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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung

1 Geben Sie einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Begriffe
Gesundheit und Krankheit

Gesundheit
In historisch frühen Epochen war der Gesundheitsbegriff religiös geprägt. Gesundheit und
Krankheit wurden als göttliche Fügung gesehen. Menschen können sich durch ein gottgefälliges
Leben ihre Gesundheit erhalten, ein sündiges Leben wird mit Krankheiten verbunden, die als
Strafe Gottes gesehen werden.
Ein drastischer Wandel erfolgt im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. In dieser Phase einer
allmählichen Säkularisierung des Weltbildes wird Gesundheit zunehmend als vom Menschen
beeinflussbar gesehen. Er könne mithilfe seiner Vernunft und entsprechendem Verhalten
Gesundheit erhalten, Krankheiten vermeiden bzw. heilen. Im Zeitalter der Aufklärung wird also die
Selbstverantwortung des Menschen für die Gesundheit propagiert, mithilfe seiner Vernunft können
Krankheiten verstanden und beeinflusst werden.
Im 18. Jahrhundert wird Gesundheit zunehmend als Thema des aufstrebenden Bürgertums
entdeckt und in med. Schriften erklärt. Dem Ideal des Natürlichen (Rousseau) folgend wird
Gesundheit als «natürlicher» Zustand verstanden; durch schädliche Einflüsse der Zivilisation
(Luxus, Laster und maßlose Lebensweise der Wohlhabenden sowie übermäßige Arbeit und Armut
der arbeitenden Schichten) wird sie negativ beeinflusst, dadurch entstehen Krankheiten und die
Gesundheit wird zum gesellschaftlichen Problem.
In aufklärerischen Schriften von Ärzten wird Gesundheit als über die Vernunft beeinflussbar
beschrieben, die Menschen sollten möglichst natürlich leben, Selbstdisziplin zeigen und sich in
allen Lebensbereichen mäßigen.
Mit dem Siegeszug der Naturwissenschaften endet um die Mitte des 19. Jhd. diese Phase. Mit der
Etablierung der Medizin als Naturwissenschaft wird der Körper zunehmend als objektiv messbar
angesehen und in seinen Bestandteilen analysiert; er wird in immer kleinere Einheiten (Organ,
Zelle, Molekül) aufgeteilt, um Krankheiten zu verstehen. Der Gesundheitsbegriff wandelt sich in
Richtung Krankheit, die als Störung des Organismus verstanden wird, analog dem Defekt einer
Maschine. Gesundheit ist nur die Abwesenheit von Krankheit. Damit bildet sich ein
biomedizinisches Krankheitsmodell heraus, das bis heute die Grundlage eines medizinisch
geprägten Gesundheitssystems darstellt und die medizinische Kontrolle des kranken Körpers in
den Mittelpunkt stellt.
Erst im späten 20. Jahrhundert erweitert sich der Gesundheitsbegriff um die psychische und
soziale Dimensionen, sie werden zunächst auf Krankheit bezogen (biopsychosoziales
Krankheitsmodell), dann auch auf Gesundheit.

Im Gesundheitsbegiff der World Health Organization (WHO) aus dem Jahre 1948 wurde ein
starker Impuls gesetzt, Gesundheit positiv als körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden
zu formulieren. In der folgenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung um einen angemessenen
Gesundheitsbegriff wird Gesundheit als Zustand auf mehreren Dimensionen definiert (als
Wohlbefinden und Handlungspotenzial) und als Prozess gesehen, d.h., Gesundheit muss immer
wieder neu hergestellt und Person und Umwelt in eine Balance gebracht werden. Der
Gesundheitsbegriff der Salutogenese konzipiert ein Gesundheits-Krankheits-Kontinuum und betont
damit sowohl das Prozesshafte als auch die vielen Variationen zwischen Gesundheit und
Krankheit.

Der deutsche Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann hat die Kernidee der Definition von
Gesundheit, die die WHO 1946 in Ihren Gründungsstatuten aufnahm, noch ein wenig ausgebaut
und definiert „Gesundheit“ folgendermaßen:
„Gesundheit bezeichnet den Zustand des Wohlbefindens einer Person, die gegeben ist, wenn sich
diese Person körperlich, psychisch und sozial im Einklang mit den jeweils gegebenen inneren und
äußeren Lebensbedingungen befindet. Gesundheit ist nach diesem Verständnis ein angenehmes
und durchaus nicht selbstverständliches Gleichgewichtsstadium von Risiken und Schutzfaktoren,
das zu jedem lebensgeschichtlichen Zeitpunkt immer neu hergestellt werden muss. Gelingt das

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Gleichgewicht, so kann dem Leben Freude und Sinn abgewonnen werden und es ist eine
produktive Gestaltung der eigenen Kompetenzen und Leistungspotenziale möglich und so steigt
auch die Bereitschaft sich gesellschaftlich zu integrieren und zu engagieren.“
Die WHO sieht Gesundheit als ein Menschenrecht, für dessen Umsetzungen aber bestimmte
Voraussetzungen, wie etwa Friede, genügend Angebot an Nahrungsmittel, angemessene
Wohnverhältnisse, aber auch soziale sowie wirtschaftliche Gerechtigkeit, vorhanden sein müssen.
Die Gesundheit zu bewahren, zu verbessern und wiederherzustellen, ist das oberste Ziel von
Gesundheitssystemen.

Krankheit
„Disease“, das englische Wort für Krankheit, leitet sich von „desaise“ ab und bedeutet innere
Unruhe. Heutzutage wird Krankheit als ein objektiver Zustand der Erkrankung verstanden, der mit
medizinisch allgemein erkannten Nachweisen belegt werden kann und demnach das
Vorhandensein eines feststellbaren pathologischen Befundes ist. Als Verursacher von Krankheiten
gelten äußerliche sowie aber auch körpereigene Faktoren.
Kranksein hingegen ist eine subjektive Erfahrung des Verlustes von Gesundheit und drückt sich in
Form von Symptomen, wie etwa Schmerzen oder Funktionsverlusten, aus. Aus diesem Grund ist
es wichtig, dass die Begriffe Krankheit und Kranksein differenziert gesehen werden. Bei einem
Menschen kann eine Krankheit diagnostiziert werden, obwohl dieser sich nicht krank fühlt und
auch keinerlei Symptome aufweist. Ebenso ist es aber möglich, dass sich ein Mensch krank fühlt,
obwohl in den medizinischen Befunden nichts auffälliges nachweisbar ist, was darauf schließen
lässt, dass eine subjektive Empfindung von Kranksein nicht immer mit einer objektiven
Krankheitsdiagnose zusammenfällt.

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A:Gesundheit war über JHDT. religiös geprägt, wurde als göttliche Fügung gesehen. KH= Strafe
von Gott. Wandel = Mittelalter-Neuzeit – Gesundheit wird zunehmend als vom Menschen
beeinflussbar gesehen. Ab dem 18.Jhdt. gibt es Schriften, Mitte des 19. Jhdt. wird der Körper
zunehmend als Objekt messbar gesehen (Organ, Zellen) KH= Störung des Organismus
Gesundheit ist „nur“ Abwesenheit von KH.
Im 20 Jhdt. werden psychisch soziale Erkrankungen „wahrgenommen“. (WHO Def. von
Gesundheit) Nun wird Gesundheit als Prozess angesehen der immer wieder hergestellt werden
kann und muss.

2 Erklären Sie den Unterschied zwischen Prävention und Gesundheitsförderung


Prävention
Unter Prävention werden alle Aktivitäten verstanden, die gesundheitlichen Gefahren vorbeugen
sollen. Sie zielt also auf die Verhinderung von Krankheiten ab.
In der Fachsprache unterscheidet man drei verschiedene Arten der Prävention:
 Die Primärprävention dient der Risikoreduktion, sie will das Auftreten von Erkrankungen
verhindern.
 Die Sekundärprävention setzt ein, wenn bereits eine Krankheit besteht. Sie richtet sich an
Betroffene und zielt auf Früherkennung und Behandlung ab, um eine Chronifizierung von
Erkrankungen zu verhindern.
 Die Tertiärprävention findet nach oder während einer Krankheit statt. Sie dient der
Vermeidung von Folgeschäden und will helfen, dass trotz Erkrankung ein ausgefülltes
Leben geführt werden kann.

Gesundheitsförderung
Gesundheitsförderung ist ein Prozess, der zum Ziel hat, allen Menschen ein höheres Maß an
Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung Ihrer
Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales
Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl Einzelne als auch Gruppen ihre
Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre

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Umwelt meistern bzw. sie verändern können. Die Verantwortung für Gesundheitsförderung liegt
deshalb nicht nur beim Gesundheitssektor, sondern in allen Bereichen der Politik.
Gesundheitsförderung umfasst somit die Erweiterung des Wissens des / der Einzelnen über die
Funktionsweisen ihres / seines Körpers und die Möglichkeiten der Vermeidung von Erkrankungen,
die Stärkung ihrer / seiner Kompetenzen im Umgang mit dem Gesundheitssystem sowie die
Erhöhung ihres / seines Bewusstseins über die politischen und anderen Faktoren der physischen
und sozialen Umwelt, die ihre oder seine Gesundheit beeinflussen.
Gesundheitsförderung richtet sich also im Unterschied zur Prävention nicht ausschließlich an
einzelne Menschen oder Bevölkerungsgruppen, sondern sie zielt immer auch auf eine
Verbesserung von strukturellen Einflussfaktoren auf Gesundheit ab. Ein weiterer Unterschied zur
Prävention ist, dass die Gesundheitsförderung nicht störungs- oder krankheitsspezifisch arbeitet,
sondern ganzheitlich. Sie orientiert sich an den Stärken und Ressourcen von Menschen oder
Organisationen, in denen Menschen leben und arbeiten. Es geht nicht um die Frage, was
Krankheiten verhindert, sondern im Vordergrund steht immer, wie und wo Gesundheit erhalten
werden kann.

3 Was wissen Sie über Gesundheitsaufklärung, Gesundheitsberatung und


Gesundheitserziehung?
Gesundheitsaufklärung
Mit Hilfe der Gesundheitsaufklärung soll der Wissensstand der Bevölkerung im Kontext Krankheit
und Gesundheit verbessert werden. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen die
Verantwortung für ihre eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen übernehmen können. Ein
Ziel ist daher auch, Menschen zu motivieren, aktiv für die Förderung von Gesundheit zu sorgen.
Die Aufgaben der Gesundheitsaufklärung sind:
 Erarbeitung von Grundsätzen und Richtlinien für Inhalte und Methoden der praktischen
Gesundheitserziehung,
 Aus- und Fortbildung der auf dem Gebiet der Gesundheitserziehung und –aufklärung
tätigen Personen,
 Koordinierung und Verstärkung der gesundheitlichen Aufklärung und
Gesundheitserziehung im Bundesgebiet,
 Zusammenarbeit mit dem Ausland.
Aber auch Krankenkassen, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Gesundheitsämter,
Fachgesellschaften und Bildungseinrichtungen werden im Sinne der Gesundheitsaufklärung tätig.
Häufig werden die Informationen über Massenmedien vermittelt.

Gesundheitsberatung
Vermittlung von Gesundheitsinformation in Form von Gesprächen (z.B.: Einzel-und
Gruppenberatung) Arztpraxis, GKK
Die Beratung, auch die Gesundheitsberatung, ist nicht ganz eindeutig zu definieren. Im
Allgemeinen werden als Grundlagen dieser speziellen Form der Kommunikation die Freiwilligkeit,
die zeitliche Begrenzung und die Problemorientierung genannt.
Vorausgesetzt wird, dass der zu Beratende ein gewisses Maß an Selbstständigkeit besitzt (anders
als in der therapeutischen Beziehung, die sehr wohl durch ein deutliches Ungleichgewicht in der
Beziehung geprägt sein kann). Nach Peter Sabo (BZgA online) erfolgt die Gesundheitsberatung
zurzeit in fünf unterschiedlichen Feldern:
 Ärztliche Gesundheitsberatung im einzelnen Arzt-Patienten-Kontakt oder in Gruppen in der
Arztpraxis
 Gesundheitsberatung in Krankenhäusern, Gesundheitsämtern, Einrichtungen der
Rehabilitation, in Betrieben und Settings für Einzelne und in Gruppen z.B. durch die
verschiedenen Fachleute aus dem Gesundheitswesen bzw. anderer Träger und Initiativen
der Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung (Selbsthilfe)
 Gesundheitsbezogene Institutions- und Politikberatung
 Verbraucherinformation und Patientenberatung (Patientenschulung)
 Beratung im Internet oder Online

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Als Gesundheitsberater können eine Reihe von Fachleuten, nicht nur Ärzte und Ärztinnen, tätig
werden. In zunehmendem Maße eröffnen sich hier auch Angehörigen sozialer Berufe
Tätigkeitsfelder. Immer häufiger wird auch der Begriff des Gesundheitscoachings verwendet, der
sich im Alltagsgebrauch in großen Teilen mit der Gesundheitsberatung überschneidet. Coaching
wird allerdings häufiger verwendet, um nicht nur einen Beratungsprozess bei definierter
Problemlage zu beschreiben, sondern um eine Begleitung bei der individuellen oder der
Organisations-Weiterentwicklung zu beschreiben. Oft geschieht dieser Beratungsprozess auf der
Grundlage eines systemischen Ansatzes.

Gesundheitserziehung
bezieht sich auf Programme zur Verhaltensänderung, meist bei Kindern und Jugendlichen.
Kindergärten, Schulen
Vom Sprachverständnis her wird Erziehung eher mit einer Belehrung und Anleitung von Kindern
und Jugendlichen verknüpft. So lagen die Schwerpunkte der Gesundheitserziehung auch
traditionell im Bereich der Verhaltensprävention, vor allem der Vermeidung von Risikoverhalten.
Die WHO hat die Gesundheitserziehung umfassender definiert als Erziehungs- und
Bildungsmaßnahmen, die Menschen dabei unterstützen, aktiv für die eigene Gesundheit zu
sorgen. Mittlerweile ist dieser Gesundheitsförderungsansatz auch in den Lehrplänen
bundesdeutscher Schulen enthalten. Auch für Kindergärten und Kindertagesstätten wurden
entsprechende Module entwickelt.
Das englische „health education“ geht ebenfalls über den engen Erziehungskontext hinaus und
umfasst zusätzlich Aspekte der Gesundheitsbildung. In Deutschland scheint sich mittlerweile die
Bedeutung des Begriffs der Gesundheitserziehung in diese Richtung gewandelt zu haben. Manche
Autoren sehen die Gesundheitserziehung mittlerweile als einen Teilbereich der
Gesundheitsförderung an.

Gesundheitsaufklärung
Vermittlung von Information über die Gesundheit in Form von Massenkommunikation um die
Bevölkerung überlebenswichtige Aspekte von Gesundheit und Krankheit aufzuklären. Öffentlicher
Raum, Zeitschriften, TV

4 Erklären Sie primäre, sekundäre und tertiäre Prävention


Die Primärprävention hat zum Ziel, die Gesundheit zu fördern und zu erhalten und die
Entstehung von Krankheiten so gut wie möglich zu verhindern. Maßnahmen der Primärprävention
(Aufklärung, Erziehung, Information, politische Aktionen) können spezifische Individuen ebenso
wie Personengruppen, aber auch – allerdings seltener – die Gesamtbevölkerung betreffen.
Idealerweise sollten sie in einer möglichst frühen Lebensphase einsetzen. Hierzu gehört zum
Beispiel die Vermeidung von Risikofaktoren wie Alkohol- und Nikotinkonsum, insbesondere
verstärkte Maßnahmen zum Nichtraucherschutz oder gesundheitsbewusste
Erziehungsmaßnahmen, die bei Kindern die Lust und Freude an gesunder Ernährung und
körperlichen Aktivitäten wecken sollen.
Primär: vor Eintreten einer KH (Impfung)

Die Sekundärprävention soll das Fortschreiten einer Krankheit durch Frühdiagnostik und -
behandlung verhindern. Sie umfasst Maßnahmen zur frühzeitigen Entdeckung von
Veränderungen, die zu Krankheiten führen bzw. greift in Risikosituationen ein. Screening-
Untersuchungen (z.B. Mammographie bei der Brustkrebsvorsorge, Darmspiegelungen zur
Darmkrebsprävention) bei scheinbar Gesunden auf das Vorliegen bestimmter symptomloser
Krankheitszeichen oder -vorzeichen zielen darauf ab, Krankheiten im Frühstadium zu erkennen
und sie durch rechtzeitige Behandlung möglichst zur Ausheilung oder zum Stillstand zu bringen.
Sekundär: im Frühstadion- verhindern des Fortschreitens einer KH (Deku)

Als Tertiärprävention wird die Verringerung der Schwere und der Ausweitung von bereits
manifest gewordenen Erkrankungen bezeichnet; sie beinhaltet aber auch die Rückfallsprophylaxe

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sowie die Prävention von Folgestörungen bei bereits bestehenden Krankheiten bzw. eingetretenen
Ereignissen. Tertiäre Maßnahmen betreffen Menschen, die bereits an einer Krankheit in einem
fortgeschrittenen Stadium leiden. Ziel ist, die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität weitestgehend
wiederherzustellen bzw. zu erhalten, etwa durch Heilgymnastik oder Rehabilitationskuren.
Teritär: nach Behandlung einer KH (Vorsorge MammaCA)

5 Erklären Sie den Unterschied zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention.

Verhaltensprävention
zielt darauf ab, individuelles(Risiko-)verhalten wie Rauchen oder Fehlernährung zu verändern.
Bezieht sich auf das Verhalten von Bevölkerungsgruppen oder Einzelpersonen.
Verhältnispräventive Maßnahmen: Gesundheitsaufklärung, -beratung,-erziehung und-bildung
Der Schwerpunkt des Arbeitsschutzgesetzes liegt auf der Verhältnisprävention: „Gefahren sind an
ihrer Quelle zu bekämpfen.“ Diese Prävention setzt zuerst an den Arbeitsbedingungen an und
nicht an den einzelnen Mitarbeitern: „Individuelle Schutzmaßnahmen sind nachrangig zu anderen
Maßnahmen.“
Die Beurteilung der Arbeitsbedingungen ist Grundlage für die gesundheitsgerechte Gestaltung der
Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt, dass Risiken der
Fehlbelastung etwa durch Gefahrstoffe, Lärm, physische und psychische Belastungen in einer
Gefährdungsbeurteilung (z. B. Leitmerkmalmethode) ermittelt, beurteilt und dokumentiert werden.
Mit geeigneten Maßnahmen müssen Gefährdungen verringert oder ganz beseitigt werden. Für die
Maßnahmen ist im Arbeitsschutzgesetz eine Wirksamkeitskontrolle vorgeschrieben. Ergonomische
Faktoren wie Beleuchtung, Raumklima oder Arbeitsplatzmaße können optimiert werden.
Verhältnisprävention bedeutet das Verändern der Umgebung, um damit sowohl die physische wie
auch die psychische Integrität der Mitarbeiter zu sichern. Zum Beispiel kann die Arbeit so gestaltet
werden, dass der Arbeitende mehr Handlungsspielraum mit den dafür erforderlichen Ressourcen
hat und damit seine Tätigkeit selbständiger gestalten kann. Mehr Arbeitszufriedenheit kann Stress,
Depressionen oder anderen Beschwerden vorbeugen.

Verhältnisprävention:
zielt auf die Kontrolle, Reduzierung und Beseitigung von Gesundheitsrisiken in den Umwelt-und
Lebensbedingungen durch Veränderung von ökologischen, sozialen, ökonomischen und
kulturellen Rahmenbedingungen von Gesundheit ab. Beispiele für verhältnispräventive
Maßnahmen: gesetzliche Regelungen zum Verbot gesundheitsschädlicher Baustoffe, Bsp.
Rauchverbot in öffentlichen Lokalen.
Die Information über Gesundheitsgefahren und das Einüben gesundheitsgerechten Verhaltens
gehören ebenfalls zu den betriebsärztlichen Aufgaben. So sehen etwa die Gefahrstoffverordnung
und die Biostoffverordnung verbindlich die Aufklärung und Beratung der Beschäftigten durch den
Betriebsarzt vor. Das Arbeitsschutzgesetz fordert Verhaltensprävention zur Umsetzung
geforderten Verhältnisprävention: „Den Beschäftigten sind geeignete Anweisungen zu erteilen.“
Beispiele für weitere Maßnahmen der Verhaltensprävention sind etwa Trainings für richtiges
Sitzen, richtiges Tragen (Rückenschule), ein Hautschutzplan oder richtiges Verhalten im
Straßenverkehr (Wegeunfall). An Bedeutung gewinnen auch Angebote zur Stress- Bewältigung
und zur Bekämpfung von Mobbing. Ebenso dazu gehören der aktive Nichtraucherschutz und
Angebote zur Rauchentwöhnung.
Eine neuere Entwicklung sind Angebote von Kliniken an Unternehmen, deren Mitarbeitern
basierend auf Beratungsverträgen mit diesen Unternehmen ärztliche Betreuung anzubieten, wobei
im Rahmen der ärztlichen Schweigepflicht die Anonymität der Mitarbeiter gegenüber ihrem
Arbeitgeber gesichert ist. Solche freiwillig geleisteten Maßnahmen des Arbeitgebers zur
Verhaltensprävention sind jedoch kein Ersatz für gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen zur
Verhältnisprävention. Gefordert wird die Balance zwischen einer an den Arbeitsbedingungen und
einer an den einzelnen Mitarbeitern ansetzenden Prävention.

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6 Welche Untersuchung lieferte Antonovsky die Grundidee für sein Salutogenese


Modell?

Mit der Wortschöpfung Salutogenese (lat. salus = Gesundheit, Heil, Glück und griech. génesis =
Entstehung, Entwicklung) hat der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe und Stressforscher
Aaron Antonovsky (1923-1994) in den 70er Jahren die Frage nach der Entstehung von
Gesundheit, nach einer gesunden Entwicklung des Menschen in die moderne Wissenschaft
gebracht. Der Begriff ist analog und komplementär gebildet zu dem Begriff Pathogenese (griech.
páthos = Schmerz, Leid), der die Lehre der Entstehung von Krankheit bezeichnet.

Die Fragestellung der Salutogenese beinhaltet die Frage, wie ein Organismus es schafft, entgegen
dem Entropiesatz der Physik gesund zu wachsen, sich zu entwickeln und zu vermehren – also
eine dynamische, aufeinander abgestimmte Ordnung (= Kohärenz) herzustellen. Auch Antonovsky
nahm schon 1987 an, dass es zu einem großen Sprung vorwärts in der Wissenschaft der
Salutogenese kommen wird, wenn es weiterführende Antworten auf die Frage nach der
Entstehung von Ordnung aus Chaos geben wird (die Chaosforschung war damals noch sehr am
Beginn).
„Warum bewegen Menschen sich auf den positiven Pol des Gesundheits-Krankheits- Kontinuums
zu, unabhängig von ihrer aktuellen Position?“ (Antonovksy 1997)
Diese entscheidende Frage stellte der Medizinsoziologe und Stressforscher Antonovsky
angesichts einer vergleichenden Untersuchung von Frauen im Klimakterium (= Wechseljahre), die
den Holocaust im KZ überlebt hatten: “. ... bedenken Sie, was es bedeutet, dass 29 Prozent einer
Gruppe von Überlebenden des Konzentrationslagers eine gute psychische Gesundheit zuerkannt
wurde. (Die Daten zur physischen Gesundheit erzählen dieselbe Geschichte.).
Den absolut unvorstellbaren Horror des Lagers durchgestanden zu haben, ... und dennoch in
einem angemessenen Gesundheitszustand zu sein! Dies war für mich die dramatische Erfahrung,
die mich bewusst auf den Weg brachte, das zu formulieren, was ich später als das
salutogenetische Modell bezeichnet habe...“. So Aaron Antonovsky über den Beginn des Weges
zur Frage der Salutogenese.
Er hat diese Frauen, die den Holocaust gesundheitlich gut überstanden haben, intensiv befragt,
um herauszufinden, was sie zu dieser Stressbewältigung befähigt hat. Dabei hat er folgende
Erkenntnisse gewonnen:
Als zentralen Faktor für ihre Gesundheit hat Antonovsky den „sense of coherence SOC“ gefunden,
was in der deutschsprachigen Literatur meist mit ‚Kohärenzgefühl’, seltener mit ‚Kohärenzsinn’
oder ‚Kohärenzempfinden’ übersetzt wird.
Er definiert den „sense of coherence SOC“ als „... globale Orientierung ... eines dynamischen wie
beständigen Gefühls des Vertrauens...“ (im Deutschen entspricht diese Definition in etwa einem
überpersönlichen ‚Urvertrauen‘). Dieses setzt sich nach Antonovsky aus drei Komponenten
zusammen:
1. Verstehbarkeit (comprehensibility)
2. Gefühl von Bedeutsamkeit oder Sinnhaftigkeit (meaningfulness)
3. Handhabbarkeit (manageability)

Sein „Konzept des Kohärenzgefühls“ verstand er „als Kern der Antwort auf die salutogenetische
Fragestellung“ (Antonovsky).
Antonovsky wollte mit seinem Salutogenese-Modell die Dichotomie (Zweiteilung) von Gesundheit
und Krankheit überwinden. Er sieht Menschen aktiv zwischen den Polen Krankheit und Gesundheit
– gleichzeitig sowohl krank als auch gesund – als „Schwimmer im Fluss des Lebens“. Jeder
Organismus ist ständig aktiv zur Herstellung von Gesundheit. Dabei spricht er öfter von
„mehrdimensionaler Gesundheit“ und öffnet damit den Blick für verschiedene Dimensionen des
Lebens.
Oft werden die pathogenetische und salutogenetische Sichtweise ideologisch als gegensätzlich
oder alternativ gegenüber gestellt. Das entspricht der von Antonovsky kritisierten Dichotomie
(Zweiteilung) von krank und gesund. Dabei ist offensichtlich, dass die Grundlage des Lebens die

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gesunde Entwicklung, die Salutogenese ist, die durch Krankheiten bzw. deren
Abwendung/Vermeidung ergänzt und auch ermöglicht wird.
Wenn man von einer salutogenetischen Sichtweise und so von einer gesunden Entwicklung
ausgeht, erscheint die Entstehung einer Erkrankung in einem anderen Licht als wenn man von
vornherein ausschließlich von einer Vermeidung und Bekämpfung ausgeht. Z. B. wird dann auch
nach der Bedeutung einer Erkrankung im aktuell individuellen Lebenskontext gefragt und nach den
eigenen Aktivitäten sowie den äußeren Bedingungen, die eine gesunde Entwicklung ermöglichen.
So wird eine pathogenetische Lehre erst richtig sinnvoll auf dem Hintergrund der Salutogenese.
Wenn man sein Denken, Forschen und Handeln allerdings ausschließlich pathogenetisch orientiert
und die Grundlagen gesunder menschlicher Entwicklung gänzlich aus den Augen verliert, wie es z.
Zt. bei großen Teilen der Schulmedizin der Fall ist, dann besteht die Gefahr, dass man sich gegen
die gesunde Entwicklung der Menschen richtet und selbst Krankheiten produziert.
Neuropsychologisch ist das so zu verstehen, dass einseitig Vermeidungsziele angeregt werden
und damit das Vermeidungssystem und damit Ängste aktiviert werden, welches dann positiv
motiviertes und sinnvolles Annäherungsverhalten hemmt. Die Folge sind Stresserkrankungen und
Depression. Deshalb widmen wir uns hier explizit der Salutogenese, um die Grundlagen gesunder
menschlicher Entwicklung wieder und neu ins Zentrum der Betrachtung zu rücken. Wir wollen
diese gesunde Entwicklung, die Salutogenese, verstehen und erfassen, um damit das
Annäherungsverhalten an Gesundheit zu aktivieren. Als erwünschte Nebenwirkung finden wir ein
neues Verständnis zur Entstehung, Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten.

7 Was versteht man unter „Kohärenzgefühl“? Aus welchen 3 Elementen setzt sich
dieses zusammen. Beschreiben Sie die einzelnen Elemente näher.

Im Mittelpunkt des Salutogenese-Modells nach dem Medizinsoziologen Aaron Antonovsky (1923-


1994) steht das Kohärenzgefühl (sense of coherence – SOC). Der Kritiker der Pathogenese, also
einer an Krankheit orientierte Betrachtungsweise der Medizin, definiert das Kohärenzgefühl als
„eine globale Orientierung, die zum Ausdruck bringt, in welchem Umfang man ein generalisiertes,
überdauerndes und dynamischen Gefühl des Vertrauens besitzt, dass die eigene innere und
äußere Umwelt vorhersagbar ist und dass mit großer Wahrscheinlichkeit die Dinge sich so
entwickeln werden, wie man es vernünftigerweise erwarten kann.“
Das Kohärenzgefühl stellt eine wichtige Ressource zur Bewältigung von Anforderungen und
Belastungen und somit zur Erhaltung der Gesundheit dar.

Es setzt sich zusammen aus:


 Verstehbarkeit (comprehensibility): Ereignisse werden als geordnet und kontrollierbar
wahrgenommen.
 Handhabbarkeit (manageability): Es besteht optimistisches Vertrauen darauf,
Lebensaufgaben mit Hilfe von geeigneten Ressourcen bewältigen zu können.
 Sinnhaftigkeit (meaningfulness): Das Individuum ist überzeugt davon, dass das Leben
einen Sinn hat. Es sieht gewissen Anforderungen im Leben als Herausforderungen im
positiven Sinn und investiert Engagement in diese Aufgaben.

Das Kohärenzgefühl basiert größtenteils auf Lebenserfahrungen. Je ausgeprägter es ist, desto


stärker ist die Fähigkeit eines Menschen, situationsadäquat und flexibel reagieren zu können und
im Hinblick auf die Gestaltung und Erhaltung seiner Gesundheit auf geeignete Ressourcen
zurückzugreifen.

8 Erläutern Sie die Bedeutung des Salutogenese Konzepts für das Praxisfeld Pflege
anhand eines konkreten Beispiels.

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Salutogenese: Entstehung und Erhaltung der Gesundheit, Gesundheit ist ein Prozess
lat. salus Gesundheit, genesis Entstehung
pathos – Schmerz,leid , Entstehung von KH
Die Salutogenese beschäftigt sich im Gegensatz zur Pathogenese nicht mit der Frage :“was macht
den Menschen krank“? sondern „Was hält ihn gesund“?
Grundlage des Lebens ist die gesunde menschliche Entwicklung.

9 Was verstehen Sie unter dem Begriff „Gesundheits- und Krankheitskontinuum“?


„Stressoren“? Beschreiben Sie den Zusammenhang zwischen Gesundheit und
Krankheit.
Aron Antonowsky, 1923-1994 israelisch-amerikanischer Professor der Soziologie Vater der
Salutogenese und Kohärenzgefühl

Gesundheits- und Krankheitskontinuum


Gesundheit & Krankheit schließen einander nicht aus. Jeder Mensch kann jederzeit auf dieser
Strecke zwischen Anfang und Ende stehen. Es stellt sich die Frage wie groß ist die Entfernung zu
den Polen jeweils.
Antonovsky kritisierte die üblichen (dichotome) Trennung in gesund oder krank, mit der die
wissenschaftliche Medizin und das medizinische Versorgungssystem arbeiten. Insbesondere auch
die Krankenversicherung muss sich an diesen Kategorien orientieren. Antonovsky setzt dieser
Trennung die Vorstellung eines Kontinuums mit den Polen „Gesundheit/körperliches
Wohlbefinden“ und „Krankheit/körperliches Missempfinden“ gegenüber.
Die beiden Pole völlige Gesundheit oder völlige Krankheit sind für lebende Organismen nicht zu
erreichen. Jeder Mensch, auch wenn er sich überwiegend als gesund erlebt, hat auch kranke
Anteile, und solange Menschen am Leben sind, müssen Teile von ihnen auch noch gesund sein:
„Wir sind alle terminale Fälle. Aber solange wir einen Atemzug Leben in uns haben, sind wir alle
bis zu einem gewissen Grad gesund.“ (Antonovsky, 1989). Die Frage ist daher nicht mehr, ob
jemand gesund oder krank ist, sondern wie weit entfernt bzw. nahe er den Endpunkten Gesundheit
und Krankheit jeweils ist.
Zudem geht Antonovsky davon aus, dass es noch eine ganze Reihe weiterer Befindens-
Dimensionen gibt, die ebenfalls als Kontinuen zu denken sind und mit der Dimension gesund-
krank korrelieren. Für seine Leitfragestellung ist es wichtig, zwischen körperlichem Befinden und
diesen anderen Dimensionen von Wohlbefinden/Unbehagen zu unterscheiden. Im Rahmen seines
Modells stellt er den Aspekt der körperlichen Gesundheit in den Mittelpunkt.

Stressorenverständnis
Faktoren und Auslöser die zu Stressreaktionen führen (Hitze, Lärm, Zeitdruck, Leistungsdruck,
Hunger, Durst, Schmerz, Druck, Probleme)
Nach Antonovsky ist ein Stressor als eine Anforderung definiert, die „Entropie in das System
bringt, das heißt eine Lebenserfahrung, die durch Inkonsistenz, Unter- oder Überforderung und
fehlende Teilhabe an Entscheidungsprozessen charakterisiert ist.“ Daraus folgt, dass Stressoren
einen Spannungszustand erzeugen.
Die Heterostase wird dabei, wie schon erwähnt, als Grund- bzw. Normalzustand des Menschen
vorausgesetzt. Durch Reaktionen des Individuums auf die externen Einflüsse wird deren
Homöostase aber gestört und es wird vom Organismus immer wieder versucht, diese Homöostase
neu herzustellen. Die Reaktionen auf solche Störungen seiner Homöostase erfolgt permanent und
automatisch nach dem Prinzip eines dynamisch-kybernetischen Systems.

Mit der Annahme der Heterostase als Normalzustand geht Antonovsky grundsätzlich davon aus,
dass Stressoren ubiquitär sind und benennt „elf Quellen von unvermeidlichen und potentiellen
psychosozialen Stressoren“ wie beispielsweise Unfälle und deren Folgen für Überlebende, die
unvermeidliche Verstrickung in die Geschichte der Gesellschaft oder Konflikte in sozialen
Beziehungen, um hier einige exemplarisch zu nennen.

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Stressoren können aber nicht nur pathologische, sondern auch neutrale oder heilsame
Konsequenzen haben. Wie die Stressoren dann letztlich wirken hängt vom
Spannungsmanagement des Individuums ab. Wesentlich ist dabei die Unterscheidung zwischen
Spannung und Stress: „Stress ist ein wirkender Faktor in der Pathogenese, während Spannung
salutogen sein, aber auch zu Stress führen kann.“ Entscheidend ist also die subjektive
Verarbeitung der Stressoren durch das Spannungsmanagement, denn an dieser Verarbeitung
entscheidet sich, ob die Stressoren zum (pathogenen) Stress oder zum Eustress werden, indem
der Stress als Anforderung wahrgenommen, die Heilsamkeit der Stressoren zugunsten der
Gesundheit ausgenutzt wird und der Stress letztlich abprallt und salutogen bzw.
gesundheitsfördernd werden kann; so löst Stress in diesem Sinne nicht ausschließlich
pathogenetische Vorgänge aus. Antonovsky gelingt damit in seinem Konzept gleichsam eine
„Rehabilitation der Stressoren im menschlichen Leben“.

10 Beschreiben Sie das Konzept Empowerment näher


Empowerment =Ermächtigung, Befähigung
umfasst die Befähigung und Stärkung der Menschen zur gesundheitsförderlichen Gestaltung ihrer
Lebenswelten.
Menschen sollen befähigt werden, unterschiedliche Anforderungen bewältigen zu können, ihre
eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und sich die dafür erforderlichen Ressourcen zu verschaffen,
um selbst die Kontrolle über Entscheidungen und Handlungen, die ihre Gesundheit beeinflussen,
zuhaben.

„Befähigen und Ermöglichen“ – das ist eine der drei Handlungsstrategien, die von der WHO für die
Gesundheitsförderung gefordert werden. Nach dem Verständnis der Weltgesundheitsorganisation
entsteht Gesundheit unter anderem dadurch, dass man für sich selbst und für andere sorgt, dass
man in der Lage ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen
Lebensumstände auszuüben. Mit dieser Aussage ist letztlich Empowerment gefordert – der
Prozess, bei dem Menschen sich ermutigt fühlen, ihre eigenen Angelegenheiten in die Hand zu
nehmen, die eigenen Kompetenzen zu entdecken, die eigenen Kräfte einzusetzen und den Wert
selbst erarbeiteter Lösungen zu schätzen.
Der Begriff Empowerment, wörtlich „Ermächtigung“, stammt aus den USA und wird heute in
mehrerem Bedeutungen gebraucht, für:
 den Prozess der „Selbst-Ermächtigung“
 die professionelle Unterstützung von Menschen mit dem Ziel, Autonomie und
Selbstbestimmung zu stärken
 den Zustand von Selbstbestimmung und –verantwortung

Im Kontext Gesundheit ist Empowerment besonders wichtig bei chronischen Erkrankungen, die mit
den Methoden der klassischen kurativen Medizin nicht vollständig zu behandeln sind. Die
Bewältigung langfristiger Krankheitsverläufe, der Umgang mit Symptomen, die Koordination und
die Unterstützung der Behandlungen sowie die Verarbeitung der sozialen Folgen von Krankheit
erfordern letztlich die Aktivität der Erkrankten. Das Empowerment- Konzept hat in der Sozialen
Arbeit zum Teil zu einem Perspektivenwechsel geführt. Die Grundhaltung, dass Klienten
Menschen mit Defiziten sind, die der Hilfe von Experten bedürfen, wurde abgelöst durch die
Erkenntnis, dass viele angebliche Defizite das Ergebnis sozialer Strukturen und mangelnder
Ressourcen sind.

11 Formulieren Sie verschiedene Definitionen von Gesundheit inklusive WHO und


beschreiben Sie Einflussfaktoren auf die Gesundheit

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WHO: „Gesundheit ist der Zustand des völligen körperlichen, geistigen und sozialen
Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheiten und Gebrechen.“

Nach T. Parson (Medizinsoziologe): „Gesundheit ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines
Individuums, für die wirksame Erfüllung der Rollen und Aufgaben für die es sozialisiert
(Sozialisation = Einordnungsprozess in die Gesellschaft, Normen- und Werteübernahme) worden
ist.“

Hurrelmann (1990) definiert Gesundheit als: „ Zustand des objektiven und subjektiven Befindens
einer Person, der gegeben ist, wenn diese Person sich in den physischen, psychischen und
sozialen Bereichen ihrer Entwicklung im Einklang mit den eigenen Möglichkeiten und
Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äußeren Lebensbedingungen befindet.“

„Gesundheit ist eine Fähigkeit zur Problemlösung und Gefühlsregulierung, durch die ein positives
seelisches und körperliches Befinden – insbesondere ein positives Selbstwertgefühl – und ein
unterstützendes Netzwerk sozialer Beziehungen erhalten oder wieder hergestellt wird.“

Es handelt sich dabei um jene wesentlichen Faktoren, die unsere Gesundheit beeinflussen. Sie
lassen sich in drei große Bereiche zusammenfassen:
 Sozioökonomische Faktoren und umweltbedingte Verhältnisse
 Lebensweise und Lebensstile
 Individuelle Faktoren ( Alter, Geschlecht und erbliche Faktoren)
In der Jakarta-Erklärung von 1997 werden die Determinanten der Gesundheit im Detail definiert.
Dabei stellen die Grundvoraussetzungen für Gesundheit, Frieden, soziale Sicherheit, soziale
Beziehungen, Nahrung, Einkommen, Handlungskompetenzen (Empowerment) von Frauen, ein
stabiles Ökosystem, nachhaltige Nutzung von Ressourcen, soziale Gerechtigkeit, die Achtung der
Menschenrechte und die Chancengleichheit dar. Unter Ressourcen werden persönliche, soziale
und strukturelle Mittel und Möglichkeiten verstanden, die dabei helfen, Lebenssituationen und
Probleme zu bewältigen. Je mehr Ressourcen ein Mensch besitzt, umso besser ist er in der Lage
bestimmte Lebenssituationen und Probleme zu meistern. Man differenziert dabei zwischen
persönlichen, sozialen und strukturellen Ressourcen:
Kompetenzen wie Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit, Kommunikations- und
Konfliktlösungskompetenz und Gesundheitskompetenz verstanden.

Als soziale Ressourcen können das Vorhandensein sozialer Netzwerke und positive soziale
Bindungen genannt werden.
- und Lebensbedingungen oder der Zugang zu Vereinen und zu einer gesundheitlichen
Grundversorgung verstanden.

In der Darstellung des „Policy Rainbow-Modells“ von Dahlgren & Whitehead (1991) werden die vier
Einflussbereiche auf die Gesundheit dargestellt, welche durch Intervention verändert werden
können:
erhaltens- und Lebensweisen des Einzelnen
- und Arbeitsbedingungen
Gesundheit ist als ein Produkt komplexer Lebensumstände zu sehen, deren Umgang mit
Ressourcen und Risiken im Sozialisationsprozess erlernt werden. Dabei spielen viele Faktoren
eine wichtige Rolle, jedoch werden die Familie, die Gleichaltrigengruppe (Peer- Group), die Schule
und die Medien als die Wichtigsten gesehen. Als weitere wichtige Determinante wird von
Forschern auch der sozioökonomische Status beschrieben und sollte daher auch erwähnt werden.
Einen sehr entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes sowie auf dessen
Gesundheit und Gesundheitsverhalten hat die Familie. Eine gute offene, zugängliche und
kommunikative Familienstruktur hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Kinder. Hierbei
spielt eine gute Eltern-Kind-Kommunikation eine wichtige Rolle, im Hinblick eines protektiven
Effekts, auf das Leben junger Menschen.
Der sozioökonomische Status wird, wie bereits erwähnt, als jene Determinante gesehen, die den
größten Einfluss auf die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten aufweist. Anhand von Studien

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
konnte nachgewiesen werden, dass Kinder und Jugendliche, aus weniger wohlhabenden Familien,
eine schlechtere Gesundheit und Lebenszufriedenheit aufweisen. Jedoch ist dieser
Zusammenhang, zwischen sozioökonomischen Status und Gesundheit, sehr komplex, so dass die
Ergebnisse unterschiedlicher Studien von einem starken bis zu keinem Zusammenhang reichen.
Es gibt zudem auch die Vermutung, dass Medien, Peers und Schule einen ausgleichenden Effekt
auf die Gesundheit von Jugendlichen haben können.

12 Erklären Sie Strategien und Handlungsfelder der Ottawa Charta.


Die Charta ruft Staaten dazu auf, Strategien und Programme zur Gesundheitsförderung
umzusetzen. Schlüsseldokument und Grundsatzpapier für die weitere Entwicklung der
Gesundheitsförderung.
Definition von Gesundheitsförderung
Ziel: allen Menschen ein höheres Maß an Einfluss auf die Bedingungen ihrer Gesundheit
ermöglichen.

Handlungsstrategien:
 Anwaltschaften für Gesundheit(„advocacy“): Eintreten für Gesundheit durch Beeinflussung
politischer, ökonomischer, sozialer, kultureller, biologischer Faktoren sowie Umwelt-und
Verhaltensfaktoren
 Befähigen und ermöglichen(„enable“) :Kompetenzförderung und Empowerment zur
Verringerung von Chancenungleichheit und Verwirklichung eines größtmöglichen
Gesundheitspotenzials
 Vermitteln und vernetzen(„mediate“): Aktive und dauerhafte Kooperation mit allen Akteuren
innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens

„Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an
Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer
Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales
Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre
Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre
Umwelt meistern bzw. verändern können. In diesem Sinne ist die Gesundheit als ein wesentlicher
Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. Gesundheit
steht für ein positives Konzept, das in gleicher Weise die Bedeutung sozialer und individueller
Ressourcen für die Gesundheit betont wie die körperlichen Fähigkeiten. Die Verantwortung für
Gesundheitsförderung liegt deshalb nicht nur bei dem Gesundheitssektor sondern bei allen
Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die
Förderung von umfassendem Wohlbefinden hin“ (WHO 1986).
Ziel professioneller Gesundheitsförderung ist es, Individuen und Systeme nachhaltig zur eigenen
Gesunderhaltung zu befähigen. Dabei sind vor allem solche Interventionen erfolgversprechend, die
dem Mehrebenen-Absatz folgend möglichst viele der folgenden Handlungsfelder gleichzeitig
ansprechen und gesundheitsförderlich weiterentwickeln.

Als 3 wesentliche Handlungsstrategien werden von der WHO (Ottawa-Charta) benannt:


Anwaltschaftliches Eintreten für Gesundheit (advocate for health) Befähigen und Ermöglichen
(enable change)
Vermitteln und Vernetzen (mediate through partnership)
Die 5 vorrangigen Handlungsfelder der Gesundheitsförderung entsprechend der WHO (Ottawa-
Charta) sind:
Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik (build healthy public policy) Schaffung
gesunder Lebenswelten (create supportive environments)
Förderung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktivitäten (strengthen community action)
Entwicklung persönlicher Gesundheits- und Lebenskompetenzen (develop personal skills)
Neuorientierung der Gesundheitsdienste (reorient health services)

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung

13 Nenne Sie Beispiele für Rahmenbedingungen der Gesundheitsförderung


Prävention, Vorsorge, Beratung Der Staat muss finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.- Wieviel ist
dem Staat die Gesundheit wert?

14 Was besagt die Jakarta Deklaration?


Abschlussdokument der 4. Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung zum Thema
„Neue Akteure für eine neue Ära - Gesundheitsförderung für das 21. Jahrhundert“. Die Erklärung
legt den Handlungsrahmen für die Gesundheitsförderung zu Beginn des 21. Jahrhunderts fest. Sie
baut auf den Prinzipien der Ottawa Charta auf, befasst sich aber auch mit neuen Problemfeldern.
Gefordert werden unter anderem neue Handlungsansätze, die bestehende Barrieren zwischen
staatlichen und nichtstaatlichen, zwischen öffentlichen und privaten Sektoren beseitigen sollen.
Die Jakarta Erklärung legt folgende Prioritäten fest:
 Förderung der sozialen Verantwortung für Gesundheit
 Ausbau der Investitionen in die Gesundheitsentwicklung
 Festigung und Ausbau von Partnerschaften für Gesundheit
 Stärkung der gesundheitsfördernden Potenziale von Gemeinschaften und Individuen
 Sicherstellen einer Infrastruktur für die Gesundheitsförderung.

15 Welche WHO Modellprojekte gibt es? Beschreiben Sie eines näher.


 Gesundheit und Krankenhaus
 Gesundheit am Arbeitsplatz
 Gesunde Ernährung im Krankenhaus
 Gesunde Jause

16 Was ist Public – Health (Definition, Entstehung, Ziele und Aufgabenbereiche)


Public Health ist die Wissenschaft und die Praxis zur Verhinderung von Krankheiten, zur
Verlängerung des Lebens und zur Förderung von physischer und psychischer Gesundheit unter
Berücksichtigung einer gerechten Verteilung und einer effizienten Nutzung der vorhandenen
Ressourcen (modifiziert nach Winslow 1920). Maßnahmen von Public Health zielen primär auf die
Gesunderhaltung der Bevölkerung und ihrer Subgruppen. Die unterschiedlichen Bedürfnisse und
Präferenzen der darin eingeschlossenen Individuen zu berücksichtigen, stellt eine besondere
Herausforderung dar.
Um ihre Ziele zu erreichen ist die Public Health-Praxis auf wissenschaftliche Erkenntnisse
angewiesen. Dabei geht es u.a. um
die Häufigkeit und Verteilung von Erkrankungen, die Ursachen von Gesundheit und Krankheit,
sowie die Wirksamkeit unterschiedlicher Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit und
Prävention von Krankheiten
die Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Maßnahmen
Fragen der Bedarfs- und Verteilungsgerechtigkeit
die optimale Gestaltung eines Gesundheitssystems, einschließlich Fragen der Ausbildung, der
Kostenerstattung und der Rollenverteilung
die angemessene Beteiligung von Patientinnen und Patienten sowie Bürgerinnen und Bürgern
Aus diesen Aufgaben ergeben sich eine Vielfalt von Fragestellungen. Public Health ist daher auf
die integrative Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Disziplinen angewiesen. Dazu gehören u.a.
die Demographie, Epidemiologie, Gesundheitsmanagement, Gesundheitsökonomie,
Gesundheitspädagogik, Gesundheitspolitik, Gesundheitspsychologie, Gesundheitssoziologie,
Gesundheitssystemforschung, Medizin, Medizinanthropologie, Pflegewissenschaften, Public-
Health-Ethik, Rechtswissenschaften, Statistik, Versorgungsforschung und andere mehr.

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17 Beschreiben Sie das Prochaska Modell (Stufen der Verhaltens und


Veränderungsstrategien)
Transtheoretisches Modell = ein Konzept zur Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und
Beeinflussung von internationalen Verhaltensänderungen.
1. Im Absichtslosigkeitsstadium (precontemplation) haben Personen keine Absicht ein
problematisches Verhalten zu verändern.
2. Im Absichtsbildungsstadium (contemplation) haben die Personen die Absicht irgendwann
das problematische Verhalten zu verändern.
3. Im Vorbereitungsstadium (preparation) planen Personen konkret, demnächst ihr
problematisches Verhalten zu ändern und unternehmen erste Schritte in Richtung einer
Änderung.
4. Im Handlungsstadium (action) vollziehen Personen eine Verhaltensänderung
5. Im Aufrechterhaltungsstadium (mainentance) haben Personen seit einem längeren
Zeitraum das problematische Verhalten aufgegeben.
6. Im Abschlussstadium (termination) ist das alte Verhalten dauerhaft aufgegeben, das neue
Verhalten ist verinnerlicht und wird aufrechterhalten.
Bsp. Rauchen, Sucht, Bewegung…

Das Transtheoretische Modell (TTM, „Transtheoretical Model“) ist ein Konzept zur Beschreibung,
Erklärung, Vorhersage und Beeinflussung von intentionalen Verhaltensänderungen. Das von
James O. Prochaska von der University of Rhode Island und seinen Kollegen entwickelte Modell
basiert auf der Annahme, dass Änderungsprozesse

Dabei werden mehrere qualitativ unterschiedliche und sukzessive aufeinander aufbauende Stufen
durchlaufen. Deshalb wird das Transtheoretische Modell auch als Stufenmodell der
Verhaltensänderung bezeichnet („Stages of Change“). Das Modell wurde auf unterschiedliche
Gesundheitsverhaltensweisen, z. B. Tabakrauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, körperliche
Bewegung/Sporttreiben adaptiert.
Im Kern postuliert das Modell sechs Stadien der Verhaltensänderung („Stages of Change“):
1. Im Absichtslosigkeitsstadium („Precontemplation“) haben Personen keine Absicht, ein
problematisches Verhalten zu verändern.
2. Im Absichtsbildungsstadium („Contemplation“) haben Personen die Absicht, irgendwann
das problematische Verhalten zu verändern.
3. Im Vorbereitungsstadium („Preparation“) planen Personen konkret, demnächst ihr
problematisches Verhalten zu ändern und unternehmen erste Schritte in Richtung einer
Verhaltensänderung.
4. Im Handlungsstadium („Action“) vollziehen Personen eine Verhaltensänderung.
5. Im Aufrechterhaltungsstadium („Maintenance“) haben Personen seit einem längeren
Zeitraum das problematische Verhalten aufgegeben.
6. Im Abschlussstadium („Termination“) ist das alte Verhalten dauerhaft aufgegeben, das
neue Verhalten ist verinnerlicht und wird aufrechterhalten. Dieses Stadium wurde später
von anderen Autoren vereinzelt hinzugefügt und ist nicht für alle Anwendungsfelder gleich
sinnvoll (Sucht, Bewegung).

Weiterhin beinhaltet das TTM Veränderungsprozesse („Processes of Change“), definiert als


Aktivitäten und Ereignisse, die ein problematisches Verhalten und damit zusammenhängende
Kognitionen und Emotionen beeinflussen und verändern. Die Veränderungsprozesse ermöglichen
und fördern das Durchlaufen der Stadien der Änderungsbereitschaft, d. h., sie beschreiben, wie
Personen von einem Stadium in das nächste fortschreiten.
Es wurden zehn Veränderungsprozesse identifiziert, die sich entlang zweier Dimensionen als auf
das Erleben bezogene, kognitiv-affektive Prozesse („Cognitive-affective Processes“) und
verhaltensorientierte Prozesse („Behavioral Processes“) kategorisieren lassen.

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
Die fünf kognitiv-affektiven Prozesse sind
 Steigern des Problembewusstseins (Consciousness Raising)
 Emotionales Erleben (Dramatic Relief),
 Neubewertung der persönlichen Umwelt (Environmental Reevaluation)
 Selbstneubewertung (Self-Reevaluation)
 Wahrnehmen förderlicher Umweltbedingungen (Social Liberation)

die fünf verhaltensorientierten Prozesse sind


 Gegenkonditionierung (Counterconditioning)
 Kontrolle der Umwelt (Stimulus Control),
 Nutzen hilfreicher Beziehungen (Helping Relationships)
 (Selbst-) Verstärkung (Reinforcement Management)
 Selbstverpflichtung (Self-Liberation)

Neben den Stadien und Prozessen enthält das Modell die Entscheidungsbalance („Decisional
Balance“) und die Selbstwirksamkeitserwartung („Self-Efficacy“).
Die Entscheidungsbalance thematisiert die wahrgenommenen Vorteile („Pros“) und Nachteile
(„Cons“) einer Verhaltensänderung.
Die Selbstwirksamkeitserwartung beschreibt zum einen die Zuversicht ("Confidence"), ein
erwünschtes Verhalten in schwierigen Situationen ausüben zu können, und zum anderen die
Versuchung ("Temptation"), in schwierigen Situationen das unerwünschte Verhalten zu zeigen.

Drei generelle Arten von Versuchungssituationen lassen sich unterscheiden:


 Situationen mit positivem Affekt oder soziale Situationen (Positive Affect/Social Situations)
 Situationen mit negativem Affekt oder emotionalem Stress (Negative Affect Situations)
 habituelle Situationen oder Gewohnheit („Habitual/Craving Situations“)

Im TTM werden für die Veränderungsprozesse, die Vor- und Nachteile, sowie die
Selbstwirksamkeitserwartung charakteristische Verläufe über die Stadien der
Änderungsbereitschaft hinweg postuliert. Kognitiv-affektive Prozesse sind besonders in frühen
Änderungsstadien, verhaltensorientierte Prozesse besonders in den späten Änderungsstadien von
Bedeutung. Über die Stufen hinweg nimmt die Gewichtung wahrgenommener positiver
Handlungsergebniserwartungen zu, wohingegen die Gewichtung negativer Aspekte einer
Verhaltensänderung abnimmt. D.h. es entsteht eine positive Balance zugunsten der
wahrgenommenen Vorteile einer Verhaltensänderung. Der Zeitpunkt, an dem sich das Negativ-
Positiv-Verhältnis umkehrt ist in etwa nach der 3. Phase (Vorbereitungsphase) anzusiedeln. Also
im Übergang von präaktional zu aktional. Die Versuchung soll vom Absichtslosigkeits- bis zum
Aufrechterhaltungsstadium kontinuierlich absinken, die Zuversicht soll entsprechend ansteigen.

Das TTM hat in zahlreichen wissenschaftlichen Studien eine umfassende empirische Überprüfung
erfahren. Auch durch Interventionsstudien (vor allem zum Tabakrauchen) konnte die Nützlichkeit
und Praktikabilität des Modells belegt werden.

18 Nennen und beschreiben Sie Methoden zur Beurteilung der Erkrankungshäufigkeit


der Österreichischen Bevölkerung.
siehe Frage 19

19 Nenne Sie Bewertungsmethoden zur Erfassung und Erhebung der Gesundheit


Epidemiologische Methoden

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
Generell möchte man mit epidemiologischen Methoden und Studien den Zusammenhang
zwischen Exposition gegenüber Risikofaktoren und Erkrankung ermitteln. Ein Risikofaktor kann
etwa Rauchen, fettes Essen oder auch ein bestimmtes soziales Umfeld sein, welches die
Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöht. Analog zum Risikofaktor spricht man vom „protektiven
Faktor“, welcher sie verringert. Regelmäßige Bewegung und Obst sind z. B. protektive Faktoren für
Herz-Kreislauferkrankungen, Stillen schützt Babys vor Infektionen. Zu den allgemein erhobenen
Daten gehören neben Krankheitsstatus, Grunderkrankungen, Alter und Geschlecht oft das
Rauchverhalten und der Bildungsstand.
Man unterscheidet zwischen Beobachtungsstudien (Querschnittsstudie, Kohortenstudie, Fall-
Kontrollstudie) und Interventionsstudien.

Querschnittsstudien (engl. cross sectional study) ermitteln eine Momentaufnahme der


untersuchten epidemiologischen Daten. Durch den zeitlichen „Schnappschuss“ der
epidemiologischen Daten sind die aus der Studie gezogenen kausalen Zusammenhänge zwischen
Exposition und Erkrankung schwach und dienen mehr der Generierung von Hypothesen als deren
Verifizierung.

Längsschnittstudien (engl. longitudinal study) sind ein Überbegriff für Studien, die regelmäßig
Daten der Studienpopulation über einen längeren Zeitraum hinweg erheben. Sie entsprechen
periodisch durchgeführten Querschnittsstudien.

Kohortenstudien (engl. cohort studies) untersuchen definierte Gruppen von Menschen mit und
ohne Exposition einem Risikofaktor gegenüber über eine längere Zeit und messen am Ende des
Beobachtungszeitraums den Erkrankungsstatus. Aus der Anzahl Erkrankter unter den Exponierten
dividiert durch die Gesamtzahl an Exponierten kann das Risiko der Exponierten für diese
Erkrankung gemessen werden. Analog verfährt man für die Nicht-Exponierten. Das Verhältnis des
Risikos der Exponierten zum Risiko der Nicht-Exponierten ist das Risikoverhältnis (auch genannt
relatives Risiko oder engl. risk ratio) und gibt an, wie stark die Exposition das Risiko der
Erkrankung erhöht. Beispielsweise erhöht Rauchen von täglich 20 Zigaretten gegenüber Nicht-
Rauchen das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, um den Faktor 15. Bei prospektiven
Kohortenstudien liegen Studienbeginn und Beginn des Beobachtungszeitraums eng beieinander,
die Kohorte wird „in die Zukunft“ (prospektiv) verfolgt und der Krankheitsstatus ist noch unbekannt.
Retrospektive Kohortenstudien betrachten bereits vergangene Kohorten, hier sind die
Beobachtungen bereits abgeschlossen und der Krankheitsstatus ist bereits bekannt. Sie sind
einfacher und kostengünstiger durchzuführen als prospektive Kohortenstudien, allerdings auch
anfälliger für Verzerrer (engl. bias), speziell bei der Rekrutierung der Studienteilnehmer, die ja in
der Vergangenheit lag und nicht mehr zu beeinflussen ist. Beispiele für Kohortenstudien wäre die
Untersuchung von Lungenkrebs bei Asbestarbeitern (exponierte Gruppe) einer Firma und deren
Büroangestellten (nicht-exponierte Gruppe).

Fall-Kontrollstudien (engl. case control study) gehen methodisch den umgekehrten Weg einer
Kohortenstudie. Bei einer Fall-Kontrollstudie ist der Krankheitsstatus bekannt und die Exposition
unbekannt. Sie eignet sich insbesondere für seltene Erkrankungen, da eine Kohortenstudie sehr
viele Teilnehmer haben müsste, um eine statistisch ausreichende Anzahl Erkrankter zu erreichen.
Die Studienpopulation der Fall-Kontrollstudie besteht aus Erkrankten und Gesunden, wobei aus
statistischen Gründen auf einen Erkrankten auch zwei oder mehr Gesunde kommen können (1:2
matching, 1:n matching). Erst nach der Zuordnung zu den beiden Gruppen wird die Exposition
erfasst, um Beeinflussungen des Ergebnisses durch die Beobachter auszuschließen. Ausgewertet
wird die Chance (engl. odds) der Erkrankten, exponiert zu sein. Sie ergibt sich aus der Zahl der
Erkrankten mit Exposition dividiert durch die Zahl der Erkrankten ohne Exposition ('nicht' die
Gesamtzahl der Erkrankten). Analog wird die Chance der Gesunden berechnet, exponiert zu sein.
Die Division der Chance der Erkrankten durch die Chance der Gesunden ergibt das
Chancenverhältnis (engl. odds ratio). Es entspricht dem Faktor, um den sich die Chance erhöht,
durch die Exposition zu erkranken. In einer Fall-Kontrollstudie muss man das Chancenverhältnis
und nicht etwa das Risikoverhältnis berechnen, da man durch die willkürliche Wahl der Anzahl von
Kontrollpersonen den Nenner des Risikoterms (der Summe von a+b) verzerren würde. Hingegen

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
würde sich eine Verdoppelung von Kontrollen beim Chancenverhältnis wieder rechnerisch
herauskürzen (doppelt so viele im Zähler wie im Nenner). Bei seltenen Erkrankungen entspricht
das Chancenverhältnis dem Risikoverhältnis. Fall-Kontrollstudien sind grundsätzlich retrospektiv.

Interventionsstudien (engl. intervention studies) verfolgen ähnlich einer prospektiven


Kohortenstudie eine Population entlang der Zeit, wobei man den Einfluss einer spezifischen
Intervention, meist eine neue Behandlung oder ein neues Medikament, auf das Krankheitsrisiko
messen möchte. Vor der Studie wird die Population in den Interventionszweig und den
Kontrollzweig geteilt. Während der Studie wird dann aktiv diese Intervention (z. B. Medikament)
gegeben, während die Kontrollpopulation unbehandelt bleibt, bzw. eine nicht-wirksame
Behandlung bekommt (z. B. Placebo). Die Auswertung erfolgt ähnlich einer Fall-Kontrollstudie über
Chancenverhältnisse (engl. odds ratios). Die Zuordnung zur Behandlungsgruppe und
Kontrollgruppe ist der kritische Punkt einer Interventionsstudie, da sich die Teilnehmer in ihren
Gesundheitsparametern unterscheiden und man nur den Einfluss der Intervention und nicht dieser
Parameter messen möchte. Erfolgt diese Auswahl zufällig und damit nicht gerichtet, spricht man
von einer randomisierten, kontrollierten Studie (engl. randomised controlled trial). Diese Studien
haben eine besonders starke Kausalität in Bezug auf Intervention und Krankheitsstatus und
werden daher in der Medikamententestung eingesetzt.
Die Paläopathologie liefert Fakten zur Ver- und Ausbreitung sowie Symptomatik von Krankheiten
in historischen und prähistorischen Epochen; speziell anhand von Untersuchungen alter DNA ist
außerdem die Erforschung ausgestorbener Erregerstämme möglich. Ebenso können dank
Skelettresten Symptome und Krankheiten diagnostiziert werden, wie etwa osteolytische
Entzündungen.

Die laufende Epidemiologische Überwachung (Surveillance) der Gesundheitsbehörden zeigt kurz-


und langfristige Entwicklungen der Verbreitung von Infektions- und anderen Krankheiten auf.
Molekulare Epidemiologie, basierend auf Labordaten.

20 Definition, Aufgaben und Ziele der Arbeitsmedizin


Die Arbeitsmedizin ist jene ärztliche Disziplin, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen Arbeit,
Gesundheit und Krankheit beschäftigt.
Ziel: die physische und psychische Gesundheit bzw. die individuelle Leistungs¬- und
Arbeitsfähigkeit von Menschen bestmöglich zu erhalten und zu fördern.

Arbeitsmedizin ist Präventivmedizin.


Sie umfasst Maßnahmen:
 der Gesundheitsförderung
 der Schadensverhütung (Primärprävention)
 der Früherkennung von Risikofaktoren und Erkrankungen (Sekundärprävention)
 der beruflichen Wiedereingliederung und der Integrationgesundheitlich beeinträchtigter
Menschen (Tertiärprävention).

Sie zielt daher auf die Vermeidung bzw. Minimierung gesundheits-beeinträchtigender


Einflussfaktoren (vorrangig Verhältnisprävention) und auf die Stärkung persönlicher
Gesundheitsressourcen und die Motivation zu eigenverantwortlichem gesunden Verhalten
(Verhaltensprävention).

Aufgaben:
 Erkennen gesundheits- und leistungsrelevanter Faktoren im betrieblichen Geschehen,
 Bewertung dieser Faktoren hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen auf den Menschen
Entwicklung von Verbesserungsmaßnahmen bzw. Maßnahmen zur Gefahrenverhütung
 Mitwirkung bei der Umsetzung der Maßnahmen und Kontrolle der Wirksamkeit,
insbesondere:

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
o Planung von Arbeitsstätten
o Gestaltung der Arbeitsplätze
o Beschaffung und Änderung von Arbeitsmitteln
o Einführung und Änderung von Arbeitsverfahren
o Einführung von Arbeitsstoffen
o Erprobung und Auswahl von persönlichen Schutzausrüstungen
 Gestaltung des Arbeitsablaufes, insbesondere des Arbeitsrhythmus, der Arbeitszeit- und
Pausenregelung
 Organisation der Ersten Hilfe
 Organisation der Unterweisung und Erstellung von Betriebsanweisungen
 Beurteilung individueller gesundheitlicher Beeinträchtigungen hinsichtlich ihrer möglichen
arbeitsbedingten Ursachen sowie ihrer Auswirkungen auf die künftige Leistungs- und
Arbeitsfähigkeit
 Beurteilung der Auswirkungen allfälliger diagnostischer bzw. therapeutischer Maßnahmen
auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit

Die Arbeitsmedizin erfüllt einen wesentlichen Teil des präventiven Auftrags in dem medizinischen
Versorgungssystem. Die Gesundheit zu erhalten und zu fördern, aus dem Arbeitsleben
resultierende schädliche Einflüsse zu verhindern, Krankheiten und Gesundheitsschäden früh zu
erkennen sowie eine berufliche Wiedereingliederung nach länger dauernden krankheitsbedingtem
Ausfall zu begleiten, ist Ziel einer wirksamen Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz.

Inhalte dieses Systems sind folgende:


 Ist-Analyse
 Definition von Gesundheitszielen
 Ableitung und Anwendung von Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz
Controlling
 Qualitätssichernde Maßnahmen und Evaluation

Angesichts zunehmender Erkenntnisse über eine Vielzahl von Faktoren, die arbeitsbedingte
Erkrankungen beeinflussen, hat sich die Arbeitsmedizin in den letzten Jahrzehnten zu einem
selbständigen ärztlichen Gebiet entwickelt.
Aufgabe der Arbeitsmedizin ist es, das Verhältnis zwischen Mensch und Arbeit zu harmonisieren,
durch präventive und hygienische Maßnahmen Schäden an Leben und Gesundheit zu verhüten
sowie aufgetretenen gesundheitlichen Störungen aller Art durch den Einsatz moderner Früh- und
Feindiagnostik und umfassender Therapie in Klinik und Praxis entgegenzuwirken. Das trifft auch
speziell für die Erkennung und Behandlung der anerkannten Berufskrankheiten am Arbeitsplatz zu.
Dem Geschädigten soll die Wiederanpassung durch Rehabilitation an seine Arbeitsumwelt
erleichtert werden.

21 Wer zählt zum Arbeitsmedizinischen Personal und beschreiben Sie die Aufgaben der
Sicherheitsfachkraft
Als Arbeitsmediziner(innen) dürfen nur Personen bestellt werden, die zur selbständigen Ausübung
des ärztlichen Berufes berechtigt sind und eine vom Bundesminister für Gesundheit und
Konsumentenschutz (nunmehr: Bundesministerium für Gesundheit) anerkannte
arbeitsmedizinische Ausbildung absolviert haben.
 Der Nachweis darüber wird durch das von der Ausbildungsstelle verliehene Zertifikat
erbracht.
 Für die sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung der Arbeitnehmer(innen)
in Arbeitsstätten mit bis zu 50 Arbeitnehmer(inne)n hat der zuständige Träger der
Unfallversicherung (AUVA) Präventionszentren ("AUVA-sicher") eingerichtet. Die AUVA

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
bedient sich dabei vorrangig externer Präventivfachkräfte, die die Betreuungsleistungen in
ihrem Auftrag erbringen.

22 Beschreiben Sie den Aufgabenbereich der arbeitsmedizinischen Assistentinnen


näher
Ziel der Arbeitsmedizin ist der Erhalt und die Förderung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit der
Mitarbeiter. (Mithilfe von arbeitsmedizinischem Fach + Hilfspersonal)

Arbeitsmediziner(innen) werden lt. ASchG bei folgenden Aufgaben herangezogen:


 in allen Fragen der Erhaltung und Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz und der
Verhinderung arbeitsbedingter Erkrankungen,
 bei der Planung von Arbeitsstätten,
 bei der Beschaffung oder Änderung von Arbeitsmitteln,
 bei der Einführung oder Änderung von Arbeitsverfahren und der Einführung von
Arbeitsstoffen,
 bei der Organisation der Ersten Hilfe

Das Ziel der Arbeitsmedizin besteht in der Erhaltung und Förderung von Gesundheit und
Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Zur Erreichung dieses Ziels tragen nicht nur Arbeitsmediziner
bei, sondern auch das sogenannte arbeitsmedizinische Fach- und Hilfspersonal.

Arbeitsmedizinische Administrations-Assistenten (AAA) leisten administrative Unterstützung bei


der Planung, Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Aufgaben von Arbeitsmedizinern.
Arbeitsmedizinische Fach-Assistenten (AFA) unterstützen Arbeitsmediziner darüber hinaus auch in
operativer Hinsicht bei der Gefahrenevaluierung, der Gesundheitsüberwachung sowie der
Entwicklung und Umsetzung von Präventivmaßnahmen.
Das von der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin im Jahr 2016 publizierte Berufsbild
listet folgende Aufgaben der Arbeitsmedizinischen Administrations-Assistent(inn)en:
 AAA unterstützen bei der Vermittlung der Bedeutung von Arbeitsmedizin,
Arbeitnehmerschutz und Gesundheitsförderung, indem sie - nach Vorgabe - aktiv
kommunizieren, und wirken bei der Zusammenarbeit mit inner- und außerbetrieblichen
Ansprechpartnern mit.
 AAA bereiten Arbeitsplatzbegehungen vor, unterstützen bei der Auswertung von
Messungen und dokumentieren die Ergebnisse.
 AAA koordinieren Termine für arbeitsmedizinische Untersuchungen, stellen die benötigten
Untersuchungsinstrumente bereit, erledigen die erforderlichen Wartungs- und
Instandhaltungsarbeiten an Gerätschaften, dokumentieren die Untersuchungsergebnisse
und leiten die ärztlich vidierten Befunde an die zuständigen Stellen weiter.
 AAA erstellen unter Anleitung der Arbeitsmediziner Präsentationen zur Argumentation von
Präventivmaßnahmen und begleiten deren Umsetzung in administrativer Hinsicht.
 AAA leisten Erste-Hilfe bzw. wirken bei der Organisation der Ersten Hilfe im betrieb mit,
dokumentieren Arbeitsunfälle und unterstützen bei statistischen Auswertungen. AAA
erheben Kontakte zu externen Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen und begleiten
Projekte der betrieblichen Gesundheitsförderung in administrativer Hinsicht. AAA wirken
am Qualitäts-Management mit, führen Qualitätskontrollen in ihrem Zuständigkeitsbereich
durch und überwachen die Einhaltung der einschlägigen Bestimmungen.
 AAA unterstützen die Arbeitsmediziner(innen) in sämtlichen administrativen Belangen in
den Bereichen Eingabe und Wartung von Mitarbeiterdaten, Budgetierung, Bestell- und
Rechnungswesen, Schriftverkehr, Recherchen und Berichtswesen.
Arbeitsmedizinische Fach-Assistent(inn)en erfüllen darüber hinaus auch folgende Aufgaben:
 AFA wirken bei der Erhebung arbeitsbedingter Risiken mit, indem sie Arbeitsvorgänge
beobachten, mit den Mitarbeitern sprechen und Unterlagen und Informationen einholen.

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 AFA wirken bei der Beurteilung der Einflussfaktoren durch Messung physikalischer Größen,
durch Fragebogenerhebungen bzw. standardisierte Interviews oder sonstige
Erhebungsinstrumente mit und geben Informationen nach Rücksprache mit dem
Arbeitsmediziner weiter.
 AFA assistieren bei arbeitsmedizinischen Untersuchungen bzw. führen einzelne
Untersuchungsschritte im Rahmen ihrer fachlichen Kompetenzen und unter Kontrolle des
Arbeitsmediziners selbständig durch und initiieren nötige Schritte zur weiteren Abklärung
und Therapie.
 AFA wirken bei der Entwicklung und Umsetzung geeigneter Präventivmaßnahmen mit,
beraten und motivieren Arbeitnehmer(innen) zur Befolgung von Schutzmaßnahmen und
unterstützen bei der Kontrolle und Bewertung von Effektivität und Effizienz der
Maßnahmen.
 AFA unterstützen Arbeitsmediziner(innen) bei der Entwicklung und inhaltlichen Umsetzung
von BGF-Projekten und kommunizieren die Bedeutung von Gesundheitsförderung.

23 Beschreiben Sie den Aufgabenbereich Sicherheitsvertrauensperson näher


Bestellung erfolgt durch den Arbeitgeber auf die Dauer von 4 Jahren (bei mehr als 10 MA in einem
Betrieb, 24 stündige Arbeitsschutz-Ausbildung, Diskriminierungsschutz seitens der AG,
Kündigungs- Entlassungsschutz)

Die Sicherheitsvertrauenspersonen haben in allen Fragen der Sicherheit und des


Gesundheitsschutzes
 die Arbeitnehmer und die Belegschaftsorgane zu informieren, zu beraten und zu
unterstützen,
 die Interessen der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber, den zuständigen Behörden
und sonstigen Stellen zu vertreten(in Abstimmung mit den Belegschaftsorganen),
 die Arbeitgeber bei der Durchführung des Arbeitnehmerschutzes zu beraten,
 auf das Vorhandensein der entsprechenden Einrichtungen und Vorkehrungen zu achten
und die Arbeitgeber über bestehende Mängel zu informieren,
 auf die Anwendung der gebotenen Schutzmaßnahmen zu achten,
 mit den Sicherheitsfachkräften und Arbeitsmedizinern zusammenzuarbeiten.
Die Sicherheitsvertrauenspersonen sind bei der Ausübung ihrer Aufgaben an keinerlei Weisungen
gebunden.

24 Nennen Sie anerkannte Berufskrankheiten für das Pflegepersonal und erklären Sie
den Umgang mit Stich und Schnittverletzungen
Berufskrankeiten
 Burn out- Depression
 Infektionskrankheiten
 Erkrankungen der Haut

Umgang mit Stich und Schnittverletzungen:


 Desinfektion der betroffenen Stelle 5-10min
 weiterleiten – Meldung und Dokumentation
 Beratung und Kontrolle (Infektion)
 Pat. Status sichern, bei Verdacht auf HIV sofortiger Beginn einer medikamentösen
Therapie (Ausschluss einer SS)
 Postexpositionsprophylaxe (Hep. B)
 evtl. Testung des Pat.

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25 Was ist das AschG und welche Aufgaben hat es?


Arbeitsschutzgesetz – ein Gesetz zur Umsetzung von EU- Richtlinien zum Arbeitsschutz
Ziel ist es, Gesundheit aller Beschäftigten durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern und
zu verbessern.
Bsp. für Verordnungen: Arbeitsstättenverordnung, Baustellenverordnung,
Betriebssicherheitsverordnung, uvm…
weiters geregelt sind: Erst Hilfe, Sanitäre Vorkehrungen, Sozialeinrichtungen, Brand-
Explosionsschutz, Arbeitsräume, Verkehrswege- Fluchtwege…

Die Rechtsvorschriften des Arbeitsschutzes sollen den Schutz des Lebens und der Gesundheit der
Arbeitnehmerinnen/der Arbeitnehmer bei ihrer beruflichen Tätigkeit gewährleisten. Durch
menschengerechte Arbeitsbedingungen und einen hohen Sicherheitsstandard in den Betrieben
werden die volkswirtschaftlichen und betrieblichen Folgekosten von Arbeitsunfällen und
berufsbedingten Erkrankungen gesenkt.
Der Gesetzgeber legt Pflichten – d.h. Gebote oder Verbote – fest, für deren Umsetzung bzw.
Einhaltung die Verantwortliche/der Verantwortliche (im Allgemeinen die Arbeitgeberin/der
Arbeitgeber) zu sorgen hat.

Arbeitsschutzgesetz
Vorschriften zum Schutz von arbeitenden Menschen regeln beispielsweise:
 Den Einsatz gefährlicher Maschinen und Werkzeuge
 Den Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen wie z.B. giftigen oder entzündlichen
Chemikalien
 Belastungen durch Arbeitsvorgänge und andere Einwirkungen wie z.B. Lärm Einrichtungen
zur Gefahrenverhütung
 Die Unterweisung und Untersuchungen
 Die Gestaltung von Arbeitsplätzen, Arbeitsräumen und sanitären Anlagen
 Die Arbeitsbedingungen von Jugendlichen und Schwangeren
 Arbeitszeit und Arbeitsruhe
Das grundlegende Ziel des modernen Arbeitsschutzes ist die "Prävention", also z.B. nicht erst
handeln, wenn der Unfall geschehen ist, sondern vorher die Maßnahmen zu setzen, die die
Eintritts-Wahrscheinlichkeit eines Unfalles minimieren.
In diesem Sinne verpflichtet § 3 des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes die Arbeitgeberin/den
Arbeitgeber, in Bezug auf alle Aspekte, die die Tätigkeit der Arbeitnehmerinnen/der Arbeitnehmer
betreffen, für deren Sicherheit und Gesundheitsschutz zu sorgen. Damit diese Bemühungen
effektive und nachhaltige Wirkungen zeigen, hat die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber eine geeignete
Arbeitsschutz–Organisation bereitzustellen.
Diese Arbeitsschutz-Organisation kann je nach Betriebsgröße, Branche und vorhandener
betrieblicher Organisationsform sehr unterschiedlich gestaltet werden. Fixpunkte der Aufbau-
Organisation sind jedenfalls die gesetzlich vorgesehenen Funktionsträger, wie
Sicherheitsvertrauenspersonen und Präventivfachkräfte.
Die Arbeitgeberinnen/die Arbeitgeber haben bei der Gestaltung des betrieblichen Arbeitsschutzes
die Grundsätze der Gefahrenverhütung zu beachten.

26 Wie definiert die WHO die Gesundheitsförderung und nennen Sie Prinzipien der
Gesundheitsförderung.
Gesundheitsförderung:
Wissensentwicklung persönlicher Handlungskompetenzen und Stärkung der persönlichen
Ressourcen (Empowerment- Ansatz) behandelt aus
 ganzheitlicher Perspektive
 psychische Gesundheit
 Stressbewältigung

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung

 erfüllte Lebensgestaltung

27 Was besagt die Deklaration von ALMA ATA?


Alma Ata(1978)?internationale Konferenz zur primären Gesundheitsversorgung (Primary Health
Care)
Gesundheit=ein fundamentales Recht eines jeden Menschen.
Deklaration von Alma Ata= Ergebnis der internationalen Konferenz zur primären
Gesundheitsversorgung konzeptionelle Grundlage für dasglobaleProgrammGFA2000 Grundlage
für die Gesundheitsförderung

Dieses breite Verständnis für Gesundheit bildet die Basis für den Gesundheitsförderungsansatz
der WHO, der 1986 in der auch heute noch viel zitierten Ottawa-Charta für Gesundheitsförderung
formuliert wurde. Ausgehend von der Deklaration von Alma-Ata zur Primären
Gesundheitsversorgung (1978) ruft die Ottawa-Charta zu aktivem Handeln für das Ziel
„Gesundheit für alle" auf.
„Gesundheitsförderung zielt dabei auf einen Prozess ab, allen Menschen ein höheres Maß an
Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer
Gesundheit zu befähigen."

28 Was verstehen Sie unter dem Begriff Empowerment?

- Frage 10

29 Erklären Sie den Unterschied zwischen Gesundheitserziehung und


Gesundheitsförderung?
Gesundheitserziehung:
Wissensentwicklung im Bereich der Gesundheit eizelner Personen (bereits in der Schule)
behandelt Themen der körperlichen Gesundheit zb.: Ernährung, Bewegung, Haltung

Gesundheitsförderung:
Wissensentwicklung persönlicher Handlungskompetenzen und Stärkung der persönlichen
Ressourcen (Empowerment- Ansatz) behandelt aus ganzheitlicher Perspektive, psychische
Gesundheit, Stressbewältigung, erfüllte Lebensgestaltung

30 Wofür stehen die Buchstaben WHO, wann wurde Sie gegründet, wo ist der Sitz?
Aufgaben der WHO
Die Weltgesundheitsorganisation (englisch World Health Organization, WHO) ist eine
Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Am 22. Juli 1946 wurde die
Verfassung der Weltgesundheitsorganisation in New York verabschiedet und von 61 Staaten
unterzeichnet. Sie trat am 7. April 1948 nach der Ratifikation des 26. Unterzeichnerstaates in Kraft.
Zur Zeit zählt die WHO 194 Mitgliedsstaaten. Sie ist die Koordinationsbehörde der Vereinten
Nationen für das internationale öffentliche Gesundheitswesen.

Mission:

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung
Die Verfassung der Weltgesundheitsorganisation konstatiert, dass ihr Ziel die Verwirklichung des
bestmöglichen Gesundheitsniveaus bei allen Menschen ist. Ihre Hauptaufgabe ist die Bekämpfung
der Erkrankungen, mit besonderem Schwerpunkt auf Infektionskrankheiten, sowie Förderung der
allgemeinen Gesundheit unter Menschen auf der Welt.

Aufgaben:
 Internationale Koordination und Richtungsweisung im Gesundheitsbereich und fachliche
Zusammenarbeit der Länder untereinander.
 Sofortmaßnahmen im Katastrophenfall
 Regelmäßige Erhebung und Analyse weltweiter Gesundheitsdaten
 Entwicklung internationaler Richtlinien und Methoden
 Bekämpfung übertragbarer KH
 Programme gegen gesundheitliche Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol oder Übergewicht

31 Was wurde in der Ottawa Charta festgelegt? Welche Vorrausetzungen sind lt.
Ottawa notwendig, um Gesundheit weltweit zu fördern.
Die Ottawa-Charta beschreibt dabei drei Grundprinzipien -
1. Interessen vertreten,
2. Befähigen und ermöglichen,
3. Vermitteln und vernetzen

sowie fünf Handlungsstrategien


1. Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik
2. Gesundheitsförderliche Lebenswelten schaffen
3. Gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen unterstützen
4. Persönliche Kompetenzen entwickeln
5. Gesundheitsdienste neu orientieren,

die es Personen und Gruppen ermöglichen sollen, die Kontrolle über die Gesundheit und ihre
Determinanten zu gewinnen.
Die Verantwortung für Gesundheitsförderung liegt nicht nur bei dem Gesundheitssektor, sondern
bei allen Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die
Förderung von umfassendem Wohlbefinden hin.

32 Erläutern Sie das WHO Projekt „gesunde Städte“ anhand eines konkreten Beispiels.
Das 1986 gegründete Gesunde‐Städte Projekt der Weltgesundheitsorganisation ist ein langfristig
angelegtes Entwicklungsprojekt mit dem Ziel, Gesundheitsförderung auf die Tagesordnung der
EntscheidungsträgerInnen in den europäischen Städten zu setzten und eine Lobby für öffentliche
Gesundheit aufzubauen. Das Projekt bietet einen guten Ansatz zur Umsetzung der WHO Strategie
"Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert" auf kommunaler Ebene.

WHO‐ Projekt "Wien Gesunde Stadt"


Wien ist die einzige österreichische Stadt, die direkt am internationalen WHO‐Projekt
"Gesunde Städte" beteiligt ist.
Schwerpunkte der Projektarbeit sind u.a.:
 Schulische Gesundheitsförderung
 Altern in Gesundheit
 Unfallverhütung
 Gesundheit von Frauen
 Migration und Gesundheit

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Frageskriptum Diplom - Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung

 Herz-Kreislaufprävention
 Ernährung Gesundheitsförderung in Spitälern, Pflegeeinrichtungen sowie Seniorinnen- und
Senioreneinrichtungen

Österreichisches "Gesunde Städte" Netzwerk


Das österreichische "Gesunde Städte"- Netzwerk (ÖGSN) wurde 1992 mit 9 Städten gegründet.
Mittlerweile beteiligen sich rund 30 Städte aus allen Bundesländern am Netzwerk. Rechtsträger
des Netzwerks ist der Verein "Gesunde Städte Österreichs - Verein zur Förderung des
Gesundheitsbewusstseins in österreichischen Städten".
Hauptziele des ÖGSN sind eine bundesweite Zusammenarbeit zur Gestaltung eines gesünderen
Lebens und die Entwicklung neuer Wege in der Gesundheitsförderung.

33 Welche Strategien zur Entwicklung gesundheitsfördernder Krankenhäuser gibt es?


Beschreiben Sie deren Zusammenhänge in Stichworten.

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