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Frageskriptum Diplom - Hauskrankenpflege

1. Erläutern Sie die Geschichte, Entwicklung und die Definition der


Hauskrankenpflege
Die professionelle Pflege zu Hause musste in Österreich lange um Anerkennung
kämpfen:
Die 1980er Jahre galten als Aufbruch
 Finanzielle Mittel durch KRAZAF – Krankenanstaltenzusammenarbeitsfonds
wurde errichtet
 Wohlfahrtsorganisationen (Rotes Kreuz, Caritas) ergriffen die Initiative für die
Weiterentwicklung der Pflege zu Hause; waren auf Subventionen
(Staatszuschuss),
 Spenden und Kostenbeiträge der Kunden angewiesen
 Es fehlte die formale öffentliche und politische Anerkennung der mobilen Pflege
im Gesundheits- und Sozialwesen
 Wurde in das allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) aufgenommen
1988
 erste Studie vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG)
 Standardisierte Pflegeausbildung reichte nicht aus (erkannten die
Pflegepersonen)
 Erste einschlägige Weiterbildungen und ein ständig wachsendes
Bildungsangebot folgten
1993
 Pflegegeld im Rahmen der Pflegevorsorge eingeführt
1997
 folgte das leistungsorientierte Krankenhausfinanzierungssystem (LKF)
 Reform österreichisches Krankenpflegegesetzes – Hauskrankenpflege bekam
 im Berufsbild und in der Ausbildung öffentlichen und rechtlichen Stellenwert
 Medizinische Hauskrankenpflege ist Pflichtleistung der Krankenkassen

Definition:
Die Hauskrankenpflege betreut Menschen bei Erkrankungen aller Art und in jedem
Lebensalter zu Hause in vertrauter Umgebung.

2. Nennen Sie Aufgaben und Ziele der Hauskrankenpflege


Aufgaben:
 Zentrale, flächendeckende, bedarfsgerechte und qualitätsgerechte Arbeit
 Koordinationsstelle zwischen dem ambulanten, stationären und teilstationären
Bereich
 Sicherstellung von Information und Beratung
 Einhalten von arbeitsrechtlichen und sozialrechtlichen Aspekten
 Ermöglicht dem Klientel ein gesund werden, gesund bleiben und sterben
zuhause

Ziele:
 Entlastung der Angehörigen

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 Entlastung des Akutbereiches


 Entlastung der Langzeitinstitutionen
 Verbesserung der Lebensqualität
 Leiden lindern und Sterben in einer gewohnten Umgebung ermöglichen
 Einbezug der Familie in das Pflegewesen
 Kosteneinsparung für das Gesundheitssystem
 Vernetzung der HKP mit der klinischen Versorgung über das Case-Management

3. Beschreiben Sie die Bedeutung und Notwendigkeit der Weiterentwicklung der HKP
Der demografische Wandel zwingt vermehrtes Anbieten der HKP. Immer mehr Pflege
durch höhere Lebenserwartung/Vergreisung der Bevölkerung.
Forderung der WHO, die Gesundheitssysteme den Bedürfnissen der Bev. anzupassen.
(1988, Ottawa-Charta)

4. Was ist der ISGS und welche Aufgaben/Funktion hat dieser


Seit einem Regierungsbeschluss 1990 arbeitet das ÖBIG daran, einen
flächendeckenden Aufbau von ISGS in Österreich sicherzustellen.
Beim Modell der ISGS handelt es sich um ein Programm, das die extramuralen,
teilstationären und stationären Leistungsanbieter im Gesundheits- und Sozialwesen auf
der regionalen Ebene (Bezirke, Gemeinden) vernetzt.
Das bedeutet, dass der Impuls für die Vernetzung und Koordination von Gesundheits-
und Sozialleistungen „von oben“ (Bund, Länder, Gemeinde) kommt, die Gestaltung der
Angebotspalette aber durch die Anbieterorganisationen entsprechend der regionalen
Bedürfnislage erfolgt.

Ziel der ISGS ist es, ein koordiniertes, dauerhaftes, flächendeckendes und
qualitätsvolles Angebot von sozialen, pflegerischen und medizinischen Leistungen
sicher zu stellen durch
 Sicherung des Zugangs der hilf- und pflegebedürftigen Personen zu den für sie
adäquaten Diensten und Einrichtungen
 Vernetzung der ambulanten und stationären Leistungsangebote zur Erzielung
einer kontinuierlichen, bedürfnisgerechten und effizienten Betreuung
 Steigerung der Effizienz und Effektivität in der Leistungserbringung
 Qualitätssicherung in der Leistungserbringung
 Auf- und Ausbau der Aktivitäten zur Gesundheitsvorsorge und -förderung
 Transparenz des Leistungsangebotes und Gewährleistung des gleichen Zugangs
für
 die Betroffenen
 Stärkung des Selbsthilfepotentials und der sozialen Netzwerke

Die Aufgaben der ISGS sind,


 laufende Feststellung und Evaluierung der regionalen Versorgungssituation
 Planung und Förderung der auf Grund der Bedarfserhebung erforderlichen
extramuralen Dienste
 Koordination der AnbieterInnen und ihrer Leistungen durch
Informationsaustausch, Schaffen eines gemeinsamen Arbeitsverständnisses,
 Entwickeln einheitlicher Qualitätsstandards

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 Information und Hilfestellung für die KlientInnen bei der Inanspruchnahme von
 Leistungen
 initiieren und durchführen gemeinwesenorientierter Maßnahmen zur
Gesundheitsvorsorge und -förderung sowie Unterstützung von
Selbsthilfegruppen

Dienstleistungen der ISGS


 Basisdienste, die obligatorisch von allen Sprengeln anzubieten oder zu vermitteln
sind z. B.:
o Gesundheits- und Krankenpflegeberufe (Pflegeassistent,
Pflegefachassistent, DGKP)
o Sozialbetreuungsberufe (Heimhilfen, Fachsozialbetreuer,
Diplomsozialbetreuer, Sozialarbeiter, Diplomsozialarbeiter)
o Essen auf Rädern
o Versorgung mit Heilbehelfen
 Ergänzende Dienste, die je nach Bedarf anzubieten, zu vermitteln, bzw. die
gemeinsam mit anderen Institutionen zu organisieren sind, wie zum Beispiel:
o Psychosoziale Beratung
o Ehe- und Familienberatung
o Mütterberatung
o Erziehungsberatung
o Therapieangebote
o Frühförderung
o Besuchsdienste
o Beförderungsdienste
o Vorsorgeprogramme
o Schuldnerberatung, usw.

5. Nennen Sie regionale Organisations- und Trägerstrukturen der Hauskrankenpflege


Wien:
In Wien wird die Koordination rund um die Altenpflege durch den „Fonds Soziales Wien“
abgewickelt.
Derzeit gibt es in Wien im Bereich der ambulanten Pflege und Betreuung 25 vom Fonds
Soziales Wien anerkannte Einrichtungen, davon bieten 17 Organisationen HKP als
Dienstleistung an
In Wien sind acht Beratungszentren „Pflege und Betreuung zuhause“ eingerichtet –
Aufgabe ist beraten und organisieren von Hilfe; Casemanagement durch DGKP.
HKP – Finanzierung ist sozial gestaffelt, Zuzahlungen gibt es auf Antrag vom Fonds
soziales Wien.
Die Stadt Wien verfügt über ein flächendeckendes Netz an Sozialen Stützpunkten, von
denen aus Beratung, Information, Koordination und Leistungen erbracht werden.
Oberösterreich:
Sozialsprengel mit insgesamt 64 Sozialberatungsstellen (Informations und
Beratungsaufgaben). Für die Altenpflege sind 18 Sozialhilfeverbände zuständig. Die
Kosten sind wieder nach Einkommen gestaffelt, ebenso die Zuschüsse

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Salzburg:
In Salzburg gibt es keine Sozial- und Gesundheitssprengel und keine
Sozialhilfeverbände. 16 Anbieter der mobilen Dienste – auch private Träger. Die Kosten
für die Klienten sind sozial gestaffelt und es gibt Landeszuschüsse.
Steiermark:
Seit 2004 wurden in der Steiermark die Einzugsgebiete der mobilen sozialen Dienste
von der Ebene der politischen Bezirke auf ISGS Ebenen umgestellt. Es gibt – ohne
Graz - 72 ISGS in der Steiermark.
In der Steiermark existieren 16 Sozialhilfeverbände und das Sozialamt des Magistrats
Graz.
Die Tarife sind sozial gestaffelt u. werden von Land u. Gemeinde bezuschusst. Die
ISGS verhandeln einmal im Jahr mit den Anbietern die fixen Stundensätze aus. Die
medizinische HKP wird über Krankenkassen verrechnet.
Tirol:
Tirol hat in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und bestehenden Organisationen bis
zum Jahr 2016, 63 Gesundheits- und Sozialsprengel errichtet. Diese Sprengel
entstehen durch den Zusammenschluss von mehreren Gemeinden, die auf der Basis
eines Vereins einen Sprengel gründen. Im Regelfall wird in diesen Sprengeln ein
umfassendes Angebot der extramuralen Dienste angeboten. Die Angebote sind gleich
wie in der Steiermark mit Ausnahme des Angebots der mobilen psychiatrischen Pflege
für Senioren.
Die Kosten sind auch hier gestaffelt – die Klienten haben einen Selbstbehalt zu
bezahlen.
Ausnahme sind für das Erstgespräch, für Casemanagement u. für präventive
Seniorenberatung – hier fällt kein Selbstbehalt an!
Burgenland:
Im Burgenland sind die Anbieter die Wohlfahrtsverbände. Es gibt hier keine
Sozialhilfeverbände – das Land hat eine Richtlinie über Kosten u. Qualität der HKP
herausgegeben. Die Verwaltung sowie Administration der Pflege bleibt weitgehend der
dafür gegründeten ARGE „Hauskrankenpflege u. soziale Dienste“ und somit den
zugehörigen Organisationen überlassen.
Diese sind gemäß Qualitätskriterien zu einer adäquaten Pflege und Bereitstellung von
Diensten verpflichtet
Die Kosten sind auch hier gestaffelt und es gibt Zuzahlungen vom Land. Die Leistungen
werden im ganzen Land einheitlich verrechnet – es wird nur die reine Pflegezeit
verrechnet – keine Fahrzeiten
Kärnten:
In Kärnten wurden 1994 Gesundheits-u. Sozialsprengel geschaffen die für die
Koordination der HKP zuständig sind. Aufgabe der SGS ist die Vernetzung der sozialen
Dienste und die Überprüfung von Über- oder Unterversorgungen. Es gibt 10 SGS. Die
Sozialhilfeverbände sind für Pflegeheime zuständig.
HKP wird auch hier von den großen Wohlfahrtsverbänden angeboten.
In Kärnten müssen Personen die die mediz. HKP in Anspruch nehmen diese
vorfinanzieren und erhalten im Nachhinein den Betrag von den Kassen retour.
Niederösterreich:
In Niederösterreich übernehmen die Bezirksverwaltungsbehörden die Aufgabe d.
Sozialsprengel, es gibt keine Sozialhilfeverbände. Für Notfälle gibt es als erste
Anlaufstelle Hotlines.

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Die HKP wird auch hier von den Wohlfahrtsverbänden organisiert und geleistet, die
Kosten sind auch hier gestaffelt.
Vorarlberg:
Eine Sonderrolle spielt Vorarlberg. Dort wurden Strukturen in Form von Vereinen für die
HKP aufgebaut, der erste Verein wurde 1899 gegründet. Derzeit gibt es 66 lokale
Vereine, mit ca. 45.000 Mitgliedern versorgen das „Ländle“. Vorstände als auch Leiter
d. Vereine arbeiten hier ehrenamtlich. Die Mitglieder zahlen jährlich einen
Mitgliedsbeitrag von derzeit rund € 30,-- und haben unter Leistung von geringen
Zusatzkosten einen Anspruch auf die Dienstleistung.
Finanziert wird die HKP zu rund 38 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen, Pflegebeiträgen und
verschiedenen Aktionen der Krankenpflegevereine. Den Rest übernehmen das Land
Vorarlberg, die Sozialversicherungsträger und die Gemeinden.

6. Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen sind für die Hauskrankenpflege von


Bedeutung (Bundesgesetze, Landesgesetze)
 Steiermärkisches Sozialhilfegesetz - StSHG
 Gesundheits- und Krankenpflegegesetz - GuKG
 Steiermärkisches Sozialbetreuungsberufegesetz - StSBBG
 Allgemeines Sozialversicherungsgesetz - ASVG (Medizinische
Hauskrankenpflege gemäß § 151)

7. Nennen Sie Vor- und Nachteile für Leistungsempfänger und Pflegepersonen


Pflegepersonen:
Vorteile:
 flexible Arbeitszeit
 selbstständiges Arbeiten ist möglich
 Bezugspflege möglich, 1:1-Pflege
 keine Nachtdienste
 Miteinbeziehung und Hilfe durch die Angehörigen
Nachteile:
 anspruchsvolle Angehörige
 Zeitdruck
 Teildienste
 100%-Anstellung kaum möglich, daher weniger Geld
 hohe Verantwortung
 ergonomisches Arbeiten oft nicht gut möglich
 oft weite Strecken, viel Fahrzeit, Stress durch Stau oder Parkplatzsuche
 verschiedenartige hygienische Verhältnisse
 bauliche Gegebenheiten erschweren/verunmöglichen optimale Pflege,
Kompromisse notwendig

Leistungsempfänger:
Vorteile:
 gewohnte Umgebung, mehr Selbstbestimmung

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 kein strenges zeitliches Korsett - Tagesablauf kann weitestgehend selbst


gestaltet werden
 bestehende soziale Kontakte können bestehen bleiben
 Bedürfnisse und Vorlieben können ausgelebt werden
 Anwesenheitszeit der PP gehört uneingeschränkt dem Klienten, Klient ist im
Mittelpunkt
 weniger Regeln, braucht keine Rücksicht nehmen
 hat „seine Ruhe“
Nachteile:
 Tagesablauf an Pflegekräfte anzupassen
 keine engmaschige Observanz (ggf. Patientennotruf od. Sturzsensor erforderlich)
im Fall von Sturz oder akuten Beschwerden
 wenig Kontakt bei sozial schwachem Umfeld -> Isolation
 Stolperfallen

8. Erklären Sie die Finanzierung der HKP (Sozialhilfegesetz)


Die Leistungen der mobilen Pflege und Betreuung sind unterschiedlich finanziert. Sie
hängen von den rechtlichen Rahmenbedingungen der Länder ab. Grundsätzlich setzt
sich die Kostendeckung aus den Beiträgen der Sozialversicherung im Fall einer
„medizinischen Hauskrankenpflege“, der Länder/Gemeinden und der KlientInnen
zusammen (mit oder ohne Pflegegeldanteil)
Im Jahr 2004 wurde in der Steiermark als erstem Bundesland Österreichs ein
Normkostenmodell eingeführt, das weg von der Dienstposten- hin zur
Stundenfinanzierung ermöglichte. Es erfolgt die Leistungsverrechnung somit nach
geleisteten Einsatzstunden.
Prinzipiell gibt es vier Finanzierungsteile in der Steiermark (§20 SHG):
KlientInnenbeitrag
Der Selbstbehalt ist sozial gestaffelt und wird aus dem Einkommen der Betroffenen und
dem Einkommen der EhepartnerInnnen oder der LebensgefährtInnen berechnet (z.B.
Pension, Ausgleichszuzahlungen, Einkommen aus Liegenschaften).
Gemeindebeitrag
Die Zuzahlung der Wohnsitzgemeinde erfolgt direkt an die Trägerorganisation.
Landesbeitrag
Die Zuzahlung des Landesbeitrages erfolgt direkt an die betreuende Trägerorganisation
Sozialversicherungsträgerbeitrag
Wenn Betroffene zu Hause eine krankenhausersetzende, medizinische
Hauskrankenpflegeleistung benötigen, übernimmt die Krankenkasse pro Hausbesuch
einen einheitlichen Betrag vom Selbstbehalt. Dafür werden eine Anordnung des
Hausarztes und eine Genehmigung der Krankenkasse benötigt.

9. Was verstehen Sie unter der medizinischen Hauskrankenpflege und wie wird diese
finanziert (ASVG)
Die „medizinische Hauskrankenpflege“ ist eine zeitlich begrenzte Pflege durch den
gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege zu Hause, wenn dadurch ein

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Krankenhausaufenthalt verkürzt oder vermieden werden kann. Diese Leistung wurde


1992 gesetzlich definiert, ist im §151 des ASVG verankert und verpflichtet die
Sozialversicherungsträger Finanzierung medizinisch-pflegerischer und
krankenhausersetzender Maßnahmen.
Sie umfasst Leistungen, wie
 Wundmanagement
 Verabreichung von Injektionen und Medikamenten
 Sondenernährung
 Stomaversorgung
 Fistel und Katheterpflege
Gewährt wird medizinische Hauskrankenpflege solange es erforderlich ist, längstens
jedoch für vier Wochen. Bei medizinischer Notwendigkeit ist eine Verlängerung für
weitere vier Wochen zu beantragen.

10. Was wissen Sie über das Pflegegeld: Anspruch? Stufen? Betrag? Gesetzliche
Grundlage?
Anspruch
... auf Pflegegeld haben alle EU/EWR-Bürger in Österreich, die an einer Erkrankung
oder Einschränkung leiden die voraussichtlich eine Pflegebedürftigkeit über eine Dauer
von mindestens 6 Monaten bedingt.
Das Ansuchen kann im Internet bzw. per Post an die PVA gestellt werden.
Ein Ansuchen um Erhöhung kann in jährlichen Abständen, bei akuter Verschlechterung
(z.B. Demenzschub, Schlaganfall) mit Begründung auch früher gestellt werden.
Der Bescheid kann unter Umständen befristet sein, in diesem Fall kommt es zu einer
Nachbegutachtung ohne Terminvereinbarung.
Ein Einspruch gegen den Bescheid kann beim bei Arbeits-/Sozialgericht gestellt
werden.
Der Klient hat ein Recht auf Beiziehung einer Vetrauensperson, z.B. Familienmitglied
oder Pflegeperson.

Stufen und Betrag:


Pflegebedarf in Stunden pro Monat Pflegestufe mtl. Betrag
mehr als 65 Stunden 1 € 157,30
mehr als 95 Stunden 2 € 290,00
mehr als 120 Stunden 3 € 451,80
mehr als 160 Stunden 4 € 677,60
mehr als 180 Stunden, wenn ein außergewöhnlicher Pflegeaufwand 5 € 920,30
erforderlich ist
mehr als 180 Stunden, wenn zeitlich unkoordinierbare 6 € 1.285,20
Betreuungsmaßnahmen erforderlich sind und diese regelmäßig während
des Tages und der Nacht zu erbringen sind oder die dauernde
Anwesenheit einer Pflegeperson während des Tages und der Nacht
erforderlich ist, weil die Wahrscheinlichkeit einer Eigen- oder
Fremdgefährdung gegeben ist
mehr als 180 Stunden, wenn keine zielgerichteten Bewegungen der vier 7 € 1.688,90
Extremitäten mit funktioneller Umsetzung möglich sind oder ein gleich zu
achtender Zustand vorliegt

Gesetzliche Grundlagen:
 Bundespflegegeldgesetz (BPGG)

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 Einstufungsverordnung zum Bundespflegegeldgesetz (EinstV BPPG)

11. Welche Dienstleistungen werden im extramuralen Bereich angeboten und von


welchen Berufsgruppen erbracht?
extramural = Leistungen die nicht stationär, und müssen auch keine Pflegeleistungen
sein

12. Erläutern Sie den Aufgaben- /Kompetenzbereiche der DGKP, PA, PFA, FSB und
Heimhilfe genauer
gehobener Dienst in der Gesundheits- und Krankenpflege (DGKP):
 die pflegerischen Kernkompetenzen (§14 GuKG)
 Kompetenz bei Notfällen (§14a GuKG)
 Kompetenzen bei medizinischer Diagnostik und Therapie (§15 GuKG)
 Weiterverordnung von Medizinprodukten (§15a GuKG)
 Kompetenzen im multiprofessionellen Versorgungsteam (§16 GuKG)
 Spezialisierungen (§17 GuKG)
Pflegeassistenz (PA):
 Mitwirkung an und Durchführung der ihnen von Angehörigen des gehobenen
Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege übertragenen Pflegemaßnahmen
(§83 Abs. 2 GuKG)
 Handeln in Notfällen (§83 Abs. 3 GuKG)
 Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie (§83 Abs. 4 GuKG)
Pflegefachassistenz (PFA):
 die eigenverantwortliche Durchführung der ihnen von Angehörigen des
gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege oder Ärzten
übertragenen Aufgaben der Pflegeassistenz (§83 Abs.2 und 4 GuKG)
 das Handeln in Notfällen (§83 Abs.3 GuKG)
 die eigenverantwortliche Durchführung der ihnen von Ärzten übertragenen
weiteren Tätigkeiten im Rahmen der Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie
(§83a Abs.2 GuKG)
 die Anleitung und Unterweisung von Auszubildenden der Pflegeassistenzberufe
(§83a Abs.1, Pkt.4 GuKG)
Personenbetreuer:
 eigenverantwortlicher Bereich
o Haushaltsnahe Dienstleistungen, Unterstützung bei der Lebensführung,
Gesellschafterfunktion, Führung des Haushaltsbuches mit
Aufzeichnungen über für die betreute Person getätigte Ausgaben,
praktische Vorbereitung der betreuungsbedürftigen Person auf einen
Ortswechsel, Organisation einer Vertretung im Verhinderungsfall. (§159
GewO)
o Hilfestellung insbesondere bei der Haushaltsführung und der
Lebensführung bestehen, sowie sonstige auf Grund der
Betreuungsbedürftigkeit notwendige Anwesenheiten. (§1 Abs.3 HBeG)
o Unterstützung bei der oralen Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie
bei der Arzneimittelaufnahme, bei der Körperpflege, beim An- und

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Auskleiden, bei der Benützung von Toilette oder Leibstuhl einschließlich


Hilfestellung beim Wechsel von Inkontinenzprodukten und beim
Aufstehen, Niederlegen, Niedersetzen und Gehen, solange nicht
Umstände vorliegen, die aus medizinischer Sicht für die Durchführung
dieser Tätigkeiten durch Laien eine Anordnung durch einen Angehörigen
des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege erforderlich
machen. (§3b GuKG)
 unselbständiger Bereich
o Unterstützung bei der oralen Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie
bei der Arzneimittelaufnahme, bei der Körperpflege, beim An- und
Auskleiden, bei der Benützung von Toilette oder Leibstuhl einschließlich
Hilfestellung beim Wechsel von Inkontinenzprodukten und beim
Aufstehen, Niederlegen, Niedersetzen und Gehen. (§3b GuKG)
o Verabreichung von Arzneimitteln, Anlegen von Bandagen und Verbänden,
die Verabreichung von subkutanen Insulininjektionen und subkutanen
Injektionen von blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln, die
Blutentnahme aus der Kapillare zur Bestimmung des Blutzuckerspiegels
mittels Teststreifens, einfache Wärme- und Lichtanwendungen sowie
weitere einzelne ärztliche Tätigkeiten, sofern diese einen zu den
obengenannten Tätigkeiten vergleichbaren Schwierigkeitsgrad sowie
vergleichbare Anforderungen an die erforderliche Sorgfalt aufweisen.
(§50b ÄrzteG bzw. §15 Abs.6 GuKG)
Der Unterschied zwischen HBeG und GewO:
HBeG = Angestelltenverhältnis, also Lohnsteuerpflichtig und GKK-versichert
GewO = freies Gewerbe, also Einkommensteuerpflichtig und SVA-versichert

Die obengenannten Berufsgruppen üben ihre Tätigkeiten gemäß eines


Bundesgesetzes, also bundesweit mit dem selben Kompetenzbereich aus. Im
Gegensatz dazu üben die untengenannten Berufsgruppen ihre Tätigkeit gemäß eines
Landesgesetzes, in unserem Fall steirisches Sozialbetreuungsberufegesetz aus, für die
anderen Bundesländer gibt es hierzu ggf. Abweichungen!

Fachsozialbetreuer Altenarbeit (FSB/A):


 eigenverantwortlicher Bereich (§7 u. §8 StSBBG)
o präventive, unterstützende, aktivierende, reaktivierende, beratende,
organisatorische und administrative Maßnahmen zur täglichen
Lebensbewältigung
o Eingehen auf körperliche, seelische, soziale und geistige Bedürfnisse und
Ressourcen
o Hilfen zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung von Fähigkeiten
und Fertigkeiten für ein möglichst selbstständiges und
eigenverantwortliches Leben im Alter
o individuelle Begleitung bei der Sinnfindung und Neuorientierung in der
Lebensphase Alter
o Unterstützung bei der psychosozialen Bewältigung von Krisensituationen
o Entlastung, Begleitung und Anleitung von Angehörigen und
Laienhelfern/Laienhelferinnen
o Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen.
 unselbständiger Bereich

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o Pflegeassistenz (§83 GuKG), siehe oben


Fachsozialbetreuer Behindertenarbeit (FSB/BA):
 eigenverantwortlicher Tätigkeitsbereich (§7 u. §9 StSBBG)
o soziale Bedürfnisse: Unterstützung bei Kontakten zu anderen Menschen,
Förderung der Teilnahme am sozialen Leben und Begleitung in Fragen
der Partnerschaft und Sexualität,
o Beschäftigung/Arbeit: Interessenabklärung, Förderung und Training,
o Freizeit: Freizeitgestaltung, Entspannung und Erholung, Hobbys, Feste,
o Bildung – Persönlichkeitsentfaltung: Einsatz musisch-kreativer Mittel und
Bewegung. Förderung von Wahrnehmung, Kreativität, Sinnesschulung
und ästhetischer Bildung und
o kritische Lebensereignisse: Begleitung bei Krankheit, Trauer, Tod (z. B.
von Angehörigen) mit dem Ziel der Sinnstiftung, Sterbebegleitung.
 unselbständiger Bereich
o Pflegeassistenz (§83 GuKG) , siehe oben
Fachsozialbetreuer Behindertenbegleitung (FSB/BB):
 eigenverantwortlicher Tätigkeitsbereich
o siehe FSB/BA
 unselbstständiger Tätigkeitsbereich (§3a GuKG)
o Unterstützung bei der Basisversorgung (Körperpflege, An-/Auskleiden,
Nahrungs-/Flüssigkeitsaufnahme, Tätigkeiten im Zusammenhang mit
Ausscheidungen, Förderung der Bewegungsfähigkeit, Positionieren) gem.
o Unterstützung bei der Einnahme und Anwendung von Arzneimitteln
Heimhilfe (HH): §3a GuKG
 eigenverantwortlicher Tätigkeitsbereich (§11 StSBBG)
o hauswirtschaftliche Tätigkeiten (insbesondere für Sauberkeit und Ordnung
in der unmittelbaren Umgebung der betreuten Person zu sorgen),
o Beheizen der Wohnung, Beschaffen des Brennmaterials,
o Unterstützung bei Besorgungen außerhalb des Wohnbereiches (Einkauf,
Post, Behörden, Apotheke u. a.),
o Unterstützung bei der Zubereitung und Einnahme von Mahlzeiten,
o einfache Aktivierung (z. B. Anregung zur Beschäftigung),
o Förderung von Kontakten im sozialen Umfeld,
o hygienische Maßnahmen (z. B. Wäschegebarung),
o Beobachtung des Allgemeinzustandes und rechtzeitiges Herbeiholen von
Unterstützung durch andere Berufsgruppen,
o Unterstützung von Pflegepersonen,
o Dokumentation,
 unselbstständiger Tätigkeitsbereich (§3a GuKG)
o Unterstützung bei der Basisversorgung (Körperpflege, An-/Auskleiden,
Nahrungs-/Flüssigkeitsaufnahme, Tätigkeiten im Zusammenhang mit
Ausscheidungen, Förderung der Bewegungsfähigkeit, Positionieren)
o Unterstützung bei der Einnahme und Anwendung von Arzneimitteln

13. Nennen Sie vorhandene Ressourcen, Belastungen und auch Motive zur
Übernahme der Pflege im Familiensystem

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80% aller pflegebedürftigen Personen werden zu Hause versorgt, meist von Töchtern
bzw. Schwiegertöchtern aber auch von Ehefrauen od. Lebenspartner
Rund 2/3 d. Pflegenden wohnen im selben Haushalt, der Rest d. Pflegenden meist in
der Nähe.
Kaum jemand ist auf die Pflege des Angehörigen vorbereitet, nur wenige haben einen
Kurs besucht.
Ziel der HKP ist es, die Selbstpflegefähigkeit des Pflegebedürftigen und seines sozialen
Umfeldes zu stärken, zu erhalten und den Pflegebedarf in allen Lebensphasen zu
beantworten.

14. Definieren Sie die Rolle der Pflegeperson in Bezug auf die Familie als Pflegesystem
und nennen Sie mögliche Konfliktfelder.
Durch die verschiedenen Lebenswelten und Familiensysteme in der mobilen Pflege
nehmen Pflegepersonen unterschiedliche Rollen ein:
 Bestimmende Autorität
 Vertrauensperson
 FörderIn
 HelferIn
 KompensatorIn
 Kind
 LückenbüßerIn
 BeschützerIn
 ZuhörerIn
 Fürsorgende, usw.

Zur Herstellung einer zufrieden stellenden Pflegebeziehung müssen Pflegepersonen


herausfinden, welches Verhalten, welche Rolle in den individuellen Situationen
angenommen werden soll und wie sich dies auf die Pflegebeziehung und das Umfeld
der KlientInnen auswirkt.
Während des gesamten Pflegeprozesses muss das persönliche Rollenverhalten immer
wieder neu überdacht und im Team besprochen werden.
Dabei ist die Pflegeperson nicht immer nur „Gebende“.
Auch KlientInnen tragen ihren Teil zur Steigerung der Lebensqualität bei. Dabei müssen
die Pflegepersonen immer daran denken, dass die Leistungen in der mobilen Pflege
von den KlientInnen bezahlt oder zu mindestens mitfinanziert werden. Dieser Umstand
stärkt die Position der KlientInnen und macht die Pflege- und Betreuungspersonen zu
Gästen, die eine Dienstleistung erbringen.
Die Pflegeperson hat in allen Rollen Neutralität zu wahren.

15. Welche Bedeutung hat die Veränderung der Familienstruktur und die
demographische Entwicklung der Bevölkerung auf die HKP?

16. Erklären Sie den Unterschied zwischen HKP und stationärer Pflege
 Angehörige müssen einbezogen werden
 durch lange Betreuungszeiten Nähe/Distanz

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 mit dem Auto unterwegs


 nur einen Patienten
 alleine beim Patienten = viel Eigenverantwortung (Entscheidungen treffen),
alleine arbeiten (heben; Sturzgefahr)
 Klient bezahlt für die Leistung! Er ist König
 Eindringen in die „Privatsphäre“ des Patienten – Gast sein im Haus
 Patient / Klient hat mehr Mitspracherecht
 schwieriger gute Qualität des Informationsflusses zu gewährleisten
 „Eigenheiten“ der Patienten und Angehörigen akzeptieren (darf keine gefährliche
Pflege entstehen)
 interdisziplinäre Zusammenarbeit
 familiäre Konflikte
 soziales, ökonomisches und strukturelles Umfeld (Improvisation)
 Hygienemaßnahmen (Waschen, Wäsche, Umfeld...)
 Schriftliche Dokumentation (gegenzeichnen Pp, Arzt, Angehörige,
Sozialarbeiter...)

17. Wer hat Anspruch auf die HKP und wie und von wem wird diese angefordert?
Anspruch auf HKP haben...
 Menschen die aufgrund einer Krankheit/ Behinderung nicht (mehr) in der Lage
sind, ohne pflegerische Betreuung ein selbstständiges Leben in ihrer gewohnten
Wohnumgebung zu führen,
 Menschen, die aufgrund einer akuten Erkrankung pflegerische Betreuung
benötigen, für die ein Krankenhausaufenthalt aber aus medizinischen Gründen
nicht unbedingt erforderlich ist und
 Menschen deren körperliche oder psychische Verfassung nach einem
Krankenhausaufenthalt erfordert, dass die medizinische Pflege fortgesetzt wird.

Anforderung der HKP allgemein


Die Hauskrankenpflege kann vom Klienten, Angehörigen, Nachbarn, Ärzten, stationären
Einrichtungen (Pflegepersonen, Sozialarbeiter...) angefordert werden.

18. Wie funktioniert die Organisation und Planung der Betreuung zu Hause, erklären
Sie kurz den Ablauf
 meist telefonische Anfrage – es wird ein Termin für den Erstbesuch ausgemacht
 Erstbesuch macht immer DGKP
 Pflegeperson klärt über das Angebot der HKP auf und klärt ab was der Klient
benötigt (Grobeinschätzung)
 Es wird ein Vertrag unterschrieben
 DGKS/DGKP führt das RAI – Assesement durch (innerhalb von 14 Tagen)
 Pflegediagnosen werden erstellt
 Pflegeziele u. Pflegemaßnahmen sollten immer mit d. Klienten u. Angehörigen
abgesprochen werden.
 Voraussichtlicher Pflegebedarf wird erhoben
 Es wird festgelegt welche Pflegekräfte benötigt werden, aber auch ca. wie viele
Wochenstunden.

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19. Definieren Sie die Begriffe Case- und Caremanagement. Nennen Sie Ziele,
Aufgaben und Kernfunktionen.
Case-Management
Das Case Management stellt eine Person und deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt.
Sie hat zum Ziel, die Koordination der Behandlung zu fördern (optimale zeitliche
Verzahnung aller Gesundheitsleistungen), die Qualität zu sichern und die Kosten zu
senken.
Wartezeiten und Behandlungsunterbrechungen sollten vermieden werden und ist
besonders sinnvoll bei chronisch Erkrankten.
Dies setzt die Vernetzung und optimale Abstimmung (Koordination) aller Beteiligten
voraus. Für diese Vernetzung hat sich in den letzten Jahren der Ausdruck „Case
Management“ eingebürgert. (case, engl. bedeutet übersetzt: Fall, Sache oder
Angelegenheit)
Das Case-Management übernimmt also die Verknüpfungsaufgabe zwischen den
Anbietern von Diensten und den Klienten in ihren sozialen und gesundheitlichen
Belangen.
Wichtig ist: früh genug mit dem Case Management zu beginnen, denn der Zeitaufwand
für die Organisation ist nicht zu unterschätzen.

Ziele des Case - Managements:


 eine möglichst reibungslose, schnelle und unbürokratische Hilfe für
pflegebedürftige Menschen zu ermöglichen.
 Individuelle Versorgungsbedürfnisse müssen gedeckt werden.
 Dies gelingt durch:
o Erhebung, Feststellung des Ist-Zustandes
o Entwicklung und Umsetzung des individuellen Versorgungsplanes
o Überprüfung und Evaluation der Versorgung
Prinzipien des Case – Managements:
 Nutzenorientierung
 Handeln nach Vereinbarung
 prozedurale Fairness
 Produktorientierung
 Qualitätsmanagement
 Versorgungsmanagement
 Koordination und Kooperation Rationalisierung
zuständige Personen
Case Manager können entspr. zertifizierte Pflegepersonen, Sozialarbeiter und Ärzte
sein.
Wichtigster Punkt ist das Schnittstellenmanagement:
 Kooperation zwischen Krankenhausärzten und Hausärzten ... Es treten immer
wieder Probleme im Bereich Einweisung und Entlassung auf, häufig fehlt es an
frühzeitiger und gezielter gegenseitiger Information über den bisherigen
Krankheitsverlauf und die soziale Situation des Patienten...
 Kooperation zwischen Krankenhauspflege und ambulanter Pflege ... Meist fehlen
grundsätzliche Informationen über wichtige Angebote und Qualifikationen der

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potentiellen Partner. Es mangelt auch bereits an der Kommunikation, was oft auf
unzureichende Organisationszeiten zurückzuführen ist – darf aber keine Ausrede
sein.
 Kooperation zwischen Laien und professionell Pflegenden Patienten ... wissen
häufig nicht selbst bescheid, über Möglichkeiten der ambulanten Versorgung,
Zentrale Ansprechpartner gibt es oft zu wenige für Patienten und/oder
Angehörige

Care Management
 kümmert sich um die bedarfsorientierte Versorgung in einer bestimmten Region,
zB. Gemeinde, Bezirk, für eine spezifische Bevölkerungsgruppe, wie eben
pflegebedürftige Menschen.
 Externe + interne Kooperationsbeziehungen sollen aufgebaut werden
 Die Zusammenarbeit von Hausarzt, Hauskrankenpflege, Krankenhaus,
hauswirtschaftlicher Dienst, Bandagisten, Apotheker, uvm. soll so verbessert u.
ermöglicht werden
 Es soll ein kostengünstiges medizinisches u. pflegerisches Versorgungsangebot
mit hoher Qualität sichergestellt sein.
 Veränderungen die zu erwarten sind muss rechtzeitig vorbereitet werden und
vorausschauend geplant werden, z.B. Veränderungen d. Sichtweisen, kulturelle
Einflüsse – immer mehr ist jetzt schon die transkulturelle Pflege ein Thema.

20. Nennen Sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Casemanagementprozess


und Pflegeprozess.
gestrichen

21. Nennen Sie adäquate Pflegemodelle für den extramuralen Bereich und erklären
Sie das Modell Orem genauer.
Dorothea E. Orem, Professorin für Pflegepädagogik (USA), geht von einem
ganzheitlichen Menschenbild aus. Mit Körper, Seele und Geist ist der Mensch in der
Lage, zwei Formen von Fürsorge wahrzunehmen:
1. Self-Care und
Selbstfürsorge ist die erlernte, zielgerichtete Aktivität von Individuen, um Faktoren zu
regulieren, die ihre eigene Entwicklung oder lebenswichtigen Funktionen, ihre
Gesundheit oder ihr Wohlbefinden beeinträchtigen.
Das heißt die Fähigkeit eines Menschen selbst für seine Gesundheit und sein
Wohlbefinden zu sorgen. Diese Fähigkeit muss erst erlernt werden.
2. Dependent-Care
Abhängigenpflege ist die erlernte, zielgerichtete Aktivität von Individuen, um Faktoren
zu regulieren, die ihre eigene Entwicklung oder lebenswichtigen Funktionen, die ihre
Gesundheit oder das Wohlbefinden von Säuglingen, Kleinkindern oder anderen
abhängigen Individuen beeinträchtigen.
Das heißt die Fähigkeit des Einzelnen, dem Selbstpflegebedarf für jemand anderen,
gerecht zu werden. Diese komplexe Fähigkeit wird im Laufe des Lebens erlernt und
verfeinert.

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Frageskriptum Diplom - Hauskrankenpflege

Ist die Selbstfürsorge eingeschränkt, nimmt das Individuum Hilfe von Außen in
Anspruch. Es besteht also ein Selbstfürsorgedefizit, durch welche Ursachen auch
immer.

Nach der Vorstellung von Orem beherrschen Menschen die Selbstpflege, die sie in der
Auseinandersetzung mit ihrem sozialen Umfeld erlernt haben (Selbstpflegekompetenz).
Sind sie auch in der Lage, diese Kompetenz umzusetzen, spricht man von
Selbstpflegefähigkeit.
Die Selbstpflegekompetenz ist nicht immer gleich ausgeprägt, denn sie ist abhängig von
verschieden Faktoren, wie z.B.: Alter, Geschlecht, soziokulturelle Orientierung,
Gesundheitszustand, ...
Befinden sich Selbstpflegeerfordernisse und Selbstpflege im Gleichgewicht, ist der
Mensch gesund.
Wird dieses Gleichgewicht gestört, z.B.: durch eine Veränderung der Lebenssituation
mit Einschränkung der Selbstpflegefähigkeit oder geänderten
Selbstpflegeerfordernissen, entsteht ein Selbstpflegedefizit.

Die möglichen Ursachen eines Selbstpflegedefizits:


 Ungenügendes Wissen des Patienten
 Fehlende Fähigkeiten des Patienten
 Fehlende Motivation des Patienten zur Selbstfürsorge
 Der individuelle Entwicklungsstand des Patienten

Dorothea Orem macht die Notwendigkeit professioneller Pflege also davon abhängig,
ob ein Selbstpflegedefizit vorliegt, das nicht von dem Betroffenen selbst oder seiner
Bezugsperson kompensiert werden kann. Damit entfällt die unmittelbare Koppelung an
eine Erkrankung.

Selbstpflegeerfordernisse (Domänen)
sind nach ihrer Bedeutung hierarchisch geordnet und von außen beeinflussbar:
1. Ausreichende Zufuhr von Luft
2. Ausreichende Zufuhr von Wasser
3. Ausreichende Zufuhr von Nahrung
4. Ausscheidungsprozesse
5. Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhe
6. Gleichgewicht zwischen Alleinsein und sozialer Interaktion
7. Abwendung von Gefahren
8. Förderung menschlicher Lebensweise und Entwicklungsprozesse

Methoden und Systeme


 Handeln für den Pflegebedürftigen
 Anleiten
 Körperliche und seelische Unterstützung
 Schaffung einer Umgebung, die der persönlichen Entwicklung dient
 Unterrichten des Pflegebedürftigen

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Pflegesysteme
Unterstützung der Selbstpflege (unterstützend – erzieherisches System)
 insbesondere durch Aufklärung und Schaffung eines geeigneten Umfelds
 Regulierung und Entwicklung der Selbstpflegekompetenz
 Durchführung der Selbstpflege
Teilweise kompensatorische Pflege
 Nur das für jemanden tun, was dieser nicht selbst kann, ansonsten aktivierend
pflegen
 Unterstützung des Patienten bei Bedarf.
 Durchführung von Pflegmaßnahmen für den Patienten.
 Kompensation der Selbstpflegeeinschränkung des Patienten.
 Akzeptieren der Unterstützung und Pflege der Pflegepersonen.
 Durchführung eigener Selbstpflegemaßnahmen.
 Regulierung der Selbstpflegekompetenz.
Kompensatorische Pflege
 Etwas für jemanden tun, der dies nicht selbst kann
 Unterstützung und Schutz des Patienten.
 Durchführung der situativen Selbstpflege für den Patienten
 Kompensation des Unvermögens des Patienten, Selbstpflege durchzuführen.

Der Schweregrad des Selbstpflegedefizits bestimmt, welches Pflegesystem zur


Anwendung kommt.

Aufgaben für die Pflege:


 Herausfinden, inwieweit der Patient in der Lage ist, seine Probleme selbst zu
lösen.
 Prüfen, inwieweit es die Verfassung des Patienten zulässt, an der Selbstfürsorge
beteiligt zu werden.
 Ermitteln der Ressourcen des Erkrankten.

Orems Modell der Selbstfürsorge im Pflegeprozess


 1.Phase – Einschätzung, ob die Hilfe der Pflegeperson überhaupt erforderlich ist.
 2.Phase – Planung, Ziele werden definiert
 3. Phase – Handlung (Pflegemaßnahmen), Ziel ist die Aufrechterhaltung bzw.
Wiederherstellung der Selbstfürsorge
 4.Phase – Zielkontrolle (Evaluation), Bewertung

Orems Modell richtet das Augenmerk auf die Selbstpflegedefizite und -erfordernisse
des Gepflegten und seinem sozialen Umfeld (zieht die Dependenzpflege mit ein).
Ausgehend von den Ressourcen wird ein Pflegesystem etabliert, das von „nur“
erzieherisch unterstützend über teilweise bis ganz die Defizite des Gepflegten nur
soweit wie notwendig ausgleicht.
Selbstpflegekompetenz wird von Kind auf erlernt und nimmt im Alter bzw. durch
Zunahme von Krankheiten wieder ab.

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22. Nennen Sie adäquate Pflegemodelle für den extramuralen Bereich und erklären
Sie das Modell Friedemann genauer.
gestrichen

23. Nennen Sie adäquate Pflegemodelle für den extramuralen Bereich und erklären
Sie das Modell Watson genauer.
gestrichen

24. Nennen Sie adäquate Pflegemodelle für den extramuralen Bereich und erklären
Sie das Modell Peplau genauer.
1952 beschreibt Hildegard Peplau die Interaktion des Beziehungsaufbaus zwischen Pflegenden
und Patienten. Es gilt als erste umfassende Pflegetheorie, nach Peplau ist Pflege ein
"signifikanter, therapeutischer, zwischenmenschlicher Prozess".
Pflege wirkt erzieherisch und fördernd auf den Patienten und unterstützt ihn sein Leben ins
Gleichgewicht zu bringen.
Peplau sagt, Gesundheit ist dann gegeben, wenn der Mensch fähig ist zu kreativer,
konstruktiver, produktiver, persönlicher und gemeinschaftlicher Lebensführung.

Peplau gliedert den Pflegeverlauf in 4 Phasen:


1. Orientierungsphase
 Anfang der Beziehung -> Beziehungsaufbau
 Der Patient sucht nach professioneller Unterstützung und wendet sich an die Pflegekraft
 Pflegekraft = Zuhörer
 Gemeinsam werden die Probleme des Patienten bewertet

2. Identifikationsphase
 Vertrauen und Sympathie zwischen Pflegeperson und Patienten sind unerlässlich, ohne
diese kann keine vollständige Genesung stattfinden.
 In dieser Phase entsteht ein Gefühl der Sicherheit, die das Lernen und die Entwicklung
fördert.
 Je nachdem, wie groß das Vertrauen und die Sympathie zwischen Pflegeperson und
Patienten ist, unterscheidet Peplau in dieser Phase drei Reaktionsmuster:
1.) Wechselseitige Abhängigkeit (Zusammengehen mit der Pflegekraft)
2.) Unabhängigkeit (mit Isolation oder einer Gegenreaktion auf das Hilfsangebot)
3.) Abhängigkeit (Hilflosigkeit und Regression)

3. Nutzungsphase / Explorationsphase
 Es erfolgt eine einvernehmliche Zusammenarbeit zwischen Pflegeperson und Patient.
 Der Patient trifft im Bezug auf Behandlungen und Hilfen seine eigenen Entscheidungen.
 Rolle der Pflegekraft ist beratend und reflektierend -

4. Ablösung

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 Der Patient verfügt nun über effektive Problemlösungsstrategien und die Fähigkeit, diese
eigenständig anzuwenden.
 Die Pflegekraft fördert die Reintegration des Patienten in die Gesellschaft.
 Das Ende der Ablösungsphase ist die Beziehung zwischen Patient und Pflegekraft beendet.

Die Rollen der Pflegekraft


Fremde/ Unbekannte:
die Pflegekraft ist unvoreingenommen und vorbehaltlos gegenüber dem Patienten.
Wertschätzung, emotionale Offenheit und maximale Aufmerksamkeit sind die Attribute dieser
Rolle.
Informant/ Ressource:
Die Pflegekraft gibt alle nötigen Informationen über die Behandlung der Gesundheitsprobleme.
Sie unterscheidet zwischen den reinen Informationsfragen und solchen, hinter denen
emotionale Probleme stehen und ihr Rat gefragt ist.
Lehrender:
Die Basis ist die Überzeugung, dass der Patient unterstützt werden soll durch positive
Erfahrungen zu lernen. Hier ergibt sich eine Kombination aller Rollen. Frau Peplau
unterscheidet zwischen der pädagogischen Kategorie, dem Instruieren und Informieren und
dem experimentellen Lehren, eigene Erfahrungen werden zu weiterem Lerninhalt.
Beratende:
Beratung ist die Reaktion auf die vom Patienten geäußerten Wünsche und Bedürfnisse. Der
Patient soll verstehen, was mit ihm geschieht, so dass er diese Erfahrungen in sein Leben
integrieren kann. Nach Peplau ist dies einer der wichtigsten Rollen in der professionellen
Pflege. Lernen wird der Pflegekraft und dem Patienten in gleicher Weise möglich. Umso
wichtiger ist es, dass sich die Pflegekraft ihrer Rolle bewusst ist, sie kann ihre Rolle wechseln,
um den Patienten das Erlernen neuer Verhaltensweisen zu ermöglichen. Sie kann die Rolle
aber auch behalten, wenn dies zu einer notwendigen Reduzierung der Angst führt. Zur Theorie
von Frau Peplau gehört auch die Darstellung der Einflüsse auf Pflegesituationen, auf der
Grundannahme von Bedürfnissen.
Stellvertretung/ Ersatzperson:
Die Verhaltensweisen der Pflegepersonen verursachen beim Patient Gefühle, die ihn an andere
Personen erinnern. In dieser Phase definieren beide die Bereiche: Projektion, Abhängigkeit,
Unabhängigkeit und gegenseitige Abhängigkeit. Hierzu gehört ein hohes Maß an persönlicher
Stärke, Sensibilität und Selbsterfahrung.
Führungsperson:
Diese Rolle sollte im Sinne demokratischen Führungsstils wahrgenommen werden, der Patient
als Partner und aktiv Beteiligter. Die Fähigkeit sich als demokratisch handelnde
Führungsperson zu verhalten, wird bereits in der Ausbildung unterstützt.

Pflegebündnisse
Aktiv-Passiv-Bündnis
Die Pflegekraft trifft sämtliche Entscheidungen bezüglich der Pflege, dies sollte aber nur in
extremen Situationen (tiefe Bewusstlosigkeit, Koma, etc.) geschehen.
Experten Bündnis

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Die Pflegekraft ist nur beratend tätig, der Patient kann selbst entscheiden ob er dem Rat der
Pflegekraft Folge leistet
Kooperatives Bündnis
Pflegekraft und Patient kooperieren, es wird miteinander abgestimmt was, wann, wie
durchgeführt wird.

Schlüsselaufgaben der Pflege nach Peplau


 Beobachtung
 Kommunikation
 Dokumentation

25. Erläutern Sie die Entwicklung der HKP im Kontext der gesamten
Gesundheitsversorgung und der demographischen Entwicklung.

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