. In allen Fällen han- als Altsachen ins Grab gelangt sind und
Difusionsvergoldung sind eine löchrig- delt es sich um jeweils ähnlich geformte also nicht ausschließlich für die Grablege
blasige Struktur und eine blasse Goldfar- und verzierte Stücke, die zugleich tech- hergestellt wurden.
be sowie stofschlüssig fest verbundene nologische Gemeinsamkeiten und Mate-
dünne Goldschichten, wie sie im metallo- rialgleichheiten aufweisen, wie etwa meh- Links Fragment eines Wofür so viel Gold?
grafischen Querschlif sichtbar werden. rere kleine Ringe vom Kopfschmuck aus feinen Goldblechstrei- Eine ganze Bandbreite an stilistischen und
Die difusionsgebundene Folienver- verschiedenen Gräbern in Erkenbrechts- fens aus dem Prunkgrab technologischen Details sowie unter-
von Asperg »Grafen-
goldung war besonders im griechischen weiler »Burrenhof«, Ditzingen-Schöckin- schiedlichen Legierungen und Gebrauchs-
bühl« mit einer Breite
und etruskischen Kulturraum verbreitet. gen und Reutlingen-Rommelsbach. spuren weisen bei einigen Ensembles wie
von 0,2 bis 0,5 mm und
Bei den aktuellen Studien stellte sich nun Zu den bemerkenswertesten Beispie- einer Materialstärke von den Grabausstattungen von Schöckingen,
heraus, dass es neben der Vergoldung an len zählen kleine, ganz unscheinbare und 0,03 mm. Hochdorf und dem Grafenbühl darauf hin,

der Silberschale von Vix im französischen dass die Goldobjekte nicht eigens für die
Burgund einzelne weitere späthallstatt- Bestattung angefertigt wurden, sondern
zeitliche Objekte gibt, die mit dieser Tech- vielmehr bereits zu Lebzeiten genutzt
nik vergoldet wurden, z. B. mehrere Ringe wurden, sei es zu Feierlichkeiten oder auch
aus Gräbern der Gießübel-Talhau-Nekro- im Alltag.
pole nahe der Heuneburg. Bei den Autraggebern dieser Prestige-
objekte handelt es sich wohl um Angehö-
Wo sind die Werkstätten? rige einer oberen frühkeltischen Gesell-
Die im Rahmen des Projektes durchge- schatsschicht. Das technische Know-how
führten Materialanalysen verweisen auf entstammt sowohl der lokalen Bronze-
unterschiedliche natürliche Goldlegie- bearbeitung als auch spezialisiertem Wis-
rungen, die zur Anfertigung der Objekte sen um die Bearbeitung von Gold. Neue
verwendet wurden. Die genaue Herkunt Techniken wie Löten oder Difusions-
bleibt zwar unbekannt, Spuren von Platin vergoldung sind sicherlich im Umkreis
und Zinn zeigen jedoch an, dass es sich der Zentralsiedlungen aufgekommen, wo
wohl vorwiegend um Gold aus Flusssedi- weitreichende Kontakte gepflegt und da-
menten handelt. mit fremde Verfahren in das eigene Re-
In den Siedlungen gibt es nur wenige pertoire aufgenommen wurden.
Hinterlassenschaten, die eindeutige Hin- nur 0,2 bis 0,5 mm breite Blechstreifen, die Der kleine Ring (Durch- Gemeinsamkeiten in Stil, Technologie
weise auf Werkstätten liefern. Zu den sel- ursprünglich Bestandteil kostbarer Texti- messer 22,8 mm) vom und Material weisen bei einigen Objekten
Kopfschmuck aus einem
tenen Ausnahmen zählen einzelne Funde lien waren. Diese überaus feinen Zierele- weit auseinanderliegender Fundorte da-
der beiden Prunkgräber
von der Heuneburg, wie kleine Keramik- mente aus den Prunkgräbern von Alt- von Stuttgart-Bad Cann- rauf hin, dass es entweder Handwerker
tiegel mit Spuren von Gold und Silber so- heim-Heiligkreuztal »Hohmichele« an der statt besitzt ein einge- oder Werkstätten gab, die unterschiedli-
wie jüngst in der Füllung eines Gruben- oberen Donau und Asperg »Grafenbühl« lötetes Verbindungsstück che Autraggeber bedienten, oder dass
hauses entdeckte halbfertige Filigranele- bei Ludwigsburg stimmen optisch und mit punktuell sichtbaren die Stücke innerhalb der Elite weiterge-
Lötstellen (oben rechts).
mente, die auf lokale Goldverarbeitung technologisch überein und bestehen aus reicht wurden, sei es als Geschenke oder
hindeuten. identischem Rohmaterial. Allerdings be- als Erbstücke.

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THEMA GOLD

Ein Luxusgut in Palästen und Tempeln Altsyriens


Als Schamschi-Addu, König von Obermesopota- Tempelbezirken von Byblos vergraben rung abgeschält worden zu sein scheint,
mien, zu Beginn des 18. Jh. v. Chr. den Palast worden waren. Einige enthielten goldenen um das Edelmetall zu »recyceln«, d. h. neu
Schmuck, andere Prunkäxte aus massi- zu verwenden.
von Mari eroberte, fand er dort einen reichen
vem Gold. Auch wurden Dutzende kleiner Weitere Stücke stammen aus den eben-
Goldschatz vor, bestehend aus Halsketten und
Götterfigurinen aus Bronze gefunden, an falls mittelbronzezeitlichen Königsgrä-
Halsringen, Gewandnadeln, Dutzenden Arm- deren Oberflächen Reste aufgelegter bern von Byblos, in denen sorgfältig her-
reifen sowie goldverzierten Waffen, Gefäßen Goldfolie festgestellt wurden. Ursprüng- gestellte Falkenkrägen aus Goldblech und
und Wagen. Da die königlichen Beamten die lich waren sie wohl vollständig mit Gold- bronzene Sichelschwerter mit Goldeinla-
wertvollen Objekte detailliert dokumentierten, folie bedeckt, die aber vor der Deponie- gen entdeckt wurden. Bereits früh wurde
erkannt, dass viele dieser vermutlich lo-
sind uns auch heute noch viele Stücke bekannt.
kal hergestellten Objekte, so auch die Fal-
kenkrägen und Schwerter, einen ägyptisch
anmutenden Stil aufweisen. Dies lässt da-
Von Ivana Puljiz rauf schließen, dass die Herrscher von
Byblos für ihre eigene Ausstattung exo-

A
ber nicht nur Textquellen informie- Spätbronzezeitliche tisch aussehende Objekte bevorzugten.
ren uns über Goldobjekte, sondern Götterstatue mit Gold- Goldschmuck und Prunkwafen mit gol-
auflage aus Ugarit.
auch archäologische Ausgrabun- denen Applikationen fand man auch in
gen im syrisch-nordlevantinischen Raum den mittelbronzezeitlichen Herrschergrä-
haben eine Vielzahl bedeutender Gold- bern von Ebla. Wie in Byblos weisen eini-
objekte an Fundorten der Mittleren und ge Bezüge zum ägyptischen Kulturraum
Späten Bronzezeit erbracht (ca. 2000- auf.
1200 v. Chr.). Allerdings bestehen nur we-
nige Exemplare aus massivem Gold. Statt- Königliches Grab in Qatna
dessen wurde die Mehrheit aus dünnem Ebenfalls reich ausgestattet war das Kö-
Goldblech oder Golddraht geformt. Da- nigsgrab der Mittleren Bronzezeit im
neben gibt es Gegenstände wie Gefäße westsyrischen Qatna. Das Goldinventar
oder Prunkwafen, die mit kleinen Appli- dieser als »Grut VII« bezeichneten Grab-
kationen aus Gold versehen und dadurch anlage besteht zum überwiegenden Teil
aufgewertet wurden. In anderen Fällen aus sehr sorgfältig angefertigten Schmuck-
wurden Trägerobjekte aus Bronze oder gegenständen, darunter auch mehrere
Holz mit dünnen Auflagen aus Goldblech Ringe aus Goldblech, die in ihrem Inne-
oder Goldfolie bedeckt. So konnte zumin- ren einen Kern aus Bronze aufweisen. An-
dest bei oberflächlichem Hinsehen der dere Ringe dieser Art sind innen hohl,
Eindruck vermittelt werden, die Gegen- was auf einen ursprünglich aus Holz ge-
stände bestünden aus massivem Gold. arbeiteten Kern schließen lässt, der sich
Dieser vergleichsweise sparsame Umgang nicht erhalten hat. Diese Herstellungs-
mit dem Edelmetall mag damit zusam- weise ofenbart die Sparsamkeit der Herr-
menhängen, dass es weder in Syrien noch scherfamilie von Qatna im Umgang mit
den unmittelbar angrenzenden Gebieten Gold: Durch die Verwendung von Holz-
natürliche Goldvorkommen gab. So waren bzw. Bronzekernen ließ sich die zur An-
die syrischen Königtümer auf Importe aus fertigung von Armreifen benötigte Gold-
anderen Regionen angewiesen, wie z. B. menge deutlich reduzieren.
der ägyptischen Ostwüste, der Kaukasus- Neben dem akkurat hergestellten Gold-
region oder Anatolien. schmuck wurden in der Grut VII von Qat-
na auch über 100 Goldblechobjekte ge-
Gold aus Tempeln und Gräbern borgen, die aufallend unpräzise gear-
Die wichtigsten Goldfunde der Mittleren beitet sind. Es handelt sich um längliche
Bronzezeit (ca. 2000–1600 v. Chr.) aus dem Goldblechbänder und durchlochte Gold-
heutigen Syrien und dem Libanon stam- blechscheiben, die scharkantige Ränder
men aus Byblos, Ebla und Qatna. Beson- aufweisen und wenig sorgfältig verziert
dere Aufmerksamkeit verdienen Horte, wurden. Hinzu kommt, dass die Verzie-
die in der ersten Hälte des 2. Jt. v. Chr. in rungen in einzelnen Fällen unvollendet

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sind. Aus diesem Grund ist es unwahr- ben dürte. Doch auch mehrere Besatz- Massive Entenköpfe enthielt es einige grob zurechtgeschnit-
scheinlich, dass die Bänder und Scheiben stücke aus Goldblech, viele mit figürlichen aus der Königsgruft tene Goldblechbänder, die im Ober-
von Qatna.
jemals von lebenden Personen getragen oder floralen Reliefs verziert, verdienen körperbereich einer Kinderbestattung la-
wurden. Vielmehr ist anzunehmen, dass Beachtung. Sie könnten an Köchern und gen. Vermutlich handelt es sich auch hier
es sich um Totenschmuck handelt, der ei- anderen Gegenständen aufgenäht ge- um reinen Totenschmuck. Der Brauch,
gens für die Ausstattung Verstorbener an- wesen sein. Daneben enthielt die Königs- Verstorbene mit eigens angefertigten
gefertigt und ausschließlich im Grabkon- grut von Qatna zahllose überaus sorg- Goldobjekten auszustatten, bestand im
text verwendet wurde. fältig gearbeitete Schmuckgegenstände syrisch-nordlevantinischen Raum also
aus Gold, darunter Perlen, Anhänger, Rin- mindestens bis in die zweite Hälte des
Gewichtige Kostbarkeiten ge und Knöpfe. 2. Jt. v. Chr.
Bedeutende Goldfunde der Späten Bron-
zezeit (ca. 1600–1200 v. Chr.) stammen aus Reiner Totenschmuck In Krisenzeiten vergraben
Qatna, Kamid el-Loz und Ugarit. Alleine Eine deutlich geringere Anzahl an Gold- Andere spätbronzezeitliche Goldfunde
die spätbronzezeitliche Königsgrut von funden wurde in einem ungefähr gleich- kommen aus dem westsyrischen Ugarit,
Reich verzierte Goldaxt
Qatna enthielt über 1300 Goldobjekte. Zu zeitigen Herrschergrab im libanesischen etwa mehrere Götterfigurinen aus Bronze
aus einem mittelbronze-
den aufsehenerregendsten Stücken ge- Kamid el-Loz entdeckt. Unter diesen be- zeitlichen Hort von mit dünnen Auflagen aus Goldfolie. Wie
hören zwei naturalistisch gearbeitete En- findet sich Schmuck, der enge Verbin- Byblos. bei den eingangs genannten Statuetten
tenköpfe aus massivem Gold und eine dungen zu Qatna erkennen lässt. Zudem aus Byblos wurde die Folie auch bei den
Schale aus gehämmertem Gold, die auf- Exemplaren aus Ugarit teilweise abge-
grund ihres Gewichts von rund 244 g ei- schält. Weitere Goldobjekte aus Ugarit
nen enormen Materialwert besessen ha- stammen aus Horten, die in Gefäßen ver-
staut im Bereich von Wohnhäusern ver-
graben worden sind. Einige Depots ent-
hielten nicht nur geknickten oder gefal-
teten Goldschmuck, sondern auch Hack-
silber. Aufgrund ihrer Lage und Zusam-
mensetzung ist es plausibel, diese Depo-
nierungen als Rohstofreserven privater
Haushalte anzusprechen, die in Krisen-
zeiten vergraben wurden.

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THEMA GOLD

Ungleiche Verteilung von Gold Gehämmerte Goldschale Textquellen aus Mari wurden, fand man darin bislang nur ein-
Ein direkter Vergleich der einzelnen Fund- aus der Königsgruft von Wie sich gezeigt hat, stammen die meis- zelne Goldgegenstände. Der archäologi-
Qatna.
kontexte macht deutlich, dass in Königs- ten Goldfunde, die bei Ausgrabungen im sche Befund erlaubt somit nur einen sehr
gräbern und Tempelbezirken sehr viel grö- syrischen Raum zutage gefördert wurden, einseitigen Einblick in die antiken Ver-
ßere Mengen an Goldobjekten entdeckt aus Gräbern oder Horten. Da die ursprüng- wendungsweisen von Goldobjekten. In
wurden als in privatem Umfeld. Dies lässt lich reich ausgestatteten Räumlichkeiten Anbetracht dessen sind Informationen
sich als Indiz dafür werten, dass Privat- altsyrischer Paläste und Tempel am Ende aus zeitgenössischen Keilschrittexten
personen einen eingeschränkteren Zu- ihrer Nutzung ausgeräumt oder beraubt umso wichtiger. Besonders aufschluss-
gang zu Gold hatten. Eine Bestätigung
dieser These findet sich in den Keil-
schritquellen aus Mari, Emar und Ugarit,
die darauf hindeuten, dass sich ein Groß-
teil der überlieferten Goldgegenstände im
Besitz der damaligen Königsfamilien be-
fand oder zur Ausstattung von Heiligtü-
mern gehörte. Die Texte geben ebenfalls
zu erkennen, dass deutlich geringere Men-
gen an Goldobjekten im Zusammenhang
mit Personen belegt sind, die nicht zum
weiteren Umfeld der jeweiligen Herrscher-
familien gehörten. Interessanterweise
enthalten die Schritquellen aus dem sy-
rischen Raum aber keine Hinweise darauf,
dass der Besitz von Gold institutionell re-
glementiert worden wäre. Daher ist es na-
Plakette mit getriebe-
heliegend, die ungleiche gesellschatliche nem Greifendekor aus
Verteilung des Edelmetalls mit seinem der Königsgruft von
hohen ökonomischen Wert zu erklären. Qatna.

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reich sind die Schritquellen aus den kö- Längliche Goldblech-


niglichen Archiven des ostsyrischen Fund- bänder, die vermutlich
als Totenschmuck dien-
orts Mari, die größtenteils in die erste
ten, aus der Gruft VII
Hälte des 18. Jh. v. Chr. datieren. Daraus von Qatna.
geht hervor, dass Gold im Königspalast
von Mari auf vielfältige Weise verwendet
wurde. Beispielsweise diente Goldblech
zur Plattierung oder Verzierung von Son-
nenschirmen und Musikinstrumenten.
Auch Kultbildnisse und Herrscherstatuen,
die die altsyrischen Könige in Heiligtü-
mern aufstellen ließen, waren in manchen
Fällen mit Goldauflagen versehen. Dies er-
innert an die bereits erwähnten Bronze-
statuetten aus Byblos und Ugarit mit Res-
ten von Goldfolie.
Darüber hinaus berichten die Palast-
archive von Mari, dass herrschatliche Detaillierte Buchführung spätbronzezeitliche Inventartexte aus
Fortbewegungsmittel wie Sänten und Wie wir also gesehen haben, verfügte der Qatna und Emar die Rolle des Edelmetalls
Wagen mit Goldblech beschlagen sein königliche Haushalt von Mari über enor- im religiösen Kontext. So listen Texte aus
konnten. Kostbare Gefäße, die vollständig me Goldmengen, die auf unterschiedlichs- Qatna die Schätze der Palastgötter auf, zu
oder teilweise aus Gold bestanden, dien- te Weise in repräsentativen, diplomati- denen nicht nur zahlreiche Halsketten,
ten dem König als Geschirr. Schmuck und schen und kultischen Kontexten verwen- Armringe und Gewandnadeln gehörten,
Gefäße aus Gold wurden außerdem als det wurden. Dabei war der Umgang mit sondern auch ein »goldenes« Kultbild –
wertvolle Gaben an Könige und Königin- dem wertvollen Edelmetall jedoch kei- gemeint ist vermutlich eine goldplattier-
nen anderer Staaten verschenkt. Vielfach nesfalls verschwenderisch: Der königliche te Statue. Ähnliches geht auch aus Keil-
dokumentieren die Texte auch die Anfer- Verwaltungsapparat, der alle mit Gold in schrittexten in Emar hervor, die gold-
tigung von Schmuck für den König und die Zusammenhang stehenden Tätigkeiten plattierte Götterstatuen und deren Be-
weiblichen Angehörigen seines Harems, genauestens dokumentierte, hielt auch sitztümer anführen. Über die mögliche
etwa goldverzierte Kopbedeckungen, den Verbleib kleinster Goldmengen peni- Herkunt solcher Statuen informiert uns
Halsketten, Armreife und Gewandnadeln. bel fest. Auch ist bekannt, dass goldene ein Brief aus dem 14. Jh. v. Chr., in dem Akiz-
Womöglich sind die schritlich überliefer- Gefäße oder Schmuckobjekte bei Bedarf zi, Herrscher von Qatna, den ägyptischen
ten Wafen des Königs, die entweder aus eingeschmolzen wurden, um daraus neue Pharao Echnaton um Gold für die Anfer-
massivem Gold bestanden oder goldene Gegenstände anzufertigen. tigung einer Statue des Sonnengottes bit-
Applikationen aufwiesen, mit den Prunk- Während die Texte aus Mari den hohen tet (EA 55). Ofen bleibt jedoch, ob der
wafen vergleichbar, die aus Byblos und Stellenwert von Gold für die altsyrischen Pharao diesem Wunsch tatsächlich nach-
Ebla bekannt sind. Königtümer verdeutlichen, beleuchten kam.

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Europa Roms langer Arm in Schottland

Ardoch: Militärposten am Rand des Reichs


Im Norden Großbritanniens liegt das am besten erhaltene Kastell nördlich von Perth am Fluss Tay. Neben
des Landes. Hier, mehr oder weniger an der schmalsten Stelle der Insel, großen Standlagern wie Inchtuthil oder
dem nördlichsten römischen Militärlager
versuchten die Römer, ihre neu eroberte Provinz zu schützen. Stracathro bildet dieser »roman Gask Rid‐
ge« aus Kastellen, Kleinkastellen und höl‐
zernen Wachtürmen ein wichtiges Ele‐
Von Manuel Fernández-Götz, Félix Teichner, Carmen Maria Stähler ment der imperialen Okkupation im Bri‐
und Christoph Salzmann tannien des späten 1. Jh. n. Chr.
Neue Untersuchungen des Langzeit‐

K
aiser Claudius begann 43 n. Chr. mit wenngleich dieser Bericht zweifellos ein projekts »The roman Gask Ridge« –Project
der Eroberung Englands. Nach der verzerrtes Bild des wirklichen Gesche‐ unter Leitung von David J. Woolliscroft und
erfolgreichen Unterwerfung der wa‐ hens vermittelt. Trotz des Sieges zog sich Birgitta Hoffmann – zeigen eine nördliche
lisischen Stämme im Westen und der Bri‐ Agricola wieder an die südlichen Ausläu‐ Erweiterung der Grenzlinie stromaufwärts
ganten im Nordosten war ein großer Teil fer der Highlands zurück bis ins heutige der Isla und möglicherweise auch südlich
der Insel Bestandteil des Römischen Perth and Kinross und wurde bald darauf über Glenbank hinaus.
Reichs, die weitere Expansion nach Nor‐ abberufen. Die einzelnen Anlagen sind jeweils in
den nur noch eine Frage der Zeit. Mit der Sichtweite errichtet und in der Regel 0,8
Ernennung Cnaeus Iulius Agricolas zum Schottischer Limes bis 1,5 km voneinander entfernt. So lässt
Statthalter der Provinz Britannien durch Während Agricolas Feldzügen und nach sich der Übergang von den Low‐ zu den
Kaiser Vespasian 77/78 n. Chr. sollte die seinem Rückzug wurde ein ausgeklügeltes Highlands entlang der römischen Straße
komplett überblicken, die in Richtung
Standlager Inchtuthil Nordwesten von Glenbank bis Bertha be‐
Kastell legt ist und wohl eine Verlängerung der
Kleinkastell
von Norden nach Süden verlaufenden
Wachturm
Route bei Camelon, Falkirk, ist.

Biografie eines Außenpostens


Ardoch, das am besten erhaltene römische
Kastell Schottlands, ist Teil dieses Vorläu‐
fers des Antoninuswalls. Der Ort wird von
einigen Forschern mit dem ptolemäischen
»Alauna« identifiziert. Das Kastell liegt
Entlang des Höhen- nordöstlich von Braco in Perth and Kinross
zuges Gask Ridge rei- auf einer Anhöhe am Fluss Knaik. Im Ge‐
hen sich parallel zu den
lände fallen als Erstes die gut erhaltenen
Highlands Militäran-
lagen. Sie liegen nörd-
Gräben auf, von denen die Anlage umge‐
licher als der Antoninus- ben ist. Die moderne Straße nach Crieff
wall des 2. Jh. n. Chr. verläuft westlich des Denkmals und
schneidet dort Wall und Gräben. Doch im
Eroberung Schottlands in Angriff genom‐ römisches Verteidigungs‐ und Überwa‐ Norden und Osten des Kastells sind noch
men werden. Im Laufe seiner Statthalter‐ chungssystem angelegt, das sich von Loch bis zu fünf Gräben hintereinander sichtbar,
schaft, die 84 n. Chr. endete, rückten Agri‐ Lomond bis zum Fluss North Esk erstreck‐ die das annähernd quadratische Innere
colas Streitkräfte bis ins heutige Aber‐ te. Dieser erste »schottische Limes« ver‐ umgeben, das inzwischen wie eine unbe‐
deenshire vor und sollen dort die erste lieft 20 km nördlich der Engstelle, die von baute Grasfläche erscheint. In römischer
sagenumwobene Schlacht der schotti‐ den Fjorden Firth of Forth und Firth of Cly‐ Zeit standen hier jedoch Bauten aus Holz
schen Geschichtsschreibung beim Mons de gebildet wird. Genau diesen Isthmus hat und Stein, die dem typischen Schema eines
Graupius geschlagen haben. Agricolas man ein Menschenalter später Mitte des Kastells entsprechen.
Schwiegersohn Tacitus berichtet über ei‐ 2. Jh. durch den Antoninuswall befestigt. Die Verwaltungsgebäude (lat. princi‐
ne vernichtende Niederlage der 30 000 ein‐ Die Anlagen reihen sich über 37 km ent‐ pia), die Wohnräume des Befehlshabers
heimischen Caledonier. Auf römischer Sei‐ lang einem Geländerücken, dem »Gask (lat. praetorium) sowie das Fahnenheilig‐
te seien dagegen nur 360 Auxiliare, also Ridge«, beginnend mit dem Kleinkastell tum (lat. aedes oder sacellum) sind neben
Soldaten der Hilfstruppen ohne römisches von Glenbank bei Dunblane über das Kas‐ den Vorratsräumen (lat. horrea) im Zen‐
Bürgerrecht, ums Leben gekommen – tell Strageath bis hin zum Kastell Bertha trum des Kastells zu finden. Im Norden und

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Süden der Anlage ließen sich hölzerne Ba‐ reste auf Metallverarbeitung schließen. Ardoch liegt in Sicht- Kaisern in der zweiten Hälfte des 1. Jh.
racken nachweisen, die Unterkünfte der Annähernd im Zentrum des Kastells sind weite der Highlands n. Chr. Die Gebäude bestanden aus Holz‐
und kontrollierte wahr-
Soldaten bzw. Stallungen. Alle Gebäude noch die Fundamente einer mittelalterli‐ konstruktionen. Unter Antoninus Pius
scheinlich die Zugangs-
richten sich nach den zwei Hauptstraßen chen Kapelle mit Umwehrung zu erkennen. wege ins Gebirge. (138– 161 n. Chr.) wird der Komplex suk‐
aus, der via principalis und der via prae‐ Für die nach Süden ausgerichtete rö‐ zessive kleiner. Erst umfasst er 2,5 ha, spä‐
Geomagnetische Pro-
toria, die die Tore der Längsseiten mit dem mische Anlage können mindestens drei ter nur noch 2,25 ha. Daraus resultiert auch
spektion ermöglicht die
nördlichen Haupttor verbinden. Hand‐ Ausbauphasen nachgewiesen werden. Sei‐ die Anzahl der Gräben: Da sich die Innen‐
zerstörungsfreie Erfas-
werksbereiche (fabricae) wurden bislang ne größte Ausdehnung mit ca. 3,5 ha er‐ sung großer Flächen in fläche verkleinert hatte, mussten neue Grä‐
nicht entdeckt, doch lassen bleierne Guss‐ reichte das Kastell unter den flavischen kürzester Zeit. ben ausgehoben werden, um die Defen‐
sivstruktur des Kastells aufrechtzuerhal‐
ten. Die fünf Gräben existierten also nicht
alle gleichzeitig. An den Baracken können
bis zu drei Bauphasen übereinander er‐
fasst werden, an principia und praetorium
mindestens zwei. Die jüngeren Gebäude
wurden teilweise aus Stein errichtet. Die
letzten Nutzungsspuren verweisen ins
frühe 3. Jh. n. Chr., die Zeit des Septimius
Severus.
Nördlich und östlich des Kastells schlie‐
ßen sich mindestens fünf unregelmäßig
rechteckige Marschlager an, die sich teils
überlagern und eine Gesamtfläche von
52 ha bilden. Nördlich der Linie der von
den Fjorden Forth und Clyde gebildeten
Landenge sind über 70 Marschlager nach‐

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Europa Roms langer Arm in Schottland

gewiesen, die während der verschiedenen Forschungen seit dem 17. Jh. 19. Jh. Erstmals schrieb 1672 James Lord
Schottland‐Kampagnen errichtet wurden. Unten: Aus den Luftbil- Schon bevor Queen Victoria und ihr Ehe‐ Drummond, 4th Earl of Perthshire, über
dern der Drohnen lässt
Die hohe Zahl resultiert aus der Tatsache, mann Prince Albert das Kastell 1842 be‐ die römische Anlage in einem Brief, sein
sich ein exaktes Ortho-
dass die Befestigungen für jede einzelne sichtigten, fand Ardoch regelmäßig Erwäh‐ Leibarzt Sir Robert Sibbald hielt sie sechs
foto erstellen, das alle
Übernachtung angelegt werden mussten, sichtbaren Strukturen nung in Veröffentlichungen von lokalen In‐ Jahre später zeichnerisch fest. Diese und
wann immer die Soldaten ein geschütztes abbildet. tellektuellen und Forschern des 17. bis die nachfolgenden Dokumentationen sind
Lager benötigten. Dazu hoben sie einen V‐ meist stark schematisiert und enthalten
förmigen Graben aus, der sich annähernd falsche Beschreibungen, vor allem die mit‐
rechteckig mit abgerundeten Ecken um telalterliche Kapelle wurde oftmals fälsch‐
das Lager zog. Aus Zeit‐ und Materialman‐ lich als praetorium angesprochen. Es ver‐
gel bauten sie keine Tore, sondern ließen gingen 120 Jahre, bis die erste korrekte
die Eingänge offen und setzten entweder Darstellung von Rev. John Scott, Gemein‐
einen Graben einige Meter davor (tituli) depfarrer von Muthill, 1793 publiziert
oder gruben ein oder zwei gebogene Grä‐ wurde, und fast noch einmal 100 Jahre bis
ben nach innen und außen (claviculae), um zur ersten planmäßigen Grabung auf ei‐
eine Art Zangentor zu schaffen. nem Teil des Areals durch die Society of
Bei den Marschlagern von Ardoch be‐ Antiquaries of Scotland 1896/97. Für ihre
weisen Luftbilder und die noch ersicht‐ Zeit methodisch schon sehr fortgeschrit‐
lichen Strukturen im Gelände, dass die Ein‐ ten, achteten die Ausgräber nicht nur auf
gänge vorrangig durch tituli geschützt Steinstrukturen, sondern dokumentierten
waren. Auch kann die römische Straße im auch Holzkonstruktionen und Pfostenlö‐
Westen des Kastells noch mindestens 2 bis cher, sodass der Grabungsplan bis heute
3 km verfolgt werden; sie führt an den zutrifft.
Wachtürmen bei Blackwood Hill und Shiel‐ Im 20. Jh. ermöglichten vor allem Luft‐
hill South und North vorbei, die ungefähr bilder, einige kleinere Grabungsschnitte
in einem Abstand von 900 m zueinander sowie der Einsatz geophysikalischer Pro‐
liegen. Wie bei den kontinentalen Gegen‐ spektionsmethoden durch die Universität
stücken am obergermanisch‐raetischen Glasgow in den 1990er Jahren detaillier‐
Limes aus dem frühen 2. Jh. verfügen die tere Aussagen zu Ardoch.
Türme über quadratische Grundrisse und Im März 2016 reihte sich ein deutsch‐
zwei bis drei Etagen. Aufgrund von Stein‐ schottisches Archäologenteam unter Lei‐
mangel hat man sie allerdings komplett tung von Manuel Fernández‐Götz von der
aus Holz gebaut. Sie waren von ein bis zwei Universität Edinburgh und Félix Teichner
Gräben umgeben und wohl 7 bis 10 m hoch. von der Philipps‐Universität Marburg in

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die lange Forschungstradition ein. Mit fi‐ östlichen Marschlagers untersucht. Die Der östliche Eingangs- Strukturen genauso deutlich ab wie die
nanzieller Unterstützung des Carnegie Drohnenflüge reichten nördlich bis über bereich zum Kastell mit Grabungsschnitte des 19. Jh. Auch die Kon‐
fünf aufeinanderfolgen-
Trust (Dunfermline, Fife) setzten die Wis‐ die moderne Straße hinaus, östlich bis zum struktionsweisen aus Holz und Stein las‐
den Gräben ist noch deut-
senschaftler nicht‐invasive geophysikali‐ Waldgebiet Willow Bog und über den lich im Gelände sichtbar – sen sich anhand verschieden eingestellter
sche Prospektionsmethoden, drohnenba‐ Teich im Süden. Somit wurden mehr als ein beeindruckender An- Magnetometermessungen bestätigen, er‐
sierte digitale Geländemodelle und Ortho‐ 527 000 m2 erfasst; das daraus errechnete blick, den schon Queen weitern sowie mithilfe des Geländemo‐
fotos (Structure from Motion) ein, um das georeferenzierte 3‐D‐Modell dokumen‐ Victoria und Prince Albert dells georeferenzieren. Die mittelalterliche
bewunderten.
Kastell sowie Teile von Annex und Marsch‐ tiert den aktuellen Erhaltungszustand und Kapelle wird in vielen Details wie z. B. dem
lager zu untersuchen, weitere potenzielle ist aus denkmalpflegerischer Sicht ent‐ Zugangsweg von Süden her ergänzt. Schließ‐
Strukturen im Bereich der Bewaldung auf‐ scheidend, da Ardoch und auch andere An‐ lich zeigten sich Befestigungsstrukturen im
zudecken sowie den Erhaltungszustand zu lagen des Gask Ridge vermehrt durch Südosten, die im Gelände nicht mehr er‐
dokumentieren. Ackerbau und Baumaßnahmen gefährdet kennbar sind.
Insgesamt 18 Flächen auf ca. 26 000 m2 sind und ständiges Monitoring benötigen. Die Komplexität von Ardoch macht deut‐
wurden mit Geomagnetik und ‐radar pro‐ In vier Tagen wurde mit nicht‐invasi‐ lich, wie ergiebig eine intensive Erforschung
spektiert. Hauptaugenmerk der schotti‐ ven Methoden ein vollständiges Bild der der Anlagen des »roman Gask Ridge« mit
schen Archäologen und der Mitarbeiter Innenbebauung von Kastell und Befesti‐ modernen Prospektionsmethoden sein
des Geoarchäologischen Labors der Uni‐ gung erstellt und die Ergebnisse von 1896/ kann, und verspricht Erkenntnisse, die
versität Marburg lag auf Kastell und Grä‐ 97 komplettiert. So zeichnen sich auf den Schottlands Frühgeschichte über schriftli‐
ben, ergänzend wurden zwei Areale des geophysikalischen Plänen die römischen che Quellen hinaus weiter erhellen.

Im Dialog – Römerzeit trifft Gegenwart


22. 07. – 30. 12. 2018

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Europa Spätantike und Frühmittelalter in Ungarn

Festung am Plattensee tektur erinnern. Ein Vierbogenmonument


(tetrapylon) an der Kreuzung der beiden
Hauptstraßen unterstrich den repräsen‐
tativen Charakter.
Fenékpuszta liegt in Ungarn auf dem Gebiet der römischen Provinz Im Frühmittelalter wurde dann im
Pannonien. Im 4. Jh. entstand am Plattensee eine der aufwendigsten spät- Nordwesten des Kastells eine dreischiffige
Kirche errichtet. Vor den Mauern der Fes‐
antiken Festungen der Provinz und bildete einen Kristallisationskeim für tung lagen ausgedehnte Friedhöfe mit meh‐
die Zeit nach den Römern. Schon Ende des 19. Jh. begannen Untersuchungen reren Tausend Bestattungen. In römischer
an dem bedeutenden Fundort. Ein deutsch-ungarisches Team führt seit Zeit bildete der Bereich mit der spätantiken
Befestigung eine Halbinsel, die nach Süden
2009 Ausgrabungen durch und legt hier die aktuellen Ergebnisse vor. in den damals wesentlich größeren Plat‐
tensee ragte. Von Norden führte eine Stra‐
ße zur Befestigung, im Süden konnte man
Von Orsolya Heinrich-Tamáska und Roland Prien mit einer Fähre über den See setzen.
Für die Rekonstruktion der Besiedlungs‐

F
enékpuszta befindet sich 8 km süd‐ führte man geophysikalische Prospektio‐ geschichte wurden lange Zeit vorwiegend
lich der Stadt Keszthely, auf einem nen durch, die schließlich Anlass für neue die erwähnten Grabfunde herangezogen:
Lössrücken unmittelbar am Westufer Grabungen gaben, und so arbeitet dort seit Die Gräberfelder vor den Mauern setzen
des Plattensees. Obertägig erinnert in Fe‐ 2009 erneut ein deutsch‐ungarisches im mittleren Drittel des 4. Jh. ein und wa‐
nékpuszta heute nichts mehr an das ur‐ Team (siehe Kasten S. 46). ren bis Mitte des 7. Jh. belegt. Unter den Be‐
stattungen des 6. und 7. Jh. fallen beson‐
Der westliche Plattensee ders Frauengräber mit reicher Schmuck‐
auf der ältesten militäri- beigabe auf, darunter Körbchenohrringe,
schen Landesaufnahme
Stylusnadeln, Scheibenfibeln und Schlan‐
von 1782; die Ruinen der
Festung lagen damals genkopfarmringe. Vergleichbare Bestat‐
Lage des Kastells ee
Fenékpuszta ns noch auf einer Halbinsel. tungen finden sich auch in Nekropolen der
tte
Pla Weite Bereiche des west- näheren Umgebung bzw. rund um das ca.
lichen Seeteils sind heute 150 km südlich gelegene Pécs, das antike
verlandet.
heute verlandete Bereiche Sopianae. Die Funde werden der sogenann‐
des Westsees ten Keszthely‐Kultur zugeschrieben. Auf‐
grund der ähnlichen Schmuckausstattung
mit Parallelen im mediterranen Raum lös‐

sprünglich bedeutende Zentrum mit sei‐ Ausbau zur Festung in spätantiker Zeit
nen mächtigen Wehrmauern. Bei der Er‐ Nach bisherigem Kenntnisstand befand
forschung der Geschichte Pannoniens in sich in Fenékpuszta ein rund 15 ha großes
Spätantike und frühem Mittelalter hinge‐ Kastell, dessen Mauern mit 44 mächtigen
gen spielt dieser Fundplatz schon seit Rundtürmen wahrscheinlich auf quadra‐
150 Jahren eine wichtige Rolle. Angefan‐ tischem Grundriss mit grob 380 m Seiten‐ Goldene Körbchen- te die Entdeckung der Gräber eine Debat‐
gen bei den Vermessungen der Mitte des länge errichtet wurden. Die Innenbebau‐ ohrringe aus Grab 6 der te um eine mögliche »romanische« Bevöl‐
Horreum-Nekropole von
19. Jh. noch erhaltenen Ruinen über die ung war entlang zweier in ostwestlicher kerung um Keszthely und Pécs aus, die sich
Fenékpuszta (6./ 7. Jh.).
ersten systematischen Ausgrabungen um und nordsüdlicher Richtung verlaufender entweder aus den Nachkommen der ver‐
die Jahrhundertwende bis hin zu interna‐ Hauptstraßen orientiert und umfasste ne‐ bliebenen provinzialrömischen Bewoh‐
tionalen Kooperationen stand und steht ben mindestens zwei großen Speicher‐ nern zusammensetzte oder unter der Awa‐
Fenékpuszta im Fokus der Wissenschaft. bauten (horrea) und öffentlichen Bauwer‐ renherrschaft hier neu angesiedelt wurde.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen ken wie Badeanlagen auch mehrere zivile Diese ethnisch konnotierte Zuschreibung
wurden 2006 bis 2009 im Rahmen eines Wohngebäude unterschiedlicher Grund‐ der Bestatteten zu einer christlichen und
Forschungsprojektes ausgewertet. Dabei risse, die in einigen Fällen an Villenarchi‐ romanischsprachigen Gruppe wird jedoch

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immer wieder in Zweifel gezogen. Im Lau‐ sich um eine größere Badeanlage mit Gym‐ Die Festung von Keszt- neu zu schreiben. Demnach gehört der
fe des 7. Jh. brach die Belegung der Nekro‐ nasium, die etwa zeitgleich mit der Festung hely-Fenékpuszta aus Komplex zur ältesten um 300 errichteten
der Luft während der
polen in und um die Festung ab, doch seit errichtet und wohl zu Beginn des 5. Jh. Bebauung und ist damit möglichweise äl‐
Ausgrabungen 2017 mit
dem zweiten Viertel des 9. Jh. wurden er‐ nicht mehr betrieben wurde. Der Grund‐ Festungsmauern und ter als die umgebenden Festungsmauern
neut Gräber angelegt. Die jüngsten Aus‐ riss entspricht dem klassischen Aufbau Türmen. und Straßen, deren Ausrichtung jedoch
grabungen, die sich auf die Innenbebauung einer antiken Therme. Eine große Gemein‐ eindeutig Bezug auf das Bauwerk nehmen.
der Anlage konzentrieren, liefern nun ei‐ schaftslatrine deutet auf ein öffentliches Die erste Phase bestand aus einer Raum‐
ne Vielzahl neuer Informationen zur Be‐ Bad hin. flucht, die sich um einen Peristylhof grup‐
siedlungsgeschichte. Zum anderen erhob sich nördlich da‐ pierte, an dem im Norden eine Aula mit
von ein vielgliedriges Bauwerk (Gebäu‐ Apsis lag. West‐ und Südflügel des Gebäu‐
Ziviles Leben hinter mächtigen Mauern de 25), dessen Grundriss bis 2009 nur auf‐ des waren mit Kanalheizungen ausgestat‐
Die deutsch‐ungarischen Untersuchungen grund älterer Freilegungen der Zeit um tet. Der Grundriss ähnelt dem reicher spät‐
seit 2009 finden im Südostviertel statt, wo 1900 bekannt war. Die jüngsten Grabungs‐ antiker Palastvillen, die aus Pannonien,
bisher zwei ausgedehnte Baukomplexe ergebnisse ermöglichen es, seine Bauge‐ aber auch anderen Teilen des Römischen
identifiziert wurden. Zum einen handelt es schichte mit zwei Innenhöfen grundlegend Reiches bekannt sind. Stark fragmentierte

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Europa Spätantike und Frühmittelalter in Ungarn

Info
Seit 2009 erforscht ein deutsch-ungarisches
Team Fenékpuszta. Das Projekt wird getra-
gen vom Göcseji-Museum in Zalaegerszeg,
dem Balatoni-Museum in Keszthely, dem
Leibniz Institut für Geschichte und Kultur
des östlichen Europa sowie dem Institut
für Ur- und Frühgeschichte der Ruprecht- Rekonstruktion der Peristylhofes, während der südliche Hof keine Spolien verwendet. Entweder gab es
Karls-Universität Heidelberg. Mehr zu den Festung auf Basis der seine ursprünglichen Funktionen verlor, in der Umgebung keine älteren Bauten
Forschungen und Veröfentlichungen un- bisherigen Untersu-
wie der Abriss des Hofumganges und der oder man vermied bewusst deren Ver‐
ter www.fenekpusztacastrum.com chungen.
Einbau mehrerer Erdkeller belegen. Der wendung.
neue Komplex hatte Estrichböden und Der Neubau war von zentraler Bedeu‐
Reste von umgelagerten architektonischen einfach verputzte Wände. Das beim Um‐ tung für die gesamte Festungsanlage und
Zierelementen und Hinweise auf Mosaik‐ bau anfallende überschüssige Material diente mutmaßlich als Verwaltungsge‐
steine aus den ältesten Grabungen deuten wurde in tiefen Gruben inner‐ und außer‐ bäude (praetorium), das nach Norden hin
möglicherweise auf eine gehobene Aus‐ halb des Gebäudes deponiert, aus denen zur Hauptstraße eine repräsentative Fas‐
stattung hin, die jedoch bei einem ersten auch die erwähnten Zierelemente stam‐ sade mit gemauerten Pfeilern hatte. Ver‐
Umbau komplett entfernt worden sein men. In einem Fall lag sogar ein ganzer mutlich im frühen 5. Jh. wurde ein Teil des
muss. Diese Umgestaltung ging wahr‐ Mauerblock von 1 m Breite in einer großen Südostflügels abgebrochen und ein kleines
scheinlich mit dem Bau der Festungsmau‐ Grube. Dieser Umgang mit noch verwend‐ Badegebäude darüber errichtet, das die
ern einher und veränderte das Erschei‐ barem Baumaterial ist für die Spätantike nun aufgegebenen benachbarten großen
nungsbild des Gebäudes nachhaltig: Die sehr ungewöhnlich, da man sonst gerne auf Bäder ersetzte. Brandschichten in Teilen
große Apsis der Aula wurde niedergelegt Spolien und Altmaterial zurückgriff. Auch des Bauwerks deuten auf mögliche Zer‐
zugunsten eines nördlich anschließenden beim Bad und anderen Gebäuden wurden störungen im 5. Jh. hin. Spuren von Schad‐

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nahe dem horreum am Westtor und in wie öffentliche Bäder hingegen auf zivile.
der dann errichteten Kirche angelegt. Ein Vor diesem Hintergrund ist es denkbar,
Kindergrab in den aufgegebenen Bädern dass die Innenbefestigungen einen Ver‐
zeigt, dass unterschiedliche Orte als Be‐ such darstellten, das spätantike Städtenetz
gräbnisplätze infrage kamen, so im 9. Jh. Pannoniens zu verdichten und gleichzeitig
schließlich auch der zentrale Tetrapylon. zentrale Versorgungsplätze für die Armee
zu schaffen.
Lokales Machtzentrum in Pannonien In Fenékpuszta zeigt sich, dass der ur‐
Deutung und Interpretation der Festungs‐ sprüngliche Bauplan für die Anlage bald
anlage im Wandel der Zeit sind problema‐ aufgegeben wurde. Vielleicht galt die Stadt‐
tisch, da keinerlei schriftliche Quellen exis‐ gründung in den Augen des spätantiken
tieren. Epigrafische Zeugnisse fehlen eben‐ Staates als gescheitert und wurde deshalb
so und die Historiker der Spätantike neh‐ nirgends aufgezeichnet. Trotzdem ent‐
men keinen Bezug auf den Ort. Versuche, stand hier ein Zentralort, der seine Funk‐
feuer wie beispielsweise am horreum nahe Die jüngsten Brand- mittels kaiserzeitlicher Texte wie etwa tion lange erfüllte. Funde des 6./ 7. Jh. in
dem Westtor und benachbarte Massen‐ spuren in Gebäude 25 dem Iterniarium Antonini zumindest den Gräbern und Siedlung belegen Kontakte
(6./ 7. Jh.).
gräber sprechen für gewalttätige Ausei‐ antiken Namen zu ermitteln, dürfen als der lokalen Bevölkerung in den merowin‐
nandersetzungen bereits im 4. Jh. Mögli‐ gescheitert gelten. Dieses Schicksal teilt gischen Westen, aber auch bis nach By‐
cherweise war die Festung wiederholt An‐
griffen ausgesetzt, aber auch Brände durch
Unglücksfälle sind nicht auszuschließen.
Während des späten 5. bzw. 6. Jh. wur‐
de unter Einbeziehung älterer Teile ein
neuer Monumentalbau in diesem Bereich
errichtet. Mehrere Mauer‐ und Pfeiler‐
fluchten waren ungewöhnlich solide fun‐
damentiert: Im Vergleich zu den durch‐
schnittlich nur maximal 1 m tiefen Funda‐
menten der älteren Phasen wirken die fast
doppelt so weit nach unten reichenden
Mauergründungen, bestehend aus bloß
grob zugerichteten Steinen und wenig
Mörtel, wie Zeugen einer gänzlich anderen
Bautradition. Das neue wohl mehrstöcki‐
ge Gebäude war wie seine Vorgänger groß
dimensioniert. Leider erlauben die bishe‐
rigen Grabungsergebnisse keine zweifels‐
freie Rekonstruktion des Grundrisses, doch
lieferten sie einige interessante Funde, die
eine Datierung ins 6. Jh. bestätigen. Wohl
zur Beginn des 7. Jh. fiel der Neubau ei‐
nem großen Feuer zum Opfer, das dicke Mauerblock aus der Fenékpuszta mit einer ganzen Reihe spät‐ zanz; vermutlich befand sich hier ein loka‐
Brandschichten und durchgekohlte Holz‐ ersten Bauphase von antiker Festungsorte in Pannonien, die von les Machtzentrum, das möglicherweise so‐
Gebäude 25, gefunden
balken an verschiedenen Stellen hinter‐ der archäologischen Forschung als »In‐ gar kurzzeitig als Bischofssitz vorgesehen
in einer Grube.
ließ. nenbefestigungen« bezeichnet wurden. war, auch wenn für die Basilika von Fenék‐
Eine Vielzahl von unterschiedlich gro‐ Dies verweist auf ihre Lage im Hinterland puszta nicht belegt werden kann, dass sie
ßen Pfostenlöchern zusammen mit Spuren des Donau‐Limes, verrät aber nichts über je als Bischofskirche diente. In der Karo‐
von Zäunen und Schwellriegelbauten, vor ihre Funktion. Soweit bekannt, ähneln sich lingerzeit verlor Fenékpuszta jedoch end‐
allem im Bereich des früheren nördlichen die Innenbebauungen der Anlagen, die ei‐ gültig seine zentralörtliche Funktion an
Peristylhofes, zeugen von der Nachnut‐ ne Mischung von militärischen und zivi‐ das in der Nachbarschaft neu gegründete
zung der Anlage. Deren genaue Dauer ist len Gebäudeformen enthalten und als ge‐ Zalavár/ Mosaburg. Dort herrschte für kur‐
bisher noch unklar, sie kann aber nicht meinsames Element auch immer einen ze Zeit der slawische Fürst Priwina als Ver‐
über das 9. Jh. hinausgegangen sein. In größeren villa‐artigen Bau aufweisen. Hor‐ treter der ostfränkischen Könige. Die Er‐
dieser Zeit dienen längst nicht mehr nur rea, Wehrmauern und die Lage an strate‐ richtung dieses Macht‐ und Missionszen‐
die Gräberfelder außerhalb der Festungs‐ gisch wichtigen Straßenverbindungen trums markiert den Beginn eines neuen
mauern als Bestattungsort: Bereits im 6. Jh. deuten auf eine militärische Nutzung, de‐ Kapitels in der Kirchengeschichte Panno‐
werden reiche Bestattungen intra muros zidiert urbane repräsentative Architektur niens.
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Report Kirchengrabungen in Bayern

Bleiplatten und Bronzebleche als Medizin


In mittelalterlichen und neuzeitlichen Gräbern findet man bei den Ungleichgewicht der vier Körpersäfte
Skeletten Bleiplatten und Bronzeplättchen: Ihre Funktion konnte nun Ebenfalls rätselhaft waren die als Ver‐
schlussbleche bezeichneten und meist mit
mithilfe archäologischer, anthropologischer und medizinhistorischer Lederresten und Bronzehaken versehenen
Untersuchungen geklärt werden. Fontanellenbleche. Diese als Einzelstück
vorliegenden leicht gewölbten und knapp
handtellergroßen, meist ovalen oder auch
Von Bernhard Häck und Andreas G. Nerlich rechteckigen Bronzebleche besitzen in der
Regel an der oberen und unteren Längs‐

B
ei Ausgrabungen in Kirchen trifft nigt hat, aufgelegt und fest verbunden hat. seite quer zueinander stehende Schlitze, in
man in mittelalterlichen und neu‐ Denn sie bewirkt auf jedem herkömmli‐ die Bronzehaken eingeführt werden konn‐
zeitlichen Gräbern mitunter auf chen und krebsartigen Geschwür wahre
Bleiplatten und bronzene Verschlussble‐ Wunder. Wie viel Ehre ist mir durch diese Sechs Bleiplatten, drei
che, die in überlieferten medizinischen Be‐ Arznei widerfahren, derjenige der nicht an jedem Ellenbogen:
Grab 404 in der St. An-
richten auch als »Fontanellenbleche« be‐ ahnungslos ist, weiß davon …«. Die Blei‐
dreaskirche zu Vohburg
zeichnet werden. Meist liegen die Bleche plättchen sollten demnach unter einem bei Ingolstadt.
im Bereich der Arme und vereinzelt auch festen Verband einerseits wohl durch ein‐
in der Beinregion der Skelette. Die meist fachen mechanischen Druck wirken, an‐
nur wenige Zentimeter großen quadrati‐ dererseits wird vermutlich auch dem Blei
schen und rechteckigen, mitunter auch po‐ an sich ein zusammenziehender (adstrin‐
lygonalen oder runden Bleiplatten wie‐ gierender) chemischer Effekt zugeschrie‐
gen durchschnittlich etwa 170 g. Sie finden ben, besonders um Schwellungen und Tu‐
sich entweder paarweise oder auch, wie moren jeglicher Ursache zu behandeln.
bei Grab 404 in der St. Andreaskirche zu Guy de Chauliac nachfolgend griffen wei‐

ten. Somit ließen sie sich individuell an den


Umfang eines beliebigen Objekts anpassen.
Meist ist die Vorderseite floral verziert und
auf der Rückseite sind kleinste Stifte aus
dem Blech gestanzt, ähnlich einem Nadel‐
kissen. Fast schon regelhaft sind auf der
Rückseite auflagernde Stoffreste erhal‐
ten. Zahlreiche dieser Bronzebleche finden
sich in Deutschland, in der Schweiz und
Bleiplatten aus einem
Österreich, allein 14 Exemplare wurden
Grab in der St. Andreas- in St. Ulrich und Afra in Augsburg bei neu‐
kirche zu Vohburg. zeitlichen Bestattungen in Kirchen oder
Vohburg bei Ingolstadt, mit bis zu sechs tere dieses Behandlungsprinzip auf, so Kreuzgängen entdeckt.
Exemplaren nahe der Ellenbogen. In Ober‐ auch der berühmte französische Chirurg Die Interpretation dieser Fundgattung
und Niederbayern kannte man bislang sol‐ Ambroise Paré (um 1510–1590). reichte von Gürtel‐ und Schuhschnallen bis
che Plättchen nur aus wenigen Gräbern. Interessanterweise lässt sich der Leich‐ hin zu Bußgürteln und Armbändern – be‐
Über ihren Zweck gab es unterschiedliche nam im erwähnten Grab von Vohburg friedigende Antworten waren dies nicht.
Ansichten, jedoch keine befriedigende Er‐ ebenfalls einer historisch überlieferten Auch aus der St. Andreaskirche zu Vohburg
klärung. Person zuweisen, nämlich Maria Elisabeth liegt ein entsprechender Befund vor: Ei‐
Theresia von Stubenrauch, die mit gerade nem Skelett in Grab 405 war um den lin‐
Ein Mittel gegen Krebs? einmal knapp 33 Jahren und nach mehre‐ ken Oberarm ein Verschlussblech gebun‐
Der französische Chirurg Guy de Chauliac ren Geburten 1765 an Krebs verstarb. den, das nun interdisziplinär untersucht
überliefert bereits 1368 einen ersten Hin‐ Beim Skelett lagen zahlreiche Bleiplätt‐ wurde.
weis auf die Verwendung von Bleiplatten chen an beiden Oberarmen, um ein mut‐ Fontanellenbleche lassen sich aus der
als therapeutisches Mittel in der Medizin: maßlich generalisiertes Krebsleiden zu be‐ im Mittelalter bis zur Neuzeit vorherr‐
»... besteht aus einer schmalen Bleiplatte, kämpfen. Zu Lebzeiten hatte sie die in Stoff schenden Humoralmedizin des griechi‐
die man je nach Größe des Geschwürs, das eingenähten Bleiplatten an den Armen ge‐ schen Arztes Galenus von Pergamon (129/
man weiträumig mit Alaunwasser gerei‐ tragen. 131– 199/ 201 n. Chr.) ableiten, wonach

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eine fehlerhafte Balance der vier Körper‐ Oben: Fontanellenblech zur Ableitung »schlechter Körpersäfte«. mehrfach Abbildungen und Beschreibun‐
säfte gelbe und schwarze Galle, Schleim Unten: Im Werk des Scultetus aus dem Jahre 1666 sind zwei Varianten gen aus historischen Medizinwerken. So
von Fontanellenblechen abgebildet.
und Blut Krankheiten hervorruft. Zur Be‐ sei etwa Scultetus von 1666 genannt, der
handlung der Krankheitsursache muss‐ die Fontanellenbleche abbildet, ebenso in
ten der bzw. die fehlerhaften Säfte aus dem vereinfachter Form Lorenz Heister von
Körper abgeleitet werden. Zu den Maß‐ 1747. Auch gibt es Beschreibungen wie:
nahmen zählte der weithin bekannte Ader‐ »Statt dieses Verbandstücks bedienen sich
lass, aber auch Erbrechen und Abführen. einige eines ovalförmigen Schildes von
Schließlich bestand die Möglichkeit, über Blech, das mehrere Einschnitte hat, und
eine künstlich angelegte Körperöffnung – welches auf ein weiches Stück Leder, wel‐
so genannte Fontanellen – an unterschied‐ ches um den Arm herumreicht, aufgenäht
lichen Körperstellen, besonders jedoch an ist. An dem andern Ende des Leders, wel‐
Armen und Beinen, schadhafte Körper‐ ches schmäler ist, ist ein Haken angenäht,
säfte abzulassen. Um die Wunde täglich der in die Ausschnitte des Blechs einge‐
reinigen und entleeren zu können, wurden hängt wird« (zitiert nach dem Werk von
u. a. Erbsen und Steine hineingelegt, mit Stark, Jäger und Bentley, Anleitung zum
einer Stoffbahn verbunden und schließlich chirurgischen Verband aus dem Jahr 1832).
mit einem Fontanellenblech abgeschlos‐ Somit ließ sich nachweisen, dass so‐
sen. wohl Bleiplatten als auch die bronzenen
Unsere Untersuchungen zeigten, dass Verschlussbleche (Fontanellenbleche) me‐
der Mann aus Grab 405 mit etwa 20 bis dizinischen Therapiemaßnahmen zuge‐
25 Jahren verstarb und an einer massiven wiesen werden können. Daraus ergeben
Gicht im Fuß gelitten hatte. Zur Behand‐ sich natürlich weiterreichende Fragestel‐
lung wurde am linken Oberarm eine Fon‐ lungen, die das Forscherteam noch erheb‐
tanelle gesetzt und mit dem Blech ver‐ liche Zeit in Anspruch nehmen wird.
schlossen bzw. verbunden. Dass dieses Sicherlich müssen einige Gräber mit der‐
Vorgehen tatsächlich einer historischen artigen Fundgattungen neu bewertet und
Behandlungsweise entspricht, belegen interpretiert werden.

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Report Heiligtum von Borschemich

fundumfeld deuten beispielsweise die


Ländlicher »Kult-Hotspot« kostbaren Trachtbestandteile und die
möglichen Rangabzeichen (Stuhl, Ring?)

im römischen Rheinland? unter den generell tief religiös durch‐


drungen wirkenden Beigaben darauf hin.
Sogar eine direkte Verbindung zur in Köln
inschriftlich belegten Anhängerschaft des
Hölzerne Grabbauten, darin eine Priesterin; Totenkammern, die nur vorüber- Sol‐Serapis ist denkbar.
gehend als Grabstätte dienten; schließlich ein großzügig bemessener Bereich
Totenkammern auf Zeit
mit kleinen Tempeln und Opferplätzen – all dies macht das große römische Abgesehen von dieser Grabgruppe zeich‐
Landgut und Heiligtum von Borschemich zu einem außergewöhnlichen Platz. nen die Fundstelle weitere Besonderhei‐
ten aus. So konnten nahe dem zeitgenös‐
sischen Wohngebäude (C 1) fünf einst
Von Alfred Schuler wahrscheinlich überhügelte temporäre
Kammergräber erfasst werden, die über

U
nmittelbar nördlich der für den fang von Beigaben, Grabsitte und ‐archi‐ einen längeren Zeitraum wiederholt be‐
Neben Hauptgebäude (C),
Braunkohlentagebau Garzweiler tektur dürften die Verstorbenen der ro‐ Wirtschaftsbauten und gangen und vermutlich auch belegt wor‐
beseitigten Ortschaft Borschemich manisierten keltischen Aristokratie ange‐ einer massiven Einhegung den waren. Davon zeugen zahlreiche Ri‐
(Stadt Erkelenz) wurde in den letzten Jah‐ hört haben, möglicherweise aus Nordost‐ (braun) gab es in Borsche- tualgruben, im Inneren und auch außen,
mich etliche Besonderhei-
ren ein 5,3 ha großes römisches Landgut gallien abstammend. Zumindest das be‐ mit Gefäßresten, bisweilen metallenen
ten wie Grabbauten (A, B),
(FR 152) vollständig ausgegraben. Schon sonders reiche Frauengrab IV wird als das temporäre Kammergräber
Utensilien und verbrannten Tierknochen.
bei der Prospektion vorab hatten sich einer Priesterin bzw. Vorsteherin eines (gelb) und einen ca. 1 ha Die sehr wenigen Überreste menschlicher
Hinweise darauf ergeben, dass es sich um Kultvereines interpretiert. Neben dem Be‐ großen Kultbezirk. Skelette waren hingegen nicht verbrannt.
keine gewöhnliche villa rustica handelt. So Am ehesten scheint vorstellbar, dass die
kamen hier, eine Seltenheit, mit »SNS« Kammern innerhalb eines mehrstufigen
gestempelte Ziegel vor. Dies ließ bereits Bestattungsprozesses nur temporär ge‐
Bezüge in die Provinzhauptstadt Köln er‐ nutzt und die Überreste eingebrachter
kennen. Leichname nach einiger Zeit wieder ent‐
Grabbauten
Bald nach Grabungsbeginn bestätigte fernt worden waren. Die Totenkammern
der Fund einer hölzernen Grabarchitektur waren also vermutlich vielleicht an Fami‐
mit vier Brandbestattungen die Sonder‐ A B lien gebundene Stätten des Übergangs und
stellung des Landgutes. In zwei rechtecki‐ nicht der ewigen Ruhe. Nach deren Aufga‐
gen Pfostenbauten (A und B) lagen die Grä‐ be waren einige offenbar systematisch be‐
ber je zweier mutmaßlicher Ehepartner. räumt und weitestgehend von Beigaben
Den beiden Frauen kam dabei offenbar die befreit worden. Wohl erst nach einer sol‐
Hauptrolle zu: Sie waren deutlich reicher Hauptgebäude C 2 chen Profanisierung war es gegen Ende
ausgestattet, ihnen wurde im Grabbau des 1. Jh. ohne Frevel denkbar, die vorma‐
mehr Raum zugestanden und ausschließ‐ ligen »Totenstätten auf Zeit« einzuebnen
C1
lich mit der Brandasche ihrer Scheiter‐ und sogar mit Teilen des neuen, deutlich
haufen hatte man beide Grabbauten – über
G I größeren Wohnhauses (C 2) zu überbauen.
Ascheneinträge in ausgewählte Pfosten‐
löcher – regelrecht geweiht. Eines der bei‐ Tempel für einen Baumkult
den Frauengräber (Grab IV) zählt zu den Der als Kultbezirk interpretierte Bereich
reichsten Brandbestattungen Niederger‐
J lag im Zentrum der umfriedeten Gesamt‐
maniens: Eine aufwendig schliffverzierte anlage. Ein Gang mit zentralem Durchlass
Chalzedonschale mit Motiven, die aus Mys‐
L M (G) trennte ihn vom Hauptwohngebäude,
terienkulten entlehnt sind, ein goldener K wobei eine an gallorömische Umgangs‐
Fingerring und goldbesetzte Textilien, ein tempel erinnernde und in den Gang inte‐
eiserner Faltstuhl sowie ein mit Schildpatt O Kultbezirk grierte Pfostenstruktur (I) dorthin vor‐
verkleidetes und zudem mit acht Götter‐ kragte. Das Zentrum des Kultbezirks bil‐
büstenreliefs besetztes Kästchen, darin ei‐ dete eine wohl bewusst dort gepflanzte
ne kleine Griffschale aus Bernstein, sind Baumgruppe. Umgeben war sie von mut‐
Unikate bzw. absolute Raritäten. Mit Se‐ maßlichen Opfergruben, die von Gräben
rapis und Hermanubis sind hier zu Beginn eingefriedet waren. Rund um dieses Frei‐
des 2. Jh. n. Chr. recht früh auch ägypti‐ luftensemble gab es mehrere zumeist
sche Gottheiten belegt. Nach Art und Um‐ kleinere Rechteckbauten, die mit dem

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Kultgeschehen in direktem Zusammen‐


hang gestanden haben dürften. Als mögli‐
che Aufführungsstätte gehörte – vielleicht
funktional vergleichbar einem Kultthea‐
ter – ein größeres Gebäude mit Schaufas‐
sade und davor gelegenem, eingefasstem
Versammlungsareal zum Ensemble der
Kultbauten.
Bemerkenswert ist auch der mehrpha‐
sige Tempel L, dessen Grundriss aus zwei
ineinander gestellten rechteckigen Pfos‐
tenstrukturen bestand. Im Zentrum befand
sich, neben fünf in Reihe angeordneten
mutmaßlichen Opfergruben, die Spur ei‐
ner großen Baumwurzel, die im Nordteil
von einer rechteckigen Bruchsteinstickung
überlagert wurde. Eine Funktion als So‐
ckelfundament für einen Altar oder Göt‐
terstein wäre hier denkbar. Entweder wa‐
ren hier am ehemaligen Standort eines hei‐
ligen Baumes nacheinander zwei kleine
Einraumtempel errichtet worden oder
aber zwei oben offene Rechteckstrukturen
hatten den noch stehenden verehrungs‐
würdigen Baum nur eingefasst. Münzfun‐
de zeigen, dass Tempel L bis in die zweite
Hälfte des 4. Jh. hinein Bedeutung gehabt
haben muss. Zusammen mit der Baum‐
pflanzung im Zentrum des Kultbezirks kann
Tempel L in der kontrovers diskutierten
Frage, ob den architektonisch gestalteten
Kultplätzen im ländlichen Rheinland zu‐
mindest fallweise schlichte Baumheilig‐
tümer vorangegangen waren, ein gewich‐
tiges Argument für die Pro‐Seite liefern.

Komplexes Landheiligtum
Schließlich fanden sich auch in einem der
neun Brunnen des Anwesens Hinweise auf
Kultausübung, und zwar in Gestalt einer
naturnah belassenen Sandsteinplatte, die
wahrscheinlich für Brandopfer genutzt
wurde. Darauf deuten Spuren einer ge‐
zielten Entweihung des Steines sowie der
Fund eines Schlachtmessers, auch »culter«
genannt, aus dem gleichen Brunnen hin.
Insgesamt kann der Fundplatz FR 152 bei
Borschemich wohl als komplex gestaltetes
Landheiligtum mit Wohn‐ und Wirtschafts‐
teil, ungewöhnlichen Grabstätten sowie
Bezügen zu Baum‐ und vermutlich auch
chthonischen Unterwelts‐Kulten betrach‐
tet werden.

Vor der Restaurierung: Das stark ver-


größerte Büstenrelief des ägyptischen
Gottes Serapis aus Schildpatt, Höhe 4,5 cm.
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Baden-Württemberg
Regierungspräsidium Stuttgart
Landesamt für Denkmalpflege
Berliner Straße 12
73728 Esslingen
Tel. 0711 90445-151, Fax 0711 90445-444
AiD-Korrespondentin: Dr. Andrea Bräuning
andrea.braeuning@rps.bwl.de

Das älteste Grab am Bodensee


Bei Allensbach-Hegne bestand in der ers-
ten Hälte des 5. Jt. nahe am Bodenseeufer
gegenüber der Insel Reichenau eine mit-
telneolithische Siedlung. Archäologische
Untersuchungen förderten dort
menschliche Skelettreste zuta-
ge: Auf dem kleinen Fried-
hof waren mindestens zwei
Personen beigesetzt wor- rekt fassbares Formmerkmal ist eine eher Hochwasser im Talkessel
den. Während ein Grab weite Ausprägung der Incisura ischiadica Die archäologischen Untersuchungen im
nahezu vollständig zer- major am Becken festzustellen. Zuge der Erdarbeiten für den neuen Stutt-
stört war, hatte sich eine Bei der bestatteten Person dürte es garter Hauptbahnhof konzentrierten sich
von Westnordwesten nach sich um eine ca. 20- bis 30-jährige im Frühjahr auf das Umfeld des Nesen-
Ostsüdosten ausgerichtete Frau von etwa 1,6 m Größe gehan- bachs. Neuzeitliche Chroniken berichten
Körperbestattung besser erhal- delt haben. Der Toten hatte man immer wieder von verheerenden Hoch-
ten, wenngleich auch hier eini- zwei unverzierte Keramikgefäße ins wassern, die zu großen Schäden in der
ge Skelettteile fehlten. Vermisst Grab gelegt. Zudem trug sie am lin- Stadt und der herzoglichen Residenz führ-
werden der Schädel, fast die kom- ken Oberarm zwei Steinarmringe. ten. Das Landesarchiv besitzt daher auch
plette Wirbelsäule, beide Schlüssel- Ähnliche Ringe und Halbfabrikate sind einen umfangreichen Bestand an histori-
beine und Kniescheiben, große Partien ebenfalls aus mittelneolithischen Sied- schen Entwürfen und Plänen für bauliche
des Brustkorbs, der Schulterblätter und Reichenau. Mittelneoli- lungsschichten bei Mühlhausen-Ehingen Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Die
des Beckens sowie die Mehrzahl der Hand- thische Bestattung einer im Landkreis Konstanz verbürgt. Das legt aktuellen Grabungen erbrachten nun ein-
Frau. Am linken Oberarm
und Fußknochen. Die Knochen sind stark eine lokale Produktion der Stücke nahe. drucksvolle Zeugnisse sowohl von den An-
trägt sie zwei Steinarm-
fragmentiert, die Gelenkenden größten- ringe, neben dem Ober- Die Steinringe datieren in den Abschnitt strengungen der Herzöge von Württem-
teils verwittert. Typische Oberflächende- schenkel stehen zwei der Hinkelsteinkultur und damit etwa in berg, den Nesenbach einzudämmen, aber
fekte weisen darauf hin, dass die Bestat- Keramikgefäße. Der den Zeitraum von 4900 bis 4700 v. Chr. auch von der Gewalt, die nach Starkregen
tung über einen längeren Zeitraum im Schädel wurde vermut- | J. Hald, J. Wahl vom Bach und dessen Zuflüssen ausging.
lich durch einen entwur-
ehemaligen Wurzelhorizont lag.
zelten Baum zerstört.
Trotz der schlechten Erhaltung ermög- Die Armringe datieren
licht die anthropologische Untersuchung das Grab in die Zeit
noch wesentliche Erkenntnisse. Geschlos- von 4900 bis 4700 v. Chr.
Durchmesser 9 cm.
sene Wachstumsfugen an Unterarmkno-
chen, Oberschenkel und Wadenbein sowie
fehlende degenerative Veränderungen an
den Zwischenwirbelgelenken eines Len-
denwirbels und am Hütgelenk sprechen
für ein jüngeres erwachsenes Individuum.
Die Knochen erscheinen eher grazil, der
Stuttgart. Reste des
linke Oberschenkelknochen etwas robus- holzverkleideten Stau-
ter als der rechte. Die Muskelmarken sind wehres aus der Barock-
mittelmäßig ausgeprägt. Die Messwerte zeit. Rechts zweigt der
Steinkanal ab. Im Hinter-
liegen im Vergleich mit anderen Grable-
grund Schotterschichten
gen aus dem Neolithikum im mittleren Be-
eines schweren Hoch-
reich der weiblichen Variationsbreite. Als wassers, bei dem die
einziges für die Geschlechtsdiagnose di- Anlage zerstört wurde.

52 AiD 5 | 2018
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Unterhalb der herzoglichen Residenz- Bayern


gärten war ein festes Stauwehr annähernd Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
quer in ein natürliches Bett des Nesen- Abt. Bodendenkmalpflege
bachs eingebaut. Sein über 6 m breiter Hofgraben 4
80539 München
Körper besteht aus einem massiven, sorg- Tel. 089 2114-358, Fax 089 2114-401
fältig gezimmerten Rahmen aus Eichen- AiD-Korrespondentin: Dr. Doris Ebner
und Nadelholz, den dicht gesetzte Pa- doris.ebner@blfd.bayern.de

ckungen aus Steinen und Lehm ausfüll-


ten. Die Außenseiten waren holzverklei-
det. Interessanterweise bildet das Wehr Mittelalterliche Badekultur
auch zum Bach eine flache Böschung, an Stuttgart-Plieningen. auf dem Land
der das Wasser schräg anlaufen konnte – Grab mit aufwendigen Im Ortskern von Lichtenau im Landkreis
vermutlich zum Aufangen von Schwemm- Steineinbauten, wie es Ansbach wurde ein Gebäude abgerissen.
für die frühe Bronzezeit
gut. Das aufgestaute Wasser wurde in ei- Dadurch ergab sich die Möglichkeit, das
charakteristisch ist.
ne Rinne abgeleitet, die aus großen Stein- öfentliche Badehaus archäologisch zu
Der Verstorbene wurde
platten bestand. Vermutlich diente es dort ausgestreckt auf dem untersuchen, das erstmals für das Jahr
als Antrieb für ein Wasserrad bislang un- Rücken beigesetzt. 1408 erwähnt wird.
bekannter Funktion. Das Bauwerk dürte Das Gebäude hatte einen langrecht-
im ausgehenden 16. Jh. entstanden sein. gen von Nordosten nach Südwesten ori- eckigen Grundriss mit insgesamt 12,9 m
In dieser Zeit wurde der herzogliche »Lust- entiert waren. Reste von Hügeln konnten Länge und 9,1 m Breite. Den größten Raum
garten« angelegt, dessen Wasserbau- nicht beobachtet werden, es handelt sich bildete die Badestube, in der Sitz- und
kunst in verschiedenen zeitgenössischen wohl ausschließlich um Flachgräber. Be- Wannenbäder möglich waren und der
Quellen erwähnt wird. merkenswert ist der Aufwand der Stein- Bader kleinere medizinische Eingrife wie
Eindrucksvoll sind auch die Befunde, einbauten. Steine mit einem Gesamtge- Aderlass und Schröpfen durchführte. Süd-
die das Ende des Stauwehres anzeigen: wicht von über 1 t wurden über mehrere lich schlossen sich der zum Ablegen der
Das gesamte Bett des Nesenbachs ober- Kilometer herantransportiert, um die To- Kleidung dienende Vorraum sowie der
halb wie unterhalb des Wehres war ein- ten unter teils kuppelförmigen Grabbau- Heizraum, an, das Herzstück des Bade-
heitlich mit schotterartigem Sediment ten zu bestatten. In zehn Gräbern haben hauses. Vom Heizraum aus traf der Bader,
verfüllt, das neben bis zu kopfgroßen ver- sich, wenn auch in sehr schlechtem Zu- bevor er seiner Kundschat Einlass ge-
rollten Sandsteinen eine große Vielzahl an stand, Knochen der Verstorbenen erhal- währte, alle notwendigen Vorbereitungen,
Siedlungsresten wie Keramik und Tier- ten, lediglich drei Gräber enthielten Ske- indem er das für die Anwendungen nöti-
knochen enthielt – Spuren eines einzigen lette im anatomischen Verband. Zweimal ge Wasser in einem meist kupfernen Kes-
Hochwassers, das den Bachlauf vollstän- wurden die Verstorbenen als Hocker auf sel erhitzte und den für die Dampf- bzw.
dig verfüllte und damit auch das Wehr der linken Seiten mit dem Kopf nach Os- Schwitzbäder vorgesehenen Ofen auf
Lichtenau. Fundamente
überdeckte. | A. Thiel ten in das Grab gelegt, eine Person lag auf Temperatur brachte. Beide Einrichtun-
des Wasserkessels
dem Rücken, ebenfalls mit dem Kopf nach (rechts) und des gen wurden vom Heizraum aus mittels
Aufwendige Steinbauten Osten. Die Grabbeigaben beschränken Schwitzofens (links). Schürkanälen bedient, ragten jedoch in
der Frühbronzezeit sich auf zwei Armspiralen und zwei Schäf-
Bei Bauarbeiten für die neue ICE-Bahn- te von Nadeln aus Bronze sowie wenige
strecke von Stuttgart nach Ulm wurden Silexartefakte, darunter eine Pfeilspitze.
bei Plieningen in unmittelbarer Nähe der Vereinzelte Keramikscherben stammen
A8 und des Stuttgarter Flughafens meh- ausschließlich aus den Grabverfüllungen,
rere Gräber angetrofen – Anlass für eine vollständige Gefäße fehlen. Die Gräber ge-
Rettungsgrabung, die dieses Jahr begann. hören in die frühe Bronzezeit (2200–
Die Fundstelle liegt auf der fruchtbaren 1600 v. Chr.), 14C-Proben von den Knochen
lössbedeckten Filderebene, die sich über sollen eine exakte Datierung ermöglichen.
den Talkessel von Stuttgart erhebt. Seit Aus dem mittleren Neckarland sind
Beginn der Jungsteinzeit (ca. 5500 v. Chr.) kleine frühbronzezeitliche Gräbergruppen
ist das Gebiet aufgrund der guten Böden mit drei bis vier Gräbern, teils mit Mehr-
durchweg besiedelt, wovon auch die jetzt fachbestattungen, wie auch größere Grä-
freigelegten 15 Gräber mit teilweise auf- berfelder bekannt. Mit 15 Bestattungen
wendigen Einbauten aus Stein ein Zeug- zählt die Nekropole von Stuttgart-Plie-
nis ablegen. ningen zu den größeren Friedhöfen. Cha-
Alle Bestattungen hatten ovale Grab- rakteristisch sind die aufwendigen Stein-
gruben, die bis auf wenige Abweichun- einbauten. | J. König, M. Thoma

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Aktuelles aus der Landesarchäologie

den Baderaum hinein. Das ermöglichte ei- Rechts: Amberg. Männer- Herrenhof Bertholds von Hohen-
nen mühelosen Zugang zum heißen Was- grab freigelegt neben burg in Amberg gefunden?
dem Eingang in den
ser innerhalb des Badebereichs, während Das Gelände des 1317 gegründeten Am-
steinernern Saalbau.
der Ofen Wärme und Dampf in den Haupt- berger Spitals lag bis um 1364 außerhalb
raum abgab. Das für den Badebetrieb not- des Kerns der Siedlung. Von besonderer
wendige Wasser floss durch eine hölzerne Bedeutung ist ein herrschatlicher Hof,
Leitung vom nahe gelegenen Mühlbach in eine so genannte »Curtis«, der zu Beginn
die Badstube. des 13. Jh. hier vor den Toren der Stadt ent-
stand. Im Umgrif der Spitalkirche konn-
ten u. a. die Reste zweier zentraler Ge-
bäude dieser »Curtis« untersucht werden.
Der repräsentative Saalbau gehört zu
einem für das Hochmittelalter nicht un-
üblichen herrschatlichen Bautyp, bei dem
das Untergeschoss halbkellerartig in den
Boden eingegraben ist. Somit konnte man
im unteren Saal eine stattliche Decken-
höhe erreichen, ohne das erste Geschoss
überproportional in die Höhe bauen zu
müssen. Statisch war es dann kein Pro-
blem, ein zusätzliches Obergeschoss auf-
zusetzen. Das Gebäude war 9 m breit und Hohlziegeln Beleg für eine auf Repräsen-
könnte bis zu 20 m lang gewesen sein. Er- tation ausgerichtete Außenwirkung die-
schlossen wurde es durch eine innen lie- ses Gebäudes.
gende Treppe. Direkt neben dem Eingang Die historische Zuweisung des Hofs
fand sich ein zu diesem Herrenhof gehö- ist nicht einfach, da die grundherrliche Zu-
riges Grab eines etwa 25 Jahre alten Man- gehörigkeit Ambergs von 1188 bis 1269
nes, der vielleicht eine herausgehobene mehrfach wechselte. Denkbar ist, dass die
Funktion innerhalb der »Curtis« beklei- Gründung des Herrenhofs auf Markgraf
dete. Diese Bestattung gibt auch einen Berthold von Hohenburg zurückgeht, der
Hinweis auf die bereits vor der Spital- 1242 Amberg vom Bamberger Bischof
gründung genannte Johanniskirche, de- übernahm. Die Wittelsbacher Herzöge, für
ren Standort am Platz der nach 1317 er- 1269 in Amberg nachweisbar, hätten den
richteten Spitalkirche zu suchen ist und Hof dann um 1256 nach dem Tod Bert-
den sakralen Mittelpunkt des Herrenhofs holds übernommen. Um 1300 zerstörte
Neben den freigelegten Befunden gibt Lichtenau. Foto- gebildet haben könnte. ein Brand die Bebauung. Dieses Ereignis
ein detailliertes Hausbuch seltene Einbli- grammetrische Auf- Hinzu kommt ein großer Holzständer- dürte der Grund dafür gewesen sein, dass
nahme des Bade-
cke in das Alltagsgeschehen der Bade- bau, der mit einem Kachelofen und einer Kaiser Ludwig der Bayer das Gelände 1317
hauses. Oben die Bade-
anstalt. So erfahren wir etwa, dass wö- stube, unten links der Unterbodenlutheizung ausgestattet war. der Stadt schenkte. Ihm erschien ein Wie-
chentlich an zwei Tagen Bäder abgehalten Heizraum und rechts Heizanlagen im 13. Jh. sprechen für einen deraubau vielleicht nicht lohnend, sodass
wurden und die Kinder des Dorfes ge- der Umkleideraum. hohen Wohnkomfort. Ebenso ist die Zie- er sich von dem Areal trennte.
trennt von den Erwachsenen die Badstu- geldeckung mit teils farbig glasierten | M. Hensch
be besuchten. Neben der Förderung der
Gesundheit legte der geschätstüchtige
Bader auch Wert auf das Wohlbefinden
seiner Gäste: Obwohl er kein Braurecht
hatte, wie die mehrmalige Androhung von
Strafe zeigt, braute er um die 373 Eimer
Bier und bot sie zum Kauf an. Bei einem
kühlen Bier frönten die Gäste dem Mur-
melspiel und genossen die ein oder an-
dere Tabakspfeife. Auch die Fragmente ei-
Amberg. Südwestecke
nes Tafelaufsatzes sowie Tierknochen be- des steinernen Saalbaus
stätigen, dass die Badstube keineswegs aus der ersten Hälfte
nur der Körperpflege diente. | S. Glaß des 13. Jh.

54 AiD 5 | 2018
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Brandenburg
Brandenburgisches
Landesamt für Denkmalpflege
und Archäologisches Landesmuseum
Wünsdorfer Platz 4–5
15806 Zossen
Tel. 033702 2111-400, Fax 033702 2111-401
www.BLDAM-brandenburg.de
poststelle@BLDAM-Brandenburg.de
AiD-Korrespondentin: Petra Woidt

Falschgeld bei den Slawen


Dass slawische Münzen fast durchweg aus
Silber bestanden, war ohne Zweifel fest-
zustellen, solange man sie – ot zerteilt –
ausschließlich nach Qualität und Menge Rathenow. Besitzerinschrift
des Metalls bewertete. Nach dem Über- auf einem Kochgeschirr.

gang im 11. Jh. zur echten Münzwirtschat


im engeren Sinne kamen allerdings immer seite einer anderen Variante der Prägung. Havelland, untergebracht. Im Umfeld von
wieder Geldstücke mit einem Kern aus Der Hochrand spricht für Professionalität, ehemaligen Wohnbaracken fanden eh-
Kupfer, Bronze oder Messing vor, denen denn seine Herstellung verlangte techni- renamtliche Bodendenkmalpfleger un-
sche Finesse. Bei allen anderen bekann- längst wieder Gegenstände, die mit dem
ten Imitaten fehlt er. Die Plattierung be- Werk zu tun haben: Ausweise mit Namen
saß ebenfalls hohe Qualität, sie hat gut von Zwangsarbeitern und Zwangsarbei-
900 Jahre gehalten: Angesichts fehlen- terinnen, technische Schilder und Kunst-
der Patina am roten Kern ist sie erst in stof-Schritschablonen aus Produktion
jüngster Zeit aufgeplatzt, wohl unter dem und Konstruktion. Besonders interessant
Pflug. Archäometrische Untersuchungen sind die Ausweise mit spanischen und por-
sollen nun klären, ob Silber oder das bil- tugiesischen Namen. In beiden Ländern
ligere Zinn aufliegt. | F. Biermann, herrschten in den 1930er-Jahren wie in
M. Schambach, R. Wiechmann Deutschland Diktaturen, aus denen poli-
tische Gegner nach Frankreich emigriert
Identität aufgedeckt waren. Die militärische Niederlage Frank-
ein dünner Überzug aus Silber oder le- Selbelang. Gefälschter Die Arado Flugzeugwerke – während des reichs veränderte die Lebenssituation der
diglich Zinn den Anschein regulärer Wäh- Hochrandpfennig mit Zweiten Weltkriegs einer der größten Emigranten drastisch. Viele wurden ab
Schadstelle, die den
rung verlieh. Wahrscheinlich entstanden Zulieferer der deutschen Lutwafe – be- 1942 zur Zwangsarbeit nach Deutschland
Kupferkern entblößt.
diese Imitate – meist westlicher Origi- Durchmesser 1,4 cm. dienten sich der Arbeitskrat von Hätlin- verschleppt. In Rathenow lässt sich dies
nale – in den Zentralorten der Slawen. Ob gen, u. a. aus dem Konzentrationslager erstmals archäologisch nachvollziehen.
Rathenow. Werksaus-
in betrügerischer Absicht oder auf Geheiß weis des spanischen
Sachsenhausen im Landkreis Oberhavel. Andere Funde beleuchten ein Leben un-
örtlicher Herrschatsträger, die nach Zwangsarbeiters Diese waren in Außenlagern am Produk- ter Zwang und Mangel: aus Flugzeug-Alu-
Schmuck oder speziellen Opferstücken Eulogio Aguilera. tionsstandort z. B. in Rathenow, Landkreis minium eigenhändig gefertigte Gabeln
verlangten, den Handel fördern oder Pro- und Schilder mit Initialen, Kochgeschirre
fit einstreichen wollten, ist ungewiss. mit wechselnden Besitzerinschriten –
Auch eine Münze von der spätslawi- Dinge also, die neben ihrer eigentlichen
schen Siedlung bei Selbelang im Havel- Funktion halfen, die bedrohte Identität zu
land mutet auf den ersten Blick wie ein ty- bewahren. Zum Fundmaterial gehören au-
pischer Hochrandpfennig an. Diese kur- ßerdem Kennmarken (»STALAG-Marken«)
sierten während des 11. und frühen 12. Jh. von Kriegsgefangenen, französische Medi-
in großer Zahl im Slawenland. Eine Schad- kamente und Barackenschlüssel-Anhän-
stelle ofenbart aber, dass das silbrige Me- ger. Auch die Rote Armee, die das Lager im
tall nur schwach einen roten Kupferkern April 1945 befreite, hat Gegenstände hin-
umhüllt. Überdies sind anscheinend zwei terlassen: ausgeschnittene Sowjetsterne
Vorbilder kombiniert: Das Kleeblattkreuz und Fahnenspitzen. Nicht weit entfernt
auf der einen Seite folgt Hochrandpfen- liegt eines ihrer seit 2014 in Brandenburg
nigen aus Merseburg um 1100, das lie- identifizierten Waldlager (vgl. AiD 5/ 2015,
gende, »S«-artige Symbol auf der Gegen- S. 43). | Th. Kersting, A. Heinz
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Bremen Komplexe Hausgrundrisse und zahl- Hessen


Freie Hansestadt Bremen reiche Einzelfunde belegen die aus histo- hessenArchäologie
Landesarchäologie rischen Stadtansichten bekannten reprä- Schloss Biebrich/Ostflügel
An der Weide 50a sentativen Gebäude der Weserrenaissan- 65203 Wiesbaden
28195 Bremen Tel. 0611 6906-131, Fax 0611 6906-137
Tel. 0421 361-3267, Fax 0421 361-3168 ce. Im 19. Jh. hielten Weinschänken und AiD-Korrespondentin: Dr. Beate Leinthaler
AiD-Korrespondent: Dr. Dieter Bischop Fischbratereien am bedeutungslos ge- beate.leinthaler@lfd-hessen.de
dieter.bischop@landesarchaeologie. wordenen Schlachtehafen Einzug. Tief un-
bremen.de
ter den Kellerböden der Häuser konnte ein
tunnelartiger Auslass nachgewiesen wer- Kaiserliche Falten
Nahe am Wasser gebaut den, der aus Ansichten des 17./ 18. Jh. be- Bei den systematischen Begehungen von
Der alte und zugleich neu Stammsitz des kannt ist. Möglicherweise diente er als Ackerflächen im Bereich der südhessi-
Logistikriesen Kühne + Nagel liegt an Schmutzwasserauslass und wasserseiti- schen Kommunen Groß-Gerau, Rüssels-
stadtgeschichtlich sehr bedeutender Stel- ger Anlegeplatz. Funde von Faschinen und heim und Ginsheim-Gustavsburg wurden
le. Hier befand sich der Brückenkopf mit Reisigmatten in Tiefensondagen und ein an mehreren Stellen Fragmente römischer
südlichem Stadttor; zugleich lag dort die um 1157 gefällter Eichenpfosten bezeugen Großbronzen geborgen. Die Fragmente
gehörten zu lebensgroßen Statuen, die
Bremen. Detail aus einer ursprünglich zum Teil vergoldet waren
Ansicht von Hainbach, und aller Wahrscheinlichkeit Kaiser des
entstanden 1764: Weser-
2. und 3. Jh. darstellten.
brücke mit Wasserkunst
(links) und die ausge- Einer der jüngsten Funde stammt aus
grabene Häuserzeile mit dem Bereich des Groß-Gerauer Ortsteils
tunnelartigem Auslass Berkach, wo das 8,5 cm große Stück einer
(rechts). Gewandfalte von einer Statue gefunden
wurde. An diesem Fragment sind noch
zwei Stellen zu erkennen, an denen ur-
sprünglich Metallplättchen eingesetzt
Unten: Bremen. Neubau waren, die entweder als Stabilisierung ei-
der Firma Kühne + Na- ner Verbindung dienten oder aber im Zu-
gel, Grabungsbereich
sammenhang mit einer Ausbesserung
mit frühneuzeitlichen
Kellern und Fundamen-
standen. Basierend auf der Ausformung
ten der weserseitigen und Größe der Falte könnte dieses Fund-
Häuserzeile. stück ursprünglich zur Figur eines Men-

Wasserkunst, ein eindrucksvolles, erst-


mals 1394 erbautes Wasserschöpfrad, das
etwa 200 Haushalte über ein ausgeklü-
geltes Röhrensystem mit Weserwasser
versorgte. Zwar fanden sich beim Aushub
der Baugrube von Kühne + Nagel davon
keinerlei Spuren mehr, dafür die ein-
drucksvoll erhaltenen Reste des östlichen
frühneuzeitlichen Brückentorhauses, die
Weserufermauer des 16. Jh. sowie darauf
fußende Keller und Grundmauern der
Häuserzeile »An der Tiefer«.
Die erstmals 1244 erwähnte und ot
erneuerte Weserbrücke ermöglichte den
Zugang zur Stadt von Süden her. Trocke-
nen Fußes konnte man später erst wie-
der in Minden die Weser überqueren.
Sechs Jahrhunderte lang aus Holz gebaut, die Existenz älterer Hafenbefunde am En-
folgten 1839 und 1895 steinerne Brücken, de der 1250 erwähnten Schlachte, die – zu-
Groß-Gerau, Berkach.
deren letzte 1945 gesprengt wurde. Seit küntig zum Großteil unter dem Neubau
Gewandfaltenfragment
1961 führt etwa 60 m weiter flussaufwärts verborgen – erhalten bleiben. einer lebensgroßen
die jetzige Weserbrücke über den Fluss. | C. Melisch, D. Bischop römischen Statue.

56 AiD 5 | 2018
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Mecklenburg-
Vorpommern
Landesamt für Kultur und Denkmalpflege
Mecklenburg-Vorpommern
Landesarchäologie
Domhof 4/5
19055 Schwerin
Tel. 0385 58879-643, Fax 0385 58879-344
AiD-Korrespondent: Dr. Detlef Jantzen
d.jantzen@kulturerbe-mv.de

Einzelgräber in Serie
Anders als die Kollektivgräber der Trich-
terbecherkultur enthalten Bestattungen
der Einzelgrabkultur nur die Reste eines
einzigen Menschen – und auch sonst ma-
chen sie ihrem Namen alle Ehre, da sie
meistens einzeln angetrofen werden.
Deshalb war es eine große Überraschung,
als bei archäologischen Untersuchungen
schen mit einem über dem Arm hängen- schen vier Brandbestattungen. Im Süden Wöllstadt. Nach Abschie- im küntigen Wohngebiet »Kammerhof«
den Mantel gehört haben. Dies wiederum der Grabgruppe zeigten sich zudem Res- ben der umgepflügten bei Bad Doberan im Landkreis Rostock
Schicht heben sich Kreis-
ist in der Ikonografie dieses Zeitabschnit- te von fünf Kreisgräben. Der kleinste hat- dicht beieinander gleich sechs Gräber der
gräben und Gruben der
tes ein Hinweis auf die Darstellung eines te einen Außendurchmesser von 4,8 m, hallstattzeitlichen Gräber Einzelgrabkultur entdeckt wurden. Au-
Kaisers als Feldherrn. der größte maß rund 13 m. In drei Fällen hell vom Untergrund ab. ßerdem kamen auf der rund 600 m2 gro-
Spuren an diesem Stück deuten eben- waren die Gräben noch bis zu einem Vier- ßen Grabungsfläche zwölf Pfostengruben
so wie bei allen bislang gefundenen Frag- tel bzw. bis zur Hälte erhalten. Bei den zutage, von denen einige ofenbar Bezug
menten darauf hin, dass die Statuen zer- Körpergräbern waren keine Überschnei- auf die Gräber nehmen.
schlagen worden sind. Weitere Funde von dungen zu beobachten, zum Teil bezogen
Bronzegussresten und Münzen aus der sich einzelne Grabgruben in ihrer Anlage
ersten Hälte des 4. Jh. legen den Schluss deutlich aufeinander.
nahe, dass die Statuen in dieser Zeit in den Der Erhaltungszustand des Skelett-
verlassenen römischen Städten der Regi- materials war sehr schlecht. So hatten sich
on wie Frankfurt-Heddernheim und Die- in Einzelfällen vom Knochenmaterial nur
burg vom Sockel gerissen und zerkleinert noch die Zähne erhalten. Stabilere Partien
wurden, um Rohmaterial für die Herstel- wie Schädel oder Langknochen fanden
lung anderer Dinge aus Buntmetall zu sich hingegen öters. Die Beigabenaus-
gewinnen. Die Annahme liegt nahe, dass stattung umfasste ausschließlich hall-
diese Form des Recyclings mit großer stattzeitliche Formen, meist ein Keramik-
Wahrscheinlichkeit von germanischen ensemble aus einem Topf mit eingestell-
Neusiedlern ausgeübt wurde. | Th. Becker ten Bechern sowie mehreren Schalen, das
am Kopfende deponiert war. Schmuck-
Hallstattzeitliche Gräber bzw. Trachtbestandteile bestanden über-
unterm Pflug wiegend aus paarweise getragenen Arm-
Vor der Erschließung für eine Wohnbau- ringen. Deutlich weniger vertreten waren
maßnahme war es im Jahr 2017 in Wöll- Ohr- und Beinringe.
stadt (Wetteraukreis) möglich, eine Grup- Der Erhaltungsgrad der Gräber war Bad Doberan. Stein- Die aufgedeckten Bestattungen waren
pe von hallstattzeitlichen Gräbern kurz sehr unterschiedlich. Teils waren sie fast packung über einer in der Regel durch einen mehrlagig auf-
Bestattung der Einzel-
vor ihrer Zerstörung auszugraben und zu unversehrt, im günstigsten Fall kratzte gebauten, rechteckigen oder ovalen Stein-
grabkultur.
dokumentieren. Der Zustand der Befunde der Pflug nur um Haaresbreite über die rahmen eingefasst und ursprünglich nach
belegt eindrucksvoll die Gefährdung des Bestattungen hinweg. Teils waren sie je- oben durch eine partielle Steinpackung
archäologischen Kulturgutes in Lössland- doch stark vom Pflug zerstört – die ar- abgeschlossen. Ein Grab mit zentraler
schaten wie der Wetterau. chäologischen Ausgrabungen retteten Steinpackung ohne Rahmen sowie ein
Insgesamt konnten 29 Gräber nach- diese Befunde in letzter Minute für die langrechteckiges Steinpflaster stellen
gewiesen werden, 25 Körper- und dazwi- Wissenschat. | J. Lindenthal Sonderformen dar.

AiD 5 | 2018 57
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Die Hälte der Gräber war annähernd Niedersachsen horizontal verläut und sehr ausgeprägt
von Osten nach Westen orientiert, wäh- Niedersächsisches Landesamt ist. Am Halsansatz hat sich eine Handhabe
rend die Ausrichtung der übrigen variier- für Denkmalpflege mit Durchlochung erhalten, weitere kön-
te. Skelettreste blieben nicht erhalten, Scharnhorststraße 1 nen vorhanden gewesen sein. Die genann-
30175 Hannover
doch bargen vier Befunde Gefäßbeiga- Tel. 0511 925-5300 oder 925-5309, ten Gefäßelemente zusammen lassen am
ben, die meist an einer der beiden Lang- Fax 0511 925-5296 ehesten eine Datierung in die ältere Bron-
seiten deponiert worden waren. Es han- archaeologie@nld.niedersachsen.de zezeit zu. Aus dem Bereich des Gefäßbo-
AiD-Korrespondent:
delte sich um kleine, S-förmig profilierte Friedrich-Wilhelm Wulf M. A. dens konnte ein verkohltes kleines Zweig-
Becher, wie sie typisch für die Einzelgrab- friedhelm.wulf@nld.niedersachsen.de stück entnommen und zur 14C-Datierung
kultur in Mecklenburg-Vorpommern sind. eingereicht werden. Das gewonnene Da-
tum fällt wie erwartet in die Periode II bis
Rituelle Gefäßdeponierung – III der älteren nordischen Bronzezeit. Das
bronzezeitliches Kenotaph? Datum fällt mit einer Wahrscheinlichkeit
Eine bauvorgreifende Rettungsgrabung von 95 % in die Jahre 1405 bis 1132 v. Chr.
in Erichshagen im Landkreis Nienburg/ Beim Schneiden des Befunds zeigte
Weser erbrachte weit über 1500 Befunde sich, dass ein Kreisgraben von etwa 1,2 m
vom Spätpaläolithikum bis zum Mittelal- Außendurchmesser und einer lichten Brei-
ter. Ein ungewöhnlicher Befund soll hier te von knapp 50 cm um das Gefäß herum
vorgestellt werden. Es handelt sich um ein verlief. Das Gefäß befand sich somit auf
völlig zerscherbtes Vorratsgefäß, dessen einem sandigen Sedimentsockel von ca.
Bruchstücke in Lagen flach übereinander
und mit dem Boden an der Basis depo-
niert waren. Teilweise stießen die Scher-
ben noch mit den Bruchkanten aneinan-
der. Wenige Fragmente des Gefäßes feh-
len. Ob diese den landwirtschatlichen
Tätigkeiten oder der Baggerprospektion
zum Opfer gefallen sind oder ob das Ge-
fäß bereits unvollständig in den Boden
Zwei Gefäße waren intakt überliefert, ein Bad Doberan. Kleiner gelangte, lässt sich nicht klären. Nach der
drittes zwar zerdrückt, aber vollständig Becher der Einzelgrab- Restaurierung ergab sich ein sehr großes
kultur.
erhalten, während das vierte nur teilwei- Gefäß von etwa 60 cm Höhe und 55 cm
se geborgen werden konnte. Alle Becher Bauchdurchmesser. Bis zum unverzierten
sind relativ klein und nur etwa 11 bis 14 cm glatten Hals reicht eine fingerstrichver-
hoch mit einem Randdurchmesser von zierte Schlickung, die oberhalb des Ge-
10 bis 12 cm. Ihr Körper ist meist kugelig, fäßumbruches bis unterhalb des Halses
der kaum abgesetzte, leicht ausbiegende
Hals stets flächig verziert. Eines der Ge- Erichshagen. Älterbronzezeitliches
fäße trägt ein eingeritztes Fischgrätmus- Keramikgefäß und Pfeilspitze.
Um das Gefäß verlief ein Kreis-
ter, auf anderen finden sich umlaufende
graben (links) – ein Kenotaph?
Hohlkehlen oder Schrägstrichbänder. Der
vierte Becher weist umlaufende Schnur-
eindrücke auf, die am Rand und am Hals- 25 cm Durchmesser. Solche Kreisgräben
ansatz durch jeweils ein Querstichband sind in diversen Größen und Zeitstellun-
eingefasst sind. gen von Friedhöfen bekannt, konnten bis-
Die Beigaben erlauben, den Bestat- lang jedoch nicht in einer Siedlung doku-
tungsplatz in die Einzelgrabkultur zu da- mentiert werden. Vor der Deponierung
tieren, wahrscheinlich in deren älteren Ab- des Gefäßes muss der Kreisgraben aber
schnitt, in dem Steinpackungen das Be- mit einem homogenen, etwas intensiver
fundbild dominierten. Vermutlich handelt gefärbten Sediment als das anstehende
es sich um Flachgräber, doch ist keines- Material verfüllt worden sein, da der be-
wegs auszuschließen, dass die Gräber stehende Sockel aus Sanden ohne jede
ehemals durch einen oder mehrere fla- Bindigkeit das Gewicht des Gefäßes nicht
che Hügel überdeckt waren. getragen hätte. Aus der Verfüllung des
| M. Konze, J.-P. Schmidt Kreisgrabens ließ sich eine geflügelte

58 AiD 5 | 2018
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Sehnde. Aus der eisen-


Nordrhein-Westfalen
zeitlichen Vorratsgrube
LVR-Amt für Bodendenkmal-
konnten zahlreiche
pflege im Rheinland
Funde geborgen werden. Endenicher Straße 133
53115 Bonn
Tel. 0228 9834-0, Fax 0228 9834-119
AiD-Korrespondentin: Dr. Michaela Aufleger
Michaela.Aufleger@lvr.de
LWL-Archäologie für Westfalen
An den Speichern 7
48157 Münster
Tel. 0251 591-8921, Fax 0251 591-8805
AiD-Korrespondent: Nils Wolpert M.A.
nils.wolpert@lwl.org
Köln: Römisch-Germanisches Museum/
Archäologische Bodendenkmalpflege
Roncalliplatz 4
50667 Köln
Tel. 0221 22124-543, Fax 0221 22124-030
AiD-Korrespondent: Dr. Marcus Trier
Pfeilspitze aus baltischem Flint bergen, strichverzierung auf der Wandung. Schließ- Marcus.Trier@Stadt-Koeln.de
die den oben genannten zeitlichen Ansatz lich kam ein bronzenes Stablochglied mit
stützt. vier Lochsegmenten und je einer Öse an
Die Deutung dieses Befundes bleibt den beiden Enden zutage. Es handelt sich Kaiserswerth im Kugelhagel
unklar. Eine Interpretation als Kenotaph – hierbei um das Teil eines aufwendigen Die Blütezeit der ehemals bedeutenden
Scheingrab – wäre denkbar, andere ritu- mittellaténezeitlichen Gürtelgehänges niederrheinischen Festungsstadt Kaisers-
elle Hintergründe sind aber ebenso mög- vom Typ Amelungsburg, die auf dem epo- werth endete abrupt infolge zweier Bela-
lich, rein funktionale aufgrund der Befund- nymen Fundort, der Amelungsburg bei gerungen und der damit einhergehen-
ausprägung eher unwahrscheinlich. Langenfeld im Landkreis Hameln-Pyr- den Zerstörungen: 1689 marschierte der
| K. Gerken mont, der Barenburg bei Holtensen, Stadt französische König Ludwig XIV. in das
Sehnde. Bronzenes Stab- Rheinland ein; 1702 begann der Spanische
Eisenzeitliches Gürtelgehänge lochglied (oben) eines Erbfolgekrieg.
Gürtelgehänges vom
in Siedlung Ein unmittelbares Zeugnis dieser Ge-
Typ Amelungsburg,
Bei der Begehung von Erschließungstras- 3. Jh. v. Chr. Links: Kera- schehnisse geben zahlreiche Kugeln, teils
sen in einem Neubaugebiet bei Sehnde, mikfragment aus der von Musketen, teils von Kanonen, und
Region Hannover, fand der Hobbyarchäo- eisenzeitlichen Vorrats- Überreste von Granaten, die unmittelbar
loge Carsten Böttger mehrere aufällige grube. außerhalb der ehemaligen Festung durch
Bodenverfärbungen und Keramikfrag- einen geschichtlich interessierten Bürger
Düsseldorf-Kaiserswerth.
mente prähistorischer Machart. Um ei- aufgesammelt wurden. Viele dieser Ge-
Musketenkugeln zeugen
nen Baustopp zu vermeiden, führten Mit- von den heftigen Kämp-
schosse sind deformiert oder zeigen deut-
arbeiter der Denkmalpflege während der fen um die Festungs- liche Spuren des Ladestocks. Neben die-
laufenden Erdarbeiten eine Geländeauf- Springe, sowie einem weiteren Ort in di- stadt. sen unmittelbaren Zeugen der blutigen
nahme durch und untersuchten die be- rekter Nähe im frühen 3. Jh. v. Chr. herge-
trofenen Flächen. Es konnten ein Eisen- stellt wurden. Die genannten Orte liegen
verhüttungsplatz mit Schlackegruben von 45 bzw. 25 km westlich bzw. südwestlich
20 Rennfeueröfen, ein Pfostenloch mit von Sehnde und wurden ofensichtlich
einem Keilstein sowie zwei größere Sied- im Zuge eines größeren kriegerischen Er-
lungsgruben dokumentiert werden. eignisses gewaltsam zerstört. Hierbei
Eine der beiden Gruben hatte eine ova- gingen zahlreiche Gießerwerkzeuge zur
le Form von etwa 2,7 m Länge bei 1,7 m ma- Herstellung dieser Gehänge und weiterer
ximaler Breite. Sie war senkrecht etwa Objekte sowie Halb- und Fertigprodukte
0,9 m eingetiet, hatte eine ebene Sohle verloren. Durch eine archäometrische
und scheint als Vorratsgrube genutzt wor- Analyse des Sehnder Neufundes soll ge-
den zu sein. In der Verfüllung fanden sich klärt werden, ob dieses Stück auf der Ame-
neben gebranntem Rotlehm, Holzkohle lungsburg gegossen wurde. Da eine der
und Steinen zahlreiche Keramikfragmen- beiden Ösen alt ausgebrochen ist, scheint
te von grober Siedlungsware bis hin zu das Stablochglied als Teil eines nicht mehr
Feinkeramik, teils mit Fingertupfenver- brauchbaren Schmuckstückes in der Gru-
zierung am Rand und Kamm- bzw. Besen- be entsorgt worden zu sein. | F.-W. Wulf

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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Kämpfe fanden sich auch Riemenbeschlä- der Produktion und den Verbreitungs- Papstes mit gekürztem Titel und Ord-
ge, Schnallen, Münzen, Rechenpfennige wegen solcher »Liebesfibeln«. nungszahl. Das gut erhaltene Siegel zeigt
und Keramik, wie sie typischerweise in Für eine Blickpunktausstellung des die Inschrit BONI/FATIVS/PP VIII noch
Feldlagern oder auf Schlachtfeldern vor- Museums wurde von Holger Ratsdorf ein vollständig, bei der zweiten Bulle, die nur
wiegend des 17. Jh. autreten. Replikat hergestellt, das nun auch das feh- noch »… NI/…IUS/VIII…« erkennen lässt,
Zahlreiche zeitgenössische Abbildun- lende Email im Zentrum und den durch ist dieselbe Inschrit zu erschließen. Auf
gen vor allem der zweiten Belagerung von Korrosion verlorenen Weißmetallüberzug der jeweiligen Rückseite sind die Köpfe
1702 zeigen übereinstimmend ein Sys- zeigt und einen guten Eindruck vom eins- der Apostel Paulus und Petrus mit um-
tem von Laufgräben vor den Festungs- tigen Aussehen der Fibel vermittelt. gebender Gloriole dargestellt. Über den
mauern; Überreste dieser Belagerungs- | K. Scherberich, J. Wagner, M. Perse Köpfen ist die übliche Inschrit erschließ-
Titz-Hasselsweiler. Rö-
gräben sind mit hoher Wahrscheinlichkeit bar: »S(anctus) PA(ulus)/S(anctus)PE(trus)«.
mische Scheibenfibel
bis heute in dem seitdem unbebauten mit Liebesinschrift,
Zwei Papstbullen von Papstbullen sind seltene Funde, umso
Areal im Untergrund erhalten geblieben. Original und Replikat. Bonifatius VIII. bemerkenswerter ist es, dass nun zwei
| K. Frank Durchmesser 2,4 cm. Innerhalb von zwei Jahren fanden lizen- desselben Papstes aus dem Umfeld von
sierte Sondengänger auf Ackergelände Rheindahlen stammen. Bonifatius VIII. ist
bei Mönchengladbach-Rheindahlen zwei ein historisch besonders bedeutsamer
so genannte Papstbullen – interessan- Papst, da er die bekannte Bulle »Unam
terweise beide von Papst Bonifatius VIII. Sanctam« erließ. Diese war unmittelbar
(984–985). gegen den französischen König gerichtet
Beide Siegel sind aus Blei und dienten und betonte den unbedingten Vorrang
zur Beglaubigung von päpstlichen Ur- der geistlichen vor der weltlichen Macht.
kunden. Der 2016 getätigte Fund mit ver- Wie die beiden Siegel auf den Acker ge-
mutlich rezenten Beschädigungen an der rieten, ist eine interessante Frage, da sie
linken Vorderseite ist annähernd rund mit eigentlich nicht in andere Hände gelan-
einem Durchmesser von 3,5 bis 3,6 cm und gen sollten. Neuere Untersuchungen er-
einer Dicke von 5 mm. Das 2017 entdeck- wägen, dass den päpstlichen Siegeln im
Liebesbeweis am Wegesrand te Stück ist schlechter erhalten und weist ländlichen Raum möglicherweise eine
Durch die Übernahme einer Sammlung noch eine Breite von 2,2 cm und eine Höhe Schutzfunktion oder auch Fruchtbarkeits-
gelangte unlängst eine ungewöhnliche Mönchengladbach-Rhein-
von 3 cm auf, die Dicke beträgt etwa 4 mm. symbolik für eine gute Ernte zukam und
römische Scheibenfibel in den Besitz des dahlen. Zwei Siegel des Auf der jeweiligen Vorderseite steht in sie vielleicht von Klerikern gestitet wur-
Museums Zitadelle Jülich. Die aus Titz-Has- Papstes Bonifatius VIII. drei Zeilen der Name des amtierenden den. | K. Kraus
selweiler stammende bronzene Fibel
misst nur 2,4 cm im Durchmesser und ist Letzte Ruhe am Fluss
auf den ersten Blick eher unaufällig. Un- Am Oberlauf der Lippe im Kreis Paderborn
gewöhnlich wird sie durch eine einge- reihen sich beiderseits des Flusses zwi-
punzte Inschrit: schen Schloss Neuhaus und Bad Lipp-
springe teils perlschnurartig vorgeschicht-
»DOMINA TE AMO, ALIAS DERID(E)O«
liche Grabhügel aneinander. Im Kreis Lip-
Die Übersetzung lautet »Herrin, ich liebe pe setzen sie sich Richtung Nordosten
dich, die Anderen verlache ich«. So wollte bis nach Schlangen-Oesterholz an einer
der Schenkende einer Geliebten seine alten Fernverbindung fort und reichen
Zuneigung beweisen oder ihre Liebe ge- von dort über eine Passhöhe bis nach Ber-
winnen. Inschriten dieser Art findet man lebeck. Diese Grabhügelzone kann bisher
meist auf Fibeln, doch auch Ringe, Schreib- über eine Strecke von etwa 22 km ver-
grifel oder andere Gegenstände des täg- folgt werden und datiert nach dem bis-
lichen Gebrauchs wurden als sprechende herigen Fundspektrum schwerpunktmä-
Geschenke benutzt. ßig von der jüngeren Bronzezeit bis zur
Der Fundort der Fibel lag unweit der älteren vorrömischen Eisenzeit.
römischen Fernstraße von Jülich nach Aus diesem Bereich gibt es einen Neu-
Neuss einige Kilometer nördlich des »vi- fund: Der lizenzierte Sondengänger Ru-
cus Iuliacum«. Fibeln des gleichen Typus, ben Magan fand mit seinem Sohn Lionel
jedoch mit abweichenden Inschriten, in Bad Lippspringe ein bronzenes Tüllen-
wurden bereits in Doubs (Frankreich), Ton- beil. Es zeigt ein beidseitig ausgeprägtes
gern (Belgien) und bei Budapest (Ungarn) Lappenornament, eine leicht trapezoide
gefunden. Es stellt sich also die Frage nach Schneide und eine breite Abschlussrippe

60 AiD 5 | 2018
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breites und 6 g leichtes Objekt aus Bron- Lage der Fundamente lassen auf eine auf-
ze. Das Objekt ist massiv gegossen, an bei- wendige Brückenkonstruktion schließen,
den Enden abgebrochen und weist star- die über den Stadtgraben führte und ver-
ke Abnutzungsspuren auf. Markant sind mutlich eine Zugbrücke einschloss. Von
drei kleine Buckel, die von je drei plasti- der letzten Nutzung des Windmühlen-
schen Leisten abgetrennt werden. Die Bu- tors zeugt ein Abwasserkanalsystem, das
ckel nehmen in ihrem Durchmesser zu ei- Vreden. Reste des Wind- über einen aufgefüllten Grabenbereich
nem Ende des Artefaktes hin ab. Eine ab- mühlentors, das im 19. Jh. in den verschmälerten Stadtgraben mün-
gebrochene Öse lässt vermuten, dass hier als Gefängnis diente. dete. Es entstand Anfang des 19. Jh. beim
Oben: Hölzer der massi-
das Bruchstück einer Scharnierfibel vor- Umbau des zweigeschossigen Torturms
ven Pfahlgründung des
liegt. Entgegen älterer Meinung ist heute Tores. Unten: Im Vorder- zum Gefängnis. Abgerissen wurde das Tor
Bad Lippspringe. Tüllenbeil belegt, dass in Ostwestfalen bereits in der grund unten Backstein- 1854. Noch ausstehende dendrochronolo-
mit ausgeprägter Lappenzier. Eisenzeit dieses Prinzip bei Fibeln geläu- fundamente der Brücken- gische Untersuchungen sollen Anhalts-
Länge 9,8 cm. konstruktion und dahin-
fig war. Der plastisch verzierte und mas- punkte zum Zeitpunkt der Errichtung des
ter anschließend die
siv gegossene Fibelbügel verweist auf helleren Reste der nord-
Tores sowie zur Sanierung von Setzungs-
an der Mündung, gefolgt von zwei schma- eine Herstellung in Ostwestfalen. östlichen Torwange aus schäden geben.
leren umlaufenden Rippen. Die unregel- Außergewöhnlich für die Region ist Mischmauerwerk. | B. Grundmann, A. Wunschel
mäßig-halbrunde Öse reicht von der Tül- aber die Bügelverzierung selbst: Verglei-
lenmündung bis zur Unterkante der letz- che finden sich hauptsächlich auf dem
ten Zierrippe. Das Tüllenbeil datiert in die Balkan. Es handelt sich um so genannte
jüngere bis späte Bronzezeit, etwa in die Nussbügelfibeln, die in die jüngere bis
Jahre zwischen 950 und 800 v. Chr. Der Typ späte Eisenzeit datieren. Ihr Name leitet
ist zwischen Ems und Weser häufiger zu sich von ihrer Verzierung ab, die dem
finden. Das Beil stammt wohl aus einer Schmallenberger Stück ähnelt. Ofenbar
Hügelgruppe, von der drei Anlagen in den wurde in der jüngeren Latènezeit eine sol-
1930er-Jahren erfasst wurden; diese da- che Fibel zum Vorbild des Schmallenber-
tieren allerdings bereits in die vorrömi- ger Stücks, was ein weiterer Beleg für Kon-
sche Eisenzeit. takte des ostkeltischen Kulturraums nach
| J. Hallenkamp-Lumpe, S. Spiong Westfalen ist. | M. Zeiler

Vom Balkan nach Westfalen Schwere Jungs im Vredener


Der lizensierte Sondengänger Matthias Stadttor
Dickhaus entdeckte 2017 ein für Westfa- Im Anschluss an das im 9. Jh. gegründete
len bislang einzigartiges Artefakt auf ei- Damenstit Vreden entwickelte sich eine
nem Acker nahe der eisenzeitlichen Wall- Siedlung, die der Kölner Erzbischof und
burg Wilzenberg bei Schmallenberg im der Bischof von Münster 1252 zur Stadt er-
Hochsauerlandkreis. Bei dem Fund han- hoben und mit Wall und Graben umweh-
delt es sich um ein 3,8 cm langes, bis 1,1 cm ren ließen. Aufgrund von großflächigen
Zerstörungen der Stadt bei einer Fehde
begann man ab dem späten 14. Jh. ein ver-
kleinertes Areal mit Stadtmauer und vor-
gelagertem Graben zu befestigen. Durch-
lässe in dem neuen Bollwerk waren mit-
tels Stadttoren gesichert, darunter das
»Windmühlentor«. Die komplexe Kon-
struktion dieses Tores konnte nun näher
untersucht werden. Neben der nordöstli-
chen Torwange mit anschließender Stadt-
mauer fanden sich tief reichende, auf
Pfählen gegründete Fundamente aus
Back- und Natursteinen. Anordnung und

Schmallenberg. Bügel einer


Nussbügelfibel. Länge 4 cm.
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Rheinland-Pfalz Waldorfer Höfe. End- tenden Menschen mit ihren Viehherden in


neolithische Funde aus gewissen Zeiträumen immer wieder ein-
Generaldirektion Kulturelles Erbe
dem Haus der Schnur-
Rheinland-Pfalz mal aufgesucht. Die zahlreichen Pfosten-
keramiker. Länge der
Direktion Landesarchäologie löcher in der Hausgrube dürten weniger
Festung Ehrenbreitstein Pfeilspitze 3,5 cm.
56077 Koblenz auf diverse Einbauten als hauptsächlich
Tel. 0261 6675-3000, Fax 0261 6675-3010 mehrmalige Ausbesserungen und Erneue-
AiD-Korrespondent: Dr. Cliff A. Jost rungen am tragenden Gerüst der Behau-
cliff.jost@gdke.rlp.de
sung zurückzuführen sein. | C. A. Jost

So wohnten die Schnurkeramiker Römischer Anitquitätensammler?


Im Umfeld der Waldörfer Höfe südlich Im Rahmen der Erforschung eines römi-
von Ochtendung im Kreis Mayen-Koblenz schen Gutshofs bei Schuld an der Ahr wur-
befindet sich ein ausgedehntes vorge- den in jüngster Zeit umfangreiche Gelän-
schichtliches Siedlungsareal, das im Zu- debegehungen durchgeführt. Die Unter-
ge des Bimsabbaus durch die Landes- struktion des Gebäudes mit je einer dop- suchungen konzentrierten sich auf die
archäologie systematisch erforscht wird. pelten Pfostenreihe entlang der Längs- »pars rustica«, den Wirtschatsbereich.
Neben zahlreichen Siedlungsspuren aus wände und einem besonders starken Mit- Zahlreiche Kleinfunde, vornehmlich Me-
der älteren Eisenzeit treten dabei immer telpfosten als Hauptstütze für das Dach tallobjekte, Keramik und Steinartefakte
wieder auch Siedlungs- und Grabfunde schließen. Die in der Verfüllung der Haus- aus dem Neolithikum bis in das Mittelalter
aus der spätesten Phase der Jungsteinzeit grube gefundenen Steingeräte und Kera- wurden von lizensierten Sondengängern
zutage: das so genannte Endneolithikum, mikreste, zum Teil mit den typischen um- geborgen. Eine kontinuierliche Besied-
unterteilt in Schnurkeramik und Glocken- laufenden Schnurabdrücken im Rand- und lung ist jedoch nur für die römische Kai-
becherkultur, von 2800 bis 2200 v. Chr. Halsbereich der Gefäße, erlauben die Da- serzeit belegbar. Bei den Prospektionen
Aktuell wurde ein Hausgrundriss der tierung in die Zeit der Schnurkeramik. wurde ein Miniatur-Randleistenbeil ge-
Schnurkeramischen Kultur entdeckt, was Untersuchungen zur Klima- und Land- funden. Charakteristisch sind die sehr
bemerkenswert ist, weil über die Wohn- schatsgeschichte haben ergeben, dass in niedrigen, vermutlich durch Hämmern
stätten dieser Zeit immer noch wenig be- den Gebieten des Rheinlandes ab dem Be- entstandenen Randleisten. Der leicht kon-
kannt ist. ginn des Endneolithikums eine ofene kave bis rechteckige Bahnquerschnitt so-
Die von Osten nach Westen orientier- Landschat vorherrschte mit lichten Ei- wie die trapezoide Gesamtform ermögli-
te rechteckige Hausgrube hatte eine In- chenbeständen, Haselsträuchern und an- chen eine Datierung in die frühe bis mitt-
nenfläche von 7 m Länge und 5 m Breite deren Licht liebenden Gehölzen. Dies lässt lere Bronzezeit (1800–1400 v. Chr.).
und war noch etwa 15 cm tief im Bims er- auf eine vermehrte großräumige Vieh- Aufällig ist die geringe Größe des
halten. Eine natürliche harte Britzschicht haltung und möglicherweise sogar halb- Stücks. Bisher sind nur wenige Parallelen
aus vulkanischer Asche bildete die weit- nomadische Lebensweise der Menschen bekannt. Gebrauchsspuren und Gesamt-
gehend ebene Sohle. In diese waren 60 schließen. Das Ochtendunger Grubenhaus form sprechen sicher für eine Funktion als
Pfostenlöcher unterschiedlicher Größe könnte zu einem nicht ständig genutzten Miniaturwerkzeug zur Bearbeitung von fi-
und Tiefe eingegraben. Die Anordnung Wohnplatz gehört haben. Vermutlich wur- Oben: Schuld. Miniatur- ligranem Gerät oder Schmuck oder im wei-
lässt auf eine dreischiige Grundkon- de er von den sich in dem Gebiet auhal- Randleistenbeil von rö- testen Sinne als Kultgegenstand. Mögli-
mischem Gutshof. Län- cherweise ist es kein Zufall, dass das Beil
ge 4,1 cm, Breite 1,9 cm,
bei einer römischen Villa geborgen wurde.
Dicke bis zu 7 mm,
Gewicht 18 g.
Bronzezeitliche Funde sind schon mehr-
mals in gesicherten römischen Grab- und
Siedlungskontexten in Luxemburg sowie
aus der Vulkaneifel und dem Ahrgebiet im
nördlichen Rheinland-Pfalz nachgewie-
sen. Anhand historischen Überlieferungen
aus der Zeit des Kaisers Tiberius (reg.
14–37 n. Chr.) wissen wir: Schon die Römer
sammelten Fossilien. So liegt die Vermu-
tung nahe, dass sie genauso gut prähis-
Waldorfer Höfe. Schnur- torische Funde als solche erkannt und auf-
keramische Hausgrube
bewahrt haben könnten. Dies kann jedoch
mit einer Vielzahl von
Pfostenlöchern der
beim bisherigen Forschungsstand kaum
Wand- und Dachkon- mit Sicherheit belegt werden.
struktion, Länge 7 m. | G. Heeren
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Saarland areal ist in einer Breite von 108 m auf ei- Sachsen
Landesdenkmalamt ne Länge von 165 m sicher erfasst, war Landesamt für
Bodendenkmalpflege aber größer, wahrscheinlich rund 300 m Archäologie Sachsen
Am Bergwerk Reden 11 lang. Das Hauptgebäude (A) dürte eine Zur Wetterwarte 7
66578 Schiffweiler 01109 Dresden
Tel. 0681 501-2485 Risalitvilla mit Portikus gewesen sein. Ih- Tel. 0351 8926-199, Fax 0351 8926-666
w.adler@denkmal.saarland.de re Fassade ist zum Hof ausgerichtet. Die www.archaeologie.sachsen.de
AiD-Korrespondent: Prof. Dr. Wolfgang Adler Nebengebäude sind an den Längsseiten info@lfa.sachsen.de
AiD-Korrespondent: Dr. Hans-Peter Hock
des Hofes aufgereiht. Hofmauern oder be-
festigte Wege ließen sich bisher nicht aus- Leipzig. Frühlatènezeit-
Neue römische Großvilla machen. Besonders interessant ist ein Ge- liche Pferdchenfibel um
im Saarland bäude inmitten des Hofes (F), bei dem es 400 v. Chr., Spirale und Keltische Pferdchenfibel
Nadel sind am Hinter-
Eine Ackerfläche bei Berus im Kreis Saar- sich um einen Tempel, vielleicht auch um Der verdienstvolle ehrenamtliche Denk-
bein abgebrochen, der
louis ist bereits seit dem mittleren 19. Jh. ein Grabmal handeln könnte. Weitere Be- Vorderfuß ist zum Nadel-
malpfleger Andre Gerdts fügte seinen
als weitläufige römische Fundstelle be- fliegungen und Begehungen sind geplant. halter hochgebogen. zahlreichen Funden wieder einmal ein
kannt. Zwei ehrenamtliche Denkmalbe- Gutshöfe mit großem, langrechtecki- Länge 2,5 cm. ungewöhnliche Entdeckung hinzu: eine
autragte, Stefan Zender und Josef Klein, gem Hof, dessen zahlreiche Nebengebäu- kleine Pferdchenfibel, in Sachsen und
die das Landesdenkmalamt seit Jahren de an der Innen- oder Außenseite der Hof- überhaupt nördlich der Mittelgebirge ein
engagiert unterstützen, suchten die alt- mauer angebaut und annähernd symme- bisher einmaliger Fund. Die zweiteilige
bekannte Fundstelle nicht nur nach aus- trisch angeordnet sind, nennt man Villen Bronzefibel mit ursprünglich eiserner
gepflügten Funden ab, sondern nahmen vom längsaxialen Typ. Insgesamt kennen Spiralachse unter den Hinterbeinen
im Jahr 2017 auch mehrere Befliegungen wir aus den nordwestlichen Provinzen des und angedeutetem Gurtzeug auf
mit einem Ultraleicht-Flugzeug vor. Er- römischen Reiches rund 50 solcher Anla-
gebnis ist eine Serie von aufschluss- gen. Im Saarland sind in Reinheim und
reichen Lutbildern, die eindeutig zeigen, Borg zwei Villen dieses Typs in großem Um-
dass sich hinter der bisher rätselhaten fang ausgegraben und museal erschlossen
weiträumigen Fundstreuung eine Villa worden; außerdem waren dort bisher drei
vom längsaxialen Typ verbirgt. Die eh- weitere derartige Anlagen bekannt. Die
renamtlichen Mitarbeiter strebten da- neu entdeckte Villa ist das sechste Beispiel
rauhin die Zusammenarbeit mit dem im kleinen Saarland. | W. Adler
Institut für Photogrammetrie und Geo-
information der Universität Hannover an der Kruppe findet beste Parallelen un-
und ließen aus den schräg aufgenomme- mittelbar südlich der Gebirgsschwelle auf
nen Lutbildern entzerrte georeferenzier- der Steinsburg und dem Stafelberg so-
te Orthofotos berechnen. A wie im keltischen Kerngebiet, z. B. auf dem
Der Plan fasst alle bisher beobachte- Dürrnberg bei Hallein. Die Fibel, um
ten Lutbilder zusammen. Eindeutig sind 400 v. Chr. datiert, fügt sich zu anderen
das Hauptgebäude und der anschließen- frühlatènezeitlichen Importen, die von Sü-
de langschmale Hof mit mindestens fünf den in das von der frühgermanischen Jas-
B
Nebengebäuden zu erkennen. Das Villen- torkultur geprägte Gebiet gelangten. Der
D Einzelfund gibt nicht zu erkennen, ob es
E auch bei Leipzig eine Frau war, die diese
Berus. Die Umzeichnung aller Luftbilder Fibel trug, wie es für den keltischen Sü-
ergibt den Plan einer römischen Villa. den angenommen wird. Genauso muss of-
C
Rechts das Hauptgebäude mit Säulen-
fen bleiben, ob die Fibel zur Tracht einer
halle und vorspringenden Eckgebäuden, F
so genannten Risaliten (A).
fremden Zuwanderin gehörte oder ob sie
von einem Einheimischen nach Norden
Grundriss-/Fundamentstruktur gebracht wurde. Im Raum Leipzig blie-
Flächenhafte Struktur
ben die keltischen Importe jedenfalls
Fläche mit weiteren Bodenfunden
nicht ohne Wirkung, wie die typischen, kel-
G
tisch geprägten einheimischen Formen
der thüringisch-sächsischen Kontaktzone
zeigen. Gerade die Funde von Gerdts be-
legen, dass die Kontakte in der jüngeren
Eisenzeit intensiv waren, fand er doch
H
nach einem ersten Büschelquinar (AiD 1/

AiD 5 | 2018 63
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Sachsen-Anhalt
Landesamt für Denkmalpflege und
Archäologie Sachsen-Anhalt –
Landesmuseum für Vorgeschichte
Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle (Saale)
Tel. 0345 5247-30, Fax 0345 5247-351
www.lda-lsa.de
poststelle@lda.stk.sachsen-anhalt.de
AiD-Korrespondentin: Manuela Schwarz M.A.

»Blidenkugel« am Elbübergang
Zu den großen Bauvorhaben im Zentrum
Magdeburgs gehört die Strombrücken-
verlängerung. In Zukunt soll eine vier-
spurige Flussquerung auch über beide
Nebenarme der Elbe entstehen. Vor dem
Trassenbau erfolgen Untersuchungen
durch den Munitionsbergungsdienst.
Dabei kam es zur Entdeckung eines
exakt 50 kg schweren Sandsteinblockes,
der sich aufgrund leicht erkennbarer
Merkmale als »Blidenkugel« erwies: Mu-
nition eines hoch- bis spätmittelalterli-
chen Wurfgerätes, mit dem mächtige Ge-
steinsbrocken geschleudert wurden, vor-
rangig zum Brechen von Festungsmauern.
2007, S. 48) inzwischen vier weitere kelti- Preußen die Stadt vom 14. bis 20. Juli 1760 Dresden. Reste der Fes- Bei einer Reichweite von bis zu mehreren
sche Münzen. Bedenkt man, dass die vie- in Schutt und Asche schießen ließ. Zwi- tungsmauer des 16. Jh. mit hundert Metern konnte man eine Burg be-
Stützwänden und einer
len großflächigen Grabungen in Tage- schen 1809 und 1830 wurde die Befesti- schießen, ohne dass deren Verteidiger die
großen, rechteckigen
bauen und vor Baumaßnahmen im Süd- gung bis auf die Brühlsche Terrasse und Abortgrube unter der 1891 von den Belagerern aufgebaute Bliden-
raum Leipzig in den letzten 25 Jahren fast Bereiche am Zwinger weitgehend demo- errichteten Markthalle. stellung z. B. mit Pfeil und Bogen hätten
keine derartig wichtigen Kleinfunde er- liert, um die entstanden Freiflächen über- stören können. Dabei wurde eine hohe
brachten, kann die Bedeutung der ehren- bauen zu können. Allerdings erfolgten die Trefsicherheit erreicht. Typisch für die Bli-
amtlichen Prospektion auch mit der Me- Abbrüche nur so weit, wie sie für die Neu- Magdeburg. Blidenkugel denkugel ist, dass es sich bei dem rund-
tallsonde kaum überschätzt werden. bauten erforderlich waren, d. h. der Fes- aus Sandstein – Munition lich zugeschlagenen, gepickten Stück von
| A. Fleischer, W. Ender eines Wurfgerätes, das
tungsring blieb unter den ehemaligen Kel- 107 cm Umfang und 34 cm Durchmesser
vom 13. bis 15. Jh. bei
lern der 1945 zerstörten Gebäude erhal- Belagerungen eingesetzt
nicht um eine geometrisch exakte Kugel
Dresdner Festungsreste ten. Da mittlerweile sämtliche Flächen wurde. Durchmesser handelt, sondern dass die Oberfläche
Unter dem Wettiner-Herzog Moritz, nach innerhalb des Dresdner Stadtkerns be- 34 cm. mehrere Abplattungen aufweist. Diese er-
1547 Kurfürst von Sachsen, wurde Dres- baut sind, werden Neubauten jetzt auf
den zu einer europäischen Metropole. 1545 dem ehemaligen Festungsgürtel errich-
begannen die Arbeiten für das größte tet, so auch an der aktuellen 4000 m2 gro-
Bauvorhaben der Stadt, das erst Ende des ßen Grabungsstelle an der Wallstraße. Un-
16. Jh. mit der Erweiterung der Bastionen ter der Kellersohle der 1891 errichteten
seinen Abschluss fand. Mit einer Gesamt- Markthalle liegen die Reste der Festungs-
länge von 3,7 km, einer Höhe von 13 bis mauer des 16. Jh. mit Speramen (Stütz-
14 m und einer Breite von bis zu 100 m ver- wände) und einer großen, rechteckig ge-
setzte der Festungsgürtel der Stadt die mauerten Abortgrube. Die Mauerstärke
Besucher in Staunen. Wie beeindruckt die des fast 45 m langen Abschnittes beträgt
Zeitgenossen waren, belegen eindrucks- rund 2 m. Hier werden weitere Abschnitte
voll die nach 1747 geschafenen Veduten der renaissancezeitlichen Mauern freige-
des Bernardo Bellotto, genannt Canaletto. legt, dokumentiert und als »Trittsteine in
Eine nachhaltige militärische Nutzung die Vergangenheit« auch in die Neubau-
erfuhr die Festung nicht, auch nicht im ten integriert.
Siebenjährigen Krieg, als Friedrich II. von | Th. Westphalen

64 AiD 5 | 2018
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füllten den Zweck, dass der Gesteinsblock Schleswig-Holstein


in der Schlinge, mit deren Hilfe er ge- Archäologisches Landesamt
schleudert werden sollte, stabil lag und Schleswig-Holstein
nicht vorzeitig herausrollte. Schloss Annettenhöh
Brockdorff-Rantzau-Str. 70
Nach den historischen Quellen wurden 24837 Schleswig
solche Bliden in Mitteleuropa vom 13. bis Tel. 04621 387-34
ins 15. Jh. verwendet. Ungeklärt bleibt, ob AiD-Korrespondentin: Birte Anspach M.A.
birte.anspach@alsh.landsh.de
der gewichtige Fund an der Stelle zum
Lübeck: Hansestadt Lübeck
Vorschein kam, an der er einst eingesetzt Der Bürgermeister
oder zum Einsatz gelagert wurde. Der Bereich Archäologie und Denkmalpflege
Meesenring 8
Magdeburger Elbübergang war im Mittel-
23566 Lübeck
alter ein immer wieder umkämpter Be- Tel. 0451 122-7154
reich, an dem die hier nur 7 km breite Elb- archaeologie@luebeck.de
AiD-Korrespondent: Dr. Manfred Schneider
aue durchquert werden konnte.
| Th. Weber

Hochmittelalterlicher Röhren- Mesolithischer Schmuck


brunnen aus dem Meer
Die Erneuerung des Straßenzuges »Wüs- Die Ostsee hat in den letzten Jahrzehn-
te Worth« im Westen der Stendaler Alt- ten so manches archäologische Stück frei-
stadt bot in einem bisher archäologisch gegeben. Die meisten Funde wurden aus
wenig dokumentierten Bereich Anlass für der flachen ufernahen Zone in 3 bis 5 m
baubegleitende Untersuchungen. Die Grä- Wassertiefe geborgen und sind Relikte
ben für die neuen Leitungen reichten un- von Jäger- und Fischergruppen der Er-
ter den Grundwasserspiegel. Dort kamen tebølle-Kultur (5500– 4100 v. Chr.). Unter
bohlenwegartige Strukturen zum Vor- den Gegenständen, die von Strandspa-
schein – Vorläufer der heutigen Straßen. ziergängern aufgelesen und dem Archäo-
Teils waren sie komplex konstruiert mit ei- logischen Landesamt Schleswig-Holstein
nem Unterbau aus Kleinholz, Astwerk und in Schleswig gemeldet wurden, sind auch
Steinen, längs verlaufenden Lagerhölzern mindestens 0,3 m höher. Unter schwieri- Stendal. Röhrenbrunnen immer wieder Stücke aus Tierknochen und
und senkrechten Stützelementen. Den- gen Bedingungen wegen eines Wasser- aus dem 12. Jh. im Profil. Geweih, darunter Äxte, Harpunen und
drochronologische Untersuchungen an einbruchs wurden Teile der Verfüllung un- Knochenspitzen.
zahlreichen Hölzern zeigten, dass dieser tersucht: Von den rund 300 Funden sind Ein sehr seltenes Fundstück stammt
in der Uchteniederung gelegene Bereich neben Keramikscherben und Tierknochen aus Ostholstein und wurde im Jahre 2005
Stendals zehn bis zwanzig Jahre nach der zahlreiche Daubenbruchstücke, Lederres- nach starkem Ostwind am Ufer von Gro-
für das Jahr 1160 überlieferten Markt- te, darunter Teile von Schuhen, zu erwäh- ßenbrode aufgesammelt. Die Schülerin
gründung aufgesiedelt wurde. nen. | A. Neubert Mara Richter ging seinerzeit mit dem
Ein gut erhaltener zweischaliger Röh-
renbrunnen stammt aus dem Jahr 1178. Aus der Ostsee bei Gro-
Er hatte einen ovalen Querschnitt mit ßenbrode. Eberhauer
vom Wildschwein, Länge
Außenmaßen von 0,85 m × 1,00 m. Die
13 cm. Umgearbeitet als
Schachtröhre war aus zwei etwa 10 cm Schmuckstück.
starken Segmenten eines längs geteilten
ausgehöhlten Eichenstammes zusam-
mengefügt; außen sorgte eine mindes-
tens 10 cm mächtige Lehmpackung für die
Abdichtung des Brunnens gegenüber der
Umgebung. An den Hölzern waren ver-
einzelt Konstruktionsdetails wie Zapf-
löcher und Holznägel erkennbar. Der höl-
zerne Brunnenschacht konnte von etwa
1,35 bis 3,7 m Tiefe unter der heutigen
Oberfläche verfolgt werden. Die Sohle
wurde nicht erreicht. Der zerstörte obere
Brunnenrand reichte ursprünglich noch

| 2018 65
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Aktuelles aus der Landesarchäologie

Hund am Strand der Ostsee spazieren und Thüringen


fand auf einer freigespülten Sandbank Thüringisches Landesamt für
einen durchlochten Eberhauer vom Wild- Denkmalpflege und Archäologie
schwein, der nur leichte Spuren von Ver- Humboldtstraße 11
99423 Weimar
witterung an der Oberfläche aufwies und Tel. 0361 57 3223-327, Fax 0361 57 3223-390
wohl erst vor Kurzem aus einer submari- www.thueringen.de/denkmalpflege
nen Fundschicht durch Erosion freigelegt post.weimar@tlda.thueringen.de
AiD-Korrespondentin: Julia Raasch-Bertram M.A.
worden war. Der Zahn dürte einzeln als
Anhänger getragen oder paarig auf der
Kleidung angebracht gewesen sein. Für Romanische Klostermauern
Letzteres spricht eine feine umlaufende Direkt westlich der ehemaligen Kloster-
Kerbe am Ende des Hauers, die vielleicht kirche St. Mauritius, im Zentrum von
als Führung für ein Bändchen diente, mit Frauenprießnitz im Saale-Holzland-Kreis,
der das Stück befestigt werden konnte. wird der Ortskern umgestaltet. Die Lage
Eberhauer bzw. herausgetrennte Zahn- und der Flurname »Klostergarten« gaben
lamellen gibt es vielfach in der Ertebølle- Anlass, archäologische Untersuchungen
Kultur. Sie waren nicht nur als Schmuck durchzuführen. Die Kenntnisse von dem
oder Amulett beliebt, sondern wurden Kloster und dessen Struktur waren bislang
teilweise auch als Werkzeug zum Schnei- worden waren. Es handelt sich jedoch Lübeck. Mehrfachbestat- äußerst lückenhat, da der Großteil der Ur-
den oder Polieren eingesetzt. | S. Hartz nicht um eine gemeinsame Bestattung, tung im Hof des Klosters kunden im Dreißigjährigen Krieg vernich-
St. Johannis. Genau auf
sondern vielmehr um eine bewusste Mehr- tet und die Klostergebäude im 16. Jh. ab-
der Wirbelsäule der
Gräber im ältesten Kloster Lübecks fachnutzung der Grabgrube, worauf die Leiche eines Erwachse- getragen wurden. Umso überraschender
Im Frühjahr 2018 wurden die archäologi- exakte Ausrichtung des Kindergrabes auf nen hatte man ein Kind war es, dass zahlreiche Mauern und zwei
schen Untersuchungen im Zuge der Bau- die Wirbelsäule des Erwachsenen hin- platziert. Bodenpflasterungen zum Vorschein ka-
arbeiten auf dem Gelände des ehemali- deutet. Des Weiteren sprechen die ge- men. Letztere wurden auf bis zu 9,4 m Län-
gen St.-Johannis-Kloster in Lübeck, des fundenen Nägel für zwei einzelne Särge ge erfasst, laufen aber jeweils an den Gra-
ältesten Klosters der Stadt, fortgesetzt und auch die entgegengesetzte Lage der bungsgrenzen weiter. Sie werden von
(s. AiD 2/ 2018, S. 52). Die Arbeiten kon- beiden Körper für eine getrennte Nieder- Mauern begrenzt, deren Außenschalen zu-
zentrierten sich auf einen Bereich des ehe- legung, die innerhalb kürzester Zeit statt- meist aus behauenen Muschelkalkblöcken
maligen Kreuzganges und auf den ersten gefunden haben könnte. Die Bestattun- bestehen. In ihrer Ausrichtung scheinen
Klosterhof westlich der Kirche. gen fallen voraussichtlich in die Zeit nach Lübeck. Reste der inneren
sie Bezug auf das nur 15 m entfernte Kirch-
Wie zuvor diente der Plan von Stadt- der Reformation. Damals diente das Klos- Mauer des Kreuzgangs im gebäude zu nehmen. Die ansonsten we-
baumeister Ernst Christian August Beh- ter als Jungfrauenstit. | L. Renn Kloster St. Johannis. nig sorgfältig konstruierten Mauern lie-
rens aus dem Jahr 1805 als wichtige Ori- gen teilweise auf mit Brandschutt durch-
entierung. So wurde in einem Schnitt die setztem Schluf. Eine Ausnahme bildet ein
Nordostecke der auch auf dem Plan ver- stratigrafisch älterer Befund, der aus ak-
zeichneten inneren Mauer des Kreuzgangs kurat behauenen, in Kalkmörtel eng an-
freigelegt. Innerhalb des Kreuzganges einander gesetzten Muschelkalkblöcken
konnte anhand von Resten eines Back- besteht. Die Art und Weise des recht-
steinfußbodens ein ehemaliges Laufni- winklig abknickenden Mauerzuges spricht
veau erfasst werden. Darüber hinaus be- für einen Bau aus romanischer Zeit. Damit
fanden sich in diesem Bereich mehrere liegt man in der Gründungszeit des Frau-
Bestattungen. Es handelte sich zum einen enprießnitzer Nonnenklosters, dessen
um Gräber, die älter als der Kreuzgang schritliche Überlieferung um 1250 ein-
sind, und zum anderen um ein Grab aus setzt. Mächtige Schuttschichten im Süden
späterer Zeit, als der Garten des Kreuz- der Grabungsflächen stammen womög-
gangs als Friedhof verwendet wurde. lich von einem 1638 bezeugten Brand,
Die Untersuchungen im Bereich des dem ein Großteil des Ortes zum Opfer fiel.
Klosterhofes zeigen, dass die Bestattun- Von den etwa 7000 geborgenen Fund-
gen nicht auf den Kreuzgang begrenzt wa- stücken sind spätmittelalterliche Keramik,
ren. So konnten in diesem Bereich weite- neuzeitliche, figürlich verzierte Ofenka-
re Gräber angeschnitten werden, die west- cheln, Dachziegel und -schiefer sowie di-
lich des Eingangsportals der Kirche lagen. verse Tierknochen zu nennen. Hinzu kom-
Dabei wurde ein Grab aufgedeckt, in dem men ein bronzener Siebeimer, eiserne
ein Erwachsener und ein Kind beigesetzt Messer, Hufeisen, Sicheln, Nägel, ein gro-

66 AiD 5 | 2018
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ßer Torstein, Muscheln und ein Spinnwir- Frauenprießnitz. Links: Romanische Mauer aus der Gründungszeit des man einer Gottheit, die mit Heim, Herd
tel. Eine vorgeschichtliche Pfostengrube Klosters. Rechts: Ausgrabungsfläche mit Mauern und gepflastertem oder auch Ackerbau in Verbindung stand
Boden, Blick vom Kirchturm der ehemaligen Klosterkirche.
mit Keramik und verbrannte Knochen so- oder die Unheil abwehren sollte. Mögli-
wie das flächig retuschierte Bruchstück cherweise handelt es sich aber auch beim
eines Feuersteindolches belegen die prä- Hort beinhaltet ein gemischtes Inventar Ort der Deponierung um eine Stelle mit
historische Besiedlung des Fundplatzes. bestehend aus Schmuck und Arbeitsge- schicksalhater Bedeutung. Festzuhalten
| A. Hummel, T. Schüler räten: eine Zungensichel und zwei unter- ist, dass Bronzehorte am Ende der Bron-
Zwischen Schönstedt schiedliche Knopfsicheln, vier Doppel- zezeit häufiger im Bereich von Siedlungen
und Großengottern.
Spätbronzezeitlicher Hort – drahtspiralen, eine einfache Spirale sowie anzutrefen sind. Das heißt, es wurden
Spätbronzezeitlicher
Opfer oder Gedenken? Hort mit bronzenen
mehrere Spiralröllchenfragmente. Der nicht ausschließlich markante Gelände-
Im Zuge der Neuverlegung der Bundes- Sicheln und Schmuck- Grund für die Niederlegung des Depots punkte zur Deponierung gewählt.
straße 247 im Bereich der Ortschaten spiralen. bleibt im Verborgenen. Vielleicht opferte | K. Schwerdtfeger
Schönstedt und Großengottern (Unstrut-
Hainich-Kreis) wurden intensive archäo-
logische Ausgrabungen notwendig. Die
Maßnahmen begannen im Sommer 2017
und werden noch bis in das Jahr 2019 fort-
geführt. Eine der untersuchten Flächen
erbrachte ein ausgedehntes Siedlungs-
areal der ausgehenden Bonze- und frühen
Eisenzeit (ca. 1200–600 v. Chr.). Auf einer
Fläche von 1,5 ha entdeckte man rund 100
Vorrats- und Abfallgruben dieser Zeitstel-
lung, die teils umfangreiches keramisches
Material lieferten.
Im direkten Umfeld der Siedlungsbe-
funde stießen die Ausgräber auf einen
kleinen Bronzehort aus der späten Bron-
zezeit. Dieser war ohne erkennbare Ein-
bauten dicht unter den Erdboden depo-
niert worden. Auch konnten keine dazu-
gehörenden Befunde im Umfeld erkannt
werden. Da das umgebende Erdmaterial
teils etwas dunkler verfärbt war, ist damit
zu rechnen, dass die Bronzeobjekte in
einem organischen Behältnis, vermutlich
einem Beutel, niedergelegt wurden. Der

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Museumsdorf Düppel Museumsdorf Düppel


Clauertstraße 11
14163 Berlin (Zehlendorf)

Mittelalter für alle Sinne Von Leoni Hellmayr


www.dueppel.de

Führungen ganzjährig auf Anfrage möglich.

Ausstellung »Bewegte Zeiten«


Geschichte lebendig machen – dieses Motto verfolgen Berlin mit seinen unzähligen Sehens-
würdigkeiten ist nicht weit. Hier eine Auswahl
mittlerweile viele Museen und man bemüht sich um krea- zu trefen fällt schwer. Lohnend ist in jedem
tivere Formen der Vermittlung. Im Berliner Museumsdorf Fall die Ausstellung »Bewegte Zeiten« im
Martin Gropius Bau vom 21. September 2018
Düppel gibt es dieses Konzept schon seit über 40 Jahren. bis 6. Januar 2019, die in den letzten vier Titel-
Am Rand der Metropole tauchen die Besucher tatsächlich themen der AiD vorab behandelt wurde.

mit allen Sinnen in eine mittelalterliche Welt ein. Botanischer Garten


Eingänge:
Unter den Eichen 5–10, 12203 Berlin und
Königin-Luise-Platz, 14195 Berlin
Das Museumsdorf im Berliner Bezirk Zeh- ihrer Zeit damals weit voraus. Zunächst An den Wochenenden www.bgbm.org
lendorf liegt inmitten von Wäldchen, Wie- stieß das geplante Projekt allerdings auf herrscht reges Trei-
ben vor den Häusern. Liebermann-Villa am Wannsee
sen, Weiden und Feldern. Und diese Um- Ablehnung im städtischen Senat – zu
Die Dorfbewohner, Colomierstr. 3, 14109 Berlin
gebung ist nicht zufällig entstanden: Die frisch waren noch die Erinnerungen an die allesamt ehrenamt-
Einstiges Sommerhaus des Malers Max Lie-
Pflanzen wurden bewusst ausgewählt, um während der NS-Zeit entstandenen Frei- lich tätig, verbindet
bermann. Museum, Künstlerhaus und Garten.
eine modellhate Kulturlandschat zu lichtmuseen und die damit einhergehen- ihre Leidenschaft für
Auch an allen Feiertagen geöfnet
schafen, wie sie an diesem Ort vor 800 de ideologisch instrumentalisierte Ar- »Living History«.
www.liebermann-villa.de
Jahren ungefähr ausgesehen haben dürf- chäologie. Doch der Plan wurde nicht auf-
te. Dazu gehört auch ein kleines Stück um- gegeben. Der 1975 gegründete »Förder- Pfaueninsel im Wannsee
Pfaueninselchaussee 100, 14109 Berlin
grenzter »Urwald«, der fortan vom Men- kreis des Museumsdorfes Düppel e. V.«
Die Fähre verkehrt in der Regel alle
schen unberührt bleiben soll. Der ange- baute die ersten Häuser auf und organi- 15 Minuten.
baute Roggen wiederum stammt aus ei- sierte noch im selben Jahr einen Tag der
Schlossbesichtigung nur mit Führung:
ner Erhaltungszucht; das Feld wird in ofenen Tür. Rund 10 000 Berliner be- www.pfaueninsel.info
Dreifelderwirtschat geführt und mit mit- suchten das rekonstruierte Dorf; schon
telalterlichen Geräten bearbeitet. Schon bald hatte der Verein 600 Mitglieder. Die Fischerhütte am Schlachtensee
bevor die Besucher das hinter einem ho- Bevölkerung war ofensichtlich begeis- Fischerhüttenstraße 136, 14163 Berlin

hen Palisadenzaun gelegene Dorf über- tert, und der Förderkreis hatte die nötige Historisches Gasthaus von 1723, direkt am
haupt betreten haben, fühlen sie sich weit öfentliche Akzeptanz erreicht, um das Ufer des Schlachtensees. Beliebtes Ausflugs-
ziel, bestehend aus denkmalgeschützter
entfernt von Großstadt und Gegenwart. Museumsdorf dauerhat weiterführen zu
»Alter Fischerhütte« mit Weinhandlung und
Wie konnte es zur Entstehung eines solch können. Restauration, Restaurant mit Sonnenterrasse,
außergewöhnlichen Ortes inmitten einer Biergarten sowie gemütlicher Bar mit Lounge.
Metropole kommen? Vom Leben im Dorf www.fischerhuette-berlin.de
Hinter dem Palisadenzaun reihen sich
Museum zum Anfassen mehrere Häuser hufeisenförmig um einen N Grunewald
Ende der 1960er Jahre begannen unter großen Platz. An den Wochenenden
su

herrscht hier reges Treiben: Die Dorbe-


Av

Leitung des Prähistorikers Adriaan von S


DAHLEM
Müller erste Grabungen. Die Archäologen wohner, in lange mittelalterliche Gewän- KLADOW vel 115
Ha Botanischer Garten
hoten, Spuren einer Siedlung aus dem der gekleidet, gehen alltäglichen Aufga-
12. bis 13. Jh. zu entdecken. Mit Erfolg: Sie ben nach. Aus Zweigen und Ruten flech- Fischerhütte
Wannsee Schlachtensee
legten Hausgrundrisse, Brunnen, Palisa- ten sie Weidenkörbe, schnitzen Schalen
Pfaueninsel
den und Alltagsgegenstände aus der Zeit und Löfel aus Holz. In der Töpferei formen Schloss
von ca. 1170 bis 1220 frei. Irgendwann sie Gefäße aus Keramik und brennen die- Liebermann-Villa ZEHLENDORF
keimte die Idee auf, ein archäologisches se in Öfen; in der historischen Schmiede WANNSEE Museumsdorf Düppel
Experimentierfeld sowie ein lebendiges stellen sie Äxte und Messerklingen her.
Museum zu schafen – zum Angucken, Abseits der Häuser trit der Besucher KLEINMACHNOW
aber auch zum Anfassen. Die Häuser soll- auf die etwas »anderen« Dorfmitglieder:
ten wiederaufgebaut und die Geräte und Zwei Hinterwälder Ochsen grasen auf der
Handwerke des Mittelalters den küntigen Weide, während vom schlafenden Fritz, TELTOW

Besuchern vorgeführt werden. Mit dieser dem Weideschwein, lediglich der Rüssel STAHNSDORF
BABELSBERG
Idee, so unspektakulär sie uns heute er- aus der ofenen Stalltür ragt. Auch Skud-
scheinen mag, waren die Wissenschatler den, Schafe einer mittelalterlichen Ras-

AiD 5 | 2018 69
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se, werden hier gehalten; die Bewohner Im Museumsdorf Düppel wird das Mit- ben. Erst im Mai 2018 wurde die völlig neu
verarbeiten die Wolle zu Garn und Stofen. telalter nicht nur gelebt, sondern auch überarbeitete Dauerausstellung eröfnet.
Stets sind die Besucher nah am Ge- erforscht. Hauptsächlich gibt es Projekte Harte Fakten wurden mit persönlichen
schehen und können jedem bei der Ar- der Experimentellen Archäologie – in Schilderungen zum Alltag im Mittelalter
beit über die Schulter schauen. Auch ein Deutschland bis vor wenigen Jahren ein verknüpt. So unterstützte ein Märchen-
Blick in die urigen Häuser mit den niedri- noch recht seltenes Spezialgebiet. Dazu erzähler die fiktiven Dorbewohner bei ih-
gen Reetdächern lohnt sich, um ein Ge- gehören z. B. die Analyse von Teer- und ren Geschichten, die sich Besucher an
fühl für das Leben im Mittelalter zu be- Pechproben sowie vergleichende Studi- mehreren Stationen anhören können. Hier
kommen. Die Dorbewohner – dazu ge- en zu Abnutzungsspuren auf Reibsteinen wie auch an den verständlich geschriebe-
hören auch ganze Familien mit ihren Kin- aus Basalt; solche Projekte finden zumeist nen Infotafeln zeigt sich, wie attraktiv die
dern – sind ehrenamtlich tätig. Sie alle in Kooperation mit Universitäten und an- Schau für Alt und Jung gestaltet worden
verbindet ihre Leidenschat für »Living deren Freilichtmuseen statt. Zudem ar- ist. Das aktuelle Schlagwort »Nachhaltig-
History«, die möglichst realistische Dar- beitet das Museumsdorf mit Schulen zu- keit« ist im Museumsdorf ebenfalls ange-
stellung historischer Lebenswelten. In Ar- sammen. So durten Schüler etwa beim kommen und wird küntig eine verstärk-
beitsgruppen eignen sie sich Wissen zu Aussäen des Roggens mithelfen. te Rolle bei der Vermittlung spielen. So
Handwerk und Landwirtschat des Mit- Das Museumsdorf bietet eine span- soll bei der neu geplanten Beschilderung
telalters an und vertiefen diese Expertise nende Reise in die Vergangenheit; den- im Außenbereich etwa das aktuelle Bie-
auf Fortbildungen. noch ist die Zeit hier nicht stehen geblie- nensterben thematisiert werden.

Die Milseburg
»Perle der Rhön« Von Frank Verse

Während der Hallstatt- und Latènezeit war und ist von einem Buchenhochwald be- Die eisenzeitliche Besiedlung setzte
die Milseburg ein bedeutendes Zentrum in der deckt, aus dem das steinerne Gipfelareal um 600 v. Chr. während der mittleren
herausragt. Im Wald und auf den Block- Späthallstattzeit ein. Darauf deuten Fun-
hessischen Rhön. Mit zuletzt über 45 ha befes- schutthalden haben sich seltene, vom de vom Podium der Zentralanlage hin,
tigter Fläche zählt sie zu den keltischen Oppi- Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzen- etwa eine bronzene Paukenfibel mit ge-
da. Heute ist der Berg ein beliebtes Ausflugs- arten angesiedelt. Daher zählt der Berg triebener Pauke oder eine eiserne ge-
seit einigen Jahren zu den Kernzonen des kröpte Nadel. Dort wurden aber auch
ziel und Teil des Biosphärenreservats Rhön. Biosphärenreservats Rhön. Relikte aus jüngeren Perioden geborgen,
z. B. ein bronzener Armring mit abgesetz-
Über 500 Jahre Zentrum der Rhön ten Enden, Teile eines fünfrippigen Glas-
Mit 835 m ist die Milseburg eine der mar- Erste Siedlungsspuren datieren in die Ur- armrings oder eine Fibel vom Typ Beltz J.
kantesten Erhebungen der Rhön. Der Berg nenfelderzeit. Sie stammen vom Ostfuß Die Keramik deckt ein zeitliches Spektrum
ist durch steil abfallende Felswände im der Anlage, wo zu dieser Zeit ofenbar von der Hallstatt- bis zur Spätlatènezeit
Westen sowie mächtige Blockschutthal- mehrere Terrassen im flachen Hangbe- ab. Zudem fanden sich Wafen und Gerä-
den natürlich geschützt, und mit der Gan- reich angelegt worden waren. Die urnen- te wie Lanzenspitzen, Schwertfragmente,
Am Ostwall wurde ein
golfsquelle war sogar die Wasserversor- felderzeitliche Keramik passt zeitlich zu Messer, Beile oder zahlreiche Reibstein-
Teil der Mauer rekon-
gung der Kernanlage sichergestellt. Heu- struiert. Ein archäolo-
einer bronzenen Lanzenspitze und einer fragmente. Textilverarbeitung wird durch
te gehört die Milseburg zu den bedeu- gischer Lehrpfad führt Tasse, die am Delzenhof nordwestlich der Spinnwirtel und das Fragment einer Garn-
tendsten Naturdenkmälern der Region zum Gipfel. Milseburg entdeckt wurden. spule belegt.
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Freilichtmuseum Konrad-Zuse-Museum Hünfeld Konrad Zuse HÜNFELD


»Rhöner Museumsdorf« Kirchplatz 4–6, 36088 Hünfeld Museum

ne
Schloßstraße, 36142 Tann (Rhön) www.zuse-museum-huenfeld.de/ Nüs NÜST TAL Freilichtmuseum TANN

Hau
N t
»Rhöner Museumsdorf«
Rhöner Bauernhäuser und Geschichte Umfangreiche Sammlung zur Geschichte
zum Anfassen. des Altkreises Hünfeld. Eine eigene Abteilung S Haune-

ter
Talsperre Hessische

Uls
beschätigt sich mit dem Leben und Werk 7
Biosphärenreservat Rhön
Milseburgradweg Konrad Zuses, dem Erfinder des Computers
Informationen zu den Sehenswürdig- HOFBIEBER
HILDERS
keiten entlang der Strecke finden Sie auf Wasserkuppe
PETERSBERG Kunststation Kleinsassen
www.milseburgradweg.de Hessens höchster Berg, mit Deut-
Vonderau Museum Fulda Milseburg
schem Segelflugmuseum und Sommer- Pfundsmuseum
FULDA KÜNZELL
Vonderau Museum Fulda rodelbahn, inmitten des UNESCO-Bio- DIPPERZ Kleinsassen e.V.
Jesuitenplatz 2, 36037 Fulda sphärenreservats Rhön.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Vorgeschichte Museum Schloss Fasanerie Wasserkuppe
www.wasserkuppe-rhoen.de EHRENBERG
EICHENZELL
des Landkreises Fulda, mit zahlreichen Ex- www.segelflugmuseum.de
ponaten zur keltischen Besiedlung, v. a. zur www.sommerrodelbahnen-wasserkuppe.de POPPENHAUSEN
Fuld
Milseburg. a
www.biosphaerenreservat-rhoen.de

Demnach war das Podium wohl über sarmringe oder Drehscheibengefäße – Links: Aussicht von gionale Komponente darstellen. Insge-
500 Jahre besiedelt. Zahlreiche Gruben zählt die Milseburg zu den Oppida. der Wasserkuppe, dem samt entspricht das Fundspektrum je-
höchsten Berg Hessens,
und Pfostenlöcher wurden entdeckt, al- Die Milseburg lag an der nördlichen doch dem umgebenden Mittelgebirgs-
auf die Maulkuppe (links)
lerdings ließen sich bislang keine kom- Peripherie der Hallstatt- und Latènekul- und die Milseburg
raum. Diese Entwicklung setzte sich auch
pletten Grundrisse rekonstruieren. Darü- tur und bildete einen Siedlungsmittel- (rechts). in der Mittel- und Spätlatènezeit fort,
ber hinaus weisen Stellen mit verziegel- punkt, der sich als wichtiger Handwerks- allerdings machten sich nun zunehmend
tem oder gebranntem Lehm auf ehema- und Handelsplatz etabliert hatte. Ledig- Rechts: Milseburg, Kontakte nach Norden und Osten bemerk-
Blick über den Ostwall
lige Ofen- oder Herdstellen hin. lich während der Frühlatènezeit war die bar, was u. a. die Fibel vom Typ Beltz J be-
auf den Geisstein.
Während der Mittel- und Spätlatène- Region unmittelbarer Bestandteil der La- zeugt. Damit dürte die Milseburg ein
zeit erfolgt eine deutliche Ausweitung der tènekultur. Das Fundmaterial der Milse- wichtiger Kristallisationspunkt gewesen
Siedlungsfläche. Zunächst wird eine burg bringt das kulturelle Spannungs- sein, an dem sich die kulturelle Entwick-
mächtige Mauer am Ostfuß der Milseburg feld während der Hallstattzeit zum Aus- lung der nordmainischen Mittelgebirgs-
errichtet. Erst danach dürten die Befes- druck: Die Paukenfibel war hauptsächlich zone im Spannungsfeld zwischen nördli-
tigungen im Westen gebaut worden sein, in Franken und der Oberpfalz verbreitet, chen und südlichen sowie westlichen und
da dafür die ältere Ostmauer nach Norden die gekröpten Nadeln v. a. im Mittelge- östlichen Einflüssen ablesen lässt.
erweitert werden musste. Indizien für die- birgsraum und den nördlich anschließen- Heute ist die Milseburg eines der be-
se Annahme sind Keramik und ein bron- den Gebieten. liebtesten Ausflugsziele der Rhön. Besu-
zener Zügelring. Zu dieser Zeit war die In der Hallstatt- und Frühlatènezeit cher können ihre Geschichte mithilfe
Anlage mit 45 ha Gesamtfläche die größ- überwogen insgesamt die Einflüsse aus eines archäologischen Wanderpfads er-
te Befestigung der Rhön. Auch wenn das den südlich und westlich gelegenen Kul- kunden, der die Entwicklung der Eisenzeit
Sachgut eher im Mittelgebirgsraum ver- turräumen (Armring mit abgesetzten im Allgemeinen und der Milseburg im Be-
hatet ist und wichtige Elemente der kel- Enden, Drehscheibenkeramik und Stem- sonderen anschaulich erklärt. Eine Re-
tischen Oppidakultur fehlen bzw. nur spär- pelmuster), während Gefäße mit hessisch- konstruktion am Ostwall veranschaulicht
lich vorhanden sind – z. B. Münzen, Gla- thüringischer Strichverzierung eine re- die früheren Befestigungsanlagen.

AiD 5 | 2018 71
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Wissenswert
Zweimal »Berggeschrey« – Fach-
tagungen zur Montanarchäologie
Die reichen Erzvorkommen des Sieger-
lands hat der Mensch in den verschiede-
nen Epochen immer wieder aufgesucht
und erschlossen. Erforschung und Pflege
der montanarchäologischen Stätten wur-
den im Frühling dieses Jahres auf zwei
Tagungen in Hilchenbach-Müsen und
Wilnsdorf diskutiert. Der Titel »Bergge-
schrey« nimmt Bezug auf die mittelalter-
liche Bezeichnung der ersten Hochphase
des mitteleuropäischen Bergbaus, der vor
allem der Gewinnung von Silber und Kup-
fer galt.
Die Tagungen wurden von den Ver-
bänden Altenberg & Stahlberg e. V. Mü-
sen und dem Verein für Siegerländer Berg-
bau e.V. organisiert und mit Unterstüt-
zung der LWL-Archäologie für Westfalen vollzogen werden kann. Es istnun möglich, Digitale Rekonstruktion
und dem Deutschen Bergbau-Museum das fotorealistische Modell am Compu- der Burg Scharzfels um
1700.
Bochum realisiert. Neben den archäolo- ter, auf dem Smartphone oder Tablet so-
gischen Ergebnissen fokussierten beide wie mittels Virtual-Reality-Brille zu er-
Tagungen den vergleichenden Einsatz kunden. Zudem wurde ein Dokumentar-
verschiedener Dokumentationsmetho- film von zehn Minuten Dauer produziert,
den. | Manuel Zeiler der die Burg Scharzfels im Zustand um
Beim Scannen den nicht 3D-Animation Burg 3D-Animation Burg
etwa 1700 zeigt. Das informative Ange- benötigten QR-Code am Scharzfels (lowres für Scharzfels (hires für
Scharzfels – digitale Rekonstruk- bot ist seit Juni 2018 kostenlos im Inter- besten abdecken: Smartphone optimiert). Tablet optimiert).
tion einer mittelalterlichen Burg net unter der Adresse www.scharzfels.
Im Rahmen eines mit öfentlichen und pri- info/ mobile erreichbar.
vaten Mitteln geförderten Projektes wur- Grundlage für die aufwendige Rekon- nen und Stiche der Burg. Aus historischen
de die Burg Scharzfels bei Bad Lauterberg struktion sind hochauflösende Laserscan- Texten konnte der Zustand der Burg in der
im Harz von der Firma ARCHAEOLOGICA daten, Satellitenbilder und historische Zeit um 1700 recherchiert werden, als die
digital rekonstruiert, sodass die bewegte Pläne unter anderem aus dem Haupt- Anlage wahrscheinlich gleichzeitig alle re-
Geschichte des Platzes interaktiv nach- staatsarchiv Hannover sowie Illustratio- konstruierten Gebäudeteile in funktions-
fähigem Zustand umfasste. Ergänzend
hat man architektonische Details aus ver-
gleichbaren Festungen und Schlössern
der Region analysiert und plausible Merk-
male, die nicht für die Burg Scharzfels
dokumentiert waren, in die Rekonstrukti-
on eingearbeitet. | AiD

Rätselhates Steingerät
Das Archäologischen Museums Hamburg
stellt ein rätselhates Objekt auf seiner
Webseite und bei Facebook vor: eine ge-
pickte und geschlifene Scheibe aus Fels-
Maschinenhalle des Sil- gestein mit einem Durchmesser von gut
berbergwerks »Grube 10 cm. An der breitesten Stelle verläut
Landeskrone« in Wilns- eine Rille, außerdem sind die beiden Po-
dorf, Kreis Siegen-Witt-
le in Form flacher Schälchen hohl ge-
genstein. Die Grube wur-
de von den Teilnehmern
schlifen. Das Objekt ist ein Geschenk der
der Tagung »Wilnsdorfer Borsteler Schule in Winsen (Luhe) aus dem
Berggeschrey« befahren. Jahr 1938.

72 AiD 5 | 2018
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Funde dieser Art sind zwar selten, doch Menschliche Knochen Woher stammt die Lepra?
das Museum hat immerhin fünf davon in verformt durch Lepra. Forscher des Max-Planck-Instituts für
Oben: Schädel vom
seinem Bestand. Die Steingeräte sind Menschheitsgeschichte sowie der Uni-
Friedhof St. Jørgen in
chronologisch nur schwer einzuordnen. In Odense, Dänemark, 1270 versitäten Tübingen und Zürich unter-
Anlehnung an die so genannten Schäl- bis 1560. Unten: Der suchten Proben von etwa 90 Individuen
chen- und Rillensteine werden sie in die älteste Krankheitsfall mit für Lepra charakteristischen Kno-
Stein- und Bronzezeit datiert, also in die Großbritanniens datiert chenverformungen. Die Funde stammen
in die Jahre 415 bis
Zeit von 4000 bis 1200 v. Chr. In Fleestedt aus Europa und datieren in die Zeit von
545 n. Chr.
soll eines der Objekte in der Steinpackung 400 bis 1400 n. Chr.
einer jungbronzezeitlichen Urne gefun- Anders als bisher angenommen, gab
den worden sein – die Überlieferung ist es im Mittelalter in Europa nicht nur zwei
aber ziemlich unsicher. Lepra-Bakterienstämme: Aus den Proben
Rätselhat bleibt, wozu diese Stein- wurden zehn mittelalterliche Genome re-
scheiben dienten. Man hat sie schon als konstruiert. Sie umfassen alle bekannten
Keulenkopf oder Netzsenker bezeichnet. Stämme der Erreger, auch solche, die heu-
Der Fantasie sind mangels sicherer Fund- te in Asien, Afrika oder Nord- und Süd-
umstände keine Grenzen gesetzt. Das Ar- amerika autreten. Die Ergebnisse legen
chäologische Museum Hamburg fordert nahe, dass Lepra einige Tausend Jahre alt
ausdrücklich dazu auf, sich am Rätselra- ist und schon in der Antike in Asien und
ten zu beteiligen und Vorschläge machen, Europa existierte. Die Krankheit könnte
was das wohl sein könnte. | AiD ihren Ursprung im westlichen Eurasien
haben.
Aus Great Chesterford in England
stammt das älteste sequenzierte Genom
und wird in die Jahre 415 bis 545 n. Chr. 42. Sitzung des Welterbekomitees
datiert. Es gehört zum gleichen Lepra- in Bahrain
Stamm, der in heute lebenden Eichhörn- Auf seiner diesjährigen Sitzung Ende Juni
chen entdeckt wurde. Das stützt die Hy- in Bahrain hat das Komitee der UNESCO
pothese, dass Eichhörnchen und der Han- mehrere archäologische Stätten in die Lis-
del mit ihren Fellen zur Ausbreitung der te des Weltkulturerbes aufgenommen:
Lepra unter den Menschen des Mittel- Haithabu in Schleswig-Holstein (S. 7), die
alters in Europa beitrugen. Lepra war in Kalifenstadt Madinat al-Zahra bei Córdoba
Europa bis ins 16. Jh. weit verbreitet und in Spanien und den neolithischen Fund-
ist bis heute in vielen Ländern der Welt platz am Göbekli Tepe in der Türkei.
Rätselhaftes Steingerät
endemisch. Weltweit werden jedes Jahr Madinat al-Zahra wurde 936 n. Chr. von
aus dem Magazin des
mehr als 200 000 Neuerkrankungen ge- Abd al-Rahman III. als Hauptstadt des
Archäologischen Muse-
ums Hamburg, Durch- meldet. Hauptverursacher ist das Bakte- westumayadischen Kalifats gegründet.
messer 10 cm. rium Mycobacterium leprae. | AiD Nach nur 80 Jahren wurde die Kalifenstadt

Foto: Michael Kienzler

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MAGDALENEN
BERG
Den größten frühkeltischen Grabhügel Mitteleuropas
mit allen Sinnen erleben!

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AiD 5 | 2018 73
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Wissenswert

wieder verlassen. Ihre Überreste sind des- Jetzt Weltkulturerbe schichte barrierefrei erlebbar machen. Bereits jetzt verfügt das MiQua über ein
halb bemerkenswert gut erhalten. Seit aufgrund seiner guten Bauherrin des rund 77 Millionen Euro teu- ganz außergewöhnliches Exponat: Ge-
Erhaltung: Kalifenstadt
2017 beteiligt sich das Deutsche Archäo- ren Museums ist die Stadt Köln, betrei- meinsam mit dem Joods Historisch Muse-
Madinat al-Zahra bei
logische Institut in Madrid gemeinsam Córdoba in Spanien, hier ben wird es der Landschatsverband um in Amsterdam hat der LVR den »Ams-
mit weiteren Institutionen aus Spanien, die große Portikus. Rheinland (LVR). terdam Machsor« erworben: Die hebräi-
Deutschland, Frankreich, Großbritannien Im Beisein von 200 Gästen befüllten sche Handschrit aus dem 13. Jh. stammt
und Japan an Projekten in Madinat al-Zah- Oberbürgermeisterin Henriette Reker, ursprünglich aus Köln und beschreibt den
ra. Göbekli Tepe entstand im 9. Jt. v. Chr., Ministerpräsident Armin Laschet, Prof. Jür- für die Stadt spezifischen jüdischen Ritus.
als die Jäger und Sammler im fruchtba- gen Wilhelm sowie Prof. Wolfgang Lorch Sie gehört zu den ältesten noch erhalte-
ren Halbmond zu Ackerbau und Viehzucht den Grundstein mit tagesaktuellen Zei- nen hebräischen illuminierten Manuskrip-
übergingen. Dort forscht das Deutsche Ar- tungen, Bauplänen für das MiQua, Mün- ten im deutschsprachigen Raum.
chäologische Institut seit 1995 in Koope- zen sowie drei originalen Artefakten: ei- | AiD
ration mit dem Museum in Urfa. | AiD nem römischen Ziegelfragment, einer mit-
telalterlichen Schiefertafel sowie einem Hügelgrab im Süßen See bei Halle?
Grundstein gelegt: zur Unkenntlichkeit verschmolzenen Glas- Mithilfe einer Unterwasserdrohne wurde
Jüdisches Museum in Köln gegenstand aus dem Zweiten Weltkrieg. der Grund des Süßen Sees westlich von
Am 28. Juni wurde in Köln der Grundstein Halle nach archäologischen Funden ab-
für ein bundesweit einmaliges Museum getastet. Dabei konnten vermutlich die
gelegt. Vor dem historischen Rathaus ent- Reste eines Hügelgrabes geortet werden.
steht das »MiQua. LVR-Jüdisches Museum Das würde bedeuten, dass dieser Bereich
im Archäologischen Quartier Köln«. Der vor mehreren Tausend Jahren noch nicht
Bau bildet gleichsam eine Hülle für eini- überflutet war. Die kreisförmige Anlage
ge der bedeutendsten Funde der Kölner mit einem Durchmesser von 6 m liegt heu-
Stadtgeschichte, die Teil der zuküntigen te in 4 m Tiefe. Zudem wurden an einer
Ausstellung sind. Das Museum soll 2021 anderen Stelle des Seegrundes in einem
eröfnet werden. Das MiQua wird dann mit Radius von 20 m kreisförmig angeordne-
Der Grundstein für das
dem Praetorium und dem mittelalter- te Löcher entdeckt – vermutlich Reste von
geplante Museum zur
lichen jüdischen Viertel sowie dem Gold- jüdischen Kultur in Köln
Pfahlbauten.
schmiedeviertel in einem 600 m langen wurde in der Dombau- Der Süße See ist neben dem Arendsee
Parcours über 2000 Jahre Kölner Ge- hütte gefertigt. in der Altmark der größte natürliche See

74 AiD 5 | 2018
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Sachsen-Anhalts. Er liegt etwa 20 km west- Autoren dieses Hetes Impressum


lich von Halle, ist 4,9 km lang, maximal Herausgeber
Verband der Landesarchäologen in der Bundes-
knapp 1 km breit und erreicht stellenwei- Forschung republik Deutschland: Prof. Dr. Michael Rind,
Prof. Dr. Franz Schopper, Dr. Regina Smolnik,
se eine Tiefe von 7 m. Mit dem »Autono-
Dr. Christiane Hemker, Dipl.-Arch. Matthias Schubert, Prof. Dr. C. Sebastian Sommer, Prof. Dr. Claus Wolf
mous Underwater Vehicle«, der rund 2 m und WBG: Dr. Beate Varnhorn, Prof. Dr. Dieter Planck.
Landesamt für Archäologie Sachsen.
langen, torpedoförmigen Unterwasser- Wissenschaftlicher Beirat
Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, Prof. Dr. Ni-
drohne, konnte der gesamte Grund des cholas Conard, Prof. Dr. Heinz Günter Horn, Prof. Dr.
Matthias Knaut, Prof. Dr. Dirk Krausse, Prof. Dr. Jür-
«Süßen Sees» elektronisch erfasst wer- Weltweit gen Kunow, Prof. Dr. Harald Meller, Prof. Dr. Carola
den. Das Ostende des Sees war in der spä- Metzner-Nebelsick, Prof. Dr. Matthias Wemhoff.
Prof. Dr. Claudia Theune, Universität Wien.
ten Bronzezeit bis in die frühe Eisenzeit Redaktion
Verantwortlicher Redakteur: Dr. Martin Kempa,
vor rund 3000 bis 2600 Jahren dicht be- E-Mail: kempa@wais-und-partner.de. Allgemeiner
siedelt. Außerdem liegen am südlichen Thema Teil: Dr. Erwin Keefer, Dr. Martin Kempa, Tina Stein-
hilber M.A., André Wais. Anschrift der Redaktion:
Ufer drei ehemalige mittelalterliche Sied- PD Dr. Barbara Armbruster, Laboratoire TRACES-UMR 5608 Verlagsbüro Wais & Partner, Reinsburgstraße 104,
70197 Stuttgart, Telefon 0711 621803, Fax 0711
lungen aus dem 13./ 14. Jh. 6150340, E-Mail: steinhilber@wais-und-partner.de.
CNRS, Université de Toulouse Jean Jaurès;
| Thomas Schöne Aktuelles aus der Landesarchäologie: Dr. Martin
Kempa für den Verband der Landesarchäologen in
Dr. Michael Brauns, Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, der Bundesrepublik Deutschland c/o Verlagsbüro
Wais & Partner, Stuttgart.
Schatzsucher im Fadenkreuz Mannheim;
Auslandskorrespondenten
Die Staatsanwaltschat Ellwangen ermit- Italien: Dr. Alessandra Giumlia-Mair, Meran; Frank-
Ivana Puljiz, Universität Tübingen; reich: Dr. Gilles Pierrevelcin, Strasbourg; Russland,
telt gegen zwei Militaria-Sammler aus
Polen, Ungarn, Rumänien, Tschechien, Slowakei,
dem Ostalbkreis in Baden-Württemberg Dr. Birgit Schorer, Archäologin, Herrenberg; Moldawien, Ukraine, Bulgarien, Albanien, Makedo-
nien: Dr. Alexandru Popa, Frankfurt/M.; Irland, Groß-
wegen Unterschlagung. Die Beschuldig- britannien, Niederlande, USA: Dr. David G. Wigg-
PD Dr. rer. nat. Roland Schwab, Curt-Engelhorn-Zentrum Wolf, Frankfurt/M.; Österreich, Schweiz, Liechten-
ten hatten im Sommer 2017 mit der Me-
Archäometrie, Mannheim; stein, Slowenien, Kroatien: Dr. Erwin Keefer, Stutt-
tallsonde etwa 10 000 Silbermünzen aus gart; Nordeuropa und Baltikum: Dr. Natascha Meh-
ler, Bremerhaven.
dem Mittelalter entdeckt und den Schatz Prof. Dr. Thomas Stöllner, Deutsches Bergbau-Museum
Verlag
zunächst untereinander aufgeteilt. Mona- Bochum / Ruhr-Universität Bochum; WBG, Hindenburgstraße 40, 64295 Darmstadt.
te nach der Bergung meldete sich einer Die WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
ist ein wirtschaftlicher Verein gem. § 22 BGB durch
der Finder beim Landesamt für Denkmal- staatliche Verleihung des Landes Hessen und wird
Europa 1 im Register der Stadt Darmstadt geführt.
pflege. Bei einer Überprüfung erkannten Chefredaktion Zeitschriften: Holger Kieburg, Marke-
Mitarbeiter des Amtes den außerge- Dr. Manuel Fernández-Götz, University of Edinburgh; ting / Vertrieb Zeitschriften: Alexandra Swart.

wöhnlichen Charakter des Fundes und in- Anzeigenverwaltung


Christoph Salzmann M. A., Carmen Maria Stähler, Prof. Dr. Félix Agentur Hanne Knickmann, Büro für Branchen
formierten das Landeskriminalamt. Da- kommunikation, Römerstraße 45, 69115 Heidelberg,
rauhin schaltete sich die Staatsanwalt- Teichner, Philipps-Universität Marburg. Telefon 06221 67342-50, Fax 06221 67342-51,
hk@hanne-knickmann.de
schat ein. www.hanne- knickmann.de

Der Schatz wurde auf der Gemarkung Europa 2


Gestaltung und Herstellung
Tanja Krichel, Verlagsbüro Wais & Partner, Stuttgart
Ellwangen gefunden und umfasst Silber-
PD Dr. Orsolya Heinrich-Tamáska, Leibniz-Institut für Druck
münzen aus dem 13. bis 14. Jh. Es handelt Neue Süddeutsche Verlagsdruckerei Ulm
sich um einen der größten Münzfunde des Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), Leipzig;
Reproduktionen
D\D\S Digital Data Service Lenhard, Stuttgart
Spätmittelalters in Baden-Württemberg Dr. Roland Prien, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
Bezugspreis und Bezugsbedingungen
und damit einen archäologischen Fund Jahresabonnement, sechs Hefte und zwei Sonder-
von besonderer wissenschatlicher Be- hefte 89,95 Euro (D) inkl. Porto. Für Schüler und
Studenten (gegen Nachweis): Jahresabonnement,
deutung. Die Rechtslage ist eindeutig: Kul- Report 1 sechs Hefte und zwei Sonderhefte 59,95 Euro (D)
inkl. Porto. Preis des Einzelheftes 11,95 Euro, Preis
turdenkmale von hervorragendem wis- Bernhard Häck, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, des Sonderheftes 14,95 Euro, zuzüglich Versandspe-
senschatlichem Wert werden nach dem München; sen. Preise inklusive Mehrwertsteuer. Abbestellun-
gen auf Abonnements sind schriftlich möglich un-
Denkmalschutzgesetz mit ihrer Entde- ter Einhaltung einer Frist von vier Wochen vor dem
ckung Eigentum des Landes. Zufallsfunde Prof. Dr. med. Andreas Nerlich, Institut für Pathologie, Ende des Jahresabonnements. Bei Lieferausfall in-
folge höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf
sind innerhalb von vier Werktagen bei Klinikum München-Bogenhausen. Nachlieferung oder Rückzahlung.

der Denkmalschutzbehörde oder der Ge- ISSN 0176-8522


Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfäl-
meinde anzuzeigen. Eine gezielte Suche tigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung
Report 2
ist nicht erlaubt. des Verlages. Der Verlag haftet nicht für unverlangt
Dr. Alfred Schuler, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, Titz. eingesandte Beiträge.
Informationen zum Thema Raubgra-
© WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft),
bungen und Sondengänger findet man Darmstadt
auf der Homepage des Landesamts für Sehenswert Erfüllungsort und Gerichtsstand: Darmstadt.
Denkmalpflege denkmalpflege-bw.de un- Abonnenten-Betreuung: Alle Fragen zum Bezug
Leoni Hellmayr M. A., Archäologin und freie Journalistin, Berlin; der »Archäologie in Deutschland« beantwortet
ter dem Schlagwort »Metallsondenpro-
der AiD-Abonnementservice, Postfach 1331,
spektion«. | AiD Dr. Frank Verse, Stadt- und Kreisarchäologie Fulda. 53335 Meckenheim, aid@aboteam.de

AiD 5 | 2018 75
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Bücher und Medien

Das Geheimnis Theoderich der Große Pfeil und Bogen in der Warum wir sesshaft wurden
der Keltenfürstin König der Ostgoten, römischen Kaiserzeit und uns seither bekriegen,
Der sensationelle Fund Herrscher der Römer Holger Riesch wenn wir nicht gerade an
von der Heuneburg Hans-Ulrich Wiemer Ludwigshafen: Angelika Hörnig Verlag tödlichen Krankheiten sterben
Dirk Krausse, Nicole Ebinger-Rist München: C. H. Beck 2018, 782 Seiten, 2017, 299 S., zahlr. Abb., 49,80 Euro Brenna Hassett
Darmstadt: Theiss Verlag 2018, 192 S., 46 Abb., 17 Karten, 34 Euro Darmstadt: wbg Theiss 2017, 335 S.,
151 Abb., 39,95 Euro Der durch sein Standardwerk »Pfeil und 4 s/w-Abb., 24,95 Euro
Nicht unbedingt eine Gestalt, der man Bogen zur Merowingerzeit" und weite-
Der wirklich »sensationelle« Fund des sich wie manch anderer antiken Größe re einschlägige Veröffentlichungen be- Auf den ersten Blick scheint das Buch
Fürstinnengrabes aus dem Umfeld der vor allem archäologisch nähern könn- kannte Autor legt hier mit den laut Un- aufgrund seines sperrigen deutschen
Heuneburg hat hier eine angemessene te. Theoderich, der Ostgote, Völker- tertitel »originären und überkulturel- Titels eines von vielen derzeit in Mode
Darstellung gefunden. Wie ein Krimi wanderer und letztlich Beherrscher des len Aspekten der Bogenwaffe während geratenen Schmähschriften gegen die
liest sich der Bericht über seine Ent- Weströmischen Reiches hat wenig der Antike und Spätantike« eine ge- moderne Zivilisation zu sein, doch der
deckung und die Bergung in einem lo- selbst, aber durch Zeitgenossen und wichtige und fundierte Übersicht zum englische Originaltitel »Built on Bones«
gistischen Meisterstück. In kriminalis- auch spätere schriftliche Überliefe- »Römischen« vor. Akribisch betriebene enthüllt die wahren Absichten der hier-
tischer Manier erfolgte auch die Frei- rungen über sein Leben einiges an Recherchen zu materiellen, bildlichen zulande noch wenig bekannten briti-
legung mit zum Teil eigens entwickel- Schrifttum hinterlassen; darunter auch und schriftlichen Zeugnissen der Zeit schen Forscherin Brenna Hassett. Es ist
ten Methoden. Die Beschreibung der manch Sagenhaftes. Seinen Widersa- fügen sich zu einem in dieser Fülle, ein mit typisch-englischem Humor ge-
Grabfunde wird mit ihrer Deutung ver- cher, den Westgoten Odoaker, auch ei- Sachkenntnis und Dichte bislang nicht würzter Blick auf den Menschen – oder
knüpft, darunter die Frage nach dem ne wichtige Gestalt der Völkerwande- erreichten Überblick über die Vielfalt besser gesagt: auf das, was von ihm
Verhältnis der im Hügel bestatteten rung, sandte er angeblich bei einem of- an Federwaffen im Vielvölkerstaat Im- übrig bleibt. Denn auf 13 mit originel-
zwei Frauen und des kleinen Mädchens fiziellen Treffen mit einem gewaltigen perium Romanum. Geradezu zwangs- len englischen Überschriften versehe-
zueinander. Analysen weisen alle als Schwerthieb ins Jenseits. Doch nach läufig werden dabei dessen Grenzen nen Kapiteln weiht die Autorin den Le-
Einheimische aus. Rätselhafte Verla- dieser martialischen Tat brachte er der überschritten: Erst anhand der z. B. bei ser in die Methoden und Ergebnisse
gerungen von Teilen des Grabinventars Apenninhalbinsel eine friedliche Zeit, Dakern, Parthern, Griechen, Kelten, der Bioarchäologie ein, die anhand
erklären sich durch Verfallsprozesse in der sich die Städte und auch die Germanen, Sarmaten oder Hunnen menschlicher Knochen und den an ih-
des Grabes. Die zeitliche Einordnung Menschen auf dem Lande von den ger- vorhandenen eigenständigen Traditi- nen befindlichen Spuren und Verän-
wird durch die Kammerhölzer auf 583 manisch-römischen Kriegswirren nach- onsstränge in der Kunst des Bogen- derungen die Lebens- und Todesum-
v. Chr. präzisiert. haltig erholen sollten. So ging er mit schießens und -baus wird der Facet- stände sowohl einzelner Individuen als
Neuesten Erkenntnissen folgt die einigen Widersprüchen doch als posi- tenreichtum während der römischen auch ganzer Gemeinschaften und Kul-
Einbindung der Heuneburg in ihre Zeit, tive Gestalt unter den germanischen Kaiserzeit verständlich. turen der Vergangenheit rekonstruiert.
aber auch der Blick auf die Spätzeit und Eroberern in die Geschichte ein. Das Weitere Themen handeln u. a. von Dabei ist der historische Bogen weit
das Ende. Höhenbefestigungen im Um- Buch schildert detailreich mit vielen der Typenkunde und Funktion kaiser- gespannt und reicht von den Jägern
feld der frühen Stadt, die mit dem von historischen Schriftzitaten die Zeit der zeitlicher Pfeilspitzen samt experi- und Sammlern bis ins 20. Jh., nimmt
Herodot erwähnten Pyrene identifi- Goten vom 3. Jh. bis weit ins 6. Jh. hinein. menteller Forschungen zur Wirkungs- Bewegungs- und Ernährungsgewohn-
ziert wird, lassen die »Fürst(inn)ensit- Wie hat er aber ausgesehen, unser weise von Bogenpfeilen. Auch Köcher, heiten ebenso in den Blick wie Krank-
ze« in auch gewagten Ausblicken in »Held«? Nun wird’s eben doch archäo- Kleinteile unterschiedlichster Art, Pfle- heiten und Verletzungen oder Epide-
neuem Licht erscheinen: als Mitglie- logisch, denn ein Sensationsfund aus gemittel oder die Behandlung und The- mien, Hinrichtungsarten und Bestat-
der der antiken Hochkulturen mit weit- dem Jahre 1894, eine zur Scheibenfibel rapie von Pfeilschusswunden finden tungsformen.
reichenden Beziehungen. Auch aus an- umgearbeitete Goldmünze, den man Rieschs Interesse. Das Experimentelle Ein pfiig geschriebenes Buch,
deren Gräbern offenkundig, wird die bei Feldarbeiten in der Provinz Ancona kommt keineswegs zu kurz, doch stellt dass neben der Vielfalt der erschre-
besondere Stellung keltischer Frauen gemacht hat, trägt das einzige be- dieses Werk keine leicht konsumierer- ckenden, meistens selbstverschulde-
durch die Geschichte verfolgt. Am En- kannte zeitgenössische Bild Theode- bare Anleitung zum Bau eines römer- ten, aber auch natürlichen Ursachen
de helfen »Zeitgenoss(inn)en« des 6. Jh. richs. Der Tradition römischer Kaiser, zeitlichen Bogens dar – wer dies er- für Wohl und Wehe der Menschheit
v. Chr. bei der historischen Einordnung. sich durch unzählige Porträtbüsten ins wartet, greift zu kurz. Holger Riesch auch die positive Erkenntnis resümiert,
Alles wird durch meist großformatige Licht der Öffentlichkeit zu rücken, hat nimmt uns vielmehr mit auf eine an- dass unsere Spezies in ihrer Entwick-
Fotografien und Rekonstruktionen er sich nämlich nicht angeschlossen. spruchsvolle und lohnende For- lung im Grunde auf einem guten Weg
hervorragend illustriert. | AW schungsreise in die Antike Europas, des ist. | Niklot Krohn
| Frank Unruh Nahen und des Mittleren Ostens. | EK

76 AiD 5 | 2018
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Bei der Redaktion eingetroffen vom Museum betreuten archäologi-


schen Fundplätzen vorgestellt. Die
St. Moritz – Mauritiusquelle Bandbreite der sieben wissenschaftli-
Die bronzezeitliche Quellfassung chen Abhandlungen reicht von der Fe-
Monika Oberhänsli dermesserzeit über Bronzezeitliches
Chur: Archäologischer Dienst Grau- bis ins Mittelalter.
bünden 2017, 308 S., zahlr. s/w und
farb. Abb., 47,50 Euro Antike Schmelztiegel –
Sehr detaillierte Präsentation der Fun- Archäologie und Archäometrie
de und Befunde mit fantastischen Fo- der Funde aus Augusta Raurica
tos der Holzoberflächen und Beschrei- Beiträge zur Technikgeschichte
bung der experimentalarchäologischen Band 1, Alex R. Furger (Hrsg.)
Versuche. | Wulf Hein Basel und Frankfurt a. M.: LIBRUM
2017, 388 S., zahlr. teils farb. Abb.,
Der Pergamonaltar 85 Euro
Versunkene Welten Kult, Kunst, Konsum Antikensammlung Berlin Faszinierend, was sich aus den zur Me-
und wie man sie findet Tiere in alten Kulturen Darmstadt: Zabern Verlag 2018, 76 S., tallverarbeitung verwendeten Tiegeln
Auf den Spuren genialer Entdecker Tanja Pommerening, zahlr. meist farb. Abb. und den an ihnen festgestellten Spu-
und Archäologen Jochen Althoff (Hrsg.) Den Pergamonaltar wird man wohl vie- ren alles herauslesen lässt.
Eric H. Cline Darmstadt: Philipp von Zabern 2018, le Jahre nicht mehr im Original zu se-
München: Deutsche Verlags-Anstalt 112 S., 77 Farb- und 14 S/W-Abb., hen bekommen, weil das nach ihm be- Wüstengrenzen des Imperium
2018, 526 S., 57 S/W-Abb., 2 Karten, 24,95 Euro nannte Museum total umgebaut wird. Romanum: Der römische Limes
28 Euro Diese Broschüre kann die Zeit über- in Israel und Jordanien
Eine Ringvorlesung der Gutenberg- brücken und das monumentale Bau- Hans-Peter Kuhnen, Johanna Ritter
Eric Clines Geschichte der Archäologie, Universität Mainz behandelte einzelne werk bildlich und textlich sehr leben- Mainz , Nünnerich-Asmus Verlag 2018,
deren deutscher Titel an einen Best- Aspekte, wie Tiere bereits in früheren dig ins Bewusstsein rücken. 224 S., 213 Abb., 24,90Euro
seller von J. K. Rowling angelehnt ist, Kulturen eine wichtige Rolle für den Ein wichtiges Element der römischen
führt den Leser an Orte archäologi- Menschen spielten – sei es in Kult- Seneca und der Tyrann Weltmachtstrategie waren die die
scher Pionierleistungen rund um den handlungen, in künstlerischen Dar- Die Kunst des Mordens Grenzbefestigungen. Während sie heu-
Globus, von den Vesuvstädten Italiens stellungen oder als Konsumgüter und an Neros Hof te in Zentraleuropa als Weltkulturerbe
über die Grabmäler chinesischer Kai- Fleischlieferanten. Hier sind die voll- James Romm gepflegt werden, gerieten die Limes-
ser bis zu einem im amerikanischen Se- kommen unterschiedlichen Beiträge München: C. H. Beck 2018, 320 S., bauwerke in Arabien und Palästina
zessionskrieg gesunkenen U-Boot und reich bebildert zusammengefasst. 24 Abb., 2 Karten, 24,95 Euro eher in Vergessenheit.
weit darüber hinaus. Sie führt nicht zu- Der Umgang mit unreinen Tieren im Wie treibt man, einmal an der Macht,
letzt in den sehr persönlich geschil- Orient kommt ebenso zur Sprache wie Widersacher in den Tod. Nach dem be- Irrtümer und Fälschungen
derten Arbeitsalltag eines erfahrenen die Rolle der Tiermumien in Ägypten. kannten Schrifttum scheinen Nero und der Archäologie
Ausgräbers. Vor diesem Hintergrund Oder wie dachten griechische Philoso- sein Umfeld dies besonders gut und Westfälisches Landesmuseum Herne,
sind die Kapitel von besonderem Inte- phen über Tiere? Waren sie den Men- variantenreich beherrscht zu haben. J. Mühlenbrock, T. Esch (Hrsg.)
resse, in denen Cline praktische Fragen schen intellektuell untergeordnet oder Details historisch fundiert und span- Mainz: Nünnerich-Asmus Verlag 2018,
der archäologischen Feldforschung er- war auch bei Tieren Vernunft voraus- nend geschildert in diesem Buch. 352 S., 430 Abb., 29,90 Euro.
läutert. Der Autor widmet sich unter zusetzen? Ebenso die Römer: Kam bei Ein ganzer Ausstellungsbegleitband,
anderem aktuellen Entwicklungen wie ihren blutrünstigen Darbietungen in Die 30 bekanntesten archäologi- der mal nicht nur archäologische Er-
der Lidar-Technologie zur Geländepros- der Arena etwa Mitleid mit den Tieren schen Stätten am Gardasee und folgsstorys ausbreitet, sondern Fehl-
pektion oder dem Problem der Kultur- auf? Das Beispiel der Beja, einer Volks- in seinem Umland interpretationen und Fälschungen auf-
gutzerstörung durch Gewinnsucht und gruppe, die noch heute im Sudan lebt, Andreas Stinsky zeigt. Die bisweilen amüsanten Bei-
Fanatismus. Zudem wartet das Buch zeigt, wie Kamelhaltung ihrer Kultur Mainz: Nünnerich-Asmus Verlag 2018, träge spannen einen Bogen vom Ein-
mit einem Novum auf: Die verwen- einst zu Reichtum und Macht verhalf. 160 S., 137 Abb., 24,90 Euro horn über Lügensteine bis zu »Kujaus
deten Literaturkürzel sind nicht im Verszeilen aus dem Parzival verdeutli- Den Gardasee haben schon die Römer Sternstunde«, den berühmten Hitler-
Buch selbst, sondern offenbar auf der chen die Symbolhaftigkeit von Tieren als Erholungsregion geschätzt. Aber Tagebüchern.
Homepage des Verlags aufgeschlüsselt in Kunst und Literatur, und weitere Bei- auch viel frühere Kulturen hinterließen
(im Juli 2018 leider unauindbar) – träge erläutern die Jagd in Byzanz und hier Spuren. Dieses Buch führt den Le- Spätantike und
eigentlich eine gute Idee, zumal im die umweltverändernden Auswirkun- ser zu den interessantesten vor- und frühes Christentum
Hinblick auf die zahlreich zitierten In- gen von Tierhaltung. frühgeschichtlichen Stätten mit Aus- LVR-Landesmuseum Bonn –
ternetquellen. Ein Epilog verweist noch einmal auf flügen nach Verona, Brescia, Bergamo Blick in die Sammlung
Clines Buch vermag die Faszination, die Ambiguität zwischen Gefährtentier und Trient. S. Schrenk, K. Vössing (Hrsg.)
die vom Fach Archäologie ausgeht, au- und Nutztier und führt die in den ein- Mainz: Nünnerich-Asmus Verlag 2018,
thentisch zu vermitteln, es ist leben- zelnen Kulturen sehr divergierenden Hammaburg NF 17 2017 248 S., 180 Abb., 29,90 Euro
dig geschrieben und auf der Höhe der Konzepte des Umgangs mit Tieren zu- Rainer-Maria Weiss (Hrsg.) Wie kann ein Museum, das eigentlich
Zeit. Man liest es gern und mit Gewinn. sammen. Aus Umweltschutzgründen Archäologisches Museum Hamburg nur Einzelstücke präsentiert, eine gan-
Sein auf ein breites Publikum gezieltes steht das Verhältnis von Mensch und 2018, 276/XVI Seiten, viele meist farb. ze Epoche darstellen? Hier gelingt dies
Werk ist ein würdiger Nachfolger der Tier schon lange im Fokus und so ist der Abb., 4 Beilagen, 39,90 Euro mithilfe eines Buches. Essays zu über-
populärwissenschaftlichen »Klassiker« Blick auf dieses Verhältnis in früheren In einem opulenten, reich bebilderten greifenden Themen und viele faszinie-
von C.W. Ceram oder Glyn Daniel. Kulturen durchaus lohnend. Werk werden hier neuste Forschungs- rende Funde mit Beschreibungen prä-
| Claus Hattler | Margit Riedmeier ergebnisse von teils länger bekannten, gen den Band.
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Ausstellungen Von Asparn an der Zaya bis Xanten

Berlin nate aus allen Bundesländern auf »Dark Ages«. Im Spannungsfeld tersuchten ältesten Goldbergwerk
Bitte vergewissern Sie sich, wenn persönlicher, wirtschaftlicher und zwischen den zersplitterten früh- der Welt, zählt der 2012 ausgegra-
Sie einen Ausstellungsbesuch pla- Die Krone von Kertsch religiöser Ebene die Folgen über- mittelalterlichen Nachfolgereichen bene bronzezeitlichen Grabhügel
nen, ob die hier gemachten Anga-
Schätze aus Europas Frühzeit regionaler Interaktion. Die AiD hat und dem überlebenden antiken Er- von Ananauri mit seinem impo-
ben noch stimmen. Ausstellungs-
Völkerwanderungszeitlicher Gold- diese Themen anlässlich des Eu- be des Byzantinischen Reichs ent- santen Holzwagen zu den High-
daten ändern sich oft sehr kurz-
fristig. Deshalb kann die Redakti- schmuck vom Schwarzen Meer, sil- ropäischen Jahres des Kulturerbes stehen Lebenswelten, die von ei- lights.
on leider keine Gewähr berne Gewandspangen und präch- 2018 in den Heften 1–4/2018 be- ner geradezu überbordenden kul- Begleitpublikation: 29,90 €
übernehmen. tige Gürtel aus Gräbern des frühen reits vorgestellt. turellen Vielfalt geprägt sind. Und 6. Oktober 2018
Mittelalters in Frankreich, Italien, 21. September 2018 trotz aller Unterschiede bestehen bis 10. Februar 2019
Als Abonnent erhalten
Sie mit der KulturCard Spanien und Deutschland – Teile bis 6. Januar 2019 rege Verbindungen zwischen den Archäologisches Museum
vergünstigten Eintritt der Sammlung des Sammlers und Gropius Bau Regionen: Rund 150 kostbare Ob- Karmelitergasse 1
in die Museen unserer Partner! Mäzens Johannes von Diergardt – Niederkirchnerstraße 7 jekte legen beredtes Zeugnis für 60311 Frankfurt am Main
Dies kann eine Ermäßigung von werden nach über 80 Jahren wie- 10963 Berlin den vitalen Austausch von Ideen, Di bis So 10–18, Mi 10–20 Uhr
40–50 % auf den regulären Ein- der in Berlin zu sehen sein. Mi bis Mo 10–19 Uhr Glauben, Traditionen und Han- www.archaeologisches-
trittspreis oder zwei Karten zum 19. Oktober 2017 bis gropiusbau.de delsgütern ab. museum.frankfurt.de
Preis von einer sein. Bitte achten 29. September 2018 15. November 2018
Sie auf dieses Symbol! bis 12. Mai 2019
Margiana Bollschweil Glauburg
Ein Königreich der Bronzezeit beide: LVR-LandesMuseum Bonn
Asparn an der Zaya in Turkmenistan Burg und Bergbau am Birken- Colmantstraße 14–16, 53115 Bonn Mythos Kelten?
Margiana, eine historische Land- berg bei Bollschweil-St. Ulrich Di bis So 11–18, Sa 13–18 Uhr Auf Spurensuche in Europa
Konflikten auf der Spur schaft Turkmenistans, war vor rund Am Birkenberg haben herausra- www.landesmuseum-bonn.lvr.de Gütesiegel »keltisch«? Die unver-
Von der Steinzeit bis zum Ende 4000 Jahren Wiege einer bronze- gende Relikte hoch- und spätmit- gänglichen Comic-Stars Asterix
des Ersten Weltkriegs zeitlichen Hochkultur. Erstmals au- telalterlichen Bergbaus die Jahr- und Oblix tragen es, Schmuck und
Im Rahmen des Europäischen Kul- ßerhalb Turkmenistans werden in hunderte überstanden: Bergmän- Bramsche Tatoos mit keltischen Ornamenten,
turerbejahrs zeigt Österreichs Ar- einer groß angelegten Sonderaus- nische Werkzeuge, Pochsteine und Celtic-Folk-Musik und die Fantasy-
chäologie, dass sie auch die jün- stellung die archäologischen Zeug- Erzmühlen zur Weiterverarbeitung Götter, Glaube und Germanen Literatur der Gegenwart – was fir-
gere Geschichte im Blick hat: Sie nisse dieser geheimnisvollen Kul- von Silbererzen sowie die Ausstat- Überlieferungen christlicher Au- miert nicht alles als »keltisch«!
forscht in Osttirol, Kärnten und Ita- tur zugänglich gemacht. Originale tung der Wohnhäuser und Funde toren des Hochmittelalters berich- Kaum eine andere antike Kultur-
lien an der Front des Ersten Welt- Relikte und die großartigen Foto- aus der Birchiburg sind nach Bad ten von blutrünstigen Opfern und erscheinung Europas knüpft in
kriegs wie auch im Hinterland um grafien Herlinde Koelbls erzählen Krozingen jetzt im Bollschweiler diabolischen Göttern und prägten solcher Weise an die Moderne an.
Tulln und Krems. Dies liefert eben- von den Stadtanlagen mit ihren Rathaus zu sehen. Der historische unser Bild vom Glauben der Völ- Doch was versteht die Forschung
so neue Erkenntnisse über die Ver- Wohngebieten, Handwerkervier- Lehrpfad wurde in AiD 3/2018, ker des Nordens. Umfangreiche unter dem Begriff? Die Ausstellung
gangenheit wie die Konflikte der teln und dem stark befestigten S.70f. ausführlich vorgestellt. Ausgrabungen in Skandinavien re- steigt ein in die spannende Wis-
Urgeschichte und stellt das vor- Palastareal. Grabhäuser prangen 22. Juli 2018 bis 5. Mai 2019 vidieren jedoch dieses Bild und lie- senschafts- und Ideengeschichte
handene kulturelle Erbe in einen in feinsten Mosaiken; reich ver- Altes Rathaus Bollschweil fern tiefere Einblicke in Kultpraxis und stellt die faszinierende Vielfalt
größeren Kontext zierte, mitsamt den Zugtieren bei- Leimbachweg 2 und Opferrituale der Germanen in der Sachkultur anhand bedeuten-
ab 24. März 2018 gegebene Prunkwagen, Schmuck, 79283 Bollschweil Norddeutschland und Dänemark der Funde vor.
bis 25. November 2018 Waffen, Ritualgeräte sowie pracht- jeden 1. Freitag und im 1. Jt. n. Chr. Herausragende ar- 28. März bis
Schloss Asparn / Zaya volle Gefäße aus Silber und Gold 3. So. im Monat, 15–17 Uhr chäologische Funde, u.a. aus dem 30. September 2018
Schlossgasse 1 stellen einzigartige Meisterwerke www.birchiburg.de Nationalmuseum in Kopenhagen, Keltenwelt am Glauberg
A-2151 Asparn an der Zaya bronzezeitlicher Handwerks- und und aufsehenerregende archäolo- Am Glauberg 1, 63695 Glauburg
Di bis So 10–17 Uhr Goldschmiedekunst dar. Exotische gische Entdeckungen der letzten Di bis So 10–18 Uhr
www.mamuz.at Objekte und Materialien belegen Bonn Jahre stehen daher im Mittelpunkt www.keltenwelt-glauberg.de
Fernkontakte bis ins Industal im dieser Ausstellung.
heutigen Pakistan, zu den Hoch- Ritter und Burgen 28. April bis 28. Oktober 2018
Bad Homburg v. d. H. kulturen Mesopotamiens sowie bis Zeitreise ins Mittelalter Museum und Park Kalkriese Hemmingen
in das fast 2000 km nördlich gele- Könige und Prinzessinnen, edle Venner Straße 69
Rom lebt! genen Uralgebiet. Die Ausstellung Kämpfer und Schurken, Burgen mit 49565 Bramsche-Kalkriese Von der Steinzeit
… und wir mittendrin! wird anschließend auch in Ham- uneinnehmbaren Mauern – in den Mo bis So 10–18 Uhr zu den Alamannen
Als Sklave den Wein ausschenken, burg und Mannheim gezeigt. Medien ist das Mittelalter allge- www.kalkriese-varusschlacht.de Hemmingen in der
mit den römischen Soldaten mar- bis 7. Oktober 2018 genwärtig. Und auch in Städten Vor- und Frühgeschichte
schieren oder als Medicus faule und Landschaften gibt es viele Hemmingen gehört zu den fund-
Zähne ziehen? Großformatige Öl- beide: Neues Museum Spuren dieser fernen Zeit. Aber wie Frankfurt am Main reichsten Orten im Landkreis Lud-
gemälde verblüffen mit erstaunli- Bodestraße 1–3, 10178 Berlin lebten die Menschen wirklich vor wigsburg. Schon die älteste bäu-
chen 3D-Effekten. Szenen aus dem Mo bis So 10–18, Do 10–20 Uhr 1000 Jahren? Was verraten uns die Gold & Wein erliche Zivilisation im süddeut-
Alltag, intim oder spektakulär, for- www.smb.museum originalen Objekte aus dem Mit- Georgiens ältestes Schätze schen Raum hat hier ihre Spuren
dern die Besucher zum aktivern telalter dazu? 35 Mitmachstatio- Der Kaukasus gilt seit jeher als hinterlassen. Den jungsteinzeitli-
Eintauchen in die Welt der Römer Bewegte Zeiten nen laden ein zur handfesten Zeit- Brücke der Kulturen. Vom Beginn chen Bandkeramikern folgten die
auf. Sie werden vom bloßen Be- Archäologie in Deutschland reise: Ein Schwert schmieden, sich der Landwirtschaft im Kaukasus Menschen der Großgartacher und
trachter zum lebendigen Teil der Mit spektakulären archäologischen im höischen Reigentanz drehen, in ab 6000 v. Chr. bis zur Trialeti- Rössener Kultur. Die Kelten der
Ausstellung. Originale römische Neufunden und neuen Perspekti- die Kräutermedizin schnuppern Kultur der Mittelbronzezeit um Hallstattzeit hinterließen auffälli-
Fundstücke und Nachbauten anti- ven auf bekannte Funde zeigt die und vieles mehr kann selbst aus- 2100–1700 v.Chr. ist Georgien mit ge Großgrabhügel. Nach der Zeit-
ker Gegenstände ergänzen jede Ausstellung ein einzigartiges Netz- probiert und erlebt werden. den Kulturen Mesopotamiens, des wende folgten die Römer mit Guts-
Szene. Eine vergnügliche inter- werk kultureller Interaktion in 27. September 2018 Schwarzmeergebiets sowie der höfen und gehobenerem Lebens-
aktive Zeitreise zum Mitmachen Europa seit frühester Zeit bis in die bis 25. August 2019 nördlich gelegenen Steppen ver- standard, bevor sie dem Ansturm
und Fotografieren! jüngere Vergangenheit. Mobilität, bunden. Präsentiert werden neu- germanischer Stämme weichen
20. April bis 28. Oktober 2018 Konflikt, Austausch und Innovat- Europa in Bewegung este archäologische Forschungs- mussten und der Südwesten ala-
Römerkastell Saalburg tion – ihre Ursache, Wirkung und Lebenswelten im ergebnisse und zahlreiche größ- mannisch wurde. Die reich bebil-
Am Römerkastell 1 Wechselwirkung – prägen seit je- frühen Mittelalter tenteils erstmals gezeigte Origi- derte Ausstellung zeigt auch die
61350 Bad Homburg v.d.H. her das Zusammenleben in Europa. Im Sturm der Völkerwanderung nalfunde. Neben der Ausgrabung wichtigsten lokalen archäologi-
Mo bis So 9–18 Uhr In diesen vier großen Themenfel- geht 476 n. Chr. das Weströmische in der neolithischen Siedlung von schen Funde aus Stein-, Metall-,
www.saalburgmuseum.de dern erzählen hochrangige Expo- Reich unter und es beginnen die Aruchlo und dem in Sakdrisi un- Römer- und Alamannenzeit.

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9. September Manching Stein(h)art


bis 25. November 2018 Köln Gefäße von ewiger Schönheit
Keltenmuseum Hochdorf / Enz Die Bilderwelt der Kelten Im Fokus dieser kleinen Sonder-
Keltenstraße 2 Ausgehend von der abstrahieren- schau stehen Steingefäße, die
71735 Eberdingen-Hochdorf den Kunst der späten Hallstattzeit, aus besonders wertvollen und in
Di bis Fr 9.30–12 , 13.30–17 Uhr, entsteht seit dem 5. Jh. v.Chr. – be- ihrer ästhetischen Qualität heraus-
Sa, So und feiertags 10–17 Uhr einflusst durch Anregungen aus ragenden Materialen gearbeitet
www.keltenmuseum.de dem Mittelmeerraum und dem sind. Sie entstanden um 3000
Vorderen Orient – ein eigenstän- v. Chr. in Ägypten und faszinieren
diger keltischer Kunststil: Mensch bis heute durch die handwerkliche
Iphofen und Tier werden als fantastische Kunstfertigkeit ihrer Schöpfer, ihre
Mischwesen dargestellt. Florale zeitlose Ästhetik und ihr modernes
Heinrich Schliemann – Troja Motive auf Schmuck-, Tracht- und Design.
Die Sonderschau thematisiert die Gebrauchsgegenständen, figürli- 11. November 2018
Person Heinrich Schliemann, seine che Verzierungen und individuelle bis 24. Februar 2019
umstrittenen Grabungsmethoden aus bunte und amüsante Minia- Münzbilder entstehen. Sie sind ein-
und wissenschaftlichen Erkennt- Köln turwelt. Und überall menschelt es drückliche Bildwerke der mitteleu- beide: Reiss-Engelhorn-Museen
nisse sowie das Schicksal der Ber- gewaltig: Wer entdeckt, wo hier mit ropäischen Eisenzeit. Die Archäo- Museum Weltkulturen, D5
liner Troja-Sammlung. Zu sehen BodenSchätze: Straßendreck geworfen wird? Und logische Staatssammlung präsen- 68159 Mannheim
sind originale Stücke aus der Kol- Archäologie in Köln was hat der Bautrupp wohl mit der tiert in Manching über 100 ihrer Di bis So 11–18 Uhr
lektion des Staatlichen Museums Die Ausstellung zeigt alte und neue Weinamphore vor? Kleine Figuren, Highlights und entführt die Besu- www.rem-mannheim.de
Berlin sowie hervorragende Repli- Funde aus 100000 Jahren Mensch- Riesen-Spaß! cher in eine vergangene Welt, de-
ken des sogenannten »Schatz des heits- und 2000 Jahren Stadtge- 26. November 2018 bis ren Kunst bis heute fasziniert.
Priamos«, der nach dem 2. Welt- schichte. In beeindruckenden Fun- 24. Februar 2019 5. Juli 2018 bis 27. Januar 2019 Mistelbach
krieg zu großen Teilen von der sow- den spiegelt sich die reiche Kölner Archäologisches Landesmuseum kelten römer museum manching
jetischen Armee requiriert wurde. Historie: Die ältesten Siedlung in Baden-Württemberg Im Erlet 2, 85077 Manching Faszination Pyramiden
15. Juni bis Köln-Lindenthal, das Leben von Benediktinerplatz 5 Di bis Fr. 9.30–16 Uhr, Schon die alten Griechen standen
4. November 2018 Kelten und Germanen beiderseits 78467 Konstanz Sa, So und feiertags 10–17 Uhr bewundernd vor den mächtigen
Knauf-Museums Iphofen des Rheins, die Pracht der Colonia, Di bis So, feiertags 10–18 Uhr www.museum-manching.de Pyramiden von Gizeh und zählten
Am Marktplatz das römische Flottenlager auf der www.konstanz.alm-bw.de diese beeindruckende Bauwerke
97343 Iphofen Alteburg, das Kastell Divitia-Deutz zu den sieben antiken Weltwun-
Di bis Sa 10–17, So 11–17 oder die mittelalterliche Wirt- Mannheim dern. Bis heute werfen Ägyptens
www.knauf-museum.de schaftsmetropole am Rhein. Lahr Pyramiden viele Fragen auf – nach
20. Juli bis 31. Dezember 2018 MUMIEN – Bedeutung und Bauweise etwa.
Römisch-Germanisches Museum Archäologie – Landwirtschaft Geheimnisse des Lebens Das MAMUZ zeigt, mit welcher Per-
Kaiserpfalz Roncalliplatz 450667 Köln und Forstwirtschaft Die Mumien kehren zurück! Zehn fektion die Monumente errichtet
Di bis So 10–17 Uhr Viele einzigartige Zeugnisse der Jahre lang reiste die in Mannheim wurden; Statuen, Grabreliefs, Mo-
WISSEN+MACHT www.roemisch-germanisches- Vergangenheit verbergen sich un- konzipierte Mumien-Ausstellung delle und Kunstobjekte sowie die
Der heilige Benedikt und museum.de sichtbar im Boden und stellen ge- um die Welt. Nach Stationen auf Rekonstruktion einer Grabkammer
die Ottonen schützte Kulturdenkmale dar, die zwei Kontinenten, sieben Län- geben Einblick in die Jenseitsvor-
Für die europäische Geschichte erhalten und vor Zerstörung be- dern und drei Millionen Besuchern stellungen und Kulte der Ägypter
des Mittelalters hat Memleben ei- Konstanz wahrt werden müssen. Besonders kommt sie wieder nach Mannheim vor 4600 Jahren.
ne herausragende Bedeutung. Als die stark frequentierten und land- und überrascht mit zahlreichen in ab 3. März 2018
Schicksalsort und Machtzentrum RÖMISCH WAY OF LIFE wirtschaftlich intensiv genutzten Mannheim noch nicht gesehenen bis 25. November 2018
deutscher Kaiser und Könige wur- Archäologie und Playmobil Gebiete unserer Kulturlandschaft Funden und neuesten Forschungs- MAMUZ
de der Ort weltberühmt. Mit Kai- Die bunte Playmobilschau stürzt bedürfen daher eigener Schutz- ergebnissen. Inszenierte Labor- Waldstr. 44–46
sich diesmal in den Alltag der zivi- strategien. Anhand aktueller ar- bereiche bieten den Besuchern A-2130 Mistelbach
len Römer und Römerinnen in der chäologischer Fallbeispiele werden faszinierende Einblicke in die Me- Di bis So 10–17 Uhr
Provinz, zu den echten und den diese in Lahr vorgestellt. thodenwelt der modernen Mu- www.mamuz.at
unechten Bürgern, Landarbeitern, 26. September bis 14. Oktober 2018 mienforschung. An einer Virtual-
Sklaven, Gutsherren, Priestern, Landesgartenschau Reality-Station erhalten sie die
Kindern und was da sonst noch 77933 Lahr Möglichkeit, selbst zum Mumien- München
kreucht und fleucht. Detaillierte, Treffpunkt Baden-Württemberg, forscher zu werden.
nach wissenschaftlichen Erkennt- Nähe Eingang Mauerweg 16. September 2018 Tod in Triest
nissen gestaltete Modelle wie täglich 9–19 Uhr bis 31. März 2019 Anlässlich seines 250. Todestages
eine Raststätte, Kneipen, Tempel, landesgartenschau-lahr2018.de www.mumien-mannheim.de folgt diese kleine Ausstellung den
Wohn- und Badehäuser, Schiffe Spuren des Archäologen Johann
und Wagen erschaffen eine über- Joachim Winkelmann.
6. Juni bis 9. Dezember 2018
ser Otto II., seiner Gattin Theopha-
nu, dem Mönch Heimerad und dem Schimmernde Krüge von Erz
heiligen Benedikt stehen vier Per- Bei antiken Gebrauchsgefäßen wie
sonen der europäischen Kulturge- auch beim Tafelluxus der Griechen,
schichte im Mittelpunkt dieser Aus- Etrusker und Römer denkt man
stellung an originalem Schauplatz. oft zuerst an bemalte Tongefäße.
7. Mai bis 15. Oktober 2018 Doch wer es sich leisten konnte,
Museum Kloster benutzte »schimmernde Krüge von
und Kaiserpfalz Memleben Erz«. Die unterschiedlichen Funk-
Thomas-Müntzer-Straße 48 tionen, die Vielgestaltigkeit anti-
06642 Kaiserpfalz ker Bronzegefäße und ihr zeitloses
(OT Memleben) Design zeigt diese Ausstellung.
Mo bis So 10–18 Uhr 19. September 2018
www.benedikt-memleben2018.de bis 3. Februar 2019

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Ausstellungen Von Asparn an der Zaya bis Xanten

beide: Staatliche Antiken- tive Spiele und Hörstationen ma- media-Ausstellung gehen. Wenn das früher? Im LIMESEUM Ruffen- Bildnachweis
sammlungen chen die Reise ins Mittelalter und auch das bekannteste, so ist es nur hofen stehen das Schaf, seine Wol- U1 Landesmuseum Württemberg, H. Zwietasch;
Hintergrund im Wort GOLD: Designed by fw-
Königsplatz, 80333 München an das Mittelmeer für die ganze Fa- eines von vielen prähistorischen le und die Textilherstellung der Rö- studio/Freepik; S1o M. Jehnichen, Leipzig; S1u
Di bis So 10–17, Mi 10–20 Uhr milie zum Erlebnis. Monumenten in der Salisbury Plain. mer im Mittelpunkt. Schon diesen C. Rupp, Landesamt f. Archäologie Sachsen; S2–
3 bei den entsprechenden Beiträgen; S4o, S4m
www.antike-am- 17. März bis 11. November 2018 Ein Großteil davon ist heute mit ging es nie nur um den reinen © LDA Sachsen-Anhalt/Ch. Meyer; S4u Universi-
koenigsplatz.mwn.de Schallaburg bloßem Auge nicht mehr zu er- Schutz vor der Witterung, sondern tät Tübingen/Ramadan B. Hussein; S5o Landes-
amt f. Archäologie Sachsen; S5u © Landesamt f.
A-3382 Schallaburg 1 kennen, konnte aber dank ultra- auch um Statussymbole, die ihre Denkmalpflege u. Archäologie Sachsen-Anhalt,
J. Lipták; S7ol L. Hermannsen, Arch. Landesamt
Mo bis Fr 9–17, moderner Techniken aufgespürt Träger von der Masse abheben soll- Schleswig-Holstein; S7or R. Heidenreich; S7u
Nebra Sa, So, feiertags 9–18 Uhr und untersucht werden. So das ten. Doch vom fettig-filzigen Woll- Südtiroler Archäologiemuseum/O. Verant; S8
M. Schubert/M. Bertuch, LfA; S9 H. Hönig, LfA;
www.schallaburg.at nahe gelegene »Superhenge« von vlies zur feinen Tunika nach neus- S10o F. Schröder, LfA, M. Burkhardt; S10u, S12u
ROMS LEGIONEN unterwegs Durrington Walls, aus dem die Er- ter Mode war es in römischer Zeit M. Jehnichen, Leipzig; S11 F. Schröder/H. Hönig/
T. Reuter, LfA; S12o K. Derner, UAPP; S13o T. Reu-
Gewidmet ist die Sonderschau bauer Stonehenges wahrscheinlich ein gutes Stück Arbeit! Wie diese ter, LfA; S13u J. Rottig, LfA; S14 © T. Potter; S15–
den römischen Legionen auf dem Schnals kamen. Wer waren diese Men- vonstatten ging, zeigen auch ver- 16o, S18–19 C. Theune; S16u I. Winkelbauer/
P. Hinterndorfer; S17u © The Michael Goldberg
Marsch: Detailreiche Dioramen zei- schen? Wann, wie und vor allem schiedenen Hands-on-Stationen, Collection, The Alma Jordan Library, The Univer-
sity of the West Indies St. Augustine, Trinidad;
gen ihre perfekte Organisation und Birkenteer und warum errichteten sie diese Orte? die nicht nur Kinder buchstäblich S20 Landesmuseum Württemberg, H. Zwietasch;
Logistik sowie auch den Alltag der Lerchenterpentin Interdisziplinäre wissenschaftliche zum Begreifen einladen. S21 B. Armbruster & Niedersächsisches Landes-
amt f. Denkmalpflege, Hannover; S22, 23u
Soldaten unterwegs. Repliken von Pech, Harz und Balsam – was ist Teams präsentieren die neusten 2. Juni bis 14. Oktober 2018 M. Brauns; S23o E. Keefer; S24o DBM/RUB/GNM,
Kleidung, Bewaffnung und Marsch- das überhaupt für klebriges Zeug? Erkenntnisse aus ihren umfangrei- LIMESEUM A. Omiadze; S24u DBM/RUB/GNM, K. Stange,
AVtention; S25 DBM/RUB/GNM, K. Stange (unten
gepäck der Legionäre sind auch Wozu benutzt man Terpentin? Sind chen Studien zu Stonehenge und Römerpark Ruffenhofen 1 rechts), Th. Stöllner; S26l DBM/RUB/GNM, K. Stan-
ge (unten), Th. Stöllner; S26r, S27o DBM/RUB/
zum Anfassen und Ausprobieren das die »Schätze«, die bereits zu Umgebung. 91749 Wittelshofen GNM, F. Klein; S27u nach Stöllner 2016, Fig 5,
da! Archäologische Funde aus der Ötzis Zeiten aus Rinde und Holz ge- 6. September 2018 Di bis Fr 10–16, Fotos: GNM, DBM, G. Salniker, G. Mindiashvili),
Tblissi und A. Courcier, Bochum (l außen); S28l,
Region zeigen, wie sich der Kontakt wonnen wurden? Im archeoParc bis 21. April 2019 Sa, So, feiertags 11–17 Uhr S30u B. Armbruster & Arch. Landesmuseum
zwischen Römern und Germanen wird – in Sichtweite von Ötzis Fund- Gallo-Römisches Museum www.limeseum.de Schleswig; S28r–30o, S31o B. Armbruster & Kul-
turhist. Museum, Hansestadt Stralsund; S31u
im Grenzbereich des römischen ort – erklärt und gezeigt, wie der Kielenstraat 15, BE-3700 Tongern M. Bretschneider, IfG – Institute f. Scientific In-
struments GmbH, Adlershof; S32 B. Schorer; S33
Imperiums gestaltet hat. Mensch seit Jahrtausenden diese Di bis Fr 9–17 Uhr Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, P. Fran-
23. März bis 4. November 2018 wertvollen Stoffe der Bäume sam- www.galloromeinsmuseum.be Xanten kenstein/H. Zwietasch; S34–35 Landesmuseum
Württemberg, Stuttgart, B. Schorer; S36 Anwar
Arche Nebra melt und sich zunutze macht. Abd el-Ghafour, DGAM Damascus; S37o, S38
An der Steinklöbe 16, 06642 Nebra 24. Juni bis 4. November 2018 Warenwege – Warenflüsse Nationalmuseum Damaskus, Foto: P. Franken-
stein/H. Zwietasch (Landesmuseum Württem-
Mo bis So 10–18 Uhr archeoParc Schnalstal Villingen-Schwenningen Schon zweitausend Jahre vor der berg, Stuttgart); S37u Ministry of Culture-Direc-
torate General of Antiquities, National Museum
www.himmelsscheibe-erleben.de Unser Frau 163, I-39020 Schnals heutigen Globalisierung sorgte der of Beirut; S39 K. Wita, J. Gergovich, Qaṭna-Pro-
Museum 10–17 Uhr, Das Geheimnis der Einzug römischer Lebensart für ei- jekt, Universität Tübingen; S40 Vorgeschichtl.
Seminar Marburg/University of Edinburgh, C. M.
Freilichtbereich 10–16.30 Uhr Keltenfürstin ne enorme Nachfrage nach Impor- Stähler; S41o Th. Schierl; S41u M. Fernández-
Rottweil www.archeoparc.it Das Prunkgrab von der ten aus allen Teilen der bekannten Götz/F. Teichner; S42o/S43 S. Seyfried; S42u Vor-
geschichtl. Seminar Marburg/University of
Heuneburg Welt. Olivenöl aus Spanien, feins- Edinburgh; S44l O. Heinrich-Tamáska (GWZO);
Römerzeit trifft Gegenwart Als unweit der Heuneburg die un- te Kaschmirwolle oder kostbarer S44r J. Bicskei, © Balatoni Múzeum, Keszthely;
S45 K. Cappenberg (GWZO); S46 O. Heinrich-Ta-
Die Sammlung römischer Funde Stuttgart beraubte Grabkammer einer früh- Marmor aus Afrika – all das gab es máska (GWZO), Z. Vasáros, G. Nagy (Narmer Stu-
dió, Budapest); S47 R. Prien, Universität Heidel-
beinhaltet herausragende Objekte keltischen Fürstin geborgen wur- in der Colonia Ulpia Traiana, der berg; S48o B. Pargmann; S48u, S49o B. Häck,
dieser Zeit aus Arae Flaviae. Diese Faszination Schwert de, brach eine Sternstunde der größten römischen Stadt am Nie- BLFD; S49u J. Scultetus, Wund=Arzneyisches
Zeug=Haus (Frankfurt/Berlin 1666); S50 K. White-
Stücke der antiken Vergangenheit Das Landesmuseum widmet sich Landesarchäologie an. Die Erfor- derrhein. Wie kamen die Waren Rahneberg nach Digitalisat D. Franzen, beide
Rottweils begegnen Arbeiten der der Sach- und Kulturgeschichte ei- schung des Grabes dieser Dame, dorthin? Im Archäologischen Park LVR-Amt f. Bodendenkmalpflege; S51 J. Vogel,
LVR-LandesMuseum Bonn; S52–67 Soweit nicht
Gegenwartskunst. Im Dialog der ner legendären Waffe: Auch in Zei- die 583 v. Chr. bestattet wurde, er- Xanten demonstrieren eindrucks- anders angegeben, liegen die Rechte bei den im
Kopf genannten Landesämtern; S52o Landesamt
Kunstwerke erleben die Besucher ten, in denen das Schwert in sei- brachte einzigartigen filigran ver- volle Nachbauten das Aussehen f. Denkmalpflege am Regierungspräsidium Stutt-
Unterschiede und Gemeinsamkei- ner Funktion als Waffe seit Jahr- zierten Goldschmuck, kunstvoll ge- von Fuhrwerken und Schiffen. Zu gart, Foto J. Ehrle, Fa. ArchaeoTask; S52m LAD,
Y. Mühleis; S52u LAD, M. Lingnau; S53u, S54ml
ten von 2000 Jahren Geschichte. hunderten ausgedient hat, ist sein fertigte Bernsteinobjekte und au- sehen gibt es spannende Expona- S. Glaß; S54o, S54u M. Hensch; S55o, S55u
22. Juli bis 30. Dezember 2018 Bann ungebrochen. Ob auf Gemäl- ßergewöhnliche Bronzearbeiten. te aus vielen europäischen Museen Th. Kersting, BLDAM; S55m M. Schambach; S56ur
P. Odvody, hessenArchäologie, Außenstelle Darm-
Dominikanermuseum Rottweil den des 19. Jh., in Fantasyromanen Die Ausstellung zeigt hochwertige wie einen antiken Miniatur-Schiffs- stadt; S57u, S58ol LAKD M-V, Landesarchäologie,
M. Konze; S58mr, S58u K. Gerken, Gerkenarchäo-
Kriegsdamm 4, 78628 Rottweil und Actionfilmen des 20. und 21. Jh. Nachbildungen der Funde, die von bug aus der Mosel, Rheingott Rhe- logie; S59o V. Kö-nig, NLD Hannover; S59m
Di bis So 10–17 Uhr oder als Holzwaffe in der Spiel- einem renommierten Schweizer nus oder ein Schminkkästchen mit W. Köhne-Wulf, NLD Hannover; S59u J. Vogel/LVR-
LandesMuseum Bonn; S60o B. Dautzenberg/Mu-
dominikanermuseum.de zeugkiste – das Schwert hat die Experimentalarchäologen origi- kostbarem Weihrauch, das den seum Zitadelle Jülich; S60u E. Böhm/LVR-Amt f.
Menschen über die Zeiten hinweg nalgetreu hergestellt wurden. Den Weg vom Orient nach Xanten ge- Bodendenkmalpflege i. Rheinland; S61ol LWL-Ar-
chäologie f. Westfalen/A. Madziala; S61r LWL-Ar-
fasziniert. Den Wurzeln dieser Be- Besucher erwarten faszinierende funden hatte. Nicht zuletzt zeugen chäologie f. Westfalen/B. Grundmann; S61ul Foto
Schallaburg geisterung wird nachgegangen Einblicke in die hochentwickelte teure Weihesteine von den Bitten LWL-Archäologie f. Westfalen/H. Menne; Zeich-
nung LWL-Archäologie f. Westfalen/A. Müller;
und dabei auch mit Originalobjek- Welt des frühkeltischen Kunst- um göttlichen Beistand bei den oft S62o, S62mr GDKE, Direktion Landesarchäologie,
Außenstelle Koblenz/M. Neumann; S62u GDKE,
BYZANZ & DER WESTEN ten aller Epochen nicht gegeizt: handwerks, das offensichtlich in gefährlichen Handelsreisen – und Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Kob-
1000 vergessene Jahre bronzene Vollgriffschwerter, römi- enger Beziehung zu den Etruskern zugleich vom dabei erworbenen lenz/A. Schmidt; S63o Landesamt f. Archäologie
Sachsen, M. Rummer; S63u Zeichnung J. Klein/
Neugier und Vorurteil, Gier und sche Kurzschwerter, alamannische und Griechen stand. Reichtum der Händler und Trans- S. Zender/M. Wiggenhagen 2018; Foto u. digitale
Faszination, zwei Welten, die ei- Langschwerter mit Goldgriff und 13. Mai bis 30. September 2018 porteure. Bearbeitung J. Klein 2017; S64o Landesamt f. Ar-
chäologie Sachsen; S64u F. Timm, LDA; S65o
nander vertraut und doch in vielem Bidenhänder tragen der Faszina- Franziskanermuseum Begleitpublikation: 29,90 Euro A. Neubert, LDA; S66 Hansestadt Lübeck, Bereich
Archäologie und Denkmalpflege; S67u FNr.
fremd waren – das ist die (fast) ver- tion Rechnung. Rietgasse 2 27. Juli bis 25. November 2018 16/271–21 bis 35; S68ol L. Hellmayr; alle ande-
gessene Geschichte von Byzanz Begleitpublikation: 14,95 € 78050 Villingen-Schwenningen LVR-Archäologischer Park Xanten ren S68 © Stadtmuseum Berlin, M. Setzpfandt;
S69, S71u P. Palm, Berlin; S70ul, S71or F. Verse;
und dem Westen. Die Ausstellung 13. Oktober 2018 Di bis Sa 13–17 Uhr, Am Amphitheater S70ur, S71ol picture alliance/DUMONT Bildarchiv,
beleuchtet die Historie zweier Rei- bis 28. April 2019 So, feiertags 11–17 Uhr 46509 Xanten G. Knoll; Piktogramme Sehenswert: Wais & Part-
ner, Stuttgart; S72o Fa. ARCHAEOLOGICA; S72u
che, erzählt von Kommunikation, Landesmuseum Württemberg www.franziskanermuseum.de März bis Oktober täglich 9–18 Uhr Deutsches Bergbau-Museum/P. Thomas; S73o
D. Dangvard Pedersen; S73m S. Inskip; S73ul
gegenseitiger Wahrnehmung und Schillerplatz 6, 70173 Stuttgart November täglich 9–17 Uhr Arch. Museum Hamburg; S74o F. Arnold/DAI;
politischen Meinungsverschieden- Di bis So, 10–17 Uhr www.apx.lvr.de S74u M. Mennicken, Stadt Köln; S78–80 Soweit
nicht anders angegeben, liegen die Rechte bei
heiten. Illustriert wird diese span- www.landesmuseum-stuttgart.de Wittelshofen den Museen und Veranstaltern; S81o Landes-
nenden Beziehung mit Exponaten museum Württemberg, Stuttgart, P. Franken-
stein/H. Zwietasch; S81u J. Rottig, LfA; U3o
aus namhaften Sammlungen wie Vom Schaf zur Tunika A. Galiberti, Siena; U3m LVR-ABR, R. Gerlach;
dem Musée du Louvre, der Schatz- Tongern Textilhandwerk und Mode U3ul G. Breunig; U3ur Ch. Åhlin SHM 1996–01–
03.
kammer von San Marco, dem Isra- in römischer Zeit
Leider ist es uns nicht immer möglich, den Rechts-
el Museum Jerusalem oder dem STONEHENGE Wie oft machen wir uns Gedanken Informationen zu weiteren inhaber ausfindig zu machen. Berechtigte An-
Athener Museum für christliche Nicht nur um Stonehenge wird es über die Herkunft der Rohstoffe Ausstellungen finden Sie unter sprüche werden selbstverständlich im Rahmen
der üblichen Vereinbarungen abgegolten.
und byzantinische Kunst. Interak- in dieser neu erarbeiteten Multi- für unsere Kleidung? Und wie war www.aid-magazin.de

80 AiD 5 | 2018
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Rätsel

funden auch durchaus aus Knochen oder Geweih wurzel Kastell, der zweite bezieht sich auf die un-
bestanden haben, zumal damit die zu verwen- garische Tiefebene.
denden Muster leicht gestaltet werden können.
S Z T E -
U 6 E
11 E E 12 S Z T

Frage 5: Sie ist eine der markantesten Erhebun-


gen und »Perle« der Rhön, war schon während der Frage 10: Sie dienten zur Aufbewahrung gleich-
Hallstattzeit besiedelt und in der Latènezeit ein namiger einseitig geprägter Münzen und Medail-
mit einem murus gallicus, einer Pfostenschlitz- len aus dünn getriebenem Edelmetall. Bei Gra-
mauer, befestigtes Oppidum. bungen spätmittelalterlicher Bergbausiedlungen
im sächsischen Freiberg fand man fünf Objekte
I E U 7 dieser Art (bislang sind überhaupt erst neun be-
kannt), davon eine in vollständig erhaltenem Zu-
Frage 6: Nicht nur nördlich des Hadrianswalls, stand.
nein, sogar nördlich des Antoninuswalls, zwischen A T A O
13

Frage 1: Bei Ausgrabungen mittelalterlicher Grä- Stirling und Perth, errichteten die Römer dieses
ber finden sich mitunter Bleiplättchen und Bron- durch seine eindrucksvollen, markanten Wälle
heute noch sichtbare und am besten erhaltene rö- Frage 11: Schanzen gibt es in diesem Düppel kei-
zebleche, die die Verstorbenen zu Lebzeiten auf ne, aber ein Museumsdorf, das auch als Zentrum
die Haut geschnürt bzw. als Verband getragen mische Kastell Schottlands.
der experimentellen Archäologie gilt. Gesucht
haben. Der angenommene therapeutische Nut- werden die hier gezüchteten Schafe einer mittel-
R 8 C
zen dieser Fontanellenbleche ist auf Galenus von alterlichen Rasse, aus deren Wolle wie einst Garn
Pergamon zurückzuführen, der damit eine feh- gesponnen und dann zu Stoffen gewoben wird.
lerhafte Balance der hier gesuchten Flüssigkeiten Frage 7: Das Museumsdorf Düppel bietet eine
zu korrigieren erhoffte, namentlich gelbe und spannende Zeitreise ins Mittelalter. Für »echtes K 14

schwarze Galle, Schleim und Blut. Erleben« sorgen unter anderem auch die Dorf-
bewohner, darunter ganze Familien mit ihren Kin-
Frage 12: Im Zentrum des in Frage 6 gesuchten
1 Ö E Ä 2 dern, die ehrenamtlich tätig sind und durch ihre
Römerkastells wurde im Mittelalter eine Kapelle
realistische Darstellung historischer Lebenswel-
errichtet, die fälschlicherweise bis in die Neuzeit
Frage 2: Es findet sich häufig in Gräbern und Hort- ten Besucher in ihren Bann ziehen. Wie nennt man
als ein solches umgestaltetes römisches Gebäu-
funden der Wikingerzeit und resultiert zumeist diese Art der Vermittlung? de gehalten wurde.
aus der pragmatischen Tatsache, dass der Münz-
9 I I T Y R R M
wert lange Zeit dem Metallwert entsprach. So wur- 15

den hierzu neben Barren und teilweise Schmuck Fragen von Udo Jansen
hauptsächlich Münzen verkleinert. Frage 8: Ein wahrer Goldschatz aus der Wikinger-
zeit konnte hier nach verheerenden Sturmfluten
A 3 E zwischen 1872 und 1874 am Strand geborgen wer-
den. Die 16 Schmuckteile wiegen zusammen etwa
Frage 3: Neben einer fast halbpfundschweren gol- 600 Gramm und sind heute im Stralsund Muse-
denen Schale wurde in der Königsgruft von Qat- um zu bestaunen.
na in Westsyrien ein Objekt aus massivem Gold
gefunden, das aus zwei solchen besteht: I 10 E E

N 4 N P F 5 Frage 9: Das am Westrand des Plattensees gele-


gene, rund 15 ha große Römerkastell, umgeben
Frage 4: Besonders bei keltischen Goldfunden fal- von einer mit 44 mächtigen Rundtürmen verse-
len häufig Reihenmuster auf, die ohne dieses henen Mauer, wurde in der Spätantike Zentrum
Werkzeug nicht herzustellen sind. Es ist in der einer pannonischen Kultur. Der erste Namens-
Regel aus Metall, kann aber nach neuesten Be- teil des heutigen Teilortes enthält noch die Wort-

Auflösung aus AiD 3 | 2018: Mitraten und Mitgewinnen Verlagsbüro Wais & Partner
Lösungswort: Plumbum Germanicum Schreiben Sie die Buchstaben in die Kästchen Redaktion AiD, Kennwort: AiD-Rätsel
und übertragen Sie das Lösungswort auf eine Reinsburgstraße 104, 70197 Stuttgart
Die Gewinner des Rätsels aus Heft 3 | 2018: Postkarte (bitte Absender nicht vergessen).
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1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 - drei Exemplare »Schätze der Antike« aus dem
aus dem Programm der WBG erhalten Christoph
Programm der WBG ausgelost.
Binger, 41812 Erkelenz; Wolfgang Killinger, 11 12 13 14 15
70771 Leinfelden-Echterdingen; Hella Schwiesow, Senden Sie die Lösung bis spätestens Die Auflösung erscheint in der übernächsten
36100 Petersberg. Wir gratulieren! 4. November 2018 (Poststempel) an: AiD. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Teilnahme am Gewinnspiel beinhaltet im Gewinnfall das Einverständnis zur Nennung des Namens und des Wohnortes. Soweit im Rahmen des Gewinnspiels personenbezogene Daten
ü
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VORSCHAU
AiD 6 | 2018 erscheint
am 14. November 2018

Bergbau in der Steinzeit

Bergbau weckt Assoziationen zu Kohle, Eisen


und Stahl, die Rohstofe des Industriezeitalters.
Tatsächlich ist Bergbau sehr viel älter: In der
Steinzeit war bergfrisches gutes Rohmaterial
für Steinwerkzeuge sehr begehrt. Trotzdem über-
rascht die Menge. Abbauspuren zufolge wurden
Millionen von Tonnen Feuerstein bergmännisch
gewonnen. Somit ging die geförderte Menge
eines Bergwerks weit über den Bedarf vor Ort
hinaus. Wie lebten und arbeiteten die Bergleute
der Steinzeit? Wie waren Abbau, Weiter-
verarbeitung und Verteilung organisiert?

Naturkatastrophen Körperkult bei den Wikingern


Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Tätowierungen und Piercings sind heute
Hochwasser – seit jeher haben allgegenwärtig. Ein Blick in die Vergan-
Katastrophen die Menschheit heim- genheit zeigt: Vergleichbare Praktiken wa-
gesucht und ganz wesentlich zur ren schon bei den Wikingern üblich. Auf-
Gestaltung der Erdoberfläche beige- wendig bandagierte Turmschädel, zu be-
tragen. Der Archäologe fragt: drohlichem Grinsen gefeilte Zähne oder
Wie lassen sich solche Ereignisse Tattoos gehörten zum Schönheitsideal.
im Ausgrabungsbefund nachweisen?

Felsbilder in Namibia
Rund um die Wasserstellen der
Namib-Wüste sind Tausende von
Bildern aus der Welt der Jäger und
Sammler erhalten. Ihr Zweck blieb
lange rätselhat. Eine genaue Unter-
suchung der Motive und der räum-
lichen Verteilung der Bilder erlaubt
nun Aussagen zu den Beweg-
gründen der Künstler.

AiD 5 | 2018
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VERANSTALTUNGEN UNSERER ZEITSCHRIFTEN


Keyvisual von «Bewegte
Zeiten» (© smithberlin.com).

ANTIKE WELT-Exkursion
«Museumslandschaft Berlin»
9.−11. November 2018
mit unserem Autor Dr. Peter Kracht

VORLÄUFIGES PROGRAMM
Freitag, 9. November 2018: Das temporäre Ausstellungsgebäude «Pergamonmuseum. Das Panorama»
(© spreeformat architekten GmbH).
Bis 14.00 Uhr: Individuelle Anreise der Exkursions-
Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Berlin,
Motel One Hackescher Markt, Dircksenstraße 36, BITTE
10179 Berlin, Telefon: 0 30 | 200 540 80 VORMERKEN
15.00 Uhr: Führung durch das Pergamonmuseum
16.30 Uhr: Führung durch das Pergamon-Panorama
Studientage der Archäologie in Deutschland
von Yadegar Asisi
«Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland»
19.30 Uhr: Abendessen in der Nähe des Hotels 9. und 10. November 2018 | Gropius Bau, Berlin |
Übernachtung im Motel One Hackescher Markt jeweils 10−17 Uhr

Samstag, 10. November 2018: Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 zeigen
das Museum für Vor- und Frühgeschichte und der Verband
10.15 Uhr: Führung im Neuen Museum der Landesarchäologen im Gropius Bau die Ausstellung «Be-
14.00 Uhr: Führung im Spionagemuseum wegte Zeiten. Archäologie in Deutschland». Der Verband der
Landesarchäologen lädt im Rahmen der AiD zu zahlreichen
19.30 Uhr: Abendessen in der Nähe des Hotels interessanten Vorträgen ein.
Übernachtung im Motel One Hackescher Markt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesarchäologie,
Autorinnen und Autoren der AiD sowie die Kuratorinnen und
Sonntag, 11. November 2018: Kuratoren der Sonderausstellung referieren zu den Schwer-
punktthemen Mobilität, Konlikt, Austausch und Innovation.
11.00 Uhr: Führung durch die Sonderausstellung
«Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland» Den Höhepunkt an beiden Tagen werden thematische Füh-
rungen zu den Themen des Tages bilden.
im Gropius-Bau
Interessenten senden wir gern das detaillierte Programm zu.
Anschließend individuelle Heimreise

Die Exkursionsgebühr beträgt € 375,– pro Person im 1 Tag: € 50,– | Abonnenten der Archäologie in
Doppelzimmer und € 425,– im Einzelzimmer mit Deutschland, ANTIKEN WELT und wbg-Mitglieder:
Frühstück im Motel One Hackescher Markt. Sie beinhal- € 30,– | Studierende: € 8,–
tet überdies alle Eintritte und Führungen in den genann- Beide Tage: € 80,– | Abonnenten der Archäologie in
ten Ausstellungen, ein Ticket für den Berliner Nahver- Deutschland, ANTIKEN WELT und wbg-Mitglieder:
kehr sowie zweimal Abendessen in der Nähe des Hotels. € 40,– | Studierende: € 12,–
Weitere Informationen gibt es direkt bei: Um Anmeldung wird gebeten:
Dr. Peter Kracht WBG − Archäologie in Deutschland
|

Handwerkstraße 3, 59427 Unna, Hindenburgstraße 40, D-64295 Darmstadt


Telefon 0 23 03 | 535 03 Telefon 0 61 51 | 33 08 741, Fax 0 61 51 | 33 08 212 ➔ ➔ ➔
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